The Present and the Past in the Human Spirit
GA 167
7 March 1916, Berlin
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The Present and the Past in the Human Spirit, tr. SOL
2. Das geistig-seelische Wesen des Menschen
2. The Spiritual and Psychological Nature of Human Beings
[ 1 ] Ich möchte heute, teils zurückkommend auf manches in der letzten Zeit und öfter schon Besprochene, teils manches erweiternd, zunächst einzelne Ausführungen machen über des Menschen Inneres, über des Menschen seelisch-geistiges Wesen. Sie wissen, wir sprechen zunächst von demjenigen Gliede des inneren Menschen, das wir mit einem abstrakten Ausdrucke als den Ätherleib bezeichnen. Und während der physische Leib des Menschen für die äußeren Sinne wahrnehmbar ist, für die äußere Wissenschaft, die an den Verstand und ihre Beobachtungen gebunden ist, zugänglich ist, wissen wir, daß der Ätherleib ein Übersinnliches ist. Ferner sprechen wir von dem nächsten Gliede der menschlichen Wesenheit als dem sogenannten astralischen Leibe. Wir erinnern uns, wie oft wir betont haben, daß man ja nicht sagen kann als Mensch, das Innere des Menschen sei dem Menschen vollständig unbekannt: der Mensch nimmt ja wahr in der physischen Welt innerhalb seines leiblichen Daseins sein Denken, sein Fühlen, sein Wollen. Er erlebt es innerlich, und er erlebt dieses Denken, Fühlen und Wollen durchstrahlt, durchleuchtet von dem Ich. Man kann sagen, dieses Denken, Fühlen und Wollen nimmt der Mensch innerlich wahr. Aber man kann doch nicht sagen — wie Sie sich allmählich zu denken angeeignet haben werden —, daß der Mensch seinen astralischen Leib wirklich wahrnimmt. Und man kann auch nicht einmal sagen, daß er sein Ich wirklich wahrnimmt. Denn dieses Ich — wir haben darauf gerade im Verlaufe der letzten Vorträge aufmerksam gemacht —, von dem der Mensch spricht, das mit jedem Einschlafen in die Unbewußtheit zurückfällt, ist nur ein Bild des wahren und wirklichen Ichs. So daß also in einem gewissen Sinne schon geschlossen werden kann, daß auch mit diesem Ich, mit dem Denken, Fühlen und Wollen, in einer ähnlichen Weise nur ein Ausdruck, eine Offenbarung des eigentlichen Inneren des Menschen gegeben ist, wie mit dem physischen Leibe eine Offenbarung, ein Ausdruck des Geistigen gegeben ist, dessen, was wir als den Ätherleib bezeichnen. Nun, der Mensch ist selbstverständlich froh, wenn er über irgendein Wissensgebiet so eine hübsche Einteilung hat, die er so recht, man möchte sagen, in geistige Schachteln packen und aufbewahren kann. Daher sind manche so zufrieden, wenn sie nun das ganz außerordentlich phänomenale Wissen haben, daß der Mensch besteht aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem astralischen Leib, dem Ich. Aber im Grunde genommen hat man — das ist ja auch schon oftmals hier betont worden — mit diesen vier Worten eben nicht viel mehr als Worte, nicht viel mehr als Ausdrücke hat man. Und wenn man zur wirklichen Betrachtung schreitet, dann muß) man in einer gewissen Weise immer überschreiten die Grenzen, die durch diese Ausdrücke so leicht festgesetzt werden.
[ 1 ] Today, I would like—in part to revisit some topics discussed recently and on previous occasions, and in part to expand on certain points—to begin by making some specific remarks about the inner life of the human being, about the human soul and spirit. As you know, we are speaking first of all of that aspect of the inner human being which we designate, using an abstract term, as the etheric body. And while the physical body of the human being is perceptible to the external senses and accessible to external science—which is bound to the intellect and its observations—we know that the etheric body is a supersensible entity. Furthermore, we speak of the next aspect of the human being as the so-called astral body. We recall how often we have emphasized that one cannot say, as a human being, that the inner life of the human being is completely unknown to the human being: after all, within the physical world and within one’s physical existence, the human being perceives one’s thinking, feeling, and willing. They experience it inwardly, and they experience this thinking, feeling, and willing as permeated and illuminated by the “I.” One can say that human beings perceive this thinking, feeling, and willing inwardly. But one cannot say—as you have gradually come to realize—that human beings truly perceive their astral body. Nor can one even say that he truly perceives his “I.” For this “I”—as we have just pointed out in the course of the last few lectures—of which a human being speaks, and which falls back into unconsciousness every time he falls asleep, is only an image of the true and real “I.” So, in a certain sense, one can already conclude that even with this “I”—with thinking, feeling, and willing—there is, in a similar way, merely an expression, a revelation of the actual inner being of the human being, just as the physical body is a revelation, an expression of the spiritual—of what we call the etheric body. Now, people are of course happy when they have such a neat classification for any field of knowledge—one that they can, so to speak, pack away neatly into mental boxes and store. That is why some are so satisfied when they possess this extraordinarily phenomenal knowledge that the human being consists of the physical body, the etheric body, the astral body, and the “I.” But when it comes down to it—as has already been emphasized here many times—these four terms are really nothing more than words; they are nothing more than expressions. And when one proceeds to genuine contemplation, one must, in a certain sense, always transcend the boundaries so easily established by these expressions.
[ 2 ] Gewiß, wenn man so im allgemeinen spricht, kann man sagen: Denken, Fühlen und Wollen gehen im astralischen Leibe vor sich. Aber damit ist nur in einer recht einseitigen, recht abstrakten Weise die Tatsache des Denkens erschöpft. So, wie wir als Menschen zunächst in der physischen Welt darinnen stehen, so ist allerdings der Impuls zu unserem Denken im astralischen Leibe, sogar im Ich, gegeben. Aber das Denken entwickelt sich als Vorstellung, als Gedanke nur dadurch, daß wir den beweglichen Ätherleib haben. Hier, als physische Menschen, würde unser ganzes Denken unbewußt bleiben, wenn nicht der astralische Leib seine Impulse, seine Denkimpulse in den Ätherleib hinein senden würde und der Ätherleib in seiner Beweglichkeit eben aufnehmen würde die Denkimpulse des astralischen Leibes. Und jeder Gedanke wiederum würde einfach vorübergehen, ohne daß eine Erinnerung bliebe, wenn wir nicht einen physischen Leib hätten. Man kann nicht sagen, daß der physische Leib der Träger des Gedächtnisses ist; das ist schon der Ätherleib. Aber für uns Menschen im physischen Leibe würde dasjenige, was im Ätherleib vorhanden bleibt von unserem Denken, verfließen, wie die Träume verfließen, wenn es sich nicht eingraben könnte in die physische Materie des physischen Leibes. So daß unsere Gedanken hier im physischen Leibe sich behaupten können dadurch, daß wir eben diesen physischen Leib haben.
[ 2 ] Certainly, speaking in general terms, one can say that thinking, feeling, and willing take place in the astral body. But this only accounts for the fact of thinking in a rather one-sided, rather abstract way. Just as we, as human beings, are initially situated in the physical world, so too is the impulse for our thinking given in the astral body—indeed, in the “I.” But thinking develops as a mental image, as a thought, only because we have the mobile etheric body. Here, as physical human beings, all our thinking would remain unconscious if the astral body did not send its impulses—its thought impulses—into the etheric body, and if the etheric body, in its mobility, did not receive the thought impulses of the astral body. And every thought, in turn, would simply pass by without leaving a memory if we did not have a physical body. One cannot say that the physical body is the bearer of memory; that is, in fact, the etheric body. But for us humans in the physical body, whatever remains in the etheric body from our thinking would fade away, just as dreams fade away, if it could not become embedded in the physical matter of the physical body. Thus, our thoughts here in the physical body are able to persist precisely because we have this physical body.
[ 3 ] Sie sehen also, was für ein komplizierter Prozeß dieses Denken eigentlich schon ist. Es hat seine Impulse im astralischen Leibe, eigentlich schon im Ich. Diese Impulse setzen sich als Kräfte in den Ätherleib hinein fort, rufen da die Gedanken hervor, und die Gedanken graben wiederum ihre Spuren in den physischen Leib ein. Und dadurch, daß sie eingegraben sind, können sie immer wiederum aus der Erinnerung während des physischen Lebens herausgeholt werden.
[ 3 ] So you can see just how complex this process of thinking actually is. It has its impulses in the astral body—in fact, already in the “I.” These impulses continue as forces into the etheric body, where they give rise to thoughts, and the thoughts, in turn, leave their imprints on the physical body. And because they are imprinted there, they can always be retrieved from memory during physical life.
[ 4 ] Nun betrachten Sie noch einmal dasjenige — wir haben ja schon von der Sache öfter hier gesprochen —, was eigentlich die Erinnerung für den Menschen hier im physischen Leibe ist. Nicht wahr, der Mensch hat Erlebnisse. Diese Erlebnisse verarbeitet er. Er geht dann von diesen Erlebnissen hinweg. Es kommt eine Zeit, wo solche Erlebnisse sich so verhalten können zu uns Menschen, als ob wir gar nichts von ihnen wüßten, als ob sie in gar keinem Verhältnisse mehr zu uns stünden. Dann aber kommt wieder die Zeit, wo wir aus unserm Innern die Vorstellungen an solche Erlebnisse heraufholen. Wir vergegenständlichen uns dann in Erinnerungsform dasjenige, was wir erlebt haben.
[ 4 ] Now consider once more—we have, after all, spoken of this matter here on several occasions—what memory actually is for a human being here in the physical body. Isn’t it true that a human being has experiences? He processes these experiences. He then moves on from them. There comes a time when such experiences can seem to us as if we knew nothing about them at all, as if they no longer had any connection to us. But then there comes a time again when we bring the mental images of such experiences up from within ourselves. We then objectify what we have experienced in the form of memories.
[ 5 ] Nun sehen Sie, zunächst muß der Mensch mit Recht glauben: Dieser Vorgang der Erinnerung gehört ihm, der gehört seiner Seele. Wenn wir als Mensch durch die Straßen gehen, in Gesellschaften gehen, kann uns ja keiner zunächst mit äußeren, physischen Sinnesorganen ansehen, was wir in uns für Erinnerungen bergen, das heißt was wir für Erlebnisse gehabt haben. Das tragen wir in unserer Seele. Ich möchte sagen, die Hülle des physischen Leibes, sie ist so da, daß wir in unserer Seele verhüllt, wie in dem Mantel des physischen Leibes, aufbewahren unsere Erinnerungen. Sie gehören uns, und durch das ganze Leben hindurch arbeiten wir so an uns. Wir machen gewissermaßen die Außenwelt zu unserer inneren Welt. Wir tragen dann diese Außenwelt in der Form der Erinnerungen mit uns durch das Dasein. Als unser ureigenstes Eigentum tragen wir diese Erinnerungen dahin. Nun wäre es ein großer Irrtum, wenn man glaubte, daß dieses Tragen der Erinnerungen durch das Leben wirklich schon den ganzen Vorgang umfaßte. Das ist nicht der Fall. Es hat Darwin zum Beispiel mit Recht gefallen, einmal zu untersuchen, ob denn solche Tiere wie die Regenwürmer nicht eine besondere Aufgabe haben, und er hat gefunden, daß die Regenwürmer nicht bloß da sind, um sich des Daseins zu erfreuen, sondern daß sie eine sehr bedeutende Aufgabe haben, indem sie zur Fruchtbarkeit des Bodens, den sie durchwühlen, Wesentliches beitragen. Das sind so Dinge, die die Naturwissenschaft gewiß heute zugibt, und das ist ein Boden, auf dem sich die Naturwissenschaft sicher glaubt. Die Naturwissenschaft soll dabei gar nicht getadelt werden, denn von der Naturwissenschaft ist es schön, wenn sie sich auf die einzelnen Dinge einläßt. Nur baut man auch Weltanschauungen auf solche Dinge. Da muß dann selbstverständlich der Spruch in Betracht gezogen werden von dem Mann, der gierig nach Schätzen gräbt und froh ist, wenn er Regenwürmer findet. Nun aber, ins Geistige gewandt, kann man fragen: Hat denn wirklich diese Tätigkeit des Menschen, durch die er sein ganzes Leben hindurch Erlebnisse zu Gedanken formt und in Erinnerungen bewahrt, für das gesamte Weltall gar keine Bedeutung? Ist dieser Erinnerungsvorgang wirklich nur ein Vorgang, der in uns sich abspielt?
