The Connection Between Man
and the Elemental World
GA 158
31 December 1914, Dornach
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The Connection Between Man and the Elemental World, tr. SOL
Das Erwachen der Menschenseele aus dem Geistesschlaf der finsteren Zeit
The Awakening of the Human Soul from the Spiritual Slumber of the Dark Age
[ 1 ] Wir beginnen diese Feier unseres Jahresschlusses damit, daß uns Frau Dr. Steiner die schöne norwegische Legende von Olaf Åsteson zum Vortrag bringen wird, von jenem Olaf Åsteson, der, als die Weihnachtszeit herannahte, in eine Art von Schlaf verfiel, welcher dreizehn Tage dauerte: die heiligen dreizehn Tage, die wir ja bei verschiedenen unserer Betrachtungen kennengelernt haben. Während dieses Schlafes hatte er wichtige Erlebnisse, von denen er dann, als er wieder erwachte, zu erzählen wußte.
[ 1 ] We begin this celebration marking the end of the year with Dr. Steiner recounting the beautiful Norwegian legend of Olaf Åsteson—the very same Olaf Åsteson who, as Christmas approached, fell into a kind of sleep that lasted thirteen days: the holy thirteen days that we have come to know through various of our reflections. During this sleep, he had significant experiences, which he was then able to recount when he awoke.
[ 2 ] Wir haben verschiedene Betrachtungen angestellt, die uns darauf aufmerksam machen konnten, wie wir durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung in einer andern Weise alte Erkenntnisschätze für die menschliche Erkenntnis wiedergewinnen, die in vergangenen Tagen gewußt worden sind von den Menschen als dasjenige, was den geistigen Welten angehört. Immer wieder und wieder werden wir durch das eine oder andere auf dieses vorweltliche Wissen von den geistigen Welten stoßen, und immer wieder werden wir daran erinnert, daß dieses Wissen der Vorzeit darauf beruhte, daß der Mensch vermöge seiner früheren Organisation in einem solchen Zusammenhang stehen konnte mit dem ganzen Weltenall und seinem Geschehen, daß, wie wir uns in unserer Sprache ausdrücken, der menschliche Mikrokosmos eintauchte in die Gesetzmäßigkeit, in das Geschehen des Makrokosmos und daß er bei diesem Eintauchen in den Makrokosmos Erlebnisse haben konnte über Dinge, die sein Seelenleben innig angehen, die ihm aber verborgen bleiben müssen, solange er auf dem physischen Plane als Mikrokosmos wandelt und nur mit derjenigen Erkenntnis ausgestattet ist, die den Sinnen und dem an die Sinne gebundenen Verstande gegeben ist.
[ 2 ] We have made various observations that have drawn our attention to how, through the Spiritual Science worldview, we can recover in a different way ancient treasures of knowledge for human understanding—treasures that were once known to people as belonging to the spiritual worlds. Time and again we will encounter this pre-worldly knowledge of the spiritual worlds through one thing or another, and time and again we will be reminded that this ancient knowledge was based on the fact that, by virtue of his earlier constitution, the human being was able to stand in such a relationship to the entire universe and its events that, as we express it in our language, the human microcosm was immersed in the laws in the events of the macrocosm, and that through this immersion in the macrocosm, he could have experiences concerning things that intimately concern his soul life, but which must remain hidden from him as long as he walks on the physical plane as a microcosm and is endowed only with the knowledge given to the senses and the intellect bound to the senses.
[ 3 ] Wir wissen ja, wie nur eine materialistische Weltanschauung des Glaubens sein kann, daß allein der Mensch innerhalb der Weltenordnung mit einem Erkenntnis-, Gefühls- und Willensvermögen begabt sei; während man anerkennen muß vom Standpunkte einer spirituellen Weltanschauung, daß ebenso, wie es unterhalb der Menschenstufe Wesenheiten gibt, es auch Wesenheiten gibt oberhalb der menschlichen Stufe des Denkens, Fühlens und Wollens. In diese Wesenheiten kann sich der Mensch einleben, wenn er eben als Mikrokosmos im Makrokosmos untertaucht. Wir müssen aber dann von diesem Makrokosmos so sprechen, wie wenn er nicht nur ein Raumesmakrokosmos sei, sondern wie wenn die Zeit in ihrem Verlaufe Bedeutung habe im Leben des Makrokosmos. Wie der Mensch sich zurückziehen muß von all den Eindrücken, die auf seine Sinne ausgeübt werden können aus seiner Umgebung, wie er gleichsam um sich herum durch das Abschließen seiner Sinneswahrnehmung Finsternis erzeugen muß, um im Inneren das Licht des Geistes anzuzünden, wenn er in die Tiefen seiner Seele hinuntersteigen will, so muß derjenige Geist, den wir als den Erdgeist bezeichnen können, abgeschlossen sein von den Eindrücken des übrigen Kosmos. Es muß das geringste Maß von Wirkungen von dem äußeren Kosmos auf den Erdgeist ausgeübt werden, damit der Erdgeist selber sich innerlich konzentrieren, seine Fähigkeiten innerlich zusammenziehen kann. Denn dann werden die Geheimnisse entdeckt, die der Mensch deshalb durchzumachen hat mit diesem Erdgeist, weil die Erde als Erde aus dem Kosmos herausgesondert ist.
[ 3 ] We know, of course, how materialistic a worldview it is to believe that only human beings within the cosmic order are endowed with the faculties of cognition, feeling, and will; whereas from the standpoint of a spiritual worldview, one must acknowledge that just as there are beings below the human level, there are also beings above the human level of thinking, feeling, and willing. Human beings can attune themselves to these beings when they immerse themselves as a microcosm within the macrocosm. We must then, however, speak of this macrocosm as if it were not merely a spatial macrocosm, but as if time, in its course, were significant in the life of the macrocosm. Just as a human being must withdraw from all the impressions that can be exerted on their senses from their surroundings, just as they must, so to speak, create darkness around themselves by shutting off their sensory perception in order to kindle the light of the spirit within when they wish to descend into the depths of their soul, so too must that spirit which we may call the Earth Spirit be shut off from the impressions of the rest of the cosmos. The least possible influence from the outer cosmos must be exerted upon the Earth Spirit so that the Earth Spirit itself may concentrate inwardly and gather its powers within. For then the mysteries are revealed that human beings must experience through this Earth Spirit, because the Earth, as Earth, has been separated from the cosmos.
[ 4 ] Solch eine Zeit, wo das größte Maß der Eindrücke vom äußeren Makrokosmos auf die Erde ausgeübt wird, ist die So'mmersonnenwendezeit, die Johannizeit. Es erinnern uns daher viele Nachrichten aus alten Zeiten, die an Festesdarstellungen und Festesbegehungen anknüpfen, wie solche Feste inmitten der Sommerzeit stattfanden, wie die Seele in der Mitte des Sommers dadurch, daß sie sich des Ich entäußert und aufgeht im Leben des Makrokosmos, trunken hingegeben ist den Eindrükken vom Makrokosmos.
[ 4 ] A time when the greatest influence from the outer macrocosm is exerted upon the Earth is the summer solstice, the time of St. John. We are therefore reminded by many accounts from ancient times, which relate to depictions of festivals and festival celebrations, of how such festivals took place in the midst of summer, and how, in the middle of summer, the soul—by divesting itself of the ego and merging into the life of the macrocosm—is intoxicatedly surrendered to the impressions of the macrocosm.
[ 5 ] Aber umgekehrt erinnern uns die legendarischen oder sonstigen Darstellungen desjenigen, was in der Vorzeit erlebt werden konnte, dann, wenn das geringste Maß der Eindrücke vom Makrokosmos zur Erde kommt, daran, daß der Erdgeist, in sich konzentriert, die Geheimnisse des Erdenseelenlebens im unendlichen All erlebt, und daß der Mensch, wenn er sich hineinbegibt in dieses Erleben zu der Zeit, in welcher am wenigsten Licht und Wärme gesendet wird aus dem Makrokosmos zur Erde, dann die heiligsten Geheimnisse miterlebt. Daher wurden diese Tage um die Weihnachtszeit herum immer so heilig gehalten, weil der Mensch, als er in seinem Organismus noch die Fähigkeit hatte, mitzuerleben das Erdenerleben in der Zeit, wo es am konzentriertesten ist, mit dem Erdgeist zusammensein konnte.
