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Paths to Spiritual Insight and
the Renewal of an Artistic Worldview
GA 161

2 May 1915, Dornach

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Dreizehnter Vortrag

Thirteenth Lecture

[ 1 ] Ich habe gestern aufmerksam gemacht auf die Art und Weise, wie der Mensch auf der einen Seite mit den höheren Gliedern seiner Wesenheit, mit dem ätherischen Leibe, mit dem astralischen Leibe und dem Ich seinen physischen Leib verlassen kann, und wie er dann, wenn er seinen physischen Leib verläßt, die ersten Schritte in der Initiation macht und darauf kommt, daß dasjenige, was wir geistige Tätigkeit des Menschen nennen, nicht etwa erst da ist, wenn der Mensch in die Initiation eintritt, sondern im Grunde genommen im alltäglichen Leben schon immer vorhanden ist.

[ 1 ] Yesterday I drew attention to the way in which a human being can, on the one hand, leave their physical body through the higher aspects of their being—the etheric body, the astral body, and the I— and how, when he leaves his physical body, he takes the first steps toward initiation and comes to realize that what we call the spiritual activity of the human being is not something that only begins when the human being enters into initiation, but is, in fact, always already present in everyday life.

[ 2 ] Wir haben besonders betonen müssen, daß die Tätigkeit, die uns durch die Gedanken zum Bewußtsein kommt, eigentlich verläuft im ätherischen Leibe des Menschen, und daß diese im ätherischen Leib verlaufende Tätigkeit, also die Tätigkeit, die dem Gedankenbilde zugrunde liegt, uns zum Bewußtsein kommt durch ihre Abspiegelung im physischen Leibe. Aber verrichtet wird sie im Seelisch-Geistigen, so daß der Mensch, wenn er in der physischen Welt darinnen steht und nur denkt — aber wirklich denkt —, eine geistige Tätigkeit verrichtet. Man kann sagen, daß sie ihm nur nicht zum Bewußtsein kommt als geistige Tätigkeit. So wie uns, wenn wir vor einem Spiegel stehen, nicht unser Gesicht, sondern dessen Abbild aus dem Spiegel heraus zum Bewußtsein kommt, so kommt uns im alltäglichen Leben nicht das Denken, sondern dessen Spiegelbild, als Gedankeninhalt, von dem physischen Leibesspiegel zurückgestrahlt, zum Bewußtsein. Anders ist es beim Willen.

[ 2 ] We have had to emphasize in particular that the activity which comes to our consciousness through our thoughts actually takes place in the human etheric body, and that this activity taking place in the etheric body—that is, the activity underlying the thought-image—comes to our consciousness through its reflection in the physical body. But it is carried out in the soul-spiritual realm, so that when a human being stands within the physical world and merely thinks—but truly thinks—they are performing a spiritual activity. One might say that it simply does not come to his consciousness as a spiritual activity. Just as, when we stand before a mirror, it is not our face but its image reflected from the mirror that comes to our consciousness, so in everyday life it is not thinking itself but its reflection, as the content of thought, reflected back from the physical body-mirror, that comes to our consciousness. The situation is different with the will.

[ 3 ] Also bedenken wir wohl: Dasjenige, was sich im Denken ausspricht, ist eine Tätigkeit, die eigentlich gar nicht in unseren physischen Organismus hineingeht, die ganz außerhalb unseres physischen Organismus verläuft, die nur zurückgespiegelt wird von unserem physischen Organismus. Bedenken wir, daß wir als Menschen eigentlich immer in unserem geistig-seelischen Wesen sind. Wenn man es schematisch darstellen wollte, so könnte man es so darstellen:

[ 3 ] Let us therefore bear in mind: What is expressed in thought is an activity that does not actually enter our physical organism at all, that takes place entirely outside our physical organism, and that is merely reflected back by our physical organism. Let us consider that, as human beings, we are actually always within our spiritual-soul being. If one were to represent this schematically, one could depict it as follows:

[ 4 ] Wenn das (a) das leibliche Wesen des Menschen darstellt, so verläuft das Denken in Wahrheit außerhalb des leiblichen Wesens des Menschen, und das, was wir als Gedanken wahrnehmen, wird zurückgeworfen. Also mit unserem Denken sind wir stets außerhalb unseres physischen Leibes, und da besteht im Grunde genommen die Geisteserkenntnis nur darinnen, daß wir das einsehen: wir sind mit unserem Denken außerhalb unseres physischen Leibes.

[ 4 ] If (a) represents the physical nature of human beings, then thinking actually takes place outside the physical nature of human beings, and what we perceive as thoughts is reflected back. Thus, with our thinking, we are always outside our physical body, and spiritual knowledge essentially consists only in this realization: that with our thinking, we are outside our physical body.

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[ 5 ] Anders ist es mit dem, was wir als die Willenstätigkeit bezeichnen. Die geht wirklich in den physischen Leib (a) hinein. Das, was wir als Willenstätigkeit bezeichnen, geht überall in unseren physischen Leib hinein und bewirkt darinnen Prozesse, Vorgänge. Und die Wirkung dieser Vorgänge ist dasjenige, was als Bewegung durch den Willen beim Menschen zustande gebracht wird.

[ 5 ] The situation is different with what we call volitional activity. This truly enters the physical body (a). What we call volitional activity enters every part of our physical body and brings about processes and events within it. And the effect of these events is what is brought about in human beings as movement through the will.

[ 6 ] Wir können also sagen: indem wir als Mensch in der physischen Welt darinnenstehen, strahlt die Grundkraft des Willens aus der Geistigkeit in unseren Organismus hinein und verrichtet gewisse Tätigkeiten in dem Organismus, der innerhalb der Haut beschlossen ist. Wir sind also in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode von den Willenskräften durchdrungen, während der Gedankeninhalt nicht innerhalb unseres Organismus vor sich geht, sondern außerhalb des Organismus. Daraus können Sie den Schluß ziehen, daß alles, was den Willen betrifft, innig zusammenhängt mit dem, was der Mensch in seiner physischen Existenz zwischen der Geburt und dem Tode durch seine Leibesorganisation ist. Der Wille hängt wirklich innig mit uns zusammen, und alle Äußerungen des Willens sind eng mit unserer Organisation, mit unserem physischen Menschenwesen, solange wir zwischen der Geburt und dem Tode stehen, verbunden. Davon rührt es her, daß das Denken wirklich einen gewissen Charakter des Losgelöstseins vom Menschen hat, einen gewissen selbständigen Charakter gegenüber dem Menschen, den der Wille niemals haben kann.

[ 6 ] We can therefore say: as human beings living in the physical world, the fundamental force of the will radiates from the spiritual realm into our organism and performs certain activities within the organism enclosed by the skin. We are thus permeated by the forces of the will in the time between birth and death, whereas the content of thought does not take place within our organism, but outside of it. From this you can conclude that everything pertaining to the will is intimately connected with what the human being is in his physical existence between birth and death through his physical body. The will is indeed intimately connected with us, and all expressions of the will are closely linked to our physical organization, to our physical human being, as long as we stand between birth and death. This is why thinking truly has a certain character of detachment from the human being, a certain independent character in relation to the human being, which the will can never possess.

[ 7 ] Versuchen Sie einmal gründlich nachzudenken über den großen Unterschied, der besteht im menschlichen Leben zwischen dem Denken und dem, was zum Willen gehört. Gerade die Geisteswissenschaft ist geeignet, von einem solchen Gesichtspunkte aus die allerintensivsten Streiflichter auf gewisse Rätselfragen des Lebens zu werfen. Sehen wir nicht alle, daß das, was wir so durch die Geisteswissenschaft erkennen können, im Grunde genommen im Leben vor uns steht wie Frageformen, die wir uns doch beantworten müssen?

[ 7 ] Try to think deeply about the great difference that exists in human life between thinking and what belongs to the will. Spiritual Science is particularly well-suited to shedding the most intense light on certain of life’s mysteries from this perspective. Do we not all see that what we can come to know through Spiritual Science essentially stands before us in life as questions that we must answer?

[ 8 ] Denken Sie einmal: es kommt doch vor, daß irgend jemand zu einem Rechtsanwalt geht mit irgendeiner Sache. Der Rechtsanwalt läßt sich die Sache erzählen, und er macht den Prozeß für den betreffenden Klienten. Der Rechtsanwalt wird alle möglichen scharfsinnigen Gründe hervorsuchen, wird so scharfsinnig sein, als er nur sein kann, um den Prozeß für den betreffenden Klienten zu gewinnen; er wird alles dasjenige, was er an Verstand und Vernunft hat, zusammennehmen, um den Prozeß zu gewinnen.

[ 8 ] Just think about it: it does happen that someone goes to a lawyer with some kind of case. The lawyer listens to the story and handles the case for the client in question. The lawyer will dig up every possible clever argument, will be as clever as he possibly can to win the case for the client in question; he will muster all his intellect and reason to win the case.

[ 9 ] Was würde geschehen sein — glauben Sie, das Leben wird Ihnen gewiß darüber Aufschluß geben —, wenn es dem Gegner gelungen wäre, ich möchte sagen, dem anderen den Rang abzulaufen, wenn der Gegner ein paar Stunden früher zu demselben Rechtsanwalt gekommen wäre? Es geschieht das, was ich hypothetisch da annehme, sehr oft. Der Rechtsanwalt würde sich den Fall des Gegners haben erzählen lassen und würde mit dem Scharfsinne, der ihm zur Verfügung steht, alle Gründe zur Verteidigung eben dieses anderen Klienten vorbringen, Gründe, die geeignet sind, den ersteren hineinzulegen, wie man sagen kann. Ich glaube nicht, daß jemand geneigt ist, in Abrede zu stellen, daß eine solche Hypothese Wirklichkeit sein könnte. Aber was beweist uns diese Annahme?

[ 9 ] What would have happened—I’m sure life will provide you with the answer—if the opponent had succeeded, so to speak, in beating the other party to the punch, if the opponent had gone to the same lawyer a few hours earlier? What I’m hypothetically assuming here happens very often. The lawyer would have had the opponent’s case explained to him and, using all the acumen at his disposal, would have presented all the grounds for defending that very other client—grounds that are, so to speak, capable of deceiving the former. I do not believe anyone is inclined to deny that such a hypothesis could be reality. But what does this assumption prove to us?

[ 10 ] Sie beweist uns, wie wenig im Grunde genommen der Mensch zusammenhängt mit dem, was sein Verstand und seine Vernunft ist, mit dem, was seine Denkkraft ist, da er sie in dem gleichen Falle sowohl in den Dienst des einen, als auch in den Dienst des anderen stellen kann. Vergleichen Sie, wie das anders ist bei alledem, wo die Willensnatur des Menschen in Betracht kommt, wo der Mensch mit seinen Gefühlen und Begierden engagiert ist bei einer Sache. Versuchen Sie sich klarzumachen, ob einem Menschen, der aus der Willensnatur heraus für eine Sache eintritt, das gleiche möglich wäre, wenn er in derselben Weise verführe. Wir würden im Gegenteil ihn geistig für nicht ganz gesund halten, wenn es so wäre. Mit dem Willen ist der Mensch intim verbunden, ganz intim verbunden, weil das Wollen hereinstrahlt in den physischen Organismus und unmittelbar zur Persönlichkeit gehörende Prozesse auslöst im menschlichen physischen Organismus.

[ 10 ] It shows us how little, in essence, a person is connected to what constitutes their intellect and reason, to what constitutes their power of thought, since in the same situation they can put it to the service of one as well as the other. Compare how different this is in all cases where the human will comes into play, where a person is engaged in a matter with their feelings and desires. Try to understand whether a person who advocates for a cause out of the nature of their will could do the same if they were to act in the same way. On the contrary, we would consider him mentally unstable if that were the case. The human being is intimately connected to the will, very intimately connected, because volition radiates into the physical organism and triggers processes in the human physical organism that are directly related to the personality.

[ 11 ] Also wir können sagen: gerade in diese Tatsachen des Lebens, die so rätselvoll vor unserer Seele stehen müssen, wenn wir über das Leben überhaupt nur nachdenken, leuchtet hinein, was wir durch die Geisteswissenschaft gewinnen können. Immer tiefer und tiefer wird die Geisteswissenschaft die Menschheit aufklären können über dasjenige, was im alltäglichen Leben geschieht, weil alles, was geschieht, abhängig ist von übersinnlichen Ursachen. Das Alleralltäglichste, was geschieht, ist so abhängig vom Übersinnlichen und kann nur erkannt werden, wenn wir zu den übersinnlichen Ursachen aufblicken können.

[ 11 ] So we can say: it is precisely into these facts of life—which must appear so mysterious to our soul whenever we reflect on life at all—that what we gain through Spiritual Science sheds light. Spiritual Science will be able to enlighten humanity ever more deeply about what happens in everyday life, because everything that happens depends on supersensible causes. The most ordinary events are so dependent on the supersensible and can only be understood if we are able to look up to the supersensible causes.