[ 5 ] Now you see, first of all, a person must rightly believe that this process of memory belongs to them—it belongs to their soul. When we, as human beings, walk through the streets or mingle in society, no one can, at first glance, see with their external, physical senses what memories we hold within us—that is, what experiences we have had. We carry these within our soul. I would say that the physical body acts as a kind of shell: we keep our memories enfolded within our soul, just as within the cloak of the physical body. They belong to us, and throughout our entire life we work on ourselves in this way. We, so to speak, transform the outer world into our inner world. We then carry this outer world with us through life in the form of memories. We carry these memories along as our very own property. Now, it would be a great mistake to believe that this carrying of memories through life truly encompasses the entire process. That is not the case. Darwin, for example, was right to investigate whether animals such as earthworms might have a special purpose, and he found that earthworms are not merely there to enjoy existence, but that they have a very significant role in that they make an essential contribution to the fertility of the soil they burrow through. These are the kinds of things that natural science certainly acknowledges today, and this is ground on which natural science feels secure. Science is by no means to be criticized for this, for it is wonderful when science engages with individual phenomena. Yet worldviews are also built upon such phenomena. Here, of course, one must consider the saying about the man who digs greedily for treasure and is happy when he finds earthworms. But now, turning to the spiritual realm, one might ask: Does this human activity—through which we shape experiences into thoughts and preserve them in memory throughout our entire lives—really have no significance whatsoever for the entire universe? Is this process of memory truly just a process that takes place within us?
[ 6 ] Der Materialist ist ja darauf angewiesen, zu sagen: Selbstverständlich ist das ein Vorgang, der sich nur in uns abspielt. Mit dem Tode legen wir unsern physischen Leib ins Grab, und dann ist es mit dem, was wir als Erinnerung bewahrt haben, selbstverständlich aus wie mit einer erloschenen Sache. Wir gehen jetzt nicht auf eine solche materialistische Erwiderung ein, wir haben das öfter getan, aber wir wollen auf etwas anderes eingehen. Wir wollen die Frage aufwerfen: Ist denn dieser unser Gedanken- und Erinnerungsvorgang nicht vielleicht noch etwas ganz, ganz anderes als das, was sich da in unserem Erinnern abspielt? Und so ist es. Während wir denken, während wir uns aus den Erlebnissen Gedanken bilden und diese als Erinnerungen bewahren, während dieser Zeit beschäftigen wir uns nicht bloß mit unseren Gedanken, sondern mit unseren Gedanken beschäftigt sich die ganze Welt der Hierarchien, die wir als die dritte Hierarchie bezeichnen, als die Hierarchie der Angeloi, Archangeloi, Archai. Wir denken nicht bloß für uns, wir denken und bewahren unsere Gedanken in unserm Innern auf, damit ein Betätigungsfeld schaffend für Angeloi, Archangeloi, Archai. Während wir glauben, unsere Gedanken lebten nur in uns, beschäftigen sich drei geistige Hierarchien mit unseren Gedanken. Das Wenigste von dem, was wir mit unseren Gedanken vornehmen, ist dasjenige, worauf es ankommt bei unseren Gedanken. Auch während wir die Gedanken vergessen haben, die wir später wiederum aus der Erinnerung hervorrufen, sind sie in uns. Und ebenso, wie wir uns als Menschen mit unseren Maschinen auf der Erde befassen oder mit Essen und Trinken, so beschäftigen sich Angeloi, Archangeloi und Archai mit einem Gewebe, das aus unseren Gedanken geflochten, gesponnen, gebildet wird; die arbeiten fortwährend an diesen unseren Gedanken. Es ist also nur die uns zugewendete Seite der Gedankentätigkeit, von der wir wissen. Es gibt dazu eine uns abgewendete Seite, und diese uns abgewendete Seite sieht sich für das geistige Anschauen so an, daß wir sehen: Während wir da unsere Gedanken in unserem Innern haben, beschäftigen sich von außen her die genannten geistigen Wesenheiten mit unseren Gedanken und weben sie, so daß wir, wenn wir diese Erkenntnis erlangen, uns sagen können: Unser Denkvorgang ist wahrhaftig nicht etwas Unnötiges in der Welt, unser Denkvorgang ist nicht etwas bloß für uns, unser Denkvorgang steht drinnen in der ganzen Weltenentwickelung und trägt bei, daß Neues immerfort einverwoben wird der Weltenentwickelung. Wenn wir nicht als einzelner geboren wären, gedacht hätten, Erinnerungen bewahrt hätten, so würde bei unserem Tode das Stück, das gewoben werden kann aus unseren Gedanken, das wir nicht selber weben, für die Weltenentwickelung verloren sein.
[ 6 ] The materialist, of course, is compelled to say: Naturally, this is a process that takes place only within us. When we die, we lay our physical body to rest in the grave, and then what we have preserved as memory is, of course, as finished as something that has been extinguished. We will not go into such a materialistic response now—we have done so often enough—but we want to address something else. We want to raise the question: Is this process of thought and memory of ours not perhaps something quite, quite different from what takes place in our memory? And so it is. While we think, while we form thoughts from our experiences and preserve them as memories—during this time—we are not merely occupied with our own thoughts; rather, the entire world of hierarchies—which we designate as the third hierarchy, the hierarchy of the Angeloi, Archangeloi, and Archai—is occupied with our thoughts. We do not merely think for ourselves; we think and preserve our thoughts within ourselves, thereby creating a field of activity for the Angeloi, Archangeloi, and Archai. While we believe our thoughts exist only within us, three spiritual hierarchies are engaged with our thoughts. The very least of what we do with our thoughts is what truly matters in our thinking. Even when we have forgotten the thoughts that we later recall from memory, they remain within us. And just as we, as human beings, engage with our machines on Earth or with eating and drinking, so too do Angels, Archangels, and Archai engage with a fabric that is woven, spun, and formed from our thoughts; they work ceaselessly on these thoughts of ours. Thus, we are aware only of the aspect of thought activity that is turned toward us. There is also an aspect turned away from us, and this aspect, as perceived by spiritual vision, appears to us as follows: While we hold our thoughts within ourselves, the aforementioned spiritual beings engage with our thoughts from the outside and weave them, so that when we gain this insight, we can say to ourselves: Our thought process is truly not something superfluous in the world; our thought process is not something intended solely for ourselves; our thought process is embedded within the entire development of the worlds and contributes to the constant weaving of new elements into that development. If we had not been born as individuals, had not thought, had not preserved memories, then upon our death the part that can be woven from our thoughts—the part we do not weave ourselves—would be lost to the development of the worlds.
[ 7 ] Und wenn wir dann durch die Pforte des Todes gehen — den elementarischen Vorgang haben wir ja öfter beschrieben —, wir wissen: Unsern physischen Leib legen wir ab, der wird den Elementen der Erde auf irgendeine Weise übergeben. Unser Ätherleib bleibt uns noch eine kurze Zeit. Für unser Inneres stellt er sich zunächst so dar, daß er ein großes Lebenstableau vor uns aufrollt. Alles dasjenige, dessen wir sonst in der Zeit uns erinnern, das wird gleichzeitig wie in einem gewaltigen Panorama um uns herum aufgestellt in einem mächtigen Lebenstableau. Dann aber wird unser ätherisches Wesen von uns losgelöst, es wird gleichsam aus uns herausgezogen. Wer tut denn das? Ja, das tun schon die Wesenheiten der drei genannten Hierarchien, und die weben es allmählich dem Weltenäther ein, so daß dieses Gewebe des Weltenäthers nach unserm Tode aus dem besteht, was wir während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod hinzugefügt haben und was verarbeitet worden ist von den Wesen der drei nächsthöheren Hierarchien. Hinweggenommen von uns wird also dasjenige, was wir so hinzuverwoben haben zu dem, was vor unserer Geburt noch nicht da war, und einverwoben wird es dem ganzen Weltall. Die Erkenntnis davon hat jeder Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Denn für den Menschen, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, tritt ja jetzt etwas ein, was wir nicht anders bezeichnen können als mit den folgenden Worten. — Sehen Sie, der Ätherleib des Menschen ist losgelöst worden von ihm, sein ätherisches Gewebe ist dem allgemeinen Weltenäther einverwoben worden, dasjenige, was er Zeit seines Lebens in sich getragen hat, das ist jetzt draußen; das ist wichtig. Und derjenige, der solche Dinge kennt, bezeichnet das mit einem kurzen Worte, das man sich immer wieder und wieder meditativ vor die Seele rufen soll, denn es bezeichnet kurz einen wichtigen und wesentlichen Vorgang. — Man kann sagen: Das Innere wird ein Äußeres, das heißt, dasjenige, was wir immer gefühlt haben als ein Inneres, als unser Gedankenleben, wird ein Äußeres, wird Außenwelt. So wahr uns hier umgeben Flüsse und Berge und Bäume und Wolken und Sterne, so wahr tritt etwas ein nach unserem Tode, was man so charakterisieren kann: Das, was Zeit unseres physischen Lebens in uns gelebt hat, ist nun ein Stück Außenwelt geworden, so daß es von uns angeschaut werden, von uns betrachtet werden kann.
[ 7 ] And when we then pass through the gate of death—a process we have described many times—we know that we shed our physical body, which is in some way returned to the elements of the earth. Our etheric body remains with us for a short time. To our inner being, it initially appears as though it is unfurling a vast tableau of our life before us. Everything we would otherwise recall over the course of time is simultaneously arranged around us, as in a vast panorama, within a mighty tableau of our life. But then our etheric being is detached from us; it is, as it were, drawn out of us. Who does this? Indeed, it is the beings of the three hierarchies mentioned who do this, and they gradually weave it into the world ether, so that after our death, this fabric of the world ether consists of what we have added during our life between birth and death and what has been processed by the beings of the three hierarchies immediately above us. What is thus taken from us is what we have woven into that which was not yet there before our birth, and it is woven into the entire universe. Every human being has this insight once they have passed through the gate of death. For when a human being has passed through the gate of death, something now occurs that we can describe only with the following words. — You see, the human being’s etheric body has been separated from him; his etheric tissue has been woven into the general world ether; that which he carried within himself throughout his life is now outside; that is important. And those who understand such things describe this with a brief phrase that one should repeatedly bring to mind in meditation, for it succinctly captures an important and essential process. — One can say: The inner becomes the outer; that is, what we have always felt as the inner—as our life of thought—becomes the outer, becomes the external world. Just as rivers, mountains, trees, clouds, and stars surround us here, so too does something occur after our death that can be characterized as follows: What lived within us during our physical life has now become a part of the external world, so that it can be viewed and contemplated by us.
[ 8 ] Aber nun haben wir außer diesem Ätherleibe die Welt unseres astralischen Leibes. Die Welt unseres astralischen Leibes kommt uns zunächst so zum Bewußtsein, daß wir sie fühlen als Denken. Aber das Denken habe: ich ja gerade charakterisiert, das sendet seine Impulse in den Ätherleib hinab, so daß im astralischen Leib das Denken selber nicht bewußt werden kann. Erst das Fühlen und Wollen kann im Astralleibe bewußt werden. Unser ganzes Leben fühlen und wollen wir wiederum. Wir hegen über gewisse Erlebnisse gewisse Empfindungen. Das sind Vorgänge in unserem astralischen Leibe. Das ist wiederum sein eigenartiges Weben, aber jetzt nicht ein Weben in Gedanken, wie ich es vorher beschrieben habe, sondern ein Weben in Empfindungs- und Willensimpulsen, Antrieben zum Willen. Auch an dem, was wir das ganze Leben hindurch fühlen und als Willensantriebe haben, auch daran arbeiten höhere Wesenheiten, auch das ist das Arbeitsfeld für höhere Wesenheiten. Wie an unserem Denken die Wesenheiten der dritten Hierarchie arbeiten, so arbeiten an unserem Fühlen und an unseren Willensimpulsen die Wesenheiten der zweiten Hierarchie, einschließlich sogar der Throne.
[ 8 ] But now, in addition to this etheric body, we have the world of our astral body. The world of our astral body first comes to our consciousness in such a way that we experience it as thinking. But I have just characterized thinking as something that sends its impulses down into the etheric body, so that thinking itself cannot become conscious in the astral body. Only feeling and willing can become conscious in the astral body. We, in turn, experience our entire life through feeling and willing. We harbor certain feelings toward certain experiences. These are processes taking place in our astral body. This, too, is its unique weaving—but now not a weaving of thoughts, as I described earlier, but a weaving of impulses of feeling and will, drives toward the will. Higher beings also work on what we feel and experience as impulses of the will throughout our entire lives; this, too, is the field of activity for higher beings. Just as the beings of the third hierarchy work on our thinking, so do the beings of the second hierarchy—including even the Thrones—work on our feeling and our impulses of the will.
