Human Destinies and the Destinies of Nations
GA 157
10 June 1915, Berlin
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Menschenschicksale und Völkerschicksale
Zwölfter Vortrag
Zwölfter Vortrag
[ 1 ] Wir gedenken wiederum zuerst derjenigen, die draußen auf den großen Feldern der Ereignisse der Gegenwart stehen:
[ 1 ] Wir gedenken wiederum zuerst derjenigen, die draußen auf den großen Feldern der Ereignisse der Gegenwart stehen:
Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.
Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.
[ 2 ] Und für diejenigen, die infolge dieser Ereignisse schon durch die Pforte des Todes gegangen sind:
[ 2 ] Und für diejenigen, die infolge dieser Ereignisse schon durch die Pforte des Todes gegangen sind:
Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.
Geister eurer Seelen, wirkende Wächter,
Eure Schwingen mögen bringen
Unserer Seelen bittende Liebe
Eurer Hut vertrauten Sphärenmenschen,
Daß, mit eurer Macht geeint,
Unsre Bitte helfend strahle
Den Seelen, die sie liebend sucht.
[ 3 ] Der Geist, den wir durch unsere erstrebte Geist-Erkenntnis suchen, der Geist, der zu der Erde Heil, zu der Menschheit Freiheit und Fortschritt durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der sei mit euch und euren schweren Pflichten!
[ 3 ] Der Geist, den wir durch unsere erstrebte Geist-Erkenntnis suchen, der Geist, der zu der Erde Heil, zu der Menschheit Freiheit und Fortschritt durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, der sei mit euch und euren schweren Pflichten!
[ 4 ] Meine leben Freunde, wenn das Karma der Zeit, das Karma unserer Bewegung einmal es gestatten werden, daß der Bau, der zur Pflege unserer Bewegung in Dornach aufgerichtet werden soll, fertiggestellt werden kann, dann wird an einem bedeutungsvollen Orte, an dem Orte, der nach dem Osten zu gerichtet ist, eine plastische Gruppe stehen.
[ 4 ] Meine leben Freunde, wenn das Karma der Zeit, das Karma unserer Bewegung einmal es gestatten werden, daß der Bau, der zur Pflege unserer Bewegung in Dornach aufgerichtet werden soll, fertiggestellt werden kann, dann wird an einem bedeutungsvollen Orte, an dem Orte, der nach dem Osten zu gerichtet ist, eine plastische Gruppe stehen.
[ 5 ] Es ist ja das Bestreben, durch künstlerischen, und zwar im geisteswissenschaftlichen Sinne künstlerischen Ausdruck, innerhalb unseres Baues uns auch wirklich vor die Augen, vor die physischen Augen hinzustellen, was Inhalt und Substanz unserer geistigen Bewegung sein soll, und vor allen Dingen dasjenige, was sie bedeuten soll der Zeit und der Fortentwickelung der Menschheit auf geistigem und kulturellem Gebiet überhaupt. Ich möchte sagen: alles einzelne soll so eingerichtet werden, daß es erscheint als Teil nicht nur einer geisteswissenschaftlichen Gesamtheit, sondern erscheint als Teil von künstlerischen Formen, aber auch sogar von künstlerischen Einrichtungen. So versuchen wir ja das Problem der Akustik in diesem Bau zu lösen. Gewiß werden solche Probleme nicht gleich auf den ersten Anhieb gelöst werden, aber Richtung wird wenigstens gegeben werden, indem gezeigt werden wird, wie man durch geometrische Berechnung oder durch die gewöhnlichen architektonischen äußeren künstlerischen Regeln das Problem der Akustik nicht lösen kann, sondern nur auf dem Wege des geisteswissenschaftlichen Denkens.
[ 5 ] Es ist ja das Bestreben, durch künstlerischen, und zwar im geisteswissenschaftlichen Sinne künstlerischen Ausdruck, innerhalb unseres Baues uns auch wirklich vor die Augen, vor die physischen Augen hinzustellen, was Inhalt und Substanz unserer geistigen Bewegung sein soll, und vor allen Dingen dasjenige, was sie bedeuten soll der Zeit und der Fortentwickelung der Menschheit auf geistigem und kulturellem Gebiet überhaupt. Ich möchte sagen: alles einzelne soll so eingerichtet werden, daß es erscheint als Teil nicht nur einer geisteswissenschaftlichen Gesamtheit, sondern erscheint als Teil von künstlerischen Formen, aber auch sogar von künstlerischen Einrichtungen. So versuchen wir ja das Problem der Akustik in diesem Bau zu lösen. Gewiß werden solche Probleme nicht gleich auf den ersten Anhieb gelöst werden, aber Richtung wird wenigstens gegeben werden, indem gezeigt werden wird, wie man durch geometrische Berechnung oder durch die gewöhnlichen architektonischen äußeren künstlerischen Regeln das Problem der Akustik nicht lösen kann, sondern nur auf dem Wege des geisteswissenschaftlichen Denkens.
[ 6 ] Der kuppelförmige Überbau wird ein doppelter sein, und er wird nach dem Prinzip des Violinresonanzbodens wirken und damit einen Teil des akustischen Gedankens des Raumes zum Ausdruck bringen. Vieles einzelne würde in Betracht kommen, wenn man die Einrichtungen klarlegen wollte gerade mit Bezug darauf, daß das Wort oder auch der Ton in einer anderen Weise zur Geltung kommen, als sie so häufig zur Geltung kommen können in unserer Zeit, wo ja zuallermeist nicht Rundbauten, die für das Akustische gedacht sind, geschaffen werden, sondern Bauten, wo vor allen Dingen die Geltung des einzelnen Tones neben seinem Vor- und Nachton gar nicht zur Geltung kommen kann, weil dabei an gewissen Punkten der Räume immer der eine in den anderen hineinschwimmen kann. Es wird versucht werden, daß ein Ton klar auseinandergelegt zur Geltung kommen kann von allen Punkten des Raumes, und auch zur Geltung kommen kann das klar gesprochene Wort. Aber das will ich nur andeuten. Hauptsächlich möchte ich sprechen über die Gruppe, welche gegen Osten zu an einer wichtigen Stelle des Baues stehen wird. Sie soll darstellen zunächst eine Gruppe von drei Wesenheiten. Was noch dazukommt, das wird vielleicht bei einer späteren Gelegenheit einmal erwähnt werden können, weil diese Dinge ja nicht nach einem von vornherein gefaßten abstrakten Gedanken gearbeitet werden, sondern nach den Intuitionen der geistigen Welt, wie sie sich im Laufe der Arbeit ergeben.
[ 6 ] Der kuppelförmige Überbau wird ein doppelter sein, und er wird nach dem Prinzip des Violinresonanzbodens wirken und damit einen Teil des akustischen Gedankens des Raumes zum Ausdruck bringen. Vieles einzelne würde in Betracht kommen, wenn man die Einrichtungen klarlegen wollte gerade mit Bezug darauf, daß das Wort oder auch der Ton in einer anderen Weise zur Geltung kommen, als sie so häufig zur Geltung kommen können in unserer Zeit, wo ja zuallermeist nicht Rundbauten, die für das Akustische gedacht sind, geschaffen werden, sondern Bauten, wo vor allen Dingen die Geltung des einzelnen Tones neben seinem Vor- und Nachton gar nicht zur Geltung kommen kann, weil dabei an gewissen Punkten der Räume immer der eine in den anderen hineinschwimmen kann. Es wird versucht werden, daß ein Ton klar auseinandergelegt zur Geltung kommen kann von allen Punkten des Raumes, und auch zur Geltung kommen kann das klar gesprochene Wort. Aber das will ich nur andeuten. Hauptsächlich möchte ich sprechen über die Gruppe, welche gegen Osten zu an einer wichtigen Stelle des Baues stehen wird. Sie soll darstellen zunächst eine Gruppe von drei Wesenheiten. Was noch dazukommt, das wird vielleicht bei einer späteren Gelegenheit einmal erwähnt werden können, weil diese Dinge ja nicht nach einem von vornherein gefaßten abstrakten Gedanken gearbeitet werden, sondern nach den Intuitionen der geistigen Welt, wie sie sich im Laufe der Arbeit ergeben.
[ 7 ] Zunächst kommen drei Wesenheiten in Betracht. Eine steht aufrecht da. Sie drückt aus, wenn ich so sagen darf — aber nun nicht auf sinnbildliche, symbolische Weise, wie man das so oft auch in unseren Kreisen auszulegen versucht hat, sondern sie drückt aus in einer wirklichen künstlerischen Weise dasjenige, was der Mensch als solcher ist.
[ 7 ] Zunächst kommen drei Wesenheiten in Betracht. Eine steht aufrecht da. Sie drückt aus, wenn ich so sagen darf — aber nun nicht auf sinnbildliche, symbolische Weise, wie man das so oft auch in unseren Kreisen auszulegen versucht hat, sondern sie drückt aus in einer wirklichen künstlerischen Weise dasjenige, was der Mensch als solcher ist.
[ 8 ] Gewiß wird man in dieser Gestalt sehen können, daß das Irdisch-Menschliche am konzentriertesten in derjenigen Gestalt zum Ausdruck gekommen ist, in welcher gewohnt hat während dreier Jahre der Christus — gewiß wird man in dieser Gestalt auch sehen können, der Ausdruck sei der des Christus. Aber man wird die ganze Sache nicht pressen dürfen, nicht mit der Idee vor die Gruppe treten können: ich werde jetzt mir den Christus ansehen. Wenn jemand auf die Idee kommt, aus seinem eigenen Empfinden heraus und aus künstlerischer Intuition heraus, so wird es gut sein; aber richtig ist es nicht, gleich mit der Idee, das sei der Christus, an die Gruppe heranzutreten. Nicht darauf kommt es an, gleich wiederum mit der Symbolik an die Sache heranzutreten, das sei der Christus.
[ 8 ] Gewiß wird man in dieser Gestalt sehen können, daß das Irdisch-Menschliche am konzentriertesten in derjenigen Gestalt zum Ausdruck gekommen ist, in welcher gewohnt hat während dreier Jahre der Christus — gewiß wird man in dieser Gestalt auch sehen können, der Ausdruck sei der des Christus. Aber man wird die ganze Sache nicht pressen dürfen, nicht mit der Idee vor die Gruppe treten können: ich werde jetzt mir den Christus ansehen. Wenn jemand auf die Idee kommt, aus seinem eigenen Empfinden heraus und aus künstlerischer Intuition heraus, so wird es gut sein; aber richtig ist es nicht, gleich mit der Idee, das sei der Christus, an die Gruppe heranzutreten. Nicht darauf kommt es an, gleich wiederum mit der Symbolik an die Sache heranzutreten, das sei der Christus.
