Occult Reading and Occult Hearing
GA 156
13 December 1914, Dornach
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Occult Reading and Occult Hearing, tr. SOL
Wie bekommt man das Sein in die Ideenwelt hinein? II
How does one bring Being into the World of Ideas? II
[ 1 ] Ich habe gestern aufmerksam darauf gemacht, daß viel davon abhängen wird, wie sich wenigstens die Hauptbegriffe, die Hauptvorstellungen der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis der allgemeinen Geisteskultur einverleiben. Ich habe versucht gestern, einige Beispiele davon anzuführen, wie etwa zu denken wäre, daß die Denkweise der Menschen aufnähme, wirklich richtig aufnähme die hauptsächlichsten Vorstellungen vom physischen Leib, vom Ätherleib, vom Astralleib und vom Ich und diese Vorstellungen für die verschiedensten Gebiete des Lebens und der Wissenschaft wirklich fruchtbar macht.
[ 1 ] Yesterday I pointed out that much will depend on how at least the main concepts and ideas of Spiritual Science are incorporated into general spiritual culture. Yesterday I attempted to cite a few examples of how one might conceive of the human way of thinking truly and correctly assimilating the most fundamental mental images of the physical body, the etheric body, the astral body, and the I, and making these mental images truly fruitful for the most diverse areas of life and science.
[ 2 ] Heute will ich auf ein anderes Beispiel hinweisen. Dasjenige, was wir unterscheiden als physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, das sind Glieder der menschlichen Seele, wir könnten auch sagen des menschlichen seelischen Lebens, welche, natürlich auf einem viel höheren Gebiete, sich etwa so zueinander verhalten wie, ich möchte sagen, auf einem niedrigeren Gebiete die einzelnen Farbennuancen unserer Farbenskala. Und ebensowenig wie es eine wirkliche Erkenntnis des inneren Wesens des Lichtes und seiner inneren Beziehungen zur übrigen Welt geben kann, ohne diese Gliederung in Farbennuancen sich vorzustellen, ebensowenig kann es eine wirkliche Seelenerkenntnis geben, ohne Vorstellungen darüber zu haben, wie sich verhalten zueinander solche Seelenglieder wie Ich, Astralleib, Ätherleib und physischer Leib. Aber wie die einzelnen Farben nicht so einfach nebeneinander stehen, sondern ineinander übergehen, so daß man nicht immer genau in der Farbenskala angeben kann, wo die eine Nuance aufhört und wo die andere Nuance anfängt, so ist es auch mit diesen Seelengliedern: sie gehen ineinander über, und nur unser Verstand trennt sie eigentlich so, wie wir das gewöhnlich tun.
[ 2 ] Today I would like to point out another example. What we distinguish as the physical body, the etheric body, the astral body, and the I—these are members of the human soul, or we might also say of human spiritual life, which, naturally on a much higher plane, relate to one another in much the same way as, I might say, on a lower plane, the individual color nuances of our color scale. And just as there can be no true understanding of the inner nature of light and its inner relationships to the rest of the world without imagining this structure of color nuances, so too can there be no true understanding of the soul without having mental images of how such soul components as the ego, astral body, etheric body, and physical body relate to one another. But just as the individual colors do not simply stand side by side but merge into one another, so that one cannot always specify exactly on the color scale where one nuance ends and another begins, so it is with these soul members: they merge into one another, and it is only our intellect that actually separates them in the way we usually do.
[ 3 ] Nun ist es wichtig, zum Beispiel einmal den Übergang des Ich und des Astralleibes ins Auge zu fassen. Was wir das Ich des Menschen nennen, geht wirklich über in den Astralleib, wie etwa die Rot-Nuance des Farbenspektrums in die Orange-Nuance übergeht. Wir müssen uns dabei nur einmal vergegenwärtigen, von was wir eigentlich reden, wenn wir von dem Ich des Menschen reden. Wir reden vom Ich des Menschen, und wir müssen uns dabei natürlich ganz klar sein, daß das eigentliche Wesen des Ich außerhalb alles dessen ist, was man als physischen Menschenleib beobachten kann. Das Ich erlebt sich eben nur in inneren Erlebnissen. Bekanntlich werden ja der Ätherleib und der Astralleib überhaupt nicht unmittelbar erlebt, sondern erlebt wird der physische Leib durch äußere Anschauung, durch äußere Wahrnehmung, und das Ich in seinen mannigfaltigen Erlebnissen in innerer Weise. Für das Erleben auf dem physischen Plan ist es durchaus so. Zwischen physischem Leib und Ich drinnen stehen der Astralleib und der Ätherleib; beide gehören solchen Tatsachen des Geschehens an, können wir sagen, die von dem Menschen nicht unmittelbar erlebt werden auf dem physischen Plan. Weder kann der Ätherleib unmittelbar äußerlich angeschaut werden ohne vorhergegangene esoterische Schulung, noch kann der Astralleib erlebt werden. Er enthält alles dasjenige, was man oftmals auch die Summe des unterbewußten oder unbewußten seelischen Erlebens nennt.
[ 3 ] Now it is important, for example, to consider the transition of the “I” and the astral body. What we call the human “I” truly merges into the astral body, just as the red hue of the color spectrum merges into the orange hue. We need only remind ourselves of what we are actually talking about when we speak of the human ego. We speak of the human ego, and we must of course be quite clear that the true nature of the ego lies outside of everything that can be observed as the physical human body. The ego is experienced solely through inner experiences. As is well known, the etheric body and the astral body are not experienced directly at all; rather, the physical body is experienced through external observation, through external perception, and the I in its manifold experiences is experienced inwardly. This is certainly the case for experience on the physical plane. Between the physical body and the I within stand the astral body and the etheric body; both belong, we might say, to those aspects of reality that are not directly experienced by the human being on the physical plane. Neither can the etheric body be directly observed externally without prior esoteric training, nor can the astral body be experienced. It contains all that which is often referred to as the sum of subconscious or unconscious soul experiences.
[ 4 ] Das Ich gliedert sich in die mannigfaltigsten Bewußtseinserlebnisse. Und nun wollen wir einmal ein solches Bewußtseinserlebnis herausheben, besser gesagt, eine bewußte Erlebensart. Das bewußte Leben ist ja ein sehr mannigfaltiges, aber wir wollen, wie gesagt, eine sehr einfache, elementare Erlebensart herausheben, die Art und Weise des Geschmackserlebnisses. So, wie das Ich erlebt die Gesichts-, Gehörs-, Geruchs-, die Vorstellungserlebnisse, so hat es auch Geschmackserlebnisse, Wechselverkehr mit der äußeren physischen Welt. Ich meine die ganz gewöhnlichen Geschmackserlebnisse, die mit der Ernährung im Zusammenhang stehen, nicht diejenigen, die man künstlerische nennt.
[ 4 ] The self is composed of the most diverse experiences of consciousness. And now let us single out one such experience of consciousness—or rather, a specific type of conscious experience. Conscious life is indeed very diverse, but as I said, we want to highlight a very simple, elementary type of experience: the experience of taste. Just as the ego experiences visual, auditory, olfactory, and imaginative experiences, so too does it have experiences of taste—interaction with the external physical world. I am referring to the very ordinary taste experiences associated with nutrition, not those that are called artistic.
[ 5 ] Was wir erleben, wenn wir eine Geschmacksempfindung haben, das ist ein Erlebnis des Ich, insofern dieses Geschmackserlebnis eben bewußt für uns abläuft. Also, wenn wir eine Speise in unseren Mund bringen und ein Geschmackserlebnis haben, so ist dieses Geschmackserlebnis ein Erlebnis unseres Ich. Die mannigfaltigen Geschmackserlebnisse sind eben mannigfaltige Erlebnisse des Ich.
[ 5 ] What we experience when we have a taste sensation is an experience of the self, insofar as this taste experience occurs consciously for us. So, when we put food in our mouths and have a taste sensation, that taste sensation is an experience of our self. The manifold taste sensations are, in fact, manifold experiences of the self.
[ 6 ] Nun können wir gerade an den Geschmackserlebnissen in interessanter Weise gleichsam den Übergang vom Ich in den Astralleib studieren, von den bewußten Erlebnissen in die unterbewußten Erlebnisse. Es ist ja nicht schwierig zu konstatieren, daß die Geschmackserlebnisse gewissermaßen ersterben, wenn der Nahrungsstoff einen gewissen Weg durchgemacht hat. Für das bewußte Leben ersterben dann die Geschmackserlebnisse, aber das ist nur scheinbar. In Wirklichkeit geht, im groben Sinn gesprochen, das Geschmackserleben des Mundes über in das Geschmackserleben des ganzen Organismus; und der ganze Organismus ist im Grunde genommen durchsetzt von Geschmackserlebnissen im Laufe des Eindringens der Nahrungsmittel in unseren Leib, im Laufe der Verdauung und so weiter; und das, was wir bewußt schmecken, ist nur ein kleiner Teil jenes allgemeinen Schmeckens, das unser ganzer Leib erlebt.
