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Christ and the Human Soul
On the Meaning of Life
Theosophical Morality
Anthroposophy and Christianity
GA 155

29 May 1912, Norrköping

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Theosophische Moral II

Theosophical Morality II

[ 1 ] Ich habe bereits gestern bemerkt, daß dasjenige, was hier wird zu sagen sein über theosophische moralische Grundsätze und Impulse, gestützt werden soll auf Tatsachen, und deshalb war es, daß wir versucht haben, einige Tatsachen vor uns hinzustellen, welche im eminenten Sinne moralische Impulse zeigen können.

[ 1 ] I noted yesterday that what is to be said here about theosophical moral principles and impulses must be based on facts, and that is why we have attempted to present some facts that can demonstrate moral impulses in the truest sense.

[ 2 ] Es war wohl am auffallendsten, am einleuchtendsten, daß bei einer solchen Persönlichkeit wie Franz von Assisi starke, gewaltige moralische Impulse gewirkt haben müssen, damit diese Persönlichkeit hat zu ihren Taten gelangen können. Denn was sind das für Taten, meine lieben theosophischen Freunde? Es sind das bei Franz von Assisi Taten, welche das Moralische im allerhöchsten Sinne des Wortes zeigen. Umgeben war zunächst Franz von Assisi von Menschen mit sehr schweren Krankheiten, für welche die übrige Welt dazumal keine Hilfe hatte. Bei ihm wirkten seine moralischen Impulse nicht nur so, daß viele von diesen schwer Kranken in ihrer Seele eine moralische Stütze, einen großen Trost hatten. Das war gewiß für viele allein zu erreichen. Aber es war für manche immerhin auch zu erreichen, daß die moralischen Impulse, die moralischen Kräfte, die ausströmten von Franz von Assisi, sogar heilende, gesundheitbringende Wirkung hatten, wenn der Glaube, das Vertrauen der Kranken hinlänglich groß war.

[ 2 ] It was surely most striking, most evident, that in a personality such as Francis of Assisi, powerful, mighty moral impulses must have been at work in order for this personality to have been able to carry out his deeds. For what kind of deeds are these, my dear Theosophical friends? In the case of Francis of Assisi, these are deeds that demonstrate morality in the very highest sense of the word. Francis of Assisi was initially surrounded by people suffering from very serious illnesses, for which the rest of the world at that time had no remedy. His moral impulses worked in such a way that many of these seriously ill people found moral support and great comfort in their souls. That alone was certainly achievable for many. But for some, it was also possible that the moral impulses, the moral forces radiating from Francis of Assisi, even had a healing, health-restoring effect, provided the faith and trust of the sick were sufficiently strong.

[ 3 ] Nun müssen wir, damit wir noch tiefer eindringen können in die Frage: Woher stammen die moralischen Impulse? gerade bei einer solch ausgezeichneten Persönlichkeit wie Franz von Assisi uns fragen: Woher kam es, daß er solche moralischen Kräfte entwickeln konnte? Was war mit ihm eigentlich geschehen? Wir werden uns etwas weiter umblicken müssen, wenn wir verstehen wollen, was eigentlich in der Seele dieses außerordentlichen Menschen gewirkt hat. Erinnern Sie sich, daß die uralte indische Kultur im Zusammenhange stand mit einer gewissen Einteilung der Menschen, mit einer Einteilung in vier Kasten, und daß die höchste Kaste bei den Indern die der Brahminen, die der Pfleger der Weisheit war. Es war die Absonderung der Kasten im alten Indien eine so starke, daß zum Beispiel die heiligen Bücher nur gelesen werden durften von den Brahminen und nicht etwa von den Mitgliedern der anderen Kasten. Die zweite Kaste, die Krieger, durften sie nur hören, die Lehren, welche in den Veden enthalten waren oder in dem Auszug aus den Veden, in der Vedanta. Erklären irgendeine Stelle aus den Veden, also eine Meinung haben über das, was die Veden bedeuten, das durften nur die Brahminen. Den anderen Menschen war es strenge verboten, eine Meinung zu haben über dasjenige, was als Weisheitsschatz in den heiligen Büchern enthalten war.

[ 3 ] Now, in order to delve even deeper into the question: Where do moral impulses come from?—especially in the case of such an exceptional figure as Francis of Assisi—we must ask ourselves: How was he able to develop such moral strength? What actually happened to him? We will have to look a little further afield if we want to understand what actually worked within the soul of this extraordinary man. Recall that ancient Indian culture was associated with a certain division of people, a division into four castes, and that the highest caste among the Indians was that of the Brahmins, the guardians of wisdom. The separation of the castes in ancient India was so strict that, for example, the sacred books were permitted to be read only by the Brahmins and not by members of the other castes. The second caste, the warriors, were allowed only to hear the teachings contained in the Vedas or in the excerpt from the Vedas, the Vedanta. Only the Brahmins were permitted to interpret any passage from the Vedas—that is, to form an opinion about the meaning of the Vedas. It was strictly forbidden for other people to have an opinion about what was contained in the sacred books as a treasure of wisdom.

[ 4 ] Die zweite Kaste waren diejenigen Menschen, welche das Kriegshandwerk und die Verwaltung des Landes zu besorgen hatten. Dann gab es eine dritte Kaste, die Handel und Gewerbe zu treiben hatte, und eine vierte, eigentlich arbeitende Kaste; endlich aber eine ganz verachtete Bevölkerungsschicht, die Parias, welche so wenig geachtet wurde, daß zum Beispiel ein Brahmine sich schon verunreinigt fühlte, wenn er nur auf den Schatten trat, der geworfen wurde von einem Paria. Er mußte sich sogar gewissen Reinigungsmaßregeln unterziehen, wenn er auf den Schatten eines solchen verunreinigten Menschen, wofür die Parias gehalten wurden, getreten war. So sehen wir, wie merkwürdig hier die Menschen eingeteilt sind in vier sozusagen anerkannte Kasten und in eine ganz und gar nicht anerkannte Kaste. Wenn wir uns nun fragen: Wurden solche strengen Regeln im alten Indien auch eingehalten? — so müssen wir antworten: In einer völligen Strenge wurden sie eingehalten. Und es hätte gewiß in der Zeit, in welcher in Europa schon die griechisch-lateinische Kultur waltete, kein Angehöriger der Kriegerkaste in Indien es gewagt, eine eigene Meinung zu haben über dasjenige, was in den heiligen Büchern, in den Veden stand.

[ 4 ] The second caste consisted of those who were responsible for warfare and the administration of the country. Then there was a third caste, which was responsible for trade and commerce, and a fourth, the actual working caste; finally, however, there was a completely despised class of people, the Pariahs, who were held in such low esteem that, for example, a Brahmin felt defiled merely by stepping on the shadow cast by a Pariah. He even had to undergo certain purification rites if he had stepped on the shadow of such a defiled person—which is what the Pariahs were considered to be. Thus we see how strangely people here are divided into four, so to speak, recognized castes and into a caste that is not recognized at all. If we now ask ourselves: Were such strict rules also observed in ancient India? — we must answer: They were observed with the utmost strictness. And certainly, at a time when Greco-Roman culture already reigned in Europe, no member of the warrior caste in India would have dared to hold a personal opinion regarding what was written in the sacred books, the Vedas.

[ 5 ] Wodurch war es nun geschehen, daß eine solche Gliederung der Menschen eingetreten war? Warum war diese Gliederung der Menschen eigentlich in die Welt gekommen? Es ist doch merkwürdig, daß wir diese Gliederung der Menschen finden gerade bei dem allerhervorragendsten Volke der menschlichen Urzeit, bei demjenigen Volke, welches aus der alten Atlantis schon in verhältnismäßig früher Zeit nach Asien herübergewandert war, welches sich bewahrt hatte die größten Weisheiten und Wissensschätze aus der alten atlantischen Zeit. Das scheint merkwürdig zu sein. Wie können wir so etwas verstehen, wie können wir es begreifen? Es scheint ja fast, als ob es aller Weisheit und Güte der Weltenordnung, der Weltenlenkung widersprechen würde, daß ausgesondert wurde eine Gruppe von Menschen, die das höchste eingesehene Gut allein bewahren sollte, und daß die anderen Menschen zu untergeordneten Stellungen von vornherein durch ihre Geburt bestimmt werden sollten.

[ 5 ] How, then, did such a division among humanity come about? Why did this division among humanity actually come into being? It is indeed strange that we find this division of humanity precisely among the most outstanding people of prehistoric times, among that people who had migrated from ancient Atlantis to Asia at a relatively early stage, and who had preserved the greatest wisdom and treasures of knowledge from the ancient Atlantean era. That seems strange. How can we understand such a thing, how can we grasp it? It almost seems as if it contradicts all the wisdom and goodness of the world order, of the guidance of the world, that a group of people was set apart to preserve the highest recognized good alone, and that the other people were to be destined from the outset, by their birth, to subordinate positions.

[ 6 ] Begreifen kann man dies nur, wenn man in die Geheimnisse des Daseins einen Blick wirft, denn das Dasein, die Entwickelung ist nur möglich durch Differenzierung, durch Gliederung. Und wenn zu jener Ausbildung von Weisheit, zu welcher es gekommen war in der Kaste der Brahminen, hätten alle Menschen kommen wollen, dann hätte gar keiner dazu kommen können. Man darf nämlich nicht sagen: Es widerspricht der göttlichen Weltenordnung, der göttlichen Weltenlenkung, daß nicht alle Menschen in gleicher Weise zur höchsten Weisheit gelangen, denn das würde nicht mehr Sinn haben, als wenn jemand fordern würde von der unendlich weisen und unendlich mächtigen Gottheit, daß sie ein Dreieck aus vier Ecken bilde. Keine Gottheit könnte ein Dreieck anders als aus drei Ecken machen. Das, was innerlich, was im Geiste geordnet und bestimmt ist, das muß eingehalten werden auch von der göttlichen Weltenregelung, und ein ebenso strenges Gesetz der Entwickelung, wie es das Gesetz für die Raumesgrenzen ist, nämlich, daß ein Dreieck nur drei Ecken haben kann, ist es, daß die Entwickelung durch Differenzierung geschehen muß, daß gewisse Gruppen von den Menschen abgesondert werden müssen, damit eine besondere Eigenschaft der menschlichen Entwickelung Platz greifen kann. Da müssen zunächst für eine gewisse Zeit die anderen Menschen ausgeschlossen sein. Das ist nicht nur ein Gesetz für die Entwickelung des Menschen im großen, sondern das ist ein Gesetz für die Entwickelung überhaupt. Betrachten Sie die menschliche Gestalt. Sie werden ohne weiteres sich gestehen, daß die vorzüglichsten, die am meisten schätzbaren Teile an der menschlichen Gestalt die Kopfknochen sind. Aber wodurch konnten die Kopfknochen nur Kopfknochen und die Umhüller des edlen Organes des Gehirns werden? Der Anlage nach kann jeder Knochen, den der Mensch an sich hat, Kopfknochen werden. Damit einige Knochen von dem gesamten Knochensystem diese Höhe der Entwickelung durchmachen können, Vorder- oder Hinterhaupthülle zu sein, mußten die Hüftknochen oder die Gelenkknochen zurückbleiben auf einer untergeordneten Stufe der Entwickelung, denn jeder Hüftknochen oder Gelenkknochen hat in sich die Anlage, geradeso Kopfknochen zu werden, wie diejenigen, die es geworden sind. So ist es überhaupt in der Welt: nur dadurch, daß das eine zurückbleibt, das andere vorrückt und sogar über einen gewissen Punkt der Entwickelung hinausrückt, ist eine Fortentwickelung möglich. So daß man sagen kann: Die Brahminen sind über einen gewissen mittleren Punkt der Entwickelung hinausgerückt, die niedersten Kasten dagegen sind dahinter wieder zurückgeblieben.