[ 9 ] Da steht diese Figur an einem kleinen Hang eines Felsens; hinter ihr erhebt sich der Fels in die Höhe. Sie steht mit den Füßen an einer Ausladung des Felsens. Diese Ausladung hat eine tief hineingehende Höhle. In dieser Höhle sitzt eine andere Wesenheit; ich möchte sagen, sie ist dort hingekauert; eine Wesenheit, die zum Ausdruck bringen soll etwas, was zusammenhängt mit der Wesenheit, die darüber steht. Diese Wesenheit, die sieht man so, daß sie etwas wie Kräfte von ihren Händen ausstrahlen, ausströmen läßt. Man sieht dann noch in der Felsenhöhle, wie diese Kräfte hineinstrahlen. Es ist die Hand in der Felsenhöhle drinnen; Kräfte strahlen aus und drücken sich in der Form einer Hand in dem Felsen ab. Es ist die Hand noch zu sehen, aber es ist nicht die Hand, es sind die Kräfte da und drücken sich in Form einer Hand ab.
[ 9 ] Da steht diese Figur an einem kleinen Hang eines Felsens; hinter ihr erhebt sich der Fels in die Höhe. Sie steht mit den Füßen an einer Ausladung des Felsens. Diese Ausladung hat eine tief hineingehende Höhle. In dieser Höhle sitzt eine andere Wesenheit; ich möchte sagen, sie ist dort hingekauert; eine Wesenheit, die zum Ausdruck bringen soll etwas, was zusammenhängt mit der Wesenheit, die darüber steht. Diese Wesenheit, die sieht man so, daß sie etwas wie Kräfte von ihren Händen ausstrahlen, ausströmen läßt. Man sieht dann noch in der Felsenhöhle, wie diese Kräfte hineinstrahlen. Es ist die Hand in der Felsenhöhle drinnen; Kräfte strahlen aus und drücken sich in der Form einer Hand in dem Felsen ab. Es ist die Hand noch zu sehen, aber es ist nicht die Hand, es sind die Kräfte da und drücken sich in Form einer Hand ab.
[ 10 ] Es ist eine Wesenheit, die eigentlich nur dem Kopf nach eine an den Menschen erinnernde, eine dem Menschen ähnliche Gestalt hat. Sonst hat sie große, mächtige fledermausartige Flügel und einen drachen- oder wurmförmigen Leib. Man sieht etwas, was sich um die Gestalt herumwindet und unter dem sich die Gestalt selbst windet. Und man sieht, daß das, was sich um die Gestalt herumwindet, zusammenhängt mit der aufrechtstehenden Gestalt, daß es mit der ausgestreckten Hand der Gestalt in Verbindung steht. Von der strahlen Kräfte hinein, und die bringen etwas zum Umwinden. Man wird, wenn man ein wenig den Eindruck auf die eigene Seele spielen läßt, zu der Empfindung kommen, daß das das Gold ist, das da innen in den Klüften der Erde fließt, und daß die Gestalt da innen durch das Gold in den Klüften der Erde gefesselt ist.
[ 10 ] Es ist eine Wesenheit, die eigentlich nur dem Kopf nach eine an den Menschen erinnernde, eine dem Menschen ähnliche Gestalt hat. Sonst hat sie große, mächtige fledermausartige Flügel und einen drachen- oder wurmförmigen Leib. Man sieht etwas, was sich um die Gestalt herumwindet und unter dem sich die Gestalt selbst windet. Und man sieht, daß das, was sich um die Gestalt herumwindet, zusammenhängt mit der aufrechtstehenden Gestalt, daß es mit der ausgestreckten Hand der Gestalt in Verbindung steht. Von der strahlen Kräfte hinein, und die bringen etwas zum Umwinden. Man wird, wenn man ein wenig den Eindruck auf die eigene Seele spielen läßt, zu der Empfindung kommen, daß das das Gold ist, das da innen in den Klüften der Erde fließt, und daß die Gestalt da innen durch das Gold in den Klüften der Erde gefesselt ist.
[ 11 ] Die andere Hand ist nach aufwärts gerichtet. Und dort oben auf dem Felsen ist nun wieder eine, dem Kopf nach menschliche Gestalt, nicht mit Fledermausflügeln, sondern mit zu Boden hängenden Flügeln; und der Körper ist in einer Weise gestaltet, daß man eine Ahnung haben kann: ja, was ist dieser Körper? Der Körper ist so etwas, als wenn der ganze Mensch Gesicht geworden wäre; als wenn ein Gesicht in die Länge gezogen wäre, elastisch ausgezogen und dadurch Körperformen entstanden wären. Diese Gestalt ist oben auf dem höchsten Gipfel des Felsens, und sie stürzt hinunter. Im Hinuntersturz werden die Flügel gebrochen. Und man sieht, daß die von der Hauptgestalt hinauflangende Hand sich abdrückt im Flügel.
[ 11 ] Die andere Hand ist nach aufwärts gerichtet. Und dort oben auf dem Felsen ist nun wieder eine, dem Kopf nach menschliche Gestalt, nicht mit Fledermausflügeln, sondern mit zu Boden hängenden Flügeln; und der Körper ist in einer Weise gestaltet, daß man eine Ahnung haben kann: ja, was ist dieser Körper? Der Körper ist so etwas, als wenn der ganze Mensch Gesicht geworden wäre; als wenn ein Gesicht in die Länge gezogen wäre, elastisch ausgezogen und dadurch Körperformen entstanden wären. Diese Gestalt ist oben auf dem höchsten Gipfel des Felsens, und sie stürzt hinunter. Im Hinuntersturz werden die Flügel gebrochen. Und man sieht, daß die von der Hauptgestalt hinauflangende Hand sich abdrückt im Flügel.
[ 12 ] So haben wir drei Gestalten: der Mensch steht da in seiner Wesenheit; unter ihm, Sie ahnen es wohl, Ahriman, der in den Klüften der Erde gefesselt wird durch jene Wirkung, die ausgeübt wird von der ausgestreckten Hand der Hauptgestalt auf das in den Klüften der Erde befindliche Gold, durch das er sich selbst fesselt. Die andere Hand greift nach oben, und sie bringt die Flügel Luzifers zum Bruch, der dadurch in die Tiefe stürzt.
[ 12 ] So haben wir drei Gestalten: der Mensch steht da in seiner Wesenheit; unter ihm, Sie ahnen es wohl, Ahriman, der in den Klüften der Erde gefesselt wird durch jene Wirkung, die ausgeübt wird von der ausgestreckten Hand der Hauptgestalt auf das in den Klüften der Erde befindliche Gold, durch das er sich selbst fesselt. Die andere Hand greift nach oben, und sie bringt die Flügel Luzifers zum Bruch, der dadurch in die Tiefe stürzt.
[ 13 ] Nun kommt es darauf an, daß niemand — wie das auch ein bißchen gleich versucht worden ist, als in einem Vortrag diese Idee ausgesprochen war — in der Gegenwart schon aus den Gesetzen der Bildhauerkunst heraus diese Sache macht. Auf bloße Versinnbildlichung kommt es nicht an, sondern darauf, daß jeder einzelne Zug in den drei Wesenheiten in den aller-, allerminutiösesten Einzelheiten aus der geisteswissenschaftlichen Anschauung heraus geschaffen ist. Da wird man zu sehen haben an der Bildung der zwei ans Menschliche erinnernden Antlitze von Ahriman und Luzifer, wie man diesen Gegensatz zu denken hat. Bei Luzifer wird man es zu tun haben mit einer eigentümlichen Art der oberen Kopfbildung, an die die menschliche nur erinnert. Da ist alles Bewegung des Geistigen, da ist nichts, was uns zwingt, die einzelnen Glieder der Stirn in festen Grenzen zu halten, wie das beim Menschen der Fall ist, sondern da ist jedes einzelne am oberen Kopf so beweglich, wie die Finger und die Hände an dem Arm beweglich sind. Selbstverständlich kann man das nur hinstellen, wenn die Bewegungen die wirklichen Bewegungen sind, wie sie sich bei Luzifer finden. Und dann ist vor allem zu bemerken, daß an dieser Gestalt dasjenige da ist, was in dem Luziferwesen von dem Mondendasein zurückgeblieben ist. Das stülpt sich über das eigentliche Antlitz, das sehr tief hinein zurücktritt.
[ 13 ] Nun kommt es darauf an, daß niemand — wie das auch ein bißchen gleich versucht worden ist, als in einem Vortrag diese Idee ausgesprochen war — in der Gegenwart schon aus den Gesetzen der Bildhauerkunst heraus diese Sache macht. Auf bloße Versinnbildlichung kommt es nicht an, sondern darauf, daß jeder einzelne Zug in den drei Wesenheiten in den aller-, allerminutiösesten Einzelheiten aus der geisteswissenschaftlichen Anschauung heraus geschaffen ist. Da wird man zu sehen haben an der Bildung der zwei ans Menschliche erinnernden Antlitze von Ahriman und Luzifer, wie man diesen Gegensatz zu denken hat. Bei Luzifer wird man es zu tun haben mit einer eigentümlichen Art der oberen Kopfbildung, an die die menschliche nur erinnert. Da ist alles Bewegung des Geistigen, da ist nichts, was uns zwingt, die einzelnen Glieder der Stirn in festen Grenzen zu halten, wie das beim Menschen der Fall ist, sondern da ist jedes einzelne am oberen Kopf so beweglich, wie die Finger und die Hände an dem Arm beweglich sind. Selbstverständlich kann man das nur hinstellen, wenn die Bewegungen die wirklichen Bewegungen sind, wie sie sich bei Luzifer finden. Und dann ist vor allem zu bemerken, daß an dieser Gestalt dasjenige da ist, was in dem Luziferwesen von dem Mondendasein zurückgeblieben ist. Das stülpt sich über das eigentliche Antlitz, das sehr tief hinein zurücktritt.
