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Artistic and Existential Questions
in the Light of Spiritual Science
GA 162

17 July 1915, Dornach

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Artistic and Existential Questions, tr. SOL
  1. Kunst- und Lebensfragen

Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Wenn der Mensch in seiner geistigen Entwickelung allmählich heraufrückt zum Wahrnehmen der höheren Welten, dann muß er das habe ich ja öfter schon erwähnt — sich neue Vorstellungen machen über sein ganzes Verhalten zu diesen höheren Welten. Wir sind daran gewöhnt, unser gesamtes Verhalten zur Welt so zu beurteilen, wie wir unser Verhalten zur Welt finden hier auf dem physischen Plan. Hier auf dem physischen Plane fühlen wir uns als Menschen ganz klar den anderen Geschöpfen der verschiedenen Reiche dieser Welt so gegenüberstehend, daß wir gewissermaßen auf die Wesen dieser anderen Reiche herunterschauen. Wir nehmen sie wahr; wir fühlen uns als Menschen als das höchste Glied dieser physischen Welt und nehmen die anderen Wesenheiten wahr. Wir bilden uns dann Begriffe und Ideen, Vorstellungen von diesen Wesenheiten.

[ 1 ] As a person gradually advances in their spiritual development toward perceiving the higher worlds, they must—as I have often mentioned—form new mental images regarding their entire relationship to these higher worlds. We are accustomed to judging our entire attitude toward the world in the same way we judge our attitude toward the world here on the physical plane. Here on the physical plane, we as human beings clearly feel that we stand in such a relationship to the other beings of the various kingdoms of this world that we, so to speak, look down upon the beings of these other kingdoms. We perceive them; as human beings, we feel ourselves to be the highest link in this physical world and perceive the other beings. We then form concepts, ideas, and mental images of these beings.

[ 2 ] Ich möchte sagen, wir stehen da, die Welt ist außer uns; wir nehmen diese Welt wahr, wir nehmen gleichsam dasjenige, was sie uns gibt, in uns herein, und wir tragen es dann in unserer Seele mit uns weiter durch die Welt. Die Gegenstände sind draußen, die Wesen sind außer uns, und dasjenige, was sie uns durch unsere Wahrnehmung, die wir von ihnen haben, mitteilen, das tragen wir dann in der Seele mit uns.

[ 2 ] I would like to say that we stand there, and the world is outside of us; we perceive this world, we take in—as it were—what it gives us, and we then carry it with us in our soul as we continue through the world. Objects are outside, beings are outside of us, and what they communicate to us through our perception of them, we then carry with us in our soul.

[ 3 ] Wenn wir von dem Gesichtspunkte der anderen Geschöpfe der Erde sprechen wollten, so müßten wir sagen: Die Wesen der verschiedenen Reiche, des pflanzlichen, des tierischen, des mineralischen Reiches lassen sich von uns wahrnehmen; sie werden von uns wahrgenommen.

[ 3 ] If we were to speak from the perspective of the other creatures on Earth, we would have to say: The beings of the various kingdoms—the plant, animal, and mineral kingdoms—can be perceived by us; they are perceived by us.

[ 4 ] Nun liegt es eben so ungeheuer nahe für den Menschen, das, was er so gewohnt geworden ist als sein Verhältnis zur Welt anzusehen, das auch nun ganz unmittelbar anzuwenden, wenn es sich um Wesenheiten der höheren Ordnungen, der höheren Hierarchien zum Beispiel handelt. Der Mensch stellt sich vor: wenn er in die höheren Welten hinaufrückt, dann sind die Engel, Erzengel, Geister der Persönlichkeit und so weiter ebenso um ihn herum ausgebreitet, wie Minerale, Pflanzen, Tiere in der physischen Welt um ihn herum ausgebreitet sind. Ganz genau so, möchte ich sagen, ist aber die Sache nicht. Wir müssen uns gewöhnen, unser Verhältnis zu der andern, der geistigen Welt in dem Augenblicke gleich anders vorzustellen, wo wir die Schwelle in die geistige Welt hinein überschreiten. Wir müssen uns vollständig ernst sein lassen das, was öfter gesagt worden ist: daß in dem Augenblicke, wo wir nur einen Schritt in die geistige Welt hinein machen, das heißt unsere Wahrnehmungsfähigkeit erweitern, wir in gewisser Weise zusammenwachsen mit den Wesen, die um uns herum sind, daß wir uns mit unserem eigenen Wesen über sie verbreiten. Und ich habe den trivialen, ja nicht schönen, aber doch treffenden Ausdruck oftmals gebraucht: wir kriechen in die Wesen hinein, wir wachsen.mit ihnen zusammen. Dem physischen Plane gegenüber fühlen wir die Wesen immer wie draußen, und das, was wir von ihnen wahrnehmen, geht in uns hinein. Den Wesen der höheren Welten gegenüber müssen wir uns so fühlen, daß wir in sie hineingehen. Und wie sich die Wesen des mineralischen, des pflanzlichen, des tierischen Reiches von uns wahrnehmen lassen, so müssen wir uns wahrnehmen lassen von den Wesen der höheren Hierarchien; das heißt, wir werden objektive Wahrnehmungsgegenstände, Wahrnehmungswesen für die Wesen der höheren Hierarchien. Ich möchte sagen: wie die verschiedenen Tiere für uns ausgebreitet sind da draußen im Raum, so daß wir sie anschauen können, so werden wir angeschaut von den Wesen der höheren Hierarchien. Die schauen auf uns herunter. Und daß sie uns anschauen, das erleben wir; darin besteht eigentlich die Wahrnehmung der höheren Wesenheiten. Man müßte also immer sagen — nicht: Ich nehme einen Engel wahr — denn das entspricht nicht ganz genau dem Erleben —, sondern man müßte sagen: Ich spüre, ich empfinde, daß ich von einem Engel wahrgenommen werde.

[ 4 ] It is simply so natural for human beings to take what they have become so accustomed to regarding as their relationship to the world and to apply it quite directly when dealing with beings of higher orders—the higher hierarchies, for example. People have a mental image of what it would be like when they ascend into the higher worlds: the angels, archangels, spirits of personality, and so on are spread out around them just as minerals, plants, and animals are spread out around them in the physical world. But that is not exactly how it is, I would say. We must accustom ourselves to forming a completely different mental image of our relationship to the other, the spiritual world, the very moment we cross the threshold into the spiritual world. We must take completely seriously what has often been said: that the moment we take even a single step into the spiritual world—that is, the moment we expand our capacity for perception—we in a certain sense grow together with the beings around us, so that our own being extends over them. And I have often used the trivial—indeed, not very elegant, but nonetheless apt—expression: we crawl into the beings; we grow together with them. In relation to the physical plane, we always perceive the beings as being outside of us, and what we perceive of them enters into us. In relation to the beings of the higher worlds, we must feel as though we are entering into them. And just as the beings of the mineral, plant, and animal kingdoms allow themselves to be perceived by us, so must we allow ourselves to be perceived by the beings of the higher hierarchies; that is to say, we become objective objects of perception, beings of perception for the beings of the higher hierarchies. I would like to say: just as the various animals are spread out for us out there in space so that we can look at them, so are we looked upon by the beings of the higher hierarchies. They look down upon us. And we experience the fact that they are looking at us; this is actually what the perception of the higher beings consists of. One should therefore always say—not: “I perceive an angel”—for that does not quite correspond to the experience—but rather: “I sense, I feel that I am being perceived by an angel.”

[ 5 ] Dieses Erleben, das ist dasjenige, was wir genau ins Auge fassen müssen, wenn wir von den Welten sprechen, die jenseits der Schwelle der geistigen Welt liegen. Die Sprache, die gewöhnliche Volkssprache hat da oftmals treffende Ausdrücke, die sie, ich möchte sagen, mitten hineinmischt in das Alltagsleben. Wenn aufmerksam gemacht wird durch die Volkssprache, daß wir, was wir auch immer tun, beobachtet werden — entweder, wie man nach dem neueren Bewußtsein sagt; von Gott selber, oder wie man früher gesagt haben würde: von einem Wesen der nächsthöheren Hierarchie —, wie es etwa in dem schönen Volkssprichwort zum Ausdrucke kommt:

[ 5 ] This experience is precisely what we must focus on when we speak of the worlds that lie beyond the threshold of the spiritual world. The language—the common vernacular—often has apt expressions that, I would say, are woven right into everyday life. When the vernacular draws our attention to the fact that, whatever we do, we are being observed—either, as the newer consciousness would say, by God Himself, or, as one would have said in the past, by a being of the next higher hierarchy—as is expressed, for example, in the beautiful folk proverb:

Wo ich bin und was ich tu,
sieht mir Gott, mein Vater zu,

Wherever I am and whatever I do,
God, my Father, is watching over me,

[ 6 ] so ist es in der Tat ein treffender Ausdruck für den Tatbestand, den die Geisteswissenschaft entdeckt. Und so könnte man, wenn man die Volkssprache absuchen würde gerade nach älteren Ausdrücken, schon aus dem Vorhandensein solcher Ausdrücke den unwiderlegbaren Schluß ziehen, daß man in früheren Zeiten mehr gewußt hat, aus einem naiven, ursprünglich elementaren Schauen heraus, von dem, was wirklich der Fall ist mit Bezug auf das Angeschautwerden des Menschen durch die Wesenheiten der höheren Welten, als heute in unserem materialistischen Zeitalter der Mensch von diesem Tatbestande weiß.