[ 6 ] Now, it is precisely through taste experiences that we can, in an interesting way, study the transition from the ego to the astral body, from conscious experiences to subconscious experiences. It is not difficult to observe that taste experiences, so to speak, fade away once the food has traveled a certain distance. For conscious life, the taste experiences then fade away, but this is only apparent. In reality, speaking in broad terms, the taste experience of the mouth passes into the taste experience of the entire organism; and the entire organism is, in essence, permeated by taste experiences as food enters our body, during digestion, and so on; and what we consciously taste is only a small part of that general tasting experienced by our entire body.
[ 7 ] Nicht nur die Nervenapparate unseres Mundes schmecken, sondern unser ganzer Verdauungskanal schmeckt, und beim Übergang der Nahrungsstoffe in den Organismus, in das Blut und so weiter, schmeckt der ganze Organismus wieder dasjenige, was die Verdauungsorgane für ihn zubereitet haben. Man könnte sagen, der ganze Organismus ist von Geschmacksempfindungen durchdrungen. Und dieser Organismus ist so von Geschmacksempfindungen durchdrungen und durchlebt, daß man von differenzierten Geschmäcken sprechen kann. Man kann sprechen von Organgeschmäcken. Jedes Organ hat sein bestimmtes, spezifisches Geschmackserlebnis; der Magen hat sein bestimmtes Geschmackserlebnis, Leber, Lunge, das Herz haben ihre besonderen Geschmackserlebnisse. Es differenziert sich das allgemeine Schmecken in das Organschmecken.
[ 7 ] It is not only the sensory nerves in our mouth that taste, but our entire digestive tract tastes; and as nutrients pass into the body, into the blood, and so on, the entire organism tastes once again what the digestive organs have prepared for it. One could say that the entire organism is permeated by taste sensations. And this organism is so permeated and imbued with taste sensations that one can speak of differentiated tastes. One can speak of organ-specific tastes. Each organ has its own specific taste experience; the stomach has its own specific taste experience, and the liver, lungs, and heart have their own particular taste experiences. General taste differentiates into organ-specific taste.
[ 8 ] Da sehen wir, wie die Sphäre der Ich-Erlebnisse untertaucht in die Sphäre der astralischen Erlebnisse. Denn diese differenzierten Organgeschmäcke sind unterbewußt; sie kommen dem Menschen nicht zum Bewußtsein, und dennoch sind sie unendlich bedeutsam. Denn es beruht auf der normalen Entwickelung dieser Organgeschmäcke überhaupt die normale Entwickelung des Menschenlebens, und das Altern besteht zum Teil darin, daß der Astralleib allmählich gegenüber der Gewohnheit des Schmeckens sich abstumpft. Verstehen Sie mich wohl. Der Astralleib stumpft sich in bezug auf die Gewohnheit des Schmeckens ab; das Wort «Gewohnheit» aber in dem Sinne gebraucht, wie ich es gestern gebraucht habe; nach und nach stumpft er sich ab. Wenn aber nicht mehr der Reiz auf den Astralleib und dadurch auch auf den Ätherleib und den physischen Leib ausgeübt wird, was seinen Ausdruck darin findet, daß geschmeckt wird, dann findet überhaupt die Möglichkeit nicht mehr statt, daß der Astralleib durch Geschmackserlebnisse die Lebensgeschehnisse des Ätherleibes und des physischen Leibes durchdringt. Darauf, daß der Astralleib sich abstumpft gegenüber dem Schmecken, beruht ein gutes Stück dessen, was wir das Altern nennen, und darauf, daß ein einzelnes menschliches Organ die frische Fähigkeit des Schmeckens verliert, das heißt, von seinem Astralleib nicht in der entsprechenden Weise durchzogen ist, entstehen die Organerkrankungen.
[ 8 ] Here we see how the sphere of ego experiences merges into the sphere of astral experiences. For these differentiated organ tastes are subconscious; they do not come to a person’s consciousness, and yet they are infinitely significant. For the normal development of human life depends entirely on the normal development of these organ tastes, and aging consists in part of the astral body gradually becoming dulled with regard to the habit of tasting. Please understand me correctly. The astral body becomes dulled with regard to the habit of tasting; but the word “habit” is used here in the sense in which I used it yesterday; little by little it becomes dulled. But when the stimulus is no longer exerted on the astral body—and thereby also on the etheric body and the physical body—which finds its expression in the act of tasting, then the very possibility ceases to exist that the astral body might, through taste experiences, permeate the life events of the etheric body and the physical body. A good deal of what we call aging is based on the astral body becoming dulled in relation to taste, and the fact that a single human organ loses its fresh capacity for tasting—that is, is no longer permeated by its astral body in the appropriate way—gives rise to organ diseases.
[ 9 ] Nun verstehen Sie, daß unter dieser Voraussetzung bestimmte Perspektiven sich ergeben. Die Perspektive erstens, die in pädagogisch-hygienischer Weise wichtig ist: Es ist nicht zu gering anzuschlagen, einen gut entwickelten Geschmacksinstinkt zu haben. Ich habe das bei einer Gelegenheit, wo ich über die Erziehung des Kindes gesprochen habe, schon einmal für unsere Freunde auseinandergesetzt. Es ist wichtig einzusehen, daß man im Essen eine lebendige Beziehung entwickeln soll zu den verschiedenen Nahrungsmitteln, daß es einem gewissermaßen nicht einerlei ist, ob man Salat oder Spinat ißt, sondern daß man ein lebendiges Verhältnis haben soll zu den Differenzierungen der Pflanzenwelt in Salat und Spinat. Denn das, was man erlebt im Schmecken von Salat und Spinat, sind lebendige Beziehungen des Makrokosmos zum Mikrokosmos, und diese lebendigen Beziehungen setzen sich im unterbewußten Geschmackserleben des Astralleibes fort, das durch alle Organe geht. Diejenigen, die Vegetarier werden zum Beispiel, sollten durchaus damit nicht eine falsche Askese verbinden, indem sie ihr Vegetarierwerden etwa dazu verwenden, um sich möglichst abzustumpfen gegen das freundschaftliche Verhältnis zu dem Wesen der Natur, sondern sie sollten gerade das ausbilden, feine Unterschiede zu erschmecken gegenüber den einzelnen Nahrungsgattungen. Man kann das besonders gut als Vegetarier, weil man da in die Lage kommt — wenn das Wort nicht mißverstanden wird, möchte ich sagen —, jene feinen raffinierten Unterschiede zu schmecken zwischen den einzelnen Pflanzen und dem, was man als Speise von ihnen bereitet, während man ja natürlich, wenn man nicht Vegetarier ist, bei den Fleischspeisen brutalere Unterschiede hat. Denn wenn wir uns in dieser Beziehung abstumpfen, droht es uns wirklich, diese Abstumpfung von dem bewußten Teil der astralischen Geschmackserlebnisse fortzusetzen in den unterbewußten Teil der Geschmackserlebnisse. Damit aber unterbinden wir die lebendigen Einwirkungen, die von dem Astralleib ausgehen auf die unteren Glieder unseres Organismus. Und es ist ein unbehaglicher Anblick, in manches vegetarische Restaurant zu kommen und zu sehen, wie sich die Leute auf den Teller ein Gebirge von allen möglichen durcheinandergemischten Nahrungsmitteln häufen und das ohne Verständnis in den Mund hineinstopfen, und sich dabei noch besonders erhaben geben über dasjenige, was der gewöhnliche Mensch als ein freundschaftliches Verhältnis zu seiner Naturumgebung in bezug auf die Geschmackserlebnisse hat.
[ 9 ] Now you understand that certain perspectives arise under these circumstances. The first perspective, which is important from an educational and health standpoint: having a well-developed sense of taste should not be underestimated. I have already elaborated on this for our friends on an occasion when I spoke about the education of the child. It is important to realize that one should develop a living relationship with the various foods when eating, that one is, so to speak, not indifferent to whether one eats lettuce or spinach, but that one should have a living relationship with the distinctions of the plant world in lettuce and spinach. For what one experiences in tasting lettuce and spinach are living relationships between the macrocosm and the microcosm, and these living relationships continue in the subconscious taste experience of the astral body, which permeates all the organs. Those who become vegetarians, for example, should by no means associate this with a false asceticism, using their vegetarianism, for instance, to numb themselves as much as possible to the friendly relationship with the essence of nature; rather, they should cultivate the ability to taste the subtle differences between the various types of food. This is particularly possible as a vegetarian, because one is then able—if the word is not misunderstood, I would like to say—to taste those subtle, refined differences between the individual plants and what is prepared from them as food, whereas, of course, if one is not a vegetarian, one encounters more brutal differences in meat dishes. For if we become desensitized in this regard, we truly risk extending this desensitization from the conscious aspect of astral taste experiences into the subconscious aspect of taste experiences. In doing so, however, we block the vital influences emanating from the astral body onto the lower members of our organism. And it is an uncomfortable sight to enter some vegetarian restaurants and see how people pile a mountain of all sorts of jumbled-together foods onto their plates and shove them into their mouths without understanding, while at the same time acting particularly superior toward what the ordinary person regards as a friendly relationship with their natural environment in terms of taste experiences.