[ 12 ] Nun aber setzen wir einmal den Fall, der Mensch tritt mit seiner Seele durch die Pforte des Todes. Da müssen wir uns fragen: Wie ist es nun mit der Denkkraft, wie mit der Willenskraft? — Nachdem der Tod eingetreten ist, kann die Denkkraft nicht von einem solchen Organismus zurückgespiegelt werden, wie wir ihn sonst an uns tragen zwischen der Geburt und dem Tode. Denn das ist das Bedeutsame dabei, daß dieser Organismus, alles dasjenige, was in uns vorhanden ist als innerhalb der Hautoberfläche liegend, nach dem Tode von uns abgeworfen wird. Also die Denkkraft kann nicht zurückgespiegelt werden von einem Organismus, aber auch innerliche Prozesse können nicht ausgelöst werden von einem Organismus, der, wenn man durch die Pforte des Todes getreten ist, nicht mehr da ist. Das aber, was die Denkkraft ist, bleibt vorhanden; geradeso wie der Mensch vorhanden bleibt, wenn er vor dem Spiegel vorübergeht, in der Zeit, wo er sich nicht mehr im Spiegel sehen kann. In der Zeit, wo er vor dem Spiegel vorübergeht, wird ihm sein Antlitz zurückgeworfen; wäre er früher vorübergegangen, so würde ihm sein Spiegelbild früher zurückgeworfen worden sein. Die Denkkraft spiegelt sich so lange, als wir im Leben, im Leben des Organismus stehen; sie ist aber auch dann da, wenn der Mensch den physischen Organismus verlassen hat.

[ 12 ] But let us now suppose the case in which a human being passes through the gate of death with his soul. We must then ask ourselves: What becomes of the power of thought, and what of the power of will? — Once death has occurred, the power of thought cannot be reflected back by an organism such as the one we otherwise carry within us between birth and death. For the significant point here is that this organism—everything that exists within us as lying beneath the surface of the skin—is cast off from us after death. Thus, the power of thought cannot be reflected back by an organism, nor can inner processes be triggered by an organism that, once one has passed through the gate of death, is no longer there. But what the power of thought is remains present; just as a person remains present when they pass in front of a mirror, at the moment when they can no longer see themselves in the mirror. At the moment when he passes before the mirror, his face is reflected back to him; had he passed by earlier, his reflection would have been reflected back to him earlier. The power of thought is reflected as long as we are in life, in the life of the organism; but it is also present when the human being has left the physical organism.

[ 13 ] Was tritt nun ein? Dasjenige, was Denkkraft ist, kann nicht in sich selbst wahrgenommen werden. So wenig als das Auge sich selber sehen . kann, kann die Denkkraft sich selber wahrnehmen; sie muß von irgend etwas zurückgespiegelt werden. Der Leibesorganismus ist aber nicht mehr da. Wovon wird nun die Denkkraft, respektive dasjenige, was die Denkkraft in sich als Prozeß entwickelt, zurückgeworfen, wenn der Mensch seinen physischen Organismus abgelegt hat? Hier tritt etwas ein, was dem menschlichen physischen Verständnisse nicht ganz nahe liegt, was aber eingesehen werden muß, wenn wir wirklich das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt begreifen wollen. Begreifen kann man das durch die Lehren der Initiation. In der initiierten Erkenntnis ist es während des Leibeslebens schon so, daß der Mensch nicht in der Spiegelung seines Leibes erkennt, sondern außerhalb seines Leibes, daß er aus dem Leibe herausgeht und ohne den Leib erkennt, daß er also seinen Leibesspiegel ausschaltet. Da sieht derjenige, der solche Erkenntnisse in sich ausbildet, wie das, was Denkkraft ist, nunmehr außerhalb des Leibes zum Bewußtsein kommt. Es kommt dadurch zum Bewußtsein, daß die Spiegelung des Späteren bewirkt wird durch das Frühere.

[ 13 ] What happens now? That which constitutes the power of thought cannot be perceived in and of itself. Just as the eye cannot see itself, the power of thought cannot perceive itself; it must be reflected back by something. But the physical organism is no longer there. From what, then, is the power of thought—or rather, that which the power of thought develops within itself as a process—reflected back when the human being has shed his physical organism? Here something occurs that is not entirely obvious to human physical understanding, but which must be grasped if we truly wish to comprehend life between death and a new birth. This can be understood through the teachings of initiation. In initiated knowledge, it is already the case during earthly life that the human being does not perceive in the reflection of his body, but outside of his body; that he steps out of the body and perceives without the body; that he thus turns off his bodily mirror. There, the one who develops such insights within himself sees how that which is the power of thought now comes to consciousness outside the body. It thus becomes clear that the reflection of the later is brought about by the earlier.

[ 14 ] Also merken Sie wohl: wenn derjenige, der initiiert ist, seinen Leib verläßt und außerhalb seines Leibes ist, dann nimmt er nicht dadurch wahr, daß ihm sein Leib etwas spiegelt, sondern er nimmt wahr dadurch, ‘ daß sich seine Denkkraft, die er jetzt aussendet, spiegelt an demjenigen, was er früher gedacht hat. Sie müssen sich also vorstellen: dasjenige, was früher gedacht worden ist, das spiegelt wieder zurück die durch das Denken entfalteten Kräfte, wenn diese Entfaltung außerhalb des Leibes geschieht.

[ 14 ] So please note: when the initiated person leaves his body and is outside of it, he does not perceive through his body reflecting something back to him, but rather through the fact that his power of thought, which he now sends out, is reflected back to him by what he has thought in the past. You must therefore create a mental image: what has been thought previously reflects back the forces unfolded through thinking when this unfolding takes place outside the body.

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[ 15 ] Also, ich kann es vielleicht noch genauer sagen: Nehmen wir an, irgend jemand tritt heute in den Zustand der Initiation. Wodurch kann er in diesem Zustande der Initiation durch seine Denkkraft etwas wahrnehmen? Dadurch, daß er mit seinen Denkkräften, die er aussendet, auftrifft auf das, was er zum Beispiel gestern gedacht hat. Das, was er gestern gedacht hat, bleibt in der allgemeinen Weltenchronik, die Sie kennen als die Akasha-Chronik, eingeschrieben, und das, was heute seine Denkkraft entwickelt, spiegelt sich in dem gestern Gedachten.

[ 15 ] Well, perhaps I can put it more precisely: Let’s assume that someone enters the state of initiation today. How is it that, in this state of initiation, they can perceive something through their power of thought? It is because the powers of thought they send out encounter what they thought, for example, yesterday. What they thought yesterday remains inscribed in the general world chronicle, which you know as the Akashic Records, and what their power of thought develops today is reflected in what was thought yesterday.

[ 16 ] Daraus können Sie ersehen, daß das Bestreben eine Berechtigung haben muß, so stark wie möglich das gestern Gedachte zu machen, damit es wirklich richtig spiegeln kann. Und dieses wird bewirkt durch die strenge Konzentration der Gedanken und durch Meditationen verschiedener Art, wie wir sie gelegentlich solcher Vorträge, die über die Erkenntnis höherer Welten gehalten worden sind, beschrieben haben. Da wird gleichsam der Gedanke, der sonst flüchtig bleibt, in dem Menschen so verdichtet, so verstärkt, daß der Mensch dann dazu kommen kann, daß sich die Denkkraft spiegelt an den vorher verstärkt gemachten, verdichteten Gedanken.

[ 16 ] From this you can see that the endeavor must be justified in making yesterday’s thoughts as strong as possible, so that they can truly reflect reality. And this is achieved through the strict concentration of thoughts and through various kinds of meditation, as we have described on occasion in lectures held on the knowledge of higher worlds. There, as it were, the thought, which otherwise remains fleeting, is condensed and intensified within the person to such an extent that the person can then reach a point where the power of thought is reflected in the previously intensified, condensed thoughts.

[ 17 ] Und so ist es auch beschaffen mit dem Bewußtsein, das die Menschen entwickeln nach dem Tode. Dasjenige, was der Mensch durchlebt hat zwischen der Geburt und dem Tode, das ist wohl eingeschrieben in die große Chronik der Zeit in geistiger Weise. Und so wie wir nicht hören können ohne Ohren hier in der physischen Welt, so können wir nicht wahrnehmen nach dem Tode, ohne daß da ist, in der Welt eingeschrieben, unser Leben mit alledem, was wir durchlebt haben zwischen der Geburt und dem Tode. Das ist der Spiegelungsapparat.

[ 17 ] And so it is with the consciousness that people develop after death. What a person has experienced between birth and death is, in a spiritual sense, inscribed in the great chronicle of time. And just as we cannot hear without ears here in the physical world, so too can we not perceive after death unless our life—with all that we have experienced between birth and death—is inscribed in the world. This is the apparatus of reflection.

[ 18 ] Ich habe schon einmal, in meinem letzten Wiener Zyklus, auf diese Tatsache aufmerksam gemacht. Unser Leben selber, das wir hier so führen zwischen der Geburt und dem Tode, wird zum Sinnesorgan für die höheren Welten. Sie sehen Ihr Auge nicht, Sie hören Ihr Ohr nicht, Sie sehen aber durch Ihr Auge und Sie hören durch Ihr Ohr. Wenn Sie von dem Auge etwas wahrnehmen wollen, so müssen Sie dies auf dem Wege der äußeren Wissenschaft tun. So ist es auch mit dem Ohr. Diejenigen Kräfte, die der Mensch entwickelt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, sind dazu veranlagt, immerdar zurückzustrahlen zu dem Erdenleben, das wir verlebt haben, durch dieses gespiegelt zu werden, um dann sich auszubreiten und. wieder wahrgenommen zu werden von dem Menschen, der in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ist.

[ 18 ] I have already drawn attention to this fact once before, in my last Vienna cycle. Our very life here, which we lead between birth and death, becomes a sensory organ for the higher worlds. You do not see your eye, you do not hear your ear, but you see through your eye and you hear through your ear. If you wish to perceive something about the eye, you must do so through the methods of external science. The same is true of the ear. The forces that a human being develops between death and a new birth are predisposed to radiate back forever to the earthly life we have lived, to be reflected through it, and then to spread out and be perceived again by the human being who is in the life between death and a new birth.

[ 19 ] Daraus ersehen Sie, wie unsinnig es ist, von dem irdischen Leben nur so zu sprechen, als ob dieses irdische Leben eine Strafe oder irgend sonst etwas Überflüssiges in bezug auf das gesamte Leben des Menschen ist. Es ist durchaus notwendig, um wahrzunehmen, sozusagen Auge und Ohr zu haben zwischen Tod und neuer Geburt. In dieses irdische Leben muß sich der Mensch einfügen, weil es ihm zum Sinnesorgan wird in der geistigen Welt im Leben nach dem Tode.

[ 19 ] From this you can see how absurd it is to speak of earthly life as if it were a punishment or something else superfluous in relation to the whole of human life. It is absolutely necessary in order to perceive—to have, so to speak, eyes and ears—between death and new birth. Human beings must adapt to this earthly life because it becomes their sensory organ in the spiritual world in the life after death.

[ 20 ] Die Schwierigkeit des Vorstellens besteht nun darin, daß wenn Sie sich ein Sinnesorgan denken, Sie sich etwas Räumliches vorstellen. Der Raum hört aber auf, sobald man durch die Pforte des Todes oder durch die Initiation geht. Der Raum hat nur Bedeutung für die sinnliche Welt. Dasjenige, was wir betreten, ist die Zeit, und so wie wir hier Raumesohren und Raumesaugen gebrauchen, so gebrauchen wir dort zeitliche Vorgänge. Das sind eben die Vorgänge, die sich zwischen der Geburt und dem Tode vollziehen, durch die zurückgestrahlt werden diejenigen, die wir nach dem Tode entwickeln. In dem Leben zwischen Geburt und Tod liegt alles vor uns wahrnehmbar im Raume. Nach dem: Tode verläuft alles in der Zeit, während sonst alles für uns wahrnehmbar im Raume lebt.

[ 20 ] The difficulty in creating a mental image of this lies in the fact that when you think of a sense organ, you imagine something spatial. But space ceases to exist as soon as one passes through the gate of death or undergoes initiation. Space has meaning only for the sensory world. What we enter is time, and just as we use spatial ears and spatial eyes here, so we use temporal processes there. These are precisely the processes that take place between birth and death, through which are reflected those we develop after death. In the life between birth and death, everything lies perceptible to us in space. After death, everything unfolds in time, whereas otherwise everything lives perceptibly for us in space.

[ 21 ] Die besondere Schwierigkeit über die Dinge der Geisteswissenschaft zu sprechen, liegt darin, daß wir uns, sobald wir den Blick hinaufwenden in die geistigen Welten, wirklich die ganze Anschauung abgewöhnen müssen, die wir hier entwickeln für das Raumesdasein; daß wir uns ganz abgewöhnen müssen die Raumesanschauung und wissen müssen, daß es Raum da nicht gibt, daß alles in der Zeit verläuft, und daß sogar die Organe da zeitliche Vorgänge sind. Man muß nicht nur umlernen, wenn man sich hineinfinden will in die Ereignisse des geistigen Lebens, sondern man muß auch in der Weise sich ganz umwandeln, ummodellieren, umlebendigen, daß man sich eine ganz andere Vorstellungsart aneignet. Und darinnen besteht das Schwierige, auf das gestern hingewiesen worden ist und das viele so sehr scheuen, selbst wenn sie eine noch so scharfsinnige Philosophie für den physischen Plan betreiben. Die Leute hängen eben an der Raumesvorstellung und können sich nicht hineinfinden, in bezug auf die Vorstellungen, in ein Leben, das lediglich in der Zeit verläuft.

