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Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161

1 May 1915, Dornach

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Zwölfter Vortrag

Twelfth Lecture

[ 1 ] Durch alle die Besprechungen, die in der letzten Zeit hier gepflogen worden sind, ging ein Grundzug. Dieser Grundzug enthielt den Ausdruck dafür, daß wir in unserer Gegenwart in der Tat innerhalb der ganzen Kulturentwickelung der Menschheit beobachten können die Notwendigkeit eines neuen Impulses, nämlich eines spirituellen Impulses, eines Impulses geistiger Erkenntnis.

[ 1 ] A fundamental theme ran through all the discussions that have taken place here recently. This theme expressed the fact that, in our present time, we can indeed observe within the entire cultural development of humanity the need for a new impulse—namely, a spiritual impulse, an impulse of spiritual insight.

[ 2 ] Es sollte in diesen Vorträgen von den verschiedensten Gesichtspunkten aus eben gezeigt werden, daß gewissermaßen eine Zeit abgelaufen ist, die einen ganz bestimmten Charakter hatte, und daß eine neue Zeit beginnen muß. Die Zeit, die abgelaufen ist, ist gewissermaßen die Zeit der intensivsten materialistischen Denk- und Empfindungsweise, die Zeit, in welcher das materialistische Denken und Empfinden immer mehr und mehr durch Jahrhunderte hindurch Platz gegriffen hat im inneren Leben der Menschenseele. Aber ebenso wie das Pendel, wenn es nach der einen Seite ausgeschlagen hat, wiederum nach der anderen Seite, in der entgegengesetzten Richtung ausschlagen muß, so stehen wir vor einer Zeit, in welcher die Menschenseele wieder ergriffen werden muß von der Empfindung, daß in allem Sinnlichen, in allem Materiellen, geistige Impulse verborgen sind, geistige Kräfte verborgen sind, und die Geisteswissenschaft soll ja im wesentlichen vermitteln die Erkenntnis und das Erleben dieser geistigen Kräfte hinter den sinnlichen und materiellen Erscheinungen und Erlebnissen, der geistigen Kräfte, auf welche die Menschheit durch Jahrhunderte hindurch weniger Aufmerksamkeit, weniger Interesse hat verwenden können.

[ 2 ] The aim of these lectures is to demonstrate, from a wide variety of perspectives, that an era with a very specific character has, so to speak, come to an end, and that a new era must begin. The era that has come to an end is, in a sense, the era of the most intense materialistic mode of thinking and feeling, the era in which materialistic thinking and feeling have increasingly taken hold in the inner life of the human soul over the course of centuries. But just as the pendulum, having swung to one side, must swing back to the other side, in the opposite direction, so we are facing a time in which the human soul must once again be seized by the feeling that in all that is sensory, in all that is material, spiritual impulses are hidden, spiritual forces are hidden, and Spiritual Science is essentially meant to convey the knowledge and experience of these spiritual forces behind sensory and material phenomena and experiences—the spiritual forces to which humanity has been able to devote less attention and less interest over the centuries.

[ 3 ] Nun wissen wir alle, wie in unserer Zeit angeschwärzt, verketzert wird allein schon die Geltendmachung dessen, daß es der Menschenseele möglich ist, in geistige Welten hineinzutreten. Wir wissen, wie die mannigfaltigsten Faktoren des Lebens, bewußt oder unbewußt, sich gegen das Heraufkommen einer solchen Weltanschauungsströmung, wie es die geisteswissenschaftliche ist, wenden. Man könnte glauben, daß es in unserer Gegenwart ganz und gar absurd, töricht, phantastisch erscheinen würde, was die Geisteswissenschaft von sich aus zur Regelung des Lebens und seiner Tatsachen darbieten muß; wenn man aber auf dasjenige eingeht, was immerhin, ich möchte sagen, auch jetzt schon einsichtigere Menschen, aus etwas gründlicheren Lebensimpulsen heraus, geltend machen, so sieht das eben Geschilderte doch wieder anders aus.

[ 3 ] We all know how, in our time, even the mere assertion that it is possible for the human soul to enter spiritual worlds is denigrated and condemned. We know how the most diverse factors of life, consciously or unconsciously, turn against the emergence of a worldview such as that of Spiritual Science. One might think that what Spiritual Science has to offer for the regulation of life and its facts would appear utterly absurd, foolish, and fantastical in our present age; but if one considers what, after all—I would say—even now more discerning people assert, based on somewhat deeper life impulses, then what has just been described takes on a different appearance.

[ 4 ] Ich möchte Sie zuerst heute hinweisen darauf, daß bei einsichtigeren Menschen der Gegenwart doch nicht überall ein solches Verschließen vorhanden ist gegenüber dem, was die Geisteswissenschaft geltend machen will, obzwar das Verschließen gegen die Geisteswissenschaft wohl da ist, aber nicht so sehr das Verschließen gegen das, was die Geisteswissenschaft geltend macht. Viele, viele Beispiele nach dieser Richtung wären da anzuführen. Ich will ein charakteristisches Beispiel einmal herausheben heute, das sich bezieht auf einen immerhin bedeutenderen Philosophen der jüngst verflossenen Zeit, auf den vor nicht langer Zeit verstorbenen Otto Liebmann.

[ 4 ] I would like to begin today by pointing out that, among the more discerning people of our time, there is not everywhere such a closed-mindedness toward what Spiritual Science seeks to assert; although there is indeed a closed-mindedness toward Spiritual Science itself, it is not so much a closed-mindedness toward what Spiritual Science actually asserts. Many, many examples along these lines could be cited. I would like to highlight one characteristic example today, which relates to a philosopher of recent times who was, after all, quite significant: Otto Liebmann, who passed away not long ago.

[ 5 ] Die meisten von Ihnen werden den Namen Otto Liebmann gar nicht kennen, und das macht auch nichts. Aber ich möchte doch sagen, daß Otto Liebmann einer der scharfsinnigsten Zergliederer des menschlichen Gedankenlebens in der neueren Zeit gewesen ist, daß er dasjenige, was man Erkenntnistheorie nennen kann, nach allen Seiten hin durchgeackert hat, daß er sich überall die Frage vorgelegt hat: Was kann der menschliche Gedanke erfassen von der Wirklichkeit?

[ 5 ] Most of you will not be familiar with the name Otto Liebmann, and that is all right. But I would like to say that Otto Liebmann was one of the most astute analysts of human thought in modern times, that he thoroughly explored what might be called the theory of knowledge from every angle, and that he constantly asked himself the question: What can human thought grasp of reality?

[ 6 ] Eine kleine Stelle aus den philosophischen Schriften Otto Liebmanns möchte ich Ihnen vorlesen, weil sie charakteristisch ist für einen Mann, der sein ganzes Leben hindurch sich abgemüht hat, zu ergründen, was der menschliche Gedanke ist, was die Gegenwart von ihm zu sagen vermag, wenn er sich stützt auf alle wissenschaftlichen Ergebnisse dieser unserer Gegenwart. Da sagt also Otto Liebmann: Es könnte jemand auf den Gedanken verfallen, in dem Hühnerei stecke nicht bloß Eiweiß und Dotter, sondern außerdem ein unsichtbares Gespenst darinnen; dieses Gespenst vermaterialisiere sich, und wenn es mit seiner Materialisierung fertig ist, sprenge es die Eischale mit dem spitzen Schnabel, laufe auf die Körner zu und picke sie auf.

[ 6 ] I would like to read you a short passage from Otto Liebmann’s philosophical writings, because it is characteristic of a man who, throughout his entire life, strove to fathom what human thought is and what our present age can say about it when it draws upon all the scientific findings of our time. Otto Liebmann says: One might be led to think that a chicken egg contains not only egg white and yolk, but also an invisible specter within; this specter materializes, and once it has finished materializing, it breaks the eggshell with its sharp beak, runs toward the grains, and pecks them up.

[ 7 ] Zunächst, sagt er, könnte einem einfallen, daß in dem Ei ein Gespenst wäre, und wenn dann die Eischale aufgepickt ist, käme das Gespenst heraus und könne die Körner aufpicken. Wie werden sich diejenigen äußern, die auf dem Standpunkte stehen, sich aus der gegenwärtigen Wissenschaft eine Weltanschauung aufzubauen? Die werden es folgendermaßen tun: Wenn einer sagt, im Hühnerei darinnen steckt ein Gespenst, so ist er eben ein Narr. — So werden die gescheiten Leute der Gegenwart sprechen. Nur wendet man das bloß auf diejenigen an, die sich Theosophen oder Anthroposophen nennen! Was sagt aber der Philosoph, der sich um die Zergliederung des menschlichen Denkens in der Gegenwart so viel Mühe gegeben hat? Er sagt: Gegen diese Behauptung läßt sich nichts anderes einwenden, als daß die Präposition «im» Unsinn ist, wenn sie im physischen Sinne gebraucht wird; im metaphysischen Sinne ist sie ganz richtig. Daß man mit der Vorstellung, das Gespenst sitzt räumlich darinnen, nichts anfangen kann, ist ganz richtig; aber wenn man sie metaphysisch versteht, so läßt sich gegen sie nichts einwenden. Es ist die Präposition nur nicht im gewöhnlichen Sinne zu gebrauchen.