[ 10 ] Das ist das eine, meine lieben Freunde. Wenn einmal durchdrungen werden wird das Verständnis des äußeren Erlebens in bezug auf das Essen von dem Verständnis des Astralleibes und seiner Wirkungsweise, dann wird sich wirklich eine gesunde Hygiene des Essens ergeben, und die werden wir brauchen, weil jenes unbewußte Instinktleben dem Menschengeschlecht allmählich verlorengehen wird und ersetzt werden muß durch ein bewußtes Verhältnis zu der kosmischen Umgebung.
[ 10 ] That is one thing, my dear friends. Once our understanding of external experiences related to eating is permeated by an understanding of the astral body and its mode of operation, then a truly healthy dietary regimen will emerge, and we will need it, because that unconscious instinctual life will gradually be lost to the human race and must be replaced by a conscious relationship with the cosmic environment.
[ 11 ] Aber andrerseits ergibt sich auch noch eine Perspektive, und die besteht darin, daß wirklich ein bestimmtes Verhältnis besteht zwischen der ganzen Pflanzenwelt, die draußen über die Erde ausgebreitet ist, und dem menschlichen Organismus, dem Mikrokosmos. Und dieses Verhältnis drückt sich aus in dem spezifischen Schmekken eines Organes. Es ist wirklich wahr und kein bloßes Symbolum, das ich ausspreche, wenn ich sage: irgendeine Pflanze, die draußen wächst, schmeckt nur einem ganz bestimmten Organ des Menschen, andern Organen schmeckt sie nicht. Ein bestimmtes Organ läßt sich anregen durch die Kräfte dieser Pflanze, ein anderes nicht. Wenn man diese Beziehungen einmal studieren wird, dann wird man etwas sehr Wichtiges gewonnen haben.
[ 11 ] But on the other hand, another perspective also emerges, and that is that there really is a specific relationship between the entire plant world, which spreads out across the earth, and the human organism, the microcosm. And this relationship is expressed in the specific taste of an organ. It is truly a fact, and not merely a symbol, when I say: any plant that grows outside appeals to only one very specific human organ; other organs do not find it appealing. A specific organ can be stimulated by the forces of this plant, while another cannot. Once these relationships are studied, something very important will have been gained.
[ 12 ] Ich habe Ihnen bei verschiedenen Gelegenheiten gesagt: Die Pflanze besteht zwar, wenn wir ihre Form nehmen, aus dem physischen Leib und dem dazugehörigen Ätherleib; aber sie streckt gleichsam, indem sie sich nach aufwärts entwickelt, ihr Blühen hinein in die umliegende Astralität, und wenn wir ein Pflanzenbeet überschauen, so finden wir Astralität ausgebreitet über die Pflanzen hin, Astralität, die zu den Pflanzen gehört. Nicht jede Pflanze hat ihren besonderen Astralleib, aber doch ist es so, daß die allgemeine Astralität — die über die Oberfläche der Erde ausgebreitet ist, wie die Luft physisch ausgebreitet ist — sich spezifiziert. Das, was sich gleichsam aus dem Astralleib der Erde heruntersenkt zu einer besonderen Blüte, sagen wir der Lilienblüte, das äußert sich anders als dasjenige, was sich heruntersenkt zu einer Kleeblüte. Da spezifiziert sich die allgemeine Astralität.
[ 12 ] I have told you on various occasions: Although the plant, in its physical form, consists of the physical body and the corresponding etheric body, it extends, as it were, by developing upward, its flowering into the surrounding astral realm; and when we look out over a flower bed, we find astrality spread out over the plants, astrality that belongs to the plants. Not every plant has its own specific astral body, but it is nevertheless the case that the general astral realm—which is spread out over the surface of the earth just as the air is physically spread out—becomes specialized. That which, as it were, descends from the astral body of the Earth into a particular flower—let us say the lily—manifests itself differently from that which descends into a clover flower. There the general astrality becomes specific.
[ 13 ] Diese Verwandtschaft, die da besteht zwischen der Astralität der Erde und dem ganzen ausgebreiteten Pflanzenteppich, diese Beziehung besteht auch innerlich zwischen dem menschlichen Astralleib und seinen einzelnen Organen. Auch in dieser Beziehung ist der Mensch durchaus ein Mikrokosmos, nur daß ein ungesundes Verhältnis eintreten kann zwischen dem menschlichen Astralleib und seinen einzelnen Organen, indem einzelne Organe ihre lebendige Geschmacksempfindung verlieren, sich abstumpfen. Dasjenige Verhältnis, das zwischen der allgemeinen Astralität der Erde und der gesamten Pflanzendecke besteht, ist im wesentlichen — ich sage im wesentlichen — ein gesundes, und wenn man die Beziehungen herausfindet zwischen den einzelnen Pflanzen und den menschlichen Organen, dann findet man auch die Möglichkeit, durch Zuführung der Stoffe der einzelnen Pflanzen die Organe wiederum anzuregen und sie von innen heraus gesund zu machen. Denn wenn man die Stoffe einer bestimmten Pflanze in den menschlichen Organismus hineinbringt, so bringt man damit die Verwandtschaft, welche die Pflanze zur allgemeinen Astralität der Erde hat, mit hinein. Wenn nun diese Verwandtschaft zur Astralität der Erde bei einzelnen Organen des menschlichen Organismus abgestumpft ist, so kann sie wiederum angeregt werden, auch im menschlichen Astralleib, indem man die Kräfte der betreffenden Pflanze in den menschlichen Organismus hineinbringt.
[ 13 ] This connection that exists between the astral nature of the Earth and the vast expanse of vegetation also exists internally between the human astral body and its individual organs. In this respect, too, the human being is indeed a microcosm, except that an unhealthy relationship can arise between the human astral body and its individual organs, in that individual organs lose their lively sense of taste and become dulled. The relationship that exists between the general astral nature of the Earth and the entire plant cover is essentially—I say essentially—a healthy one, and when one discovers the relationships between the individual plants and the human organs, one also finds the possibility of stimulating the organs again by introducing the substances of the individual plants and making them healthy from within. For when one introduces the substances of a particular plant into the human organism, one thereby introduces the relationship that the plant has to the general astral nature of the Earth. Now, if this connection to the astral nature of the Earth has become dulled in individual organs of the human organism, it can be stimulated again—even in the human astral body—by introducing the forces of the plant in question into the human organism.
[ 14 ] Sie sehen daraus die Möglichkeit, daß man ein Pflanzensystem aufstellt, welches in gewisser Weise der menschlichen Organisation entspricht, und welches zugleich darstellt ein rationales System von gewissen Heilmitteln für bestimmte Organerkrankungen. Man würde da über das rein empirische, probierende Suchen hinauskommen, und man würde wirklich ganz rational durch Parallelisieren der menschlichen Organgeschmäcke mit den Kräften der Pflanzenwelt aufsteigen können zu einer Rationalisierung zunächst der Pflanzentherapie.
[ 14 ] You can see in this the possibility of establishing a plant system that corresponds in a certain way to the human organism, and which at the same time represents a rational system of specific remedies for specific organ diseases. This would go beyond purely empirical, trial-and-error experimentation, and by drawing parallels between the characteristics of human organs and the properties of the plant world, one could truly and rationally advance toward a rationalization of plant therapy, at least initially.
[ 15 ] Alle diese Gesichtspunkte ergeben sich in ungemein fruchtbarer Weise, wenn man wirklich sich einlassen will darauf, Anthroposophie oder Geisteswissenschaft fruchtbar zu machen für das Leben. Und stellen Sie sich nur einmal vor, nach den paar Proben, die gegeben werden konnten gestern und heute, was einem im Grunde genommen für wunderbar anregende Aufgaben für das Leben der Gegenwart aus der geistigen Erkenntnis heraus erwachsen! Man möchte nur wünschen, daß die Menschheit in der nächsten Zukunft nicht zu faul wäre, sich im größeren Umfange zu widmen der Durchdringung der Wissenschaft mit demjenigen, was die Geisteswissenschaft im einzelnen zu geben vermag.
[ 15 ] All these perspectives come together in an immensely fruitful way when one is truly willing to engage with them in order to make anthroposophy or Spiritual Science fruitful for life. And just imagine, after the few examples that could be given yesterday and today, what wonderfully stimulating tasks for contemporary life actually arise from spiritual knowledge! One can only hope that humanity will not be too lazy in the near future to devote itself to a greater extent to the integration of science with what Spiritual Science is able to offer in detail.