[ 21 ] The particular difficulty in speaking about the subjects of Spiritual Science lies in the fact that, as soon as we turn our gaze upward toward the spiritual worlds, we must truly unlearn the entire conception of spatial existence that we develop here; that we must completely abandon our spatial conception and realize that there is no space there, that everything unfolds in time, and that even the organs are temporal processes there. One must not only relearn if one wishes to find one’s way into the events of spiritual life, but one must also completely transform, reshape, and revitalize oneself in such a way as to acquire an entirely different mode of conception. And therein lies the difficulty that was pointed out yesterday and that many shy away from so much, even if they pursue a philosophy of the physical plane that is as astute as can be. People are simply attached to the mental image of space and cannot, in terms of their conceptions, find their way into a life that unfolds solely in time.

[ 22 ] Ich weiß wohl, daß manche Seele da sein kann, die sich sagt: Aber ich kann mir gar nicht vorstellen, wenn ich mich in die geistige Welt hineinversetze, daß diese geistige Welt nicht räumlich ausgedehnt sein soll. — Gewiß, aber viel mehr als irgend etwas anderes ist notwendig, daß wir uns bemühen, gerade über die Vorstellungsarten des physischen Planes hinauszukommen, wenn wir in die geistige Welt hinein wollen. Wenn wir immer wieder und wieder alle höheren Welten nur nach dem Maßstabe, Musterbilde der physisch-räumlichen Welt vorstellen wollen, dann können wir wirkliche Gedanken über die höheren Welten doch nicht gewinnen, sondern höchstens bildhafte Gedanken.

[ 22 ] I am well aware that there may be some souls who say to themselves: But when I try to create a mental image of myself in the spiritual world, I simply cannot conceive of that spiritual world as not being spatially extended. — Certainly, but what is necessary above all else is that we strive to transcend the modes of perception of the physical plane if we wish to enter the spiritual world. If we insist, time and again, on creating mental images of all the higher worlds solely according to the standards and patterns of the physical-spatial world, then we cannot gain true insights into the higher worlds, but at best only pictorial ideas.

[ 23 ] So ist es mit Bezug auf das Denken. Das Denken also verläuft nach dem Tode so, daß es sich spiegelt an demjenigen, was wir durchlebt haben, an dem, was wir waren im physischen Erdenleben zwischen der Geburt und dem Tode. Diese Vorgänge, die wir da durchlebt haben, sind gewissermaßen unsere Augen und unsere Ohren nach dem Tode. Versuchen Sie durch Meditationen sich nahezubringen, was der bedeutungsvolle Satz eigentlich enthält: Dein Leben zwischen der Geburt und dem Tode wird dir als Auge und Ohr eingesetzt sein, es wird dir diejenigen Organe geben, die du tragen wirst zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 23 ] This is how it is with regard to thinking. After death, thinking proceeds in such a way that it reflects upon what we have experienced, upon what we were during our physical life on earth between birth and death. These experiences we have lived through are, in a sense, our eyes and ears after death. Try through meditation to grasp what this meaningful statement actually contains: Your life between birth and death will serve as your eyes and ears; it will provide you with the organs you will carry between death and a new birth.

[ 24 ] Wie ist es nun aber mit dem, was Willenskräfte sind? Die Willenskräfte, sie bewirken ja Lebensvorgänge in uns, die innerhalb der Grenzen unseres Leibes liegen. Lebensvorgänge bewirken sie in uns. Der Leib ist nicht da, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, aber die ganze geistige Umwelt ist da. So wahr der Wille mit seinen Kräften in den physischen Organismus hineinwirkt, so wahr will dieser Wille nach dem Tode überall aus dem Menschen heraus; er ergießt sich in die ganze Umwelt, umgekehrt als im physischen Leben, wo der Wille ja in den Menschen hinein wirkt. Sie bekommen eine Vorstellung von diesem Ergießen des Willens in die ganze Umwelt, wenn Sie darüber nachdenken, was Sie schon durch Meditation sich aneignen müssen an innerer Willenskultur, wenn Sie wirklich vorwärtskommen wollen auf dem Gebiete der geistigen Erkenntnis.

[ 24 ] But what, then, of the forces of the will? The forces of the will bring about life processes within us that lie within the boundaries of our body. They bring about life processes within us. The body is no longer there once a person has passed through the gate of death, but the entire spiritual environment is present. Just as the will, with its powers, works into the physical organism, so too does this will, after death, seek to flow out of the person in every direction; it pours out into the entire environment, in the opposite direction to that in physical life, where the will works into the person. You can get a mental image of this pouring out of the will into the entire environment when you reflect on what you must already acquire through meditation in terms of inner willpower if you truly wish to make progress in the realm of spiritual knowledge.

[ 25 ] Derjenige Mensch, der sich begnügen will, die Welt bloß sinnlich zu erkennen, der sieht zum Beispiel eine blaue Farbe, sieht irgendwo eine blaue Fläche, oder er sieht irgendwo eine gelbe Fläche. Damit begnügt sich derjenige Mensch, der in der physischen Welt stehenbleiben will. Wir haben auch darüber schon gesprochen, wie wir, selbst bei einer wirklichen Kunstanschauung, über diese bloß sinnliche Auffassung der Sache hinauskommen müssen: wie wir zum Beispiel üben müssen, Blau so zu erleben, als ob unser Wille, unsere Gemütskraft, hineingelassen würde in den Raum, und als ob von uns entgegenstrahlen könnte in den Raum dem, was uns als Blau entgegenstrahlt, etwas wie wenn wir ein Hingebungsvolles empfinden, als ob wir uns in den Raum hineinergießen könnten. Da strömt das eigene Wesen hinein, wo Blau ist, da fließt es fort. Da aber, wo Gelb ist, da will das eigene Wesen nicht hinein, das Willenswesen; da wird es zurückgestoßen. Da fühlt es, daß der Wille nicht durch kann und in sich selber zurückgestoßen wird.

[ 25 ] The person who is content to perceive the world merely through the senses sees, for example, a blue color, or a blue surface somewhere, or a yellow surface somewhere. That is enough for the person who wishes to remain within the physical world. We have also spoken before about how, even when viewing art, we must go beyond this purely sensory perception of the thing: how, for example, we must practice experiencing blue as if our will, our emotional power, were being allowed into the space, and as if something could radiate from us into the space toward what radiates toward us as blue—something like when we feel a sense of devotion, as if we could pour ourselves into the space. There, one’s own being flows into where there is blue; there it flows away. But where there is yellow, one’s own being—the being of the will—does not wish to enter; there it is repelled. There it feels that the will cannot pass through and is repelled within itself.

[ 26 ] Derjenige, der wirklich sich dazu vorbereiten will, die Kräfte seiner — Seele zu entwickeln, die ihn in die geistige Welt hineinführen, der muß mit dem, was ich eben gesagt habe, etwas Reales in seinem Seelenleben verbinden können. Er muß zum Beispiel real verbinden die Tatsache, daß er hier eine blaue Fläche sieht, damit, daß er sagt: Die nimmt mich. freundlich auf, die läßt meine Seele mit ihren Kräften in unbestimmte Fernen ziehen. Aber die Fläche hier, die gelbe, stößt mich zurück; da kommen die Kräfte meiner Seele gleichsam als Nadelstiche in meine eigene Seele zurück. — Aber so ist es mit alledem, was man sinnlich wahrnimmt. Alles hat solche Nuancen. Unser seelisches Willenswesen ergießt sich in die Welt, wird entweder zurückgestoßen oder kann sich ergießen über die Welt. Entwickelt kann das werden, indem man an Farben oder sonstigen Eindrücken der physischen Welt seine seelischen Kräfte schult. Wie man das kann, finden Sie geschildert in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?».

[ 26 ] Anyone who truly wishes to prepare themselves to develop the powers of their soul—the powers that lead them into the spiritual world—must be able to connect what I have just said with something real in their inner life. For example, they must make a real connection between the fact that they see a blue surface here and the realization that: “This one welcomes me warmly; it allows my soul, with its powers, to draw into indefinite distances. But this surface here, the yellow one, repels me; there the powers of my soul return, as it were, like pinpricks into my own soul.” — But this is how it is with everything one perceives through the senses. Everything has such nuances. Our spiritual will pours out into the world; it is either repelled or can pour out over the world. This can be developed by training one’s spiritual powers through colors or other impressions of the physical world. You will find a description of how to do this in the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*

[ 27 ] Aber wenn man das entwickelt hat, wenn man weiß, wie es ist, wenn die Kräfte der Seele fortschwingen, blau werden — blau werden und fortschreiten ist ein und dasselbe, ist: sympathisch aufgenommen werden; gelb werden ist dasselbe wie zurückgestoßen werden, identisch mit Antipathie —, dann hat man diese Kräfte in sich. Sagen wir, man habe erfahren wie eine solche Seelennuance ist: sympathisch aufgenommen zu werden, und man stellt sich jetzt gar nicht einem physischen Wesen gegenüber, sondern es kann so sein, daß man ein geistiges Wesen, dem wir sympathisch sind, in sich einfließen läßt durch so entwickelte . Seelenkräfte. Wir nehmen so die Wesen der oberen Hierarchien und der elementarischen Welt wahr.

[ 27 ] But once one has developed this, once one knows what it is like when the forces of the soul continue to vibrate, turning blue—turning blue and moving forward are one and the same thing, that is: being received with sympathy; turning yellow is the same as being repelled, identical with antipathy—then one has these forces within oneself. Let us say one has experienced what such a nuance of the soul is like: to be received sympathetically, and one is now not facing a physical being at all, but it may be that one allows a spiritual being, to whom we are sympathetic, to flow into oneself through such developed soul forces. In this way we perceive the beings of the higher hierarchies and of the elemental world.

[ 28 ] Ich will Ihnen ein Beispiel geben, ein Beispiel, das wirklich nicht anzüglich sein soll, sondern als ganz objektiv gefaßt gelten soll. Man braucht nicht bloß an dem Farbensinn Kräfte entwickeln; man kann an allem Seelenkräfte entwickeln. Denken Sie sich, man bemüht sich, in Selbsterkenntnis zu fühlen, wie sich das in der eigenen Seele ausnimmt, wenn man so recht dumm oder töricht ist. Im alltäglichen Leben geht man über solche Empfindungen hinweg, man bringt sie sich nicht zum Bewußtsein. Aber wenn man die Seele entwickeln will, muß man ein Gefühl haben davon, wie es sich innerlich erlebt, wenn man etwas recht Törichtes tut. Und da merkt man, daß, wenn man etwas Törichtes tut, solche Seelen-Willenskräfte ausstrahlen, und die können von etwas draußen zurückgeworfen werden. Aber sie werden so zurückgeworfen, daß, indem wir das Zurückwerfen verspüren, wir uns selbst verspottet, verhöhnt fühlen. Das ist ein eigentümliches Erlebnis. Gibt man acht, wenn man recht dumm ist, was da geistig um einen vorgeht, so fühlt man sich verhöhnt, geneckt; und nun kann man das Gefühl entwickeln, wie wenn man aus der geistigen Welt heraus geneckt würde. Geht man dann in eine Gegend, wo es Naturgeister gibt, die man als Gnomen bezeichnet, dann hat man die Kraft, sie wahrzunehmen. Man erwirbt sich die Kraft, sie wahrzunehmen nur, wenn man das Gefühl in sich entwickelt, das ich eben beschrieben habe. Die Gnomen benehmen sich so, daß sie necken, allerlei Gesten und Grimassen machen, einen auslachen und so weiter. Das kann man aber nur wahrnehmen, wenn man sich beim Dummsein beobachtet. Es handelt sich darum, daß wir durch diese Übungen intime Kräfte uns aneignen, daß wir selber mit dem Willen untertauchen in die Umwelt. Dann wird die ganze Umwelt belebt, wirklich belebt.

[ 28 ] I want to give you an example—one that is by no means meant to be suggestive, but rather to be understood as entirely objective. One need not limit oneself to developing powers through the sense of color; one can develop spiritual powers through everything. Imagine trying to feel, through self-knowledge, what it is like in one’s own soul when one is truly stupid or foolish. In everyday life, we overlook such feelings; we do not bring them to consciousness. But if one wants to develop the soul, one must have a sense of what it feels like inwardly when one does something truly foolish. And then one notices that when one does something foolish, such soul-will forces radiate out, and they can be repelled by something outside. But they are repelled in such a way that, as we feel this repulsion, we feel mocked and ridiculed. This is a peculiar experience. If one pays attention to what is happening spiritually around one when one is acting quite foolishly, one feels mocked, teased; and now one can develop the feeling of being teased from the spiritual world. If one then goes to a place where there are nature spirits known as gnomes, one has the power to perceive them. One acquires the power to perceive them only if one develops within oneself the feeling I have just described. The gnomes behave in such a way that they tease, make all sorts of gestures and faces, laugh at you, and so on. But you can only perceive this if you observe yourself while being foolish. The point is that through these exercises we acquire intimate powers, that we ourselves dive into the environment with our will. Then the whole environment is enlivened, truly enlivened.

[ 29 ] So kann man sagen: Während unser Leben zwischen der Geburt und dem Tode Organ, Wahrnehmungsorgan wird in unserem geistigen Organismus, den wir tragen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wird unser Wille Teilnehmer an der ganzen geistigen Umgebung, in der wir sind. $o sehen wir, wie der Wille zurückstrahlt beim Inittierten, beim Gnomen-Sehen zum Beispiel, und beim Toten. Und wenn man Gnomen sieht, so ist das ein Beispiel dafür aus der elementarischen Welt.