[ 5 ] Conversely, however, the legendary or other depictions of what could be experienced in ancient times—when the slightest impressions from the macrocosm reach the Earth—remind us that the Earth Spirit, concentrated within itself, experiences the mysteries of the Earth’s soul life in the infinite cosmos, and that when human beings enter into this experience at the time when the least light and warmth are sent from the macrocosm to the Earth, they then share in the most sacred mysteries. That is why these days around Christmas were always held in such high esteem, because when human beings still possessed the capacity within their organism to share in the Earth’s experience at the time when it is most concentrated, they could be united with the Earth Spirit.
[ 6 ] Olaf Åsteson, Olaf der Erdensohn, erlebt in diesen dreizehn kürzesten Tagen, indem er entrückt ist in den Makrokosmos, mancherlei Geheimnisse des Weltenalls. Und die nordische Legende, die in neuerer Zeit wieder ausgegraben worden ist aus alten Nachrichten, berichtet uns von den Erlebnissen, die Olaf Åsteson hatte zwischen der Weihnachts- und Neujahrszeit bis zum 6. Januar. Und wir haben wohl Veranlassung, meine lieben Freunde, öfter zu gedenken dieser alten Art des Einlebens des Mikrokosmos in den Makrokosmos; unsere Betrachtung wird ja an solche Dinge dann anknüpfen können. Vorerst aber wollen wir hören die Legende von Olaf dem Erdensohn, der in der Zeit, in der wir jetzt sind, die Geheimnisse des Weltendaseins erlebte dadurch, daß er mit dem Erdgeist zusammenlebte. Hören wir also diese Erlebnisse.
[ 6 ] Olaf Åsteson, Olaf the Son of Earth, experiences various mysteries of the universe during these thirteen briefest days, while he is transported into the macrocosm. And the Norse legend, which has recently been unearthed from ancient sources, tells us of the experiences Olaf Åsteson had between Christmas and New Year’s until January 6. And we have good reason, my dear friends, to reflect more often on this ancient way of integrating the microcosm into the macrocosm; for our reflection will then be able to build upon such things. But for now, let us hear the legend of Olaf, the Son of the Earth, who, in the time in which we now live, experienced the mysteries of worldly existence by living together with the Earth Spirit. Let us therefore hear of these experiences.
[ 7 ] Es folgte die Rezitation.
[ 7 ] This was followed by the recitation.
[ 8 ] Meine lieben Freunde, wir haben gehört, wie Olaf Åsteson entschlief in jenem Schlaf, der für ihn eine Offenbarung werden sollte der Geheimnisse derjenigen Welten, die dem Sinnenleben, dem gewöhnlichen Leben auf dem physischen Plane entzogen sind. Wir haben in der Legende erhalten die Kunde von jenen alten Erkenntnissen, von jenen alten Einsichten in die geistigen Welten, die wiedererrungen werden sollen durch dasjenige, was wir die geisteswissenschaftliche Weltanschauung nennen.
[ 8 ] My dear friends, we have heard how Olaf Åsteson fell into that sleep which was to become for him a revelation of the mysteries of those worlds that lie beyond the realm of the senses, beyond ordinary life on the physical plane. In the legend, we have received the news of those ancient insights, of those ancient understandings of the spiritual worlds, which are to be regained through what we call the Spiritual Science worldview.
[ 9 ] Oftmals ist angeführt worden der Ausspruch, der durch alle Kundgebungen hindurchgeht, die von dem Eintritt der Menschenseele in die geistige Welt handeln, und der da besagt, daß der Mensch erst dann die geistige Welt schauen kann, wenn er mit seinem Erleben an die Pforte des Todes kommt und dann untertaucht in die Elemente. So daß er die Elemente des Erdendaseins nicht so um sich herum hat, wie sie im gewöhnlichen Leben des physischen Planes um ihn herum sind als die Erde, das Wasser, die Luft, das Feuer, sondern daß er herausgehoben ist über diese Außenseite, diese sinnliche Außenseite der Elemente, und untertaucht in dasjenige, was diese Elemente sind, wenn man sie ihrer wahren Natur, ihrer nächst wahren Natur nach kennenlernt, wo Wesen in ihnen anwesend sind, die im Zusammenhange stehen mit dem Erleben der Menschenseele.
[ 9 ] The saying that runs through all the teachings concerning the human soul’s entry into the spiritual world has often been cited; it states that a person can only perceive the spiritual world when they reach the threshold of death through their own experience and then plunge into the elements. So that they no longer have the elements of earthly existence around them as they are in ordinary life on the physical plane—as earth, water, air, fire, but rather that they are lifted above this outer aspect, this sensory outer aspect of the elements, and immersed in what these elements are when one comes to know them according to their true nature, their next true nature, where beings are present within them that are connected to the experience of the human soul.
[ 10 ] Daß Olaf Åsteson etwas von diesem Untertauchen in die Elemente erlebte, man konnte es noch nachspüren da, wo zunächst erzählt wird, wie Olaf an die Gjallarbrücke kommt, und wie er über die Brücke wandelt in den Wegen der geistigen Welt, die weithin sich dehnen. Wie anschaulich wird uns geschildert das Erlebnis mit dem Erdenelement, wird dargestellt, wie er in das Erdenelement eintaucht. Das wird bis zu jener Anschaulichkeit gebracht, die uns sagt, daß er wie Tote, die in Gräbern liegen, selbst Erde im Munde fühlt. Und deutlich wird uns dann angedeutet, wie er das Wasserelement durchlebt und alles dasjenige, was im Wasserelement erlebt werden kann, wenn man dieses Wasserelement zugleich mit seinem moralischen Inhalt erlebt. Dann wiederum wird angedeutet, wie der Mensch zusammenkommt mit dem Feuerelement, mit dem Luftelement.
[ 10 ] That Olaf Åsteson experienced something of this immersion in the elements can still be sensed in the passage where it is first described how Olaf arrives at the Gjallar Bridge and how he walks across the bridge along the paths of the spiritual world, which stretch far and wide. How vividly the experience with the earth element is described to us, how he is depicted as immersing himself in the earth element. This is brought to such a degree of vividness that it tells us he feels earth in his mouth, just as the dead do when they lie in their graves. And it is then clearly indicated to us how he experiences the water element and all that can be experienced in the water element when one experiences this water element together with its moral content. Then again, it is indicated how the human being comes into contact with the fire element, with the air element.
[ 11 ] Das alles ist in einer wunderbar anschaulichen Weise geschildert und zusammengebracht in dem Erleben des Zusammenseins der Menschenseele mit den Geheimnissen der geistigen Welt. Die Legende ist später aufgefunden worden; sie ist gesammelt worden da, wo sie noch lebte im Munde des Volkes. Und es ist manches in dieser Legende, so wie sie heute ist, nicht mehr so, wie es ursprünglich war. Ursprünglich war ohne Zweifel erst die anschauliche Schilderung der Erlebnisse im Erdengebiete, dann der Erlebnisse im Wassergebiete. Und dann waren die Erlebnisse im Luft- und im Feuergebiete wohl noch viel differenzierter, als es der Fall ist in dem schwachen Nachklange, der nach Jahrhunderten aufgefunden worden ist und der uns heute vorliegt.
[ 11 ] All of this is described in a wonderfully vivid way and brought together in the experience of the human soul’s communion with the mysteries of the spiritual world. The legend was discovered later; it was collected where it still lived on in the mouths of the people. And there are many things in this legend, as it is today, that are no longer as they originally were. Originally, there was undoubtedly first the vivid description of the experiences in the earth realm, then those in the water realm. And then the experiences in the air and fire realms were likely even more nuanced than is the case in the faint echo that was discovered centuries later and which we have before us today.
[ 12 ] Ebenso war zweifellos viel großartiger und weniger sentimental der Schluß, der gar nicht mehr, so wie er heute dasteht, an die ursprünglich ungeheuer grandiose Sprache erinnert, an das übermenschlich Ergreifende, das in solchen Volkslegenden lag, während der heutige Schluß eben nur menschlich ergreifend ist; ergreifend deshalb, weil er mit so tiefen Geheimnissen des Makrokosmos und des menschlichen Erlebens im Zusammenhange steht.
