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Necessity and Freedom
in World History and Human Action
GA 166

30 January 1916, Berlin

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Was ich heute als Fortsetzung der Betrachtungen der verflossenen Woche zu geben habe, werde ich versuchen, zunächst durch eine Art hypothetischen Fall wiederum klarzumachen. Man kann manche Dinge, die gerade mit den tiefsten Rätseln des menschlichen Daseins zusammenhängen, eben am besten der abstrakten Betrachtungsweise entheben und dem Wirklichen mehr nähern, wenn man Beispiele nimmt. Selbstverständlich gilt dasjenige, was ich als ein Beispiel ausführen werde, das hypothetisch angenommen wird, für alle möglichen Lagen des Lebens. Nehmen wir also zunächst einmal ein hypothetisches Beispiel.

[ 1 ] What I have to offer today as a continuation of last week’s reflections, I will first attempt to clarify once again through a kind of hypothetical case. Some things—particularly those related to the deepest mysteries of human existence—are best removed from abstract consideration and brought closer to reality by using examples. Of course, what I will present as a hypothetical example applies to all possible situations in life. So let us first consider a hypothetical example.

[ 2 ] Wir versetzen uns in eine Schule, vielleicht in eine Schule von drei Klassen, denen drei Lehrer vorgesetzt sind und ein Direktor. Diese drei Lehrer, nehmen wir an, seien von sehr, sehr verschiedener Charakter- und Temperamentsart. Wir denken, es sei der Beginn eines neuen Schuljahres. Der Direktor bespricht sich mit seinen Lehrern über das kommende Schuljahr. Da ist zunächst ein Lehrer einer Klasse. Der sagt zu dem Direktor, nachdem ihn der Direktor gefragt hat, wie er sich einzurichten gedenke, wie er am besten vorwärtszukommen gedenke im nächsten Schuhjahr: Nun, ich habe während der Ferienzeit sorgfältig dasjenige mir aufgeschrieben, wovon ich angenommen habe, daß es in meinen Anordnungen, in meiner ganzen Schulleitung im vorigen Jahre von den Schülern nicht ganz gut getroffen worden ist, was also von mir nicht gut eingerichtet war. Und ich habe mir nun fürs kommende Jahr einen neuen Plan zurechtgerückt, einen Plan, der alles dasjenige enthält, wovon ich mich überzeugt habe, daß es im vorigen Jahre gut getroffen worden ist, daß es in die Hirne, in die Köpfe hineingegangen ist. Ich habe alle Aufgaben, die ich im Laufe des Jahres stellen werde, so eingerichtet, daß in meinem ganzen Plane für das kommende Jahr dasjenige enthalten ist, was am allerbesten im verflossenen Jahre getroffen worden ist, wovon man also annehmen kann, daß es sich im verflossenen Jahre gut erprobt hat. — Als ihn der Direktor etwas weiter fragte, da konnte er sogleich herausrücken mit einem Plane, den er sich über die Verteilung des Lehrstoffes zurechtgelegt hatte. Er konnte ferner anführen, welche Schulaufgaben er im Laufe des Jahres geben werde, welche Hausaufgaben er geben werde. Alle Themen für Schul- und Hausaufgaben hatte er nach den sorgfältigen Erfahrungen, wie er sagte, des vorigen Jahres sich zurechtgelegt. Da meinte der Direktor: Nun, ich bin sehr zufrieden. Sie sind zweifellos ein sorgfältiger Lehrer, und Sie werden mit Ihrer Klasse, wie ich glauben kann, etwas Ausgezeichnetes erreichen.

[ 2 ] Let’s imagine a school—perhaps one with three classes, each supervised by a teacher, and a principal. Let’s assume these three teachers have very, very different personalities and temperaments. Let’s imagine it’s the beginning of a new school year. The principal discusses the coming school year with his teachers. First, there is a teacher in charge of one class. After the principal asks him how he intends to organize things and how he plans to make the best progress in the coming school year, the teacher replies: “Well, during the summer break, I carefully wrote down what I believed the students had not fully grasped in my instructions and in my overall school management last year—in other words, what I had not organized well. And I have now drawn up a new plan for the coming year—a plan that includes everything I’ve become convinced was done well last year, that really sank in.” I have structured all the assignments I will be giving throughout the year in such a way that my entire plan for the coming year includes what worked best last year—things that can therefore be assumed to have proven effective in the past year. — When the principal asked him a few more questions, he was immediately able to present a plan he had drawn up for the distribution of the curriculum. He was also able to specify which in-class assignments he would give throughout the year and which homework assignments he would assign. He had prepared all the topics for class and homework assignments based on the careful lessons learned, as he put it, from the previous year. The principal then said: “Well, I am very satisfied. You are undoubtedly a conscientious teacher, and I am confident that you will achieve something outstanding with your class.”

[ 3 ] Der zweite Lehrer sagte in einer ähnlichen Weise: Ich habe das ganze Pensum, das ich mit meinen Schülern in dem vorigen Jahre absolviert habe, durchgenommen, und ich habe gesehen, was ich alles verfehlt habe. Ich habe mir nun den neuen Plan so eingerichtet, daß ich alle Fehler, die gemacht worden sind, vermeiden werde. — Und er konnte ebenfalls dem Direktor ein ausgearbeitetes Pensum zeigen: Themen für alle Schul- und Hausarbeiten, die er im Laufe des Jahres den Schülern auf Grundlage, wie er sagte, der Erfahrungen des vorigen Jahres, der Erfahrungen über seine Fehler, die er gemacht habe, geben wollte. Der Direktor sagte: Der, den ich vorher gesprochen habe, hat versucht, sich alles Vorzügliche, was ihm gelungen ist, zu notieren und danach sein Pensum zu notieren. Sie haben versucht, alle Fehler zu vermeiden. Man kann es auf beide Arten machen. Ich habe die Beruhigung, daß Sie etwas Ausgezeichnetes mit Ihrer Klasse erreichen werden. Ich sehe mit einer gewissen Befriedigung, daß ich Lehrer in meiner Schule habe, welche, indem sie zurückschauen auf dasjenige, was sie geleistet haben, sich durch eine weise Selbsterkenntnis in entsprechender Weise zu verhalten wissen. — Die Vorzüge gut erkennen, das ist etwas, was auf einen Direktor einen sehr guten Eindruck machen muß.

[ 3 ] The second teacher said something similar: “I went over the entire curriculum that I covered with my students last year, and I saw all the mistakes I had made.” I have now structured the new plan so that I will avoid all the mistakes that were made.” — And he, too, was able to show the principal a detailed curriculum: topics for all classwork and homework that he intended to assign to the students over the course of the year, based, as he said, on the experiences of the previous year—specifically, the lessons learned from the mistakes he had made. The principal said: “The one I spoke with earlier tried to note down everything excellent that he had accomplished and then base his lesson plan on that. You have tried to avoid all mistakes. It can be done both ways. I am confident that you will achieve something outstanding with your class.” I note with a certain satisfaction that I have teachers at my school who, by looking back on what they have accomplished, know how to act appropriately through wise self-awareness. — Recognizing one’s strengths is something that must make a very good impression on a principal.

[ 4 ] Nun kam der dritte Lehrer daran. Der dritte Lehrer sagte: Ich habe auch mir während der Ferien viel durch den Kopf gehen lassen, was sich im vorigen Jahre in meiner Klasse ereignet hat. Ich versuchte, die Charaktere der Schüler zu studieren, habe eine Art Rückschau gehalten auf dasjenige, was sich bei dem einen zugetragen hat, und was sich bei dem anderen zugetragen hat. — Nun, sagte der Direktor, da werden Sie ja auch gesehen haben, was Sie für Fehler gemacht haben und was Sie Gutes geleistet haben, und werden sich auch eine Art Programm machen können für das kommende Jahr. — Da sagte der Lehrer: Nein. Fehler werde ich schon gemacht haben. Einiges werde ich auch gut gemacht haben. Aber ich habe nur studiert die Charaktere der Schüler und dasjenige, was sich zugetragen hat. Ich habe nicht besonders nachgedacht darüber, ob ich besondere Fehler gemacht habe, ob dies oder jenes besonders gut war. Das habe ich nicht getan. Ich habe mir gedacht: Ja, so wie es gekommen ist, hat es eben einmal kommen müssen. Und so habe ich eben nur das studiert, wovon ich glaube, daß es durch eine Art von Notwendigkeit hat kommen müssen, Die Schüler waren in einer gewissen Weise geartet. Wie sie geartet waren, das habe ich sorgfältig studiert. Ich war auch in einer bestimmten Art geartet, und durch unser beider Artung ist eben das herausgekommen, was herauskommen konnte. Ja, mehr kann ich nicht sagen, meinte der dritte Lehrer. — Nun, sagte der Direktor, es scheint ja, als ob Sie ein recht selbstzufriedener Mann wären. Haben Sie nun auch sich ein Programm gemacht, haben Sie auch die Themen ausgearbeitet, die Sie im Laufe des Jahres Ihren Schülern geben werden als Schul- und Hausaufgaben? — Nein, antwortete der Lehrer, das habe ich nicht gemacht. — Ja, wie wollen Sie es dann machen in Ihrer Klasse? — Da sagte der Lehrer: Ich werde sehen, was ich nun in diesem Jahr für Schülermaterial haben werde. Und ich denke, daß ich das werde besser erkennen können als im vorigen Jahre, weil ich immer während meiner Ferien die Charaktere vom vorigen Jahre studiert habe. Aber wie sie dieses Jahr sein werden, das kann ich ja nicht wissen, das wird sich ja erst ergeben. Ja, werden Sie denn nicht Themen ausarbeiten für die Schul- und Hausaufgaben? — Ja, aber das werde ich machen dann, wenn ich sehen werde, wie die Schüler begabt oder unbegabt sind. Ich werde versuchen, mich danach einzurichten. — Nun ja, sagte der Direktor, da können wir schön ins Unbestimmte hineinsegeln. Darauf kann man sich ja kaum einlassen.

