The Present and the Past in the Human Spirit
GA 167
25 April 1916, Berlin
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The Present and the Past in the Human Spirit, tr. SOL
7. Die Lebenslüge der heutigen Zeit
7. The Lie of Modern Life
[ 1 ] Den Ausgang möchte ich auch heute wiederum nehmen in unseren Betrachtungen von Dingen, die wir auch in den verflossenen Betrachtungen gepflogen haben. Von den Gebräuchen gewisser Brüderschaften habe ich gesprochen und einiges angegeben, was in solchen Gebräuchen solcher Brüderschaften sich vollzieht, einiges namentlich angegeben von der Art, wie, ich möchte sagen, verdorrt zu einem trockenen Gehäuse die tieferen Impulse der okkulten Brüderschaften noch in der modernen Freimaurerei enthalten sind. Das letztemal im besonderen habe ich angeknüpft an jenen Gebrauch, der da darstellt die Grablegung und Auferstehung und der ja im Grunde genommen nichts anderes ist als dasjenige, was man den Ostergebrauch nennen könnte. Heute will ich, wie gesagt, den Ausgang nehmen von etwas anderem, das mit diesen Dingen verknüpft ist.
[ 1 ] Today, once again, I would like to begin our reflections on matters that we have also addressed in previous reflections. I have spoken of the customs of certain brotherhoods and described some of what takes place in the practices of such brotherhoods, specifically noting how—I might say—the deeper impulses of the occult brotherhoods are still contained, though withered into a dry shell, within modern Freemasonry. Last time, in particular, I took up the custom that represents the burial and resurrection—which, when all is said and done, is nothing other than what one might call the Easter custom. Today, as I said, I want to take as my starting point something else that is connected to these matters.
[ 2 ] Man sagt innerhalb dieser Kreise in bezug auf dasjenige, was man sucht, was da eigentlich erstrebt wird, man suche «das verloren gegangene Wort». Nun, ich kann mich auf Einzelheiten nicht einlassen, das würde zu weit führen, allein will man ein wenig nachforschen mit, ich möchte sagen, naheliegenden Mitteln nach dem, was mit dem verloren gegangenen Worte gemeint ist, so braucht man ja nur den Anfang des Johannes-Evangeliums ins Auge zu fassen: «Im Urbeginne war das Wort». Im Griechischen war das Wort immer: der Logos. «Und das Wort war bei Gott; und ein Gott war das Wort.» Mit diesem Worte ist ja — wir haben oftmals über diese Dinge gesprochen — selbstverständlich nicht dasjenige gemeint, was wir jetzt mit dem Worte Wort bezeichnen, sondern mit diesem Worte ist etwas ganz anderes gemeint. Man kommt nur nahe dem, was damit eigentlich gemeint ist, wenn man sich erinnert — und wir haben ja solche Dinge gerade in den letzten Stunden hier besprochen —, daß die Menschheit in uralten Zeiten eine UrOffenbarung gehabt hat, eine Ur-Weisheit. Denken Sie sich diese Ur-Weisheit, die der noch kindlichen Menschheit auf die Art gegeben worden ist, wie es hier besprochen worden ist, denken Sie sich diese in Ausbreitung und nennen Sie sie dann den Logos, das Urwort, dann werden Sie ungefähr eine Vorstellung von dem haben, was mit dem Worte, mit dem Logos gemeint ist. Und man kann ja sagen: Dasjenige, was einstmals durch die Vermittelung höherer Geister der noch in den Kinderzeitaltern stehenden Menschheit als eine Weisheit gegeben worden ist, die weit überragt alles dasjenige, was wir heute auch in unserer Geisteswissenschaft schon wissen können, das ist verloren gegangen. Und es ist ein schöner Brauch, wenn in solchen Brüderschaften wenigstens das eine Gefühl, die eine Empfindung angeregt wird: daß so etwas verloren gegangen ist und daß es wieder gesucht werden müsse. Selbstverständlich wird es in diesen Brüderschaften natürlich nicht etwa gefunden. Sonst wären ja alle diejenigen, die einen gewissen Grad solcher Brüderschaften erreicht haben, weise, wie es einstmals die von den Göttern unterrichteten Urweisen der Menschen waren. Und das zeigt sich ja nicht gerade an denjenigen, von denen man weiß, daß sie gewisse Grade in solcher Brüderschaft erreicht haben, sonst müßte ja die Welt ganz anders aussehen. Aber in der Zeremonie, im Kultus, wird doch etwas gezeigt, was Bild ist dieses Verlorengehens der Ur-Weisheit und Wiederauffindens der Ur-Weisheit. Es soll sich so etwas in die Seelen der Menschheit senken, damit sie wenigstens in die Lage kommen, wenn sie durch die Todespforte durchgehen, durch die geistige Welt dann durchgehen, wiederum auf die Erde kommen, daß sie wenigstens dann ein Verständnis haben können für dasjenige, was dann, ja, was auch schon heute, müßte man eigentlich sagen, als eine Weisheit der Erde nötig wäre.
[ 2 ] In these circles, when referring to what one is seeking—what one is actually striving for—it is said that one is searching for “the lost word.” Well, I cannot go into details—that would take us too far afield—but if one wishes to investigate a little, using, I would say, obvious means, what is meant by “the lost Word,” one need only consider the beginning of the Gospel of John: “In the beginning was the Word.” In Greek, the Word was always: the Logos. “And the Word was with God; and the Word was God.” This word—as we have often discussed—does not, of course, refer to what we now call a ‘word,’ but rather to something entirely different. One can only come close to understanding what is actually meant by it if one remembers—and we have, in fact, discussed such things here in the last few hours—that humanity in ancient times possessed a primordial revelation, a primordial wisdom. Imagine this primordial wisdom, which was given to humanity—still in its infancy—in the manner discussed here; imagine it in its full scope and then call it the Logos, the primordial Word; then you will have a rough mental image of what is meant by the word “Logos.” And one might well say: That which was once given—through the mediation of higher spirits—to humanity, which was still in its infancy, as a wisdom that far surpasses everything we can already know today, even in our Spiritual Science—that has been lost. And it is a beautiful custom when, in such brotherhoods, at least this one feeling, this one sense, is stirred: that something like this has been lost and that it must be sought once more. Of course, it is not actually found within these brotherhoods. Otherwise, all those who have attained a certain degree within such brotherhoods would be wise, just as the primordial sages of humanity—who were once instructed by the gods—were. And this is not exactly evident in those known to have attained certain degrees within such brotherhoods; otherwise, the world would look quite different. But in the ceremony, in the ritual, something is revealed that serves as a symbol of this loss of primordial wisdom and its rediscovery. Such a thing is meant to sink into the souls of humanity so that, when they pass through the gate of death, journey through the spiritual world, and return to Earth, they may at least then have an understanding of that which—indeed, one might even say, already today—is necessary as the wisdom of the Earth.
[ 3 ] Also das verloren gegangene Wort wird gesucht. Und im Grunde genommen ist ja alle unsere Geisteswissenschaft ein Suchen nach dem verlorenen Worte. Aber wenn dieses verlorene Wort heute noch ausgesprochen wird, das heißt, wenn irgendwie aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft heraus etwas gesagt wird, da kommen alle die Menschen, die weise geworden sind in unserer Zeit — und wir haben es ja auf allen Gebieten so herrlich weit gebracht —, und sagen: Träumerei! Phantasterei! Unsinn! — wenn nicht noch schlimmere Dinge. Aber lassen wir uns im ersten Teil unserer heutigen Betrachtung, da wir ja unter uns sind, doch wiederum auf ein solches Kapitel der Geisteswissenschaft ein, das gerade imstande sein kann, uns mancherlei von den Rätseln zu enthüllen, welche Rätsel des menschlichen Daseins selber sind. Man kann allerdings nicht einmal sagen, daß dasjenige, was heute durch Geisteswissenschaft zutage gefördert werden soll, immer so absolut unbekannt war. Ich habe ja selbst öffentlich gesprochen über einen vergessenen Ton im neueren Geistesleben, eine vergessene Strömung, in der so manches gelebt hat von dem, was wie ein Keim zur Geisteswissenschaft ist.