[ 12 ] Likewise, the ending was undoubtedly far more magnificent and less sentimental; in its current form, it no longer evokes the originally immense grandeur of the language or the superhuman poignancy inherent in such folk legends, whereas today’s ending is merely humanly moving; moving precisely because it is connected to such profound mysteries of the macrocosm and human experience.
[ 13 ] In solchen Zeiten, wie diejenige ist, in der wir jetzt leben, in solchen Jahreszeiten, wenn wir sie richtig verstehen, ist viel Veranlassung gegeben, zu gedenken der Tatsache, daß die Menschheit — allerdings mit einem andersgearteten, mehr dumpfen, dämmerigen Erkennen — in der Vorzeit durchdrungen war von einem Wissen, das verlorengegangen ist und das wiedererrungen werden muß. Und da kann vor unsere Seele die Frage wiederum hintreten: Müssen wir es nicht, da wir heute schon erkennen können, wie ein solches Wissen wiederum zum Heil der Menschheit kommen muß, als eine unserer dringendsten Aufgaben betrachten, alles zu tun, was ein solches Wissen herbeiführen kann, was die jetzige Menschheitskultur mit einem solchen Wissen durchdringen kann?
[ 13 ] In times such as the one in which we now live, in seasons such as these—if we understand them correctly—there is ample cause to reflect on the fact that humanity, albeit with a different kind of knowledge, one that was more dull and dim, was in ancient times imbued with a wisdom that has been lost and must be regained. And so the question may once again arise in our souls: Since we can already recognize today how such knowledge must once again come to the benefit of humanity, must we not regard it as one of our most urgent tasks to do everything that can bring about such knowledge, that can permeate present-day human culture with such knowledge?
[ 14 ] Mancherlei wird notwendig sein, damit in der richtigen Weise dieser eben angedeutete Umschwung im ganzen menschlichen, ich möchte jetzt sagen, Weltanschauungsfühlen eintreten kann. Vor allen Dingen wird eines notwendig sein; eines sage ich, denn es ist eines unter vielen; aber man kann immer nur eines nehmen. Notwendig wird sein, daß sich die Menschenseelen aneignen auf dem Boden unserer geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung Ehrfurcht und Hingebung gegenüber dem, was in uralten Zeiten in alter Art gewußt worden ist von den großen Geheimnissen des Daseins. Zu der Empfindung wird man gelangen müssen, wie es in den materialistischen Zeiten versäumt worden ist, diese Ehrfurcht und diese Hingebung in der Seele zu entwickeln.
[ 14 ] Many things will be necessary for the shift I have just hinted at to take place in the right way within the entire human—I would now say—worldview. Above all, one thing will be necessary; I mention one, for it is one among many; but one can only ever take one at a time. It will be necessary for human souls, on the basis of our worldview based on Spiritual Science, to cultivate reverence and devotion toward what was known in ancient times, in the old way, about the great mysteries of existence. One will have to arrive at the realization of how, in materialistic times, this awe and this devotion have been neglected in the soul.
[ 15 ] Eine Empfindung wird man davon bekommen müssen, wie trokken und nüchtern diese materialistische Zeit ist, und wie hochmütig auf die Verstandeserkenntnis die Menschheit in den ersten Jahrhunderten der fünften nachatlantischen Kulturperiode dagestanden hat vor den Offenbarungen alter Religions- und alter Wissensüberlieferungen, die wahrhaftig, wenn man mit der nötigen Ehrfurcht ihnen naht, ahnen lassen, daß tiefe, tiefe Weisheit in ihnen ruht. Wie ehrfurchtslos im Grunde genommen stehen wir heute auch vor der Bibel! Ich will gar nicht sprechen von jener Art moderner Greuelforschung, welche die ganze Bibel zerzaust und zerfasert. Ich will nur sprechen von der nüchternen, trockenen Art, wie wir heute, gleichsam ausgerüstet nur mit Sinnenerkenntnis und den gewöhnlichen Verstandeskräften, uns der Bibel nahen, und wie wir nicht mehr eine Empfindung aufbringen können für die ungeheure Größe menschlicher Anschauung, die aus manchen Stellen uns entgegentritt. Auf eine Stelle aus dem 2. Mosesbuche, 33. Kapitel, Vers 18, möchte ich hinweisen: Und Moses spricht zu Gott: «Zeige mir doch die Gestalt deiner Offenbarung.»
[ 15 ] One cannot help but feel how dry and sober this materialistic age is, and how arrogantly humanity in the first centuries of the fifth post-Atlantean cultural epoch stood before the revelations of ancient religious and knowledge traditions—traditions which, if approached with the necessary reverence, suggest that profound, profound wisdom lies within them. How irreverent, in essence, are we today even before the Bible! I do not wish to speak at all of that kind of modern, gruesome scholarship that tears the entire Bible to shreds and unravels it. I wish only to speak of the sober, dry manner in which we approach the Bible today, equipped, as it were, only with sensory perception and the ordinary powers of the intellect, and how we can no longer muster a sense of the immense grandeur of human insight that confronts us in many passages. I would like to point to a passage from Exodus, chapter 33, verse 18: And Moses said to God, “Show me, I pray, the form of your revelation.”
[ 16 ] Worauf Jehova sprach: «Ich will vorüberziehen lassen alle meine Güte an deinem Angesicht, und ich will rufen den Namen Jehovas vor dir und will gnadevoll sein dem, den ich begnaden darf, und will Erbarmen üben mit dem, mit dem ich Erbarmen üben darf.»
[ 16 ] Then Jehovah said, “I will cause all my goodness to pass before you, and I will proclaim the name of Jehovah before you; and I will be gracious to whom I will be gracious, and I will show mercy to whom I will show mercy.”
[ 17 ] Dann aber spricht Jehova: «Du kannst mein Antlitz nicht sehen, denn mich sieht kein Mensch, der dann noch lebend bleiben kann.»
[ 17 ] But then Jehovah says: “You cannot see my face, for no one can see me and still live.”
[ 18 ] Und es spricht Jahve: «Hier ist ein Ort bei mir, stelle dich auf den Felsen, und wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, so will ich dich in eine Höhlung des Felsens stellen und meine Hand über dich decken, bis ich vorüber bin. Wenn ich dann meine Hand entferne, so wirst du meine Rückseite sehen, aber mein Antlitz kann nicht geschaut werden.»
[ 18 ] And the Lord said, “Here is a place by me; stand on the rock, and when my glory passes by, I will put you in a cleft of the rock and cover you with my hand until I have passed by. Then, when I take my hand away, you will see my back, but my face cannot be seen.”
[ 19 ] Wenn man zusammennimmt so manches, was in den verflossenen Jahren unseres geisteswissenschaftlichen Strebens in unsere Seelen und unsere Herzen hineinziehen konnte, und sich naht dieser Stelle, dann kann man die Empfindung haben: Ja, was spricht denn da für eine unendliche Weisheit aus dieser Stelle, und wie taub sind die Menschenohren des materialistischen Zeitalters, daß sie so gar nichts vernehmen können von der unendlich tiefen Weisheit, die aus dieser Stelle spricht. Ich möchte zugleich die Gelegenheit ergreifen, Sie hinzuweisen auf ein Büchelchen, das erschienen ist mit dem Titel: «Worte Mosis» in Bruns’ Verlag in Minden in Westfalen, und zwar deshalb, weil manches in diesem Büchelchen aus den Fünf Büchern Moses besser übersetzt ist als in andern Ausgaben. Es hat sich da Dr. Hugo Bergmann, welcher der Herausgeber der «Worte Mosis» ist, für die Interpretation viele Mühe gegeben.
[ 19 ] When we take stock of all that has found its way into our souls and hearts over the years of our Spiritual Science quest, and approach this passage, we may be moved to feel: Yes, what infinite wisdom speaks from this passage, and how deaf are the human ears of the materialistic age that they can hear nothing at all of the infinitely deep wisdom that speaks from this passage. I would also like to take this opportunity to draw your attention to a little book that has been published under the title: “Worte Mosis” by Bruns’ Verlag in Minden, Westphalia, because some passages in this little book from the Five Books of Moses are better translated than in other editions. Dr. Hugo Bergmann, the editor of “Worte Mosis,” has put a great deal of effort into the interpretation.