[ 6 ] it is indeed an apt expression for the reality that Spiritual Science has uncovered. And so, if one were to search the vernacular specifically for older expressions, draw the irrefutable conclusion, based solely on the existence of such expressions, that in earlier times people knew more—through a naive, originally elementary perception—about what is actually the case regarding the observation of human beings by the beings of the higher worlds than people know about this reality today in our materialistic age.

[ 7 ] Nun liegt es nahe, zu fragen, wie das mehr im Konkreten beschaffen ist, wenn uns Wesenheiten der höheren Hierarchien zuschauen, und da ist es doch ganz interessant, einmal gerade über diesen Gegenstand eine, wenn auch vielleicht etwas abliegende Betrachtung anzustellen. Sie werden morgen sehen, daß wir gerade von dieser etwas abliegenden Betrachtung zu einem sehr nahe liegenden Gegenstand aufsteigen werden, und so müssen Sie schon verzeihen, wenn heute eine etwas abseits liegende Betrachtung angestellt wird.

[ 7 ] Now it stands to reason to ask what this actually entails in concrete terms when beings from the higher hierarchies are observing us, and it is indeed quite interesting to offer a reflection—albeit perhaps a somewhat tangential one—on precisely this subject. You will see tomorrow that we will move from this somewhat tangential reflection to a very obvious subject, so please forgive us if today’s reflection strays a bit from the main topic.

[ 8 ] Außer dem, was ich eben gesagt habe, möchte ich noch an etwas anderes erinnern, das auch schon öfter auseinandergesetzt worden ist. Wir Menschen haben als eine wichtige Seelenfähigkeit während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod in uns ja das Gedächtnis, und ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht, was alles an dem Gedächtnisse hängt. In dem Augenblicke, wo das Gedächtnis für unsere Erinnerungen durchbrochen sein würde, würde überhaupt unser ganzes zusammenhängendes Ich gestört sein. Der fortgehende Faden unseres Ich würde abreißen. Solche Menschen — ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht —, bei denen das stattfindet, kommen in sehr unglückliche Lebenslagen. So kann es vorkommen, daß jemand plötzlich durch irgendwelche elementaren Einflüsse den Faden seines Gedächtnisses abgerissen bekommt. Das kann stattfinden, ohne daß dabei der Verstand oder die Urteilskraft im allergeringsten Maße leiden; die können ganz erhalten bleiben. Und so kann es dann eintreten, daß ein solcher Mensch, da er nun nicht mehr weiß, wer er gestern gewesen ist, den Zusammenhang nicht mehr hat mit seinen Erlebnissen von gestern, vorgestern und so weiter, aber aus dem ganz intakt gebliebenen Verstande heraus nach Basel fährt, sich dort weiter ein Billett nimmt, sich in den Zug setzt und — nun, jetzt würde es jaschwierig sein, aber die Dinge sind schon vorgekommen — plötzlich in Bombay wieder entdeckt, wer er eigentlich ist. Zwischendurch hat er alles, was notwendig war, um die Reise zu bewerkstelligen von irgendeinem Ort nach dem anderen, selbst nach dem Ort eines fernen Weltteiles, ganz gescheit gemacht. Ihm fehlte ja nicht der Verstand, noch die richtige Urteilskraft, sondern ihm fehlte nur der Zusammenhang seines Gedächtnisses. — Solche Krankheitsfälle sind viele, viele vorgekommen. Ich habe es selbst bei einem mir bekannten Manne erlebt, wie der eines Tages sein Gedächtnis abgerissen bekommen hat und weit herumgereist ist in der Welt, dann sich in einer mitteleuropäischen Stadt wiederum fand, nachdem er sich dort, noch mit abgerissenem Gedächtnis, gemeldet hatte in einem Asyl für Obdachlose. Erst nach drei Wochen kam er wieder zu sich, nachdem sein Gedächtnis wieder eingesetzt hatte.

[ 8 ] In addition to what I just said, I would like to mention something else that has also been discussed on numerous occasions. We humans possess memory as an important soul faculty during our lives between birth and death, and I have often drawn attention to all that is connected to memory. The moment the memory for our recollections were to be severed, our entire coherent sense of self would be disrupted. The continuous thread of our sense of self would be broken. Such people—as I have often pointed out—who experience this find themselves in very unfortunate life situations. It can happen, for example, that someone’s thread of memory is suddenly severed by some elemental influences. This can occur without the intellect or the power of judgment suffering in the slightest; these faculties can remain entirely intact. And so it can happen that such a person—since they no longer know who they were yesterday, and have lost the connection to their experiences from yesterday, the day before, and so on—but, drawing on their intellect, which has remained completely intact, travels to Basel, buys another ticket there, gets on the train, and—well, now that would be difficult to believe, but such things have indeed happened—suddenly rediscovers in Bombay who he actually is. In the meantime, he managed everything necessary to complete the journey from one place to another—even to a location on a distant continent—quite competently. He lacked neither intellect nor sound judgment; he merely lacked the coherence of his memory. — There have been many, many such cases. I myself witnessed this in a man I knew, who one day lost his memory and traveled far and wide across the world, only to find himself back in a Central European city after he had checked into a shelter for the homeless there—while his memory was still impaired. It was only after three weeks that he came to his senses, once his memory had returned.

[ 9 ] Diese Kraft des Gedächtnisses, diese Möglichkeit des Zusammenhaltens unserer Erlebnisse, die gehört zu dem Wichtigsten, was wir haben auf dem physischen Plane. Sie verwandelt sich, diese Kraft des Gedächtnisses, in dem Augenblicke, wo wir entweder die Pforte der Initiation durchschreiten, oder aber wo wir durch den physischen Tod hindurchgehen. Ich will nur von dem letzteren Falle sprechen.

[ 9 ] This power of memory, this ability to hold our experiences together, is among the most important things we have on the physical plane. This power of memory is transformed at the moment when we either pass through the gate of initiation or when we pass through physical death. I will speak only of the latter case.

[ 10 ] Wenn wir durch den physischen Tod hindurchgehen, so brauchen wir nicht mehr ein solches Gedächtnis, wie wir es in der physischen Welt hatten, denn wir sehen da dasjenige, was stehen geblieben ist von den Ereignissen, was sich eingeschrieben hat in die Akasha-Chronik der Welt. Wir brauchen nur hinzuschauen auf etwas Vergangenes; wir brauchen uns nicht zu erinnern. Aber die Erinnerungskraft ist da; sie verwandelt sich nur in eine andere, in eine aktivere Kraft des inneren Seelenlebens. Die Kraft ist da.

[ 10 ] When we pass through physical death, we no longer need the kind of memory we had in the physical world, for there we see what remains of events—what has been inscribed in the world’s Akashic Records. We need only look at something from the past; we do not need to remember it. But the power of memory is still there; it merely transforms into a different, more active force of the inner life of the soul. The power is there.

[ 11 ] Es ist nun viel davon abhängig, daß wir für unser Leben auf dem physischen Plane gerade das Gedächtnis so ausgebildet haben, wie wir es haben in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode. Daß unser Gedächtnis für die gewöhnlichen Verhältnisse des Lebens nicht zurückreicht in Zustände, die wir durchgemacht haben zwischen dem letzten Tode und der diesmaligen Geburt, das ist von einer wesentlichen Bedeutung. Denn nur dadurch kann zustande gebracht werden, daß sich gewisse Kräfte verdichten und durch diese Verdichtung zu den Gedächtniskräften werden, die eben so funktionieren wie unser Gedächtnis zwischen Geburt und Tod.

[ 11 ] Much now depends on the fact that, for our life on the physical plane, we have developed our memory precisely as it is between birth and death. The fact that, under normal circumstances, our memory does not extend back to states we experienced between our last death and this present birth is of essential importance. For only in this way can certain forces be condensed and, through this condensation, become the powers of memory that function exactly as our memory does between birth and death.

[ 12 ] Es ist das eine rein menschliche Eigenschaft, daß wir ein solches Gedächtnis haben, das sich im wesentlichen erstreckt auf das Leben zwischen der Geburt und dem Tode. Kein anderes Wesen der Welt hat ein solches Gedächtnis, hat gerade ein solches Gedächtnis, das so wirkt, daß, wenn dieses Wesen zu seiner Verkörperung oder — wie wir bei Engeln sagen müßten — zu seiner Ätherisierung schreitet, das Gedächtnis aufleuchtet und dann bis zu einem anderen Zustande, der bei uns Menschen der Tod ist, bleibt. Andere Wesenheiten anderer Weltordnungen haben eben diese selben Kräfte, die bei uns im Gedächtnisse liegen, in einer ganz anderen Weise ausgebildet.

[ 12 ] It is a purely human characteristic that we possess a memory that essentially extends to the life between birth and death. No other being in the world possesses such a memory—a memory that functions in such a way that, when this being proceeds to its incarnation or—as we would have to say of angels—to its etherization, the memory is illuminated and then persists until another state, which for us humans is death. Beings of other world orders possess precisely these same powers—which in us reside in the memory—developed in an entirely different way.

