How does one Develop an Understanding of the Spiritual World
The influx of spiritual impulses from the world of the deceased
GA 154
26 May 1914, Paris
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Wie erwirbt man sich Verständnis für die geistige Welt?
6. Die Geisteswissenschaft als Zusammenfassung von Wissenschaft, Intelligenz und hellsichtiger Forschung
6. Die Geisteswissenschaft als Zusammenfassung von Wissenschaft, Intelligenz und hellsichtiger Forschung
[ 1 ] Sprechen möchte ich heute von dem Gesichtspunkte aus, daß wir in der Gegenwart in einer Zeit leben, in welcher die menschliche Entwickelung es notwendig macht, daß die Erkenntnis des geistigen Lebens sich auf ähnliche Grundlagen stelle, wie sich vor drei bis vier Jahrhunderten die Erkenntnis der äußeren Natur gestellt hat. Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, fühlt sich von dem Impuls durchdrungen, für den Geist und seine Erkenntnis etwas Ähnliches zu leisten, wie in ihrer Zeit für die Erkenntnis der äußeren Natur geleistet haben Persönlichkeiten wie Kopernikus, Galilei, Giordano Bruno. Derjenige, welcher sich von einem solchen Impuls durchdrungen fühlt, muß sich allerdings damit abfinden, daß in unserer Zeit die hier gemeinte Geisteswissenschaft Widerstände und Anfeindungen der gleichen Art erfährt, wie die angedeutete naturwissenschaftliche Erkenntnis und Vorstellungsart erfahren haben, und daß sich diese geisteswissenschaftliche Richtung ebenso langsam und unter ebensolchen Schwierigkeiten dem Kulturleben einverleiben wird, wie dies bei der anderen, ihr verwandten Richtung der Fall war.
[ 1 ] Sprechen möchte ich heute von dem Gesichtspunkte aus, daß wir in der Gegenwart in einer Zeit leben, in welcher die menschliche Entwickelung es notwendig macht, daß die Erkenntnis des geistigen Lebens sich auf ähnliche Grundlagen stelle, wie sich vor drei bis vier Jahrhunderten die Erkenntnis der äußeren Natur gestellt hat. Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, fühlt sich von dem Impuls durchdrungen, für den Geist und seine Erkenntnis etwas Ähnliches zu leisten, wie in ihrer Zeit für die Erkenntnis der äußeren Natur geleistet haben Persönlichkeiten wie Kopernikus, Galilei, Giordano Bruno. Derjenige, welcher sich von einem solchen Impuls durchdrungen fühlt, muß sich allerdings damit abfinden, daß in unserer Zeit die hier gemeinte Geisteswissenschaft Widerstände und Anfeindungen der gleichen Art erfährt, wie die angedeutete naturwissenschaftliche Erkenntnis und Vorstellungsart erfahren haben, und daß sich diese geisteswissenschaftliche Richtung ebenso langsam und unter ebensolchen Schwierigkeiten dem Kulturleben einverleiben wird, wie dies bei der anderen, ihr verwandten Richtung der Fall war.
[ 2 ] Um dasjenige auszuführen, was von diesem Gesichtspunkte aus zu sagen ist, muß ich allerdings den Ausgangspunkt nehmen davon, daß die Quellen der Erforschung des geistigen Lebens in einer Verrichtungsweise des menschlichen Geistes liegen, die heute noch in weitesten Kreisen unbekannt oder wenigstens unbeliebt ist. Dasjenige, was man hellsichtige Forschung nennt, ist durchaus die Grundlage jener Geisteswissenschaft, von deren Gesichtspunkt aus ich heute abend zu Ihnen sprechen möchte.
[ 2 ] Um dasjenige auszuführen, was von diesem Gesichtspunkte aus zu sagen ist, muß ich allerdings den Ausgangspunkt nehmen davon, daß die Quellen der Erforschung des geistigen Lebens in einer Verrichtungsweise des menschlichen Geistes liegen, die heute noch in weitesten Kreisen unbekannt oder wenigstens unbeliebt ist. Dasjenige, was man hellsichtige Forschung nennt, ist durchaus die Grundlage jener Geisteswissenschaft, von deren Gesichtspunkt aus ich heute abend zu Ihnen sprechen möchte.
[ 3 ] Nicht nur dadurch, daß man Vorurteil über Vorurteil entgegenbringt demjenigen, was hellsichtige Forschung genannt werden kann, bringt man diese hellsichtige Forschung in Mißkredit. Auch der Umstand bringt sie in Mißkredit, daß mit dem Begriff, der Idee dieser hellsichtigen Forschung in der Gegenwart viel Mißbrauch getrieben wird. Deshalb will ich gleich von vornherein bemerken, daß ich allerdings nicht sprechen werde von dem Gesichtspunkt okkulter Erkenntnisse, wie sie so häufig heute scharlatanhaft angepriesen werden, sondern von jener hellsichtigen, okkulten Erkenntnis, zu der sich auch bekennen kann ein Mensch, der heute völlig auf dem Standpunkt ernster naturwissenschaftlicher Forschung steht und die Ergebnisse echter naturwissenschaftlicher Tatsächlichkeiten zur Grundlage seines Wissens macht. In bezug auf die innere Logik, in bezug auf die Art des Denkens, liegt die hier gemeinte Geisteswissenschaft durchaus in der Strömung darinnen, die durch die naturwissenschaftlichen Vorstellungen angeschlagen worden ist. In bezug auf das Gebiet, durch das Gebiet, das ihr obliegt, unterscheidet sie sich allerdings wesentlich von der Naturwissenschaft, denn die Naturwissenschaft bezieht sich auf das äußere Sinnesleben, auf die physischen Tatsachen der Umwelt, Geisteswissenschaft aber auf dasjenige Feld, das der Naturwissenschaft notwendigerweise verborgen bleiben muß, auf das Feld geistiger Erlebnisse und geistiger Wesenheiten. Deshalb ist es auch unmöglich, mit denjenigen menschlichen Fähigkeiten und Methoden, mit denen man in der Naturwissenschaft immer größere und größere Triumphe in den letzten Jahrhunderten gefeiert hat und in unserer Zeit feiert, das Feld der geistigen Tatsachen und geistigen Wesenheiten zu erforschen. Für die Erforschung der Natur werden in der Tat nur in Anspruch genommen diejenigen geistigen Kräfte und Fähigkeiten, die dem Menschen dadurch eigen sind, daß er in diese Welt in einer gewissen Weise hineingestellt ist und durch seine Mitmenschen in der normalen Weise für gewisse Fähigkeiten erzogen und angeleitet wird. Mit diesen angeborenen und anerzogenen Fähigkeiten, die vollständig ausreichen für die äußeren Wissenschaften, kann man keine Erkenntnisse für die geistige Welt gewinnen. Dazu ist notwendig, daß Fähigkeiten herausgeholt werden aus der menschlichen Seele, die im gewöhnlichen, im sogenannten normalen Menschenleben in den Tiefen des menschlichen Wesens gleichsam schlummern, ruhen, man könnte sagen, um einen wissenschaftlichen Ausdruck zu gebrauchen, latent sind. Alle die Anstrengungen und Methoden, die der Mensch sich auferlegt, um die äußere Tatsachenwelt zu durchforschen in der Weise, wie es ihm unmittelbar im Leben möglich ist, alle diese Anstrengungen verwendet er als Geistesforscher zunächst gar nicht zu einer Forschung, sondern dazu, die eigene Seele in eine solche Lage zu versetzen, daß die in ihr schlummernden Fähigkeiten und Kräfte für die spirituelle, für die geistige Welt zum Vorschein kommen, und erst nachdem sie durch die gewöhnlichen Menschenkräfte herausgeholt sind, für die Erkenntniskräfte der höheren Welt wirksam werden. Wir wenden zum Beispiel unsere Vorstellungen, die wir uns in der Seele bilden können, im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft an, um uns Erkenntnisse der Außenwelt zu verschaffen. Dies kann man als Geistesforscher zunächst nicht tun. Da muß man anwenden sein Vorstellungsleben zu solchen Anstrengungen, die ganz im Innenleben verlaufen und die den Erfolg bezwecken, ganz andere Fähigkeiten zu entwickeln, als im gewöhnlichen Leben da sind. Ich möchte, um mich über diesen Punkt völlig verständlich zu machen, zu einem Vergleich meine Zuflucht nehmen, nicht um dadurch zunächst etwas zu beweisen, sondern um zu verdeutlichen, was ich gesagt habe. Ich möchte sagen, die Übereinstimmung der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, mit der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart zeigt sich eben darin, daß diese Geisteswissenschaft versucht, durch eine Art geistiger Chemie einzudringen in die geistigen Welten. Wenn wir Wasser vor uns haben, so sieht man diesem Wasser nicht an, daß der Chemiker in die Lage kommt, dieses Wasser zu scheiden in Wasserstoff und Sauerstoff. Wasser ist flüssig, Wasser brennt nicht. Der Wasserstoff, den der Chemiker abscheidet, ist ein Gas, er brennt, er ist etwas ganz anderes. Das ist dasjenige, was ich zum Vergleich heranziehen möchte für einen Vorgang des geistigen Lebens, den ich gleich erörtern will. Wenn wir den Menschen im gewöhnlichen Leben vor uns haben, so haben wir in ihm vereinigt das Geistig-Seelische und das Leiblich-Physische, wie wir im Wasser vereinigt haben den Wasserstoff und den Sauerstoff. In dem, was ich nennen möchte «geistige Chemie», obliegt uns, das GeistigSeelische abzutrennen von dem Leiblich-Physischen, wie auf physischem Gebiet der Chemiker abtrennt den Wasserstoff vom Wasser. Und es ist nur begreiflich, daß man ebensowenig aus der Betrachtung des gewöhnlichen Menschen eine Anschauung gewinnen kann über das Wesen des Geistig-Seelischen, wie man durch Anschauung des Wassers eine Ansicht gewinnen kann über das Wesen des Wasserstoffes.
[ 3 ] Nicht nur dadurch, daß man Vorurteil über Vorurteil entgegenbringt demjenigen, was hellsichtige Forschung genannt werden kann, bringt man diese hellsichtige Forschung in Mißkredit. Auch der Umstand bringt sie in Mißkredit, daß mit dem Begriff, der Idee dieser hellsichtigen Forschung in der Gegenwart viel Mißbrauch getrieben wird. Deshalb will ich gleich von vornherein bemerken, daß ich allerdings nicht sprechen werde von dem Gesichtspunkt okkulter Erkenntnisse, wie sie so häufig heute scharlatanhaft angepriesen werden, sondern von jener hellsichtigen, okkulten Erkenntnis, zu der sich auch bekennen kann ein Mensch, der heute völlig auf dem Standpunkt ernster naturwissenschaftlicher Forschung steht und die Ergebnisse echter naturwissenschaftlicher Tatsächlichkeiten zur Grundlage seines Wissens macht. In bezug auf die innere Logik, in bezug auf die Art des Denkens, liegt die hier gemeinte Geisteswissenschaft durchaus in der Strömung darinnen, die durch die naturwissenschaftlichen Vorstellungen angeschlagen worden ist. In bezug auf das Gebiet, durch das Gebiet, das ihr obliegt, unterscheidet sie sich allerdings wesentlich von der Naturwissenschaft, denn die Naturwissenschaft bezieht sich auf das äußere Sinnesleben, auf die physischen Tatsachen der Umwelt, Geisteswissenschaft aber auf dasjenige Feld, das der Naturwissenschaft notwendigerweise verborgen bleiben muß, auf das Feld geistiger Erlebnisse und geistiger Wesenheiten. Deshalb ist es auch unmöglich, mit denjenigen menschlichen Fähigkeiten und Methoden, mit denen man in der Naturwissenschaft immer größere und größere Triumphe in den letzten Jahrhunderten gefeiert hat und in unserer Zeit feiert, das Feld der geistigen Tatsachen und geistigen Wesenheiten zu erforschen. Für die Erforschung der Natur werden in der Tat nur in Anspruch genommen diejenigen geistigen Kräfte und Fähigkeiten, die dem Menschen dadurch eigen sind, daß er in diese Welt in einer gewissen Weise hineingestellt ist und durch seine Mitmenschen in der normalen Weise für gewisse Fähigkeiten erzogen und angeleitet wird. Mit diesen angeborenen und anerzogenen Fähigkeiten, die vollständig ausreichen für die äußeren Wissenschaften, kann man keine Erkenntnisse für die geistige Welt gewinnen. Dazu ist notwendig, daß Fähigkeiten herausgeholt werden aus der menschlichen Seele, die im gewöhnlichen, im sogenannten normalen Menschenleben in den Tiefen des menschlichen Wesens gleichsam schlummern, ruhen, man könnte sagen, um einen wissenschaftlichen Ausdruck zu gebrauchen, latent sind. Alle die Anstrengungen und Methoden, die der Mensch sich auferlegt, um die äußere Tatsachenwelt zu durchforschen in der Weise, wie es ihm unmittelbar im Leben möglich ist, alle diese Anstrengungen verwendet er als Geistesforscher zunächst gar nicht zu einer Forschung, sondern dazu, die eigene Seele in eine solche Lage zu versetzen, daß die in ihr schlummernden Fähigkeiten und Kräfte für die spirituelle, für die geistige Welt zum Vorschein kommen, und erst nachdem sie durch die gewöhnlichen Menschenkräfte herausgeholt sind, für die Erkenntniskräfte der höheren Welt wirksam werden. Wir wenden zum Beispiel unsere Vorstellungen, die wir uns in der Seele bilden können, im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft an, um uns Erkenntnisse der Außenwelt zu verschaffen. Dies kann man als Geistesforscher zunächst nicht tun. Da muß man anwenden sein Vorstellungsleben zu solchen Anstrengungen, die ganz im Innenleben verlaufen und die den Erfolg bezwecken, ganz andere Fähigkeiten zu entwickeln, als im gewöhnlichen Leben da sind. Ich möchte, um mich über diesen Punkt völlig verständlich zu machen, zu einem Vergleich meine Zuflucht nehmen, nicht um dadurch zunächst etwas zu beweisen, sondern um zu verdeutlichen, was ich gesagt habe. Ich möchte sagen, die Übereinstimmung der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, mit der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart zeigt sich eben darin, daß diese Geisteswissenschaft versucht, durch eine Art geistiger Chemie einzudringen in die geistigen Welten. Wenn wir Wasser vor uns haben, so sieht man diesem Wasser nicht an, daß der Chemiker in die Lage kommt, dieses Wasser zu scheiden in Wasserstoff und Sauerstoff. Wasser ist flüssig, Wasser brennt nicht. Der Wasserstoff, den der Chemiker abscheidet, ist ein Gas, er brennt, er ist etwas ganz anderes. Das ist dasjenige, was ich zum Vergleich heranziehen möchte für einen Vorgang des geistigen Lebens, den ich gleich erörtern will. Wenn wir den Menschen im gewöhnlichen Leben vor uns haben, so haben wir in ihm vereinigt das Geistig-Seelische und das Leiblich-Physische, wie wir im Wasser vereinigt haben den Wasserstoff und den Sauerstoff. In dem, was ich nennen möchte «geistige Chemie», obliegt uns, das GeistigSeelische abzutrennen von dem Leiblich-Physischen, wie auf physischem Gebiet der Chemiker abtrennt den Wasserstoff vom Wasser. Und es ist nur begreiflich, daß man ebensowenig aus der Betrachtung des gewöhnlichen Menschen eine Anschauung gewinnen kann über das Wesen des Geistig-Seelischen, wie man durch Anschauung des Wassers eine Ansicht gewinnen kann über das Wesen des Wasserstoffes.