[ 7 ] At first, he says, one might think that there is a ghost inside the egg, and that once the shell is pecked open, the ghost would come out and be able to peck at the grains. How will those who take the position of constructing a worldview based on contemporary science respond? They will do so as follows: If someone says there is a ghost inside a chicken egg, then he is simply a fool. — That is how the intelligent people of the present day will speak. But this applies only to those who call themselves Theosophists or Anthroposophists! But what does the philosopher say, who has taken such pains to analyze human thought in the present day? He says: The only objection to this claim is that the preposition “in” is nonsense when used in the physical sense; in the metaphysical sense, it is entirely correct. It is quite correct that one cannot make sense of the mental image that the ghost is physically situated inside; but if one understands it metaphysically, there is nothing to object to. The preposition is simply not to be used in the ordinary sense.

[ 8 ] Also die Tatsache liegt vor, daß ein Philosoph, der ein geistvolles Buch geschrieben hat «Analysis der Wirklichkeit» und ein Buch «Gedanken und Tatsachen» — im zweiten Heft 1899 der «Naturerkenntnis» steht dies von dem unsichtbaren Gespenst —, zugibt, daß man im Grunde genommen ganz auf dem Höhepunkte der heutigen Philosophie stehen kann und gar nicht anders kann, als zuzugeben, daß im Hühnerei darinnen wirklich ein unsichtbares Gespenst stecke.

[ 8 ] So the fact remains that a philosopher who wrote a brilliant book, *Analysis of Reality*, and a book, *Thoughts and Facts* — in the second issue of “Naturerkenntnis” from 1899, this is mentioned regarding the invisible specter —, admits that one can, in essence, stand at the very pinnacle of contemporary philosophy and yet cannot help but admit that there really is an invisible specter inside a chicken egg.

[ 9 ] Selbstverständlich würde Otto Liebmann nie sich herbeilassen, in der Geisteswissenschaft etwas Vernünftiges zu sehen. Man könnte die Frage aufwerfen: Warum tut er denn das nicht? Warum würde er oder jemand, der so denkt wie er, nicht herangehen und sich einmal diese Geisteswissenschaft ansehen, um zu dem Urteil zu kommen: Ja, diese Geisteswissenschaft will ja im Grunde genommen gar nichts anderes, als in Wirklichkeit konstatieren, daß dieses unsichtbare Gespenst im Hühnerei wirklich darinnen ist! — Auf den Namen kommt es ja nicht an; es würde eben bei uns Ätherleib genannt werden, der wiederum von dem astralischen Leib durchsetzt ist. Der Geisteswissenschafter beschreibt eben, was da drinnen ist als unsichtbares Gespenst; der Geisteswissenschafter sagt also nichts anderes, als was die anderen sagen. Dennoch wird man sich nicht zur Geisteswissenschaft so leicht wenden. Man wird sie eine "Narretei, eine Phantasterei schelten, trotzdem sie von der Wissenschaft und von der Gedankenarbeit der Gegenwart energisch gefordert wird.

[ 9 ] Of course, Otto Liebmann would never stoop to seeing anything sensible in Spiritual Science. One might ask: Why doesn’t he do that? Why wouldn’t he—or anyone who thinks like him—take a look at this Spiritual Science to arrive at the conclusion: Yes, this Spiritual Science basically wants nothing more than to state as fact that this invisible specter is really inside the chicken egg! — The name doesn’t matter; we would simply call it the etheric body, which in turn is permeated by the astral body. The spiritual scientist simply describes what is inside as an invisible specter; the spiritual scientist therefore says nothing other than what the others say. Nevertheless, people will not turn to Spiritual Science so easily. They will denounce it as “nonsense, a fantasy,” even though it is vigorously demanded by science and by the intellectual work of the present day.

[ 10 ] Wie weit ist es nun von der Behauptung, daß im Hühnerei ein unsichtbares Gespenst steckt, zu der anderen, daß im menschlichen physischen Leib — die Anatomie und Physiologie untersuchen nur das Physische — auch etwas Unsichtbares darinnen steckt? Und wenn man sich hinweghelfen würde über die Anwendung der Präposition «im» darauf kommt es dem Philosophen ja an —, dann wäre man schon daran, auf etwas hinzuweisen, wovon die Geisteswissenschaft sagt, daß es in dem Ätherleibe, dem Astralleibe und dem Ich besteht. Die Geisteswissenschaft tut also nichts, wovon sich nicht streng nachweisen läßt, daß es wirklich gefordert wird von dem ganzen Gedanken- und Kulturprozesse der Gegenwart. Nur muß selbstverständlich die Geisteswissenschaft etwas weitergehen, denn bei der Ahnung kann es nicht bleiben: im Hühnerei steckt ein unsichtbares Gespenst —, insbesondere, wenn man damit zum Menschen übergeht. Da muß es klar sein, daß dasjenige, was unsichtbar im Menschen darinnen steckt, gewisse Eigenschaften, gewisse innere Wirklichkeitsfaktoren hat. Während man sich beim Hühnerei, ich möchte fast sagen, gespenstisch vorstellen kann: da steckt ein unbekanntes Gespenst darinnen —, muß man, wenn man zum Menschen vorschreitet, sich klar sein, daß der Mensch, wenn er im physischen Leibe wohnt, Bewußtsein entwickelt, dadurch Bewufßtsein entwickelt, daß der physische Leib ein so komplizierter Apparat ist. Dadurch ahnt man, daß das, was man hier unsichtbares Gespenst genannt hat, doch gelten muß als etwas, was dem Sichtbaren zugrunde liegt. Wenn nun das Äußere schon Bewußtsein hat, so muß man doch als selbstverständlich annehmen, daß auch das Innere Bewußtsein hat, daß man es nicht «bewußtlos» glauben kann.

[ 10 ] How far is it, then, from the claim that there is an invisible spirit within a chicken egg to the claim that there is also something invisible within the human physical body—since anatomy and physiology examine only the physical? And if one were to set aside the use of the preposition “in”—which is what matters to the philosopher—then one would already be pointing to something that Spiritual Science says consists of the etheric body, the astral body, and the I. Spiritual Science, therefore, does nothing that cannot be strictly demonstrated to be truly demanded by the entire thought and cultural processes of the present. Of course, Spiritual Science must go a step further, for it cannot remain at the level of intuition: there is an invisible spirit within the chicken egg—especially when one moves on to the human being. It must be clear that what lies invisibly within the human being possesses certain qualities, certain inner factors of reality. While one can, I might almost say, create a mental image of the chicken egg in a ghostly way—that there is an unknown ghost inside it—when one moves on to human beings, one must be clear that the human being, when dwelling in the physical body, develops consciousness, and does so precisely because the physical body is such a complex apparatus. This leads one to suspect that what has been called an invisible ghost here must nevertheless be regarded as something that underlies the visible. If the outer aspect already possesses consciousness, then one must naturally assume that the inner aspect also possesses consciousness, that one cannot believe it to be “unconscious.”

[ 11 ] Die Wissenschaft wird darauf hinführen, einzusehen so etwas wie dasjenige, was die Geisteswissenschaft annimmt: daß es in dem physischen Leibe einen geistigen Menschen gibt. Und die Art des Bewußtseins dieses geistigen Menschen ist es ja, auf die uns die Geisteswissenschaft hinweist.

[ 11 ] Science will lead us to recognize something akin to what Spiritual Science posits: that within the physical body there exists a spiritual human being. And it is the nature of this spiritual human being’s consciousness that Spiritual Science points out to us.

[ 12 ] Wir wissen heute schon, seit längerer Zeit schon, eine Antwort zu geben über die genauen Eigenschaften dieses dem Menschen zugrunde liegenden, unsichtbaren Gespenstes. Nehmen wir zunächst diese philosophischen Darbietungen der Gegenwart, so werden wir zugeben, es liegt auch dem Menschen ein unsichtbares Gespenst zugrunde. Wir fragen uns nun: Können wir über dieses unsichtbare Gespenst etwas wissen? — Jawohl; so wie der Mensch durch die sinnlichen Wahrnehmungen und durch die Gedanken, die an das Gehirn gebunden sind, Erkenntnisse über die äußere Welt erwirbt, erweitert auch dieses Wissen sich: denn in dem Gespenste leben die Imaginationen, lebt dasjenige, was wir beschrieben haben als imaginative Erkenntnis. Wir würden sehen können: nicht nur dem Hühnerei liegt ein unsichtbares Gespenst zugrunde, sondern im Menschen steckt der ätherische Leib darinnen, der, wenn ihm die Möglichkeit gegeben wird — es ist dies in unseren Schriften schon ausgesprochen —, sich vom physischen Leibe frei macht und eine imaginative Erkenntnis entwickelt, eine Erkenntnis, die in Imaginationen in der Welt arbeitet, die in bewegten Imaginationen vor der Seele steht.

[ 12 ] We have known for quite some time now how to answer the question regarding the exact nature of this invisible specter that underlies human beings. If we first consider the philosophical views of our time, we must admit that an invisible specter also underlies human beings. We now ask ourselves: Can we know anything about this invisible spirit? — Indeed; just as human beings acquire knowledge of the external world through sensory perceptions and through the thoughts bound to the brain, so too does this knowledge expand: for within the spirit live the imaginations, lives that which we have described as imaginative knowledge. We would be able to see: not only does an invisible spirit underlie the chicken egg, but within the human being lies the etheric body, which—if given the opportunity—as has already been stated in our writings—frees itself from the physical body and develops an imaginative cognition, a cognition that works in the world through imaginations, which stand before the soul as moving imaginations.