[ 6 ] One can only understand this by taking a look into the mysteries of existence, for existence and development are only possible through differentiation and structuring. And if all people had wanted to attain that level of wisdom which had been achieved in the Brahmin caste, then no one would have been able to attain it. For one must not say: It contradicts the divine order of the world, the divine governance of the world, that not all people attain the highest wisdom in the same way, for that would make no more sense than if someone were to demand of the infinitely wise and infinitely powerful deity that it form a triangle with four corners. No deity could make a triangle out of anything other than three corners. That which is ordered and determined inwardly, in the spirit, must also be observed by the divine order of the universe, and just as there is a strict law of development—as there is a law governing spatial boundaries, namely that a triangle can have only three corners—so too must development occur through differentiation, so that certain groups must be separated from humanity in order for a particular aspect of human development to take hold. For a certain time, the other people must be excluded. This is not merely a law governing human development in the broadest sense, but a law of development in general. Consider the human form. You will readily admit that the most excellent, the most precious parts of the human form are the skull bones. But by what means could the skull bones become skull bones and the enclosures of the noble organ of the brain? By nature, every bone that a human possesses could become a skull bone. In order for some bones of the entire skeletal system to reach this level of development—to become the frontal or occipital coverings—the hip bones or joint bones had to remain at a lower stage of development, for every hip bone or joint bone possesses the potential to become a skull bone just as those that have become so. Such is the way of the world: only by one thing remaining behind can another advance and even move beyond a certain point of development; thus, further development becomes possible. So that one may say: The Brahmins have moved beyond a certain middle point of development, whereas the lowest castes have fallen behind it again.

[ 7 ] Als die atlantische Katastrophe eingetreten war, da wanderten von der Atlantis, von jenem alten Kontinente, welcher an der Stelle war, wo heute der Atlantische Ozean ist, die Menschen allmählich nach Osten hinüber und bevölkerten die Länder, welche heute unter dem Namen Europa, Asien und Afrika bekannt sind. Wir sehen ab davon, daß einige westwärts zogen, deren Nachkommen dann von den Entdeckern Amerikas in Amerika aufgefunden worden sind. Als nun die atlantische Katastrophe hereingebrochen war, da waren es nicht bloß die vier Kasten, welche in Indien sich niederließen, die da auswanderten. Es wanderten nicht nur die vier Kasten aus, die allmählich in Indien sich differenzierten, sondern es waren sieben Kasten, welche von der alten Atlantis nach Osten wanderten, und die vier Kasten, welche sich in Indien geltend machten, das sind schon die vier höheren Kasten. Es gibt außer der fünften, die schon ganz verachtet war und die in Indien gleichsam eine Zwischensubstanz der Bevölkerung bildete, es gibt also außer diesen Parias noch andere Kasten, welche nur nicht mitzogen nach Indien, welche zurückblieben an den verschiedenen Stätten in Europa, Vorderasien und namentlich auch in Afrika. Es lag also die Sache so, daß nur die auserlesensten Kasten nach Indien hinüberzogen und in Europa zurückgeblieben waren diejenigen, welche ganz andere Eigenschaften hatten als die Menschen, welche bis nach Indien hingezogen waren.

[ 7 ] When the Atlantic catastrophe occurred, people gradually migrated eastward from Atlantis—that ancient continent which once stood where the Atlantic Ocean is today—and populated the lands now known as Europe, Asia, and Africa. We will set aside the fact that some moved westward, whose descendants were later found in America by the discoverers of the New World. When the Atlantic catastrophe struck, it was not merely the four castes that had settled in India who emigrated. It was not only the four castes that gradually differentiated themselves in India that migrated, but there were seven castes that migrated eastward from ancient Atlantis, and the four castes that established themselves in India—these are already the four higher castes. Apart from the fifth caste, which was already completely despised and which in India formed, as it were, an intermediate stratum of the population—that is, apart from these outcasts—there were other castes that simply did not go along to India, but remained behind at various locations in Europe, the Near East, and especially in Africa. The situation was thus such that only the most select castes migrated to India, and those who remained in Europe possessed characteristics entirely different from those of the people who had migrated as far as India.

[ 8 ] Ja, man versteht dasjenige, was später in Europa vorgegangen ist, nur dann, wenn man weiß, daß die dazumal vorzüglichsten Teile der Menschheit eben nach Asien vorgerückt waren, und in Europa als große Masse der Bevölkerung zurückgeblieben waren diejenigen Menschen, welche die Möglichkeit für ganz besondere Inkarnationen abgaben. Wenn wir verstehen wollen, was für ganz besondere Verkörperungen von Seelen in den urältesten Zeiten Europas bei der großen Masse der Bevölkerung gewesen sind, dann müssen wir uns an ein eigentümliches Ereignis der atlantischen Zeit erinnern. In einer gewissen Zeit der alten atlantischen Entwickelung war es nämlich vorgekommen, daß große Geheimnisse des Daseins, große Wahrheiten des Daseins, Wahrheiten, die viel bedeutsamer sind als alle diejenigen, zu denen sich die nachatlantische Bevölkerung noch aufgeschwungen hat, nicht, wie es damals notwendig gewesen wäre, geheim gehalten worden sind in engen Zirkeln, in engen Schulen, sondern verraten wurden an große Massen der atlantischen Bevölkerung. Diese großen Massen der atlantischen Bevölkerung bekamen dadurch ein Wissen von Mysterien und okkulten Wahrheiten, für das sie nicht reif waren. Ihre Seelen wurden damals in hohem Grade hineingetrieben in einen Zustand, welcher ein moralischer Niedergang war, so daß nur diejenigen geblieben waren auf der Bahn des Guten, auf der Bahn des Moralischen, welche dann später hinüber nach Asien zogen.

[ 8 ] Indeed, one can only understand what later transpired in Europe if one realizes that the most exceptional members of humanity at that time had moved on to Asia, leaving behind in Europe a large portion of the population consisting of those individuals who were capable of very special incarnations. If we wish to understand what kind of very special incarnations of souls existed among the vast majority of the population in Europe’s most ancient times, then we must recall a peculiar event from the Atlantean era. At a certain point in the ancient Atlantean development, it had happened that great mysteries of existence, great truths of existence—truths far more significant than any to which the post-Atlantean population has yet risen—were not, as would have been necessary at the time, kept secret within narrow circles or schools, but were revealed to the great masses of the Atlantean population. As a result, these vast masses of the Atlantean population gained knowledge of mysteries and occult truths for which they were not yet ready. Their souls were then driven to a high degree into a state of moral decline, so that only those remained on the path of goodness, on the path of morality, who later migrated to Asia.

[ 9 ] Aber auch das dürfen wir uns nicht so vorstellen, als ob nun etwa die gesamte europäische Bevölkerung nur aus solchen Menschen bestanden hätte, in deren Seelen solche Individuen waren, welche unter der Verführung der atlantischen Zeit eine moralische Niederlage erlitten hatten, sondern es waren überall hineingestreut in diese europäische Bevölkerung andere, welche zurückgeblieben waren bei der großen Wanderung nach Asien, aber eine leitende, eine führende Rolle hatten. Die Sache war also so, daß wir weit, weit über Europa, Vorderasien und Afrika hin Menschen haben, die einfach sozusagen zu solchen Kasten oder Rassen gehörten, die es gestatteten, daß verführte Seelen in deren Körpern lebten. Dann aber waren auch andere zurückgeblieben, die nicht mitgingen nach Asien, welche aber die Führung übernehmen konnten und welche besser, höher entwickelte Seelen waren.

[ 9 ] But we must not form a mental image of this as though the entire European population consisted solely of people whose souls contained such individuals who had suffered a moral defeat under the seduction of the Atlantean era; rather, scattered throughout this European population were others who had remained behind during the great migration to Asia but played a guiding, leading role. The situation was thus that, far and wide across Europe, the Near East, and Africa, we have people who simply belonged, so to speak, to such castes or races that allowed seduced souls to live within their bodies. But there were also others who had remained behind, who did not go along to Asia, yet who were able to take on the leadership and who were better, more highly developed souls.

[ 10 ] Die besten Orte für diese Seelen, die die Führung zu übernehmen hatten, waren dazumal in den alten Zeiten, in den Zeiten, während welcher sich die indische und die persische Kultur entwickelten, die mehr nördlichen Gegenden Europas, diejenigen Gegenden, in denen auch die ältesten Mysterien Europas gewesen sind. Da gab es nun eine Art Schutzeinrichtung gegenüber dem, was in der alten Atlantis früher geschehen war. In der alten Atlantis war ja für die charakterisierten Seelen dadurch eine Versuchung eingetreten, daß man ihnen Weisheiten, Mysterien, okkulte Wahrheiten gegeben hatte, für die sie nicht reif waren. Daher mußte in den europäischen Mysterien umsomehr das Weisheitsgut geschützt und gehütet werden. Diejenigen, die daher in der nachatlantischen Zeit die eigentlichen Weisheitsführer in Europa waren, hielten sich ganz zurück, bewahrten wie ein strenges Geheimnis dasjenige, was sie erhalten hatten. So daß man sagen kann: Es gab auch innerhalb Europas solche Menschen, welche sich vergleichen lassen mit den Brahminen Asiens. Aber diese europäischen Brahminen waren von niemandem äußerlich als solche gekannt. Sie hielten im strengsten Sinne des Wortes in den Mysterien abgeschlossen die heiligen Geheimnisse, damit dasjenige sich nicht wiederholen konnte, was mit der Bevölkerung, unter welche eben diese Führer hineingestreut waren, schon einmal in der atlantischen Zeit geschehen war. Nur dadurch, daß das Weisheitsgut in der allerernstesten Weise geschützt und gehütet wurde, kam es zustande, daß die Seelen sich in gewisser Weise heben konnten. Denn die Differenzierung geschieht nicht so, daß von vornherein irgendein Menschheitsteil bestimmt wäre, einen niedrigeren Rang einzunehmen als ein anderer, sondern was erniedrigt wird zu einer bestimmten Zeit, soll wieder in die Höhe sich entwickeln zu einer anderen Zeit.

