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Human Destinies and the Destinies of Nations
GA 157

16 March 1915, Berlin

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Zehnter Vortrag

10. Problems on Spiritual Path—National Characteristics in Europe Moulded by Folk Spirits

[ 1 ] Wir gedenken wiederum zuerst derjenigen, die draußen auf den großen Feldern der Ereignisse der Gegenwart stehen:

[ 1 ] Dear friends, once again let us first of all remember those who are out there at the front, in the great arena of present-day events:

Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, guardian guides,
On your wings let there be borne
The prayer of love from our souls
To those whom you guard here on earth.
Thus, united with your might,
A ray of help our prayer shall be
For the souls it seeks out there in love.

[ 2 ] Und für diejenigen, die infolge dieser Ereignisse schon durch die Pforte des Todes gegangen sind:

[ 2 ] And for those who because of those events have already gone through the gate of death:

Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.

Spirits of your souls, guardian guides,
On your wings let there be borne
The prayer of love from our souls
To those whom you guard here on earth.
Thus, united with your might,
A ray of help our prayer shall be
For the souls it seeks out there in love.

[ 3 ] Der Geist, den wir durch unsere erstrebte Geist-Erkenntnis suchen, der Geist, der zu der Erde Heil, zu der Menschheit Freiheit und Fortschritt durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der sei mit euch und euren schweren Pflichten!

[ 3 ] May the spirit we are seeking as we work towards spiritual knowledge, the spirit who has gone through the Mystery of Golgotha for the good of the earth, for the freedom and progress of man, be with you and the hard duties you have to perform.

[ 4 ] Meine lieben Freunde, wir können heute wiederum einige aphoristische Betrachtungen anstellen, die nach der einen oder anderen Seite Ergänzungen sein können zu dem, was in den letzten Zeiten gesprochen worden ist. Das erste, worauf ich aufmerksam machen möchte, ist die Art, wie wir beim Aufstieg in die geistigen Welten, nachdem wir die ersten Schritte in die geistigen Welten hinein getan haben, die Tatsachen, das Wesenhafte dieser geistigen Welten finden. Ausgehen möchte ich davon, worin die Schwierigkeiten liegen, um in die geistigen Welten hinaufzukommen. Diese Schwierigkeiten sind in der Tat beträchtliche, und so sicher es auch ist, daß der Weg, den wir durch unsere Meditation, durch die ganze innere Arbeit unserer Seele einschlagen, in die geistige Welt führen muß, so sicher dies ist, so leicht ist es auch, gewissermaßen zu verkennen, worin die Eigentümlichkeit dieser Seelenerfahrungen liegt, welche die Seele in die geistigen Welten hinaufführt. Es liegt erstens die Schwierigkeit vor, daß wir gewohnt sind, alles, was wir mit der Seele erfahren, nach den Erlebnissen zu beurteilen, die wir uns aus der äußeren Sinneswelt angeeignet haben. Gewissermaßen kennen wir gar nichts anderes als das, was wir uns aus der äußeren Sinneswelt angeeignet haben. Nun kommen wir in die geistige Welt hinein, und da ist wirklich alles anders als in der sinnlichen Welt. Nun, da alles anders ist, so liegt vor allen Dingen die Schwierigkeit vor, das, was wir da sehen sollen, überhaupt in den Bereich unserer Aufmerksamkeit hineinzuziehen. Es ist so, daß sozusagen die ganze geistige Welt vor uns ausgebreitet werden könnte, aber wir würden nichts sehen. Das ist aus dem Grunde der Fall, weil wir, solange wir wachend im Erdenleibe weilen, nicht in der Lage sind, unsere Geistorgane abzuziehen von diesem Erdenleibe, sie herauszuziehen aus ihrer Verbindung mit dem Erdenleibe.

[ 4 ] Dear friends, the points we shall consider today will once again be aphoristic. They may serve to round off one or another of the things I have spoken of before. The first point I want to refer to is the way we find the facts, the real nature, of the spiritual worlds when we ascend to those spiritual worlds and have taken the first steps within them. Let me start by considering the problems we meet in our efforts to attain to the spiritual worlds. They are indeed considerable, and although it is certain that the path we take when we meditate, with all the work we do in the inner soul, must lead to the spiritual world—certain as this may be—it is also very easy to fail to recognize the particular kind of soul experience that takes the soul up into the spiritual worlds. First of all there is the problem that we are in the habit of judging everything our soul comes upon on the basis of experiences we have gained in the world accessible to the outer senses. We could say that we really know nothing but what we have made our own out of the sense-perceptible world. Now we enter the spiritual world and find that everything is entirely different from the sense-perceptible world. Everything being different, the main problem is to extend the range of our attention to the things we are supposed to be seeing. The situation is that the whole of the spiritual world might lie spread out before us but we would see nothing. The reason is that whilst we are awake and in our earth bodies we are not in a position to withdraw our spiritual organs from this earth body, to draw them away from their union with the earth body.

[ 5 ] Nehmen wir einen Vergleich, den ich schon öfter gewählt habe, um die Lostrennung des Seelischen vom Leiblichen ins Auge zu fassen. Ich sagte öfter: man kann aus dem, was der Mensch im gewöhnlichen Leben hier ist, sein Unsterbliches ebensowenig erkennen, wie man aus dem Wasser erkennen kann, welche Eigenschaften der Wasserstoff und der Sauerstoff haben. Der Wasserstoff, der im Wasser darinnen ist in Verbindung mit dem Sauerstoff, so wie wirklich unser Unsterbliches im Leiblichen darinnen ist, zeigt uns nichts von seinen Eigenschaften, wenn er nicht abgetrennt ist; er verbirgt alle diese Eigenschaften. So verbirgt die Seele ihre Eigenschaften, indem sie mit dem Leibe vereinigt ist.

[ 5 ] Let me use a comparison I have used on a number of occasions to present an image of the soul element separating from the body. I have often said that it is just as impossible to recognize the immortal part of man from what he is here in ordinary life as it is to recognize the properties of hydrogen and oxygen by looking at water. Hydrogen is present in water, forming a compound with oxygen, the way our immortal part is present in the body. It will reveal nothing of its qualities until it is separated out of the water. It hides all those qualities. In the same way the soul hides its qualities when it is united with the body.

[ 6 ] Das gewöhnliche Leben zwischen Geburt und Tod erzieht uns so für unser Verhalten zur äußeren Sinneswelt, daß wir immer im wachenden Zustande unsere Geistorgane so gebunden haben an das Leibliche, wie der Wasserstoff an den Sauerstoff gebunden ist im Wasser. Es ist daher unserer Seele während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod nicht anders möglich, vom Leibe wegzugehen, als dann, wenn sie herausgeht vom Einschlafen bis zum Aufwachen in die geistigen Welten. In dieser Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen dringt die Seele wirklich in die geistigen Welten ein, ist darinnen. Da zieht sie sich neue Kräfte zum Tagesverlauf aus den geistigen Welten heraus, aber es bleibt in ihr die Gewohnheit, nur mit den leiblichen Organen wahrzunehmen, und in dem Augenblicke, wo die Seele ihre Kraft so erstarkt haben würde, daß sie im Geistigen darinnen nun wahrnehmen könnte, da wacht sie auf. Denn die Seele hängt durch ihre Kräfte mit dem Leibe zusammen, die Seele hängt durch ihr Begehrungsvermögen mit dem Leibe zusammen. In dem Augenblicke, wo ihr die Kräfte wiederum so erstarkt sind, daß sie nun sich regen kann, begehrt sie zum Leibe zurückzukommen, wenn der Leib noch lebensfähig ist. Daher müssen wir nach dem Tode uns erst nach und nach orientieren lernen.

[ 6 ] Our ordinary life between birth and death trains us to relate to the sense-perceptible world in such a way that whilst we are awake the organs of the mind and spirit are always tied up with the body in the same way as hydrogen is tied up with oxygen in water. The soul is therefore unable to depart from the body during the time between birth and death, except for the time between going to sleep and waking up again when it is in the spiritual worlds. During the time between going to sleep and waking up the soul really enters the spiritual worlds. It is there in those worlds. It gains new strength for the daily round out of the spiritual worlds. It retains the habit, however, of perceiving life with the physical organs, and the moment it reaches the point where it has gained the strength that would enable it to achieve perception within the spiritual sphere it wakes up. The soul is joined to the body through the powers within it; because of it ability to feel desire the soul is connected with the body. The moment its powers have been recharged and it is again able to be active it desires to return to the body as long as the body is still capable of life. In the first place it will therefore be necessary for us gradually to get our bearings after death. In one of my public lectures I referred to the ability to remember as the ultimate soul activity.53Berlin, 26 February 1915: ‘Was ist am Menschen sterblicht?’ in Aus schicksahragender Zeit (GA 64). In English. ‘Etheric Man within Physical Man’ typescript Z185 (tr. not mentioned).

