Chance, Necessity, and Providence
Imaginative Insight and Processes after Death
GA 163
27 August 1915, Dornach
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Chance, Necessity, and Providence, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] In dem Verlauf der letzten Vorträge habe ich darauf aufmerksam gemacht, daß über ein Problem, über eine Frage noch viel zu sagen sein wird, obwohl gerade dieses Problem schon von den verschiedensten Gesichtspunkten hier behandelt worden ist. Es ist die Frage nach dem Wechselzustande im Menschen von Wachen und Schlafen. Nun habe ich immer wieder, wenn ich über dieses Problem auch öffentlich gesprochen habe, darauf aufmerksam gemacht, wie ja auch vom Standpunkte unserer mehr materialistischen Wissenschaft dieses Problem des Schlafes vorhanden ist und behandelt wird. Ich habe auch einige von den verschiedenen Lösungsversuchen bei der oder jener Gelegenheit angeführt. Ich habe die sogenannte Ermüdungstheorie angeführt. Es ist nur eine von den vielen Theorien, die im Laufe der letzten Jahrzehnte für die Wechselbeziehung von Schlaf und Wachen geltend gemacht worden sind, die Theorie, daß der Mensch durch seine Tagesarbeit, überhaupt durch sein Verhalten während des Wachbewußtseins-Zustandes, Ermüdungsstoffe absondert, und daß der Schlafzustand geeignet ist, diese Ermüdungsstoffe wiederum durch irgendwelche Prozesse fortzuschaffen, so daß der Mensch während eines folgenden Zyklus von Wachbewußtsein eben neue Ermüdungsstoffe bilden könne.
[ 1 ] In the course of my recent lectures, I have pointed out that there is still much to be said about a particular problem or question, even though this very problem has already been addressed here from a wide variety of perspectives. It is the question of the alternating states of wakefulness and sleep in human beings. Now, whenever I have spoken publicly about this problem, I have repeatedly pointed out how this problem of sleep exists and is addressed even from the standpoint of our more materialistic science. I have also cited some of the various attempts at a solution on one occasion or another. I have cited the so-called fatigue theory. It is just one of the many theories that have been put forward over the course of the last few decades to explain the interrelationship between sleep and wakefulness—the theory that through one’s daily work, and indeed through one’s behavior during the state of wakeful consciousness, secrete fatigue-inducing substances, and that the state of sleep is suitable for eliminating these substances through various processes, so that humans can produce new fatigue-inducing substances during a subsequent cycle of wakefulness.
[ 2 ] Nun müssen wir uns immer auf den Standpunkt stellen, daß gegenüber der Geisteswissenschaft eine solche Theorie, die rein materialistisch gebildet ist, nicht falsch zu sein braucht, ich meine das, was in der Theorie geschildert wird. Ich will jetzt die Berechtigung, die materialistische Berechtigung dieser Theorie nicht weiter erörtern. Wie gesagt, es sind auch andere Theorien für den Fall geltend gemacht worden. Aber es sollen von der Geisteswissenschaft zunächst nicht etwa Zweifel erhoben werden, daß solch ein Vorgang stattfinden kann, daß also wirklich während des Tagesbewußtseins sich Ermüdungsstoffe absondern und während der Nacht diese Ermüdungsstoffe wiederum aufgezehrt werden. Dieser tatsächliche Vorgang soll durchaus nicht in Abrede gestellt werden, es soll über ihn auch nicht weiter diskutiert werden. In der Geisteswissenschaft muß es sich vor allen Dingen darum handeln, die Probleme, die Rätselfragen des Lebens so anzufassen, daß der Gesichtspunkt, unter dem sie angefaßt werden, wirklich derjenige ist, zu dem man sich zunächst nach den Erkenntnissen, die eben der Mensch in irgendeinem Zeitalter gewinnen kann, zu erheben vermag. Dann werden auch solche Tatsachen, wie etwa die Absonderung von Ermüdungsstoffen oder dergleichen durch den richtigen Gesichtspunkt, den man findet, in das rechte Licht gestellt werden können. Es handelt sich bei den meisten Fragen des Lebens, ja, bei allen Fragen des Lebens darum, daß man in der richtigen Art zu fragen versteht, daß man nicht von vorneherein verkehrt frägt.
[ 2 ] Now we must always take the position that, as far as Spiritual Science is concerned, such a theory—which is purely materialistic in nature—need not be wrong; I am referring to what is described in the theory. I do not wish to discuss the validity—the materialistic validity—of this theory any further at this point. As I said, other theories have also been put forward regarding this matter. But Spiritual Science should not, for the time being, cast doubt on the possibility that such a process can take place—that is, that fatigue-inducing substances are indeed secreted during waking consciousness and are then consumed again during the night. This actual process should by no means be denied, nor should it be discussed further. In Spiritual Science, the primary concern must be to approach the problems and mysteries of life in such a way that the perspective from which they are approached is truly the one to which one is initially able to rise, based on the insights that humanity can gain in any given age. Then, too, facts such as the secretion of fatigue substances or the like can be placed in the proper light through the correct perspective that one finds. With most questions of life—indeed, with all questions of life—it is a matter of knowing how to ask in the right way, of not asking the wrong questions from the outset.
[ 3 ] Nun, bei der Frage nach der Wechselbeziehung zwischen Schlafen und Wachen muß vor allen Dingen in Betracht gezogen werden, wie man den Gesichtspunkt zu gewinnen hat gegenüber diesen zwei Zuständen des Menschen: dem wachen Tagesbewußtsein und dem Schlafbewußtsein. Und da handelt es sich darum, daß sich gewisse Erscheinungen innerhalb unseres Lebens gar nicht anders ins rechte Licht setzen lassen, als wenn man berücksichtigt, was in einem sehr, sehr frühen Stadium unserer geisteswissenschaftlichen Bestrebungen geltend gemacht worden ist. Ich habe sehr früh darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn man die Weltenevolution überblicken wolle, man vor allen Dingen ins Auge zu fassen habe sieben Bewußtseinszustände — ich habe sie dazumal aufgezählt —, dann sieben Lebenszustände und sieben Formzustände. Nun gibt es Fragen des Lebens, die man beantworten kann, wenn man sich bloß an die Veränderung der Formen hält; es gibt solche Fragen, die man beantworten kann, wenn man sich an die Metamorphose des Lebens hält. Aber man kann gewisse Erscheinungen im Leben, gewisse Tatsachen des Lebens gar nicht anders beantworten, als wenn man sich dazu erhebt, die verschiedenen Bewußtseinszustände ins Auge zu fassen, die in Betracht kommen.
[ 3 ] Now, when considering the relationship between sleeping and waking, we must first and foremost consider how to gain a proper perspective on these two states of human existence: waking daytime consciousness and sleeping consciousness. And the point is that certain phenomena within our lives cannot be properly understood unless we take into account what was asserted at a very, very early stage of our efforts in Spiritual Science. I pointed out very early on that if one wishes to survey the evolution of the world, one must first and foremost take into account seven states of consciousness—I listed them at the time—then seven states of life and seven states of form. Now there are questions of life that can be answered simply by considering the change in forms; there are questions that can be answered by considering the metamorphosis of life. But certain phenomena in life, certain facts of life, cannot be explained in any other way than by rising to the level of considering the various states of consciousness that come into play.
[ 4 ] Nun liegt es ja schon sehr nahe, bei dem Problem von Wachen und Schlafen die Frage nach der Verschiedenheit der Bewußtseinszustände im Schlafen und im Wachen ins Auge zu fassen. Denn das ist uns aus den verschiedensten Betrachtungen schon klar geworden: Es handelt sich beim Schlafen und Wachen um verschiedene Bewußtseinszustände des Menschen. Also müssen wir die Frage vor allen Dingen von dem Gesichtspunkt des Bewußtseins ins Auge fassen. Wir müssen uns schon klar sein, daß dies das Allerwichtigste bei der Sache ist, die Frage von dem Gesichtspunkt des Bewußtseins aus ins Auge zu fassen. Wir werden uns zu fragen haben: Wie unterscheiden sich denn eigentlich die Bewußtseinszustände des Wachens und des Schlafens? Und da stellt sich nun das Folgende heraus.
[ 4 ] When considering the problem of waking and sleeping, it is only natural to address the question of the difference between states of consciousness during sleep and during wakefulness. For it has already become clear to us from a wide variety of considerations: sleep and wakefulness are different states of human consciousness. Therefore, we must approach the question primarily from the perspective of consciousness. We must be clear that this is the most important aspect of the matter: to approach the question from the perspective of consciousness. We will have to ask ourselves: How do the states of consciousness of waking and sleeping actually differ? And this is what emerges.
[ 5 ] Wenn wir wachen — wir brauchen uns zunächst nur die Dinge, die jeder sich einfach zum Bewußtsein bringen kann, zu registrieren —, so schauen wir die Welt um uns herum an; wir nehmen die Welt um uns herum wahr. Und jeder wird sich sagen können, er sei nicht imstande, sich selber oder das Menschliche, das innere Menschliche, während des Tagesbewußtseins so wahrzunehmen, wie die äußere Welt. Ich habe oft darauf aufmerksam gemacht, daß es ja eine ganz grobklotzige Täuschung wäre, wenn man das anatomische Studium etwa ansehen würde als dazu führend, daß der Mensch im Inneren betrachtet wird; es wird nur das Äußere, das unter der Haut gelegene selbstverständlich, durch die materielle Anatomie betrachtet. Das Innere des Menschen kann während des gewöhnlichen Wachbewußtseins nicht betrachtet werden. Auch dasjenige, was der Mensch während des Wachzustandes an sich selber kennenlernt, ist das Äußere der Welt, oder besser gesagt, ist dasjenige an ihm, wodurch er der äußeren Welt angehört.
