Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161
3 April 1915, Dornach
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Paths to Spiritual Insight and the Renewal of an Artistic Worldview, tr. SOL
Elfter Vortrag
Eleventh Lecture
[ 1 ] Festliche Gelegenheiten sind diejenigen, in denen die Menschen gemeinsam gedenken können wichtiger, bedeutungsvoller Angelegenheiten der Seele, der Entwickelung. Daher ist es wohl angemessen, daß wir anläßlich dieser Trauerfestestage auch gerade solche Betrachtungen anstellen, die ja in der Meditation oder sonst öfter über die Seele des einzelnen kommen können, die aber, durch solche Festestage veranlaßt, eine gemeinsame Besprechung finden können.
[ 1 ] Festive occasions are those in which people can come together to reflect on important, meaningful matters of the soul and spiritual development. It is therefore fitting that, on the occasion of these days of mourning and celebration, we engage in precisely such reflections—reflections that may often arise in meditation or otherwise regarding the soul of the individual, but which, prompted by such festive days, can be discussed collectively.
[ 2 ] Gestern deutete ich darauf hin, wie ein Zeichen für ein ganz besonders Wichtiges, sowohl in der menschlichen wie in der kosmischen Entwickelung, die Grablegung des Christus Jesus am Karfreitag jedes Jahres ist, und die Auferstehung am Ostersonntag-Morgen. Es sind die Tage, in denen die Menschenseele eigentlich ein Tiefstes ihrer innersten, wesentlichsten Angelegenheiten erleben kann, durchempfinden kann wenigstens. Das Zeichen für die Tatsache, daß die Christus-Wesenheit, oder sagen wir die Verkörperung der Christus-Wesenheit, auf Erden drei Tage lang im Todesdasein ruhte, das hängt ja — wir wissen das aus anderweitigen Betrachtungen — mit dem Tiefsten des Menschenwesens zusammen. Und vielleicht darf gerade heute vor den hier versammelten Freunden an ein gewichtiges Mysterium erinnert werden, das mit diesem Zeichen zusammenhängt.
[ 2 ] Yesterday I pointed out how the burial of Christ Jesus on Good Friday each year, and the Resurrection on Easter Sunday morning, serve as a sign of something particularly significant, both in human and cosmic evolution. These are the days when the human soul can actually experience—or at least deeply feel—the deepest of its innermost, most essential concerns. The symbol of the fact that the Christ Being—or, let us say, the incarnation of the Christ Being—rested in death on Earth for three days is, as we know from other considerations, connected with the deepest core of the human being. And perhaps today, before the friends gathered here, we may recall a profound mystery connected with this symbol.
[ 3 ] Wenn man so ganz vollständig empfindet dasjenige, was die symbolische Grablegung des Jesus Christus am Karfreitag bedeutet, was das Liegen im Grabe, das Durchgehen des Christus Jesus durch den Tod bedeutet, wenn man sich so ganz sachgemäß und befruchtet durch die Errungenschaften der Geisteswissenschaft in dieses Symbolum vertieft, dann erlebt man wirklich etwas, zunächst empfindend und denkend, das zusammenhängt mit den tiefsten Geheimnissen der Menschennatur auf Erden. Wir werden, wenn einstmals unser Bau fertig werden sollte, an einer bestimmten Stelle stehen haben — in Holz soll es geschnitzt werden — den Sieg der Christus-Wesenheit über Ahriman auf der einen Seite, über Luzifer auf der anderen Seite. Darstellen soll das dann, was Bedeutungsvolles sich abgespielt hat bei dem Durchgang der ChristusWesenheit durch das Mysterium von Golgatha, in bezug auf das Erdenverhältnis zwischen Christus, Ahriman und Luzifer. Und nun darf gesagt werden: Wenn man so recht, recht tief auf die Seele wirken läßt, aber tief verständnisvoll, das Liegen des Christus Jesus im Grabe, dann ist es, daß an die menschliche Seele herantritt ein Gefühl für die Bedeutung des Christus-Kampfes gegen Ahriman und Luzifer. Um dies zu verstehen, wollen wir uns einiges von dem, was wir schon wissen, vor die Seele rücken.
[ 3 ] When one fully grasps the meaning of the symbolic burial of Jesus Christ on Good Friday, what it means to lie in the tomb, and the passing of Christ Jesus through death, when one immerses oneself in this symbol in a truly appropriate way, enriched by the achievements of Spiritual Science, then one truly experiences something—first through feeling and then through thinking—that is connected to the deepest mysteries of human nature on Earth. Once our building is completed, we will have, in a specific place—to be carved in wood—the victory of the Christ-being over Ahriman on one side, and over Lucifer on the other. This will then depict what took place of significance during the Christ Being’s passage through the Mystery of Golgotha, in relation to the earthly relationship between Christ, Ahriman, and Lucifer. And now it may be said: When one allows the sight of Christ Jesus lying in the tomb to sink very, very deeply into the soul—but with deep understanding—then a sense of the significance of Christ’s struggle against Ahriman and Lucifer comes to the human soul. To understand this, let us bring to mind some of what we already know.
[ 4 ] Man hat insbesondere in der neueren Zeit immer wieder darauf angespielt, daß ja etwas wie der Tod des Gottes und die Auferstehung des Gottes vorbereitend vorhanden war in den alten Religionen, und man hat geglaubt, daraus schließen zu dürfen, daß das Christus-Ereignis auch nur eine Umbildung sei, eine Umbildung, sagen wir etwa des Sterbens des Adonis und des Auferstehens des Adonis. Man hat aber mit solchen Behauptungen nur gezeigt, daß man ein wirkliches Verständnis des Christus-Ereignisses eben nicht gewonnen hat. Denn dieses Adonis-Ereignis oder andere ähnliche Ereignisse, sie sind überall, wo sie angetroffen werden, so, daß man ihnen ansieht gewissermaßen das natürliche Dasein, das Dasein, das sich jedes Jahr wiederholen kann, das Dasein, das mit den Naturereignissen zusammenhängt und eigentlich in die Naturereignisse hineingehört. So wie dasjenige, was wir gestern als das Baldur-Ereignis beschrieben haben, ja im Grunde auch gebunden ist an die Erscheinung der Natur, die Beobachtungen, welche der alte Mensch in der Natur machen konnte. Alle alten vorchristlichen Religionen waren im Grunde genommen solche Religionen, deren Verehrungswesen zusammenhing mit dem, was die alten hellsichtigen Menschenseelen in den Ereignissen der Natur und ihrem Laufe wahrnehmen konnten. Und die orientalischen Religionen sind im Grunde genommen heute noch nicht über diesen Standpunkt hinausgelangt. Wirklich über diesen Standpunkt hinausgelangt ist das Christentum, denn das Christentum ist im eminentesten Sinne dasjenige, was man nennen kann eine historische Religion, das heißt eine Religion, bei der es ankommt auf das, was verstanden werden muß aus dem ganzen Verlauf der Menschengeschichte und Menschenentwickelung im Erdendasein. Eine Historie, eine Erdengeschichte gibt es eigentlich erst durch das Mysterium von Golgatha.
[ 4 ] Especially in recent times, people have repeatedly alluded to the fact that something akin to the death and resurrection of God was already present in ancient religions, and they have believed they could conclude from this that the Christ event was merely a reworking—a reworking, let us say, of the death and resurrection of Adonis. But such assertions have only shown that one has not, in fact, gained a true understanding of the Christ event. For this Adonis event or other similar events, wherever they are found, are such that one perceives in them, so to speak, a natural existence—an existence that can repeat itself every year, an existence connected to natural phenomena and actually belonging to them. Just as what we described yesterday as the Baldur event is, in essence, also bound to the phenomena of nature—the observations that ancient people could make in nature. All ancient pre-Christian religions were, in essence, religions whose cult practices were connected to what the ancient clairvoyant human souls could perceive in the events of nature and its course. And the Eastern religions have, in essence, not yet progressed beyond this standpoint. Christianity has truly moved beyond this stage, for Christianity is, in the most eminent sense, what one might call a historical religion—that is, a religion in which what matters is what must be understood from the entire course of human history and human development in earthly existence. A history, an earthly history, truly exists only through the Mystery of Golgotha.