[ 4 ] Now it was the third teacher’s turn. The third teacher said: “I, too, spent a lot of time during the vacation reflecting on what happened in my class last year.” I tried to study the students’ personalities; I took a sort of look back at what happened with one student and what happened with another.” “Well,” said the principal, “then you must have seen what mistakes you made and what you did well, and you’ll be able to come up with a sort of plan for the coming year.” — Then the teacher said: “No. I’m sure I’ve made mistakes. I’ve also done some things well. But I’ve only studied the students’ personalities and what happened. I haven’t given much thought to whether I made specific mistakes, or whether this or that was particularly good. I haven’t done that. I thought to myself: ‘Yes, the way things turned out is simply how they were meant to be.’” And so I’ve simply studied what I believe had to happen out of a kind of necessity. The students were of a certain disposition. I carefully studied what kind of disposition they had. I, too, was of a certain disposition, and from our combined dispositions, what could have come out is exactly what came out. “Yes, that’s all I can say,” said the third teacher. — Well, said the principal, it certainly seems as though you’re a rather self-satisfied man. Have you also drawn up a curriculum for yourself? Have you worked out the topics you’ll be giving your students over the course of the year as schoolwork and homework? — No, replied the teacher, I haven’t done that. — Well, how do you plan to handle things in your class, then? — Then the teacher said: “I’ll see what kind of students I’ll have this year. And I think I’ll be able to assess that better than last year, because I always spent my vacations studying the students from the previous year. But I can’t know what they’ll be like this year—that will only become clear in time.” “Well, aren’t you going to prepare topics for classwork and homework?” — “Yes, but I’ll do that once I see how talented—or untalented—the students are. I’ll try to adapt accordingly.” — “Well,” said the principal, “then we can just sail off into the unknown. It’s hard to go along with that.”

[ 5 ] Aber es war nichts anderes zu machen. Der Direktor mußte sich auf die Sache einlassen. Und nun ging es eben los für das nächste Jahr. Der Direktor inspizierte öfter die Schule. Er sah, wie es die beiden ersten Lehrer ganz ausgezeichnet machten. Bei dem dritten fand er immer, daß die Sache doch nicht so recht ginge. Man hätte keine Sicherheit, sagte er, man wisse eigentlich niemals, was im nächsten Monat geschehen werde. Nun, es ging aber so das Jahr hindurch. Und zum Schluß kam die Klassifikation. Aus der Klassifikation glaubte der Direktor zu erkennen, daß die beiden ersten Lehrer sehr günstig gewirkt hätten. Es sind ja bei ihnen selbstverständlich auch einige durchgefallen, andere durchgekommen von den Schülern, aber es ist alles in der Ordnung gegangen. Der dritte Lehrer hatte nach der Klassifikation keine schlimmeren Ergebnisse. Aber es hatte sich im Laufe des Jahres die Meinung verbreitet, er wäre eben sehr nachsichtig. Während die anderen strenge Lehrer waren, wäre er eben sehr nachsichtig, sehe sehr häufig durch die Finger, und der Direktor hatte die Überzeugung, daß die Klasse des letzten Lehrers eigentlich am schlimmsten abschnitte.

[ 5 ] But there was nothing else to be done. The principal had to go along with it. And so the next school year began. The principal inspected the school frequently. He saw how the first two teachers were doing an excellent job. With the third, however, he always felt that things weren’t quite working out. There was no certainty, he said; one never really knew what would happen the following month. Well, things went on like that throughout the year. And finally, the report cards came out. From the report cards, the principal believed he could see that the first two teachers had had a very positive impact. Of course, some of their students had failed and others had passed, but everything had gone smoothly. The third teacher’s results weren’t any worse after the grading. But over the course of the year, the opinion had spread that he was simply very lenient. While the others were strict teachers, he was very lenient, turning a blind eye very often, and the principal was convinced that the last teacher’s class had actually performed the worst.

[ 6 ] Nun kam das nächste Jahr. Die Ferien waren vorübergegangen. Das nächste Schuljahr kam, und die beiden ersten Lehrer sprachen sich in ähnlicher Weise aus, der dritte wieder in ähnlicher Weise wie im vorigen Jahr. Wiederum spielte sich eine ähnliche Sache ab. Der Schulinspektor kam ja auch öfter. Dem fiel natürlich dasjenige auf, was der Direktor gewissermaßen schon in ihm vorbereitet hatte: daß die beiden ersten Lehrer sehr gut seien, der andere aber ein sehr mäßiger Lehrer wäre. Ja, es war nichts anderes zu machen. Ich brauche kaum besonders zu sagen, daß die beiden guten Lehrer Orden bekamen nach einigen Jahren, dazu vorgeschlagen worden waren, daß der Direktor einen Orden höherer Klasse bekam. Das ist ja Nebensache, nicht wahr?

[ 6 ] Then the next year came. The vacation was over. The new school year began, and the first two teachers expressed similar opinions, while the third spoke in much the same way as he had the previous year. Once again, a similar situation unfolded. The school inspector, after all, visited quite often. Naturally, he noticed what the principal had, in a sense, already prepared him to see: that the first two teachers were very good, but the other was a very mediocre teacher. Yes, there was nothing else to be done. I hardly need to mention that the two good teachers received medals after a few years, and that the principal was nominated for a higher-class medal. That’s a minor detail, isn’t it?

[ 7 ] Nach einiger Zeit geschah das Folgende: Der Direktor kam weg von dieser Schule, und ein anderer Direktor kam hin im Anfang des Schuljahres. Der besprach nun auch mit den drei Lehrern, wie sie es machen würden im nächsten Schuljahre und dergleichen. Da sagte wiederum der erste Lehrer in einer ähnlichen Weise aus, wie ich es Ihnen schon geschildert habe; der zweite auch, der dritte auch. Da sagte der Direktor: Ja, ja, das ist allerdings ein gewisser Unterschied in der Behandlungsweise. Allein ich glaube doch, daß sich die beiden ersten Herren ein wenig nach dem dritten Lehrer richten müßten. — Was, sagten die beiden ersten Herren, der frühere Direktor hat doch immer gesagt, daß sich der nach uns richten müßte! — Ja, sagte dieser Direktor, das meine ich nicht; mir scheint, daß sich die beiden ersten Herren nach dem dritten richten müßten. — Sie konnten sich aber nicht recht nach ihm richten, denn sie konnten nicht einsehen, wie man überhaupt in irgendeiner vernünftigen Weise voraussehen kann, was in der Zeit des nächsten Jahres geschieht, wenn man in einer solch blinden Weise wie der letzte Lehrer in dieses nächste Jahr hineintapst. Sie konnten sich das einfach nicht vorstellen.

[ 7 ] After some time, the following happened: The principal left that school, and another principal took over at the beginning of the school year. He then discussed with the three teachers how they would proceed in the coming school year and matters of that sort. Once again, the first teacher spoke in a manner similar to what I have already described to you; as did the second, and the third as well. Then the principal said: “Yes, yes, there is certainly a certain difference in approach. However, I do believe that the first two gentlemen should model themselves a little after the third teacher.”—“What?” said the first two gentlemen, “but the former principal always said that he should model himself after us!”—“Yes,” said this principal, “that’s not what I mean; it seems to me that the first two gentlemen should model themselves after the third.” — But they couldn’t quite model themselves after him, for they couldn’t see how one could possibly foresee, in any reasonable way, what would happen in the coming year if one stumbled into that year as blindly as the last teacher had. They simply couldn’t form a mental image of it.

[ 8 ] Der frühere Direktor war mittlerweile selbst, selbstverständlich durch seine Einsicht in den guten Gang der Schulereignisse, Schuliinspektor geworden. Er war nun höchst erstaunt über die Anschauungen, die sein Nachfolger ihm da entwickelte gerade in der Schule, die er doch sehr gut kannte. Wie denn das sein könne? Und er sagte: Ja, der dritte Lehrer, der hat mir nie etwas anderes gesagt als: ich muß erst sehen, wie die Schüler sind, dann kann ich mir von Woche zu Woche ein Programmbilden, — da kann man ja gar nichts voraussehen! Das geht doch ganz unmöglich, daß man nicht irgend etwas voraussieht. — Da sagte der Direktor: Ja, aber sehen Sie doch, gewiß, ich habe auch meine Lehrer gefragt, wie sie denn den Unterschied machen in bezug auf das Voraussehen. Es sagten mir die ersten beiden Herren immer: ich weiß ganz genau, am 25. Februar des nächsten Jahres werde ich diese und jene Schulaufgabe geben, da kann ich ganz genau sagen, was da geschehen wird, und ich weiß ganz genau: zu Ostern werde ich dies oder jenes durchnehmen. Der andere Lehrer, der sagte mir: ich weiß nicht gerade, wie ich’s machen werde zu Ostern, ich weiß auch nicht, was ich im Februar für eine Schulaufgabe geben werde, ich werde mich nach dem richten, wie es das Schülermaterial ergibt. Und da meinte er auch, er könne in einer gewissen Weise voraussehen, daß die Sache gut werden würde. Ich bin eigentlich, sagte der neue Direktor, mit ihm ganz einverstanden. Man kann immer erst nachher sehen, daß das, was man sich vorgenommen hat, ganz gut ist, daß aus dem, wie man sich verhält zum vorigen Jahre, indem man die Schülerchäraktere des vorigen Jahres studiert, man sich größere Fähigkeiten aneignet, die neuen Schülercharaktere kennenzulernen. Ich sehe ein, daß man dadurch mehr erreicht. — Ja, aber man kann da doch nichts vorauswissen! Da bleibt ja alles im Unbestimmten. Wo bleibt dann die Vorausbestimmung für das ganze Schuljahr? meinte der vorige, der frühere Direktor, man kann doch da gar nichts voraussehen. Man muß aber doch irgend etwas voraussehen können, wenn man irgend etwas vernünftig einrichten will. — Ja, meinte der neue Direktor, man kann voraussehen, daß die Sache gut gehen werde, wenn man sich gewissermaßen mit dem Genius, der in dem Schülermaterial waltet, verbindet, und ein gewisses Vertrauen zu dem Genius hat, der in diesem Schülermaterial wirkt. Und wenn man dem Genius vertraut, dem gleichsam gelobt: man hält sich an ihn, — so wird man zwar nicht voraussagen können, was im Februar als Schulaufgabe gegeben wird, aber man wird voraussagen können, daß die richtige gegeben wird. — Ja, aber da kann man nichts bestimmt voraussehen, da bleibt alles im Unbestimmten, sagte der Schulinspektor.— Da sagte der Direktor: Ich habe früher, sehen Sie, Herr Schulinspektor, einmal so etwas getrieben, was die Leute Geisteswissenschaft nennen. Da habe ich mir noch gemerkt von daher, daß Wesen, die sogar über den Menschen hinaus sehr viel erhaben sind, in viel wichtigeren Angelegenheiten es auch so gemacht haben sollen: denn am Anfange in der Bibel heißt es zum Beispiel «Und Gott machte das Licht», und erst nachdem er das Licht gemacht hatte, steht da «Und dann sah er, daß es gut war». — Ja, da konnte der Inspektor darauf gar nichts mehr Rechtes sagen.