[ 9 ] Denken Sie, wie wir in der Welt stehen, wenn wir diese Dinge wissen, wie wir uns hineinversetzt fühlen in die geistige Welt. Wir sagen uns auf der einen Seite: Du Mensch, du gehst denkend durch die Welt, aber dein Denken, indem es dir seine innere Seite zuwendet, das ist nur die eine Seite des Denkens. Dasjenige, was du denkst, ist Stoff für die Arbeit der Angeloi, der Archangeloi, der Archai. Und indem wir fühlen und wollen, schaffen wir Stoff für die Geister der Form, die Geister der Bewegung, die Geister der Weisheit, die Throne oder Geister des Willens. Wie der Mensch die Erde umgräbt und bearbeitet und auch nicht weiß, während er die Erde bearbeitet, daß er nur die eine Seite bearbeitet, daß dann an der anderen Seite wesentliche Vorgänge sind, wie er mit dem normalen Bewußtsein das nicht weiß, so glaubt der Mensch, seine Gefühle, seine Willensimpulse seien bloß seine eigenen. Aber ein Feld sind sie für die Arbeit der genannten Wesen der höheren Hierarchie. Wir sind wahrhaftig nicht bloß als physischer Leib so da, daß dieser unser physischer Leib mit der Umgebung in Verbindung steht, sondern wir sind auch als seelisch-geistiges Wesen so da, daß dieses seelisch-geistige Wesen mit der Umgebung in Verbindung steht. Man denkt ja gewöhnlich nicht daran, wie auch unser physischer Leib zu der ganzen Umgebung gehört. Aber das ist leicht vorzustellen. Nicht. wahr, in irgendeinem Augenblicke, wenn Sie sich selber sich körperlich vorstellen, so haben Sie nicht bloß Knochen, Blut und Muskeln und so weiter, sondern Sie haben auch einen gewissen Luftstrom in sich, den Sie eben eingeatmet haben und den Sie gleich wieder ausatmen werden. Der gehört, während Sie eingeatmet haben, zu Ihnen. Der war im vorigen Augenblicke außer Ihnen, im nächsten Augenblicke ist er wieder außer Ihnen. Denken Sie sich ohne diesen Luftstrom! Es ist unmöglich, sich ohne ihn zu denken, er gehört zu uns dazu. Es ist schon unsinnig, auch nur den physischen Leib so zu denken, als ob er nur in der Haut eingeschlossen wäre, während er ja darauf angewiesen ist, mit der ganzen Luftumgebung zu leben. Aber ebenso, wie wir durch unseren physischen Leib mit der Luftumgebung und mit der Wärmeumgebung leben, ebenso leben wir durch unsere Gedanken mit der Umgebung der Hierarchie der dritten Ordnung, und wir leben durch unsere Gefühle und unsere Willensimpulse mit den Wesenheiten der Hierarchie der zweiten Ordnung und mit den Geistern des Willens. So stehen wir im Weltenall drinnen.
[ 9 ] Think about how we stand in the world when we know these things, how we feel transported into the spiritual world. On the one hand, we say to ourselves: You, human being, you walk through the world thinking, but your thinking—insofar as it turns its inner side toward you—is only one side of thinking. What you think is material for the work of the Angeloi, the Archangeloi, and the Archai. And through our feeling and willing, we create material for the spirits of form, the spirits of movement, the spirits of wisdom—the Thrones, or spirits of will. Just as a person tills and works the earth without realizing, while working the earth, that they are working only one side of it—that essential processes are taking place on the other side, which they cannot perceive with ordinary consciousness—so too does a person believe that their feelings and impulses of will are merely their own. But they are a field for the work of the aforementioned beings of the higher hierarchy. We truly exist not merely as a physical body—in such a way that this physical body is connected to the environment—but we also exist as soul-spiritual beings, in such a way that this soul-spiritual being is connected to the environment. People usually do not think about how our physical body, too, belongs to the entire environment. But that is easy to create a mental image of. Isn’t it true that at any given moment, when you create a mental image of yourself, you do not merely have bones, blood, and muscles and so on, but you also have a certain stream of air within you—which you have just inhaled and will exhale again in a moment. While you have inhaled it, it belongs to you. In the previous moment it was outside of you; in the next moment it will be outside of you again. Try to imagine yourself without this stream of air! It is impossible to imagine yourself without it; it is part of us. It is already nonsensical to think of even the physical body as if it were merely enclosed within the skin, when in fact it depends on living in harmony with the entire surrounding atmosphere. But just as we live through our physical body in the atmosphere and the thermal environment, so too do we live through our thoughts in the environment of the third-order hierarchy, and through our feelings and impulses of will, we live with the beings of the second-order hierarchy and with the spirits of will. Thus we stand within the universe.
[ 10 ] Wenden wir das wiederum an auf den Durchgang durch die Todespforte, dann können wir sagen: Wenn der Mensch durch die Todespforte durchgeht, so wissen wir, daß, wenn sein ätherischer Leib dann weggenommen ist von ihm, wenn die Einverwebung beginnt in den allgemeinen Weltenäther, er ja dann sein physisches Leben in einer Zeit, die dreimal so schnell verlebt wird wie das physische Leben zwischen Geburt und Tod, zurückzuleben hat, indem er die Wirkungen davon wahrnimmt. Also dasjenige, was wit in uns erlebt haben während unseres physischen Lebens, das nehmen wir dann nicht wahr; das haben wir hier im physischen Leben wahrgenommen. Wenn wir jemandem eine Beleidigung zugefügt haben: Das Gefühl, aus dem wir die Beleidigung getan haben, das haben wir hier im physischen Leben durchlebt, das steht als Ursache da und trägt sich in das Karma ein. Was wir nicht erlebt haben hier im physischen Leben, das ist der Eindruck, den die Beleidigung auf die andere Seele gemacht hat. Wir erleben hier überhaupt nicht dasjenige, was unsere Taten, unsere Handlungen, unsere Gedanken für Wirkungen in der äußeren Welt machen. Hier im physischen Leben erleben wir das nicht, das erleben wir jetzt bei der Rückwärtswanderung in der Zeit vom Tode bis zu der Geburt. Da leben wir alles, was draußen ist, durch, nicht so, wie es von uns erlebt worden ist, sondern so, wie es von der Außenwelt erlebt worden ist, mit der wir zusammen waren. Wirklich alles dasjenige, was die Menschen empfunden haben durch unsere Gedanken, durch unsere Worte, wir erleben es durch. Und das ist deshalb, weil jetzt das Äußere ein Inneres werden muß. Mit unseren Gedanken, haben wir sagen können, ist es so, daß das Innere ein Äußeres wird. Bei diesem Leben jetzt ist es so, daß das Äußere, die Wirkungen unserer Gedanken, unserer Taten im Leben, ein Inneres wird, das heißt ein innerlich Erlebtes, ein vom Geistmenschen nach dem Tode Erlebtes. Denn er muß sich ja jetzt in die Welt einleben, in der er unbewußt während der Zeit seines Lebens lebt, indem er einen astralischen Leib hat und die Geister der zweiten Hierarchie an seinem astralischen Leibe arbeiten, er muß sich jetzt in die Welt einleben, in der es eben so zugeht, daß sein astralischer Leib allmählich sich auflöst in dem Äußeren, aber er das Äußere jetzt innerlich durchlebt, richtig innerlich durchlebt. Er muß lernen, zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in der Sphäre zu arbeiten, in der die Geister der zweiten Hierarchie arbeiten, in der sie dasjenige vorbereiten, was ihn dann wiederum zu einer neuen Inkarnation führen kann. Und dann, wissen wir ja, wird der astralische Leib nach einiger Zeit eben so, daß er sich verflüchtigt in die äußere Welt und der Mensch mit seinem eigentlichen Inneren in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt weiterlebt.
[ 10 ] If we apply this, in turn, to the passage through the Gate of Death, then we can say: When a person passes through the Gate of Death, we know that once their etheric body has been taken from them, once the interweaving with the general world ether begins, they must then relive their physical life in a span of time that passes three times as quickly as the physical life between birth and death, by perceiving the effects of that life. So what we have already experienced within ourselves during our physical life, we do not perceive then; we have already perceived that here in physical life. If we have inflicted an insult on someone: the feeling from which we committed the insult—we have lived through that here in physical life; it stands there as a cause and is recorded in karma. What we did not experience here in physical life is the impression the insult made on the other soul. Here we do not experience at all the effects our deeds, our actions, and our thoughts have on the external world. We do not experience that here in physical life; we experience it now during the journey backward in time from death to birth. There we relive everything that is out there—not as we experienced it, but as it was experienced by the outside world with which we were connected. Truly, everything that people felt as a result of our thoughts and our words—we relive it all. And this is because now the external must become internal. With our thoughts, we might say, it is the case that the inner becomes the outer. In this present life, however, it is the case that the outer—the effects of our thoughts and our deeds in life—becomes an inner reality, that is, an inner experience, an experience lived by the spiritual human being after death. For he must now acclimate himself to the world in which he lived unconsciously during his earthly life, while possessing an astral body and with the spirits of the second hierarchy working upon his astral body; he must now acclimate himself to the world in which his astral body gradually dissolves into the external world, yet he now experiences the external world inwardly—truly experiences it inwardly. He must learn to work, between death and a new birth, in the sphere where the spirits of the second hierarchy work—the sphere in which they prepare what can then lead him once again to a new incarnation. And then, as we know, after some time the astral body becomes such that it dissipates into the outer world, and the human being continues to live on with his true inner self in the time between death and a new birth.
[ 11 ] Nun, wenn wir verstehen wollen einiges von diesem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, so müssen wir immer viele Gesichtspunkte geltend machen. Das ist ja überhaupt unser Ziel, nicht einseitig zu sein, sondern viele Gesichtspunkte geltend zu machen, so daß allmählich sich ein umfassendes Verständnis dieser Vorgänge eröffnen kann. Fassen Sie also ins Auge: So, wie der Mensch durch seine Geburt eintritt in die Naturvorgänge, die um ihn herum vorgehen im Mineralreich, Pflanzen-, Tierreich, so tritt er in die Welt ein, die um ihn vorgeht durch die Wesenheiten der genannten Hierarchien. Er ist gewissermaßen eingefaltet in deren Tätigkeit, und dasjenige, was er ihnen mitgebracht hat, das weben sie zusammen, so daß es die Grundlage werden kann zu seiner nächsten Inkarnation.
[ 11 ] Now, if we want to understand something of this life between death and a new birth, we must always consider many different perspectives. That is, after all, our goal: not to be one-sided, but to consider many perspectives, so that a comprehensive understanding of these processes can gradually emerge. So consider this: Just as a human being, through birth, enters into the natural processes taking place around them in the mineral, plant, and animal kingdoms, so too do they enter into the world unfolding around them through the beings of the aforementioned hierarchies. They are, so to speak, woven into their activity, and what the human being has brought with them, they weave together so that it can become the foundation for their next incarnation.
[ 12 ] Sehen Sie, auf diesem Gebiete ist es, ich möchte sagen, besonders schwierig, der Gegenwart richtige Begriffe zu geben, aus Gründen, die ja auch schon öfter dargelegt worden sind. Die Gegenwart arbeitet gerade mit den verkehrtesten Begriffen auf diesem Gebiete. Wenn ein Mensch durch die Geburt ins physische Dasein tritt, so tritt er ja mit gewissen Eigenschaften in dieses physische Dasein. Die Gegenwart bestrebt sich, bloß von Vererbung zu sprechen, und meint die physische Vererbung, und man spricht so von dieser physischen Vererbung, daß man sagt: Ein Mensch zeigt diese oder jene Eigenschaften, man muß also diese oder jene Eigenschaften bei den Vorfahren suchen. Es gibt zum Beispiel heute ein sehr fleißig gearbeitetes Buch über Goethe, worinnen Goethes Eigenschaften so dargestellt werden, daß, soweit man nur hinaufgehen kann, man das eine, was er hatte, sucht bei diesen Vorfahren, das andere bei jenen Vorfahren, bei einer Ur-Urgroßmutter das, bei einem Ur-Urgroßvater jenes, und so habe sich alles vererbt. — Ich habe schon öfter gesagt: Eine Weisheit ist das, die man bildlich veranschaulichen kann dadurch, daß man zeigt, wie billig sie eben zu haben ist. Denn es ist nicht gescheiter, zu sagen, daß das Kind die Eigenschaften der Eltern hat, als zu sagen, daß ein Mensch naß ist, wenn er ins Wasser gefallen ist und herausgezogen wird. Er hat das Wasser selbstverständlich an sich, wenn er herausgezogen wird. So hat er die Eigenschaften seiner Vorfahren an sich, weil er durch sie seine Seele durchgeleitet hat. Es ist keine größere Weisheit darinnen. Und so auf Ursachen zurückzuschließen, das für logisch zu erklären, ist nun schließlich das Allerunlogischste, das man nur irgendwie machen kann: Man will beweisen, daß sich die seelisch-geistigen Eigenschaften vererben, indem man zeigt, ein Genie wie Goethe habe die gleichen Eigenschaften, wie seine Vorfahren sie gehabt haben. Aber, wie gesagt, das ist nicht gescheiter als die Behauptung, daß ein Mensch naß ist, wenn er ins Wasser gefallen ist. Beweisen, daß das Genie und die genialischen Eigenschaften mit der Vererbung etwas zu tun haben, würde man, wenn man die Nachkommen des Genies aufweisen und an ihnen zeigen würde, wie sich die Eigenschaften des Genies auf die Nachkommen vererbt haben. Das würde ein Beweis sein. Das wird man aber wohl bleiben lassen. Man wird zum Beispiel nicht gerade darauf ausgehen, zu zeigen, wie sich in Goethes Sohn die genialischen Eigenschaften seines Vaters vererbt haben, nicht wahr? Gewiß, manchmal kann es ja vorkommen, daß man wie mit Fingern auf solche Dinge hindeutet. Es gibt da in der europäischen Welt gegenwärtig einen Staatsmann, der der Sohn eines Vaters ist, der auch ein Staatsmann war. Da kann man sagen, da haben sich die genialischen Eigenschaften des Staatsmannes vom Vater auf den Sohn vererbt. Aber es könnte die Lösung auch darinnen bestehen, daß sie alle beide keine Genies waren!