[ 7 ] Vergleichen wir jetzt einmal dasjenige, was als die letzte Seelentängkeit schon in einem öffentlichen Vortrage angedeutet worden ist, das Erinnerungsvermögen, mit dem, was eintritt, wenn der Mensch in die geistige Welt hineinschauen lernt. Es ist etwas, was uns in einem gewissen Sinne frei macht von dem Leiblichen. Das wird gerade die Naturwissenschaft, wenn sie immer weiter entwikkelt wird, zeigen, daß wir im Erinnerungsvorgang einen rein geistigen Vorgang haben, daß in der Tat das Zurückblicken auf ein früheres Erlebnis ein geistiger Vorgang ist. Aber dieser geistige Vorgang hat eine mächtige Hilfe, nämlich die Hilfe unseres Leibes, die Hilfe, die der Leib bringt. Das geschieht so: Wenn wir im Leibe mit der Seele weilen, so ist in der Tat dasjenige, was wir unserem Erinnerungsvermögen anvertrauen, zunächst wirklich bildhaft, es ist etwas, was dem ganz ähnlich ist, was wir eine imaginative Erkenntnis nennen. Aber so, wie wir im gewöhnlichen Leben eben verfahren, so prägen wir das, was wir als Erinnerung behalten sollen, in das Leibliche hinein. Wenn wir irgendein Erlebnis haben, so stehen wir zunächst diesem Erlebnis mit den Sinnen gegenüber, wir haben das Bild, das wir uns gemacht haben. Dieses Bild prägt sich zunächst in unser Leibliches ein; in unserem Leibe entsteht ein Abdruck, und zwar ein Abdruck, den wir vergleichen können mit einem Siegelabdruck. Es ist wichtig, sich klarzumachen, daß ein solcher Abdruck zurückbleibt. Aber kindlich ist die Vorstellung, die sich oft die äußere Naturwissenschaft hiervon macht. Man hat bei manchen lesen können, daß die eine Vorstellung in irgendeiner Partie des Gehirns aufgezeichnet wird, die andere Vorstellung in einer anderen Partie und dergleichen. So geschieht es nicht, sondern so, daß der Abdruck, der in unserem Leiblichen von einer Erinnerung gemacht wird, wirklich recht unähnlich ist dem, was wir etwa später erinnern. Denn hellsichtig angeschaut ist das im Grunde genommen eine Art Abdruck in der Form vom menschlichen Kopf und noch etwas fortgesetzt in den übrigen Menschen hinein. Ganz gleichgültig, was wir erleben, wir machen einen solchen Abdruck in uns; namentlich in den Ätherleib hinein wird der Abdruck gemacht. Wenn wir diesen Abdruck herausnehmen könnten, so würden wir in der Tat ein dünnes, schattenhaftes Gespenst unseres Kopfes und seiner Fortsetzung haben. Und wenn wir eine andere Erinnerung haben, so würden wir wieder ein Schattenbild eines Kopfes mit Fortsetzung sehen. Sie sind aber jedenfalls ganz unähnlich dem, was wir erleben, wenn wir eine Erinnerung erleben. So viel wir Erinnerungen haben, so viel schattenhafte Gespenster stekken in uns darinnen. Die gehen alle ineinander und durchdringen sich. Und das, was bleibt, würde etwa, von außen angesehen, ein solches Schattenbild sein, und man würde nur beschreiben können, das eine sieht so aus, das andere so.

[ 7 ] Let us compare this with what happens when man learns to look into the spiritual world. It is something which to some extent does make us free of the bodily element. Modern science, as it continues to develop, will actually show that looking back to an earlier experience is a process occurring in mind and spirit. This process is however given enormous assistance, assistance provided by the body. It happens like this. When our soul dwells in the body, anything we entrust to our power of memory has the nature of an image to begin with; it is very similar to what we call imaginative perception. In ordinary life, however, we proceed to imprint everything that is to be memory into the bodily element. When we have an experience we first of all encounter the experience with our senses; we form an image of it. This image first of all imprints itself in the body; an imprint is left in the body, an imprint we could compare with the imprint left by a seal. It is important to understand that such an imprint is left. Conventional science takes rather a naive view of this. According to some authors, one idea is recorded in one part of the brain, another idea in another, and so on. That is not how it happens. The imprint a memory leaves in our physical body is really very dissimilar to what may later come up as a memory. To the clairvoyant eye it is a kind of image taking the form of the human head and a bit more, continuing on into the rest of the human being. Irrespective of the nature of the experience, the imprint will be of that kind; such an imprint is made into the ether body. If we were able to take this imprint out we would indeed have a thin, shadowy spectre of the head and its continuation. Another memory would also take the form of a shadow image of a head and its continuation. These images are certainly quite different from what we experience as a memory. There is such a shadowy spectre within us for every single memory we have. They all merge into each other, they interpenetrate. What remains would from the outside appear as such a shadow picture and all one could say would be that one of them looks like this, another like that.

[ 8 ] Damit die Erinnerung wirklich zustande kommt, muß des Menschen Seele diesem im Leibe gebliebenen Abdrucke erst entgegentreten und muß ihn so entziffern, wie wir diese eigentümlichen Zeichen entziffern, die auf dem Papiere sind, die ganz unähnlich sind dem, was wir in der Seele nachher erleben, wenn wir etwas lesen. Einen solchen Leseprozeß, einen unterbewußten, muß die Seele ausführen, um diese Siegelabdrücke umzusetzen in das, was wir dann in der wirklichen Erinnerung erleben. Nehmen Sie an, Sie haben im achten Lebensjahre etwas erlebt und erinnern sich heute daran. Der reale Vorgang ist der, daß Sie, durch etwas veranlaßt, hingewiesen werden mit Ihrer Seele auf dieses Köpfchen mit seinen Fortsetzungen, das sich damals abgedruckt hat; das entziffert Ihre Seele heute. Und von dem, was das Erlebnis ist, bleibt so wenig im Leibe als von dem, was Sie erleben, wenn Sie ein Buch gelesen haben, in dem Buche bleibt. Wenn Sie das Buch wieder lesen, dann müssen Sie wiederum seelisch die ganze Sache neu konstruieren. Das geschieht alles, ohne daß man es merkt. Aber derjenige, der nicht lesen gelernt hat, kann das, was diese Schriftzeichen ausdrükken sollen, nicht aus den Zeichen herausfinden. Und so ist es wirklich mit unserem Erinnerungsprozeß; er ist ein innerliches Lesen. Es geschieht vieles in der Menschenseele, was sich unter der Schwelle des Bewußtseins abspielt und was gar nicht von den Menschen beachtet wird. Indem wir uns unserer Erinnerung hingeben, geht ein unendlich komplizierter Prozeß im Menschen vor sich. Da steigen fortwährend aus dem Dämmerdunkel des sonsügen finsteren Lebens die ätherischen Siegelabdrücke auf, und in diesem Aufsteigen und in dem Entziffern liegt das, was der Mensch als seinen inneren Erinnerungsprozeß erlebt.

[ 8 ] If memory is to arise the soul of man must first of all focus on the imprint left in the body and decipher it the way we decipher the peculiar symbols on a page when we are reading—symbols entirely different from what the soul experiences after reading them. The soul has to apply a subconscious reading process in order to convert those imprints into the actual memory we experience. Let us assume you are today recalling an event you experienced in your eighth year. The actual process consists in something making you focus your soul on this little head with its continuation that was imprinted at the time; your soul will now decipher it. As to the experience, as little remains of it in the body as the book you have read retains of what you experienced in the reading. When you read the book again you need to recreate the whole thing in your soul. All this happens without our noticing it. But someone who has not learned to read will be unable to tell from the symbols what they represent. The same applies to the memory process; it is an inner reading process. There is much that goes on below the threshold of consciousness in the human soul and is never considered by man. When we give ourselves up to memory, an infinitely complex process takes place in the human being. All the time, etheric seal imprints rise up from the dim twilight where all else in life is darkness and the inner process man experiences as memory consists in these imprints arising and being deciphered.

[ 9 ] Was ich Ihnen sage, ist nichts Ausgedachtes, sondern etwas, was die okkulte Beobachtung wirklich ergibt. Wenn wir nun beginnen unsere Seele durch das, was wir genannt haben Meditations- und Konzentrationsprozesse, in ihren inneren Kräften zu verstärken, dann tritt das ein, was ich angedeutet habe, dann bildet sich nicht das, was wir Erinnerung nennen müssen, sondern wir entwickeln innere Kräfte, aber das, was jetzt als Abdruck gebildet wird, wird draußen in dem die Welt durchwebenden Äther abgedrückt, wird objektiv hinein abgedrückt in die Welt. Während wir meditieren, konzentrieren, drücken wir in den objektiven Weltenprozefß3 hinein ab. Ebenso ist es im Grunde genommen, wenn wir nur uns studiengemäfßß hingeben dem, was die Geisteswissenschaft geben kann, denn sie handelt von übersinnlichen Dingen. Wenn wir nun die Gedanken, die die Geisteswissenschaft gibt, wirklich erfassen, so lösen wir uns schon so weit von uns los, daß unsere gedankliche Arbeit ein Mitarbeiten mit dem Weltenäther ist, während, wenn wir die gewöhnlichen Gedanken denken, wir sie nur in uns selber hinein abdrücken.

