Necessity and Freedom
in World History and Human Action
GA 166
27 January 1916, Berlin
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Necessity and Freedom in World History and Human Action, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Ich versuchte vorgestern hinzuweisen auf das gleich bedeutungsvolle Rätsel, das Weltengeheimnis von Notwendigkeit und Freiheit im Weltengeschehen und im menschlichen Handeln. Ich versuchte zunächst einmal, und auch die heutige Betrachtung wird sich noch in derselben Bahn halten müssen, auf die ganze Bedeutung und Schwierigkeit dieses Weltenrätsels und Menschheitsrätsels aufmerksam zu machen. Ich versuchte, durch ein hypothetisches Beispiel darauf hinzuweisen, wie uns im Weltengeschehen diese Frage entgegentreten kann. Ich sagte: Nehmen wir einmal an, eine Gesellschaft hätte sich aufgemacht, durch eine Bergschlucht zu fahren, im Laufe welcher ein überhängender Felsen ist, und die Zeit wäre ganz genau angesetzt. Der Kutscher aber versäumt durch eine Nachlässigkeit, fährt fünf Minuten zu spät ab. Dadurch kommt die Gesellschaft gerade in dem Augenblick, als der Fels abstürzt, an die betreffende Stelle, die unter dem Felsen ist. Man muß sagen nach äußerer Beurteilung — ich sage ausdrücklich: nach äußerer Beurteilung —, durch die Saumseligkeit des Kutschers, also durch ein Ereignis, das wie durch eines Menschen Schuld hereingetreten ist, sei die ganze Reisegesellschaft verschüttet worden.
[ 1 ] The day before yesterday, I attempted to draw attention to the equally significant enigma—the cosmic mystery of necessity and freedom in world events and human action. I began by attempting—and today’s reflection will also have to follow the same line of thought—to draw attention to the full significance and difficulty of this cosmic enigma and the enigma of humanity. I tried, through a hypothetical example, to illustrate how this question can confront us in world events. I said: Let us suppose that a group of people set out to travel through a mountain gorge, along which there is an overhanging rock, and the time was set very precisely. But the coachman, through negligence, departs five minutes late. As a result, the group arrives at the spot in question—which is directly beneath the rock—at the very moment the rock falls. One must say, based on an external assessment—and I emphasize: based on an external assessment—that the entire group of travelers was buried as a result of the coachman’s tardiness, that is, due to an event that occurred as if through human fault.
[ 2 ] Das letzte Mal wollte ich hauptsächlich darauf aufmerksam machen, daß wir nicht zu schnell mit unserem gewöhnlichen Denken an ein solches Rätsel herantreten sollen und glauben, es lösen zu können. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie dieses menschliche Denken, das wir ja zunächst nur für den physischen Plan brauchen, sich auch gewöhnt hat, nur auf die Bedürfnisse des physischen Planes Rücksicht zu nehmen, und wie dieses menschliche Denken in Verwirrung kommt, wenn es ein wenig über den physischen Plan hinausgeführt wird. Heute möchte ich durch weiteres vor allen Dingen auf das Schwerwiegende des ganzen Rätsels hinweisen. Denn wir werden erst in der nächsten Betrachtung, die am Sonntag hier sein soll, uns einer Art Lösung dieses ganzen Problems nähern können, wenn wir es in seiner ganzen 'Tragweite und in seiner ganzen Bedeutung, auch für das menschliche Erkennen selbst überschauen; wenn wir zum Beispiel vollständig überschauen, wie wir hineingeraten können, gerade gegenüber den schwierigsten Lebensproblemen, in Spintisiererei, in ein Drängen und Leiten der Gedanken, die uns gewissermaßen in die Irre führen, so daß wir uns wie in einem Walde befinden, in dem wir weitergehen und glauben, weiter zu kommen, während wir uns im Grunde genommen im Kreise drehen. Erst wenn wir sehen, daß wir wieder auf den Punkt zurückgekommen sind, bemerken wir, daß wir uns im Kreise gedreht haben. Das Merkwürdige ist nur, daß wir beim menschlichen Denken nicht bemerken, wie wir immer und immer wieder auf demselben Punkte ankommen. Aber auch darüber wollen wir noch sprechen.
[ 2 ] Last time, I mainly wanted to point out that we should not approach such a mystery too quickly with our usual way of thinking and believe that we can solve it. I pointed out how this human thinking—which, after all, we initially need only for the physical plane—has also become accustomed to taking into account only the needs of the physical plane, and how this human thinking becomes confused when it is led even slightly beyond the physical plane. Today I would like, above all, to point out the gravity of the entire enigma. For it is only in the next lecture, which is to take place here on Sunday, that we will be able to approach a kind of solution to this whole problem—if we survey it in its full scope and significance, including for human cognition itself; when, for example, we fully grasp how we can fall into speculation—especially when faced with the most difficult problems of life—into a rush and a direction of thoughts that, in a sense, lead us astray, so that we find ourselves as if in a forest where we keep walking and believe we are making progress, while in reality we are simply going in circles. Only when we see that we have returned to the same point do we realize that we have been going in circles. The strange thing is that, in human thinking, we do not notice how we arrive at the same point over and over again. But we will discuss that as well.
[ 3 ] Ich habe angedeutet, daß dieses bedeutsame Problem zusammenhängt mit dem, was wir die Kräfte des Ahriman und die Kräfte des Luzifer nennen im Weltengeschehen und in dem, was an den Menschen in seinem Handeln, in seinem ganzen Denken, Fühlen und Wollen herantritt. Ich habe bemerkt, daß man noch bis in das 15. Jahrhundert herein sehen kann, wie die Menschen ein Gefühl gehabt haben davon, daß ebenso, wie in das Naturgeschehen positive und negative Elektrizität hereinspielt, und wie sich kein Physiker geniert, von positiver und negativer Elektrizität zu sprechen, so die Menschen auch gewußt haben das Ahrimanische und Luziferische doch im Weltgeschehen zu sehen, wenn sie auch diese Namen nicht ausgesprochen haben. Ich habe da auf ein anscheinend sehr fernliegendes Beispiel hingewiesen: auf die Uhr des Prager Altstädtischen Rathauses, die so kunstvoll eingerichtet ist, daß sie nicht bloß eine Uhr, sondern eine Art Kalender ist, so daß man jedes Ereignis darauf sieht, daß man auch den Gang der Planeten darauf sieht, daß man Sonnen- und Mondenfinsternisse, wenn sie eintreten, an der Uhr ablesen kann. Kurz, es hat da ein sehr kunstsinniger Mann ein großes Kunstwerk zustande gebracht. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, daß man dokumentarisch nun sehr gut nachweisen kann, wie ein Professor einer Prager Hochschule dieses Kunstwerk zustande gebracht hat, daß uns das aber nicht weiter interessieren kann, denn das sind die Vorgänge, die sich auf dem physischen Plane abgespielt haben. Ich habe aber darauf hingewiesen, wie eine einfache Volkssage sich ausgebildet hat, in dem Gefühl, daß in ein solches Ereignis auch die ahrimanischen und luziferischen Kräfte hereinspielen, die Sage, daß diese Uhr also kunstvoll am Rathaus der Prager Altstadt angebracht worden ist durch einen Mann, der ein einfacher Mann war, der die ganze Begabung dazu durch eine Art göttlicher Eingebung erhalten hat, und daß dann die Sage weiter erzählt: aber der Herrscher, der wollte diese Uhr nur für sich allein haben, wollte nicht dulden, daß auch noch in irgendeiner anderen Stadt eine solche Uhr oder etwas Ähnliches konstruiert werde. Daher habe er den Meister der Uhr blenden lassen. Der mußte sich dann fernhalten. Nur als er seinen Tod herannahen fühlte, wurde ihm noch gestattet, an die Uhr heranzugehen. Und da gab er durch einen geschickten Eingriff der Uhr einen Stoß, und die Folge war, daß man sie eigentlich niemals wiederum in Ordnung bringen konnte.
[ 3 ] I have suggested that this significant problem is connected with what we call the forces of Ahriman and the forces of Lucifer in the course of world events and in what approaches human beings in their actions, in their entire thinking, feeling, and willing. I have noted that even as late as the 15th century, one can see how people had a sense that, just as positive and negative electricity play a role in natural phenomena—and just as no physicist is shy about speaking of positive and negative electricity— so, too, people knew how to perceive the Ahrimanic and Luciferic forces at work in world events, even if they did not actually use those names. I pointed to what seems to be a very distant example: the clock on Prague’s Old Town Hall, which is so artfully designed that it is not merely a clock but a kind of calendar, so that one can see every event on it, observe the movements of the planets, and read solar and lunar eclipses on the clock as they occur. In short, a man with a great appreciation for art has created a magnificent work of art. I pointed out that it is now possible to document very clearly how a professor at a Prague university brought this work of art into being, but that this is of no further interest to us, for these are events that took place on the physical plane. I have, however, pointed out how a simple folk legend has taken shape, born of the sense that Ahrimanic and Luciferic forces also play a role in such an event—the legend that this clock was artfully installed on the town hall in Prague’s Old Town by a man who was a simple man, who received the entire gift for it through a kind of divine inspiration, and that the legend goes on to say: but the ruler, who wanted this clock all to himself, would not tolerate the construction of such a clock or anything similar in any other city. Therefore, he had the clockmaker blinded. The clockmaker was then forced to stay away. Only when he sensed his death approaching was he permitted to approach the clock once more. And there, through a deft maneuver, he gave the clock a jolt, with the result that it could never really be set right again.
[ 4 ] In dieser Volkssage fühlt man, wie auf der einen Seite eben die Empfindung vorhanden war für das luziferische Prinzip, für jenes luziferische Prinzip in dem Herrscher, der die Uhr nur für sich allein haben wollte, die allein durch eine Gnadengabe konstruiert werden konnte, die also hereingekommen ist durch die guten, fortschreitenden göttlichen Mächte; und wie dann, sobald Luzifer aufgetreten ist, Ahriman dazu kommt, denn das war eine ahrimanische Tat, daß dann der geblendete Meister dieser Uhr durch seine Geschicklichkeit die Uhr verdorben hat. In dem Augenblick, wo Luzifer aufgerufen ist — und das Umgekehrte ist auch der Fall — kommt durch einen Gegenschlag dann Ahriman. Daß aber nicht nur das Volk in der Bildung dieser Sage etwas von Ahriman und Luzifer gefühlt hat, das geht noch aus etwas anderem hervor. Das geht aus der Ausgestaltung der Uhr selber hervor. Daraus geht hervor, daß auch der Meister ahrimanische und luziferische Kräfte anbringen wollte, indem er gerade diese Uhr konstruierte, denn diese Uhr zeigt außer dem, was ich Ihnen schon beschrieben habe an Kunstvollendetem, noch etwas ganz anderes. Es sind außer dem allem, was da angebracht ist, außer dem Zifferblatt, der Planetenscheibe und so weiter, noch auf den beiden Seiten Figuren angebracht, und zwar auf der einen Seite der Tod, und auf der anderen Seite zwei Figuren: die eine ein Mann, welcher einen Geldbeutel in der Hand hat mit dem Geld darin er klappern kann. Die andere Figur stellt dar einen Mann, dem ein Spiegel vorgehalten wird, so daß er immer sich selber sehen kann. Also wir haben in diesen zwei Figuren außerordentlich schön den Menschen, der hingegeben ist in seinem Wert an das Äußere: den reichen Geizhals, den ahrimanischen Menschen, und den luziferischen Menschen, der die Kräfte seiner Eitelkeit fortwährend aufgerufen haben will, in dem Menschen, dem der Spiegel vorgehalten ist, der fortwährend sich selber ansehen kann. Wir haben also durch den Meister selber das Ahrimanische und das Luziferische einander gegenübergestellt, und wir haben auf die andere Seite gestellt den Tod, das ist das Ausgleichende — wir werden auch davon noch zu sprechen haben —, das ist dasjenige, was dastehen soll eben als eine Mahnung daran, wie durch die fortwährende Abwechslung vom Leben zwischen Tod und Geburt und Geburt und Tod der Mensch eben hinauskommt über die Sphäre, in der Ahriman und Luzifer walten. Wir sehen also in der Uhr selber in einer wunderbaren Weise dargestellt, wie damals noch ein Gefühl für das Ahrimanische und Luziferische vorhanden war.