[ 13 ] Nun ist es außerordentlich interessant, zu beobachten, wie erstens in bezug auf ihre Wahrnehmungsfähigkeit, und zweitens in bezug auf ihr Gedächtnis, uns ungleich sind die Wesenheiten der nächsthöheren Hierarchie, die Wesenheiten der Hierarchie der Angeloi. Diese Angeloi nehmen Verschiedenes wahr von dem, was wir Menschen vollbringen, gewiß auch von dem, was zugrunde liegt unseren Taten und Handlungen auf dem physischen Plan; sie sehen uns an, sie nehmen uns wahr. Wir sind für sie Objekte der Wahrnehmung. Aber unter anderem ist etwas besonders wichtig, was sie an uns wahrnehmen: das ist das ganze Wesen unseres Sprechens.

[ 13 ] It is now extremely interesting to observe how the beings of the next higher hierarchy—the beings of the hierarchy of the Angeloi—differ from us, first in terms of their perceptual abilities and second in terms of their memory. These Angeloi perceive various aspects of what we humans accomplish, certainly including what underlies our deeds and actions on the physical plane; they look at us, they perceive us. We are objects of perception for them. But among other things, there is one aspect they perceive in us that is particularly important: the very essence of our speech.

[ 14 ] Unser Sprechen ist ja gegenüber dem, was wir als Verlauf unseres Denkens, als Verlauf unserer Ideen betrachten, etwas mehr oder weniger recht Unbewußtes. Das Denken verläuft bei uns Menschen in einem gewissen hohen Grade bewußt; das Sprechen ist nicht in demselben Grade bewußt. Es erfordert nur eine ganz geringe Selbstbeobachtung, wenn man wissen will, daß man nicht in demselben Maße bewußt spricht, wie man bewußt denkt. Wollte man so bewußt sprechen, wie man bewußt denkt — Sie können es glauben — man würde etwas ganz Gehöriges zusammenstottern in der Welt. Nur dadurch sprechen wir so geläufig, wie wir sprechen, daß wir nicht immer nachzudenken brauchen, wie wir den einen oder den anderen Buchstaben formen sollen. Müßten wir erst nachdenken — ich will gar nicht einmal sagen bis in den physischen, sondern nur bis in den astralischen Leib herein —, müßten wir darüber nachdenken, was wir da zu tun haben in unserem astralischen Leib, wenn wir ein t oder ein d oder ein h formen sollen, so würden wir nun wahrhaftig jenes geläufige Sprechen, das wir haben, nicht haben können. Gerade dadurch handhaben wir die Sprache als etwas Gewohnheitsmäßiges, daß sich über unsere Sprache unser Bewußtsein nicht in derselben Weise ausgießt, wie über unser Denken, über das es sich wenigstens bis zu einem gewissen Grade ausdehnt. Bis zu einem gewissen Grade, denn vollständig dehnt sich das Bewußtsein auch nicht über unser Denken aus.

[ 14 ] Our speech is, after all, more or less unconscious compared to what we regard as the course of our thinking, as the course of our ideas. Thinking, for us humans, takes place to a certain high degree of consciousness; speech is not conscious to the same degree. It requires only a very slight degree of self-observation to realize that one does not speak as consciously as one thinks. If one were to speak as consciously as one thinks—believe me—one would stammer out something quite a mess. It is only because we do not always have to think about how to form one letter or another that we speak as fluently as we do. If we first had to think—I don’t even mean down into the physical body, but only into the astral body—if we had to think about what we are supposed to do in our astral body when we are to form a t or a d or an h, then we truly would not be able to speak as fluently as we do. It is precisely because we handle language as something habitual that our consciousness does not extend over our speech in the same way as it does over our thinking, over which it extends at least to a certain degree. To a certain degree, for consciousness does not extend completely over our thinking either.

[ 15 ] Nun leben wir aber eigentlich in der Welt gerade durch unsere Sprache etwas dar. Wir Menschen beachten das nur nicht. Aber denken Sie sich einmal, Sie könnten sich in irgendein Häuschen zurückziehen, in dem Sie einen Apparat hätten, durch den Sie alles, was von den Menschen auf der Erde an einem Tage gesprochen wird, wahrnehmen könnten; und damit Sie das besser könnten, nehmen wir an, es würde das Häuschen so eingerichtet sein, daß Sie nicht gestört werden durch Wahrnehmungen von etwas anderem. Also irgendeinen Apparat hätten Sie da, der Ihnen nur alles das, was auf Erden gesprochen würde, vermittelte. Sie würden also ganz nur in dem leben, was auf der Erde gesprochen wird.

[ 15 ] But in fact, it is precisely through our language that we exist in the world. We humans just don’t pay attention to that. But imagine for a moment that you could retreat to some little cottage where you had a device through which you could perceive everything spoken by people on Earth in a single day; and so that you could do this better, let’s assume the cottage would be set up in such a way that you wouldn’t be disturbed by perceptions of anything else. So you would have some kind of device there that would convey to you only everything that is spoken on Earth. You would thus live entirely within what is spoken on Earth.

[ 16 ] Vergleichen Sie das mit Ihrer Umwelt, die Sie haben als Mensch. Da haben Sie die Wesen des mineralischen, des pflanzlichen und des tierischen Reiches: das ist Ihre reale Welt. Wenn Sie so, wie ich gesagt habe, in Ihrem Häuschen sitzen würden, so würde alles das, was da gesprochen wird, Ihre Welt sein; das würde das Reich sein, das um Sie herum sich ausbreitet.

[ 16 ] Compare this to the environment you have as a human being. There you have the beings of the mineral, plant, and animal kingdoms: that is your real world. If you were sitting in your little house, as I described, then everything that is spoken there would be your world; that would be the realm that extends all around you.

[ 17 ] Es gehört eigentlich gar nicht so viel dazu, sich durch okkulte Entwickelung in diesem Reiche darinnen zu fühlen, das dann allerdings kein Häuschen, sondern ein geistiger Entwickelungszustand ist. Man fühlt sich dann so darinnen, daß man weiß: man ist jetzt in einer Region, wo — ich möchte sagen, mit Ausschluß desjenigen, was die Menschen auf dem physischen Plane in ihre Worte durch ihre oft recht vertrackten Begriffe hineinlegen, mit Ausschluß also der Begriffswelt — die Engel zuhören, wie die Menschen sprechen. Also man ist in einer Welt, wo man weiß: Jetzt hören die Engel zu bei allem, was die Menschen sprechen.

[ 17 ] It actually doesn’t take much to feel at home in this realm through occult development—though it is, of course, not a little house, but a state of spiritual development. One feels so at home there that one knows: one is now in a region where—I would say, excluding what people on the physical plane put into their words through their often quite convoluted concepts, that is, excluding the world of concepts—the angels listen to how people speak. So one is in a world where one knows: Now the angels are listening to everything that people say.

[ 18 ] Das ist durchaus ein reales Erlebnis; es wird nur nicht gehörig beachtet von denjenigen, die eine okkulte Entwickelung durchmachen, weil sehr bald also zuerst der Zustand eintritt, daß man wie betäubt ist von dem, was da durcheinander geschnattert wird. Das verursacht, ich möchte sagen, eine Art von Lähmung; dadurch wird es zu wenig beobachtet. Es kommt aber darauf an, daß man sich entsprechend innerlich wieder verstärkt, und dann kommt man zur Wahrnehmung von etwas ganz anderem. Man überhört all das Geschnatter und nimmt etwas ganz anderes wahr. Man ist dann in der Region, in welcher das Sprechen so gesetzmäßig lebt, wie, sagen wir, die Mineralien gesetzmäßig leben in ihren Naturgesetzen hier auf dem physischen Plan. Man nimmt dann nicht mehr das nutzlose Gerede wahr, sondern man nimmt die Gesetze wahr, nach denen gesprochen wird.

[ 18 ] This is certainly a real experience; it is simply not given due attention by those undergoing occult development, because very soon—that is, right from the start—one enters a state of being, as it were, numbed by all the jumbled chatter going on. This causes, I would say, a kind of paralysis; as a result, it is not observed closely enough. But what matters is that one strengthens oneself inwardly accordingly, and then one comes to perceive something entirely different. One tunes out all that chatter and perceives something entirely different. One then finds oneself in the realm where speech exists in accordance with laws, just as, let us say, minerals exist in accordance with their natural laws here on the physical plane. One no longer perceives the useless chatter, but rather perceives the laws according to which speech occurs.

[ 19 ] Nun hat man allerdings gewisse Schwierigkeiten zu überwinden, denn diese Wahrnehmungen reißen alle Augenblicke ab, weil man und jetzt komme ich zu dem anderen — eben das Gedächtnis der Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi haben müßte, wenn man die Gesetzmäßigkeit, die da herrscht in der Welt, von der ich eben gesprochen habe, wahrnehmen wollte. Würde man nämlich hinuntersteigen in die Welt, über der wir stehen, und die wir kennen als die mineralische Welt, wo wir nur die Gesetzmäßigkeit haben, würden wir da hineinsteigen, so würden wir in der mineralischen Welt zunächst gerade so betäubt sein, wie wir betäubt sind, wenn wir all das Durcheinandersprechen der Erdenmenschheit hören. Aber wir sind schon durch unsere menschliche Entwickelung über diesen Betäubungszustand hinaus; wir nehmen nur die Gesetzmäßigkeit der mineralischen Welt wahr. So würden wir auch die Gesetzmäßigkeit des Sprechens wahrnehmen, aber es gehört das Gedächtnis der Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi dazu. Und da kann man nun in einer wirklich sehr anschaulichen Weise erleben, wie das Verhältnis, ich möchte sagen, einer Weltschicht zu einer anderen Weltschicht ist.