[ 5 ] When we are awake—and at first we need only take note of the things that anyone can easily bring to consciousness—we look at the world around us; we perceive the world around us. And everyone will be able to say that they are unable to perceive themselves or the human, the inner human, during waking consciousness in the same way as the outer world. I have often pointed out that it would indeed be a gross delusion to view the study of anatomy, for example, as leading to an examination of the human being from within; material anatomy, of course, only examines the exterior, that which lies beneath the skin. The inner being of the human being cannot be observed during ordinary waking consciousness. Even what a person comes to know about themselves during the waking state is the exterior of the world, or rather, it is that aspect of themselves through which they belong to the external world.
[ 6 ] Wenn wir dagegen den Schlafzustand betrachten, so ist das Wesentliche des Schlafzustandes — das wird Ihnen aus den verschiedensten Auseinandersetzungen, die bisher gepflogen worden sind, hervorgehen können —, daß während des Schlafens der Mensch sich selber betrachtet. Das Objekt der Betrachtung während des Schlafes ist der Mensch. Das Bewußtsein ist zunächst auf den Menschen selber zurückgerichtet. Wenn Sie von diesem Gesichtspunkte aus die alleralltäglichsten Erscheinungen ins Auge fassen, so werden sie Ihnen begreiflich, verständlich werden.
[ 6 ] If, on the other hand, we consider the state of sleep, the essential nature of that state—as you will have gathered from the various discussions that have taken place so far—is that during sleep, a person observes themselves. The object of observation during sleep is the person. Consciousness is initially directed back toward the human being itself. If you view the most everyday phenomena from this perspective, they will become comprehensible and understandable to you.
[ 7 ] Nicht wahr, wenn man allein so über Schlafen und Wachen sprechen müßte, wie die materialistische Wissenschaft spricht, so würde das in völligem Widerspruch damit stehen, daß, wie ich schon einmal gesagt habe, ein Rentier, der sich nicht sonderlich anstrengt, oftmals viel leichter bei einem Vortrage ins Schlafen kommt als einer, der sich angestrengt hat. Wenn also die Ermüdung die wirkliche Ursache des Schlafes wäre, so würde das mit dieser Erscheinung doch nicht stimmen. Der Gesichtspunkt, zu dem wir uns erheben müssen, ist der, daß der Rentier, der einen Vortrag anhört, das Interesse seines Tagesbewußtseins nicht sehr stark auf den Vortrag richtet, daß ihn der Vortrag nicht besonders interessiert, vielleicht auch nicht interessieren kann, weil er ihn vielleicht nicht versteht und aus diesem Grunde ein berechtigtes Nichtinteresse an dem Vortrage hat. Dasjenige, was ihn nun viel mehr interessiert, ist er selbst. Er schreitet daher fort von der Betrachtung dessen, was im Vortrag gesagt wird, zu der Betrachtung von sich selbst. Man könnte allerdings jetzt die Frage aufwerfen: Ja, warum denn just zu der Betrachtung von sich selbst? — Das ist auch sehr leicht erklärlich. Den Betreffenden interessiert der Vortrag nicht aus gewissen Gründen. Die Gründe liegen zumeist darin, daß er für andere Dinge des Lebens mehr Interesse hat als just für dasjenige, was in diesem Vortrage besprochen wird, oder wenigstens für die Art des Zusammenhanges in diesem Vortrage. Aber der Vortrag stört ihn, Interesse zu nehmen an dem, woran er sonst Interesse hat. Derjenige, der kein Interesse hat, einen Vortrag zu hören, der könnte ja ein großes Interesse haben, die Zeit, in der er den Vortrag hört, lieber dazu zu verwenden, Austern zu essen. Vielleicht hätte er ein stärkeres Interesse, statt der Wahrnehmung des Vortrages sich die Wahrnehmung zu verschaffen, die er bekommt, wenn er Austern ißt. Aber der Vortrag stört ihn. Er kann doch gerade nicht Austern essen, wenn er einen Vortrag hören will. Er tut so, als wenn er einen Vortrag hören möchte, aber das stört ihn am Austernessen. Er kann jetzt nicht Austern essen, also nimmt er dasjenige, was ihm einzig zugänglich ist außer dem Vortrage, der ihn da an allem stört. Die Stunde ist schon einmal ausgefüllt mit dem, was sich nur bören läßt, und das interessiert ihn nicht; also wendet er die Aufmerksamkeit dem zu, was ihm zugänglich ist: seinem eigenen Inneren, seiner eigenen Wesenheit! Er genießt sich! Denn dieses In-den-Schlaf-Treten ist ein SichGenießen.
[ 7 ] Isn't it true that if one were to speak of sleeping and waking solely in the way that materialistic science does, this would be in complete contradiction to the fact that, as I have said before, a reindeer that does not exert itself particularly hard often falls asleep much more easily during a lecture than one that has exerted itself. So if fatigue were the real cause of sleep, that would not be consistent with this phenomenon. The perspective to which we must rise is this: the reindeer listening to a lecture does not focus the interest of his daytime consciousness very strongly on the lecture; the lecture does not particularly interest him, and perhaps cannot interest him, because he may not understand it and for this reason has a justified lack of interest in the lecture. What interests him far more, however, is himself. He therefore moves from contemplating what is being said in the lecture to contemplating himself. One might, of course, now raise the question: Well, why precisely to the contemplation of himself? — That is also very easily explained. The person in question is not interested in the lecture for certain reasons. The reasons usually lie in the fact that he has more interest in other things in life than in precisely what is being discussed in this lecture, or at least in the nature of the context in this lecture. But the lecture prevents him from taking an interest in what he is otherwise interested in. The person who has no interest in listening to a lecture might, in fact, have a great interest in using the time he spends listening to the lecture to eat oysters instead. Perhaps he would have a stronger interest in obtaining the sensory experience he gets from eating oysters rather than in the experience of the lecture. But the lecture disturbs him. After all, he cannot eat oysters if he wants to listen to a lecture. He pretends he wants to listen to a lecture, but that interferes with his oyster-eating. He can’t eat oysters right now, so he takes what is the only thing accessible to him besides the lecture, which is disturbing him in every way. The hour is already filled with what can be endured, and that doesn’t interest him; so he turns his attention to what is accessible to him: his own inner self, his own being! He enjoys himself! For this falling asleep is a form of self-enjoyment.
[ 8 ] Sie können aus dem, was wir betrachtet haben, entnehmen, daß das Schlafbewußtsein auch heute noch immer auf der Stufe des Bewußtseins steht, auf dem das menschliche Bewußtsein schon gestanden hat während der alten Sonnenzeit. Es ist ein Bewußtsein, wie es die Pflanzen auch haben. Beide Dinge, beide Tatsachen kennen wir ja sehr gut aus den Vorträgen. — Gewiß, der gute Mann kommt dann nicht zu demselben Bewußtsein, zu dem er kommt, wenn er die Außenwelt genießt. Er schraubt sich gleichsam zurück auf das Sonnenbewußtsein. Aber das macht nichts, er genießt doch sich selber. Und das entspringt nun auch dem Interesse an sich. So müssen wir erklärlich finden, daß nicht aus innerer Ermüdung, sondern aus der Neigung des Interesses weg von dem, was gerade als Außenwelt da ist — der Vortrag oder das Musikstück oder was es immer ist —, zu dem, wozu dann das Interesse neigt, Schlaf eintritt. Dies aber ist überhaupt — wenn man gründlich und innerlich die Wechselzustände zwischen Schlafen und Wachen betrachtet — dasjenige, um was es sich handelt.
[ 8 ] From what we have considered, you can see that sleep consciousness still remains today at the same level of consciousness that human consciousness had already reached during the ancient Sun Age. It is a consciousness of the kind that plants also possess. We are, of course, very familiar with both of these things, both of these facts, from the lectures. — Certainly, the good man does not then attain the same consciousness that he attains when he enjoys the external world. He, as it were, winds himself back to solar consciousness. But that doesn’t matter; he is enjoying himself nonetheless. And this now also springs from an interest in himself. Thus we must understand that sleep sets in not out of inner fatigue, but out of a shift in interest away from what is currently present as the external world—the lecture or the piece of music or whatever it may be—toward that which the interest then turns to. But this is, in fact—if one thoroughly and inwardly observes the alternating states between sleeping and waking—precisely what is at stake.
[ 9 ] Wenn wir wachen, so können wir das so auffassen, daß wir gewissermaßen während des Tagesbewußtseins unsere Aufmerksamkeit auf die Außenwelt lenken, also auf dasjenige, was ich jetzt in unbestimmter Form mit diesen Strichen hier bezeichne (es wird gezeichnet), daß wir dagegen unser Interesse abwenden von dem, worin wir eben. Ich kann also, wenn ich symbolisch zeichnen will, das so zeichnen, daß der Mensch in der Richtung dieser Pfeile das Interesse von sich ablenkt und der Außenwelt zulenkt.