[ 14 ] Sie können sich aus dieser Beschreibung schon denken, daß wir es mit ganz anderem zu tun haben als mit dem gewöhnlichen menschlichen Antlitz. Es ist, wie wenn der Schädelkopf für sich wäre und unten hineingesteckt dasjenige, was beim Menschen das Antlitz ist. Und dann kommt noch etwas hinzu: daß eine gewisse Verbindung gerade bei Luzifer hinzutritt zwischen dem Ohr und dem Kehlkopf. Ohr und Kehlkopf sind ja beim Menschen erst seit seinem Erdendasein auseinandergeschnitten; sie waren im Mondendasein ein einziges Organ. Was die kleinen Flügel am Kehlkopf sind, das waren mächtige Verbreiterungen, die dann die untere Ohrmuschel bildeten. Mächtige Ohrmuscheln bildeten sich etwa da, während das obere Ohr, was jetzt nach außen geht, von der Stirn aus gebildet ist. Und was heute getrennt ist, so daß, wenn wir sprechen und singen, dieses nach außen geht und wir nur mit dem Ohr zuhören, das ging während der Mondenzeit nach innen und von da in die Sphärenmusik. Der ganze Mensch war Ohr. Das kommt daher, daß das Ohr die Flügel waren; so daß Sie haben Ohr, Kehlkopf und Flügelbildungen, die nach den Schwingungen des Weltenäthers sich harmonisch-melodisch bewegen, die dann hervorbringen die eigentümliche Erscheinung des Luzifer; die heranbringen, was makrokosmisch ist, denn Luzifer hat nur lokalisiert, was eigentlich nur kosmisch ist.
[ 14 ] Sie können sich aus dieser Beschreibung schon denken, daß wir es mit ganz anderem zu tun haben als mit dem gewöhnlichen menschlichen Antlitz. Es ist, wie wenn der Schädelkopf für sich wäre und unten hineingesteckt dasjenige, was beim Menschen das Antlitz ist. Und dann kommt noch etwas hinzu: daß eine gewisse Verbindung gerade bei Luzifer hinzutritt zwischen dem Ohr und dem Kehlkopf. Ohr und Kehlkopf sind ja beim Menschen erst seit seinem Erdendasein auseinandergeschnitten; sie waren im Mondendasein ein einziges Organ. Was die kleinen Flügel am Kehlkopf sind, das waren mächtige Verbreiterungen, die dann die untere Ohrmuschel bildeten. Mächtige Ohrmuscheln bildeten sich etwa da, während das obere Ohr, was jetzt nach außen geht, von der Stirn aus gebildet ist. Und was heute getrennt ist, so daß, wenn wir sprechen und singen, dieses nach außen geht und wir nur mit dem Ohr zuhören, das ging während der Mondenzeit nach innen und von da in die Sphärenmusik. Der ganze Mensch war Ohr. Das kommt daher, daß das Ohr die Flügel waren; so daß Sie haben Ohr, Kehlkopf und Flügelbildungen, die nach den Schwingungen des Weltenäthers sich harmonisch-melodisch bewegen, die dann hervorbringen die eigentümliche Erscheinung des Luzifer; die heranbringen, was makrokosmisch ist, denn Luzifer hat nur lokalisiert, was eigentlich nur kosmisch ist.
[ 15 ] Sie werden da sehen, daß man Konzessionen machen muß, damit die Menschen nicht erschrecken, wenn sie ein Gesicht sehen, das uns nicht Menschengestalt zeigt. Dann werden Sie sehen, daß sein Gesicht langgestreckt sein muß. Luzifer muß aussehen wie ein in die Länge gezogenes Antlitz, denn er ist ja ganz Ohr, die Flügel sind ja ganz Ohr, eine in die Länge gezogene Ohrmuschel. Der Ahriman dagegen ist genau das Gegenteil, und natürlich ist, daß in der Modellierung überall da, wo bei Luzifer etwas mächtig ausgedehnt ist, wo wir bei Luzifer völlig ausgestalten, bei Ahriman nur Andeutungen sind. Während bei Luzifer der Stirnflügel mächtig ausgebildet ist, ist es bei Ahriman der Unterkiefer. Der ganze Materialismus der Welt drückt sich in der Bildung des Kau- und Zahnsystems aus.
[ 15 ] Sie werden da sehen, daß man Konzessionen machen muß, damit die Menschen nicht erschrecken, wenn sie ein Gesicht sehen, das uns nicht Menschengestalt zeigt. Dann werden Sie sehen, daß sein Gesicht langgestreckt sein muß. Luzifer muß aussehen wie ein in die Länge gezogenes Antlitz, denn er ist ja ganz Ohr, die Flügel sind ja ganz Ohr, eine in die Länge gezogene Ohrmuschel. Der Ahriman dagegen ist genau das Gegenteil, und natürlich ist, daß in der Modellierung überall da, wo bei Luzifer etwas mächtig ausgedehnt ist, wo wir bei Luzifer völlig ausgestalten, bei Ahriman nur Andeutungen sind. Während bei Luzifer der Stirnflügel mächtig ausgebildet ist, ist es bei Ahriman der Unterkiefer. Der ganze Materialismus der Welt drückt sich in der Bildung des Kau- und Zahnsystems aus.
[ 16 ] Natürlich kann man das alles nicht nach der Beschreibung machen, sondern man muß die Beschreibung hinterher geben. Dasjenige aber, was besonders wichtig ist, meine lieben Freunde, das ist: es hat sich die Notwendigkeit ergeben, bei der Hauptgestalt einmal abzugehen von dem, was jedem so natürlich erscheint, daß man ein menschliches Antlitz symmetrisch macht. In der Regel erscheint ein Antlitz symmetrisch. Im kleinen sind ja Asymmetrien bei jedem vorhanden, es ist nur nicht so stark sichtbar, daß man es bemerkt. Aber bei dieser Hauptgestalt kommt das in Betracht, daß die ganze linke Seite hinauftendiert zu Luzifer, und daß die linke Stirnbildung eine andere ist als die rechte Stirnbildung, die nach Ahriman hintendiert. Es folgt die linke Hälfte des Gesichtes der nach oben bewegten Hand und die rechte Hälfte der nach unten bewegten Hand. Und das kommt nun zum Ausdruck, daß in die Hauptgestalt eine größere innere Beweglichkeit gelegt werden mußte, als für den Menschen da sein kann.
[ 16 ] Natürlich kann man das alles nicht nach der Beschreibung machen, sondern man muß die Beschreibung hinterher geben. Dasjenige aber, was besonders wichtig ist, meine lieben Freunde, das ist: es hat sich die Notwendigkeit ergeben, bei der Hauptgestalt einmal abzugehen von dem, was jedem so natürlich erscheint, daß man ein menschliches Antlitz symmetrisch macht. In der Regel erscheint ein Antlitz symmetrisch. Im kleinen sind ja Asymmetrien bei jedem vorhanden, es ist nur nicht so stark sichtbar, daß man es bemerkt. Aber bei dieser Hauptgestalt kommt das in Betracht, daß die ganze linke Seite hinauftendiert zu Luzifer, und daß die linke Stirnbildung eine andere ist als die rechte Stirnbildung, die nach Ahriman hintendiert. Es folgt die linke Hälfte des Gesichtes der nach oben bewegten Hand und die rechte Hälfte der nach unten bewegten Hand. Und das kommt nun zum Ausdruck, daß in die Hauptgestalt eine größere innere Beweglichkeit gelegt werden mußte, als für den Menschen da sein kann.
[ 17 ] Über dieser plastischen Gestalt wird das ganze Motiv malerisch dargestellt sein, so daß man beides nebeneinander sehen kann und einsehen, wie nach der Verschiedenheit der Künste die Malerei nicht in derselben Weise das geben kann, sondern alles, alles anders sein muß in der Ausgestaltung.
[ 17 ] Über dieser plastischen Gestalt wird das ganze Motiv malerisch dargestellt sein, so daß man beides nebeneinander sehen kann und einsehen, wie nach der Verschiedenheit der Künste die Malerei nicht in derselben Weise das geben kann, sondern alles, alles anders sein muß in der Ausgestaltung.
[ 18 ] Was ich hervorheben will, ist das Folgende: Etwas ganz Wesentliches wird sein, daß wir bildhauerisch herausbekommen die Handbewegung der Hauptgestalt, diese Hinaufbewegung der linken Hand nach oben und die andere Handbewegung nach unten. Denn das, was jeder beim ersten Blick als selbstverständlich empfinden könnte, daß die Hauptfigur mit der Linken nach Luzifer hinauflangt und durch seine Ausstrahlung dem Luzifer die Flügel bricht und mit der Rechten dem Ahriman die Goldadern umwindet, das muß vermieden werden, und zwar gerade aus dem Grunde, weil wir, besonders in unserer Zeit, durch die Geisteswissenschaft erst daran sind, den Christus wirklich zu begreifen. Der Christus ist weder ein Hassender noch ein ungerecht Liebender. Er streckt nicht die Hand aus, um dem Luzifer die Flügel zu brechen, sondern der Christus ist derjenige, der die Hand ausstreckt, weil er es muß aus seiner inneren Wesenheit heraus. Er zerbricht nicht dem Luzifer die Flügel, aber Luzifer oben verträgt nicht das, was von dieser Hand ausstrahlt und bricht sich selbst die Flügel. Es muß daher in der Gestalt des Luzifer ausgedrückt werden, daß ihm nicht von dem Christus die Flügel gebrochen werden, sondern daß er sich selbst die Flügel bricht. Es ist im Leben eine häufige Erscheinung, daß Menschen, die in der Umgebung von guten Menschen leben, es nicht aushalten können, weil sie sich durch das, was von guten Menschen ausgeht, unbehaglich berührt fühlen. Luzifer fühlt in seinem Innern etwas, was macht, daß er sich selber die Flügel bricht. Selbsterkenntnis in Luzifer, Selbsterlebnis ist dies. Ebenso in Ahriman. Christus tut den beiden nichts, so daß weder die linke noch die rechte Hand so ausgestreckt ist, als wenn er dem Luzifer oder Ahriman etwas täte. Er tut ihnen nichts, sondern sie tun sich selbst, was mit ihnen geschieht.