[ 3 ] So the lost word is being sought. And, when it comes down to it, all of our Spiritual Science is a search for the lost word. But if this lost word is still spoken today—that is, if something is said from within the realm of Spiritual Science—then all the people who have become wise in our time—and we have, after all, made such magnificent progress in every field—come forward and say: “Daydreaming! Fantasizing! Nonsense! — if not even worse things. But in the first part of our reflection today, since we are among ourselves, let us once again turn to such a chapter of Spiritual Science that is precisely capable of revealing to us many of the mysteries that are the very mysteries of human existence itself. One cannot, however, even say that what Spiritual Science seeks to bring to light today was always so completely unknown. I myself have spoken publicly about a forgotten tone in recent spiritual life, a forgotten current in which much of what serves as a seed for Spiritual Science has been alive.
[ 4 ] Wenn wir den Menschen heute betrachten, so wissen wir: Dasjenige, was die physischen Augen an dem Menschen sehen, ist ja nur gewissermaßen die Außenseite dieses Menschen, der physische Leib. Innerhalb dieses physischen Leibes ist wirksam und wesenhaft der Ätherleib. Aber man kommt nicht sehr weit, gar nicht weit, wenn man nichts anderes weiß, als daß eben der Mensch einen Ätherleib hat, wenn man dieses Wort kennt und höchstens noch die Vorstellung hat, mit der viele schon zufrieden sind: der Ätherleib ist halt so etwas, was dünner ist als der physische Leib, mehr nebelhaft und leuchtend. Aber damit hat man nicht viel. Dieser Ätherleib ist schon wahrhaftig ein recht, recht kompliziertes Gebilde. Sehen Sie, wenn wir die Menschen betrachten, so wie sie heute sind: Sie sind ja verschieden voneinander, nicht wahr, der europäische Mensch ist von dem afrikanischen Menschen verschieden, von dem asiatischen Menschen verschieden. Solche Verschiedenheiten muß man anerkennen. Aber wenn wir den Blick schweifen lassen über die gesamte Menschheit, so müssen wir trotz aller Verschiedenheiten der Menschen doch zugeben, diese Menschen über die ganze Erde hin sind sich viel ähnlicher als die Tiere. Denn wenn auch der Europäer und der Afrikaner sich wesentlich voneinander unterscheiden — wenn wir feinere Unterscheidungsmerkmale ins Auge fassen —, so kann man doch nicht sagen, daß die Verschiedenheit zwischen Menschen jemals so groß sein könnte, wie zwischen einem Storch und einer Maus, nicht wahr? Also die Tiere sind in viel höherem Grade voneinander verschieden als die Menschen. Die Tiere sind in Gattungen voneinander getrennt und beim Menschengeschlechte kann man schon sagen: es ist eine einzige Gattung. So sehen wir, wenn wir den Blick über das Tierreich der Erde schweifen lassen, die mannigfaltigsten, stark voneinander verschiedenen Tiere. Fassen wir das einmal ins Auge und lenken wir den Blick zurück auf die Betrachtung unseres Ätherleibes. Unser Ätherleib ist gewissermaßen in uns so, daß er zusammengehalten wird durch die elastische Kraft des physischen Leibes. Solange wir zwischen Geburt und Tod stehen, wird der Ätherleib in dieser Weise durch die elastische Kraft des physischen Leibes zusammengehalten. Stellen Sie sich das nur bildhaft so vor, daß, wenn man könnte — man kann es ja selbstverständlich nicht, solange der Mensch leben bleiben soll, aber wenn man es experimentell könnte, so daß sogar der Naturforscher sich am Ende davon überzeugen lassen würde —, experimentell den physischen Leib eines Menschen wegtun vom Ätherleib, so den Ätherleib herausziehen und dann auch den astralischen Leib und das Ich vom Ätherleib sondern, so würde, weil jetzt die Elastizität des physischen Leibes nicht mehr da ist, dieser Ätherleib zerspringen in viele Portionen. Dieser Ätherleib ist eine Mannigfaltigkeit aus vielen, vielen Einzelheiten und wird nur durch die Elastizität des physischen Leibes zusammengehalten.
[ 4 ] When we look at human beings today, we know that what the physical eyes see in a person is, in a sense, only the outer aspect of that person—the physical body. Within this physical body, the etheric body is active and essential. But one does not get very far—not far at all—if one knows nothing more than that human beings have an etheric body, if one is familiar with this term and, at most, holds the mental image with which many are already satisfied: that the etheric body is simply something thinner than the physical body, more mist-like and luminous. But that doesn’t get you very far. This etheric body is truly a very, very complex structure. You see, when we look at human beings as they are today: they are, after all, different from one another, aren’t they? The European is different from the African, and different from the Asian. Such differences must be acknowledged. But when we let our gaze wander over the whole of humanity, we must admit—despite all the differences among people—that these human beings across the entire Earth are much more similar to one another than animals are. For even though Europeans and Africans differ significantly from one another—if we consider finer distinguishing characteristics—we cannot say that the difference between people could ever be as great as that between a stork and a mouse, can we? So animals differ from one another to a much greater degree than people do. Animals are separated from one another into species, whereas the human race can truly be said to constitute a single species. Thus, when we let our gaze wander over the animal kingdom of the Earth, we see the most diverse array of animals, vastly different from one another. Let us take this in for a moment and turn our attention back to the consideration of our etheric body. Our etheric body is, so to speak, held together within us by the elastic force of the physical body. As long as we live between birth and death, the etheric body is held together in this way by the elastic force of the physical body. Just create a mental image of it pictorially in this way: if one could—which, of course, is impossible as long as a human being is to remain alive, but if one could do so experimentally, so that even a natural scientist would ultimately be convinced—experimentally separate a human being’s physical body from the etheric body, that is, if one could pull out the etheric body and then also separate the astral body and the “I” from the etheric body, then—because the elasticity of the physical body would no longer be present—this etheric body would shatter into many fragments. This etheric body is a composite of many, many individual parts and is held together solely by the elasticity of the physical body.