[ 5 ] Daß die Erdenentwickelung des Menschen einen aufsteigenden Weg durchmacht und wiederum einen absteigenden Weg, und in der Mitte, so wie das öfter beschrieben worden ist — man kann es auch umgekehrt sagen, daß die Menschen einen absteigenden Weg durchmachen und wiederum einen aufsteigenden Weg, von einem anderen Gesichtspunkte aus —, in der Mitte das Christus-Ereignis, das Ereignis von Golgatha steht, und daß durch dieses Christus-Ereignis die Geschichte ihren eigentlichen Sinn erhält, das ist das Wesen und die wahre Bedeutung des Christentums. Wir müssen uns nun eine Frage beantworten: Was ist denn überhaupt dieser Geschichtsverlauf, der, ich möchte sagen, wie eine Fortsetzung der Natur aus den Taten der Menschen heraus über die Erdenentwickelung hinläuft? Was ist denn das eigentlich: Geschichte? Was ist denn eigentlich das Geschehen, das sich abspielt durch den Fortgang der menschlichen Taten, der menschlichen Empfindungen, der menschlichen Gedanken, was ist denn das eigentlich? Was das ist, es tritt einem so recht erst vor die Seele, wenn man mit dem durch die Geisteswissenschaft geschärften Seelenblick vor dem im Grabe ruhenden Christus Jesus in den Kar-Tagen steht.
[ 5 ] That human development on Earth follows an ascending path and then a descending path, with the Christ event at the center, as has often been described — one could also put it the other way around, that humanity undergoes a descending path and then an ascending path, from a different perspective —, in the middle stands the Christ event, the event of Golgotha, and that through this Christ event history receives its true meaning; this is the essence and the true significance of Christianity. We must now answer a question: What, then, is this course of history that, I would say, runs like a continuation of nature from human deeds through the development of the earth? What is history, really? What is the process that unfolds through the progression of human actions, human feelings, and human thoughts—what is that, really? What this is only truly comes before the soul when, with a spiritual vision sharpened by Spiritual Science, one stands before Christ Jesus, resting in the tomb, during the days of Holy Week.
[ 6 ] Da tritt einem vor die Seele, was das ist, Geschichte. Denn da wird man gewahr, wenn man nur eben den Seelenblick durch die Geisteswissenschaft sich geschärft hat, daß dasjenige, was hier auf Erden Geschichte ist, einstmals auf dem Weltenkörper, der sich wie eine neue Verkörperung der Erde ausnehmen wird, Natur sein wird. Geschichte der Erde ist Vorbereitung der Natur auf dem Jupiter. Wie eine prophetische Vorherverkündigung desjenigen, was auf dem Jupiter Naturereignisse sein werden, tritt im Erdendasein dasjenige auf, was geschichtliche Ereignisse sind. Wie ist das?
[ 6 ] Then one comes to realize what history truly is. For once one has sharpened one’s spiritual vision through Spiritual Science, one becomes aware that what is history here on Earth will one day be nature on the world body that will appear as a new incarnation of the Earth. The history of the Earth is a preparation for nature on Jupiter. Just as a prophetic foreshadowing of what will be natural phenomena on Jupiter, what we call historical events occur in earthly existence. How is this so?
[ 7 ] Hier auf der Erde verläuft das menschliche Leben so in physischer Verkörperung, daß wir durch die Geburt hereinverpflanzt werden in dieses physische Erdendasein, daß wir dann bis in die Dreißigerjahre hinein eine aufsteigende Entwickelung und dann eine absteigende Entwickelung unseres physischen Daseins durchmachen. Am Beginn dieses physischen Erdendaseins steht unsere physische Geburt, am Ende dieses physischen Erdendaseins steht unser physischer Tod oder dasjenige, was wir den physischen Tod nennen. Die Mitte des Menschendaseins, ich möchte sagen, etwa die Mitte der Dreißigerjahre, geht ja für den Erdenmenschen in seiner physischen Verkörperung, wenn er nicht besonders teilnimmt an den gewichtigen, wesenhaften inneren Ereignissen des Seelendaseins, mehr oder weniger spurlos, wenigstens für die in den meisten Fällen vorhandene Selbsterkenntnis, mehr oder weniger spurlos vorüber.
[ 7 ] Here on Earth, human life unfolds in physical embodiment in such a way that we are brought into this physical earthly existence through birth, and that we then undergo an ascending development of our physical existence until our thirties, followed by a descending development. At the beginning of this physical earthly existence stands our physical birth; at the end of this physical earthly existence stands our physical death—or what we call physical death. The middle of human existence—I would say, roughly the mid-thirties—passes more or less unnoticed for the earthly human being in his physical embodiment, at least as far as the self-awareness present in most cases is concerned, unless he takes a special interest in the significant, essential inner events of soul life.
[ 8 ] Das wird anders sein, wenn die Erdenmenschheit einstmals das Jupiterdasein durchmachen wird; ganz, ganz anders wird das dann sein. Ich will heute nicht davon sprechen — das kann ein anderes Mal geschehen —, auf welche ganz andere Weise als durch eine physische Geburt, wie es im Erdendasein geschieht, der Jupitermensch in sein physisches Dasein treten wird. Und auch aus dem Jupiterdasein hinaus wird der Mensch auf ganz andere Art treten, als die Art des physischen Erdentodes ist. Aber gewissermaßen dasjenige, was entspricht der Mitte des Lebens, was also für unser Erdendasein hereinfallen würde in die Mitte unserer Dreißigerjahre, das wird dann gewichtig, bedeutungsvoll für das Jupiterdasein des Menschen sein. Ich möchte sagen: was Geburt und Tod, wenn man sie durcheinander mischen würde, zusammen sind am Anfang und Ende des Erdenlebens, das würde etwas geben, was in der Mitte des Jupiterdaseins für den dann zu diesem Jupiterdasein entwickelten Menschen eintreten wird. Also denken Sie, der Mensch wird in der Mitte des Jupiterdaseins etwas durchzumachen haben, was Sie herausbekommen würden, wenn Sie die irdische Geburt mit dem irdischen Tod etwa zusammenmischen. Nur müssen Sie sich nicht denken, daß Sie die beiden ohne weiteres so, wie sie sich darstellen als irdische Erscheinung, zusammenmischen können, sondern Geburt und Tod müssen etwa so zusammengebracht werden wie eine chemische Verbindung. Wenn man . Sauerstoff und Wasserstoff, wenn man zwei Gase zusammenmischt, so entsteht etwas, was gar nicht ähnlich ist weder dem Wasserstoff noch dem Sauerstoff, nämlich das Wasser. So wird auch ein Erlebnis sein in der Mitte des Jupiterdaseins, das wirklich eine Art Verbindung ist zwischen irdischem Tod und irdischer Geburt, aber durchaus verschieden von dem, was eine ideelle, eine verstandesmäßige Mischung der beiden Erscheinungen von Geburt und Tod ergeben kann.
[ 8 ] That will be different when humanity on Earth eventually goes through the Jupiter stage; it will be very, very different then. I do not wish to speak of this today—that can be done another time—namely, of the entirely different way in which the Jupiter human will enter physical existence, as opposed to through physical birth, as occurs in earthly existence. And the human will also depart from the Jupiter existence in a manner entirely different from that of physical death on Earth. But in a sense, that which corresponds to the middle of life—which for our earthly existence would fall in the middle of our thirties—will then be significant and meaningful for the human being’s Jupiter existence. I would like to say: what birth and death, if one were to mix them together, are at the beginning and end of earthly life—that would correspond to something that will occur in the middle of the Jupiter life for the human being who has then developed to this stage of Jupiter life. So consider that the human being will have to go through something in the middle of the Jupiter phase that you would arrive at if you were to mix earthly birth with earthly death, so to speak. Only you must not think that you can simply mix the two together as they appear as earthly phenomena; rather, birth and death must be brought together much like a chemical compound. If one . mix oxygen and hydrogen—when you mix two gases together—something arises that is not at all similar to either hydrogen or oxygen, namely water. So too will there be an experience in the middle of the Jupiter existence that is truly a kind of connection between earthly death and earthly birth, but entirely different from what an ideal, an intellectual mixture of the two phenomena of birth and death can produce.