[ 12 ] You see, in this area it is, I would say, particularly difficult to provide the present day with correct concepts, for reasons that have, after all, already been explained on numerous occasions. The present day operates precisely with the most distorted concepts in this area. When a person enters physical existence through birth, they enter it with certain characteristics. The present day tends to speak only of heredity—meaning physical heredity—and people speak of this physical heredity in such a way that they say: A person exhibits this or that characteristic, so one must look for these characteristics in their ancestors. For example, there is today a very meticulously researched book on Goethe in which Goethe’s characteristics are presented in such a way that, as far back as one can go, one looks for one trait he possessed in these ancestors, another in those ancestors—this one in a great-great-grandmother, that one in a great-great-grandfather—and so everything is said to have been inherited. — I have said many times before: Wisdom is something that can be illustrated figuratively by showing just how easily it can be attained. For it is no more intelligent to say that a child has the characteristics of its parents than it is to say that a person is wet when they have fallen into water and are pulled out. They naturally have water on them when they are pulled out. In the same way, they possess the characteristics of their ancestors because their soul has passed through them. There is no greater wisdom in this. And to reason back to causes in this way, to explain it as logical, is ultimately the most illogical thing one could possibly do: one seeks to prove that spiritual and mental qualities are inherited by showing that a genius like Goethe possessed the same qualities as his ancestors did. But, as I said, that is no more intelligent than claiming that a person is wet when he has fallen into water. To prove that genius and genius-like qualities have something to do with heredity, one would have to identify the genius’s descendants and demonstrate in them how the genius’s qualities have been passed down to them. That would be proof. But one will probably refrain from doing so. One will not, for example, go out of one’s way to show how the genius-like qualities of Goethe’s father were passed down to his son, will one? Certainly, it can sometimes happen that one points to such things quite explicitly. There is currently a statesman in Europe who is the son of a father who was also a statesman. One might say that the statesman’s genius-like qualities have been passed down from father to son. But the explanation could also be that neither of them was a genius!
[ 13 ] Der Sache selbst liegt ein viel, viel tieferer Vorgang zugrunde. Sehen Sie, das wollen die Menschen ja durchaus nicht anerkennen in unserer Zeit, daß dasjenige, was äußerlich geschieht, eben nur die Außenseite zeigt von Vorgängen, die zugleich innerlich sind, von Vorgängen, die aus dem Geistigen herausfließen. Und was gesagt werden soll, machen wir uns einmal durch folgenden hypothetischen Vergleich anschaulich. Nehmen wir an, es gäbe Wesen, welche zwar einen gewissen Verstand hätten, aber keine Anlagen, die Menschen zu sehen. Das ist selbstverständlich durchaus eine Hypothese, aber Sie können ja einmal annehmen, daß es Wesen gäbe, die alles sehen, nur nicht Menschen. Solche Wesen sähen zum Beispiel Uhren. Also denken Sie sich einmal ein Wesen, das keinen Menschen sieht und die Tätigkeit der Menschen nicht sieht, das würde durch Berlin gehen und sehen, wie überall Uhren entstehen würden. Das Wesen müßte sich selbstverständlich sagen: Die Uhren entstehen ganz von selber. — Nicht gescheiter, als ein solches Wesen, das schließen würde, die Uhren entstehen von selber, ist der Mensch, der sagt: Man braucht ja nicht weiter zu erklären, warum Menschen physisch in die Welt hereinkommen, das geschieht ganz von selber im Laufe der Fortpflanzung, im Laufe der Generationen. — So kann nur gedacht werden, weil die Menschen nicht sehen, daß das, was hier in der physischen Welt geschieht, nur der äußere Ausdruck ist für eine Tätigkeit, die fortwährend aus der geistigen Welt herunterfließt, so wie die Tätigkeit der Uhrmacher in die Uhren hineinfließt. Wenn es zum Beispiel eigens eine Wissenschaft gäbe vielleicht der Maulwürfe, so könnten diese schon zu der Anschauung kommen, daß die Uhren von selber entstünden, wenn die Maulwürfe so intelligent wären, die Uhren als so etwas anzusehen, was durch Intelligenz geschaffen ist.
[ 13 ] There is a much, much deeper process underlying the matter itself. You see, people today are quite unwilling to acknowledge that what happens externally merely reveals the outer aspect of processes that are at the same time internal—processes that flow from the spiritual realm. And let us illustrate what is to be said with the following hypothetical comparison. Let us suppose there were beings who, while possessing a certain degree of intelligence, lacked the ability to see human beings. This is, of course, purely hypothetical, but you can imagine for a moment that there were beings who could see everything except human beings. Such beings would see, for example, clocks. So imagine a being that cannot see humans or observe human activity; it would walk through Berlin and see clocks appearing everywhere. The being would naturally have to say to itself: The clocks come into being all by themselves. — No wiser than such a being, which would conclude that clocks come into being on their own, is the human being who says: There is no need to explain further why human beings physically enter the world; this happens all by itself in the course of reproduction, over the course of generations. — People can only think this way because they fail to see that what happens here in the physical world is merely the outward expression of an activity that continually flows down from the spiritual world, just as the activity of watchmakers flows into the clocks. If, for example, there were a science specifically devoted to moles, they might well come to the conclusion that clocks arise on their own—provided the moles were intelligent enough to regard clocks as something created by intelligence.
[ 14 ] Dasjenige aber, was sich hier auf der Erde vollzieht, wovon die Menschen in ihrer Torheit glauben, es geschähe ganz von selbst, es sei nur ein äußerlicher physischer Vorgang, das wird dirigiert, gerade so wie die Uhrmachertätigkeit eine dirigierende ist, aus der geistigen Welt. Und wirklich, von dem Moment an, den ich im vierten Mysteriendrama genannt habe die Mitternachtsstunde des Daseins, von dem Moment an, der mitten drinnen eigentlich schon liegt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, von da ab beginnt bereits die Tätigkeit, von der geistigen Welt gewissermaßen sich herabzuneigen in die physische Welt, um nach Jahrhunderten den Menschen ins physische Dasein wieder zu geleiten. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht, ist zunächst die Tätigkeit, die in der geistigen Welt ausgeübt wird, ein Verarbeiten desjenigen, was im letzten Leben hier vom Menschen erlebt, erarbeitet worden ist. Das geschieht so in der ersten Hälfte. Aber von der Hälfte des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt an beginnt schon die Vorbereitung für die nächste Inkarnation. Und nun ist es wirklich so, daß man sich vorstellen kann: Derjenige, der geboren wird, hat Eltern, die Eltern haben wieder Eltern, diese Eltern haben wieder Eltern. Denken Sie sich, wie das durch die Breite hinaufgeht, wenn Sie durch dreißig Generationen gehen. Aber wenn Sie so durch dreißig Generationen hindurchgehen würden, so würden Sie finden, daß gewissermaßen in vielen Leuten schon die Tendenzen liegen, die zuletzt dazu führen, daß der Mann A und die Frau B zusammengebracht werden, die dann einem Menschen das Dasein geben. Und wenn nicht das Ganze so stattgefunden hätte durch dreißig Generationen hindurch, wenn nicht da die Leute immer so geheiratet hätten, daß zuletzt der A und die B zusammengekommen wären, so würde eben nicht jene Zweiheit sich ausgebildet haben, die dann der Mensch aufsuchen kann, der hinuntersteigt zu einer physischen Inkarnation. An diesem ganzen Zusammenwirken vieler Menschen, die zuletzt in den zweien ausgipfeln, da arbeitet schon die geistige Welt mit nach dem, was die einzelne Individualität des Menschen ist. Wenn wir also sehen, daß der Sohn die Eigenschaft seines Vaters, seiner Mutter hat, dann wiederum die Mutter und der Vater auf Eigenschaften zurückführen von Großvater und Großmutter, Urgroßvater, Urgroßmutter und so weiter, so ist das deshalb, weil sich zu dem Ur-Ur-Urgroßvater und der Ur-Ur-Urgroßmutter, die dreißig Generationen nach aufwärts, etwa schon niedergeneigt hat diejenige Individualität, die dann später, nach Jahrhunderten, geboren werden will und bestimmt hat den Plan, nach dem durch Generationen hindurch die Menschen sich finden. Das wirkt alles schon mit. Und daß da vererbte Ähnlichkeiten sind, das rührt davon her, daß durch dreißig Generationen schon die Kraft herunterwirkt durch die geistige Welt, die zuletzt in einem bestimmten Menschen zum Vorschein kommen will; die wirkt schon in Vater, Mutter, Großvater, Großmutter, Urgroßvater, Urgroßmutter. Da wirkt sie schon immer und gibt einem zuletzt die Eigenschaften, die zum Vorschein kommen sollen. Nicht die physische Strömung macht die Vererbung, sondern der physischen Strömung wird die Vererbung auf diese Weise eingefügt. Gerade das Umgekehrte ist wahr von dem, was in bezug auf die physische Vererbung von der äußeren, sogenannten naturwissenschaftlichen Weltanschauung behauptet wird. Damit zuletzt Goethe zum Vorschein gekommen ist durch den Johann Kaspar Goethe und die Frau Rat Aja, wurden die Menschen immer schon von den Wesenheiten der zweiten Hierarchie durch dreißig Generationen so zusammengeführt, daß das zuletzt zu Goethe führen konnte. Das gilt natürlich nicht nur für das Genie, das gilt für jeden einzelnen. Sie können sagen: Das ist schwer vorzustellen, und Sie können auch fragen, wie verträgt sich das mit der menschlichen Freiheit, wenn da schon dreißig Generationen, bevor wir herunterkommen, durchaus bestimmt werden, wie wir dann sein sollen? Ja, aber für unsern Vater war es ebenso und für die Großväter ebenso! Und wenn das jemandem zu kompliziert ist zu denken, dann soll er nur sich noch dazudenken, daß ihm dieses Denken eben für das normale Bewußtsein des Erdendaseins erspart geblieben ist, denn es ist nicht ihm übertragen, sondern in Gemeinsamkeit mit den Geistern der Form, mit den Geistern der Bewegung und so weiter wird dieses bewirkt, so daß die Freiheit gar nicht beeinträchtigt wird. Da gehört natürlich schon jene höhere Weisheit dazu, die diesen Hierarchien entspricht. Aber die Sache ist so.
[ 14 ] But what takes place here on Earth—which people, in their folly, believe happens entirely of its own accord, as if it were merely an external physical process—is directed from the spiritual world, just as the work of a watchmaker is a directed activity. And indeed, from the moment I referred to in the fourth Mystery Drama as the midnight hour of existence—from that moment, which actually lies right in the middle between death and a new birth—from that point onward, the activity begins whereby the spiritual world, as it were, bends down into the physical world in order to guide the human being back into physical existence after centuries. When a human being passes through the gate of death, the activity carried out in the spiritual world initially consists of processing what the person experienced and worked through here in their last life. This takes place during the first half. But from the midpoint of the life between death and a new birth onward, the preparation for the next incarnation already begins. And now it is truly the case that one can form a mental image: The person who is born has parents; those parents have parents of their own; and those parents have parents of their own as well. Imagine how this extends back through the generations as you go back thirty generations. But if you were to go back through thirty generations in this way, you would find that, in a sense, the tendencies already lie within many people that ultimately lead to man A and woman B being brought together, who then give life to a human being. And if the whole process had not taken place in this way over the course of thirty generations—if people had not always married in such a way that, ultimately, A and B came together—then that very duality would not have developed, which the human being seeking a physical incarnation can then seek out. In this entire interplay of many people, which ultimately culminates in the two of them, the spiritual world is already at work in accordance with what constitutes the individuality of the human being. So when we see that the son has the characteristics of his father and mother, and that the mother and father in turn trace their characteristics back to their grandfather and grandmother, great-great-grandfather, great-great-grandmother, and so on—this is because, as far back as the great-great-great-grandfather and great-great-great-grandmother—thirty generations back—the very individuality that would later, after centuries, seek to be born had already begun to incline toward them, and it has determined the plan according to which people find one another across generations. All of this is already at work. And the fact that there are inherited similarities stems from the fact that, over thirty generations, the force has already been working its way down through the spiritual world, a force that ultimately seeks to manifest itself in a specific human being; it is already at work in the father, mother, grandfather, grandmother, great-grandfather, and great-grandmother. It has always been at work there and ultimately endows a person with the qualities that are to come to the fore. It is not the physical current that determines heredity, but rather heredity is woven into the physical current in this way. The exact opposite is true of what is claimed regarding physical heredity by the external, so-called scientific worldview. In order for Goethe to ultimately emerge through Johann Kaspar Goethe and Mrs. Rat Aja, these individuals had been brought together by the beings of the second hierarchy over the course of thirty generations in such a way that this could ultimately lead to Goethe. Of course, this applies not only to genius, but to every single individual. You may say: That is hard to form a mental image of, and you may also ask, how does this reconcile with human freedom, if as many as thirty generations before we come into being, it is already entirely determined what we are to be like? Yes, but it was the same for our father, and the same for our grandfathers! And if this is too complicated for someone to grasp, then they need only add to their thinking the fact that this line of thought has simply been spared them in their normal consciousness of earthly existence, for it is not entrusted to them alone; rather, it is brought about in communion with the spirits of form, the spirits of movement, and so on, so that freedom is not impaired in the least. Of course, this requires the higher wisdom that corresponds to these hierarchies. But that is how it is.