[ 10 ] The best places for these souls, who were to take on leadership roles, were in those ancient times—the era during which Indian and Persian cultures were developing—the more northern regions of Europe, the very regions where Europe’s oldest mysteries were also found. There was now a kind of protective mechanism in place against what had happened earlier in ancient Atlantis. In ancient Atlantis, a temptation had arisen for these particular souls because they had been given wisdom, mysteries, and occult truths for which they were not yet ready. Therefore, the treasure of wisdom had to be all the more protected and guarded within the European mysteries. Those who were therefore the true guides of wisdom in Europe during the post-Atlantean era kept a very low profile, guarding what they had received as a strict secret. So that one can say: There were also such people within Europe who can be compared to the Brahmins of Asia. But these European Brahmins were not outwardly recognized as such by anyone. They kept the sacred secrets locked away within the mysteries in the strictest sense of the word, so that what had already happened once in the Atlantean era to the population among whom these very leaders were scattered could not be repeated. Only because the treasure of wisdom was protected and guarded in the most earnest manner did it come about that souls could, in a certain sense, elevate themselves. For differentiation does not occur in such a way that any part of humanity is predestined from the outset to occupy a lower rank than another; rather, what is lowered at a certain time is meant to develop upward again at another time.

[ 11 ] Dazu müssen aber die Bedingungen geschaffen werden. Daher kam es, daß in Europa vorhanden waren versuchte Seelen, welche den moralischen Zusammenhalt verloren hatten, und daß unter ihnen wirkte eine Weisheit aus tief verborgenen Quellen heraus. Aber auch die anderen Kasten, die nach Indien gezogen waren, hatten Angehörige zurückgelassen in Europa. Die Angehörigen der zweiten indischen Kaste, der Krieger, das waren diejenigen, welche in Europa vorzugsweise jetzt zur Macht gelangten. Während sich die Weisen, also diejenigen, die den Brahminen in Indien entsprechen, ganz zurückhielten und von verborgenen Stätten aus ihre Ratschläge gaben, zogen jene in das Volk hinaus, um es zu verbessern nach den Ratschlägen jener uralten europäischen Priester. Es zogen in das Volk hinaus diejenigen, die kriegerischen Sinn hatten. Diese zweite Kaste hatte die größte Macht in den uralten Zeiten in Europa, aber sie lebten so, daß sie ihre Führung von den verborgen bleibenden Weisen erhielten. So kam es, daß gerade die tonangebenden, die wichtigsten Persönlichkeiten in Europa diejenigen waren, die durch solche Eigenschaften glänzten, wie sie gestern besprochen wurden, durch Starkmut und Tapferkeit. Während also in Indien die Weisheit aufs höchste glänzte bei den Brahminen, dadurch, daß sie auslegten die heiligen Schriften, war es in Europa so, daß der Starkmut, die Tapferkeit am meisten geschätzt wurde und die Menschen nur wußten, wo sie die göttlichen Geheimnisse zu holen hatten, von denen sie dann die Tapferkeit, den Starkmut durchströmen lassen mußten.

[ 11 ] However, the conditions for this had to be created. This is why there were, in Europe, souls who had lost their moral cohesion, and why a wisdom from deeply hidden sources was at work among them. But the other castes that had migrated to India had also left members behind in Europe. The members of the second Indian caste, the warriors, were the ones who now primarily came to power in Europe. While the sages—that is, those corresponding to the Brahmins in India—kept entirely in the background and offered their counsel from hidden places, the warriors went out among the people to improve them according to the counsel of those ancient European priests. It was those with a warrior’s spirit who went out among the people. This second caste held the greatest power in ancient times in Europe, but they lived in such a way that they received their guidance from the sages who remained hidden. Thus it came to pass that the very leading, most important figures in Europe were those who shone with the qualities discussed yesterday—fortitude and bravery. So while in India wisdom shone most brightly among the Brahmins, through their interpretation of the sacred scriptures, in Europe it was the case that courage and bravery were most highly valued, and people knew only where to draw the divine mysteries from, through which they then had to let courage and bravery flow.

[ 12 ] So sehen wir Jahrtausende und Aberjahrtausende die Kultur Europas dahinfließen und sehen, wie die Seelen nach und nach verbessert und emporgehoben werden. Nun konnte sich aber innerhalb Europas, wo Seelen existierten, welche im Grunde genommen Nachkommen waren jener Bevölkerung, die die Versuchung durchgemacht hatte, kein rechter Sinn für das Kastenwesen Indiens entwickeln. Die Seelen kamen durcheinander. Eine Gliederung, eine Differenzierung in Kasten, wie sie in Indien war, trat nicht ein. Vielmehr trat nur eine Gliederung ein in solche, die führend waren, in einen oberen Stand, einen leitenden Stand, was später sich in den verschiedensten Richtungen als die führenden Stände kundgab, und in solche, die geführt wurden, in den geführten Stand. Der geführte Stand bestand hauptsächlich aus solchen Seelen, welche sich emporzuringen hatten.

[ 12 ] Thus we see the culture of Europe ebbing away over millennia and millennia, and we see how souls are gradually refined and elevated. However, within Europe—where souls existed who were, in essence, descendants of the population that had undergone the temptation—no true sense of the Indian caste system could develop. The souls became confused. A division, a differentiation into castes, such as existed in India, did not occur. Rather, a division emerged only between those who were leaders—an upper class, a ruling class, which later manifested in various forms as the ruling classes—and those who were led—the led class. The led class consisted mainly of souls who had to strive to rise up.

[ 13 ] Wenn wir solche Seelen suchen, welche sich nach und nach aus diesem niederen Stande emporgerungen haben, welche sich aus versuchten Seelen entwickelt haben hinauf zu höheren, dann finden wir sie vorzugsweise in derjenigen europäischen Bevölkerung, von der heute die Geschichte wenig meldet, von der nicht viel in den Geschichtsbüchern steht. Jahrhunderte und Aberjahrhunderte hindurch entwickelte diese Bevölkerung sich, um hinaufzukommen auf eine höhere Stufe, um sich sozusagen wieder zu erholen von dem Schlage, den sie in der alten atlantischen Zeit erlitten hatte. In Asien drüben hatte man es mit einem kontinuierlichen Fortlaufen der Kultur zu tun, in Europa dagegen hatte man es zu tun mehr mit einer Besserung, mit einem Umschlag der moralischen Niederlage in eine allmähliche moralische Besserung. So war es lange Zeit geblieben, und nur dadurch ist diese Besserung zustande gekommen, daß in den Menschenseelen ein außerordentlicher Nachahmungstrieb vorhanden ist und daß diejenigen, die als tapfere Menschen unter dem Volke gewirkt haben, als die Ideale und Musterbilder angesehen wurden, als die Ersten, als diejenigen, die man die Fürsten nennt, denen dann nachgeahmt haben die anderen, so daß eben durch diese Menschenseelen, welche sich so als Führer unter das Volk gemischt haben, die Moralität von ganz Europa gehoben worden ist.

[ 13 ] If we seek out those souls who have gradually risen from this lowly state, who have evolved from tested souls into higher ones, we find them primarily among that segment of the European population about which history says little today, and of which there is little mention in history books. Over centuries and centuries, this population developed in order to rise to a higher level, to recover, so to speak, from the blow it had suffered in the ancient Atlantean era. Over in Asia, one was dealing with a continuous progression of culture; in Europe, on the other hand, one was dealing more with an improvement, with a reversal of moral defeat into a gradual moral improvement. This remained the case for a long time, and this improvement came about solely because there is an extraordinary instinct for imitation in the human soul, and because those who worked among the people as brave individuals were regarded as ideals and role models, as the first among them, as those whom one calls princes, whom the others then imitated, so that it was precisely through these human souls, who mingled with the people as leaders, that the morality of all of Europe was raised.

[ 14 ] Dadurch aber war noch etwas anderes notwendig geworden in der europäischen Entwickelung. Wir müssen, wenn wir das verstehen wollen, genau unterscheiden zwischen der Rassenentwickelung und der Seelenentwickelung. Diese beiden dürfen durchaus nicht miteinander verwechselt werden. Eine Menschenseele kann sich so entwickeln, daß sie in einer Inkarnation in einer bestimmten Rasse sich verkörpert. Wenn sie sich da bestimmte Eigenschaften erwirbt, so kann sie sich in einer späteren Inkarnation in einer ganz anderen Rasse wieder verkörpern, so daß wir durchaus erleben können, daß heute innerhalb der europäischen Bevölkerung solche Seelen verkörpert sind, die in ihrer früheren Inkarnation in Indien, Japan oder China verkörpert waren. Die Seelen bleiben durchaus nicht bei den Rassen. Die Seelenentwickelung ist etwas ganz anderes als die Rassenentwickelung. Die Rassenentwickelung geht ihren ruhigen Gang vorwärts. Nun war es bei der alten europäischen Entwickelung so, daß die Seelen versetzt waren in europäische Rassen, weil sie nicht in die asiatischen Rassen hinüber konnten; deshalb waren die Seelen in jener Zeit immer wieder gezwungen, sich in europäischen Rassen zu verkörpern. Aber sie wurden immer besser und besser, und das führte dann dazu, daß die Seelen allmählich in höhere Rassen übergingen, daß also Seelen, die in ganz untergeordneten Rassen früher verkörpert waren, auf eine höhere Stufe hinauf sich entwickelten und sich später verkörpern konnten in den leiblichen Nachkommen der führenden Bevölkerung Europas. Die leiblichen Nachkommen der führenden Bevölkerung Europas vermehrten sich, wurden zahlreicher als sie ursprünglich waren, weil die Seelen nach dieser Richtung sich vermehrten. Da verkörperten sie sich also, nachdem sie besser geworden waren, in der führenden Bevölkerung Europas, und die Entwickelung geschah nun so, daß überhaupt als physische Rasse die leibliche Gestalt, in welcher sich die älteste europäische Bevölkerung ursprünglich verkörpert hatte, ausstarb, daß also gleichsam die Seelen verließen bestimmt geformte Leiber, die dann ausstarben. Das war der Grund, daß in den untergeordneten Rassen immer weniger Nachkommen waren, in den übergeordneten immer mehr und mehr. Nach und nach starben dann die untersten Schichten der europäischen Bevölkerung ganz aus.