[ 9 ] Ja, sehen Sie, so rückt das Dasein von Stufe zu Stufe weiter, daß wir uns schon, wenn wir zum Jupiterdasein gehen wollen, vorstellen müssen, daß dann für den Jupitermenschen in der Mitte des Jupiterdaseins ein bedeutungsvolles Ereignis eintritt, ein Ereignis von solcher Art, wie ich es eben charakterisiert habe. Es wird, wie Sie ja wissen, das ganze Jupiterbewußtsein des Menschen ein ganz anderes sein als das Erdenbewußtseiin. Sie brauchen, um sich zu unterrichten über die verschiedenen Stufen menschlichen Bewußtseins, nur nachzulesen dasjenige, was in der «Akasha-Chronik» über die verschiedenen Entwickelungsstufen des menschlichen Bewußtseins vom Saturn- bis zum Vulkandasein hin gesagt worden ist, und Sie werden dann sich ins Gedächtnis rufen können, daß auf dem Jupiter eine Art höheren bewußten Bilderschauens eintritt, ein imaginatives Bewußtsein, das eine höhere Bewußtseinsstufe darstellt als das irdische Bewußtsein ist. Hinaufwachsen werden wir also zu einem Bewußtsein, das nicht so verlaufen wird wie das Erdenbewußtsein, sondern das die Eindrücke von außen in ganz anderer Weise empfangen wird als der Erdenmensch, das aber von diesen Eindrücken dann in innerer Willkür sich Bilder wie Imaginationen entwerfen wird, etwa so, wie ich als Erdenmensch etwas wahrnehme und dann entwerfe, aufzeichne. So wird es sein im Jupiterbewußtsein, nur, daß das Jupiterwahrnehmen etwas anderes ist als das Erdenwahrnehmen. Dann wird der Mensch sich selbst Bilder suchen, Bildervorstellungen, wie sie durch das Erdensein entstehen; dann wird er sich gleichsam etwas wie Gemälde bilden desjenigen, was in ihn einfließt als Inhalt des imaginativen Bewußtseins.
[ 9 ] Yes, you see, existence progresses from stage to stage in such a way that, if we wish to move on to the Jupiter stage of existence, we must already have in our minds a mental image of a significant event that will occur for the Jupiter human being in the middle of the Jupiter stage—an event of the kind I have just described. As you know, the entire Jupiter consciousness of human beings will be quite different from Earth consciousness. To learn about the various stages of human consciousness, you need only read what is said in the *Akasha Chronicle* regarding the various stages of development of human consciousness from the Saturn to the Vulcan stage, and you will then be able to recall that on Jupiter a kind of higher, conscious visual perception emerges—an imaginative consciousness that represents a higher stage of consciousness than Earth consciousness. We will thus grow into a consciousness that will not proceed in the same way as earthly consciousness, but which will receive impressions from the outside in a completely different way than the earthly human being, yet which will then, through inner volition, form images like imaginations from these impressions, much as I, as an earthly human being, perceive something and then sketch or record it. This is how it will be in Jupiter consciousness, except that Jupiter perception is different from earthly perception. Then the human being will seek out images for themselves, visual representations such as those that arise through earthly existence; then they will, as it were, form something like paintings of that which flows into them as the content of imaginative consciousness.
[ 10 ] Zur Erlangung dieses imaginativen Bewußstseins wird der Mensch das Jupiterdasein betreten. Und dieses imaginative Bewußtsein, das wird, ebenso wie das irdische Bewußtsein durch die Kindheit hindurch eine Entwickelung, eine Entfaltung durchmacht, auch eine Entfaltung, eine Entwickelung durchmachen. Dann wird die Mitte des Jupiterlebens kommen, und in dieser Mitte des Jupiterlebens wird durch einen Zeitraum, der uns wirklich versinnbildlicht werden kann durch drei Erdentage, für den Jupitermenschen Wichtiges eintreten: nämlich es wird eintreten mitten im Jupiterbewußtsein eine Wiederholung, eine kurze Wiederholung — denn nur tagelang dauert die Wiederholung — des Erdenbewußtseins. Also das wird zu diesem Erlebnis des Jupiterlebens gehören, daß das Erdenbewußtsein sich dort für kurze Zeit erneuert, daß der Mensch sich in der Mitte seines Jupiterlebens als Erdenmensch erfühlen wird. Dann, wenn der Mensch also durch sein imaginatives Jupiterbewußtsein gegangen sein wird, wird eintreten eine Zeit, in der er nur sein Erdenbewußtsein wieder hat, das wirklich dann zum Jupiterbewußtsein sich verhalten wird wie unser jetziges Traumbewußtsein zu unserem Tagesbewußstsein.
[ 10 ] To attain this imaginative consciousness, human beings will enter the Jupiter stage of existence. And this imaginative consciousness, just as earthly consciousness undergoes a process of development and unfolding throughout childhood, will also undergo a process of unfolding and development. Then the middle of the Jupiter life will come, and in this middle of the Jupiter life, during a period that can truly be symbolized for us by three Earth days, something important will occur for the Jupiter human: namely, there will occur in the midst of Jupiter consciousness a repetition, a brief repetition—for the repetition lasts only a few days—of Earth consciousness. So this will be part of the experience of the Jupiter life: that Earth consciousness is renewed there for a short time, that the human being will feel themselves as an Earth human in the middle of their Jupiter life. Then, once the human being has passed through his imaginative Jupiter consciousness, a time will come when he will have only his Earth consciousness again, which will then truly relate to Jupiter consciousness as our present dream consciousness relates to our waking consciousness.
[ 11 ] Wenn der Mensch in dieses Jupiter-Erdenbewußtsein, in diese Wiederholung des Erdenbewußtseins eintreten wird, dann wird es über ihn kommen, daß er wird wollen wie eine Art inneren Resümees halten, wie eine Art Rückschau halten auf all dasjenige, was er sich erworben hat als Erdenmensch, was er sich überhaupt erworben hat durch all seine Vergangenheit hindurch. Wir werden, wie gesagt, nur kurze Zeit ein Erdenbewußtsein haben während eines Jupiterlebens, aber während dieses Erdenbewußtseins werden wir das Bedürfnis empfinden, in intensiver Weise Rückschau zu halten auf unsere ganze menschliche Vergangenheit. Dazu wird es da sein, dieses Erneuern des Erdenbewußtseins. Und wenn wir dann zurückschauen werden, dann wird es uns überkommen, daß wir uns müssen die Fragen stellen: Was hast du eigentlich erreicht durch deine ganze Vergangenheit? Was hast du denn erreicht durch dasjenige, was du als Erdenmensch geworden bist? — Diese Frage wird man sich stellen müssen aus kosmischer Notwendigkeit heraus. So wie man auf der Erde essen und schlafen muß, um zu bestehen, so wird man während dieses Erneuerns des Erdenbewußstseins sich fragen müssen: Was hast du denn dadurch, daß du Mensch geworden bist, erreicht? Wozu bist du ein freier Mensch geworden? — Man wird gleichsam das Ergebnis, die Summe ziehen seines ganzen Erdenseins. Und indem man diese Frage stellt, indem man diese Summe zieht, wird einem in mächtigem Jupitertraume vor die Seele treten, was man dadurch wirklich erreicht hat. Aber dieser Jupitertraum wird eine solche Realität haben wie alle unsere realen Erdenwahrnehmungen. Nicht als ein Traumbild wird es vor uns hintreten, sondern so wird das alles Realität haben, wie der Erdenmensch, der jetzt vor uns tritt, jetzt Realität hat. Und dann wird es sich ereignen, daß eine Gestalt vor uns hintritt, die deutlich die Antwort gibt auf unsere Frage. Und die Wesenheit, die dann vor uns treten wird als die Antwort auf die Frage, die wir uns also haben stellen müssen — wissen Sie, wer diese Wesenheit sein wird? Luzifer wird es sein, und Luzifer wird sagen: Erkenne jetzt, daß du mir gehörst durch all dasjenige, was du als Mensch in deiner Vergangenheit geworden bist. Und man wird sicher wissen — so wie man als Erdenmensch einen anderen Menschen erkennt, wenn er vor einem in die physische Wahrnehmung tritt —, daß das Luzifer ist und daß man für ihn gearbeitet hat durch all dasjenige, was man als Mensch hat werden wollen. Dann wird man die ganze Bedeutung und Kraft des Christus erkennen, denn man wird erkennen, daß man durch sich selbst nicht imstande ist, einen anderen Entschluß zu fassen als den, Luzifer in sein Reich zu folgen.
[ 11 ] When the human being enters this Jupiter-earth consciousness, this repetition of earth consciousness, it will occur to him that he will want to make a kind of inner summary, a kind of review of everything he has acquired as an earth human, everything he has acquired throughout his entire past. As I said, we will have Earth consciousness for only a short time during a Jupiter life, but during this Earth consciousness we will feel the need to look back intensely on our entire human past. That is what this renewal of Earth consciousness will be for. And when we look back, we will be overcome by the need to ask ourselves the questions: What have you actually achieved through your entire past? What have you achieved through becoming what you are as an earthly human being? — One will have to ask oneself this question out of cosmic necessity. Just as one must eat and sleep on Earth in order to survive, so during this renewal of Earth consciousness one will have to ask oneself: What have you achieved by becoming human? Why did you become a free human being? — One will, as it were, take stock of the result, the sum total of one’s entire earthly existence. And by asking this question, by taking this stock, what one has truly achieved through it will appear before one’s soul in a powerful Jupiter dream. But this Jupiter dream will possess a reality just like all our real earthly perceptions. It will not appear before us as a dream image, but it will all have the same reality as the earthly human being who now stands before us. And then it will happen that a figure will step before us who clearly gives the answer to our question. And the being who will then appear before us as the answer to the question we have had to ask ourselves—do you know who this being will be? It will be Lucifer, and Lucifer will say: Recognize now that you belong to me through all that you have become as a human being in your past. And one will know for certain—just as one, as an earthly human being, recognizes another human being when he enters one’s physical perception—that this is Lucifer and that one has worked for him through all that one has sought to become as a human being. Then one will recognize the full significance and power of Christ, for one will realize that, through one’s own efforts, one is incapable of making any decision other than to follow Lucifer into his realm.