[ 5 ] Und wie würden denn diese Teile, die da herausspringen aus uns, wenn wir den physischen Leib abtrennen könnten, aussehen? Ja, sehen Sie, so sonderbar das den heutigen gescheiten Menschen klingt, wahr ist es doch: Diese Teile des Ätherleibes würden Formen annehmen und sie würden ungefähr das ausgebreitete Tierreich sein, das heißt, alle die möglichen Formen des Tierreiches würden zum Vorschein kommen. Es würde wirklich so sein, daß ein gewisser Teil Ihres Ätherleibes — der des Kopfes — sich vogelähnlich gestalten würde, ein gewisser Teil des Ätherleibes, zum Beispiel aus der in der Nähe des Kehlkopfes befindlichen Partie, würde eine sehr schöne, fast engelhafte Tiergestalt sein und so weiter. Also wir tragen im Grunde genommen das ganze Tierreich in unserem Ätherleibe in uns. Das ist durchaus wahr. Unser Ätherleib ist das ausgebreitete Tierreich, das zusammengedrängt, zusammengehalten wird durch die Elastizität des physischen Leibes. Als die Entwickelung noch auf anderen Stufen war, in früheren Urzeiten, war ja überhaupt die ganze menschliche Gestalt verteilt in die vielen Tiere. Wenn man das bedenkt, dann versteht man erst dasjenige, was in grobklotziger Weise heute als Darwinismus angesehen wird. Die Menschheit hatte sich gleichsam vorbereitet, indem sie dasjenige, was sie später nur als Ätherleib ausbilden soll, auseinandergebildet hat, wie in dem Fächer des heutigen Tierreichs, das dazumal etwas anders ausgesehen hat als das heutige, veränderte Tierreich. Das heutige Tierreich ist nicht mehr dasjenige, von dem die Menschheit abstammen könnte, sondern ein ganz anderes Tierreich. Aber die Kräfte, die in diesem Tierreiche ausgebreitet sind, sind gewissermaßen extrahiert worden und sind heute noch in unserem Ätherleibe vorhanden. Nun denken Sie sich einmal, was wir da im Grunde alles in uns haben. Denn mit diesem Tierreich haben wir alle die Instinkte, alle die verschiedenen Triebe der Tiere schon in uns. Sie sind nur harmonisiert, in ein Gesamtverhältnis gesetzt dadurch, daß das alles durch die Elastizität unseres physischen Leibes vereint ist. Als physischer Mensch sind wir Menschen - als physischer Mensch. Und unsere physische Gestalt haben wir von den Geistern der Form während des Erdendaseins bekommen. Als physischer Mensch halten wir im Zaume alles dasjenige, was da in uns ist. Zuweilen kommt der eine oder der andere Trieb zum Vorschein, wenn irgendein Teil im Ätherleib die Oberhand erhält.
[ 5 ] And what would these parts—which would emerge from us if we could separate ourselves from the physical body—look like? Yes, you see, as strange as this may sound to today’s intelligent people, it is nevertheless true: These parts of the etheric body would take on forms, and they would roughly correspond to the entire animal kingdom—that is, all the possible forms of the animal kingdom would come into view. It would indeed be the case that a certain part of your etheric body—that of the head—would take on a bird-like form, a certain part of the etheric body, for example from the region near the larynx, would be a very beautiful, almost angelic animal form, and so on. So, essentially, we carry the entire animal kingdom within us in our etheric body. This is absolutely true. Our etheric body is the expanded animal kingdom, which is compressed and held together by the elasticity of the physical body. When evolution was still at other stages, in earlier primeval times, the entire human form was, in fact, distributed among the many animals. When one considers this, one can finally understand what is today regarded, in a crude and simplistic way, as Darwinism. Humanity had, as it were, prepared itself by differentiating what it would later develop solely as the etheric body, much like the diverse branches of today’s animal kingdom, which at that time looked somewhat different from today’s, transformed animal kingdom. Today’s animal kingdom is no longer the one from which humanity could have descended, but a completely different animal kingdom. But the forces that are spread throughout this animal kingdom have, so to speak, been extracted and are still present in our etheric body today. Now just imagine what we actually have within us. For through this animal kingdom, we already possess within ourselves all the instincts and all the various drives of the animals. They are merely harmonized and brought into a unified whole by the fact that all of this is united through the elasticity of our physical body. As physical human beings, we are human—as physical human beings. And we received our physical form from the spirits of form during our earthly existence. As physical human beings, we keep everything that is within us in check. Occasionally, one impulse or another comes to the surface when some part of the etheric body gains the upper hand.
[ 6 ] Denken Sie, was für eine komplizierte Mannigfaltigkeit wir Menschen also eigentlich sind und wie es im Grunde genommen unmöglich ist, mit diesen Dingen, durch die man doch erst die Welt verstehen kann, an die Menschen heranzukommen. Das kann man sehen, wenn einmal jemand aus einer, ich möchte sagen, genialen Eingebung heraus so etwas ahnt von der Wahrheit. Und solche Menschen gab es im Laufe der neueren Geistesentwickelung. Zum Beispiel dem Schüler Schellings, Ofen, kam durch seine Genialität die Idee: Der Mensch ist zusammengefaßt aus dem gesamten Tierreich. Nicht im Sinne des Darwinismus der Gegenwart — ich habe das letzte Mal wiederum mit einem Worte bezeichnet, was für Unlogik die modernen Menschen entfalten, wenn sie über den Darwinismus der Gegenwart sprechen —, sondern Oken ahnte etwas von der Wirklichkeit. Er hatte noch nicht die geisteswissenschaftliche Möglichkeit, die Sache so auszusprechen, wie wir das heute aussprechen können, aber er ahnte etwas von diesem Tatbestand, von diesem Darinnenstecken des ganzen Tierreiches in dem Menschen, und er hat es kühn ausgesprochen. Aber er ist ausgelacht worden, namentlich von denjenigen, die nach seinem Zeitalter gekommen sind. Denn denken Sie sich, was soll sich denn ein so ganz gescheiter, so unendlich kluger Mensch der Gegenwart denken, wenn Oken ausspricht, was er zum Beispiel getan hat: Die Zunge ist ein Tintenfisch! Oken wollte aber das, was ich eben angedeutet habe aus der Geisteswissenschaft heraus, aus seiner genialen Intuition heraus den Menschen klar machen. Er wollte zeigen, daß die einzelnen Teile, wie sie aus dem Ätherleib herausgebildet sind, eigentlich etwas mit den Formgestalten des Tieres zu tun haben. Das Ohr führte er zum Beispiel gerade auf eine Art Kombination von einem Storch und einer Maus zurück, aber die Zunge führte er zurück auf die Natur des Tintenfisches. Selbstverständlich wurde er mit einer solchen Sache ausgelacht. Aber man sieht, dasjenige, was so lächerlich erscheinen kann, das ist die Vorahnung von etwas, was ein tiefes Wissen bilden muß und sich einleben muß in die Menschheit gerade der kommenden Zeiten. Denn man wird nicht die Erscheinungen dieser Welt umfassen können, wenn man solche Dinge nicht wissen wird. Und die Wirklichkeit wird man nur beurteilen können, wenn man solche Dinge wissen wird.
[ 6 ] Just think what a complex tapestry we humans actually are, and how it is, in essence, impossible to reach people through these very things—the very things that are necessary to understand the world in the first place. This becomes clear when someone, out of what I would call a stroke of genius, intuits something of the truth. And such people have existed in the course of recent spiritual development. For example, Schelling’s student, Ofen, through his genius, conceived the idea: Human beings are a synthesis of the entire animal kingdom. Not in the sense of contemporary Darwinism—I mentioned just the other day, in a single word, the illogicality that modern people display when they speak of contemporary Darwinism—but Oken sensed something of the reality. He did not yet have the means of Spiritual Science to express the matter as we can today, but he sensed something of this fact—of the entire animal kingdom being embedded within the human being—and he boldly articulated it. But he was ridiculed, particularly by those who came after his time. For just imagine: what is a thoroughly intelligent, infinitely clever person of the present day supposed to make of it when Oken states, for example, what he did: “The tongue is a squid!” Yet Oken wanted to make clear to people what I have just hinted at—based on Spiritual Science and his own brilliant intuition. He wanted to show that the individual parts, as they are formed from the etheric body, actually have something to do with the forms of animals. For example, he traced the ear back to a kind of combination of a stork and a mouse, but he traced the tongue back to the nature of the octopus. Of course, he was ridiculed for such ideas. But one can see that what may seem so ridiculous is actually a foreshadowing of something that must form a deep knowledge and take root in humanity, especially in the times to come. For one will not be able to comprehend the phenomena of this world without knowing such things. And one will only be able to judge reality if one knows such things.