[ 4 ] In this folk tale, one senses how, on the one hand, there was a perception of the Luciferic principle—that Luciferic principle in the ruler who wanted the clock all to himself, a clock that could only have been constructed through a gift of grace, which thus came about through the good, progressive divine powers; and how, as soon as Lucifer appeared, Ahriman entered the picture—for this was an Ahrimanic act—so that the deluded master of this clock then ruined it through his own skill. The moment Lucifer is invoked—and the reverse is also true—Ahriman then strikes back. But the fact that it was not only the people who sensed something of Ahriman and Lucifer in the formation of this legend is evident from something else as well. It is evident from the design of the clock itself. This shows that the master, too, wanted to incorporate Ahrimanic and Luciferic forces by constructing this very clock, for this clock reveals, in addition to the artistic perfection I have already described to you, something entirely different. In addition to everything else that is featured on it—the dial, the planetary disc, and so on—there are also figures on both sides: on one side, Death; and on the other side, two figures—one a man holding a purse in his hand, with money inside that he can jingle. The other figure depicts a man with a mirror held up to him so that he can always see himself. So in these two figures we have an extraordinarily beautiful depiction of the human being who is devoted, in terms of his self-worth, to the external: the rich miser, the Ahrimanic human being, and the Luciferic human being, who constantly wants the forces of his vanity to be called upon—in the figure to whom the mirror is held, who can constantly look at himself. Thus, through the Master himself, we have set the Ahrimanic and the Luciferic against one another, and we have placed death on the other side—that is, the balancing force—which we will also have to speak of later— that is what is meant to stand there as a reminder of how, through the constant alternation of life between death and birth and birth and death, the human being transcends the sphere in which Ahriman and Lucifer reign. We thus see depicted in the clock itself, in a wondrous way, how a sense of the Ahrimanic and the Luciferic still existed in those days.
[ 5 ] Dieses Gefühl für das Ahrimanische und Luziferische müssen wir uns in einer gewissen Weise beleben, wenn wir zu einer Lösung der angedeuteten schwierigen Frage kommen wollen. Im Grunde genommen tritt uns ja die Welt wirklich immer in einer Zweiheit entgegen. Schauen wir auf die Natur. Was bloß Natur ist, tritt uns wirklich entgegen, wir können sagen, in der Signatur, in dem Ausdruck, mit der Offenbarung einer starren Notwendigkeit. Wir wissen Ja, daß es sogar das Ideal des Naturforschers ist, künftige Ereignisse mathematisch aus den vorhergehenden Ereignissen berechnen zu können. Ein Ideal ist es, allen Naturerscheinungen gegenüber es so machen zu können, wie den künftigen Sonnen- und Mondesfinsternissen gegenüber, die man aus den Konstellationen der Himmelskörper vorherberechnen kann. Also das fühlt der Mensch: sofern er den Naturereignissen gegenübersteht, steht er gegenüber einer starren Notwendigkeit, einer absoluten Notwendigkeit. Gerade seit dem 15. Jahrhundert haben sich die Menschen gewöhnt, so recht diese starre Notwendigkeit sich zum Muster überhaupt einer Weltenbetrachtung zu nehmen. Dadurch ist es allmählich entstanden, daß man nun auch geschichtliche Ereignisse mit einer solchen starren Notwendigkeit durchzieht.
[ 5 ] We must, in a certain sense, awaken this sense of the Ahrimanic and the Luciferic within ourselves if we are to arrive at a solution to the difficult question hinted at here. After all, the world truly always presents itself to us as a duality. Let us look at nature. What is purely nature truly presents itself to us—we might say—in its signature, in its expression, through the revelation of a rigid necessity. We know, indeed, that it is even the natural scientist’s ideal to be able to calculate future events mathematically from preceding events. It is an ideal to be able to approach all natural phenomena in the same way as one approaches future solar and lunar eclipses, which can be predicted based on the constellations of the celestial bodies. This is what human beings feel: insofar as they are confronted with natural phenomena, they are faced with a rigid necessity, an absolute necessity. Especially since the 15th century, people have become accustomed to taking this rigid necessity as the very model for their view of the world. As a result, it has gradually come to be the case that historical events, too, are now imbued with such rigid necessity.
[ 6 ] Nun aber muß man bei geschichtlichen Ereignissen auf der anderen Seite wiederum folgendes in Betracht ziehen. Wir wollen, nicht wahr, ein Ereignis nehmen, das unabhängig ist von der einen oder anderen Lebenssituation, in der wir sind. Nehmen wir also zum Beispiel einmal das geschichtliche Ereignis Goethe. Man hat in gewisser Beziehung das Bedürfnis, auch eine solche Erscheinung wie das Auftreten Goethes und all dasjenige, was er geschaffen hat, als in einer Art starrer Notwendigkeit begründet zu betrachten. Da kann aber einer kommen und kann sagen: Ja, aber sieh nur einmal an, Goethe ist doch am 28. August 1749 geboren. Wäre in dieser Familie nicht dieser Knabe geboren worden, was wäre denn dann geworden? Hätten wir dann auch die Werke Goethes? — Man könnte dann zeigen, daß Goethe ja selber darauf hinwies, wie er von seinem Vater und seiner Mutter in einer eigentümlichen Weise erzogen ist, wie jedes einen Beitrag geliefert hat zu der Art und Weise, wie er später geworden ist. Wenn er anders erzogen worden wäre, würden dann diese Werke entstanden sein? Und wir schauen hin auf das Zusammentreffen des Herzogs Karl August von Weimar mit Goethe. Hätte ihn der nicht gerufen, hätte ihm der nicht das gegeben, was wir als seinen Lebensverlauf von den siebziger Jahren an kennen, wären nicht da vielleicht ganz andere Werke entstanden? Oder hätte es nicht sogar sein können, daß Goethe ein ganz gewöhnlicher Minister geworden wäre, wenn er anders in seinem Vaterhause erzogen worden wäre, wenn nicht schon damals der dichterische Drang so lebendig in ihm gewaltet hätte? Wie würde sich dann dasjenige ausnehmen, was seit Goethe der Inhalt der deutschen Literatur und Kunst geworden ist, wenn das alles anders geworden wäre?
[ 6 ] But when it comes to historical events, on the other hand, we must also take the following into account. Let’s take, for example, an event that is independent of whatever life situation we happen to be in. So let’s take, for example, the historical figure of Goethe. In a certain sense, there is a tendency to view a phenomenon such as Goethe’s emergence and all that he created as rooted in a kind of rigid necessity. But then someone might come along and say: Yes, but just look—Goethe was born on August 28, 1749. If this boy had not been born into this family, what would have become of him? Would we then have Goethe’s works as well? — One could then point out that Goethe himself noted how he was raised by his father and mother in a unique way, how each contributed to the person he later became. If he had been raised differently, would these works have come into being? And we look to the meeting between Duke Karl August of Weimar and Goethe. Had the duke not summoned him, had he not given him what we know as the course of his life from the 1870s onward, might not entirely different works have come into being? Or might it not even have been the case that Goethe would have become a perfectly ordinary minister if he had been raised differently in his father’s house, had the poetic impulse not already been so vividly at work within him back then? What would the content of German literature and art—as it has been since Goethe—look like if all of that had turned out differently?
[ 7 ] Das sind alles Fragen, die aufgeworfen werden können und die uns die ganze tiefe Bedeutung dieses Rätsels vor Augen stellen können. Aber was einer oberflächlichen Lösung entgegensteht, das kommt uns da noch nicht ganz ordentlich vor Augen. Wir können noch tiefer gehen und noch andere Fragen stellen. Schauen wir zum Beispiel wiederum auf den Künstler, der jene Uhr auf dem Altstädtischen Prager Rathaus zustande gebracht hat. Er hat diese Figuren hinaufgestellt: den reichen Geizhals mit dem Geldbeutel, hat hinaufgestellt also den eitlen Menschen, und den Tod gegenübergestellt. Nun kann man sagen: Damit hat dieser Mann etwas getan, er hat das hinaufgestellt. Aber indem wir das aussprechen, sprechen wir eine Ursache aus für unendlich viele mögliche Wirkungen. Denn stellen Sie sich das lebhaft vor, wie viele Menschen davorgestanden haben, vor diesem reichen Geizhals, vor diesem eitlen Menschen, dem sein Bild gezeigt wird, vor dem Tod. Und wie viele Menschen auch noch das gesehen haben, was noch eine weit größere Kunst dieses Uhrmachers war: nämlich jedesmal, wenn die Stunde schlagen sollte, bewegte sich zunächst der Tod, der den Stundenschlag durch ein Läutwerk begleitete, und die andere Figur bewegte sich auch, und es winkte der Tod hinüber dem reichen Geizhals, und der winkte wiederum zurück. Das alles konnte man sehen. Das alles waren wichtige Merkzeichen für das Leben. Das alles konnte einen Eindruck machen auf einen Menschen, der davorstand. Es hat das auch einen tiefen Eindruck gemacht. Das geht daraus hervor, daß die Volkssage noch weiteres ausgebildet hat, daß sie nämlich noch etwas Besonderes erzählt: Der Tod, dieses Skelett, hatte nämlich eigentümlicherweise jedesmal, wenn die Stunde schlagen sollte, den Mund aufgerissen, aufgeklappt, und die Volkssage sagte: Jedesmal, wenn man da hinschaut, sieht man, wie aus dem Mund ein Sperling herauskommt, ein Spatz, und dieser hat nur die einzige Sehnsucht, wieder herauszukommen in die freie Luft. Aber wenn er herauskommen will, so klappt der Mund zu, und er ist wiederum für eine Stunde eingeschlossen. Eine sehr geistvolle Sage hat das Volk auch noch sogar an dieses Auf- und Zuklappen des Mundes angeknüpft, wodurch dieses Volk zeigen wollte, welch Bedeutendes das eigentlich ist, was wir so abstrakt «die Zeit» nennen, was wir so abstrakt «das Vorrücken der Zeit» nennen. Daß da tiefe Geheimnisse drinnen walten, das wollte das Volk andeuten.
[ 7 ] These are all questions that can be raised and that can bring home to us the full depth of this mystery. But what stands in the way of a superficial solution is not yet entirely clear to us. We can go even deeper and ask other questions. Let’s look, for example, once again at the artist who created that clock on Prague’s Old Town Hall. He placed these figures up there: the rich miser with his moneybag—that is, the vain man—and set Death opposite him. Now one might say: This man did something—he put those figures up there. But in saying this, we are stating a cause for an infinite number of possible effects. For imagine vividly how many people have stood before them—before this rich miser, before this vain man to whom his own image is shown, and before Death. And how many people also saw what was an even greater feat of artistry by this clockmaker: namely, every time the hour was to strike, Death would move first, accompanying the chime with a bell mechanism, and the other figure would move as well, and Death would wave across to the rich miser, and he would wave back in turn. All of this could be seen. All of these were important symbols of life. All of this could make an impression on anyone standing before it. It did, in fact, make a deep impression. This is evident from the fact that the folk legend has developed further, telling us something even more special: Death, this skeleton, would, strangely enough, open its mouth wide every time the hour was about to strike, and the folk legend said: Every time you look there, you see a sparrow flying out of its mouth, and this sparrow has but one longing—to get back out into the open air. But whenever it tries to escape, the mouth snaps shut, and it is trapped once more for another hour. The people have even woven a very witty legend around this opening and closing of the mouth, through which they sought to show just how significant that which we so abstractly call “time”—and “the passage of time”—actually is. The people wanted to hint that profound mysteries lie within.