[ 14 ] This, however, made something else necessary in European development. If we are to understand this, we must make a clear distinction between racial development and soul development. These two must not be confused with one another. A human soul can develop in such a way that it incarnates within a particular race in one incarnation. If it acquires certain qualities there, it can incarnate again in a completely different race in a later incarnation, so that we can indeed observe that souls are incarnated within the European population today who were incarnated in India, Japan, or China in their previous incarnations. The souls by no means remain confined to the races. Soul development is something entirely different from racial development. Racial development proceeds steadily forward. Now, in the case of ancient European development, the souls were placed in European races because they could not cross over into the Asian races; therefore, the souls in that era were repeatedly compelled to incarnate in European races. But they became better and better, and this then led to the souls gradually passing into higher races, so that souls who had previously incarnated in entirely subordinate races developed to a higher level and were later able to incarnate in the physical descendants of the leading population of Europe. The physical descendants of Europe’s leading population multiplied, becoming more numerous than they originally were, because the souls multiplied in this direction. So, having improved, they incarnated in the leading population of Europe, and the development proceeded in such a way that, as a physical race, the physical form in which the oldest European population had originally incarnated died out; that is, the souls, as it were, left bodies of a specific form, which then died out. That was the reason why there were fewer and fewer descendants in the subordinate races, and more and more in the superior ones. Gradually, the lowest strata of the European population died out completely.

[ 15 ] So etwas ist eben ein ganz bestimmter Vorgang, den wir verstehen müssen. Die Seelen entwickeln sich weiter, die Leiber sterben dahin. Deshalb müssen wir so genau unterscheiden zwischen Seelen- und Rassenentwickelung. Die Seelen erscheinen dann in den Körpern, die von höheren Rassen abstammen. Solch ein Vorgang geschieht nicht ohne Wirkung. Wenn nämlich so etwas geschieht, daß über große Gebiete hin etwas gleichsam verschwindet, so verschwindet es nicht im Nichts, sondern es löst sich auf und ist dann in einer anderen Form vorhanden. Sie werden verstehen, als was es geblieben ist, wenn Sie ins Auge fassen, daß im Grunde genommen in den Urzeiten bei dem Aussterben der Schlechteren der Bevölkerung, von denen ich hier gesprochen habe, sich allmählich das ganze Gebiet mit dämonischen Wesen anfüllte, welche die Auflösungsprodukte, die Verwesungsprodukte dessen darstellten, was da ausgestorben war.

[ 15 ] This is precisely a very specific process that we must understand. Souls continue to evolve, while bodies eventually perish. That is why we must make such a clear distinction between the evolution of souls and the evolution of races. The souls then appear in bodies descended from higher races. Such a process does not occur without consequence. For when something like this happens—when, as it were, something disappears across vast regions—it does not vanish into nothingness, but dissolves and then exists in another form. You will understand what it has become if you consider that, in essence, in primeval times, with the extinction of the inferior members of the population of whom I have spoken here, the entire region gradually filled with demonic beings, who represented the products of dissolution, the products of decay of that which had died out.

[ 16 ] Es war also ganz Europa und auch Vorderasien angefüllt von den vergeistigten Verwesungsprodukten der ausgestorbenen Schlechteren der Bevölkerung. Diese Verwesungsdämonen hatten eine lange Dauer und sie wirkten später auf die Menschen ein, und so war es gekommen, daß diese Verwesungsdämonen, die da gleichsam in der geistigen Atmosphäre enthalten waren, einen Einfluß auf die Menschen gewannen und bewirkten, daß die Gefühle und die Empfindungen, die später die Menschen hatten, von ihnen durchsetzt wurden. Das zeigt sich am besten darin, daß, als von Asien später große Völkermassen nach Europa herüberkamen zur Zeit der Völkerwanderung, unter ihnen Attila mit seinen Scharen, und die Leute in Europa in großen Schreck versetzten, dieser Schrecken die Menschen geeignet machte, in Beziehung zu kommen mit dem, was von früher her noch vorhanden war als dämonische Wesenheiten. Nach und nach entwickelten sich durch diese dämonischen Wesenheiten als eine Folge von dem Schrekken, der durch die herüberkommenden Scharen aus Asien entstanden war, das, was als die Seuche des Mittelalters auftrat, als die Miselsucht, als der Aussatz. Diese Krankheit war nichts anderes als die Folge der Schreckens- und Furchtzustände, die die Menschen damals durchmachten. Die Schreckens- und Furchtzustände konnten zu diesem Ziele aber nur führen bei solchen Seelen, welche ausgesetzt waren den dämonischen Kräften von ehemals.

[ 16 ] Thus, all of Europe and the Near East were filled with the spiritualized products of decay from the extinct, inferior members of the population. These demons of decay had a long-lasting effect and later influenced people, and so it came to pass that these demons of decay, which were, as it were, contained within the spiritual atmosphere, gained influence over people and caused the feelings and sensations that people later experienced to be permeated by them. This is best illustrated by the fact that when, later on, large masses of people came over from Asia to Europe during the Migration Period—including Attila with his hordes—and struck terror into the hearts of the people in Europe, this terror made people susceptible to coming into contact with what still existed from earlier times as demonic entities. Gradually, as a consequence of the terror caused by the hordes coming over from Asia, these demonic entities gave rise to what appeared as the plague of the Middle Ages, as leprosy. This disease was nothing other than the consequence of the states of terror and fear that people were experiencing at that time. However, these states of terror and fear could only lead to this outcome in souls that were exposed to the demonic forces of the past.

[ 17 ] Jetzt habe ich Ihnen geschildert, wodurch die Menschen ergriffen werden konnten von einer Sucht, die später aus Europa in der Hauptsache wieder ausgerottet worden ist, und warum sie gerade in der gestern bezeichneten Zeit in so hohem Grade vorhanden war. So sehen wir zwar, wie jetzt in Europa ausgestorben waren die Schichten, die aussterben sollten, weil sie sich nicht nach oben entwickelt hatten, wie wir aber jetzt noch die Nachwirkung in Form von Krankheiten haben, die an den Menschen herantreten können. Die betreffende Krankheit, die sogenannte Miselsucht oder der Aussatz, stellt sich uns dar als die Folge von geistig-seelischen Ursachen.

[ 17 ] I have now described to you how people could have been gripped by an addiction that was later largely eradicated from Europe, and why it was so prevalent precisely during the period I mentioned yesterday. Thus, while we see that the social strata in Europe that were destined to die out—because they had not developed upward—have now died out, we still experience the aftereffects in the form of diseases that can afflict people. The disease in question, so-called leprosy, presents itself to us as the result of spiritual and psychological causes.

[ 18 ] Dieser ganzen Sache sollte nun entgegengewirkt werden. Sie konnte nur dann eine weitere Entwickelung erfahren, wenn das, was jetzt geschildert worden ist, sozusagen von der europäischen Entwickelung ganz hinweggenommen wurde. Ein Beispiel, wie sie hinweggenommen wurde, haben wir gestern geschildert, indem wir zeigten, wie, während auf der einen Seite die Nachwirkungen des Unmoralischen als Krankheitsdämonen da sind, auf der anderen Seite die starken moralischen Impulse auftreten wie in Franz von Assisi. Dadurch, daß er die starken moralischen Impulse hatte, hat er wieder andere um sich versammelt, die, wenn auch im minderen Maße, doch in seinem Sinne wirkten. Eigentlich waren es recht viele, die in seinem Sinne damals gewirkt haben. Es hat nur nicht lange gedauert.

[ 18 ] This whole situation now needed to be counteracted. It could only continue to develop if what has just been described were, so to speak, completely removed from European development. We described an example of how it was removed yesterday, by showing how, while on the one hand the aftereffects of immorality exist as demons of disease, on the other hand strong moral impulses arise, as in the case of Francis of Assisi. Because he possessed these strong moral impulses, he gathered others around him who, though to a lesser degree, acted in his spirit. In fact, there were quite a few who acted in his spirit at that time. It simply did not last long.

[ 19 ] Wie war nun wieder in Franz von Assisi hineingekommen eine solche Seelenkraft? Da wir nicht versammelt sind, um äußere Wissenschaft zu treiben, sondern um die menschliche Moral aus den okkulten Untergründen heraus zu verstehen, so müssen wir uns auf einige okkulte Wahrheiten einlassen, müssen einige okkulte Wahrheiten ins Auge fassen. Da müssen wir uns schon einmal fragen: Woher kam denn eigentlich eine solche Seele wie die des Franz von Assisi? Verstehen können wir eine solche Seele, wie wir sie in Franz von Assisi vor uns haben, nur dann, wenn wir ein wenig in sie hineinschauen, wenn wir uns bekümmern um das, was in ihren verborgenen Tiefen war. Da muß ich Sie daran erinnern, daß die alte Kasteneinteilung Indiens eigentlich ihren ersten Stoß, ihre erste Erschütterung erfahren hat durch den Buddhismus, denn der Buddhismus hat unter mancherlei, was er hineingebracht hat in das Leben Asiens, auch das gebracht, daß er die Kasteneinteilung nicht als etwas Berechtigtes anerkannte, daß er, soweit es für Asien möglich war, die Anwartschaft eines jeden Menschen zu dem Höchsten, was der Mensch erreichen kann, anerkannt hat. Wir wissen auch, daß dies nur möglich war durch die hervorragend große und gewaltige Persönlichkeit des Buddha, und wir wissen auch, daß der Buddha ein Buddha geworden ist in jener Inkarnation, von der uns gewöhnlich erzählt wird, daß er früher ein Bodhisattva war, was die nächstuntergeordnete Würde unter dem Buddha darstellt. Dadurch, daß jener Königssohn des Sudhodana im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens durchmachte, in sich fühlte die große Wahrheit vom Leben und Leiden, dadurch hatte er die Größe sich errungen, das zu verkündigen innerhalb der Welt Asiens, was wir kennen als den Buddhismus.

[ 19 ] How, then, did such spiritual power come to dwell within Francis of Assisi? Since we are not gathered here to pursue external science, but rather to understand human morality from its occult foundations, we must engage with certain occult truths and take them into account. We must first ask ourselves: Where did a soul such as that of Francis of Assisi actually come from? We can only understand a soul such as the one we see in Francis of Assisi if we look a little into it, if we concern ourselves with what lay in its hidden depths. Here I must remind you that the ancient caste system of India actually experienced its first shock, its first upheaval, through Buddhism, for among the many things Buddhism brought into the life of Asia, it also brought the recognition that the caste system was not something legitimate, and that, as far as was possible in Asia, it acknowledged every human being’s potential to attain the highest that a human being can achieve. We also know that this was only possible through the exceptionally great and powerful personality of the Buddha, and we also know that the Buddha became a Buddha in that incarnation of which we are usually told, that he was formerly a Bodhisattva, which represents the next-lowest rank below the Buddha. Through what that prince of Sudhodana experienced in the twenty-ninth year of his life—feeling within himself the great truth of life and suffering—he attained the greatness to proclaim throughout the Asian world what we know as Buddhism.