[ 4 ] Die Methoden, die angewendet werden, um wirklich in uns selbst — denn dieses geistige Experiment der geistigen Chemie können wir nur in uns selbst anstellen —, um das Geistig-Seelische in uns selbst von dem Physisch-Leiblichen zu scheiden, werden technisch bezeichnet als Konzentration und Meditation. Diese Meditation, diese Konzentration, sie sind nicht irgendwelche wunderbare geistige Verrichtungen. Sie sind nur aufs höchste gesteigerte geistige Verrichtungen, die auch in ihren niederen elementaren Graden im gewöhnlichen Leben vorkommen. Meditation ist eine ins Unbegrenzte gesteigerte Hingabe der Seele, wie wir sie etwa erleben in den schönsten Empfindungen des religiösen Lebens, und Konzentration ist eine ins Unbegrenzte gesteigerte Aufmerksamkeit, wie wir sie auch anwenden müssen in elementarer Weise im gewöhnlichen Leben. Im gewöhnlichen Leben bezeichnen wir als Aufmerksamkeit, wenn wir nicht schweifen lassen unsere Vorstellungen und unser Gefühlsleben in beliebiger Weise über die Gegenstände, die auf uns Eindruck machen, sondern wenn wir uns aufraffen, mit unserer Seele unser Interesse auf einen einzelnen Gegenstand besonders hinzulenken, ihn herauszuheben aus dem Feld unseres Wahrnehmens. Diese Aufmerksamkeit, sie kann ins Unbegrenzte gesteigert werden, namentlich dadurch, daß durch eine innere Willkür unserer Seele gewisse besondere Vorstellungen, welche durch die Geisteswissenschaft gegeben werden können, insofern sie besonders brauchbar sind, in den Mittelpunkt unseres Seelenlebens gerückt werden. Dadurch kann das ganze Seelenleben — mit Außerachtlassung alles übrigen, aller Sorgen und Bekümmernisse, aller Sinneseindrücke, aller Willensimpulse, aller Gefühle und alles Denkens —, kann der gesamte Umfang der Seelenkraft durch eine bestimmte Zeit hindurch einzig und allein auf diese, in den Mittelpunkt des Seelenlebens gerückten Vorstellungen gelenkt werden. Wir müssen dabei ins Auge fassen, daß es nicht darauf ankommt, die Seelenkraft auf den Inhalt desjenigen, was wir so in der Konzentration vor uns haben, zu lenken, sondern auf die Tätigkeit, auf die innere Aktivität und Verrichtung in der Entwickelung der Aufmerksamkeit, der Konzentrationsfähigkeit. Auf dieses Zusammennehmen, auf das Konzentrieren der Seelenkraft kommt es an. Und oftmaliges, je nach der individuellen Anlage des Menschen allerdings verschieden langes, oft monatelanges, jahrelanges, jahrzehntelanges Üben der Seele in dieser Konzentration, dieser konzentrativen Tätigkeit, ist notwendig, damit die Seele dazu kommt, innerlich sich zu erkraften, innerlich sich zu erraffen, um innerliche Kräfte zu entwickeln, die sonst schlummern in der Seele und die aus ihr hervorgeholt werden durch diese ins Unbegrenzte gesteigerte Aufmerksamkeit, durch die Konzentration. Und das dabei ganz besonders Notwendige ist, daß wir die Möglichkeit in der Seele heranentwickeln, zu fühlen, daß die Seele in der Tat durch die geschilderte innere Tätigkeit immer mehr und mehr dazu kommt, sich als geistig-seelisches Wesen loszureißen vom Physisch-Leiblichen. Dieses Losreißen, dieses geistig-chemische Abscheiden des Geistig-Seelischen vom Physisch-Leiblichen, geschieht in der Tat immer mehr und mehr mit der aufgewendeten Tätigkeit, die beschrieben worden ist. Ich kann in einem Vortrag, der kurz sein muß, nur dieses Prinzip der Konzentration andeuten. In aller Breite findet man ausgeführt die einzelnen Verrichtungen, die notwendig sind, um die Konzentration wirklich fruchtbar zu machen, in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das ins Französische übersetzt ist unter dem Titel «L’Initiation».
[ 4 ] Die Methoden, die angewendet werden, um wirklich in uns selbst — denn dieses geistige Experiment der geistigen Chemie können wir nur in uns selbst anstellen —, um das Geistig-Seelische in uns selbst von dem Physisch-Leiblichen zu scheiden, werden technisch bezeichnet als Konzentration und Meditation. Diese Meditation, diese Konzentration, sie sind nicht irgendwelche wunderbare geistige Verrichtungen. Sie sind nur aufs höchste gesteigerte geistige Verrichtungen, die auch in ihren niederen elementaren Graden im gewöhnlichen Leben vorkommen. Meditation ist eine ins Unbegrenzte gesteigerte Hingabe der Seele, wie wir sie etwa erleben in den schönsten Empfindungen des religiösen Lebens, und Konzentration ist eine ins Unbegrenzte gesteigerte Aufmerksamkeit, wie wir sie auch anwenden müssen in elementarer Weise im gewöhnlichen Leben. Im gewöhnlichen Leben bezeichnen wir als Aufmerksamkeit, wenn wir nicht schweifen lassen unsere Vorstellungen und unser Gefühlsleben in beliebiger Weise über die Gegenstände, die auf uns Eindruck machen, sondern wenn wir uns aufraffen, mit unserer Seele unser Interesse auf einen einzelnen Gegenstand besonders hinzulenken, ihn herauszuheben aus dem Feld unseres Wahrnehmens. Diese Aufmerksamkeit, sie kann ins Unbegrenzte gesteigert werden, namentlich dadurch, daß durch eine innere Willkür unserer Seele gewisse besondere Vorstellungen, welche durch die Geisteswissenschaft gegeben werden können, insofern sie besonders brauchbar sind, in den Mittelpunkt unseres Seelenlebens gerückt werden. Dadurch kann das ganze Seelenleben — mit Außerachtlassung alles übrigen, aller Sorgen und Bekümmernisse, aller Sinneseindrücke, aller Willensimpulse, aller Gefühle und alles Denkens —, kann der gesamte Umfang der Seelenkraft durch eine bestimmte Zeit hindurch einzig und allein auf diese, in den Mittelpunkt des Seelenlebens gerückten Vorstellungen gelenkt werden. Wir müssen dabei ins Auge fassen, daß es nicht darauf ankommt, die Seelenkraft auf den Inhalt desjenigen, was wir so in der Konzentration vor uns haben, zu lenken, sondern auf die Tätigkeit, auf die innere Aktivität und Verrichtung in der Entwickelung der Aufmerksamkeit, der Konzentrationsfähigkeit. Auf dieses Zusammennehmen, auf das Konzentrieren der Seelenkraft kommt es an. Und oftmaliges, je nach der individuellen Anlage des Menschen allerdings verschieden langes, oft monatelanges, jahrelanges, jahrzehntelanges Üben der Seele in dieser Konzentration, dieser konzentrativen Tätigkeit, ist notwendig, damit die Seele dazu kommt, innerlich sich zu erkraften, innerlich sich zu erraffen, um innerliche Kräfte zu entwickeln, die sonst schlummern in der Seele und die aus ihr hervorgeholt werden durch diese ins Unbegrenzte gesteigerte Aufmerksamkeit, durch die Konzentration. Und das dabei ganz besonders Notwendige ist, daß wir die Möglichkeit in der Seele heranentwickeln, zu fühlen, daß die Seele in der Tat durch die geschilderte innere Tätigkeit immer mehr und mehr dazu kommt, sich als geistig-seelisches Wesen loszureißen vom Physisch-Leiblichen. Dieses Losreißen, dieses geistig-chemische Abscheiden des Geistig-Seelischen vom Physisch-Leiblichen, geschieht in der Tat immer mehr und mehr mit der aufgewendeten Tätigkeit, die beschrieben worden ist. Ich kann in einem Vortrag, der kurz sein muß, nur dieses Prinzip der Konzentration andeuten. In aller Breite findet man ausgeführt die einzelnen Verrichtungen, die notwendig sind, um die Konzentration wirklich fruchtbar zu machen, in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das ins Französische übersetzt ist unter dem Titel «L’Initiation».
[ 5 ] Man gelangt durch Anwendung und Ausbildung der Methoden, die damit angedeutet sind, dazu, einen wirklichen inneren Sinn zu verbinden mit den Worten: Du erlebst dich jetzt als geistig-seelisches Wesen. Du bist in dir aktiv, ohne dich zu bedienen deiner Sinne, deiner Glieder. Du erlebst in dir, außerhalb deines Leibes. — Man hat einen gewissen fruchtbaren Punkt der Entwickelung erlangt, wenn man dazu gekommen ist, von außerhalb, von dem geistig-seelischen Erleben außerhalb des Leibes aus, die eigene Leiblichkeit, mit alledem, was in der physischen Welt an der eigenen Leiblichkeit hängt, außer sich, das heißt, außerhalb des Geistig-Seelischen wirklich anzuschauen, wirklich vor sich zu haben, wie man im physischen Leben einen Tisch, einen Stuhl vor sich hat. In der Regel kommt man zuerst dazu, auf diese Art die denkerischen Fähigkeiten, die Vorstellungsfähigkeit der Seele von den leiblichen Werkzeugen, nämlich von dem Nervensystem und dem Gehirn loszutrennen, so daß man lernt, im Denkerischen, im Vorstellungsmäßigen zu leben und sich dabei zu wissen außerhalb des Nervensystems und des Gehirns, die man sonst als Instrumente gebraucht im gewöhnlichen Leben, um zu denken, um vorzustellen.
[ 5 ] Man gelangt durch Anwendung und Ausbildung der Methoden, die damit angedeutet sind, dazu, einen wirklichen inneren Sinn zu verbinden mit den Worten: Du erlebst dich jetzt als geistig-seelisches Wesen. Du bist in dir aktiv, ohne dich zu bedienen deiner Sinne, deiner Glieder. Du erlebst in dir, außerhalb deines Leibes. — Man hat einen gewissen fruchtbaren Punkt der Entwickelung erlangt, wenn man dazu gekommen ist, von außerhalb, von dem geistig-seelischen Erleben außerhalb des Leibes aus, die eigene Leiblichkeit, mit alledem, was in der physischen Welt an der eigenen Leiblichkeit hängt, außer sich, das heißt, außerhalb des Geistig-Seelischen wirklich anzuschauen, wirklich vor sich zu haben, wie man im physischen Leben einen Tisch, einen Stuhl vor sich hat. In der Regel kommt man zuerst dazu, auf diese Art die denkerischen Fähigkeiten, die Vorstellungsfähigkeit der Seele von den leiblichen Werkzeugen, nämlich von dem Nervensystem und dem Gehirn loszutrennen, so daß man lernt, im Denkerischen, im Vorstellungsmäßigen zu leben und sich dabei zu wissen außerhalb des Nervensystems und des Gehirns, die man sonst als Instrumente gebraucht im gewöhnlichen Leben, um zu denken, um vorzustellen.