[ 20 ] Daß im Grunde genommen der Mensch sich aneignen müsse eine ganz andere Art des Sich-Verhaltens zur Welt, wenn er in die geistigen Welten eintauchen will, als das Verhalten zur Sinneswelt ist, das haben wir öfter hervorgehoben. Die Sinneswelt hat der Mensch um sich. Er schaut hin auf die Sinneswelt, er sieht sie in ihren Farben und Formen, hört ihre Töne. Die Sinneswelt ist da; wir stehen ihr gegenüber; sie wirkt auf uns; wir nehmen sie in der Wahrnehmung auf, wir denken über sie nach. So ist unser Verhalten zur Sinneswelt. Wir sind passiv; sie arbeitet sich gleichsam in unsere Seele hinein. Wir denken über die Sinneswelt, wir stellen die Sinneswelt vor.
[ 20 ] We have often emphasized that, fundamentally, if a person wishes to enter the spiritual worlds, they must adopt a completely different way of relating to the world than the way they relate to the sensory world. The sensory world surrounds us. We look at the sensory world; we see it in its colors and forms, hear its sounds. The sensory world is there; we stand before it; it acts upon us; we take it in through perception, we reflect upon it. Such is our attitude toward the sensory world. We are passive; it works its way, as it were, into our soul. We reflect upon the sensory world; we create a mental image of the sensory world.
[ 21 ] Ganz anders ist unser Verhalten, wenn wir uns hinaufleben in die geistige Welt. Darin besteht eine der Schwierigkeiten, richtige Vorstellungen zu gewinnen über das, was der Mensch erlebt, wenn er in die geistige Welt eintritt. Ich habe versucht, einige dieser Schwierigkeiten zu charakterisieren in dem Büchelchen: «Die Schwelle der geistigen Welt.» Wir stellen die Sinneswelt vor, wir denken über die Sinneswelt. Wenn wir alles das durchmachen, was derjenige durchzumachen hat, der den Pfad der Initiation gehen will, dann tritt etwas ein, was man so charakterisieren kann: Wie die Dinge um uns herum sich zu uns verhalten, so verhalten wir uns selber zu den Wesenheiten der höheren Hierarchien: die stellen uns vor, die denken uns. Wir denken die Gegenstände außer uns, die Mineralien, Pflanzen und Tiere: sie werden unsere Gedanken. Wir wiederum sind die Vorstellungen, Gedanken und Wahrnehmungen der Geister der höheren Hierarchien. Wir werden zu den Gedanken der Angeloi, Archangeloi, Archai und so weiter. Wir werden aufgenommen von ihnen, wie wir selber aufnehmen die Pflanzen, Tiere und Menschen. Und wir müssen uns geborgen fühlen, indem wir uns sagen können: Es denken uns die Wesen der höheren Hierarchien, sie stellen uns vor. Diese Wesen der höheren Hierarchien ergreifen uns mit ihren Seelen. — Ja, wir können uns geradezu vorstellen: indem jener Olaf Åsteson vor dem Kirchentor einschlief, wurde er eine Vorstellung der Geister der höheren Hierarchien, und während er schlief, erlebten die Wesen der höheren Hierarchien dasjenige, was erleben die Wesen des Erdgeistes, der für uns ja eine Pluralität ist. Und indem Olaf Åsteson wieder heruntersinkt in die physische Welt, erinnert er sich an dasjenige, was die Geister der höheren Hierarchien in ihm erlebt haben.
[ 21 ] Our behavior is quite different when we ascend into the spiritual world. This is one of the difficulties in forming accurate mental images about what a person experiences when entering the spiritual world. I have attempted to describe some of these difficulties in the little book *The Threshold of the Spiritual World*. We imagine the sensory world; we think about the sensory world. When we go through everything that one who wishes to walk the path of initiation must go through, then something occurs that can be described as follows: Just as the things around us relate to us, so do we ourselves relate to the beings of the higher hierarchies: they imagine us; they think of us. We think of the objects outside ourselves—the minerals, plants, and animals—and they become our thoughts. We, in turn, are the mental images, thoughts, and perceptions of the spirits of the higher hierarchies. We become the thoughts of the Angeloi, Archangeloi, Archai, and so on. We are taken in by them, just as we ourselves take in the plants, animals, and people. And we must feel secure by being able to say to ourselves: The beings of the higher hierarchies think of us; they conceive of us. These beings of the higher hierarchies embrace us with their souls. — Yes, we can quite imagine: by falling asleep before the church gate, that Olaf Åsteson became a mental image for the spirits of the higher hierarchies, and while he slept, the beings of the higher hierarchies experienced what the beings of the Earth Spirit experience—which for us is, after all, a plurality. And as Olaf Åsteson sinks back down into the physical world, he remembers what the spirits of the higher hierarchies experienced within him.
[ 22 ] Stellen wir uns einmal vor: wir begeben uns auf den Pfad der Initiation! Wie können wir uns verhalten zu den geistigen Welten, in die wir als in eine Summe von geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien unseren Einzug halten wollen? Wie können wir uns zu ihnen verhalten? — Wir können sie ansprechen und können zu ihnen sagen: Wie gelangen wir in Euch hinein, wie offenbart Ihr Euch uns? — Und dann, wenn wir Verständnis gewonnen haben für die andere Art des Verhaltens der Menschenseele zu den höheren Welten, wird uns gewissermaßen entgegentönen aus den geistigen Welten: Ja, so wie du die Sinneswelt wahrnimmst, daß sie vor deinem Blicke erscheint, vor deinen Sinnen auftritt, so kannst du die geistige Welt nicht wahrnehmen, Wir müssen dich vorstellen, und du mußt dich in uns empfinden. Du mußt dich so empfinden, wie der Gedanke, den du in der Sinneswelt denkst, sich erleben würde, wenn er sich in dir erleben könnte. Du mußt dich hingeben der geistigen Welt, dann wird in dich einziehen alles das, was sich dir offenbaren kann an Wesenheiten der höheren Hierarchien. Dann wird es in deine Seele einfließen und gnadevoll in Sinneswelt denkst. Wenn dich die geistige Welt begnadigen will, dann wird sie dich durchdringen mit ihrer Liebe! Wenn sie sich deiner erbarmen und dich mit ihrer Liebe durchdringen will.
[ 22 ] Let us imagine for a moment: we are setting out on the path of initiation! How should we relate to the spiritual worlds into which we wish to enter as a collective of spiritual beings from the higher hierarchies? How can we relate to them? — We can address them and say to them: How do we enter into you, how do you reveal yourselves to us? — And then, once we have gained an understanding of the different way the human soul relates to the higher worlds, a response will, as it were, come back to us from the spiritual worlds: Yes, just as you perceive the sensory world—that it appears before your eyes, presents itself to your senses—so you cannot perceive the spiritual world. We must introduce you to it, and you must feel yourself within us. You must feel yourself as the thought you think in the sensory world would experience itself if it could experience itself within you. You must surrender yourself to the spiritual world; then all that can be revealed to you of the beings of the higher hierarchies will enter into you. Then it will flow into your soul, and you will think in the sensory world with grace. If the spiritual world wishes to bestow grace upon you, then it will permeate you with its love! If it wishes to have mercy on you and permeate you with its love.
[ 23 ] Denn du mußt nicht glauben, daß. du dich den geistigen Wesen so gegenüberstellen kannst wie der sinnlichen Welt. Wie Moses in die Höhlung gehen mußte, so mußt du in die Höhlung der geistigen Welt dich hineinbegeben. Du mußt dich da hineinstellen. Wie der Gedanke in dir lebt, so mußt du dich in die geistigen Wesen hineinleben. Du mußt selber als Weltgedanke in dem Makrokosmos darinnen leben. Das, was du so erlebst, von selbst zu erleben, das kannst du nicht während deines Erdenlebens zwischen der Geburt und dem Tode; das kannst du nur nach dem Tode, wenn du gestorben bist. Niemand kann die geistige Welt so erleben, bevor er gestorben ist, aber vorüberziehen kann an dir die geistige Welt, dich begnadigen, dich mit ihrer Liebe durchfluten. Und dann, wenn du nachher oder während du darinnen bist in dieser geistigen Welt, dein Erdenbewußitsein entwickelst, dann erglänzt dir herein in dein Erdenbewußtsein dasjenige, was die geistige Welt ist.