[ 12 ] Nur dadurch, daß aus der Erdengeschichte auftreten wird, eben auch in der Erinnerung, das Christus-Ereignis, die Christus-Wesenheit, dadurch wird man wissen, daß in die Erdenentwickelung diese ChristusWesenheit eingetreten ist, und daß sie uns Gaben zu geben hatte, diese Christus-Wesenheit, die sich uns jetzt, während des Jupiterseins, realisieren, das heißt, in wirkliche Jupiterwesenheit verwandeln, durch die wir allein imstande sein werden, nicht den Weg mit Luzifer zu gehen, sondern eben den Weg des sich regelmäßig entwickelnden Kosmos zu gehen. Denn was wird Luzifer von uns wollen? Was wird er denn dann von uns wollen? Er wird uns sagen: Der Zustand, den du jetzt durchmachst, diese Wiederholung des Erdenbewußtseins, der bedeutet viel für dich. — Denn auf dem Jupiter ist es anders als auf der Erde, ganz anders. Auf der Erde ist es so, daß wir, wenn wir die Mitte der Dreißiger erreicht haben, in der zweiten Hälfte des Lebens in bezug auf manche Dinge genau dasselbe tun, was wir früher getan haben. Wir essen und trinken, um unser physisches Dasein zu erhalten, nach dem fünfunddreißigsten Lebensjahr ebenso wie vor dem fünfunddreißigsten Lebensjahr. Auf dem Jupiter wird das anders sein, ganz anders. Auf dem Jupiter werden wir zwar nicht in derselben Weise zu essen und zu trinken brauchen, wie wir das im Erdenleibe auf der Erde tun müssen, aber man wird in einer ähnlichen Weise mit dem dann zu einem gehörigen Jupiterleibe mit den Wirkungen der Jupiterphysis zusammenhängen, wie man durch Speise und Trank mit den Wirkungen der Erdenphysis zusammenhängt. Man wird von dem Momente des Lebens ab, den man erreicht hat, indem sich das Erdenbewußtsein erneuert hat, nicht mehr in derselben Weise zu der Jupiterumgebung stehen können wie früher. Wenn ich es trivial ausdrücken darf, möchte ich sagen: sie wird nicht mehr anschlagen. Es wird etwa so sein, daß ich den Vergleich brauchen könnte: Wenn das auf der Erde der Fall sein würde, dann würden wir erreichen mit dem fünfunddreißigsten Lebensjahr einen solchen Zustand unseres Magens, unserer Organe, daß wir die Erdenluft dann nicht mehr atmen könnten, die Erdennahrung nicht mehr vertragen würden. Denken Sie, was es wäre, wenn wir im fünfunddreißigsten Jahre eine solche Entwickelung unseres Leibes durchmachen müßten, daß zwar unser Inneres durchaus noch fähig wäre, Erdenjahre durchzumachen, daß aber unser Leib unfähig wäre, irgend etwas, was auf der Erde wächst, zu ertragen. So wird es dann auf dem Jupiter entsprechend sein. Natürlich sind die Verhältnisse ganz andere, aber so wird es sein: Wir werden nicht mehr können in der unmittelbar physischen Berührung mit dem Jupiter sein in unserer zweiten Lebenshälfte des Jupiter. Das wird Naturgesetz sein dann auf dem Jupiter, das wird durchaus Naturgesetz sein dann.
[ 12 ] Only through the emergence of the Christ event—the Christ being—from Earth’s history, including in our memory, will we know that this Christ being has entered into Earth’s evolution, and that this Christ being had gifts to give us—gifts that are now being realized during our Jupiter phase, that is, transforming into a true Jupiter being, through which alone we will be able not to follow the path with Lucifer, but rather to follow the path of the regularly developing cosmos. For what will Lucifer want from us? What will he want from us then? He will say to us: The state you are now going through, this repetition of Earth consciousness, means a great deal to you. — For on Jupiter it is different than on Earth, quite different. On Earth, it is the case that once we have reached our mid-thirties, in the second half of life we do exactly the same things in regard to certain matters as we did before. We eat and drink to sustain our physical existence, after the age of thirty-five just as we did before the age of thirty-five. On Jupiter, this will be different, quite different. On Jupiter, we will not need to eat and drink in the same way that we must do so in our earthly bodies on Earth, but we will be connected in a similar way to the effects of the Jupiter physique through a body appropriate to Jupiter, just as we are connected to the effects of the Earth physique through food and drink. From the moment of life one has reached, when Earth consciousness has been renewed, one will no longer be able to relate to the Jupiter environment in the same way as before. If I may put it trivially, I would say: it will no longer have an effect. It will be something like this, so that I might use the comparison: If that were the case on Earth, then by the age of thirty-five we would reach such a state of our stomach and our organs that we would no longer be able to breathe the Earth’s air or tolerate Earthly food. Imagine what it would be like if, at the age of thirty-five, we had to undergo such a development of our bodies that, although our inner being would still be quite capable of enduring Earthly years, our bodies would be unable to tolerate anything that grows on Earth. It will be the same on Jupiter. Of course, the conditions are quite different, but this is how it will be: We will no longer be able to be in direct physical contact with Jupiter during the second half of our life on Jupiter. That will be a law of nature on Jupiter then; it will certainly be a law of nature then.
[ 13 ] Aber durch die Kraft dieses Naturgesetzes würde Luzifer unsere Seele, die dann durchaus noch lebensfähig sein wird, aber die ihren Leib nicht wird unterhalten können für das Jupiterdasein, mit sich führen können, wenn nicht Christus uns dann zeigen könnte, daß er in der ersten Lebenshälfte des Jupiterdaseins in uns Schätze angesammelt hat, die uns nun erhalten durch die zweite Hälfte unseres Daseins auf dem Jupiter. Auf dem Jupiter wird der Christus durchaus nicht bloß diesen ethischen Charakter nach außen zeigen, den er während des Erdendaseins zeigt, sondern er wird für die zweite Lebenshälfte der Menschen auf dem Jupiter der innere Ernährer sein, und die Ernährung wird zu gleicher Zeit von moralischer Bedeutung sein. Er wird uns allein dadurch, daß er Ernährungsschätze ansammelte in der ersten Lebenshälfte des Jupiterdaseins, von Luzifer befreien können. Würde das nicht geschehen, würde uns der Christus nicht von Luzifer befreien können auf dem Jupiter, so würde Luzifer unsere Seele mitnehmen. Unser Leib, der dann keine Möglichkeit hätte, in eine Beziehung zur Jupiterphysis zu treten, er würde zerfallen, würde abfallen von uns, und Luzifer würde uns zeigen: Siehe da, deine Seele nehme ich, dein Leib aber fällt von dir ab in die Schatzkammer des Ahriman. Der wird ihn nun haben, der wird mit ihm weiterleben.
[ 13 ] But through the power of this natural law, Lucifer would be able to take our soul—which would still be quite viable but unable to sustain its body for existence on Jupiter—with him, unless Christ could then show us that he has accumulated treasures within us during the first half of our existence on Jupiter, which will now sustain us through the second half of our existence on Jupiter. On Jupiter, Christ will by no means merely display outwardly the ethical character he shows during earthly existence, but he will be the inner sustainer for the second half of human life on Jupiter, and this sustenance will simultaneously be of moral significance. He will be able to free us from Lucifer solely by having accumulated sustenance treasures during the first half of our existence on Jupiter. If this were not to happen, if the Christ were not able to free us from Lucifer on Jupiter, then Lucifer would take our soul away. Our body, which would then have no possibility of entering into a relationship with the Jupiter physical realm, would disintegrate, would fall away from us, and Lucifer would show us: Behold, I take your soul, but your body falls away from you into the treasury of Ahriman. He will now have it; he will continue to live with it.