[ 9 ] When we are awake, we can understand this to mean that, during our waking consciousness, we direct our attention toward the external world—that is, toward what I am now indicating in a vague way with these lines here (he draws them)—and that, in contrast, we turn our interest away from that in which we are currently immersed. So, if I want to draw this symbolically, I can draw it so that the person diverts their interest away from themselves and toward the external world in the direction of these arrows.
[ 10 ] Während des Schlafzustandes ist das Umgekehrte der Fall. Der Mensch lenkt seine Aufmerksamkeit auf sich selbst in dieser Richtung und er lenkt die Aufmerksamkeit ab von dem, was um ihn herum ist. Da er nun aus sich selber heraustritt, so sieht er eigentlich während des Schlafes seinen eigenen Leib an. Der Mensch sieht also während des Schlafes zunächst seinen eigenen Leib an.
[ 10 ] During sleep, the opposite is true. A person directs their attention toward themselves in this way and diverts it from what is around them. Since they now step outside of themselves, they actually see their own body while sleeping. Thus, during sleep, a person first looks at their own body.
[ 11 ] Nun können wir den Wechsel zwischen Schlafen und Wachen, wie Sie sehen, auf ein anderes zurückführen. Wir können ihn zurückführen darauf, daß wir sagen: der Mensch lebt in aufeinanderfolgenden Zyklen, und zwar so, daß in dem einen Zyklus das Interesse wach ist, die Außenwelt zu beobachten, in dem anderen Zyklus ist das Interesse wach, sein eigenes Inneres zu beobachten. Und dieser Wechsel in der Richtung des Interesses, einmal nach außen, einmal nach innen, das ist der Wechsel, der zum Leben gehört, geradeso wie es zum Leben der Erde gehört, daß die Erde einmal von der Sonne beschienen wird, und dann die Sonne hinuntergeht und sie nicht von der Sonne beschienen wird. Hier ist es rein die Raumkonstellation, die hervorruft, daß die Erde einmal beschienen wird und einmal nicht. Dadurch entstehen die beiden Zyklen Tag und Nacht.
[ 11 ] Now, as you can see, we can trace the alternation between sleeping and waking back to something else. We can attribute it to the fact that we say: human beings live in successive cycles, such that in one cycle there is an interest in observing the external world, and in the other cycle there is an interest in observing one’s own inner self. And this alternation in the direction of interest—sometimes outward, sometimes inward—is the alternation that belongs to life, just as it belongs to the life of the Earth that the Earth is sometimes illuminated by the sun, and then the sun sets and it is not illuminated by the sun. Here it is purely the spatial constellation that causes the Earth to be illuminated at one time and not at another. This gives rise to the two cycles of day and night.
[ 12 ] Nun sehen Sie leicht ein, daß es sehr falsch wäre, wenn man sagen würde, der Tag sei die Ursache der Nacht, oder die Nacht sei die Ursache des Tages. Das wäre, wie ich Ihnen auseinandergesetzt habe, eine «Wurmphilosophie». Ich habe ja von dieser Wurmphilosophie in den verflossenen Vorträgen gesprochen, nicht wahr. Es hat einfach keinen Sinn, zu sagen, daß der Tag die Ursache der Nacht oder die Nacht die Ursache des Tages ist, sondern beide sind sie hervorgerufen durch den regelmäßigen Wechsel, durch die räumliche Stellung von Erde und Sonne. Ebensowenig hat es eigentlich einen Sinn, zu sagen, der Schlaf sei die Ursache des Wachens, oder das Wachen sei die Ursache des Schlafes. Einen Sinn hat es nur, zu sagen: Gerade so, wie extensiv räumlich die Erde in einen Wechselzustand von Tag und Nacht versetzt wird, also durch räumlich-extensive Verhältnisse in diesen Wechsel versetzt wird, so wird, intensiv, das Leben innerlich in einen Wechsel versetzt vom Interesse nach außen und vom Interesse nach innen. Diese Zustände müssen wechseln, müssen aufeinanderfolgen. Das geht gar nicht anders. Es ist einfach im Leben begründet, daß der Mensch eine Zeitlang sein Interesse nach außen richtet, und, nachdem er es nach außen gerichtet hat, muß er es nach innen richten, geradeso wie die Sonne es sich nicht überlegen kann, wenn sie im Westen untergeht, ob sie wieder zurückgehen will. Nur kommen wit jetzt in ein Gebiet hinein, in welchem wir, wenn wir es betreten wollen, immer das Folgende beachten müssen.
[ 12 ] Now you can easily see that it would be quite wrong to say that day is the cause of night, or that night is the cause of day. As I have explained to you, that would be a “worm philosophy.” I did, after all, speak of this worm philosophy in my previous lectures, didn’t I? It simply makes no sense to say that day is the cause of night or that night is the cause of day; rather, both are brought about by the regular alternation, by the spatial positions of the Earth and the Sun. Nor does it really make any sense to say that sleep is the cause of waking, or that waking is the cause of sleep. It only makes sense to say: Just as the Earth is spatially and extensively brought into a state of alternation between day and night—that is, brought into this alternation by spatially extensive conditions—so, intensively, life is internally brought into an alternation between outward interest and inward interest. These states must alternate; they must follow one another. It cannot be any other way. It is simply grounded in life that a person directs their interest outward for a time, and, after having directed it outward, must direct it inward, just as the sun cannot decide, when it sets in the west, whether it wants to return. But we are now entering a realm in which, if we wish to enter it, we must always bear the following in mind.
[ 13 ] Die Sonne muß gewisse Stunden hindurch Tag bilden, gewisse Stunden hindurch Nacht bilden. Der Mensch kann aber ganz gut die Sache in der Weise durchbrechen, indem er entweder wie der Rentier, der einschläft, auch wenn er nicht gerade ermüdet ist, sondern das Gegenteil davon sein müßte, einfach willkürlich sein Interesse sich selber zuwendet, sich genießt, recht seinen Leib genießt, oder aber, indem er, wie der Student, wenn er unmittelbar vor dem Examen steht und sehr viel zu ochsen hat, wiederum aus seiner Willkür heraus mancherlei überwinden kann in bezug auf das Schlafen. Mancher Student schläft da manchmal vor dem Examen recht wenig. Aber das hängt überhaupt mit den großen Fragen zusammen, die uns jetzt immer wieder und wiederum beschäftigen werden, mit den Fragen nach Notwendigkeit, wie wir sie in der äußeren Natur finden, nach Zufall, wovon wir oftmals sprechen, sowohl in der äußeren Natur, wie auch im menschlichen Leben, und nach der Vorsehung, von der wir der ganzen Welt gegenüber zu sprechen haben. — Sobald wir ins menschliche Leben hereinkommen, sehen wir etwas in das Feld der Notwendigkeit hereintreten, etwas, das «notwendig» ist, wenn der Mensch überhaupt sein Wesen haben soll in der Welt. Davon werden wir jetzt mancherlei zu sprechen haben.
[ 13 ] The sun must create day for certain hours and night for certain hours. But humans can quite easily break this pattern by either, like the reindeer that falls asleep even when it is not exactly tired—but should, in fact, be the opposite—simply turning their attention to themselves at will, enjoying themselves, truly savors his body, or, like the student who is about to take an exam and has a great deal to study, can, again out of his own volition, overcome various obstacles to sleep. Many a student sometimes sleeps very little before the exam. But this is connected, in general, with the great questions that will now occupy us again and again, with the questions of necessity, as we find it in external nature, of chance, of which we often speak, both in external nature and in human life, and of providence, of which we must speak to the whole world. — As soon as we enter human life, we see something entering the realm of necessity, something that is “necessary” if human beings are to have any existence at all in the world. We will now have much to say about this.
[ 14 ] Nun habe ich Ihnen das, was ich Ihnen gesagt habe, nicht nur aus dem Grunde gesagt, um darauf hinzudeuten — nicht nur, sage ich, natürlich auch aus diesem Grunde —, daß man den richtigen Gesichtspunkt suchen muß gegenüber den Wechselzuständen zwischen Schlafen und Wachen. Dieser richtige Gesichtspunkt ist, daß man fragt: Wie ist das Bewußtsein geartet im Wachen? — und darauf antwortet: Das Bewußtsein ist so geartet, daß das Objekt zunächst nicht der Mensch selber ist, sondern die Außenwelt, daß der Mensch sich vergißt und die Außenwelt in sich aufnimmt; daß dagegen die Bewußtseinsartung während des Schlafes so ist, daß er die Außenwelt vergißt und sich betrachtet. Aber er ist im Schlaf mit seinem Bewußtseinszustand erst beim Sonnenbewußtsein angekommen. Es ist nur ein untergeotdneter Zustand, sich selbst zu genießen. — Aber nicht bloß aus diesem Grunde habe ich an diesen Gesichtspunkt angeknüpft, sondern um darauf aufmerksam zu machen, daß es etwas darauf ankommt, überhaupt die Aufmerksamkeit hinzulenken darauf, wie das Bewußtsein sich in verschiedener Art stellt zu der Welt, und wie man gewisse Dinge vor allem in ihrer Wesenhaftigkeit nur dadurch erkennen kann, daß man nach der Artung des Bewußtseins frägt. So wird es ganz unmöglich sein, irgend etwas Besonderes zu wissen über den Aufbau der hierarchischen Ordnung der höheren geistigen Wesenheiten, wenn man nicht auf das Bewußtsein dieser höheren geistigen Wesenheiten eingeht. Nehmen Sie die verschiedenen Vortragszyklen durch und Sie werden sehen, was da für Mühe genommen worden ist, um zu erklären, wie das Bewußtsein der Angeloi und Archangeloi und so weiter ist. Denn darauf kommt es an, bei einer Sache wirklich darauf zu achten, von welchem Ausgangspunkt diese Sache verstanden wird. Es könnte jemand kommen und sagen: Ich kann ganz gut verstehen, wie es mit den Hierarchien beschaffen ist: Da ist zuerst der Mensch, dann höher sind die Angeloi, noch höher die Archangeloi, noch höher die Archai und so weiter. Er kann das nacheinander aufschreiben: Archai, Archangeloi, Angeloi, und sagen: Ich verstehe das ganz gut, jedes von diesen ist immer höher. — Ja, wenn man nur weiß, daß jedes von dem hier Aufgezeichneten höher ist, so weiß man über die Stufenfolge der Hierarchie genau soviel, wie man auch über die Aufeinanderfolge der Stockwerke bei einem Haus weiß; denn von den übereinanderliegenden Stockwerken bei einem Haus weiß man auch, daß sie aufeinanderliegen. Man könnte genau dieselbe Zeichnung entwerfen. Es handelt sich wirklich darum, bei einer jeden Sache auf das zu achten, worauf es ankommt. Man weiß wirklich etwas über diese höheren Wesen, wenn man weiß, in welchem Bewußtseinszustand jedes dieser Wesen lebt, wenn man versucht, dieses zu schildern. Das ist das, was man ins Auge fassen muß.