[ 13 ] Es muß schon einmal die Frage vorgelegt werden: Worauf beruht es eigentlich, daß die Geisteswissenschaft heute so viele Gegner findet, trotzdem im Grunde die Leute, die sich selber nicht verstehen, auf das kommen und auf das hinweisen, was die Geisteswissenschaft sagt?

[ 13 ] The question must be asked: Why is it that Spiritual Science faces so much opposition today, even though people who do not understand themselves ultimately arrive at and point to what Spiritual Science says?

[ 14 ] Meine lieben Freunde, da muß etwas gesagt werden, was, ich möchte sagen, gefährlich ist auszusprechen, jedenfalls nicht ungefährlich. Warum würde Otto Liebmann zweifellos, wenn er ein geisteswissenschaftliches Buch in die Hand bekäme, sagen: Das ist mir zu töricht, zu närrisch —, während er doch sozusagen selber vor der Pforte der geistigen Welt steht? Warum lebt er in dieser sonderbaren Selbsttäuschung, daß er zwar vor der Pforte steht, aber wenn jemand kommt und ihm das Tor aufmachen will, sagen würde: Nein, da gehe ich nicht hinein. — Warum? Das ist doch nicht besonders vernünftig!

[ 14 ] My dear friends, there is something that must be said here which, I would say, is dangerous to utter—or at least not without risk. Why would Otto Liebmann, no doubt, if he were to pick up a book on Spiritual Science, say: “That is too foolish, too silly for me”—even though he himself stands, so to speak, at the very threshold of the spiritual world? Why does he live in this strange self-deception, believing that although he stands at the threshold, if someone were to come and try to open the gate for him, he would say: “No, I will not go in.”—Why? That is not particularly reasonable!

[ 15 ] Manchmal erreicht man doch etwas durch Vergleiche, und deshalb möchte ich mit einem Vergleich die Frage beantworten: Warum gibt es unter den Besten der Gegenwart solche vor der Geisteswissenschaft zurückschreckende Menschen?

[ 15 ] Sometimes comparisons can be helpful, and so I would like to use one to answer the question: Why are there people among today’s best and brightest who shy away from Spiritual Science?

[ 16 ] Ich möchte da ebenfalls auf etwas aufmerksam machen, worüber wir schon gesprochen haben: auf das, was ich schon gesagt habe über den Schlaf und die Ermüdung. Man redet heute vielfach darüber, wie es kommt, daß die Menschen schlafen müssen, und man sagt sich: weil sie ermüdet sind. So daß die Ermüdung im wesentlichen als die Ursache des Schlafes angesehen wird. So redet man heute vielfach. Nun weiß zwar jeder aus der gewöhnlichsten Erfahrung des Lebens, daß irgendein Rentier, der, sagen wir, aus Courtoisie einen schönen Vortrag besucht, oftmals, kaum nachdem der Vortrag begonnen hat, sogleich einschläft, auch wenn er nicht ermüdet ist, woraus jeder den Schluß ziehen könnte, daß die Ermüdung durchaus nicht die Ursache des Schlafes ist. Im Gegenteil, die Sache würde richtiger ausgedrückt werden, wenn wir nicht sagen würden: Wir schlafen, weil wir ermüdet sind —, sondern sagen würden: Wir fühlen uns ermüdet, weil wir schlafen wollen. — Das würde der richtigere Ausdruck sein.

[ 16 ] I would also like to draw attention to something we have already discussed: what I have already said about sleep and fatigue. People talk a lot these days about why people need to sleep, and they say: because they are tired. So that fatigue is essentially regarded as the cause of sleep. That is how people often speak today. Now, everyone knows from the most ordinary experience of life that a certain person who, let’s say, attends a fine lecture out of courtesy, often falls asleep immediately after the lecture has begun, even if he is not tired, from which anyone could conclude that fatigue is by no means the cause of sleep. On the contrary, the matter would be more accurately expressed if we did not say: We sleep because we are tired—but rather said: We feel tired because we want to sleep. — That would be the more accurate expression.

[ 17 ] Das Schlafen besteht nämlich im wesentlichen darin, daß der Mensch, indem er mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe aus dem physischen Leibe und dem Ätherleibe herausgeht, seinen physischen Leib und seinen Ätherleib von außen genießt, man möchte sogar sagen, nicht nur genießt, sondern verdaut; während, wenn er im physischen Leib und im Ätherleib darinnen ist, er mit seinem Bewußtsein in der äußeren Welt lebt. Merken Sie wohl, was damit eigentlich gesagt ist. Sind wir außerhalb unseres physischen Leibes und Ätherleibes mit unserem Ich und unserem Astralleibe, so wenden wir allen Willen und alle Begehrlichkeit nach dem physischen Leibe und dem Ätherleibe hin, wir genießen und verdauen den physischen Leib und den Ätherleib von außen; während die äußere Welt Eindrücke macht auf uns, wenn wir im Ätherleibe und im physischen Leibe darinnen stecken.

[ 17 ] Sleeping essentially consists in the fact that, by stepping out of the physical body and the etheric body with one’s I and astral body, a person experiences his physical body and etheric body from the outside, one might even say, not only enjoys but digests them; whereas, when he is within the physical body and the etheric body, he lives with his consciousness in the outer world. Do take note of what is actually being said here. When we are outside our physical body and etheric body with our ego and our astral body, we direct all our will and all our desire toward the physical body and the etheric body; we enjoy and digest the physical body and the etheric body from the outside; whereas the external world makes an impression on us when we are inside the etheric body and the physical body.

[ 18 ] Nun beruht alles, was in der Welt ist, auf Periodizität, geradeso wie es beim Pendel ist. Wenn das Pendel nach der einen Seite bis zu einem gewissen Punkte hinaufgegangen ist, so geht es wieder hinunter und auf der anderen Seite hinauf bis zu derselben Höhe, durch die Kraft, die es sich beim Herunterfallen erworben hat. So wie das Pendel nicht nur bis hierher gehen kann, sondern dann wieder zurück muß und hinauf bis zu dem Punkte, den es erreicht hatte bevor es heruntergegangen war, so sind Schlafen und Wachen einander entgegengesetzt. Im gröbsten Sinne laßt es sich so sagen.

[ 18 ] Now, everything in the world is based on periodicity, just as it is with a pendulum. When the pendulum has swung to one side up to a certain point, it swings back down and up to the same height on the other side, by virtue of the force it has gained during its descent. Just as the pendulum cannot simply go this far but must then return and rise to the point it had reached before it went down, so too are sleeping and waking opposites. In the broadest sense, this is how it can be put.

[ 19 ] Nehmen wir an, wir haben vom Aufwachen bis zum Einschlafen uns interessiert für die äußere Welt und deren Ablauf. Dieses Aufnehmen der äußeren Welt war so, wie das Pendel nach der einen Seite ausschlägt. Wenn wir das, was äußere Welt ist, genügend aufgenommen haben, dann entwickelt sich durch die Übersättigung, durch das Genughaben von der äußeren Welt, das normale Bedürfnis, auch uns selber wieder zu genießen, von uns selber den Genuß zu haben, den wir sonst in der äußeren Welt haben: wir schlafen ein. Und haben wir mit diesem Genuß genügend uns aus uns herausgepreßt, dann können wir auch wieder aufwachen. Es ist ein Hin- und Herschlagen, eine Periodizität, die, wie draußen im Mechanismus, regelmäßig ablaufen wird. Aber den Menschen kann Luzifer und Ahriman wirklich herausheben aus dem ganzen Naturlaufe. So kann der Mensch, wenn er zu einem Vortrage oder zu einem Konzerte aus Courtoisie gegangen ist, nicht weil er zuhören will, herausgehen und kann sein Interesse ablenken. Er geht heraus und genießt sich, weil er sich interessanter findet als dasjenige, was äußerlich um ihn herum abläuft.

[ 19 ] Let’s assume that from the moment we wake up until we fall asleep, we have been interested in the external world and its goings-on. This absorption of the external world was like a pendulum swinging to one side. Once we have absorbed enough of what the external world is, then, through oversaturation—through having had our fill of the external world—the normal need arises to enjoy ourselves again, to derive from ourselves the pleasure we otherwise find in the external world: we fall asleep. And once we have squeezed enough of this pleasure out of ourselves, then we can wake up again. It is a back-and-forth swing, a periodicity that, like the mechanisms outside, will run its course regularly. But Lucifer and Ahriman can truly lift human beings out of the entire course of nature. Thus, if a person has gone to a lecture or a concert out of courtesy, not because they want to listen, they can walk out and divert their interest. They walk out and enjoy themselves, because they find themselves more interesting than what is happening externally around them.

[ 20 ] So kann man sehen: Derjenige, welcher in anormaler Weise in Schlaf verfällt, hat einfach kein Interesse an der Umwelt, an dem, was in der Umwelt vorgeht. Nichts anderes liegt aber vor bei solchen Menschen, von denen ich gesprochen habe, die eigentlich hingewiesen werden auf dasjenige, was die Geisteswissenschaft darbietet. Otto Liebmann ist auf geisteswissenschaftlichem Gebiete ein solcher Mann, wie der, welcher aus Courtoisie ein Konzert oder einen Vortrag besucht und gleich einschläft. Er geht hin, aber eigentlich will er doch nicht dasjenige aufnehmen, was darinnen geboten wird.