[ 19 ] Now, however, there are certain difficulties to overcome, for these perceptions are constantly interrupted—and here I come to the other point—namely, that one would need to possess the memory of the beings from the hierarchy of the Angeloi if one were to perceive the laws that govern the world I have just spoken of. For if one were to descend into the world below us—which we know as the mineral world, where only the laws of nature prevail—and were to enter it, we would initially be just as numbed in the mineral world as we are when we hear all the jumbled speech of humanity on Earth. But through our human development, we have already moved beyond this state of numbness; we perceive only the laws of the mineral world. In the same way, we would also perceive the laws of speech, but this requires the memory of the beings from the hierarchy of the Angeloi. And there one can experience in a truly vivid way what the relationship is—I would say—between one world layer and another.

[ 20 ] Das ist ja eigentlich das Wesentliche beim Wahrnehmen höherer Welten, daß, wenn man aus einer Weltschicht in eine andere Weltschicht kommt, man in ganz andere Verhältnisse sich versetzt fühlt, in ganz andere innerliche Gesetze. Das ist das Wesentliche, daß man, wenn man von einer Welt in eine andere übergeht, sich sagt: es ist nicht nur so, daß man in verschiedene Regionen einer und derselben Welt kommt, sondern man kommt in eine andere Welt hinein auf diese Weise, daß man sich versetzt in die Region, wo die Engel beobachten die Gesetzmäßigkeit der menschlichen Sprache auf der Erde. Man kommt in eine Region hinein, wo ganz andere Zeitbegriffe, möchte ich sagen, herrschen, als in unserer physischen Welt, in eine Region, in der deshalb auch ein längerer Gedächtnisfaden notwendig ist.

[ 20 ] That is, in fact, the essential point in perceiving higher worlds: that when one passes from one layer of the world into another, one feels transported into entirely different circumstances, governed by entirely different inner laws. That is the essential point: that when one passes from one world to another, one says to oneself: it is not merely a matter of entering different regions of one and the same world, but rather one enters another world in such a way that one finds oneself in the region where the angels observe the laws governing human language on Earth. One enters a region where, I would say, entirely different concepts of time prevail than in our physical world—a region in which, for this reason, a longer thread of memory is also necessary.

[ 21 ] Und da kommt man nun darauf, ich möchte sagen, von der anderen Seite des Lebens her etwas zu entdecken, was von der physischen Seite her im Laufe des 19. Jahrhunderts einigen Leuten, zum Beispiel Jakob Grimm klar geworden ist: nämlich gewisse Gesetzmäßigkeiten in der Fortentwickelung der menschlichen Sprache. Zu außerordentlich interessanten Einblicken in den inneren gesetzmäßigen Gang des Weltenalls kommt man auf diese Weise.

[ 21 ] And so one comes to discover—I would say—from the other side of life something that, from a physical perspective, became clear to some people during the 19th century, such as Jakob Grimm: namely, certain laws governing the evolution of human language. In this way, one gains extraordinarily interesting insights into the inner, law-governed workings of the universe.

[ 22 ] Sehen Sie, wenn man als Mensch spricht, so achtet man ja nicht und das liegt wiederum in dem unbewußten Charakter des Sprechens — auf die innere Kraft eines Buchstabens, eines Lautes, sondern diese innere Kraft, das Spiel der inneren Kräfte des Buchstabens, des Lautes, spielt sich im Unterbewußten ab, und man ist als Mensch mit seinem Bewußtsein außerhalb dieser Region, in der das, was für uns unterbewußt ist im Sprechen, bewußt ist. Für die Region der Angeloi ist das aber bewußt. Nehmen wir einmal an, zum Beispiel, wir sprechen irgendein Wort aus, in dem der Laut \(s\), oder auch das englische \(th\), was lautlich gleichwertig ist mit unserem \(s\), eine wichtige Rolle spielt. Nicht wahr, wir mit unserem menschlichen Bewußtsein denken, wenn wir ein solches Wort aussprechen, in dem das \(s\) oder ein \(th\) eine wichtige Rolle spielt, nicht an die kosmischen Kräfte, welche in dem \(s\) oder \(th\) liegen, sondern wir denken an den Begriff, der sich in diesem Zusammenhang, in dem der Laut drinnen ist, ausspricht, weil wir mit unserem Bewußtsein nicht in der Region sind, wo der Laut \(s\) eine innere Wesenheit entwickelt. Für uns liegt der Laut außerhalb unseres Bewußstseins, ist kein unmittelbares Erleben; für das Bewußtsein der Angeloi ist der Laut aber unmittelbares Erleben. Der Engel erlebt in der Kraft des Lautes etwas ganz Besonderes.

[ 22 ] You see, when a person speaks, they do not pay attention—and this, in turn, stems from the unconscious nature of speech—to the inner power of a letter or a sound; rather, this inner power, the interplay of the inner forces of the letter and the sound, takes place in the subconscious, and as human beings, our consciousness lies outside this region, where what is subconscious to us in speech is conscious. For the region of the Angeloi, however, this is conscious. Let’s assume, for example, that we pronounce a word in which the sound \(s\), or the English \(th\)—which is phonetically equivalent to our \(s\)—plays an important role. Isn’t it true that, with our human consciousness, when we pronounce such a word in which the \(s\) or a \(th\) plays an important role, we do not think of the cosmic forces that lie within the \(s\) or \ (th), but rather we think of the concept that is expressed in this context, in which the sound is contained, because our consciousness is not in the realm where the sound \(s\) develops an inner essence. For us, the sound lies outside our consciousness; it is not a direct experience; for the consciousness of the Angeloi, however, the sound is a direct experience. The angel experiences something very special in the power of the sound.

[ 23 ] Nun, wir mit unserem physischen Bewußtsein haben ein solches Wort vor uns, welches, ich will sagen, als einen wichtigen Bestandteil diesen Laut \(s\), \(ss\) oder \(th\) hat; das Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, indem es diesen Laut von einem Menschen ausgesprochen empfindet, erinnert sich mit seinem weitergehenden Gedächtnis an frühere Zustände des menschlichen Sprechens, an weit zurückliegende Zeiten, und es muß zusammenbringen diesen Laut, der in diesem Worte ist, mit dem Laute, aus dem er geworden ist. Und da erinnert sich bei einem \(s\) oder \(th\) ein solches Bewußtsein dieses Wesens aus der Hierarchie der Angeloi sofort an ein \(t\); das heißt: es hat einmal eine Zeit gegeben, wo das \(th\) oder das \(s\) ein \(t\) war; und es hat eine noch frühere Zeit gegeben, in der das \(t\) ein \(d\) war.

[ 23 ] Now, we, with our physical consciousness, have such a word before us which, I would say, contains this sound \(s\), \(ss\), or \(th\) as an important component; the being from the hierarchy of the Angeloi, upon perceiving this sound as spoken by a human being, recalls—through its far-reaching memory—earlier states of human speech, times long past, and must connect this sound, which is in this word, with the sound from which it originated. And so, when encountering an \(s\) or \(th\), such a consciousness of this being from the hierarchy of the Angeloi immediately recalls a \(t\); that is to say: there was once a time when the \(th\) or the \(s\) was a \(t\); and there was an even earlier time when the \(t\) was a \(d\).

[ 24 ] Stellen Sie sich nun ein solches Gedächtnis einmal vor. Also ich sagte: ein Engel hört ein Wort, in dem ein \(s\) oder ein \(th\) ist; jetzt erinnert er sich sofort an die Form des Wortes, die einmal da war, bei der also an der Stelle, wo jetzt das \(s\) oder \(th\) steht, ein \(t\) gestanden hat; und ferner erinnert er sich, daß in noch früheren Zeiten an derselben Stelle ein \(d\) gestanden hart.

[ 24 ] Now imagine a memory like that. So I said: an angel hears a word that contains an \(s\) or a \(th\); now he immediately recalls the form of the word as it once was, in which a \(t\) used to stand in the place where the \(s\) or \(th\) is now; and furthermore, he recalls that in even earlier times, a \(d\) used to stand in that same place.

[ 25 ] Dies kommt aus einer ganz bestimmten Tatsache heraus, aus der Tatsache, daß solche Umformungen, solche Transformationen der Laute nach einem ganz bestimmten Gesetze vor sich gehen, daß der Laut fortschreitet, und zwar so fortschreitet, daß er seine Kraft zuerst vorzugsweise heraus entwickelt aus dem Astralischen.

[ 25 ] This stems from a very specific fact—namely, that such transformations of sounds occur according to a very specific law, that the sound progresses, and does so in such a way that it initially develops its power primarily from the astral realm.

[ 26 ] Nun hat er die folgende Tendenz: wenn er eine Zeitlang so gelebt hat in dem Worte, daß er sich aus dem Astralischen heraus entwikkelt hat, das heißt, wenn der Mensch hauptsächlich sein Astralisches angestrengt hat oder anstrengt, um einen Laut hervorzubringen, so gibt es in der späteren Zeit Menschen, welche nicht mehr das Astralische, sondern vorzugsweise das Ätherische anstrengen an derselben Stelle, so daß der Laut gleichsam im Ätherischen zunächst veranlagt wird. Und wenn nun wiederum eine Zeit vergangen ist, wo der Mensch darinnen gelebt hat, im Ätherischen den Laut anzulegen, so kommt er dazu, ihn mehr in das Physische hinunter zu versetzen, ihn im Physischen anzulegen.