[ 23 ] For you must not think that you can approach spiritual beings in the same way as you approach the physical world. Just as Moses had to enter the cave, so must you enter the depths of the spiritual world. You must place yourself there. Just as the thought lives within you, so must you live yourself into the spiritual beings. You must live there yourself as a world-thought within the macrocosm. What you experience in this way—to experience it of your own accord—you cannot do during your earthly life between birth and death; you can do that only after death, when you have died. No one can experience the spiritual world in this way before they have died, but the spiritual world can pass over you, bestow grace upon you, and flood you with its love. And then, when you subsequently—or while you are already within this spiritual world—develop your earthly consciousness, that which is the spiritual world will shine into your earthly consciousness.
[ 24 ] Wie der Gegenstand draußen ist und der Mensch gegenübersteht dem Gegenstande, wie der Gegenstand hineinragt in sein Bewußtsein und dann darinnen ist, so ist der Mensch mit seiner Seele in der Höhlung der geistigen Welt (Zeichnungen 1 und 2).
[ 24 ] Just as an object exists outside and a person stands before it, just as the object penetrates into the person’s consciousness and then resides there, so too does the person, with his or her soul, dwell within the recesses of the spiritual world (Figures 1 and 2).


[ 25 ] Die geistige Welt zieht durch ihn durch. Hier ist der Mensch vor den Dingen. Wenn der Mensch eingeht in die geistige Welt, sind die Wesenheiten der höheren Hierarchien hinter ihm. Da kann er nicht ihr Angesicht sehen, so wie die Gedanken nicht unser Antlitz sehen, wenn sie in uns sind. Das Antlitz ist vorn; die Gedanken sind dahinter, sie sehen nicht das Antlitz. Das ganze Geheimnis der Initiation ruht in den Worten, die Jahve zu Moses spricht.
[ 25 ] The spiritual world flows through him. Here, the human being is before things. When the human being enters the spiritual world, the beings of the higher hierarchies are behind him. There he cannot see their faces, just as thoughts do not see our faces when they are within us. The face is in front; the thoughts are behind it; they do not see the face. The whole mystery of initiation lies in the words that Yahweh speaks to Moses.
[ 26 ] Und Moses spricht zu Gott: «Zeige mir doch die Gestalt deiner Offenbarung.»
[ 26 ] And Moses said to God, “Please show me the form of your revelation.”
[ 27 ] Worauf Jehova sprach: «Ich will vorüberziehen lassen alle meine Güte an deinem Angesicht, und ich will rufen den Namen Jehovas vor dir und will gnadevoll sein dem, den ich begnaden darf, und will Erbarmen üben mit dem, mit dem ich Erbarmen üben darf.»
[ 27 ] Then Jehovah said, “I will cause all my goodness to pass before you, and I will proclaim the name of Jehovah before you; and I will be gracious to whom I will be gracious, and I will show mercy to whom I will show mercy.”
[ 28 ] Dann aber spricht Jehova: «Du kannst mein Antlitz nicht sehen, denn mich sieht kein Mensch, der dann noch lebend bleiben kann.»
[ 28 ] But then Jehovah says: “You cannot see my face, for no one can see me and still live.”
[ 29 ] An die Pforte des Todes kommt man ja durch die Initiation.
[ 29 ] One reaches the gates of death through initiation.
[ 30 ] Und es spricht Jahve: «Hier ist ein Ort bei mir, stelle dich auf den Felsen, und wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, so will ich dich in eine Höhlung des Felsens stellen und meine Hand über dich decken, bis ich vorüber bin. Wenn ich dann meine Hand entferne, so wirst du meine Rückseite sehen, aber mein Antlitz kann nicht geschaut werden.»
[ 30 ] And the Lord said, “Here is a place by me; stand on the rock, and when my glory passes by, I will put you in a cleft of the rock and cover you with my hand until I have passed by. Then, when I take my hand away, you will see my back, but my face cannot be seen.”
[ 31 ] Es ist die entgegengesetzte Art, wie man die Sinneswelt wahrnimmt. Man muß vieles von dem, was man sich durch Jahre hindurch erwirbt an geisteswissenschaftlichem Streben, aufbringen, um in der richtigen Weise in Ehrfurcht und Hingabe vor einer solchen Offenbarung zu stehen. Dann aber kommt allmählich immer mehr und mehr dieses Gefühl der Ehrfurcht gegenüber diesen Offenbarungen in die Menschenseele hinein, und unter dem mancherlei, was wir brauchen, damit der angedeutete Umschwung in der geistigen Menschheitskultur hervortreten kann, ist diese Ehrfurcht, diese Hingebung.
[ 31 ] It is the opposite way of perceiving the sensory world. One must draw upon much of what one has acquired over the years through endeavor in Spiritual Science in order to stand before such a revelation in the proper manner, with reverence and devotion. But then, little by little, this feeling of reverence toward these revelations enters the human soul, and among the many things we need so that the indicated transformation in humanity’s spiritual culture can come to the fore is this reverence, this devotion.
[ 32 ] Die Zeit, in welcher das geringste Maß von Eindrücken aus dem Makrokosmos zur Erde kommt, die Zeit von Weihnachten bis über das Neujahr hinaus, ungefähr bis zum 6. Januar, ist wohl geeignet, daß man sich nicht nur erinnere an das Gegenständliche der geistigen Erkenntnis, sondern an die Empfindungen, die wir in uns entwickeln müssen durch das Aufnehmen der Geisteswissenschaft. Wahrhaft leben wir uns also wieder hinein in den Erdgeist, mit dem wir zusammen doch eine Ganzheit bilden, und mit dem lebte das alte, hellseherische Erkennen, wie es uns etwa in dieser Legende von Olaf Åsteson dargestellt ist. Ehrfurcht und Hingebung gegenüber dem geistigen Leben hat die Menschheit des materialistischen Zeitalters vielfach verlernt. Notwendig ist es vor allen Dingen, darauf zu achten, daß diese Ehrfurcht und diese Hingebung wiederum kommt, denn nur dadurch werden wir die Stimmung entwickeln können, die uns auch in der richtigen Weise an die neue Geisteswissenschaft heranbringt. Vorerst ist immer noch jene Stimmung da, welche an diese Geisteswissenschaft so herantritt, wie man an die andere, gewöhnliche Wissenschaft herantritt. In dieser Beziehung muß aber eine gründliche Umkehr stattfinden.
[ 32 ] The time when the least amount of impressions from the macrocosm reaches the Earth—the period from Christmas through New Year’s Day and on until about January 6—is well suited for recalling not only the concrete aspects of spiritual knowledge but also the feelings we must develop within ourselves through the absorption of Spiritual Science. Thus we truly live ourselves back into the Earth Spirit, with which we together form a whole, and with which the ancient, clairvoyant knowledge lived, as it is depicted for us, for example, in this legend of Olaf Åsteson. Humanity in the materialistic age has largely forgotten reverence and devotion toward spiritual life. Above all, it is necessary to ensure that this reverence and devotion return, for only through them will we be able to develop the attitude that will also bring us to the new Spiritual Science in the right way. For the time being, the prevailing attitude is still one that approaches the Spiritual Science in the same way one approaches other, conventional sciences. In this regard, however, a fundamental reversal must take place.
[ 33 ] Dadurch, daß der Menschheit verlorengegangen ist die Einsicht in die geistige Welt, ist auch verlorengegangen das richtige Verhältnis des Menschen zum ganzen Menschenwesen, zur Menschheit. Die materialistische Weltanschauung erzeugt chaotische Empfindungen über das Weltendasein. Diese chaotischen Empfindungen über das Welt- und Menschheitsdasein mußten hereinbrechen in der Zeit des Materialismus. Nehmen wir eine Zeit — und diese Zeit ist die unsrige: es sind die ersten Jahrhunderte der fünften nachatlantischen Kulturperiode —, wo man so gar keine wirkliche Ahnung mehr davon hatte, daß des Menschen Wesen ein dreifaches ist: das leibliche, das seelische und das geistige Wesen. Denn wahrhaftig, so ist es. Dasjenige, was für uns schon zu den ersten Elementen des geisteswissenschaftlichen Erkennens gehören muß: die Dreigliederung des Menschen in Leib, Seele und Geist, es fehlte von den ersten vier Jahrhunderten der fünften nachatlantischen Kulturperiode an bis in unsere Zeit hinein jede Ahnung davon. Der Mensch war eben Mensch, und alles Sprechen über eine menschliche Gliederung von der Art, wie wir sie haben in Leib, Seele und Geist, galt als törichte, phantastische Rederei.