[ 7 ] Sehen Sie, auf unseren physischen Leib wirken in erster Linie die Geister der Form. Diese Geister der Form geben während der Erdenzeit die Form nur dem Menschen. Die Tiere haben ihre ererbte Form von der alten Mondenentwickelung. Diese tierische Form ist daher eine luziferisch geartete Form, sie ist zurückgebliebene Form von der alten Mondenentwickelung. Was dazumal nur ätherisch war, ist verhärtet. Der Mensch hat von den Geistern der Form seine äußere physische Gestalt, und in seinem Inneren wirken weniger die Geister der Form. Also auf den Ätherleib wirken schon weniger die Geister der Form als die Geister der Persönlichkeit, diejenigen geistigen Wesenheiten, die wir als Archangeloi oder als Angeloi bezeichnen. Die wirken auf den Ätherleib, und die haben etwas zu tun mit dem Dirigieren dieser Mannigfaltigkeit im Ätherleib, von der ich eben gesprochen habe. Und wenn wir auf die genaueren geisteswissenschaftlichen Tatsachen eingehen, dann müssen wir uns eben gerade zum Beispiel über so etwas ganz klar sein, daß in diesen unseren Ätherleib hineinwirken auch alle jene Kräfte, die aus der Volksseele heraus kommen. Was wir mit unserm physischen Leibe auffassen, was wir durch unsere Augen sehen, durch unsere Ohren hören zunächst, das ist schon international. Viel tiefer ist das Nationale sitzend in der Unbewußtheit zum Beispiel des Ätherleibes. Von einer anderen Seite habe ich das etwa vor anderthalb Jahren hier einmal dargestellt. Kurz, der Mensch kommt in die Lage, zu sehen, wie kompliziert eigentlich sein Wesen ist und was er zu suchen hat, um sich selbst zu verstehen, von dem, was einstmals als Ur-Weisheit vorhanden war.
[ 7 ] You see, it is primarily the spirits of form that act upon our physical body. During the Earth period, these spirits of form give form only to human beings. Animals have their inherited form from the ancient lunar evolution. This animal form is therefore a Luciferic form; it is a form that has remained behind from the ancient lunar evolution. What was once purely etheric has hardened. Human beings receive their outer physical form from the spirits of form, and within them, the spirits of form are less active. Thus, the spirits of form exert less influence on the etheric body than do the spirits of personality—those spiritual beings we refer to as Archangeloi or Angeloi. They act upon the etheric body and are involved in directing the diversity within the etheric body that I have just described. And when we delve into the more precise facts of Spiritual Science, we must be very clear, for example, about the fact that all those forces arising from the Folk-souls also act upon our etheric body. What we perceive with our physical body—what we see through our eyes and hear through our ears—is already of an international nature. The national element is rooted much more deeply in the unconsciousness of, for example, the etheric body. I described this from a different perspective here about a year and a half ago. In short, the human being comes to realize how complex his being actually is and what he must seek—from what once existed as primordial wisdom—in order to understand himself.
[ 8 ] Und tiefe Bilder gibt es im Grunde genommen, Weisheiten, die als Bilder den Menschen mitgeteilt sind und die verstanden werden können, wenn man will. Nehmen Sie einmal an, wir sprechen oder singen: Es ist ein bloßes Vorurteil, wenn man glaubt, daß da bloß der physische Leib in irgendwelcher Bewegung wäre. Die Hauptsache der Bewegung vollzieht sich im Ätherleibe und vollzieht sich innerhalb jener Mannigfaltigkeit im Ätherleibe, von der ich eben gesprochen habe. Daher ist dasjenige, was im Gesang oder in der tönenden Kunst überhaupt zum Bewußtsein kommt, so sehr aus unterbewußten Tiefen herauf, kann so wenig leicht wirklich in Worte gefaßt werden, weil es eben mit all dem, was die Kompliziertheit des Ätherleibes ist, zusammenhängt. Und wie verwandt mit der übrigen Welt kommen wir uns wiederum vor, wenn wir wissen: Das, was da draußen ausgebreitet ist als Tierreich, in unserem Ätherleibe lebt es in der Weise, wie es geschildert worden ist. Selbstverständlich, wenn ein Trieb dann in uns tätig sein will, muß er in den astralischen Leib heraufkommen. Die Dinge widersprechen sich nicht, wenn man sie nur in Wirklichkeit ordentlich betrachtet. Also, wenn man von der Anwesenheit von Trieben und Instinkten im Menschen spricht, muß man sie natürlich dem astralischen Leibe zuschreiben. Aber die Formähnlichkeit, wie sie jetzt mit dem Tierreiche besprochen worden ist, die liegt der Sache zugrunde.
[ 8 ] And there are, in essence, profound images—wisdom conveyed to people through images—that can be understood if one is willing. Suppose, for a moment, that we are speaking or singing: it is a mere prejudice to believe that it is merely the physical body that is in motion. The main part of the movement takes place in the etheric body and unfolds within that diversity in the etheric body of which I have just spoken. That is why what comes to consciousness in singing or in the art of sound in general—arising as it does from such subconscious depths—cannot easily be put into words, precisely because it is connected to the very complexity of the etheric body. And how closely connected to the rest of the world do we feel when we realize that what is spread out there as the animal kingdom lives within our etheric body in the manner that has been described. Of course, when an impulse seeks to become active within us, it must rise up into the astral body. These things do not contradict one another, provided one considers them properly in reality. So when one speaks of the presence of drives and instincts in human beings, one must naturally attribute them to the astral body. But the similarity of form, as has now been discussed in relation to the animal kingdom, underlies the matter.
[ 9 ] Und wiederum, wenn wir unseren astralischen Leib betrachten, wenn wir ihn so absondern könnten, wie ich das jetzt angegeben habe für das Absondern des ätherischen Leibes, da würde er zerfallen, denn auch er ist nur durch die Elastizität des physischen und Ätherleibes zusammengehalten; da würde er zerfallen und würde etwas darstellen, was so ähnlich wäre, wie das gesamte Pflanzenreich. Wirklich, in uns steckt dadurch, daß wir einen astralischen Leib haben, alles, was in den Formen des Pflanzenreiches in Mannigfaltigkeit draußen in der Welt sich ausbreitet. Wenn Sie die ganze Pflanzenwelt studieren in der Art und Weise, wie sich Form neben Form stellt, so haben Sie ein äußeres Bild, ein auseinandergefächertes Bild desjenigen, was zusammengezogen ist im menschlichen astralischen Leibe. Auch das gehört zum verlorengegangenen Worte. In der Urweisheit war Bewußtsein von diesen Dingen vorhanden. Daher hat man sich gesagt: Also ist im Menschen etwas, was seine tief-innerste Verwandtschaft mit der Baum-, mit der Pflanzennatur zum Ausdrucke bringt. Lesen Sie die germanische Mythologie; Mythologien sind ja nur ein später Ausdruck der Ur-Weisheiten der Menschen. Da sehen Sie, wie das erste Menschengeschlecht gewonnen wird aus Esche und Ulme, und Sie haben darinnen steckend etwas von einem Bewußtsein dieser Verwandtschaft des Menschen mit der Pflanzennatur, die ja ihre Grundlage darinnen hat, daß der Mensch selber während der Sonnenzeit auf der Stufe des Pflanzenreiches, während der Mondenzeit auf der Stufe des Tierreiches gestanden hat.