[ 9 ] I am not telling you something I have thought up but a genuine fact discovered through occult investigation. When we begin to strengthen the inner powers of the soul through meditation and concentration the process I have already mentioned will come about. The process which develops is not the one we have to call memory. We develop inner powers but an imprint also forms and is left upon the ether that is alive and present everywhere in the world outside us, it is objectively imprinted into the world. As we meditate, as we concentrate, we leave an imprint in the objective cosmic process. Basically the same thing happens when we devote our studies to what spiritual science has to give, for spiritual science has to do with supersensible, nonphysical, things. When we really take hold of the thoughts coming to us from spiritual science we are already coming away from ourselves to such an extent that our mental effort has us working with the cosmic ether: when we think ordinary thoughts we merely imprint them within ourselves.

[ 10 ] Nun werden Sie einsehen, wie es darauf ankommt, daß derjenige, der wirklich in seiner Seele vorwärtskommen will, unendlich viel gibt auf das, was man nennen muß die Wiederholung desselben Gedankenprozesses. Wenn wir einmal auf irgendeinen Gedanken uns konzentrieren, so macht das einen flüchtigen Eindruck in den Weltenäther. Wenn wir aber Tag für Tag denselben Gedanken immer wieder und wieder in unserer Seele hegen, dann wird der Eindruck immer und immer wieder gemacht. Und jetzt werden wir uns die Frage vorlegen müssen: Wenn wir immer wieder einen Eindruck machen in den Weltenäther, die Meditation immer wiederholen, was geschieht dann eigentlich, wohin machen wir den Eindruck? — Zur Beantwortung dieser Frage muß ich auf etwas anderes eingehen.

[ 10 ] You realize, of course, that it is important for anyone wishing to make progress in soul development to put enormous emphasis on what we must call repetition of the same thought process. If we concentrate just once on some thought or other, it will merely leave a fleeting impression within the world ether. If however we nurture the same thought in our soul day after day, over and over again, the impression will also be made over and over again. Here we must ask ourselves the following question. If we repeatedly make an impression in the world ether, repeating a meditation over and over again, what actually happens? Where is the impression made? To answer this question, something else has to be considered first.

[ 11 ] Wenn jemand wirklich den Weg sucht in die geistige Welt hinein, dann ist das so, daß dann, wenn er einmal beginnt, wirklich hellsichtig zu werden, diese hellsichtigen Erlebnisse ganz merkwürdig auftreten, so nämlich, daß man deutlich dabei merkt, ja das, was da ist, ist erlebt, aber im Grunde genommen fehlt diesen Erlebnissen etwas. Ich setze voraus, daß man wirklich hellsichtge Erlebnisse schon hat. Hinterher, wenn man wiederum aus den hellsichtigen Erlebnissen heraus ist und sich an diese hellsichtigen Erlebnisse erinnert, dann sagt man sich: es könnte sein, daß ich mit alledem gar nichts zu tun habe. Es macht den Eindruck, als wenn das, was man da hellsichtig erlebt hat, von uns losgelöste Dinge wären. Und vor allen Dingen, man kann gar nicht herausbekommen, inwiefern man selber etwas mit diesen Erlebnissen zu tun hat. Das ist das Bedeutsame. Daher ist es so leicht, diese Erlebnisse als bloße Träumereien anzusehen. Man merkt erst, daß man etwas damit zu tun hat, wenn man sieht, daß gewissermaßen einem da entgegengetreten ist eine andere Gestalt des eigenen Selbstes, wenn man merkt: ja, was du da erlebt hast, das ist eigentlich ähnlich deinen eigenen Erlebnissen, und was da erlebt worden ist, könnte nicht erlebt werden, wenn du nicht da wärst. Um es noch deutlicher zu machen, will ich mich in der folgenden Weise aussprechen. Nehmen Sie an, Sie haben einen Traum, der ein Erlebnis aus frühester Jugend wiedergibt. Wenn Sie von ihm erwachen, so werden Sie nur daran erkennen, daß das Ihre Traumerlebnisse sind, weil da in der Masse der Bilder das auftritt, was Sie früher erlebt haben; und Sie wissen dann, es muß der Traum mit Ihnen etwas zu tun haben. $o ist es mit den ersten hellseherischen Erlebnissen. Wir kommen nach und nach darauf: eigentlich ist das zugleich ein ganz anderer, der da träumt, und dennoch bist du es selber. Wir lernen uns erkennen in der Masse der hellsichtigen Erlebnisse.

[ 11 ] If someone is genuinely looking for the way to the spiritual world and begins to be clairvoyant, he will find that his clairvoyant experiences take a very strange form. He will be very much aware that what he finds there is something which is experienced but, fundamentally speaking, there is something lacking in those experiences. I am presupposing that the person has reached the point where he has clairvoyant experiences. Afterwards, when we are no longer in those clairvoyant experiences but remember those clairvoyant experiences, we say to ourselves: It may be that I have nothing whatsoever to do with all those things. The impression is that the things experienced in clairvoyance are quite separate from us. Above all, it is impossible to find out how far we ourselves have anything to do with those experiences. That is the important point. Because of this it is easy to consider such experiences mere dreams. We only realize that we have something to do with it when we come to see that our own self has been confronting us there in another form. We come to realize that what we have experienced there is really very similar to our personal experiences and we could not have experienced what we did in clairvoyance if we did not exist. To make it even clearer let me put it like this. Let us assume you have a dream which brings back something you experienced when very young. When you wake from the dream you only realize that those were dream experiences because among the mass of images you encountered there was also that childhood experience. Then you knew that the dream must have something to do with you. That is how it is with our first clairvoyant experiences. You gradually come to realize that really it is someone else who is dreaming there and yet at the same time it is also you yourself. We come to recognize ourselves within the mass of clairvoyant experiences.

[ 12 ] Das ist auch ein gewisses bedeutsames Ereignis, wenn wir die Erfahrung machen: wir waren in einer Summe von Erlebnissen darin, aber wir waren es selber, die darin waren. Man muß sich in den hellsichtigen Erlebnissen erst entdecken. Und dann kommt man darauf: du bist nicht bloß in deinem Leibe, sondern du bist auch draußen in der Welt. Und es ist ein unendlich bedeutsames Erlebnis, das Erlebnis, das uns zeigt: du hast etwas, was die Geister der höheren Hierarchien halten und tragen, was sie hegen und pflegen. Hier bin ich, sagt man sich, in meinem Leibe, ich wohne in meiner Leibeshülle, und ich bin gleichzeitig in der geistigen Welt, gehalten und getragen von den Geistern der höheren Hierarchien. Da dart einem dann das Gesetz, daß ein Wesen nicht an zwei Orten zugleich sein kann, nicht stören, denn diese Gesetze gelten in der geistigen Welt nicht mehr. Ich bin in mir darinnen und bin zugleich derselbe, der in der geistigen Welt die Erlebnisse in sich abspielen läßt. Man entdeckt sich geborgen innerhalb der höheren Hierarchien. Man weiß, man ist ein solches Doppelwesen, und man kommt allmählich darauf, daß dasjenige, was man geistig wesenhaft ist, im Grunde genommen doch gar nicht in der Sinnenwelt ist, sondern in der geistigen Welt, und daß das, was in der Sinnenwelt ist, ein Schatten ist, der hereingeworfen wird aus der geistigen Welt. Man schlüpft in eine geistige Leiblichkeit hinein, dadurch ist man außer sich und schaut sich von außen an. Wer sich nicht vertraut machen will mit solchen scheinbaren Widersprüchen, der kann nicht zu Begriffen kommen, die ihm die geistige Welt erklärlich machen können. Das ist das Wichtige, daß man sich entdeckt außerhalb seiner selbst, insofern man ein sinnliches Wesen ist.