[ 33 ] Because humanity has lost its understanding of the spiritual world, it has also lost its proper relationship to the whole of human existence, to humanity. The materialistic worldview gives rise to chaotic feelings about existence in the world. These chaotic feelings about the existence of the world and humanity were bound to arise in the age of materialism. Let us take a period—and this period is our own: the first centuries of the fifth post-Atlantean cultural epoch—when people no longer had any real inkling that the human being is a threefold being: physical, soul, and spiritual. For truly, this is so. That which for us must already belong to the very first elements of Spiritual Science—the threefold division of the human being into body, soul, and spirit—was completely unknown from the first four centuries of the fifth post-Atlantean cultural epoch right up to our own time. Human beings were simply human beings, and any talk of a human division of the kind we have into body, soul, and spirit was regarded as foolish, fanciful prattle.
[ 34 ] Man könnte glauben, daß diese Dinge nur bedeutsam sind für die Erkenntnis. Das sind sie aber nicht. Sie sind nicht allein bedeutsam für die Erkenntnis, sondern sie sind auch bedeutsam für die ganze Art, wie sich der Mensch in das Leben hineinstellt. Im dritten Jahrhundert der neuzeitlichen Entwickelung oder auch, wie wir in unserer Sprache sagen, der Entwickelung der fünften nachatlantischen Kulturperiode, brachen in diese Zeit hinein drei gewaltige Worte, in denen gewissermaßen verstand oder wenigstens zu verstehen versuchte diese Zeit das Zentrum menschlichen Wollens im Erdenerleben. Drei Worte, die bedeutsam sind, die aber ihre Eigentümlichkeit erhielten dadurch, daß sie in der Zeit in die Menschheit hineinbrachen, in welcher man nichts wußte von der Dreigliederung der menschlichen Natur. Die Menschheit hörte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
[ 34 ] One might think that these things are significant only for knowledge. But they are not. They are not significant merely for knowledge; they are also significant for the entire way in which human beings approach life. In the third century of modern development—or, as we say in our language, the development of the fifth post-Atlantean cultural epoch—three powerful words burst into this era, through which this age, in a sense, understood or at least attempted to understand the center of human will in earthly existence. Three words that are significant, but which acquired their distinctive character by bursting into humanity at a time when nothing was known about the threefold nature of the human being. Humanity heard of liberty, equality, and fraternity.
[ 35 ] Daß diese Worte hineintönten in einer bestimmten Zeit in die neuzeitliche Kultur, war eine tiefe Notwendigkeit. Verstehen wird man diese Worte wirklich erst, wenn man die dreifache Gliederung der menschlichen Natur verstehen wird, weil man dann erst wissen wird, welche Bedeutung diese Worte für die Menschennatur, im wahren Sinne des Wortes, haben können. Solange man mit jenen chaotischen Empfindungen diese drei Worte erfüllt, die da ausgehen von dem Gedanken: Mensch ist Mensch, und die Dreigliederung des Menschen ist ein törichtes Wahngebilde — so lange kann der Mensch auch nicht innerhalb des Gebietes der Richtlinie dieser drei Worte sich zurechtfinden. Denn so, wie uns die drei Worte entgegentreten, können sie nicht unmittelbar, man möchte sagen, auf gleichen Niveauflächen des menschlichen Erlebens angewendet werden. Das können sie nicht. Einfache Erwägungen, die Ihnen vielleicht deshalb, weil sie so einfach sind, nicht gleich in dem Schwerwiegenden, das sie bedeuten, vor das Seelenauge treten werden, können Ihnen andeuten, wie auf der gleichen Niveaufläche des Lebens das, was diese drei Worte bedeuten, in ernste Lebenskonflikte geraten kann.
[ 35 ] That these words resonated within modern culture at a specific time was a profound necessity. One will truly understand these words only when one understands the threefold structure of human nature, for only then will one know what significance these words can have for human nature, in the truest sense of the word. As long as one fills these three words with those chaotic feelings that stem from the idea that ‘man is man,’ and that the threefold structure of the human being is a foolish delusion—as long as this is the case, one cannot find one’s way within the scope of the guidance offered by these three words. For just as these three words present themselves to us, they cannot be applied directly—one might say—on the same levels of human experience. They cannot do that. Simple considerations—which, perhaps because they are so simple, will not immediately appear before the eye of the soul in all the gravity they signify—can suggest to you how, on the same level of life, what these three words mean can lead to serious conflicts in life.
[ 36 ] Nehmen wir zunächst das Gebiet, in dem uns auf die natürlichste Weise der Welt die Brüderlichkeit entgegentritt. Nehmen wir die menschliche Blutsverwandtschaft, die Familie, wo wir die Brüderlichkeit nicht erst herzustellen brauchen, wo sie dem Menschen naturgemäß angeboren ist, und bedenken wir, wie es zu unseren Empfindungen spricht, wenn wir sehen können, daß in einer Familie echte, wahre Brüderlichkeit herrscht, daß alles brüderlich verbunden ist. Aber jetzt — ohne daß wir in geringstem Maße etwas zu dämpfen brauchen von der wundervollen Empfindung, die wir von dieser Brüderlichkeit haben können — werfen wir den Blick hinein, um zu sehen, was innerhalb der Brüderlichkeit der Familie entstehen kann, gerade wegen der Brüderlichkeit der Familie. Ein Glied kann in der Familie sein, welches sich gerade wegen der innerhalb der Familie gerechtfertigten Brüderlichkeit nicht wohl fühlt, sich heraussehnt aus der Brüderlichkeit der Familie, weil es fühlt, daß es die Seele nicht entfalten kann in der Brüderlichkeit der Familie, weil es fühlt, daß es heraus muß zur freien Entfaltung der Seele aus der Familie, in der es so brüderlich leben kann. Wir sehen: die Freiheit, die freie Entfaltung des Seelenlebens, kann in Konflikt kommen mit der allerbestgemeinten Brüderlichkeit.
[ 36 ] Let us first consider the sphere in which brotherhood confronts us in the most natural way possible. Let us consider human kinship, the family, where we do not first need to establish brotherhood, where it is naturally innate to human beings, and let us reflect on how it speaks to our feelings when we can see that genuine, true brotherhood reigns in a family, that everything is bound together in brotherhood. But now—without needing to dampen in the slightest the wonderful feeling we can have of this brotherhood—let us look within to see what can arise within the brotherhood of the family, precisely because of the family’s brotherhood. There may be a member of the family who, precisely because of the brotherhood justified within the family, does not feel at ease, who longs to break free from the family’s brotherhood, because they feel they cannot unfold their soul within the family’s brotherhood, because they feel they must leave the family—in which they can live so fraternally—to allow for the free unfolding of the soul. We see: freedom, the free unfolding of the soul’s life, can come into conflict with the most well-intentioned brotherhood.
[ 37 ] Selbstverständlich kann der Oberflächling sagen, das wäre nicht die rechte Brüderlichkeit, die mit der Freiheit einer Seele innerhalb der Brüderlichkeit sich nicht verträgt. Aber sagen kann man alles, was sich vorstellen läßt. Man kann sagen, daß sich alles miteinander verträgt, daran ist ja gar kein Zweifel. Ich habe neulich einmal eine Dissertation in die Hand bekommen. Unter den Thesen, die da zu verteidigen waren, war die These aufgestellt: Ein Dreieck ist ein Viereck. Man kann natürlich auch das verteidigen — ja, man kann es sogar streng beweisen, daß ein Dreieck ein Viereck ist! Sokann man auch voll beweisen, daß Brüderlichkeit und Freiheit vereinbar sind. Aber darum handelt es sich nicht, sondern es handelt sich darum, wie um der Freiheit willen manches Gebiet der Brüderlichkeit verlassen werden muß und auch verlassen wird. So könnten wir noch manches andere anführen.