[ 9 ] And again, if we were to consider our astral body—if we could separate it in the way I have just described for the separation of the etheric body—it would disintegrate, for it, too, is held together only by the elasticity of the physical and etheric bodies; it would disintegrate and would resemble something like the entire plant kingdom. Indeed, because we have an astral body, everything that spreads out in the world in the manifold forms of the plant kingdom is contained within us. If you study the entire plant world—the way one form stands beside another—you have an external image, a fan-like image of what is condensed within the human astral body. This, too, is part of the lost word. In primordial wisdom, there was an awareness of these things. That is why it was said: Thus there is something in human beings that expresses their deepest, innermost kinship with the nature of trees and plants. Read Germanic mythology; mythologies are, after all, merely a later expression of humanity’s primordial wisdom. There you will see how the first human race is derived from the ash and the elm, and embedded within this is a sense of this kinship between human beings and plant nature, which is based on the fact that human beings themselves stood on the level of the plant kingdom during the Sun era and on the level of the animal kingdom during the Moon era.
[ 10 ] Und innerhalb des astralischen Leibes wiederum tragen wir das eigentliche Ich. Der Mensch weiß ja im äußeren physischen Leben von diesem eigentlichen Ich wenig genug. Selbstverständlich, Philosophen wissen sehr viel davon! Die wissen zum Beispiel, daß dieses Ich so, wie der Mensch es im physischen Leibe wahrnimmt, dasjenige ist, was gleich bleibt von der Geburt bis zum Tode in allen Veränderungen, die der Mensch seelisch durchmacht. Das wissen die Philosophen. Man kann es in unzähligen philosophischen Büchern lesen. Als wenn die Leute vergessen hätten, daß der Mensch innerhalb vierundzwanzig Stunden immer schläft, und dieses Ich ausgelassen wird; und jeder Schlaf unterbricht dieses Gleichbleiben des Ich in den Veränderungen! Aber so etwas, das geniert die Philosophen weiter nicht, selbstverständlich, denn sie sind ja gescheit, sehr gescheit!
[ 9 ] And within the astral body, in turn, we carry the true “I.” In our outer, physical life, human beings know very little about this true “I.” Of course, philosophers know a great deal about it! They know, for example, that this “I”—as perceived by a person in the physical body—is that which remains constant from birth to death through all the changes a person undergoes in the soul. Philosophers know this. One can read about it in countless philosophical books. It is as if people had forgotten that a person always sleeps for part of the twenty-four hours, and this “I” is left out; and every period of sleep interrupts this constancy of the “I” amidst the changes! But something like that does not bother the philosophers in the least, of course, for they are, after all, clever—very clever!
[ 11 ] Wenn wir von dem Ich sprechen, so müssen wir von demjenigen im Menschen sprechen, das zum Beispiel nicht nur ein Bewußtsein hat während des Wachens, sondern das auch da ist, wenn der Mensch schläft, das seine Kräfte entfaltet ins ganze Universum hinaus, das von den geistigen Kräften des Kosmos durchstrahlt und durchwirkt und durchpulst ist, wenn der Mensch schläft: das tragen wir unbewußt in uns. Und wenn wir es herausexstirpieren könnten aus dem Menschen, so wie wir das gesagt haben für den Ätherleib, für den astralischen Leib, wir würden aus diesem Ich das ganze Bild des mineralischen Weltenalls bekommen mit allen seinen verschiedenen Geheimnissen des Kosmos. In diesem Ich steckt alles dasjenige zusammengedrängt, was im ganzen Kosmos ausgebreitet ist. Wir tragen den mineralischen Kosmos also in uns.
[ 10 ] When we speak of the “I,” we must speak of that aspect within the human being which, for example, not only possesses consciousness while awake, but is also present when the person is asleep; which unfolds its powers out into the entire universe; which is permeated, interwoven, and pulsed through by the spiritual forces of the cosmos while the person sleeps: we carry this within us unconsciously. And if we could extract it from the human being, just as we have described for the etheric body and the astral body, we would obtain from this “I” the entire picture of the mineral cosmos with all its various cosmic mysteries. Within this “I” is condensed everything that is spread out throughout the entire cosmos. We therefore carry the mineral cosmos within us.
[ 12 ] So bekommen wir ein Bild von dem, was der Mensch eigentlich ist und wie er verwandt ist mit dem Kosmos. Und wenn wir davon sprechen, der Mensch bestehe aus physischem Leib, aus dem Ätherleib, aus dem astralischen Leib, aus dem Ich, dann müssen wir eben das nicht als bloße Worte hinnehmen, sondern daran denken, wie wir erst verstehen können, was hinter diesen Worten steckt, wenn wir durch Geisteswissenschaft den ganzen Zusammenhang zwischen dem Menschen und dem Kosmos wirklich ins Auge fassen können.
[ 11 ] This gives us a picture of what a human being actually is and how he or she is related to the cosmos. And when we speak of human beings as consisting of a physical body, an etheric body, an astral body, and an “I,” we must not accept this as mere words, but rather remember that we can only truly understand what lies behind these words when, through Spiritual Science, we are able to truly grasp the entire connection between human beings and the cosmos.
[ 13 ] Ja, das wäre solch ein Kapitel aus der Geisteswissenschaft. Und notwendig wäre es schon, daß der Mensch wenigstens ein bißchen von unserem heutigen Zeitabschnitte ab sich im allgemeineren hineinfände in das Verständnis solcher Sachen. Denn man redet ja heute über den Menschen in der aller-unverständigsten Weise, weil man im zeitgenössischen Sinne ja selbstverständlich gescheit redet; man redet in der unverständigsten Weise. Und die Zeit gibt uns größere Aufgaben, als sie mit der unverständigen Wissenschaft und Weisheit gelöst werden können. Aber wie wehren sich die Menschen, auch nur einen Begriff aufzunehmen von so etwas, wie es zum Beispiel jetzt wiederum auseinandergesetzt worden ist! Und es kommt ja nicht darauf an, daß man gerade just diese Dinge weiß, sondern es kommt darauf an, daß man so denken lernt, diese Beweglichkeit des Denkens bekommt, die man eben haben muß, wenn man sich so etwas klar machen kann. Derjenige, der heute die Dinge durchschaut, weiß, daß durch die harten Prüfungsereignisse der Gegenwart in der nächsten Zeit der Menschheit schwere, schwere Aufgaben gestellt sein werden, Aufgaben, von denen vielleicht wenige heute noch ahnen. Nur soll man nicht glauben, daß mit der Beweglichkeit und Elastizität des Denkens, die die Menschen heute haben, es möglich sein wird, diese Aufgaben zu lösen. Wenn man so etwas bedenkt im unmittelbaren Zusammenhang mit den harten Prüfungsereignissen unserer Zeit, dann wird man noch ein ganz anderes Gefühl bekommen von der Notwendigkeit des Einlebens von Geisteswissenschaft in die menschlichen Gemüter von unserer heutigen Zeit an. Blut düngt unsere Erde. Aber entwickeln muß sich etwas auf dieser blutgedüngten Erde in der Zukunft, was wirklich mit einem anderen Denken umspannt werden muß als dem Denken, das sich aus der mehr oder weniger materialistischen Entwickelung des neunzehnten Jahrhunderts, die von dem Geisteswissenschafter, wie Sie wissen, durchaus nicht verkannt wird in ihrer Bedeutung und in ihren großen Triumphen, ergeben kann. Denn eben das Karma dieser materialistischen Entwickelung des neunzehnten Jahrhunderts hat als seine Folge hervorgebracht die Ströme des Blutes und all das Traurige, das in der Gegenwart geschieht.