[ 14 ] Now, I have told you what I have said not only to point this out—not only, I say, though of course also for this reason—that one must seek the correct perspective regarding the transitional states between sleep and wakefulness. This correct perspective is to ask: What is the nature of consciousness in wakefulness? — and to answer: Consciousness is such that the object is not initially the person themselves, but the external world; that the person forgets themselves and takes in the external world; whereas the nature of consciousness during sleep is such that they forget the external world and observe themselves. But in sleep, with his state of consciousness, he has only reached the stage of solar consciousness. It is merely a subordinate state of enjoying oneself. — But I have taken up this point of view not merely for this reason, but to draw attention to the fact that it is important to direct one’s attention at all to how consciousness relates to the world in various ways, and how certain things can be recognized—especially in their essential nature—only by inquiring into the nature of consciousness. Thus, it will be quite impossible to know anything specific about the structure of the hierarchical order of the higher spiritual beings unless one considers the consciousness of these higher spiritual beings. Go through the various lecture series and you will see the effort that has been made there to explain what the consciousness of the Angeloi and Archangeloi and so on is like. For what matters is to really pay attention to the starting point from which a matter is understood. Someone might come along and say: I can understand quite well how the hierarchies are arranged: First there is the human being, then higher up are the Angeloi, even higher the Archangeloi, even higher the Archai, and so on. He can write them down one after another: Archai, Archangeloi, Angeloi, and say: I understand this quite well; each of these is always higher. — Yes, if one only knows that each of the items listed here is higher, then one knows just as much about the sequence of the hierarchy as one knows about the sequence of floors in a house; for one also knows that the floors in a house are stacked one on top of the other. One could draw exactly the same diagram. It really comes down to paying attention to what matters in every matter. One truly knows something about these higher beings when one knows the state of consciousness in which each of these beings lives, when one attempts to describe it. That is what one must keep in mind.
[ 15 ] Und so ist es auch beim Menschen selber. Man lernt auch den Menschen seinem Inneren nach wirklich noch recht wenig kennen, wenn man zum Beispiel über den Schlaf nichts weiter zu sagen weiß, als daß das Ich und der astralische Leib dann aus dem physischen und ätherischen Leib heraus sind. Gewiß ist das wahr, aber es ist die allerabstrakteste Aussage. Denn man weiß eigentlich nicht mehr über den Unterschied zwischen Schlafen und Wachen bei dem Menschen, als man auch weiß über ein volles und ein leeres Bierglas; bei dem einen ist das Bier darinnen und bei dem anderen ist das Bier draußen! Gewiß, es gilt das, daß beim schlafenden Menschen das Ich und der astralische Leib aus dem physischen und dem Ätherleib draußen sind, aber man muß den Willen haben, zu immer weiteren und weiteren konkreten Bestimmungen aufzusteigen. Und dieses Aufsteigen zu konkreten Begriffen, das versuchen wir, indem wir zum Beispiel jetzt wieder klargemacht haben, wie der Wechsel des Interesses ist in dem einen und in dem anderen Falle. Ich habe Ihnen das eine Mal rötlich hell den Menschen schematisch gezeichnet; das andere Mal bläulich. Das hängt damit zusammen, daß ich Ihnen gesagt habe: Der Mensch ist da im Hohlen. Und wenn man nun einschläft und ein höheres Bewußtsein sich erwirbt — das Bewußtsein kann sich andeuten zunächst; man sieht dann ja auch wirklich, denn man fängt an damit, daß man sich selbst betrachtet —, dann sieht man auch das Hohle, dann sieht man schon das Hohle. Dann sieht man schon die Unwahrheit des Urteils, daß wir aus kompakter Materie bestünden. Man sieht dann schon, daß das, was da als Materielles erscheint beim Tagesbewußtsein, eigentlich Hohlräume sind. Nur muß man beachten, daß ja der Mensch wirklich heraus ist während des Schlafes. Daher sieht er den Hohlraum umsäumt von der Aura. Nicht wahr, der Mensch ist nicht in sich, sondern er ist außen und sieht so hin. Er sieht also das, was in der Mitte mehr oder weniger hohl ist. Es ist natürlich konfiguriert, mehr oder weniger hohl. Es ist nicht einfach ein Hohlraum. Sonstige Hohlräume sind ja dann gerade ausgefüllt, wenn man sie von außen anschaut. So daß der Mensch natürlich so konfiguriert erscheint, wie er ist, wenn man ihn von außen anschaut, so wie es das Tagesbewußtsein gibt. Aber man sieht ihn außerdem umgeben von einem aurischen Nebel. Es erscheint einem der Mensch dann nicht so, wie wenn man sonst auf ihn hinschaut, sondern er ist umgeben von einer Art aurischem Nebel. Man sieht nicht ganz deutlich auf ihn hin, sondern so, daß man diesen aurischen Nebel erst durchdringen muß. Also man sieht hin auf einen aurischen Nebel, und in diesem aurischen Nebel schattiert sich dann etwas ab wie die Gestalt; über dieser lagert sich aber wiederum dieser Nebel. Es ist also wirklich so, wie wenn man den Menschen sehen würde in einer mehr oder weniger hellen Aura darinnen. Da darinnen ist er ausgespart, wenn man ihn so von außen anschaut. Ich will da den trivialen Vergleich gebrauchen, um das Phänomen, von dem wir hier sprechen, wenn während des Schlafes der Mensch bewußt wird, klarzumachen: Wer ist nicht schon einmal durch eine Stadt gegangen, die im Nebel war. Da hat er die Lichter nicht scharf begrenzt gesehen, sondern wie in einer Art Regenbogenaura darinnen. Das hat ja jeder Mensch schon gesehen. Da sieht man nicht die Lichter, sondern eigentlich die Lichter ausgespart in dem umliegenden Nebel. Es hat wirklich sehr viel Ähnlichkeit mit dem genannten Vorgange. Man sieht eigentlich das imaginative Sehfeld wie im Nebel, und darinnen sind ausgespart, wie Dunkelheiten, die Menschenwesen.
[ 15 ] And the same is true of human beings themselves. One really knows very little about the inner nature of human beings if, for example, one has nothing more to say about sleep than that the ego and the astral body are then separated from the physical and etheric bodies. That is certainly true, but it is the most abstract statement of all. For one actually knows no more about the difference between sleeping and waking in human beings than one knows about a full and an empty beer glass; in one, the beer is inside, and in the other, the beer is outside! Certainly, it is true that in the sleeping human being the ego and the astral body are outside the physical and etheric bodies, but one must have the will to ascend to ever broader and more concrete definitions. And this ascent to concrete concepts is what we are attempting, for example, by having now clarified once again how the shift in focus differs in one case and the other. I once drew the human being schematically for you in a reddish-bright color; another time in a bluish one. This is connected to what I told you: The human being is there in the hollow. And when one now falls asleep and acquires a higher consciousness—this consciousness can first hint at itself; one really does see it then, for one begins by observing oneself—then one also sees the hollow, one already sees the hollow. Then one already sees the untruth of the judgment that we consist of compact matter. One then already sees that what appears as material in waking consciousness are actually hollow spaces. But one must note that the human being is truly outside of themselves during sleep. That is why they see the hollow space surrounded by the aura. Isn’t it true that the human being is not within themselves, but is outside and looks in this way? They thus see what is more or less hollow in the center. It is naturally configured, more or less hollow. It is not simply a hollow space. Other cavities, after all, appear filled when viewed from the outside. So that the human being naturally appears configured as he is when viewed from the outside, just as everyday consciousness perceives him. But one also sees him surrounded by an auric mist. The human being then does not appear to one as he usually does when looked at, but is surrounded by a kind of auric mist. One does not look at them quite clearly, but rather in such a way that one must first penetrate this auric mist. So one looks at an auric mist, and within this auric mist something takes shape like a figure; but this mist again lies over it. It is therefore truly as if one were seeing the person within a more or less bright aura. From the outside, he appears to be outlined against it. I’ll use a simple comparison to illustrate the phenomenon we’re discussing here—when a person becomes conscious during sleep: Who hasn’t walked through a city shrouded in fog? There, the lights aren’t seen with sharp edges, but rather as if within a kind of rainbow-like aura. Everyone has seen that. There you do not see the lights, but rather the lights set off against the surrounding fog. It really bears a great resemblance to the process mentioned. You actually see the imaginative field of vision as if in fog, and within it, set off like shadows, are the human beings.