[ 14 ] Alles wird davon abhängen, wie unsere Seele dann bei dieser Rückschau, im Wiederherstellen des Erdenbewußtseins, sich zurückerinnern kann an die Art und Weise, wie sie während der Erdenzeit sich erfüllt hat mit dem Geheimnis von Golgatha, sich erfüllt hat mit dem Verständnis davon, daß das Christus-Wesen in die menschliche Entwickelung, in die geschichtliche Entwickelung des Erdendaseins eingetreten ist. Denn denken Sie den furchtbaren Zustand der Jupiter-Menschenseele, die dann die Rückschau halten müßte und sich sagen müßte: Ich habe während meiner Erdenzeit den Christus verleugnet. Ich habe nichts wissen wollen von dem Christus. Ich habe es abgelehnt, zur rechten Zeit mich zu unterrichten über dasjenige, was als das Christus-Wesen durch das Mysterium von Golgatha in die Erdenentwickelung eingetreten ist. Ich kann mich an nichts erinnern, was auf der Erde durch den Christus geschehen ist. — Könnte es Seelen geben, in denen alle Erinnerung an den Christus ausgetilgt sein müßte während des Jupiterdaseins, weil sie während des Erdendaseins sich niemals herbeigelassen haben, sich mit dem Verständnis für das Christus-Ereignis zu durchdringen, dann träte für sie der furchtbare Gerichtstag ein, daß Christus sie dann im Jupiterdasein nicht mit sich nimmt, um sie in der zweiten Hälfte ihres Jupiterdaseins zu ernähren und zu pflegen, sondern daß er sie verweist mit der einen Hand dahin, wo Ahriman die Jupiter-Physisreste nimmt, und mit der anderen Hand dahin, wo Luzifer die Seele auf seine Pfade führt.
[ 14 ] Everything will depend on how our soul, during this review and in the restoration of earthly consciousness, can recall the way in which it was filled during its time on earth with the mystery of Golgotha, filled with the understanding that the Christ Being has entered into human evolution, into the historical development of earthly existence. For consider the terrible state of the human soul on Jupiter, which would then have to look back and say to itself: During my time on Earth, I denied the Christ. I wanted to know nothing of the Christ. I refused, at the right time, to learn about that which, as the Christ-being, entered into Earth’s development through the Mystery of Golgotha. I can remember nothing of what happened on Earth through the Christ. — Could there be souls in whom all memory of the Christ must be erased during their Jupiter existence, because during their Earth existence they never allowed themselves to be imbued with an understanding of the Christ event, then the terrible Day of Judgment would come for them: that Christ would not take them with him into the Jupiter existence to nourish and care for them in the second half of their Jupiter existence, but that he would point them with one hand toward where Ahriman takes the remnants of the Jupiter physical body, and with the other hand toward where Lucifer leads the soul along his paths.
[ 15 ] Und nun, wenn man mit dem Verständnis, das uns die Geisteswissenschaft von dem Mysterium von Golgatha geben kann, an das Symbolum des im Grabe liegenden Jesus tritt, wenn man nicht bloß ein äußeres Symbolum darin sieht, sondern wenn man verbindet mit diesem Symbolum alles dasjenige, was man wissen kann über das Mysterium von Golgatha, und wenn man sich schon einige Fähigkeiten errungen hat, auch zu schauen dasjenige, wovon die Geisteswissenschaft spricht, dann tritt einem das, was ich Ihnen jetzt erzählt habe, als eine Vision der Menschen-Jupiterzukunft vor das Seelenauge. In den alten Einweihungsstätten haben die Schüler suchen müssen unter der Führung ihrer Eingeweihten dasjenige, was man genannt hat in den alten Mysterien «das Schauen der Sonne um Mitternacht». Physisch schaut man die Sonne bei Tage. Um Mitternacht, durch die Erde durch, schauten die Eingeweihten die Sonne, während für den physischen Blick die Erde undurchsichtig ist. Indem sie also durch die Erde hindurch um Mitternacht die Sonne schauten, war abgestreift von der Sonne ihr physisches Dasein; dafür aber war eingeschrieben in das Sonnendasein das Geheimnis von dem Christus, dem Sonnengeist. Und voraus schauten die Schüler der alten Eingeweihten das Geheimnis von dem Christus, dem Sonnengeist. Es war ein höheres Naturschauen, ein Hellsichtigwerden innerhalb der Natur.
[ 15 ] And now, when we approach the symbol of Jesus lying in the tomb with the understanding that Spiritual Science can give us regarding the Mystery of Golgotha—when we do not merely see an external symbol in it, but rather connect to this symbol everything we can know about the Mystery of Golgotha, and if one has already acquired some ability to perceive what Spiritual Science speaks of, then what I have just told you appears before the eye of the soul as a vision of the human-Jupiter future. In the ancient places of initiation, the students had to seek, under the guidance of their initiators, what was called in the ancient mysteries “the beholding of the sun at midnight.” Physically, one beholds the sun by day. At midnight, through the earth, the initiates beheld the sun, whereas for the physical eye the earth is opaque. Thus, by gazing at the sun through the earth at midnight, the sun’s physical existence was stripped away; in its place, however, the mystery of Christ, the Sun Spirit, was inscribed into the sun’s existence. And the disciples of the ancient initiates beheld in advance the mystery of Christ, the Sun Spirit. It was a higher vision of nature, a becoming clairvoyant within nature.
[ 16 ] Dasjenige, was uns das Ostersymbolum darstellen kann, ist ein Hellsichtigwerden innerhalb des geschichtlichen Lebens der Erdenmenschheit, ist ein Hellsichtigwerden darüber, daß wir, im Grunde genommen, indem wir freie Erdenmenschen geworden sind, schon den Bund mit Luzifer und Ahriman wirklich geschlossen haben, und daß der Christus uns von diesem Bund allein erlösen kann. Dasselbe, was für die alten Schüler der Eingeweihten bedeutet hat «das Sehen der Sonne um Mitternacht», kann für die Christenmenschen allmählich werden die betende Ehrfurcht gegenüber dem Karfreitag- und Karsamstag-Mysterium. Wir haben allen Grund, an diesem Tage uns zu konzentrieren auf dasjenige, was mit der inneren Tragik, mit der inneren berechtigten Trauer des tiefsten Inneren des Menschenwesens zusammenhängt. Wir hätten als Erdenmenschen niemals freie Wesen werden können, wenn wir nicht in eine solche Beziehung zu Luzifer und Ahriman getreten wären, wie das ‚im Sinne dessen liegt, was heute angegeben worden ist, wenn wir nicht fähig geworden wären, den Luziferweg und den Ahrimanweg zu gehen. Der Mensch kann wohl das Tragische, das auf dem Untergrund seines Wesens ruht, in diesen Tagen sich vor das Bewußtsein rufen, indem er sich sagt: Meine Freiheit wäre niemals möglich geworden ohne die Möglichkeit, Ahriman und Luzifer zu folgen. — Und aufgehen kann ihm dieses Bewußtsein, indem er anschaut das Symbolum des im Grabe ruhenden Christus, der durch dasjenige, was er mit seiner Tat vollbracht hat, wiederum rückgängig macht, was eintreten mußte um der menschlichen Freiheit willen.
[ 16 ] What the Easter symbol can reveal to us is a kind of clairvoyance within the historical life of humanity on Earth; it is a realization that, in essence, by becoming free human beings on Earth, we have already truly entered into a covenant with Lucifer and Ahriman, and that Christ alone can redeem us from this covenant. What “seeing the sun at midnight” meant for the ancient disciples of the initiates can gradually become, for Christians, a prayerful reverence for the mystery of Good Friday and Holy Saturday. We have every reason to focus on this day on that which is connected with the inner tragedy, with the inner, justified grief of the deepest core of the human being. As earthly human beings, we could never have become free beings if we had not entered into such a relationship with Lucifer and Ahriman as is implied by what has been stated today, if we had not become capable of walking the path of Lucifer and the path of Ahriman. Human beings can indeed bring to consciousness the tragedy that lies at the foundation of their being by saying to themselves: My freedom would never have been possible without the possibility of following Ahriman and Lucifer. — And this awareness can dawn upon him as he beholds the symbol of Christ resting in the tomb, who, through what he accomplished with his deed, in turn undoes what had to come to pass for the sake of human freedom.