[ 6 ] Da ich nicht in Abstraktionen, sondern in konkreten geistigen Tatsachen sprechen möchte, sei das Folgende erwähnt. Die erste Erfahrung, die man machen kann bei dieser Entwickelung, ist in der Regel diese, daß man weiß: Du lebst denkend wie in der Umgebung deines eigenen Hauptes. Du webst und lebst, so wie du sonst, wenn du dich des Instrumentes des Gehirnes bedienst, in Gedanken lebst und webst, im Gedanklichen, aber du weißt ganz genau, dieses Leben und Weben im Gedanklichen ist jetzt außerhalb deines Hauptes. Und insbesondere jener Eindruck bleibt unvergeßlich — wenn man ihn einmal durchgemacht hat —, der Eindruck, den man empfängt davon, daß man, nachdem man eine Weile außerhalb des Hauptes sich verhalten hat, wiederum untertaucht in das Gehirn und das Nervensystem und nun fühlt, wie dieses Gehirn, dieses Nervensystem als Materielles Widerstand bieten, so daß man mit Gewalt untertauchen muß in das Physische mit dem, was aus dem Physischen zuerst heraus kam. Dieser Moment bleibt unvergeßlich, wenn ihn der Mensch einmal durchgemacht hat im Laufe seiner Entwickelung.
[ 6 ] Da ich nicht in Abstraktionen, sondern in konkreten geistigen Tatsachen sprechen möchte, sei das Folgende erwähnt. Die erste Erfahrung, die man machen kann bei dieser Entwickelung, ist in der Regel diese, daß man weiß: Du lebst denkend wie in der Umgebung deines eigenen Hauptes. Du webst und lebst, so wie du sonst, wenn du dich des Instrumentes des Gehirnes bedienst, in Gedanken lebst und webst, im Gedanklichen, aber du weißt ganz genau, dieses Leben und Weben im Gedanklichen ist jetzt außerhalb deines Hauptes. Und insbesondere jener Eindruck bleibt unvergeßlich — wenn man ihn einmal durchgemacht hat —, der Eindruck, den man empfängt davon, daß man, nachdem man eine Weile außerhalb des Hauptes sich verhalten hat, wiederum untertaucht in das Gehirn und das Nervensystem und nun fühlt, wie dieses Gehirn, dieses Nervensystem als Materielles Widerstand bieten, so daß man mit Gewalt untertauchen muß in das Physische mit dem, was aus dem Physischen zuerst heraus kam. Dieser Moment bleibt unvergeßlich, wenn ihn der Mensch einmal durchgemacht hat im Laufe seiner Entwickelung.
[ 7 ] Loslösen kann man auf diese bisher geschilderte Weise von dem Physisch-Leiblichen nur die denkerische, die vorstellungsmäßige Tätigkeit, nicht aber das, was nun auch losgelöst werden muß zu wahrer Geistesforschung: die gefühlsmäßige Tätigkeit der Seele, die Tätigkeit im Willensimpuls der Seele. Um die gefühlsmäßige und die in Willensimpulsen verlaufende Tätigkeit der Seele loszulösen von dem PhysischLeiblichen, dazu ist notwendig die unbegrenzte Steigerung dessen, was man Hingabe nennen kann. Die beste Vorstellung von dieser gesteigerten Hingabe, die man Meditation nennt, bekommen wir, wenn wir zum Vergleich heranziehen das menschliche Leben im Schlafe. Die Sinnesorgane sind abgelegt im Schlafe, die Sinnestätigkeit ruht, die Glieder sind regungslos; der Mensch ist im Schlafe hingegeben dem allgemeinen Weltenlauf; er mischt nicht in den Verlauf dieses allgemeinen Weltenganges hinein dasjenige, was von seinem Ich, von seinem Denken, Fühlen und Wollen ausgeht. Er ist allerdings auch während dieser Schlafenstätigkeit unbewußt. Sein Bewußtsein hat sich aufgelöst in allgemeine Finsternis, in allgemeine Verdunkelung. Dasjenige nun, was der Schlaf durch die Notwendigkeit der allgemeinen Naturkraft für den Menschen herbeiführt, das muß für die Meditation willkürlich herbeigeführt werden, nur mit dem Unterschied, daß der Schlaf in Bewußtlosigkeit, diese gesteigerte Hingabe aber in gesteigerte Bewußtheit hineinführt. Durch Willkür muß es der Geistesforscher dahin bringen, daß alle seine Sinne schweigen; er muß ablenken können die Aufmerksamkeit aller Sinne von einem jeglichen Eindruck der Außenwelt. Er muß unterdrücken können, wie sie im Schlafe unterdrückt ist, die Tätigkeit der einzelnen Organe und der Glieder. Äußerlich, in bezug auf sein Leibliches, muß sich der Mensch verhalten lernen, wie er sich im Schlafe verhält, aber während er im Schlafe heruntersinkt zur Bewußtlosigkeit, erwacht er durch diese willkürliche, gesteigerte Hingabe in dem göttlich-geistigen Strom der Allkräfte. Er erwacht zu einer Bewußtheit, gegenüber der die alltägliche Bewußtheit ein Schlafen ist, wie sonst der Schlaf gegenüber der alltäglichen Bewußtheit. Wir gelangen, wenn wir genügend lange in Geduld und Ausdauer die Seele in der geschilderten Weise üben, dazu, eine andere innere Seelenfähigkeit wie geistig-chemisch loszulösen von der entsprechenden leiblich-physischen Tätigkeit. Wie wir durch die Konzentration die Denkkraft loslösen und sie dann nur im Geistig-Seelischen verlaufend haben, so lösen wir durch die Hingabe allmählich los diejenige Seelenkraft, die sonst in der menschlichen Sprache, im Gebrauch all der Werkzeuge, deren wir uns bedienen in der menschlichen Sprache, zur Anwendung kommt. Indem ich zu Ihnen spreche, wende ich eine geistig-seelische Kraft an. Diese geistig-seelische Kraft fließt, während ich hier physisch spreche, in die physischen Nerven und Sprachorgane hinein, gebraucht diese. Durch die genannten Übungen erlangt der Geistesforscher die Fähigkeit, durch vollständigen Stillstand des gesamten Sprachnerven-Apparates innerlich-seelisch dieselbe Kraft zu entfalten, ohne alle äußere Offenbarung dieser Kraft, die sonst durch die Sprache nach außen fließt. Man entdeckt dadurch in den Tiefen der Seele eine Fähigkeit, von der das äußere Leben sonst nichts weiß, weil diese Fähigkeit im gewöhnlichen Leben verbraucht wird im Sprechen und im Gebrauch der Sprachorgane, und die sonst, wenn sie nicht gebraucht wird zum Sprechen, eben ruht in den Tiefen der Seele. In der Geistesforschung wird sie heraufgeholt aus den Tiefen der Seele. Sie wird gleichsam geistig-chemisch losgelöst vom physischen Sprechen. Lernt man leben und weben in dieser verborgenen sprachschöpferischen Tätigkeit, dann lernt man erkennen dasjenige, was man mit einem vielleicht nicht ganz zutreffenden Wort die Wahrnehmung des inneren Wortes, des geistigen Wortes, nennen kann. In dem Augenblick, in dem man in die Lage kommt, sich dieser verborgenen Kraft zu bemächtigen, kommt man auch in die Lage, mit dem Denken und Fühlen, das sonst nur an der eigenen Persönlichkeit haftet, herauszudringen aus sich selbst und einzudringen in eine geistige Welt, so daß man wahrnehmen lernt: Außer dir nimmst du jetzt wahr Fühlen und Wollen, so wie du sie sonst nur in dir wahrgenommen hast. — Das heißt, man beginnt auf dem Gebiete des Geistigen wollende, fühlende Wesen kennenzulernen. Erst muß das eigene Wollen und Fühlen untertauchen in die geistigen Wesen, dann nimmt man die geistigen Wesen wahr.
[ 7 ] Loslösen kann man auf diese bisher geschilderte Weise von dem Physisch-Leiblichen nur die denkerische, die vorstellungsmäßige Tätigkeit, nicht aber das, was nun auch losgelöst werden muß zu wahrer Geistesforschung: die gefühlsmäßige Tätigkeit der Seele, die Tätigkeit im Willensimpuls der Seele. Um die gefühlsmäßige und die in Willensimpulsen verlaufende Tätigkeit der Seele loszulösen von dem PhysischLeiblichen, dazu ist notwendig die unbegrenzte Steigerung dessen, was man Hingabe nennen kann. Die beste Vorstellung von dieser gesteigerten Hingabe, die man Meditation nennt, bekommen wir, wenn wir zum Vergleich heranziehen das menschliche Leben im Schlafe. Die Sinnesorgane sind abgelegt im Schlafe, die Sinnestätigkeit ruht, die Glieder sind regungslos; der Mensch ist im Schlafe hingegeben dem allgemeinen Weltenlauf; er mischt nicht in den Verlauf dieses allgemeinen Weltenganges hinein dasjenige, was von seinem Ich, von seinem Denken, Fühlen und Wollen ausgeht. Er ist allerdings auch während dieser Schlafenstätigkeit unbewußt. Sein Bewußtsein hat sich aufgelöst in allgemeine Finsternis, in allgemeine Verdunkelung. Dasjenige nun, was der Schlaf durch die Notwendigkeit der allgemeinen Naturkraft für den Menschen herbeiführt, das muß für die Meditation willkürlich herbeigeführt werden, nur mit dem Unterschied, daß der Schlaf in Bewußtlosigkeit, diese gesteigerte Hingabe aber in gesteigerte Bewußtheit hineinführt. Durch Willkür muß es der Geistesforscher dahin bringen, daß alle seine Sinne schweigen; er muß ablenken können die Aufmerksamkeit aller Sinne von einem jeglichen Eindruck der Außenwelt. Er muß unterdrücken können, wie sie im Schlafe unterdrückt ist, die Tätigkeit der einzelnen Organe und der Glieder. Äußerlich, in bezug auf sein Leibliches, muß sich der Mensch verhalten lernen, wie er sich im Schlafe verhält, aber während er im Schlafe heruntersinkt zur Bewußtlosigkeit, erwacht er durch diese willkürliche, gesteigerte Hingabe in dem göttlich-geistigen Strom der Allkräfte. Er erwacht zu einer Bewußtheit, gegenüber der die alltägliche Bewußtheit ein Schlafen ist, wie sonst der Schlaf gegenüber der alltäglichen Bewußtheit. Wir gelangen, wenn wir genügend lange in Geduld und Ausdauer die Seele in der geschilderten Weise üben, dazu, eine andere innere Seelenfähigkeit wie geistig-chemisch loszulösen von der entsprechenden leiblich-physischen Tätigkeit. Wie wir durch die Konzentration die Denkkraft loslösen und sie dann nur im Geistig-Seelischen verlaufend haben, so lösen wir durch die Hingabe allmählich los diejenige Seelenkraft, die sonst in der menschlichen Sprache, im Gebrauch all der Werkzeuge, deren wir uns bedienen in der menschlichen Sprache, zur Anwendung kommt. Indem ich zu Ihnen spreche, wende ich eine geistig-seelische Kraft an. Diese geistig-seelische Kraft fließt, während ich hier physisch spreche, in die physischen Nerven und Sprachorgane hinein, gebraucht diese. Durch die genannten Übungen erlangt der Geistesforscher die Fähigkeit, durch vollständigen Stillstand des gesamten Sprachnerven-Apparates innerlich-seelisch dieselbe Kraft zu entfalten, ohne alle äußere Offenbarung dieser Kraft, die sonst durch die Sprache nach außen fließt. Man entdeckt dadurch in den Tiefen der Seele eine Fähigkeit, von der das äußere Leben sonst nichts weiß, weil diese Fähigkeit im gewöhnlichen Leben verbraucht wird im Sprechen und im Gebrauch der Sprachorgane, und die sonst, wenn sie nicht gebraucht wird zum Sprechen, eben ruht in den Tiefen der Seele. In der Geistesforschung wird sie heraufgeholt aus den Tiefen der Seele. Sie wird gleichsam geistig-chemisch losgelöst vom physischen Sprechen. Lernt man leben und weben in dieser verborgenen sprachschöpferischen Tätigkeit, dann lernt man erkennen dasjenige, was man mit einem vielleicht nicht ganz zutreffenden Wort die Wahrnehmung des inneren Wortes, des geistigen Wortes, nennen kann. In dem Augenblick, in dem man in die Lage kommt, sich dieser verborgenen Kraft zu bemächtigen, kommt man auch in die Lage, mit dem Denken und Fühlen, das sonst nur an der eigenen Persönlichkeit haftet, herauszudringen aus sich selbst und einzudringen in eine geistige Welt, so daß man wahrnehmen lernt: Außer dir nimmst du jetzt wahr Fühlen und Wollen, so wie du sie sonst nur in dir wahrgenommen hast. — Das heißt, man beginnt auf dem Gebiete des Geistigen wollende, fühlende Wesen kennenzulernen. Erst muß das eigene Wollen und Fühlen untertauchen in die geistigen Wesen, dann nimmt man die geistigen Wesen wahr.
[ 8 ] Halten wir fest, daß das Emanzipieren der Denkkraft vom Physisch-Leiblichen ein Anfang der hellsichtigen Betrachtung ist, daß die Loslösung des Denkens und Fühlens der Fortgang ist, dann wird begreiflich werden, daß wir wahrhaftige Erfahrungen, wahrhaftige Erlebnisse, die von Eindrücken anderer geistiger Wesen herrühren, nur dadurch erlangen können, daß wir mit unserer eigenen fühlenden, wollenden Seele aus unserem Leiblichen herausdringen und untertauchen in die geistige Welt, die rund um uns ist. Wie dieses Erleben in der geistigen Welt geschieht, das sei in einem konkreten Beispiel erläutert. Obwohl es bei den vielen Gegnerschaften, die Geisteswissenschaft in unserer Zeit noch hat, etwas gewagt ist, solche konkrete Beispiele anzuführen, so sei doch dieses Wagnis heute unternommen. Sie erlauben, daß dieses Beispiel angeführt werde aus der unmittelbar persönlichen Erfahrung, da ja diese Beispiele wohl diejenigen sind, die man am meisten beherrschen kann, weil man wirklich nur bei der persönlichen Erfahrung sozusagen in allen Einzelheiten unmittelbar dabei ist.