[ 18 ] Was ich hervorheben will, ist das Folgende: Etwas ganz Wesentliches wird sein, daß wir bildhauerisch herausbekommen die Handbewegung der Hauptgestalt, diese Hinaufbewegung der linken Hand nach oben und die andere Handbewegung nach unten. Denn das, was jeder beim ersten Blick als selbstverständlich empfinden könnte, daß die Hauptfigur mit der Linken nach Luzifer hinauflangt und durch seine Ausstrahlung dem Luzifer die Flügel bricht und mit der Rechten dem Ahriman die Goldadern umwindet, das muß vermieden werden, und zwar gerade aus dem Grunde, weil wir, besonders in unserer Zeit, durch die Geisteswissenschaft erst daran sind, den Christus wirklich zu begreifen. Der Christus ist weder ein Hassender noch ein ungerecht Liebender. Er streckt nicht die Hand aus, um dem Luzifer die Flügel zu brechen, sondern der Christus ist derjenige, der die Hand ausstreckt, weil er es muß aus seiner inneren Wesenheit heraus. Er zerbricht nicht dem Luzifer die Flügel, aber Luzifer oben verträgt nicht das, was von dieser Hand ausstrahlt und bricht sich selbst die Flügel. Es muß daher in der Gestalt des Luzifer ausgedrückt werden, daß ihm nicht von dem Christus die Flügel gebrochen werden, sondern daß er sich selbst die Flügel bricht. Es ist im Leben eine häufige Erscheinung, daß Menschen, die in der Umgebung von guten Menschen leben, es nicht aushalten können, weil sie sich durch das, was von guten Menschen ausgeht, unbehaglich berührt fühlen. Luzifer fühlt in seinem Innern etwas, was macht, daß er sich selber die Flügel bricht. Selbsterkenntnis in Luzifer, Selbsterlebnis ist dies. Ebenso in Ahriman. Christus tut den beiden nichts, so daß weder die linke noch die rechte Hand so ausgestreckt ist, als wenn er dem Luzifer oder Ahriman etwas täte. Er tut ihnen nichts, sondern sie tun sich selbst, was mit ihnen geschieht.
[ 19 ] Und damit stehen wir auf dem Boden, auf dem Geisteswissenschaft eingreift in unserer Zeit, um eine erst richtig geartete Christus-Auffassung zu geben. Und wenn man so etwas versteht, so muß man folgendes sagen. Es werden diese Dinge in aller Bescheidenheit gesagt, denn dieser Bau ist nur ein Anfang, ein allererster Anfang, ein schwacher, fehlerhafter Anfang, der nur zeigen soll, wohin der Weg, der in keiner Hinsicht vollkommen sein will, geht. Daher soll, was gesagt wird, nicht als etwas Hochmütiges, sondern nur als ein rein Sachliches aufgefaßt werden.
[ 19 ] Und damit stehen wir auf dem Boden, auf dem Geisteswissenschaft eingreift in unserer Zeit, um eine erst richtig geartete Christus-Auffassung zu geben. Und wenn man so etwas versteht, so muß man folgendes sagen. Es werden diese Dinge in aller Bescheidenheit gesagt, denn dieser Bau ist nur ein Anfang, ein allererster Anfang, ein schwacher, fehlerhafter Anfang, der nur zeigen soll, wohin der Weg, der in keiner Hinsicht vollkommen sein will, geht. Daher soll, was gesagt wird, nicht als etwas Hochmütiges, sondern nur als ein rein Sachliches aufgefaßt werden.
[ 20 ] Die Weltgeschichte hat viele Christus-Darstellungen gesehen; unter anderen ist eine der größten diejenige, die in der Sixtinischen Kapelle sich befindet: Michelangelos «Jüngstes Gericht». Wenn Sie den Christus studieren in diesem «Jüngsten Gericht», wie er da oben in seiner napoleonischen Größe, aber zugleich mit einer ungeheuren Kraft in den Lüften schwebt und nach einer Seite weist die Guten und nach der anderen Seite die Bösen, da haben Sie einen Christus, der in der Zukunft kein Christus sein kann, weil er auf der einen Seite die Guten belohnt und auf der anderen Seite die Bösen verdammt; während es für den Christen der Zukunft so sein muß, daß jeder sich durch das, was durch den Christus da ist, selber lohnt und selber verdammt. Michelangelo lebte eben in einer Zeit, wo man etwas Tiefstes in bezug auf den Christus noch gar nicht ausdrücken konnte. Die Gestalt, die Michelangelo zeichnet, hat vielmehr auf der einen Seite Luziferisches, auf der anderen Seite etwas Ahrimanisches. Das ist heute ausgesprochen etwas wie ein schmerzhaftes Wort. Aber nur dadurch schreitet die Menschenentwickelung in ihrer Kultur weiter, indem man zeigt, wie die Ideale vergangener Zeiten nicht mehr die Ideale der Zukunft sein können. Es wird über die Ideale der Zukunft kommen, daß man die Christus-Wesenheit auffaßt nach dem, was sie ist, nicht nur nach dem, was sie tut oder tun wird, wenn das Ende der Erdenentwickelung dasein wird: Eine Wesenheit, die durch ihr Sein bewirkt, was in den Seelen selbst geschehen muß. Insofern ist die Gruppe, die wir hinstellen an den bedeutsamen Ort unseres Baues, ein Ausdruck dafür, daß die bisherige Christus-Auffassung keine in die Zukunft hineingehende sein kann, weil man das richtige Verhältnis zwischen Christus, Luzifer und Ahriman gar nicht eingesehen hat. Man kann den Christus nicht verstehen, wenn man nicht das richtige Verhältnis zu den Mächten hat, die man auf der einen Seite als luziferische, auf der anderen Seite als ahrimanische ins Auge faßt, und die wirkliche Weltenmächte sind.
[ 20 ] Die Weltgeschichte hat viele Christus-Darstellungen gesehen; unter anderen ist eine der größten diejenige, die in der Sixtinischen Kapelle sich befindet: Michelangelos «Jüngstes Gericht». Wenn Sie den Christus studieren in diesem «Jüngsten Gericht», wie er da oben in seiner napoleonischen Größe, aber zugleich mit einer ungeheuren Kraft in den Lüften schwebt und nach einer Seite weist die Guten und nach der anderen Seite die Bösen, da haben Sie einen Christus, der in der Zukunft kein Christus sein kann, weil er auf der einen Seite die Guten belohnt und auf der anderen Seite die Bösen verdammt; während es für den Christen der Zukunft so sein muß, daß jeder sich durch das, was durch den Christus da ist, selber lohnt und selber verdammt. Michelangelo lebte eben in einer Zeit, wo man etwas Tiefstes in bezug auf den Christus noch gar nicht ausdrücken konnte. Die Gestalt, die Michelangelo zeichnet, hat vielmehr auf der einen Seite Luziferisches, auf der anderen Seite etwas Ahrimanisches. Das ist heute ausgesprochen etwas wie ein schmerzhaftes Wort. Aber nur dadurch schreitet die Menschenentwickelung in ihrer Kultur weiter, indem man zeigt, wie die Ideale vergangener Zeiten nicht mehr die Ideale der Zukunft sein können. Es wird über die Ideale der Zukunft kommen, daß man die Christus-Wesenheit auffaßt nach dem, was sie ist, nicht nur nach dem, was sie tut oder tun wird, wenn das Ende der Erdenentwickelung dasein wird: Eine Wesenheit, die durch ihr Sein bewirkt, was in den Seelen selbst geschehen muß. Insofern ist die Gruppe, die wir hinstellen an den bedeutsamen Ort unseres Baues, ein Ausdruck dafür, daß die bisherige Christus-Auffassung keine in die Zukunft hineingehende sein kann, weil man das richtige Verhältnis zwischen Christus, Luzifer und Ahriman gar nicht eingesehen hat. Man kann den Christus nicht verstehen, wenn man nicht das richtige Verhältnis zu den Mächten hat, die man auf der einen Seite als luziferische, auf der anderen Seite als ahrimanische ins Auge faßt, und die wirkliche Weltenmächte sind.
[ 21 ] Man kann diese Sache durch einen Vergleich klarmachen, indem man immer wieder auf das Pendel hinweist. Das Pendel schwingt nach links und rechts. Indem es nach einer Seite ausschlägt, ist es nicht in der Gleichgewichtslage, und indem es nach der anderen Seite ausschlägt, ist es nicht in der Gleichgewichtslage. Aber es wäre nur in Nichtstun, in Trägheit, im Faulenzen, wollte es immer in der Gleichgewichtslage sein, wollte es nicht ausschlagen. Die richtige Lage hat es, wenn es in der Mitte steht; aber es kann nicht bloß in der Mitte stehen, es muß nach rechts und links ausschlagen.
[ 21 ] Man kann diese Sache durch einen Vergleich klarmachen, indem man immer wieder auf das Pendel hinweist. Das Pendel schwingt nach links und rechts. Indem es nach einer Seite ausschlägt, ist es nicht in der Gleichgewichtslage, und indem es nach der anderen Seite ausschlägt, ist es nicht in der Gleichgewichtslage. Aber es wäre nur in Nichtstun, in Trägheit, im Faulenzen, wollte es immer in der Gleichgewichtslage sein, wollte es nicht ausschlagen. Die richtige Lage hat es, wenn es in der Mitte steht; aber es kann nicht bloß in der Mitte stehen, es muß nach rechts und links ausschlagen.