[ 20 ] Thus we can see: The person who falls asleep in an abnormal way simply has no interest in the environment or in what is happening in the environment. But this is precisely the case with the kind of people I have been speaking of—those who are actually being directed toward what Spiritual Science has to offer. In the realm of Spiritual Science, Otto Liebmann is a man like someone who attends a concert or a lecture out of courtesy and immediately falls asleep. He goes there, but in reality he has no desire to take in what is being presented there.

[ 21 ] In einem höheren Stile kann man dasselbe sagen von Menschen wie Otto Liebmann. Sie kommen zur Philosophie, ins Land des Geistes durch Zusammenhänge, die in unserer Welt sind. Man schreibt eine Dissertation, ein Buch, dann wird man als Dozent auf das Gymnasium geschickt; man erweist sich als guter Denker und wird dann auf die Universität geschickt. Das Philosophische ist maskierte Weltcourtoisie. Man braucht nicht den inneren Ruf nach dem Lande des Geistes zu haben, Weltcourtoisie ist das. Man geht bis zum Tore, geht auch hinein, und schläft ein; schläft nicht gleich — wie der satte Rentier, der zum Konzert geführt wird, schläft, auch wenn er gar nicht ermüdet ist —, man schläft ein wie durch einen Mangel an Interesse für das Gegenstandsbewußtsein; aber man kann nicht aufwachen für das imaginative Bewußtsein. Ist es einem unmöglich aufzuwachen für das imaginative Bewußtsein, so schläft man sogleich ein in dem Augenblicke, wo etwas erzählt wird von der geistigen Welt. Mit anderen Worten: es ist den Leuten zu schwer, von der Geisteswissenschaft etwas aufzunehmen. Und es ist deshalb nicht so ganz ungefährlich das festzustellen, weil die Menschen nun sagen: Also seid Ihr diejenigen, die das betreiben, was anderen Menschen, bedeutenden Menschen so beschwerlich ist! — Wir werden aber, da wir uns der Schwierigkeit bewußt sind, nicht gerade hochmütig werden. Aber wir werden auch wissen, daß dasjenige, worin wir uns begegnen müssen, deshalb von der Welt bekämpft wird, weil die Menschen sich nicht einlassen wollen auf so schwierige Sachen, eben weil sie ihnen zu schwierig sind.

[ 21 ] In a more elevated sense, the same can be said of people like Otto Liebmann. They come to philosophy, to the realm of the mind, through connections that exist in our world. One writes a dissertation, a book, and is then sent to teach at a high school; one proves oneself to be a good thinker and is then sent to the university. Philosophy is worldliness in disguise. One need not have an inner calling to the realm of the spirit; that is what worldliness is. One walks up to the gate, enters, and falls asleep; one does not fall asleep immediately—like the sated reindeer led to a concert, which sleeps even when it is not at all tired—but one falls asleep as if due to a lack of interest in objective consciousness; yet one cannot awaken to imaginative consciousness. If it is impossible for one to awaken to imaginative consciousness, one immediately falls asleep the moment something is told about the spiritual world. In other words: it is too difficult for people to take anything in from Spiritual Science. And it is therefore not entirely without risk to state this, because people now say: So you are the ones who do what is so arduous for other people, for important people! — But since we are aware of the difficulty, we will not become arrogant. Yet we will also know that what we must face is opposed by the world precisely because people do not want to engage with such difficult matters, simply because they are too difficult for them.

[ 22 ] Nun wollen wir noch etwas genauer auf die Schwierigkeiten achten,

[ 22 ] Now let’s take a closer look at the difficulties,

[ 23 ] die da bestehen. Wir wollen darauf hinweisen, indem wir fragen: Worin besteht das gewöhnliche Denken der Menschen vom Aufwachen bis ‚zum Einschlafen? Worin besteht es? Nun, der grobmaterialistische Denker meint: es besteht darinnen, daß der Mensch ein Gehirn mit außerordentlich feiner Struktur hat, daß in diesem Gehirn Prozesse vor sich gehen, und daß, weil diese Prozesse vor sich gehen, das Denken eintritt. Das Denken ist eine Konsequenz dieser Gehirnprozesse —, meint er.

[ 23 ] that exist. We wish to draw attention to this by asking: What does ordinary human thinking consist of, from waking up falling asleep? What does it consist of? Well, the crude materialist thinks: it consists in the fact that human beings have a brain with an extraordinarily fine structure, that processes take place within this brain, and that, because these processes take place, thinking occurs. Thinking is a consequence of these brain processes—so he believes.

[ 24 ] Ich habe Sie schon darauf aufmerksam gemacht, daß das so ist, wie wenn jemand sagte: Ich gehe über die Straße; da sind Fuß- und Räderspuren. Woher sind diese Räderspuren gekommen? Die Erde unten, die hat das wohl gemacht, die Erde hat die Fuß- und Räderspuren selbst hervorgetrieben. — Logisch ganz auf derselben Stufe steht der, welcher denkt, das Gehirn macht durch sich selber solche Eindrücke. Ganz dasselbe ist es, wenn einer auf der Straße geht, auf der Straße allerlei Spuren sieht und dann sagt: Aha, da ist diese Erde da, die ist innerlich mit allerlei Kräften fein durchzogen, mit Kräften, die solche Spuren machen. — Ganz dasselbe ist es, wenn der Physiologe kommt und das menschliche Gehirn anschaut und darin alle möglichen Vorgänge konstatiert und sagt: Das macht alles das Gehirn. — So wenig diese Spuren am Erdboden bewirkt werden durch den Erdboden selber, sondern durch die Menschen und Wagen, die sich auf dem Wege fortbewegen, so wenig wird das, was der Anatom und der Physiologe entdecken, bewirkt durch das Gehirn, sondern vielmehr durch die Kräfte, die sich im Ätherleibe bewegen.

[ 24 ] I have already pointed out to you that this is like someone saying: I am walking across the street; there are footprints and tire tracks. Where did these tire tracks come from? The earth below must have made them; the earth itself has produced the footprints and wheel tracks. — Logically, the person who thinks that the brain creates such impressions on its own is on exactly the same level. It is exactly the same when someone walks down the street, sees all kinds of tracks on the street, and then says: “Aha, there is this earth here, which is finely interwoven internally with all kinds of forces, with forces that make such tracks.” — It is exactly the same when the physiologist comes and looks at the human brain and observes all kinds of processes within it and says: “The brain does all of this.” — Just as these tracks on the ground are not caused by the ground itself, but by the people and carriages moving along the path, so too is what the anatomist and the physiologist discover not caused by the brain, but rather by the forces moving within the etheric body.

[ 25 ] Dadurch werden Sie darauf kommen, worin die Täuschung des Materialismus besteht. Es gibt nichts im alltäglichen Leben, was nicht auf das Gehirn einen Eindruck machte. Geradeso wie jeder Schritt einen Eindruck in die Erde macht, und wie Sie nachweisen können, daß jeder Ihrer Schritte einen Eindruck erzeugt hat, so können Sie nachweisen, daß das, was da gewollt und gedacht wird, einen Eindruck, eine Wirkung auf das Gehirn ausübt. Aber das ist nur die Spur davon, das ist nur das, was zurückgelassen ist von dem Denken. Das Denken geht nämlich im Ätherleibe vor sich, und in Wahrheit ist alles das, was Sie als Denken empfinden, nichts als innere Tätigkeit des Ätherleibes. Solange wir im physischen Leibe sind, brauchen wir den physischen Leib für das Denken. Auch das ist sehr leicht einzusehen, warum der Materialist auf die Wahrheit nicht kommt. Der Materialist sagt: Um Gottes willen, da siehst du ja doch, daß du ein Gehirn haben mußt, sonst kannst du ja nicht denken! Also siehst du auch, daß dein Gehirn eigentlich das Denken macht. — Dieser Schluß ist gerade so gescheit, wie wenn einer sagte: Ich kann dir beweisen, daß diese Spur da auf dem Wege von dem Boden selber gemacht worden ist. Ich werde ein Stück von dem Boden wegräumen, und du wirst sehen, daß du ohne ihn nicht gehen kannst. Der Boden ist notwendig; so ist es auch notwendig, daß wir ein Gehirn haben, damit wir im physischen Leibe denken können.

[ 25 ] This will help you understand what the deception of materialism consists of. There is nothing in everyday life that does not leave an impression on the brain. Just as every step leaves an impression on the ground, and just as you can prove that each of your steps has left an impression, so you can prove that what is willed and thought exerts an impression, an effect, on the brain. But that is only the trace of it; it is only what is left behind by thinking. For thinking actually takes place in the etheric body, and in truth, everything you perceive as thinking is nothing but the inner activity of the etheric body. As long as we are in the physical body, we need the physical body for thinking. It is also very easy to see why the materialist does not arrive at the truth. The materialist says: For heaven’s sake, you can see that you must have a brain, otherwise you couldn’t think! So you can also see that your brain is actually doing the thinking. — This conclusion is just as clever as if someone were to say: I can prove to you that this footprint on the path was made by the ground itself. I will remove a piece of the ground, and you will see that you cannot walk without it. The ground is necessary; so too is it necessary that we have a brain so that we can think in the physical body.