[ 8 ] Halten wir fest, daß das Emanzipieren der Denkkraft vom Physisch-Leiblichen ein Anfang der hellsichtigen Betrachtung ist, daß die Loslösung des Denkens und Fühlens der Fortgang ist, dann wird begreiflich werden, daß wir wahrhaftige Erfahrungen, wahrhaftige Erlebnisse, die von Eindrücken anderer geistiger Wesen herrühren, nur dadurch erlangen können, daß wir mit unserer eigenen fühlenden, wollenden Seele aus unserem Leiblichen herausdringen und untertauchen in die geistige Welt, die rund um uns ist. Wie dieses Erleben in der geistigen Welt geschieht, das sei in einem konkreten Beispiel erläutert. Obwohl es bei den vielen Gegnerschaften, die Geisteswissenschaft in unserer Zeit noch hat, etwas gewagt ist, solche konkrete Beispiele anzuführen, so sei doch dieses Wagnis heute unternommen. Sie erlauben, daß dieses Beispiel angeführt werde aus der unmittelbar persönlichen Erfahrung, da ja diese Beispiele wohl diejenigen sind, die man am meisten beherrschen kann, weil man wirklich nur bei der persönlichen Erfahrung sozusagen in allen Einzelheiten unmittelbar dabei ist.
[ 9 ] Vor einiger Zeit hatte ich auf dem Gebiete meiner eigenen Arbeit gewisse Aufgaben zu lösen. Ich wußte ganz genau, diese spezielle, diese besondere Aufgabe konnte ich nicht lösen mit den Fähigkeiten, die mir nach meiner persönlichen Anlage unmittelbar in diesem Menschenleben zu haben möglich sind. Die Aufgabe bezog sich darauf, die Geistesbeschaffenheit eines bestimmten Zeitalters im Verlauf der Menschheitsentwickelung nach bestimmten Richtungen hin genauer zu erkennen, zu durchschauen. Ich wußte genau, welche Aufgabe ich mir zu stellen hatte, allein ich bemerkte: Wenn du deine Gedanken noch so anstrengst, sie haben nicht die Tragkraft, zu durchschauen das betreffende Gebiet. — Es ist genau so, wie wenn man etwas heben will und die physische Kraft nicht hat, das betreffende Gewicht aufzuheben. So kann man an einen Punkt kommen, wo die Gedanken nicht die Kraft haben, um irgendeine Aufgabe wirklich zu durchschauen, um eine Frage zu lösen. In diesem Falle befand ich mich. Ich versuchte, durch meine eigene Tätigkeit mir die Aufgabe gedanklich möglichst klar vor die Seele zu stellen und den lebendigen Willen zu entwickeln, auf irgendeine Art zur Lösung zu kommen. Ich versuchte zu empfinden, im Gefühl lebhaft zu empfinden die besondere Schattierung und Art des betreffenden Zeitalters, soweit ich es schon konnte. Ich versuchte zu fühlen seine Größe, seine Farbe, versuchte mich mit der ganzen Persönlichkeit in das Zeitalter hineinzuversetzen. Und bei genügender Wiederholung dieser inneren Seelentätigkeit konnte ich verspüren das Eindringen fremden Willens und fremden Fühlens in den eigenen Willen, in das eigene Fühlen. Ich wußte, daß in den eigenen Willen, in das eigene Fühlen so wahr fremdes Fühlen, fremdes Wollen eindrangen, wie man wissen kann, wenn man einem äußeren Gegenstand gegenübersteht, daß man durch seinen Blick diesen äußeren Gegenstand nicht selbst schafft, sondern daß der Gegenstand den Eindruck auf einen macht.
[ 9 ] Vor einiger Zeit hatte ich auf dem Gebiete meiner eigenen Arbeit gewisse Aufgaben zu lösen. Ich wußte ganz genau, diese spezielle, diese besondere Aufgabe konnte ich nicht lösen mit den Fähigkeiten, die mir nach meiner persönlichen Anlage unmittelbar in diesem Menschenleben zu haben möglich sind. Die Aufgabe bezog sich darauf, die Geistesbeschaffenheit eines bestimmten Zeitalters im Verlauf der Menschheitsentwickelung nach bestimmten Richtungen hin genauer zu erkennen, zu durchschauen. Ich wußte genau, welche Aufgabe ich mir zu stellen hatte, allein ich bemerkte: Wenn du deine Gedanken noch so anstrengst, sie haben nicht die Tragkraft, zu durchschauen das betreffende Gebiet. — Es ist genau so, wie wenn man etwas heben will und die physische Kraft nicht hat, das betreffende Gewicht aufzuheben. So kann man an einen Punkt kommen, wo die Gedanken nicht die Kraft haben, um irgendeine Aufgabe wirklich zu durchschauen, um eine Frage zu lösen. In diesem Falle befand ich mich. Ich versuchte, durch meine eigene Tätigkeit mir die Aufgabe gedanklich möglichst klar vor die Seele zu stellen und den lebendigen Willen zu entwickeln, auf irgendeine Art zur Lösung zu kommen. Ich versuchte zu empfinden, im Gefühl lebhaft zu empfinden die besondere Schattierung und Art des betreffenden Zeitalters, soweit ich es schon konnte. Ich versuchte zu fühlen seine Größe, seine Farbe, versuchte mich mit der ganzen Persönlichkeit in das Zeitalter hineinzuversetzen. Und bei genügender Wiederholung dieser inneren Seelentätigkeit konnte ich verspüren das Eindringen fremden Willens und fremden Fühlens in den eigenen Willen, in das eigene Fühlen. Ich wußte, daß in den eigenen Willen, in das eigene Fühlen so wahr fremdes Fühlen, fremdes Wollen eindrangen, wie man wissen kann, wenn man einem äußeren Gegenstand gegenübersteht, daß man durch seinen Blick diesen äußeren Gegenstand nicht selbst schafft, sondern daß der Gegenstand den Eindruck auf einen macht.
[ 10 ] Ich weiß sehr wohl, daß von dem Gesichtspunkte einer materialistischen Gesinnung aus jemand leicht sagen kann: Nun ja, so etwas ist eben eine Illusion, eine Täuschung. Der Betreffende weiß nicht, daß er eigentlich aus seiner Seele herausholt dasjenige, was er als einen fremden Einfluß empfindet. — Dasjenige, was notwendig ist, um auf diesem Gebiete sich keinen Illusionen, keinen Halluzinationen, keinen Phantasiegebilden hinzugeben, das ist wahrhaftige Selbsterkenntnis, ein Vordringen in der Selbsterkenntnis. Dann weiß man, was man kann und was man nicht kann, denn Selbsterkenntnis besteht vorzugsweise für den Geistesforscher darin, die Grenzen der eigenen Fähigkeit zu durchschauen. Wer solche Selbsterkenntnis in der Weise, wie sie in dem vorgenannten Buche angeführt ist, geübt hat, der kommt dazu, wirklich unterscheiden zu können dasjenige, was er in seinem eigenen Fühlen und Wollen, in seinem persönlichen Fühlen und Wollen vermag, und dasjenige, was in dieses persönliche Fühlen und Wollen von der geistigen Welt aus an fremdem Fühlen und Wollen hereindringt. Er kommt dazu, daß es ihm so absurd erscheinen würde, nicht unterscheiden zu können sein eigenes Fühlen und Wollen von fremdem Fühlen und Wollen, wie es ihm absurd erscheinen würde, wenn jemand sagte: Ich unterscheide nicht den Hunger vom Brot. — Wie jeder weiß, wo der Hunger aufhört und das Brot anfängt, wie man weiß, daß der Hunger das Brot nicht selbst erzeugt — obgleich es in sozialer Beziehung sehr zu wünschen wäre, daß es so sei —, so bringt es wahre Selbsterkenntnis dahin, unterscheiden zu können, worin gleichsam der Hunger des eigenen Fühlens und Wollens besteht, und was, wie dem Hunger das Brot, dem eigenen Fühlen und Wollen als fremdes Fühlen und Wollen entgegenkommt aus der geistigen Welt heraus, aus einer der physischen Welt unbekannten Welt heraus. Hat man so etwas herbeigeführt, wie das eben geschilderte Hereindringen fremden Fühlens und Wollens in das eigene Fühlen und Wollen, dann setzt sich im entsprechenden Augenblick dieses innere Zusammensein eigenen Fühlens und Wollens mit fremdem Fühlen und Wollen in entsprechender Weise fort. Und in meinem Fall erwies es sich, daß durch das innige Zusammengehen des eigenen Fühlens und Wollens mit dem als fremd erkannten Fühlen und Wollen nun die Gedanken befruchtet wurden und in meinem eigenen Vorstellen auftauchten — aber wie eine Gabe des fremden Fühlens und Wollens — die Gedanken, die das Problem lösten, das dahin ging, ein bestimmtes Zeitalter zu durchforschen, zu erkennen.
[ 10 ] Ich weiß sehr wohl, daß von dem Gesichtspunkte einer materialistischen Gesinnung aus jemand leicht sagen kann: Nun ja, so etwas ist eben eine Illusion, eine Täuschung. Der Betreffende weiß nicht, daß er eigentlich aus seiner Seele herausholt dasjenige, was er als einen fremden Einfluß empfindet. — Dasjenige, was notwendig ist, um auf diesem Gebiete sich keinen Illusionen, keinen Halluzinationen, keinen Phantasiegebilden hinzugeben, das ist wahrhaftige Selbsterkenntnis, ein Vordringen in der Selbsterkenntnis. Dann weiß man, was man kann und was man nicht kann, denn Selbsterkenntnis besteht vorzugsweise für den Geistesforscher darin, die Grenzen der eigenen Fähigkeit zu durchschauen. Wer solche Selbsterkenntnis in der Weise, wie sie in dem vorgenannten Buche angeführt ist, geübt hat, der kommt dazu, wirklich unterscheiden zu können dasjenige, was er in seinem eigenen Fühlen und Wollen, in seinem persönlichen Fühlen und Wollen vermag, und dasjenige, was in dieses persönliche Fühlen und Wollen von der geistigen Welt aus an fremdem Fühlen und Wollen hereindringt. Er kommt dazu, daß es ihm so absurd erscheinen würde, nicht unterscheiden zu können sein eigenes Fühlen und Wollen von fremdem Fühlen und Wollen, wie es ihm absurd erscheinen würde, wenn jemand sagte: Ich unterscheide nicht den Hunger vom Brot. — Wie jeder weiß, wo der Hunger aufhört und das Brot anfängt, wie man weiß, daß der Hunger das Brot nicht selbst erzeugt — obgleich es in sozialer Beziehung sehr zu wünschen wäre, daß es so sei —, so bringt es wahre Selbsterkenntnis dahin, unterscheiden zu können, worin gleichsam der Hunger des eigenen Fühlens und Wollens besteht, und was, wie dem Hunger das Brot, dem eigenen Fühlen und Wollen als fremdes Fühlen und Wollen entgegenkommt aus der geistigen Welt heraus, aus einer der physischen Welt unbekannten Welt heraus. Hat man so etwas herbeigeführt, wie das eben geschilderte Hereindringen fremden Fühlens und Wollens in das eigene Fühlen und Wollen, dann setzt sich im entsprechenden Augenblick dieses innere Zusammensein eigenen Fühlens und Wollens mit fremdem Fühlen und Wollen in entsprechender Weise fort. Und in meinem Fall erwies es sich, daß durch das innige Zusammengehen des eigenen Fühlens und Wollens mit dem als fremd erkannten Fühlen und Wollen nun die Gedanken befruchtet wurden und in meinem eigenen Vorstellen auftauchten — aber wie eine Gabe des fremden Fühlens und Wollens — die Gedanken, die das Problem lösten, das dahin ging, ein bestimmtes Zeitalter zu durchforschen, zu erkennen.
[ 11 ] In einem solchen Verlauf tritt nun etwas auf in diesem geistigen Erleben, das in gewisser Weise entgegengesetzt ist einem ähnlichen Verlauf in der Außenwelt. Wenn wir in der Außenwelt einer anderen Persönlichkeit begegnen, uns mit ihr zusammensetzen, so sehen wir sie zuerst, wir sprechen mit ihr, tauschen mit ihr die Gedanken aus. Bei dem geistigen Erlebnis, wie ich es geschildert habe, tritt das Umgekehrte ein: Man betrachtet in sich Gedanken, man hat das Gefühl, daß man mit fremdem Fühlen und Wollen beisammen ist, und das baut sich auf zur Wahrnehmung fremder geistiger Individualität, der man nun gegenübersteht als einer wirklichen, aber einer nur im geistigen Feld vorhandenen fremden Individualität. Man lernt sie allmählich erkennen. Man geht also vom Umgekehrten aus wie im äußeren Leben, man nähert sich der Persönlichkeit, die man so im fremden Fühlen und Wollen erreicht. Durch das Zusammensein mit ihr erreicht man sie selbst.