[ 29 ] Thus, one might say: While our life between birth and death becomes an organ, a sensory organ, within our spiritual organism—which we carry between death and a new birth—our will becomes a participant in the entire spiritual environment in which we find ourselves. $o we see how the will radiates back in the case of the Initiate, in gnome-seeing for example, and in the case of the dead. And when one sees gnomes, this is an example of this from the elemental world.

[ 30 ] Denken Sie sich, daß es einen Philosophen gegeben hat, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen großen Eindruck auf viele Menschen gemacht hat: Schopenhauer. Der hat auch, wie Sie wissen, einen großen Einfluß auf Nietzsche und Richard Wagner gehabt. Schopenhauer hat — wie andere die Welt zurückführen auf andere Ursachen die Welt zurückgeführt auf das, was er Vorstellung und Wille nennt. Er sagte: Vorstellung und Wille sind dasjenige, was der Welt zugrunde liegt.

[ 30 ] Just imagine that there was a philosopher who made a great impression on many people in the second half of the 19th century: Schopenhauer. As you know, he also had a great influence on Nietzsche and Richard Wagner. Schopenhauer—just as others trace the world back to other causes—traced the world back to what he calls “mental image” and “will.” He said: “Mental image and will are what underlie the world.”

[ 31 ] Nun findet er aber, angefressen von Kantscher Denkweise, daß die Vorstellungen immer ein Traumgebilde bleiben, daß man durch die Vorstellungen niemals in die Wirklichkeit hineindringen kann. Nur durch den Willen kann man in die Wirklichkeit hineindringen, der Wille führt uns in die Realität der Dinge hinein. Nun philosophiert Schopenhauer in eindrucksvoller Weise über Vorstellung und Wille. Er ist, wenn man so sagen darf, gar nicht einmal auf unebenem Wege. Aber nun ist er auch einer von denen, die ich verglichen habe mit den Leuten, die bis zum Tore gehen, aber am Tore stehenbleiben und nicht hinein wollen. Wenn man ihn nämlich beim Wort nimmt, die Welt sei Vorstellung und die Welt sei bloß Traumbild, dann kann man darauf verzichten, durch die Vorstellung die Welt zu erkennen, und man kann dann dazu übergehen, die Vorstellungen in sich zu erkennen, mit der Vorstellung etwas zu machen in der eigenen Seele, das heißt: Meditieren, Konzentrieren. Hätte Schopenhauer einen Schritt weiter gemacht, so wäre er darauf gekommen sich zu sagen: Ich muß verzichten auf die Vorstellung! Wenn die Vorstellung nur ein Produkt meines Inneren ist, so muß ich sie innerlich verwenden. — Hätte Schopenhauer diesen Schritt gemacht, dann würde er fortgetrieben worden sein dazu, die Vorstellung zu kultivieren, sie zu Konzentration und Meditation zu verarbeiten.

[ 31 ] Now, however, influenced by Kant’s way of thinking, he finds that mental images always remain mere figments of the imagination, that one can never penetrate reality through mental images. Only through the will can one penetrate reality; the will leads us into the reality of things. Now Schopenhauer philosophizes in an impressive way about mental images and the will. He is, if I may say so, not even on the wrong track. But he is also one of those whom I have compared to people who go as far as the gate but stop at the gate and do not want to go in. For if one takes him at his word—that the world is a mental image and the world is merely a dream image—then one can dispense with recognizing the world through mental images, and one can then proceed to recognize the mental images within oneself, to do something with the mental image in one’s own soul, that is: to meditate, to concentrate. Had Schopenhauer taken one step further, he would have come to say to himself: I must dispense with mental images! If the mental image is merely a product of my inner self, then I must use it internally. — Had Schopenhauer taken this step, he would have been driven to cultivate the mental image, to transform it into concentration and meditation.

[ 32 ] Und wenn er sagt: Die Welt ist Wille —, ja, wenn er zu beschreiben anfängt, wie er das in der geistvollen Abhandlung über den «Willen in der Natur» tut, wenn er zu beschreiben anfängt den Willen in der Natur, so nimmt er seinen eigenen Satz nicht ernst. Wenn man den Willen beschreibt, dann nimmt man die Vorstellungen zur Hilfe, und denen hat er ja alle Erkenntniskraft abgesprochen. Daraus wird dann wirklich eine Münchhauseniade, die derjenigen gleicht, sich selber am Schopf zu fassen, um sich aus dem Sumpfe herauszuziehen. Was hätte er tun müssen, wenn er seinen eigenen Satz: Die Welt ist Wille — ernst genommen hätte? Er hätte sich dann sagen müssen: Also müßte man den Willen in die Welt hinausergießen. Man muß den Willen gebrauchen, um in die Dinge hineinzukriechen. Man muß untertauchen in die Welt, und den Willen hineinsenden in die Welt, so daß man die blaue Farbe nicht als Vorstellung nimmt, sondern versucht zu empfinden, wie der Wille untertaucht in sie; daß man seine Dummheit nicht nimmt als Vorstellung, sondern das nimmt, was man im Vorgange der eigenen Dummheit erleben kann.

[ 32 ] And when he says: “The world is will”—indeed, when he begins to describe it, as he does in his insightful treatise on “Will in Nature,” when he begins to describe will in nature, he does not take his own statement seriously. When one describes the will, one relies on mental images, and he has, after all, denied them any power of cognition. This then truly becomes a Münchhausen-esque tale, akin to grabbing oneself by the scruff of the neck to pull oneself out of the swamp. What should he have done if he had taken his own statement—“The world is will”—seriously? He would then have had to say to himself: So one must pour the will out into the world. One must use the will to crawl into things. One must immerse oneself in the world and send the will into the world, so that one does not take the color blue as a mental image, but tries to feel how the will immerses itself in it; that one does not take one’s own stupidity as a mental image, but takes what one can experience in the process of one’s own stupidity.

[ 33 ] Sie sehen wiederum: man kann so auf ein geistreiches Aperçu kommen, auf ein Aperçu, das nur ernst genommen zu werden braucht. Wenn Schopenhauer weitergegangen wäre, dann hätte er sich sagen müssen: Wenn die Vorstellung wirklich nur das von uns vorgestellte Bild ist, dann muß man sie in sich verarbeiten; wenn der Wille wirklich in den Dingen ist, dann muß man mit dem Willen in die Dinge untertauchen, nicht bloß beschreiben, wie der Wille in den Dingen ist.

[ 33 ] You see, once again: one can arrive at a witty insight this way—an insight that simply needs to be taken seriously. If Schopenhauer had gone further, he would have had to say to himself: If the mental image is truly only the image we conceive, then one must process it within oneself; if the will is truly in things, then one must immerse oneself in things with the will, not merely describe how the will is in things.

[ 34 ] Sie sehen wieder ein Beispiel dafür, wie ein bedeutsamer Philosoph des 19. Jahrhunderts die Menschen vor die Pforte der Einweihung, vor die Geisteswissenschaft bringt, und wie dieser Philosoph dann alles tut, um den Menschen dann diese Pforte zu verschließen. Wo man das Leben anfaßt, überall zeigt es sich, daß unsere Zeit reif ist, die Früchte der Geisteswissenschaft zu pflücken. Man muß nur wirklich die Dinge ernst, tief ernst nehmen. Vor allen Dingen muß man verstehen, die Leute beim Wort zu nehmen; denn die Geisteswissenschaft ist gar nicht darauf angewiesen, daß sie selber ihr Recht verteidigt. Das tun eigentlich die anderen, ihre Gegner, am allermeisten. Aber sie wissen es nicht, sie haben keine Ahnung davon.

[ 34 ] Here you see yet another example of how a prominent 19th-century philosopher leads people to the threshold of initiation, to Spiritual Science, and how this philosopher then does everything in his power to shut that door in their faces. Wherever one looks at life, it becomes clear that our time is ripe to reap the fruits of Spiritual Science. One must simply take things seriously, deeply seriously. Above all, one must understand how to take people at their word; for Spiritual Science is not at all dependent on defending its own cause. In fact, it is the others—its opponents—who do this most of all. But they do not know it; they have no idea.

[ 35 ] Nehmen Sie eine gewisse Sorte Menschen, die es im 19. Jahrhundert so vielfach gegeben hat: die atomistischen Materialisten, diejenigen Menschen, die sich vorgestellt haben, allen Erscheinungen des Lebens liegen Bewegungen der Atome zugrunde, so daß sie sich vorgestellt haben, hinter all dieser sichtbaren und hörbaren Welt ist eine Welt der Atome in Bewegung, und durch diese Bewegung entstehen die Prozesse, die wir als den Schein, der da ist, wahrnehmen. Nichts Geistiges ist vorhanden, das Geistige ist bloß ein Produkt der Atombewegung. Atomwirkungen also allüberall.

[ 35 ] Take a certain type of people who were so common in the 19th century: the atomistic materialists, those people who had a mental image of all phenomena of life being based on the movements of atoms, so that they imagined that behind all this visible and audible world lies a world of atoms in motion, and through this motion arise the processes that we perceive as the appearance that is there. Nothing spiritual exists; the spiritual is merely a product of atomic motion. Atomic effects, then, are everywhere.

[ 36 ] Ja, wie entstehen denn die Gedanken von den Atomwirbeln? Hat sie jemand gesehen? Hat sie jemand durch seine Erlebnisse, durch seine Erfahrungen gefunden? Wäre das der Fall, dann wären sie nicht dasjenige, was sie sein sollen: sie sollen ja hinter der Erfahrung stehen. Wenn sie eine Realität hätten, durch was müßten sie gefunden werden? Nehmen wir an, die Atombewegungen wären da. Der Verstand kann sie aus den Sinneswahrnehmungen nicht herausschälen. Was müßte der Mensch haben, damit er von dieser Atomwelt reden könnte? Hellsehen müßte er haben. Die ganze Atomwelt müßte ein Produkt des inneren Schauens, der Hellseherkraft sein. Und man kann nur den Leuten, die als Materialisten des 19. Jahrhunderts aufgetreten sind, sagen: Wir brauchen nicht zu beweisen, daß es Hellseher gibt, denn entweder müßt ihr von all euren Theorien schweigen oder ihr müßt zugeben, daß ihr Hellseher seid, um diese Dinge wahrzunehmen, wenigstens in dem Grade, daß ihr hinter der Sinnenwelt die Atome wahrnehmen könnt. Denn es hat keinen Sinn, von der materialistischen Atomwelt zu sprechen, wenn es nicht Hellseherkräfte gibt. Wenn ihr eine Notwendigkeit findet, es müsse eine Atombewegung geben, dann beweist ihr uns, daß es Hellseher gibt.

[ 36 ] Yes, how do these ideas about atomic vortices arise? Has anyone seen them? Has anyone discovered them through their own experiences? If that were the case, then they would not be what they are supposed to be: after all, they are supposed to lie beyond experience. If they were real, through what means would they have to be discovered? Let us assume that atomic movements exist. The mind cannot extract them from sensory perceptions. What would a person need to be able to speak of this atomic world? They would need to have clairvoyance. The entire atomic world would have to be a product of inner vision, of the power of clairvoyance. And one can only say to the people who presented themselves as 19th-century materialists: We do not need to prove that clairvoyants exist, for either you must remain silent about all your theories, or you must admit that you are clairvoyants in order to perceive these things, at least to the extent that you can perceive the atoms behind the sensory world. For it makes no sense to speak of the materialistic atomic world if there are no clairvoyant powers. If you find it necessary that there must be atomic motion, then you prove to us that there are clairvoyants.

[ 37 ] So nimmt man die Leute ernst, obgleich sie sich selber nicht ernst nehmen, wenn sie so etwas sagen. Wenn man Schopenhauer ernst nimmt, so folgert man: Wenn du sagst, die Welt ist Wille, und das, was wir als Vorstellung haben, sind nur Bilder, so müßtest du in die Welt mit dem Willen hinunterdringen, und durch Meditation und Konzentration in das Denken hinunterdringen. Wir nehmen dich ernst; du nimmst dich aber nicht ernst. — So ist es im Grunde mit all den Dingen, die in dieser Richtung in Betracht kommen.

[ 37 ] This is how one takes people seriously, even though they do not take themselves seriously when they say such things. If one takes Schopenhauer seriously, one concludes: If you say that the world is will, and that the mental images we have are merely images, then you would have to penetrate into the world with your will, and through meditation and concentration penetrate into thought. We take you seriously; but you do not take yourself seriously. — That is basically how it is with all the things that come into consideration in this regard.

[ 38 ] Darinnen liegt das tief Bedeutsame der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, daß sie dasjenige, was die anderen nicht ernst nehmen, über das sie oberflächlich hinweggehen, ernst nimmt. Die Beweise sind immer bei dem Gegner der Geisteswissenschaft zu finden. Aber die Menschen merken gar nicht, daß sie mit ihren Behauptungen, mit dem, was sie denken, im Grunde genommen das, was sie denken, zugleich vernichten. Denn der materialistische Atomist und auch Schopenhauer vernichten dasjenige, was sie behaupten, durch ihre eigene Behauptung.

[ 38 ] The profound significance of the Spiritual Science worldview lies in the fact that it takes seriously what others do not take seriously, what they gloss over superficially. The evidence can always be found in the opponents of Spiritual Science. But people do not realize at all that with their assertions, with what they think, they are in fact simultaneously destroying what they think. For the materialistic atomist, and Schopenhauer as well, destroy what they assert through their own assertions.