[ 12 ] It is indeed an experience of some significance to learn that we have been within a great body of experiences yet it was we ourselves who were within it. One must first of all discover oneself within those clairvoyant experiences. We then come to realize that we are not only inside our bodies but also in the world outside. It is an experience of tremendous significance which shows us that we have something which the spirits of the higher hierarchies hold and support, nurture and cherish. Here I am, we say to ourselves, in my body. I inhabit the enveloping form of the body and I am at the same time also in the spiritual world, held and supported by the spirits of the higher hierarchies. We must not allow ourselves to be distracted by the law which says that a particular entity cannot be in two places at one and the same time, for laws of this kind no longer apply in the spiritual world. I am inside me and at the same time I am also someone who lets experiences arise within him in the spiritual world. We find ourselves held secure within the higher hierarchies. We know we have this kind of dual nature and we gradually come to realize that what we are in essence in the spirit does not really lie within the sense-perceptible world at all. It lies in the spiritual world and what exists in the sense-perceptible world is a shadow cast from the spiritual world. We slip into a spiritual ‘body’ existence and with this are outside ourselves, looking at ourselves from outside. Anyone not prepared to make himself familiar with such apparent contradictions will never arrive at concepts that can make the spiritual world explicable to him. The important thing is that in as far as we are part of the world of the senses we discover that we are beyond ourselves.

[ 13 ] Und nun sind wir soweit, daß wir sagen können, wohin werden unsere Meditationen geschrieben? Unsere gewöhnlichen Erinnerungen werden abgedruckt in uns selber, da entsteht immer ein Siegelabdruck, der mit dem Oberen des Menschen, mit dem Kopf und einigen Anhängseln, gleich ist. Wenn wir meditieren oder uns Vorstellungen der Geisteswissenschaft vor die Seele rufen, dann machen wir auch Abdrücke, aber diese gehen nach dem andern hin, den ich eben beschrieben habe, der wir selber sind. Nach dem andern gehen diese Vorstellungen hin. Ob wir irgend etwas in Berlin oder in Nürnberg erfahren, wie das alles den Abdruck in demselben Leibe verursacht, so geht beim geistig innerlichen Erleben alles hin nach diesem Einen, der wir selber sind. Da wird alles hineingeprägt. So daß wir, insofern wir wirklich im Sinne des geisteswissenschaftlich Gedachten oder Gefühlten oder Erlebten uns verhalten, wir geradeso an unserem übersinnlichen Menschen arbeiten, wie wir arbeiten an unserem physischen Menschen, wenn wir dem gewöhnlichen Erleben gegenüberstehen. Nun werden Sie begreifen, daß starke, innere Kräfte notwendig sind zum Arbeiten am übersinnlichen Menschen. Wenn wir uns erinnern an diejenigen Dinge, die äußerlich durch Farbe, Ton und so weiter auf uns gewirkt haben, dann ist es begreiflicherweise leichter, weil wir vom Leibe unterstützt sind. Dadurch, daß irgendeine Farbe auf uns Eindruck macht, ist ein leiblicher Prozeß in uns ausgelöst. Wenn wir der rein geistigen Vorstellung uns hingeben sollen, dann müssen wir auf alle solche leiblichen Unterstützungen verzichten, wir müssen die Seele innerlich anstrengen, sie muß immer stärkere Kräfte bekommen, daß sie in sich so erstarkt, daß sie wirklich Eindruck machen kann auf den äußeren Weltenäther.

[ 13 ] We have now reached the point where we can consider the question as to where our meditations are inscribed. Our ordinary memories are imprinted in ourselves. A seal imprint is always made which represents the upper part of the human being, the head and a few appendages. When we meditate or consider in our mind the ideas presented in spiritual science, we also produce imprints but these go to the other one I have just described, the one who is another self. These ideas go to the other one. We may experience something in Berlin or in Nuremberg; the imprint of this will be made in the same body. Everything we experience in the spirit, however, goes to the one who is another self. Everything is imprinted there. If our attitude is truly in accord with what is thought or felt or experienced in spiritual science, we are working on the supersensible human being whom we also are, just as we work on the physical human being we are when facing everyday experiences. You will now understand that it needs great inner strength to work on the supersensible human being. It clearly is easier to recall things that had an external effect on us through their colour, sound and so on, because we are in that case supported by the body. When a colour makes an impression on us this triggers a physical process within us. When it is our aim to enter into a purely spiritual idea we have to do without all those physical props; inner effort has to be made in the soul and the soul must gain greater and greater powers, growing so strong in itself that it really can make an impression on the cosmic ether outside.

[ 14 ] Da kommen wir dann, wenn wir auf diese Art unsere Verbindung suchen mit unserem eigentlichen Menschen, der immer da ist, in eine Beziehung zu unserer menschlichen Individualität, zu dem, was wir wirklich als Menschen sind. Nun, das, was wir da in Wirklichkeit als Menschen sind, das lebt so in den Wesenheiten der höheren Hierarchien darinnen wie unser Leib in den Sinnes-Naturprozessen. So wie wir ein Stück unseres Erdendaseins sind, so sind wir ein Stück auch des Geistesdaseins, in dem, was in den Vorgängen innerhalb der Welt der höheren Hierarchien stattfindet.

[ 14 ] If we look for union in this way with the human being we really are, the human being who is always there, we establish a relationship with our individual human identity, with what we really are as human beings. And what we really are as human beings, this lives among the forms of being that are the higher hierarchies the way our body lives among sense-perceptible processes in nature. We are part of earthly existence and in the same way we also partake of existence in the spirit, within all that takes place in the world of the higher hierarchies.

[ 15 ] Nun möchte ich auf etwas anderes ergänzend hinweisen. Indem wir so mit der geistigen Welt in Beziehung stehen, stehen wir mit den mannigfaltigsten Geistern der höheren Hierarchien in Beziehung. Dazu gehören diejenigen Geister, zu denen wir nur eine Beziehung haben als menschliche Individualität, die nicht für irgendeine Weltfunktion besummte Wesen sind. Aber wir gehören auch zu den Wesenheiten, die irgendeine Weltfunktion haben; es gehört jeder zu einem Volksgeiste zum Beispiel. Wie wir in unserem ganz sinnlichen Prozeß mit der sinnlichen Natur zusammenhängen, so hängen wir nach oben zusammen mit all diesen Geistern, die übersinnlich herunterlangen in die physisch-sinnliche Welt. Und wie wir hier zu den äußeren Dingen stehen und uns Gedanken und Vorstellungen machen, so machen sich die Wesenheiten der höheren Hierarchien ihre Gedanken und ihre Vorstellungen dadurch, daß wir für sie die Objekte sind. Wir sind die Objekte für die Wesenheiten der höheren Hierarchien, wir sind ihr Reich, über das sie sich Gedanken machen. Diese Gedanken sind mehr willenshaft.

[ 15 ] There is something else I want to mention. Being thus related to the spiritual world, we are related to many different spirits in the higher hierarchies. Among them are the spirits we only relate to as human individuals—they are not destined to have any kind of cosmic function. On the other hand we also belong to spirits that do have a cosmic function. We all belong to a folk spirit for instance. In the processes that belong entirely to the world of the senses we are connected with sense-perceptible nature. Reaching upwards we are connected with all those spirits which in a supersensible way reach down into the world of the physical senses. Here, we relate to things outside us and have thoughts and ideas about them. In the same way the different spirits in the higher hierarchies develop thoughts and ideas on the basis of the fact that we are objects to them. We are objects to the spirits in the higher hierarchies, we are the realm they have thoughts about. These thoughts are more will-like by nature.

[ 16 ] Durch die Art, wie diese höheren Hierarchien zu uns stehen, unterscheiden sich diese Wesenheiten, und ein wichtiger Unterschied kann uns klar werden, wenn wir beachten, wie die Entwickelung solcher Wesenheiten der höheren Hierarchien, zum Beispiel der Volksgeister, geschieht. Wir machen hier zwischen Geburt und Tod auch eine Entwickelung durch, indem unser Ich immer reifer und reifer wird, immer mehr von der Welt erfahren hat. Ein Mensch, der noch jung ist, kann nicht soviel erfahren haben wie der, der älter geworden ist. $o ist es auch bei den Wesenheiten der höheren Hierarchien, nur ist der Gang ihrer Entwickelung etwas anders als unser Entwickelungsgang.

[ 16 ] The spiritual entities are different in kind because of the way the hierarchies relate to us. An important distinction will clearly emerge if we note how the evolution of such spirits in the higher hierarchies progresses, for instance in the case of the folk spirits. We also progress between birth and death here on earth, for our ego grows more and more mature, gaining experiences about the world. A young person cannot have learned as much as someone who is older. The same applies to the spirits of the higher hierarchies, except that their evolution proceeds somewhat differently from our own.