[ 22 ] So ist das Menschenleben. Es ist nicht so, daß man sagen kann: Ich fliehe Luzifer, ich fliehe Ahriman. — Wollte man sagen, ich fliehe Luzifer, ich fliehe Ahriman, das wäre nicht Leben. Das wäre wie ein Pendel, das nicht ausschlägt. Das Menschenleben schlägt wirklich aus; auf der einen Seite nach Luzifer, auf der anderen Seite nach Ahriman. Und daß man nicht Furcht hat davor, das ist das Wichtige. Würde man Luzifer fliehen, so gäbe es keine Kunst; würde man Ahriman fliehen, gäbe es keine äußere Wissenschaft. Denn alle Kunst, die nicht von Geisteswissenschaft durchdrungen ist, ist luziferisch, und alle äußere Wissenschaft, insofern sie nicht Geisteswissenschaft ist, ist ahrimanisch. So pendelt der Mensch hin und her. Und daf3 er einsieht, daß er im Gleichgewicht und nicht in der Ruhe sein will, das ist das Wichtige. Es hat eine Zeit gegeben, wo man gesagt hat: man muß das Luziferische fliehen und asketisch sich frei davon machen. Das Luziferische nicht fliehen, sondern wirklich dem luziferischen Antlitz gegenüberstehen, das ist es, worauf es ankommt, wirklich nach der einen Seite hin zu Luzifer, nach der anderen Seite hin zu Ahriman ausschlagen. Das ist es, daß es wirklich einander entgegengesetzte Kräfte sind, wie andere Naturkräfte, zum Beispiel die beiden Elektrizitäten oder die beiden Pole des Magnetismus und so weiter. Also darauf wird es ankommen, daß man diese Dreiheit, das Luziferische, das Ahrimanische und das, was die Christus-Wesenheit ist, erkennt, und daß man innerlich die wirkliche in sich gebaute Größe des Christus erkennt, die der Michelangelosche Christus noch nicht hat. Das, meine lieben Freunde, ist die Aufgabe der geisteswissenschaftlichen Arbeit. Aber wir stehen damit erst am Anfang einer Erkenntnis, die wirklich erst die gewöhnliche werden muß.
[ 22 ] So ist das Menschenleben. Es ist nicht so, daß man sagen kann: Ich fliehe Luzifer, ich fliehe Ahriman. — Wollte man sagen, ich fliehe Luzifer, ich fliehe Ahriman, das wäre nicht Leben. Das wäre wie ein Pendel, das nicht ausschlägt. Das Menschenleben schlägt wirklich aus; auf der einen Seite nach Luzifer, auf der anderen Seite nach Ahriman. Und daß man nicht Furcht hat davor, das ist das Wichtige. Würde man Luzifer fliehen, so gäbe es keine Kunst; würde man Ahriman fliehen, gäbe es keine äußere Wissenschaft. Denn alle Kunst, die nicht von Geisteswissenschaft durchdrungen ist, ist luziferisch, und alle äußere Wissenschaft, insofern sie nicht Geisteswissenschaft ist, ist ahrimanisch. So pendelt der Mensch hin und her. Und daf3 er einsieht, daß er im Gleichgewicht und nicht in der Ruhe sein will, das ist das Wichtige. Es hat eine Zeit gegeben, wo man gesagt hat: man muß das Luziferische fliehen und asketisch sich frei davon machen. Das Luziferische nicht fliehen, sondern wirklich dem luziferischen Antlitz gegenüberstehen, das ist es, worauf es ankommt, wirklich nach der einen Seite hin zu Luzifer, nach der anderen Seite hin zu Ahriman ausschlagen. Das ist es, daß es wirklich einander entgegengesetzte Kräfte sind, wie andere Naturkräfte, zum Beispiel die beiden Elektrizitäten oder die beiden Pole des Magnetismus und so weiter. Also darauf wird es ankommen, daß man diese Dreiheit, das Luziferische, das Ahrimanische und das, was die Christus-Wesenheit ist, erkennt, und daß man innerlich die wirkliche in sich gebaute Größe des Christus erkennt, die der Michelangelosche Christus noch nicht hat. Das, meine lieben Freunde, ist die Aufgabe der geisteswissenschaftlichen Arbeit. Aber wir stehen damit erst am Anfang einer Erkenntnis, die wirklich erst die gewöhnliche werden muß.
[ 23 ] Sehen Sie, es ist ja von mir auch in den letzten Wochen an diesem Orte erwähnt worden, daß man von gewissen Gesichtspunkten aus von keiner größeren Dichtung sprechen kann als von Goethes Faust-Dichtung. Goethes «Faust» drückt ja wirklich, weil er das Menschliche aus einer solchen Tiefe herausholt, ein Größtes aus, was die Menschheit je hervorgebracht hat. Nun hat ja Goethe versucht, in dem Faust einen wirklichen Repräsentanten der Menschheit darzustellen.
[ 23 ] Sehen Sie, es ist ja von mir auch in den letzten Wochen an diesem Orte erwähnt worden, daß man von gewissen Gesichtspunkten aus von keiner größeren Dichtung sprechen kann als von Goethes Faust-Dichtung. Goethes «Faust» drückt ja wirklich, weil er das Menschliche aus einer solchen Tiefe herausholt, ein Größtes aus, was die Menschheit je hervorgebracht hat. Nun hat ja Goethe versucht, in dem Faust einen wirklichen Repräsentanten der Menschheit darzustellen.
[ 24 ] Ich habe ja schon öfters ausgeführt, daß Mephisto im Grunde nichts anderes ist als Luzifer und Ahriman durcheinandergemischt. Aber wie lag die Sache bei Goethe? Bei Goethe lag die Sache so, daß er noch nichts gewußt hat von dieser Zweiheit des Luzifer und Ahriman und daß er in dem Mephistopheles Ahriman und Luzifer zusammengebraut hat. Beides ist in seinem Mephisto darin, und dadurch ist dieser ganze Goethesche «Faust» trotzdem nicht dasjenige geworden, was er hätte werden können, wenn Goethe in der Lage gewesen wäre, neben Faust auf der einen Seite den Luzifer, auf der anderen Seite den Ahriman hinzustellen, so daß man die durch die ganze Menschheit gehende Dreiheit hätte sehen können. Darin lag ja die ganze Schwierigkeit, die Goethe in bezug auf seinen «Faust» hatte. Sehen Sie, als Goethe seinen «Faust» begann, da hat er diesen «Faust» nur so weit bringen können, als er in den siebziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts selber war. Er fühlte: mit dieser äußeren Wissenschaft, die sich ausdrückt in der Vierheit Philosophie, Juristerei, Medizin und, wie er sagt, leider auch Theologie, geht es nicht. Dieses ahrimanische Wissen, das befriedigt Faust nicht; er kommt dadurch nur in eine ahrimanisch-verstandesmäßige Verbindung mit dem Weltenzusammenhang, er will diesen Weltenzusammenhang wirklich haben, durch die Quellen des Lebens erleben das Lebendige, was nicht ein Erdachtes ist. Das Lebendige: der Erdgeist kommt. Allein, Faust kann ihn nicht ertragen. Und nachher kommt durch die Tür herein — im allerersten Entwurf ist es so —, durch die Tür herein kommt Wagner. Ja, wenn heute viele Leute oftmals über den Faust reden, auch über Wagner reden, dann hat man so das Gefühl, der Wagner redet über den Wagner, denn über den Bühnen-Faust wird in unserer Gegenwart zumeist «wagnerisch» geredet. Was ist denn eigentlich dieser Wagner? Ja, was kommt denn in dem Erdgeist herein?
[ 24 ] Ich habe ja schon öfters ausgeführt, daß Mephisto im Grunde nichts anderes ist als Luzifer und Ahriman durcheinandergemischt. Aber wie lag die Sache bei Goethe? Bei Goethe lag die Sache so, daß er noch nichts gewußt hat von dieser Zweiheit des Luzifer und Ahriman und daß er in dem Mephistopheles Ahriman und Luzifer zusammengebraut hat. Beides ist in seinem Mephisto darin, und dadurch ist dieser ganze Goethesche «Faust» trotzdem nicht dasjenige geworden, was er hätte werden können, wenn Goethe in der Lage gewesen wäre, neben Faust auf der einen Seite den Luzifer, auf der anderen Seite den Ahriman hinzustellen, so daß man die durch die ganze Menschheit gehende Dreiheit hätte sehen können. Darin lag ja die ganze Schwierigkeit, die Goethe in bezug auf seinen «Faust» hatte. Sehen Sie, als Goethe seinen «Faust» begann, da hat er diesen «Faust» nur so weit bringen können, als er in den siebziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts selber war. Er fühlte: mit dieser äußeren Wissenschaft, die sich ausdrückt in der Vierheit Philosophie, Juristerei, Medizin und, wie er sagt, leider auch Theologie, geht es nicht. Dieses ahrimanische Wissen, das befriedigt Faust nicht; er kommt dadurch nur in eine ahrimanisch-verstandesmäßige Verbindung mit dem Weltenzusammenhang, er will diesen Weltenzusammenhang wirklich haben, durch die Quellen des Lebens erleben das Lebendige, was nicht ein Erdachtes ist. Das Lebendige: der Erdgeist kommt. Allein, Faust kann ihn nicht ertragen. Und nachher kommt durch die Tür herein — im allerersten Entwurf ist es so —, durch die Tür herein kommt Wagner. Ja, wenn heute viele Leute oftmals über den Faust reden, auch über Wagner reden, dann hat man so das Gefühl, der Wagner redet über den Wagner, denn über den Bühnen-Faust wird in unserer Gegenwart zumeist «wagnerisch» geredet. Was ist denn eigentlich dieser Wagner? Ja, was kommt denn in dem Erdgeist herein?
[ 25 ] Wir wissen ja, daß alle Welterkenntnis Selbsterkenntnis ist. Es ist ein Stück von Faust selber, was in dem Erdgeist hereinkommt, allerdings von der erweiterten Seele, die sich mit dem Kosmos identifiziert. Aber Faust kann sie noch nicht begreifen. Er langt noch nicht hinauf zu dem, was auch Teil seines Selbstes ist. Nun wird gezeigt, bis wohin er gekommen ist. Und wenn man den Faust einmal richtig darstellen würde, richtiger als das vielleicht Goethe selbst getan hat, so würde man heute Wagner als ein etwas karikiertes Konterfei mit der Maske und dem Kostüm des Faust hereinkommen lassen müssen, denn ein anderes Glied, ein anderer Teil des Faust kommt in dem Wagner herein. Faust spricht selber nachdem: er war «ein furchtsam weggekrümmter Wurm». Jetzt begreift er sich selbst. «Du gleichst dem Geist, den du begreitst, nicht mir!» hat ihm der Erdgeist zugerufen. Jetzt kommt der Geist, den er begreift, der Wagner kommt. Und so geht es, ich möchte sagen, fort. Und nachdem der Erdgeist nicht begriffen worden ist, kommt eigentlich nur eine andere Gestalt des Erdgeistes: der Mephisto, der jetzt auftritt sowohl als Luzifer — wenn er Faust führt durch alles, was der Mensch durchleben kann, indem er bloß seiner Leidenschaft folgt, niederen Leidenschaften in Auerbachs Keller, edleren Leidenschaften, die aber bis ins Hexenwesen und in schwarze Magie hineingeführt werden — bis im zweiten Teil an Stelle von Luzifer Ahriman treten müßte. Alles dies kann man ja sehen, wenn man den «Faust» wirklich verständig liest. Aber es gibt auch äußere Beweise genug dafür. Ich habe das schon gesagt, daß es unter den Dingen, die Goethe später ausgeschaltet hat, eine Stelle gab, wo Mephisto einmal Luzifer genannt wird.