[ 15 ] Und so wird zusammengearbeitet dasjenige, was wir als Gedanken dem Weltenäther übergeben können, mit dem, was wir in unserem Gefühls-, in unserem Willensleben ausleben während unseres physischen Daseins. Wirklich, Geisteswissenschaft soll nicht bloß eine Summe von Wissen in uns anregen, sondern sie soll vor allen Dingen eine gewisse Gemütsstimmung hervorzubringen vermögen. Ich habe versucht, diese Gemütsstimmung in den ersten Partien des zweiten Mysteriums anzudeuten, in der Begegnung zwischen Capesius und Benediktus, wie wirklich zu dem Ziele, daß der Mensch hier als ganzes Menschenwesen auf der Erde leben kann, Götter und Götter, Geister und Geister zusammenwirken, daß der Mensch für Götter und Götter, Geister und Geister ein Ziel ist. Dieses Gefühl, ich möchte sagen der Dankbarkeit dem geistigen Universum gegenüber, dieses Gefühl, sich drinnen zu wissen im geistigen Universum, das muß uns auch durch Geisteswissenschaft in unsere Seele hineinfließen. Es muß uns so natürlich werden, wie dem Menschen natürlich ist, sich in Zusammenhang mit der physischen Welt zu wissen. Darauf achtet er ja gewöhnlich nicht. Aber heute ist die Wissenschaft so weit, daß jeder das Bewußtsein davon hat, daß er die Luft braucht, also daß er nicht bloß für sich leben kann, sondern daß er ein Glied in der ganzen Umgebung ist. Aber wenn er Hunger hat oder Durst hat, dann achtet er schon darauf, daß die Außenwelt seinem Dasein in physischer Weise nötig ist, daß er im Grunde genommen in einem universellen Vorgange drinnen steht in der Außenwelt. So aber steht auch der Mensch in einem universellen Vorgange in der geistigen Welt drinnen, und indem er zu denken vermag, steht er mit Angeloi, Archangeloi, Archai, indem er zu fühlen und zu wollen versteht, mit der nächsthöheren Hierarchie in einem geistigen Zusammenhange. Wahrhaftig, so wie die Luft, wie die Natur in seinen physischen Leib hereinstreicht, so wirken in sein Geistiges und in seine Seele hinein die Tätigkeiten der genannten Hierarchien.
[ 15 ] And so what we can convey to the world ether as thoughts is woven together with what we experience in our emotional and volitional lives during our physical existence. Indeed, Spiritual Science should not merely stimulate a body of knowledge within us, but above all it should be able to evoke a certain state of mind. I have attempted to hint at this state of mind in the first parts of the second Mystery Play, in the encounter between Capesius and Benediktus—showing how gods and gods, spirits and spirits, truly work together toward the goal that human beings may live here on Earth as whole human beings, and that human beings are a goal for gods and gods, spirits and spirits. This feeling—I would say of gratitude toward the spiritual universe—this feeling of knowing oneself to be within the spiritual universe—must also flow into our souls through Spiritual Science. It must become as natural to us as it is natural for a human being to know that they are connected to the physical world. Usually, they do not pay attention to that. But today science has advanced to the point where everyone is aware that they need air—that is, that they cannot live merely for themselves, but are a part of their entire surroundings. Yet when they are hungry or thirsty, they do realize that the external world is physically necessary for their existence, that they are, in essence, part of a universal process within the external world. In the same way, however, human beings are also part of a universal process within the spiritual world; and because they are capable of thinking, they stand in a spiritual connection with the Angels, Archangels, and Archai; and because they are capable of feeling and willing, they stand in a spiritual connection with the next higher hierarchy. Truly, just as the air and nature flow into his physical body, so do the activities of the aforementioned hierarchies work into his spiritual being and into his soul.
[ 16 ] Die theoretischen Einwände, die von seiten unserer materialististischen Gegenwart kommen, wir haben sie ja oftmals besprochen. Diese theoretischen Einwände, die sind eben durch Erkenntnisbetrachtungen und dergleichen aus dem Felde zu schlagen. Aber dann kommen ja die Materialisten sehr häufig noch mit der Praxis und sagen: Ja, mag es selbst richtig sein, daß es solch eine geistige Welt gibt, was hilft es uns aber, von dieser geistigen Welt etwas zu wissen, auch wenn du schon sagst, daß das Denken, Fühlen und Wollen mit den höheren Hierarchien in Verbindung steht? Um zu denken, brauchen wir ja nichts zu wissen von diesen Hierarchien. Wir denken ja schon in der Welt, ohne daß wir etwas davon wissen. Der Mensch atmet ja auch, Gott sei Dank, denn wenn er hätte warten müssen, bis er den Vorgang des Atmens theoretisch ganz genau kennen gelernt hätte, könnte er heute noch immer nicht atmen, denn das, was er heute physikalisch, physiologisch weiß vom Atmungsprozeß, würde gar nicht ausreichen, um den Atmungsvorgang zu bewirken. Aber auch ohne daß man die «verschrobene Seite» hat — werden die Leute sagen —, denken kann man schon, ohne von irgendwelchen Hierarchien, die da mitarbeiten, etwas zu wissen.
[ 16 ] We have, of course, often discussed the theoretical objections raised by our materialistic present. These theoretical objections can be refuted through epistemological considerations and the like. But then the materialists very often bring up the practical aspect and say: Yes, it may well be true that such a spiritual world exists, but what good does it do us to know anything about this spiritual world, even if you say that thinking, feeling, and willing are connected to the higher hierarchies? After all, we don’t need to know anything about these hierarchies in order to think. We already think in this world without knowing anything about them. After all, people breathe—thank God—because if they had had to wait until they had learned the process of breathing in exact theoretical detail, they still wouldn’t be able to breathe today; for what they know today, physically and physiologically, about the breathing process would not be nearly enough to bring about the act of breathing. But even without having that “eccentric side”—as people will say—one can still think without knowing anything about the hierarchies at work here.
[ 17 ] Wir aber stellen die Gegenfrage: Kann man wirklich denken, ohne daß man das hat? — Gegenwärtig, sehen Sie, arbeiten die Menschen eben noch mit den Erbgütern der alten Zeit, sie arbeiten wirklich mit dem, was sie geerbt haben, und damit haben sie mancherlei noch erfinden können, sogar so komplizierte Maschinen, wie man sie gegenwärtig zum Menschentöten verwendet und so weiter. Aber das alles ist Erbgut noch aus einer früheren Zeit. Schon daß es Erbgut ist, wollen die Leute natürlich nicht leicht zugeben, denn mancher Mensch — es ist ja ganz merkwürdig in dieser Beziehung —, der behauptet, daß man es so herrlich weit gebracht habe, meint das im Grunde genommen doch nur deshalb, weil man eingesehen habe, daß alles Denken in der früheren Zeit kindisch war und die Menschen jetzt sich bewußt geworden seien, wie man nüchtern, nicht mehr kindisch denkt. Man könnte heute wirklich schon rein äußerlich, ich möchte sagen, sich überzeugen davon, daß dies ein Unsinn ist, und daß die Menschen dieses Denken, das sie jetzt haben, erst seit ein paar Jahrhunderten haben.
[ 17 ] But we ask the counterquestion: Can one really think without having that? — At present, you see, people are still working with the genetic heritage of the past; they are truly working with what they have inherited, and with that they have been able to invent all sorts of things, even such complicated machines as those currently used to kill people, and so on. But all of that is genetic heritage from an earlier time. Of course, people are naturally reluctant to admit that it is a legacy, because many people—and this is quite strange in this regard—who claim that we have made such magnificent progress actually mean, deep down, only that we have come to realize that all thinking in earlier times was childish, and that people have now become aware of how to think soberly, no longer childishly. Even today, one could really convince oneself—purely from outward appearances, I might say—that this is nonsense, and that people have only held this way of thinking for a few centuries.
[ 18 ] Wir waren da neulich in Hamburg, haben ein Bild aus dem dreizehnten, vierzehnten Jahrhundert gesehen von dem Meister Bertram. Über dieses Bild möchte ich Ihnen das Folgende erzählen. Gehen wir zurück zu der biblischen Erzählung vom Sündenfall, die wir in der Geisteswissenschaft nennen die luziferische Versuchung. Wenn heute ein Maler der aufgeklärten Zeit den Sündenfall malt, so wird er Adam und Eva malen zu beiden Seiten des Baumes, und dann eine Schlange an den Baum malen, eine Schlange selbstverständlich. Je nachdem er Impressionist oder Kubist oder Expressionist oder irgend ein anderer «Ist» ist, wird er sie mehr oder weniger scheußlich malen — schön malen, meine ich! Aber er wird eine Schlange so malen, wie eine Schlange ist, die im Grase kriecht. Nun ja, das ist Realismus. Ist es denn wirklich Realismus? Es ist nicht eigentlich Realismus; denn wie soll man denn als realistischer Mensch voraussetzen, daß diese Schlange, die da im Grase herumkriecht, es fertig gebracht habe, die Eva, mag sie noch so einfältig gewesen sein — was sie gar nicht gewesen sein soll —, zu verführen? Ich denke, es gibt keine so einfältige Frau, daß sie sich von einer bloß im Grase schleichenden Schlange verführen lassen würde. Nicht wahr, das geht doch nicht! Also naturalistisch ist die Sache nicht gerade. Wir wissen aus unserer Geisteswissenschaft, daß Luzifer ein Wesen ist, das auf der Mondenentwickelung stehen geblieben ist. Luzifer kann also selbstverständlich, da während der Mondenentwickelung noch nicht so gesehen worden ist wie hier während der Erdenentwickelung, nicht mit physischem Auge gesehen werden. Das kann keine Schlange sein, die mit physischem Auge gesehen wird. Er muß innerlich gesehen werden, Luzifer.
[ 18 ] We were in Hamburg the other day and saw a painting from the thirteenth or fourteenth century by Master Bertram. I would like to tell you the following about this painting. Let’s go back to the biblical story of the Fall, which we in Spiritual Science call the Luciferic temptation. If a painter of the Enlightenment were to paint the Fall today, he would depict Adam and Eve on either side of the tree, and then paint a serpent on the tree—a serpent, of course. Depending on whether he is an Impressionist, a Cubist, an Expressionist, or some other “-ist,” he will paint it more or less hideously—or beautifully, I mean! But he will paint a snake just as a snake is, crawling through the grass. Well, that’s realism. But is it really realism? It isn’t actually realism; for how can a realist possibly assume that this snake, slithering around in the grass, managed to seduce Eve—no matter how simple-minded she may have been (which she’s not even supposed to have been)? I don’t think there is any woman so simple-minded that she would allow herself to be seduced by a snake merely slithering through the grass. Isn’t that right? That’s just not possible! So the matter isn’t exactly naturalistic. We know from our Spiritual Science that Lucifer is a being who has remained at the stage of the Lunar evolution. Since, during the Lunar evolution, things were not yet perceived as they are here during the Earth evolution, Lucifer cannot, of course, be seen with the physical eye. It cannot be a snake that is seen with the physical eye. Lucifer must be seen inwardly.
[ 19 ] Sehen Sie, wenn wir den Menschen genauer studieren — Sie können es an jedem Skelett —, so gliedert sich deutlich schon das Skelett aus zwei Teilen: aus dem Schädel mit dem daran anhängenden Rückgrat — natürlich ist das nicht Skelett, es ist das Hirn darinnen, und das Rückenmark im Rückgrat —, und daran ist wie angehängt das andere des Menschen. Es ist ja wirklich kaum anders zu nennen als angehängt. Das ist aus dem Grunde — wir werden auch darüber einmal ausführlicher sprechen —, weil das, was wir als Haupt an uns tragen, wirklich ein sehr kompliziertes Gebilde ist. Das ist eine richtige kleine Weltkugel. Da muß man auch sagen: Gott sei Dank, daß der Mensch durch seine Weisheit nichts beizutragen hat zu der Geburt, und daß dieses Haupt zustande kommen kann. Denn das würde schön ausschauen, wenn er durch seine jetzige Anatomie oder Physiologie irgend etwas dazu beitragen sollte, daß dieser Wunderbau des menschlichen Hauptes zustande komme. Das kommt auf ganz andere Weise zustande, es kommt dadurch zustande, daß während der Zeit vom Tode bis zu einer neuen Geburt wie in einer gewaltigen Sphäre, die wir vergleichen können mit unserer blauen Himmelssphäre, das, was in unserem Karma geschrieben ist, verwoben wird und eine ganze Anordnung getroffen wird, die dann, indem es gegen die Inkarnation zu geht, immer kleiner und kleiner wird und sich dann mit dem, was von der Mutter kommt, vereinigt. Aus dem ganzen Weltall heraus wird gewoben durch unzählige Wesen vieler Hierarchien das, was dann unser Haupt wird, was eine Weisheit von ungeheuerster Größe und ungeheuerstem Umfang in sich schließt, eine Weisheit, die aufgebaut ist auf all den Erfahrungen, die durch Saturn, Sonne und Mond gewonnen worden ist. Und das, was daran hängt, das ist Erdenerzeugnis. Unser Haupt ist eigentlich Erbstück von Saturn, Sonne und Mond. Die Erde mit ihren Kräften hat nur das zustande bringen können, was daran hängt. Der andere Mensch, nicht das Haupt mit dem Rückenmark, sondern was daran hängt, das ist eigentlich der Erdenmensch.