[ 11 ] In einem solchen Verlauf tritt nun etwas auf in diesem geistigen Erleben, das in gewisser Weise entgegengesetzt ist einem ähnlichen Verlauf in der Außenwelt. Wenn wir in der Außenwelt einer anderen Persönlichkeit begegnen, uns mit ihr zusammensetzen, so sehen wir sie zuerst, wir sprechen mit ihr, tauschen mit ihr die Gedanken aus. Bei dem geistigen Erlebnis, wie ich es geschildert habe, tritt das Umgekehrte ein: Man betrachtet in sich Gedanken, man hat das Gefühl, daß man mit fremdem Fühlen und Wollen beisammen ist, und das baut sich auf zur Wahrnehmung fremder geistiger Individualität, der man nun gegenübersteht als einer wirklichen, aber einer nur im geistigen Feld vorhandenen fremden Individualität. Man lernt sie allmählich erkennen. Man geht also vom Umgekehrten aus wie im äußeren Leben, man nähert sich der Persönlichkeit, die man so im fremden Fühlen und Wollen erreicht. Durch das Zusammensein mit ihr erreicht man sie selbst.
[ 12 ] In dem geschilderten Fall ergab sich auf diesem Wege, daß das fremde Fühlen und Wollen, das befruchtend in die eigene Gedankenwelt einfloß, herrührte von einer Persönlichkeit, die mir gut bekannt war, und die vor etwas mehr als einem Jahr aus unserem Freundeskreis durch den Tod abgegangen ist. Und ich lernte erkennen, daß diese Persönlichkeit, die in verhältnismäßig jugendlichen Alter, in der Blüte der mittleren Lebensjahre verstorben ist, unverbrauchte Lebenskraft mit hinübergenommen hat in die geistigen Welten; und aus der Intensität der unverbrauchten Lebenskräfte rührte das Fühlen und Wollen her, das zusammensein konnte mit dem eigenen Fühlen und Wollen. Wir stellen uns vor, daß ein Mensch bis zu einem gewissen hohen Alter leben kann; er verbraucht bis zu diesem hohen Alter seine Lebenskraft. Stirbt er in verhältnismäßig jugendlichem Alter, so bleibt ihm die Kraft, die er hätte haben können, um ein höheres Lebensalter zu erreichen, gewissermaßen unverbraucht, und er kann sie von der geistigen Welt aus anwenden. In dem geschilderten Fall war es die durch einen frühen Tod unverbrauchte Lebenskraft, die durch das Verhältnis, in dem der Lebende zu dem Toten stand, die Möglichkeit herbeiführen konnte, daß der Lebende in die Lage kam, ein Problem zu lösen, zu dem er brauchte die Kraft des Toten, die Verbindung mit diesem Wesen, das ein Mensch war bis vor einem Jahr und dann durch den Tod in die geistige Welt eingegangen ist.
[ 12 ] In dem geschilderten Fall ergab sich auf diesem Wege, daß das fremde Fühlen und Wollen, das befruchtend in die eigene Gedankenwelt einfloß, herrührte von einer Persönlichkeit, die mir gut bekannt war, und die vor etwas mehr als einem Jahr aus unserem Freundeskreis durch den Tod abgegangen ist. Und ich lernte erkennen, daß diese Persönlichkeit, die in verhältnismäßig jugendlichen Alter, in der Blüte der mittleren Lebensjahre verstorben ist, unverbrauchte Lebenskraft mit hinübergenommen hat in die geistigen Welten; und aus der Intensität der unverbrauchten Lebenskräfte rührte das Fühlen und Wollen her, das zusammensein konnte mit dem eigenen Fühlen und Wollen. Wir stellen uns vor, daß ein Mensch bis zu einem gewissen hohen Alter leben kann; er verbraucht bis zu diesem hohen Alter seine Lebenskraft. Stirbt er in verhältnismäßig jugendlichem Alter, so bleibt ihm die Kraft, die er hätte haben können, um ein höheres Lebensalter zu erreichen, gewissermaßen unverbraucht, und er kann sie von der geistigen Welt aus anwenden. In dem geschilderten Fall war es die durch einen frühen Tod unverbrauchte Lebenskraft, die durch das Verhältnis, in dem der Lebende zu dem Toten stand, die Möglichkeit herbeiführen konnte, daß der Lebende in die Lage kam, ein Problem zu lösen, zu dem er brauchte die Kraft des Toten, die Verbindung mit diesem Wesen, das ein Mensch war bis vor einem Jahr und dann durch den Tod in die geistige Welt eingegangen ist.
[ 13 ] Dasjenige, was vorhin genannt worden ist «die Fähigkeit des inneren Wortes», das führt zu solchen Offenbarungen der geistigen Welt, die, wie sich in diesem Falle gezeigt hat, in der Offenbarung eines verstorbenen Menschen besteht. Dieselbe Fähigkeit dieses inneren geistigen Wortes macht es uns zugleich möglich, hinauszuschauen über das persönliche Leben, das zwischen Geburt und Tod, oder sagen wir, Empfängnis und Tod eingeschlossen ist. Sie bewirkt, daß man in der Lage ist, das volle, in der Unendlichkeit der Zeiten sich ausdehnende menschliche Leben, das in wiederholten Erdenleben verläuft, zu durchschauen, und zu durchschauen das Leben derjenigen, denen man so nahegetreten ist, wie eben in diesem Falle dem geschilderten Toten.
[ 13 ] Dasjenige, was vorhin genannt worden ist «die Fähigkeit des inneren Wortes», das führt zu solchen Offenbarungen der geistigen Welt, die, wie sich in diesem Falle gezeigt hat, in der Offenbarung eines verstorbenen Menschen besteht. Dieselbe Fähigkeit dieses inneren geistigen Wortes macht es uns zugleich möglich, hinauszuschauen über das persönliche Leben, das zwischen Geburt und Tod, oder sagen wir, Empfängnis und Tod eingeschlossen ist. Sie bewirkt, daß man in der Lage ist, das volle, in der Unendlichkeit der Zeiten sich ausdehnende menschliche Leben, das in wiederholten Erdenleben verläuft, zu durchschauen, und zu durchschauen das Leben derjenigen, denen man so nahegetreten ist, wie eben in diesem Falle dem geschilderten Toten.
[ 14 ] Lernt man durch die geschilderten seelischen Fähigkeiten den Menschen kennen, sei es den eigenen Menschen, sei es einen fremden Menschen, so ist das, was man kennenlernt, nicht bloß das physische Menschenleben, das zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist, sondern es ist der geistige Mensch, der sich selbst seinen Leib aufbaut, der lebt in wiederholten Erdenleben und zwischen Tod und neuer Geburt in einer geistigen Welt. Daraus wird es vielleicht ersichtlich sein, daß es in dem geschilderten Falle nun möglich war, weil der Tote als geistiges Wesen vor der eigenen Seele stand, etwas intimer hineinzuschauen in das geistig-seelische Wesen dieses Toten. Man lernt, wie gesagt, in umgekehrter Richtung kennen ein anderes Wesen, als wenn man es auf dem physischen Plan kennenlernt. Zuerst lernt man an dem, was man von ihm erfahren konnte, das geistige Zusammensein kennen, dann es selbst, aber auch als geistiges Wesen. Und es wird eine Wahrheit, was man nennen kann «den Eintritt in die geistige Welt». Um bei dem geschilderten Beispiel stehenzubleiben: es zeigte sich, daß die betreffende Persönlichkeit, die bekannt war dem Sprecher und seinen Freunden in diesem Leben, das in verhältnismäßig früher Jugend beschlossen worden ist, daß diese Persönlichkeit in einem früheren Erdenleben, einem Leben in den ersten christlichen Jahrhunderten, vieles aufgenommen hatte aus der damaligen christlichen Kultur, aber durch die Eingeschränktheit der Zeitkultur dazumal nicht alles verarbeiten konnte. Mit diesem Unverarbeiteten kam sie nun in dieses Leben hinein, dieses Unverarbeitete sprengte dieses Leben, blieb aber als Lebenskraft vorhanden, und die Gnade wurde dem mit der Persönlichkeit Verbundenen zuteil, gerade das Zeitalter nun zu durchschauen, von dem seine Aufgabe kam, das Zeitalter, in dem die betreffende Persönlichkeit in einem vorhergehenden Erdenleben gelebt hatte.
[ 14 ] Lernt man durch die geschilderten seelischen Fähigkeiten den Menschen kennen, sei es den eigenen Menschen, sei es einen fremden Menschen, so ist das, was man kennenlernt, nicht bloß das physische Menschenleben, das zwischen Geburt und Tod eingeschlossen ist, sondern es ist der geistige Mensch, der sich selbst seinen Leib aufbaut, der lebt in wiederholten Erdenleben und zwischen Tod und neuer Geburt in einer geistigen Welt. Daraus wird es vielleicht ersichtlich sein, daß es in dem geschilderten Falle nun möglich war, weil der Tote als geistiges Wesen vor der eigenen Seele stand, etwas intimer hineinzuschauen in das geistig-seelische Wesen dieses Toten. Man lernt, wie gesagt, in umgekehrter Richtung kennen ein anderes Wesen, als wenn man es auf dem physischen Plan kennenlernt. Zuerst lernt man an dem, was man von ihm erfahren konnte, das geistige Zusammensein kennen, dann es selbst, aber auch als geistiges Wesen. Und es wird eine Wahrheit, was man nennen kann «den Eintritt in die geistige Welt». Um bei dem geschilderten Beispiel stehenzubleiben: es zeigte sich, daß die betreffende Persönlichkeit, die bekannt war dem Sprecher und seinen Freunden in diesem Leben, das in verhältnismäßig früher Jugend beschlossen worden ist, daß diese Persönlichkeit in einem früheren Erdenleben, einem Leben in den ersten christlichen Jahrhunderten, vieles aufgenommen hatte aus der damaligen christlichen Kultur, aber durch die Eingeschränktheit der Zeitkultur dazumal nicht alles verarbeiten konnte. Mit diesem Unverarbeiteten kam sie nun in dieses Leben hinein, dieses Unverarbeitete sprengte dieses Leben, blieb aber als Lebenskraft vorhanden, und die Gnade wurde dem mit der Persönlichkeit Verbundenen zuteil, gerade das Zeitalter nun zu durchschauen, von dem seine Aufgabe kam, das Zeitalter, in dem die betreffende Persönlichkeit in einem vorhergehenden Erdenleben gelebt hatte.
[ 15 ] Mag ein großer Teil der Menschen der Gegenwart noch spotten über dasjenige, was eben jetzt geschildert worden ist, und über die Gesinnung, die in der geschilderten Weise in die geistige Welt hineinweist. Derjenige, der sich auf solchen Pfaden der geistigen Welt einigermaßen versucht hat, der weiß in einem solchen Falle, wo es ihm gelungen ist, dasjenige zu lösen, dasjenige zu erarbeiten, was er mit seiner Kraft nicht hatte erarbeiten können, daß ihm Wesen, und zwar ganz konkrete Wesen der geistigen Welt geholfen haben. Für ihn erweitert sich die Welt, weil er weiß, daß er dem Hunger nicht die Fähigkeit zuschreiben darf, das Brot zu erzeugen, weil er aus demselben Impuls weiß, wie in sein eigenes Vermögen die Kraft der Wesenheiten der geistigen Welt hineingedrungen ist. Wie sich so erweitert der geistige Blick des Menschen in das Feld der Toten hinein, so erweitert sich durch die Ausbildung der Methoden, die geschildert worden sind, der geistige Blick des Menschen über eine geistige Welt, die ebenso wirklich ist an konkreten Ereignissen und konkreten Wesenheiten, wie die physische Welt rings um uns herum wirklich ist.
[ 15 ] Mag ein großer Teil der Menschen der Gegenwart noch spotten über dasjenige, was eben jetzt geschildert worden ist, und über die Gesinnung, die in der geschilderten Weise in die geistige Welt hineinweist. Derjenige, der sich auf solchen Pfaden der geistigen Welt einigermaßen versucht hat, der weiß in einem solchen Falle, wo es ihm gelungen ist, dasjenige zu lösen, dasjenige zu erarbeiten, was er mit seiner Kraft nicht hatte erarbeiten können, daß ihm Wesen, und zwar ganz konkrete Wesen der geistigen Welt geholfen haben. Für ihn erweitert sich die Welt, weil er weiß, daß er dem Hunger nicht die Fähigkeit zuschreiben darf, das Brot zu erzeugen, weil er aus demselben Impuls weiß, wie in sein eigenes Vermögen die Kraft der Wesenheiten der geistigen Welt hineingedrungen ist. Wie sich so erweitert der geistige Blick des Menschen in das Feld der Toten hinein, so erweitert sich durch die Ausbildung der Methoden, die geschildert worden sind, der geistige Blick des Menschen über eine geistige Welt, die ebenso wirklich ist an konkreten Ereignissen und konkreten Wesenheiten, wie die physische Welt rings um uns herum wirklich ist.
