Occult Reading and Occult Hearing
GA 156
12 December 1914, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Occult Reading and Occult Hearing, tr. SOL
Wie bekommt man das Sein in die Ideenwelt hinein? I
How does one bring Being into the World of Ideas? I
[ 1 ] Wir haben hier vor einiger Zeit, wenigstens in manchen Andeutungen, von dem gesprochen, was man nennt okkultes Lesen und okkultes Hören, und ich werde heute und morgen in diesen Betrachtungen an jene Auseinandersetzungen über okkultes Lesen und okkultes Hören anknüpfen, weil es mir dann gelingen wird, im Zusammenhange damit auch einige wichtige Ideen unseres Baues zu entwickeln.
[ 1 ] Some time ago, we spoke here—at least in passing—about what is called occult reading and occult hearing, and today and tomorrow I will continue these reflections by picking up on those discussions about occult reading and occult hearing, because this will allow me to develop some important ideas regarding our building in connection with them.
[ 2 ] Wenn man sich die äußere wissenschaftliche Betrachtung, insofern diese auf das seelische Leben geht, heute ansieht, so findet man ja in dieser äußeren wissenschaftlichen Betrachtung viele Schwierigkeiten, sobald man nur irgendwie zu einer einigermaßen befriedigenden Überschau über die einschlägigen Begriffe kommen will. Unter den vielen Schwierigkeiten ist diejenige wahrhaftig keine kleine, welche sich ergibt, wenn man die Betrachtung der äußeren Wissenschaft über das menschliche Gedächtnis ins Auge faßt.
[ 2 ] If one looks at the external scientific view—insofar as it pertains to the life of the soul—today, one finds many difficulties in this external scientific view as soon as one attempts to gain even a somewhat satisfactory overview of the relevant concepts. Among the many difficulties, the one that arises when one considers the external scientific view of human memory is truly no small matter.
[ 3 ] Nun müßte ich vieles hier anführen, wenn ich sprechen wollte über dieses oder jenes, was die äußere Psychologie oder Seelenlehre über das Gedächtnis des Menschen zu sagen weiß. Es würde uns aber nicht sehr weit führen, wenn ich das alles ausführen wollte. Ich möchte Sie nur aufmerksam machen darauf, worin die Schwierigkeit für diese äußere Wissenschaft liegt, wenn es sich darum handelt, das Gedächtnis und seine Eigentümlichkeiten zu verstehen.
[ 3 ] Now, I would have to cite many examples here if I were to discuss this or that aspect of what external psychology or the study of the soul has to say about human memory. But it would not get us very far if I were to elaborate on all of that. I would simply like to draw your attention to the difficulty this external science faces when it comes to understanding memory and its peculiarities.
[ 4 ] Nicht wahr, das menschliche Gedächtnis stellt sich uns so dar, daß wir durch dasselbe Vorstellungen, Begriffe, Ideen, die wir zu irgendeiner Zeit aufgenommen haben, in einer späteren Zeit uns wiederum ins Bewußtsein zurückrufen können. Es liegt also die seelische Tatsache vor, daß wir zum Beispiel heute irgendeine Wahrnehmung machen, irgendein Erlebnis haben, und daß wir nach einiger Zeit, ohne daß wir vor derselben Tatsache stehen, welche die Wahrnehmung oder das Erlebnis hervorgerufen hat, uns aus dem Inneren heraus die Vorstellung von der Tatsache, von dem Erlebnis wiederum lebendig machen können.
[ 4 ] Isn't it true that human memory presents itself to us in such a way that we can recall to consciousness at a later time the mental images, concepts, and ideas that we have absorbed at some point in the past? There is thus a psychological fact that, for example, we have a certain perception or experience today, and that after some time—without being confronted with the same event that gave rise to the perception or experience—we can once again bring the mental image of that event or experience to life from within ourselves.
[ 5 ] Das scheint nun so, als ob die menschliche Seele alles dasjenige, was sie von außen aufnimmt, gewissermaßen in sich aufbewahrte. Also wenn wir etwa einen Menschen kennenlernen, so haben wir einen Eindruck von ihm. Diesen Eindruck bilden wir uns zu einer Vorstellung um, und dann bewahren wir im Unterbewußten dieses Vorstellungsbild auf; wenn man es braucht, ruft man es wieder herauf.
[ 5 ] It seems, then, as though the human soul, in a sense, retains within itself everything it takes in from the outside. So, for example, when we meet someone, we form an impression of them. We transform this impression into a mental image, and then we store this image in our subconscious; when we need it, we recall it.
[ 6 ] Nicht wahr, es würde dann vorliegen, daß unsere Seele, insofern sie die Kraft unseres Gedächtnisses entwickelt — nun, sagen wir —, ein Kasten wäre, in den man alle Vorstellungen und Erlebnisse hineinlegen und in dem man sie aufbewahren kann, und aus dem man sie, wenn man sie braucht, wieder herausnehmen kann, um sie ins Bewußtsein heraufzurufen. Da unten in diesem Seelenschrank würden also alle möglichen Erlebnisse aufbewahrt sein, und sie würden da wiederum hervorgerufen werden können.
[ 6 ] Wouldn’t it be the case, then, that our soul—insofar as it develops the power of our memory—is, let’s say, a box into which one can place all one’s mental images and experiences and in which one can store them, and from which one can take them out again when needed in order to bring them to consciousness? So down there in this soul-cupboard, all kinds of experiences would be stored, and they could in turn be brought forth from there.
[ 7 ] Wenn man heute Bücher liest, die über das Gedächtnis handeln, so hat man allerdings den Eindruck, daß oftmals die Autoren glauben, die Seele sei wirklich ein solcher Aufbewahrungsschrank für alle möglichen Erlebnisse. Nun denken Sie sich, Sie würden herumgehen mit Ihrer Seele und würden in dieser Seele einen Schrank für alle Ihre Eindrücke und Erlebnisse mit sich herumtragen. Es liegt hier, das muß man ohne weiteres zugeben, eine Schwierigkeit vor. Diese Schwierigkeit hat man durch allerlei wissenschaftliche Begriffe zu überbrücken versucht, aber etwas sonderlich Befriedigendes ist dabei nicht herausgekommen. Über diese Schwierigkeit wird man erst hinwegkommen, wenn man eine tiefere Einsicht sich aneignen wird in die Gliederung des Menschen in den physischen Leib, in den Ätherleib, in den astralischen Leib und in das Ich. Denn dieser Ätherleib des Menschen muß in der Tat studiert werden, wenn man sich eine wirkliche Erkenntnis vom Wesen des menschlichen Gedächtnisses verschaffen will, und auch der astralische Leib muß zu diesem Zwecke nicht weniger studiert werden.
[ 7 ] When one reads books today that deal with memory, one does, however, get the impression that authors often believe the soul is truly a kind of storage cabinet for all manner of experiences. Now imagine that you were walking around with your soul and carrying within that soul a cabinet for all your impressions and experiences. There is, one must readily admit, a difficulty here. People have tried to bridge this difficulty with all sorts of scientific concepts, but nothing particularly satisfactory has come of it. This difficulty will only be overcome when we acquire a deeper insight into the structure of the human being—comprising the physical body, the etheric body, the astral body, and the I. For this etheric body of the human being must indeed be studied if one wishes to gain a true understanding of the nature of human memory, and the astral body must be studied no less for this purpose.
[ 8 ] Gehen wir einmal davon aus, uns wenigstens vergleichsweise eine Art von Vorstellung zu bilden, was denn dieser astralische Leib des Menschen eigentlich ist. Nicht wahr, im alltäglichen Wachleben erlebt sich der Mensch nicht in seinem astralischen Leibe, ebensowenig wie er sich im Ätherleibe erlebt. Der Mensch erlebt sich in seinem Ich vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und alle Erlebnisse sind Ich-Erlebnisse. Im astralischen Leibe erlebt sich der Mensch nicht. Dieser astralische Leib ist nämlich — ich habe das schon bei anderen Gelegenheiten betont — im Grunde genommen unendlich viel weiser als der Ich-Mensch. Er kann viel mehr, als der Ich-Mensch kann. Dieser astralische Leib kann tatsächlich dasjenige lesen, was ich Ihnen andeutungsweise geschildert habe als okkulte Schrift. Der Astralleib kann diese okkulte Schrift lesen; er kann sie wirklich lesen.