[ 8 ] The former principal had, in the meantime—naturally, thanks to his insight into the smooth running of school affairs—become a school inspector himself. He was now extremely surprised by the views his successor was expressing to him, especially at the very school he knew so well. How could that be? And he said: “Yes, the third teacher—he never told me anything other than: ‘I have to see what the students are like first, then I can put together a program week by week’—but you can’t foresee anything that way! It’s simply impossible not to foresee something at all.” Then the principal said: “Yes, but look—of course, I also asked my teachers how they differ when it comes to planning ahead. The first two gentlemen always told me: ‘I know exactly that on February 25 of next year I’ll give this or that test; I can say exactly what will happen then, and I know exactly that by Easter I’ll cover this or that.’ The other teacher told me: “I don’t know exactly how I’ll handle things at Easter, nor do I know what kind of test I’ll give in February; I’ll base my decisions on how the students perform.” And he also believed that, in a certain way, he could foresee that things would turn out well. “Actually,” said the new principal, “I completely agree with him. You can only see afterward that what you set out to do was quite good; that by comparing your approach to last year’s—by studying the students’ personalities from last year—you acquire greater ability to get to know the new students’ personalities.” I realize that one achieves more that way.—Yes, but one can’t know anything in advance! Everything remains uncertain. Where, then, is the plan for the entire school year? said the previous director; one can’t foresee anything at all. But one must be able to foresee something if one wants to organize things sensibly. — Yes, said the new principal, one can foresee that things will go well if one, so to speak, connects with the genius that reigns over the student body and has a certain trust in the genius at work within that student body. And if one trusts that genius—praises it, as it were—and follows its lead, then one may not be able to predict what the test will be in February, but one will be able to predict that the right one will be given. — “Yes, but you can’t foresee anything with certainty there; everything remains uncertain,” said the school inspector. — Then the principal said: “You see, Mr. School Inspector, I used to engage in something that people call Spiritual Science.” “From that, I’ve always remembered that beings who are far more exalted than even humans are said to have done the same in much more important matters: for in the beginning of the Bible, for example, it says, ‘And God created the light,’ and only after he had created the light does it say, ‘And then he saw that it was good.’” — Well, the inspector really had nothing sensible to say to that.

[ 9 ] Nun ging die Sache so weiter, eine Zeitlang. Nicht wahr, solche Direktoren wie derjenige, den ich hypothetisch angenommen habe, gibt es wenige, ich möchte sagen hypothetisch in zweiter Potenz, denn selbst in der Hypothese ist es schon hypothetisch, wenn man solch einen Direktor annimmt. Der Direktor wurde also sehr bald weggeschickt, und ein anderer, der dem Inspektor etwas ähnlicher war, wurde hingeschickt, und die Sache ging weiter, bis eines Tages es doch so weit war, daß der gänzlich «ordenlose» Mann von der Schule mit Spott und Schande weggejagt worden ist und ein anderer, der nach dem Zuschnitt der zwei ersten war, hingeschickt worden ist. Die Sache konnte auch zunächst gar nicht anders gemacht werden, denn in allen Registern und in allen Conduitelisten — ich glaube, man nennt es so — war eingetragen, welche großen Fortschritte gemacht waren von den beiden ersten Lehrern und wie bei dem dritten im Grunde doch nur schlechtes Material aus der Schule hervorgegangen ist, aus dem einfachen Grunde, weil er durch die Finger gesehen hat; sonst hätten ja immer alle durchfallen müssen. Es sei eben nun einmal mit einem solchen Menschen, wie der dritte Lehrer war, gar nichts zu machen.

[ 9 ] Well, things went on like that for a while. After all, there are few principals like the one I’ve hypothetically assumed—I’d even say “hypothetically to the second power,” because even in a hypothetical scenario, it’s already hypothetical to assume such a principal. So the principal was sent away very soon, and another one, who was somewhat more like the inspector, was sent in his place, and the situation continued until one day it finally came to the point where the completely “disorderly” man was driven out of the school amid ridicule and disgrace, and another, who was cut from the same cloth as the first two, was sent in his place. At first, there was simply no other way to handle the matter, for in all the records and all the conduct reports—I believe that’s what they’re called—it was noted what great progress had been made under the first two teachers, and how, under the third, the school had essentially produced only poor results, for the simple reason that he turned a blind eye; otherwise, everyone would have had to fail. There was simply nothing to be done with a person like the third teacher.

[ 10 ] Es vergingen viele Jahre. Zufällig war eine sehr merkwürdige Tatsache gefolgt. Der Direktor, der weggeschickt worden war, hatte versucht, der Sache tiefer auf den Grund zu gehen: wie es denn wurde mit den zwei Lehrern, die immer genaue Selbstschau getrieben haben in der Form, daß sie sich aufgezeichnet haben die Themen, mit denen sie weniger Erfolge gehabt haben, und sich dann solche gewählt haben, mit denen sie Erfolg gehabt haben, und was der zweite erreicht hat, was der dritte erreicht hat. Man war sogar ein wenig nachgegangen dem, was dann die betreffenden Schüler immer bei anderen Lehrern wiederum erreichen konnten. Man hat gefunden, daß die Schüler des dritten Lehrers viel schlechtere Fortschritte machten als die Schüler der beiden ersten Lehrer, wenn sie dann zu anderen Lehrern gekommen waren. Aber dabei blieb der Direktor nicht stehen. Er ging der Sache noch etwas tiefer auf den Grund und verfolgte die Leute, die aus der Hand dieser Lehrer hervorgegangen waren, ins Leben hinein. Da fand er denn, daß diejenigen, die aus der Hand der beiden ersten Lehrer hervorgegangen waren, ja ganz gewiß ehrenwerte Menschen, mit Ausnahmen selbstverständlich, geworden waren, daß sie also etwas Besonderes schon nicht erreicht haben, aber sie waren recht nette Menschen geworden. Aber unter den Schülern, die der dritte Lehrer bei seinem Schülermaterial hatte, da waren solche, aus denen ganz bedeutende Menschen hervorgegangen waren, die viel Hervorragenderes geleistet haben als die Schüler der anderen.

[ 10 ] Many years passed. By chance, a very strange event followed. The principal, who had been dismissed, had tried to get to the bottom of the matter: what had become of the two teachers who had always engaged in rigorous self-reflection—specifically, by recording the topics with which they had had less success and then choosing those with which they had succeeded—and what the second teacher had achieved, and what the third had achieved. They even looked a little into what the students in question were subsequently able to achieve with other teachers. They found that the students of the third teacher made much less progress than the students of the first two teachers once they had moved on to other teachers. But the principal didn’t stop there. He delved even deeper into the matter and tracked the lives of the people who had been taught by these teachers. He then discovered that those who had been taught by the first two teachers had certainly become respectable people—with exceptions, of course—meaning they hadn’t achieved anything extraordinary, but they had become quite decent people. But among the students the third teacher had in his class, there were some who had gone on to become quite remarkable individuals, who had achieved far more outstanding things than the students of the others.

[ 11 ] Da konnte er in dem einen Fall das zeigen. Aber es machte keinen besonderen Eindruck auf die Welt, denn man sagte: Man kann doch nicht immer erst das ganze Leben derjenigen verfolgen, die aus der Schule hervorgehen. Nicht wahr, das geht doch nicht! Und darauf kommt es doch wohl auch gar nicht an. So meinten die Menschen.

[ 11 ] In that one case, he was able to demonstrate it. But it didn’t make much of an impression on the world, because people said: “You can’t always go around tracking the entire lives of everyone who graduates from school. Come on, that’s not possible! And besides, that’s not really what matters anyway.” That’s what people thought.

[ 12 ] Warum erzähle ich Ihnen denn das alles? Sehen Sie, es ist ein gravierender Unterschied zwischen den beiden ersten Lehrern und dem dritten Lehrer. Die beiden ersten Lehrer nagten während der Ferien hindurch an dem, wie sie im verflossenen Jahre gearbeitet hatten. Der dritte Lehrer nagte nicht daran, sondern er hatte ein Gefühl davon, daß es hat so kommen müssen, wie es gekommen ist. Wenn ihm der Direktor, der erste Direktor, immer wieder gesagt hat: Ja, dann können Sie ja gar nicht wissen, wie Sie Fehler vermeiden sollen im kommenden Jahr, oder wie Sie, wenn Sie nicht studieren, was Sie Gutes geleistet haben im verflossenen Jahr, das Gute verwirklichen können —, da hat er zunächst nichts gesagt darauf, denn er hat keine rechte Lust gehabt, diesem Direktor das klarzumachen. Aber hinterher hat er sich gedacht: Ja nun, wenn ich auch schon wirklich weiß, welche Fehler durch das Zusammenarbeiten von mir und meinen Schülern entstanden sind, so habe ich ja dieses Jahr andere Schüler, und da folgt gar nichts aus den Fehlern, die im vorigen Jahre gemacht worden sind. Ich muß rechnen mit dem neuen Schülermaterial.

[ 12 ] Why am I telling you all this? You see, there is a significant difference between the first two teachers and the third teacher. The first two teachers spent the entire vacation dwelling on how they had worked during the past year. The third teacher didn’t dwell on it; instead, he had a sense that things had to turn out the way they did. When the principal—the first principal—kept telling him, “Well, then you can’t possibly know how to avoid mistakes in the coming year, or how you can achieve what’s good if you don’t reflect on what you did well last year”—he didn’t say anything at first, because he didn’t really feel like explaining that to this principal. But afterward he thought to himself: “Well, even if I do know exactly which mistakes arose from my collaboration with my students, I have different students this year, and so the mistakes made last year have no bearing on the present. I have to work with the new group of students.”

[ 13 ] Kurz, die ersten beiden Lehrer standen ganz drinnen im Toten, der letzte Lehrer fügte sich ein in das Lebendige. Man könnte auch sagen, die ersten Lehrer rechneten immer mit der Vergangenheit, der letzte Lehrer rechnete mit der unmittelbaren Gegenwart, und er grübelte nicht über die Vergangenheit, indem er sich von der Vergangenheit sagte: Das hat eben so stattfinden müssen, das ist notwendig so geschehen nach den gegebenen Bedingungen.

[ 13 ] In short, the first two teachers were completely immersed in the dead, while the last teacher integrated himself into the living. One could also say that the first teachers always took the past into account, while the last teacher dealt with the immediate present, and he did not dwell on the past, telling himself: “That’s just how it had to be; it necessarily happened that way given the circumstances.”