[ 37 ] Of course, a superficial person might say that this is not true brotherhood, which is incompatible with the freedom of a soul within the brotherhood. But one can say anything one can imagine. One can say that everything is compatible with everything else; there is no doubt about that. I recently came across a dissertation. Among the theses to be defended was the following: A triangle is a quadrilateral. Of course, one can defend that as well—indeed, one can even rigorously prove that a triangle is a quadrilateral! One can also fully prove that brotherhood and freedom are compatible. But that is not the point; rather, the point is that, for the sake of freedom, certain areas of brotherhood must be abandoned—and indeed are abandoned. We could cite many other examples.
[ 38 ] Wenn man die Diskrepanzen zwischen Brüderlichkeit und Gleichheit aufzählen wollte, so würde man sehr lange darüber reden müssen. Selbstverständlich, in abstracto kann man sich wieder vorstellen: alle können gleich sein, und kann zeigen, daß sich Brüderlichkeit und Gleichheit vertragen. Aber es handelt sich nicht um Abstraktionen, sondern um die Beobachtung der Wirklichkeit, wenn wir es mit dem Leben ernst und ehrlich nehmen. In dem Augenblicke, da wir wissen, daß die menschliche Wesenheit aus dem Leiblichen, das auf dem physischen Plane sich auslebt, besteht, aus dem Seelischen, das in der Seelenwelt eigentlich sich auslebt, und aus dem Geistigen, das in der geistigen. Welt sich auslebt, in diesem Augenblicke eröffnet sich auch die richtige Perspektive für den Zusammenhang der drei gewaltigen Worte, die wir angeführt haben. Brüderlichkeit ist das wichtigste Ideal für die physische Welt. Freiheit für die Seelenwelt, und — insofern der Mensch in der Seelenwelt darinnensteht, sollte man sprechen von der Freiheit der Seele, das heißt von einem solchen sozialen Zustande, welcher der Freiheit der Seele volle Gewähr leistet. Und wenn man bedenkt, daß wir, jeder von uns, streben müssen von unserem individuellen Standpunkte aus nach Geist-Erkenntnis, nach der Entwickelung unseres Geistes, um mit dem Geiste im Geisterland darinnenzustehen, so wird uns sehr bald vor das geistige Auge treten, wohin wir kämen mit unserer Geistauffassung, wenn jeder nur auf seinem eigenen Wege suchte und jeder zu einem ganz andern Geistesinhalt käme.
[ 38 ] If one were to list the discrepancies between brotherhood and equality, one would have to talk about them at great length. Of course, in the abstract, one can have a mental image of everyone being equal, and one can show that brotherhood and equality are compatible. But we are not dealing with abstractions, but with the observation of reality, if we take life seriously and honestly. The moment we realize that the human being consists of the physical, which lives out its life on the physical plane; the soul, which actually lives out its life in the soul world; and the spiritual, which lives out its life in the spiritual world— At that moment, the correct perspective also opens up for the connection between the three powerful words we have cited. Brotherhood is the most important ideal for the physical world. Freedom for the soul world, and—insofar as the human being is situated within the soul world—one should speak of the freedom of the soul, that is, of a social condition that fully guarantees the freedom of the soul. And when we consider that each of us must strive, from our individual standpoint, for spiritual knowledge, for the development of our spirit, in order to be immersed in the spirit in the spiritual realm, it will very soon become clear to our spiritual eye where our conception of the spirit would lead us if everyone sought only on their own path and everyone arrived at a completely different spiritual content.
[ 39 ] Wir können uns überhaupt als Menschen nur im Leben zusammenfinden, wenn wir — jeder für sich selber — den Geist suchen und zuletzt zu einem gleichen geistigen Inhalte kommen können. Von der Gleichheit des Geisteslebens kann gesprochen werden. Von Brüderlichkeit auf dem phyischen Plane und in bezug auf alles das, was mit den Gesetzen des physischen Planes zusammenhängt und in die Menschenseele sich hineinlebt von dem physischen Plane aus. Freiheit in bezug auf alles das, was sich als Gesetze der Seelenwelt in die menschliche Seele hineinlebt; Gleichheit in bezug auf alles, was von den Gesetzen des Geisterlandes in die menschliche Seele sich hineinlebt.
[ 39 ] As human beings, we can only come together in life if we—each on our own—seek the spirit and are ultimately able to arrive at the same spiritual content. One can speak of the equality of spiritual life. Of brotherhood on the physical plane and in relation to everything connected with the laws of the physical plane and which lives its way into the human soul from the physical plane. Freedom in relation to everything that lives into the human soul as laws of the soul world; equality in relation to everything that lives into the human soul from the laws of the spirit realm.
[ 40 ] Sie sehen, ein Weltenneujahr muß angehen, in dem eine Sonne wachsen wird in bezug auf ihre wärmende und leuchtende Kraft: jene Sonne, welche für manches, was in der Zeit der Verdunkelung zwar lebt, aber unverstanden lebt, die leuchtende Wärme geben muß. Das ist gerade das Eigentümliche unserer Zeit, daß manches erstrebt, manches ausgesprochen wird, ohne daß es verstanden wird. |
[ 40 ] You see, a new world year must dawn, in which a sun will grow in terms of its warming and radiant power: that sun which must provide radiant warmth for many things that, though alive during the time of darkness, remain misunderstood. This is precisely what is peculiar about our time: that many things are strived for, many things are spoken of, without being understood. |
[ 41 ] Aber auch dieses kann uns zur Ehrfurcht führen und zur Hingebung gegenüber der geistigen Welt. Denn wenn wir bedenken, daß viele im dritten Jahrhundert der fünften nachatlantischen Periode die Worte Brüderlichkeit, Freiheit und Gleichheit erstrebten und ausgesprochen haben, ohne daß sie im Grunde genommen verstanden wurden, dann haben wir schon die Möglichkeit, zu verstehen und eine Antwort zu finden auf die Frage: Woher also sind diese Worte gekommen? Die göttlich-geistige Weltenordnung hat sie zunächst im voraus der noch nicht verstehenden Menschenseele eingeimpft, damit sich diese an solchen Leitworten hinaufranke zum wahren Weltverständnis. Selbst in solchen Tatsachen können wir die weisheitsvolle Führung in der Weltenevolution beobachten. In uns mehr oder weniger fern- oder naheliegenden Zeiten können wir überall diese Führung beobachten; beobachten, wie wir oftmals erst hinterher einsehen, daß das, was wir vorher gemacht haben, eigentlich weisheitsvoller war, als wir es mit der damaligen Weisheit, die wir beherrscht haben, hätten machen können. Ich habe darauf aufmerksam gemacht gleich im Beginne meiner Schrift über «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit».
[ 41 ] But this, too, can lead us to a sense of awe and devotion toward the spiritual world. For when we consider that many in the third century of the fifth post-Atlantean epoch strove for and uttered the words brotherhood, freedom, and equality without truly understanding them, we already have the opportunity to understand and find an answer to the question: Where, then, did these words come from? The divine-spiritual world order first instilled them in advance into the human soul, which did not yet understand, so that the soul might climb upward toward a true understanding of the world by clinging to such guiding principles. Even in such facts we can observe the wise guidance in the evolution of the world. In times more or less distant or close to us, we can observe this guidance everywhere; observe how we often only realize in hindsight that what we did before was actually wiser than we could have done with the wisdom we possessed at the time. I drew attention to this right at the beginning of my treatise on “The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity.”
[ 42 ] Aber wenn Sie so etwas nehmen wie die Tatsache, daß in die Weltentwickelung, in die Entwickelung des Menschen hineinfallen Richtungsworte, die erst nach und nach verstanden werden können, dann werden Sie wohl aufmerksam werden auf ein Bild, das man gebrauchen kann, wenn man diese abgelaufene Periode der fünften nachatlantischen Kulturepoche charakterisieren will. Sie ist nämlich wirklich in bezug auf gewisse Dinge zu vergleichen mit der Zeit des Advents, wo die Zeiten des Tageslichtes immer kürzer und kürzer werden. Und nun tritt die Entwickelung in dieser unserer Zeit, in der wir wiederum etwas wissen können von den Offenbarungen der geistigen Welt, in die Phase ein, in der wir die Vorstellung gewinnen können, daß die lichtvollen Zeiten länger und länger werden und wir davon sprechen können, daß uns dieser Zeitenlauf wirklich analog erscheinen kann den dreizehn Tagen und dem Wiederhineinleben in die wieder wachsenden Tage.