[ 8 ] Let us try to form at least a rough mental image of what this astral body of the human being actually is. After all, in everyday waking life, a person does not experience themselves in their astral body, any more than they experience themselves in their etheric body. From the moment of waking until falling asleep, a person experiences themselves through their ego, and all experiences are ego-experiences. A person does not experience themselves in their astral body. For this astral body is—as I have emphasized on other occasions—fundamentally infinitely wiser than the ego-person. It is capable of far more than the ego-person can do. This astral body can indeed read what I have described to you in general terms as occult writing. The astral body can read this occult writing; it can truly read it.
[ 9 ] Man kann neben vielen andern Vorstellungen, durch die man ein Verständnis des astralischen Leibes hervorrufen kann, auch die haben, daß er ein Leser der okkulten Schrift ist. Und der ätherische Leib dagegen ist, unter mancherlei anderen Eigenschaften, die.er hat, etwas wie eine Schrifttafel, in welche durch die Vorgänge der Welt fortwährend die okkulte Schrift eingetragen wird.
[ 9 ] Among the many other mental images that can help us understand the astral body, we can also view it as a reader of the occult script. The etheric body, on the other hand, is—among its many other qualities—something like a tablet upon which the occult script is continually inscribed through the events of the world.
[ 10 ] Während wir leben — und wir leben ja immer, sei es im Wachen und Schlafen, zwischen Geburt und Tod, und vom Tod bis zu einer neuen Geburt —, gehen im Universum, im Kosmos, fortwährend Vorgänge vor, spielen sich Ereignisse ab. Wesenhaftes lebt im Kosmos. Das alles bildet sich ab, schreibt sich ein in den Ätherleib. Der ätherische Leib des Menschen ist in der Tat ein richtiger Abbildner des gesamten Kosmos. Es gibt nichts im Kosmos, was sich nicht im ätherischen Leibe des Menschen bildhaft abdrückt und, wenn man den Ausdruck gebrauchen will, imaginativ sich spiegelt. Und der astralische Menschenleib liest fortwährend das, was die Welt in den ätherischen Menschenleib einschreibt. Das geht in der Tat im Unterbewußtsein des Menschen vor sich, daß der astralische Menschenleib dasjenige liest, was die Welt in den ätherischen Menschenleib einschreibt.
[ 10 ] While we live—and we are always living, whether awake or asleep, between birth and death, and from death to a new birth—processes are constantly taking place in the universe, in the cosmos, and events are unfolding. Essential life exists in the cosmos. All of this is reflected, inscribed into the etheric body. The human etheric body is, in fact, a true mirror of the entire cosmos. There is nothing in the cosmos that is not pictorially imprinted in the human etheric body and, if one may use the expression, imaginatively reflected. And the human astral body continually reads what the world inscribes into the human etheric body. This indeed takes place in the human subconscious: the human astral body reads what the world inscribes into the human etheric body.
[ 11 ] Wenn wir nun aber selbst in unserem bewußten, wachen Tagesleben einem Ereignis oder auch einem Gegenstande gegenübertreten, der auf uns einen Eindruck macht, dann bilden wir uns eine Vorstellung dieses Gegenstandes. Bei dem Bilden dieser Vorstellung des Gegenstandes ist zunächst der astralische Leib beschäftigt. Er ist in einer vehementen Bewegung, während wir uns eine Vorstellung von einem Gegenstande bilden, oder uns die Vorstellung des Eindruckes eines äußeren Ereignisses bilden. Was wir so als Vorstellung bilden, was wir als seelisches Erlebnis haben, das schreibt sich auch ein in den Ätherleib des Menschen, bleibt im Ätherleibe des Menschen eingeschrieben. Geradeso wie die Welt mit ihren Ereignissen fortwährend in unseren Ätherleib sich einschreibt, so schreiben wir auch dasjenige, was wir selbst seelisch erleben, in unseren ätherischen Leib ein. Darinnen bleibt es eingeschrieben. Wenn wir uns an etwas erinnern, so geschieht in der Tat ein komplizierter Vorgang. Unser Astralleib liest dasjenige, was in unseren Ätherleib eingeschrieben worden ist, und das Ergebnis dieses Lesens ist das Heraufdringen einer Vorstellung, die wir Erinnerung nennen.
[ 11 ] But when we ourselves, in our conscious, waking daily life, encounter an event or even an object that makes an impression on us, we form a mental image of that object. In forming this mental image of the object, the astral body is initially engaged. It is in a vehement state of movement while we form a mental image of an object or form the mental image of the impression of an external event. What we thus form as a mental image, what we experience as a soul experience, is also inscribed into the human etheric body and remains inscribed there. Just as the world with its events continually inscribes itself into our etheric body, so too do we inscribe into our etheric body that which we ourselves experience soulfully. It remains inscribed there. When we remember something, a complex process actually takes place. Our astral body reads what has been inscribed in our etheric body, and the result of this reading is the emergence of a mental image that we call a memory.
[ 12 ] Nun, so wäre das Gedächtnis zurückgeführt auf eine Art Lesen unseres Astralleibes im Ätherleibe. Und in der Tat, sobald wir dieses wissen, werden wir nicht mehr zu der einfältigen Vorstellung kommen, daß die Seele so ein Aufbewahrungsschrank ist für das, was wir erlebt haben, sondern einsehen: es sind in der Tat wenige Gewohnheiten — ich sage ausdrücklich Gewohnheiten, wir werden das Wort morgen noch besser verstehen —, in die der Astralleib sich immer wieder versetzt, wenn er etwas erlebt hat, und die er dann eindrückt in den Ätherleib. Wie unsere Schrift wenige Buchstaben hat, so hat unser astralischer Leib wenige, recht wenige Gewohnheiten. Und wie wir uns mit unseren wenigen Buchstaben, durch verschiedene Gruppierungen in der Schrift, mitteilen die ganze unendliche Fülle dessen, was sich Menschen überhaupt zu sagen haben über sich und die Welt, so formt sich aus wenigen Gewohnheiten heraus, durch ihre Kombinationen, dasjenige, was das Gedächtnis aufbewahrt.
[ 12 ] Well, this would reduce memory to a kind of reading of our astral body within the etheric body. And indeed, once we know this, we will no longer fall into the simplistic mental image that the soul is some sort of storage cabinet for what we have experienced, but will realize: there are in fact few habits—I say explicitly habits; we will understand the word even better tomorrow—into which the astral body repeatedly places itself when it has experienced something, and which it then imprints into the etheric body. Just as our writing has few letters, so our astral body has few, very few habits. And just as we use our few letters, through various combinations in writing, to communicate the entire infinite wealth of what people have to say to one another about themselves and the world, so too does what memory preserves take shape from a few habits, through their combinations.
[ 13 ] Wenn wir wissen, daß es sich um ein Lesen handelt, dann werden wir nicht mehr glauben, daß jedes einzelne Erlebnis eingeschrieben werden muß, sondern es werden einige wenige Gewohnheiten des Astralleibes kombiniert, und die werden dann im Ätherleibe fixiert. So wie wir, wenn wir ein neues Wort hören, mit den alten Buchstaben dieses neue Wort fixieren können, so können wir mit wenigen Gewohnheiten des astralischen Leibes jedes neue Erlebnis im Ätherleibe fixieren. Das kommt davon her, weil sowohl unser Ätherleib als auch namentlich unser Astralleib verknüpft sind mit dem gesamten Kosmos. Wir müssen dasjenige, was eine ältere Weisheitslehre herausgehoben hat aus dem Kosmos, in der Tat nicht so einfach nehmen, wie ein zufällig Herausgehobenes, sondern es hat eine tiefe Bedeutung und Wichtigkeit.
[ 13 ] If we understand that this is a process of reading, then we will no longer believe that every single experience must be recorded; rather, a few habits of the astral body are combined, and these are then fixed in the etheric body. Just as we can fix a new word in our minds using the old letters when we hear it, so too can we fix every new experience in the etheric body using a few habits of the astral body. This is because both our etheric body and, in particular, our astral body are connected to the entire cosmos. We must not, in fact, take what an ancient wisdom teaching has drawn out of the cosmos as something chosen at random, but rather recognize that it has a deep meaning and significance.
[ 14 ] Wenn wir die zwölf Sternbilder des gesamten Tierkreises nehmen, so können wir sagen, daß in der Tat unser astralischer Leib in lebendiger Verknüpfung ist mit diesen zwölf Sternbildern. Diese zwölf Sternbilder bedeuten für ihn wirklich zwölf bestimmte Gewohnheiten, zwölf bestimmte Arten, sich zu bewegen. Und dann ist unser astralischer Leib auch in Verbindung mit den sieben Planeten, so wie wir das ja öfter auseinandergesetzt haben. Diese bedingen wiederum in ihm gewisse Gewohnheiten. Durch diese Gewohnheiten — ich sage ausdrücklich «Gewohnheiten» —, die entzündet werden in unserem astralischen Leibe durch die Planeten unseres Sonnensystems, entsteht etwas ähnliches in dem Astralleibe wie die Selbstlaute; und durch die Gewohnheiten, die angeregt sind in ihm durch den Einfluß des Tierkreises, entsteht etwas ähnliches wie die Mitlaute.