[ 16 ] Wenn man dies ins Auge faßt, so kann man sagen: Sehend zu werden im Schlafe bedeutet, den Menschen durch eine Aura zu sehen. Und dadurch wurde der Mensch materialistisch, daß er lernte, die Aura nicht zu sehen, sondern sich direkt zu sehen. Das konnte nur bewirkt werden, indem durch kuziferische Vorgänge herbeigeführt war die Möglichkeit, daß der Mensch nun anfing, sich mit dem Tagesbewußtsein zu sehen. Und da berührt man verständnisvoll eine wichtige Stelle im Beginn des Alten 'Testamentes. Da wird im Alten Testament mitgeteilt, daß bis zu der luziferischen Verführung hin die Menschen nackt herumgegangen sind. Dieses Nacktherumgehen ist nicht in dem Sinne aufzufassen, daß sie so herumgingen für ihr Bewußtsein, wie Sie jetzt nackt herumgehen würden, sondern daß sie vorher die Aura ringsherum gesehen haben. Und dadurch haben sie das gar nicht gesehen, was man jetzt sehen würde am Menschen, wenn er nackt herumlaufen würde, sondern sie sahen den Menschen in einer spirituellen Kleidung. Die Aura war nämlich die Kleidung. Und als den Menschen der Unschuldszustand genommen war, als sie verurteilt waren zu einer materialistischen Lebensart, mit anderen Worten, als sie die Aura nicht mehr sehen konnten, da sahen sie das, was sie eben nicht gesehen hatten, solange die Aura da war; und da fingen sie an, die Aura zu ersetzen durch die Gewänder. Das ist der Ursprung der Bekleidung: Der Ersatz der Aura durch das Gewand. Und das ist tatsächlich in unserem materialistischen Zeitalter gut zu wissen, daß sich die Menschen zunächst nicht aus anderen Gründen, sondern aus dem Grunde angezogen haben, um in der Bekleidung die Aura nachzuahmen. Bei Kultusgebräuchen ist das ja in ausgesprochenem Sinne der Fall, denn da bedeutet jedes Kleidungsstück die Nachahmung irgendeines Teiles der Aura des Menschen. Und wie Sie noch selbst auf Raffaelschen Bildern sehen, haben die Maria, der Joseph, die Magdalena verschiedene Kleider; die eine Gestalt hat ein rotes Untergewand, blaues Übergewand; die andere blaues Untergewand, rotes Übergewand. Die Magdalena werden Sie sehr häufig bei denen, die die Tradition gut gekannt haben oder noch etwas Hellsehen gehabt haben, im gelben Gewand sehen und so weiter. Da ist immer versucht worden, zu entsprechen der Aura der betreffenden Individualität; denn das Bewußtsein war vorhanden, in der Kleidung die Aura nachzuahmen, in der Kleidung einen Ausdruck der Aura zu schaffen. Und es entspricht unserer materialistischen Zeit die Abirrung, daß in gewissen Kreisen ein Ideal darin gesehen wird, die Kleidung abzuschaffen — denn der Materialismus geht überall bis zu seinen Konsequenzen — und dasjenige, was man oft als «Nacktkultur» bezeichnet, als etwas außerordentlich Gesundes hinzustellen. Es gibt ja sogar eine Zeitschrift, die so etwas vertritt und sich «Die Schönheit» nennt. Diese geht von einem Mißverständnis aus. Sie glaubt nämlich, sich dadurch etwas anderem zu nähern als dem krassesten, dem gröbsten Materialismus. Nur diesem kann man sich nähern, wenn man das Wirkliche bloß in dem sehen will, was eben von der äußeren sinnenfälligen Natur als wirklich hingestellt wird. Aber die Kleidung ist ausgegangen davon, für das normale Leben gewissermaßen den Bewußtseinszustand beizubehalten, der den Menschen in seiner Aura sieht. Daher muß man sagen: Welches ist der Ursprung jener Tendenz, die in unserer Zeit nach der Beseitigung der Kleidung strebt? Mangel an jeglicher Phantasie, sich zu bekleiden! Nicht ein idealer Zweck ist darin zu verstehen, sondern der Mangel an Phantasie jedes Schönheitsprinzips. Denn die Kleidung geht eigentlich davon aus, den Menschen schön zu machen. Und in den unbekleideten Menschen nur ein Schönes zu sehen, würde für unsere Zeit bedeuten den Instinkt nach dem Materialismus hin. — Wie das zusammenhängt mit dem Griechentum, darüber werde ich noch zu sprechen haben. Aber gerade an dem Griechentum können Sie die Frage in dem Sinne, wie es heute gesagt worden ist, studieren.
[ 16 ] When one considers this, one can say: To become sighted in sleep means to see a person through an aura. And it was through this that humanity became materialistic—by learning not to see the aura, but to see itself directly. This could only be brought about by Luciferic processes, which created the possibility that human beings would now begin to see themselves through their waking consciousness. And here we touch upon an important passage at the beginning of the Old Testament. The Old Testament tells us that, up until the Luciferic temptation, human beings walked about naked. This walking around naked is not to be understood in the sense that they walked around like that in their consciousness, as you would now walk around naked, but rather that they had previously seen the aura all around them. And because of this, they did not see at all what one would now see in a human being if he were to walk around naked, but rather they saw the human being in spiritual clothing. For the aura was the clothing. And when the state of innocence was taken from humans, when they were condemned to a materialistic way of life—in other words, when they could no longer see the aura—they saw what they had not seen as long as the aura was there; and so they began to replace the aura with garments. That is the origin of clothing: the replacement of the aura with the garment. And it is indeed good to know in our materialistic age that people initially dressed not for other reasons, but for the reason of imitating the aura through clothing. In religious customs, this is certainly the case in the most literal sense, for there every garment signifies the imitation of some part of the human aura. And as you can see for yourselves in Raphael’s paintings, Mary, Joseph, and Mary Magdalene wear different garments; one figure has a red undergarment and a blue outer garment; the other has a blue undergarment and a red outer garment. You will very often see Mary Magdalene depicted in a yellow robe by those who were well acquainted with the tradition or still possessed some clairvoyance, and so on. There has always been an attempt to correspond to the aura of the individual in question; for there was an awareness of imitating the aura through clothing, of creating an expression of the aura through clothing. And it is characteristic of our materialistic age that in certain circles there is a misconception in which the ideal is seen as abolishing clothing—for materialism goes to its logical conclusion everywhere—and presenting what is often called “nudist culture” as something extraordinarily healthy. There is even a magazine that advocates such a thing and calls itself “Die Schönheit” (Beauty). This is based on a misunderstanding. It believes, in fact, that by doing so it is approaching something other than the crudest, the coarsest materialism. One can approach only this if one wishes to see the real merely in what is presented as real by the external, sensually perceptible nature. But clothing originated from the desire to maintain, so to speak, a state of consciousness in normal life that perceives the human being in his aura. Therefore, one must ask: What is the origin of that tendency in our time that strives for the elimination of clothing? A lack of any imagination regarding clothing! This is not to be understood as an ideal purpose, but rather as a lack of imagination regarding any principle of beauty. For clothing is actually based on the idea of making the human being beautiful. And to see only beauty in the unclothed human being would, in our time, signify an instinct toward materialism. — I will have more to say about how this relates to Greek culture. But it is precisely in Greek culture that you can study the question in the sense in which it has been stated today.