[ 20 ] Nun war aber etwas anderes, was wir nicht aus dem Auge verlieren dürfen, verbunden mit dieser Hinaufentwickelung des Bodhisattva zu dem Buddha. Das war nämlich die Tatsache, daß diejenige Individualität, welche durch viele Inkarnationen hindurchgegangen war als Bodhisattva und dann zu der Buddhawürde aufstieg, nun, als sie Buddha geworden war, zum letztenmal im physischen Leibe auf der Erde zu verweilen hatte. Derjenige also, der vom Bodhisattva zum Buddha erhoben wird, ist damit in eine Inkarnation eingetreten, die die letzte für ihn ist. Von da ab wirkt eine solche Individualität nur noch von geistigen Höhen herunter, wirkt nur noch geistig. So haben wir also die Tatsache vor uns, daß die Individualität des Buddha nach dem fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung nur noch aus den geistigen Höhen heruntergewirkt hat.

[ 20 ] However, there was something else connected with this ascent of the Bodhisattva to Buddhahood that we must not lose sight of. Namely, the fact that the individuality which had passed through many incarnations as a Bodhisattva and then ascended to Buddhahood now, having become a Buddha, had to dwell on Earth in a physical body for the last time. Thus, the one who is elevated from Bodhisattva to Buddha has thereby entered an incarnation that is the last for him. From that point on, such an individuality works only from the spiritual heights, acting solely in the spiritual realm. Thus we are faced with the fact that, after the fifth century B.C., the individuality of the Buddha worked only from the spiritual heights.

[ 21 ] Aber der Buddhismus findet seine Fortsetzung. Der Buddhismus findet die Möglichkeit, in einer gewissen Weise nicht nur das Leben Asiens, sondern das geistige Leben der ganzen damals bekannten Welt zu beeinflussen. Wie der Buddhismus sich in Asien ausgebreitet hat, Sie wissen es. Sie wissen, wie groß die Zahl der Bekenner ist, die er in Asien gefunden hat. Aber in einer mehr verborgenen und verschleierten Gestalt findet derselbe auch seine Ausbreitung innerhalb des europäischen Geisteslebens; und wir haben vor allen Dingen darauf hinzuweisen, daß jener Teil der großen Lehre des Buddha, der sich bezog auf die Gleichheit der Menschen, in ganz besonderem Maße geeignet war, von der europäischen Bevölkerung aufgenommen zu werden, weil eben die europäische Bevölkerung nicht hingeordnet war auf eine Kasteneinteilung, sondern mehr auf eine Unterschiedslosigkeit und Gleichheit der Menschen.

[ 21 ] But Buddhism continues to thrive. Buddhism finds a way to influence, in a certain sense, not only the life of Asia but also the spiritual life of the entire known world at that time. You know how Buddhism spread throughout Asia. You know how great is the number of adherents it has found there. But in a more hidden and veiled form, it is also spreading within European spiritual life; and we must point out above all that that part of the Buddha’s great teaching which concerned the equality of human beings was particularly suited to being received by the European population, precisely because the European population was not organized according to a caste system, but rather on the basis of the indistinction and equality of human beings.

[ 22 ] An den Ufern des Schwarzen Meeres wurde in den Jahrhunderten, die noch weit in die christliche Zeit hineingingen, eine Art Geheimschule begründet. Diese Geheimschule wurde geleitet von Menschen, welche vorzugsweise den eben charakterisierten Teil der BuddhaLehre sich zum höchsten Ideal gesetzt hatten. Aber sie hatten die Möglichkeit, in dieser Geheimschule dasjenige, was der Buddha den Menschen gebracht hatte, gleichsam bescheinen zu lassen, mit einem neuen Lichte versehen zu lassen in den nachchristlichen Jahrhunderten dadurch, daß sie den christlichen Impuls zugleich in sich aufgenommen hatten. Wenn ich Ihnen schildern wollte, wie der Okkultist sie ansieht — und Sie werden mich am besten verstehen, wenn ich das tue —, so muß ich die Geheimschule am Schwarzen Meere in der folgenden Weise schildern:

[ 22 ] On the shores of the Black Sea, a kind of secret school was founded in the centuries that extended well into the Christian era. This secret school was led by people who had adopted, as their highest ideal, the aspect of the Buddha’s teachings just described. But in this secret school, they had the opportunity to, as it were, shed new light on what the Buddha had brought to humanity—to illuminate it with a new light in the post-Christian centuries—by simultaneously absorbing the Christian impulse into themselves. If I were to describe to you how the occultist views it—and you will understand me best if I do so—I must describe the secret school on the Black Sea in the following way:

[ 23 ] Da fanden sich Menschen zusammen, welche zunächst äußerlich Lehrer auf dem physischen Plane hatten. Da wurden sie unterrichtet in den Lehren und Grundsätzen, wie sie vom Buddhismus ausgegangen sind, die aber durchzogen waren von den Impulsen, wie sie durch das Christentum in die Welt gekommen sind. Dann, wenn sie in gehöriger Weise vorbereitet waren, wurden sie dazu gebracht, daß die tiefer in ihnen liegenden Kräfte, die tieferen Weisheitskräfte aus ihnen herauf- und herausgeholt werden konnten, so daß sie zu einem hellseherischen Erschauen der geistigen Welt gebracht wurden, daß sie hineinzuschauen vermochten in die geistigen Welten. Das erste, was die Schüler dieser Geheimschule erlangten, war, daß sie zum Beispiel, nachdem die auf dem physischen Plan verkörperten Lehrer sie daran gewöhnt hatten, auch diejenigen erkennen konnten, welche nicht mehr auf den physischen Plan herunterkamen. So zum Beispiel den Buddha. Diese Geheimschüler lernten also wirklich, wenn man das Geistige von ihm so nennen darf, von Angesicht zu Angesicht vorzugsweise den Buddha kennen. Auf diese Weise wirkte er geistig fort in den Geheimschülern, und so wirkte er durch seine Kraft herunter auf den physischen Plan, da er selber nicht mehr auf den physischen Plan zur physischen Verkörperung herunterstieg.

[ 23 ] There, people gathered who initially had teachers on the physical plane. There they were instructed in the teachings and principles that originated in Buddhism, but which were permeated by the impulses that had come into the world through Christianity. Then, when they were properly prepared, they were guided so that the powers lying deeper within them—the deeper powers of wisdom—could be drawn up and brought forth from within them, so that they were led to a clairvoyant perception of the spiritual world, enabling them to look into the spiritual realms. The first thing the students of this secret school attained was that, for example, after the teachers incarnated on the physical plane had accustomed them to it, they could also recognize those who no longer descended to the physical plane. For example, the Buddha. These students of occultism thus truly came to know, if one may call it that, the spiritual aspect of the Buddha face to face. In this way, he continued to work spiritually within students of occultism, and thus he worked through his power down onto the physical plane, since he himself no longer descended to the physical plane for physical incarnation.

[ 24 ] Nun gruppierten sich diejenigen, die in dieser Geheimschule waren, in zwei Abteilungen, je nach ihrem Reifezustand. Es wurden ja nur diejenigen gewählt, die eine Art größerer Vorbereitung, eine Art größerer Reife hatten. Daher konnten auch die meisten dieser Schüler es dazu bringen, wirklich so hellsichtig zu werden, daß sie ein Wesen, das mit allen seinen Kräften dahin strebte, seine Impulse durchzubringen bis zum physischen Plan, trotzdem es selber nicht in die physische Welt hinunterstieg, daß sie den Buddha in allen seinen Geheimnissen und in alledem, was er wollte, kennenlernen konnten. Eine gewisse größere Anzahl von diesen Schülern blieben solche Hellseher, andere aber hatten ganz besonders neben den Eigenschaften des Erkennens, neben den Eigenschaften der psychischen Hellsichtigkeit, das spirituelle Element ausgebildet, das nicht zu trennen ist von einer gewissen Demut, von einer gewissen hochentwickelten Andachtsfähigkeit. Diese gelangten dann dazu, daß sie gerade in dieser Geheimschule in hervorragendem Maße den Christus-Impuls empfangen konnten. Sie konnten auch hellsichtig in der Weise werden, daß sie die besonders auserlesenen Nachfolger des Paulus wurden und den Christus-Impuls unmittelbar im Leben empfingen. Aus dieser Schule gingen also sozusagen zwei Gruppen hervor: eine Gruppe, die den Impuls hatte, überall hineinzutragen die Lehren des Buddha, wenn sie auch dessen Namen dabei nicht nannten, und eine zweite Gruppe, die noch dazu den Christus-Impuls empfing.

[ 24 ] Now those who were in this secret school were divided into two groups, depending on their level of maturity. After all, only those who had undergone a sort of more extensive preparation, a sort of greater maturity, were selected. Consequently, most of these students were able to become truly clairvoyant to the point where they could perceive a being who, with all his powers, strove to bring his impulses down to the physical plane—even though he himself did not descend into the physical world—and thus they were able to come to know the Buddha in all his mysteries and in all that he intended. A certain larger number of these disciples remained such clairvoyants, but others had, in addition to the qualities of cognition and the qualities of psychic clairvoyance, developed the spiritual element that is inseparable from a certain humility and a certain highly developed capacity for devotion. These then attained the ability to receive the Christ impulse to an outstanding degree precisely within this secret school. They were also able to become clairvoyant in such a way that they became the especially chosen successors of Paul and received the Christ impulse directly in their lives. Thus, two groups emerged from this school, so to speak: one group that had the impulse to carry the teachings of the Buddha everywhere, even if they did not mention his name in the process, and a second group that additionally received the Christ impulse.