[ 17 ] Wir können ein Wesen der höheren Hierarchien ansprechen, wenn wir sprechen von dem italienischen Volksgeist. Dieser italienische Volksgeist macht seine Entwickelung durch, und wir können wirklich genau einen Zeitpunkt angeben, in dem dieser Volksgeist eine wichtige Etappe überschritten hat. Wir wissen ja, daß der Zusammenhang zwischen dem italienischen Volksgeist und dem einzelnen Italiener so ist, daß der italienische Volksgeist durch die Empfindungsseele des Italieners wirkt. Nun ist aber dieses Wirken durch die Empfindungsseele zuerst so, daß der Volksgeist gleichsam nur auf das Seelische wirkt, und dann erst später, in seiner weiteren Entwickelung, greift dieser Volksgeist mit seinem Willen immer mehr und mehr ein in das, wie die Seele sich auslebt auch durch das Leiblich-Physische. Wenn Sie die italienische Geschichte verfolgen, so finden Sie ein wichtiges Jahr, etwa 1530. Dieses Jahr ist dasjenige, wo der italienische Volksgeist so mächtig wird, daß er jetzt anfängt, auch auf das Leibliche zu wirken, und von da anfängt, den Nationalcharakter ganz spezifiziert zu entwickeln. Okkult stellt sich das so dar, daß der Volksgeist einen mächtigeren Willen bekommt; er fängt an, seine Eingravierungen auch in das Leibliche zu machen und bis in das Leibliche hinein den Volkscharakter auszubilden. Während unser Ich immer unabhängiger vom Leibe wird, macht der Volksgeist die entgegengesetzte Entwickelung durch. Wenn er auf das Seelische eine Zeitlang gewirkt hat, fängt er an, bis in das Leibliche hinein zu wirken.

[ 17 ] We are referring to a spirit belonging to the higher hierarchies when we speak of the Italian folk spirit. This Italian folk spirit goes through its evolution and we are actually able to pinpoint a particular time when this folk spirit passed a major stage in evolution. We know the relationship between the Italian folk spirit and individual Italians to be such that the Italian folk spirit acts through the sentient soul of individual Italians. The way this happens is that to begin with the folk spirit is, as it were, only acting on the soul element. It is only later, in the course of its further development, that the folk spirit, using its will, intervenes more and more in the way the soul comes to expression through the element of the physical body. If you consider Italian history you come to a very important year, around 1530. That is the year when the Italian folk spirit grew so powerful that it was then able to begin to work also on the physical body. From that time it started to develop very specific national characteristics. In occult terms this means that the folk spirit developed a much more powerful will; it began to engrave itself also into the physical element, developing national characteristics even at the physical level. Whilst our ego is becoming more and more independent of the body the folk spirit is evolving in the opposite direction. Having influenced the soul element for a time it is now beginning to influence the physical.

[ 18 ] Bei dem französischen Volksgeiste finden wir dasselbe, wenn wir etwa in das Jahr 1600 gehen, und beim englischen Volksgeiste ungefähr um das Jahr 1650. Während vorher der Volksgeist mehr nur das Seelische ergriffen hat, greift er von da ab ins Leibliche über. Sein Wille wird mächtiger, und die Seele kann weniger Widerstand leisten einer Konfiguration ins Nationale hinein. Daher beginnt um diese Zeiten der Nationalcharakter sich scharf auszuprägen. Das rührt davon her, weil der Volksgeist heruntersteigt. Er ist höher gelagert, wenn er mehr ins Seelische hineinwirkt; er steigt herunter, wenn er mehr ins Leibliche hineinwirkt. So haben wir ein Senken des Volksgeistes bei der italienischen Halbinsel etwa um das Jahr 1530, in Frankreich im Beginne des siebzehnten Jahrhunderts und in England in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts. Shakespeare hat gewirkt, bevor der Volksgeist diese Etappe durchgemacht hat. Das ist das Bedeutsame. Daher dieser eigentümliche Bruch, der in bezug auf die Auffassung der Engländer gegenüber Shakespeare Platz gegriffen hat und der zur Folge hatte, daß gerade innerhalb Deutschlands Shakespeare mehr gepflegt wird als in England selber. Wir haben es zu tun mit einem immer mehr zu den einzelnen Menschen Heruntersteigen des Volksgeistes.

[ 18 ] We find the same thing happened with the French folk spirit around the year 1600, and about 1650 for the English folk spirit. Before, the folk spirit had more or less only taken hold of the soul element but from then on it also intervened in the physical. Its will grew more powerful and the soul was less able to put up resistance against being given a configuration that had national characteristics. It was therefore at this time that national characteristics began to emerge more clearly. This happened because the folk spirit descended. It is higher up when it acts more on the soul sphere; it descends to act more on the physical aspect. The folk spirit of the Italian peninsula therefore descended around the year 1530. In France this happened at the beginning of the 17th century and in England in the middle of the 17th century. Shakespeare wrote his works before the folk spirit had passed this stage. This is what is so significant. It is the reason for the strange rupture which occurred in the way the English regard Shakespeare, with the result that Shakespeare is actually more appreciated in Germany than in England. We are speaking of the way the folk spirit descends more and more into individual human beings.

[ 19 ] Wenn wir nun auf die Entwickelung des deutschen Volksgeistes sehen, so nehmen wir etwas Ähnliches wahr in der Zeit ungefähr zwischen den Jahren 1750 bis 1850. Aber wir müssen hier kurioserweise sagen: dieser Volksgeist steigt da herunter, aber er steigt wieder hinauf. Und das ist das Bedeutsame. Einen Prozeß, der sich abgespielt hat bei den westlichen Völkern, können wir nur so verfolgen, daß wir die Volksgeister sich senken und die Völker ergreifen sehen. Beim deutschen Volke sehen wir, wie der Volksgeist sich auch senkt um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, wie aber dieser Volksgeist in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wieder hinaufsteigt, so daß hier ein ganz anderes Verhältnis da ist. Es wird nur ein Anlauf genommen, den deutschen Charakter zu einem eminenten Volkscharakter auszubilden, aber das wird nur eine Weile gemacht. Nachdem einiges hierin getan ist, steigt der Volksgeist wiederum zurück, hinauf, um wiederum bloß auf das Seelische zu wirken.

[ 19 ] If we now come to consider the evolution of the German folk spirit we can see something similar happening during the period between about 1750 and 1850. Yet oddly enough we have to say that in this case the folk spirit descended but then ascended again. This is what is so significant. We are able to observe a process in which the folk spirits of Western European peoples descended and took hold of those peoples. In the case of the German people we can also observe the folk spirit descending around the middle of the 18th century, but we then find it ascending again around the middle of the 19th century. The situation is therefore quite a different one. A beginning was made to develop the German character into an eminently national one, but it was only done for a while. When some of this had been done the folk spirit ascended again, once again to act only on the soul element.

[ 20 ] Die Blütezeit des deutschen Geisteslebens fällt in die Zeit, wo der Volksgeist am tiefsten heruntergestiegen war. Selbstverständlich bleibt der Volksgeist seinem Volke. Aber er hält sich jetzt wieder in geistigen Höhen auf. Das ist das Eigentümliche des deutschen Volksgeistes. Auch früher ist er schon heruntergestiegen, hat aber dann wieder abgelassen von einem zu starken Nationalisieren. Ein solches Kristallisieren in der Nationalität, wie bei den westlichen Völkern, kann beim deutschen Volke durch die Eigentümlichkeit des deutschen Volksgeistes gar nicht eintreten. Daher muß das deutsche Wesen immer universeller bleiben als andere Volkswesen. Es hängen diese Dinge in der Tat mit tiefen Wahrheiten der geistigen Welten zusammen. Würde man in der Zeit Goethes den deutschen Volksgeist gesucht haben, würde man ihn etwa auf demselben Niveau gefunden haben, wo man den englischen oder französischen oder italienischen Volksgeist gefunden hätte. Sucht man ihn heute, dann muß man höher hinaufsteigen. Es werden wieder Zeiten kommen, wo er heruntersteigt, es werden wieder Zeiten kommen, wo er hinaufsteigt. Das Hin- und Herschwingen ist das Eigentümliche des deutschen Volksgeistes.

[ 20 ] German cultural life had its flowering period at the time when the folk spirit had descended to the lowest level. The folk spirit will of course always remain with these people, but it is now again in spiritual heights. That is the peculiar thing about the German folk spirit. It did descend at an earlier time but it then stopped before the people became too strongly national. The Western European peoples have become very much crystallized in their national characteristics, but in the case of the German people this cannot happen because of the peculiar nature of the German folk spirit. The result is that German attitudes will always have to remain more universal than those of other peoples. These things relate to profound realities in the spiritual world. If we had been looking for the German folk spirit in Goethe's time we would have found it at about the same level as the English, French or Italian folk spirit. If we want to look for it today we have to go higher up. There will be times when it descends again and others when it ascends again. It is this to-and-fro movement which is so characteristic of the German folk spirit.