[ 14 ] Es handelt sich darum, daß man, wenn man die Dinge so oberflächlich nach äußeren Urteilen ansieht, dann in der Tat dem wirklichen Geschehen der Welt gegenüber irregehen kann. Man geht irre aus dem Grunde, weil, wenn man es im Sinne der ersten Lehrer macht, man die Gegenwart beurteilt nach dem Toten der Vergangenheit, nach demjenigen, was in der Vergangenheit vergangen bleiben muß. Der dritte Lehrer hat von der Vergangenheit das Lebendige genommen und dieses Lebendige dadurch herausbekommen, daß er einfach die Charaktere studiert hat und durch das Studieren der Charaktere sich selber vollkommener gemacht hat, daß er vor allen Dingen darauf bedacht war, sich selber weiterzubringen dadurch, daß er seine Rückschau auf die Vergangenheit gemacht hat. Dann sagte er sich: Wenn ich mich dadurch weiterbringen kann, wird dasjenige, was ich in Zukunft zu tun habe, mit meinen größeren Fähigkeiten, die ich mir dadurch angeeignet habe, erreicht werden.

[ 14 ] The point is that if one views things so superficially, based on external judgments, one can indeed go astray when it comes to the actual events of the world. One goes astray because, if one follows the example of the first teachers, one judges the present based on the dead past—on that which must remain in the past. The third teacher took what was alive from the past and brought this vitality to light simply by studying characters; through this study of characters, he perfected himself, focusing above all on advancing himself by reflecting on the past. Then he said to himself: If I can improve myself in this way, what I have to do in the future will be accomplished with the greater abilities I have thereby acquired.

[ 15 ] Die beiden ersten Lehrer sagten sich, indem sie einen gewissen Aberglauben an die Vergangenheit hatten: Fehler, die sich in der Vergangenheit gezeigt haben, muß man in der Zukunft vermeiden, und Vorzüge, die sich in der Vergangenheit gezeigt haben, müssen in der Zukunft angewendet werden. Aber sie machten es im toten Sinne. Sie machten es so, daß sie nicht ihre Fähigkeiten steigern wollten, sondern sie wollten nur durch die äußere Beobachtung entscheiden. Nicht durch lebendige Arbeit an sich selber wollten sie wirken, sondern sie meinten, aus der Beobachtung allein, aus demjenigen, was sich der Beobachtung ergibt, könnten sie irgend etwas für die Zukunft gewinnen.

[ 15 ] The first two teachers, harboring a certain superstition about the past, told themselves: Mistakes that have been made in the past must be avoided in the future, and virtues that have been demonstrated in the past must be applied in the future. But they applied this in a lifeless way. They did so not with the intention of developing their own abilities, but rather by relying solely on external observation to make decisions. They did not seek to bring about change through active work on themselves; instead, they believed that from observation alone—from what observation reveals—they could gain something for the future.

[ 16 ] Geisteswissenschaftlich müssen wir sagen: Der erste der Lehrer, der sorgfältig untersucht hat, welche Vorzüge er in der Vergangenheit geltend gemacht hat und diese Vorzüge nun in der Zukunft wiederum seinem Wirken einverleiben will, der handelt in ahrimanischem Sinne. Das ist ahrimanisch gehandelt. Da klebt man an dem Vergangenen und betrachtet in selbstgefälliger Art aus dem persönlichen Egoismus heraus mit Befriedigung alles dasjenige, was man gut gemacht hat, und tut sich etwas zugute darauf. Das Wort ist ja nicht schlecht gewählt, weil man wirklich auf das hinsieht, was man gut gemacht hat und das weiter entwickeln will. Man tut sich etwas zugute darauf, daß man das oder jenes so gut getroffen hat und es nun weiter verwenden kann.

[ 16 ] From a Spiritual Science perspective, we must say: The first teacher who has carefully examined the virtues he has asserted in the past and now wishes to incorporate these virtues into his work in the future is acting in an Ahrimanic sense. That is an Ahrimanic act. One clings to the past and, out of personal egoism and with a sense of self-satisfaction, looks back with satisfaction on everything one has done well and takes credit for it. The word is not poorly chosen, for one truly looks back on what one has done well and wishes to develop it further. One takes credit for having done this or that so well and for now being able to make further use of it.

[ 17 ] Der zweite der Lehrer hatte einen Charakter, der mehr von luziferischen Kräften beherrscht war. Der grübelte nach, was er für Fehler gemacht hat, und sagte sich: Nun, diese Fehler muß ich vermeiden. Er sagte sich nicht: Das, was geschehen ist, war notwendig, es mußte so geschehen —, sondern er sagte: Ich habe Fehler gemacht. Dazu gehört immer etwas Egoistisches, daß man eigentlich besser gewesen sein möchte als man wirklich war, wenn man sich sagt, man habe Fehler gemacht, die hätten vermieden werden sollen, und man müsse sie jetzt vermeiden. Aber man klebt an dem Vergangenen, wie Luzifer auch, der geistig das Vergangene in die Gegenwart hinüberträgt. Das ist luziferisch gedacht.

[ 17 ] The second of the teachers had a character that was more dominated by Luciferic forces. He pondered the mistakes he had made and told himself: Well, I must avoid these mistakes. He did not say to himself: What happened was necessary; it had to happen that way—but rather he said: I have made mistakes. There is always something selfish about this—the desire to have been better than one actually was—when one tells oneself that one has made mistakes that should have been avoided and that one must now avoid them. But one clings to the past, just as Lucifer does, who spiritually carries the past over into the present. That is a Luciferic way of thinking.

[ 18 ] Der dritte Lehrer war, ich möchte sagen, beseelt von den Kräften der naturgemäß fortschreitenden göttlichen Wesenheiten, deren richtigem göttlichem Prinzip, welches schon im Beginne der Bibel dadurch ausgedrückt ist, daß die Elohim zuerst schaffen, und dann sehen, daß das Geschaffene gut war; aber nun nicht darauf sehen in egoistischer Weise, wie sie selber vorzügliche Wesen seien, weil sie das, was sie geschaffen hatten, gut gemacht haben, sondern daß es gut war, das nehmen sie auf, um nun weiter zu schaffen. Das verleiben sie ihrer Entwickelung ein. Sie leben im Lebendigen und weben in diesem Lebendigen.

[ 18 ] The third teacher was, I would say, inspired by the forces of the naturally evolving divine beings, by their true divine principle—which is expressed right at the beginning of the Bible in the fact that the Elohim first create, and then see that what they had created was good; but they do not view this in a self-centered way, as if they themselves were superior beings because they had created something good; rather, they recognize that it was good and incorporate that into their further creation. They integrate this into their own development. They live within the living and weave within this living reality.

[ 19 ] Darauf kommt es an, daß wir einsehen, wie wir selber als ein Lebendiges in eine Welt von Lebendigem hineingestellt sind. Wenn wir dieses einsehen, dann werden wir gewissermaßen auch nicht zu Kritikern der Götter, zum Beispiel der Elohim. Denn derjenige, der seine Weisheit über die Weisheit der Götter stellen möchte, der könnte ja sagen: Na, haben denn diese Götter nicht einmal, wenn sie Götter sein wollen, vorausgesehen, daß das Licht gut sein werde? Das sind mir nicht einmal Propheten, diese Götter! Wenn ich ein Gott wäre, dann würde ich selbstverständlich das Licht nur schaffen, wenn ich vorher weiß, wie das Licht ist und wenn ich nicht nachher erst sehen muß, daß das Licht gut ist.

[ 19 ] What matters is that we realize how we ourselves, as living beings, are placed within a world of living beings. If we realize this, then, in a sense, we will not become critics of the gods—for example, the Elohim. For anyone who wishes to place his own wisdom above the wisdom of the gods might well say: Well, if these gods want to be gods, didn’t they foresee even once that the light would be good? To me, these gods aren’t even prophets! If I were a god, I would, of course, create light only if I knew beforehand what the light was like—and if I did not have to wait until afterward to see that the light is good.

[ 20 ] Aber das ist die Menschenweisheit, die über Götterweisheit gestellt wird. In gewissem Sinne sah auch der dritte Lehrer voraus, was kommen werde, aber er sah es in lebendigem Sinne voraus, in dem er sich hingab, ich möchte sagen, dem Genius des Wirkens, dem Genius der Entwickelung, indem er sich sagte: Indem ich mir einverleibe das, was ich durch das Studium der Charaktere im vorigen Jahre gewonnen habe, indem ich nicht genagt habe an den Fehlern, die ich gemacht habe notwendig aus dem einfachen Grunde, weil ich es eben so gab, wie ich gewesen bin, und indem ich sorgfältig studiert habe, ohne eine Kritik anzuwenden gegen dasjenige, was sich mir entgegenstellte als meine eigene Vergangenheit, dadurch habe ich meine Fähigkeit erhöht und habe mir außerdem einen fähigeren Blick erworben für das, was nun mein neues Schülermaterial ist. — Und er sah ein, daß die zwei ersten Lehrer doch nur das Schülermaterial ansehen durch die Brille desjenigen, was sie im vorigen Jahre gemacht haben, das sie doch niemals richtig beurteilen können. So konnte er sagen: Ja, ganz gewiß, ich glaube es, daß ich in vier Wochen den Schülern die richtige Schulaufgabe geben werde, und ich kann ganz gewiß auf diese meine Prophetie vertrauen, daß ich die richtige Schulaufgabe geben werde.

[ 20 ] But this is human wisdom, which is placed above divine wisdom. In a certain sense, the third teacher also foresaw what was to come, but he foresaw it in a living sense, by devoting himself—I would say—to the genius of action, the genius of evolution, telling himself: By incorporating what I gained through the study of character last year, by not dwelling on the mistakes I made—necessarily for the simple reason that I was simply as I was—and by studying carefully without criticizing what stood before me as my own past, thereby I have enhanced my ability and, moreover, acquired a more discerning eye for what is now my new class of students.—And he realized that the first two teachers were, after all, only viewing the students through the lens of what they had done the previous year—which they could never truly assess. So he was able to say: “Yes, quite certainly, I believe that in four weeks I will give the students the right test, and I can quite certainly trust in this prophecy of mine that I will give the right test.”