[ 25 ] Nun zeigte sich der Unterschied zwischen diesen beiden Gattungen nicht so stark in der einen Inkarnation, sondern erst in der nächsten. Diejenigen Schüler, welche den Christus-Impuls nicht empfangen hatten, aber bis zum Buddha-Impuls gekommen waren, die wurden Lehrer jener Gleichheit und Brüderlichkeit der Menschen. Diejenigen Schüler aber, welche den Christus-Impuls empfangen hatten, waren in der nächsten Inkarnation so, daß dieser Christus-Impuls in ihrer physischen Inkarnation weiterwirkte, so daß sie nicht nur lehren konnten und dies auch nicht als ihre Hauptaufgabe betrachteten, sondern daß sie durch ihre moralische Kraft namentlich wirkten. Ein solcher Schüler der genannten Geheimschule am Schwarzen Meer wurde später in seiner nächsten Inkarnation als Franz von Assisi geboren. Kein Wunder also, daß in ihm die Weisheit, die er empfangen hatte, die Weisheit von der menschlichen Verbrüderung, von der Gleichheit aller Menschen, von der Notwendigkeit, alle Menschen gleich zu lieben, lebte, daß diese Lehre seine Seele durchpulste und diese Seele durchkraftet wurde mit dem Christus-Impulse. Wie wirkte nun dieser Christus-Impuls in seiner nächsten Inkarnation weiter? Er wirkte so in dieser nächsten Inkarnation weiter, daß, als Franz von Assisi hineinversetzt wurde in eine Bevölkerung, in welcher ganz besonders wirkten die alten Krankheitsdämonen, von welchen wir vorhin gesprochen haben, daß dieser Christus-Impuls an die Krankheitsdämonen durch ihn herankam und das, was schlechte Substanz an den Krankheitsdämonen war, aufsog, an sich zog und von den Menschen hinwegnahm. Bevor er das tat, verkörperte er sich in dieser Substanz so, daß der Christus-Impuls in Franz von Assisi zuerst Vision wurde in jener Vision, wo ihm der Palast erschien, und in jener Vision, wo er aufgefordert wurde, die Last der Armut auf sich zu nehmen. Da war in ihm der Christus-Impuls wieder lebendig geworden, und er strömte aus ihm heraus und ergriff diese Krankheitsdämonen. Dadurch wurden seine moralischen Kräfte so stark, daß sie wegnehmen konnten die geistigen schädlichen Stoffe, welche die charakterisierte Krankheit nach sich gezogen hatte. Dadurch allein war die Möglichkeit geschaffen, dasjenige, was ich Ihnen geschildert habe als Nachwirkung des alten atlantischen Elementes, zu einer höheren Entwickelung zu bringen, wegzufegen von der Erde die schlimmen Substanzen, zu reinigen die europäische Welt von diesen Substanzen.

[ 25 ] The difference between these two groups was not so pronounced in one incarnation, but only became apparent in the next. Those disciples who had not received the Christ impulse but had reached the Buddha impulse became teachers of human equality and brotherhood. Those disciples, however, who had received the Christ impulse were such in their next incarnation that this Christ impulse continued to work within their physical incarnation, so that they were not only able to teach—nor did they regard this as their primary task—but rather they worked specifically through their moral power. One such student of occultism at the aforementioned secret school on the Black Sea was later born in his next incarnation as Francis of Assisi. No wonder, then, that the wisdom he had received—the wisdom of human brotherhood, of the equality of all people, of the necessity to love all people equally—lived within him, that this teaching pulsed through his soul, and that this soul was empowered by the Christ impulse. How did this Christ impulse continue to work in his next incarnation? It continued to work in this next incarnation in such a way that, when Francis of Assisi was placed among a population in which the ancient disease demons we spoke of earlier were particularly active, this Christ impulse reached the disease demons through him and absorbed what was of evil substance in the disease demons, drew it to itself, and removed it from the people. Before he did this, he embodied himself in this substance in such a way that the Christ impulse in Francis of Assisi first became a vision in that vision where the palace appeared to him, and in that vision where he was called upon to take upon himself the burden of poverty. There the Christ impulse had come alive again within him, and it flowed out from him and seized upon these disease demons. As a result, his moral powers became so strong that they were able to remove the harmful spiritual substances that the characteristic disease had entailed. Through this alone was the possibility created to bring what I have described to you as the aftereffect of the ancient Atlantean element to a higher stage of development, to sweep the evil substances from the earth, and to purify the European world of these substances.

[ 26 ] Sehen Sie sich das Leben von Franz von Assisi an: beachten Sie, wie eigentümlich es verläuft. Im Jahre 1182 ist er geboren. Wir wissen, daß die ersten Lebensjahre eines Menschen hauptsächlich der Entwickelung des physischen Leibes dienen. Im physischen Leibe entwickelt sich vorzugsweise das, was durch äußere Vererbung zutage tritt. Daher tritt in ihm auf, was von der äußeren Vererbung der europäischen Bevölkerung stammt. Die Eigenschaften kommen allmählich heraus dadurch, daß er vom siebten bis zum vierzehnten Jahre, wie jeder Mensch, seinen Ätherleib entwickelt. Aus diesem Atherleib tritt vorzugsweise die Eigenschaft zutage, die als ChristusImpuls direkt in ihm gewirkt hatte in den Mysterien am Schwarzen Meere. Als dann sein astralisches Leben zutage trat vom vierzehnten Jahre an, da wurde insbesondere dadurch die Christus-Kraft in ihm lebendig, daß dasjenige, was mit der Atmosphäre der Erde verbunden geblieben war seit jenem Ereignisse des Mysteriums von Golgatha, selbst in den astralischen Leib einzog. Denn Franz von Assisi war eine solche Persönlichkeit, die auch durchsetzt wurde von der äußeren Christus-Kraft, weil sie in der vorigen Inkarnation nach der ChristusKraft da gesucht hatte, wo sie zu finden war: in jener besonderen Einweihungsstätte.

[ 26 ] Consider the life of Francis of Assisi: note how unique it is. He was born in 1182. We know that the early years of a person’s life are primarily devoted to the development of the physical body. In the physical body, what manifests through external heredity develops primarily. Therefore, what arises in him stems from the external heredity of the European population. These characteristics gradually emerge as he develops his etheric body from the age of seven to fourteen, just like every human being. From this etheric body, the characteristic that had been directly imparted to him as the Christ impulse in the Mysteries by the Black Sea comes to the fore. When his astral life then came to the fore from the age of fourteen onward, the Christ force came alive within him in particular through the fact that that which had remained connected to the atmosphere of the Earth since the event of the Mystery of Golgotha itself entered into the astral body. For Francis of Assisi was a personality who was also permeated by the outer Christ-force, because in his previous incarnation he had sought the Christ-force where it was to be found: in that special place of initiation.

[ 27 ] So sehen wir, wie die Differenzierungen in der Menschheit wirken. Es muß Differenzierung eintreten. Dasjenige aber, was durch die früheren Ereignisse in die Untergründe hinuntergedrängt worden ist, wird durch ganz besondere Ereignisse im Verlaufe der menschlichen Entwickelung wieder heraufgeholt. An einer anderen Stelle ist schon einmal ein ganz besonderes Heraufholen geschehen, ein Heraufholen, das exoterisch immer unbegreiflich bleiben wird. Daher haben die Menschen in Wahrheit es eigentlich auch aufgegeben, darüber nachzudenken. Esoterisch kann dasselbe aber durchaus seine Aufklärung finden. Diejenigen, welche sich am schnellsten hinaufentwickelt haben aus jenen Schichten der westlichen Bevölkerung, die überwunden haben nach und nach den Durchgang durch die untersten Schichten, aber nicht sehr weit in der intellektuellen Entwickelung hinaufgekommen sind, sondern verhältnismäßig schlichte und einfache Menschen geblieben sind — gleichsam die Auserlesensten davon, die nur durch einen kräftigen Impuls, der sich in ihnen spiegelte, hinaufgehoben werden konnten zu bestimmter Zeit, das waren diejenigen, welche uns als die zwölf Apostel des Jesus geschildert sind. Das war der verschlagene Extrakt der unteren Kasten, die nicht nach Indien gekommen sind. Aus ihnen mußte die Substanz für die Jünger des Christus- Jesus genommen werden. — Damit soll nichts gesagt sein über vorhergehende oder nachfolgende Inkarnationen der Apostel-Individualitäten, sondern lediglich über die physische Vorfahrenschaft derjenigen Körper, in welchen die Apostel-Persönlichkeiten inkarniert waren. Man muß überall die Inkarnationslinie und die physische Vererbungslinie auseinanderhalten.

[ 27 ] Thus we see how differentiation works within humanity. Differentiation must occur. However, that which was pushed down into the depths by earlier events is brought back up again through very special events in the course of human development. In another instance, a very special bringing to the surface has already taken place—a process that will always remain incomprehensible from an exoteric perspective. That is why, in truth, people have actually given up trying to think about it. Esoterically, however, the same phenomenon can certainly be explained. Those who have evolved most rapidly come from those strata of the Western population who have gradually overcome the passage through the lowest strata, but who did not advance very far in intellectual development, remaining instead relatively simple and unassuming people—as it were, the most select among them, who could be lifted up at a certain time only through a powerful impulse reflected within them—these were the ones described to us as the twelve apostles of Jesus. That was the distilled essence of the lower castes who did not come to India. From them the substance for the disciples of Christ Jesus had to be drawn. — This is not to say anything about previous or subsequent incarnations of the apostolic individualities, but merely about the physical ancestry of those bodies in which the apostolic personalities were incarnated. One must always distinguish between the line of incarnation and the line of physical inheritance.

[ 28 ] So haben wir sozusagen den Ursprung der moralischen Kraft bei jener auserlesenen Persönlichkeit, bei Franz von Assisi gefunden. Sagen Sie nicht, daß es den gewöhnlichen menschlichen Regeln gegenüber unangemessen hoch wäre, bei einer solchen Person die Ideale zu suchen, wie sie bei Franz von Assisi vorhanden waren. Gewiß wird das nicht aus dem Grunde gesagt, weil etwa irgend jemandem empfohlen werden sollte, ein Franz von Assisi zu werden. Das ist durchaus nicht gemeint. Man wollte nur an einem besonders hervorragenden Punkte zeigen, wie moralische Kraft in den Menschen hineinkommit, woher sie stammen kann, wie sie als etwas ganz Besonderes, im Menschen ursprünglich Vorhandenes aufgefaßt werden muß. Aber aus dem ganzen Geiste dessen, was ich bisher vorgetragen habe, können Sie das eine entnehmen, was wir in bezug auf andere Entwickelungskräfte des Menschen schon hervorgehoben haben, nämlich, daß die Menschheit durchgemacht hat einen Abstieg und nun wieder einen Aufstieg unternommen hat.

[ 28 ] Thus, we have found, so to speak, the source of moral strength in that exceptional figure, Francis of Assisi. Do not say that it would be unduly lofty, by ordinary human standards, to seek in such a person the ideals that were present in Francis of Assisi. Certainly, this is not said for the reason that anyone should be encouraged to become a Francis of Assisi. That is by no means the intention. The aim was merely to illustrate, at a particularly outstanding point, how moral strength enters into human beings, where it may originate, and how it must be understood as something quite special, originally present within the human being. But from the whole spirit of what I have presented so far, you can glean one thing that we have already emphasized in relation to other forces of human development, namely, that humanity has undergone a descent and has now embarked on an ascent again.