[ 16 ] Es wird einem heute noch zuweilen verziehen, im Allgemeinen von der geistigen Welt zu sprechen; man gibt zu, daß es hinter der Sinneswelt eine geistige Welt gibt. Das aber wird einem weniger verziehen, wenn man in der angedeuteten Weise von konkreten Wesenheiten der geistigen Welt spricht, denen man gegenübertritt wie den Wesen des Mineral-, des Pflanzenreiches, des Tierreiches und des Menschenreiches in der physischen Welt. Derjenige aber, der nicht zurückscheut, wirklich die in der Seele schlummernden Kräfte auszubilden, der weiß, daß es ebensowenig richtig ist, im Allgemeinen von dem Geiste zu sprechen etwa wie in einem verschwommenen Pantheismus, wie es richtig wäre, über die Natur zu sprechen so, daß man über eine Wiese geht und sagt nicht, indem man die Pflanzenwelt, die Blumen — hier ein Stiefmütterchen, dort eine Tulpe und so weiter — anschaut: Dies sind Blumen, das ist eine Rose, das eine Tulpe, das ist Gras —, sondern man sagt: Das ist Natur und das ist Natur und das ist Natur, alles ist Natur, Natur, Natur. — Genauso ist es aber, wenn man in verschwommen pantheistischer Weise nur spricht von Geist, Geist, Geist. Wie wir in der konkreten Sinneswelt sprechen von den Einzelheiten, so lernt man die geistige Welt nur erkennen, wenn man die Möglichkeit sich verschafft, von den die geistige Welt bevölkernden einzelnen geistigen Wesenheiten und den Vorgängen, die sich zwischen diesen geistigen Wesenheiten abspielen, wirklich zu wissen.
[ 16 ] Es wird einem heute noch zuweilen verziehen, im Allgemeinen von der geistigen Welt zu sprechen; man gibt zu, daß es hinter der Sinneswelt eine geistige Welt gibt. Das aber wird einem weniger verziehen, wenn man in der angedeuteten Weise von konkreten Wesenheiten der geistigen Welt spricht, denen man gegenübertritt wie den Wesen des Mineral-, des Pflanzenreiches, des Tierreiches und des Menschenreiches in der physischen Welt. Derjenige aber, der nicht zurückscheut, wirklich die in der Seele schlummernden Kräfte auszubilden, der weiß, daß es ebensowenig richtig ist, im Allgemeinen von dem Geiste zu sprechen etwa wie in einem verschwommenen Pantheismus, wie es richtig wäre, über die Natur zu sprechen so, daß man über eine Wiese geht und sagt nicht, indem man die Pflanzenwelt, die Blumen — hier ein Stiefmütterchen, dort eine Tulpe und so weiter — anschaut: Dies sind Blumen, das ist eine Rose, das eine Tulpe, das ist Gras —, sondern man sagt: Das ist Natur und das ist Natur und das ist Natur, alles ist Natur, Natur, Natur. — Genauso ist es aber, wenn man in verschwommen pantheistischer Weise nur spricht von Geist, Geist, Geist. Wie wir in der konkreten Sinneswelt sprechen von den Einzelheiten, so lernt man die geistige Welt nur erkennen, wenn man die Möglichkeit sich verschafft, von den die geistige Welt bevölkernden einzelnen geistigen Wesenheiten und den Vorgängen, die sich zwischen diesen geistigen Wesenheiten abspielen, wirklich zu wissen.
[ 17 ] Dasjenige, was am leichtesten und am bequemsten eingewandt wird gegen die mögliche Erkenntnis der geistigen Welt, das ist, daß man sagt, es widerspreche der Kraft eines wirklich intelligenten Verhaltens zur Außenwelt, wenn der Mensch sich einem solchen Phantasieren über die geistige Welt hingeben wolle. Allein man macht den Einwand, den man scheinbar mit Recht aus der Kraft der menschlichen Intelligenz herleitet, nur so lange, als man nicht die Wirksamkeit der Intelligenz, das heißt der Denkkraft des Menschen, durch geistige Forschung selbst erkennen lernt.
[ 17 ] Dasjenige, was am leichtesten und am bequemsten eingewandt wird gegen die mögliche Erkenntnis der geistigen Welt, das ist, daß man sagt, es widerspreche der Kraft eines wirklich intelligenten Verhaltens zur Außenwelt, wenn der Mensch sich einem solchen Phantasieren über die geistige Welt hingeben wolle. Allein man macht den Einwand, den man scheinbar mit Recht aus der Kraft der menschlichen Intelligenz herleitet, nur so lange, als man nicht die Wirksamkeit der Intelligenz, das heißt der Denkkraft des Menschen, durch geistige Forschung selbst erkennen lernt.
[ 18 ] Gehen wir noch einmal zu unserem Beispiel zurück: Stellen Sie sich einen Menschen vor, der hier auf der Erde gewisse Gedanken entwikkeln will, deren Entwickelung ihm als Aufgabe gestellt ist. Er lernt gegenübertreten einer geistigen Wesenheit, in diesem Falle einem verstorbenen Menschen. Diese Wesenheit sendet ihr durch die geistige Welt verändertes Denken — man möchte sagen denkendes Wollen, fühlendes Denken — herein in das eigene Denken und Fühlen. Da, in dem auf der Erde lebenden Menschen, entstehen erst die Gedanken, die intelligenten Gedanken, die der Tote hervorbringen will aus eigener Kraft heraus. Man lernt erkennen, daß von dem, was auf der Erde ist, der Tote Fühlen und Wollen hat, daß er andere Fähigkeiten hat, seelische Fähigkeiten, die sich auf der Erde nicht entwickeln, daß er aber den "Trieb als Toter hat, sein Denken und Fühlen mit menschlichen Gedanken zu verbinden. Daher verbindet er sich mit dem Erdenmenschen. Denn indem sein Denken, Fühlen und Wollen eindringen in den Menschen, werden Gedanken angeregt. Er erlebt sie mit, er konnte sie für sich allein nicht erleben. Dadurch wird die Kommunikation mit dem Erdenmenschen herbeigeführt. Allerdings ist ein solcher Verkehr mit einem geistigen Wesen und die Anregung der eigenen Gedanken nur möglich, wenn die Gedanken sich vorher in der früher geschilderten Weise emanzipiert haben von dem Nervensystem und von dem Gehirn, wenn sie außerhalb des Gehirns als Denktätigkeit sich entwickeln. Ein merkwürdiger Prozeß tritt ein: Indem man so das Denken emanzipiert von seinem Leiblichen, erlebt, fühlt man sich selbst so, wie wenn einem das eigene Denken entrissen würde, wie wenn es im Raume und in der Zeit sich ausweitete und ausbreitete. Das Denken, von dem wir sonst sagen: Es verläuft in uns —, identifiziert sich mit der umgebenden geistigen Welt, strömt in dieselbe hinein und erlangt gegenüber uns selbst eine Selbständigkeit, die wir vergleichen können mit der annähernden Selbständigkeit, die im physischen Leibe zum Beispiel das Auge hat, das als eine Art selbständiges Organ in seiner Höhle drinnensitzt. So ist das nun selbständige Denken zwar mit dem erhöhten Selbst verbunden, aber so selbständig, daß es wie das geistige Wahrnehmungsorgan für das Denken und Fühlen der anderen geistigen Wesenheiten wirkt, so wie das Auge für das Wahrnehmen der sinnlichen Farbe und des sinnlichen Lichtes wirkt. Man kommt allmählich dazu, zu sehen, daß sich das Denken, das sonst in der Intelligenz beschlossen ist, wie ein geistiges Wahrnehmungsorgan verselbständigt gegenüber unserer eigenen Wesenheit.
[ 18 ] Gehen wir noch einmal zu unserem Beispiel zurück: Stellen Sie sich einen Menschen vor, der hier auf der Erde gewisse Gedanken entwikkeln will, deren Entwickelung ihm als Aufgabe gestellt ist. Er lernt gegenübertreten einer geistigen Wesenheit, in diesem Falle einem verstorbenen Menschen. Diese Wesenheit sendet ihr durch die geistige Welt verändertes Denken — man möchte sagen denkendes Wollen, fühlendes Denken — herein in das eigene Denken und Fühlen. Da, in dem auf der Erde lebenden Menschen, entstehen erst die Gedanken, die intelligenten Gedanken, die der Tote hervorbringen will aus eigener Kraft heraus. Man lernt erkennen, daß von dem, was auf der Erde ist, der Tote Fühlen und Wollen hat, daß er andere Fähigkeiten hat, seelische Fähigkeiten, die sich auf der Erde nicht entwickeln, daß er aber den "Trieb als Toter hat, sein Denken und Fühlen mit menschlichen Gedanken zu verbinden. Daher verbindet er sich mit dem Erdenmenschen. Denn indem sein Denken, Fühlen und Wollen eindringen in den Menschen, werden Gedanken angeregt. Er erlebt sie mit, er konnte sie für sich allein nicht erleben. Dadurch wird die Kommunikation mit dem Erdenmenschen herbeigeführt. Allerdings ist ein solcher Verkehr mit einem geistigen Wesen und die Anregung der eigenen Gedanken nur möglich, wenn die Gedanken sich vorher in der früher geschilderten Weise emanzipiert haben von dem Nervensystem und von dem Gehirn, wenn sie außerhalb des Gehirns als Denktätigkeit sich entwickeln. Ein merkwürdiger Prozeß tritt ein: Indem man so das Denken emanzipiert von seinem Leiblichen, erlebt, fühlt man sich selbst so, wie wenn einem das eigene Denken entrissen würde, wie wenn es im Raume und in der Zeit sich ausweitete und ausbreitete. Das Denken, von dem wir sonst sagen: Es verläuft in uns —, identifiziert sich mit der umgebenden geistigen Welt, strömt in dieselbe hinein und erlangt gegenüber uns selbst eine Selbständigkeit, die wir vergleichen können mit der annähernden Selbständigkeit, die im physischen Leibe zum Beispiel das Auge hat, das als eine Art selbständiges Organ in seiner Höhle drinnensitzt. So ist das nun selbständige Denken zwar mit dem erhöhten Selbst verbunden, aber so selbständig, daß es wie das geistige Wahrnehmungsorgan für das Denken und Fühlen der anderen geistigen Wesenheiten wirkt, so wie das Auge für das Wahrnehmen der sinnlichen Farbe und des sinnlichen Lichtes wirkt. Man kommt allmählich dazu, zu sehen, daß sich das Denken, das sonst in der Intelligenz beschlossen ist, wie ein geistiges Wahrnehmungsorgan verselbständigt gegenüber unserer eigenen Wesenheit.
[ 19 ] Ich kann das, was ich eben dargestellt habe, auch in anderen Worten sagen. Dasjenige, was man wirklich subjektiv erlebt, das, was die Intelligenz umschließt, das äußere Denken, sind schattenhafte Wesenheiten, eben Gedankenwesenheiten, bloß Gedanken, die abbilden äußere Wesenheiten. Indem das Denken hellsichtig wird, sich absondert von Gehirn und Nervensystem, beginnt es, innere Regsamkeit, Eigenleben zu entwickeln und strömt als eigenes Erleben in die übrige geistige Welt hinaus. Die Fühlhörner des Denkens — ich muß es etwas grob ausdrücken —, des hellsichtig gewordenen Denkens, strecken wir hinaus in die geistige Welt, und sie nehmen im Untertauchen wahr das fühlende Wollen, das wollende Fühlen der anderen Wesen, die um uns sind auf dem geistigen Felde.
[ 19 ] Ich kann das, was ich eben dargestellt habe, auch in anderen Worten sagen. Dasjenige, was man wirklich subjektiv erlebt, das, was die Intelligenz umschließt, das äußere Denken, sind schattenhafte Wesenheiten, eben Gedankenwesenheiten, bloß Gedanken, die abbilden äußere Wesenheiten. Indem das Denken hellsichtig wird, sich absondert von Gehirn und Nervensystem, beginnt es, innere Regsamkeit, Eigenleben zu entwickeln und strömt als eigenes Erleben in die übrige geistige Welt hinaus. Die Fühlhörner des Denkens — ich muß es etwas grob ausdrücken —, des hellsichtig gewordenen Denkens, strecken wir hinaus in die geistige Welt, und sie nehmen im Untertauchen wahr das fühlende Wollen, das wollende Fühlen der anderen Wesen, die um uns sind auf dem geistigen Felde.