[ 17 ] Nun kommt es wirklich immer mehr und mehr darauf an, daß die Menschen lernen, wie verschiedene Bewußtseinszustände gewisse Gesichtspunkte in der Lebensanschauung abgeben. Bewußtseinszustandswechsel ist Schlafen und Wachen. Aber während Schlafen und Wachen sehr, sehr starke Änderungen in den Bewußtseinszuständen des Menschen bilden, kommen im Leben überhaupt auch kleinere Nuancen von Bewußtseinsänderungen vor. Ich möchte sagen: Auch das Tagesbewußtsein nuanciert sich so, daß der Mensch gewisse Bewußtseinsnuancen, die mehr gegen das Schlafen hinneigen, und wieder andere Bewußtseinsnuancen durchmacht, die mehr gegen das Wachen hinneigen. Wir wissen ja alle: es gibt Menschen, die es lieben, zwar nicht direkt zu schlafen, aber so duselig durch einen großen Teil des Lebens zu gehen. Man sagt dann auch, daß sie schlafen, wenn es auch kein richtiges Schlafen ist; man meint, sie verschlafen das Leben, sie gehen wie träumend durch das Leben; wenn man ihnen irgend etwas sagt, so haben sie es bald vergessen. Es ist ja kein Traum, aber so schnell wie ein Traum geht es an ihnen vorüber, und schon ist es vergessen. Nicht wahr, dieses Dösige, dieses Duselige, wie man es auch nennt, das ist mehr eine Nuance nahe dem Schlafe. — Wenn einer den anderen ordentlich durchprügelt, so ist das eine Nuance, die mehr über den gewöhnlichen Schlafzustand hinausgeht, nicht bloße Vorstellung ist. Mehr als Vorstellungen sind es auch, wenn einer den anderen prügelt. Also es gibt solche Nuancen des Bewußtseins im Leben. Man könnte eine ganze Skala aufstellen für diese Zustände. Aber diese Zustände haben ihre gute Berechtigung. Es hängt sehr viel davon ab, daß der Mensch sich eine Art von Gefühl dafür erwirbt. Zuzeiten ist ihm dieses Gefühl schon eigen, wenn er überhaupt ein gesund geborener und gesund erzogener Mensch ist. Es ist wichtig, daß der Mensch ein gewisses Gefühl hat, wie stark er gewisse Dinge im Leben aufnehmen kann, wie stark er sie beachten soll, und wie wenig stark er sie beachten kann, und auch in welcher Weise er gewisse Dinge nach der Außenwelt vertritt, oder sie in seinem Inneren verbirgt. Das sind auch Nuancen in der Bewußtseinsgeltendmachung. Solche Nuancen in der Bewußtseinsgeltendmachung gibt es. Und es ist sehr wichtig zu wissen, daß, indem wir durch das menschliche Leben gehen, dieses Lebenstakt verleiht: Wie stark wende ich mein Bewußtsein auf irgendeine Sache? Oder: Wie stark betone ich aus meinem Bewußtsein heraus irgendeine Sache? — Und da können wir wirklich uns Wichtiges aneignen, sowohl in der Gesundung des Lebens, wie auch in der Möglichkeit, geordnete Zustände in unserer Umgebung hervorzurufen, wenn wir darauf achten, wie stark wir unser Bewußtsein mit dem oder mit jenem zu verbinden haben. Sehen Sie, wenn wir unterscheiden den möglichen Bewußtseinszustand, in dem wir unter Menschen herumgehen und über die Dinge des Lebens mit den Menschen reden, von dem Zustand, wo wir über gewisse Dinge nicht reden aus einem gewissen Schamgefühl heraus, so hat der Zustand, in dem wir sind im gewöhnlichen Leben, wo wir reden, eben doch eine andere Nuance im Bewußtsein, als wenn wir gewisse Dinge nicht berühren aus Schamgefühl, wie wir sagen. Aber dieses Vorhandensein des Schamgefühls ist eben nur ein anderer Bewußtseinszustand, und unendlich viel hängt davon ab, für solche Dinge im Leben Verständnis zu haben. Und ich will Ihnen an einem Beispiel zunächst etwas klarmachen, wie es doch immerhin Menschen gibt, die für solche Bewußtseinsnuancen im Leben ein gewisses Verständnis haben.
[ 17 ] Now it is becoming increasingly important for people to learn how different states of consciousness shape certain aspects of their worldview. Changes in states of consciousness include sleeping and waking. But while sleeping and waking constitute very, very significant changes in a person’s states of consciousness, there are also smaller nuances of changes in consciousness that occur in life. I would like to say: Daytime consciousness, too, is nuanced in such a way that a person experiences certain nuances of consciousness that lean more toward sleeping, and other nuances of consciousness that lean more toward waking. We all know, after all, that there are people who love—not to sleep directly, but to go through a large part of life in a daze. People then say that they are sleeping, even if it is not real sleep; they are said to be sleeping through life, going through life as if in a dream; if you say anything to them, they soon forget it. It’s not a dream, but it passes them by as quickly as a dream, and it’s already forgotten. Isn’t that so? This drowsiness, this haziness—whatever you call it—is more of a nuance close to sleep. —When one person thoroughly beats up another, that is a nuance that goes beyond the ordinary state of sleep; it is not a mental image. It is more than a mental image when one person beats up another. So there are such nuances of consciousness in life. One could draw up a whole scale for these states. But these states have their good reason for being. A great deal depends on a person acquiring a certain sense of them. At times, this sense is already inherent in him, if he is at all a person born healthy and raised healthily. It is important that a person has a certain sense of how strongly they can take in certain things in life, how much attention they should pay to them, and how little attention they can pay to them, and also in what way they represent certain things to the outside world, or conceal them within themselves. These are also nuances in the expression of consciousness. Such nuances in the expression of consciousness do exist. And it is very important to know that, as we go through human life, this life imparts a rhythm: To what extent do I direct my consciousness toward a particular matter? Or: To what extent do I emphasize a particular matter from within my consciousness? — And there we can truly acquire something important, both in the healing of life and in the ability to bring about orderly conditions in our surroundings, if we pay attention to how strongly we must connect our consciousness with this or that. You see, if we distinguish between the possible state of consciousness in which we move among people and talk about the things of life with them, and the state in which we do not speak of certain things out of a certain sense of shame, then the state we are in during ordinary life, where we speak, does indeed have a different nuance in consciousness than when we avoid certain topics out of a sense of shame, as we say. But this presence of a sense of shame is simply another state of consciousness, and an infinite amount depends on having an understanding of such things in life. And I would like to use an example to first clarify for you that there are, after all, people who have a certain understanding of such nuances of consciousness in life.
[ 18 ] Wir haben heute den 27. August; das ist der Geburtstag Hegels. Morgen, am 28. August, ist der Geburtstag Goethes. Die beiden haben ihre Geburtstage unmittelbar hintereinander. Hegel hat unter anderem ein Werk geschrieben, das heißt «Enzyclopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse». Wenn man dieses Werk liest, hat es eine besondere Eigenschaft. Es hat nämlich nicht den geringsten Sinn bei diesem Werk, es irgendwo aufzuschlagen und zu lesen. Sie könnten ebensogut Chinesisch lesen. Eine Behauptung, die man mitten aus Hegels «Enzyklopädie» herausnehmen wollte, würde gar keinen Sinn ergeben. Bei einem Berliner Vortrag im Winter habe ich gerade hervorgehoben, wie sinnlos es wäre, bei Hegels «Enzyklopädie» einen Satz aus dem Zusammenhang herauszurupfen. Denn ein Satz aus Hegels Enzyklopädie hat nur Sinn, wenn man anfängt da zu lesen — nachdem man zuerst alles, was im Menschengemüte Rätsel um Rätsel aufwirft, zur Seite gelegt hat —, wo Hegel sagt: «Das Sein ist der Begriff nur an sich» und so weiter. Wenn man da anfängt und dann das Ganze auf sich wirken läßt, dann bekommt jeder Satz an der Stelle, wo er steht, erst seinen Sinn. Und daß er an der Stelle steht, das gehört zu dem Satz. Und so hat Hegel die erste Auflage der «Enzyclopädie der philosophischen Wissenschaften» erscheinen lassen. In der Vorrede zur ersten Auflage sagt er nichts besonderes; er sagt nur, warum er diese Enzyklopädie äußerlich so eingerichtet hat. Als die zweite Auflage notwendig wurde, schrieb Hegel eine Vorrede zu dieser zweiten Auflage. Nun macht man manchmal Erfahrungen des Lebens zwischen der ersten und der zweiten Auflage eines Buches. Denn selbst wenn man die Menschen schon kennengelernt hat, so fühlt man sich ja innerlich verpflichtet, sie noch nicht für das zu halten, als was sie manchmal sich dann herausstellen; und man erfährt auch aus der Art, wie ein Buch aufgenommen wird, so mancherlei über die Menschen. Und das war auch bei Hegel der Fall. Da hat er dann auch eine Vorrede zur zweiten Auflage geschrieben, und diese hat wichtige Stellen. Ich will zwei von diesen wichtigen Stellen lesen, nämlich gleich den ersten Satz und einen Satz auf der zweiten Seite. Die Vorrede zur zweiten Auflage beginnt: «Der geneigte Leser wird in dieser neuen Ausgabe mehrere Teile umgearbeitet und in nähere Bestimmungen entwickelt finden; dabei bin ich bemüht gewesen, das Formelle des Vortrages zu mildern und zu mindern, auch durch weitläufigere exoterische Anmerkungen abstrakte Begriffe dem gewöhnlichen Verständnisse und den konkreteren Vorstellungen von denselben näher zu rücken.» Also er war bemüht, das Esoterische exoterisch zu erläutern. «Die gedrängte Kürze, welche ein Grundriß nötig macht in ohnehin abstrusen Materien, läßt aber dieser zweiten Auflage dieselbe Bestimmung, welche die erste hatte, zu einem Vorlesebuch zu dienen, das durch mündlichen Vortrag seine nötige Erläuterung zu erhalten hat. Der Titel einer Enzyclopädie sollte zwar anfänglich einer minderen Strenge der wissenschaftlichen Methode und einem äußerlichen Zusammenstellen Raum lassen; allein die Natur der Sache bringt es mit sich, daß der logische Zusammenhang die Grundlage bleiben müßte.