[ 16 ] Gewiß ist es unendlich wichtig, daß man die zentralen Erkenntnisse der Geisteswissenschaft der Menschheit mitteilt, denn würde man diese zentralen Erkenntnisse nicht mitteilen, so würde ja die Grundlage für einen weiteren Ausbau fehlen. Aber statt daß diese zentralen Erkenntnisse so aufgenommen werden, wie viele sich versucht fühlen zu tun, in allerlei neuen, literarisch schlechten Wiederholungen desjenigen, was schon vorliegt, doch immer wieder dasselbe zu sagen, sollte einmal das Augenmerk darauf gewendet werden, die einzelnen Kapitel dieser zentralen Erkenntnisse auszubauen und die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse in Wissenschaft und Leben wirklich einzuführen. Ich erwähne das aus dem Grunde, weil es wirklich innerhalb unserer Bewegung recht viele Leute gibt, und darunter einzelne besonders hervorragen, welche es bequemer finden, immer wieder und wiederum das, was schon vorliegt in der Literatur, wiederzugeben und zu wiederholen, anstatt sich darauf einzulassen, in die Gebiete, die ihnen besonders naheliegen, das geisteswissenschaftliche Erkennen einzuführen.
[ 16 ] It is certainly of the utmost importance to share the central insights of Spiritual Science with humanity, for if these central insights were not shared, the foundation for further development would be lacking. But instead of presenting these central insights in the way many are tempted to do—by endlessly repeating the same things in all sorts of new, literarily poor rehashing of what is already available—we should instead focus on expanding the individual aspects of these central insights and truly integrating Spiritual Science insights into science and life. I mention this because there are indeed quite a few people within our movement—and among them certain individuals stand out in particular—who find it more convenient to repeatedly reproduce and repeat what is already available in the literature, rather than engaging in the task of introducing Spiritual Science knowledge into the fields that are particularly close to their hearts.
[ 17 ] Wenn man dieses bedenkt, dann nuanciert sich einem gleichsam das, was immer wieder und wieder betont wird: Geisteswissenschaft muß durchdringende Gesinnung des Menschenlebens werden. Wenn man in unserer Zeit in so schmerzlicher Weise erlebt, wie menschliches Denken und menschliches Urteilen und auch menschliches Tun zu einem Punkte geführt hat, der unendliche Opfer fordert, und auf der andern Seite zeigt, wie menschliches Urteilen und menschliches Empfinden in eine Sackgasse geraten ist, so sollte das hingenommen werden als ein bedeutsames Zeichen der Zeit dafür, daß eine Neubelebung der Seelenkräfte für die Menschheit notwendig ist. Das sollte man als die Hauptsache ansehen, daß eine Neubelebung des Seelenwesens Jetzt notwendig ist.
[ 17 ] When one considers this, what is emphasized time and again takes on a more nuanced meaning: Spiritual Science must become a pervasive attitude in human life. When we experience so painfully in our time how human thinking, human judgment, and human action have led to a point that demands infinite sacrifice, and on the other hand shows how human judgment and human feeling have reached a dead end, this should be accepted as a significant sign of the times indicating that a revitalization of the soul’s powers is necessary for humanity. This should be regarded as the main point: that a revitalization of the soul is necessary now.
[ 18 ] Weniger die Aufstellung dieser oder jener Programmpunkte, wie es beliebt war in der unserer traurigen Epoche unmittelbar vorangegangenen Zeit, als vielmehr das Lebendig-sich-Erfassenlassen von geisteswissenschaftlicher Erkenntnis, das wird eine würdigere Epoche herbeiführen, das wir herausführen können aus den chaotischen Ereignissen unserer Gegenwart. Je weniger man glauben wird, daß auf irgendeinem realen Gebiete der europäischen Menschheit etwa schon das vorhanden sei, was man jetzt zu verteidigen habe, je weniger man das glauben wird, und je mehr man glauben wird, daß man eine neue Zukunft zu erwarten, zu erhoffen hat, eine geistigere Zukunft, eine Zukunft geistigerer Anschauungen, desto mehr wird man das Richtige treffen.
[ 18 ] It is not so much the listing of this or that program point, as was customary in the era immediately preceding our own sad epoch, but rather the living, active engagement with knowledge from Spiritual Science that will bring about a more worthy epoch—one we can lead out of the chaotic events of our present. The less one believes that there is already something in any real sphere of European humanity that must now be defended—the less one believes this, and the more one believes that a new future is to be expected and hoped for, a more spiritual future, a future of more spiritual views—the more one will strike the right note.
[ 19 ] Daß immer ein ahnendes Bewußtsein vorhanden war von dem, was Geisteswissenschaft heute zu klarem Bewußtsein bringen muß, das wurde oft, gerade auch an diesem Orte hier berührt und auch sogar mit äußeren Belegen versehen. Immer wieder und wieder muß man daran erinnert werden, wie Geisteswissenschaft zwar in einem gewissen Sinne etwas radikal Neues ist in unserer Zeit, aber doch gut vorbereitet war im gesamten neueren Geistesleben, so daß überall, wo reges geistiges Leben vorhanden ist, Ahnungen aufgetreten sind nicht nur von geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern Ahnungen von der durchgreifenden Bedeutung dieser geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse. Sehen Sie, ein interessantes Beispiel ist das folgende: Ein europäischer Geist versuchte einmal nachzudenken darüber, welche Einflüsse auf sein inneres Leben ganz besonders bedeutsam geworden sind. Dieser europäische Geist, der also nachdachte, welche Einflüsse auf sein inneres Leben ganz besonders bedeutsam geworden sind, erwähnte dann drei verhältnismäßig neuere Geister, die auf sein Leben großen Einfluß gehabt haben. Er erwähnt den Ihnen ja auch in diesen Vorträgen hier von gewissen Gesichtspunkten aus charakterisierten Emerson, er erwähnt Ruysbroek und den deutschen Mystiker Novalis. Diese drei Geister haben einen besonderen Einfluß auf diesen mitteleuropäischen Geist gehabt — so setzt er selber auseinander. Nun sucht er einen gewissen Maßstab zu gewinnen, dieser europäische Geist, für das, was in das Geistesleben der Menschen wird einziehen müssen, wenn dieses Geistesleben die notwendige neue Befruchtung wird wirklich erfahren sollen, und da sagt dieser Geist etwas höchst Merkwürdiges. Er sagt: Wenn man so einen Blick zum Beispiel auf Shakespeare oder Sophokles lenkt, so findet man, daß da menschliche Konflikte zur Darstellung gebracht werden, aber schließlich — so meint der Betreffende —, was sind denn das für Konflikte, die um Hamlet und Ophelia, um Antigone oder Elektra sich abspielen? Gewiß — so meint er für die irdischen Wesen, die man Menschen nennt, höchst bedeutungsvolle Konflikte, aber — so meint der Betreffende —, wenn ein Geist von einem anderen Planeten herunterkommen würde, also aus ganz anderen Erlebnissen heraus, von einem Planeten, wo ganz andersartige Erlebnisse sind, er würde sich nicht sonderlich interessieren können für das, was sich um die Ophelia herum abspielt oder um Wallenstein oder um Maria Stuart. Das kann Erdenmenschen interessieren; wenn aber ein Geist von einem andern Planeten käme, würde er verlangen, daß die Menschen ihm etwas zu erzählen haben, was nicht bloß Erdenwesen interessiert, sondern was Wesen interessiert, die eben im weiteren Umfang dem Kosmos angehören. Und derartige Seelen — meint der Betreffende — gibt es noch recht wenige, welche so etwas zu sagen haben, daß das auch einem Geist, der sich auf die Erde niedersenkt, etwas geben könnte. Und zu diesen Seelen zählt der betreffende Denker den Dichter Novalis. Die Seelenerlebnisse in Novalis’ Dichtungen findet er so fein, so intim, so aus dem herausgeholt, was nicht nur Menschen interessieren kann, was nicht nur im Zeitlichen lebt, sondern was im Ewigen webt und lebt, so daß sich für einen solchen Geist wie Novalis auch ein Wesen interessieren könnte, welches von einem anderen Planeten sich niedersenkte. Ich will Ihnen die Worte vorlesen, die er schrieb, als er Novalis kennenlernte, oder dasjenige kennenlernte, was Novalis als seine Seelenerlebnisse zu geben hat. Es sind sehr schöne Worte, so schön, daß ich vorlesen möchte, was der betreffende Denker gerade mit Bezug auf die Novalis-Erlebnisse zu sagen hat:
[ 19 ] The fact that there has always been a sense of foreboding regarding what Spiritual Science must now bring into clear consciousness has often been touched upon, particularly here, and has even been supported by external evidence. Time and again we must be reminded that while Spiritual Science is, in a certain sense, something radically new in our time, it was nevertheless well prepared for within the broader context of modern spiritual life, so that wherever there is a vibrant spiritual life, intuitions have arisen—not only regarding spiritual scientific insights, but also regarding the profound significance of these spiritual scientific insights. You see, an interesting example is the following: A European thinker once tried to reflect on which influences had become particularly significant in his inner life. This European thinker, who was thus reflecting on which influences had become particularly significant in his inner life, then mentioned three relatively recent thinkers who had had a great influence on his life. He mentions Emerson—whom you have also heard characterized from certain perspectives in these lectures—he mentions Ruysbroek, and the German mystic Novalis. These three spirits have had a special influence on this Central European spirit—as he himself explains. Now this European spirit seeks to establish a certain standard for what must enter into people’s spiritual lives if those lives are to truly experience the necessary new inspiration, and here this spirit says something most remarkable. He says: If one turns one’s gaze, for example, to Shakespeare or Sophocles, one finds that human conflicts are portrayed there, but ultimately—so the speaker argues—what kind of conflicts are these that unfold around Hamlet and Ophelia, around Antigone or Electra? Certainly—he argues—these are conflicts of the utmost significance for the earthly beings called human beings, but—so the person in question argues—if a spirit were to come down from another planet, that is, from entirely different experiences, from a planet where experiences are of a completely different nature, it would not be particularly interested in what takes place around Ophelia or around Wallenstein or around Mary Stuart. That may interest Earthlings; but if a spirit were to come from another planet, it would demand that humans have something to tell it that interests not merely earthly beings, but beings who, in a broader sense, belong to the cosmos. And such souls—says the thinker in question—are still quite few in number, those who have something to say that could also offer something to a spirit descending to Earth. And among these souls, the thinker in question counts the poet Novalis. He finds the soul experiences in Novalis’s poetry so subtle, so intimate, so drawn from that which can interest not only human beings, which does not merely live in the temporal, but which weaves and lives in the eternal, so that a being descending from another planet might also take an interest in a spirit such as Novalis. I would like to read to you the words he wrote when he came to know Novalis, or rather, when he came to know what Novalis has to offer in terms of his soul experiences. They are very beautiful words, so beautiful that I would like to read aloud what this thinker has to say specifically regarding the Novalis experiences:
[ 20 ] «Wenn es aber anderer Beweise bedürfte», so sagt der betreffende Denker in Anknüpfung an das, was er selber an Novalis erlebt hat, und von dem er also meint, daß es auch die Geister anderer Planeten interessieren würde: «Wenn es aber anderer Beweise bedürfte, würde sie» — nämlich die Menschenseele — «ihn unter Die führen, deren Werke fast ans Schweigen rühren. Sie würde die Pforte des Reiches öffnen, wo einige sie um ihrer selbst willen liebten, ohne sich um die kleinen Gebärden ihres Körpers zu kümmern. Sie würden zusammen auf die einsamen Hochflächen steigen, wo das Bewußtsein sich um einen Grad steigert, und wo alle, welche die Unruhe über sich selbst plagt, aufmerksam den ungeheuren Ring umschweifen, der die Erscheinungswelt mit unseren höheren Welten verknüpft. Sie würde mit ihm zu den Grenzen der Menschheit gehen; denn an dem Punkte, wo der Mensch zu enden scheint, fängt er wahrscheinlich an, und seine wesentlichsten und unerschöpflichsten Teile befinden sich nur im Unsichtbaren, wo er unaufhörlich auf seiner Hut sein muß. Auf diesen Höhen allein giebt es Gedanken, welche die Seele billigen kann, und Vorstellungen, welche ihr ähneln, und die so gebieterisch sind, wie sie selbst. Dort hat die Menschheit einen Augenblick geherrscht, und diese schwach erleuchteten Spitzen sind vielleicht die einzigen Lichter, welche die Erde dem Geisterreiche ankündigen. Ihr Widerschein hat fürwahr die Farbe unsrer Seele. Wir empfinden, daß die Leidenschaften des Geistes und Körpers in den Augen einer höheren Vernunft den Klagen von Glocken gleichen würden; aber in ihren Werken sind die genannten Menschen aus dem kleinen Dorfe der Leidenschaften herausgekommen und haben Dinge gesagt, die auch Denen von Wert sind, die nicht von der irdischen Gemeinde sind.»
[ 20 ] “But if further proof were needed,” says the thinker in question, drawing on his own experience with Novalis—an experience he believes would also interest the spirits of other planets: “But if further proof were needed, she”—namely the human soul—“would lead him among those whose works border on silence. She would open the gate to the realm where some loved her for her own sake, without caring about the small gestures of her body. Together they would ascend to the lonely highlands, where consciousness rises a degree, and where all those plagued by anxiety about themselves attentively roam the immense ring that links the phenomenal world with our higher worlds. She would go with him to the boundaries of humanity; for at the point where man seems to end, he probably begins, and his most essential and inexhaustible parts lie only in the invisible, where he must be constantly on guard. Only on these heights are there thoughts that the soul can approve of, and mental images that resemble it, and that are as commanding as the soul itself. There, humanity has reigned for a moment, and these dimly lit peaks are perhaps the only lights that announce the Earth to the spirit realm. Their reflection truly bears the color of our soul. We feel that the passions of the mind and body would resemble the tolling of bells in the eyes of a higher reason; but in their works, the aforementioned men have emerged from the small village of the passions and have spoken things that are of value even to those who are not of the earthly community.”
[ 21 ] Das sind wahrhaft schöne, herrliche Worte! Der Betreffende glaubt, sie an Novalis erlebt zu haben, schöne, herrliche Worte, die charakterisieren, wie die Menschheit wirklich zu etwas kommen muß, was unmittelbar sich angliedert an das Ewige, was uns hinausführt über die bloß irdischen Erlebnisse in die Erlebnisse des Kosmos. Die Worte, die ich Ihnen vorgelesen habe, hat Maurice Maeterlinck über Novalis gesprochen, allerdings schon vor einiger Zeit, nicht in den letzten Monaten! Aber Sie sehen daraus, daß überall bei denjenigen, die nachdenken können — in den Zeiten, in denen sie nachdenken können —, ein wahres, ein echtes Bewußtsein vorhanden ist von dem Gang in die geistige Welt hinein, den die Menschheitsentwickelung wirklich nehmen muß.
[ 21 ] These are truly beautiful, magnificent words! The person in question believes he experienced them through Novalis—beautiful, magnificent words that describe how humanity must truly attain something that is directly connected to the eternal, something that leads us beyond mere earthly experiences into the experiences of the cosmos. The words I have read to you were spoken by Maurice Maeterlinck about Novalis, though some time ago, not in recent months! But you can see from this that everywhere among those who are capable of thinking—in the times when they are capable of thinking—there is a true, genuine awareness of the path into the spiritual world that human development must truly take.
[ 22 ] Ein anderes Beispiel möchte ich Ihnen noch anführen. Wir reden in der Geisteswissenschaft heute ganz bewußt davon, wie durch die Initiation erreicht werden kann ein Sich-Erleben im Ich und Astralleib, getrennt vom physischen Leib und Ätherleib, ein bewußtes Sich-Erleben, wie sonst das unbewußte Sich-Erleben im Schlafe geschieht. Damit aber ist zu gleicher Zeit die Geisteswissenschaft in der Lage, über das Erlebnis des Todes die nötigen Aufschlüsse zu geben. Denn was der Geisteswissenschafter erlebt außerhalb des Leibes im Hinblicke auf den physischen Leib und Ätherleib, das ist ja dasselbe, was die Seele nach dem Tode erlebt, indem sie zurückblickt auf ihren physischen Leib und auf die Schicksale des Ätherleibes; so daß der Geisteswissenschafter in besonderer Weise spricht von einem Anschauen des in den Weltprozeß aufgehenden physischen Leibes, des in den Weltprozeß aufgehenden Ätherleibes von jenem Standpunkte her, den die Seele gewinnt, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Nicht wahr, es bedeutet Unendliches für die Fortentwickelung des ganzen menschlichen Bewußtseins, des ganzen menschlichen Geisteskulturlebens, daß solche Vorstellungen in dieses Geisteskulturleben übergehen können, wie die, daß die Menschen immer mehr und mehr dazu kommen werden, zu wissen, daß, wenn die Seele durch die Pforte des Todes gegangen sein wird, sie im Rückblick das ganze vergangene Leben und das, was mit dem Leibe vorgeht, anschaut, gerade so, wie Sie jetzt in Ihrer Erinnerung zurückblicken auf Ihre Erlebnisse in dem gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod. Wenn es einmal — um den trivialen Ausdruck zu gebrauchen — in Fleisch und Blut übergegangen sein wird, daß man nach dem Tode zurückschaut auf die Erlebnisse im Leibe, so wie man jetzt zurückschaut auf Erlebnisse früherer Zeiten im Leben zwischen Geburt und Tod, wenn es selbstverständlich geworden sein wird, daß man so zurückschaut, dann wird etwas Ungeheures erreicht sein. Und aus verschiedenem, das ich mit Ihnen besprochen habe, werden Sie einsehen, wie nötig es ist, daß möglichst schnell ein solches Bewußtsein für die allgemeine Menschheit erreicht wird.