[ 8 ] Nun denken wir uns, es könnte ein Mensch davorgestanden haben, nicht wahr? Ich wollte, indem ich auch noch diese Volkssage berührte, andeuten, was alles gedacht werden könne, nicht nur gedacht, sondern in Imaginationen gesehen werden könne; denn einen solchen Spatz erfindet man nicht. Da haben sich natürlich Leute hingestellt, die den Spatz als Imagination gesehen haben. Ich wollte das nur andeuten. Aber nehmen wir das einmal, ich möchte sagen, rationalistisch. Da kann ein Mensch davorstehen, der vielleicht gerade in einem Augenblicke ist, wo er moralisch etwas abirren könnte, und er steht vor der Uhr und sieht: der Tod winkt in jeder Stunde dem Reichen, der sich von seinem Reichtum abhängig macht, und dem eitlen Menschen. Er könnte durch diesen Eindruck, den er empfangen hat, von einer gewissen moralischen Verirrungsmöglichkeit, der er schon ausgesetzt worden war, abgelenkt werden.
[ 8 ] Now let’s imagine that a person might have been standing there, right? By touching on this folk tale as well, I wanted to suggest all the things that could be thought—not just thought, but seen in the imagination; for one does not simply invent a sparrow like that. Naturally, there were people who stood there and saw the sparrow as a figment of their imagination. I just wanted to hint at that. But let’s take this, shall we say, from a rationalist perspective. A person might be standing there who is perhaps at a moment when he could be morally led astray, and he stands before the clock and sees: Death beckons every hour to the rich man who makes himself dependent on his wealth, and to the vain man. Through this impression he has received, he might be diverted from a certain possibility of moral deviation to which he had already been exposed.
[ 9 ] Aber man kann sich auch noch anderes vorstellen. Wenn man dieses in Erwägung zieht, könnte man sagen: Dieser Mann, der durch eine göttlich-geistige Eingebung dieses Kunstwerk konstruiert hat, hat eigentlich sehr viel Gutes getan. Denn sehr viele solche Menschen könnten vor diesem Kunstwerke gestanden haben und in gewisser Weise moralisch verbessert worden sein. Man könnte sagen: Was ist das doch für ein günstiges Karma dieses Menschen, daß er in so vielen Menschen günstige Seelenwirkungen auslösen konnte! — Und man könnte nun anfangen zu denken: Wie viele günstige Seelenwirkungen hat der Mensch nun in dem Festhalten durch dieses Bild ausgelöst! Man könnte nun anfangen zu rechnen mit dem Karma dieses Künstlers. Man könnte sagen: Was ist das, daß er diese Uhr gemacht hat und den Tod und Ahriman und Luzifer darauf hingestellt hat, was ist das alles für ein Ausgangspunkt für ein unendlich günstiges Karma! In einer solchen Betrachtung könnte sich jemand ergehen und sagen: Sehr, Menschen sind da, die durch eine Tat einen ganzen Strom guter Taten verrichten. Dieser Strom guter Taten muß also ganz auf ihr Karma geschrieben werden. — Man könnte anfangen, nun darüber zu denken: Ja, wie müßte ich eigentlich jede Tat einrichten, damit ein solcher Strom guter Taten daraus entsteht?
[ 9 ] But one can also create mental images of other possibilities. If one considers this, one might say: This man, who created this work of art through divine-spiritual inspiration, has actually done a great deal of good. For many such people might have stood before this work of art and, in a certain sense, been morally uplifted. One might say: What favorable karma this person has, that he was able to trigger such positive effects on the souls of so many people! — And one might now begin to think: How many positive effects on the soul has this person triggered by creating this image! One might now begin to consider this artist’s karma. One might say: What is this—that he created this clock and placed Death, Ahriman, and Lucifer upon it? What an infinitely favorable starting point for karma this all is! In such a line of thought, one might indulge in saying: Indeed, there are people who, through a single act, set in motion a whole stream of good deeds. This stream of good deeds must therefore be credited entirely to their karma. — One might now begin to reflect: Yes, how should I actually structure every action so that such a stream of good deeds arises from it?
[ 10 ] Hier sehen Sie den Anfang eines Denkens, das sich verirren kann. Ein Versuch, zu denken: Wie muß ich meine Taten einrichten, damit ein solcher Strom von guten Taten daraus fließt? — Eine Unmöglichkeit, nicht wahr, wenn man dieses zum Lebensprinzip machen wollte. Es könnte sich jemand darinnen ergehen, zu sagen: Ein solcher Strom von guten Taten fließt aus dem, was der Mann getan hat. Und da könnte ein anderer kommen und sagen: Nein, ich habe mich sogar persönlich überzeugt, ich habe ein wenig diese Sache verfolgt, wie es mit der Uhr ist. Von solchen Wirkungen habe ich eigentlich nicht viel vernommen. Er könnte Pessimist sein und sagen: Dazu ist die Zeit viel zu schlecht. Die Leute können sich so etwas nicht einreden, wenn man ihnen so etwas vormacht. Ich habe in mehreren Fällen etwas ganz anderes gesehen: wie Menschen hingekommen sind, die erfüllt sind mit einem gewissen demokratischen Gefühl, Haß gegen alles Reiche, der noch nicht zum Ausbruch gekommen ist. Und da stand solch ein Mensch und sah, wie der reiche Geizhals nur gewinkt bekam vom Tod, und wie er wieder zurückwinkt. Das will ich ausführen, sagte er, und suchte den nächsten reichen Geizhals, den er bekommen konnte, und ermordete ihn. Ähnliche Stücke des Hasses sind aus den einzelnen Menschen hervorgegangen. Das hat alles der Mann angerichtet mit seinem Kunstwerk. Das ist dasjenige, was man ihm nun auf sein Karma schreiben muß.
[ 10 ] Here you see the beginning of a line of thought that can go astray. An attempt to think: How must I organize my actions so that such a stream of good deeds flows from them? — An impossibility, isn’t it, if one were to make this a principle of life. Someone might take pleasure in saying: Such a stream of good deeds flows from what this man has done. And then another might come along and say: No, I’ve actually seen it for myself; I’ve looked into this matter a bit, just as with the clock. I haven’t really heard much about such effects. He might be a pessimist and say: The times are far too bad for that. People can’t convince themselves of such things when you try to make them believe them. In several cases, I’ve seen something quite different: how people have come along who are filled with a certain democratic sentiment—hatred of all that is rich—which has not yet erupted. And there stood such a person, watching as the rich miser was merely beckoned by Death, and how he beckoned back. “I want to carry that out,” he said, and sought out the nearest rich miser he could find and murdered him. Similar acts of hatred have emerged from individual people. The man has brought all of this about with his work of art. That is what must now be attributed to his karma.
[ 11 ] Wiederum nicht alles bedenkend, könnte jemand sagen: Ja, also könnte es ja sein, daß? man irgend etwas, was an sich künstlerisch vollendet ist, was an sich einen inneren großen Wert hat, gar nicht vollführen darf in der Welt, weil es die schlimmsten Wirkungen haben könnte, weil es unzählige schlechte Wirkungen haben könnte, die ja nun wiederum auf das Karma zurückfallen.
[ 11 ] Again, without considering everything, one might say: “Yes, so could it be that… one is not allowed to bring into the world anything that is artistically perfect in itself, anything that has great intrinsic value, because it could have the worst effects, because it could have countless negative effects, which in turn would fall back on one’s karma.”
[ 12 ] Wir sind damit aufmerksam gemacht, ich möchte sagen, auf etwas unendlich Versucherisches für das ganze menschliche Erkenntnis- und Seelenvermögen. Denn man braucht nur ein wenig Selbstschau zu halten — zu nichts neigt der Mensch mehr, als sich bei diesem oder jenem zu fragen: Was ist dabei herausgekommen? und dann den Wert desjenigen, was er getan hat, einzurichten nach dem, was dabei herausgekommen ist. Aber wie man in ein gewisses Spekulieren hineinkommt, wenn man nachdenken will, wie im Beispiel, das ich ihnen das letzte Mal gesagt habe, ob nun der doppelten Zahlen rechts gerade so viel sind wie der Zahlen links, oder ob sie nur die Hälfte sind, wie man da in eine Verwirrung des Denkens hineinkommt, so muß man unbedingt in eine Verwirrung des Denkens hineinkommen, wenn man bei der Betrachtung dessen, was man in irgendeiner solchen Weise getan hat, den Maßstab anlegen wollte: Was hat das für Wirkungen, was wird das zum Beispiel für mein Karma für ein Resultat haben?
[ 12 ] This draws our attention, I would say, to something infinitely tempting for the entire capacity of human cognition and the soul. For one need only engage in a little self-reflection—there is nothing humans are more inclined to do than ask themselves, in this or that situation: “What came of it?”—and then to judge the value of what they have done based on the outcome. But just as one falls into a certain kind of speculation when trying to determine, as in the example I gave you last time, whether the number of even numbers on the right is exactly the same as the number on the left, or whether they are only half as many—just as one gets caught up in a confusion of thought there, so one must inevitably get caught up in a confusion of thought when, in considering what one has done in any such way, one tries to apply the standard: What effects does this have? What result will this have, for example, for my karma?
[ 13 ] Hier ist die Volkssage wiederum klüger und, man kann sogar sagen, im geisteswissenschaftlichen Sinne wissenschaftlicher. Denn es ist natürlich furchtbar trivial, wenn ich das ausspreche, aber die Volkssage sagte: Es war ein einfacher Mann, der die Uhr konstruiert hat. Er hat nichts anderes im Auge gehabt als den Gedanken, der ihm eingegeben war, und er hat die Uhr danach gemacht und hat nicht darüber spintisiert, was nun seine Tat nach der einen oder nach der anderen Richtung für Folgen haben könnte.
[ 13 ] Here, once again, the folk tale is wiser and—one might even say—more scientific in the Spiritual Science sense. For it is, of course, terribly trivial when I say this, but the folk tale said: It was a simple man who built the clock. He had nothing else in mind but the idea that had been inspired in him, and he built the clock accordingly, without speculating on what consequences his action might have in one direction or another.
[ 14 ] Nun ist es ja nicht zu leugnen und darinnen besteht gerade das Verführerische und Versucherische, daß man wirklich etwas herausbekommt, wenn man in der Weise, wie ich es angedeutet habe, gräbt; wenn man bei irgendwelchen Taten zunächst fragt: Was werden die für Folgen haben? — Es ist schon deshalb versucherisch, weil es durchaus auch solche Taten gibt in der Welt, bei denen man nach den Folgen fragen muß. Und es wäre selbstverständlich einseitig, wenn man nun wiederum aus dem, was ich gesagt habe, die Folgerung, die Konsequenz ziehen wollte, man sollte es immer so machen wie jener Meister, man sollte nicht fragen nach den Folgen. Denn man muß nach den Folgen fragen, wenn man zum Beispiel einen jungen Knaben, der faul gewesen ist, durchwichst. Also es gibt selbstverständlich Dinge in der Welt, bei denen man durchaus nach den Folgen fragen muß. Hier aber liegt eben das, was wir uns ganz genau nun einmal zu Gemüte, zur Seele führen müssen: daß wir im Weltenzusammenhange wirklich von zwei Seiten her Eindrücke empfangen, daß wir auf der einen Seite Eindrücke empfangen von dem physischen Plane her, und auf der anderen Seite — und die Volkssage deutete es an, indem sie sagte: es war ein einfacher Mann, eine Eingabe der göttlich-geistigen Mächte, von oben gnadevoll eingegeben —, auf der anderen Seite Eindrücke aus der geistigen Welt. Wenn uns diese Eindrücke aus der geistigen Welt gegeben werden, wenn aus der geistigen Welt etwas zu unserer Seele kommt, welches unsere Seele anregt, dies oder jenes auszuführen, dann sind die Momente im Leben, wo es eine zweite Art von Gewißheit gibt, eine zweite Art von Wahrheit, nicht im objektiven, aber im subjektiven Sinne, indem wir uns anleiten lassen von der Wahrheit, eine zweite Art von Gewißheit, die unmittelbar ist, und bei der wir als einer unmittelbaren stehenbleiben müssen. Das ist es, um was es sich handelt.