[ 14 ] If we consider the twelve constellations of the entire zodiac, we can say that our astral body is indeed in a living connection with these twelve constellations. For the astral body, these twelve constellations truly represent twelve specific habits, twelve specific ways of moving. And then our astral body is also connected to the seven planets, as we have often discussed. These, in turn, give rise to certain habits within it. Through these habits—I say expressly “habits”—which are kindled in our astral body by the planets of our solar system, something similar to the vowels arises in the astral body; and through the habits that are stimulated in it by the influence of the zodiac, something similar to the consonants arises.
[ 15 ] Ich will also sagen: Nehmen wir an, unser Astralleib steht in irgendeinem Momente des Lebens — und solche Momente gibt es ja immer, weil wir mit der Welt immer in Verbindung stehen — in Verbindung mit den Kräften, die aus dem Sternbilde des Widders herausströmen. Dadurch, daß unser astralischer Leib in Verbindung oder unter dem besonderen Einflusse desjenigen steht, was aus dem Sternbilde des Widders herausstrahlt, entwickelt sich in diesem Astralleibe die Möglichkeit, sich in seiner besonderen Gestalt abzuschließen, sich eine Grenze zu geben; während, wenn der Astralleib mehr unter dem Einfluß der Waage steht, sich in ihm eine Bewegung entwickelt, die ihn mehr offen sein läßt gegenüber der ganzen übrigen Welt.
[ 15 ] So what I mean to say is: Let us suppose that at some moment in life—and such moments always exist, because we are always in connection with the world—our astral body is in connection with the forces streaming forth from the constellation of Aries. Because our astral body is connected to or under the special influence of what radiates from the constellation of Aries, the possibility develops within this astral body to close itself off in its particular form, to set a boundary for itself; whereas, when the astral body is more under the influence of Libra, a movement develops within it that allows it to be more open to the rest of the world.
[ 16 ] So entwickelt sich eine bestimmte Bewegungstendenz unter dem Einflusse eines jeden Sternbildes. Unter dem Einflusse dieses oder jenes Sternbildes streckt der Astralleib seinen oberen Teil besonders in die Höhe, unter dem Einflusse eines der andern Sternbilder streckt er besonders seinen unteren Teil. Zwölf solche besonderen Bewegungsarten gibt zwölf solche Gewohnheiten, und wiederum sieben besondere Gewohnheiten unter dem Einflusse der Planeten. Das sind mehr innere Bewegungen unter dem Einflusse der Planeten, wodurch die inneren Teile sich bewegen oder sich in ein Verhältnis zueinander bringen. So hat im Grunde genommen unser astralischer Leib eingepflanzt durch den Kosmos 12 + 7 = 19 Gewohnheiten.
[ 16 ] Thus, a specific tendency toward movement develops under the influence of each constellation. Under the influence of one constellation or another, the astral body stretches its upper part upward in particular; under the influence of one of the other constellations, it stretches its lower part in particular. There are twelve such specific types of movement, twelve such habits, and in turn seven specific habits under the influence of the planets. These are more internal movements under the influence of the planets, through which the inner parts move or come into a relationship with one another. Thus, fundamentally, our astral body has 12 + 7 = 19 habits implanted by the cosmos.
[ 17 ] Geradeso wie wir mit unseren Schriftzeichen, mit den Zeichen für die Vokale und Konsonanten durch Kombinierungen alles aufzeichnen können, wenn wir das zum Ausdruck bringen wollen, was wir mit unserer Weisheit zutage fördern, so formt unser Astralleib durch die Kombinationen dieser seiner neunzehn Gewohnheiten alles, was er zu formen hat. Wenn uns ein Mensch gegenübertritt mit einem Gesicht, das uns in bestimmter Weise gut oder böse anschaut, so macht also unser astralischer Leib bestimmte Bewegungen, die kombiniert sind aus diesen neunzehn Gewohnheiten. Das wird dann in den Ätherleib eingeschrieben, und in einer folgenden Zeit kann dasjenige, was da in den Ätherleib eingeschrieben ist, der astralische Leib wieder lesen. Und darauf beruht die Erinnerung! Sobald man nämlich über dasjenige hinausgeht, was die Sinne und der an die Sinne gebundene Verstand ergeben, kommt man sogleich zu der Beziehung des Menschen zum Kosmos. Der physische Leib verbirgt nur diese Beziehung des Menschen zum Kosmos.
[ 17 ] Just as we can record everything using our written characters—the symbols for vowels and consonants—by combining them whenever we wish to express what we bring to light through our wisdom, so too does our astral body form everything it needs to form through the combinations of its nineteen habits. When a person stands before us with a face that looks at us in a certain way—whether good or evil—our astral body makes specific movements that are a combination of these nineteen habits. This is then inscribed into the etheric body, and at a later time, the astral body can read what has been inscribed there. And this is the basis of memory! For as soon as one goes beyond what the senses and the intellect bound to the senses yield, one immediately arrives at the relationship of the human being to the cosmos. The physical body merely conceals this relationship of the human being to the cosmos.
[ 18 ] Wir haben also ein fortwährendes inneres Lesen, und wenn wir zurückgehen könnten, auch geschichtlich, zu der Entstehung der Schrift, so würden wir finden, daß in der Tat in den ältesten Bilderschriften der Menschen nachgeahmt ist dieses innere Lesen des Menschen. Es ist nicht so, daß irgendwie zufällig Schriftzeichen entstanden sind, sondern die ursprünglichen Konsonantenzeichen waren Nachahmungen der Tierkreisbilder und die ursprünglichen Vokalzeichen waren Nachahmungen der Planetenbilder. Das äußere Lesen war nichts anderes als ein in der äußeren Welt Nachbilden dessen, was der Mensch als inneres Lesen hatte.
[ 18 ] So we have a continuous inner reading, and if we could go back—even historically—to the origins of writing, we would find that this inner reading of human beings is indeed imitated in the oldest pictographic scripts. It is not the case that written characters arose by chance; rather, the original consonant characters were imitations of the zodiac constellations, and the original vowel characters were imitations of the planetary constellations. External reading was nothing other than a reproduction in the external world of what humans experienced as inner reading.
[ 19 ] Damit hängt zusammen die Gesinnung, welche man in älterer Zeit gehabt hat gegenüber dem, was die Schreibkunst ist. Sie galt als etwas ungeheuer Heiliges, weil sie entnommen war den kosmischen Geheimnissen. Und noch aus der ägyptischen Kultur ist es bekannt, daß die Abschreiber, wenn sie Fehler machten, sich unter den dortigen strengen Gesetzen, je nach der Größe des Fehlers, den sie machten, den empfindlichsten Strafen aussetzten, ja sogar der Todesstrafe, wenn der Fehler groß genug war. Es galt als etwas unendlich Hohes und Heiliges, das niederzuschreiben, was der Mensch wissen konnte von den heiligen Geheimnissen, weil man noch ein Gefühl hatte von dem Zusammenhang dieser Schriftzeichen und aller heiligen Geheimnisse der Menschennatur und ihres Zusammenhanges mit dem Göttlichen.
[ 19 ] This is connected to the attitude people had in ancient times toward the art of writing. It was regarded as something immensely sacred because it was derived from the cosmic mysteries. And it is known from Egyptian culture that scribes, if they made mistakes, were subject to the most severe punishments under the strict laws of that time, depending on the magnitude of the error they committed—even the death penalty if the error was grave enough. It was regarded as something infinitely lofty and sacred to write down what man could know of the sacred mysteries, because one still had a sense of the connection between these written characters and all the sacred mysteries of human nature and their connection to the Divine.