[ 20 ] Dasjenige, was gesagt worden ist über die notwendige Selbsterkenntnis auf dem Wege der geistigen Entwickelung — was ja begreiflich macht, daß Bescheidenheit selbstverständlich ist —, solcher Selbsterkenntnis wird gestattet sein, über dieses hellsichtig entwickelte Denken die folgenden Bemerkungen zu machen, und man wird diese Bemerkungen nicht als Unbescheidenheit hinnehmen. Indem innerhalb der hellsichtigen Entwickelung das Denken lebendig wird, Selbständigkeit gewinnt, gelangt es auch dazu, wirklich technisch sichere und präzise Handhabe werden zu können. Durch wahres Hellsehen wächst die Präzision, die Treffsicherheit, die logische Kraft des Denkens, es wächst die Möglichkeit, das Denken wirklich präziser und intimer den Sachen angepaßt anzuwenden. Dadurch kommt es, daß die Intelligenz durch das wahre Hellsehen praktischer ausgearbeitet wird, mehr durchorganisiert wird, und daß es dem Hellseher leicht ist, zu durchschauen die Tragweite der Forschungsergebnisse der gewöhnlichen Wissenschaft, während zu der gewöhnlichen Wissenschaft das plastizierte..... (Lücke im Text) der Intelligenz notwendig ist, daher es begreiflicherweise so ist, daß es der gewöhnlichen Wissenschaft unserer Tage nicht möglich ist, die Ergebnisse der hellsichtigen Forschung zu durchschauen. Wahrhaftig, die Dinge stehen so, daß derjenige, der wahres Hellsehen entwickelt hat, die ganze Bedeutung und Größe der Errungenschaften der Naturforschung durchschauen kann, und es kann in diesem Sinne nicht gesprochen werden von einer Gegnerschaft der Geisteswissenschaft gegenüber der gewöhnlichen Wissenschaft. Das Umgekehrte aber ist begreiflich. Erst die hellsichtige Entwickelung organisiert die Kraft der Intelligenz, macht sie innerlich selbständig, lebendig, durchschaubar. Daher entzieht sich der äußeren materialistischen Erkenntnis die Möglichkeit, hineinzudringen in jene Logik, welche die Gewißheit gibt: Hellsichtige Erkenntnis liefert wirklich die Anschauung der geistigen Welt. Andererseits wird gerade aus dem angeführten Beispiel hellsichtigen Erlebens mit dem charakterisierten Toten vielleicht einleuchtend sein, daß Intelligenz, daß Denken eine spezifische Eigenschaft ist der im physischen Leibe lebenden Seelen, der Erdenmenschen; denn der Tote hatte in unserem Falle selbst den Trieb, sich zu verbinden mit dem Erdenmenschen, damit das, was in ihm in ganz anderer, übersinnlicher Weise lebte, die Gestalt von intelligenten Gedanken annehmen könne. Der Tote dachte mit dem Lebenden zusammen seine Gedanken. Gleichsam im Kopfe des Lebenden steckte das Denken des Toten und das Denken des Lebenden miteinander. Das intelligente Denken ist vorzugsweise eine menschliche Eigenschaft. Dies sollte durch das Beispiel illustriert werden. Daher wird verständlich sein, daß durch die Kraft der Intelligenz, durch die Kraft des Denkens, die ja, weil sie spezifisch menschlich ist, im ureigensten Sinne im Erdenmenschen entwickelt werden muß, verstanden werden kann das Ergebnis der hellsichtigen Forschung auch von demjenigen, der selbst kein Hellseher ist. Aus meinen getanen Äußerungen geht hervor, daß das selbständig gewordene Denken gleichsam das geistige Auge wird für die Wahrnehmung der geistigen Außenwelt. Allerdings zeigt sich vor der hellsichtigen Forschung, die dieses geistige Auge zu dem, was hellsichtiges Denken ist, gebraucht, daß dieses geistige Auge ein aktives, ein tätiges ist, daß die geistigen Fühlhörner sich überall hin ausstrecken, während das physische Auge ein passives ist, das die Eindrücke passiv an sich herankommen läßt. Hat daher der Geistesforscher in seine Gedanken die Offenbarungen der geistigen Welt aufgenommen, dann leben sie in den Gedanken darinnen. Und versucht er dann dasjenige, was er sich bemüht hat, in seine lebenden Gedanken hineinzubringen, seinen Mitmenschen mitzuteilen, so ist es den Mitmenschen möglich, ihn zu verstehen, ihn zu begreifen, wenn sie sich diese Wege, ihn zu verstehen, nur nicht durch materialistische Vorurteile verlegen lassen.
[ 20 ] Dasjenige, was gesagt worden ist über die notwendige Selbsterkenntnis auf dem Wege der geistigen Entwickelung — was ja begreiflich macht, daß Bescheidenheit selbstverständlich ist —, solcher Selbsterkenntnis wird gestattet sein, über dieses hellsichtig entwickelte Denken die folgenden Bemerkungen zu machen, und man wird diese Bemerkungen nicht als Unbescheidenheit hinnehmen. Indem innerhalb der hellsichtigen Entwickelung das Denken lebendig wird, Selbständigkeit gewinnt, gelangt es auch dazu, wirklich technisch sichere und präzise Handhabe werden zu können. Durch wahres Hellsehen wächst die Präzision, die Treffsicherheit, die logische Kraft des Denkens, es wächst die Möglichkeit, das Denken wirklich präziser und intimer den Sachen angepaßt anzuwenden. Dadurch kommt es, daß die Intelligenz durch das wahre Hellsehen praktischer ausgearbeitet wird, mehr durchorganisiert wird, und daß es dem Hellseher leicht ist, zu durchschauen die Tragweite der Forschungsergebnisse der gewöhnlichen Wissenschaft, während zu der gewöhnlichen Wissenschaft das plastizierte..... (Lücke im Text) der Intelligenz notwendig ist, daher es begreiflicherweise so ist, daß es der gewöhnlichen Wissenschaft unserer Tage nicht möglich ist, die Ergebnisse der hellsichtigen Forschung zu durchschauen. Wahrhaftig, die Dinge stehen so, daß derjenige, der wahres Hellsehen entwickelt hat, die ganze Bedeutung und Größe der Errungenschaften der Naturforschung durchschauen kann, und es kann in diesem Sinne nicht gesprochen werden von einer Gegnerschaft der Geisteswissenschaft gegenüber der gewöhnlichen Wissenschaft. Das Umgekehrte aber ist begreiflich. Erst die hellsichtige Entwickelung organisiert die Kraft der Intelligenz, macht sie innerlich selbständig, lebendig, durchschaubar. Daher entzieht sich der äußeren materialistischen Erkenntnis die Möglichkeit, hineinzudringen in jene Logik, welche die Gewißheit gibt: Hellsichtige Erkenntnis liefert wirklich die Anschauung der geistigen Welt. Andererseits wird gerade aus dem angeführten Beispiel hellsichtigen Erlebens mit dem charakterisierten Toten vielleicht einleuchtend sein, daß Intelligenz, daß Denken eine spezifische Eigenschaft ist der im physischen Leibe lebenden Seelen, der Erdenmenschen; denn der Tote hatte in unserem Falle selbst den Trieb, sich zu verbinden mit dem Erdenmenschen, damit das, was in ihm in ganz anderer, übersinnlicher Weise lebte, die Gestalt von intelligenten Gedanken annehmen könne. Der Tote dachte mit dem Lebenden zusammen seine Gedanken. Gleichsam im Kopfe des Lebenden steckte das Denken des Toten und das Denken des Lebenden miteinander. Das intelligente Denken ist vorzugsweise eine menschliche Eigenschaft. Dies sollte durch das Beispiel illustriert werden. Daher wird verständlich sein, daß durch die Kraft der Intelligenz, durch die Kraft des Denkens, die ja, weil sie spezifisch menschlich ist, im ureigensten Sinne im Erdenmenschen entwickelt werden muß, verstanden werden kann das Ergebnis der hellsichtigen Forschung auch von demjenigen, der selbst kein Hellseher ist. Aus meinen getanen Äußerungen geht hervor, daß das selbständig gewordene Denken gleichsam das geistige Auge wird für die Wahrnehmung der geistigen Außenwelt. Allerdings zeigt sich vor der hellsichtigen Forschung, die dieses geistige Auge zu dem, was hellsichtiges Denken ist, gebraucht, daß dieses geistige Auge ein aktives, ein tätiges ist, daß die geistigen Fühlhörner sich überall hin ausstrecken, während das physische Auge ein passives ist, das die Eindrücke passiv an sich herankommen läßt. Hat daher der Geistesforscher in seine Gedanken die Offenbarungen der geistigen Welt aufgenommen, dann leben sie in den Gedanken darinnen. Und versucht er dann dasjenige, was er sich bemüht hat, in seine lebenden Gedanken hineinzubringen, seinen Mitmenschen mitzuteilen, so ist es den Mitmenschen möglich, ihn zu verstehen, ihn zu begreifen, wenn sie sich diese Wege, ihn zu verstehen, nur nicht durch materialistische Vorurteile verlegen lassen.
[ 21 ] Es gibt in der menschlichen Seele etwas wie eine innere, gewöhnlich stumm bleibende Sprache, die sofort wie ein Echo ertönen muß, wenn die Begriffe an die Seele herankommen, die der Geistesforscher gewinnt dadurch, daß er sich anregen läßt in seinem Wollen und Fühlen von der geistigen Welt und deren Wesenheiten. Und wenn die Menschen der Gegenwart sich etwas mehr befaßt haben werden — die Menschen der Zukunft namentlich — mit den Impulsen der Geisteswissenschaft, so werden immer mehr und mehr verstummen die Einwände von der Art, daß man etwa sagt: Ja, man muß glauben dasjenige, was der Geistesforscher aus der geistigen Welt heraus mitteilt, denn man kann es nicht begreifen. — Man wird erfahren, daß die menschliche Intelligenz in der Tat fähig ist, wohl zu verstehen, wohl zu begreifen das, was mitgeteilt wird aus der geistigen Welt heraus, allerdings nur, wenn es von der Art ist, daß es durch richtige geistige Erlebnisse, durch wahre geistige Erforschung aus dieser geistigen Welt herausgeholt ist. Und man wird erkennen, daß es nicht richtig ist, wenn man sagt, man sei als Mensch nicht veranlagt, mit seiner Intelligenz zu durchschauen, zu begreifen die Offenbarungen aus der geistigen Welt, man müsse sie auf Autorität annehmen. Man wird vielmehr verstehen lernen, daß diesem Begreifen und Verstehen nur hinderlich sein kann, das, was man nennt: Vorurteile haben. Und man wird immer mehr dazu kommen, ebenso zu den Mitteilungen aus der geistigen Welt zu stehen, wie man etwa zu den Ergebnissen der modernen Astronomie, Biologie, Physik und Chemie steht, auch wenn man kein Astronom, kein Biologe oder Physiker oder Chemiker ist, und dennoch hinnimmt durch dasjenige, was man natürliches Wahrheitsgefühl, natürlichen Wahrheitssinn, was man eine stumme Sprache in der menschlichen Seele nennen kann, dasjenige, was die Wissenschaften verkünden aus der physischen Welt.
[ 21 ] Es gibt in der menschlichen Seele etwas wie eine innere, gewöhnlich stumm bleibende Sprache, die sofort wie ein Echo ertönen muß, wenn die Begriffe an die Seele herankommen, die der Geistesforscher gewinnt dadurch, daß er sich anregen läßt in seinem Wollen und Fühlen von der geistigen Welt und deren Wesenheiten. Und wenn die Menschen der Gegenwart sich etwas mehr befaßt haben werden — die Menschen der Zukunft namentlich — mit den Impulsen der Geisteswissenschaft, so werden immer mehr und mehr verstummen die Einwände von der Art, daß man etwa sagt: Ja, man muß glauben dasjenige, was der Geistesforscher aus der geistigen Welt heraus mitteilt, denn man kann es nicht begreifen. — Man wird erfahren, daß die menschliche Intelligenz in der Tat fähig ist, wohl zu verstehen, wohl zu begreifen das, was mitgeteilt wird aus der geistigen Welt heraus, allerdings nur, wenn es von der Art ist, daß es durch richtige geistige Erlebnisse, durch wahre geistige Erforschung aus dieser geistigen Welt herausgeholt ist. Und man wird erkennen, daß es nicht richtig ist, wenn man sagt, man sei als Mensch nicht veranlagt, mit seiner Intelligenz zu durchschauen, zu begreifen die Offenbarungen aus der geistigen Welt, man müsse sie auf Autorität annehmen. Man wird vielmehr verstehen lernen, daß diesem Begreifen und Verstehen nur hinderlich sein kann, das, was man nennt: Vorurteile haben. Und man wird immer mehr dazu kommen, ebenso zu den Mitteilungen aus der geistigen Welt zu stehen, wie man etwa zu den Ergebnissen der modernen Astronomie, Biologie, Physik und Chemie steht, auch wenn man kein Astronom, kein Biologe oder Physiker oder Chemiker ist, und dennoch hinnimmt durch dasjenige, was man natürliches Wahrheitsgefühl, natürlichen Wahrheitssinn, was man eine stumme Sprache in der menschlichen Seele nennen kann, dasjenige, was die Wissenschaften verkünden aus der physischen Welt.
[ 22 ] Die Konkordanz zwischen Intelligenz und Hellsehen wird immer mehr und mehr hervortreten. Und dann wird man zugeben, daß man in der hellsichtigen Forschung wirklich etwas hat, was sich aus der gleichen Gesinnung heraus, aus der die wahre naturwissenschaftliche Forschung entspringt, erhebt in die Welt der geistigen Wesenheiten und geistigen Vorgänge. Wahrhaftig, der Moment wird eintreten in der modernen Kultur, der erinnern kann — und ich möchte sagen: für den Geistesforscher ist der Gedanke heute tröstlich, bei den vielen Gegnerschaften, die die Geisteswissenschaft heute noch findet —, der Moment wird eintreten, der erinnern kann an Giordano Bruno, der sich hinzustellen hatte vor seine Welt, hinaufblickend zum blauen Himmelsgewölbe, das die Menschen ja als das Wahrste für sie, als den Sinneseindruck kannten, der wahr sein mußte, der aber sagen mußte: Ihr seht das blaue Himmelsgewölbe nur aus dem Grunde, weil euer Sehvermögen bis dahin reicht. Ihr macht selbst diese Grenze, in Wahrheit aber breitet sich aus eine Unendlichkeit an Raumesweiten. Da droben die Grenzen, die ihr so genau seht, von denen euch der Sinnenschein so schön überzeugt, die macht ihr euch selbst durch die Beschränktheit eures Sehvermögens. — Man wird erkennen, daß der Geistesforscher sich heute und in Zukunft vor die Welt wird hinstellen müssen und sagen: Ebenso ist das Firmament da in bezug auf die Zeit, für die Zeit zwischen Geburt und Tod. Dieses zeitliche Firmament, man sieht es durch den Sinnenschein, man macht es aber in Wirklichkeit durch die Beschränktheit des menschlichen geistigen Schauvermögens, wie man früher machte das blaue Firmament des Raumes. Und wie jenseits des Raumesfirmamentes liegen unendliche Raumesweiten, so liegen jenseits des zeitlichen Firmamentes zwischen Geburt und Tod die zeitliche Unendlichkeit und eingebettet in sie die Unendlichkeit des eigenen geistigen Lebens, das Gemeinschaft hat mit dem übrigen geistigen Leben der Welt.