[ 14 ] Now, it cannot be denied—and this is precisely what makes it so alluring and tempting—that one really does uncover something when one digs in the way I have suggested; when, in the case of any action, one first asks: What consequences will this have? — It is tempting precisely because there are certainly actions in the world where one must ask about the consequences. And it would, of course, be one-sided to draw the conclusion from what I have said that one should always act like that master and not ask about the consequences. For one must ask about the consequences when, for example, one spanks a young boy who has been lazy. So there are, of course, things in the world where one absolutely must ask about the consequences. But here lies precisely what we must now take very seriously to heart, to our very soul: that within the context of the world we truly receive impressions from two sides—that on the one hand we receive impressions from the physical plane, and on the other hand—as folk wisdom hinted at when it said: “he was a simple man,” an inspiration from the divine-spiritual powers, graciously bestowed from above—on the other hand, impressions from the spiritual world. When these impressions from the spiritual world are given to us, when something from the spiritual world reaches our soul and stirs it to to carry out this or that, then these are the moments in life when there is a second kind of certainty, a second kind of truth—not in the objective sense, but in the subjective sense, in that we allow ourselves to be guided by the truth—a second kind of certainty that is immediate, and with which we must remain as it is. That is what this is all about.
[ 15 ] Wir stehen auf der einen Seite in der physischen Welt drinnen. In der physischen Welt sieht alles so aus, als wenn das folgende Ereignis ganz selbstverständlich aus dem vorhergehenden kommen würde. Aber wir stehen auch in der geistigen Welt drinnen. Ich versuchte das letzte Mal klarzumachen, wie geradeso, wie in unserem physischen Leib der Ätherleib drinnen ist, im ganzen Strome der Ereignisse der physischen Welt ein übersinnliches Geschehen drinnen waltet. Wir stehen auch in diesem übersinnlichen Geschehen drinnen. Aus diesem übersinnlichen Geschehen heraus kommen uns die Antriebe, die ursprünglich sind und denen wir zu folgen haben, ganz gleichgültig, wie sich dann die Wirkungen, namentlich in der physischen Welt, ausnehmen werden. Der Mensch hat nämlich, indem er in die Welt hineingestellt ist, eine Art von Gewißheit, die ihm kommen muß, wenn er die äußeren Dinge überschaut. So macht es der Naturbetrachter. Er kann auf eine andere Weise nicht zu irgendeiner Gewißheit über Ursache und Wirkung kommen, als indem er die Naturereignisse überschaut. Wir haben aber auf der anderen Seite die Möglichkeit, unmittelbare Gewißheit zu erhalten, wenn wie sie nur wollen, wenn wir nur wirklich unsere Seele öffnen den Einflüssen dieser unmittelbaren Gewißheit. Dann handelt es sich darum, daß wir stehenbleiben bei einem Ereignisse und es seinem Eigenwert, seiner Eigenart nach zu beurteilen verstehen.
[ 15 ] On the one hand, we are immersed in the physical world. In the physical world, everything appears as if the next event were a natural consequence of the previous one. But we are also immersed in the spiritual world. Last time, I tried to make it clear that just as the etheric body is present within our physical body, so too does a supersensible process reign within the entire flow of events in the physical world. We are also immersed in this supersensible process. From this supersensible process come the impulses that are primordial and which we must follow, regardless of how the effects—particularly in the physical world—will ultimately manifest. For when a human being is placed in the world, they possess a kind of certainty that must come to them as they survey external things. This is how the observer of nature proceeds. They cannot arrive at any certainty regarding cause and effect in any other way than by surveying natural phenomena. On the other hand, however, we have the possibility of attaining immediate certainty whenever we wish—provided we truly open our souls to the influences of this immediate certainty. Then it is a matter of pausing to consider an event and learning to judge it according to its intrinsic value and its unique nature.
[ 16 ] Dies letztere ist selbstverständlich schwierig. Aber fortwährend geben uns die Ereignisse, namentlich die Ereignisse der Weltgeschichte, die entscheidende Veranlassung, die Dinge und die Vorgänge auch nach ihrem Eigenwert zu beurteilen, die Dinge und Vorgänge, die außer uns in der Geschichte ablaufen. Dies ist fortwährend notwendig. Aber hier ist die Verwirrung der Menschen wirklich so eminent hervorspringend, wenn man genauer auf die Dinge eingeht, was uns sehr weit führen wird, wenn wir es richtig auffassen. Sie ist im Grunde genommen gar nicht immer unmittelbar für jeden einzelnen zu kontrollieren. Nehmen wir das Ereignis von Goethes «Faust». Es ist eine Schöpfung, die aufgetreten ist, nicht wahr? Es wird vielleicht sehr wenige Menschen in diesem Saale geben, welche, namentlich nach den verschiedenen Betrachtungen, die wir ja auch schon über den «Faust» angestellt haben, nicht der Anschauung sind, daß mit dem Goetheschen «Faust» der Menschheit ein großes Kunstwerk geschenkt worden ist, ein Kunstwerk, welches wirklich auch einer gnadevollen Eingebung entspricht.
[ 16 ] The latter is, of course, difficult. But events—particularly those of world history—constantly provide us with the decisive impetus to judge things and events according to their intrinsic value, those things and events that unfold in history outside of ourselves. This is a constant necessity. But here the confusion among people really stands out so strikingly when one examines things more closely—which will take us very far if we understand it correctly. Fundamentally, it is not always immediately apparent to every individual. Let us take the example of Goethe’s Faust. It is a work of art that has come into being, is it not? There are perhaps very few people in this hall who—especially in light of the various reflections we have already made on Faust—do not hold the view that, with Goethe’s Faust, humanity has been gifted a great work of art, a work of art that truly corresponds to a grace-filled inspiration.
[ 17 ] Mit Goethes «Faust» hat ja gewissermaßen das deutsche Geistesleben auch andere Geistesleben erobert. Goethes «Faust» hat auch schon zu Goethes Lebzeiten auf viele Menschen einen starken Einfluß geübt. Diese Menschen haben Goethes «Faust» als ein großes, einzigartiges Kunstwerk angesehen. Einen Mann in Deutschland hat es ganz besonders geärgert, daß Frau von Stael ein außerordentlich günstiges Urteil über Goethes «Faust» gefällt hat. Ich will das Urteil, das dieser Mann über Goethes «Faust» gefällt hat, einmal vorlesen, damit Sie sehen, wie gegenüber dem, was als Individuelles zu beurteilen ist, andere Meinungen auftreten können, als diejenigen, die Sie vielleicht in diesem Augenblick für die einzig möglichen halten über Goethes «Faust». Der Mann beginnt gleich beim Prolog im Himmel.
[ 17 ] In a sense, German intellectual life has conquered other intellectual spheres through Goethe’s Faust. Even during Goethe’s lifetime, Faust exerted a powerful influence on many people. These people regarded Goethe’s Faust as a great, unique work of art. One man in Germany was particularly annoyed that Madame de Staël had passed an exceptionally favorable judgment on Goethe’s Faust. I would like to read aloud the judgment this man passed on Goethe’s Faust, so that you can see how, when it comes to assessing something as an individual work, opinions can arise that differ from those you might currently consider the only possible ones regarding Goethe’s Faust. The man begins right at the prologue in heaven.
[ 18 ] Also 1822 ist dies geschrieben von einem gewissen Herrn von Spaun. Er hat dazumal folgendes Urteil über Goethes «Faust» abgegeben:
[ 18 ] This was written in 1822 by a certain Mr. von Spaun. At that time, he offered the following assessment of Goethe’s Faust:
[ 19 ] Schon der Prolog zeige, «daß Herr von Goethe ein sehr schlechter Versifex sei, und der Prolog ein wahres Muster, wie man a nicht in Versen schreiben soll.»
[ 19 ] Even the prologue shows “that Mr. von Goethe is a very poor versifier, and the prologue is a true example of how one should not write in verse.”
[ 20 ] «Die verflossenen Zeitalter haben nichts aufzuweisen, das in Rücksicht auf anmaßende Erbärmlichkeit mit diesem Prolog zu vergleichen wäre... Ich muß mich aber kurz fassen, weil ich ein lang und leider auch langweiliges Stück Arbeit übernommen habe. Dem Leser soll ich beweisen, daß der berüchtigte «Faust» eine usurpierte und unverdiente Celebrität genießet und sie nur dem verderblichen Gemeingeiste einer Associatio obscurorum virorum verdanke... Mich veranlasset keine Celebritätsrivalität, über des Herrn von Goethes «Faust» die Lauge strenger Kritik auszugießen. Ich wandle nicht auf seinem Pfade zum Parnasse, und würde mich freuen, wenn er unsere deutsche Sprache mit einem Meisterwerke bereichert hätte... Unter der Menge von Bravo-Rufern mag zwar meine Stimme verhallen, doch genügt mir, mein Möglichstes getan zu haben; und gelingt es mir, auch nur einen Leser zu bekehren, und von Anbetung dieses Ungeheuers zurückzubringen, so soll mich meine undankbare Mühe nicht gereuen . .. Der arme Faust spricht ein ganz unverständliches Kauderwelsch in dem schlechtesten Gereimsel, das je in Quinta von irgend einem Studenten versifiziert worden ist. Mein Präceptor hätte mir den Steiß vollgehauen, wenn ich so schlechte Verse wie die folgenden gemacht hätte:
[ 20 ] “Past ages have nothing to show that, in terms of presumptuous wretchedness, could be compared to this prologue... But I must be brief, for I have taken on a long and, alas, tedious task. I am to prove to the reader that the notorious “Faust” enjoys a usurped and undeserved fame, owing it solely to the pernicious collective spirit of an “Associatio obscurorum virorum”... It is not a rivalry for fame that prompts me to pour the lye of strict criticism over Mr. von Goethe’s Faust. I do not walk in his footsteps toward Parnassus, and I would be delighted if he had enriched our German language with a masterpiece... My voice may well be drowned out among the crowd of “Bravo!”-shouters, but it is enough for me to have done my utmost; and if I succeed in converting even a single reader and bringing him back from the worship of this monstrosity, then I shall not regret my thankless effort. .. Poor Faust speaks in a completely incomprehensible gibberish in the worst rhyming nonsense ever put into verse by any student in Quinta. My tutor would have given me a good spanking if I had written verses as bad as the following:
O Sähst du, voller Mondenschein,Ereignisse Zum letztenmal(e) auf meine Pein,Ereignisse Den ich so manche MitternachtEreignisse An diesem Pult(e) herangewacht.
Oh, you, bathed in moonlight,Events For the last time, to my sorrow,Events For I have spent many a midnight,Events Awake at this desk.
[ 21 ] Von dem Unedlen der Diktion, von der Erbärmlichkeit der Versifikation, werde ich in der Folge schweigen; an dem, was der Leser sah, hat er Beweise genug, daß der Herr Verfasser in Beziehung auf den Versebau sich auch nicht mit den mittelmäßigen Dichtern der alten Schule messen könne...
[ 21 ] I will say no more here about the coarseness of the diction or the wretchedness of the versification; what the reader has seen provides ample evidence that, when it comes to versification, the author cannot even measure up to the mediocre poets of the old school...
[ 22 ] Der Mephistopheles erkennt selbst, daß Faust schon vor dem Kontrakte von einem Teufel besessen war. Wir aber glauben, daß er nicht in die Hölle, sondern in das Narrenhaus gehöre, mit allem was sein ist, nämlich Händ und Füßen, Kopf und Hintern. Vom sublimen Gallimathias, Unsinn in hochtönenden Worten haben uns manche Dichter Muster gegeben, aber den goethischen Gallimathias möchte ich als ein genre nouveau, den populären Gallimathias nennen, denn er wird in der gemeinsten und schlechtesten Sprache vorgetragen ...
[ 22 ] Mephistopheles himself recognizes that Faust was already possessed by a devil even before the contract. We, however, believe that he belongs not in hell but in the madhouse, along with everything that is his—namely, his hands and feet, his head and his behind. Many poets have provided us with examples of sublime gibberish—nonsense expressed in high-sounding words—but I would like to call Goethe’s gibberish a “genre nouveau,” or popular gibberish, because it is delivered in the crudest and most vulgar language ...