[ 20 ] Das ist das Wichtige, indem wir nach und nach die Geisteswissenschaft in uns aufnehmen, wieder die Empfindung zu bekommen von dem Heiligen der verborgenen Seiten in der Menschennatur. Dieses Empfinden ist viel wichtiger als das bloße theoretische Aufnehmen geisteswissenschaftlicher Dinge. Damit hängt aber auch zusammen, daß in dem Augenblicke, wo man in dem Verlaufe der Mexschheitsentwickelung allen Zusammenhang aufzugeben hatte mit dem Heiligen der Schrift, man da auch fühlte, daß im Grunde genommen, ich möchte sagen, etwas Gruseliges in der Menschheitsgeschichte sich abspielte. Nehmen Sie aus einer Bibliothek ein Buch noch aus dem frühen Mittelalter in die Hand, und versuchen Sie, sich in die Lage zu versetzen, wie ein solches Buch entstanden ist, wie da, ich möchte sagen, ein Mönch jahre-, ja jahrzehntelang geschrieben hat an diesem Buche, wie er an einem einzelnen Buchstaben gemalt hat lange, lange Zeit. Da wußte man, daß die Schrift als etwas gilt, das man heilig zu halten hatte. Man wußte, durch die Schrift steht man im Zusammenhang mit den guten Göttern, und es ist gewissermaßen das, was man der Schrift anvertraute, ein in die äußere Welt Heraustragen dessen, was von den guten Göttern kommt.
[ 20 ] The important thing is that, as we gradually take Spiritual Science into ourselves, we regain a sense of the sacred in the hidden aspects of human nature. This sense is far more important than the mere theoretical absorption of concepts from Spiritual Science. But this is also connected to the fact that, at the very moment when, in the course of human development, we had to abandon all connection with the sacredness of Scripture, we also sensed that, fundamentally speaking, I would say, something eerie was taking place in human history. Pick up a book from the early Middle Ages in a library and try to imagine how such a book came into being, how, I might say, a monk wrote on this book for years, even decades, how he labored over a single letter for a long, long time. Back then, people knew that writing was something to be held sacred. They knew that through writing, one was connected to the good gods, and in a sense, what was entrusted to writing was a way of bringing into the outer world that which comes from the good gods.
[ 21 ] Aber Sie wissen ja, es ist ein Zeichen der Entwickelung, daß all dasjenige, was von den guten Göttern kommt, in der Welt ahrimanisch oder luziferisch verschoben sein kann. In dem Augenblick, als die ganz gewöhnliche Buchdruckerkunst entstand, die sich dann zu dem entwickelt hat, woraus der Mensch hauptsächlich seine Weisheit heute holt, dadurch, daß er sein Haupt über das Papier neigt, auf dem greuliche Zeichen sind, die nur noch die Affen der alten Schriftzeichen sind, die ihm verraten, was die Menschen gedacht oder auch nicht gedacht haben über die Welt und ihre Geheimnisse —, ist die Schreibkunst verschoben worden. Dadurch ist in der Tat das Schrift-Mitteilungswesen in ein neues Stadium getreten, in das Stadium, wo es verloren hat allen Nimbus des Heiligen, wo eingetreten ist — wie man sagen kann — das ahrimanische Stadium der SchriftMitteilung. Und so, wie die alten Schriftzeichen das Heraustragen der verborgenen Geheimnisse sind, wenn auch in Nachbildung, in Sinnbildlichkeit, wie diese Schriftzeichen das Heraustragen der verborgenen Geheimnisse in die Außenwelt sind, und wie diese Geheimnisse entsprechen dem Wesen der im guten Sinne fortschreitenden Wesenheiten der geistigen Welt, so ist das, was wir heute, besonders als Druckschrift haben — aber im weiteren Sinne gilt es auch von der Schreibschrift —, von entschieden ahrimanischem Charakter. Und das empfand das Volk, als es die Buchdruckerkunst den ‚ schwarzen Mächten zuschrieb, sie eine «schwarze Kunst» nannte, ja, ihre Erfindung sogar dem Teufel zuschrieb.
[ 21 ] But as you know, it is a sign of evolution that everything which comes from the good gods can be distorted in the world by Ahrimanic or Luciferic forces. At the very moment when the ordinary art of printing arose—which then developed into the source from which humanity derives most of its wisdom today— by bending his head over the paper bearing ghastly symbols—which are merely the apes of the ancient characters—that reveal to him what people have or have not thought about the world and its mysteries—the art of writing has been distorted. As a result, the system of written communication has indeed entered a new stage, a stage in which it has lost all the aura of the sacred, a stage in which—as one might say—the Ahrimanic stage of written communication has set in. And just as the ancient characters are the revelation of hidden mysteries, albeit in imitation, in symbolism—just as these characters are the revelation of hidden mysteries to the outer world, and just as these mysteries correspond to the nature of the entities of the spiritual world that are progressing in the good sense— so what we have today, especially in the form of printed type—but in a broader sense this also applies to cursive writing—is of a decidedly Ahrimanic character. And the people sensed this when they attributed the art of printing to the ‘black powers,’ called it a ‘black art,’ and even attributed its invention to the devil.
[ 22 ] Es hat doch einen tieferen Zusammenhang, wenn man die Erfindung der Buchdruckerkunst in Verbindung bringt mit Faust, wie Goethe mit der Buchdruckerkunst eben dasjenige in Zusammenhang bringt, was Faust in einer gewissen Phase seines Lebens durchmacht. Die ahrimanische Epoche des Mitteilungswesens ist eingetreten, als die Buchdruckerkunst kam. Wir wissen ja, daß wir mit Recht verlernen müssen, uns geradezu vor allen Dingen, die ahrimanisch genannt werden, zu bekreuzigen. Aber wir wissen auch, daß wir die Dinge beim rechten Namen nennen und verstehen müssen. Wir dürfen als Geisteswissenschafter nicht zu denjenigen gehören, die sagen: Die Buchdruckerkunst ist ahrimanisch, wir müssen sie also ausrotten. — Das werden wir nicht tun, das wird uns selbstverständlich nicht einfallen, weil wir begreifen, daß das Ahrimanische auch in der Weltentwickelung notwendig ist, daß es auch zum Fortschritt der Welt gehört. Aber wir müssen auch die Dinge sehen, wie sie sind. Wir dürfen nicht die Dinge umdeuten, um uns damit in die Bequemlichkeit zu versetzen, daß wir uns gestatten dürfen, in der Welt ohne Luzifer und Ahriman zu leben. Es ist angenehmer, nicht zu wissen, daß uns eigentlich aus jedem heutigen Buche der Ahriman anstarrt; aber notwendig ist es für diejenigen, die die Welt in ihrem wahren Lichte sehen, daß sie diesen Zustand aushalten und ihn nicht in etwas anderes umübersetzen. Die Welt verstehen lernen, das ist die Aufgabe derjenigen, die sich immer mehr und mehr zur Geisteswissenschaft werden hingezogen fühlen.
[ 22 ] There is indeed a deeper connection when one links the invention of printing to Faust, just as Goethe links printing to precisely what Faust goes through during a certain phase of his life. The Ahrimanic epoch of communication began with the advent of printing. We know, of course, that we must rightly unlearn the habit of crossing ourselves at the very mention of anything called Ahrimanic. But we also know that we must name and understand things by their proper names. As practitioners of Spiritual Science, we must not be among those who say: The art of printing is Ahrimanic, so we must eradicate it. — We will not do that; it will not occur to us, of course, because we understand that the Ahrimanic is also necessary in the development of the world, that it is also part of the world’s progress. But we must also see things as they are. We must not reinterpret things in order to place ourselves in the comfort of being able to live in the world without Lucifer and Ahriman. It is more pleasant not to know that Ahriman is actually staring at us from every book today; but it is necessary for those who see the world in its true light to endure this state and not to reinterpret it as something else. To learn to understand the world—that is the task of those who feel themselves drawn more and more to Spiritual Science.
[ 23 ] In unserer Zeit sehen wir eine äußere Naturwissenschaft, welche am liebsten alles in eine Art mechanische Bewegung kleinster Massenteilchen umwandeln möchte. Ich habe öfter über dieses Weltbild gesprochen, das die äußere Naturwissenschaft aus unserer Welt macht. Da wird uns gesagt: Ach was Farben — rot, gelb, grün, violett, blau —, nichts als Schwingungen sind das in Wirklichkeit! Die Farbe ist nur etwas, was das Auge hervorruft. Aus so und so viel Schwingungen des Äthers ergibt sich rot, aus so und so viel Schwingungen gelb, aus so und so vielen blau, aus so und so viel Schwingungen violett. — Und man möchte sagen, der moderne Weltbetrachter hat die Tendenz, dasjenige, was er mit seinen Sinnen wahrnimmt in der Welt, aus dem Weltbilde auszutilgen und sich einen materiellen Wirbel an seine Stelle zu setzen.