[ 29 ] Wenn wir zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, so kommen wir durch die nachatlantische Zeit bis zur atlantischen Katastrophe, kommen dann in die atlantische Zeit hinein, kommen dann weiter hinauf bis zur lemurischen Zeit. Wenn wir dann zum Ausgangspunkt der Erdenmenschheit kommen, so kommen wir nicht nur in eine Zeit, in welcher die Menschen in bezug auf ihre geistigen Eigenschaften noch näher der Gottheit gestanden haben, sich erst herausentwickelt haben aus dem geistigen Leben, sondern auch aus der Moralität, so daß wir im Anfange der Erdenentwickelung nicht etwa Unmoralität zu verzeichnen haben, sondern Moralität. Die Moralität ist ein ursprünglich göttliches Geschenk und liegt ursprünglich in der menschlichen Natur, so wie die geistige Kraft, als der Mensch noch nicht so weit heruntergestiegen war, überhaupt in der menschlichen Natur lag. Im Grunde genommen ist ein großer Teil des Unmoralischen gerade auf die geschilderte Weise in die Menschheit hineingekommen, nämlich durch den Verrat höherer Geheimnisse in der alten atlantischen Zeit. |

[ 29 ] If we trace human evolution back, we pass through the post-Atlantean era to the Atlantean catastrophe, then enter the Atlantean era, and continue further back to the Lemurian era. When we then reach the starting point of humanity on Earth, we find ourselves not only in an era in which human beings, in terms of their spiritual qualities, were still closer to the Divine—having only just emerged from spiritual life—but also from morality, so that at the beginning of Earth’s development we do not find immorality, but rather morality. Morality is an originally divine gift and is originally inherent in human nature, just as spiritual power was inherent in human nature at all when humanity had not yet descended so far. In essence, a large part of what is immoral entered humanity precisely in the manner described, namely through the betrayal of higher mysteries in the ancient Atlantean era. |

[ 30 ] So ist die Moral etwas, von dem man nicht so sprechen kann, als ob es in der Menschheit erst ausgebildet worden sei, sondern etwas, was auf dem Grunde der menschlichen Seele liegt, was nur durch die spätere Kultur verdeckt, hinuntergedrängt worden ist. Wenn wir die Sache im richtigen Lichte besehen, so können wir nicht einmal sagen, daß die Unmoralität in die Welt gekommen ist durch Dummheit. Sie ist vielmehr in die Welt gekommen dadurch, daß die Menschen, als sie noch unreif waren, die Geheimnisse der Weisheit verraten erhielten. Gerade dadurch sind die Menschen versucht worden, sind unterlegen und heruntergekommen. Es bedarf daher zum Hinaufgehen vor allen Dingen desjenigen — und das können Sie auch entnehmen der heutigen Darstellung —, welches alles, was sich gegen die moralischen Impulse in der menschlichen Seele vorgelagert hat, hinwegräumt. Sagen wir das in etwas anderer Form.

[ 30 ] Thus, morality is not something that can be spoken of as if it had only recently been developed within humanity, but rather something that lies at the very core of the human soul, something that has merely been obscured and suppressed by later culture. If we view the matter in the proper light, we cannot even say that immorality came into the world through stupidity. Rather, it came into the world because people, while they were still immature, were given the secrets of wisdom. It is precisely through this that human beings have been tempted, have succumbed, and have fallen. Therefore, in order to ascend, what is needed above all else—and you can also gather this from today’s presentation—is that which clears away everything that has been placed in the way of the moral impulses in the human soul. Let us put it in a slightly different way.

[ 31 ] Nehmen wir an, wir hätten einen Verbrecher vor uns, einen Menschen, den wir im eminentesten Sinne unmoralisch nennen, so dürfen wir durchaus nicht glauben, daß in diesem unmoralischen Menschen keine moralischen Impulse sind. Die sind in ihm, und wir werden sie finden, wenn wir ihm auf den Grund seiner Seele gehen. Es gibt keine Menschenseele — mit Ausnahme von Schwarzmagiern, die uns hier nichts angehen —, in welcher nicht die Grundlage des moralisch Guten wäre. Wenn ein Mensch schlecht ist, so ist er es dadurch, daß dasjenige, was als geistige Verirrung im Laufe der Zeit eingetreten ist, sich über das moralisch Gute darüberlagert. Nicht die menschliche Natur ist schlecht. Sie war ursprünglich wirklich gut, und gerade eine konkrete Betrachtung der Menschennatur zeigt uns, daß sie im tiefsten Wesen gut ist, und daß die geistigen Verirrungen es waren, die den Menschen von dem moralischen Pfade abgebracht haben. Daher müssen die moralischen Verirrungen im Laufe der Zeit bei den Menschen wieder gut gemacht werden. Die Verirrungen selber und auch ihre Wirkungen müssen wieder gut gemacht werden. Wo aber so starke Nachwirkungen des moralisch Bösen da sind, daß schon Krankheitsdämonen existieren, da müssen auch übermoralische Kräfte wirken, wie es diejenigen des Franz von Assisi gewesen sind.

[ 31 ] Suppose we have a criminal before us, a person whom we would call immoral in the truest sense of the word; we must not, under any circumstances, believe that there are no moral impulses within this immoral person. They are there, and we will find them if we delve into the depths of his soul. There is no human soul—with the exception of black magicians, who are of no concern to us here—in which the foundation of moral goodness is not present. If a person is evil, it is because that which has arisen over time as a spiritual aberration has come to overshadow moral goodness. Human nature itself is not evil. It was originally truly good, and a concrete examination of human nature shows us that it is good in its deepest essence, and that it was the spiritual aberrations that led people astray from the moral path. Therefore, these moral aberrations must be rectified in people over time. The deviations themselves, as well as their effects, must be rectified. But where the aftereffects of moral evil are so strong that demons of disease already exist, supermoral forces must also be at work, such as those of Francis of Assisi.

[ 32 ] Aber überall ist das Bessermachen eines Menschen darin begründet, daß wir seine geistige Verirrung wegschaffen. Und wessen bedarf es dazu? Fassen Sie jetzt dasjenige, was ich Ihnen erzählt habe, in eine Grundempfindung zusammen. Lassen Sie die Tatsachen sprechen, lassen Sie sprechen Ihre Gefühle und Ihre Empfindungen, und versuchen Sie dieselben in einer Grundempfindung zusammenzufassen, dann werden Sie sich sagen: Was braucht der Mensch dem Menschen gegenüber zu seinem Verhalten? Das ist es gerade, daß er den Glauben braucht an das ursprünglich Gute des Menschen und einer jeglichen menschlichen Natur! Das ist das Erste, was wir sagen müssen, wenn wir überhaupt in Worten von Moral sprechen wollen, daß es ein unermeßlich Gutes ist, was auf dem Grunde der Menschennatur vorhanden ist. Das sagte sich Franz von Assisi. Und wenn ihm dann entgegentraten einige derjenigen, die mit der charakterisierten schrecklichen Krankheit behaftet waren, dann sagte sich Franz von Assisi als guter Christ der damaligen Zeit etwa das Folgende: Eine solche Krankheit ist in gewisser Beziehung Folge der Sünde, aber weil Sünde geistige Verirrung ist, weil die Krankheit Folge geistiger Verirrung ist, daher muß sie durch eine starke und große entgegengesetzte Kraft aufgehoben und weggeschafft werden. Daher sah Franz von Assisi an dem Sünder, wie in gewisser Beziehung die Strafe der Sünde sich äußerlich zeigt. Er sah aber auch das Gute der Menschennatur, sah, was an göttlich-geistigen Kräften auf den Grund jeder Menschennatur gelegt ist. Der grandiose Glaube an das Gute in jeder Menschennatur, auch der gestraften Menschennatur, das war es, was Franz von Assisi ganz besonders auszeichnete.

[ 32 ] But everywhere, the improvement of a person is based on our removing their spiritual aberration. And what is required for this? Now summarize what I have told you into a fundamental sentiment. Let the facts speak for themselves, let your feelings and your sensibilities speak, and try to summarize them into a fundamental sentiment; then you will ask yourself: What does a person need in order to behave toward another person? It is precisely this: that he needs faith in the original goodness of human beings and of every human nature! That is the first thing we must say if we are to speak at all in terms of morality: that there is an immeasurable good present at the very foundation of human nature. That is what Francis of Assisi told himself. And when he then encountered some of those afflicted with the terrible disease described, Francis of Assisi, as a good Christian of his time, said to himself something like the following: Such a disease is, in a certain sense, a consequence of sin; but because sin is spiritual aberration, and because the disease is a consequence of spiritual aberration, it must therefore be overcome and removed by a strong and great opposing force. Thus, Francis of Assisi saw in the sinner how, in a certain sense, the punishment of sin manifests itself outwardly. But he also saw the goodness of human nature; he saw the divine-spiritual powers laid at the foundation of every human nature. This magnificent faith in the goodness of every human nature—even that of the punished human nature—was what distinguished Francis of Assisi in a very special way.

[ 33 ] Dadurch war es möglich, daß die entgegengesetzte Kraft auftrat in seiner Seele, und dieses ist die Kraft moralisch gebender, moralisch helfender, ja sogar heilender Liebe. Und niemand kann, wenn er wirklich den Glauben an das ursprünglich Gute der Menschennatur zum vollen Impulse entwickelt, zu etwas anderem kommen als dazu, diese Menschennatur als solche zu lieben.

[ 33 ] This made it possible for the opposing force to arise within his soul, and this is the force of love that gives morally, helps morally, and even heals. And no one, if they truly develop their belief in the original goodness of human nature into a full impulse, can come to anything other than loving this human nature as such.