[ 19 ] You see, if we study the human being more closely—you can see this in any skeleton—the skeleton itself is clearly composed of two parts: the skull with the spine attached to it—of course, that’s not the skeleton; it’s the brain inside the skull and the spinal cord within the spine—and the rest of the human being is, as it were, attached to that. It really can hardly be described as anything other than “attached.” The reason for this—and we’ll discuss this in more detail another time—is that what we carry on our heads is truly a very complex structure. It’s a veritable miniature globe. One must also say: Thank God that human beings, through their own wisdom, have nothing to contribute to birth, and that this head can come into being. For it would be quite a sight if, through their present anatomy or physiology, they were to contribute anything to the creation of this marvelous structure of the human head. It comes into being in an entirely different way, it comes about because, during the time between death and a new birth—as if within a vast sphere that we can compare to our blue celestial sphere—what is written in our karma is woven together, and a complete arrangement is made, which then, as it approaches incarnation, becomes smaller and smaller and finally unites with what comes from the mother. From the entire universe, countless beings of many hierarchies weave together what will then become our head—a head that contains a wisdom of immense magnitude and scope, a wisdom built upon all the experiences gained through Saturn, the Sun, and the Moon. And what is attached to it is a product of the Earth. Our head is actually a legacy from Saturn, the Sun, and the Moon. The Earth, with its forces, has been able to bring about only what is attached to it. The other human being—not the head with the spinal cord, but what is attached to it—is actually the earthly human being.
[ 20 ] Wie wird man denn nun, wenn man, innerlich geschaut, den Luzifer darstellen will, also eigentlich ein Mondenwesen darstellen müssen? Man wird ein menschliches Haupt darzustellen haben und etwas wie schlangenförmig daran hängend: das noch nicht verknöcherte Rückgrat. So stellt jener Meister Bertram aus dem dreizehnten, vierzehnten Jahrhundert den Luzifer dar auf dem Baum zwischen Adam und Eva. Im Hamburger Museum können Sie das Bild so dargestellt sehen. Würden die Menschen heute denken können, so würden sie sich sagen: Der Maler hat das gemalt, also war dazumal noch lebendig das Wissen von der geistigen Welt. Bis zu dem Wissen von der Gestalt des Luzifer war lebendig das Wissen von der geistigen Welt.
[ 20 ] So how does one go about depicting Lucifer—who, viewed from within, is essentially a lunar being? One must depict a human head with something serpentine hanging from it: the spine, which has not yet ossified. This is how Master Bertram from the thirteenth or fourteenth century depicted Lucifer on the tree between Adam and Eve. You can see the painting depicted this way at the museum in Hamburg. If people today were able to think, they would say to themselves: The painter painted this, so knowledge of the spiritual world was still alive back then. Knowledge of the spiritual world remained alive right up to the knowledge of Lucifer’s form.
[ 21 ] So kurz ist es her, daß das, was wir altererbtes, atavistisches Hellsehen nennen, verloren gegangen ist für die Menschen. Aber das Denken, das ist ja nicht sehr verbreitet heute. Autorität gilt ja allerdings heute als etwas, was nichts ist, Autoritätsgefühl darf heute der freie Mensch nicht haben. Heute denkt man über alles nach, heute hat jeder seine eigenen Meinungen. Meist bedeutet allerdings die eigene Meinung haben nichts weiter, als daß man vergessen hat, in welcher Broschüre oder gar in welcher Zeitung man die betreffende Meinung gelesen hat, nicht wahr? Das hat man vergessen, und dann ist es eine eigene Meinung geworden, wenn man das vergessen hat. Würde man aber denken, würde man die Dinge zusammenhalten, dann würde man aus einer solchen Tatsache, daß ein Maler des dreizehnten, vierzehnten Jahrhunderts den Luzifer richtig malt, wissen, was die Menschen vor wenigen Jahrhunderten noch gewußt haben, und wie sie sich wiederum zu diesem Wissen hindurchringen müssen.
[ 21 ] It was only recently that what we call inherited, atavistic clairvoyance was lost to humanity. But thinking—well, that isn’t very widespread today. Authority, after all, is regarded today as something that amounts to nothing; a free person today must not have a sense of authority. Today people think about everything; today everyone has their own opinions. For the most part, however, having one’s own opinion means nothing more than that one has forgotten in which brochure or even in which newspaper one read the opinion in question, doesn’t it? One has forgotten that, and once forgotten, it has become one’s own opinion. But if one were to think—if one were to hold these things together—then from the simple fact that a painter of the thirteenth or fourteenth century depicted Lucifer correctly, one would know what people still knew just a few centuries ago, and how they must once again strive to attain this knowledge.
[ 22 ] Ich möchte noch von einer anderen Seite das Thema betrachten, damit wir sehen, wie es mit der Behauptung der materialistisch gesinnten Menschheit sich verhält, daß man das alles nicht braucht, was da hereinkommt aus der geistigen Welt und sich unseres Denkens und Fühlens so bemächtigt, wie die Luft unseres Atmens, wie die Nahrung unseres Hungers und Durstes. Ja, wenn man durchaus diese Behauptung aufrecht erhalten will, daß man das alles nicht braucht, dann könnte man sagen: Gerade unter dem Einflusse dieser Anschauungen sind ja gewisse materialistische Lehren heraufgezogen, die ganz unwiderleglich sind. Öfter schon habe ich den bedeutenden Kriminal-Anthropologen Benedikt angeführt. Er war der erste, welcher Verbrechergehirne untersucht hat — nach dem Tode selbstverständlich —, der Verbrechergehirne sezierte im Hinblick darauf, ob ein Zusammenhang besteht zwischen dem Bau des Gehirnes und den verbrecherischen Eigenschaften. Benedikt hat an den Verbrechergehirnen etwas sehr Wichtiges gefunden, er hat gefunden, daß sie alle eine gemeinschaftliche Eigenschaft haben, nämlich einen zu kurzen Hinterhauptslappen, der das Kleinhirn nicht vollständig bedeckt. Also stellen Sie sich vor, daß die gemeinsame Eigenschaft der Verbrechergehirne ein zu kurzer Hinterhauptslappen ist — wie ihn die Affen auch haben —, der das Kleinhirn nicht bedeckt. Das ist aber eine Eigenschaft, die ganz selbstverständlich eine Eigenschaft des physischen Leibes ist. Man muß daraus notwendigerweise zu der Anschauung kommen: Es gibt zweierlei Menschen durch die Geburt. Die einen haben einen richtigen Hinterhauptslappen, der das Kleinhirn bedeckt, die anderen haben einen zu kurzen Hinterhauptslappen. Diejenigen, die einen richtigen Hinterhauptslappen haben, werden keine Verbrecher; diejenigen, die einen zu kurzen Hinterhauptslappen haben, müssen Verbrecher werden, können gar nicht anders, als Verbrecher werden.
[ 22 ] I would like to examine this topic from another angle so that we can see how the claim made by materialistically minded people holds up—namely, that we have no need for all that comes to us from the spiritual world and takes such a hold on our thoughts and feelings, just as the air we breathe and the food we eat to satisfy our hunger and thirst. Yes, if one absolutely wants to maintain this claim that we do not need any of this, then one could say: It is precisely under the influence of these views that certain materialistic doctrines have arisen that are entirely irrefutable. I have often cited the eminent criminal anthropologist Benedikt. He was the first to examine the brains of criminals—after death, of course—dissecting them to determine whether there is a connection between brain structure and criminal traits. Benedikt discovered something very important in the brains of criminals; he found that they all share a common characteristic, namely an occipital lobe that is too short and does not completely cover the cerebellum. So create a mental image of the common characteristic of criminals’ brains as an occipital lobe that is too short—as monkeys also have—which does not cover the cerebellum. But this is, of course, a characteristic of the physical body. One must necessarily come to the conclusion that there are two kinds of people by birth. Some have a normal occipital lobe that covers the cerebellum; others have an occipital lobe that is too short. Those who have a normal occipital lobe do not become criminals; those who have an occipital lobe that is too short must become criminals—they cannot help but become criminals.
[ 23 ] Wird dieser Erkenntnis gegenüber, gegen die gar nichts einzuwenden ist, denn sie ist absolut richtig, vom Standpunkt der materialistischen Weltanschauung, nicht all unser Reden von Moral eine Farce, ein Unsinn ? Können wir Menschen noch bestrafen, wenn wir uns sagen müssen: Die können, weil sie einen zu kurzen Hinterhauptslappen haben, nicht anders als Verbrecher werden’? Sie sehen, wohin der Materialismus nach und nach ausarten muß. Er muß auch alles Geistige im sozialen, ethischen, im juristischen Leben auslöschen, oder er wird selbstverständlich in einer fortwährenden Lüge arbeiten müssen. Denn gegen die Tatsache, die ich angeführt habe, ist nichts einzuwenden — so ist sie! Und für denjenigen, der eben nicht eine geistige Weltanschauung zugibt, gibt es eben nichts als diese Tatsache.
[ 23 ] In light of this insight—against which there is absolutely nothing to object, for it is entirely correct from the standpoint of the materialist worldview—doesn’t all our talk of morality become a farce, a nonsense? Can we still punish people if we have to tell ourselves: ‘They cannot help but become criminals because their occipital lobe is too small’? You see where materialism must gradually degenerate. It must also eradicate everything spiritual in social, ethical, and legal life, or it will, of course, have to operate within a perpetual lie. For there is no objection to the fact I have cited—that is simply how it is! And for those who do not acknowledge a spiritual worldview, there is nothing but this fact.
[ 24 ] Nehmen wir jetzt dasjenige, was wir zu sagen haben. Gewiß, die Menschen werden so geboren, daß es solche gibt mit richtigen Hinterhauptslappen und solche mit zu kurzen Hinterhauptslappen. Aber es ist ein Ätherleib da, der in ganz anderer Weise ausgebildet werden kann und beweglicher ist als der physische Leib. Für den Hinterhauptslappen des physischen Leibes ist der Hinterhauptslappen des Ätherleibes da. Die Menschen der Zukunft werden lernen müssen zu unterscheiden zwischen Kindern, die einen zu kurzen Hinterhauptslappen und einen langen Hinterhauptslappen haben, und danach werden sie zu erziehen haben als Lehrer oder Erzieher. Sie werden wissen müssen, in welchen Eigenschaften ein zu kurzer Hinterhauptslappen in frühestem Kindesalter sich äußert. Diese Kinder wird man so zu erziehen haben, daß auf sie gewirkt wird so, daß der Ätherlappen entsprechenderweise stark sich ausbildet, daß ein Gegengewicht gebildet ist. Dann wird man dadurch, daß der Ätherlappen sich stark ausbildet, den Schaden verhindern, den der physische Lappen anrichten kann, wenn er zu kurz ist.
[ 24 ] Let us now consider what we have to say. Certainly, people are born in such a way that some have properly formed occipital lobes and others have occipital lobes that are too short. But there is an etheric body that can be developed in a completely different way and is more flexible than the physical body. The occipital lobe of the etheric body corresponds to the occipital lobe of the physical body. People of the future will have to learn to distinguish between children who have an occipital lobe that is too short and those who have a long one, and they will have to educate them accordingly as teachers or educators. They will need to know the characteristics through which an occipital lobe that is too short manifests itself in early childhood. These children will have to be educated in such a way that they are influenced so that the etheric lobe develops strongly enough to form a counterbalance. Then, through the strong development of the etheric lobe, one will prevent the harm that the physical lobe can cause when it is too short.
[ 25 ] Wir sind eben noch nicht in das Zeitalter eingetreten, in welchem das alte Erbgut schon ganz verglommen ist; aber die Zeit wird kommen. Und würde Geisteswissenschaft nicht in die Gemüter eindringen können, so würde es eben unbedingt dahin kommen, daß der Materialismus auch alle Moral, alle Ethik, alle Juristerei ergreifen müßte, daß das Geistige überhaupt ausgelöscht werden müßte. Denn das würde allein konsequent sein. Zu dem, was kommen muß, kann man aber nur kommen, wenn man sich bewußt wird, daß, ebenso wie man die Luft einatmet, man auch braucht die Mitarbeiterschaft der geistigen Hierarchien bei demjenigen, was man denken, was man fühlen will. Aber da kommen natürlich unsere Zeitgenossen und sagen: Ja, wir können doch ganz gut denken, wir können ja vorzüglich denken, und wir glauben nicht, daß diese Hierarchien da so in uns wirtschaften! Wie sollten wir nicht gut denken können? — Ein Naturforscher der Gegenwart, der ein sehr guter Naturforscher ist, der aber dieSchwachheit hat, allerlei philosophisches Zeug auch noch nebenbei zu schreiben, der begeht diese eigentümlich unbewußte Tat, daß er einen seiner Vorträge damit schließt, wie man es «so herrlich weit gebracht» hat und so weiter, und gar nicht nachschaut in Goethes Faust, wer das sagt. Die Menschen haben eben das Bewußtsein: Sie können recht, recht gut denken, sind nicht angewiesen darauf, ihr Denken befruchten zu lassen aus der geistigen Welt.