[ 22 ] Die Konkordanz zwischen Intelligenz und Hellsehen wird immer mehr und mehr hervortreten. Und dann wird man zugeben, daß man in der hellsichtigen Forschung wirklich etwas hat, was sich aus der gleichen Gesinnung heraus, aus der die wahre naturwissenschaftliche Forschung entspringt, erhebt in die Welt der geistigen Wesenheiten und geistigen Vorgänge. Wahrhaftig, der Moment wird eintreten in der modernen Kultur, der erinnern kann — und ich möchte sagen: für den Geistesforscher ist der Gedanke heute tröstlich, bei den vielen Gegnerschaften, die die Geisteswissenschaft heute noch findet —, der Moment wird eintreten, der erinnern kann an Giordano Bruno, der sich hinzustellen hatte vor seine Welt, hinaufblickend zum blauen Himmelsgewölbe, das die Menschen ja als das Wahrste für sie, als den Sinneseindruck kannten, der wahr sein mußte, der aber sagen mußte: Ihr seht das blaue Himmelsgewölbe nur aus dem Grunde, weil euer Sehvermögen bis dahin reicht. Ihr macht selbst diese Grenze, in Wahrheit aber breitet sich aus eine Unendlichkeit an Raumesweiten. Da droben die Grenzen, die ihr so genau seht, von denen euch der Sinnenschein so schön überzeugt, die macht ihr euch selbst durch die Beschränktheit eures Sehvermögens. — Man wird erkennen, daß der Geistesforscher sich heute und in Zukunft vor die Welt wird hinstellen müssen und sagen: Ebenso ist das Firmament da in bezug auf die Zeit, für die Zeit zwischen Geburt und Tod. Dieses zeitliche Firmament, man sieht es durch den Sinnenschein, man macht es aber in Wirklichkeit durch die Beschränktheit des menschlichen geistigen Schauvermögens, wie man früher machte das blaue Firmament des Raumes. Und wie jenseits des Raumesfirmamentes liegen unendliche Raumesweiten, so liegen jenseits des zeitlichen Firmamentes zwischen Geburt und Tod die zeitliche Unendlichkeit und eingebettet in sie die Unendlichkeit des eigenen geistigen Lebens, das Gemeinschaft hat mit dem übrigen geistigen Leben der Welt.
[ 23 ] Kommen wird die Zeit, in der man einsehen wird, wie mit der hellsichtigen Forschung zugleich die Intelligenz sich vertieft und erkraftet in dem Menschen, und einsehen wird man, daß diese hellsichtige Forschung auch eine feinere und intimere Logik liefert. Vor solch besserem Urteil wird manches Urteil verstummen, das heute noch gegen Geisteswissenschaft — scheinbar mit Recht — erhoben wird, indem man sagt: Hat denn die Philosophie dieser oder jener Autoren nicht bewiesen, daß das menschliche Erkenntnisvermögen Grenzen hat? Und sind denn die Gründe, die die Philosophen für die Grenzen der Möglichkeit menschlicher Erkenntnis vorbringen, nicht schlagend? Sind sie nicht logisch? Will denn der Geistesforscher die schlagenden logischen Gründe dieser Philosophen für die Grenzen des möglichen Erkenntnisvermögens aus dem Felde schlagen? — Kommen wird die Zeit, wo man sich erheben wird über solche geringe Tragkraft und Treffsicherheit der menschlichen Logik, wo man zum Beispiel wissen wird, daß etwas richtig sein kann, unwiderleglich sein kann als Philosophie und doch durch das Leben völlig widerlegt wird. Es ist ja möglich und den Vergleich werden Sie treffend finden —, es wäre ja möglich gewesen, bevor ein Mikroskop, ein Teleskop erfunden war, daß jemand sehr scharfsinnig nachgewiesen hätte, das menschliche Auge könne niemals eine Zelle sehen. Die Gründe für diese Behauptung hätten schlagend, treffend, unwiderleglich sein können. Dennoch hat das menschliche Vermögen das Mikroskop, das Teleskop konstruiert, die die Schlagkraft des menschlichen Auges vergrößert haben. Das Leben ist hinausgeschritten über die unwiderleglichen Beweise der Philosophen. Ebenso wird das Leben nicht zu widerlegen brauchen die Gründe, die dieser oder jener Philosoph angibt. Sie können unwiderleglich sein, aber das Leben in seiner Wirklichkeit muß über sie hinausschreiten, indem es das Erkenntnisvermögen erkraftet, indem es durch geistige Instrumente erkraftet die geistige Erkenntnis.
[ 23 ] Kommen wird die Zeit, in der man einsehen wird, wie mit der hellsichtigen Forschung zugleich die Intelligenz sich vertieft und erkraftet in dem Menschen, und einsehen wird man, daß diese hellsichtige Forschung auch eine feinere und intimere Logik liefert. Vor solch besserem Urteil wird manches Urteil verstummen, das heute noch gegen Geisteswissenschaft — scheinbar mit Recht — erhoben wird, indem man sagt: Hat denn die Philosophie dieser oder jener Autoren nicht bewiesen, daß das menschliche Erkenntnisvermögen Grenzen hat? Und sind denn die Gründe, die die Philosophen für die Grenzen der Möglichkeit menschlicher Erkenntnis vorbringen, nicht schlagend? Sind sie nicht logisch? Will denn der Geistesforscher die schlagenden logischen Gründe dieser Philosophen für die Grenzen des möglichen Erkenntnisvermögens aus dem Felde schlagen? — Kommen wird die Zeit, wo man sich erheben wird über solche geringe Tragkraft und Treffsicherheit der menschlichen Logik, wo man zum Beispiel wissen wird, daß etwas richtig sein kann, unwiderleglich sein kann als Philosophie und doch durch das Leben völlig widerlegt wird. Es ist ja möglich und den Vergleich werden Sie treffend finden —, es wäre ja möglich gewesen, bevor ein Mikroskop, ein Teleskop erfunden war, daß jemand sehr scharfsinnig nachgewiesen hätte, das menschliche Auge könne niemals eine Zelle sehen. Die Gründe für diese Behauptung hätten schlagend, treffend, unwiderleglich sein können. Dennoch hat das menschliche Vermögen das Mikroskop, das Teleskop konstruiert, die die Schlagkraft des menschlichen Auges vergrößert haben. Das Leben ist hinausgeschritten über die unwiderleglichen Beweise der Philosophen. Ebenso wird das Leben nicht zu widerlegen brauchen die Gründe, die dieser oder jener Philosoph angibt. Sie können unwiderleglich sein, aber das Leben in seiner Wirklichkeit muß über sie hinausschreiten, indem es das Erkenntnisvermögen erkraftet, indem es durch geistige Instrumente erkraftet die geistige Erkenntnis.
[ 24 ] Daß diese Dinge heute nicht allgemein zugegeben werden, ist begreiflich bei dem Standpunkt der jetzigen Kultur und dem Glauben an die Unwiderleglichkeit der Beweise der Philosophen. Aber es wird eine höhere Logik geben in dem weiteren Verlauf der menschlichen Kultur als die, die in der Unwiderleglichkeit so mancher rein äußerlichen Philosophie besteht, eine höhere Logik des Lebens, das aber dann sein wird ein Leben im Geiste, eine Erkenntnis in geistiger Wissenschaft. Kommen wird die Zeit, in welcher man wahrhaftig nicht geringer schätzen wird die großen Verdienste für die Erforschung der äußeren Wissenschaft als heute, aber in der man erkennen wird, daß all das, was uns die herrlichen Errungenschaften der Naturwissenschaft gebracht haben, für das tiefere Leben der Menschen mehr Fragen liefert als Antworten. Derjenige, der hineinschaut in die einzelnen Zweige der modernen Wissenschaft, in Biologie, Astronomie und so weiter, der weiß, daß man am Ende dieser Wissenschaften steht. Denn geben einem diese Wissenschaften Antworten? Nein, sie werfen erst im richtigen Sinne die Fragen auf. Die Antworten aber werden kommen aus dem, was hinter dem ist, was äußere Wissenschaften erforschen können. Die Antworten werden kommen aus den Quellen der hellsichtigen Forschung.
[ 24 ] Daß diese Dinge heute nicht allgemein zugegeben werden, ist begreiflich bei dem Standpunkt der jetzigen Kultur und dem Glauben an die Unwiderleglichkeit der Beweise der Philosophen. Aber es wird eine höhere Logik geben in dem weiteren Verlauf der menschlichen Kultur als die, die in der Unwiderleglichkeit so mancher rein äußerlichen Philosophie besteht, eine höhere Logik des Lebens, das aber dann sein wird ein Leben im Geiste, eine Erkenntnis in geistiger Wissenschaft. Kommen wird die Zeit, in welcher man wahrhaftig nicht geringer schätzen wird die großen Verdienste für die Erforschung der äußeren Wissenschaft als heute, aber in der man erkennen wird, daß all das, was uns die herrlichen Errungenschaften der Naturwissenschaft gebracht haben, für das tiefere Leben der Menschen mehr Fragen liefert als Antworten. Derjenige, der hineinschaut in die einzelnen Zweige der modernen Wissenschaft, in Biologie, Astronomie und so weiter, der weiß, daß man am Ende dieser Wissenschaften steht. Denn geben einem diese Wissenschaften Antworten? Nein, sie werfen erst im richtigen Sinne die Fragen auf. Die Antworten aber werden kommen aus dem, was hinter dem ist, was äußere Wissenschaften erforschen können. Die Antworten werden kommen aus den Quellen der hellsichtigen Forschung.
[ 25 ] Zusammenfassen darf ich das, was ich heute habe zu Ihnen sprechen wollen, in die Worte: Weiter ist die Welt als die bloße Sinneswelt, und der Geist steht hinter der Sinneswelt. Und für die Geistesforschung erschließt sich der Geist dem hellsichtigen Erkennen und macht die Sinneswelt, die uns in ihrer Herrlichkeit umgibt, erst in ihrer Göttlichkeit erkennbar für uns. Weit ist die Welt, und der Geist, er ist der notwendige andere Pol zur Sinneswelt. Und dasjenige, was der Mensch erstreben wird zur Erkenntnis der Gesamtwelt — so zeigt uns eine wirkliche Perspektive der menschlichen zukünftigen Kulturentwickelung —, es wird sein nicht einseitige Erforschung der Sinneswelt, nicht einseitige äußere Wissenschaft, wie heute viele glauben, sondern es wird sein ein Zusammenfassen von Wissenschaft, Intelligenz und hellsichtiger Forschung. Und in diesem Zusammenfluß werden die Menschen erst wahrhaftig sich selbst und ihren eigenen Geist verstehen und die Lösung der Welträtsel für die nächsten Zeitalter — immer nur in Beschränktheit können sie gelöst werden — erkennen und sich in dieser Erkenntnis erst befriedigt fühlen.
[ 25 ] Zusammenfassen darf ich das, was ich heute habe zu Ihnen sprechen wollen, in die Worte: Weiter ist die Welt als die bloße Sinneswelt, und der Geist steht hinter der Sinneswelt. Und für die Geistesforschung erschließt sich der Geist dem hellsichtigen Erkennen und macht die Sinneswelt, die uns in ihrer Herrlichkeit umgibt, erst in ihrer Göttlichkeit erkennbar für uns. Weit ist die Welt, und der Geist, er ist der notwendige andere Pol zur Sinneswelt. Und dasjenige, was der Mensch erstreben wird zur Erkenntnis der Gesamtwelt — so zeigt uns eine wirkliche Perspektive der menschlichen zukünftigen Kulturentwickelung —, es wird sein nicht einseitige Erforschung der Sinneswelt, nicht einseitige äußere Wissenschaft, wie heute viele glauben, sondern es wird sein ein Zusammenfassen von Wissenschaft, Intelligenz und hellsichtiger Forschung. Und in diesem Zusammenfluß werden die Menschen erst wahrhaftig sich selbst und ihren eigenen Geist verstehen und die Lösung der Welträtsel für die nächsten Zeitalter — immer nur in Beschränktheit können sie gelöst werden — erkennen und sich in dieser Erkenntnis erst befriedigt fühlen.
[ 26 ] Für denjenigen aber, der den wirklichen Impuls der Geisteswissenschaft in seiner Seele aufgenommen hat, ergibt sich durch einen geistigen Blick schon heute bei zahlreichen Seelen gerade aus dem Geistesieben der Gegenwart heraus die Sehnsucht und der schon vorhandene Trieb, über das unmittelbar Sinnliche in der Wissenschaft hinauszugehen und gerade durch Anstrengung der Kräfte, welche die sinnliche Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten erzeugt hat, durch innere Verarbeitung dieser Kräfte die Seele zu erkraften, zu erstarken, um hinaufzuleben in die geistigen Welten, aus denen doch nur die wahre Befriedigung für die Menschenseele fließen kann.
[ 26 ] Für denjenigen aber, der den wirklichen Impuls der Geisteswissenschaft in seiner Seele aufgenommen hat, ergibt sich durch einen geistigen Blick schon heute bei zahlreichen Seelen gerade aus dem Geistesieben der Gegenwart heraus die Sehnsucht und der schon vorhandene Trieb, über das unmittelbar Sinnliche in der Wissenschaft hinauszugehen und gerade durch Anstrengung der Kräfte, welche die sinnliche Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten erzeugt hat, durch innere Verarbeitung dieser Kräfte die Seele zu erkraften, zu erstarken, um hinaufzuleben in die geistigen Welten, aus denen doch nur die wahre Befriedigung für die Menschenseele fließen kann.