[ 23 ] Je mehr ich über diese lange Litanei von Unsinn nachdenke, je mehr wird mir wahrscheinlich, es gelte eine Wette, daß, wenn ein berühmter Mann sich einfallen lasse, den flachsten langweiligsten Unsinn zusammenzustoppeln, so werde sich doch eine Legion alberner Literatoren und schwindelnder Leser finden, die in diesem plattfüßigen Unsinne tiefe Weisheit und große Schönheiten zu finden und herauszuexegisieren wissen werden. Die berühmten Männer haben dieses mit dem Prinzen Piribinker und dem unsterblichen Dalai Lama gemein, daß man ihren Kaka als Konfekt auftischt und als Reliquien verehrt. War dieses des Herrn von Goethes Absicht, so hat er die Wette gewonnen ...
[ 23 ] The more I think about this long litany of nonsense, the more it seems likely to me I’d be willing to bet that if a famous man were to come up with the most shallow, boring nonsense, there would still be a legion of silly writers and gullible readers who would know how to find and extract profound wisdom and great beauty from this trite nonsense. These famous men have this in common with Prince Piribinker and the immortal Dalai Lama: their excrement is served up as confectionery and venerated as relics. If this was Mr. von Goethe’s intention, then he has won the bet ...
[ 24 ] Es mögen wohl einige Intentionen im «Faust» sein; allein ein guter Dichter muß sie nicht hinklecksen; er muß die Kunst verstehen, sie richtig zu zeichnen und zu illuminieren. Ein reicherer Stoff für die Poesie ist nicht leicht zu finden, und man wird dem Dichter gram, daß er ihn so jämmerlich verhunzt hat...
[ 24 ] There may well be some ideas in Faust; but a good poet need not simply cobble them together; he must understand the art of rendering them correctly and bringing them to life. It is not easy to find richer material for poetry, and one resents the poet for having botched it so miserably...
[ 25 ] Diese Diarrhöe von unverdauten Ideen rühret nicht von einem übermäßigen Andrange von gesunden Flüssigkeiten, sondern von einer Relaxation des Sphinkters des Verstandes her, und ist ein Beweis einer schwachen Konstitution. Es gibt Leute, von denen schlechte Verse wie Wasser fließen, aber diese Incontinentia urinae poeticae, diese Diabetes mellitus fader Reimlereien befällt nie einen guten Poeten .... Wenn sich Goethes Genie von allen Fesseln freigemacht hat, so kann ja die Flut seiner Ideen die Dämme der Kunst nicht durchbrechen; sie sind schon durchbrochen. Doch wenn wir auch nicht mißbilligen, daß sich ein Autor über konventionelle Regeln der Komposition hinaussetze, so müssen ihm doch die Gesetze des gesunden Menschenverstandes, der Grammatik und des Rhythmus heilig sein; auch bei Dramen, wo der Zauberstab im Spiele ist, erlaubt man ihm nur eine Hypothese als Maschinerie, und dieser muß er treu bleiben. Es muß ein dignus vindice nodus geschürzt werden, die Hexereien müssen zu großen Resultaten führen. Bei dem Faust ist das Resultat, den Patienten zu ganz gemeinen Verbrechen zu verleiten, und seinem Verführer sind seine Zauberkünste nicht notwendig; alles, was er tut, hätte irgend ein kupplerischer Schuft ohne Hexerei ebensogut leisten können. Er ist filzig, wie ein Wucherer, ungeachtet ihm die vergrabenen Schätze zu Gebote stehen...
[ 25 ] This diarrhea of undigested ideas does not stem from an excessive influx of healthy fluids, but rather from a relaxation of the sphincter of the mind, and is evidence of a weak constitution. There are people from whom bad verses flow like water, but this “incontinentia urinae poeticae”, this “diabetes mellitus” of insipid rhyming, never afflicts a good poet... Once Goethe’s genius has freed itself from all shackles, the flood of his ideas cannot break through the dams of art; they have already been breached. Yet even if we do not disapprove of an author transcending conventional rules of composition, the laws of common sense, grammar, and rhythm must still be sacred to him; even in dramas, where the magic wand comes into play, he is permitted only one hypothesis as a plot device, and to this he must remain faithful. A “dignus vindice nodus” must be tied up; the sorcery must lead to significant results. In Faust, the result is to tempt the patient into committing utterly base crimes, and his seducer has no need for his magical arts; everything he does could just as easily have been accomplished by some pimp-like scoundrel without any sorcery. He is as shifty as a usurer, even though buried treasures are at his disposal...
[ 26 ] Kurz, ein miserabler Teufel, der bei Lessings Marinell: in die Schule gehen könnte. Diesem nach kassiere ich im Namen des gesunden Menschenverstandes das Urteil der Frau von Stael zugunsten des gedachten Fausts und verurteile ihn nicht in die Hölle, die dieses frostige Produkt abkühlen könnte, da sogar dem Teufel dabei winterlich im Leibe ist, sondern um in die Cloacam parnassi prezipitiert zu werden. Von Rechts wegen.»
[ 26 ] In short, a wretched devil who could take a lesson from Lessing’s Marinell. Following this, in the name of common sense, I overturn Madame de Staël’s verdict in favor of the aforementioned Faust and do not condemn him to hell—which could not even cool this icy creation, since even the devil feels a winter chill there—but rather to be precipitated into the Cloacam parnassi. By right of law.”
[ 27 ] Sie sehen, auch dieses Urteil ist einmal gefällt worden, und der Zusammenhang, in dem es gefällt worden ist, zeigt den Menschen nicht etwa als einen ganz unehrlichen Menschen, sondern als einen Menschen, der das auch geglaubt hat, was er geschrieben hat. Man denke sich nun wiederum, daß dieser Mann, der so darüber spricht, daß ihn sein Präceptor in der Quinta schon davor bewahrt hätte, solch ein Zeug zu schreiben, wie der «Faust» ist, daß dieser Mensch nun selber Präceptor geworden wäre und sehr viele Jungen zu unterrichten gehabt hätte und ihnen das Zeug eingeflößt hätte. Diese Jungen würden vielleicht wiederum Lehrer geworden sein und etwas behalten haben von diesem Urteil über den «Faust». Nun denke man, was man da noch spekulieren kann, was der Mensch nun karmisch angerichtet hat mit seinem Urteil. Das möchte ich aber weniger betrachten, sondern worauf ich hauptsächlich aufmerksam machen möchte, ist, daß es schwierig ist, den Ereignissen gegenüber, die in ihrem Eigenwert dastehen, ein wirkliches, richtiges Urteil zu gewinnen, ein Urteil zu gewinnen, das gewissermaßen stehenbleiben kann. In manchen Vorträgen habe ich ja gerade hier darauf aufmerksam gemacht, wie manche Größe des 19. Jahrhunderts in den folgenden Jahrhunderten nicht mehr als Größe angesehen werden wird, wie gerade Leute, die ganz vergessen worden sind, in den nächsten Jahrhunderten als große, bedeutende Menschen werden angesehen werden. Gewiß, so etwas stellt sich mit der Zeit richtig. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, wie unendlich schwierig es ist, zu einem Urteil zu kommen, wenn es sich darum handelt, ein solches Urteil gegenüber einem Ereignis zu gewinnen, das seinen Eigenwert haben soll. Und warum ist es denn eigentlich schwierig?
[ 27 ] You see, this judgment, too, was once passed, and the context in which it was passed does not portray the man as entirely dishonest, but rather as someone who truly believed what he wrote. Now imagine, however, that this man—who speaks as if his tutor in the fifth grade had already prevented him from writing something like Faust—had himself become a tutor, teaching many boys and instilling this very view in them. These boys might in turn have become teachers themselves and retained something of this judgment regarding Faust. Now consider what further speculation is possible here—what this person has brought upon himself karmically through his judgment. I would like to focus less on that, however; rather, what I wish to draw attention to primarily is that it is difficult to form a genuine, correct judgment regarding events that stand on their own merit—a judgment that can, so to speak, stand the test of time. In some lectures, I have pointed out precisely this: how certain great figures of the 19th century will no longer be regarded as great in the centuries to come, and how people who have been completely forgotten will be regarded as great and significant figures in the centuries to come. Certainly, such things sort themselves out over time. I simply wanted to point out how infinitely difficult it is to arrive at a judgment when it comes to forming such a judgment regarding an event that is supposed to have its own intrinsic value. And why, exactly, is it so difficult?
[ 28 ] Wir müssen uns nun fragen: Was macht es uns denn schwierig? Und da werden wir zunächst die Betrachtung so anstellen, daß wir den Urteilenden in einem anderen Menschen sehen als dem zum Beispiel, der beurteilt wird. Nicht wahr, wir werden heute sagen: Diejenigen, die Goethes «Faust» dazumal schon für ein großes, bedeutendes Kunstwerk ansahen, die in einer gewissen Weise objektiv urteilten, schalteten sich aus. Dieser Mann schaltete sich nicht aus, der das geschrieben hat, von dem eben die Rede war. Aber wie kommt man denn überhaupt dazu, nicht objektiv zu urteilen? Die Menschen urteilen so oft nicht objektiv, daß sie die Frage gar nicht aufwerfen: Wie kommt man denn überhaupt dazu, nicht objektiv zu urteilen? Nicht objektiv zu urteilen, dazu kommt man, nun ja, durch Sympathie und Antipathie. Würden nicht Sympathie und Antipathie sein, so würde man zu einem unobjektiven Urteil gar nicht kommen.
[ 28 ] We must now ask ourselves: What is it that makes this difficult for us? And here we will begin by considering the matter in such a way that we view the person making the judgment as distinct from the person being judged, for example. Isn’t it true that today we would say: Those who, back then, already regarded Goethe’s Faust as a great, significant work of art—those who, in a certain sense, judged objectively—removed themselves from the equation. The man who wrote what we were just discussing did not remove himself from the equation. But how does one even come to judge non-objectively? People so often fail to judge objectively that they don’t even raise the question: How does one come to judge non-objectively in the first place? One comes to judge non-objectively, well, through sympathy and antipathy. If there were no sympathy and antipathy, one would not arrive at a non-objective judgment at all.
[ 29 ] Sympathie und Antipathie sind notwendig, um die Objektivität eines Urteils zu trüben. Aber sind denn Sympathie und Antipathie deshalb schlecht? Sind sie denn etwas, was wir geradezu aus dem Menschenleben ausschalten sollen? Wir brauchen nur ein bißchen nachzudenken und werden finden, daß dies nicht der Fall ist. Denn gerade, wenn wir uns in Goethes «Faust» vertiefen, wird uns der «Faust» sympathisch, und wir leben uns mehr und mehr in die Sympathie hinein. Wir müssen die Möglichkeit haben, Sympathie zu entfalten. Und schließlich, wenn wir gar nicht Antipathie entfalten könnten, so würden wir nicht ein ganz gutes Urteil über den Mann bekommen, dessen Urteil wir eben gehört haben. Denn ich denke mir, daß in Ihnen etwas von einem Antipathie-Gefühl gegen diesen Mann aufgestiegen sein könnte, und dieses Antipathie-Gefühl könnte vielleicht gerechtfertigt sein. Aber da sehen wir wiederum, wie es darauf ankommt, diese Dinge nicht so absolut zu nehmen, wie sie sind, sondern daß es darauf ankommt, diese Dinge in dem ganzen Zusammenhange zu betrachten. Der Mensch läßt sich nicht nur von den Dingen leiten zu Sympathie und Antipathie, sondern er geht mit Sympathie und Antipathie durchs Leben. Fr trägt den Dingen selbst schon Sympathie und Antipathie entgegen, so daß die Dinge nicht auf ihn wirken, sondern auf seine Sympathie und Antipathie wirken sie. Aber was heißt das? Also ich trete an ein Ding oder an einen Vorgang heran. Ich bringe meine Sympathie und Antipathie mit. Natürlich hat der betreffende Mann, von dem ich da geredet habe, nicht gerade seine Antipathie gegen den «Faust» mitgebracht, aber er hat solche Gefühle mitgebracht, die ihm dasjenige, was ihm im «Faust» entgegengetreten ist, eben antipathisch erscheinen lassen. Es hängt ganz von seiner Triebrichtung ab, wie er urteilt.