[ 21 ] Die anderen waren bessere Propheten. Sie konnten nämlich sagen: Ich werde diejenige Schulaufgabe geben, die ich mir aufgeschrieben habe; die werde ich ganz gewiß geben. Das war aber ein Voraussehen der Tatsachen, und nicht ein Voraussehen des Ganges der beweglichen Kräfte. Diesen Unterschied muß man sehr festhalten. Prophetie als solche ist nicht unmöglich. Aber Prophetie desjenigen, was im einzelnen vorgeht, wenn in dieses einzelne hineinverwoben ist Wesen, welches aus sich selbst heraus handeln soll, solche Prophetie kann nur möglich sein, wenn man bloß auf diejenigen Erscheinungen sieht, die von Luzifer und Ahriman aus der Gegenwart in die Zukunft hinübergetragen werden.

[ 21 ] The others were better prophets. For they could say: “I will give the test I have written down; I will certainly give that one.” But that was a foreknowledge of facts, not a foreknowledge of the course of dynamic forces. This distinction must be firmly kept in mind. Prophecy as such is not impossible. But prophecy concerning what happens in specific details—when woven into these details is an essence that is to act of its own accord—such prophecy can only be possible if one looks solely at those phenomena that are carried over from the present into the future by Lucifer and Ahriman.

[ 22 ] Wir kommen allmählich näher der großen Frage, die uns beschäftigt in diesen Vorträgen über Freiheit und Notwendigkeit. Aber wir müssen gerade bei dieser Frage, die so tief eingreift in das ganze Weltgeschehen und in alles menschliche Geschehen, uns auch alle Schwierigkeiten vorlegen. Wir müssen zum Beispiel uns klar sein darüber, daß, indem wir überschauen dasjenige, was sich abgespielt hat und in das wir selber verwickelt sind, wir dieses als ein Notwendiges überschauen. Und im Augenblicke, wo wir alle Bedingungen kennen, überschauen wir es als ein Notwendiges. Das ist gar kein Zweifel, wir überschauen das, was geschehen ist, als ein Notwendiges. Aber wir müssen uns zugleich die Frage vorlegen: Kann man denn so, wie es sehr häufig geschieht, die Ursachen für ein Späteres immer in dem unmittelbar Vorangegangenen finden? Die Naturwissenschaft muß es in einem gewissen Sinne so machen, daß sie für das, was in der nächsten Zeit geschieht, in der unmittelbar vorangehenden Zeit die Ursache sieht. Wenn ich ein Experiment anstelle, so muß ich selbstverständlich bei dem, was später geschieht, mir klar sein, daß in dem, was vorher geschehen ist, die Ursache liegt. Aber das bedeutet durchaus nicht, daß das für das ganze Weltengeschehen gelten müsse, denn erstens könnten wir uns sehr leicht täuschen über den Zusammenhang von Ursache und Wirkung, wenn wir ihn so aufsuchen würden nach den Fäden des Späteren und Früheren. Ich möchte es durch einen Vergleich klarmachen.

[ 22 ] We are gradually drawing closer to the great question that has been occupying us in these lectures on freedom and necessity. But it is precisely with this question—which has such a profound impact on the entire course of world events and on all human affairs—that we must also confront all the difficulties. For example, we must be clear that, as we survey what has taken place—and in which we ourselves are involved—we view it as a necessity. And the moment we know all the conditions, we view it as necessary. There is no doubt at all; we view what has happened as necessary. But at the same time, we must ask ourselves: Is it always possible, as so often happens, to find the causes of a later event in what immediately preceded it? Natural science must, in a certain sense, proceed in such a way that it sees the cause of what happens in the near future in the immediately preceding period. When I conduct an experiment, I must, of course, be clear about what happens later and recognize that the cause lies in what happened before. But that by no means implies that this must apply to the entire course of world events, for, first of all, we could very easily be mistaken about the relationship between cause and effect if we were to trace it in this way by following the threads of what came later and what came earlier. I would like to clarify this with an analogy.

[ 23 ] Wenn wir die Wirklichkeit äußerlich mit den Sinnen durchschauen, so können wir sagen: Ganz gewiß, weil dies so ist, ist das andere so. Da kommen wir aber sehr häufig, wenn wir es ausdehnen auf das gesamte Geschehen, zu dem Irrtum, den ich eben durch einen Vergleich charakterisieren will. Wir kommen zu folgendem Irrtum. Nehmen wir der Einfachheit halber an, ein Mensch kutschiere sich selber. Wir sehen ein Pferd, hinten einen Wagen, einen Menschen darauf sitzen — ich habe das Beispiel schon öfter gebraucht —, der also fährt. Man sieht sich das an und sagt ganz. selbstverständlich: das Roß zieht, der Mann wird gezogen. Der Mann wird überall hingezogen, wohin ihn das Roß zieht. Das ist ja ganz klar. Also das Roß ist die Ursache, weshalb der Mann gezogen wird. In dem Ziehen des Rosses liegt die Ursache; daß der Mann gezogen wird, das ist die Wirkung. Na schön, aber Sie wissen ja alle, daß das nicht so ist, daß der Mann, der oben sitzt und sich kutschiert, das Roß nach seinem Willen lenkt. Obzwar das Roß ihn zieht, zieht ihn das Roß dahin, wohin er will.

[ 23 ] When we perceive reality externally through our senses, we can say: “Certainly, because this is the case, that must also be the case.” However, when we extend this to the totality of events, we very often fall into the error that I will now characterize by means of a comparison. We arrive at the following error. For the sake of simplicity, let’s assume that a person is driving himself in a carriage. We see a horse, a carriage behind it, and a person sitting on it—I’ve used this example many times before—who is thus driving. We look at this and say, quite naturally: the horse is pulling, the man is being pulled. The man is pulled wherever the horse pulls him. That’s perfectly clear. So the horse is the cause of why the man is being pulled. The cause lies in the horse’s pulling; the fact that the man is being pulled is the effect. All right, but you all know that this isn’t actually the case—that the man sitting up there in the carriage steers the horse according to his will. Although the horse pulls him, it pulls him wherever he wants to go.

[ 24 ] So ist es sehr häufig auch, wenn man rein äußerlich nach den Geschehnissen auf dem physischen Plane urteilt. Nehmen Sie noch einmal das hypothetische Beispiel, das wir vor einigen Tagen angeführt haben: Eine Gesellschaft macht sich auf, setzt sich in eine Kutsche, der Kutscher hat die Abfahrtszeit versäumt. Sie kommen dadurch um fünf Minuten zu spät. Dadurch kommen sie gerade in der Zeit unter einem Felsenhang an, in der dieser Felshang abstürzt, und er zerschmettert die Gesellschaft. Nun kann man, wenn man die Ursache auf dem physischen Plane verfolgt, natürlich sagen: das ist geschehen, und nachher ist das geschehen und jenes geschehen —, und man wird auf diese Weise etwas herausbekommen. Aber man könnte wirklich in diesem Falle den Fehler machen, den man macht, wenn man sagt, das Roß zieht den Führer dahin, wo es will —, wenn man nicht beachtet, daß der kutschierende Mann das Roß nach seinem Willen lenkt. Man könnte diesen Fehler aus dem Grunde machen, weil das Lenkende in diesem Falle vielleicht in der geistigen Welt zu suchen sein könnte. Wenn man die Ereignisse bloß auf dem physischen Plane verfolgt, so urteilt man eben wirklich in dem Stile, wie: daß der Betreffende dahin fahren muß, wohin das Roß ihn zieht. Wenn man aber die geheimen Kräfte, die da walten in dem ganzen Ereignisse, durchschaut, dann sieht man, daß die Ereignisse hingelenkt worden sind zu dem Punkt, und daß das Zu-spät-Einsetzen des Kutschers eben zu dem ganzen Komplex der Bedingungen gehörte. Notwendig ist alles, aber nicht so notwendig, wie man glaubt, wenn man bloß die Ereignisse auf dem physischen Plane verfolgt.

[ 24 ] This is very often the case when one judges purely by outward appearances based on events on the physical plane. Take once again the hypothetical example we cited a few days ago: A group sets out, gets into a carriage, but the coachman has missed the departure time. As a result, they arrive five minutes late. This causes them to arrive at the foot of a rocky slope just as it collapses, and the slope crushes the group. Now, if one traces the cause on the physical plane, one can of course say: this happened, and afterward that happened and the other thing happened—and in this way one will be able to piece something together. But in this case, one could indeed make the same mistake one makes when saying that the horse pulls the driver wherever it wants—if one fails to consider that the coachman is steering the horse according to his own will. One might make this mistake because the guiding force in this case might perhaps be found in the spiritual world. If one traces events solely on the physical plane, one really does judge in the following manner: that the person in question must go wherever the horse pulls him. But if one sees through the secret forces at work in the entire sequence of events, one realizes that the events have been steered toward that point, and that the coachman’s belated intervention was in fact part of the whole complex of circumstances. Everything is necessary, but not as necessary as one might believe when merely following the events on the physical plane.

[ 25 ] Wenn man anderseits glaubt, man könne die Ursache dadurch finden, daß man immer das unmittelbar Vorangehende als Ursache nimmt, dann könnte ja folgendes passieren. Man sieht, wenn man es von außen anschaut, dieses: Zwei Menschen treffen sich. Nun geht man so zu Werke, wie man es in der Naturforschung ja richtig tun muß. Die zwei Menschen haben sich getroffen. Jetzt studiert man, wo die betreffenden zwei Menschen vorher waren in der Stunde, bevor sie sich getroffen habe, wo sie in einer weiteren Stunde vorher waren, wie sie aufgebrochen sind, um sich zu treffen. Da kann man nun verfolgen, eine gewisse Zeit hindurch, wie eins immer das andere getrieben hat, und wie die zwei Menschen zusammengeführt worden sind. — Ein anderer kümmert sich nicht um diese Dinge, sondern er hat zufällig erfahren, daß sich die beiden Menschen vor fünf Tagen zusammen besprochen haben, daß sie sich treffen werden, und er sagt: Ja, sie treffen sich, weil sie besprochen haben, daß sie sich treffen werden.

[ 25 ] On the other hand, if one believes that the cause can be found by always taking the immediately preceding event as the cause, then the following could happen. Looking at it from the outside, one sees this: Two people meet. Now one proceeds as one must correctly do in the natural sciences. The two people have met. Now one studies where those two people were an hour before they met, where they were another hour before that, and how they set out to meet each other. Over a certain period of time, one can then trace how one person consistently drove the other, and how the two people were brought together. — Someone else pays no attention to these things; instead, he has happened to learn that the two people discussed five days ago that they would meet, and he says: Yes, they are meeting because they agreed that they would meet.