[ 17 ] Daß Trauer über das Menschenwesen berechtigt ist, daß der Mensch nicht nur Grund zur Fröhlichkeit, sondern auch tiefen, wahren Grund, wesenhaften Grund zur Trauer über sein Wesen hat, das darf durch die Seele raunen in den Tagen, die der Grablegung in festlicher Weise gewidmet sind. Es bleiben ja noch viele Tage des Jahres, in denen der Mensch dann denken darf mehr an dasjenige, was ihm geworden ist. dadurch, daß die Erdenentwickelung nicht verlassen geblieben ist, daß der Christus als ein Auferstehender zum Erdendasein gekommen ist. Aber was notwendig gemacht hat dieses Mysterium von Golgatha, was als eine kosmische Trauer in der menschlichen Seele leben kann, all das darf sich entladen in diesen Tagen. Und wenn man sich ein Gefühl erworben hat für dasjenige, was mit der Menschenseele verbunden ist aus ihrer Geschichte heraus, dann sind diese Tage solche, in denen man traurig werden kann über die menschliche Entwickelung; viel besser würde man noch sagen: in denen man traurig werden darf über diese menschliche Entwickelung.
[ 17 ] That grief over the human condition is justified, that human beings have not only cause for joy but also a deep, true, and essential cause for grief over their very nature—this may whisper through the soul during the days dedicated to the burial in a festive manner. After all, there are still many days of the year when human beings may then think more about what has become of them—because earthly evolution has not been abandoned, because Christ has come into earthly existence as the Risen One. But what made this Mystery of Golgotha necessary, what can live as a cosmic sorrow in the human soul—all of that may be released during these days. And if one has developed a sense for what is connected to the human soul through its history, then these are days in which one can become sad about human development; or rather, one might say: days in which one is permitted to become sad about this human development.
[ 18 ] Und ist dieses Gefühl lebendig, dann ist. gerechtfertigt die schwarze Verkleidung, die wir gerade in diesen Tagen wählen müssen für die Ausschmückung dieses Raumes. Daher war es mir so störend gestern, als aus dem Schwarzen noch herausragte das Rot, das Rot, welches die Farbe sein kann, die unserem Auge wiederum entgegentreten darf dann, wenn die Tage der Trauer vorüber sein dürfen, der Trauer über dasjenige, was als tiefe Tragik mit der menschlichen Wesenheit zusammen‚hängt. Es war durchaus christlich-künstlerisch stillos, daß gestern hier Rotes herausragte. Auch diese Dinge muß man eben lernen; aber hat man sie gelernt, dann wird man schon empfinden, wie die äußeren Formen ihre tiefe Bedeutung haben, und wie sie wesenhaft zusammenhängen mit dem, was man nennen kann das Zusammenwachsen der Menschenseele mit den Ereignissen des Kosmos.
[ 18 ] And if this feeling is alive, then the black drapery we must choose, especially in these days, to adorn this room is justified. That is why it bothered me so much yesterday when red still stood out from the black—the red that may be the color our eyes are allowed to behold again once the days of mourning are over, the mourning for that which is connected to the human being as a profound tragedy. It was thoroughly unchristian and artistically tasteless that red stood out here yesterday. One must learn these things as well; but once one has learned them, one will already sense how the outer forms have their deep meaning, and how they are essentially connected with what one might call the growing together of the human soul with the events of the cosmos.
[ 19 ] Ist denn dieses nicht ausgedrückt in der Festsetzung dieses Osterfestes selbst? Kosmisch ist der Zeitpunkt des Osterfestes festgesetzt: der erste Sonntag nach dem Vollmond, der auf Frühlingsanfang, auf den 21. März folgt. Da oben am Himmel sollen die Zeichen sein, nach denen das Osterfest festgelegt wird. Barbarische Wissenschaftlichkeit hat in den letzten Jahren die Forderung aufgestellt, daß die Ostertage jedes Jahr gleich, auf dieselben Tage fallen sollen. Wird sich das realisieren, so wird man am besten ersehen, wie weit sich die Menschen entfernen wollen in unserer Zeit von einem wirklich spirituellen Leben, das nicht entwickelt werden kann, ohne daß der Mensch gewahr wird, wie. seine Seele nicht bloß lebt in dem, was auf der Erde zirkuliert so, daß man etwa als äußeres Zeichen für dieses Zirkulieren das Geldeinnehmen und -ausgeben ansehen kann. Denn dieses, wofür das Geldeinnehmen und Geldausgeben das äußere Zeichen ist, dafür wäre allerdings die Festsetzung des Ostertages eine bequeme Sache. Für dasjenige aber, was hineinfluter aus dem Leben des Kosmos in die menschliche Seele, wäre es ertötend, wenn jene barbarische Wissenschaftlichkeit siegen würde, die den Ostersonntag und Ostermontag immer auf den gleichen Tag des Jahres festlegen wollte, und man nicht mehr hinblicken würde auf die kosmische Festsetzung dieser Tage.
[ 19 ] Is this not expressed in the very setting of the date for Easter itself? The date of Easter is determined cosmically: the first Sunday after the full moon following the beginning of spring, on March 21. The signs by which Easter is determined are to be found up there in the heavens. In recent years, a barbaric approach to science has demanded that the days of Easter fall on the same dates every year. If this comes to pass, it will become abundantly clear just how far people in our time wish to distance themselves from a truly spiritual life—a life that cannot be developed unless one becomes aware of how his soul does not merely live in what circulates on Earth in such a way that one might regard the taking in and spending of money as an external sign of this circulation. For that of which the taking in and spending of money is the external sign, for that indeed the fixing of the date of Easter would be a convenient matter. But for that which flows into the human soul from the life of the cosmos, it would be devastating if that barbaric scientific approach were to prevail, which would always fix Easter Sunday and Easter Monday on the same day of the year, and one would no longer look to the cosmic determination of these days.
[ 20 ] An solchen Einzelheiten sieht man, wie die Menschheit hineinsegelt in den ahrimanischen Materialismus. Menschen wird es geben müssen, die durch ihr Bekenntnis zur Geisteswissenschaft in solchen Dingen werden in der Zukunft einigen Bescheid wissen.
[ 20 ] Details like these show how humanity is sailing headlong into Ahrimanic materialism. There will need to be people who, through their commitment to Spiritual Science, will have some understanding of such matters in the future.
[ 21 ] Sie kennen ganz gewiß entweder aus dem Original, das ja schon sehr verdorben ist, oder aber aus Nachbildungen und Stichen, Michelangelos gewaltiges Werk in der Sixtinischen Kapelle in Rom, «Das Jüngste Gericht». Wenn Sie dieses Werk, das darstellt das Weltengericht, in seiner Komposition anschauen, was müssen Sie sich sagen — jetzt, da Sie der Geisteswissenschaft nähergetreten sind —, was dieses Bild vom Weltengericht eigentlich ist? Ich sagte vorhin: Demjenigen, der ausgerüstet mit dem, was die Geisteswissenschaft ihm werden kann, vor das Symbolum des im Grabe liegenden Christus am Karfreitag und Karsamstag hintritt, dem kann sich, wenn er es schon zum Schauen gebracht hat, die Vision des vorhin geschilderten Jupitermenschen, des JupiterMenschendaseins, vor die Seele stellen. Wenn er es noch nicht zum Schauen gebracht hat, so wird sich ihm, wenn er fühlend Verständnis der Geisteswissenschaft erlangt, immerhin der Gedanke hinstellen können, der auf einer gewissen Stufe ebenso berechtigt ist wie das Schauen. Das wird der heutigen Zeit entsprechen.
[ 21 ] You are certainly familiar with Michelangelo’s monumental work in the Sistine Chapel in Rome, *The Last Judgment*, either from the original—which is, of course, already quite damaged—or from reproductions and engravings. When you look at the composition of this work, which depicts the Last Judgment, what must you tell yourself—now that you have drawn closer to Spiritual Science—about what this image of the Last Judgment actually is? I said earlier: For those who, equipped with what Spiritual Science can offer them, approach the symbol of Christ lying in the tomb on Good Friday and Holy Saturday, the vision of the Jupiter-man described earlier—of Jupiter-human existence—can present itself to their soul, provided they have already attained the ability to see. If they have not yet attained the ability to see, then, once they have gained a feeling understanding of Spiritual Science, the thought will at least be able to arise within them—a thought that, at a certain level, is just as valid as the vision itself. This will be appropriate for the present age.
[ 22 ] Und denken Sie sich, ein Maler, mit der ganzen malerischen Kunst der Gegenwart ausgerüstet, würde das Symbolum des Mysteriums von Golgatha auf sich wirken lassen und malerisch die Frage beantworten wollen: Was erscheint mir, wenn ich von dem $Symbolum des im Grabe liegenden Christus Jesus ausgehe und mit dem, was ich dadurch gewonnen habe, den Blick in das Innere vertiefe? Was erscheint mir? — Der Christus erscheint mir in seiner Jupiterherrlichkeit, in seiner zukünftigen Herrlichkeit, Ahriman durch die Bande des Lichtes im Unterirdischen fesselnd, so daß er den Menschen nicht erreichen kann, und überwindend den Luzifer, daß er auf seine Pfade nicht führen kann die menschliche Seele.