[ 29 ] Sympathy and antipathy are necessary to cloud the objectivity of a judgment. But are sympathy and antipathy bad for that reason? Are they something we should simply eliminate from human life? We need only think about it a little to realize that this is not the case. For precisely when we immerse ourselves in Goethe’s Faust, Faust becomes likable to us, and we find ourselves increasingly drawn into that sympathy. We must have the opportunity to develop sympathy. And after all, if we were unable to feel antipathy at all, we would not form a very favorable judgment of the man whose judgment we have just heard. For I imagine that a feeling of antipathy toward this man might have arisen within you, and this feeling of antipathy might perhaps be justified. But here again we see how important it is not to take these things as absolute as they are, but rather to consider them within their entire context. A person is not merely guided by things toward sympathy and antipathy; rather, he goes through life with sympathy and antipathy. One already harbors sympathy and antipathy toward things themselves, so that things do not affect him directly, but rather affect his sympathy and antipathy. But what does that mean? Well, I approach a thing or an event. I bring my sympathy and antipathy with me. Of course, the man in question, whom I have been discussing, did not exactly bring his antipathy toward Faust with him, but he did bring with him feelings that caused what he encountered in Faust to appear antipathetic to him. How he judges depends entirely on the direction of his drives.
[ 30 ] Was liegt da eigentlich vor? Das liegt vor, daß Sympathie und Antipathie zunächst nur Worte sind für reale geistige Tatsachen. Und die realen geistigen Tatsachen sind die Taten des Ahriman und des Luzifer. In jeder Sympathie steckt in einer gewissen Weise das Luziferische, und in jeder Antipathie steckt in einer gewissen Weise das Ahrimanische. Indem wir uns von Sympathie und Antipathie durch die Welt tragen lassen, lassen wir uns von Ahriman und Luzifer durch die Welt tragen. Wir müssen nur nicht wiederum in den Fehler verfallen, den ich schon oftmals hier eben als einen Fehler charakterisierte, daß wir sagen: Luzifer, Ahriman, die fliehen wir! Wir wollen gute Menschen werden. Also nichts von Luzifer und Ahriman, ja nichts von Luzifer und Ahriman! Die müssen weg von uns, ganz weg! — Dann müssen wir aber auch weg aus der Welt! Denn geradeso, wie es positive und negative Elektrizität geben kann, nicht nur den Ausgleich zwischen beiden, so gibt es überall, wo wir hintreten, Luzifer und Ahriman. Es handelt sich nur darum, wie wir uns zu ihnen stellen. Die beiden Kräfte müssen da sein. Es handelt sich nur darum, daß wir sie immer im Leben ins Gleichgewicht bringen. Wenn es zum Beispiel keinen Luzifer gäbe, gäbe es keine Kunst. Es handelt sich nur darum, daß wir die Kunst nicht so gestalten, daß vielleicht rein Luziferisches aus ihr spricht.
[ 30 ] What is actually at stake here? What is at stake is that sympathy and antipathy are, at first, merely words for real spiritual realities. And these real spiritual realities are the deeds of Ahriman and Lucifer. In every sympathy there is, in a certain sense, something Luciferic, and in every antipathy there is, in a certain sense, something Ahrimanic. By allowing ourselves to be carried through the world by sympathy and antipathy, we allow ourselves to be carried through the world by Ahriman and Lucifer. We must simply not fall back into the mistake that I have often characterized here as a mistake—namely, saying: “Lucifer, Ahriman—we’ll flee from them! We want to become good people. So nothing to do with Lucifer and Ahriman—yes, nothing at all to do with Lucifer and Ahriman!” They must be gone from us, completely gone! — But then we must also be gone from the world! For just as there can be positive and negative electricity—not merely a balance between the two—so too, wherever we go, there are Lucifer and Ahriman. It is simply a matter of how we relate to them. Both forces must be present. It is simply a matter of always bringing them into balance in our lives. If, for example, there were no Lucifer, there would be no art. It is simply a matter of ensuring that we do not shape art in such a way that something purely Luciferic might speak through it.
[ 31 ] So handelt es sich darum, daß wir gewahr werden: indem wir mit Antipathie und Sympathie durch die Welt schreiten, wirken in uns Luzifer und Ahriman, das heißt, wir müssen die Möglichkeit gewinnen, Luzifer und Ahriman in uns wirklich wirken zu lassen. Aber indem wir uns bewußt sind, daß sie in uns wirken, müssen wir uns die Fähigkeit aneignen, dennoch den Dingen objektiv gegenüberzutreten. Das können wir nur dadurch, daß wir nun nicht bloß darauf sehen, wie wir das andere in der Welt beurteilen, wie wir dasjenige, was außer uns geschieht in der Welt, beurteilen, sondern indem wir auch darauf hinblicken, wie wir uns selber in der Welt beurteilen. Und dieses «Uns-selber-in-der- Welt-Beurteilen» führt uns wiederum ein Stück tiefer in die ganze Frage und in den ganzen Fragenkomplex hinein. Uns selber beurteilen in der Welt können wir, wenn wir auf uns selber in der Beurteilung eine einheitliche Betrachtungsweise anwenden. Diese Frage müssen wir jetzt aufwerfen.
[ 31 ] The point, then, is that we must become aware: as we move through the world with antipathy and sympathy, Lucifer and Ahriman are at work within us; that is to say, we must gain the ability to truly allow Lucifer and Ahriman to work within us. But by being aware that they are at work within us, we must acquire the ability to nevertheless approach things objectively. We can do this only by not merely focusing on how we judge others in the world—how we judge what happens in the world outside of us—but also by looking at how we judge ourselves in the world. And this “judging ourselves in the world” in turn leads us a step deeper into the whole question and the entire complex of issues. We can judge ourselves in the world if we apply a consistent approach to our self-assessment. We must now raise this question.
[ 32 ] Wir sehen hinaus in die Natur. Auf der einen Seite sehen wir eine starre Notwendigkeit; eins läuft aus dem anderen. Wir sehen auf unsere eigenen Taten und glauben, daß sie bloß der Freiheit unterworfen sind und bloß mit Schuld und Sühne und dergleichen verbunden sind. Beides ist eine Einseitigkeit. Daß beides eine Einseitigkeit ist, in der wir die Stellung von Luzifer und Ahriman nicht richtig beurteilen, das wird uns aus dem Folgenden hervorgehen. Wir können nicht in unsere eigene Seele so blicken, wenn wir uns als Menschen anschauen, die hier auf dem physischen Plane stehen, daß wir nur dasjenige in uns sehen, was jetzt unmittelbar in uns vorgeht. Indem wir jetzt jeder uns fragen, was jetzt unmittelbar in uns vorgeht, ist das gewiß ein Stück Selbsterkenntnis. Aber diese Selbsterkenntnis gibt uns lange nicht alles, was wir auch nur für eine oberflächliche Selbsterkenntnis verlangen können. Denn, selbstverständlich ohne irgend jemand zu nahe zu treten, nehmen wir uns alle, wie wir hier sind: ich, der ich zu Ihnen spreche, Sie, die Sie zuhören. Ich würde nicht so sprechen können, wie ich jetzt spreche, wenn nicht alles das andere vorangegangen ist, was in meinem jetzigen Leben und in anderen Inkarnationen vorangegangen ist. Also das Hinblicken bloß auf dasjenige, was ich jetzt etwa zu Ihnen spreche, würde ein sehr einseitiges sein in bezug auf meine Selbsterkenntnis. Aber, ohne irgend jemand zu nahe zu treten, ist es doch klar, daß jeder von Ihnen anders zuhört, und daß jeder von Ihnen um eine Nuance anders empfindet und auffaßt, was ich Ihnen sage. Das ist ja ganz selbstverständlich. Und zwar fassen Sie das alle auf wiederum nach Maßgabe Ihres vorangehenden Lebens und nach Maßgabe Ihrer vorangehenden Inkarnationen. Es würde ja notwendig sein, daß hier wirklich nicht Menschen sitzen, wenn nicht jeder in einer anderen Weise das auffaßte, was hier gesagt wird. Aber das führt viel weiter. Das führt dazu, in sich überhaupt eine Zweiheit zu erkennen. Denken Sie doch nur einmal darüber nach, daß Sie, wenn Sie ein Urteil fällen, dieses Urteil in einer gewissen Weise fällen. Nehmen wir ein herausgerissenes Beispiel! Sie sagen, wenn Sie dies oder jenes sehen, zum Beispiel eine Aufführung bei Reinhardt: «Ich bin entzückt.» Der andere sagt: «Das ist der Verderb aller Kunst!» Gewiß, beides soll jetzt nicht kritisiert werden. Das eine kann von dem einen, das andere kann von dem anderen möglich sein. Wovon wird das abhängen, daß der eine so, der andere anders urteilt? Wiederum von dem, was schon in ihm ist, von den Voraussetzungen, mit denen er an die Dinge herangeht.
[ 32 ] We look out into nature. On the one hand, we see a rigid necessity; one thing flows from another. We look at our own actions and believe that they are subject only to freedom and are connected only to guilt and atonement and the like. Both of these are one-sided views. That both are one-sided—in that we do not correctly assess the positions of Lucifer and Ahriman—will become clear to us from what follows. We cannot look into our own souls in such a way—when we view ourselves as human beings standing here on the physical plane—that we see only what is happening within us at this very moment. When each of us now asks ourselves what is happening within us at this very moment, that is certainly a step toward self-knowledge. But this self-knowledge is far from giving us everything we could even demand for a superficial self-knowledge. For—without, of course, offending anyone—let us consider ourselves as we are here: I, who am speaking to you, and you, who are listening. I would not be able to speak the way I am speaking now if all that has preceded—both in my present life and in other incarnations—had not come before. So focusing solely on what I am saying to you right now would be a very one-sided view of my self-knowledge. But, without offending anyone, it is clear that each of you listens differently, and that each of you perceives and interprets what I am saying to you with a slightly different nuance. That goes without saying. And indeed, you all interpret this in turn according to your past lives and your past incarnations. It would, in fact, be necessary that there really were no human beings sitting here if not everyone were to perceive what is said here in a different way. But this leads much further. It leads to recognizing a duality within oneself in the first place. Just think for a moment about the fact that when you pass judgment, you do so in a certain way. Let’s take a random example! When you see this or that—for instance, a performance at Reinhardt’s—you say, “I am delighted.” The other person says, “That is the ruin of all art!” Certainly, neither of these should be criticized here. One view may be valid for one person, the other for another. What determines that one person judges one way and another person another? Again, it depends on what is already within them—on the presuppositions with which they approach things.