[ 18 ] Today is August 27; that is Hegel’s birthday. Tomorrow, August 28, is Goethe’s birthday. The two have birthdays right one after the other. Among other things, Hegel wrote a work titled Encyclopedia of the Philosophical Sciences in Outline. When you read this work, it has a peculiar characteristic. Namely, it makes absolutely no sense to open it at random and start reading. You might as well be reading Chinese. A statement taken out of context from the middle of Hegel’s Encyclopedia would make no sense at all. During a lecture in Berlin this winter, I specifically emphasized how pointless it would be to pluck a sentence out of context from Hegel’s Encyclopedia. For a sentence from Hegel’s Encyclopedia only makes sense if one begins reading there—after first setting aside everything that raises mystery upon mystery in the human mind—where Hegel says: “Being is the concept in itself” and so on. If one begins there and then allows the whole to sink in, then every sentence only acquires its meaning at the place where it stands. And the fact that it stands there is part of the sentence. And this is how Hegel published the first edition of the Encyclopedia of the Philosophical Sciences. In the preface to the first edition, he says nothing special; he merely explains why he structured this Encyclopedia in this particular way. When a second edition became necessary, Hegel wrote a preface to this second edition. Now, one sometimes gains life experience between the first and second editions of a book. For even if one has already come to know people, one still feels inwardly obliged not to regard them yet as what they sometimes turn out to be; and one also learns many things about people from the way a book is received. And that was also the case with Hegel. So he wrote a preface to the second edition, and it contains important passages. I would like to read two of these important passages, namely the very first sentence and a sentence on the second page. The preface to the second edition begins: “The kind reader will find in this new edition several sections revised and developed into more detailed specifications; in doing so, I have endeavored to soften and reduce the formal aspects of the exposition, and also, through more extensive exoteric notes, to bring abstract concepts closer to the common understanding and to more concrete mental images of them.” Thus, he endeavored to explain the esoteric in exoteric terms. “The condensed brevity necessitated by an outline of matters that are abstruse in any case, however, leaves this second edition with the same purpose as the first: to serve as a reader, which must receive its necessary explanation through oral presentation. The title of an encyclopedia should indeed initially allow room for a lesser rigor of the scientific method and an external compilation; yet the nature of the matter itself implies that the logical connection must remain the foundation.
[ 19 ] Es waren nur zu viele Veranlassungen und Anreizungen vorhanden, die es erforderlich zu machen schienen, mich über die äußere Stellung meines Philosophierens zu geistigen und geistlosen Betrieben der Zeitbildung zu erklären, was nur auf eine exoterische Weise, wie in einer Vorrede, geschehen kann; denn diese Betriebe, ob sie sich gleich ein Verhältnis zu der Philosophie geben, lassen sich nicht wissenschaftlich, somit überhaupt nicht in dieselbe ein, sondern führen von außen her und draußen ihr Gerede. Es ist mißliebig und selbst mißlich, sich auf solchen der Wissenschaft fremden Boden zu begeben; denn solches Erklären und Erörtern fördert dasjenige Verständnis nicht, um welches es allein zur wahrhaften Erkenntnis zu tun sein kann. Aber einige Erscheinungen zu besprechen mag nützlich oder von Nöten sein.»
[ 19 ] There were simply too many occasions and incentives that seemed to make it necessary for me to explain the external position of my philosophy in relation to the intellectual and non-intellectual endeavors of our time, which can only be done in an exoteric manner, as in a preface; for these endeavors, even if they claim a connection to philosophy, cannot be treated scientifically, and thus not at all within it, but conduct their discourse from the outside and outside of it. It is disagreeable and even awkward to venture onto such ground foreign to science; for such explanation and discussion does not promote the kind of understanding that is the sole concern of true knowledge. But discussing certain phenomena may be useful or necessary.”
[ 20 ] Das beweist uns aber, daß Hegel versucht hat, in der für ihn esoterischen Weise die erste Auflage zu gestalten, und daß er das ihm exoterisch Erscheinende erst in der zweiten Auflage hinzugefügt hat, auch die Vorrede, die nur exoterisch ist. In unserer Zeit hat man oftmals kein Verständnis für dieses Exoterische und Esoterische. Denn in unserer Zeit verfährt man nicht so leicht so, wie Hegel verfahren ist, der zunächst alles, was sein eigenes subjektives Abmachen der Sache war, für sich behalten wollte, und erst als er den Organismus auferbaut hatte, als sich die Sache losgelöst hatte von seinem Subjektiven, da wollte er das, was losgelöst war von seinem Subjektiven, darstellen in seinem Buche, während er der Meinung war: Wie man selber zu der Sache kommt, darüber spricht man nicht! — Er hat damit einen gewissen Takt gezeigt für den Unterschied zweier Bewußtseinszustände: für das Bewußtsein, in das er sich versetzen wollte, wenn er sich vor Menschen hinstellt und zu ihnen spricht, und für das Bewußtsein, das er entfaltet, wenn er mit sich selber spricht. — Und nun nötigt ihn die Welt nachher — wie so oft die Welt die Ursache ist, daß eigentlich dies oder jenes geschieht, was nicht getan werden soll —, es nötigt ihn die Welt, dieses Schamgefühl zu besiegen für eine Zeit. Denn, was war es im Grunde genommen? Schamgefühl war es bei Hegel, nicht von der Art und Weise zu sprechen, wie er zu seinen Begriffen gekommen ist! Im gewöhnlichen menschlichen Schamgefühl erröten die Menschen. So möchte man sagen, wenn es auch geistig aufzufassen ist: Für Hegel war es ein gewisses geistiges Erröten, wenn er so etwas schreiben mußte wie die Vorrede zur zweiten Auflage. Da sehen Sie eine Bewußtseinsnuance, über die das Schamgefühl sich ausbreitet.
[ 20 ] This proves to us, however, that Hegel attempted to structure the first edition in a manner that was esoteric to him, and that he added what appeared exoteric to him only in the second edition, including the preface, which is purely exoteric. In our time, people often lack an understanding of this distinction between the exoteric and the esoteric. For in our time, one does not so readily proceed as Hegel did, who at first wanted to keep to himself everything that was his own subjective interpretation of the matter, and only when he had built up the organism, when the matter had become detached from his subjectivity, did he wish to present in his book that which was detached from his subjectivity, while he was of the opinion: One does not speak of how one arrives at the matter oneself! — In this, he demonstrated a certain tact regarding the difference between two states of consciousness: the consciousness into which he wished to place himself when he stood before people and spoke to them, and the consciousness he unfolded when he spoke to himself. — And now the world compels him afterward—as so often the world is the cause of this or that happening that ought not to happen—the world compels him to overcome this sense of shame for a time. For what was it, after all? It was a sense of shame in Hegel not to speak of the manner in which he arrived at his concepts! In ordinary human shame, people blush. That is how one might put it, even if it is to be understood intellectually: for Hegel, it was a certain intellectual blushing when he had to write something like the preface to the second edition. There you see a nuance of consciousness over which the feeling of shame spreads.
[ 21 ] Ich wollte Ihnen an einem Beispiel zeigen, wie im Leben, auch in der Willensbetätigung, in dem, was man tut, diese Bewußtseinsnuancen zum Vorschein kommen. Und notwendig ist es, daß man sich nach und nach darüber klar wird, daß das Leben wirklich schon bestehen muß in solchen Bewußtseinsnuancen; daß man gewissermaßen verbinden muß mit allem, was man auslebt, Bewußtseinsunterschiede. Schlafen und Wachen sind nun gerade starke Bewußtseinsunterschiede. Aber es kann auch der Bewußtseinsunterschied ins Auge gefaßt werden, daß man weiß: Das ist eine Sache, die geht nicht nur dich alleinan, die geht dich und die Welt an; das andere ist eine Sache, da mußt du, wenn du der Welt gegenübertrittst, die Art und Weise etwas herabmindern, wie du es geltend machst; und noch anderes mußt du mit dir oder im allerintimsten Kreise mit dir selber ausmachen.
[ 21 ] I wanted to use an example to show you how these nuances of consciousness come to light in life, including in the exercise of the will and in what one does. And it is necessary to gradually realize that life must truly consist of such nuances of consciousness; that one must, so to speak, connect differences in consciousness with everything one experiences. Sleeping and waking are precisely such strong differences in consciousness. But one can also consider the difference in consciousness that comes from knowing: This is a matter that concerns not only you alone, but you and the world; the other is a matter where, when you face the world, you must somewhat tone down the way you assert yourself; and yet other things you must settle with yourself or within your most intimate circle.
[ 22 ] So greift das, was wir an Begriffen und Ideen aus der Geisteswissenschaft gewinnen können, wirklich in das Leben ein, lehrt uns, feine, subjektive Unterschiede im Leben erkennen, wenn man nur nicht auf die gewöhnliche Art wie sonst im Leben diese Unterschiede kennenlernen will, sondern wenn man sich klar ist darüber, daß die ernstliche Beschäftigung mit der Geisteswissenschaft uns gleichsam diesen Lebenstakt gibt. Aber es muß dann die ernstliche Beschäftigung mit dieser Geisteswissenschaft da sein. Die ist natürlich dann nicht vorhanden, wenn man die Empfindungen und Triebe und Instinkte, die man sonst draußen im Leben gehabt hat, auch in die Geisteswissenschaft hineinträgt. Dann passiert es einem, daß man, ich möchte sagen, aus der Geisteswissenschaft auch nicht viel mehr gewinnt als aus irgendeiner anderen gleichgültigen Erkenntnismitteilung. Und so kann es dann vorkommen — ich habe ja gesagt, daß es Nuancen des Bewußtseins gibt und daß innerhalb des Wachens dann Nuancen liegen, die sich dem Schlafe nähern —, daß man Geisteswissenschaft aufnimmt, aber keine rechte Neigung hat, auf gewisse Einzelheiten, Subtilitäten einzugehen, weil man daran ein solches Interesse nimmt, wie ich das vorhin vom Rentier in bezug auf den Vortrag gesagt habe. Man liest zwar gerne Zyklen oder Bücher, aber man liest doch so, daß an gewissen Stellen dieses Bewußtsein herabsinkt, daß es einduselt, eindöst. Man fühlt nicht recht die Selbstverpflichtung, über solche Dinge hinwegzukommen.