[ 25 ] Wir wissen ja, daß alle Welterkenntnis Selbsterkenntnis ist. Es ist ein Stück von Faust selber, was in dem Erdgeist hereinkommt, allerdings von der erweiterten Seele, die sich mit dem Kosmos identifiziert. Aber Faust kann sie noch nicht begreifen. Er langt noch nicht hinauf zu dem, was auch Teil seines Selbstes ist. Nun wird gezeigt, bis wohin er gekommen ist. Und wenn man den Faust einmal richtig darstellen würde, richtiger als das vielleicht Goethe selbst getan hat, so würde man heute Wagner als ein etwas karikiertes Konterfei mit der Maske und dem Kostüm des Faust hereinkommen lassen müssen, denn ein anderes Glied, ein anderer Teil des Faust kommt in dem Wagner herein. Faust spricht selber nachdem: er war «ein furchtsam weggekrümmter Wurm». Jetzt begreift er sich selbst. «Du gleichst dem Geist, den du begreitst, nicht mir!» hat ihm der Erdgeist zugerufen. Jetzt kommt der Geist, den er begreift, der Wagner kommt. Und so geht es, ich möchte sagen, fort. Und nachdem der Erdgeist nicht begriffen worden ist, kommt eigentlich nur eine andere Gestalt des Erdgeistes: der Mephisto, der jetzt auftritt sowohl als Luzifer — wenn er Faust führt durch alles, was der Mensch durchleben kann, indem er bloß seiner Leidenschaft folgt, niederen Leidenschaften in Auerbachs Keller, edleren Leidenschaften, die aber bis ins Hexenwesen und in schwarze Magie hineingeführt werden — bis im zweiten Teil an Stelle von Luzifer Ahriman treten müßte. Alles dies kann man ja sehen, wenn man den «Faust» wirklich verständig liest. Aber es gibt auch äußere Beweise genug dafür. Ich habe das schon gesagt, daß es unter den Dingen, die Goethe später ausgeschaltet hat, eine Stelle gab, wo Mephisto einmal Luzifer genannt wird.
[ 26 ] Goethe hatte immer ein Unbehagliches in seinem Gefühl, wenn er diese Gestalt hinstellt, die eigentlich aus zweien besteht. Insbesondere sieht man das Luziferische da, wo auch die religiösen Empfindungen des Faust auftreten, die in den Wagner-Gesprächen als etwas besonders Kurioses in die Höhe geschraubt werden. Wenn Faust, von Gretchen katechisiert, in den Gesprächen über Gott sagt:
[ 26 ] Goethe hatte immer ein Unbehagliches in seinem Gefühl, wenn er diese Gestalt hinstellt, die eigentlich aus zweien besteht. Insbesondere sieht man das Luziferische da, wo auch die religiösen Empfindungen des Faust auftreten, die in den Wagner-Gesprächen als etwas besonders Kurioses in die Höhe geschraubt werden. Wenn Faust, von Gretchen katechisiert, in den Gesprächen über Gott sagt:
Gefühl ist alles,
Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut!
Gefühl ist alles,
Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut!
[ 27 ] so wird das als die höchste Darstellung des Göttlichen angesehen, als die höchste Darstellung des Religiösen gefeiert. Man braucht nicht nachzudenken: «Gefühl ist alles»; damit sagt man, das einzige, was man als Religiöses haben will, ist das, was ein Gretchen fassen kann, und vergißt nur immer, daß Faust diesen Unterricht dem sechzehnjährigen Gretchen gibt und daß er darin nur gibt, was Gretchen fassen kann. Nicht für Philosophen ist das da, was Faust sagt über «Umnebelnd Himmelsglut», und das wird nur schlecht verstanden, wenn man die Gretchen-Wissenschaft im professoralen Gewande immer wiederum sieht.
[ 27 ] so wird das als die höchste Darstellung des Göttlichen angesehen, als die höchste Darstellung des Religiösen gefeiert. Man braucht nicht nachzudenken: «Gefühl ist alles»; damit sagt man, das einzige, was man als Religiöses haben will, ist das, was ein Gretchen fassen kann, und vergißt nur immer, daß Faust diesen Unterricht dem sechzehnjährigen Gretchen gibt und daß er darin nur gibt, was Gretchen fassen kann. Nicht für Philosophen ist das da, was Faust sagt über «Umnebelnd Himmelsglut», und das wird nur schlecht verstanden, wenn man die Gretchen-Wissenschaft im professoralen Gewande immer wiederum sieht.
[ 28 ] Das alles zeigt, daß Goethe zunächst die luziferische Wesenheit in seiner Doppelmaske zum Ausdruck gebracht hat. Im zweiten Teil ist es mehr die ahrimanische, wo Mephisto zur Zeugung des Homunculus führt, zur Heraufbeschwörung der Helena und zu alledem, was Faust nun wirklich zur Kenntnis der Welt bringt, die ganz anders ist als alles das, was Faust «durchaus studiert mit heißem Bemühn».
[ 28 ] Das alles zeigt, daß Goethe zunächst die luziferische Wesenheit in seiner Doppelmaske zum Ausdruck gebracht hat. Im zweiten Teil ist es mehr die ahrimanische, wo Mephisto zur Zeugung des Homunculus führt, zur Heraufbeschwörung der Helena und zu alledem, was Faust nun wirklich zur Kenntnis der Welt bringt, die ganz anders ist als alles das, was Faust «durchaus studiert mit heißem Bemühn».
[ 29 ] Nun muß man sagen: mancherlei ist ja schon in den Einzelheiten immer wiederum und wiederum schlecht verstanden auch in unserer Zeit. So, wenn ausdrücklich hingedeutet wird, daß Homunculus etwas im Inneren des Menschen will, das entwickelt werden muß zur vollen Menschlichkeit: «und bis zum Menschen hast du Zeit», da es ja durch Niederes erst geht; es wird ja gesagt: «Nur strebe nicht nach höheren Orden.» Was da schon erklärt worden ist, ist ganz kurios. In Wirklichkeit heißt es ja selbstverständlich — denn Goethe hat da mal wieder Frankfurterisch gesprochen — «Nur strebe nicht nach höheren Orten» und ist nicht ein Hinweis, daß solche Wesen wie Homunculus mit menschlichen Ehrenzeichen geschmückt werden.
[ 29 ] Nun muß man sagen: mancherlei ist ja schon in den Einzelheiten immer wiederum und wiederum schlecht verstanden auch in unserer Zeit. So, wenn ausdrücklich hingedeutet wird, daß Homunculus etwas im Inneren des Menschen will, das entwickelt werden muß zur vollen Menschlichkeit: «und bis zum Menschen hast du Zeit», da es ja durch Niederes erst geht; es wird ja gesagt: «Nur strebe nicht nach höheren Orden.» Was da schon erklärt worden ist, ist ganz kurios. In Wirklichkeit heißt es ja selbstverständlich — denn Goethe hat da mal wieder Frankfurterisch gesprochen — «Nur strebe nicht nach höheren Orten» und ist nicht ein Hinweis, daß solche Wesen wie Homunculus mit menschlichen Ehrenzeichen geschmückt werden.
[ 30 ] Ein anderes ist, wo Homunculus erzeugt wird, wo Wagner beschreibt, wie sich etwas regt in der Retorte:
[ 30 ] Ein anderes ist, wo Homunculus erzeugt wird, wo Wagner beschreibt, wie sich etwas regt in der Retorte:
Es wird! Die Masse regt sich klarer,
Die Überzeugung wahrer, wahrer!
Es wird! Die Masse regt sich klarer,
Die Überzeugung wahrer, wahrer!
[ 31 ] Überzeugung ist von Zeugung gebildet, wie Übermensch von Mensch. Erst seit Nietzsche vom Übermenschen gesprochen hat, reden die Menschen davon, daß es einen Übermenschen gibt, Goethe hat schon lange vorher vom Übermenschen gesprochen. Und so lesen sie, die Menschen, hier Überzeugung, aber im Gegenteil von Zeugung ist es eine Überzeugung, wie man sagt: Mensch und Übermensch.
[ 31 ] Überzeugung ist von Zeugung gebildet, wie Übermensch von Mensch. Erst seit Nietzsche vom Übermenschen gesprochen hat, reden die Menschen davon, daß es einen Übermenschen gibt, Goethe hat schon lange vorher vom Übermenschen gesprochen. Und so lesen sie, die Menschen, hier Überzeugung, aber im Gegenteil von Zeugung ist es eine Überzeugung, wie man sagt: Mensch und Übermensch.
[ 32 ] Das sind Dinge, die erst im einzelnen begriffen werden müssen, damit man einsieht, was Goethe hat sagen wollen. Aber man muß den großen, freien Standpunkt gewinnen, man muß wirklich die Sendung unserer Zeit in bezug auf Geisteswissenschaft einsehen und einsehen, daß ein Geist wie Goethe gesucht hat, seine Zeit vorzubereiten auf diese Sendung.
[ 32 ] Das sind Dinge, die erst im einzelnen begriffen werden müssen, damit man einsieht, was Goethe hat sagen wollen. Aber man muß den großen, freien Standpunkt gewinnen, man muß wirklich die Sendung unserer Zeit in bezug auf Geisteswissenschaft einsehen und einsehen, daß ein Geist wie Goethe gesucht hat, seine Zeit vorzubereiten auf diese Sendung.