[ 12 ] Yes, that would be a chapter from the Spiritual Science. And it would certainly be necessary for people to step back at least a little from our present era and, in more general terms, find their way into an understanding of such matters. For people today speak about human beings in the most incomprehensible way, precisely because they speak in a “clever” way in the contemporary sense; they speak in the most incomprehensible way. And our times present us with greater challenges than can be solved with such incomprehensible science and wisdom. But how people resist even taking in the slightest notion of something like what has just been explained again! And it is not a matter of knowing precisely these things, but rather of learning to think in this way, of acquiring that flexibility of thought that one simply must have in order to grasp such matters clearly. Anyone who sees through these matters today knows that, as a result of the severe trials of the present, humanity will soon be faced with very, very difficult tasks—tasks that perhaps few people today can even begin to imagine. But one should not believe that it will be possible to solve these tasks with the flexibility and adaptability of thought that people possess today. When one considers such things in direct connection with the severe trials of our time, one will gain an entirely different sense of the necessity of instilling Spiritual Science into human minds, beginning right now. Blood fertilizes our earth. But something must develop on this blood-fertilized earth in the future that truly requires a different way of thinking than the one that can arise from the more or less materialistic development of the nineteenth century—a development whose significance and great triumphs, as you know, are by no means overlooked by the Spiritual Science practitioner. For it is precisely the karma of this materialistic development of the nineteenth century that has brought about, as its consequence, the rivers of blood and all the sorrowful events taking place in the present.
[ 14 ] Nicht, sage ich, werden sich die Menschen hineinfinden, irgendwie den Mut zu entwickeln, selbst wenn sie das Geisteswissenschaftliche flüchtig kennen lernen wollen, auch da, wo sie können, für diese Geisteswissenschaft das zu tun, was getan werden muß. Denn es ist ja sehr eigentümlich, man muß sagen: Ausgelacht, verhöhnt, als Phantasterei, als Träumerei verschrieen wird diese Geisteswissenschaft mit Worten. Wird sie es denn aber eigentlich auch in Wirklichkeit?
[ 13 ] No, I say, people will not find their way into it, will not somehow develop the courage—even if they wish to gain a cursory acquaintance with Spiritual Science—to do for this Spiritual Science, wherever they can, what must be done. For it is indeed very peculiar—one must say: this Spiritual Science is ridiculed, mocked, and denounced as fantasy or daydreaming in words. But is that actually the case in reality?
[ 15 ] Da ist eine Erscheinung zu besprechen, die uns zeigen kann, in welcher tiefen Lebenslüge wir eigentlich stecken. Ich will Ihnen einmal einen uns naheliegenden Beweis zeigen, wie unwahr in dieser Beziehung eigentlich die Verhältnisse sind, die unter den Menschen heute in der Gegenwart walten. Erinnern Sie sich einer Sache, die da steht in jenem Zyklus, wo die Auseinandersetzung gegeben wird über die christliche Einweihung. Da wird als die erste Einweihungsstufe von der Fußwaschung gesprochen, die einfach ein symbolischer Ausdruck ist für etwas, was der Mensch in seiner Seele sich erüben soll. Es wird dort beschrieben, wie der Mensch gewisse Gefühle, gewisse Empfindungen entwickeln soll, die ja dahin gehen, seinen Zusammenhang mit dem ganzen All der Reiche der Natur zu empfinden. Ja, wenn man hineinschaut in diesen Zusammenhang, dann sagt man sich, mit tiefem, innigem Gefühl hinunterschauend zu dem Tierreich: Dieses Tierreich muß da sein als Grundlage des Menschenreiches. Was wären wir, die höher entwickelten Geschöpfe, wenn das niedere Reich nicht da wäre? Dies zu einer lebendigen Empfindung zu machen, ist der Anfang des ersten Grades der christlichen Einweihung. Und dann, sich klar zu machen, wie wiederum das Tier, als dem höheren Reiche angehörig, hinunterschauen müßte auf die Pflanzen und sagen müßte: Du, Pflanze, die du zwar niedriger stehest als ich in der Reihe der Erscheinungen, dir verdanke ich mein Dasein. Und wiederum die Pflanze müßte hinunterfühlen zum Mineral, aus dem sie herauswächst, zum mineralischen Boden, und sagen: Dir verdanke ich mein Dasein. Und so beten die Angeloi, zum Menschenreich hinunterschauend: Euch Menschen, die ihr auf einer niedrigeren Stufe der Entwickelung steht, euch danken wir unser Dasein! Und so weiter hinauf. Da verwandelt sich dasjenige, was man sich erdenken kann, was man erforschen kann, in eine Grundempfindung der menschlichen Seele.
[ 14 ] There is a phenomenon to be discussed that can show us the profound lie we are actually living. I would like to present you with a clear example of just how untrue the conditions prevailing among people today actually are in this regard. Do you recall a passage in that cycle where the discussion of Christian initiation takes place? There, the washing of the feet is described as the first stage of initiation—a symbolic expression of something a person is meant to practice within their soul. It describes how a person is to develop certain feelings and sensations that lead to perceiving their connection with the entire universe of the realms of nature. Indeed, when one looks into this connection and gazes down upon the animal kingdom with deep, heartfelt feeling, one says to oneself: This animal kingdom must exist as the foundation of the human kingdom. What would we, the more highly developed creatures, be if the lower kingdom were not there? To make this a living feeling is the beginning of the first degree of Christian initiation. And then, to realize how, in turn, the animal—belonging to the higher kingdom—must look down upon the plants and say: “You, plant, though you stand lower than I in the order of phenomena, I owe my existence to you.” And in turn, the plant must feel its way down to the mineral from which it grows, to the mineral soil, and say: “I owe my existence to you.” And so the angels pray, looking down upon the human realm: “To you humans, who stand on a lower stage of development, we owe our existence!” And so on, higher and higher. Thus, that which one can conceive of, that which one can explore, is transformed into a fundamental feeling of the human soul.
[ 16 ] Unser lieber Freund, der so tapfere, so treu zu unserer Sache haltende Christian Morgenstern, er hat gerade diese Fußwaschung in ein schönes Gedicht gebracht. Dasjenige, was vor Jahren eben gesagt wurde im Zusammenhang mit der christlichen Einweihung, haben wir ja in Morgensterns letzter Gedichtsammlung, die nach seinem Tode erschienen ist, und die da heißt: «Wir fanden einen Pfad», in dem schönen Gedichte «Die Fußwaschung» wiedergegeben:
[ 15 ] Our dear friend, the brave Christian Morgenstern, who remained so faithful to our cause, has captured this very foot-washing in a beautiful poem. What was said years ago in connection with Christian initiation is reflected in Morgenstern’s last collection of poems—published posthumously and titled Wir fanden einen Pfad (We Found a Path)—in the beautiful poem “Die Fußwaschung” (The Washing of the Feet):
Ich danke dir, du stummer Stein,
und neige mich zu dir hernieder:
Ich schulde dir mein Pflanzensein.Ich danke euch, ihr Grund und Flor
und bücke mich zu euch hernieder:
Ihr halft zum Tiere mir empor.Ich danke euch, Stein, Kraut und Tier,
und beuge mich zu euch hernieder:
Ihr halft mir alle drei zu Mir.Wir danken dir, du Menschenkind,
und lassen fromm uns vor dir nieder:
Weil dadurch, daß du bist, wir sind.Es dankt aus aller Gottheit Ein-
und aller Gottheit Vielfalt wieder.
In Dank verschlingt sich alles Sein.
I thank you, silent stone,
and bow down toward you:
I owe my existence as a plant to you.I thank you, O Ground and Bloom
and bow down toward you:
You helped me rise to become an animal.I thank you, stone, plant, and animal,
and I bow down to you:
All three of you helped me become Myself.We thank you, O Son of Man,
and humbly bow down before you:
For it is because you are that we are.It gives thanks from all divinity—One—
and the diversity of all divinity once more.
In gratitude, all being is absorbed.