[ 39 ] Schopenhauer vernichtet sein eigenes System mit der Behauptung: Alles ist Wille und Vorstellung. — In dem Augenblicke aber, wo er nicht stehenbleiben will, muß er die Menschen zu der geisteswissenschaftlichen Entwickelung führen. Nicht wir machen die geisteswissenschaftliche Weltanschauung. Wie macht sich in der Welt die geisteswissenschaftliche Weltanschauung? Sie tritt herein, ist überall in der Welt da. Sie tritt durch unbekannte Pforten und Fenster in das Leben herein, und sie wird, auch wenn die anderen sie nicht ernstlich wahrnehmen, den Weg in das Kulturleben der Menschheit hinein finden.

[ 39 ] Schopenhauer destroys his own system with the assertion: Everything is will and mental image. — But the moment he refuses to stop there, he must lead people toward Spiritual Science. It is not we who create the spiritual-scientific worldview. How does the spiritual-scientific worldview come into being in the world? It enters; it is present everywhere in the world. It enters life through unknown doors and windows, and even if others do not take it seriously, it will find its way into the cultural life of humanity.

[ 40 ] Aber etwas anderes kann noch erkannt werden, wenn man wirklich durch solche Betrachtungen hingewiesen wird darauf, wie wenig tief die Menschen in ihre eigenen geistigen Prozesse hinuntersteigen, wie wenig die Menschen im tieferen Sinne sich selber ernst nehmen, selbst wenn sie geistvolle, tiefe Philosophen sind. Die Menschen weben gleichsam ein Vorstellungsgewebe; aber sie scheuen davor zurück, mit diesem Vorstellungsgewebe wirklich eine innere Lebensarbeit zu vollbringen, die sie weiterführt im Erleben desjenigen, was die Grundkräfte der Welt sind. So sehen wir, daß die Jahrhunderte, auf die gestern wieder hingedeutet worden ist, in denen die äußere Naturwissenschaft ihre großen Triumphe gefeiert hat, zugleich diejenigen sind, die den Menschen in ein oberflächliches Denken hineingebracht haben. Je glorreicher die Entwickelung der Naturwissenschaft ist, desto oberflächlicher ist das in die Quellen des Daseins eindringende Forschen geworden.

[ 40 ] But something else can be recognized when such reflections truly make one aware of how little people delve into their own mental processes, how little people take themselves seriously in a deeper sense, even if they are profound, insightful philosophers. People weave, as it were, a fabric of imagination; but they shy away from using this fabric of imagination to truly accomplish an inner life’s work that leads them further in the experience of what the fundamental forces of the world are. Thus we see that the centuries to which reference was made again yesterday—in which external natural science celebrated its great triumphs—are at the same time those that have led people into superficial thinking. The more glorious the development of natural science, the more superficial the research penetrating into the sources of existence has become.

[ 41 ] Man kann sich an geradezu glänzend beweisenden Beispielen über diese Sache, die eben berührt worden ist, unterrichten. Nehmen wir einmal an, wir erleben es an einem Menschen, daß er, nachdem er eine Zeitlang sich nicht gekümmert hat um die geistige Welt, einen Umschwung erfährt, derart, daß er anfängt sich zu bekümmern um die geistige Welt, daß er die Sehnsucht bekommt, von der geistigen Welt etwas zu wissen. Nehmen wir an, wir erleben das, wenn wir hineingedrungen sind in die Geisteswissenschaft. Was wird uns dann Bedürfnis sein, wenn wir erleben, wie ein Mensch, der sich nicht bekümmert hat um die geistige Welt, der im Alltäglichen dahingelebt hat und sich jetzt wie an einem Kreuzwege des Lebens befindet, sich nun der geistigen Welt zuwendet? Es wird uns interessieren, was in der Seele eines solchen Menschen vor sich gegangen ist. Wir werden so oft als möglich in die Seele eines solchen Menschen hineinzukommen versuchen, und uns wird es dann nützlich sein zu wissen, was hier oftmals betont worden ist, daß der Spruch, der so häufig angewendet wird «Die Natur macht keine Sprünge» total falsch ist. Die Natur macht überall Sprünge. Wenn das grüne Blatt sich verwandelt in das helle Blütenblatt, macht die Natur einen Sprung; und wenn sie den Menschen, der sich nicht um das Geistige gekümmert hat, so verändert, daß er sich bekümmert um die Geisteswissenschaft, so ist das etwas Ähnliches wie ein Sprung, und wir werden danach suchen, was dieses bewirkt hat. Wir werden über die verschiedenen geistigen Quellen, über die wir auch schon an diesem Orte gesprochen haben, einige Aufschlüsse gewinnen und sehen, wie ein solches vor sich gehen kann. .

[ 41 ] One can learn about this matter, which has just been touched upon, from examples that provide truly compelling evidence. Let us suppose we observe a person who, after having paid no attention to the spiritual world for some time, undergoes a transformation such that he begins to take an interest in the spiritual world and develops a longing to learn about it. Let us suppose we observe this when we have entered into Spiritual Science. What will then be our need when we witness how a person who has not concerned themselves with the spiritual world, who has lived out their daily life and now finds themselves at a crossroads in life, now turns toward the spiritual world? We will be interested in what has been going on in the soul of such a person. We will try as often as possible to enter into the soul of such a person, and it will then be useful for us to know what has often been emphasized here: that the saying so frequently applied, “Nature does not make leaps,” is totally false. Nature takes leaps everywhere. When the green leaf transforms into a bright petal, nature takes a leap; and when it changes a person who has not cared about the spiritual in such a way that they become concerned with Spiritual Science, this is something akin to a leap, and we will seek to understand what has brought this about. We will gain some insight into the various spiritual sources, which we have already discussed here, and see how such a process can take place. .

[ 42 ] Wir werden uns dabei fragen: Wie alt war der Mensch? — Wir wissen, daß von sieben zu sieben Jahren immer Neues im Menschenwesen geboren wird. Vom siebenten Jahre ab der Ätherleib, vom vierzehnten Jahre ab der Astralleib und so weiter. Wir werden alles das, was wir über den ätherischen Leib und über den astralischen Leib wissen, zusammennehmen, und namentlich werden wir es innerlich und nicht äußerlich nehmen; dann werden wir manchen Aufschluß gewinnen können über das, was in einer solchen Menschenseele vorgeht.

[ 42 ] We will ask ourselves: How old was the person? — We know that every seven years, something new is born within the human being. From the age of seven, the etheric body; from the age of fourteen, the astral body; and so on. We will take everything we know about the etheric body and the astral body, and in particular we will take it inwardly rather than outwardly; then we will be able to gain some insight into what is going on within such a human soul.

[ 43 ] Man kann auch anders vorgehen. Man kann Interesse gewinnen für die Tatsache, daß Menschen aus einem äußeren Leben plötzlich übergehen zu einem Leben, das sich interessiert für die geistigen Wahrheiten, für religiöse Vertiefungen. Ein Mann kann die Geisteswissenschaft für törichte Phantasterei halten, und wenn man nachforscht in ihm, was im Inneren der Seele vorgeht, kann man finden, was ihn dazu veranlaßt, sie für Narretei zu halten. Aber man kann dann folgendes tun: man schreibe, sagen wir, hundertzweiundneunzig oder noch mehr Briefe an Leute, von denen einem gesagt worden ist, daß sie eine solche UmwandJung durchgemacht haben. Man schreibe nach einem ganzen Kontinente solche Briefe und lasse sich als Antwort aufschreiben, was bei ihnen vorgelegen hat, das die Umwandlung im Leben bewirkte. Da bekommt man die verschiedensten Antworten. Der eine schreibt: Als ich vierzehn Jahre alt war, hat mich mein Leben zu Exzessen geführt, mein Vater hat sich geärgert darüber und hat mich gründlich verhauen; und der hat mir eine Empfindung eingehauen für dasjenige, was die geistige Welt ist. Die anderen behaupten: Ich habe einen Menschen sterben gesehen. Nehmen Sie also an, man hätte hundertzweiundneunzig Briefe bekommen und legte sie stoßweise übereinander. Man macht einen Stoß von den Briefen, in denen die Schreiber gesagt haben, daß sie aus Furcht vor dem Tode oder aus Furcht vor der Hölle solche Dinge aufgenommen haben; man macht einen zweiten Stoß, worin behauptet wird, daß sie gute Menschen gesehen oder sie nachgeahmt haben, einen dritten Stoß und so weiter. Bei solchen Stößen muß man oft leichtgeschürzt Dinge zusammenfassen. Dann macht man noch einen Stoß: für andere, egozentrische Motive. Und jetzt bekommt man das Folgende: Diese hundertzweiundneunzig Briefe hat man sortiert. Man hat abgezählt, wieviel Briefe auf jedem Stoße sind, und dann kann man, nach einer einfachen Rechnung, herausbringen, wieviel Prozent auf jeden der einzelnen Stöße entfallen. Da kann man herausbekommen zum Beispiel, daß vierzehn Prozent solche Umänderungen durchgemacht haben, die herrühren aus der Furcht vor dem Tode oder aus der Furcht vor der Hölle; sechs Prozent, die herrühren aus anderen egozentrischen Motiven; fünf Prozent, weil in ihnen durch irgend etwas altruistische Gefühle Platz gegriffen haben; siebzehn Prozent streben nach einem sittlichen Ideale vermutlich solche, die mit der Gesellschaft für ethische Kultur zusammengehangen haben —, sechzehn Prozent durch Gewissensbisse, zehn Prozent durch Befolgung der Lehren bezüglich des Guten, dreizehn Prozent durch Nachahmung von anderen Menschen, die man als religiös befunden hat, neunzehn Prozent durch gesellschaftlichen Druck, Nötigung und so weiter.

[ 43 ] One can also take a different approach. One can arouse interest in the fact that people suddenly transition from an external life to a life concerned with spiritual truths and religious contemplation. A man may regard Spiritual Science as foolish fantasy, and if one investigates what is going on within his soul, one may discover what causes him to regard it as folly. But one can then do the following: one writes, say, one hundred and ninety-two or even more letters to people who have been said to have undergone such a transformation. One writes such letters across an entire continent and asks them to write back explaining what happened to them that brought about the transformation in their lives. One receives the most varied answers. One writes: When I was fourteen years old, my life led me to excesses; my father was annoyed by this and gave me a thorough beating; and that instilled in me a sense of what the spiritual world is. Others claim: I saw a person die. So suppose one had received one hundred and ninety-two letters and stacked them in piles. You make one stack of the letters in which the writers said they wrote such things out of fear of death or fear of hell; you make a second stack in which it is claimed that they saw good people or imitated them, a third stack, and so on. With such piles, one often has to summarize things briefly. Then one makes another pile: for other, egocentric motives. And now one gets the following: These one hundred and ninety-two letters have been sorted. One has counted how many letters are in each pile, and then, by a simple calculation, one can determine what percentage each of the individual piles accounts for. One can find out, for example, that fourteen percent have undergone such changes stemming from the fear of death or the fear of hell; six percent stemming from other egocentric motives; five percent because altruistic feelings have taken root in them through some means; seventeen percent strive for a moral ideal—presumably those associated with the Society for Ethical Culture—; sixteen percent due to pangs of conscience; ten percent through adherence to teachings regarding goodness; thirteen percent through imitation of other people deemed religious; nineteen percent through social pressure, coercion, and so on.

[ 44 ] Also man kann so vorgehen, daß man versucht, sich liebevoll zu versenken in eine Seele, die sich so bekannt hat, man kann versuchen, ihr Inneres zu erforschen; dazu braucht man die Geisteswissenschaft. Oder man macht es so, wie ich es eben beschrieben habe. Derjenige, der es so. gemacht hat, ist ein gewisser Starbuck, und er hat daraufhin ein aufsehenerregendes Buch geschrieben über solche Dinge. Das ist die allerweitgehendste Veräußerlichung einer Sache, das ist das Gegenteil von dem, wovon man in der Geisteswissenschaft eine Empfindung haben muß. Die Geisteswissenschaft versucht überall, in das Innere der Dinge zu dringen. Die Tendenz, die gekommen ist durch den materialistischen Zeitcharakter, nimmt selbst das religiöse Leben schon so an, daß es die beliebte, berühmte Statistik darauf anwendet. Denn das ist unanfechtbare Forschung, wie man uns klar und deutlich zeigt. Sie hat eine Eigenschaft, die diejenigen gerade lieben, die nicht in die Pforte der Geisteswissenschaft hineingehen wollen. Von ihr kann man wahrhaftig sagen: sie ist leicht, sehr leicht.

[ 44 ] So one can proceed by trying to lovingly immerse oneself in a soul that has revealed itself in this way; one can try to explore its innermost being; for this, one needs Spiritual Science. Or one can do it the way I just described. The person who did it this way is a certain Starbuck, and he subsequently wrote a sensational book about such things. That is the most extreme externalization of a matter; it is the opposite of what one must feel in Spiritual Science. Spiritual Science seeks everywhere to penetrate into the inner core of things. The tendency that has arisen from the materialistic character of our times has even taken hold of religious life to such an extent that it applies the popular, famous statistics to it. For this is indisputable research, as is clearly and unambiguously shown to us. It has a quality that is particularly loved by those who do not wish to enter the gates of Spiritual Science. Of it one can truly say: it is easy, very easy.