[ 26 ] Hier haben Sie die Möglichkeit, zu sehen, daß die Ursache durchaus nicht da zu finden sein muß, wo das unmittelbar Vorhergehende ist, und daß, wenn wir das Suchen nach dem Faden der Ursache abreißen vor dem entsprechenden richtigen Gliede, wir überhaupt nicht zu dem entsprechenden rechten Gliede kommen; denn wir können ja die Kette der Ursachen nur immer bis zu einem gewissen Gliede hin verfolgen. Auch in der Natur können wir das nur bis zu einem gewissen Gliede hin. Besonders bei Erscheinungen, in welche die Menschen hineinverflochten sind, können wir das nur bis zu einem gewissen Gliede hin. Wenn wir das aber tun, und dann so vorgehen, daß wir immer das Vorhergehende und wieder das Vorhergehende suchen und glauben, wir werden die Ursache erkennen, dann geben wir uns natürlich einem Irrtum, einer Täuschung hin.

[ 26 ] Here you have the opportunity to see that the cause does not necessarily have to be found where the immediate preceding event is, and that if we break off our search for the thread of causation before reaching the corresponding correct link, we will not arrive at the corresponding correct link at all; for we can, after all, only trace the chain of causes up to a certain link. Even in nature, we can only trace it up to a certain link. This is especially true for phenomena in which human beings are intertwined; we can only trace them up to a certain link. But if we do so, and then proceed by always seeking the preceding cause and then the one before that, believing we will identify the cause, then we naturally fall prey to error and delusion.

[ 27 ] Sie müssen das nur durchdringen mit dem, was Sie bisher aus der Geisteswissenschaft schon haben gewinnen können. Nehmen Sie an, ein Mensch vollzieht irgendeine Handlung auf dem physischen Plane. Also wir sehen ihn diese Handlung vollziehen. Wer nun seine Betrachtungen nur beschränken will auf den physischen Plan, der wird sehen, wie der betreffende Mensch sich vorher verhalten hat. Wenn er dann weitergeht, wird er sehen, wie er erzogen worden ist. Er wird vielleicht auch noch, wie das jetzt Mode ist, die Vererbung ins Auge fassen und so weiter. Aber nehmen wir an, in die Handlung, die sich hier auf dem physischen Plane vollzogen hat, sei eingeflossen etwas, was nur zu finden ist in dem Leben, das der Betreffende in dem Leben zwischen dem letzten Tod und der neuen Geburt durchgemacht hat. Dann bedeutet das, daß wir die Linie der Ursachen eben bei der Geburt abreißen und zu dem gehen, wo etwas Ähnliches vorliegt wie in dem Vergleiche der Verabredung. Denn es kann dasjenige, was ich jetzt ausführe, vorbestimmt sein vor Jahrhunderten in dem Leben, das zwischen dem letzten Tode und der jetzigen Geburt abgelaufen ist. Und dasjenige, was da durchlebt worden ist, das fließt ein in das, was ich jetzt tue und unternehme.

[ 27 ] You simply need to apply to this what you have already been able to gain from Spiritual Science. Suppose a person performs some action on the physical plane. So we see him performing this action. Anyone who wishes to limit their observations to the physical plane alone will see how that person behaved beforehand. If they then go further, they will see how the person was raised. They may also, as is now fashionable, take heredity into account, and so on. But let us suppose that something has flowed into the action that took place here on the physical plane—something that can only be found in the life the person in question lived between their last death and their new birth. This means that we cut off the line of causes at birth and turn to a situation similar to that in the analogy of the prior arrangement. For what I am now doing may have been predetermined centuries ago in the life that elapsed between the last death and the present birth. And what was experienced there flows into what I am now doing and undertaking.

[ 28 ] So ist eben die Notwendigkeit, daß wir in gewisser Weise, ohne in die geistigen Welten einzudringen, für die menschlichen Handlungen überhaupt nicht — also überhaupt nicht hier auf dem physischen Plane — die Ursächlichkeit finden können, daß da ein Aufsuchen der Ursachen unter Umständen überhaupt eine ganz verfehlte Sache sein kann, ein Aufsuchen der Ursachen in demselben Sinne, wie man es für die äußeren Naturereignisse tut.

[ 28 ] Thus, the necessity arises that, in a certain way—without penetrating into the spiritual worlds—we cannot at all—that is, not at all here on the physical plane — that seeking causes may, under certain circumstances, be entirely misguided—seeking causes in the same sense as one does for external natural phenomena.

[ 29 ] Dennoch, wenn man genauer hinschaut auf die Art und Weise, wie das menschliche Handeln hineinverwoben ist in das Weltengeschehen, dann wird man dennoch zu einer gewissen befriedigenden Anschauung kommen können auch über dasjenige, was man Freiheit nennt, gegenüber dem, daß man sich sagen muß: Notwendigkeit liegt vor. Aber was man Aufsuchen der Ursachen nennt, das ist zunächst vielleicht überhaupt dadurch beschränkt, daß man auf dem physischen Plane gar nicht vordringen kann bis zu demjenigen Gebiet, wo die Verursachung liegt.

[ 29 ] Nevertheless, if one takes a closer look at the way in which human action is interwoven with world events, one will still be able to arrive at a certain satisfying perspective—even regarding what is called freedom—in contrast to the realization that one must acknowledge: necessity prevails. But what is called the search for causes is perhaps limited, at least initially, by the fact that on the physical plane one cannot penetrate at all into the realm where causation lies.

[ 30 ] Aber nun kommt etwas anderes, was in Betracht zu ziehen ist. Freiheit, Notwendigkeit sind einmal zwei Begriffe, die außerordentlich schwer zu fassen und noch schwerer miteinander zu vereinigen sind. Nicht umsonst ist es, daß die philosophischen Bestrebungen zum großen Teil gerade bei der Freiheits- und Notwendigkeitsfrage gescheitert sind. Es ist dies zum großen Teil aus dem Grunde her gekommen, weil sich die Menschen die Schwierigkeiten der Fragen nicht vor Augen gerückt haben. Deshalb bemühe ich mich so sehr, in diesen Vorträgen gerade die Schwierigkeiten dieser Fragen Ihnen vor Augen zu rücken.

[ 30 ] But now there is something else to consider. Freedom and necessity are two concepts that are extraordinarily difficult to grasp and even more difficult to reconcile with one another. It is no coincidence that philosophical endeavors have, for the most part, failed precisely when addressing the question of freedom and necessity. This is largely because people have failed to bring the difficulties of these questions into sharp focus. That is why I am making such an effort in these lectures to bring precisely these difficulties to your attention.

[ 31 ] Wenn wir hinsehen auf das menschliche Geschehen, können wir zunächst den Faden der Notwendigkeit überall sehen. Denn auch das wäre ein Vorurteil, wenn man jede einzelne menschliche Handlung als ein Produkt der Freiheit hinstellen wollte. Ich will es wiederum mit einem hypothetischen Beispiel klarmachen. Nehmen wir einmal an, jemand wüchse heran. Dadurch, daß er heranwächst in einer bestimmten Art und Weise, kann man nachweisen, daß alle Bedingungen seines Erlebens sich eben so gestaltet haben, nun, sagen wir, daß er ein Briefträger geworden ist, ein Landbriefträger, der jeden Morgen mit der Post aufs Land hinausgehen und die Briefe abgeben muß. Dann geht er wieder zurück. Am nächsten Morgen geht er wieder hinaus. Ich glaube, Sie werden alle zugeben, daß man eine gewisse Notwendigkeit finden kann in diesen Vorgängen. Wenn man alles dasjenige studiert, was sich zugetragen hat in der Kindheit des betreffenden Menschen, wenn man alle die Ereignisse, die auf sein Leben gewirkt haben, zusammenzieht, so wird man gewiß sehen, wie sich das alles zusammengruppiert hat, um ihn zum Landbriefträger zu machen, und wie dann gerade dadurch, daß die eine Stelle frei war, er mit Notwendigkeit in diese hineingeschoben worden ist. Und dann hört die Freiheit wohl schon auf, denn er kann ja selbstverständlich die Adressen der Briefe, die er bekommt, nicht umändern. Da ist ja durch eine äußere Notwendigkeit gegeben, welche Haustür er auf-, und welche er wieder zumacht. Also da sehen wir schon recht viel Notwendigkeit in dem, was er zu vollbringen hat.

[ 31 ] When we look at human affairs, we can first of all see the thread of necessity running through everything. For it, too, would be a prejudice to portray every single human action as a product of freedom. I will illustrate this once again with a hypothetical example. Let’s suppose someone is growing up. Because he is growing up in a certain way, one can demonstrate that all the conditions of his experience have taken shape precisely in that way. Now, let’s say he has become a mail carrier, a rural mail carrier who has to go out into the countryside every morning with the mail and deliver the letters. Then he goes back again. The next morning, he goes out again. I believe you will all admit that one can find a certain necessity in these processes. If one studies everything that took place during this person’s childhood, if one brings together all the events that have influenced his life, one will certainly see how all of this has come together to make him a rural mail carrier, and how, precisely because that one position was vacant, he was inevitably pushed into it. And that is where freedom probably ends, for he cannot, of course, change the addresses on the letters he receives. An external necessity dictates which front door he opens and which he closes again. So we can already see quite a bit of necessity in what he has to accomplish.

[ 32 ] Aber nehmen wir nun an, ein anderer Mensch, vielleicht ein jüngerer, jünger von mir angenommen aus dem Grunde, daß ich jetzt ausführen kann, was ich jetzt auszuführen habe, ohne daß Sie diesem jüngeren Menschen gleich die bittersten Vorwürfe machen über sein Gebaren. Also ein anderer, jüngerer Mensch, der noch so jung ist, daß er nicht deshalb, weil er das tut, gleich ein Faulenzer ist, der faßt die Idee, jeden Morgen mitzugehen und den Landbriefträger auf seinen Wegen zu begleiten. Das führt er auch aus. Er steht ordentlich auf jeden Morgen, schließt sich dem Landbriefträger an, macht alle einzelnen Handlungen mit und geht dann wiederum zurück, macht das eine gewisse Zeit hindurch. Es ist gar kein Zweifel, daß wir bei dem letzteren nicht in demselben Sinne von Notwendigkeit sprechen können wie bei dem ersteren. Denn alles dasjenige, was durch den ersten Menschen geschieht, muß notwendigerweise geschehen. Nichts, was durch den letzteren Menschen geschieht, müßte eigentlich geschehen. Er könnte jeden Tag wegbleiben, könnte man sagen, und es würde genau das Gleiche geschehen in einem gewissen objektiven Zusammenhange drinnen. Es ist Ja ganz klar, nicht wahr? So daß wir sagen können: Der erste tut alles aus Notwendigkeit, der letztere tut alles aus Freiheit. Das kann man ganz gut sagen, und dennoch, in einem gewissen Sinne tun sie beide dasselbe. Ja, man könnte sich sogar die folgende Vorstellung bilden. Man könnte sagen, dieser zweite Mensch sieht einmal einen Morgen herankommen, an dem er nicht aufstehen will. Er könnte es ja unterlassen, aber er tut es nun doch, weil er’s einmal gewohnt ist. Er tut, was er aus Freiheit tut, mit einer gewissen Notwendigkeit. Wir sehen Freiheit und Notwendigkeit förmlich zusammenfließen.