[ 21 ] Beim russischen Volksgeist ist es so, daß er überhaupt nicht heruntersteigt, um das Volk durchzukristallisieren, sondern immer etwas bleibt wie eine über dem Volkstum schwebende Wolke, so daß man ihn immer wird oben zu suchen haben, und daher kann dieses Volk erst dann eine geistige Entwickelung durchmachen, wenn es sich bequemen wird, das, was erarbeitet wird im Westen, mit seinem eigenen Wesen zu vereinigen, um im Zusammenhange mit dem Westen eine Kultur zu begründen, weil es aus sich selbst niemals eine Kultur entfalten kann.

[ 21 ] The Russian folk spirit does not descend at all to achieve full crystallization of the people. It always remains something like a cloud hovering above the national character. We shall always have to look for it up above, and the Russian people will only enter into spiritual development when they make the effort to combine the fruits of the work done in the West of Europe with their own essential nature. They must develop their culture in conjunction with the West for they will never develop a culture out of their own resources.

[ 22 ] Alles das muß auf diese Weise verstanden werden. Und die ganze Beweglichkeit des deutschen Wesens rührt davon her, daß der Deutsche mit seinem Volksgeist nicht so zusammengewachsen ist, wie das im Westen von Europa der Fall ist. Daher auch die ungeheure Schwierigkeit, deutsches Wesen wirklich zu verstehen. Man kann es nur dann verstehen, wenn man zuzugeben in der Lage ist, daß es ein Volkswesen geben kann, dessen Volksgeist eigentlich immer nur sporadisch in die Entwickelung des Volkes eingreift. Was ich hiermit ausführe, gehört zu den schwierigsten Kapiteln in bezug auf Verständnis des geschichtlichen Werdens, daher darf man gar nicht trostlos darüber sein, wenn es einem widerspruchsvoll erscheinen wird. Aber wir leben in einem Zeitalter, in dem wir versuchen müssen, wirklich zu verstehen, worauf die Gegnerschaft beruht, welche doch so deutlich gerade in unseren schicksalschweren Tagen in Europa zutage tritt. Denn zu allem, was wir erleben, wenn man genauer zusieht, gesellt sich im Grunde genommen etwas, was man wirklich recht unbegreiflich nennen könnte, was sich erst herausstellt, wenn man genauer zusieht. Gewiß, die Deutschen werden jetzt erst merken, daß sie im Grunde genommen ungeheuer gehaßt werden. Aber man wird, wenn man genauer prüft, bemerken, daß demjenigen, was man am meisten haßt, zugrundeliegt dasjenige, was gerade die besten Eigenschaften des deutschen Wesens sind. Die schlechteren Eigenschaften haßt man gar nicht besonders.

[ 22 ] All this has to be understood in this way. The flexibility in German attitudes is due to the fact that the German has not united with his folk spirit the way this has happened in the West of Europe. This is also why it is so tremendously difficult to understand the Germans. They can only be understood if we are able to admit that it is possible to have a people whose folk spirit only comes in sporadically to intervene in their evolution. This is one of the most difficult chapters in historical development and you should not despair if it seems to be full of contradictions. We are, however, living in an age when we must try and really understand the origins of the enmity which shows itself so clearly now during these fateful days within Europe. With anything we experience, if you look more closely you'll always find that there is something coming in which might indeed be called incomprehensible and only becomes clear when we look more closely. Yes, of course, the Germans will be aware that fundamentally there is a tremendous hatred felt towards them. Looking at it more closely we shall find that this hatred is directed towards what in fact are the best qualities of the Germans. No particular hatred is directed towards their less desirable qualities.

[ 23 ] Man muß schon, wenn man in die Geheimnisse hineinblicken will, die Dinge ein wenig im Zusammenhange betrachten. Man könnte sagen: wenn jemand in Deutschland solch eine Sache sagt, dann beweist das auch, daß es einen deutschen Chauvinismus gibt: Warum sollte sonst der Deutsche anerkennend und lobend über deutsches Wesen sprechen?! — Wenn das so läge, dann würden diese Vorträge nicht gehalten werden und ich würde nicht über deutsches Wesen so sprechen. Aber daß nicht gerade deutscher Chauvinismus nötig ist, um dieses deutsche Wesen in einer gewissen Weise so zu charakterisieren, daß man aus der Charakteristik sieht, es unterscheidet sich von dem übrigen europäischen Wesen nicht zu seinem Nachteil, das möge eine Charakteristik veranschaulichen des deutschen Wesens, die ich Ihnen hier mitteilen möchte. Ernest Renan schreibt an David Friedrich Strauß: «Ich war im Seminar zu St-Sulpice, ums Jahr 1843, als ich anfing, Deutschland kennenzulernen durch die Schriften von Goethe und Herder. Ich glaubte in einen Tempel zu treten, und von dem Augenblick an machte mir alles, was ich bis dahin für eine der Gottheit würdige Pracht gehalten hatte, nur noch den Eindruck welker und vergilbter Papierblumen. ... Deutschland hat den besten nationalen Rechtstitel, nämlich eine geschichtliche Rolle von höchster Bedeutung, eine Seele, möchte ich sagen, eine Literatur, Männer von Genie, eine eigentümliche Auffassung göttlicher und menschlicher Dinge. Deutschland hat die bedeutendste Revolution der neueren Zeiten, die Reformation, gemacht; außerdem hat sich in Deutschland seit einem Jahrhundert eine der schönsten geistigen Entwicklungen vollzogen, welche die Geschichte kennt, eine Entwicklung, die, wenn ich den Ausdruck wagen darf, dem menschlichen Geist an Tiefe und Ausdehnung eine Stufe zugesetzt hat, so daß, wer von dieser neuen Entwicklung unberührt geblieben, zu dem, der sie durchgemacht hat, sich verhält wie einer, der nur die Elementarmathematik kennt, zu dem, der im Differentialcalcul bewandert ist.»

[ 23 ] Anyone wishing to penetrate these mysteries will have to consider these things more in their context. You might say that it is a case of German chauvinism if someone says such things now in Germany. Why should a German speak with appreciation and in praise of the German character? Yet if that were the case, these lectures would not be given and I would not speak in this way about the German people. It really does not need German chauvinism to characterize the nature of the German people in such a way that it is evident that it differs from the nature of other European peoples, and not to its disadvantage. To demonstrate this let me read to you a characterization of the nature of the German people given in a letter Ernest Renan wrote to David Friedrich Strauss. It was around 1843. when I was at the St Sulpice Seminary, that I started to learn something about Germany through the works of Goethe and Herder. I felt I was entering a temple, and from that moment onwards everything I had formerly considered magnificent and worthy of the deity appeared merely as tired and faded paper flowers… Germany has the most perfect legal title, because of a historical role of the utmost significance, a soul, I would say, a literature, men of genius, a unique view of things divine and human. Germany produced the most important revolution in recent times, the Reformation; what is more, over the last century one of the most marvellous developments of intellectual and spiritual life known in history has occurred in Germany, a development which—if I dare put it like this—has taken the human mind and spirit one step further in depth and breadth. People who have not been touched by this new development are to those who have gone through it as someone who only knows elementary arithmetic is in relation to someone well versed in differential calculus.54Letter of 13 September 1870 in Strauss D. Gesammelte Schriften, (Bonn 1876 –78) Vol. I, p.311f.

[ 24 ] So also schreibt Ernest Renan an David Friedrich Strauß im Jahr 1870. Ich will auf diesen Briefwechsel nicht weiter eingehen, der außerordentlich interessant ist. Ich will nur noch erwähnen, daß Renan damals schrieb, daß man nur zwei Möglichkeiten hätte: Erstens, man würde Frankreich Land wegnehmen. Das würde bedeuten: Rache bis auf den Tod allem Germanentum, Verbrüderung mit allen möglichen Bundesgenossen. Die andere Möglichkeit: man läßt Frankreich, wie es ist, dann würde die Friedenspartei die Oberhand bekommen und sagen, wir haben große Torheiten begangen, wir wollen unsere Fehler verbessern, dann wird das Heil der Menschheit gerettet sein.

[ 24 ] So that is what Ernest Renan wrote to David Friedrich Strauss in 1870. I am not going to go into the details of their correspondence, but let me just mention that Renan also wrote that there were only two alternatives. The first would be to take away French territory. The outcome would be revenge unto death against all that is German and alliance with all kinds of confederates. The other alternative would be to leave France untouched, and then the Peace Party would gain the upper hand and say: ‘We have been extremely foolish, we want to make good where we have gone wrong, and the good of mankind will be preserved.’