[ 45 ] Wir haben es gestern schon betont, warum so viele an die Geisteswissenschaft nicht herangehen wollen: sie ist ihnen zu schwer. Von dieser Statistik kann man sagen: sie ist leicht, wahrhaftig recht leicht. Nun, man treibt ja heute auch experimentelle Seelenwissenschaft. Ich müßte Ihnen vieles erzählen von dieser experimentellen Seelenwissenschaft, wenn ich Ihnen einen Begriff davon geben sollte. Experimentalpsychologie nennt man sie. Man verspricht sich äußerlich viel davon. Ich will nur den Anfang, den man gemacht hat mit Experimenten, einmal charakterisieren. Nehmen wir an, wir setzen zehn Kinder vor uns hin, und nun schreibt man vor diesen zehn Kindern, sagen wir, einen Satz auf: Durch An...er...man...vieles... Jetzt nimmt man die Uhr und sagt: Du, sage mir, wie du das liest. Das Kind weiß noch nichts, es denkt nach und endlich kommt es darauf: «Durch Anstrengung erreicht man vieles.» Und jetzt notiert man rasch, wieviel Zeit das Kind dazu gebraucht hat, um den Satz zu lesen. Man muß viele Sätze selbstverständlich haben, denn man hat Mühe, das zu lesen. Nach und nach wird das dann auch in kürzerer Zeit gemacht. Dann notiert man, wieviele Sekunden der eine, und wieviele Sekunden der zweite und so weiter brauchte, um so einen Satz zu ergänzen. Dann rechnet man bei den Kindern die Prozente aus und behandelt diese dann weiter statistisch. Man prüft so die Anpassungsfähigkeit an das Äußere und auch an manches andere. Diese Methode der Experimentalpsychologie trägt einen vornehmen Namen, sie heißt «Intelligenzprüfung», während die andere Methode heißt: «Prüfung der religiösen Natur des Menschen auf experimentellem Wege.»

[ 45 ] We already emphasized yesterday why so many people are reluctant to engage with Spiritual Science: it is too difficult for them. As for these statistics, one can say: they are simple, truly quite simple. Well, experimental psychology is also practiced today. I would have to tell you a great deal about this experimental psychology if I were to give you an idea of it. It is called experimental psychology. Externally, much is expected of it. I just want to describe the beginning that has been made with experiments. Let’s suppose we sit ten children down in front of us, and now we write down, say, a sentence in front of these ten children: “Through e...ff...ort...one...achieves...much...” Now we take a stopwatch and say: “Hey, tell me how you read that.” The child doesn’t know yet; it thinks about it and finally figures it out: “Through effort one achieves much.” And now we quickly note how much time the child took to read the sentence. Of course, we need many sentences, because it’s difficult to read them. Gradually, this is then done in less time. Then we note how many seconds the first child, how many seconds the second, and so on, took to complete such a sentence. Then one calculates the percentages for the children and processes these further statistically. In this way, one tests their adaptability to the external environment and to various other factors. This method of experimental psychology bears a distinguished name; it is called the “intelligence test,” while the other method is called: “Testing the religious nature of human beings by experimental means.”

[ 46 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, dasjenige, was ich Ihnen hier mit einigen Strichen vorführe, ist nichts, worüber man lachen kann, denn es gibt viel mehr Lehrkanzeln der Philosophie heute, wo man dieses als Zukunft der Seelenwissenschaft betrachtet, als es solche Lehrkanzeln der Philosophie gibt, die irgendwie auch nur im leisesten Maße ernst nehmen dasjenige, was, ich will nicht sagen, wir betreiben, sondern, was man früher, durch innere Beobachtung der Seele, gefunden hat. Experimentieren muß man heute.

[ 46 ] You see, my dear friends, what I am presenting to you here in a few strokes is not something to be laughed at, for there are far more chairs of philosophy today where this is regarded as the future of the science of the soul than there are chairs of philosophy that take even the slightest bit seriously what—I will not say we are doing, but what was discovered in the past through inner observation of the soul. Today, one must experiment.

[ 47 ] Das sind Beispiele, wie man heute experimentiert, und das hat großen Anhang in der Welt. Dazu werden physikalische oder auch chemische Laboratorien eingerichtet; eine unendliche Literatur darüber gibt es. Ja man kann sogar das erleben, was ich nur als eine Episode erwähnen will; man kann erleben, daß ein Freund von uns, ein Vorsitzender eines unserer Zweige, eines unserer nördlichen Zweige, sich anschickte, für eine Universität eine Doktorabhandlung zu machen. Er bemühte sich selbstverständlich — man bemüht sich ja auch, wenn man zu Kindern spricht, ihrem Verständnisse entsprechend zu sprechen —, er bemühte sich, alles dasjenige, was er aus der Geisteswissenschaft gewonnen hatte, aus der Abhandlung draußen zu lassen. Das wurde alles herausgelassen. Aber nun hatte die Prüfung dieser Abhandlung ein Mann unter sich, der in diesen Dingen Fachmann war, der also alle diese Methoden sozusagen im kleinen Finger hatte. Der nahm die Abhandlung gar nicht an. Es ist das ein Fall, mit dem sich sogar der Storting beschäftigt hat. Der Mann, der Experimentalpsychologe ist, ist fest überzeugt davon, daß er auf dem wissenschaftlichen Boden der Gegenwart mit seiner Seelenwissenschaft steht, und daß diese die Zukunft haben wird.

[ 47 ] These are examples of how people experiment today, and this approach has gained widespread popularity around the world. To this end, physics and chemistry laboratories are being set up; there is an endless amount of literature on the subject. Indeed, one can even experience what I wish to mention merely as an anecdote; one can experience that a friend of ours, the chairperson of one of our branches—one of our northern branches—was preparing to write a doctoral dissertation for a university. He naturally made an effort—just as one makes an effort to speak in a way that children can understand when speaking to them—he made an effort to leave out of the dissertation everything he had gained from Spiritual Science. All of that was left out. But now the thesis was being examined by a man who was an expert in these matters, who, so to speak, had all these methods down to a tee. He did not accept the thesis at all. This is a case that even the Storting has dealt with. The man, who is an experimental psychologist, is firmly convinced that his science of the soul stands on the scientific ground of the present, and that it will have the future.

[ 48 ] Es soll gar nicht einmal irgend etwas Besonderes gesagt werden gegen diese Experimentalpsychologie. Denn warum sollte es nicht interessant sein, das auch einmal zu erfahren. Gewiß, das alles ist recht interessant, man kann das alles machen. Aber es kommt darauf an, wie man diese Dinge in das Leben hineinstellt, und ob man sie dazu benützt, um tot zu treten, was wirkliche Geisteswissenschaft ist, was wirkliche Erkenntnis der Seele ist. Immer wieder muß betont werden: nicht wir wollen es sein, die ablehnen, was von den Leuten getrieben wird, die ihrer Fähigkeit nach die Seele untersuchen, wie sie das Sinnliche untersuchen und die Registrierung vornehmen nach der Methode bei den hundertzweiundneunzig Antworten. Es entspricht dieses zwar den Fähigkeiten der Menschen, aber in Erwägung müssen wir ziehen, in welche Welt sich heute die Geisteswissenschaft hineinstellt. Klar müssen wir uns darüber sein.

[ 48 ] There is really nothing particularly negative to be said against this experimental psychology. After all, why shouldn’t it be interesting to explore these things? Certainly, all of this is quite interesting; one can certainly do all of these things. But what matters is how one integrates these things into life, and whether one uses them to trample underfoot what true Spiritual Science is, what true knowledge of the soul is. It must be emphasized again and again: it is not our intention to be the ones who reject what is being done by people who, according to their abilities, investigate the soul just as they investigate the sensory world and record their findings using the method of the one hundred and ninety-two answers. While this does correspond to people’s abilities, we must consider the world into which Spiritual Science is entering today. We must be clear about this.

[ 49 ] Ich weiß sehr gut, daß Leute nun kommen können und sagen: Der hat wiederum furchtbar geschimpft auf die Experimentalpsychologie; er läßt kein gutes Haar an ihr! — Das mögen die Leute ebenso tun, wie sie es tun mögen, wenn sie sagen: Ihr habt hier um die Osterzeit den Goetheschen «Faust» verschimpfiert und Goethe in Grund und Boden hinein kritisiert! — Menschen, die nicht begreifen können, daß Charakterisieren etwas anderes ist, als das im äußerlichen Sinne geübte Kritisieren, die werden immer solche Dinge mißverstehen. Indem ich sie charakterisiere, will ich sie hineinstellen in das Gesamtgebiet des menschlichen Lebens. Die Geisteswissenschaft ist nicht dazu angetan, Kritik zu üben, und das, was gesagt worden ist, kann auch keine Kritik sein.

[ 49 ] I am well aware that people may now come along and say: “He has once again launched a terrible tirade against experimental psychology; he doesn’t have a single good word to say about it!” — People may do that just as they do when they say: “You’ve been trashing Goethe’s *Faust* here around Easter and tearing Goethe to shreds!” — People who cannot grasp that characterizing is something different from criticism in the external sense will always misunderstand such things. By characterizing them, I wish to place them within the overall realm of human life. Spiritual Science is not suited to exercising criticism, and what has been said cannot be criticism either.

[ 50 ] Christlich soll aber sein dasjenige, was solche Menschen, die keine Wissenschaftler sind, tun gegenüber dem, was wahre Geisteswissenschaft ist.

[ 50 ] However, what such people—who are not scientists—do should be Christian in nature, in contrast to what true Spiritual Science is.

[ 51 ] Ein anderes ist es, einen klaren Blick zu haben. Und so kommt man, wenn man auf die Wissenschaft hinsieht, zu der Einsicht, wie sie, ich möchte sagen, das ganze menschliche Streben veräußerlicht, wie sie selbst in bezug auf religiöse Bekehrung nicht auf das Innere sieht, sondern von außen ansieht den Menschen.

[ 51 ] It is quite another matter to have a clear perspective. And so, when one looks at science, one comes to realize how it, I might say, externalizes the whole of human endeavor; how, even with regard to religious conversion, it does not look inward but views human beings from the outside.

[ 52 ] Im praktischen Leben ist der Mensch nicht so sehr gläubig. Die Statistiken der Versicherungsgesellschaften — ich habe das schon angeführt — rechnen aus, wann man ungefähr sterben wird. Ich will sagen, man kann ausrechnen für einen achtzehnjährigen Menschen, wann er ungefähr sterben wird, weil er einer Gruppe von Menschen angehört, unter denen so und so viele in gewissen Jahren sterben. Danach macht man die Versicherungsquoten, und die verteilt man dann ganz richtig. Da stimmt dann das ganz gut. Aber wenn die Menschen im gewöhnlichen Leben sich vorbereiten wollten zum Tode in dem Jahre, für das die Versicherungsgesellschaft ihren wahrscheinlichen Tod ausgerechnet hat, so würde man sie für Narren halten. Das System entscheidet nichts für das Leben. Ebensowenig hat die Statistik etwas mit der Bekehrung zu tun.

[ 52 ] In real life, people aren’t really that superstitious. Insurance company statistics—as I’ve already mentioned—calculate roughly when a person will die. What I mean is, you can calculate for an eighteen-year-old when they will likely die, because they belong to a group of people among whom a certain number die in a given year. Based on that, insurance premiums are set, and they are distributed quite accurately. That works out quite well. But if people in everyday life wanted to prepare for death in the year for which the insurance company has calculated their probable death, they would be considered fools. The system decides nothing for life. Nor do statistics have anything to do with conversion.

[ 53 ] In all diese Dinge muß man hineinsehen. Dadurch ringt man sich zu einem Gefühle durch, in dem die Intuitionserkenntnis darinnen ist. Von besonderer Schwierigkeit aber wird es sein, wirklich in die heutige Weltkultur hineinzubringen dasjenige, was, ich möchte sagen, der Gipfelpunkt unserer Geisteswissenschaft ist: die Christus-Erkenntnis. Christus-Erkenntnis ist dasjenige, wozu uns, als Reinstes, Heiligstes und Höchstes, hinführt dasjenige, was wir in der Geisteswissenschaft haben. In vielen Vorträgen versuchte ich klarzumachen, wie gerade in unserer Zeit der durch das Mysterium von Golgatha in die Welt gekommene Christus-Impuls durch das Instrument der Geisteswissenschaft den menschlichen Seelen zugänglich gemacht werden muß. Auf den verschiedensten Wegen versuchte ich klarzumachen die Art und Weise, wie der Christus-Impuls gewirkt hat. Denken Sie nur an die Vorträge über die Jungfrau von Orleans, Konstantin und so weiter. Auf den verschiedensten Wegen versuchte ich klarzumachen, wie der Christus-Impuls in den verflossenen Jahrhunderten mehr ins Unbewußte hineingezogen worden ist, wie wir aber jetzt in einer Zeit leben, wo er viel bewußter in das menschliche Leben hineintreten muß, wo eine wirkliche Erkenntnis von dem Mysterium von Golgatha kommen muß. Nicht wird man dieses Mysterium von Golgatha erkennen lernen können, wenn man nicht solche Vorstellungen, wie sie berührt wurden bei der Osterfeier — von dem Christus im Zusammenhange mit dem Luzifer und Ahriman —, übernimmt und sie geisteswissenschaftlich durchdringt.