[ 23 ] In our time, we see a conventional natural science that would prefer to reduce everything to a kind of mechanical motion of minute subatomic particles. I have often spoken about this worldview that conventional natural science imposes on our world. We are told: Oh, colors—red, yellow, green, violet, blue—are nothing but vibrations in reality! Color is merely something the eye conjures up. A certain number of vibrations in the ether produce red, a certain number produce yellow, a certain number produce blue, and a certain number produce violet. — And one might say that the modern observer of the world has a tendency to erase from his worldview that which he perceives in the world through his senses, and to substitute a material whirlwind in its place.
[ 24 ] Einer der letzten großen Geister, die sich aufgelehnt haben gerade auf dem Gebiete der Farbenlehre gegen dieses, was man einen Wirbeltanz der materiellen Teilchen nennen kann, das ist Goethe. Und weil die moderne Welt immer mehr und mehr zugeschritten ist dieser materialistischen Auffassung, diesem Auslöschen desjenigen, was als mannigfaltige Welt um uns herum ist, deshalb hat man nicht verstehen können, was Goethe eigentlich in seiner Farbenlehre hat sagen wollen.
[ 24 ] One of the last great minds to have rebelled, particularly in the field of color theory, against what might be called a whirlwind of material particles is Goethe. And because the modern world has increasingly adopted this materialistic view—this obliteration of the manifold world that surrounds us—people have been unable to understand what Goethe actually intended to convey in his theory of colors.
[ 25 ] Die Geisteswissenschaft wird an dieser Stelle wieder einige Ordnung schaffen, und die Farbenlehre Goethes wird in demselben Maße, in dem die Geisteswissenschaft die Menschen durchdringt, zur rechten Geltung kommen können. Denn Goethe erschien es zweifellos doch wie eine Art kleinen Wahnsinns — ich sage «kleinen Wahnsinns», bei seinen besonderen Ausdrücken würde er vielleicht auch «großen Wahnsinns» gesagt haben —, an Stelle der die Welt durchflutenden Farben sich zu denken, daß diese Farben nichts weiter seien als dasjenige, was das Auge hervorruft aus einem Schwingungswirbel, aus einem schwingenden Kosmos.
[ 25 ] Spiritual Science will restore some order here, and Goethe’s theory of colors will come into its own to the same extent that Spiritual Science permeates human beings. For to Goethe it undoubtedly seemed like a kind of “little madness”—I say “little madness,” given his particular way of expressing himself, he might perhaps have said “great madness”—to imagine, in place of the colors flooding the world, that these colors are nothing more than what the eye conjures up from a vortex of vibrations, from a vibrating cosmos.
[ 26 ] Dieser schwingende Kosmos — ich habe ihn öfter als eine Phantastik der neueren Naturwissenschaft bezeichnet —, er war für Goethe einfach nicht vorhanden, er gehörte für Goethe zu einer der Verführungen des Mephistopheles. Denn Goethe war mit seinen wachen Sinnen der ganzen Fülle des Farbigen und Farbenflutenden in der Welt auch wirklich wach hingegeben und lebte in den Farbenfluten. Es wäre ihm als die wüsteste graue Theorie erschienen, wenn er an die Stelle dieses flutenden Farbenmeeres die greulichen Schwingungen der modernen Physik hätte setzen sollen.
[ 26 ] This vibrant cosmos—which I have often described as a fantasy of modern science—simply did not exist for Goethe; for him, it was one of Mephistopheles’s temptations. For Goethe, with his alert senses, was truly and fully absorbed in the entire abundance of color and the flood of colors in the world, and he lived amidst these floods of color. It would have seemed to him like the bleakest, grayest theory if he had been required to replace this surging sea of colors with the ghastly vibrations of modern physics.
[ 27 ] Warum war das? Weil Goethe — man darf sagen, das Wort im tiefsten Sinne genommen — eine allseitig ausgebildete, gesunde Menschennatur hatte und sich durch diese gesunde menschliche Natur immer in das richtige Verhältnis zur Welt zu stellen bemüht war. Eine solche gesunde Natur — ich werde jetzt etwas scheinbar sehr Triviales sagen, was aber nicht trivial ist, sondern eine bedeutsame Weisheit enthält —, eine solche Natur wie Goethe schläft auch gesund. Ja, eine triviale Wahrheit! Aber gesund schlafen bedeutet für den Geistesforscher eigentlich sehr viel. Im Schlafe ist der Mensch außerhalb seines physischen und Ätherleibes, in seinem Ich und seinem astralischen Leibe anwesend. Da ist er wirklich in den Erlebnissen darinnen, die seinen astralischen Leib in Zusammenhang bringen zum Beispiel mit dem ganzen Sternenkosmos. Das leuchtet alles auf im astralischen Leibe, was an Einflüssen der Tierkreisbilder und der Planeten sich geltendmachen kann. So wie der Mensch im Wachzustande lebt mit der Außenwelt, so lebt der Mensch im Schlafzustande mit der Sternenwelt. Aber Sie wissen es ja alle: Der Mensch weiß nicht sonderlich viel von diesem Leben mit der Sternenwelt, und das ist wichtig zu verstehen, warum der Mensch nicht viel weiß von diesem Zusammenleben mit der Sternenwelt. Warum eigentlich?
[ 27 ] Why was that? Because Goethe—and one may say this in the deepest sense of the word—possessed a well-rounded, healthy human nature, and through this healthy human nature he always strove to maintain the right relationship with the world. Such a healthy nature—I am now going to say something that may seem very trivial, but which is not trivial, but rather contains a significant wisdom—such a nature as Goethe’s also sleeps healthily. Yes, a trivial truth! But sleeping healthily actually means a great deal to the spiritual researcher. In sleep, the human being is outside their physical and etheric bodies, present in their I and their astral body. There they are truly immersed in the experiences within that connect their astral body, for example, with the entire starry cosmos. Everything that can make itself felt through the influences of the zodiac signs and the planets shines forth in the astral body. Just as a person lives with the outer world in the waking state, so does a person live with the world of the stars in the sleeping state. But as you all know: a person does not know very much about this life with the world of the stars, and it is important to understand why a person does not know much about this coexistence with the world of the stars. Why is that, actually?
[ 28 ] Nicht wahr, man übersieht eine Landschaft nicht, wenn diese Landschaft mit Nebel bedeckt ist. Der Nebel zieht über die Landschaft hin und die Teile der Landschaft, die Flüsse, Gebirge, Ebenen und so weiter erscheinen uns nicht, wenn sie vom Nebel durchsetzt sind. So ist der Mensch durchsetzt von einem Nebel, einem seelischen Nebel, wenn er schläft. Worin besteht dieser seelische Nebel? Er ist ein Begierdennebel, besteht aus Begierden, und diese Begierden werden gebildet durch die Sehnsucht nach dem physischen Leibe. Wenn der Mensch heraußen ist aus dem physischen Leibe und Ätherleibe, also in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, hat er fortwährend die Begierde nach dem physischen Leibe; er möchte zurück nach seinem physischen Leib. Er wird durch die Kräfte des Kosmos herausgeholt aus dem physischen Leibe, und erst, wenn diese Kräfte ihn wieder entlassen, schlüpft er wieder hinein in den physischen Leib beim Aufwachen. Da wird seine Begierde nach dem physischen Leib wieder befriedigt.
[ 28 ] Isn't it true that you can't see a landscape when it's covered in fog? The fog drifts across the landscape, and the parts of the landscape—the rivers, mountains, plains, and so on—don't appear to us when they're shrouded in fog. So too is the human being shrouded in a mist, a spiritual mist, when he sleeps. What does this spiritual mist consist of? It is a mist of desires, consisting of desires, and these desires are formed by the longing for the physical body. When a person is outside the physical body and the etheric body—that is, during the time between falling asleep and waking up—they constantly have a longing for the physical body; they want to return to their physical body. He is drawn out of the physical body by the forces of the cosmos, and only when these forces release him does he slip back into the physical body upon waking. Then his desire for the physical body is satisfied once more.
[ 29 ] Bei einem Menschen wie Goethe ist der gesunde Schlaf dadurch vorhanden, daß die Begierde nach dem physischen Leibe geringer ist als bei manchem andern Menschen, und daher die Einflüsse aus dem Kosmos größer sind als bei andern Menschen während des Schlafes. Sie können sich ganz gut einen Menschen, wie Goethe so vorstellen, daß er empfänglicher ist für die Einflüsse des Kosmos während des Schlafes, und das ist sein gesunder Schlaf. Die Begierde nach dem physischen Leibe ist zwar da, aber gesünder als bei andern Menschen. Und warum ist sie gesünder? Gerade darum ist sie gesünder, weil Goethe in so gesunder Weise während des Wachens den Eindrücken der Außenwelt hingegeben ist, weil er zum Beispiel sich nicht darauf eingelassen hat, etwas Theoretisches wie Schwingungen an die Stelle der Farben zu setzen, sondern weil er die Farben selbst in ihrer Wirklichkeit, in ihrer vollsaftigen Realität betrachtet hat. Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch wie Goethe, obwohl er aller Weisheit voll ist, durch die Natur geht und das Grüne als Grünes sieht, das Violette als Violettes und das Verhältnis vom Grün zum Violett oder zum Gelb und so weiter, der also das Inhaltliche unmittelbar als Farbe ansieht, oder ob ein trockener Theoretiker durch das Feld geht und nicht die Farben sieht, sondern darüber spekuliert, was für eine Billion oder Million Schwingungen dem Grün oder dem Rot oder dem Gelb entspreche.