[ 33 ] Als Schiller ihn im Jahre 1797 aufmerksam gemacht hat, daß er den «Faust» vollenden soll, da sagt Goethe, er habe den alten Tragelaphen — das ist ein Wesen, halb Tier, halb Mensch — wieder hervorgeholt. Goethe nennt ihn einen Tragelaphen, und er nennt ihn am Ende des achtzehnten Jahrhunderts eine barbarische Komposition. Das muß man sehr ernst nehmen, denn Goethe hat schon verstanden, wie gut und wie schlecht sein «Faust» war. Das alles gehört zu dem, was Geisteswissenschaft heranziehen soll, daß wir uns zu einem freien Standpunkt gegenüber diesen Dingen erheben. Daß Goethe darstellen wollte das Arbeiten des spirituellen Selbstes, des Unsterblichen im Menschen hinauf zum Höheren, das zeigt er dadurch, daß er eine Skizze gemacht hat um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts zu dem, was der Faust werden sollte, wo er zuerst gesagt hat: «Lebensgenuß der Person, von außen gesehen»; dann schreibt er auf: «Schöpfungsgenuß von innen», und zum Schluß, nachdem er den ganzen Weg des Faust genommen hat, hat er aufgeschrieben: «Epilog im Chaos auf dem Weg zur Hölle.»
[ 33 ] Als Schiller ihn im Jahre 1797 aufmerksam gemacht hat, daß er den «Faust» vollenden soll, da sagt Goethe, er habe den alten Tragelaphen — das ist ein Wesen, halb Tier, halb Mensch — wieder hervorgeholt. Goethe nennt ihn einen Tragelaphen, und er nennt ihn am Ende des achtzehnten Jahrhunderts eine barbarische Komposition. Das muß man sehr ernst nehmen, denn Goethe hat schon verstanden, wie gut und wie schlecht sein «Faust» war. Das alles gehört zu dem, was Geisteswissenschaft heranziehen soll, daß wir uns zu einem freien Standpunkt gegenüber diesen Dingen erheben. Daß Goethe darstellen wollte das Arbeiten des spirituellen Selbstes, des Unsterblichen im Menschen hinauf zum Höheren, das zeigt er dadurch, daß er eine Skizze gemacht hat um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts zu dem, was der Faust werden sollte, wo er zuerst gesagt hat: «Lebensgenuß der Person, von außen gesehen»; dann schreibt er auf: «Schöpfungsgenuß von innen», und zum Schluß, nachdem er den ganzen Weg des Faust genommen hat, hat er aufgeschrieben: «Epilog im Chaos auf dem Weg zur Hölle.»
[ 34 ] Was alles ich da an Diskussionen habe anhören müssen, das ist wirklich etwas, was einem innerste Überraschung bereiten kann; denn die Leute haben darüber nachgedacht: Ja, hat denn Goethe noch geglaubt um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, daß sein Faust zur Hölle fahren muß? Die Lösung ist einfach die, daß es nicht Faust ist, der spricht, sondern daß der abziehende Mephisto den Epilog hält, nachdem Faust den Weg zu seinem unsterblichen Selbst gegangen ist.
[ 34 ] Was alles ich da an Diskussionen habe anhören müssen, das ist wirklich etwas, was einem innerste Überraschung bereiten kann; denn die Leute haben darüber nachgedacht: Ja, hat denn Goethe noch geglaubt um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, daß sein Faust zur Hölle fahren muß? Die Lösung ist einfach die, daß es nicht Faust ist, der spricht, sondern daß der abziehende Mephisto den Epilog hält, nachdem Faust den Weg zu seinem unsterblichen Selbst gegangen ist.
[ 35 ] So sehen wir auch in Goethes «Faust» etwas, was auf dem Wege liegt, aber erst auf dem Wege zu dem, was durch die Hauptgruppe unseres Baues zum Ausdruck gebracht werden soll: eine wirklich konkrete Auffassung der menschlichen Gestalt, indem auf der einen Seite erscheint, wonach die Seele immer ausschlagen muß, und auch auf der anderen Seite, wonach die Seele ausschlagen muß. Solange man alles zusammenhält oder nur eine Zweiheit sucht, kann man zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschen nicht kommen. Das ist das Wesentliche, was festzuhalten ist. Festzuhalten ist, daß es wirklich aus der deutschen Kultur heraus sich ergibt, gerade diese Idee zu verkörpern. Es gibt auf der Erde zwei Gegenpole der Kultur, die ihre Berechtigung haben, die nicht in ihrer Unberechtigung dargestellt werden, sondern in ihrer Berechtigung, wenn man hinweist auf sie. Da haben wir auf der einen Seite die rein orientalische Kultur. Worin besteht diese orientalische Kultur? Das Orientalische in der Kultur besteht darin, daß gesucht wird eine bloß innerliche Vertiefung, mit Abstreifung alles dessen, was äußerer Prozeß des Daseins ist. Und so sehen wir, wie in der höchsten Blüte dieser orientalischen Kultur, in der indischen Kultur, alle Anweisungen, alles Wissen dahin geht, die Seele so zu bilden, daß sie frei wird von dem, was physischer Leib ist. Es ist eine rein luziferische Kultur, eine bloß luziferische Kultur. Je weiter wir nach dem Osten kommen, kommen wir zu dem Luziferischen.
[ 35 ] So sehen wir auch in Goethes «Faust» etwas, was auf dem Wege liegt, aber erst auf dem Wege zu dem, was durch die Hauptgruppe unseres Baues zum Ausdruck gebracht werden soll: eine wirklich konkrete Auffassung der menschlichen Gestalt, indem auf der einen Seite erscheint, wonach die Seele immer ausschlagen muß, und auch auf der anderen Seite, wonach die Seele ausschlagen muß. Solange man alles zusammenhält oder nur eine Zweiheit sucht, kann man zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschen nicht kommen. Das ist das Wesentliche, was festzuhalten ist. Festzuhalten ist, daß es wirklich aus der deutschen Kultur heraus sich ergibt, gerade diese Idee zu verkörpern. Es gibt auf der Erde zwei Gegenpole der Kultur, die ihre Berechtigung haben, die nicht in ihrer Unberechtigung dargestellt werden, sondern in ihrer Berechtigung, wenn man hinweist auf sie. Da haben wir auf der einen Seite die rein orientalische Kultur. Worin besteht diese orientalische Kultur? Das Orientalische in der Kultur besteht darin, daß gesucht wird eine bloß innerliche Vertiefung, mit Abstreifung alles dessen, was äußerer Prozeß des Daseins ist. Und so sehen wir, wie in der höchsten Blüte dieser orientalischen Kultur, in der indischen Kultur, alle Anweisungen, alles Wissen dahin geht, die Seele so zu bilden, daß sie frei wird von dem, was physischer Leib ist. Es ist eine rein luziferische Kultur, eine bloß luziferische Kultur. Je weiter wir nach dem Osten kommen, kommen wir zu dem Luziferischen.
[ 36 ] Und kommen wir nach dem Westen, wohin kommen wir da? Nehmen wir gleich den äußersten Westen. Uns ist es natürlich, namentlich, wenn wir etwas von Geisteswissenschaft aufgenommen haben — und ich möchte es Ihnen an einem Beispiel zeigen —, uns ist es klar, daß, wenn wir sehen, daf3 ein Mensch aus einer mehr materialistischen Weltanschauung in eine mehr spirituelle Weltanschauung kommt, wir uns fragen: was geht in der Seele eines solchen Menschen vor? Wir müssen gerade dann, wenn wir bei einem solchen Menschen einen solchen Umschwung in seiner Seele wahrnehmen, uns in das Innere dieses Menschen begeben, um das, was er in seiner Seele durchgemacht hat, mit ihm mitzuerleben. Und nichts erscheint uns bedeutsamer, als solches mitzuerleben mit einem Menschen.
[ 36 ] Und kommen wir nach dem Westen, wohin kommen wir da? Nehmen wir gleich den äußersten Westen. Uns ist es natürlich, namentlich, wenn wir etwas von Geisteswissenschaft aufgenommen haben — und ich möchte es Ihnen an einem Beispiel zeigen —, uns ist es klar, daß, wenn wir sehen, daf3 ein Mensch aus einer mehr materialistischen Weltanschauung in eine mehr spirituelle Weltanschauung kommt, wir uns fragen: was geht in der Seele eines solchen Menschen vor? Wir müssen gerade dann, wenn wir bei einem solchen Menschen einen solchen Umschwung in seiner Seele wahrnehmen, uns in das Innere dieses Menschen begeben, um das, was er in seiner Seele durchgemacht hat, mit ihm mitzuerleben. Und nichts erscheint uns bedeutsamer, als solches mitzuerleben mit einem Menschen.
[ 37 ] Sehen Sie, in Amerika hat man auch gesehen, daß? Menschen etwas durchmachen, was man dort Bekehrung nennt, daß heißt einen Umschwung von einer materialistischen Anschauung zu einer spirituellen. Was tut man da? Man setzt sich hin — wenn ich auch die Sache etwas radikal erzähle, es ist schon so —, man setzt sich hin und schreibt an die Menschen, die so etwas durchgemacht haben, einen Brief und läßt sich die Frage beantworten, aus welchen Gründen sie diesen Umschwung durchgemacht haben. Und dann, na dann macht man ein Schema, dann stellt man Kategorien auf, zum Beispiel:
[ 37 ] Sehen Sie, in Amerika hat man auch gesehen, daß? Menschen etwas durchmachen, was man dort Bekehrung nennt, daß heißt einen Umschwung von einer materialistischen Anschauung zu einer spirituellen. Was tut man da? Man setzt sich hin — wenn ich auch die Sache etwas radikal erzähle, es ist schon so —, man setzt sich hin und schreibt an die Menschen, die so etwas durchgemacht haben, einen Brief und läßt sich die Frage beantworten, aus welchen Gründen sie diesen Umschwung durchgemacht haben. Und dann, na dann macht man ein Schema, dann stellt man Kategorien auf, zum Beispiel:
1. Kategorie: Furcht vor dem Tode und der Hölle (und legt solche Briefe auf einen Haufen zusammen).
2. Kategorie: Altruistische Beweggründe, Selbstlosigkeit.
3. Kategorie: Egozentrische Motive.
4. Kategorie: Streben nach dem sittlichen Ideal.
5. Kategorie: Gewissensbisse und Sündenbewußtsein. 1, 2, 3 Briefe.
6. Kategorie: Befolgung von Lehren. 1, 2, 3 Briefe.
7. Kategorie: daß Leute gekommen sind in dieses oder jenes Alter. 1, 2, 3 Briefe. Dann
8. Nachahmung. 1, 2, 3 Briefe. Wieder eine Kategorie Leute, die gesehen haben, daß Menschen an einen Gott geglaubt haben, und dies nachgeahmt haben. Dann
9. Hiebe.14% Furcht vor der Hölle.
6% andere Motive.