[ 25 ] We have not yet entered the age in which the old heritage has completely faded away; but that time will come. And if Spiritual Science were unable to penetrate people’s minds, it would inevitably lead to materialism taking hold of all morality, all ethics, and all jurisprudence—to the spiritual being eradicated entirely. For that alone would be the logical consequence. But one can only arrive at what must come if one becomes aware that, just as one breathes in the air, one also needs the cooperation of the spiritual hierarchies in whatever one wishes to think or feel. But of course our contemporaries come along and say: “Yes, we can think quite well—we can think excellently, in fact—and we don’t believe that these hierarchies are at work within us like that! How could we not think well?” — A contemporary natural scientist—who is a very good natural scientist but has the weakness of also writing all sorts of philosophical stuff on the side—commits this peculiar, unconscious act of concluding one of his lectures by saying how we have “come so wonderfully far” and so on, without even looking in Goethe’s Faust to see who says that. People simply have this conviction: they can think quite, quite well and do not need to draw inspiration for their thinking from the spiritual world.
[ 26 ] Man müßte eigentlich viel reden, wenn man gründlich über dieses Kapitel reden wollte. Aber lassen Sie mich von vielen nur ein kleines, ganz kleines Beispielchen anführen. Ich habe neulich in dem öffentlichen Vortrage aufmerksam gemacht auf einen vergessenen Denker: auf Karl Christian Planck. Ich will durchaus nicht in dogmatischer Weise alles verteidigen, was Karl Christian Plank geschrieben hat. Ich habe aber aufmerksam darauf gemacht, wie er wirklich aus einem tieferen geistigen Bewußtsein heraus gearbeitet hat, und wie er eine gewisse geistgemäße Weltanschauung doch zustande gebracht hat. 1880 ist er gestorben. Kein Mensch hat sich im Grunde genommen um seine Bücher viel gekümmert. 1912 ist noch erschienen «Das Testament eines Deutschen» von Karl Christian Planck, ein wunderbares Buch. Es ist also, da er 1880 gestorben ist, vor 1880 geschrieben. Dazumal wurde es in der ersten Auflage 1881 von Köstlin herausgegeben. Jetzt ist es wiederum 1912 herausgegeben worden. Aber die Leute haben sich nicht viel darum gekümmert und man kann ja auf solche Erscheinungen, ich sagte schon, in irgendeiner Form aufmerksam machen. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht in der ersten Auflage der «Rätsel der Philosophie», in «Welt- und Lebensanschauungen im 19. Jahrhundert», — ich habe auf Karl Christian Planck also schon 1900 hingewiesen. Aber es nützt das nicht leicht etwas, auf eine geistgemäße Weltanschauung heute hinzuweisen, denn zunächst haben die Leute so die Meinung: Eine geistgemäße Weltanschauung — was kaufen wir uns denn dafür eigentlich? — Aber die andere Frage ist doch die: Lebt denn nicht in einer solchen geistgemäßen Weltanschauung doch eben etwas von jenen spirituellen Kräften, die das Denken befruchten? — Ja, da kommen natürlich die materialistisch denkenden Menschen und sagen: Das sieht man ja an all den Idealisten und Spiritualisten und Menschen, die so in der geistigen Welt leben, man sieht es ja an denen, sie sind unpraktische Leute, sie wissen gar nichts von der Wirklichkeit, und würde man sich im praktischen Leben auf diese Leute einlassen, dann könnte dieses praktische Leben nicht weitergehen, zum praktischen Leben gehören praktische Menschen. — Die so reden, haben alles von der praktischen Weisheit mit Löffeln gegessen, und daß sie das von der praktischen Weisheit mit Löffeln gegessen haben, das rührt nach ihrer eigenen Anschauung namentlich davon her, daß sie nicht hören auf diese verblendeten, träumerischen, phantastischen Idealisten! Nun, Planck war wirklich ein Idealist, war wirklich ein Mensch, der in einer geistigen Welt gelebt hat und der eigentlich etwas zustande bringen wollte, was aus dem Geistigen heraus in die Welt eingreift. Wir könnten viele Gebiete anführen, aber wie gesagt, ein Beispielchen möchte ich Ihnen nur gerade von diesem Karl Christian Planck anführen. Ich habe es gerade hier in Berlin in dem öffentlichen Vortrage nicht erwähnt, man kann nicht immer alles erwähnen, an anderen Orten aber habe ich es auch im öffentlichen Vortrage erwähnt. Man konnte doch immer wieder und wiederum von Zeitungsdiplomaten, Zeitungspolitikern, vielleicht sogar von sogenannten wirklichen Diplomaten, wirklichen Politikern hören: Wenn man auf diese Idealisten und ihr Wissen von der Welt gar in bezug auf das äußere politische Leben etwas geben würde, was für ein Jammer, was für ein Schreckliches würde das sein! — Da will ich Ihnen einmal eine Stelle aus Plancks «Testament eines Deutschen», 1880 geschrieben, vorlesen, wo er spricht von dem jetzigen Krieg — ja, von dem jetzigen Krieg! Und da sagt er folgendes:
[ 26 ] One would actually have to talk at length if one wanted to discuss this chapter thoroughly. But let me cite just one small—very small—example out of many. I recently drew attention in a public lecture to a forgotten thinker: Karl Christian Planck. I certainly do not intend to dogmatically defend everything Karl Christian Planck wrote. However, I did point out how he truly worked from a deeper spiritual consciousness and how he did manage to develop a certain spiritual worldview. He died in 1880. Basically, no one paid much attention to his books. In 1912, The Testament of a German by Karl Christian Planck was published—a wonderful book. Since he died in 1880, it must have been written before 1880. At that time, the first edition was published by Köstlin in 1881. It was republished in 1912. But people didn’t pay much attention to it, and one can, as I’ve already said, draw attention to such phenomena in one way or another. I had already drawn attention to it in the first edition of The Riddles of Philosophy, in Worldviews and Philosophies of Life in the 19th Century—I had already mentioned Karl Christian Planck as early as 1900. But it’s not easy to gain much by pointing out a spiritual worldview today, because people’s initial reaction is: A spiritual worldview—what do we actually get out of it?—But the other question is this: Doesn’t such a spiritual worldview contain something of those spiritual forces that enrich our thinking? — Yes, of course, people with a materialistic mindset will come along and say: You can see that in all the idealists and spiritualists and people who live in the spiritual world—you can see it in them; they’re impractical people who know nothing about reality, and if you were to get involved with these people in practical life, then that practical life couldn’t go on—practical life requires practical people. — Those who speak this way have had practical wisdom spoon-fed to them, and the fact that they’ve had it spoon-fed—according to their own view—stems specifically from the fact that they don’t listen to these deluded, dreamy, fanciful idealists! Well, Planck was truly an idealist; he was truly a person who lived in a spiritual world and who actually wanted to bring about something that would reach out from the spiritual realm into the world. We could cite many areas, but as I said, I’d like to give you just one small example from this very Karl Christian Planck. I didn’t mention it here in Berlin during the public lecture, one can’t always mention everything, but I have also mentioned it in public lectures elsewhere. Time and again, one could hear from newspaper diplomats, newspaper politicians, perhaps even from so-called real diplomats and real politicians: If one were to give any credence to these idealists and their knowledge of the world—even with regard to external political life—what a pity, what a terrible thing that would be! — Let me read you a passage from Planck’s Testament of a German, written in 1880, where he speaks of the current war—yes, the current war! And there he says the following:
[ 27 ] «Keine politische Klugheit, keine Friedensliebe von seiten Deutschlands vermag innerhalb der jetzigen bloß nationalen Ordnung diesen feindlichen Zusammenstoß zu verhindern. Denn mächtiger als alle Klugheit ist die Natur der Verhältnisse; und schon jetzt tritt ungeachtet der befreundeten Haltung Deutschlands und Österreichs die feindliche Stimmung des russischen Ostens nur um so deutlicher hervor, deshalb, weil man ihm nicht in allem die freie Hand lassen konnte, sondern notwendig ein bestimmtes Ziel setzen mußte. Und kommt es dann einst zum Kampfe, so wird derselbe, so sehr wir ihn auch zum Besten Europas auszufechten haben, dieses doch nicht an unserer Seite finden, sondern wie im Osten, so werden wir zugleich auch im Westen und im Süden uns verteidigen müssen; nach allen Seiten wird die feindlich nationale Eifersucht sich gegen das neue, in ihre Mitte gesetzte Reich erheben.»
[ 27 ] “No political wisdom, no love of peace on Germany’s part can prevent this hostile clash within the current, purely national order. For the nature of the circumstances is more powerful than all prudence; and even now, despite the friendly stance of Germany and Austria, the hostile sentiment of the Russian East is becoming all the more evident, precisely because it could not be given a free hand in everything, but a specific goal had to be set. And if a conflict should eventually arise, then—no matter how much we must fight it for the good of Europe—Europe will not stand by our side; rather, just as in the East, we will have to defend ourselves simultaneously in the West and in the South; on all sides, hostile national jealousy will rise up against the new empire placed in their midst.”
[ 28 ] Nun frage ich Sie, ob irgend jemand von den «praktischen» Leuten 1880 die Situation von 1914, 1915, 1916 so prägnant geschildert hat? Wie viele von diesen praktischen Leuten haben — ja, wie lange denn! — keine Ahnung davon haben wollen, daß es in bezug auf den Süden zum Beispiel auch so gehen könne? Dieser unpraktische, zu den verschimpften und unpraktischen Leuten gehörende Idealist hat 1880 Worte niedergeschrieben, die genau decken dasjenige, was heute geschieht. Man müßte einen Willen haben, hinzuhorchen auf solche Tatsachen. Dann würde man einsehen, daß allerdings drinnenstecken in der geistigen Welt und wissen, daß es eine geistige Welt gibt — wie es eine Luft gibt für den physischen Leib —, etwas bedeutet, was das Denken geeignet macht, die Wirklichkeit richtig zu beurteilen.
[ 28 ] Now I ask you: Did any of those “practical” people in 1880 describe the situation of 1914, 1915, and 1916 so succinctly? How many of these “practical” people—indeed, for how long!—have refused to acknowledge that things could turn out this way with regard to the South, for example? This “impractical” idealist—one of those derided as “impractical”—wrote words in 1880 that precisely describe what is happening today. One would have to be willing to listen to such facts. Then one would realize that being immersed in the spiritual world—and knowing that a spiritual world exists, just as there is air for the physical body—means something that enables the mind to judge reality correctly.
[ 29 ] Sie werden vielleicht verstehen, nachdem ich Ihnen dieses klar gemacht habe an einem Beispielchen, daß der Geistesforscher heute mit Recht sagen kann, wenn man es ihm auch noch nicht glaubt: Heute können die Leute mit dem alten Erbgut des Denkens noch Maschinen erfinden, aber es wird keine fünfzig Jahre dauern, da werden die Leute nichts mehr erfinden, wenn sie sich weigern, die geistigen Einflüsse auf ihr Denken anzunehmen. Und alles wird absterben, was etwas hineinstellen will in die physische Welt, was nicht aus der geistigen Welt herausstammt. Heute können noch Maschinen erfunden werden, weil noch ein altes Erbgut da ist. Dasjenige, was auf anderen Gebieten vielfach geschieht, das zeigt ja doch wohl schon, in welcher Weise das geistige Vermögen wirklich abnimmt, aus der geistigen Welt der physischen Welt etwas einzuverleiben, denn auf vielen Gebieten nennt man heute «nichts können» aus diesem Grunde schon ein «höheres Können». Kein ordentliches Gesicht mehr malen können, sondern irgendwie Striche zusammenzumachen und allerlei Zeug darauf zu schmieren, das hätte der Maler noch vor einiger Zeit genannt — selbstverständlich, der wirkliche Maler tut es auch noch heute — eine Schmiererei. Aber heute gibt es schon Schulen, die nennen solche Schmiererei die «höhere Kunst», und die wirkliche Kunst ist etwas, was vorbei ist, was nicht mehr da sein soll. Auf allen Gebieten geht es so, auf allen, allen Gebieten.
[ 29 ] Once I have illustrated this with a small example, you may understand that the spiritual researcher today can rightly say—even if people do not yet believe him: Today, people can still invent machines using the old genetic heritage of thought, but it won’t be fifty years before people will no longer invent anything if they refuse to accept spiritual influences on their thinking. And everything that seeks to introduce something into the physical world that does not originate from the spiritual world will die out. Machines can still be invented today because that old legacy is still present. What is happening in many other fields clearly demonstrates how spiritual capacity is truly diminishing—the ability to incorporate elements from the spiritual world into the physical world—for in many fields today, “being unable to do anything” is, for this very reason, already considered a “higher form of skill.” No longer being able to paint a proper face, but instead just jotting down some lines and smearing all sorts of stuff on it—the painter would have called that, not so long ago—and of course, the real painter still does so today—a daub. But today there are already schools that call such daubs “high art,” and real art is something that is a thing of the past, something that is no longer supposed to exist. It’s like this in every field, in every, every field.