[ 53 ] One must look deeply into all these things. In doing so, one struggles to arrive at a feeling that contains intuitive knowledge. It will, however, be particularly difficult to truly bring into today’s world culture that which, I might say, is the pinnacle of our Spiritual Science: the knowledge of Christ. Knowledge of Christ is that to which what we have in Spiritual Science leads us as the purest, holiest, and highest. In many lectures I have tried to make clear how, especially in our time, the Christ impulse that came into the world through the Mystery of Golgotha must be made accessible to the human soul through the instrument of Spiritual Science. In a variety of ways I have tried to make clear the manner in which the Christ impulse has worked. Just think of the lectures on Joan of Arc, Constantine, and so on. In a variety of ways, I have tried to make clear how the Christ impulse has been drawn more into the unconscious over the past centuries, but how we now live in a time when it must enter human life much more consciously, when a true understanding of the Mystery of Golgotha must come. One will not be able to come to know this Mystery of Golgotha unless one takes up such mental images as were touched upon during the Easter celebration—regarding Christ in connection with Lucifer and Ahriman—and penetrates them through Spiritual Science.

[ 54 ] Wir leben in einer ungeheuer schweren Zeit, in einer Zeit der Schmerzen und Leiden. Sie wissen ja, ich kann nicht über etwas diese Zeit Charakterisierendes sprechen, aus dem Grunde, den ich schon angeführt habe. Ich will das auch nicht; ich will von einer ganz anderen Seite her etwas berühren, was im Zusammenhange mit der heutigen Betrachtung steht.

[ 54 ] We are living in an incredibly difficult time, a time of pain and suffering. As you know, I cannot speak about anything that characterizes this time, for the reason I have already mentioned. Nor do I wish to; I want to touch on something from a completely different angle that is related to today’s reflection.

[ 55 ] Diese Zeit der Schmerzen und Leiden hat manches in den Menschenseelen wachgerufen, und derjenige, der mitlebt diese Zeit, der sich: bekümmert um das, was vorgeht, wird bemerken, daß in unserer Zeit nach einer Seite hin eine große Vertiefung der Menschenseelen eintritt, von Menschenseelen, die darinnenstehen in den gegenwärtigen Ereignissen und die früher ganz fern gestanden haben allem religiösen Leben, deren Empfinden und Fühlen recht matersalistisch war. Man kann heute immer wieder und wieder in ihren brieflichen und sonstigen Kundgebungen finden, wie sie durch das schmerzliche Darinnenstehen in den heutigen Zeitereignissen ihre religiösen Empfindungen wiedergefunden haben.

[ 55 ] This time of pain and suffering has stirred many things within the human soul, and anyone who is living through this time, who is: concerned about what is happening, will notice that in our time, on the one hand, a great deepening of the human soul is taking place—of human souls who are deeply immersed in current events and who previously stood quite distant from all religious life, whose sensibilities and feelings were quite materialistic. One can find time and again today in their letters and other expressions how, through their painful involvement in current events, they have rediscovered their religious sensibilities.

[ 56 ] Das ist das Charakteristische, daß von Gott und von einer göttlichen Ordnung Leute zu reden anfangen, denen diese Worte früher nicht über die Lippen gekommen sind. Wirklich, in dieser Hinsicht erlebt man heute bei den Leuten, die in den Ereignissen darinnenstehen, eine unendliche religiöse Vertiefung.

[ 56 ] What is striking is that people who never before uttered such words are now beginning to speak of God and a divine order. Indeed, in this regard, one observes today an immense deepening of religious feeling among those who are at the very heart of these events.

[ 57 ] Aber eine Tatsache hat man mit Recht hervorgehoben; sie ist ebenso klar wie dasjenige, was ich jetzt gesagt habe. Nehmen Sie das Charakteristische aus den Briefen, die von den Schlachtfeldern geschrieben worden sind und in denen man die eben charakterisierte Vertiefung des Gefühls finden kann: da sagen sie vieles über die Art, wie sie ihren Gott wiedergefunden haben, aber fast gar nichts — es haben dies nur wenige bemerkt —, fast gar nichts von Christus. Von Gott reden hört man, aber nichts von Christus.

[ 57 ] But one fact has rightly been emphasized; it is just as clear as what I have just said. Take the characteristic features of the letters written from the battlefields, in which one can find the deepening of feeling just described: there they say much about the way they rediscovered their God, but almost nothing—only a few have noticed this—almost nothing about Christ. One hears talk of God, but nothing of Christ.

[ 58 ] Das ist eine sehr bedeutsame Tatsache. In der abstrakten Form der Gottes-Idee tritt in unserer Zeit des schweren Leides und der schweren Schmerzen an manchen ein religiöses Gefühl heran. Von einer ebensolchen Vertiefung des Christus-Empfindens kann man fast nicht reden. Ich sage «fast». Natürlich kommt es an einzelnen Stellen vor; aber im großen und ganzen ist die Sache so, wie ich sie charakterisiert habe. Daraus aber können Sie sehen, wie unsere Zeit selbst da, wo es den Menschenseelen naheliegt, mit der geistigen Welt wieder Beziehung zu suchen, wie unsere Zeit es schwer hat, zu demjenigen hingeführt zu werden, was wir den Christus-Impuls, das Mysterium von Golgatha nennen.

[ 58 ] This is a very significant fact. In our time of great suffering and pain, a religious sentiment arises in some people through the abstract concept of God. One can hardly speak of a similar deepening of the sense of Christ. I say “hardly.” Of course, it occurs in isolated instances; but on the whole, the situation is as I have described it. From this, however, you can see how our age—even where it would be natural for human souls to seek a renewed connection with the spiritual world—struggles to be led to what we call the Christ impulse, the Mystery of Golgotha.

[ 59 ] Dazu ist es notwendig, daß die menschliche Seele sich aufschwingt zu einer Vorstellung von der Gesamtheit der Menschheit. Dazu ist es notwendig, daß wir nicht bloß Gemeinschaft pflegen mit dem, was mit uns eine Zeitlang lebt, sondern daß wir unseren geistigen Blick hinwenden zu allen Zeiten und Wesen, wie wir als Seelen durch verschiedene Erdenleben gegangen sind, durch verschiedene Zeiten gegangen sind. Dann steigt uns allmählich die gewaltige Notwendigkeit in der Seele auf, zu erkennen, wie eine absteigende und eine aufsteigende Entwickelung in der Menschheit vorhanden ist. Man muß sich mit der Menschheit in der Zeitenentwickelung eins fühlen, man muß zurückblicken zur ErdenUrentstehung, die absteigende und die aufsteigende Entwickelung ins Auge fassen, in deren Mitte das Mysterium von Golgatha steht, mit der gesamten Menschheit sich verbunden fühlen, sich verbunden fühlen mit dem Mysterium von Golgatha.

[ 59 ] To this end, it is necessary for the human soul to rise to a mental image of the entirety of humanity. To do this, it is necessary that we not merely cultivate fellowship with what lives with us for a time, but that we turn our spiritual gaze toward all times and beings, just as we, as souls, have passed through various earthly lives and various times. Then the overwhelming necessity gradually rises within our souls to recognize how a descending and an ascending development exist within humanity. One must feel at one with humanity in the course of historical development; one must look back to the very origins of the Earth, take in the descending and ascending development, at the center of which stands the Mystery of Golgotha, feel connected with all of humanity, and feel connected with the Mystery of Golgotha.

[ 60 ] Dem räumlichen Kosmos steht die Menschenseele heute näher als dem zeitlichen Kosmos, demjenigen, was sich in der Aufeinanderfolge der Entwickelungsstadien entfaltet hat. Dazu aber werden wir geführt, wenn wir uns durch die Geisteswissenschaft einverleibt fühlen dem gesamten Entwickelungsgange der Menschheit. Denn dann können wir nicht anders als einsehen, daß ein solcher Punkt in der Menschheitsentwickelung vorhanden war, wo etwas herangetreten war an diese Menschheitsentwickelung, das nicht bloß durch menschliche Kraft hineinkommen konnte. Es mußte hereinkommen in die Menschheitsentwickelung dadurch, daß von der geistigen Welt selber, durch einen menschlichen Leib, ein Impuls in die Erdenentwickelung hineingedrungen ist, der vorhanden war im Beginne der christlichen Zeitrechnung. Es war eine Berührung des Himmels mit der Erde.

[ 60 ] Today, the human soul is closer to the spatial cosmos than to the temporal cosmos—that which has unfolded through the succession of stages of development. But we are led to this realization when, through Spiritual Science, we feel ourselves incorporated into the entire course of human development. For then we cannot help but see that there was a point in human development where something approached this development that could not have entered it through human power alone. It had to enter human development through an impulse from the spiritual world itself, which penetrated earthly development through a human body and was present at the beginning of the Christian era. It was a contact between heaven and earth.

[ 61 ] Hier rühren wir an etwas, was durch die Geisteswissenschaft dem religiösen Leben wird einverleibt werden müssen. Berührt wird hier, wie die Geisteswissenschaft sich in die Gefühle der Menschen wird hineinsenken müssen, damit diese Menschen in Zusammenhang kommen mit dem Mysterium von Golgatha und den Christus-Impuls in solcher Weise finden, daß sie ihn nicht nur für ihr unbestimmtes Fühlen, sondern auch für ihr klares Bewußtsein nicht mehr verlieren können. Die Geisteswissenschaft wird arbeiten. Wir haben die Notwendigkeit dieses Arbeitens erkannt und oftmals betont, und im Grunde genommen sitzen Sie alle da, um zu dokumentieren, daß Sie alle in dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung mit ganzem Herzen mitarbeiten wollen. Und wenn in der Zukunft wieder schwere Zeiten über die Menschheit hereinbrechen werden, dann möge die Geisteswissenschaft schon die Gelegenheit gefunden haben, daß eine Vertiefung der Menschenseelen verbunden sein kann nicht bloß mit dem abstrakten GottesBewußtsein, sondern mit dem konkreten, historischen ChristusBewußtsein.

[ 61 ] Here we are touching upon something that Spiritual Science will have to integrate into religious life. What is being touched upon here is how Spiritual Science will have to sink into people’s feelings so that these people may come into connection with the Mystery of Golgotha and find the Christ impulse in such a way that they can no longer lose it—not only in their vague feelings but also in their clear consciousness. Spiritual Science will work. We have recognized the necessity of this work and have often emphasized it, and in essence, you are all sitting here to demonstrate that you all wish to participate wholeheartedly in this Spiritual Science movement. And when difficult times once again befall humanity in the future, may Spiritual Science have already found the opportunity to ensure that a deepening of the human soul can be connected not merely with abstract awareness of God, but with concrete, historical Christ-consciousness.

[ 62 ] Es ist einmal die Zeit, in der ernste Empfindungen in uns angeregt werden können. Aber wir sollen es auch nicht vermeiden, solche ernsten, ich möchte sagen, heiligen Empfindungen in uns anzuregen. Dadurch sollten sich diejenigen, die in unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung stehen, unterscheiden von den Menschen, die noch nicht durch ihr Karma dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung nähergetreten sind, daß die Bekenner der Geisteswissenschaft alles, was in der Welt vorgeht, das Äußerlichste und das Tiefste, in gründlich ernster Weise ergreifen.

[ 62 ] There is a time when serious feelings can be stirred within us. But we should not shy away from stirring such serious—I would even say sacred—feelings within ourselves. In this way, those who are part of our Spiritual Science movement should distinguish themselves from people who have not yet, through their karma, drawn closer to this Spiritual Science movement, in that the adherents of Spiritual Science take everything that happens in the world—the most external and the deepest—in a thoroughly serious manner.

[ 63 ] Bedenken Sie, wie wichtig es ist, im gewöhnlichen Leben einzusehen, daß wir mit unserem gewöhnlichen, an das Nervensystem gebundenen Verstand und unserer Vernunft eigentlich außerhalb desjenigen sind, was uns zumeist interessiert im gewöhnlichen physischen Erleben, und daß wir daher, so wie es da ist, wie es der oben hypothetisch angenommene Rechtsanwalt zustande bringt, uns eigentlich mit unserem Denken fremd sind, uns selbst fremd sind. Indem wir aber an die Geisteswissenschaft herantreten, gewinnen wir ein «außerleibliches» Herz, wie wir es gestern ausgeführt haben; es wird wieder mit Innigkeit und Seelenhaftigkeit durchdrungen dasjenige, was wir durchdenken. Wir können nur dadurch nach den verschiedenen Richtungen unseren an den Leib gebundenen Verstand und unsere Vernunft gebrauchen, daß wir nicht dasjenige hinaustragen, wodurch wir im Tiefsten verbunden sind mit den Sphären, in denen wir drinnenstehen mit unserem Denken. Durch die Geisteswissenschaft werden wir das hinaustragen, und wir werden mit dem, was wir denken, mit unserem Verstande und unserer Vernunft, Menschen der Wahrheit werden, wirklich Menschen der Wahrheit werden. Und das Leben braucht Menschen der Wahrheit. Dasjenige, was man sich bescheinen läßt von der Sonne der Geisteswissenschaft, das wächst mit uns zusammen, weil wir zusammenwachsen mit Wesen der höheren Hierarchien. Menschen der Wahrheit müssen wir werden durch die Geisteswissenschaft! Dann ist unser Denken nicht so beschaffen, daß wir es anwenden wie der Rechtsanwalt, von dem beide Parteien verteidigt sein könnten. Menschen der Wahrheit werden wir, indem wir mit den geistigen Wahrheiten eins werden. Und indem wir die Möglichkeit finden, unseren Willen so aufzufassen, wie es heute charakterisiert worden ist, werden wir den Weg finden in das Innere der Dinge. Dadurch nicht, daß wir im Schopenhauerschen Sinne von dem Willen in der Natur reden, sondern dadurch, daß wir uns mit unserem Willen in die Dinge hineinleben und in den Dingen kraften.