[ 42 ] But if you consider, for example, the fact that the course of world history and human development is marked by guiding principles that can only be understood gradually, then you will likely notice an image that can be used to characterize this past period of the fifth post-Atlantean cultural epoch. For in certain respects it can truly be compared to the season of Advent, when the hours of daylight grow shorter and shorter. And now, in our present time, when we can once again gain some knowledge of the revelations of the spiritual world, development is entering a phase in which we can form a mental image that the light-filled hours are growing longer and longer, and we can speak of how this course of time truly seems analogous to the thirteen days and the return to the days that are growing longer again.
[ 43 ] Aber die Sache geht noch tiefer. Es ist nicht richtig, ganz und gar nicht richtig, wenn wir nur böse Worte finden für die materialistische Zeit der letzten vier Jahrhunderte. Es kam ja diese neue Zeit dadurch herauf, daß man die großen Entdeckungen und Erfindungen machte, wie man sie eben «groß» nennt im materialistischen Zeitalter, zum Beispiel, daß man die Erde umschiffte, Länder entdeckte, die man früher nicht gekannt hat, daß man begann, die Erde zu kolonisieren. Das war der Beginn der materiellen Kultur. Und dann rückte nach und nach die Zeit heran, in der man fast erstickte in der materiellen Kultur. Die Zeit kam herauf, wo man alles, was man an geistigen Kräften hatte, zum Begreifen und Erfassen des materiellen Lebens anwendete. Immer mehr und mehr wurde vergessen, wie wir gesehen haben, dasjenige, was an Einblicken und Einsichten, an Schauungen in die geistige Welt aus alten Erkenntnissen vorhanden war.
[ 43 ] But the issue runs even deeper. It is not right—not right at all—for us to have only harsh words for the materialistic era of the past four centuries. After all, this new era arose because of the great discoveries and inventions—the kind we call “great” in the materialistic age—such as circumnavigating the globe, discovering lands previously unknown, and beginning to colonize the Earth. That was the beginning of material culture. And then, little by little, the time came when people were almost suffocating in material culture. The time came when all one’s spiritual powers were applied to understanding and grasping material life. As we have seen, what remained of the insights, perceptions, and visions into the spiritual world derived from ancient knowledge was increasingly forgotten.
[ 44 ] Aber es ist nicht richtig, wenn man nur böse Worte für die materialistische Zeit hat. Richtig ist vielmehr ein anderes; richtig ist, wenn man bedenkt, daß diese Menschenseele in ihrem wachen Teile materialistisch gedacht, materialistisch gesonnen hat, daß sie materialistisch die Wissenschaft und die Kultur begründet hat, daß aber diese Menschenseele ein Ganzes ist. Man könnte sagen: der eine Teil der Menschenseele begründete die materialistische Kultur. Früher war dieser Teil untätig, die Menschen wußten nichts von äußerer Wissenschaft, wußten nichts von äußerlichem, materiellem Leben; da war der spirituelle Teil mehr wach. (Es wurde gezeichnet.) In den letzten vier Jahrhunderten war gerade jener Teil wach, der die materialistische Kultur begründete; der andere aber hat geschlafen; er schlief, dieser andere Teil der Menschenseele. Und wahrhaftig, das, was wir jetzt an Kräften entwickeln in der Menschheit, um uns wieder hinaufzuarbeiten zur Spiritualität, ist veranlagt worden in der Zeit der materialistischen Kultur in den Seelengliedern, die unten geschlafen haben. Die «Menschheit» war wirklich in bezug auf die Geist-Erkenntnis in diesen Zeiten: Olaf Åsteson. Das war sie wirklich. Nur ist sie noch nicht erwacht, diese Menschheit! Die Geisteswissenschaft muß sie zum Erwachen bringen.
[ 44 ] But it is not right to have only harsh words for the materialistic age. What is right is something else; it is right to consider that, in its waking state, the human soul has thought and felt in a materialistic way, that it has established science and culture on a materialistic basis, but that this human soul is a whole. One could say: one part of the human soul established materialistic culture. In the past, this part was inactive; people knew nothing of external science, knew nothing of external, material life; the spiritual part was more awake then. (A diagram was drawn.) Over the last four centuries, it was precisely that part that was awake which founded materialistic culture; the other part, however, was asleep; this other part of the human soul was asleep. And truly, the forces we are now developing within humanity to work our way back up to spirituality were laid down during the era of materialistic culture in the soul members that lay dormant below. “Humanity” was truly, in terms of spiritual knowledge, in these times: Olaf Åsteson. That is truly what it was. Only, this humanity has not yet awakened! Spiritual Science must bring it to awakening.
[ 45 ] Die Zeit muß kommen, wo junge und auch alte Leute Worte hören, die gesprochen werden aus dem Teil der Menschenseele heraus, der geschlafen hat in der finsteren Zeit. Gar lange hat diese Menschenseele also geschlafen, aber es werden die Weltengeister an diese Menschenseele herantreten und ihr schon zurufen: Erwache nun, o Olaf Åsteson! — Wir müssen uns nur in der richtigen Weise vorbereiten, daß wir nicht vor den Ruf gestellt werden: Erwache nun, o Olaf Åsteson! — und nicht Ohren haben, zu hören. Dazu betreiben wir eben die Geisteswissenschaft, daß wir Ohren haben, wenn der Ruf nach dem spirituellen Wachsein in der Menschheitsentwickelung ertönen wird.
[ 45 ] The time must come when both young and old people hear words spoken from that part of the human soul which has been asleep during the dark ages. This human soul has slept for a very long time, but the world spirits will approach it and call out to it: Awake now, O Olaf Åsteson! — We must simply prepare ourselves in the right way, so that we are not confronted with the call: Awake now, O Olaf Åsteson! — and yet have no ears to hear. To this end, we pursue Spiritual Science, so that we may have ears when the call for spiritual awakening in human evolution resounds.
[ 46 ] Es ist gut, wenn der Mensch manchmal sich erinnert, daß er ein Mikrokosmos ist und daß ihm manches werden kann an Erlebnissen, wenn er in dem Makrokosmos aufgeht. Und wir haben gesehen: die Zeit, die Jahreszeit ist günstig, in der wir jetzt leben. Versuchen wir einmal, uns diese Neujahresnacht das Symbolum sein zu lassen für jene der Erdenentwickelung der Menschheit notwendige Neujahrsnacht, in der heranrücken wird die neue Zeitepoche, in der wachsen wird und immer mehr wachsen wird das Licht, das Seelenlicht, das Schauen, das Erkennen desjenigen, was im Spirituellen lebt und von dem Spirituellen aus die Menschenseele durchwallen und durchfluten kann. Bringen wir den Mikrokosmos unseres Erlebens in dieser Neujahrsnacht in Zusammenhang mit dem Makrokosmos des Menschheitserlebens über die Erde hin: dann werden wir erleben können, was wir an Empfindungen erleben sollen, da wir etwas ahnen können von dem Anbruch des neuen großen Weltentages in der fünften nachatlantischen Periode, an dessen Anbruch wir stehen, dessen Mitternacht wir würdig erleben wollen.
[ 46 ] It is good for a person to sometimes remember that they are a microcosm and that they can experience many things when they merge with the macrocosm. And we have seen: the time, the season in which we now live, is favorable. Let us try, on this New Year’s Eve, to let it be a symbol of that New Year’s Eve necessary for humanity’s earthly evolution, in which the new epoch will dawn, in which the light—the light of the soul, the vision—will grow and grow ever more, the recognition of that which lives in the spiritual and which, from the spiritual, can surge through and flood the human soul. Let us connect the microcosm of our experience on this New Year’s Eve with the macrocosm of humanity’s experience across the Earth: then we will be able to experience what we are meant to feel, for we can sense the dawn of the new great world day in the fifth post-Atlantean period, at the dawn of which we stand, and whose midnight we wish to experience with dignity.