[ 26 ] Es ist notwendig, daß man sich diese Dinge klarmacht, denn man lernt da erst erkennen, unter welchen ungeheuren Irrtümern das Denken der Gegenwart leidet, mit welcher Summe von Irrtümern sich dieses Denken der Gegenwart selber narrt, und wie eine Gesundung stattfinden muß durch jenes schwierigere Wissen, welches nicht etwa keine Rücksicht nimmt auf den physischen Leib: wenn wir mit dem physischen Leibe gehen, müssen wir den Boden unter unseren Füßen haben; wenn wir in der physischen Welt denken, so müssen wir eine Widerlage als Boden für das Denken haben: das Nervensystem. Wenn wir aber unsere Denkarbeit zurückverlegen in unseren astralischen Leib, dann wird für uns der Ätherleib dasselbe, was dann, wenn wir im Ätherleibe denken, der physische Leib ist.

[ 26 ] It is necessary to make these things clear to oneself, for only then can one begin to recognize the immense errors afflicting contemporary thought, the multitude of errors with which this contemporary thought deceives itself, and how a recovery must take place through that more difficult knowledge, which does not, by any means, disregard the physical body: when we walk with the physical body, we must have the ground beneath our feet; when we think in the physical world, we must have a foundation as the ground for our thinking: the nervous system. But when we shift our thinking back into our astral body, then the etheric body becomes for us what the physical body is when we think in the etheric body.

[ 27 ] Schreiten wir zum imaginativen Denken fort, dann denken wir im astralischen Leibe, und der ätherische Leib behält dann die Spuren, wie sonst, wenn im Ätherleibe gedacht wird, der physische Leib die Spuren behält. Und wenn wir nach dem Tode außerhalb des physischen Leibes sind und auch den Ätherleib abgelegt haben, wie das oftmals beschrieben worden ist, dann ist unsere Widerlage der äußere Lebensäther, dann schreiben wir dasjenige, was der Astralleib und später das Ich entwickelt, in den ganzen Weltenäther ein.

[ 27 ] When we proceed to imaginative thinking, we think in the astral body, and the etheric body then retains the traces, just as the physical body retains the traces when we think in the etheric body. And when, after death, we are outside the physical body and have also shed the etheric body—as has often been described—then our vehicle is the outer life-ether, and we inscribe into the entire world-ether that which the astral body and later the I develop.

[ 28 ] So also ist der Vorgang, den wir durchmachen bei dem, was man die erste Stufe der Initiation nennt. Dieser Vorgang ist der, daß wir unser Denken zurückverlegen — es bleibt nicht Denken, es ist nur die Tätigkeit des Denkens —, daß wir unser Denken zurückverlegen vom Ätherleib in den Astralleib, und die Aufbewahrung der Spuren, die früher dem physischen Leibe obgelegen hat, dem flüchtigeren Ätherleibe auferlegen. Das ist das Wesentliche des ersten Schrittes der Initiation: die Zurückverlegung dieser Tätigkeit, die vorher der Ätherleib ausgeführt hat, auf den astralischen Leib.

[ 28 ] This, then, is the process we undergo in what is called the first stage of initiation. This process consists in transferring our thinking—it is not thinking itself, but merely the activity of thinking—from the etheric body to the astral body, and in entrusting the preservation of the traces, which previously fell to the physical body, to the more ephemeral etheric body. This is the essence of the first step of initiation: the transfer of this activity, which was previously carried out by the etheric body, to the astral body.

[ 29 ] So sehen wir, daß wir, während wir in imaginativen Erkenntnissen leben, uns gewissermaßen zurückziehen von dem physischen Leibe auf den Ätherleib, und dann keine weiteren Spuren in den physischen Leib eingraben. Dadurch geschieht es, daß für den, der diese ersten Schritte der Initiation durchmacht, dieser physische Leib, von dem er sich zurückzieht, objektiv wird, daß er ihn jetzt außerhalb seines astralischen Leibes und Ichs hat. Früher hat er darinnen gesteckt; jetzt ist er außerhalb. Er denkt, fühlt und will im astralischen Leibe. Den Ätherleib beeinflußt er, macht Spuren darin; aber den physischen Leib beeinflußt er nicht mehr, den sieht er jetzt wie etwas Äußeres.

[ 29 ] Thus we see that, while we live in imaginative insights, we withdraw, as it were, from the physical body into the etheric body, and then leave no further traces in the physical body. Consequently, for the one undergoing these first steps of initiation, the physical body from which he withdraws becomes objective; he now has it outside his astral body and ego. Previously, he was inside it; now he is outside. He thinks, feels, and wills in the astral body. He influences the etheric body, leaving traces in it; but he no longer influences the physical body, which he now sees as something external.

[ 30 ] Das ist gewissermaßen der normale Gang in bezug auf die ersten Schritte in der Initiation. Er spricht sich im subjektiven Erleben in einer ganz bestimmten Weise aus.

[ 30 ] This is, in a sense, the normal course of events regarding the first steps in initiation. It manifests itself in a very specific way in subjective experience.

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[ 31 ] Nun will ich Ihnen zuerst durch eine Art schematischer Zeichnung klarmachen, worin diese ersten Schritte der Initiation bestehen. Nehmen wir an, das sei das menschliche physische Haupt, so sei der Ätherleib um dieses menschliche physische Haupt herum. Wenn nun der Mensch anfängt, dasjenige zu entwickeln, wovon ich gesprochen habe, wenn er anfängt, imaginative Erkenntnisse zu entwickeln, dann vergrößert sich der Ätherleib in dieser Weise, und das Eigenartige ist dabei, daß natürlich dem parallel gehen die Erscheinungen, die wir beschrieben haben als die Ausbildung der Lotusblumen. Der Mensch wächst gleichsam ätherisch aus sich heraus, und das Eigentümliche ist, daß der Mensch, indem er ätherisch also aus sich herauswächst, außerhalb seines Leibes etwas ähnliches entwickelt, möchte ich sagen, wie eine Art Ätherherz.

[ 31 ] Now I would like to begin by using a kind of schematic drawing to explain what these first steps of initiation consist of. Let us assume that this is the human physical head, and that the etheric body surrounds this human physical head. When the human being begins to develop what I have spoken of—when he begins to develop imaginative insights—the etheric body expands in this way, and the peculiar thing about this is that, naturally, the phenomena we have described as the formation of the lotus flowers occur in parallel. The human being grows, as it were, out of themselves in an etheric sense, and the peculiar thing is that, as the human being grows out of themselves in this etheric way, they develop something similar outside their body, I would say, like a kind of etheric heart.

[ 32 ] Als physische Menschen haben wir unser physisches Herz, und wir wissen alle zu schätzen den Unterschied zwischen einem trockenen, abstrakten Menschen, der wie eine richtige Maschine seine Gedanken entwickelt, und einem Menschen, der mit seinem Herzen bei alledem ist, was er erlebt; ich meine, mit seinem physischen Herzen dabei ist. Diesen Unterschied wissen wir alle zu schätzen. Dem trockenen Schleicher, der mit seinem Herzen nicht ist bei dem, was er in der Seele erlebt, muten wir nicht viel zu in bezug auf wirkliche Welterkenntnis auf dem physischen Plan. Eine Art geistiges Herz, das außerhalb unseres physischen Leibes ist, bildet sich aus, parallel all den Erscheinungen, die ich beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», so wie sich das Blutnetz bildet und im Herzen sein Zentrum hat. Dieses Netz geht außerhalb des Leibes, und wir fühlen uns außerhalb des Leibes dann herzlich verbunden mit demjenigen, was wir geisteswissenschaftlich erkennen. Nur muß man nicht verlangen, daß der Mensch sozusagen mit dem Herzen, das er im Leibe hat, bei dem geisteswissenschaftlichen Erkennen dabei ist, sondern mit dem Herzen, das ihm außerhalb des Leibes wird; mit dem ist er herzlich bei dem, was er geisteswissenschaftlich erkennt.

[ 32 ] As physical human beings, we have our physical hearts, and we all appreciate the difference between a cold, abstract person who develops his thoughts like a machine and a person who is present with his heart in everything he experiences—that is, who is present with his physical heart. We all appreciate this difference. We do not expect much from the dry, calculating person who is not present with his heart in what he experiences in his soul, in terms of true knowledge of the world on the physical plane. A kind of spiritual heart, which is outside our physical body, forms in parallel with all the phenomena I have described in “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?”, just as the network of blood vessels forms and has its center in the heart. This network extends beyond the body, and we then feel, outside the body, a heartfelt connection to what we recognize through Spiritual Science. However, one must not expect that a person participates in Spiritual Science, so to speak, with the heart they have within their body, but rather with the heart that becomes theirs outside the body; with that heart, they are deeply engaged in what they perceive through Spiritual Science.

[ 33 ] Man kann gewiß auch sagen, wenn man so dasjenige durchliest, was auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft geschrieben ist: Das ist wiederum nun wissenschaftlich trocken, das ist Wissenschaft. Da muß man ja wieder lernen! Man muß schon sowieso genug im Leben lernen und nun soll man noch das, was die Geisteswissenschaft sagt, lernen! Da ist ja kein Herz darinnen. — Man wird das Herz schon darinnen entdecken, wenn man nur genügend tief hineingeht in die Dinge.

[ 33 ] One could certainly say, when reading through what has been written in the field of Spiritual Science: This is, once again, scientifically dry; this is science. So now we have to learn all over again! One has to learn enough in life as it is, and now one is supposed to learn what Spiritual Science says as well! There’s no heart in that. — One will discover the heart in it if one only delves deeply enough into things.