[ 22 ] I would like to give you another example. In Spiritual Science today, we speak quite deliberately of how, through initiation, one can achieve a self-experience in the ego and astral body, separate from the physical body and etheric body—a conscious self-experience, similar to the unconscious self-experience that occurs during sleep. At the same time, however, Spiritual Science is able to provide the necessary insights into the experience of death. For what the spiritual scientist experiences outside the body with regard to the physical body and the etheric body is, after all, the same as what the soul experiences after death when it looks back upon its physical body and the destinies of the etheric body; so that the person engaged in Spiritual Science speaks in a special way of a beholding of the physical body merging into the world process, of the etheric body merging into the world process, from that standpoint which the soul attains when it has passed through the gate of death. Is it not true that it means infinitely much for the further development of the whole of human consciousness, of the whole of human spiritual cultural life, that such mental images can enter into this spiritual cultural life—such as the mental image that human beings will increasingly come to know that, once the soul has passed through the gate of death, it will look back upon the whole of its past life and upon what is happening to the body, just as you now look back in your memory on your experiences in ordinary life between birth and death. Once it has become—to use a trivial expression—second nature to look back after death on the experiences in the body, just as one now looks back on experiences from earlier times in life between birth and death, once it has become a matter of course to look back in this way, then something tremendous will have been achieved. And from various things I have discussed with you, you will see how necessary it is that such an awareness be achieved as quickly as possible for humanity at large.
[ 23 ] Und nun schauen wir einmal, ob diese Vorstellungen, die jetzt vollbewußt in so klaren Umrissen schon in der elementaren Geisteswissenschaft gegeben werden, ob solche Vorstellungen — wenn wir auf ein ahnendes Verständnis sehen — dem Menschengeschlechte immer ganz fremd waren, bevor die Geisteswissenschaft aufkam. Als Fichte eine Anzahl von Reden hielt, in denen er die Erziehungsweise seines Volkes umzugestalten suchte — eine solche Umgestaltung, wie Pestalozzi sie hervorgerufen hat, nur universeller —, da sagte Fichte, es seien gewiß viele Menschen, welche nicht mitkönnen mit der Vorstellung, daß man durch solche Gedanken gewissermaßen das Menschengeschlecht neugestalten und neubeleben könne. Solche Menschen haften an dem Alten, das sie sich vorstellen können, meinte Fichte. Und nun suchte er nach einem Vergleich, um das, was sie gelernt haben und an dem sie haften, so recht klar auszudrücken. Nach einem Vergleich suchte Fichte, und sehr merkwürdig ist dieser Vergleich. Ich will ihn Ihnen vorlesen.
[ 23 ] And now let us see whether these mental images, which are now presented with full awareness and in such clear outlines even within elementary Spiritual Science, whether such mental images—if we look to an intuitive understanding—were always entirely foreign to the human race before Spiritual Science emerged. When Fichte delivered a series of lectures in which he sought to transform the educational methods of his people—a transformation similar to that brought about by Pestalozzi, only on a more universal scale—Fichte said that there were certainly many people who could not come to terms with the mental image that such thoughts could, in a sense, reshape and revitalize the human race. Such people cling to the old ways that are in their mental images, Fichte meant. And now he sought a comparison to express quite clearly what they have learned and to which they cling. Fichte sought a comparison, and this comparison is very remarkable. I will read it to you.
[ 24 ] «Die Zeit», sagt Fichte — er meint alle die Menschen der Zeit, die sich nicht vorstellen können, daß ein Neues aus dem Alten hervorgehen könne — «die Zeit erscheint mir wie ein Schatten, der über seinem Leichnam, aus dem soeben ein Heer von Krankheiten ihn herausgetrieben, steht und jammert und seinen Blick nicht loszureißen vermag von der ehedem so geliebten Hülle und verzweifelt alle Mittel versucht, um wieder hineinzukommen in die Behausung der Seuchen. Zwar haben schon die belebenden Lüfte der anderen Welt, in die die Abgeschiedene eingetreten, sie aufgenommen in sich und umgeben sie mit warmem Liebeshauche, zwar begrüßen sie schon freudig heimliche Stimmen der Schwestern» — damit meint er die andern Geistwesen, von denen wir umgeben sind —, «und heißen sie willkommen, zwar regt es sich schon und dehnt sich in ihrem Inneren nach allen Richtungen hin, um die herrlichere Gestalt, zu der sie erwachsen soll, zu entwickeln; aber noch hat sie kein Gefühl für diese Lüfte oder Gehör für diese Stimmen oder, wenn sie es hätte, so ist sie aufgegangen in Schmerz über ihren Verlust, mit welchem sie zugleich sich selbst verloren zu haben glaubt.»
[ 24 ] “The times,” says Fichte—he means all the people of the time who do not have a mental image of what could emerge from the old— “The present age appears to me like a shadow standing over its own corpse, from which an army of diseases has just driven it out, wailing and unable to tear its gaze away from the shell it once so loved, and desperately trying every means to get back into the dwelling of the plagues. True, the life-giving breezes of the other world, into which the departed has entered, have already taken her in and surround her with a warm breath of love; true, secret voices of the sisters already greet her joyfully”— —by this he means the other spiritual beings with whom we are surrounded— “and welcome her; indeed, it is already stirring and expanding within her in all directions to develop the more glorious form into which she is to grow; but she still has no sense of these breezes or hearing for these voices, or, if she did, she is consumed by grief over her loss, with which she believes she has lost herself as well.”
[ 25 ] Ja, ist es nicht so, als wenn einer, der aus der Geisteswissenschaft kommt, einen Vergleich aus der Geisteswissenschaft nimmt vom Anschauen des Leichnames nach dem Tode? So sprach Fichte 1808. Wir sehen daraus, wie alles hintendiert nach Geisteswissenschaft, und wie in den besten Geistern diese Geisteswissenschaft als Ahnung aufsteigt, aber, wie dieses Beispiel zeigt, als eine solche Ahnung, die in ganz bestimmten Formen sich ausdrückt.
[ 25 ] Yes, isn’t it as if someone from the Spiritual Science were to draw a comparison from the Spiritual Science regarding the observation of a corpse after death? So spoke Fichte in 1808. We see from this how everything tends toward the Spiritual Science, and how in the finest minds the Spiritual Science arises as an intuition, but, as this example shows, as an intuition that expresses itself in very specific forms.
[ 26 ] Sie werden verstehen, nach dem, was Sie von mir zu hören gewohnt sind, und namentlich, wie Sie es zu hören gewohnt sind, wie solche Worte gemeint sind. Aber könnte nicht eine ganz bestimmte Empfindung, ein ganz bestimmtes Gefühl in den Seelen der Menschen auftauchen, wenn sie so etwas lesen, das 1808 ausgesprochen wurde? Könnte da nicht in den Seelen, welche es mit der Menschheitskultur ernst nehmen, ein ganz bestimmtes Gefühl auftauchen? Könnten nicht diese Seelen sich sagen: Hätten wir eigentlich nicht, nachdem solche Ahnungen vorhanden waren, uns an solchen Ahnungen halten und eigentlich längst schon etwas weitergekommen sein müssen in der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis der Welt? Und dann könnten solche Seelen vielleicht zu der Empfindung kommen: Schämen wir uns! — Wenn nur in recht vielen Seelen solche Empfindungen auftauchen würden, dann wäre es ein großes Glück für die Entwickelung des Geisteslebens der Menschheit. Aber ich denke, es werden viele Seelen noch lange den bequemeren Weg wählen, und dasjenige, was ihnen gefällt zum Beispiel in solchen Reden, wie sie Fichte gehalten hat, hinnehmen, aber über solche Dinge hinweglesen, die ihnen nicht gefallen. Und wenn man sie aufmerksam macht darauf, werden sie sagen: Nun ja, großen Geistern ist es schon erlaubt, auch einmal in gewisser Beziehung Querköpfe zu sein. Und dann machen sie solche Vergleiche, die gar keiner Realität entnommen sind.
[ 26 ] You will understand, given what you are accustomed to hearing from me, and especially given how you are accustomed to hearing it, what such words mean. But might not a very specific sensation, a very specific feeling, arise in people’s souls when they read something like this, which was spoken in 1808? Could not a very specific feeling arise in the souls that take human culture seriously? Could not these souls say to themselves: Given that such intuitions existed, should we not have held fast to them and actually have made much more progress by now in the understanding of the world as it relates to Spiritual Science? And then such souls might perhaps come to the realization: Let us be ashamed! — If only such feelings were to arise in a great many souls, it would be a great blessing for the development of humanity’s spiritual life. But I think many souls will continue to choose the easier path for a long time to come, accepting what pleases them—for example, in speeches such as those given by Fichte—but skimming over those things that do not please them. And if one draws their attention to it, they will say: Well, yes, great minds are certainly allowed to be a bit of a maverick in certain respects. And then they make comparisons that are not based on reality at all.