[ 30 ] Das ist es, das man einsehen muß: Die Zeit verlangt von uns, daß wir uns befruchten lassen aus der geistigen Welt heraus. Und nur die Befruchtung wird möglich sein, die eben von dem Ergreifen der geistigen Tatsachen, wie sie Geisteswissenschaft gibt, kommen kann. Und auch die großen Weltenaufgaben werden nur gelöst werden, wenn solche Befruchtung eintreten kann gerade auf diesem Gebiete. Man macht ja heute wirklich die grenzenlos traurigsten Beobachtungen. Immer wieder und wiederum muß man sehen, wie gerade unsere Zeit im Grunde genommen alles Zusammenhanges mit der geistigen Welt bar ist. Wir leben in einer Zeit, die entgegenleben soll — das ist ja oft betont worden — einer Tatsache, die man wie eine zweite Erscheinung des Christus auf Erden bezeichnen kann: Die ätherische Christus-Wesenheit, jene zweite Erscheinung des Christus auf Erden. Aber einer Vorbereitung bedarf es dazu, damit dieses Ereignis nicht vorbeigehe oder damit es nicht verhöhnt, verspottet werde. Und auch dasjenige, was wir jetzt durchmachen, in der richtigen Weise kann es nur durchgemacht werden, wenn ein Bewußtsein vorhanden ist, daß das Furchtbare, das um uns geschieht, wie das gottgesandte Zeichen dafür ist, daß eine Vertiefung der Menschenseele eintreten soll. Das Furchtbarste wäre es, wenn über diese Ereignisse hinaus, welche die Verhältnisse so durcheinander rütteln, das grundmaterialistische Menschendenken sich so erhalten könnte, wie es oftmals den Anschein hat. Das furchtbarste wäre dieses. Und diejenigen, die zur Geisteswissenschaft gehören, müssen das als eine Grundwahrheit in ihre Seele so geschrieben haben, daß sie wirklich stark genug sind, all dem, was auf einen einstürmt von der heutigen Welt noch als Gegnerschaft der Geisteswissenschaft, gegen eine geistige Auffassung des Daseins, begegnen zu können. Man wird ihm nur begegnen können, wenn man immer wieder und wiederum auffrischt den Gedanken an die Notwendigkeit einer geistigen Auffassung der Welt.
[ 30 ] This is what we must realize: The times demand that we allow ourselves to be inspired by the spiritual world. And the only inspiration that will be possible is that which can come from grasping the spiritual realities as presented by Spiritual Science. And the great tasks facing the world will also be solved only if such inspiration can take hold precisely in this realm. One really does make the most boundlessly sad observations today. Time and again, one must see how our age, fundamentally speaking, is devoid of any connection to the spiritual world. We live in a time that is meant to prepare—as has often been emphasized—for an event that can be described as a second appearance of the Christ on Earth: the etheric Christ Being, that second appearance of the Christ on Earth. But preparation is needed so that this event does not pass us by or so that it is not mocked or ridiculed. And what we are now going through can only be endured in the right way if there is an awareness that the terrible events happening around us are, like a sign sent by God, an indication that a deepening of the human soul is to take place. The most terrible thing would be if, beyond these events that are so thoroughly shaking up the status quo, fundamentally materialistic human thinking were to persist as it often appears to do. That would be the most terrible thing. And those who belong to Spiritual Science must have this written so deeply into their souls as a fundamental truth that they are truly strong enough to face everything that comes rushing at them from today’s world—which still stands in opposition to Spiritual Science and to a spiritual understanding of existence. One will be able to face it only by constantly renewing the thought of the necessity of a spiritual conception of the world.
[ 31 ] Es ist so schwierig, solche Dinge in heutigen weiteren Kreisen verständlich zu machen, weil — auf gewissen Gebieten — die Menschen geradezu vom verkehrten Denken richtig besessen sind. Als ich in einer Stadt neulich einmal davon sprach, wie ein verklungener Ton da ist in dem Geistesleben, als ich den Vortrag hielt, den ich auch hier gehalten habe über den verklungenen Ton im Geistesleben Mitteleuropas, da kamen zwei Menschen zu mir nach dem Vortrage. Die Menschen erklärten mir erstens ihre Verwunderung, daß man in der jetzigen Zeit über die Verhältnisse so spricht. Gerade von dem, was sie Theosophie nennen, hätten sie das nicht erwartet, daß man so spricht; sie hätten sich die Theosophie anders gedacht, denn sie wären Pazifisten. Das ist ja ganz schön, nicht wahr, Pazifist zu sein, nur muß man sich klar sein, daß seit dem Entstehen des Pazifismus die größten, die blutigsten Kriege der Welt geführt werden, eine Tatsache, die ich schon hervorgehoben habe vor einem Jahrzehnt in den Vorträgen des Architektenhauses. Aber ich wollte doch auf eines aufmerksam machen, was einem leicht durchschaubar scheint. Ich sagte: Aber kommen Ihnen nicht alle diese Verhältnisse, ich meine nicht nur die äußeren Kriegsverhältnisse, sondern dieses An-die-Oberfläche-Tragen einer so furchtbaren Verlogenheit, wie sie in den gegensätzlichen Stimmen der Völker zum Vorschein kommt, kommt Ihnen denn das nicht vor wie ein Ad-absurdumFühren desjenigen, was sich als sogenannte Kultur bisher entwickelt hat? Ist das nicht wie ein Ad-absurdum-Führen? — Ja, sagte der eine Herr, ja, das ist eben jetzt eine Krankheit, die muß geheilt werden. — Man kann ihm selbstverständlich Recht geben: Gut, es ist eine Krankheit. Aber der Mann leckt sich die Finger ab — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck —, den richtigen Gedanken zu haben: Es ist eine Krankheit! Er hat aber keine Ahnung davon, daß man von einem solchen richtigen Gedanken nichts hat, daß es nicht darauf ankommt, daß man irgendwie richtige Gedanken hinpfahlen kann, sondern daß man den richtigen Gedanken, auf den es wirklich ankommt, in einem gewissen Zusammenhange einsieht. Es fiel zum Beispiel diesem Manne gar nicht ein, daß es ja ganz richtig sein kann: Das ist eine Krankheit. Aber was ist denn eine Krankheit, warum kommt sie denn? — Weil vorher die Verhältnisse nicht ordentlich sind! Die Krankheit ist ja schon das Aufbäumen der Natur, um den Menschen gesund zu machen. Dasjenige, was die unnatürlichen Verhältnisse sind, geht ja der Krankheit voran. Die Krankheit ist ja schon ein Versuch, diese ungesunden Verhältnisse herauszubringen. Die Krankheit ist, ich möchte sagen, dasjenige, was sich gegen die vor der Krankheit vorliegende Unnatur wehrt, und dieser Prozeß des Sich-Wehrens, das ist die Krankheit. Also indem er das ausspricht: das ist eine Krankheit —, weist er ja darauf hin, daß die Krankheit notwendig war, weil die unnatürlichen Verhältnisse da waren, und im weitesten Umfange ist dasjenige, was diese unnatürlichen Verhältnisse sind, der alle Kreise beherrschende Materialismus. Natürlich muß man dann den Materialismus im weiteren Sinne fassen. Da muß man den Materialismus so fassen, daß man einsieht, daß er zur Unfruchtbarkeit des Denkens führt, daß er führt zum Zertreten, zum Niederdrücken befähigter Leute, die etwas wissen von der Lebenspraxis, durch die alles niederdrückende Macht der Unfähigen, welche sagen, sie wissen das Praktische. Selbstverständlich wissen sie es, aber wie?
[ 31 ] It is so difficult to make such things understandable to a wider audience today because—in certain areas—people are downright obsessed with flawed thinking. When I spoke recently in a city about how there is a faded tone in spiritual life—as I gave the lecture that I have also given here on the faded tone in the spiritual life of Central Europe—two people came up to me after the lecture. First, they expressed their surprise that anyone would speak this way about current conditions. They said they hadn’t expected such talk, especially from what they call Theosophy; they had imagined Theosophy to be different, since they were pacifists. That’s all well and good, isn’t it, to be a pacifist—but one must be clear that since the emergence of pacifism, the world’s greatest and bloodiest wars have been waged—a fact I already emphasized a decade ago in the lectures at the Architektenhaus. But I wanted to draw attention to one thing that seems quite obvious. I said: “But don’t all these circumstances—and I don’t mean just the external conditions of war, but this bringing to the surface of such terrible hypocrisy, as it manifests itself in the conflicting voices of the peoples—don’t they strike you as a reduction to absurdity of what has hitherto developed as so-called culture?” Isn’t that like taking something to its absurd conclusion? — “Yes,” said one gentleman, “yes, that is precisely a disease right now, one that must be cured.” — Of course, one can agree with him: All right, it is a disease. But the man is licking his fingers—pardon the trivial expression—for having the right thought: It is a disease! Yet he has no idea that such a “right” thought is of no use, that what matters is not simply being able to come up with “right” thoughts, but rather that one must grasp the right thought—the one that really matters—within a certain context. For example, it never occurred to this man that it might indeed be quite correct to say: “This is an illness.” But what, then, is an illness, and why does it arise?—Because the circumstances were not in order beforehand! The illness is, after all, nature’s very act of rebellion to restore the person to health. The unnatural circumstances themselves precede the illness. Illness is, in fact, already an attempt to bring these unhealthy conditions to light. Illness is, I would say, that which defends itself against the unnaturalness that existed before the illness, and this process of self-defense—that is the illness. So by saying, “That is an illness,” he is pointing out that the illness was necessary because the unnatural conditions existed, and in the broadest sense, what these unnatural conditions are is the materialism that dominates all spheres. Of course, one must then understand materialism in the broader sense. One must understand materialism in such a way that one recognizes it leads to the sterility of thought, that it leads to the trampling and suppression of capable people—who know something about the practicalities of life—by the all-oppressive power of the incompetent, who claim to know what is practical. Of course they know it, but how?
[ 32 ] Ins Fühlen, ins Gemüt müssen befruchtend hineinwirken die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Und es muß in unserer Zeit eine Anzahl von Menschen geben, welche aus innerlicher Überzeugung treu halten können zu dem, was als Notwendigkeit für die Weltenentwickelung aus der Geisteswissenschaft folgt. Darin wird das werden, was werden soll, dann wird der Christus, wenn er in einer neuen Form sich offenbaren will, diejenigen finden, welche er braucht. Und das muß sein. Wenn er erscheint in seiner ätherischen Gestalt dem oder jenem, dann muß nicht eine Zeit sein, in der dieses Erscheinen des Christus als ein Wahnsinn aufgefaßt wird, sondern aufgefaßt wird als dasjenige, was berufen ist, der Menschheit einen Ruck zu geben nach vorwärts, einen Ruck, der vor allen Dingen darinnen besteht, das Materialistische mit seinen Folgen in gründlicher Weise zu überwinden. Und dieses Jahrhundert wird nicht vergehen dürfen, ohne daß die menschlichen Anschauungen eine ganz andere Gestalt annehmen. Und wie die Feuerzeichen für dieses Ziel der Menschheit müssen die bedeutsamen, blutigen Ereignisse sein, die wir jetzt um uns herum erleben. Dann werden nicht umsonst die Opfer geflossen sein, die geflossen sind von seiten derjenigen, die durch die Todespforte oder durch das Erlebnis der blutigen Verwundung gegangen sind. Dann wird alles dasjenige, was jetzt um uns herum vorgeht, beitragen können zur Erhebung der Menschheit. Und das muß sein. Deshalb müssen wir immer wieder und wieder an der oft hier ausgesprochenen Wahrheit festhalten:
[ 32 ] The truths of Spiritual Science must have a fertilizing effect on our feelings and our inner life. And there must be a number of people in our time who, out of inner conviction, can remain faithful to what follows from Spiritual Science as a necessity for the development of the world. In this way, what is to come will come to pass; then, when Christ wishes to reveal himself in a new form, he will find those whom he needs. And this must be so. When he appears in his etheric form to one person or another, there must not be a time when this appearance of the Christ is regarded as madness, but rather as that which is destined to give humanity a jolt forward—a jolt that consists, above all, in thoroughly overcoming materialism and its consequences. And this century must not pass without human perspectives taking on an entirely different form. And the significant, bloody events we are now witnessing around us must serve as the beacons for this goal of humanity. Then the sacrifices made by those who have passed through the gate of death or endured the experience of bloody wounding will not have been in vain. Then everything that is now taking place around us will be able to contribute to the elevation of humanity. And this must happen. That is why we must hold fast, again and again, to the truth often expressed here:
[ 33 ] Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht
Lenken Seelen geistbewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
[ 33 ] From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the people’s acts of sacrifice
The fruit of the spirit grows
Guiding souls, spiritually aware
Their minds toward the spirit realm.