[ 32 ] But let’s now suppose another person, perhaps a younger one—younger than me, I assume, for the reason that I can now carry out what I have to do without you immediately leveling the bitterest reproaches at this younger person for his behavior. So, another, younger person—who is still so young that he isn’t automatically a slacker just because he does this—comes up with the idea of going along every morning and accompanying the rural mail carrier on his rounds. And he carries this out. He gets up on time every morning, joins the rural mail carrier, goes through all the individual steps with him, and then walks back again, doing this for a certain period of time. There is no doubt at all that we cannot speak of necessity in the same sense with regard to the latter as we do with regard to the former. For everything that happens through the first person must necessarily happen. Nothing that happens through the latter person actually has to happen. He could stay away every day, one might say, and exactly the same thing would happen within a certain objective context. It’s quite clear, isn’t it? So we can say: The first does everything out of necessity; the second does everything out of freedom. One can certainly say that, and yet, in a certain sense, they both do the same thing. Yes, one could even form the following mental image. One could say that this second person sees a morning approaching when he does not want to get up. He could, of course, refrain from doing so, but he does it anyway because he is used to it. He does what he does out of freedom with a certain necessity. We see freedom and necessity literally merging together.

[ 33 ] Wenn man studiert die Art und Weise, wie jener zweite Mensch in uns wohnt, von dem ich Ihnen im öffentlichen Vortrage gesprochen habe, wie das eigentliche Seelische in uns wohnt, das in seiner Qualität durch die Pforte des Todes gehen wird, so ist es im Grunde nicht viel anders, als daß man dieses eigentlich Seelische, das in uns wohnt, vergleichen könnte mit einem Begleiter des äußeren Menschen, der durch die physische Welt geht. Es ist zwar für einen gewöhnlichen materialistischen Monisten etwas ganz Greuliches, wenn man das sagt. Aber solch ein materialistischer Monist, der steht ja doch, wie wir wissen, auf dem Standpunkte, daß er sagt: Ihr seid ganz greuliche Dualisten, wenn ihr glaubt, das Wasser bestehe aus Wasserstoff und Sauerstoff. Man muß alles einheitlich haben. Es ist doch Unsinn, zu sagen, das Monon «Wasser», das bestehe aus Wasserstoff und Sauerstoff! — Nun ja, von diesem Monismus muß man sich nur nicht täuschen lassen. Um was es sich handelt, das ist, daß nun wirklich von zwei Seiten her zueinanderkommt, was wir im Leben sind, und daß wahrhaftig das, was da von zwei Seiten her kommt, zu vergleichen ist mit der Art und Weise, wie Wasserstoff und Sauerstoff im Wasser drinnen sind. Denn was unser äußeres Physisches ist, das strömt in der Vererbungslinie weiter, und strömt nicht bloß mit den physischen Eigenschaften in der Vererbungslinie weiter, sondern es strömt auch mit dem weiter, wie wir sozial hineingestellt sind in die Vererbungslinie. Wir haben ja nicht bloß eine bestimmte Gestalt, Nase, Haarfarbe und so weiter dadurch, daß unser Vater und unsere Mutter diese bestimmte Gestalt hatten, sondern wir sind vorherbestimmt durch die Lebenslage unserer Vorfahren in bezug auf äußere soziale Stellung und so weiter. Also was zum physischen Plane gehört, nicht bloß das Aussehen unseres physischen Leibes, unsere Muskelstärke und dergleichen, sondern alles das, wie wir hineingestellt sind, alles, was zum physischen Plane gehört —, alles das strömt weiter in der Vererbungslinie, strömt von einer Generation zur anderen Generation.

[ 33 ] If one studies the way in which that second human being dwells within us—the one I spoke to you about in my public lecture—how the true soul within us dwells, which in its essence will pass through the gate of death, it is essentially not much different from comparing this true soul within us to a companion of the outer human being who walks through the physical world. Admittedly, for an ordinary materialistic monist, it is something quite abhorrent to say this. But such a materialistic monist, as we know, takes the position that he says: “You are utterly abhorrent dualists if you believe that water consists of hydrogen and oxygen. Everything must be unified. It is nonsense, after all, to say that the monon ‘water’ consists of hydrogen and oxygen!” — Well, yes, one just mustn’t be misled by this monism. What this is really about is that what we are in life truly comes together from two sides, and that what comes from these two sides can truly be compared to the way hydrogen and oxygen are present in water. For what constitutes our external physical nature flows on through the hereditary line, and it flows on not only with the physical characteristics in the hereditary line, but also with the way we are socially situated within that line. After all, we do not merely have a certain appearance—a certain nose, hair color, and so on—because our father and mother had that particular appearance; rather, we are predetermined by our ancestors’ life circumstances with regard to their external social standing and so on. So everything that belongs to the physical plane—not just the appearance of our physical body, our muscular strength, and the like, but everything about how we are situated, everything that belongs to the physical plane—all of that flows on through the hereditary line, flowing from one generation to the next.

[ 34 ] Dazu kommt wirklich nun von einer zweiten Seite her dasjenige, was als unser individuelles Wesen aus der geistigen Welt herkommt und was zunächst nichts zu tun hat mit all den Kräften, die in der Vererbungsströmung und in der Generationenfolge sind, was aus der geistigen Welt herkommt und was Ursachen, die vor Jahrhunderten in uns veranlagt sein können, geistig vereinigt mit den Ursachen, die in der Vererbungs- und Generationen-Strömung liegen. Zwei Wesen kommen zueinander. Und in der Tat ist es so, daß wir die Sache nur richtig beurteilen, wenn wir dieses zweite Wesen, das aus der geistigen Welt herkommt und sich mit dem Physischen vereinigt, wirklich wie eine Art Begleiter des ersten ansehen. Deshalb habe ich das Beispiel gewählt von dem Begleiter, der alles mitmacht. So ist es auch, daß unsere eigentliche Seele die äußeren Ereignisse in einem gewissen Sinne mitmacht.

[ 34 ] Added to this, from a second perspective, is that which comes from the spiritual world as our individual being—and which initially has nothing to do with all the forces present in the current of heredity and the succession of generations—that which comes from the spiritual world and which is spiritually united with causes that may have been predisposed within us centuries ago, spiritually united with the causes lying within the currents of heredity and the succession of generations. Two beings come together. And in fact, we can only judge the matter correctly if we truly regard this second being—which comes from the spiritual world and unites with the physical—as a kind of companion to the first. That is why I chose the example of the companion who goes along with everything. In the same way, our actual soul, in a certain sense, goes along with external events.

[ 35 ] Der zweite Mensch, der den Landbriefträger begleitet hat, der hat das alles freiwillig getan. Es ist nicht zu leugnen, daß er es freiwillig getan hat. Man könnte ja Ursachen suchen, aber die Ursachen liegen gegenüber der Notwendigkeit, in die der erste Briefträger versetzt ist, auf dem Gebiete der Freiheit. Er hat das alles freiwillig getan. Aber sehen Sie, eines folgt aus dieser Freiheit, ich möchte sagen mit Notwendigkeit. Sie werden nicht leugnen: wenn der zweite Mensch, der den ersten begleitet hat, das durch eine gewisse Zeit hindurch getan hat, so wird er zweifellos ein guter Briefträger geworden sein. Er wird das gut machen können, was der getan hat, den er begleitet hat. Und er wird es sogar besser machen können, weil er gewisse Fehler vermeiden wird. Aber wenn der erste die Fehler nicht gemacht hätte, dann würde er nicht auf diese Fehler gekommen sein. Man kann sich überhaupt gar nicht den Fall denken, daß es nützlich sein sollte für den zweiten, nun nachzudenken über die Fehler des ersten. Wenn man lebendig denkt, so wird man das als eine ganz unnütze Grübelei ansehen, wenn der zweite über die Fehler des ersten nachdenkt und sich damit beschäftigt. Gerade wenn er nicht über die Fehler nachdenkt, sondern lebendig alles mitmacht und nur die ganzen Vorgänge betrachtet, so wird es lebendig in ihn übergehen, und er wird von selber diese Fehler nicht machen.

[ 35 ] The second man, who accompanied the rural mail carrier, did all of this of his own free will. There is no denying that he did it voluntarily. One could, of course, look for causes, but these causes lie in the realm of freedom, in contrast to the necessity into which the first mail carrier is placed. He did all of this of his own free will. But you see, one thing follows from this freedom—I would say, inevitably. You won’t deny that if the second person, who accompanied the first, did so for a certain period of time, he will undoubtedly have become a good mail carrier. He will be able to do just as well as the one he accompanied. And he will even be able to do it better, because he will avoid certain mistakes. But if the first one hadn’t made those mistakes, then he wouldn’t have learned from them. One cannot even imagine a situation in which it would be useful for the second person to now reflect on the first person’s mistakes. If one thinks with vitality, one will regard it as completely pointless brooding when the second person reflects on the first person’s mistakes and dwells on them. Precisely when he does not dwell on the mistakes, but actively participates in everything and simply observes the entire process, it will take root within him, and he will naturally avoid making those mistakes himself.

[ 36 ] So ist es aber mit demjenigen, was in uns steckt und uns begleitet. Wenn das sich aufschwingen kann zu der Anschauung, daß notwendig ist, was wir getan haben, daß wir es begleitet haben, und daß wir nunmehr in die Zukunft hinein unser Seelisches tragen, indem es gelernt hat, dann schauen wir die Sache in der richtigen Weise an. Aber gelernt muß es haben in wirklich lebendiger Weise. Man wird sogar innerhalb der Inkarnation das, was hier gemeint ist, richtig feststellen können. Man wird vergleichen können, ich will sagen, drei Menschen. Der erste Mensch, der handelt darauflos. Es kommt ihm in einem gewissen Zeitpunkte seines Lebens der Drang, sich selbst zu erkennen. Da blickt er nun auf dasjenige, was er immer gut gemacht hat. Er ergötzt sich an dem, was er gut gemacht hat. Nun versucht er, die Sache, die er gut gemacht hat immer weiter zu machen. Er wird ja in einer gewissen Weise recht gute Sachen machen, nicht wahr?