[ 25 ] Diese Nebenbemerkung habe ich aus dem Grunde gemacht, um Ihnen zu zeigen, daß Renan das, was ich Ihnen eben aus seinem Briefe vorgelesen habe, in einer Stimmung geschrieben hat, in der er nicht besonders geneigt war, allzuviel zuzugeben über das, was im Laufe der Menschheitsentwickelung das deutsche Wesen geworden ist. Aber er war geneigt, dasjenige, was die Menschheit innerhalb des deutschen Wesens erobert hat, zum andern hinzustellen wie die höhere Mathematik zur Elementar-Mathematik. Man braucht nicht Chauvinist zu sein, sondern nur wiederholen das, was von Renan im Jahre 1870 geschrieben worden ist.

[ 25 ] I mention this in order to show you that when Renan wrote the letter, part of which I have just read to you, his mood was not exactly a conciliatory one with regard to the German character which had evolved in the course of human evolution. On the other hand he was prepared to represent the qualities mankind had gained through the German character in relation to everything else as being like higher mathematics in comparison to elementary arithmetic. There is no question, then, of being a chauvinist; one merely has to repeat what Renan wrote in 1870.

[ 26 ] Wir müssen wissen, wenn wir also von den Beziehungen des Menschen zu den höheren Welten sprechen, daß im Konkreten, im Wirklichen diese Beziehungen eben so sind, daß der Mensch diese Beziehungen haben kann dadurch, daß er diesen anderen in sich trägt, daß dieser andere lebt, der zur höheren geistigen Welt im selben Verhältnis steht, wie wir zur Sinneswelt stehen im Leiblichen. Wir stehen durch dasjenige, was in uns übersinnlich ist, eben zu allem, was übersinnlich ist, in einem bestimmten Verhältnis. So ist es wirklich und wahrhaftig nicht bloß eine theoretische, sondern eine lebendige Entwickelung, die wir durchmachen, wenn wir das, was als Meditationsprozeß beschrieben worden ist, in der Seele durcherleben. Unsere Seele schreibt dadurch wirklich in die geistigen Welten etwas hinein. Und sie schreibt es hinein in dasjenige, was wir im Grunde genommen selber sind. Wenn man das im richtigen Maße bedenkt, dann verbindet sich der Begriff «Darinnenstehen im lebendigen Strome der Geisteswissenschaft» mit dem Begriffe «menschliche Verantwortlichkeit», mit diesem Begriff «menschliche Verantwortlichkeit», der wirklich sich einstellen muß in der Seele des Geisteswissenschafters. Denn wir wissen, daß die Menschheit in ihrer geschichtlichen Entwickelung eben erwas durchmacht, daß sie sich wandelt. Das alte Hellsehen ist bis in unsere Tage geschwunden, und wir wissen, daß das, was an Zusammenhang mit der geistigen Welt früher vorhanden war, wieder errungen werden muß und daß Geisteswissenschaft der Weg ist, das wiederzuerringen. In den alten Zeiten, da wurde der Mensch auf rein natürliche Weise so zu seinem Leiblichen gestellt, daß er gleichsam mit einem Teil seines Wesens in den geistigen Welten darinnenstand. Weil er heute viel inniger verbunden ist mit seinem Leibe, muß er eben trachten, abseits von seinem Leibe sich ein Verständnis von der geistigen Welt zu holen. Gewissermaßen hatte der Mensch ein Erbgut in sich, das immer schwächer wurde, bis es in unserer Zeit vollständig abflutete. Deshalb muß in unserer Zeit beginnen die Arbeit, welche die Seele hinaufführt in die geistige Welt.

[ 26 ] In thus speaking of man's relationship to the higher worlds we must realize that in concrete terms, in reality, man is able to have these relations because he bears this other one within him, because this other one is alive in him who has the same relationship to the higher world of the spirit as we have to the sense-perceptible world here in our body. The supersensible, intangible part of us gives us a certain relationship to all that is supersensible. And it is a truly living development we undergo—nothing theoretical—when our heart and mind enters into the experience I have described as the process of meditation. The soul is really inscribing something into the spiritual worlds. It inscribes it into what fundamentally speaking is we ourselves. If we really think about this, the idea of ‘being within the living stream of spiritual science’ links up with the idea of ‘human responsibility’. This idea of ‘human responsibility’ really must arise in the soul of anyone pursuing spiritual science. We know that mankind is going through things in the course of historical development, that it undergoes change. Clairvoyance has been gradually disappearing and today we know that it will be necessary to regain the connection with the spiritual world that existed in the past, and that spiritual science is the path by which it can be regained. In the past, man's natural relationship to his body was such that part of him was always within the spiritual worlds. Today he is so much more closely bound up with his body that he must see to it that he gains understanding of the spiritual world independent of his body. We may say that man had a hereditary trait that gradually grew weaker and weaker and disappeared altogether in the present age. It is in our time, therefore, that work has to start that will take the soul up into the spiritual world.

[ 27 ] Und nun denken Sie sich, das Wesen des deutschen Volksgeistes sei so, daß dieser Volksgeist fortwährend den Weg hinunter zum Volk und wieder hinauf in die höhere Welt durchmacht. Warum tut er das gerade bei einem Volkstum? Aus dem Grunde, weil dadurch gerade innerhalb dieser Volkswesenheit die Kräfte hervorgerufen werden sollen, welche in die Geisteswissenschaft im eminentesten Sinne hineinführen. Wenn der Volksgeist hinuntersteigt, dann wird durch den Volksgeist in der physischen Welt ein strammer Volkscharakter bewirkt. Wenn er wieder zurückgeht, der Volksgeist, und den Nationalcharakter fluktuierend läßt, dann wird das Volk immer wieder und wieder jenes Auf- und Abfluten des Volksgeistes in den eigenen Leibern mitmachen müssen, lernt erkennen, daß alles Sein verfließt zwischen sinnlicher und übersinnlicher Welt.

[ 27 ] Can you envisage the way the German folk spirit is again and again coming down to the German peoples and then going up again into the higher world? Why does it do this with just one particular people? It is because it is intended to evoke in this particular culture the powers that will lead to spiritual science in the truest sense of the word. When the folk spirit descends it firmly establishes the folk characteristics. When it recedes again, leaving the national characteristics in a state of fluidity, the people will have to go through that upsurge and regression of the folk spirit again and again in their own bodies, and they will learn how all 'beingness' is a state of flux between the sense-perceptible and the supersensible world.

[ 28 ] Erinnern Sie sich an das, was ich vor acht Tagen hier gesagt habe, daß die ganze Literaturgeschichte der letzten Jahrzehnte umgeschrieben werden muß, weil gewisse geistige Persönlichkeiten heute vergessen sind, die viel größere Bedeutung besitzen als solche, von denen man etwas weiß. Das ist in der Zeit, in der der Volksgeist wieder hinaufgegangen ist. Nun müssen wir im eminentesten Sinne uns mit der Geisteswissenschaft verbinden, um den Volksgeist da in seinem Wiederhinaufsteigen zu finden, das heißt mit anderen Worten, der Deutsche muß sein Wesen kennenlernen, nicht bloß in der physischen Welt, sondern auch in der übersinnlichen Welt, denn in beiden ist es darinnen. Das ist wieder einer der Gründe für das, was auch in öffentlichen Vorträgen gesagt worden ist, daß eine gewisse innere Verwandtschaft besteht zwischen deutscher Geisteskultur und dem Streben nach Geisteswissenschaft. Fichte hat sich nur entwickeln können in einer Zeit, in der der Volksgeist heruntergestiegen war. Daher wird Fichte in seiner Philosophie kaum verstanden werden können oder nur falsch. Dieses ganze Leben und Weben in solchen Begriffen und Ideen, daß in diese die Ich-Wesenheit so hereingekommen ist wie in der Fichteschen Philosophie, das war in der Zeit möglich, in der der Volksgeist auf ein tieferes Niveau heruntergekommen war. Nun müssen wir ihn höher suchen und können ihn nur mit der Geisteswissenschaft finden. Das entspricht dem Verhältnis des Volksgeistes zum deutschen Volke. Es ist in der ganzen Natur der deutschen Entwickelung das darinnen, was ich genannt habe ein tiefes verwandtschaftliches Verhältnis zwischen dem deutschen Geistesleben und dem Weg, der in die Geisteswissenschaft hineinführt. Man möchte so sehr wünschen, daß wirklich diese Dinge nach und nach immer mehr und mehr verstanden werden können.

[ 28 ] You will recall my saying a week ago that the whole history of literature for recent decades will have to be rewritten. This is because certain individuals with spiritual insight have been forgotten, though they are of much greater significance than literary figures known to us today. That relates to the period when the folk spirit was once again ascending. It will now be necessary for us to unite ourselves in the greatest possible degree with spiritual science so that we may find the folk spirit in its ascent. In other words, Germans must come to understand their essential nature not just in the physical world but also in the supersensible world. It is to be found in both these worlds. This is another reason why I have said—even in public lectures—that there is a certain inner relationship between the culture of the German spirit and the striving for spiritual science. Fichte55Fichte, Johann Gottlieb (1762–1814), German idealist philosopher. could only develop his views at a time when the folk spirit had descended. Because of this his philosophy can only be imperfectly understood and must indeed be misunderstood. All that busy activity in concepts and ideas where egoic nature had entered the way it had in Fichte's philosophy was possible only at a time when the folk spirit had descended to a lower level. Today we have to look for it at a higher level and we can only find it with the aid of spiritual science. This is due to the relationship of the folk spirit to the German people. It is entirely part of the nature of German cultural development that there is a profound relationship between German cultural life and the path which leads to spiritual science. It is much to be hoped that these things will gradually come to be understood more and more clearly.