[ 26 ] Now he has the following tendency: once he has lived this way for a time—in the sense that he has developed himself out of the astral realm— that is, when a person has primarily exerted—or continues to exert—their astral body to produce a sound, there will later be people who no longer exert the astral body but rather, and primarily, the etheric body in the same way, so that the sound is, as it were, initially formed in the etheric body. And when, in turn, a period has passed during which human beings have lived by forming the sound in the etheric, they come to shift it further down into the physical, to form it in the physical.

[ 27 ] Dieses ist sehr regelmäßig: Wenn zum Beispiel hingeschaut wird auf irgendein Wort, das in einer Zeit so gesprochen wird, daß ein Laut, ein hauptsächlicher Laut in dem Worte im Ätherischen veranlagt wird, dann kann man in späterer Zeit finden — ganz abgesehen von der Bedeutung, denn das Wort kann selbst seine Bedeutung ändern —, daß in demselben Wort später der Laut im Physischen veranlagt wird, und noch später wiederum im Astralischen; noch später würde er wieder veranlagt werden im Ätherischen.

[ 27 ] This is very consistent: If, for example, one looks at any word that is spoken at a certain time in such a way that a sound—a primary sound in the word—is imprinted in the etheric, then one may find at a later time—quite apart from the meaning, for the word itself may change its meaning—that in the same word the sound is later imprinted in the physical, and still later in the astral; and even later, it would be imprinted once more in the etheric.

[ 28 ] Die Laute haben eine Tendenz fortzuschreiten im Laufe der Entwickelung. Und so wie wir beobachten das Fortschreiten der Pflanzenwelt von dem grünenden Blatt im Frühling bis zu dem Heraufkommen der Blüte, zu dem Entwickeln der Früchte, und wiederum zu dem Verfall, so beobachtet das Wesen aus der Hierarchie der Angeloi das Fortschreiten der Laute in dem Reiche, das ich Ihnen ja charakterisiert habe als das Reich der Sprache. Sie sind, ich möchte sagen, verschieden hineinpostiert in die Sprache, in das Sprachreich. Vor irgendeinem Laut, der einmal im Astralischen darinnen postiert ist, findet das Wesen aus der Hierarchie der Angeloi nach einiger Zeit, daß dieser Laut durchaus im Ätherischen erscheint, und nach einiger Zeit wieder im Physischen. Wenn es einen Laut zu irgendeiner Zeit im Physischen beobachtet: nach einiger Zeit ist er im Astralischen darinnen. So daß wirklich eine rhythmische Bewegung in der Lautentwickelung zu beobachten ist, wenn man das Reich der Sprache ins Auge faßt; eine rhythmische Bewegung geht so herum (siehe Zeichnung). Dies ist das Tieferliegende für das Gesetz der Lautverschiebung, das wohl einige von Ihnen kennen werden, das Jakob Grimm im 19. Jahrhundert in seiner Art, von einem mehr materialistischen Standpunkte aus, charakterisiert hat.

[ 28 ] Sounds tend to evolve as they develop. And just as we observe the progression of the plant world from the greening of the leaves in spring to the emergence of blossoms, to the development of fruit, and then back to decay, so too does the being from the hierarchy of the Angeloi observe the progression of sounds in the realm that I have described to you as the realm of language. They are, I might say, stationed at various points within language, within the realm of language. When a sound is first stationed in the astral realm, the being from the hierarchy of the Angeloi observes, after some time, that this sound appears in the etheric realm, and after some time again in the physical realm. When it observes a sound in the physical realm at any given time, after some time it is present in the astral realm. Thus, a rhythmic movement can truly be observed in the development of sounds when one considers the realm of language; a rhythmic movement circulates in this way (see diagram). This is the deeper basis for the law of sound shift, which some of you may be familiar with, and which Jakob Grimm characterized in the 19th century from a more materialistic standpoint.

Diagram 1Diagram 1

[ 29 ] Wenn wir gerade dieses Beispiel nehmen — die Umbildung des \(d\) in das \(t\), dann in das \(s\), das denselben Wert hat wie das \(th\) —, wenn wir dieses Beispiel nehmen, so sehen wir, daß das \(d\) dadurch hervorgerufen wird, daß sich der ganze Mensch mit all seinen vier Gliedern gewissermaßen einen Schwerpunkt schafft im Astralischen: dadurch bringt er das \(d\) hervor. Das \(t\) bringt er hervor dadurch, daß er sich einen Schwerpunkt schafft im Ätherischen. Das \(s \)oder \(th\) bringt er hervor, indem er sich einen Schwerpunkt verschafft im Physischen.

[ 29 ] If we take this particular example—the transformation of \(d\) into \(t\), then into \(s\), which has the same value as \(th\) —, if we take this example, we see that the \(d\) is brought about by the whole human being, with all four of its limbs, creating, as it were, a center of gravity in the astral realm: in this way, it brings forth the \(d\). It brings forth the \(t\) by creating a center of gravity in the etheric realm. He produces the \(s\) or \(th\) by establishing a center of gravity for himself in the physical realm.

[ 30 ] Sie sehen, was an Interessantem zugrunde liegt einem solchen Fortschreiten, einer solchen Wandelung eines Wortes durch die Zeiten hindurch. Ich möchte dies einmal an einem naheliegenden Beispiel zeigen. Nehmen wir zum Beispiel das Wort: \(ϑήρ\), dius, Tier. Das ist dasselbe Wort, nur zu verschiedenen Zeiten. Hier (griechisch) haben wir das Wort mit einem \(th\) \((ϑήρ)\); das würde dasselbe sein \((ϑ)\) wie unser \(s\), dasselbe wie das englische \(th\). Die Weiterentwickelung fände so statt, daß es die Tendenz hat, hier herüber zu gehen (gotisch): es würde aus dem \(th\) ein \(d\) werden; und wenn es sich weiter entwickelt, würde aus dem \(d\) ein \(t\) werden: es geht in das Ätherische hinein. Nun haben wir hier in der Tat \(ϑήρ\) (griechisch); ‚hier haben wir «dius» (gotisch) und hier haben wir «Tier» (deutsch). So ist das Wort im Griechischen \((ϑήρ)\), so ist das Wort im Gotischen (dius), so ist das Wort im Deutschen (Tier). Das ist dasselbe Wort, ganz dasselbe Wort. Im Griechischen lag es seinem Schwerpunkte nach im Physischen. Es hatte die Tendenz, herüber zu gehen ins Astralische in der nächsten Sprache, im Gotischen; es hatte die Tendenz herüber zu gehen ins Ätherische, wurde zum Worte «Tier» im Deutschen.

[ 30 ] You can see what is interesting about the underlying process of such a progression, such a transformation of a word through the ages. I would like to illustrate this with a simple example. Let’s take, for example, the word: \(ϑήρ\), dius, animal. This is the same word, just at different times. Here (in Greek) we have the word with a \(th\) \((ϑήρ)\); that would be the same \((ϑ)\) as our \(s\), the same as the English \(th\). The further development would take place in such a way that it tends to shift over here (Gothic): the \(th\) would become a \(d\); and as it develops further, the \(d\) would become a \(t\): it moves into the ethereal realm. Now we do indeed have \(ϑήρ\) (Greek) here; here we have “dius” (Gothic), and here we have “Tier” (German). So the word is \((ϑήρ)\) in Greek, it is “dius” in Gothic, and it is “Tier” in German. It is the same word, exactly the same word. In Greek, its emphasis lay in the physical realm. It tended to shift toward the astral realm in the next language, Gothic; it tended to shift toward the etheric realm, becoming the word “Tier” in German.

Diagram 1Diagram 1

[ 31 ] Nehmen Sie ein anderes Wort, ein anderes Beispiel. Nehmen wir das Griechische ist hier gleichbedeutend mit dem Lateinischen —, nehmen wir zum Beispiel das Wort «decem». Wir haben hier im Lateinischen das Wort im Astralischen. Würde das Wort bis zum Gotischen die Tendenz haben, hier zum Ätherischen herüber zu gehen, so müßte das \(d\) in ein \(t\) sich verwandeln; und «taihun» heißt es auch im Gotischen. Indem es sich aus dem Gotischen ins Deutsche entwickelt, vom Ätherischen ins Physische, würde sich verwandeln das t in z, es würde also lauten im Deutschen «zehn».

[ 31 ] Take another word, another example. Let’s assume that Greek is synonymous with Latin here—let’s take, for example, the word “decem.” Here in Latin, we have the word in the astral realm. If the word were to tend, as it did in Gothic, to shift over into the etheric realm, then the \(d\) would have to change into a \(t\); and in Gothic, it is also called “taihun.” As it develops from Gothic into German—from the etheric to the physical—the “t” would change to a “z,” so in German it would be “zehn.”

Diagram 1Diagram 1

[ 32 ] Ein anderes Wort, das übrigens sehr interessant ist: nehmen Sie das griechische Wort «\(ϑάνατος\)». Das würde, da es hier das \(th\) hat, also das Physische vor allem anschlagen. Es würde die Tendenz haben, ins Astralische herüberzugehen und müßte dann im Gotischen die Tendenz haben, weil es astralisch ist, ein \(d\) zu haben. Es heißt auch «dauthus». Und nun müßte es, indem es sich ins Deutsche hin einentwickelt, nach dem Ätherischen gehen, und ein \(t\) haben. Das hat es auch! Es heißt nämlich «Tod».