[ 34 ] Gewiß, viele Leute sagen: Ach, die Theosophie muß darinnen bestehen, daß der Mensch vor allen Dingen in seinem Ich eins wird mit der ganzen Welt. — Dieses «Einswerden», dieses «Entwickeln des Gottmenschen im Menschen», diese «Auffindung des göttlichen Ich» und so weiter sind beliebte Phrasen von solchen, die Theosophen sein wollen, ohne die Theosophie zu kennen. Das alles entspringt nur daraus, daß man sich nicht einlassen will auf die Entwickelung von Herzenswärme, auch wenn man nicht mehr unterstützt wird durch die Lebenswärme des physischen Herzens. Geradeso wie Lichtenberg gesagt hat: «Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen, und es klingt hohl, so muß nicht gerade das Buch daran schuld sein», könnte man sagen: Wenn ein Mensch mit Geisteswissenschaft zusammenkommt, und er findet darin eben die Herzenswärme nicht, so muß ja nicht die Geisteswissenschaft daran schuld sein. — Alles das, was ich jetzt als normalen Gang zum Hellsehertum beschrieben habe, besteht darinnen, daß der Mensch seinen Ätherleib, ja selbst auch die höheren Glieder der Organisation, heraushebt aus dem physischen Leibe, daß er sich ein Herz eingliedert außerhalb des Umfangs des physischen Leibes.

[ 34 ] Certainly, many people say: “Oh, theosophy must consist in man, above all else, becoming one with the whole world in his inner self.” — This “becoming one,” this “development of the God-man within the human being,” this “discovery of the divine self,” and so on are favorite phrases of those who want to be theosophists without knowing theosophy. All of this stems solely from a refusal to engage in the development of warmth of heart, even when one is no longer supported by the life-giving warmth of the physical heart. Just as Lichtenberg said: “When a head and a book collide, and it sounds hollow, the book is not necessarily to blame,” one could say: When a person encounters Spiritual Science and does not find warmth of heart in it, Spiritual Science is not necessarily to blame. — Everything I have now described as the normal path to clairvoyance consists in the human being lifting his etheric body, indeed even the higher members of his organism, out of the physical body, so that he incorporates a heart outside the scope of the physical body.

[ 35 ] Worauf beruhen denn die gewöhnlichen Gedanken? Sehen Sie, solch ein Gedanke wird wirklich im Ätherleibe nur entwickelt; aber nun stößt er an den physischen Leib an, er macht überall im Gehirn darinnen Eindrücke. Wenn man das Wesentliche, worauf es ankommt bei dem Denken des Alltags, sich vor die Seele führt, so kann man sagen: Es beruht darauf, daß man denkt im Ätherleibe, und daß das Gedachte auf das Nervensystem des Gehirns fällt; es macht da Eindrücke, aber diese Eindrücke gehen nicht tief, sondern sie prallen zurück. Und dadurch spiegelt sich das Denken, dadurch kommt es uns zum Bewußtsein. Also ein Gedanke besteht zunächst darinnen, daß wir ihn in der Seele haben bis zum Ätherleibe hin; dann macht er einen Eindruck auf das physische Gehirn, da kann er aber nicht hinein und muß daher zurück. Diese zurückgeprallten Gedanken nehmen wir wahr. Und da kommt die Physiologie her und zeigt die Spuren, die im physischen Gehirn darinnen entstanden sind.

[ 35 ] On what, then, are ordinary thoughts based? You see, such a thought is actually formed only in the etheric body; but then it comes into contact with the physical body, leaving impressions throughout the brain. If one brings to mind the essential point that matters in everyday thinking, one can say: It is based on the fact that one thinks in the etheric body, and that what is thought falls upon the nervous system of the brain; it makes impressions there, but these impressions do not go deep; rather, they bounce back. And through this, thinking is reflected; through this, it comes to our consciousness. So a thought consists, first of all, in our having it in the soul, extending to the etheric body; then it makes an impression on the physical brain, but it cannot penetrate it and must therefore bounce back. We perceive these rebounded thoughts. And this is where physiology comes in, revealing the traces that have been created within the physical brain.

[ 36 ] Was wäre es denn nun, wenn der Gedanke nicht zurückprallte, sondern wenn er ins Gehirn hineinginge und darinnen bloß Prozesse verursachen würde? Wenn er nicht zurückprallte, könnten wir ihn nicht wahrnehmen; dann würde er ins Gehirn hineingehen und da einfach Prozesse verursachen. Es wäre denkbar, daß der Gedanke, statt zurückgeworfen zu werden, ins Gehirn hineinginge. Da würden wir kein Bewußtsein haben, denn das Bewußtsein entsteht erst, indem der Gedanke reflektiert wird.

[ 36 ] What if the thought did not bounce back, but instead entered the brain and merely triggered processes there? If it did not bounce back, we could not perceive it; it would simply enter the brain and trigger processes there. It is conceivable that, instead of being reflected back, the thought might enter the brain. In that case, we would have no consciousness, for consciousness arises only when the thought is reflected.

[ 37 ] Es gibt aber eine solche Tätigkeit der Seele, die in den Leib hineingeht: das ist das Wollen. Das Wollen unterscheidet sich dadurch vom Denken, daß das Denken zurückprallt an der Leibesorganisation und im Spiegelbilde wahrgenommen wird, das Wollen aber nicht. Bei ihm ist es so, daß es in die Leibesorganisation hineingeht, und es wird dann ein physischer Leibesprozeß hervorgerufen. Das bewirkt, daß wir gehen oder die Hände bewegen und so weiter. Das eigentliche Wollen entsteht auf ganz andere Weise als der Gedanke. Der entsteht dadurch, daß er zurückprallt. Das Wollen aber geht in die Leibesorganisation hinein, wird nicht zurückgeworfen, sondern bewirkt in der Leibesorganisation bestimmte Prozesse.

[ 37 ] There is, however, one activity of the soul that enters into the body: this is the will. Will differs from thought in that thought rebounds off the physical organism and is perceived as a mirror image, whereas will does not. In the case of will, it enters into the physical organism, and a physical bodily process is then set in motion. This causes us to walk or move our hands, and so on. Actual will arises in a completely different way than thought. Thought arises through this reflection. Willing, however, enters into the physical organism; it is not reflected back, but rather brings about specific processes within the physical organism.

[ 38 ] Nun gibt es aber in einem Teile unserer Leibesorganisation doch noch die Möglichkeit, daß so etwas, was da untertaucht, wiederum zurückprallt. Verfolgen Sie wohl dasjenige, was ich sagen werde. Bei unserem Gehirndenken geht das so vor sich, daß die Gedankentätigkeit sich entwickelt in dem ätherischen Gehirn, an dem physischen Nervensystem zurückprallt, und daß uns dadurch die Gedanken zum Bewußtsein kommen. Beim Hellsehen stoßen wir gleichsam das Gehirn zurück. Wir denken mit dem astralischen Leibe, und es wird uns schon das Denken zurückgeworfen durch den Ätherleib.

[ 38 ] However, there is still a part of our physical constitution where something that sinks into the background can bounce back again. Please follow closely what I am about to say. In our brain-based thinking, the process works as follows: mental activity develops in the etheric brain, rebounds off the physical nervous system, and thereby brings our thoughts into consciousness. In clairvoyance, we push the brain back, as it were. We think with the astral body, and our thinking is already reflected back to us through the etheric body.

[ 39 ] Hier (siehe Zeichnung I) ist Außenwelt, hier der physische Leib (beim Gehirndenken); hier beim Hellsehen die Außenwelt, dasjenige was wir verarbeiten mit dem astralischen Leibe (siehe Zeichnung II); den Ätherleib lassen wir das zurückwerfen, und den physischen Leib lassen wir ganz ausgeschaltet.

[ 39 ] Here (see Figure I) is the external world; here is the physical body (during cerebral thinking); here, in clairvoyance, is the external world—that which we process with the astral body (see Figure II); we have the etheric body reflect this back, and we leave the physical body completely switched off.

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[ 40 ] Hier (siehe Zeichnung I), wenn wir wollen, taucht aber die Tätigkeit der Seele in den physischen Leib hinein. Daher, wenn wir gehen, die Hand bewegen, ist es die Seele, die das tut. Aber ihre Tätigkeit muß innere, organische, materielle Prozesse bewirken, und in denen lebt sich die Tätigkeit der Seele aus. Ich möchte sagen: der Wille besteht darinnen, daß die Tätigkeit der Seele erstirbt in der materiellen Betätigung im Leibe.

[ 40 ] Here (see Figure I), if you will, the soul’s activity penetrates into the physical body. Therefore, when we walk or move our hand, it is the soul that does so. But its activity must bring about internal, organic, material processes, and it is through these that the soul’s activity is realized. I would like to say: the will consists in the fact that the soul’s activity dies away in the material activity within the body.

[ 41 ] Fragen Sie sich jetzt: Wie leben wir eigentlich, wenn wir in unserem Denken leben? Ich möchte sagen, in unserem Denken leben wir hart an der Grenze der Ewigkeit. In dem Augenblicke, wo wir den physischen Leib ausschalten und von dem Ätherleibe unsere Gedanken zurückstrahlen lassen, leben wir in dem, was wir durch die Pforte des Todes tragen. Solange wir von dem physischen Leibe die Gedanken zurückstrahlen lassen, leben wir in dem, was zwischen der Geburt und dem Tode da ist. Wenn wir aber wollen, so gehört unser Wollen lediglich unserem physischen Leibe an. Unser physischer Leib ist da, damit er Tätigkeit entwickle. Während das Denken sozusagen schon an der Pforte der Ewigkeit steht, ist das Wollen für den physischen Leib gestiftet.