[ 17 ] Und Christian Morgenstern, der durch Jahre hindurch in unserer Mitte mit seinen Empfindungen gelebt hat, hat in tapferer Weise gerade in diesem seinem letzten Gedichtband sich bekannt zu demjenigen, was durch unsere Weltanschauungsströmung fließt. Soweit also das, wasChristian Morgensternbetrifft, der selbstverständlich auch nicht im geringsten etwas kann für das Folgende, das ich nun zu sagen habe. Denn würde Christian Morgenstern heute als physischer Mensch noch unter uns sein — er ist ja vor zwei Jahren durch die Pforte des Todes gegangen —, er würde heute ganz gewiß noch stärker und tapferer mit seinem ganzen Wesen für unsere Sache eintreten. Aber nun erscheint eine Kritik der Morgensternschen Gedichte. Mancherlei wird in dieser Kritik gesagt, selbstverständlich auch Gutes über Christian Morgenstern; denn man hat ja schon früher gewußt, bevor er gestorben ist, daß er ein bedeutender Dichter ist, warum sollte denn derjenige, der eine solche Kritik jetzt schreibt, das vergessen haben ? Da wird selbstverständlich nichts gesagt davon, wie Christian Morgenstern gerade mit all dem, was durch diesen Gedichtband fließt, ganz innerhalb unserer Strömung steht. Aber etwas anderes wird gesagt: Dieses Gedicht, das ich eben vorgelesen habe, wird angeführt, und über dieses Gedicht wird gesagt, man sehe daran, daß ein Mensch eine Anschauung haben könne, welche das Geistige im Gleichnis und doch wiederum ganz gleichnislos darstelle. Und Folgendes wird über dieses Gedicht gesagt: «In diesen wundersamen Strophen ist kein Bild; aber inmitten der leiblosen, ganz spirituellen Dichtungen wirkt dies Gedicht mit besonderer Kraft, weil das Irdische darin sichtbar wird: in ihm noch sichtbar ist. Wirklichkeithaft erscheint es, angeredet, nicht als Gleichnis. Der Weg des Menschen: gleichsam die früheren, erdischen Stücke; nun wandert er fort, jenseitige Strophen verkünden es. Dies verehrungswürdige Gedicht ist ein diesseitiges Gebild; und, darum vielleicht, für mein Gefühl das größte dieses Buches, das größte, das Morgenstern schuf, und eins der größten Gedichte, welche in der deutschen Lyrik jemals entstanden sind.»
[ 16 ] And Christian Morgenstern, who for years lived among us with his sensibilities, courageously affirmed—precisely in this, his last collection of poems—what flows through our philosophical movement. So much, then, for Christian Morgenstern, who of course bears no responsibility whatsoever for what I am about to say. For if Christian Morgenstern were still among us today as a physical human being—he did, after all, pass through the gates of death two years ago—he would most certainly be advocating for our cause even more strongly and courageously with his entire being. But now a review of Morgenstern’s poems has appeared. Many things are said in this review, including, of course, good things about Christian Morgenstern; for it was already known before his death that he was a significant poet—why, then, should the person writing such a review now have forgotten that? Naturally, nothing is said about how Christian Morgenstern, precisely through everything that flows through this volume of poetry, stands entirely within our movement. But something else is said: the poem I just read aloud is cited, and regarding this poem it is said that one can see from it that a person can have a perspective that portrays the spiritual in parables and yet, at the same time, entirely without parables. And the following is said about this poem: “There is no image in these wondrous stanzas; but amidst the incorporeal, entirely spiritual poems, this poem exerts a special power because the earthly becomes visible in it: is still visible in it. It appears realistic, addressed directly, not as a parable. The path of humanity: like the earlier, earthly pieces; now he wanders on, as verses of the beyond proclaim. This venerable poem is a creation of this world; and, perhaps for that reason, to my mind, the greatest in this book, the greatest that Morgenstern created, and one of the greatest poems ever written in German poetry.”
[ 18 ] Christian Morgenstern wäre selbstverständlich der erste, der da sagen würde, daß dieses Gedicht niemals aus jenem Geisteszusammenhange heraus hätte entstehen können, aus dem Ernst Lissauer diese Kritik geschrieben hat, sondern Christian Morgenstern würde selbstverständlich tapfer eintreten dafür, daß dieses Gedicht aus einem ganz anderen Geisteszusammenhange heraus geschrieben ist. — Da haben Sie ein Beispiel, in welcher Lebenslüge wir leben. So werden die Dinge anerkannt, wenn man nicht nötig hat, einzustehen für den Boden, aus dem sie entsprießen, wenn man sich noch vorbehalten kann, solche Dinge für die schönsten Blüten des Geisteslebens zu halten und den Boden, aus dem sie entsprießen, eine Träumerei, eine Phantasterei, eine Schwindelei weiter nennen darf!
[ 17 ] Christian Morgenstern would, of course, be the first to say that this poem could never have emerged from the intellectual context in which Ernst Lissauer wrote this critique; rather, Christian Morgenstern would, of course, courageously argue that this poem was written from an entirely different intellectual context. — There you have an example of the lie we live by. This is how things are accepted when one does not need to stand up for the soil from which they spring, when one can still reserve the right to regard such things as the most beautiful blossoms of intellectual life and continue to call the soil from which they spring a daydream, a fantasy, a sham!
[ 19 ] Das sind die Dinge, meine lieben Freunde, innerhalb derer wir leben. Wahrhaftig, ich würde Ihnen gerne als Osterbetrachtungen anderes, vielleicht Erbaulicheres noch sagen. Aber unsere Zeiten, unsere blutigen Zeiten, machen notwendig, daß wir es uns so recht in die Seele schreiben, daß wir so recht empfinden, in welcher karmischen Entwickelung wir eigentlich drinnen leben. Ernst sind diese Zeiten, und man muß ein Verständnis haben für den Ernst dieser Zeiten. Das ist schon das erbaulichste Gefühl, das wir uns in diesen Zeiten aneignen können. Und man muß mit offenen Augen die Dinge ansehen. Sehen wir uns Einzelnes an, sehen wir uns zum Beispiel an, was wir täglich, stündlich erleben können von Urteilsfähigkeit, die sich aus der in dem neunzehnten Jahrhundert, in das zwanzigste herein entwickelten Geistfähigkeit ergeben hat. Man kann jeden Tag seine Erfahrungen auf diesem Gebiete machen. Nur einzelne Beispiele seien Ihnen angeführt.
[ 18 ] These are the things, my dear friends, within which we live. Truly, I would like to share with you other, perhaps more uplifting thoughts as part of our Easter reflections. But our times—our bloody times—make it necessary for us to truly take this to heart, to truly feel the karmic development in which we are actually living. These are serious times, and we must have an understanding of their gravity. That, in itself, is the most uplifting feeling we can cultivate in these times. And we must look at things with open eyes. Let us look at specific examples; let us consider, for instance, what we experience daily, even hourly, in terms of the capacity for judgment that has arisen from the spiritual faculties developed in the nineteenth century and carried into the twentieth. One can have such experiences every day. I will cite just a few examples for you.