[ 27 ] Es wird das ganze Leben durchdrungen werden können von dem, was die Geisteswissenschaft durch ihre Vorstellungen an Empfindungen in den Menschenseelen anregt. Und wirklich zu keinem andern Ziele, als um möglichst eindringlich hinzuweisen, wie das Leben von geisteswissenschaftlichen Vorstellungen durchdrungen sein kann, ist eigentlich unser Bau entstanden und wird alle die Einzelheiten aufweisen, die er enthalten wird.
[ 27 ] The whole of life can be permeated by what Spiritual Science, through its mental images, stirs up in the human soul. And truly, our building was created for no other purpose than to demonstrate as vividly as possible how life can be permeated by mental images of Spiritual Science, and it will display all the details it contains.
[ 28 ] Bei diesem Bau soll nicht eine Sünde begangen werden gegen das naive Leben und Empfinden der Menschen. Diese Sünde glauben ja alle diejenigen an sich oder an den andern nicht zu begehen, die immer wieder und wieder betonen, das künstlerische Schaffen müsse möglichst unbewußt verlaufen. In Wahrheit ist es nur bequemer, wenn das künstlerische Schaffen unbewußt verläuft, als wenn es zum Wissen erhoben wird. Denn das Wissen, wenn es ein Wissen vom Kosmos wird, ist ebenso naiv wie das primitive Unbewußste, das so häufig im Leben aus der Bequemlichkeit der Menschen heraus als das in der Kunst Notwendige hingestellt wird in Redensarten, wie ich sie eben angeführt habe.
[ 28 ] This building must not commit a sin against people’s naive way of life and sensibility. All those who insist, time and again, that artistic creation must proceed as unconsciously as possible believe that they themselves—or others—do not commit this sin. In truth, it is simply more convenient for artistic creation to proceed unconsciously than for it to be elevated to the level of knowledge. For knowledge, when it becomes knowledge of the cosmos, is just as naive as the primitive unconscious, which is so often presented in life—out of human convenience—as a necessity in art, in expressions such as those I have just cited.
[ 29 ] Vergegenwärtigen Sie sich einmal folgendes, das Sie sich wie eine Konsequenz heraus ziehen können aus mancherlei Besprechungen, so werden Sie auch den Eindruck empfangen, daß aus der Geisteswissenschaft heraus wichtige Impulse auch für künstlerische Einzelheiten gegeben werden können und gegeben werden müssen. Wenn wir einen Menschen anschauen im Lichte der heutigen Geisteswissenschaft, wissen wir ja, daß dieser Mensch nicht auf die Weise sich gebildet hat, die die heutige Naturwissenschaft einseitig darlegt, sondern daß dieser Mensch eine Saturn-, Sonnen-, Mondenentwickelung brauchte und dann die bisherige Erdenentwickelung, um zu dem zu werden, was er geworden ist. Und wir wissen, wenn wir die einzelnen Teile auch der äußeren physischen menschlichen Gestalt ins Auge fassen, daß an ihr ganze Generationen der Wesen der höheren Hierarchien gearbeitet haben durch lange Zeiträume, und daß ihre Tätigkeit so spezifiziert war, wie wir es geschildert haben in der Saturn-, Sonnen-, Monden- und Erdenentwickelung.
[ 29 ] Consider the following: if you draw this conclusion from various discussions, you will also gain the impression that Spiritual Science can—and must—provide important impulses even for specific artistic details. When we look at a human being in the light of today’s Spiritual Science, we know that this person did not develop in the way that modern natural science one-sidedly presents, but that this person required a Saturn, Sun, and Moon phase of development, followed by the Earth’s development up to the present, in order to become what they have become. And we know, when we consider the individual parts of the outer physical human form, that entire generations of beings from the higher hierarchies have worked on it over long periods of time, and that their activity was as specific as we have described in the Saturn, Sun, Moon, and Earth evolutions.
[ 30 ] Wir wissen, daß das, was heute als fertiger Teil des Menschen erscheint, zum Beispiel das Haupt, erst durchgehen mußte durch die Sonnen-, Monden- und die ganze bisherige Erdenentwickelung hindurch, um das zu werden, was es heute ist, daß es umgewandelt und umgelormt werden mußte, daß es zuerst vorhanden war während der Sonnenentwickelung, daß es während der Mondenentwickelung wieder auftrat und umgeformt wurde, und daß es während der Erdenentwickelung wiederum umgeformt wurde. Wenn man dann sich überlegt, wie eigentlich der Mensch studiert werden müßte, dann wird man dazu kommen, die ganze Kompliziertheit dieser menschlichen Organisation und ihren Zusammenhang mit dem Makrokosmos zunächst zu empfinden und dann allmählich auch erkennen zu lernen.
[ 30 ] We know that what appears today as a fully formed part of the human being—the head, for example— first had to pass through the solar, lunar, and the entire earthly evolution to date in order to become what it is today; that it had to be transformed and reshaped; that it first existed during the solar evolution; that it reappeared and was reshaped during the lunar evolution; and that it was reshaped again during the earthly evolution. When one then considers how the human being ought actually to be studied, one will come to first sense the entire complexity of this human organization and its connection to the macrocosm, and then gradually learn to recognize it as well.
[ 31 ] Ich will heute nur einiges andeuten, das in den nächsten Zeiten genauer zur Ausführung kommen wird. Ich will es andeuten aus dem Grunde, weil es uns zu einem Schlußgedanken führen wird. Wie gesagt, ich werde es in den nächsten Tagen weiter ausführen. Wir haben zum Beispiel an unserem Organismus Glieder, welche in ihrer Konfiguration sehr deutlich die ursprünglichen Impulse der alten Saturnentwickelung heute noch an sich tragen, die aber vielfach umgestaltet, umgeformt sind, so daß man sie in ihrer heutigen Gestalt ohne das Studium der Akasha-Chronik nicht ohne weiteres erkennen kann. Schematisch dargestellt (siehe Zeichnung S. 148, a) sind die das Rückenmark umschließenden Knochen zuerst veranlagt worden während der alten Saturnentwickelung, noch im Elemente der Wärme, und sind bei den nächsten Entwickelungen immer umgestaltet worden. Diejenigen Knochen, die sich als Rippenknochen ansetzen, sind dann angegliedert worden zur Zeit der Mondenentwickelung. Sie sind weniger umgestaltet, weil ihre ersten Ansätze weniger weit zurückliegen.
[ 31 ] Today I would like to touch on just a few points that will be explored in greater detail in the coming days. I am bringing them up because they will lead us to a concluding thought. As I said, I will elaborate on them further in the coming days. For example, our organism has limbs whose configuration still very clearly bears the original impulses of the ancient Saturn evolution, but which have been transformed and reshaped in many ways, so that one cannot readily recognize them in their present form without studying the Akashic Records. Schematically represented (see drawing on p. 148, a), the bones enclosing the spinal cord were first formed during the ancient Saturn evolution, while still in the element of warmth, and have been continually reshaped in subsequent evolutions. The bones that develop into the ribs were then added during the Moon evolution. They have been reshaped to a lesser extent because their initial formation occurred less long ago.
[ 32 ] Andere Organe sind nach oben gerichtet angesetzt worden, zuerst während der Sonnenentwickelung, und dann umgestaltet worden. Das, was wir heute als den menschlichen Schädel, das menschliche Haupt bezeichnen, ist während der Sonnenentwickelung angelegt und dann vielfach umgestaltet worden. Wenn aber nur das vor sich gegangen wäre, was die Sonnenentwickelung dem Menschen gegeben hat in bezug auf seinen Schädel, dann würde der Mensch sein Haupt tragen müssen, wie er es nicht tragen kann, nämlich so, daß es immer nach oben gerichtet wäre. Daher ist während der Erdenentwickelung durch den Sonneneinfluß eine Wendung eingetreten um neunzig Grad, so daß dasjenige, was nach oben gerichtet sein müßte, jetzt so gerichtet ist. Statt daß wir also den Sonnenpfeil für die Erdenentwickelung so zeichnen, müssen wir ihn jetzt für die Erdenentwickelung so zeichnen (siehe Zeichnung). Es gehört zur normalen Entwickelung, die die menschliche Gestalt durchgemacht hat unter dem Einfluß des Kosmos, daß die Gestalt des Hauptes, aus ihrem Gerichtetsein nach oben, nach vorne gerichtet worden ist, so gedreht worden ist nach vorne.