[ 33 ] Aber wenn Sie über diese Voraussetzungen nachdenken, dann werden Sie sich sagen können: Ja, diese Voraussetzungen sind Dinge, die einmal nicht vorauszusetzen waren. In Ihr Urteil, das Sie jetzt fällen, wird zum Beispiel einfließen, sagen wir, was Sie mit achtzehn Jahren einmal gesehen haben oder was Sie mit dreizehn Jahren gelernt haben. Das fließt ein, das hat sich mit Ihrem ganzen Gedankenstoffe vereinigt, sitzt jetzt in Ihnen, urteilt mit. Jeder kann das natürlich bei sich wahrnehmen, wenn er es wahrnehmen will. Das urteilt mit. Fragen Sie sich, ob Sie das ändern können, was da schon in Ihnen sitzt, ob Sie das aus sich herausreißen können. Fragen Sie sich einmal! Und wenn Sie es herausreißen können aus sich, so würden Sie ja Ihr ganzes jetzt vergangenes Dasein in dieser Inkarnation aus sich herausreißen, so würden Sie sich auslöschen müssen. Sie können ebensowenig dasjenige, was Sie erlebt haben an Gedankenentschlüssen, an Empfindungsentschlüssen, aus sich wegschaffen, wie Sie, wenn Sie in den Spiegel schauen und sagen: Meine Nase gefällt mir nicht, ich will eine andere haben —, wie Sie sich jetzt nicht eine andere Nase geben können. Das ist ganz klar. Sie können Ihre Vergangenheit nicht auslöschen. Dennoch, wenn Sie am Morgen früh aufstehen wollen, so werden Sie bemerken: dazu ist immer ein Entschluß notwendig. Dieser Entschluß hängt aber wirklich auch von Ihren Voraussetzungen in der diesmaligen Inkarnation ab. Er hängt noch von manchem anderen ab. Nicht wahr, wenn Sie sich nun sagen, daß das abhängt von diesem oder jenem, beeinträchtigt das die Tatsache, daß ich mir doch vornehmen muß, einmal aufzustehen? Vielleicht kann dieses Sich-Vornehmen aufzustehen so leise geschehen, daß man es gar nicht merkt, aber es muß ein wenigstens leises Vornehmen da sein, aufzustehen, das heißt, es muß das Aufstehen eine freie Tat sein.
[ 33 ] But when you reflect on these prerequisites, you will be able to say to yourself: Yes, these prerequisites are things that were not always taken for granted. For example, the judgment you make now will be influenced by, let’s say, what you saw when you were eighteen or what you learned when you were thirteen. That flows into it; it has merged with your entire body of thought, now resides within you, and contributes to your judgment. Of course, anyone can perceive this within themselves if they are willing to do so. It contributes to your judgment. Ask yourself whether you can change what is already within you, whether you can tear it out of yourself. Just ask yourself! And if you could tear it out of yourself, you would be tearing out your entire past existence in this incarnation—you would have to erase yourself. You can no more remove from yourself the thoughts and feelings you have experienced than you can, when you look in the mirror and say: “I don’t like my nose; I want a different one”—just as you cannot give yourself a different nose right now. That is quite clear. You cannot erase your past. Nevertheless, if you want to get up early in the morning, you will notice that this always requires a decision. But this decision really does depend on your circumstances in this present incarnation. It also depends on many other factors. Isn’t it true that if you now tell yourself that this depends on this or that, does that not affect the fact that I still have to resolve to get up at some point? Perhaps this resolution to get up can happen so quietly that you don’t even notice it, but there must be at least a faint resolution to get up—that is, getting up must be a free act.
[ 34 ] Ich habe einen Mann gekannt, der eine Zeitlang unserer Gesellschaft angehörte, der die Sache in der Weise sehr gut illustrierte, daß er eigentlich niemals aufstehen wollte. Er litt furchtbar daran, und er beklagte das immer wieder. Er sagte: Ja, ich kann nicht aufstehen! Wenn nicht irgend etwas eintritt, was die Notwendigkeit von außen herbeiführt, daß ich mich aus dem Bette erhebe, so würde ich immer liegen bleiben. — Er beichtete das so ohne weiteres. Er beichtete das, denn er empfand es als etwas furchtbar Versucherisches, was in seinem Leben drinnensteht: er will eben nicht aufstehen! Daraus sehen Sie schon, es ist eben doch eine freie Tat. Das hindert nicht, daß in uns gewisse Vorbedingungen festgelegt sind, die uns diese oder jene Ursache nahelegen, daß wir dennoch im einzelnen Fall eine freie Tat ausführen können. In gewisser Beziehung ist also durchaus die Sache die: Es gibt Leute, die wurzeln sich langsam aus dem Bett heraus, die brauchen einen stärkeren Entschluß; anderen ist es eine Freude, aufzustehen. Man kann geradezu sagen: Daraus sieht man, daß diese Vorbedingungen, die da sind, die Bedeutung haben, daß der eine gut erzogen ist, der andere schlecht erzogen ist. Wir können eine gewisse Notwendigkeit darinnen sehen, aber immer ist es doch ein freier Entschluß. Wir sehen also in einer und derselben Tatsache, in der Tatsache unseres Aufstehens, Freiheit und Notwendigkeit durcheinanderverwoben. Sie sind durchaus durcheinanderverwoben. Eine und dieselbe Sache trägt Freiheit und Notwendigkeit in sich. Und das bitte ich recht ins Auge zu fassen, daß, wenn man es recht betrachtet, man nicht streiten kann: darin ist der Mensch frei oder unfrei, sondern man kann nur sagen: In jeder Tat des Menschen ist zunächst Freiheit und Notwendigkeit durcheinandergemischt.
[ 34 ] I knew a man who was part of our circle for a while, who illustrated the point very well in that he actually never wanted to get out of bed. He suffered terribly from this, and he complained about it again and again. He said: “Yes, I can’t get out of bed!” Unless something happens that creates an external necessity for me to get out of bed, I would just stay in bed forever.” — He confessed this quite openly. He confessed it because he felt it was a terribly tempting force at work within his life: he simply didn’t want to get up! From this you can already see that it is, after all, a free act. This does not prevent certain preconditions from being established within us that suggest this or that cause to us; nevertheless, in individual cases, we can still carry out a free act. In a certain sense, then, the situation is quite simply this: There are people who drag themselves slowly out of bed—they need a stronger resolve—while for others, getting up is a joy. One might even say: From this we can see that these preconditions—the fact that one person is well-mannered and another is ill-mannered—are significant. We can see a certain necessity in this, but it is always a free decision. Thus, in one and the same fact—the fact of our getting out of bed—we see freedom and necessity interwoven. They are thoroughly interwoven. One and the same thing contains both freedom and necessity. And I ask you to take this to heart: that, when viewed correctly, one cannot argue that a person is free or unfree in this regard, but one can only say: In every human action, freedom and necessity are initially intermingled.
[ 35 ] Wodurch entsteht denn das? Wir kommen in unserer Geisteswissenschaft nicht weiter, wenn wir dasjenige, was wir menschlich betrachten, nicht zugleich im ganzen Weltenzusammenhange betrachten müßten. Woher kommt denn das? Das kommt davon her, daß, was als Notwendigkeit in uns wirkt — ich werde jetzt etwas verhältnismäßig Einfaches sagen, was aber eine ungeheure Tragweite hat —, was wir als Notwendigkeit betrachten, das ist das Vergangene in uns. Was in uns als Notwendigkeit wirkt, das muß immer vergangen sein. Wir müssen etwas durchgemacht haben, und dieses Durchgemachte muß sich auf unsere Seele abgelagert haben. Es ist dann in unserer Seele und wirkt in unserer Seele weiter wie eine Notwendigkeit.
[ 35 ] How does this come about? We will not make any progress in our Spiritual Science unless we consider what we view from a human perspective within the context of the entire world at the same time. Where does this come from? It comes from the fact that what acts as a necessity within us—I will now say something relatively simple, but which has immense implications—what we regard as a necessity is the past within us. What acts as a necessity within us must always have been in the past. We must have gone through something, and this experience must have become imprinted on our soul. It is then within our soul and continues to act within our soul as a necessity.
[ 36 ] Jetzt können Sie sich sagen: Jeder Mensch trägt in sich seine Vergangenheit, jeder Mensch trägt in sich damit eine Notwendigkeit. Was gegenwärtig ist, das wirkt noch nicht als notwendig, sonst wäre die freie Tat in der Gegenwart unmittelbar nicht gegeben. Aber das Vergangene wirkt in die Gegenwart herein und verknüpft sich mit der Freiheit. Dadurch, daß das Vergangene weiterwirkt, sind in einem und demselben Akte Notwendigkeit und Freiheit innig miteinander verknüpft.
[ 36 ] Now you can say to yourself: Every person carries their past within them; every person thus carries a necessity within them. What is present does not yet appear as necessary; otherwise, free action in the present would not be possible. But the past influences the present and is linked to freedom. Because the past continues to have an effect, necessity and freedom are intimately linked within one and the same act.
[ 37 ] Blicken wir also in uns hinein, führen wir wirklich diese Selbstschau aus, so werden wir sagen: Nicht nur in der Natur draußen ist Notwendigkeit, sondern in uns selber da drinnen ist eine Notwendigkeit. Aber indem wir auf diese Notwendigkeit schauen, müssen wir hinschauen auf unsere Vergangenheit. Das ist etwas, das dem Geisteswissenschafter einen unendlich wichtigen Gesichtspunkt abgibt. Er lernt den Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Notwendigkeit kennen. Und jetzt fängt er an, die Natur zu prüfen, und findet in der Natur Notwendigkeiten drinnen, und lernt erkennen, indem er nun die Naturerscheinungen prüft, daß alles, was der Naturforscher als Notwendigkeiten in der Natur findet, auch Vergangenes ist. Was ist die ganze Natur, die ganze Natur mit ihrer Notwendigkeit?
[ 37 ] So if we look within ourselves—if we truly engage in this self-examination—we will say: Necessity exists not only in nature out there, but also within ourselves. But as we look at this necessity, we must turn our gaze to our past. This provides the person studying Spiritual Science with an infinitely important perspective. He comes to understand the connection between the past and necessity. And now he begins to examine nature, finds necessities within it, and learns to recognize—by examining natural phenomena—that everything the natural scientist finds as necessities in nature is also part of the past. What is all of nature, all of nature with its necessity?
[ 38 ] Das kann man nicht beantworten, wenn man die Antwort nicht auf Grundlage der Geisteswissenschaft sucht. Wir leben jetzt im Erdendasein. Dem Erdendasein ist das Monden-, das Sonnen-, das Saturndasein vorangegangen. Auf dem Saturndasein — lesen Sie es nach in der «Geheimwissenschaft» — da schaute der Planet noch nicht so aus, wie jetzt die Erde aussieht, da war etwas ganz anderes. Wenn Sie den Saturn prüfen, werden Sie sehen: da ist alles noch so wie Gedanken drinnen. Da fallen noch nicht Steine zur Erde. Da gibt es noch nicht dichtes Physisches. Da sind alles Wärmewirkungen. Da ist alles so, wie es im menschlichen Inneren selber vor sich geht. Das sind Seelenwirkungen, Gedanken, welche die göttlichen Geister zurückgelassen haben. Und die sind geblieben. Die ganze jetzige Natur, die Sie in ihrer Notwendigkeit überschauen, die ist einmal in Freiheit gewesen, ist eine freie Tat der Götter gewesen. Und nur, weil sie vergangen ist, weil das, was auf Saturn, Sonne und Mond sich entwickelt hat, zu uns herübergekommen ist, so wie unsere Gedanken, die wir hatten, als wir ein Kind waren, in uns weiterwirken: so wirken die Gedanken der Götter während des Saturn-, Sonnen- und Mondendaseins im Erdendasein weiter, und weil sie vergangene Gedanken sind, so erscheinen sie uns in einer Notwendigkeit.
[ 38 ] One cannot answer this question unless one seeks the answer on the basis of Spiritual Science. We are now living in the Earth existence. The Earth existence was preceded by the Lunar, Solar, and Saturnian existences. During the Saturnian existence—you can read about this in Occult Science—the planet did not yet look the way the Earth looks today; it was something entirely different. If you examine Saturn, you will see that everything there is still like thoughts within it. Stones do not yet fall to the Earth there. There is no dense physical matter there yet. Everything there consists of thermal effects. Everything there is just as it unfolds within the human being itself. These are soul effects, thoughts that the divine spirits have left behind. And they have remained. All of present-day nature, which you perceive as a necessity, was once free; it was a free act of the gods. And only because it has passed, because what developed on Saturn, the Sun, and the Moon has come over to us—just as the thoughts we had when we were children continue to work within us—so do the thoughts of the gods from the Saturn, Sun, and Moon eras continue to work in earthly existence; and because they are past thoughts, they appear to us as a necessity.