[ 32 ] Another word that is, incidentally, very interesting: take the Greek word “\(ϑάνατος\)”. Since it has the \(th\) sound here, it would primarily resonate with the physical realm. It would tend to shift toward the astral realm and, because it is astral, would then have to have a \(d\) in Gothic. It is also called “dauthus.” And now, as it evolves into German, it would have to move toward the etheric and have a \(t\). And that’s exactly what it does! It is, in fact, called “Tod.”

Diagram 1Diagram 1

[ 33 ] Gehen wir nun aus von einem Worte, das hier oben im Ätherischen ist und das im Griechischen ein τ hat: «\(τρεις\)» (treis). Das müßte im Gotischen ein th oder ein s haben. Und das hat es auch, denn es heißt «threis». Hier ist es beim Physischen, nun geht es in das Astralische, und da müßte es ein d haben im Deutschen. Das hat es auch, es heißt: «drei».

[ 33 ] Let us now take a word that exists here in the etheric realm and that has a τ in Greek: “\(τρεις\)” (treis). In Gothic, this would have to have a th or an s. And indeed it does, for it is called “threis.” Here it is in the physical realm; now we move into the astral realm, where it would have a “d” in German. And indeed it does—it is called “drei.”

[ 34 ] Daraus ersehen Sie, daß, wenn Sie absehen von allem, was in der Sprache lebt, von all den Bedeutungen, die in der Sprache leben, daß es in der Sprache noch etwas Besonderes gibt: einen Dreiklang, der aber hervortritt, ich möchte sagen, ganz nach Art einer in die Zeit hinausgedehnten Melodie, einen Dreiklang, den man finden kann. Wenn man irgendwo den Anfangspunkt hat, dann tönen mit die anderen Laute, die an derselben Stelle des Wortes standen zu einer anderen Zeit.

[ 34 ] From this you can see that, if you set aside everything that lives in language—all the meanings that live in language—there is still something special in language: a triad that emerges, I would say, quite like a melody stretched out over time, a triad that can be found. If you have a starting point somewhere, then the other sounds that were in the same place in the word at a different time resonate along with it.

[ 35 ] Nun habe ich Ihnen hier die allereinfachste Verwandlung gewählt. Aber das ist vollkommen ausreichend, denn sonst würde die Sache nur etwas zu kompliziert werden. Solche Verwandlungsgesetze liegen aller Sprachentwickelung zugrunde; bis in die letzten Einzelheiten hinein geregelt, liegen sie aller Sprachentwickelung zugrunde; nur daß in der wirklichen Entwickelung sich die verschiedensten Entwickelungsimpulse durchkreuzen. So ist es interessant zu beobachten, wie der Fortschritt in der Entwickelung der Sprache sich kombiniert, dadurch daß gewisse Sprachen schneller fortschreiten oder überhaupt einen Fortschritt'machen, und gewisse Sprachen ihn nicht mitmachen, diesen Fortschritt.

[ 35 ] Here I have chosen the simplest possible transformation for you. But that is entirely sufficient, because otherwise the matter would become a bit too complicated. Such laws of transformation underlie all language development; regulated down to the finest details, they underlie all language development; except that in actual development, the most diverse developmental impulses intersect. Thus, it is interesting to observe how progress in language development combines, in that certain languages advance more rapidly or make “progress” at all, while certain languages do not share in this progress.

[ 36 ] So nehmen Sie zum Beispiel im Griechischen das Wort «\(ϑάνατος\)» (thanatos), «Tod». Der regelmäßige Fortgang ist vom th zum d, zum t. Beim d steht das Gotische: «dauthus. Das englische «death» ist beim d, beim Gotischen stehen geblieben, hat den weiteren Fortschritt nicht mitgemacht. Im Deutschen aber findet man das Wort mit \(T\): «Tod». Und so ist es überhaupt; wir finden überall, wenn wir darauf achten, daß das Englische in bezug auf die Entwickelung gewisser Buchstaben die Art des Gotischen beibehalten, nur die innere Lebendigkeit, die innere Seele des Gotischen abgeworfen hat. Dieses Gesetz hat es so beachtet, daß es überall auf der Stufe des Gotischen zurückgeblieben ist. Wir müssen also, wenn wir unser «Tod» schreiben, die rückwärtige Stufe des Gotischen im Englischen finden; wir müssen eine Stufe zurückgehen. Wir haben im Deutschen hier bei «Tod» ein \(T\) im Ätherischen. Wir müssen für das Englische in das Astralische zurückgehen, und da müssen wir ein \(d\) haben. Im Englischen haben wir bei dem Substantiv «death» ein \(th\) am Ende. Da müssen wir zurückgehen bis zum Physischen. Würden wir das Adjektiv nehmen «dead», so hätten wir ein dam Ende. Führen wir das \(d\) weiter, wie es richtig ist, im Deutschen, so würden wir es dadurch richtig schreiben, daß wir es um eine Stufe weiter herumführen würden (siehe Zeichnung): dann würden wir also hier an dieser Stelle am Ende ein \(t\) haben, statt einem \(d\). Das wird auch richtig so geschrieben, das Eigenschaftswort heißt im Deutschen «tot».

[ 36 ] For example, in Greek, take the word “\(ϑάνατος\)” (thanatos), “death.” The regular progression is from th to d to t. The Gothic form corresponds to the d: “dauthus.” The English “death” has remained at the d, at the Gothic stage, and has not followed the further progression. In German, however, the word is spelled with \(T\): “Tod.” And this is the case everywhere; if we pay attention, we find that English, with regard to the development of certain letters, has retained the form of Gothic, but has cast off only the inner vitality, the inner soul of Gothic. It has adhered to this law to such an extent that it has remained at the Gothic stage everywhere. So when we write our “Tod,” we must find the earlier stage of Gothic script in English; we must go back one step. In German, here with “Tod,” we have a \(T\) in the etheric. For English, we must go back to the astral realm, and there we must have a \(d\). In English, the noun “death” ends with a \(th\). There we must go back to the physical realm. If we were to take the adjective “dead,” we would have a \(dam\) ending. If we continue the \(d\) as it is correctly done in German, we would spell it correctly by moving it one level further around (see diagram): then we would have a \(t\) here at the end instead of a \(d\). This is also spelled correctly; the adjective in German is “tot.”

[ 37 ] Da sehen Sie hinein in ein Reich, das ebenso ein um uns ausgebreitetes Reich ist, wie die drei Naturreiche: das mineralische, das pflanzliche und das tierische; das ebenso Gesetze hat, ebenso Entwickelungsgesetze hat, wie das mineralische, das Pflanzen- und das Tierreich; nur daß eben die Zeiträume, in denen sich der Rhythmus vollzieht — der genau durch ein Dreieck ausgedrückt ist —, nur daß diese Zeiträume lang sind, und daß, um immer anklingen zu hören beim Laut die Stufe, die er vorher hatte, das Gedächtnis eines Wesens aus der Hierarchie der Angeloi dazu gehört.

[ 37 ] There you glimpse a realm that is just as much a realm spread out around us as the three natural kingdoms: the mineral, the plant, and the animal; a realm that has laws—laws of development—just as the mineral, plant, and animal kingdoms do; except that the time periods in which the rhythm unfolds—which is precisely expressed by a triangle—are long, and that, in order to always hear the echo of the stage the sound had previously occupied, the memory of a being from the hierarchy of the Angeloi is required.

[ 38 ] Nun hängt aber damit noch etwas anderes zusammen. Wenn Sie dieses Gesetz ins Auge fassen, so werden Sie sich sagen müssen: Wenn wir den Blick zurückwenden auf die alten griechischen und lateinischen Sprachformen und sie betrachten gegenüber den heutigen deutschen, insofern die Worte annähernd ihre Bedeutung beibehalten haben, so sehen wir überall, daß die griechische und die lateinische Sprachform gegenüber der heutigen deutschen um zwei Stufen zurückliegt, und daß die gotische Sprachform um eine Stufe zurückliegt.

[ 38 ] But there is something else connected with this. If you consider this law, you will have to admit: If we look back at the ancient Greek and Latin forms of language and compare them with modern German—insofar as the words have retained their meanings to some extent—we see everywhere that the Greek and Latin forms lag two levels behind modern German, and that the Gothic form lags one level behind.

[ 39 ] Darauf beruht sehr vieles in der Entwickelung der Welt, daß dasjenige, was sich der Zeit nach entwickelt, sich auch so entwickelt, daß es nebeneinander im Raume stehen bleibt, während es in den verschiedenen Etappen der Zeit sich entwickelt. Gerade so, wie auch in den Naturreichen stehen bleiben die niederen Tiere neben denen, die sich zu einer höheren Stufe hinaufentwickelt haben, so bleiben die älteren Sprachformen neben den neueren bestehen, oder, man kann auch sagen, wie eine Zeitlang eine wilde Bevölkerung neben der weiter entwickelten Bevölkerung bestehen bleibt. Also das, was sich auseinander entwickelt, das bleibt außerdem so, daß die ältere Form neben der, die sich weiter entwickelt, im Raume stehen bleibt. Dann kombiniert sich aber ein solches Stehenbleiben mit vielen anderen Impulsen, die da hineinwirken.

[ 39 ] Much of the world’s development is based on the fact that what evolves over time also evolves in such a way that it remains coexisting in space while developing through the various stages of time. Just as in the natural kingdoms, where lower animals coexist alongside those that have evolved to a higher level, so too do older linguistic forms persist alongside newer ones—or, one might also say, just as a primitive population coexists for a time alongside a more highly developed one. Thus, what develops in different directions also remains such that the older form coexists in space alongside the one that has developed further. However, this coexistence is then combined with many other impulses that influence it.