[ 36 ] But this is how it is with what lies within us and accompanies us. When this can rise to the realization that what we have done was necessary, that we have accompanied it, and that we now carry our soul into the future—having learned from it—then we view the matter in the right way. But it must have learned in a truly living way. One will even be able to correctly discern what is meant here within the course of an incarnation. One will be able to compare, let me say, three people. The first person acts without thinking. At a certain point in his life, he feels the urge to recognize himself. So he looks back at what he has always done well. He takes pleasure in what he has done well. Now he tries to keep doing what he has done well. After all, in a certain sense, he will do quite good things, won’t he?

[ 37 ] Ein anderer, der ist mehr hypochondrisch veranlagt, der sieht mehr auf seine Fehler. Wenn er dann überhaupt hinauskommt über die Hypochondrie, über seine Fehler, wenn er sich erheben kann darüber, so wird er dahin kommen, diese Fehler zu vermeiden. Aber er wird nicht erreichen, was nun ein Dritter erreichen könnte, der sich sagt: Dasjenige, was geschehen ist, war notwendig, aber es ist zu gleicher Zeit die Grundlage eines Lernens. Aber eines Lernens durch Betrachtung, nicht durch eine müßige Kritik, sondern durch Betrachtung. — Er wird jetzt in lebendiger Weise nicht fortsetzen das, was schon geschehen ist, die Vergangenheit in die Zukunft einfach hinübertragen, sondern dasjenige, was der Begleiter war, das wird er gestärkt, gekräftigt, gestählt haben, und er wird es lebendig hinübertragen in die Zukunft. Er wird nicht das wiederholen, was sein Gutes war, und nicht das vermeiden, was sein Schlechtes war, sondern wird durch das Gute und durch das Schlechte, indem er es sich einverleibt hat und indem er es einfach da stehen läßt, so wie es dasteht, es gestärkt und gekräftigt und gestählt haben.

[ 37 ] Another person, who is more prone to hypochondria, focuses more on his own faults. If he ever manages to rise above his hypochondria and his faults—if he can rise above them—he will come to avoid these faults. But he will not achieve what a third person might achieve—one who tells himself: What has happened was necessary, but at the same time it is the foundation for learning. But learning through reflection—not through idle criticism, but through reflection. — He will not now simply carry on in a lifeless way what has already happened—simply carry the past over into the future—but rather, he will have strengthened, fortified, and tempered that which served as his guide, and he will carry it vividly into the future. He will not repeat what was good about it, nor will he avoid what was bad about it; rather, through both the good and the bad—by having internalized them and by simply letting them stand as they are—he will have strengthened, fortified, and tempered them.

[ 38 ] Das wird die allerbeste Kräftigung eben des Seelischen: stehenlassen dasjenige, was da geschehen ist, und es in lebendiger Weise hinübertragen in die Zukunft. Sonst kehrt man immer wiederum in luziferisch-ahrimanischer Weise zu dem Vergangenen zurück. Fortschritt in der Entwickelung ist nur möglich, wenn man das Notwendige in der richtigen Weise anfaßt. Warum? Gibt es denn auf diesem Gebiete hier ein Richtiges? Auch darüber will ich Ihnen zum Schluß jetzt etwas wie einen Vergleich geben, den ich Sie bitte, bis zum nächsten Dienstag ein wenig in Ihrer Seele zu tragen. Wir werden dann, auf diesem Vergleiche fußend, etwas weiter bauen können in unserer Frage.

[ 38 ] This is the very best way to strengthen the soul: to let go of what has happened and carry it forward into the future in a living way. Otherwise, one always returns to the past in a Luciferic-Ahrimanic manner. Progress in development is only possible if one approaches what is necessary in the right way. Why? Is there such a thing as “the right way” in this area? To conclude, I would like to offer you a kind of analogy, which I ask you to carry within your soul until next Tuesday. We will then be able to build on this analogy to explore our question further.

[ 39 ] Denken Sie einmal, Sie wollen einen äußeren Gegenstand sehen. Sie können ihn sehen, diesen äußeren Gegenstand, aber Sie können ihn unmöglich sehen, wenn Sie zwischen diesen Gegenstand und sich einen Spiegel setzen. Aber Sie sehen dann Ihr eigenes Auge. Wollen Sie den Gegenstand sehen, so müssen Sie verzichten, Ihr eigenes Auge zu sehen, und wollen Sie Ihr eigenes Auge sehen, müssen Sie verzichten, den Gegenstand zu sehen. — Nun ist durch eine merkwürdige Verkettung von Wesenheiten in der Welt dies so mit Bezug auf das menschliche Handeln und mit Bezug auf die menschliche Erkenntnis: alles dasjenige, was wir erkennen, erkennen wir in einer gewissen Weise durch einen Spiegel. Erkennen bedeutet immer, daß wir eigentlich in einer gewissen Weise durch eine Spiegelung erkennen.

[ 39 ] Imagine you want to see an external object. You can see it—this external object—but you cannot possibly see it if you place a mirror between yourself and the object. Instead, you see your own eye. If you want to see the object, you must forgo seeing your own eye, and if you want to see your own eye, you must forgo seeing the object. — Now, through a curious chain of connections among entities in the world, this is how it is with regard to human action and with regard to human cognition: everything we perceive, we perceive in a certain way through a mirror. Perception always means that we actually perceive, in a certain way, through a reflection.

[ 40 ] Wenn wir nun die vergangenen Handlungen, die wir vollzogen haben, anschauen wollen, so schauen wir sie eigentlich immer so an, daß wir im Grunde einen Spiegel zwischen den Handlungen überhaupt und uns selber haben. Wenn wir aber handeln wollen, wenn wir zwischen uns und unserem Handeln, überhaupt zwischen uns und der Welt ein unmittelbares Verhältnis haben wollen, dann dürfen wir uns keinen Spiegel hinhalten. Dann müssen wir absehen von dem Hinblicken auf dasjenige, was uns uns selber im Spiegel zeigt. So ist es mit Bezug auf unsere verflossenen Handlungen. In dem Augenblicke, wo wir sie anschauen, stellen wir uns einen Spiegel vor sie hin, und dann können wir sie ja ganz gewiß erkennen. Wir können nun diesen Spiegel stehenlassen und sie furchtbar genau erkennen. Das wird sicher für gewisse Zwecke sehr gut sein. Aber wenn wir nicht imstande sind, den Spiegel auch wegzutun, so wird uns die ganze Erkenntnis nichts helfen, denn in dem Augenblick, wo wir den Spiegel wegtun, da sehen wir unser Eigenes nicht mehr; erst dann kann es sich aber uns einverleiben, da kann es erst eins mit uns werden.

[ 40 ] When we wish to look back on the actions we have performed in the past, we actually always view them in such a way that, in essence, there is a mirror between the actions themselves and ourselves. But if we want to act—if we want to have a direct relationship between ourselves and our actions, indeed between ourselves and the world—then we must not hold up a mirror. Then we must refrain from looking at what the mirror shows us of ourselves. This is how it is with regard to our past actions. The moment we look at them, we create a mental image of a mirror before them, and then we can certainly recognize them. We can now leave this mirror in place and recognize them with terrifying precision. This will certainly be very useful for certain purposes. But if we are unable to put the mirror away as well, then all this insight will be of no help to us, for the moment we put the mirror away, we no longer see our own selves; only then can it become part of us, only then can it become one with us.

[ 41 ] Und so müssen wir es halten mit der Selbstschau. Wir müssen uns klar darüber sein, daß, solange wir zurückschauen, diese Rückschau nur sein kann die Veranlassung dazu, nun das Erschaute lebendig in uns aufzunehmen. Aber dabei dürfen wir es nicht immer anschauen, denn sonst steht der Spiegel immer da. Mit unserer Selbstschau ist es ganz ähnlich wie mit einer Spiegelschau. Wir kommen nur dadurch weiter im Leben, daß wir dasjenige, was wir durch Selbstschau kennenlernen, auch in unser Wollen aufnehmen.

[ 41 ] And this is how we must approach self-reflection. We must be clear that, as long as we look back, this looking back can only serve as the impetus to now take what we have seen and make it come alive within us. But in doing so, we must not keep looking at it, for otherwise the mirror will always be there. Our self-reflection is very similar to looking in a mirror. We can only move forward in life by incorporating into our will what we come to know through self-reflection.

[ 42 ] Wollen Sie bitte diesen Vergleich einmal in Ihre Seelen aufnehmen, diesen Vergleich, der also darinnen liegt, daß man das eigene Auge nur sieht, wenn man verzichtet auf das Sehen eines anderen, und daß, wenn man ein anderes sehen will, man auf das Sehen des eigenen Auges verzichten muß. Wollen Sie diesen Vergleich in sich aufnehmen. Auf Grundlage dieses Vergleiches wollen wir dann von rechter Selbstschau und von unrechter Selbstschau am nächsten Dienstag sprechen und dann der Lösung unserer Fragen immer näher und näher kommen. Es ist bei dieser, ich möchte sagen, schwierigsten Menschheitsfrage, bei der Frage nach Freiheit und Notwendigkeit und der Verkettung der Handlungen der Menschen und des Weltengeschehens, schon notwendig, daß man sich alle Schwierigkeiten vorhält. Und derjenige, der glaubt, in bezug auf diese Frage zu einer Lösung kommen zu können, bevor er alle Schwierigkeiten durchschaut hat, der irrt sich eben eigentlich doch.

[ 42 ] Please take a moment to reflect on this analogy—the one that holds that one can see one’s own eye only by renouncing the sight of another, and that if one wishes to see another, one must renounce the sight of one’s own eye. Please reflect on this analogy. Based on this analogy, let us then speak next Tuesday about true self-knowledge and false self-knowledge, and thus come closer and closer to resolving our questions. When it comes to this—I would say—most difficult question of humanity, the question of freedom and necessity and the interconnection of human actions and world events, it is essential that one keep all the difficulties in mind. And anyone who believes they can arrive at a solution to this question before they have fully grasped all the difficulties is, in fact, mistaken.