[ 22 ] And just imagine: a painter, equipped with the full range of contemporary artistic techniques, allowing the symbol of the mystery of Golgotha to take hold of him and seeking to answer the question through his art: What appears to me when I start from the symbol of Christ Jesus lying in the tomb and, with what I have gained through it, deepen my gaze into the inner world? What appears to me? — Christ appears to me in his Jupiter-like glory, in his future glory, binding Ahriman with the bonds of light in the underworld so that he cannot reach humanity, and overcoming Lucifer so that he cannot lead the human soul onto his paths.
[ 23 ] So ist es angemessen dem, was die Menschenseele sich aneignen kann durch die Geisteswissenschaft. All dasjenige, was jetzt der Menschenseele so erscheinen kann, es kleidete sich für die Menschen, die vor uns gelebt haben, also für uns selbst in früheren Inkarnationen, in das Bild des Jüngsten Gerichtes, wie es Michelangelo auf die Wand der Sixtinischen Kapelle gemalt hat. Das ist nur ein prophetischer Vorblick; der richtige Blick ist der, den ich Ihnen eben geschildert habe. Menschen, die nur durch das christliche Gefühl unterrichtet wurden, noch nicht durch die Geisteswissenschaft, sie haben dasjenige, was durch das KarfreitagMysterium geschaut werden kann, geschaut in der Form, wie das Jüngste Gericht gemalt worden ist. Wir aber, wir leben in einer Übergangszeit, und die fortgeschrittensten Seelen können sich am meisten bewußt sein, wenn sie noch nicht Geisteswissenschaft aufgenommen haben, wie man in der Gegenwart in einer Übergangszeit lebt, lebt in einer Zeit, der gegenüber man sich sagen muß: $o wie man früher geschaut hat das Jüngste Gericht als Ergebnis des Ostermysteriums, besser noch des Karfreitag-Mysteriums, so haben die Menschenkinder das Verständnis dafür verloren. Aber aufgehen muß ein neues Verständnis, solch ein Verständnis, das durch die Geisteswissenschaft gewonnen wird, wie es geschildert worden ist am heutigen Tage, womit auch wir diesmal hier feiern das Fest der Grablegung des Christus Jesus.
[ 23 ] This is appropriate to what the human soul can acquire through Spiritual Science. Everything that can now appear to the human soul in this way was clothed, for the people who lived before us—that is, for ourselves in earlier incarnations—in the image of the Last Judgment, as Michelangelo painted it on the wall of the Sistine Chapel. That is merely a prophetic foreshadowing; the correct view is the one I have just described to you. People who have been instructed only by Christian sentiment, not yet by Spiritual Science, have perceived what can be perceived through the Good Friday Mystery in the form in which the Last Judgment has been painted. But we, we live in a time of transition, and the most advanced souls—even if they have not yet taken up Spiritual Science—can be most aware of how we are living in the present, in a time of transition, a time in which we must say to ourselves: “Just as people used to view the Last Judgment as the result of the Easter Mystery, or better yet, the Good Friday Mystery, so have the children of humanity lost their understanding of it. But a new understanding must dawn—an understanding gained through Spiritual Science, as has been described today, with which we, too, are celebrating here the feast of the Burial of Christ Jesus.”
[ 24 ] Ich habe öfter hier gesprochen in diesem Raum von mancherlei, was Herman Grimm so schön gesehen hat. Er hat nun in seinem «Leben Michelangelos» ausführlich auch gesprochen über «Das Jüngste Gericht» des Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. Und da er eine Persönlichkeit war, die nicht so war wie die Dutzendgelehrten, die alles — unter Gänsefüßchen sage ich das — «objektiv» schildern, sondern weil er eine Persönlichkeit war, die auch, nachdem sie gründliche Forschungen gemacht hatte, mit der Seele, mit der Empfindung, mit dem Gefühl bei den Ergebnissen der Forschung war, so fügte Herman Grimm, als er in seinem «Leben Michelangelos» vollendet hatte seine schöne Abhandlung über «Das Jüngste Gericht», die folgenden Worte seiner Betrachtung über das Jüngste Gericht bei: «Es ist schwer, wenn nicht unmöglich, über solche Dinge zu reden.» Über dasjenige, meinte er, was im Zusammenhang stehen soll mit dem, was das Jüngste Gericht darstellt für das Wesen der menschlichen Seele. In der Zeit des Michelangelo war es noch nicht schwer, darüber zu reden, vor allem nicht in der Malerei, denn Michelangelo hat ja malerisch darüber gesprochen. Und diejenigen, die dazumal eingeweiht waren in die Mysterien der Religion, haben über diese Dinge sprechen können. Schwer ist es erst geworden durch die Weiterentwickelung der Zeit.
[ 24 ] I have often spoken here in this room about various things that Herman Grimm so beautifully observed. In his *Life of Michelangelo*, he also discussed at length Michelangelo’s *The Last Judgment* in the Sistine Chapel. And since he was a personality who was not like the run-of-the-mill scholars who describe everything—I say this in quotation marks— “objectively”—but because he was a personality who, even after conducting thorough research, engaged with the results of that research with his soul, his sensibility, and his feelings—Herman Grimm, upon completing his beautiful treatise on “The Last Judgment” in his *Life of Michelangelo*, added the following words to his reflections on the Last Judgment: “It is difficult, if not impossible, to speak of such things.” By this, he meant what is supposed to be connected to what the Last Judgment represents for the nature of the human soul. In Michelangelo’s time, it was not yet difficult to speak of this, especially not in painting, for Michelangelo did indeed speak of it through his art. And those who were initiated into the mysteries of religion at that time were able to speak of these things. It has only become difficult through the further development of the times.
[ 25 ] «Es ist schwer, wenn nicht unmöglich, über solche Dinge zu reden. Unser Gefühl darüber wohnt in einer Tiefe, die mit klarem Lichte zu erfüllen nicht gelingen kann. Noch wagen wir freilich nicht, die körperlichen Bilder, die uns als heilige Vermächtnisse überliefert sind, ganz für Schatten zu erklären .. .»
[ 25 ] “It is difficult, if not impossible, to speak of such things. Our feelings about them dwell in a depth that cannot be illuminated by clear light. Yet we do not dare to dismiss the physical images handed down to us as sacred legacies as mere shadows entirely …”
[ 26 ] Also er sagt, noch wagen wir es nicht in unserer Zeit, zu sagen: ' Dasjenige, was ein Michelangelo als real mir dem Leben der menschlichen Seele zusammenhängend gedacht und auf die Leinwand gebracht hat, das ist eine bloße Phantasie. Tiefere Geister, wie Herman Grimm, wagen es noch nicht. Andere, die mehr nach dem Typus von Ludwig Feuerbach oder David Friedrich Strauß gebaut sind, die wagen es, zu sagen: Das ist eine Phantasterei — oder, wenn sie es schöner, moderner ausdrücken wollen, sagen sie: Das ist eine Phantasie —, doch sie meinen Phantasterei, wenn sie von Michelangelos Werken sprechen. Aber andere, tiefere Geister, sie wagen es nicht.
[ 26 ] So he says, we do not yet dare, in our time, to say: ‘What a Michelangelo conceived as real in connection with the life of the human soul and brought to the canvas is mere fantasy.’ Deeper minds, such as Herman Grimm, do not yet dare to say this. Others, who are more in the mold of Ludwig Feuerbach or David Friedrich Strauss, dare to say: That is a flight of fancy—or, if they wish to express it more elegantly and in a more modern way, they say: That is a fantasy—yet they mean a flight of fancy when they speak of Michelangelo’s works. But other, deeper minds do not dare.
[ 27 ] «Noch wagen wir freilich nicht, die körperlichen Bilder, die uns als heilige Vermächtnisse überliefert sind, ganz für Schatten zu erklären; aber wie der Gang der geistigen Entwicklung sich mir darstellt: immer blässer müssen diese Vorstellungen werden, und anderes muß an ihre Stelle treten, das als Symbol der ewigen Dinge gilt.»
[ 27 ] “Of course, we do not yet dare to dismiss the physical images handed down to us as sacred legacies as mere shadows; but as I see the course of spiritual development, these mental images must grow ever paler, and something else must take their place—something that serves as a symbol of eternal things.”