[ 40 ] Der Impuls, der durch dieses Dreieck veranschaulicht wird, der gilt namentlich für die Entwickelung der Laute \(d\), \(t\), \(th\) (\(s\), \(ss\)). Ein ähnliches Dreieck gilt übrigens auch für die Laute \(b\), \(p\), fund \(g\), \(k\), \(ch\). Dagegen gilt ein Dreieck, das man viel größer zeichnen müßte, zum Beispiel für \(l\) und \(r\). Und für die Vokale, wenn man den Verlauf ihrer Entwickelung verfolgen will, gelten ganz andere Figuren. Aber Gesetze gelten für alle.

[ 40 ] The impulse illustrated by this triangle applies specifically to the production of the sounds \(d\), \(t\), \(th\) (\(s\), \(ss\)). Incidentally, a similar triangle also applies to the sounds \(b\), \(p\), \(g\), \(k\), and \(ch\). In contrast, a triangle that would have to be drawn much larger applies, for example, to \(l\) and \(r\). And for the vowels, if one wishes to trace the course of their development, entirely different figures apply. But these laws apply to all of them.

[ 41 ] Nehmen wir also an, das Zeitlich-Verlaufende bleibt räumlich nebeneinander bestehen; dann bleibt das nicht so bestehen, daß in dem Neueren einfach das Alte fortlebt, denn da würden wir ja noch immer die alten griechisch-lateinischen Worte neben den neueren haben, die sich aus ihnen entwickelten. Zum Beispiel das Deutsche ist in gerade fortlaufender Linie aus dem Griechischen, dem größten Teile seines Sprachschatzes nach, geradezu so entstanden. Sind die lateinischen Sprachen nun einfach stehen geblieben? Sie sind zwar stehen geblieben, aber nicht einfach nur stehen geblieben, sondern sie haben neben dem Stehenbleiben sehr weitgehende, bedeutungsvolle Wandlungen in sich vollzogen: sie haben die Worte umgelagert, sie haben die Worte nicht gelassen, wie sie waren. Während zum Beispiel für das Wort «\(ϑάνατος\)», «Tod» einfach das fortentwickelte Wort ist, ist dieses Wort nicht so, wie es im Griechischen war, im Lateinischen stehen geblieben, sondern da ist ein anderes Wort eingetreten, weil die Urbedeutung, die in dem Worte «Tod» geblieben ist, überhaupt nicht in den lateinischen Sprachen fortentwickelt worden ist; so daß das Wort, das man dann in der anderen Sprache hat, gar nicht dasselbe Wort ist. «Mort» ist nicht dasselbe Wort wie «Tod», sondern es ist eine ganz schlechte Übertragung. Aber für das, was in dem Worte «Tod» eigentlich liegt, was sich entwickelt hat aus «$advarog», haben die romanischen Sprachen gar kein entsprechendes Wort. Es wird mit dem Worte «Tod» etwas ausgedrückt, worin wirklich das entsprechende Ätherische nachklingt. Bei demselben Worte etwa in den romanischen Sprachen klingt dagegen etwas ganz anderes nach, als ein Ätherisches. Das ist etwas sehr Wesentliches, zu wissen, daß da auch sehr bedeutungsvolle Wandlungen vor sich gegangen sind. Sie sehen daraus also das Fragliche, das in allen lexikographischen, grammatikalischen Übersetzungen liegt, und das Fragliche, das in dem sogenannten genauen Verstehen bei der Übersetzung von einer Sprache in die andere hinüber vorhanden ist.

[ 41 ] Let us assume, then, that what is temporal and transitory continues to coexist spatially; this does not mean, however, that the old simply lives on in the new, for then we would still have the old Greek and Latin words alongside the newer ones that developed from them. For example, German has developed in a straight line from Greek—at least as far as the majority of its vocabulary is concerned. Have the Latin-based languages simply stood still? They have indeed remained static, but they have not merely remained static; rather, alongside this stagnation, they have undergone very far-reaching, significant transformations: they have rearranged the words; they have not left the words as they were. While, for example, the word “\(ϑάνατος\),” “death” is simply the evolved form, this word did not remain in Latin as it was in Greek; rather, a different word took its place because the original meaning preserved in the word “death” was not developed at all in the Romance languages—so that the word one then has in the other language is not the same word at all. “Mort” is not the same word as “Tod”; rather, it is a very poor translation. But for what actually lies within the word “Tod”—what developed from “$advarog”—the Romance languages have no corresponding word at all. The word “Tod” expresses something in which the corresponding ethereal quality truly resonates. In the Romance languages, however, the same word resonates with something entirely different from an ethereal quality. It is very important to realize that significant changes have taken place here. You can thus see the problem inherent in all lexicographical and grammatical translations, as well as the problem inherent in what is called “precise understanding” when translating from one language to another.

[ 42 ] Die Dinge, die hier als Entwickelungsgesetze zugrunde liegen, sind außerordentlich tiefgehende und hängen zusammen mit einer anderen Bewußtseinsschicht, als diejenige ist, in der wir mit unserem Denken, Fühlen und Wollen in der Regel leben. Aber wir leben wiederum mit unserem Denken, Fühlen und Wollen verschieden stark in einer anderen Bewußtseinsschicht. Mit unserem Denken leben wir zum Beispiel in der Sprachschicht fast gar nicht. Unser Denken hat außerordentlich wenig zu tun mit unserem Sprechen. So sonderbar es auch klingt, es ist doch zumeist so, daß wenn wir Gedanken haben und bei irgendeinem Gedanken ein Wort aussprechen, dies fast nicht viel mehr damit zu tun hat als das Buchstabenbild, das wir aufs Papier schreiben, das ja auch nicht der Gedanke selber, sondern nur ein Zeichen dafür ist. So ist auch das ausgesprochene Wort nicht viel mehr zusammenhängend mit unserem Denken, als wie ein Zeichen für den Gedanken.

[ 42 ] The principles underlying development here are extraordinarily profound and are connected to a different level of consciousness than the one in which we normally live through our thinking, feeling, and willing. But we, in turn, live to varying degrees within another layer of consciousness through our thinking, feeling, and willing. With our thinking, for example, we hardly live at all in the layer of language. Our thinking has very little to do with our speech. As strange as it may sound, it is usually the case that when we have thoughts and utter a word in connection with a particular thought, this has hardly any more to do with it than the written letters we put on paper, which are, after all, not the thought itself but merely a symbol of it. Similarly, the spoken word is no more closely connected to our thinking than it is a sign for the thought.

[ 43 ] Viel mehr als mit unserem Denken hängt das Wort mit unserem Fühlen schon zusammen, und noch sehr viel stärker mit all dem, was in unserem Wollen liegt, weil ja das Fühlen zu einem weit unterbewußteren Teile unserer Seele gehört als das Denken, und wiederum das Wollen zu noch unterbewußteren Teilen unseres Seelenlebens gehört als das Fühlen. Wenn der Mensch ein Wort ausspricht, so steht es zum Gedanken, man möchte sagen, so, daß es nicht viel mehr ist als ein Zeichen. Zum Fühlen steht es schon in einem viel intimeren Verhältnisse, es hängt schon viel mehr mit dem Fühlen zusammen; und ganz besonders hängt es mit dem Wollen zusammen.

[ 43 ] Words are connected far more closely to our feelings than to our thinking, and even much more strongly to everything that lies within our will, because feeling belongs to a far more subconscious part of our soul than thinking, and in turn, the will belongs to even more subconscious parts of our inner life than feeling. When a person utters a word, its relationship to thought is—one might say—such that it is little more than a sign. Its relationship to feeling, however, is much more intimate; it is far more closely connected to feeling; and it is particularly closely connected to the will.

[ 44 ] Würden die Menschen heute so weit sein, daß sie hauptsächlich das Verhältnis des Denkens zum Sprechen entwickelten, dann würden sie als Angehörige verschiedener Sprachen nicht in jene Kollisionen kommen können, in die sie heute kommen; weil das Verhältnis der Sprache zum Denken eben nicht den intimen Charakter hat wie beim Fühlen und Wollen, weil das Fühlen und Wollen das erst in der Zukunft in derselben Weise entwickeln wird beim Menschen, was das Denken heute schon entwickelt hat. Wo das Fühlen und das Wollen in Betracht kommt, da kommt auch dieses Verwachsensein mit dem Sprechen in ganz ausgiebigem Maße in Betracht.

[ 44 ] If people today were at a stage where they were primarily developing the relationship between thought and speech, then, as speakers of different languages, they would not be able to get into the conflicts they find themselves in today; because the relationship between language and thought simply does not have the intimate character that it has with feeling and volition, since feeling and volition will only develop in humans in the future in the same way that thought has already developed today. Where feeling and willing are concerned, this intertwining with speech also comes into play to a very great extent.

[ 45 ] Wir sind heute daran, das Denken durch die Entwickelung der Bewußtseinsseele bis zu einer gewissen Stufe hin wie etwas für uns objektiv Lebendes zu entwickeln. Und am Ende unseres Zeitraumes wird man dann so weit sein, daß man das Verhältnis des Sprechens zum Denken gar nicht mehr als etwas besonders Intimes empfinden wird. Aber viel länger wird es dauern, bis das Verhältnis des Sprechens zum Fühlen und namentlich zum Wollen als etwas Objektives empfunden werden kann. Viel länger werden sich die Menschen einreden, daß sie sich zu identifizieren haben in ihrer Menschlichkeit mit ihrer Sprache, mit ihrem Sprachcharakter durch ihr Fühlen und Wollen als durch ihr Denken.