7% Streben nach dem Ideal.
8% Sündenbewußtsein.
13% Nachahmung und Beispiel.
19% Hiebe.
1. Kategorie: Furcht vor dem Tode und der Hölle (und legt solche Briefe auf einen Haufen zusammen).
2. Kategorie: Altruistische Beweggründe, Selbstlosigkeit.
3. Kategorie: Egozentrische Motive.
4. Kategorie: Streben nach dem sittlichen Ideal.
5. Kategorie: Gewissensbisse und Sündenbewußtsein. 1, 2, 3 Briefe.
6. Kategorie: Befolgung von Lehren. 1, 2, 3 Briefe.
7. Kategorie: daß Leute gekommen sind in dieses oder jenes Alter. 1, 2, 3 Briefe. Dann
8. Nachahmung. 1, 2, 3 Briefe. Wieder eine Kategorie Leute, die gesehen haben, daß Menschen an einen Gott geglaubt haben, und dies nachgeahmt haben. Dann
9. Hiebe.14% Furcht vor der Hölle.
6% andere Motive.
7% Streben nach dem Ideal.
8% Sündenbewußtsein.
13% Nachahmung und Beispiel.
19% Hiebe.
[ 38 ] Jetzt hat man eine Bekehrung.
[ 38 ] Jetzt hat man eine Bekehrung.
[ 39 ] So haben wir das Gegenteil. Im Indischen keine Rücksicht auf das, was außen vorgeht. Einem Inder würde das verkehrt vorkommen; er würde das Wort «verrückt» gebrauchen, wenn man äußerlich Prozente derer angeben wollte, die sich bekehrt haben; daß sie aus diesen oder jenen Motiven sich bekehrt haben. Im Westen kümmert man sich nicht um das Innere, da im Westen ist alles ausgewischt von diesem Inneren. Äußerlichstes Äußerliches zusammengestellt, rein ahrimanisch. Gehen wir nach dem Osten: Innerlichstes Inneres, rein luziferisch. So stellt uns, ich möchte sagen, die Erdkugel selber dar den Gegensatz des Ahrimanischen und Luziferischen. Und zwischen diesem Ahrimanischen und Luziferischen ist man nicht in einer Ruhe, sondern im Gleichgewichte. Es handelt sich nicht darum, daß man das eine oder das andere bloß abweist, sondern daß man sich bewußt wird, daß eine wirklich in die Zukunft hineinreichende Kultur darin besteht, daß man beides in das richtige Maß zu bringen weiß, was eines haben muß gegen das andere.
[ 39 ] So haben wir das Gegenteil. Im Indischen keine Rücksicht auf das, was außen vorgeht. Einem Inder würde das verkehrt vorkommen; er würde das Wort «verrückt» gebrauchen, wenn man äußerlich Prozente derer angeben wollte, die sich bekehrt haben; daß sie aus diesen oder jenen Motiven sich bekehrt haben. Im Westen kümmert man sich nicht um das Innere, da im Westen ist alles ausgewischt von diesem Inneren. Äußerlichstes Äußerliches zusammengestellt, rein ahrimanisch. Gehen wir nach dem Osten: Innerlichstes Inneres, rein luziferisch. So stellt uns, ich möchte sagen, die Erdkugel selber dar den Gegensatz des Ahrimanischen und Luziferischen. Und zwischen diesem Ahrimanischen und Luziferischen ist man nicht in einer Ruhe, sondern im Gleichgewichte. Es handelt sich nicht darum, daß man das eine oder das andere bloß abweist, sondern daß man sich bewußt wird, daß eine wirklich in die Zukunft hineinreichende Kultur darin besteht, daß man beides in das richtige Maß zu bringen weiß, was eines haben muß gegen das andere.
[ 40 ] Und da sehen Sie ausgedrückt, ich möchte sagen, das ganze Erdenschicksal in unserer Gruppe. Es ist einmal Aufgabe Europas, den Ausgleich zu bringen zwischen dem Osten und dem Westen. Im Osten schlägt das Pendel nach der einen Seite aus, im Westen nach der anderen Seite. Uns in Europa kommt es nicht bloß zu, etwa die Affen des Ostens oder die Affen des Westens zu sein, sondern uns kommt es zu, ganz selbständig auf dem eigenen Boden zu stehen und die Berechtigung des einen wie die Berechugung des anderen voll anzuerkennen. Das ist ausgedrückt in unserer Gruppe. Und so hängt das, was an besonderem Orte unseres Baues aufgestellt ist, auch in geographischer Weise mit unserer Aufgabe zusammen. Es ist aufgestellt nach dem Osten, aber mit dem Rücken nach dem Osten, es blickt nach dem Westen, aber es steht im Gleichgewicht da, trägt in sich das, was es auf langer Wanderung im Osten erfahren hat, und läßt sich nicht genügen an dem, was der Westen an rein ahrimanischer Kultur über die Menschheit bringen kann.
[ 40 ] Und da sehen Sie ausgedrückt, ich möchte sagen, das ganze Erdenschicksal in unserer Gruppe. Es ist einmal Aufgabe Europas, den Ausgleich zu bringen zwischen dem Osten und dem Westen. Im Osten schlägt das Pendel nach der einen Seite aus, im Westen nach der anderen Seite. Uns in Europa kommt es nicht bloß zu, etwa die Affen des Ostens oder die Affen des Westens zu sein, sondern uns kommt es zu, ganz selbständig auf dem eigenen Boden zu stehen und die Berechtigung des einen wie die Berechugung des anderen voll anzuerkennen. Das ist ausgedrückt in unserer Gruppe. Und so hängt das, was an besonderem Orte unseres Baues aufgestellt ist, auch in geographischer Weise mit unserer Aufgabe zusammen. Es ist aufgestellt nach dem Osten, aber mit dem Rücken nach dem Osten, es blickt nach dem Westen, aber es steht im Gleichgewicht da, trägt in sich das, was es auf langer Wanderung im Osten erfahren hat, und läßt sich nicht genügen an dem, was der Westen an rein ahrimanischer Kultur über die Menschheit bringen kann.
[ 41 ] Wenn unsere Zeit, meine lieben Freunde, diese Dinge einmal einsehen wird, aber denkend, fühlend, mit Empfinden durchdringen wird — es braucht ja kein Hochmut dabei zu sein —, dann wird es dieser Zeit klar sein, wie auch die schmerzlichsten, niederdrückendsten Ereignisse der Gegenwart eben nur da sind, um an die Menschheit heranzubringen das Gefühl von der Aufgabe, die diese Menschheit für die nächste Zukunft zu erfüllen haben wird. Man möchte nur hoffen, daß Großes, Schmerzliches, das die Menschheit erlebt, auch eine wirkliche und auch wahre Vertiefung der Gemüter hervorbringen kann. Wahr ist es schon, daß man leider in dem, was zum Ausdruck gebracht wird, namentlich in dem gesprochenen und literarisch Geschriebenen, den großen Ernst, den unsere Zeit von uns fordert, keineswegs erkennt, daß da noch vieles, vieles in die Menschengemüter hinein muß, damit dieser große Ernst, ich möchte sagen, dieser trostvolle Ernst die Gemüter wirklich so erfülle, daß der Mensch getragen werden kann durch die Aufgaben, die ihm gestellt werden. Ernst ist es auf der einen Seite, was uns zur Aufgabe gestellt wird, aber es ist ein trostvoller, hoffnungsvoller, Zuversicht einflößender Ernst von der anderen Seite. Man braucht nur einzusehen, daß wir in einer Zeit leben, in der Großes von uns gefordert wird, daß aber auch dieses Große von uns erfüllt werden kann. Und man wird auch in dieser Zeit zu einer pessimistischen Weltanschauung nicht kommen können.
[ 41 ] Wenn unsere Zeit, meine lieben Freunde, diese Dinge einmal einsehen wird, aber denkend, fühlend, mit Empfinden durchdringen wird — es braucht ja kein Hochmut dabei zu sein —, dann wird es dieser Zeit klar sein, wie auch die schmerzlichsten, niederdrückendsten Ereignisse der Gegenwart eben nur da sind, um an die Menschheit heranzubringen das Gefühl von der Aufgabe, die diese Menschheit für die nächste Zukunft zu erfüllen haben wird. Man möchte nur hoffen, daß Großes, Schmerzliches, das die Menschheit erlebt, auch eine wirkliche und auch wahre Vertiefung der Gemüter hervorbringen kann. Wahr ist es schon, daß man leider in dem, was zum Ausdruck gebracht wird, namentlich in dem gesprochenen und literarisch Geschriebenen, den großen Ernst, den unsere Zeit von uns fordert, keineswegs erkennt, daß da noch vieles, vieles in die Menschengemüter hinein muß, damit dieser große Ernst, ich möchte sagen, dieser trostvolle Ernst die Gemüter wirklich so erfülle, daß der Mensch getragen werden kann durch die Aufgaben, die ihm gestellt werden. Ernst ist es auf der einen Seite, was uns zur Aufgabe gestellt wird, aber es ist ein trostvoller, hoffnungsvoller, Zuversicht einflößender Ernst von der anderen Seite. Man braucht nur einzusehen, daß wir in einer Zeit leben, in der Großes von uns gefordert wird, daß aber auch dieses Große von uns erfüllt werden kann. Und man wird auch in dieser Zeit zu einer pessimistischen Weltanschauung nicht kommen können.
[ 42 ] Um alle diese Dinge in intimerer, in eindringlicherer Weise auseinanderzusetzen, und was die nächste Zukunftsaufgabe der Menschheit ist, und wie Geisteswissenschaft diese Aufgabe zu lösen helfen wird, werde ich am Dienstag, den 22. Juni, das heute Besprochene fortsetzen.
[ 42 ] Um alle diese Dinge in intimerer, in eindringlicherer Weise auseinanderzusetzen, und was die nächste Zukunftsaufgabe der Menschheit ist, und wie Geisteswissenschaft diese Aufgabe zu lösen helfen wird, werde ich am Dienstag, den 22. Juni, das heute Besprochene fortsetzen.