[ 32 ] Other organs were first positioned facing upward during the Sun stage of evolution and were subsequently transformed. What we today call the human skull, the human head, was first formed during the Sun stage of evolution and was then transformed many times over. But if only what the Sun’s evolution gave to humanity with regard to the skull had taken place, then humans would have to carry their heads in a way they cannot—namely, so that it would always be pointing upward. Therefore, during Earth’s evolution, under the influence of the Sun, a ninety-degree rotation occurred, so that what should have been pointing upward is now oriented this way. So instead of drawing the solar arrow for Earth’s evolution like this, we must now draw it like this (see drawing). It is part of the normal evolution that the human form has undergone under the influence of the cosmos that the shape of the head, having been directed upward, has been turned forward, has been rotated forward.
[ 33 ] Diejenigen Geister nun, welche zurückgeblieben sind in der Mondenentwickelung, die haben das Bestreben mitgebracht, indem sie den Menschen durchdringen und durchsetzen, sein Haupt nach oben zu richten. Menschen, welche die Neigung haben, in unsympathischer Weise die Nase hoch zu tragen, wie man so sagt, die sind verführt von solchen luziferischen Geistern. Das hat seinen realen Hintergrund. Das ist wirklich eine physiognomisch-kosmische Wahrheit, und man trifft durchaus das Richtige, wenn man von einem, der die Nase hoch trägt, sagt: Na, dem sitzt der Luzifer im Genick! Das ist durchaus wahr. Daher wird es für das Leben unendlich wichtig sein, diese kosmischen Beziehungen wirklich zu kennen.
[ 33 ] Those spirits, now, that have remained behind in the lunar stage of development have brought with them the impulse to make humans lift their heads upward by permeating and influencing them. People who have a tendency to hold their noses high in an unfriendly manner, as the saying goes, are seduced by such Luciferic spirits. There is a real basis for this. It is truly a physiognomic-cosmic truth, and one is absolutely correct when saying of someone who holds their nose high: “Well, Lucifer is sitting on the back of their neck!” That is absolutely true. Therefore, it will be of infinite importance for life to truly understand these cosmic relationships.
[ 34 ] Wenn wir die menschlichen Außengliedmaßen nehmen — Arme, Beine —, so haben wir es bei den Beinen zu tun mit Gliedmaßen, die direkt der Erdenentwickelung angehören, ganz hingeordnet sind zur Erde. Die Arme aber sind in ihrer normalen Entwickelung so, daß der Mensch, wenn er bloß der Erdenentwickelung gefolgt wäre, die Arme nur nach unten senken könnte. Indem er sie auch nach oben heben kann, lenkt er sie willkürlich zur Mondenentwickelung hin, das heißt, er gibt ihnen mit jeder Erhebung einen luziferischen Charakter. Derjenige, der fein empfinden kann, empfindet daher jede Armbewegung, die so ausgeführt wird (Arme nach vorne und aufwärtsgehoben) als etwas, was luziferischen Charakter hat. Fassen wir das ins Auge, und denken wir uns jetzt einen Menschen, der zugleich das Haupt neigt und die Hand hebt, aber so, daß diese beiden Bewegungen festgehalten werden in einer menschlichen Geste: der Mensch senkt das Haupt und hebt den Arm. Dieses Senken des Hauptes ist ein Entgegenwirken gegen die Luziferität des Kopfes, des Hauptes. Das Heben des Armes ist: ein Luziferisches in die Arme hineinbringen. Aber nun ist es so: Indem man in den Arm hinein Luzifer fahren läßt, und das gesenkte Haupt mit der Stirne auf den Arm stützt, erlöst man die Luziferkraft, die durch den Arm fließt, durch die Gegenwirkung der Christus-Kraft im Haupte. Man erlöst gleichsam Luzifer im Arme durch Christus im Haupte.
[ 34 ] If we consider the human limbs—arms and legs—the legs are limbs that are directly part of the Earth’s evolution and are entirely attuned to the Earth. The arms, however, are such in their normal development that if human beings had merely followed the development of the Earth, they would be able to lower their arms only downward. By being able to raise them upward as well, they direct them voluntarily toward the development of the Moon; that is, with every raising, they give them a Luciferic character. Anyone with a keen sense of feeling therefore perceives every arm movement performed in this way (arms raised forward and upward) as something possessing a Luciferic character. Let us take this in, and now imagine a person who simultaneously bows the head and raises the hand, but in such a way that these two movements are held together in a single human gesture: the person bows the head and raises the arm. This bowing of the head is a counteraction against the Luciferic nature of the head. The raising of the arm is: bringing something Luciferic into the arms. But now it is this: by allowing Lucifer to enter the arm, and by resting the bowed head with the forehead on the arm, one redeems the Luciferic force flowing through the arm through the counteraction of the Christ force in the head. One redeems, as it were, Lucifer in the arm through Christ in the head.
[ 35 ] Malen Sie hin in der richtigen Geste die menschliche Gestalt, das Haupt auf den Arm gestützt, dann haben Sie es in dieser Geste ausgedrückt. Der Mensch bildet eine Geste, die ausdrückt: Luzifer wird durch Christus erlöst! — Und fügen Sie dazu etwa noch ein Beugen der Knie, so haben Sie diese Geste verschärft. Heben Sie beide Arme nach oben, und unterdrücken Sie die Kraft des Hebens, wie das beim Falten der Hände geschieht (also die Arme mit gefalteten Händen gehoben), und dann versuchen Sie, mit den gefalteten Händen der luziferisch nach oben strömenden Kraft, indem Sie sie gleichsam lähmen, die Christus-Kraft entgegenzuführen.
[ 35 ] Draw the human figure in the correct gesture, with the head resting on the arm; in this gesture, you have expressed it. The human being forms a gesture that expresses: Lucifer is redeemed through Christ! — And if you add, for example, a bending of the knees, you have intensified this gesture. Raise both arms upward, and suppress the force of the lift, as happens when folding the hands (that is, raising the arms with the hands folded), and then try to counter the Luciferic force flowing upward with your folded hands by, as it were, paralyzing it, and thus countering the Christ force.
[ 36 ] Die menschlichen Gesten werden Ausdruck für das ganze Leben der Welt, für das Geistleben der Welt. Wie vertieft werden kann die Anordnung der menschlichen Gestalt in der Kunst durch ein solches Wissen von den Geheimnissen des Kosmos, das muß man empfinden! Auch das aber können Sie sich sagen: Was ist denn geschehen, indem das gleichsam luziferisch Nach-oben-Geordnetsein des Hauptes — durch den Sonneneinfluß auf der Erde — nach vorne hingewendet worden ist, und der Mensch mit dem nach vorne gewendeten Haupte auf der Erde steht? Er ist dadurch ein Erdenwesen geworden! Dasjenige, was nicht ein Erdenwesen ist, das kann also nicht Beine und Füße im menschlichen Sinne haben. Sein Haupt, und damit auch das Antlitz, hat der Mensch nicht von der Erde, sondern vom Kosmos; aber es entsteht in seiner Form dadurch, daß es sich der Erde zuwendet. Nehmen wir andere Genien, andere Geister, so können wir sie unmöglich mit menschlichen Beinen machen. Genien, die nicht zum Erdendasein gehören, mit menschlichen Beinen zu machen, ist einfach falsch, ist tatsächlich falsch. Das kann man wirklich einsehen aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis heraus. Und diesen Empfindungen, die aus der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis kommen, soll unsere Kunst bei unserem Bau allseitig Rechnung tragen.
[ 36 ] Human gestures become an expression of the entire life of the world, of the world’s spiritual life. One must feel how deeply the arrangement of the human form in art can be enriched by such knowledge of the mysteries of the cosmos! But you can also ask yourself this: What has happened as a result of the head’s—so to speak—Luciferic upward orientation having been turned forward—through the influence of the sun on Earth—and the human being standing on Earth with the head turned forward? Through this, the human being has become an earthly being! That which is not an earthly being cannot, therefore, have legs and feet in the human sense. The human being does not derive his head—and thus also his face—from the Earth, but from the cosmos; yet its form arises through its turning toward the Earth. If we take other genii, other spirits, we cannot possibly endow them with human legs. To depict genies that do not belong to earthly existence with human legs is simply wrong—it is indeed wrong. This can truly be understood through insight into Spiritual Science. And our art must take these perceptions, which arise from insight into Spiritual Science, into account in every respect in our architecture.
[ 37 ] Sie sehen also, daß damit wirklich ein neuer Impuls in, bezug auf künstlerisches Gestalten gegeben werden kann. Wenn Geisteswissenschaft nicht mehr als eine graue Theorie aufgefaßt werden wird, sondern als etwas, was als Empfindung und Fühlen in den Menschen eingehen wird, dann wird man einsehen, daß sie befruchtend wirken kann auf alle Bestrebungen der menschlichen Kulturentwickelung. Ein kleiner Anfang soll damit gemacht werden in unserem Bau.
[ 37 ] So you see that this can truly provide a new impetus for artistic creation. When Spiritual Science is no longer viewed as a dry theory, but as something that enters into people as sensation and feeling, then it will be recognized that it can have a fertilizing effect on all endeavors of human cultural development. A small beginning is to be made with this in our building.