[ 29 ] For a person like Goethe, healthy sleep is achieved because his desire for the physical body is less than that of many other people, and therefore the influences from the cosmos are greater than for other people during sleep. You can quite easily create a mental image of a person like Goethe as being more receptive to the influences of the cosmos during sleep, and that is his healthy sleep. The desire for the physical body is certainly there, but it is healthier than in other people. And why is it healthier? It is healthier precisely because Goethe is so healthily devoted to the impressions of the outside world while awake, because, for example, he did not allow himself to substitute something theoretical like vibrations for colors, but because he regarded the colors themselves in their reality, in their full, rich reality. There is a difference between a person like Goethe, who, though full of wisdom, walks through nature and sees green as green, the violet as violet, and the relationship of green to violet or to yellow and so on—that is, someone who perceives the content directly as color—or whether a dry theorist walks through the field and does not see the colors, but speculates about what kind of trillion or million vibrations correspond to green or red or yellow.
[ 30 ] Warum geht denn der als so ein vertrockneter Theoretiker durch die Welt? Weil er nicht hingegeben ist an die Welt der Farben, sondern weil er zu stark hingegeben ist an seinen physischen Leib, wenn es auch zunächst sein physisches Gehirn ist. Alle graue Theorie entspringt einem zu starken Hingegebensein an den physischen Leib während des Tagwachens. Wir hätten alle die materialistischen Theorien heute nicht, wenn die Menschen nicht so stark hingegeben wären an den physischen Leib. Je mehr der Mensch nämlich während des Wachlebens selbstlos dem Inhalte der Welt sich hingibt, desto mehr hat er die Möglichkeit, wiederum hingegeben zu sein den Einflüssen des außerirdischen Kosmos während des Schlafes, und dann wieder zurückzubringen die gesunde Nachwirkung dieser Eindrücke ins Tagesleben. Dann wird er nicht wie derjenige, der als vertrockneter Physiker geschildert worden ist, hinter den flutenden Farben Atomwirbel vermuten, sondern Geist, die elementarische Geistigkeit, wirkliche Geisterwirksamkeit.
[ 30 ] Why does he go through life as such a dry theorist? Not because he is devoted to the world of colors, but because he is too strongly devoted to his physical body—even if, at first, it is his physical brain. All gray theory stems from an excessive devotion to the physical body during waking hours. We would not have all these materialistic theories today if people were not so strongly devoted to the physical body. For the more a person devotes himself selflessly to the content of the world during waking life, the more he has the opportunity to be devoted in turn to the influences of the extraterrestrial cosmos during sleep, and then to bring back the healthy aftereffects of these impressions into daily life. Then they will not, like the person described as a withered physicist, suspect atomic vortices behind the surging colors, but rather spirit, elemental spirituality, and genuine spiritual activity.
[ 31 ] Zu wissen also, daß hinter den Eindrücken der Sinne die lebendige geistige Welt ist, das ist eine Nachwirkung des gesunden Schlafes. Denn wenn man während des Tagwachens nicht selbstlos hingegeben sein kann dem, was draußen in der Welt flutet, sondern sich greuliche Theorien davon bildet, die eigentlich Phantasmen sind, dann bekommt man in den Schlaf hinein einen stärkeren, übermächtigen Trieb nach dem physischen Leibe und verdüstert sich nicht nur das Bewußtsein gegenüber den Eindrücken während des Schlafes, sondern vermindert neben dem Bewußtsein auch die Intensität, die Stärke dieser Eindrücke selber. Damit hängt es zusammen, daß in der Tat, je mehr die Geisteswissenschaft lebendig ergreifen wird das menschliche Seelenleben, desto mehr werden auch gerade solche Weistümer wie die der Goetheschen Physik die Menschen wieder ergreifen gegenüber den grauen Theorien, die jetzt ihr Unwesen treiben in der äußeren Wissenschaft.
[ 31 ] To know, then, that behind the impressions of the senses lies the living spiritual world—this is an aftereffect of healthy sleep. For if, while awake during the day, one cannot devote oneself selflessly to what is flowing out there in the world, but instead forms ghastly theories about it—theories that are actually phantasms— then one develops a stronger, overpowering urge toward the physical body during sleep, and not only does consciousness become clouded in relation to the impressions during sleep, but alongside consciousness, the intensity and strength of these impressions themselves are also diminished. This is connected to the fact that, in truth, the more Spiritual Science comes to vividly engage the human soul life, the more precisely such wisdom as that of Goethean physics will once again take hold of people in contrast to the grim theories that are now running rampant in external science.
[ 32 ] Mit vielem hängt also das Aufnehmen der Geisteswissenschaft in der Menschheit zusammen. Es wird wirklich ein Ungeheures bedeuten, wenn das allgemeine Bewußtsein einmal wird durchdrungen sein von der Wahrheit: In der Nacht bist du als Mensch im außerirdischen Universum auf geistige Art darinnen und im Tagesleben tauchst du unter in deinen physischen und deinen Ätherleib. Vieles, vieles wird man in Gemeinsamkeit mit diesem Wissen erfühlen und empfinden lernen.
[ 32 ] The acceptance of Spiritual Science by humanity is thus connected to many things. It will truly be a monumental event when general consciousness is once permeated by the truth: At night, as a human being in the extraterrestrial universe, you are present there in a spiritual sense, and in daily life you immerse yourself in your physical and etheric bodies. With this knowledge, people will learn to feel and perceive many, many things in common.
[ 33 ] So zum Beispiel — indem ich jetzt übergehe zu etwas mehr Seelischem — werden wir lernen müssen, daß dasjenige, was wir als das Leben mit dem Volksgeiste bezeichnen, mit der Volksseele, zu der wir uns im engeren Sinne rechnen, vorhanden ist mit dem Untertauchen in den physischen und den ätherischen Leib des Menschen. Vorhanden also ist das Zusammenleben mit der Volksseele vom Aufwachen bis zum Einschlafen, denn dasjenige, was die Volksseele ist, was sie entwickelt an Kräften und Betätigungen, das wird hineingegossen in den physischen Leib und in den Ätherleib, in den physischen Leib mehr das Rassenmäßige, in den Ätherleib mehr das Volksmäßige. Es wird hineingegossen in jene Umhüllungen, in die wir eintreten, wenn wir aufwachen. Da sind wir mit unserer eigenen Volksseele eigentlich fortwährend im Austausch der Kräfte. Diejenige Wissenschaft, welche allgemein-menschlich ist, welche nichts zu tun hat mit den Konfigurationen und Differenzierungen, die in die Menschen hineingegossen werden durch die Volksseelen, diese Wissenschaft muß ja gewonnen werden von demjenigen Teil der Menschennatur, der sich frei machen kann, unabhängig machen kann vom Leiblichen, wie der Mensch im Schlafe davon unabhängig ist. Diese Wissenschaft ist notwendigerweise allgemein-menschlich, weil sie gewonnen wird mit denjenigen Gliedern der Menschennatur, die unabhängig sind vom physischen Leibe und vom Ätherleibe.
[ 33 ] For example—as I now turn to a more spiritual subject—we will have to learn that what we call life with the national spirit, with the national soul to which we belong in the strictest sense, is present from the moment we are immersed in the physical and etheric bodies of the human being. Thus, coexistence with the national soul is present from waking until falling asleep, for what the national soul is, the forces and activities it develops, are poured into the physical body and the etheric body—into the physical body more the racial aspect, into the etheric body more the national aspect. It is poured into those sheaths that we enter when we wake up. There we are, in fact, in a constant exchange of forces with our own Folk-souls. That science which is universally human, which has nothing to do with the configurations and differentiations poured into human beings by the Folk-souls—this science must indeed be derived from that part of human nature which can free itself, can make itself independent of the physical, just as the human being is independent of it in sleep. This science is necessarily universal to humanity because it is derived from those aspects of human nature that are independent of the physical body and the etheric body.