[ 28 ] Er sieht ein, daß anderes an die Stelle treten muß, aber er sucht vergeblich in der Zeitenkultur, die ihm erreichbar ist, nach diesem anderen. Und ich möchte sagen, tragisch klingen seine folgenden Worte:
[ 28 ] He realizes that something else must take its place, but he searches in vain for this “something else” within the contemporary culture that is accessible to him. And I would say that his following words sound tragic:
[ 29 ] «Denn ohne Symbole, seien es sichtbare Bilder oder Gedanken, beruhigen wir uns nicht, mag uns auch noch so deutlich werden, daß alles Symbolische nur ein Gleichnis sei: leer für den, der den Inhalt nicht selbst aus der eigenen Seele in sie hineinlegt. So aber wie das Jüngste Gericht an der Wand der Sixtinischen Kapelle steht, ist es für uns kein Gleichnis mehr, sondern ein Denkmal des phantastischen Seelenlebens einer vergangenen Zeit und eines fremden Volkes, deren Gedanken nicht mehr die unseren sind.»
[ 29 ] “For without symbols—whether visible images or thoughts—we cannot find peace, no matter how clear it may become to us that everything symbolic is merely a parable: empty for those who do not themselves imbue it with meaning drawn from their own souls. But just as the Last Judgment stands on the wall of the Sistine Chapel, it is no longer a parable for us, but a monument to the fantastical spiritual life of a bygone era and a foreign people, whose thoughts are no longer our own.”
[ 30 ] Das ist ein Geständnis, in Aufrichtigkeit von der Menschenseele sich selbst gegeben, wie ein Geist es sich geben mußte, der nicht einfach dabei stehenbleiben kann: Wir können jetzt in alle Zukunft leben, auch wenn wir verloren haben dasjenige, was früher vor die Menschenseele sich hinstellen mußte, wenn sie das Karfreitag-Mysterium empfand. Das sind die Worte eines Geistes, der empfindet, daß das Alte vergangen ist, und der in die Gegenwart schaut; der wie vergeblich sich nach etwas umschaut, was an die Stelle des Alten treten kann.
[ 30 ] This is a confession, made in sincerity by the human soul to itself, as a spirit had to make it, one that cannot simply stop there: We can now live into the future, even though we have lost that which once had to stand before the human soul when it experienced the mystery of Good Friday. These are the words of a spirit that senses that the old has passed away and looks toward the present; that looks around in vain for something that can take the place of the old.
[ 31 ] Solch ein Geist ist in unseren Zeiten durch die Pforte des Todes gegangen mit diesem Gedanken: Wo, wo, du Seele, du Menschenseele, ‘die du einstmals dich im Anblick des im Grabe liegenden Kruzifixus vertieftest in deine heiligsten Geheimnisse im Weltengang — wo, du Menschenseele, findest du dasjenige, was deine neuen Gedanken und Empfindungen über dieses Geheimnis werden müssen? Wo, du Menschenseele, findest du etwas, was wiederum dich ausfüllt, wenn du zu dem im Grabe liegenden Kruzifixus, wenn du auf das Karfreitag-Mysterium hinblickst? Wo, du Menschenseele, findest du das? — Mit diesen Gedanken schreitet ein solcher Geist durch die Todespforte.
[ 31 ] Such a spirit has passed through the gates of death in our time with this thought: Where, where, O soul, O human soul, ‘you who once, at the sight of the Crucifix lying in the tomb, immersed yourself in your most sacred mysteries in the course of the world—where, O human soul, will you find that which your new thoughts and feelings must become regarding this mystery? Where, O human soul, do you find something that once again fills you when you look upon the Crucifix lying in the tomb, when you gaze upon the mystery of Good Friday? Where, O human soul, do you find that? — With these thoughts, such a spirit passes through the gate of death.
[ 32 ] Jetzt werden Sie es begreifen, was es bedeutet, wenn ich vor einigen Tagen hier in diesem Raume sagen durfte: Es hat Seelen gegeben, die durch die Todespforte geschritten sind, und die ein Gefühl, ein neues Gefühl von dem, was der Mensch wahrhaftig ist, empfingen, als in ihre Genossenschaft unser Freund Christian Morgenstern getreten ist, mit einem durch Geisteswissenschaft erleuchteten, durchgeistigten Bewußtsein, mit einem deutlichen Bewußtsein alles dessen, was diesen Seelen verlorengegangen war. Durchdrungen von dem Bewußtsein von der neuen Christus-Verkündigung, trug er die neuen Gedanken über die Christus-Entwickelung und ihren Zusammenhang mit der Menschheitsentwickelung hinauf durch die Pforte des Todes in die geistigen Welten. Die Seelen, die sich sehnten nach diesen Gedanken, weil sie durch ihre eigene Pforte des Todes nur dasjenige haben tragen können, was ihnen als Ungedanken oder blaß gewordene Bildgedanken der Vorzeit vor die Seele trat, diese Seelen fanden in unserem Freunde den sie aufklärenden Genossen.
[ 32 ] Now you will understand what I meant when, a few days ago, I said here in this room: There have been souls who have passed through the gate of death and who received a feeling, a new feeling of what a human being truly is, when our friend Christian Morgenstern entered their company, with a consciousness enlightened and spiritualized by Spiritual Science, with a clear awareness of all that these souls had lost. Imbued with the awareness of the new proclamation of Christ, he carried the new thoughts about the development of Christ and its connection to the development of humanity up through the gate of death into the spiritual worlds. The souls who longed for these thoughts—because through their own gate of death they had been able to carry only that which appeared before their souls as unformed thoughts or faded images of times past—these souls found in our friend the companion who enlightened them.
[ 33 ] So ist es schon nach dem Tode, wenn auch Oberflächliche glauben können, daß der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes tritt, von selbst alle Geheimnisse überschaut. Das tut er nicht, denn wie er durch das Leben in der Embryonalzeit vorbereitet wird für das Leben außer dem Mutterleibe, so muß er für das Leben, das er verbringt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, durch das Leben hier im Erdenleibe vorbereitet werden. Und für die Seelen, die, ohne im Erdenleibe Gedanken über das Mysterium von Golgatha empfangen zu haben, durch die Pforte des Todes geschritten sind, war ein Offenbarer der Mensch, der hinaufkam, seine Seele durchleuchtet von dem, was die neue ChristusVerkündigung der Seele sein kann.
[ 33 ] This is already the case after death, even though superficial people may believe that when a person passes through the gate of death, he automatically comprehends all mysteries. This is not the case, for just as life in the embryonic stage prepares a person for life outside the womb, so too must life here in the earthly body prepare a person for the life spent between death and a new birth. And for the souls who, without having received thoughts about the Mystery of Golgotha while in the earthly body, have passed through the gate of death, a Revealer was the human being who ascended, his soul illuminated by what the new proclamation of Christ can be to the soul.
[ 34 ] Durchdringen wir uns in aller Ehrfurcht in diesen Tagen des Jahres gerade mit solchen Gedanken. Nehmen wir sie auf in ihrer Konkretheit, wie sie im Zusammenhang mit unserer Anthroposophischen Gesellschaft an unsere Seele herantreten, nehmen wir sie in ihrer Konkretheit in unsere Seele auf, und versuchen wir es in diesen Tagen, von der vor unsere Seele rückenden geheimnisvollen Karfreitag-, Karsamstag-Festlichkeit die Kraft uns geben zu lassen, solche Dinge noch tiefer und immer tiefer zu verstehen. Benützen wir das, was uns diese auch für uns heiligen, tragisch-heiligen Tage sein können, um so recht auf uns wirken zu lassen dasjenige, was gerade bei solchem Anlaß in unserer Seele aufgehen kann, beleuchtend tiefste, tiefste Abgründe unseres ganzen Menschendaseins, wie es sich entwickelt durch die Erde hindurch, aber auch durch diejenigen Himmelskörper hindurch, die Wiederverkörperungen unserer Erde sein werden. Versuchen wir, das Osterereignis sein zu lassen im tiefen, im ganz tiefen Sinne ein Gleichnis, ein Bild desjenigen, was vom Ewigsten mit dem Wesen der Menschenseele — und dadurch mit unserer Selbsterkenntnis zusammenhängt.
[ 34 ] Let us, with all reverence, immerse ourselves in such thoughts during these days of the year. Let us take them in their concreteness, as they approach our souls in connection with our Anthroposophical Society; let us take them into our souls in their concreteness, and let us try, during these days, to allow the mysterious Good Friday and Holy Saturday festivities, which are drawing near to our souls, to give us the strength to understand such things ever more deeply. Let us use what these days—which are also sacred to us, these tragic-sacred days—can be for us, to allow that which can arise in our souls on such an occasion to truly take effect upon us, illuminating the deepest, deepest abysses of our entire human existence as it develops through the Earth, but also through those celestial bodies that will be reincarnations of our Earth. Let us try to allow the Easter event, in the deepest, the very deepest sense, to be a parable, an image of that which, from the Eternal, is connected with the nature of the human soul—and thereby with our self-knowledge.