[ 22 ] Thus, what we can gain in terms of concepts and ideas from Spiritual Science truly intervenes in life, teaching us to recognize subtle, subjective differences in life—provided we do not seek to understand these differences in the usual way we do in everyday life, but rather realize that a serious engagement with Spiritual Science, as it were, gives us this rhythm of life. But there must then be a serious engagement with Spiritual Science. This is, of course, not present if one carries the feelings, drives, and instincts that one otherwise had out in life into Spiritual Science as well. Then it happens that one, I would say, gains no more from Spiritual Science than from any other indifferent communication of knowledge. And so it can happen—I have said, after all, that there are nuances of consciousness and that within wakefulness there are nuances that approach sleep—that one takes in Spiritual Science but has no real inclination to delve into certain details or subtleties, because one approaches it with the kind of interest I mentioned earlier regarding the reindeer in connection with the lecture. One may enjoy reading cycles or books, but one reads in such a way that at certain points this consciousness sinks, that it dozes off, drifts off. One does not really feel the personal commitment to rise above such things.
[ 23 ] Das ist der Grund, warum ich immer wieder darauf gedrungen habe, daß man es den Leuten nicht allzu leicht macht, die an die Geisteswissenschaft herankommen wollen. Immer wieder tritt das auf, daß man sagt, man müßte doch populäre Bücher schreiben; die «Theosophie» zum Beispiel sei nicht populär genug! Ich höre nur immer durch: man müßte nur Bücher schreiben, bei denen man mehr dösen könne als bei der «Theosophie». Nun ist es wirklich notwendig, daß man gerade durch dieses Sich-Interessieren für das Objektive dasjenige vertreibt, was einem bleibt von gewissen Gefühlen und Empfindungen, die man vorher gehabt hat; sonst kann es einem nämlich passieren, daß, wenn man zuviel schläft gegenüber dem oder jenem in der Geisteswissenschaft, wofür man eigentlich Interesse haben soll, man nur gegenüber dem am leichtesten zu Behaltenden wach bleibt. Und dann kommt natürlich ein Vorgang, der gar nicht ausbleiben kann, wenn man nicht genügend objektives Interesse entwickelt: Nicht wahr, der Rentier, der hört sich den Vortrag an, er fühlt sich dazu verpflichtet: Man geht in einen Vortrag, das bringt so die gute Lebensart mit sich; aber es ist ihm eigentlich greulich, er hat nicht das geringste Interesse dafür. Nun wird sein zu geringes Interesse abgelenkter genießt sich und kommt manchmal auch bis zum wirklichen Einschlafen, das ja zunächst nicht beachtet zu werden braucht, wenn es nicht ins Schnarchen übergeht, nicht wahr, aber das ist ein ganz naturgemäßer Vorgang.
[ 23 ] That is why I have repeatedly insisted that we should not make it too easy for people who want to approach Spiritual Science. Time and again, people say that one ought to write popular books; “Theosophy,” for example, is not popular enough! All I ever hear is: one ought to write books that allow one to doze off more easily than “Theosophy” does. Now it is truly necessary that, precisely through this interest in the objective, one dispel whatever remains of certain feelings and sensations one had previously; otherwise, it can happen that, if one dozes off too much in the face of this or that aspect of Spiritual Science — which one is actually supposed to be interested in—one remains awake only in the face of what is easiest to retain. And then, of course, a process ensues that is inevitable if one does not develop sufficient objective interest: Isn’t it true that the pensioner who listens to the lecture feels obligated to do so? One attends a lecture because it is part of the proper way of life; but it is actually dreadful to him—he has not the slightest interest in it. Now his lack of interest is somewhat distracted, and he sometimes even drifts off to sleep, which need not be noticed at first, provided it doesn’t turn into snoring, doesn’t it, but that is a perfectly natural process.
[ 24 ] Nun denken Sie sich diesen Vorgang übertragen, ich möchte sagen, auf ein anderes Bewußtsein. Dann haben Sie das Folgende: Irgend jemand entwickelt nicht das nötige, volle Interesse für die einzelnen Konkretheiten der Geisteswissenschaft, sondern er findet, daß man eigentlich am besten zuhört, wenn man nicht so auf die Einzelheiten hört. Ich habe sogar schon vernommen, daß man gesagt hat: Ach, was er sagt, das ist nicht das Wichtige, sondern «die Vibrationen», die «Art und Weise»! — So ein dösiges, duseliges Zuhören, das ist etwas, was man manchem schon ansehen kann in der Art und Weise, wie er zuhört. Das ist aber dasselbe in bezug auf die Seele, wie es bezüglich des äußeren Lebens beim Rentier ist. Denn wendet sich die Aufmerksamkeit statt dem, was durch die Geisteswissenschaft geboten ist, den «Vibrationen» zu, so wendet sich das Interesse dem Inneren zu, geradeso wie wenn der Rentier sich selbst genießt. Und in der Zeit zwischen zwei Vorträgen gibt man vielleicht vor, Interesse zu haben für das, was in dem Vortrage gesagt wird, beteuert, sich zu interessieren für dieses oder jenes, aber in Wirklichkeit erzählt man: Der hat früher diese Inkarnation gehabt, ich selber habe diese Inkarnation gehabt. — Das heißt, man hat alles auf seine eigene Person abgelenkt. Das ist ganz genau derselbe Vorgang. So daß also wirklich dieser Vorgang, der mit Bezug auf das äußere Leben beim Rentier vorliegt, der bei jedem Vortrage einschläft, auch bei Menschen in Erscheinung tritt, die zwar vorgeben, sich für Geisteswissenschaft zu interessieren, die sich in Wirklichkeit aber nicht interessieren, sondern in einem gewissen Sinne immer finden: auf die Einzelheiten kommt es nicht an! Und dann schlafen sie ein für die Einzelheiten; und dann geht das Interesse auf die eigene Persönlichkeit über. — Man muß sich schon solche Dinge durchaus klarmachen! Würde man sie sich klarmachen, so würde manches nicht geschehen, was geschieht.
[ 24 ] Now imagine this process applied—I would say—to another consciousness. Then you have the following: Someone does not develop the necessary, full interest in the specific details of Spiritual Science, but instead feels that one actually listens best when one does not pay so much attention to the details. I have even heard people say: Oh, what he says isn’t what’s important, but “the vibrations,” the “way” he says it! — Such a drowsy, dreamy way of listening is something you can already see in the way some people listen. But this is the same with regard to the soul as it is with regard to the outer life of the reindeer. For if attention turns to the “vibrations” instead of to what is offered by Spiritual Science, then interest turns inward, just as when the reindeer enjoys itself. And in the time between two lectures, one may pretend to be interested in what is said in the lecture, asserting an interest in this or that, but in reality one says: He had this incarnation in the past, I myself had this incarnation. — That is to say, one has diverted everything to one’s own person. This is exactly the same process. So that this very process, which is present in the reindeer with regard to external life—the one that falls asleep during every lecture—also manifests itself in people who, while pretending to be interested in Spiritual Science, are in reality not interested, but in a certain sense always find: the details don’t matter! And then they fall asleep when it comes to the details; and then their interest shifts to their own personality. — One really must make such things quite clear to oneself! If one were to make them clear to oneself, many things that happen would not happen.
[ 25 ] Ich möchte, daß Sie gewissermaßen die Nuancierung des Bewußtseins jetzt überhaupt ins Auge fassen, wie ich versuchte, sie darzustellen. Das letzte Beispiel, die letzte Erörterung, die ich gegeben habe, darf vielleicht in diesen Tagen nicht übelgenommen werden, dürfte vielleicht auch sonst nicht übelgenommen werden. Denn es ist ja zweifellos, daß viel geschlafen wird gegenüber der geisteswissenschaftlichen Bewegung, und daß ein starker Hang zum Selbstgenuß überhandnimmt, und daß dann eben Geisteswissenschaft nur angewendet wird, um diesem Selbstgenuß zu frönen. Aber die Nuance des Bewußtseins wollen wir ins Auge fassen. Denn ohne das Ins-AugeFassen der Nuance des Bewußtseins kann man nicht zu dem Verstehen der Begriffe Notwendigkeit, Zufall und Vorsehung kommen.
[ 25 ] I would like you to consider, so to speak, the nuances of consciousness as a whole, as I have attempted to describe them. The last example, the last discussion I gave, should perhaps not be taken amiss these days, nor should it be taken amiss in general. For there is no doubt that there is a great deal of complacency toward the Spiritual Science movement, and that a strong tendency toward self-indulgence is gaining the upper hand, and that Spiritual Science is then used solely to indulge this self-indulgence. But let us take a close look at the nuance of consciousness. For without taking a close look at the nuance of consciousness, one cannot come to an understanding of the concepts of necessity, chance, and providence.