[ 34 ] Wenn man voraussetzen würde, daß derjenige, der wirklich in die geistige Welt hineinschauen und ein Wissen von der geistigen Welt gewinnen kann, durch volksmäßige Vorurteile gebunden sein könnte, so würde man einfach auf die Geheimnisse der Initiation nicht in gebührender Weise Rücksicht nehmen. Denn geradeso wie das Leben im Schlafe in den vorhin angeführten Fällen ganz anders ist als im Wachen, wie sie aber doch beide aufeinander Bezug haben, so ist es auch mit Bezug auf das Verhältnis des Menschen zu der Volksseelennatur und der Volksart. Der Mensch ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen nicht zusammen mit den Kräften, die unmittelbar aus seiner Volksseele herauskommen, denn die können nur hineingeschickt werden in den physischen und Ätherleib allein. Derjenige also, der es zum bewußten inneren Erleben seines Ich und seines astralischen Leibes gebracht hat, der ist, während er das erfährt, erlebt, was er dann zur Geisteswissenschaft zu formen hat, ja außerhalb des physischen und Ätherleibes; er erlebt außerhalb des physischen und Ätherleibes. Man ist aber trotzdem nicht außerhalb der Welt. Während man nämlich, sobald man hineinschlüpft in seinen physischen Leib und damit auch in seinen Ätherleib, mit seinem Volksgeiste zusammen ist, so ist man, wenn man herausschlüpft aus dem physischen und Ätherleibe, wie es beim Schlafen oder in der Initiation ist, außerhalb der eigenen Volksseele, die in den physischen und ätherischen Leib hineinwirkt. Man ist außerhalb, aber man ist nicht außerhalb des Reigens der Volksseelen überhaupt, denn das sind ja geistige Wesen. Und wenn man außerhalb seines physischen und ätherischen Leibes in der geistigen Welt ist, ist man eigentlich nur außerhalb einer einzigen Volksseele, die für die Gegenwart eine bestimmte Bedeutung für einen hat, nämlich außerhalb seiner eigenen Volksseele, derjenigen, die in den physischen und den Ätherleib hineinwirkt. Dadurch, daß man mit ihr in Gemeinschaft steht oder in Gemeinschaft kommt beim Wachen, verliert sich das Interesse für sie im Schlafe und während der Initiation. Die eigentümliche Tatsache stellt sich heraus, daß man im Schlafe und während der Initiation wesentlich mit allen anderen Volksseelen zusammen ist, nur nicht mit seiner eigenen.
[ 34 ] If one were to assume that someone who is truly able to look into the spiritual world and gain knowledge of it could be bound by popular prejudices, one would simply be failing to give due consideration to the mysteries of initiation. For just as life in sleep is quite different from life in wakefulness in the cases mentioned earlier, yet both are related to one another, so it is with regard to the relationship of the human being to the nature of the national soul and the national character. From the moment of falling asleep until waking, the human being is not in contact with the forces that emanate directly from the Folk-souls, for these can be sent into the physical and etheric bodies alone. Thus, the person who has attained the conscious inner experience of their ego and their astral body is, while experiencing this—which they must then shape into Spiritual Science—outside the physical and etheric bodies; they experience outside the physical and etheric bodies. Yet one is not outside the world. For while, as soon as one slips into one’s physical body and thus also into one’s etheric body, one is united with one’s national spirit, when one slips out of the physical and etheric body—as happens during sleep or in initiation—one is outside one’s own folk-soul, which works into the physical and etheric body. One is outside, but one is not outside the circle of Folk-souls in general, for these are spiritual beings. And when one is in the spiritual world outside one’s physical and etheric bodies, one is actually only outside a single Folk-soul that has a specific significance for one at the present time—namely, outside one’s own Folk-soul, the one that works into the physical and etheric bodies. Because one is in communion with it or enters into communion with it while awake, interest in it is lost during sleep and during initiation. The peculiar fact emerges that during sleep and during initiation one is essentially together with all other Folk-souls, just not with one’s own.
[ 35 ] Wenn Sie sich also den Reigen der zeitgenössischen Volksseelen vorstellen, so ist man als Mensch, wenn man im physischen Leibe ist und während des Wachens diesen wahrnimmt, mit der eigenen Volksseele zusammen; wenn man dagegen im Schlafzustande oder im Initiationszustande ist, so ist man mit allen andern Volksseelen, nur nicht mit der eigenen, zusammen. Das ist eine objektive Wahrheit.
[ 35 ] So when you have a mental image of the circle of contemporary Folk-souls, as a human being, when you are in your physical body and perceive it while awake, you are united with your own Folk-soul; when, on the other hand, you are in a state of sleep or in a state of initiation, you are united with all other Folk-souls, but not with your own. This is an objective truth.
[ 36 ] Nun können Sie sich daraus eine Vorstellung machen, wie unsinnig es wäre, wenn derjenige, der bewußt mit andern Volksseelen zusammen sein kann, verkennen würde die andern Volksseelen, oder wenn er sie mit Sympathie oder Antipathie belegen würde. Es ist, wie wenn man die Volksseelen nicht anerkennen wollte. Nur für denjenigen, der nicht bis zur Initiation vorgeschritten ist, hat es einen Sinn, Sympathie und Antipathie für diese oder jene Volksseele zu hegen, weil er ja nicht weiß, daß er für die Schlafhälfte seines Lebens wirklich mit den andern Volksseelen zusammen ist. Doch ist jetzt ein Unterschied. Während man im Wachleben sozusagen mit einer Volksseele verbunden ist, mit der eigenen, ist man im Schlafleben mit den anderen Volksseelen verbunden, also nicht mit den Wirkungen nur, die von einer ausgehen, sondern mit dem Zusammenwirken der anderen, gleichsam mit dem, was die anderen Volksseelen als Reigentanz in Harmonie zusammenwirkend ausführen.
[ 36 ] Now you can create a mental image of how absurd it would be if someone who is capable of consciously connecting with other Folk-souls were to misunderstand those other Folk-souls, or if they were to regard them with sympathy or antipathy. It is as if one refused to acknowledge the Folk-souls. Only for those who have not progressed to the point of initiation does it make sense to harbor sympathy or antipathy toward this or that Folk-soul, because they do not know that during the sleeping half of their lives they are truly united with the other Folk-souls. But there is now a difference. While in waking life one is, so to speak, connected to a national soul—one’s own—in the life of sleep one is connected to the other Folk-souls; that is, not merely to the effects emanating from one, but to the interplay of the others—as it were, to what the other Folk-souls perform in harmony, dancing in a circle.
[ 37 ] Also Sie können sich geradezu vorstellen das Leben mit der einen Volksseele und das Leben mit den andern Volksseelen. Jenes ist das Leben im Wachen, das andere ist das Leben im Schlafe. Während des Schlafes oder während der Initiation ist man mit dem Zusammenwirken der andern Volksseelen zusammen. Mit seiner eigenen Volksseele allein zusammen sein kann der Mensch nicht, wenn er nicht immerfort wachen würde. Es ist ihm ganz unmöglich, denn da müßte er immerfort wachen. Der Unterschied ist eben der, daß man im Wachzustande mit seiner eigenen Volksseele die Kräfte austauscht, im Schlafzustande nicht mit seiner eigenen, sondern mit der Gesamtheit, mit dem Reigen der andern Volksseelen.
[ 37 ] So you can form a mental image of life with one folk-soul and life with the other folk-souls. The former is life in wakefulness; the latter is life in sleep. During sleep or during initiation, one is in communion with the interplay of the other folk-souls. A person cannot be alone with their own folk-soul unless they were to remain awake constantly. It is completely impossible for them, because then they would have to stay awake all the time. The difference is precisely that in the waking state one exchanges forces with one’s own folk-soul, whereas in the sleeping state one does not exchange with one’s own, but with the whole, with the circle of the other folk-souls.