[ 34 ] Diese zwei Grundimpulse sind es zunächst, welche ein wirklich moralisches Leben begründen können: Erstens der Glaube an das Göttliche auf dem Grunde einer jeden Menschenseele, zweitens die aus diesem Glauben hervorsprießende maßlose Liebe zum Menschen. Denn nur diese maßlose Liebe war es, die Franz von Assisi hinführen konnte zu den Siechen, den Gebrechlichen, den Seuchenbehafteten. Ein Drittes, das noch dazukommt, das notwendig sich auf diesen zwei Grundlagen aufbaut, ist, daß ein solcher Mensch, der die Grundlagen des Glaubens an das Gute der menschlichen Seele und die Liebe zu der menschlichen Natur hat, nicht anders kann als sich sagen: Dasjenige, was wir aus dem Zusammenwirken des ursprünglich guten Grundes der menschlichen Seele und der werktätigen Liebe hervorgehen sehen, das berechtigt zu einer Perspektive für die Zukunft, die sich dahin aussprechen kann, daß eine jegliche Seele, auch wenn sie noch so weit herabgestiegen ist aus der Höhe des geistigen Lebens, für dieses geistige Leben wiedergefunden werden kann. Das ist der dritte Impuls, das ist die Hoffnung für jede Menschenseele, daß sie den Weg wieder zurückfinden kann zu dem Göttlich-Geistigen. Diese drei Impulse, wir können sagen, daß sie Franz von Assisi unendlich oft hat aussprechen hören, daß sie ihm unendlich oft vor Augen getreten sind während seiner Einweihung in die kolchischen Mysterien. Wir können aber auch sagen, daß er in dem Leben, das er als Franz von Assisi zu führen hatte, wenig predigte von Glauben, von Liebe, daß er aber selber die Verkörperung war dieses Glaubens und dieser Liebe. In ihm waren sie gleichsam verleiblicht. In ihm traten sie wie ein lebendiges Sinnbild vor die damalige Welt. In der Mitte von allem steht natürlich doch dasjenige, was wirkte. Es wirkte nicht der Glaube, es wirkte nicht die Hoffnung. Die muß man zwar haben, aber wirksam ist nur die Liebe, Sie steht mitten darinnen, sie ist dasjenige, was die wirkliche Weiterentwickelung der Menschheit zum Göttlichen im Sinne des Moralischen eigentlich getragen hat in der einzelnen Inkarnation bei Franz von Assisi.

[ 34 ] It is these two fundamental impulses, first and foremost, that can lay the foundation for a truly moral life: first, faith in the divine at the core of every human soul; second, the boundless love for humanity that springs from this faith. For it was only this boundless love that could lead Francis of Assisi to the sick, the infirm, and those afflicted by plague. A third element, which is added to these and necessarily builds upon these two foundations, is that such a person, who possesses the foundations of faith in the goodness of the human soul and love for human nature, cannot help but say to himself: What we see emerging from the interplay of the originally good nature of the human soul and active love justifies a perspective for the future that can be expressed as follows: that every soul, no matter how far it has fallen from the heights of spiritual life, can be found again for this spiritual life. This is the third impulse, this is the hope for every human soul, that it may find its way back to the Divine-Spiritual. These three impulses, we can say, Francis of Assisi heard expressed countless times, that they appeared before his eyes countless times during his initiation into the Colchian Mysteries. But we can also say that in the life he was called to lead as Francis of Assisi, he preached little of faith or love, yet he himself was the embodiment of this faith and this love. In him they were, as it were, made flesh. In him they appeared before the world of that time as a living symbol. At the center of it all, of course, stands that which was effective. It was not faith that was effective, nor was it hope. One must certainly have these, but only love is effective. It stands at the very center; it is that which actually carried the true further development of humanity toward the Divine in the moral sense in the individual incarnation of Francis of Assisi.

[ 35 ] Wie haben wir diese Liebe, von der wir wissen, daß sie ein Ergebnis seiner Einweihung in die kolchischen Mysterien war, an ihn herankommen sehen, wie haben wir sie sich entwickeln sehen? Wir haben gesehen, daß in ihm die ritterlichen "Tugenden des alten europäischen Geistes zutage getreten sind. Er war ein ritterlicher Knabe. Starkmut, Tapferkeit haben sich umgewandelt in seiner Individualität, die von dem Christus-Impulse durchpulst war, in wirksame, werktätige Liebe. So sehen wir gleichsam wieder auferstehen die alte Tapferkeit, den alten Starkmut in der Liebe, wie sie uns bei Franz von Assisi entgegentritt. Vergeistigte alte Tapferkeit ins Spirituelle umgesetzt, Starkmut ins Spirituelle umgesetzt ist Liebe!

[ 35 ] How did we see this love—which we know was the result of his initiation into the Colchian mysteries—come to him, and how did we see it develop? We have seen that the chivalrous “virtues of the old European spirit” came to the fore in him. He was a chivalrous boy. Courage and bravery were transformed in his individuality—which was pulsing with the Christ impulse—into active, working love. Thus we see, as it were, the old bravery and the old courage in love resurrected, just as they appear to us in Francis of Assisi. Spiritualized old bravery transformed into the spiritual, courage transformed into the spiritual—that is love!

[ 36 ] Interessant ist es, einmal zu sehen, wie sehr das, was jetzt gesagt worden ist, auch dem äußeren historischen Verlaufe der Menschheitsentwickelung entspricht. Gehen wir ein paar Jahrhunderte zurück in die vorchristliche Zeit. Da finden wir bei demjenigen Volke, das vorzugsweise den Namen gegeben hat dem vierten nachatlantischen Zeitraume, also bei den Griechen, den Philosophen Plato. Plato hat unter anderen Dingen geschrieben auch über die Moral, über die Tugend des Menschen, und er hat so über die Tugend geschrieben, daß wir darin erkennen können, daß er zwar mit den höchsten Dingen, den eigentlichen Geheimnissen zurückgehalten hat, daß er aber das, was er hat sagen dürfen, seinem Sokrates in den Mund gelegt hat. Da schildert nun Plato, also für eine Zeit der europäischen Entwickelung, in welcher der Christus-Impuls noch nicht gewirkt hatte, die höchsten Tugenden, die er anerkannte, die Tugenden, die der Grieche als diejenigen angesehen hat, die der moralische Mensch vor allen Dingen haben soll. Nun schildert Plato zunächst vorzugsweise drei Tugenden. Eine vierte werden wir noch kennen lernen. Drei Tugenden schildert Plato. Die erste ist die der Weisheit. Weisheit als solche sieht Plato als Tugend an. Wir haben sie in der verschiedensten Weise gerechtfertigt als dem moralischen Leben zugrunde liegend. In Indien lag zugrunde dem Menschenleben die Weisheit der Brahminen. In Europa trat sie zwar zurück, aber sie lebte in den nordischen Mysterien, wo die europäischen Brahminen das wieder gut zu machen hatten, was durch jenen Verrat in der alten atlantischen Zeit schlecht gemacht worden war. Weisheit steht, wie wir morgen sehen werden, hinter aller Moralität. Und als Tugend schildert Plato, seinen Mysterien entsprechend, auch den Starkmut, also dasjenige, was uns überhaupt bei der europäischen Bevölkerung entgegentritt. Als dritte der Tugenden bezeichnet er die Besonnenheit oder die Mäßigkeit, das heißt den Gegensatz des leidenschaftlichen Pflegens der niederen menschlichen Triebe. Das sind die drei Haupttugenden Platons: Weisheit, Starkmut oder Tapferkeit, und Mäßigkeit oder Besonnenheit — das ist die Zügelung der sinnlichen Triebe, die im Menschen wirken. Dann schildert Plato als vierte der Tugenden den harmonischen Ausgleich der drei genannten Tugenden, was er die Gerechtigkeit nennt.

[ 36 ] It is interesting to see how closely what has just been said corresponds to the external historical course of human development. Let us go back a few centuries to the pre-Christian era. There, among the people who primarily gave their name to the fourth post-Atlantean epoch—that is, the Greeks—we find the philosopher Plato. Among other things, Plato wrote about morality, about human virtue, and he wrote about virtue in such a way that we can see that while he held back on the highest matters—the actual mysteries—he put what he was permitted to say into the mouth of his Socrates. Plato thus describes, for a period of European development in which the Christ impulse had not yet taken effect, the highest virtues he recognized—the virtues that the Greeks regarded as those a moral person should possess above all else. Plato first describes three virtues in particular. We shall come to know a fourth. Plato describes three virtues. The first is wisdom. Plato regards wisdom as such as a virtue. We have justified it in various ways as the foundation of the moral life. In India, human life was founded on the wisdom of the Brahmins. In Europe, it receded into the background, but it lived on in the Nordic mysteries, where the European Brahmins had to make amends for what had been ruined by that betrayal in the ancient Atlantean era. Wisdom, as we shall see tomorrow, underlies all morality. And in accordance with his mysteries, Plato also describes courage as a virtue—that is, the very quality that confronts us in the European population. As the third of the virtues, he identifies prudence or moderation, that is, the opposite of the passionate indulgence of the lower human instincts. These are Plato’s three principal virtues: wisdom, fortitude or courage, and moderation or prudence—that is, the restraint of the sensual drives at work within the human being. Then Plato describes as the fourth of the virtues the harmonious balance of the three aforementioned virtues, which he calls justice.

[ 37 ] Da haben Sie geschildert von einem der hervorragendsten europäischen Geister der vorchristlichen Zeit dasjenige, was man dazumal als das Wichtigste ansah der menschlichen Natur. Der Starkmut, die Tapferkeit wird durchzogen für die europäische Bevölkerung von dem Christus-Impulse und von dem, was wir unser Ich nennen. Der Starkmut, der bei Plato auftritt als Tugend, wird hier durchgeistigt, und es wird die Liebe daraus. Das ist das Wichtigste, daß wir sehen, wie die moralischen Impulse in das Menschengeschlecht eintreten, wie das, was früher so angesehen worden ist, wie es heute geschildert wurde, zu etwas ganz anderem wird. Wir dürfen, wenn wir nicht ins Gesicht schlagen wollen der christlichen Moral, die Tugenden nicht so aufzählen: Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit, denn man könnte uns antworten: Wenn ihr alle diese Tugenden hättet und ihr hättet die Liebe nicht, ihr würdet niemals in die Reiche der Himmel kommen.

[ 37 ] There you have described, in one of the most outstanding European minds of the pre-Christian era, what was regarded at that time as the most important aspect of human nature. Courage and bravery are permeated, for the European people, by the Christ impulse and by what we call our “I.” The fortitude that appears as a virtue in Plato is spiritualized here, and it becomes love. The most important thing is that we see how moral impulses enter the human race, how what was once regarded in the way described today becomes something entirely different. If we do not wish to contradict Christian morality, we must not list the virtues as follows: wisdom, courage, prudence, and justice; for one might reply to us: “If you possessed all these virtues but lacked love, you would never enter the realms of heaven.”

[ 38 ] Halten wir fest die Zeit, in welcher, wie wir gesehen haben, ausgegossen worden ist in die Menschheit eine solche Strömung, ein solcher Impuls, daß Weisheit und Starkmut spirituell geworden sind und uns als Liebe wiedererscheinen. Wir wollen aber noch an die Frage herantreten: Wie sind gebildet worden Weisheit, Mäßigkeit oder Besonnenheit, und Gerechtigkeit, und dadurch wird sich uns dann zeigen, was die besondere moralische Mission der theosophischen Bewegung in der Gegenwart ist.

[ 38 ] Let us take note of the time when, as we have seen, such a current, such an impulse, was poured out upon humanity that wisdom and fortitude became spiritual and reappear to us as love. But let us now address the question: How were wisdom, moderation or prudence, and justice formed? Through this, the special moral mission of the Theosophical Movement in the present will become clear to us.