[ 41 ] Now ask yourself: How do we actually live when we live in our thoughts? I would say that in our thoughts, we live right on the threshold of eternity. The moment we shut down the physical body and allow our thoughts to radiate back from the etheric body, we live in what we carry through the gate of death. As long as we allow our thoughts to radiate back from the physical body, we live in what exists between birth and death. But when we will, our volition belongs solely to our physical body. Our physical body is there so that it may develop activity. While thinking stands, so to speak, already at the gate of eternity, volition is intended for the physical body.

[ 42 ] Erinnern Sie sich, daß ich in einem der Vorträge gesagt habe: Das Wollen ist das Baby, und wenn es älter wird, dann wird es zum Denken. Das stimmt überein mit dem, was wir heute von einem anderen Gesichtspunkte aus entwickeln können. Das Wollen ist in die Zeitlichkeit hineingebannt, und nur dadurch, daß der Mensch sich entwickelt, daß er immer weiser und weiser wird, immer mehr mit Gedanken sein Wollen durchdringt, erhebt er das, was geboren wird im Wollen, aus der Zeitlichkeit in die Sphäre der Ewigkeit hinauf, erlöst er sein Wollen aus seinem Leibe.

[ 42 ] Do you remember that I said in one of the lectures: Will is the baby, and as it grows older, it becomes thought. This corresponds to what we can develop today from a different perspective. Will is bound within temporality, and only through the fact that the human being develops, that he becomes wiser and wiser, and increasingly permeates his will with thought, does he lift what is born in the will out of temporality and up into the sphere of eternity; he liberates his will from his body.

[ 43 ] Aber in einem Teile seines Leibes ist etwas eingeschaltet: das untergeordnete Nervensystem, das Gangliensystem, das Bauchnervensystem; das Sonnengeflecht wird oftmals auch ein Teil desselben genannt. Dieses Nervensystem ist so, wie es sich jetzt im Menschen entwickelt, ein unvollkommenes Organ; es ist erst in den allerersten Anlagen vorhanden. Später wird es sich weiter ausbilden. Aber geradeso wie man von einem Kinde weiß, daß es noch die Eigenschaften entwickeln kann, die man als Erwachsener entwickelt, so kann man wissen, daß dieses Nervensystem, das heute dazu dient, organische Tätigkeiten zu versorgen, sich noch entwickeln wird. Dieses Nervensystem, das neben dem eigentlichen Gehirn und Rückenmarksystem und neben den in den Gliedmaßen verzweigten Nerven hergeht, dieses Bauchnervensystem ist heute noch nicht so entwickelt, daß es dasjenige tun könnte, was es tun wird, wenn der Mensch einmal auf dem Jupiter sein wird. Da werden das Gehirn und das Rückenmark zurückgebildet sein, und das Bauchnervensystem wird eine ganz andere Ausbildung haben, als es heute hat. Dann wird es an der Oberfläche des Menschen gelagert sein. Denn alles das, was zuerst darinnen ist in dem Menschen, lagert sich später an der Oberfläche des Menschen ab.

[ 43 ] But in one part of the body, something is already active: the lower nervous system, the ganglionic system, the abdominal nervous system; the solar plexus is often also referred to as part of it. As it currently develops in humans, this nervous system is an imperfect organ; it is present only in its very earliest stages. It will continue to develop later. But just as we know that a child can still develop the characteristics that an adult develops, so we can know that this nervous system, which today serves to supply organic activities, will still develop. This nervous system, which runs alongside the actual brain and spinal cord system and alongside the nerves branching out into the limbs—this abdominal nervous system—is not yet developed enough today to do what it will do once humanity is on Jupiter. There, the brain and spinal cord will have regressed, and the abdominal nervous system will have a completely different structure than it does today. Then it will be located on the surface of the human being. For everything that is initially inside the human being is later deposited on the surface of the human being.

[ 44 ] Dafür aber benützen wir auch für das gewöhnliche Leben zwischen Geburt und Tod dieses Nervensystem nicht direkt, wir lassen es im Unterbewußten liegen. Aber es kann eintreten durch abnorme Verhältnisse, daß dasjenige, was im menschlichen Willen und Begehrungsvermögen liegt, hineingeht in den menschlichen Organismus, und daß es durch abnorme Verhältnisse, über die wir noch sprechen werden, zurückgeworfen wird vom Bauchnervensystem, so wie sonst der Gedanke vom Gehirn zurückgeworfen wird. Der Wille geht hinein ins Gangliensystem, aber, statt daß er Tätigkeit wird, wird er zurückgeworfen von dem Gangliensystem, und es entsteht im Menschen etwas, was sonst im Gehirn entsteht. Es entsteht ein Prozeß im Menschen, den man auch so charakterisieren kann: Wenn Sie den Übergang vom gewöhnlichen Wachzustande zum Hellsehen ins Auge fassen, so können Sie sehen, wie in uns im gewöhnlichen Nervensystem unser Denken, Fühlen und Wollen sich spiegeln — Fühlen und Wollen insofern sie Gedanken sind —, dasjenige aber, was Wollen ist, lassen wir untertauchen in die Organisation.

[ 44 ] However, in our ordinary life between birth and death, we do not use this nervous system directly; we leave it in the subconscious. However, under abnormal conditions, it can happen that what lies within the human will and capacity for desire enters the human organism, and that, due to abnormal conditions—which we will discuss later—it is reflected back by the abdominal nervous system, just as thought is otherwise reflected back by the brain. The will enters the ganglionic system, but instead of becoming active, it is reflected back by the ganglionic system, and something arises in the human being that otherwise arises in the brain. A process arises in the human being that can also be characterized as follows: If you consider the transition from the ordinary waking state to clairvoyance, you can see how our thinking, feeling, and willing are reflected within us in the ordinary nervous system—feeling and willing insofar as they are thoughts—but that which is willing, we allow to sink into the organism.

[ 45 ] Im Hellsehen bilden wir uns — außerhalb des Leibesraumes sozusagen — damit aber auch ein gegenüber dem Gehirn höheres Organ. Wie unser gewöhnliches Gehirn mit unserem physischen Herzen zusammenhängt, so hängt dasjenige, was draußen, im Astralleibe, als Gedanke sich entwickelt, mit diesem Ätherherzen zusammen. Das ist höheres Hellsehen: Kopfhellsehen.

[ 45 ] In clairvoyance, we form—outside the physical body, so to speak—an organ that is higher than the brain. Just as our ordinary brain is connected to our physical heart, so too is that which develops as thought outside, in the astral body, connected to this etheric heart. This is higher clairvoyance: head clairvoyance.

[ 46 ] Aber es kann der Mensch auch den umgekehrten Weg machen. Er kann mit dem, was in dem «Baby» Wollen steckt, in die Organisation so hineingehen, daß das Wollen zu einem Denken wird, während er sonst das Denken zum Wollen gemacht hat. Das ist die tiefere Begründung von dem, was ich vor einiger Zeit hier angeführt habe als den Unterschied zwischen Kopfhellschen und Bauchhellsehen. Beim Kopfhellsehen wird ein neues Ätherorgan gebildet, in dem man unabhängig wird von der Leibesorganisation. Beim Bauchhellsehen appelliert man an das Gangliensystem, appelliert man an dasjenige, was sonst unberücksichtigt bleibt. Daher sind die Ergebnisse des Bauchhellsehens flüchtiger als die gewöhnlichen Wacherlebnisse, sie haben keine Bedeutung für die Seelen, wenn diese durch die Pforte des Todes gehen. Alles was durch Kopfhellsehen gewonnen ist, hat eine geistige, dauernde Bedeutung auch für die ‚Seelen, welche durch die Pforte des Todes gegangen sind, hat mehr Bedeutung als das wache Tageserleben. Das, was durch Bauchhellsehen gewonnen wird, hat sogar eine noch geringere Bedeutung für das Leben nach dem Tode als das alltägliche wache Wissen. Jedes somnambule Hellsehen steht unter dem wachen Tagesbewußtsein, nicht darüber. Dagegen spricht gar nicht, daß allerlei poetische und sonstige Eigenschaften entwickelt werden können durch das Bauchhellsehen; weil in dem Augenblicke, wo dieses Bauchhellsehen eintritt, es wirklich die Gänglien sind, welche stets das Wollen in den physischen Leib hineingeben. Dadurch wird in den Ganglien die Tätigkeit des Ätherleibes zurückgehalten und strahlt zurück, und dadurch nimmt man dann wahr dasjenige, was man nicht durch das Gehirn wahrnehmen kann. Man kann dadurch Gedanken wahrnehmen, die man sonst durch das Gehirn nicht wahrnimmt; aber es bleibt doch eine untergeordnete Tätigkeit. Sie sehen, daß man scharf unterscheiden kann zwischen dem, was man als Kopf- und was man als Bauchhellsehen bezeichnet. Nun können Sie fragen: Wie unterscheide ich, ob ich Kopfhellsehen oder Bauchhellsehen entwickele? — Man kann nur sagen: Kopfhellsehen wird sich immer dann bilden, wenn man in unserem Menschheits-Zeitenzyklus dieses Hellsehen wirklich sucht auf dem Wege, wie er angegeben wird, durch Meditation und Konzentration, und wenn man alles ausbildet, was sich auf dem Wege der Meditation und Konzentration ergibt. Das Bauchhellsehen ist etwas, was sich nicht auf dem Wege der Meditation und der Konzentration ergibt. Das Bauchheilsehen beruht darauf, daß das Gangliensystem empfunden wird, und das kann durch die verschiedensten abnormen Verhältnisse des Lebens geschehen. Es ist bequemer, Bauchhellseher zu sein, weil es in gewissem Sinne von selbst kommt, während das Kopfhellsehen im strengsten Sinne des Wortes erworben werden muß. Darum ist es das beste, sich nicht zu sagen, wenn ein Hellsehen von selbst auftritt, man sei ein gottbegnadeter Mensch, dem etwas gegeben wird, was er nicht erworben hat; denn da ist es das beste, mißtrauisch zu sein. Man kann an einzelnen Beispielen zeigen, wie Bauchhellsehen entstehen kann. Kopfhellsehen wird auf keine andere Weise entstehen, als indem man fleißig und regelmäßig durch Meditation und Konzentration sich auf gewisse Stufen der Initiationsentwickelung bringt. Bezüglich des Bauchhellsehens will ich, weil es in einem etwas anderen Sinne als dies vorhin der Fall war, nicht ungefährlich ist, von diesen Dingen zu sprechen, einen der harmlosesten Fälle anführen, wodurch einer Bauchhellseher werden kann.