[ 45 ] Today, through the development of the conscious soul, we are in the process of developing thinking—up to a certain level—as something that is objectively alive for us. And by the end of our era, we will have reached a point where we will no longer perceive the relationship between speech and thinking as something particularly intimate. But it will take much longer before the relationship between speech and feeling—and especially between speech and volition—can be perceived as something objective. For much longer, people will convince themselves that, in their humanity, they must identify with their language and their linguistic character through their feelings and volition rather than through their thinking.

Diagram 1Diagram 1

[ 46 ] Wenn wir wirklich uns so vor Augen führen, wie ein Wort ein eigenes innerliches Leben hat, ein so durch Gesetze geregeltes Leben hat, wie das Wort «\(ϑάνατος\)», das zu «death» und später zu «Tod» wird, wenn man sich vorstellt, daß das so fortlebt, dann hat man wirklich die Möglichkeit, sich eine Vorstellung zu bilden, wie da ein Organismus lebt aus dem Griechischen durch das Gotische herauf bis ins Deutsche hinein, ein Organismus so lebt, wie wir sonst einen Organismus lebend finden von seiner Kindheitsstufe durch eine spätere Jünglingsstufe bis zu der Altersstufe. Wenn nämlich ein solcher Organismus in der Sprache die Dreiheit durchgemacht hat und wieder zurückkommt, dann geht es nicht in derselben Weise weiter, sondern dann vergeistigt sich das Ganze. Wohlgemerkt, wenn d in t, t in th (s, ss) übergeht, so kommt es nicht wieder auf seine ursprüngliche Stufe zurück, sondern es macht jetzt einen seitlichen Aufschwung. Also das Dreieck müssen Sie sich nicht in der Ebene vorstellen (Zeichnung). Indem es so herüberkommt, geht das d, t, th so herüber weiter und schreitet jetzt in der Spirale vorwärts, kommt also immer in andere Lagen hinein. So daß Sie sich nicht vorstellen dürfen, daß ein Wort, das fortgeschritten ist zum \(th\), wiederum zum d zurückkehrt, sondern dann stirbt das Wort und gibt seine Umbildungskräfte an ein anderes Reich ab. Das Wort wird im Physischen, im Ätherischen oder im Astralischen geboren, macht seinen Umkreis, stirbt und tritt dann auf einer höheren Stufe als andere Kraft, verwandelt, wieder auf. So daß ein Wort, das wir verfolgen können von dem Griechischen, von «\(ϑάνατος\)» zu «death», bis zu dem deutschen «Tod», jetzt die Anlage hat, als Wort zu sterben. Das Wort «Tod» wird sterben. Es wird am Ende des Zeitraumes, den wir als unsern fünften nachatlantischen Kulturzeitraum bezeichnen, nicht mehr da sein, wird gestorben sein. Aber die Kraft, die es gebildet hat, die wird übergehen auf einer höheren Stufe in die menschliche Seelenkraft und dazu beitragen, daß die Menschen es leichter haben, zu verstehen das Wesen des Todes im Sinne unserer Geisteswissenschaft. Damit also die Kraft in unserer Seele entstehen kann, um das Verstehen des Wesens des Todes im Sinne unserer Geisteswissenschaft möglich zu machen, mußte das Wort einmal im Griechischen geboren werden, mußte dann die Entwickelung zum Jüngling durchmachen im Gotischen, im englischen «death», muß die Entwickelung im Deutschen durchmachen zum späteren Alter: «Tod», und wird an den Punkt kommen, wo es sterben wird. Es wird sterben, und seine Kraft abgeben an geistigere Potenzen der Seele.

[ 46 ] If we truly bring to mind how a word has a life of its own, a life governed by such laws—as in the case of the word “\(ϑάνατος\)”, which becomes “death” and later “Tod,” and imagine that it lives on in this way, then we truly have the opportunity to form a mental image of how an organism lives—from Greek through Gothic all the way into German—an organism that lives just as we otherwise find an organism living, from its childhood stage through a later youthful stage to the stage of old age. For when such an organism in language has passed through the triad and returns, it does not continue in the same way; rather, the whole becomes spiritualized. Mind you, when d changes to t, and t to th (s, ss), it does not return to its original stage, but instead takes a lateral leap forward. So you need not create a mental image of the triangle on a flat plane (drawing). As it moves across in this way, the d, t, and th continue on and now advance in a spiral, thus always entering different realms. So you must not form a mental image of a word that has progressed to \(th\) returning again to d; rather, the word dies and transfers its transformative forces to another realm. The word is born in the physical, etheric, or astral realms, completes its cycle, dies, and then reappears on a higher level as a transformed force. Thus, a word that we can trace from the Greek “\(ϑάνατος\)” to “death,” and on to the German “Tod,” now has the potential to die as a word. The word “Tod” will die. At the end of the period we call our fifth post-Atlantean cultural epoch, it will no longer exist; it will have died. But the force that formed it will pass over, on a higher level, into the human soul’s power and help people to more easily understand the nature of death in the sense of our Spiritual Science. So that the power within our soul may arise to make it possible to understand the nature of death in the sense of our Spiritual Science, the word first had to be born in Greek, then had to undergo its development into youth in Gothic and in the English “death,” must undergo its development in German into later age: “Tod,” and will reach the point where it will die. It will die and surrender its power to the more spiritual forces of the soul.

[ 47 ] Und so wie wir also unseren Blick hinrichten auf die Entstehung eines Lammes, oder sagen wir, einer Kuh, eines Ochsen oder Stieres, und sehen, wie sie sich nach und nach entwickeln, einen Höhepunkt erreichen und wieder sterben, so schaut der Engel hin auf die Entstehung eines Wortes, auf das Leben eines Wortes, auf das Sterben eines Wortes. Das gehört zu seiner Welt, zu seiner Beobachtung, wie zu unserer Welt gehört die Beobachtung, sagen wir, des Pflanzenreiches oder des mineralischen oder des tierischen Reiches.

[ 47 ] And just as we direct our gaze toward the coming into being of a lamb—or, let us say, a cow, an ox, or a bull—and see how they gradually develop, reach a peak, and then die, so the angel looks upon the coming into being of a word, upon the life of a word, upon the death of a word. This is part of its world, part of its observation, just as the observation of, say, the plant kingdom, the mineral kingdom, or the animal kingdom is part of our world.

[ 48 ] Das sind Gesichtspunkte, durch die ich Sie aufmerksam machen wollte auf ein Leben, das für uns ja ein unbewußtes Leben ist, nur anschlägt an unser Bewußtsein, das aber auf seinen höheren Stufen sofort ein wirkliches Leben von sich entwickelt, da sofort ein Wesen wird. Ein Fenster oder ein Tor eröffnet sich uns gleichsam, um hineinzuschauen, wie sich Wesen entwickeln, elementarische Wesen, die sich dann abspiegeln in unserer Welt in der Gestalt unserer Worte. Der Engel richtet sein geistiges Auge hin nach dem alten Griechenland, sieht da ein Elementarwesen geboren werden aus dem Physischen heraus, sieht es sich ätherisieren, astralisieren und wird es sterben sehen, indem unsere fünfte nachatlantische Entwickelungsperiode dahingeht. Er sieht dies Wesen in seiner Entwickelung, und die Tatsache, daß dieses Wesen sich entwickelt, hat eine Wirkung in der physischen Welt. Und diese Wirkung besteht darinnen, daß die alten Griechen gesagt haben «\(ϑάνατος\)», die Goten sagten «dauthus», die Engländer sagen «death», und wir im Deutschen sagen «Tod». Die Verwandlung dieses Wortes ist der Abdruck eines sich entwickelnden Wesens, das fortschreitet in seiner Entwickelung in der physischen Welt, ätherischen Welt, astralischen Welt. Das, was wir in der Sprache wahrnehmen, ist die Spiegelung des Lebens höherer Wesen aus einer höheren Welt, die Spiegelung ihrer inneren Entwickelung in der Welt, in welcher wir uns befinden in der Zeit zwischen Geburt und Tod.

[ 48 ] These are perspectives through which I wanted to draw your attention to a life that is, for us, an unconscious life—one that merely touches our consciousness—but which, at its higher levels, immediately develops into a true life of its own, as it instantly becomes a being. A window or a gate opens up for us, as it were, so that we can look in and see how beings develop—elemental beings—which are then reflected in our world in the form of our words. The angel turns his spiritual gaze toward ancient Greece, sees an elemental being being born out of the physical realm, sees it becoming etheric and astral, and will see it die as our fifth post-Atlantean period of development comes to an end. He sees this being in its development, and the fact that this being is developing has an effect in the physical world. And this effect consists in the fact that the ancient Greeks said “\(ϑάνατος\)”, the Goths said “dauthus”, the English say “death”, and we in German say “Tod”. The transformation of this word is the imprint of an evolving being that progresses in its development through the physical, etheric, and astral worlds. What we perceive in language is the reflection of the life of higher beings from a higher world—the reflection of their inner development in the world in which we find ourselves during the time between birth and death.

[ 49 ] Davon werden wir morgen bei unseren Ausführungen den Ausgang nehmen.

[ 49 ] We will use this as a starting point for our discussion tomorrow.