[ 38 ] Aber es gibt ein Mittel, mit einer besonderen Volksseele auch im Schlafe zusammen zu sein, mehr beeinflußt zu werden von den Kräften, die von einer Volksseele ausgehen und nicht von der Gesamtheit der Volksseelen. Dann ist man im Schlafe gleichsam gebannt an diese eine Volksseele. Dieses Mittel besteht darin, daß man im Wachzustande diese Volksseele besonders haßt. Eine Volksseele, die man besonders haßt während des Wachzustandes, die reißt man heraus aus dem Reigen der anderen Volksseelen, und sie bannt, sie fesselt einen an ihre besonderen Eigentümlichkeiten. Wenn ich mich trivial ausdrücken darf, meine lieben Freunde, so muß gesagt werden — Sie werden mir in diesem Falle den trivialen Ausdruck nicht übelnehmen: eine Volksseele richtig hassen im Wachzustande heißt, sich verurteilen dazu, mit dieser Volksseele schlafen zu müssen! — Das ist wirklich eine okkulte Wahrheit, wenn auch eine erschütternde, eine Wahrheit, über die es wirklich nichts zu lachen gibt. Dies muß man ins Auge fassen, wenn man von einer gewissen Seite her auch ein Verständnis dafür gewinnen will, wie die Geisteswissenschaft influenzieren muß, indem sie sich über die Welt verbreitet, die Gesinnung der Menschen, wie sie durchdringen muß das ganze Empfinden und Fühlen.
[ 38 ] But there is a way to be united with a particular folk-soul even in sleep, to be influenced more by the forces emanating from that folk-soul rather than by the totality of folk-souls. Then, in sleep, one is, as it were, bound to this one national soul. This means consists in hating this national soul particularly while awake. A national soul that one hates particularly while awake is torn from the circle of the other Folk-souls, and it binds one, it ties one to its particular characteristics. If I may put it in trivial terms, my dear friends, it must be said—you will not hold the trivial expression against me in this case: to truly hate a Folk-soul while awake means condemning oneself to having to sleep with that Folk-soul! — This is truly an occult truth, albeit a shattering one, a truth about which there is really nothing to laugh. One must face this fact if one wishes, from a certain perspective, to gain an understanding of how Spiritual Science must influence, as it spreads throughout the world, the mindset of human beings, how it must permeate the entirety of their sensibility and feeling.
[ 39 ] Ich habe absichtlich dasjenige, was ich zu sagen habe in bezug auf das Verhältnis des Menschen zur Volksseele, in eine Formel gefaßt, über die Sie lachen. Das mußte ich, weil man sehr häufig als Okkultist das Bestreben hat, über das, was das Erschütterndste, das Tragischste ist, dadurch hinwegzuhelfen, daß man das nicht in seiner ganzen tragischen Schwere sagt, da es den Menschen erdrücken würde, sondern es so sagt, daß es den Menschen dazu verhilft, es aufnehmen zu können wie jede andere wissenschaftliche Vorstellung.
[ 39 ] I have deliberately expressed what I have to say regarding the relationship between the individual and the Folk-souls in a formula that makes you laugh. I had to do this because, as an occultist, one very often feels the urge to help people cope with what is most shocking and tragic by not stating it in all its tragic gravity—since that would overwhelm them—but rather by expressing it in a way that helps them accept it just like any other scientific mental image.
[ 40 ] Deshalb darf aber doch nicht außer acht gelassen werden, daß die Geisteswissenschaft uns in recht gründlicher Weise zeigt, inwieweit wir die Welt als Maja hinnehmen wollen. Denn sobald wir mit dem tiefsten Ernste in die Geisteswissenschaft eindringen, wird es ernst, ich möchte sagen, wird es wirklich tief ernst mit ihr und mit alle dem, was sie für den Menschen sein soll. Man kann sagen, heute haben die meisten Menschen noch etwas gegen die Geisteswissenschaft, weil sie mit ihrem Verstande nicht einsehen können, was die Geisteswissenschaft eigentlich aus dem Menschen machen soll. Die Menschen verstehen heute nicht den Grundnerv der Geisteswissenschaft. Aber nicht nur, daß sie ihn mit dem Verstande nicht verstehen können, es liegt noch etwas viel Tieferes vor. Wenn wir tiefer in die Weistümer der Geisteswissenschaft eindringen, dann ist es so, daß sie auch an unser Gemüt und an unseren Willen Anforderungen stellt. Sie zeigt uns den Menschen in einem Lichte, wie wir uns gewöhnlich selber nicht haben wollen. Nicht nur unser Verstand wendet sich lieber an die Maja als an die Wirklichkeit, sondern auch der Wille.
[ 40 ] Nevertheless, we must not overlook the fact that Spiritual Science shows us quite thoroughly to what extent we are willing to accept the world as maya. For as soon as we delve into Spiritual Science with the deepest seriousness, things become serious—I would say, they become truly profoundly serious—with regard to Spiritual Science and everything it is meant to be for humanity. One could say that today most people still have something against Spiritual Science because they cannot grasp with their intellect what Spiritual Science is actually meant to do for humanity. People today do not understand the fundamental essence of Spiritual Science. But it is not merely that they cannot grasp it with their intellect; there is something far deeper at work. When we delve deeper into the wisdom of Spiritual Science, it places demands not only on our intellect but also on our emotions and our will. It reveals humanity to us in a light in which we usually do not wish to see ourselves. It is not only our intellect that prefers to turn to maya rather than to reality, but also our will.
[ 41 ] Wenn ich wiederum trivial sprechen darf, so kann ich sagen: es ist in hohem Maße unbequem, mit den tieferen Weistümern der Geisteswissenschaft zu leben, weil das Leben ein anderes Gesicht bekommen muß unter dem Einflusse der Geisteswissenschaft. In dem Augenblicke, wo man weiß, was es bedeutet, wenn da auf der Bühne des Lebens Capesius und Strader einander gegenüberstehen in ihren Geistgestalten und Worte wechseln, in Wahrheit aber diese Worte in den elementarsten Kräften der Welt Tumult und Rumoren bewirken, in dem Augenblicke, wo man das weiß, was vorgeht in der Welt, im ganzen Kosmos, wenn der Mensch in seiner Seele dieses oder jenes erlebt, da zeigt sich der ganze volle Ernst der Geisteswissenschaft, und da sieht man erst ein, wie die Menschen nicht nur mit dem Verstande in der Maja leben wollen, sondern auch mit dem Willen eigentlich bloß in der Maja leben wollen. Wir brauchen nur diese oder jene Sympathie zu entwickeln oder diese oder jene Antipathie, und das, was wir da tun, wird dann die Ursache davon, daß wir als schlafendes oder totes Menschenwesen getrieben werden in den Bereich dieses oder jenes Wesens des Kosmos und dort dieses oder jenes bewirken. Denn durch unser Zusammensein mit dem oder jenem Wesen des Kosmos geschehen wieder kosmische Ereignisse.
[ 41 ] If I may speak in trivial terms again, I can say: it is highly inconvenient to live with the deeper insights of Spiritual Science, because life must take on a different face under the influence of Spiritual Science. The moment one realizes what it means when, on the stage of life, Capesius and Strader stand facing each other in their spiritual forms and exchange words, yet in truth these words cause tumult and upheaval in the most elemental forces of the world; the moment one realizes what is happening in the world, in the entire cosmos, when a human being experiences this or that in their soul, then the full gravity of Spiritual Science becomes apparent, and only then does one realize how human beings wish to live not only with their intellect in maya, but also, in truth, merely with their will in maya. We need only develop this or that sympathy or this or that antipathy, and what we do there then becomes the cause of our being driven, as sleeping or dead human beings, into the realm of this or that being of the cosmos and bringing about this or that there. For through our association with this or that being of the cosmos, cosmic events occur once again.
[ 42 ] Mit solchen Worten möchte man ein Gefühl davon hervorrufen, wie die Geisteswissenschaft wirklich nicht nur zum Verstande der Menschen sprechen will, sondern den ganzen Menschen, die ganze Seele ergreifen möchte, weil das Leben der Menschen heute in einem Stadium ist, von dem uns die Zeichen der Zeit deutlich weisen, wie dieses Leben erfaßt werden muß, wenn es weitergehen soll, von jener Welle, welche die geistigen Geheimnisse in sich schließt und den Menschen nicht bloß in der Maja läßt, sondern ihn hineinführt in die wahre Wirklichkeit. Das sind Dinge, die wir betrachten müssen, wenn wir zu einem tieferen Verständnisse unseres geisteswissenschaftlichen Wollens kommen wollen. Und von solchen Dingen werden wir morgen weiter sprechen und wohl ausmünden in etwas, was mit einem Grundgedanken unseres Baues zusammenhängt.
[ 42 ] With such words, one seeks to convey a sense of how Spiritual Science truly aims not only to speak to people’s intellects, but to touch the whole person, the whole soul, because human life today is at a stage where the signs of the times clearly show us how this life must be grasped if it is to continue—by that wave which contains the spiritual mysteries and does not merely leave the human being in maya, but leads them into true reality. These are things we must consider if we wish to arrive at a deeper understanding of our Spiritual Science intent. And we will speak further about such things tomorrow and likely arrive at something connected to a fundamental idea of our building.