[ 46 ] But a person can also take the opposite path. They can enter into the organization with the will that lies within the “baby” in such a way that the will becomes thought, whereas otherwise they have turned thought into will. This is the deeper rationale behind what I mentioned here some time ago as the difference between head clairvoyance and abdominal clairvoyance. In head clairvoyance, a new etheric organ is formed in which one becomes independent of the physical body. In abdominal clairvoyance, one appeals to the ganglion system, to that which is otherwise disregarded. Therefore, the results of abdominal clairvoyance are more fleeting than ordinary waking experiences; they have no significance for the souls when they pass through the gate of death. Everything gained through head clairvoyance has a spiritual, lasting significance even for the souls that have passed through the gate of death; it has greater significance than waking daytime experience. What is gained through abdominal clairvoyance has even less significance for life after death than everyday waking knowledge. All somnambulic clairvoyance is subordinate to waking daytime consciousness, not superior to it. This is not contradicted by the fact that all manner of poetic and other qualities can be developed through abdominal clairvoyance; for at the very moment this abdominal clairvoyance occurs, it is truly the ganglia that constantly impart volition into the physical body. As a result, the activity of the etheric body is held back in the ganglia and radiates back, and through this one then perceives that which one cannot perceive through the brain. One can thereby perceive thoughts that one would otherwise not perceive through the brain; but it remains, nevertheless, a subordinate activity. You see that one can make a sharp distinction between what is called head clairvoyance and what is called abdominal clairvoyance. Now you may ask: How do I distinguish whether I am developing head clairvoyance or abdominal clairvoyance? — One can only say: Head clairvoyance will always develop when, in our current epoch of human history, one truly seeks this clairvoyance in the manner described—through meditation and concentration—and when one cultivates everything that arises through the path of meditation and concentration. Intuition is something that does not arise through the path of meditation and concentration. Intuition is based on the perception of the ganglion system, and this can occur through the most varied abnormal circumstances of life. It is easier to be an intuitive person because, in a certain sense, it comes naturally, whereas mental clairvoyance must be acquired in the strictest sense of the word. That is why it is best not to tell oneself, when clairvoyance occurs spontaneously, that one is a divinely gifted person to whom something is given that one has not acquired; for in such cases it is best to be suspicious. One can demonstrate through individual examples how abdominal clairvoyance can arise. Mental clairvoyance will arise in no other way than by diligently and regularly bringing oneself to certain stages of initiatory development through meditation and concentration. With regard to abdominal clairvoyance, since it is not without danger to speak of these things—in a somewhat different sense than was the case earlier—I will cite one of the most harmless cases through which one can become an abdominal clairvoyant.

[ 47 ] Nehmen wir an, ein Mensch wächst unter solchen Bedingungen auf, daß sich in seiner Seele früh die Begierde entwickelt, sagen wir, im äußeren physischen Leben ein möglichst «hohes Tier» zu werden, wie Geheimrat, Hofrat, Staatsrat, wo es solche gibt. Nehmen wir also an, es wächst früh die Begierde: man will so ein Geheimer Hofrat oder Regierungsrat und so weiter werden. Daß man so etwas werden will, heißt: ehrgeizig sein. Dieser Ehrgeiz lebt in der Begierdennatur, kann brennen, furchtbar, in der Begierdennatur. Der Mensch macht sich nicht klar: Du willst Geheimer Hofrat werden; aber es brennt ihn seine Begierde, und er geht mit dieser brennenden Begierde durch die Welt und wächst heran mit seiner Begierde. Daher geschieht es, daß seine Begierde nicht immer regulär hineingeht in die physische Organisation. Etwas stört. Wenn einer Geheimer Hofrat wird, so wird er kein Bauchhellseher. Wenn er aber Geheimer Hofrat werden will und es nicht wird und mit dem brennenden Ehrgeize durch die Welt geht, der an ihm frißt und frißt, dann kann er es werden. Diese Begierde muß aber sehr stark sein. Da unter uns niemand ist, der Geheimer Hofrat werden will, so kann ich das alles wohl sagen. Wenn diese Begierde frißt und frißt, dann bleibt sie stecken im Organismus, und dann gewöhnt sich das Gangliensystem daran, zurückzuwerfen die Begierde, und es ist möglich, mit den zurückgespiegelten Begierden so Hellseher zu werden. Dadurch ist es dann möglich, daß, wenn er zum Beispiel wohnt in Berlin in Schönhauserallee 25, und ein anderer, der in Schönhauserallee 23 wohnt, Hofrat wird, er dieses Ereignis gerade durch das besonders ausgebildete Hellsehen wahrnimmt. Das rührt davon her, daß sein Gangliensystem besonders empfänglich gemacht worden ist durch die ihm innewohnende Begierde, Geheimer Hofrat zu werden. Und wenn ein anderer etwas anderes wird, was auch ungefähr in dieser Richtung liegt, so wird er gerade für solche Dinge ein feines, intensives Hellsehen entwickeln können.

[ 47 ] Let us suppose that a person grows up under such conditions that a desire develops early in their soul to become, so to speak, as “high up” as possible in their external, physical life—such as a Privy Councilor, Court Councilor, or State Councilor, where such positions exist. So let us assume that this desire develops early on: one wants to become a Privy Councilor or a State Councilor and so on. To want to become such a thing means to be ambitious. This ambition lives in the nature of desire; it can burn, terribly, within the nature of desire. People do not realize: You want to become a Privy Councilor; but their desire burns within them, and they go through the world with this burning desire and grow up with it. That is why their desire does not always integrate properly into the physical organism. Something interferes. When someone becomes a Privy Councilor, he does not become a clairvoyant. But if he wants to become a Privy Councilor and does not succeed, and goes through the world with that burning ambition that gnaws at him and gnaws at him, then he can become one. But this desire must be very strong. Since there is no one among us who wants to become a Privy Councilor, I can say all this quite freely. If this desire gnaws and gnaws, then it gets stuck in the organism, and then the ganglion system gets used to reflecting the desire back, and it is possible to become a clairvoyant through these reflected desires. As a result, it is then possible that, for example, if he lives at Schönhauserallee 25 in Berlin, and another person who lives at Schönhauserallee 23 becomes a Court Councillor, he will perceive this event precisely through his specially developed clairvoyance. This stems from the fact that his ganglionic system has been made particularly receptive by his inherent desire to become a Privy Councillor. And if another person becomes something else, which is also roughly along these lines, he will be able to develop a subtle, intense clairvoyance specifically for such things.

[ 48 ] Ein solches Hellsehen entwickelt sich gewöhnlich auf einem bestimmten Gebiete. Da Sie wissen, daß es auch andere Begierden im Leben gibt, als die von mir harmlos gewählten, so werden Sie sehen, durch welche Begierden die verschiedenen Formen und Gebiete dieses Hellsehens geweckt werden können. Denn sie strömen im Organismus, diese Begierden, weil sie unbefriedigt bleiben im physischen Leben, während sie doch da sind. Sie werden also sehen, durch welche Begierden Bauchhellsehen gezüchtet werden kann; es wird immer durch Begierde gezüchtet, man sieht es nur nicht immer ein. In der brennenden Begierde, die zurückgespiegelt wird, spiegeln sich auch die Ereignisse, die dann wahrgenommen werden können im Ätherleibe. Sie haben jetzt einen genaueren Blick tun können in den tieferen Zusammenhang des Kopf- und des Bauchhellsehens. Wir brauchen diese Dinge, weil sie zusammenhängen mit dem, was ich morgen entwickeln werde.

[ 48 ] Such clairvoyance usually develops in a specific area. Since you know that there are other desires in life besides the harmless ones I have chosen, you will see which desires can awaken the various forms and areas of this clairvoyance. For these desires flow through the organism because they remain unsatisfied in physical life, even though they are present. You will thus see through which desires abdominal clairvoyance can be cultivated; it is always cultivated through desire, though one does not always recognize it. In the burning desire that is reflected back, the events that can then be perceived in the etheric body are also reflected. You have now been able to take a closer look at the deeper connection between head and abdominal clairvoyance. We need these things because they are connected to what I will develop tomorrow.