[ 29 ] Wahrhaftig, wenn man den Blick so wirft auf das, was in der Gegenwart geschieht, auf die ungeheuren Opfer, die gebracht werden müssen, auf alle die Sorgen, die die Menschen durchleben müssen gegenüber den Ereignissen, dann müßte man daraufkommen, daß sich hierin noch etwas weit, weit anderes auslebt, als was man so mit äußerem Verständnis verstehen kann. Und in einer anderen Form könnte man den Paulinischen Ausspruch zitieren: Wäre der Christus nicht auferstanden, so wäre unsere Lehre tot und tot auch unser Glaube! Für Paulus war es zur Bekräftigung desjenigen, was er der Welt zu bringen hatte, daß er hinschauen konnte auf die wirkliche Auferstehung des Christus. Man hat vielfach dieses Wort mißverstanden. Demgegenüber, was jetzt geschieht, muß man sagen: Wie drückt sich in diesen Toden doch aus der Glaube, das feste Bekenntnis, daß der Mensch mit etwas anderem zusammenhängt als mit dem, was in der Sinnenwelt bloß da ist. Nicht nur eine wirkliche religiöse Vertiefung findet statt, sondern man kann sehen, wie die Seelen, wenn sie auch nicht das volle Bewußtsein davon haben, gerade in unserer Zeit kräftigen Protest einlegen gegen allen Materialismus durch die Art, wie sie in den Tod eingehen. Wir müssen sagen: Neben allem, was die Ereignisse sonst sind, sind sie eine Arbeit in der Überwindung der materialistischen Denkweise und des materialistischen Lebens, wie es sich nach und nach entwickelt hat. Und aus einem tiefen Gefühl der Zeitentwickelung heraus muß sich die Menschenseele sagen: Wenn nun etwa dann, wenn wieder die Sonne des Friedens leuchtet, materialistische Gesinnung, materialistische Denkweise über die Erde hinziehen würde, müßte man dann nicht sagen, diese Tode alle, sie wären wahrhaftig vergebens gewesen, wenn sich nicht auf dem Felde, auf das die Verstorbenen herunterblicken können, spirituelle, geistige Gesinnung entwickeln wird? So könnten wir den Paulinischen Ausspruch umändern, und wir könnten sagen: Vergeblich wäre das Unendliche, was gelitten wird, vergeblich der Durchgang durch den Tod im physisch-jugendlichen Alter für so viele Persönlichkeiten, wenn sich dann auf den Gefilden des Friedens ausbreiten würde eine materialistische Weltanschauung und materialistisches Leben. Und wie eine mahnende Fackel müssen diese Tage auf diejenigen wirken, die in sie hineingestellt sind und tief, tief hineinleuchten in die menschlichen Gemüter und in die menschlichen Seelen, so daß ein wirklicher Wille zum Leben im Geistigen innerhalb der Menschheit entstehen könne. Wir können nicht tief genug dasjenige erleben, was in unseren Tagen geschieht. Und gerade deshalb möchte man, daß im Kreise derjenigen, die sich zur Geisteswissenschaft bekennen, der Blick erweitert werde aus dem engen Horizont, in den er heute so vielfach gebannt ist, auf einen immer weiteren Horizont. Wirklich nur dann, wenn man den ganzen Zusammenhang einsieht desjenigen, was hier auf der physischen Erde geschieht, mit dem, was in der geistigen Welt sich abspielt, kann man ein Gefühl für die Aufgaben bekommen, welche uns durch die gegenwärtige schwere Zeit gestellt werden.

[ 29 ] It really has to be said that if you consider the events of the present time, the enormous sacrifices that have to be made, all the difficulties people have to live through because of present events, it should be obvious that what is coming to expression here is something far, far beyond anything we are able to comprehend by taking an external view. And we might paraphrase the words written by St Paul: ‘And if Christ be not risen, then is our preaching vain and your faith is also vain.’56I Corinthians 15: 14. Paul found affirmation for what he had to give to the world in the reality of the Resurrection. His words have been much misunderstood. With regard to what is happening now, we have to say: ‘These deaths give expression to the belief, to the firm avowal, that man relates to more than merely the things existing in the world accessible to the senses.’ It is not only that religious feeling is growing more profound, but it is possible to see that in these very times we live in souls are forcefully protesting against the whole of materialism, and they do this by the way in which they enter into death. We have to say that whatever else these events represent they also contribute to the overcoming of materialistic ways of thinking and the materialistic way of life which has gradually evolved. Out of a profound awareness of current developments, the human soul has to say to itself: ‘If it were to happen that materialistic attitudes, materialistic ways of thinking were to prevail on earth once the sun of peace is shining again, would we not have to say that all these deaths must have been in vain—unless a spiritual way of thinking develops on the plane that lies open to the gaze of the dead?’ We might therefore paraphrase the words of St Paul as follows: ‘All the infinite suffering would be in vain, and all the many individuals would have gone through death in vain at such a young physical age if a materialistic way of thinking and a materialistic way of life were to spread in the fields of peace.’ These days will have to be like a great warning beacon for those who live through them, a light entering deeply into human hearts and minds and souls, that man shall develop a genuine desire to live in the sphere of the spirit. We cannot concern ourselves deeply enough with the events of our time. And this is also why one hopes that vision will broaden among those who profess themselves anthroposophists to extend beyond the narrow horizon that tends to limit it, towards an ever-expanding horizon. We really must come to understand the way everything happening here on earth is connected with events taking place in the spiritual world. This will give us a feeling for the tasks set for us in the difficult times of the present.

[ 30 ] Es gibt Leute, die so leichthin betonen, daß das, was jetzt sich abspielt, nichts zu tun zu haben brauche mit dem, was die einzelnen Völker als ihre geistige Entwickelung durchmachen. Für denjenigen, der die Dinge in ihrem wirklichen Gange zu durchschauen vermag, für den ist alles das, was sich in der äußeren Welt abspielt, ein Ausdruck des Geistigen. Und daran wollen wir immer mehr und mehr festhalten, wollen immer mehr versuchen, gerade durch diejenigen Empfindungen, die uns aus der Geisteswissenschaft kommen können, unser Selbst loszulösen vom engeren Kreise und gerade dieses unser durch die Geisteswissenschaft sich loslösende Selbst vereinigen mit den großen Ereignissen, die geschehen; vergessen das, was uns nur angeht als Persönlichkeiten, und zusammenwachsen mit dem, was die ganze Menschheit heute Erschütterndes erleben muß.

[ 30 ] Some people have a facile way of saying that present events need not have anything to do with the spiritual development individual nations are undergoing. To anyone able to see through these things and discern their true course, everything happening in the external world is an expression of something spiritual. Let us hold on to this more and more, let us try more and more to use the very experiences that can come to us through spiritual science to take our self out of those narrower confines and to unite this self, a self freed by spiritual science, with the great events now taking place. Let us forget purely personal concerns and grow together with the profoundly disturbing events mankind as a whole must now experience.

[ 31 ] Das ist es, was ich auch durch die verschiedenen Auseinandersetzungen dieser Vorträge hier habe in Ihnen hervorrufen wollen und wovon ich gern möchte, daß es weiter durchgedacht wird, bis wir uns wohl im April hier wiedersehen werden. Denn nur dann, wenn wirklich demjenigen, was jetzt geprüft durch die großen Ereignisse hinaufgeht in die geistige Welt und von dort herunterwirkt, Verständnis begegnet, wie es aus Geist-Erkenntnis gewonnen werden kann, kann das erreicht werden, wozu uns diese Ereignisse auffordern. Wahr ist es:

[ 31 ] This is the note I wanted to strike in your hearts with the things put forward in these lectures. I very much hope that they will be pondered before we meet again in April. An element put through the test of the great events of our time is now ascending into the spiritual world and bringing an influence to bear from up there. It must be met with the kind of understanding that can be won through spiritual insight, for only then will it be possible to achieve what these events are challenging us to achieve. It is true that:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

Out of courage shown in battle,
Out of the blood shed in war,
Out of the grief of those who are left,
Out of the people's deeds of sacrifice
Spirit fruits will come to grow
If souls with knowledge of the spirit
Turn their mind to spirit realms.