[ 63 ] Consider how important it is, in everyday life, to realize that with our ordinary intellect—which is bound to the nervous system—and our reason, we are actually outside of what most interests us in ordinary physical experience, and that we are therefore, as things stand—as the lawyer hypothetically described above demonstrates—actually alien to our own thinking, alien to ourselves. But as we approach Spiritual Science, we gain an “extracorporeal” heart, as we explained yesterday; what we think through becomes once again imbued with intimacy and soulfulness. We can only use our intellect and reason—which are bound to the body—in various directions by not carrying out that through which we are most deeply connected to the spheres in which we stand with our thinking. Through Spiritual Science we will carry this out, and with what we think, with our intellect and our reason, we will become people of truth, truly people of truth. And life needs people of truth. That which we allow to be illuminated by the sun of Spiritual Science grows together with us, because we grow together with beings of the higher hierarchies. We must become people of truth through Spiritual Science! Then our thinking will not be of such a nature that we apply it like a lawyer who could defend both parties. We become people of truth by becoming one with spiritual truths. And by finding the way to understand our will as it has been characterized today, we will find the path into the innermost core of things. Not by speaking of the will in nature in the Schopenhauerian sense, but by living our way into things with our will and working within them.

[ 64 ] Damit berühren wir aber etwas, was unserer Gegenwart so ungeheuer fehlt: das liebevolle Sich-Vertiefen in das Wesen der Dinge. Dieses fehlt unserer gegenwärtigen Zeit so ungeheuer. Ich möchte sagen: man muß es im Leben immer wieder eigentlich bitter erfahren, wie diese Neigung, den Willen hineinzuversenken in das Wesen der Dinge, den Menschen fehlt.

[ 64 ] But this brings us to something that is so sorely lacking in our present age: the loving immersion in the essence of things. This is so sorely lacking in our present age. I would like to say: one must, time and again, experience in life the bitter reality of how this inclination—this will to immerse oneself in the essence of things—is lacking in human beings.

[ 65 ] Wenn ich eine scheinbar unbedeutende Tatsache vor Ihnen hier vorbringe, eine Tatsache, die scheinbar wie eine persönliche Bemerkung aussieht, so betrachten Sie dies wahrhaft nicht in dem richtigen Sinne, wenn Sie glauben, daß ich eine persönliche Bemerkung machen will. Sie soll keine persönliche Bemerkung sein, sondern könnte unter Umständen bedeutungsvoll sein für manches, was so in der Auffassung herumspukt, auch innerhalb unserer Kreise. Gewiß, es ist mir im höchsten Grade wenig sympathisch, solche Bemerkungen zu machen; und würden sie nur gemacht, gleichsam um auszudrücken, daß ich selber etwas überflüssig finde, so würden sie nicht gemacht werden. Aber allmählich muß sich, immer mehr und mehr, eine gewisse Anschauung, eine Empfindung verbreiten für das Ernste, das als ein tiefer Impuls unserer Bewegung jeden einzelnen unserer Bekenner durchdringen und beherrschen soll. Es braucht sich deshalb niemand getroffen zu fühlen, wenn ich eine solche Bemerkung mache; sie wird nicht gemacht aus persönlichen Gründen, sondern um wieder einmal hinzuweisen auf etwas, das, wenn man es durchdenkt, aufmerksam macht auf den Ernst, den man so gern mit unserer Bewegung verbunden wissen möchte. Denn gerade an diesem Orte, wo es möglich war, mit unserem Bau ein äußeres Zeichen aufzustellen, möchte man so sehr, daß die richtige Empfindung herrsche von dem, was unmittelbar gar nicht sagbar ist, was aber empfunden werden sollte von jedem einzelnen, der zu den Bekennern unserer Bewegung gehört.

[ 65 ] If I present a seemingly insignificant fact to you here—a fact that appears to be a personal remark—you are truly missing the point if you believe that I am trying to make a personal remark. It is not meant to be a personal remark, but could, under certain circumstances, be significant for many of the ideas that are currently circulating, even within our own circles. Certainly, I am extremely reluctant to make such remarks; and if they were made merely to express that I myself find something superfluous, they would not be made. But gradually, more and more, a certain perspective, a sense of the serious must take hold—a serious impulse that, as the driving force of our movement, should permeate and govern every single one of our adherents. No one need therefore feel offended when I make such a remark; it is not made for personal reasons, but to point out once again something that, when one thinks it through, draws attention to the seriousness that one so much wishes to see associated with our movement. For precisely in this place, where it was possible to erect an outward sign with our building, one would so much like the right sentiment to prevail regarding what cannot be expressed in words at all, but which should be felt by every single person who belongs to the adherents of our movement.

[ 66 ] Sehen Sie, es ist dazu gekommen — ich berühre diese Sache nicht gerne hier an diesem Orte —, nachdem ich versucht habe, in den ersten Monaten unserer schweren Zeit, dies oder jenes den Seelen nahe zu bringen, daß sich Dinge ereignet haben — ich will nur so sagen —, die es unbedingt notwendig machen, ein objektives, unserer Bewegung angemessenes Wort über unsere Zeitereignisse gar nicht mehr zu sprechen. Daß dieses im Grunde schmerzlich ist, und daß es schmerzlich ist, eine solche Summe von Mißverständnissen pulsieren zu fühlen durch unsere Bewegung, das darf aufrichtig und ehrlich gestanden werden.

[ 66 ] You see, it has come to this—I do not like to broach this subject here in this place—after I tried, in the first months of our difficult time, to bring this or that close to people’s hearts, that things have happened—I will put it this way—that make it absolutely necessary to no longer speak an objective word, appropriate to our movement, about the events of our time. That this is fundamentally painful, and that it is painful to feel such a multitude of misunderstandings pulsing through our movement, may be admitted sincerely and honestly.

[ 67 ] Ich berühre diese Dinge, weil sie zusammenhängen gerade mit derjenigen Frage, die heute gestreift werden mußte. Gestreift wurde die Frage, wie fremd wir uns im innersten Wesen bleiben mit unserem Denken, und warum das so ist. Es genügt nicht, wenn wir bloß in dieses Denken aufnehmen dasjenige, was herausquellen kann aus der geisteswissenschaftlichen Anschauung. Wir müssen dasjenige, was aus der geisteswissenschaftlichen Anschauung herausquillt, aufnehmen in dem Sinne, daß es in unseren Willen hineingeht. Aber dieser Wille — ich habe gesagt, wie er intim zusammenhängt mit dem, was in unserem Leibe pulsiert —, dieser Wille ist widerspenstiger als der Gedanke. Ein Teil der Geisteswissenschaft, der in Gedanken aufgenommen werden kann, wird bisweilen recht wenig aufgenommen. Der Teil aber, der auch in den Willen hineingehen sollte, wird bis zu einem schlimmen Grade mißverstanden. Gerade ich mußte es schmerzlich erfahren: Während draußen in der Welt vom Autoritätsglauben geredet wird, der bei uns herrschen soll, ist hier vieles mißverstanden und mißausgelegt worden, da, wo es ein wenig darauf angekommen wäre, einzusehen, auf welch sorgfältig erworbenen Erkenntnissen dasjenige beruht, was vorgebracht wurde.

[ 67 ] I am touching on these matters because they are directly connected to the very question that had to be touched upon today. The question touched upon was how alien we remain to our innermost being through our thinking, and why this is so. It is not enough for us merely to take into this thinking what may well up from the perspective of Spiritual Science. We must take in what wells up from the perspective of Spiritual Science in the sense that it enters into our will. But this will—I have said how intimately it is connected with what pulsates in our body—this will is more wayward than thought. A part of Spiritual Science that can be taken in through thought is sometimes taken in very little. But the part that should also enter into the will is misunderstood to a terrible degree. I, for one, have had to learn this the hard way: While out in the world there is talk of a belief in authority that is supposed to prevail among us, much has been misunderstood and misinterpreted here, where it would have mattered somewhat to recognize upon what carefully acquired insights that which was put forward is based.

[ 68 ] Nun, ich weiß nicht, aus welchem Grunde mir gestern zugegangen ist eine Broschüre, die geschrieben ist von einem gewissen Church. Sollte sie aber aus dem Kreise unserer anthroposophischen Freunde mir von Arlesheim zugeschickt sein, und vielleicht gar in der Absicht, damit ich sie lesen soll zu dem Zwecke, um zu sehen, was irgend jemand meinen kann über unsere heutigen Zeitereignisse, dann müßte ich — obgleich es bei diesem Beispiel nicht zuzutreffen braucht, bei anderen aber wohl sagen: Ich würde, wenn diese Broschüre mir zugeschickt worden wäre zu dem Zwecke, daß ich Kenntnis nehmen sollte von dem, was einer denkt, in der Form, wie es in der Broschüre steht, hervorheben müssen, daß ich diese Übersendung deplaciert und unanständig finde. Ohne Kritik sage ich das. Ist sie geschickt worden, um ein Beispiel zu geben, wie einer die Geschichte fälscht, ist mir die Broschüre in dieser Absicht geschickt worden, so ist das allerdings etwas anderes. Aber nicht alles geschieht in dieser Absicht. So möchte ich anknüpfen an diese Broschüre, worin jemand über heutige Zeitereignisse Urteile fällt, die auf nichts anderem aufgebaut sind als auf frivolster Geschichtsfälschung.

[ 68 ] Well, I don’t know why I received a pamphlet yesterday written by a certain Church. But if it was sent to me from Arlesheim by one of our anthroposophical friends—and perhaps even with the intention that I should read it to see what someone might think about current events—then I would have to say—though this may not apply to this particular example, it certainly does to others: If this brochure had been sent to me for the purpose of my taking note of what someone thinks, in the form in which it appears in the brochure, I would have to emphasize that I find this mailing inappropriate and indecent. I say this without criticism. If it was sent to provide an example of how someone falsifies history—if the brochure was sent to me for that purpose—then that is, of course, a different matter. But not everything is done with that intention. Thus, I would like to address this brochure, in which someone passes judgment on current events based on nothing other than the most frivolous falsification of history.

[ 69 ] Dasjenige, worüber wir hinauskommen müssen auf unserem Boden, das ist: Fälschung objektiver Tatsachen. Das ist aber gerade dasjenige, was in der Gegenwart in so ausgedehntem Maße gemacht wird. Derjenige, der nichts weiß von den Dingen, die vorangegangen sind, der Dinge behauptet, von denen man so leicht nachweisen kann geschichtlich, wie falsch sie sind, wie jener Mister Church, der sollte nicht zu Worte kommen dürfen da, wo ernste Dinge von ernsten Menschen auch nur gedacht werden.

[ 69 ] What we must overcome in our own country is the falsification of objective facts. Yet that is precisely what is being done on such a vast scale today. Anyone who knows nothing about the events that have preceded, who makes claims that can so easily be historically proven false—like that Mr. Church—should not be allowed to speak where serious matters are even being considered by serious people.

[ 70 ] Wenn ein solches Wort, meine lieben Freunde, gesprochen wird, so ist es, ich möchte sagen, als Exempel aufzufassen, wirklich nicht wegen dieser Einzelheit, die an sich höchst unbedeutend ist. Aber diese Einzelheit ist ein Symptom, und wir sollen über solche Symptome nachdenken, damit wir hineinkommen, immer tiefer und tiefer, in das ganze Tiefe, das unsere geistige Bewegung durchdringen muß. Und diese unsere geistige Bewegung wird uns ganz besonders in die Seele hineinleuchten, wenn wir uns bekanntmachen mit dem, was selbst diejenigen heute noch nicht finden können, die aus bewegtem Herzen mitten darinnenstehen in den schwersten Zeitereignissen und nach den Werten der geistigen Welt suchen. Die Geisteswissenschaft muß uns nach und nach die Etappen aufbauen, die hinaufführen zu einem unverlierbaren Verständnisse des Mysteriums von Golgatha. Dieses Mysterium von Golgatha ist der Sinn der Erde. Und den Sinn der Erde zu verstehen, muß das höchste Streben sein dessen, der sich nach und nach in die Geisteswissenschaft hineinfindet.

[ 70 ] When such a word is spoken, my dear friends, it should—I would say—be taken as an example, certainly not because of this detail, which in itself is highly insignificant. But this detail is a symptom, and we should reflect on such symptoms so that we may enter, ever deeper and deeper, into the very depths that our spiritual movement must penetrate. And this spiritual movement of ours will shine into our souls in a very special way when we become acquainted with what even those who, with moved hearts, stand right in the midst of the most difficult events of our time and seek the values of the spiritual world, cannot yet find. Spiritual Science must gradually build up for us the stages that lead upward to an unshakable understanding of the Mystery of Golgotha. This Mystery of Golgotha is the meaning of the Earth. And to understand the meaning of the Earth must be the highest aspiration of those who gradually find their way into Spiritual Science.