[ 39 ] Wenn Sie jetzt Ihre Hand auf einen festen Gegenstand legen, was heißt das eigentlich? Nichts anderes als: das, was da drinnen ist in dem festen Gegenstand, das wurde einmal gedacht in langer Vergangenheit, und der Gedanke ist zurückgeblieben, wie der Gedanke, den Sie gedacht haben in Ihrer Jugendzeit, in Ihnen zurückgeblieben ist. Wenn Sie auf Ihre Vergangenheit schauen und das Vergangene als etwas Lebendiges anschauen, sehen Sie das Naturwerden in sich. Wie das, was Sie jetzt denken, sprechen, heute keine Notwendigkeit, sondern eine Freiheit ist, so ist dasjenige, was heute Erdendasein ist, Freiheit gewesen in früheren Daseinsstufen. Freiheit entwickelt sich immer weiter, und indem sie bleibt, wird sie zur Notwendigkeit. Würden wir dasjenige sehen, was jetzt in der Natur geschieht, so würde es uns gar nicht einfallen, darinnen Notwendigkeit zu finden. Wir sehen von der Natur nur das Zurückgebliebene. Was jetzt geschieht als Natur, das ist geistig. Das sehen wir nicht.
[ 39 ] If you now place your hand on a solid object, what does that actually mean? Nothing other than this: what is inside that solid object was once thought in the distant past, and that thought has remained there, just as the thoughts you had in your youth have remained within you. When you look at your past and view the past as something alive, you see the process of becoming nature within yourself. Just as what you think and say now is not a necessity but a freedom, so too was what is now earthly existence a freedom in earlier stages of existence. Freedom continues to develop, and as it persists, it becomes a necessity. If we were to see what is now happening in nature, it would not even occur to us to find necessity within it. We see only what nature has left behind. What is now happening as nature is spiritual. We do not see that.
[ 40 ] Dadurch gewinnt die menschliche Selbsterkenntnis eine ganz eigentümliche kosmische Bedeutung. Wir denken jetzt einen Gedanken. Jetzt ist er in uns. Wir könnten ihn gewiß auch nicht denken. Aber indem wir ihn gedacht haben, bleibt er in unserer Seele. Jetzt ist er vergangen. Jetzt ist er als eine Notwendigkeit wirkend da, ist als eine noch feine Notwendigkeit da, ist noch nicht so dichte Materie wie draußen in der Natur, weil wir Menschen und keine Götter sind. Wir bringen es nur dahin, daß wir jene innere Natur in uns erblicken, die als unser Gedächtnis, als unsere Erinnerungen in uns bleibt und wirksam ist in unseren Notwendigkeiten. Aber das, was jetzt in uns Gedanken sind, wird bei dem nächsten Jupiter-, Venusdasein schon äußere Natur werden. Da wird es als äußere Umgebung wirken. Und dasjenige, was wir jetzt als äußere Natur sehen, das war einmal Gedanke der Götter.
[ 40 ] As a result, human self-knowledge takes on a very peculiar cosmic significance. We now think a thought. Now it is within us. We certainly could not think it otherwise. But because we have thought it, it remains in our soul. Now it has passed. Now it is present as a necessity at work, as a still subtle necessity; it is not yet as dense a matter as that found out in nature, because we are human beings and not gods. We can only go so far as to perceive that inner nature within us, which remains within us as our memory, as our recollections, and is active in our necessities. But what are now thoughts within us will become external nature in the next Jupiter-Venus existence. There it will act as the external environment. And what we now see as external nature was once the thought of the gods.
[ 41 ] Wir sprechen heute von den Archai, wir sprechen von den Angeloi, Archangeloi, Archai und so weiter. Die haben gedacht in der Vergangenheit, wie wir jetzt denken. Und dasjenige, was sie gedacht haben, das ist als ihr Gedächtnis geblieben, und dieses ihr Gedächtnis schauen wir an. Wir können nur das, was wir während des Erdendaseins erinnern, innerlich anschauen in uns. Aber innerlich ist es Natur geworden. Was die Götter während früherer planetarischer Zustände gedacht haben, das ist äußerlich geworden, und das schauen wir jetzt als Äußerliches an.
[ 41 ] Today we speak of the Archai; we speak of the Angeloi, Archangeloi, Archai, and so on. In the past, they thought just as we think now. And what they thought has remained as their memory, and it is this memory of theirs that we contemplate. We can only contemplate inwardly within ourselves what we remember from our earthly existence. But inwardly, it has become nature. What the gods thought during earlier planetary states has become external, and we now perceive it as something external.
[ 42 ] Wahr, tief wahr ist es: solange wir Erdenmenschen sind, solange denken wir. Die Gedanken senken wir gleichsam hinunter in unser Seelenleben. Da werden sie der Anfang eines Naturdaseins. Sie bleiben aber in uns. Aber wenn das Jupiterdasein kommen wird, da gehen sie aus uns heraus. Und dasjenige, was wir heute denken, was wir heute überhaupt in uns erleben, das wird dann Außenwelt. Wir werden dann auf einer höheren Stufe auf das herunterschauen, was heute unsere Innenwelt ist, als auf eine Außenwelt. Was einmal in Freiheit erlebt wird, das verwandelt sich in eine Notwendigkeit.
[ 42 ] It is true, deeply true: as long as we are earthly human beings, we think. We sink our thoughts, as it were, down into our inner life. There they become the beginning of a natural existence. But they remain within us. But when the Jupiter stage of existence arrives, they will flow out of us. And what we think today—what we experience within ourselves today—will then become the external world. We will then look down from a higher level upon what is today our inner world, as if it were an external world. What is once experienced in freedom is transformed into a necessity.
[ 43 ] Dies sind sehr, sehr wichtige Gesichtspunkte, und nur wenn man diese wichtigen Gesichtspunkte hat, kann man ein Verständnis gewinnen für den eigentümlichen Fortgang der geschichtlichen Ereignisse, für dasjenige, was die gegenwärtigen Ereignisse sind, was sich gegenwärtig abspielt. Denn diese leiten unmittelbar dahin, daß wir eigentlich den Weg immerfort einschlagen, aus dem Subjektiven ins Objektive hineinzukommen. Subjektiv können wir im Grunde genommen nur in der Gegenwart sein. Sobald wir über die Gegenwart hinaus sind und das Subjektive hinuntergestoßen haben ins Seelenleben, bekommt es ein selbständiges Dasein. Freilich zunächst nur in uns, aber es bekommt ein selbständiges Dasein. Und während wir weiterleben mit anderen Gedanken, leben allerdings zunächst die früheren Gedanken, die wir gehabt haben, nur in uns. Wir geben ihnen vorläufig noch eine Hülle. Aber diese Hülle wird einmal abspringen. Im Geistigen ist die Sache schon anders. Deshalb müssen Sie solch ein Ereignis, wie ich es Ihnen hypothetisch angegeben habe, schon auch von diesem Gesichtspunkte aus sehen. Äußerlich angeschaut, ist ein Fels heruntergefallen, hat ein Gesellschaft überschüttet. Aber dies ist nur der äußere Ausdruck für etwas, was sich geistig vollzieht, und das, was geistig sich vollzieht, das ist der andere Teil des Ereignisses, der ebenso objektiv da ist wie das erste Ereignis.
[ 43 ] These are very, very important considerations, and only by taking these important considerations into account can one gain an understanding of the peculiar course of historical events—of what the current events are, of what is currently unfolding. For these points lead directly to the realization that we are, in fact, constantly embarking on the path from the subjective into the objective. Subjectively, we can, in essence, only exist in the present. As soon as we move beyond the present and have pushed the subjective down into the life of the soul, it takes on an independent existence. Admittedly, at first only within us, but it does take on an independent existence. And while we continue living with other thoughts, the earlier thoughts we had do, at first, live only within us. We still provide them with a temporary shell. But this shell will eventually fall away. In the spiritual realm, the situation is already different. That is why you must also view an event such as the one I have described to you hypothetically from this perspective as well. Viewed from the outside, a boulder has fallen and buried a group of people. But this is only the outward expression of something that is taking place spiritually, and what takes place spiritually is the other part of the event, which is just as objectively present as the first event.
[ 44 ] Das war es, was ich heute ausführen wollte, um zu zeigen, wie Freiheit und Notwendigkeit ineinanderspielen im Weltenwerden und in demjenigen Werden, in dem wir selber drinnenstehen, indem wir lebendige Menschen sind, wie wir verwoben sind mit der Welt, wie wir selber täglich, stündlich werden zu dem, was uns die Natur äußerlich zeigt. Unsere Vergangenheit ist in uns selber schon ein Stück Natur. Wir schreiten über dieses Stück Natur hinaus, indem wir uns weiterentwickeln, wie die Götter über ihre Entwickelung hinausgeschritten sind, über ihre Naturentwickelung, indem sie zu höherstehenden Hierarchien geworden sind.
[ 44 ] That is what I wanted to explain today—to show how freedom and necessity interact in the becoming of the world and in the process of becoming in which we ourselves are immersed as living human beings; how we are interwoven with the world; and how we ourselves, day by day and hour by hour, become what nature reveals to us externally. Our past is already a part of nature within us. We move beyond this part of nature as we continue to develop, just as the gods have moved beyond their own development—beyond their natural evolution—by becoming higher hierarchies.
[ 45 ] Das ist wiederum nur einer der Wege gewesen, von denen viele einzuschlagen sind, die uns immer wieder zeigen sollen, wie alles dasjenige, was im Physischen vor sich geht, nicht einseitig bloß nach dem physischen Anblicke beurteilt werden darf, sondern wie es beurteilt werden muß danach, daß es neben dem physischen Anblicke noch ein verborgenes Geistiges in sich hat. So wahr, wie unser physischer Leib noch unsern Ätherleib in sich hat, so wahr liegt allem Sinnlichen ein Übersinnliches zugrunde. Daraus müssen wir die Folgerung ziehen, daß wir eigentlich die Welt recht unvollständig betrachten, wenn wir sie nur danach ansehen, was sie unserem Auge darbietet, was äußerlich geschieht, und daß, während äußerlich etwas ganz anderes geschieht, innerlich, gleichzeitig dazu gehörig, geistig etwas geschehen kann, was eine viel größere, eine unendlich größere Bedeutung hat als dasjenige, was unserem physischen Anblicke sich darbietet. Was die Seelen, die da verschüttet worden sind, erlebt haben im Geistigen, das kann etwas unendlich viel Bedeutenderes sein als dasjenige, was äußerlich sich zugetragen hat. Das aber, was da geschehen ist, das hat mit der ganzen Zukunft dieser Seelen etwas zu tun, wie wir sehen werden.
[ 45 ] This, in turn, was just one of the many paths to be taken, paths that are meant to show us time and again how everything that takes place in the physical realm must not be judged one-sidedly based solely on physical appearances, but must be judged in light of the fact that, alongside physical appearances, it also contains a hidden spiritual element. Just as our physical body still contains our etheric body, so too does everything sensory have a supersensory foundation. From this we must conclude that we actually view the world quite incompletely if we regard it only in terms of what it presents to our eyes—what happens outwardly—and that, while something entirely different is happening outwardly, something spiritual may be happening inwardly, simultaneously and in connection with it, which has a much greater, an infinitely greater significance than what presents itself to our physical perception. What the souls who were buried there experienced in the spiritual realm may be infinitely more significant than what took place externally. But what happened there has something to do with the entire future of these souls, as we shall see.
[ 46 ] Doch wir wollen diese Gedanken heute hier abbrechen und wollen sie am nächsten Sonntag fortsetzen. Ich wollte heute eben durchaus nur das erreichen, daß ich Ihre Gedanken, Ihre Ideen in jene Richtung gebracht habe, die Ihnen zeigen soll, wie wir über Freiheit und Notwendigkeit, über Schuld und Sühne und so weiter richtige Begriffe nur bekommen können, wenn wir zu dem Physischen auch noch das Geistige dazunehmen.
[ 46 ] But let us leave these thoughts aside for now and continue them next Sunday. My sole aim today was simply to steer your thoughts and ideas in a direction that would show you how we can only arrive at correct concepts of freedom and necessity, guilt and atonement, and so on, if we supplement the physical with the spiritual as well.