[ 20 ] Bald nach Ausbruch des Krieges ist mir immer wieder und wiederum zugeschickt oder auf den Vortragstisch gelegt worden ein Gedicht, von dem behauptet worden ist, daß es im Nachlaß Robert Hamerlings als eine Prophetie der gegenwärtigen Zeit gefunden worden sei. Man brauchte nur ein wenig sich eingelebt zu haben in die Art und Weise der Dichtkunst Robert Hamerlings, um zu wissen, daß auch nicht eine Zeile in diesem Gedichte von Robert Hamerling herrühren könnte. Trotzdem ging durch eine ganze Reihe von Zeitungen immer wieder und wiederum bewundernd die Rede, wie Hamerling vor seinem Tode — er ist ja 1889 gestorben — die gegenwärtige Zeit voraus besungen hat. Mancherlei Geister sind darauf hereingefallen in einer Zeit, in der man sogar schon hat wissen können, daß das Gedicht erschwindelt ist. Ich war erstaunt, wie verhältnismäßig spät erst zum Beispiel Maximilian Harden in der «Zukunft» hereingefallen ist auf dieses Gedicht. Und «schöne» Worte — schön mit Gänsefüßchen — braucht Harden, um zu sagen, wie man die Muse Robert Hamerlings durch die edlen Verse dieses Gedichtes durchfühle. Vor einigen Tagen nun konnte man hier ein Abendblatt kaufen, da wurde in einem Leitartikel die bittere Pille besprochen, die uns als Osterpille in die gegenwärtige Zeit hereingefallen ist. Und man konnte den Ernst, mit dem das Zeitungsblatt diese Sache besprach, daran ermessen, daß in diesem Leitartikel, wo eine bitter-ernste Angelegenheit besprochen wird, zum Schlusse wiederum dieses Gedicht «von Robert Hamerling» angeführt wird! Das ist so recht ein Beispiel, wie ernst auch jede andere Zeile zu nehmen ist da, wo solche Urteilskraft oder vielmehr solches Gegenteil von aller Urteilskraft vorhanden ist.
[ 19 ] Shortly after the outbreak of the war, a poem was sent to me time and again—or placed on my desk—which was claimed to have been found among Robert Hamerling’s papers as a prophecy of the present time. One need only have become somewhat familiar with Robert Hamerling’s poetic style to know that not a single line of this poem could possibly have come from Robert Hamerling. Nevertheless, a whole series of newspapers repeatedly and admiringly discussed how Hamerling—who, after all, died in 1889—had foretold the present era in his poetry. Many people fell for this at a time when it was already possible to know that the poem was a forgery. I was astonished at how relatively late, for example, Maximilian Harden in Zukunft fell for this poem. And Harden needs “beautiful” words—beautiful in quotation marks—to express how one can feel Robert Hamerling’s muse through the noble verses of this poem. A few days ago, one could buy an evening paper here that featured an editorial discussing the bitter pill that has been thrust upon us as an “Easter pill” in the present day. And one could gauge the seriousness with which the newspaper addressed this matter by the fact that in this editorial—which discusses a bitterly serious issue—this poem “by Robert Hamerling” is cited once again at the very end! This is a perfect example of how seriously every other line must be taken where such discernment—or rather, the very opposite of all discernment—is present.
[ 21 ] Und heute abend werden sich unzählige Menschen unterrichten aus einem Abendblatte, wie die Verhältnisse in der Schweiz liegen. Schön wird auseinandergesetzt: die Wege der Schweizer. Die Leute werden nun wissen, was die Schweizer eigentlich jetzt für politische, für militärische, für volkswirtschaftliche Nöte haben. Das wird ihnen auseinandergesetzt. Ich möchte einmal wissen, ob selbst diejenigen, die es könnten, die Unterschrift dieses Artikels lesen und ihn danach beurteilen: Max Hochdorf steht darunter — jener Mann, der jenen blöden Artikel geschrieben hat über unsere Sache; ich habe ihn angeführt in einem öffentlichen Vortrage des Architektenhauses. Dieselbe Wahrheitsliebe, die man dort finden kann, wenn er über uns schreibt, sollte man selbstverständlich auch in einem solchen Artikel suchen. Und wenn man solche Schlüsse ziehen würde, dann würde man finden, auf welchem Wege eigentlich heute die Schädel zurechtgehämmert werden, um die Zeit zu beurteilen, welche Stumpfheit und Gedankenlosigkeit im Leben der Menschen ist, die sich einhämmern lassen ein Urteil über die Zeit und über dasjenige, was in der Zeit wirkt und lebt. Vergleichen muß man, überall nachgehen, dann wird man sehen, wie wertlos alles dasjenige ist, was heute aus der Zeitbildung heraus und aus den Zeitverhältnissen heraus in die Menschenschädel hineingehämmert wird.
[ 20 ] And tonight, countless people will learn from an evening newspaper what the situation in Switzerland is like. It explains it all very clearly: the Swiss way of life. People will now know what political, military, and economic hardships the Swiss are actually facing right now. That will be laid out for them. I’d like to know whether even those who are capable of doing so will read the byline of this article and judge it accordingly: Max Hochdorf is listed as the author—the very man who wrote that idiotic article about our cause; I cited him in a public lecture at the Architektenhaus. The same love of truth that one finds there when he writes about us should, of course, also be sought in an article like this. And if one were to draw such conclusions, one would discover the very methods by which people’s minds are being hammered into shape today to judge the times—the dullness and thoughtlessness in the lives of those who allow themselves to be indoctrinated with a judgment about the times and about what is active and alive within them. One must compare and investigate everywhere; then one will see how worthless everything is that is hammered into people’s minds today as a result of contemporary education and the conditions of the times.
[ 22 ] Gar mancherlei wird da hineingehämmert. Man sollte glauben, daß heute wenigstens ein elementarisches Verständnis vorhanden sein könnte für jenen Fortschritt, den wir gemacht haben in Europa und im Abendlande überhaupt, indem wir übergegangen sind von den gewiß höchst verehrten, ja vielleicht sogar in eine Urweisheit hineinragenden germanisch-mythischen Göttern in das Christentum. Man sollte glauben, daß dafür wenigstens ein elementarisches Verständnis vorhanden sein könnte. Dennoch findet man in einer Zeitschrift, die eben jetzt erschienen ist, über die Tatsache, daß sich das alte Germanentum in das Christentum hineingefunden hat, folgendes Bedauern ausgesprochen:
[ 21 ] All sorts of things are being hammered into people’s heads. One would think that today there might at least be a basic understanding of the progress we have made in Europe and in the Western world in general by transitioning from the Germanic-mythological gods—who were certainly held in the highest esteem and perhaps even bordered on primordial wisdom—to Christianity. One would think that there might at least be a basic understanding of this. Nevertheless, in a magazine that has just been published, the following regret is expressed regarding the fact that ancient Germanic culture has found its way into Christianity:
[ 23 ] «Der Zwiespalt unseres Denkens, in den wir Deutsche durch die Einführung der christlichen Religion gekommen sind, war für unsere Ahnen nicht vorhanden. Ihre Welt- und Lebensanschauung kannte den Kampf in der Natur als das ewige Gesetz des Lebens; er erschien als das Natürliche; so wie der Kampf des Lichts gegen die Finsternis, dauert ewig der Kampf der Lichtsöhne gegen die Kinder der Finsternis, der Guten gegen die Schlechten. Sie wußten, daß ihre Götter nur Bilder waren» — denken Sie nur: solches Blech! — «unter denen sie die Erscheinungswelt auffaßten; die Welt ihres Glaubens und ihrer Sache war zugleich die ihrer Poesie» — nun, dabei leckt er sich natürlich die Finger ab, weil er so gescheit ist! — «Sind wir heute wirklich über sie hinausgekommen ? — — Ich fürchte nein; und die Schwierigkeiten der Altgläubigen, die Probleme des gegenwärtigen furchtbaren Weltgeschehens zu lösen, zeigen uns nur, daß die starken Wurzeln unserer Kraft in der heroischen Weltund Lebensansicht unserer Ahnen liegen.»
[ 22 ] “The conflict in our thinking—into which we Germans were led by the introduction of the Christian religion—did not exist for our ancestors. Their worldview and outlook on life recognized the struggle in nature as the eternal law of life; it appeared to them as the natural order of things; just as the struggle of light against darkness, so too does the struggle of the sons of light against the children of darkness, of the good against the evil, endure eternally. They knew that their gods were merely images”—just think: what a load of nonsense! — “Through which they perceived the world of phenomena; the world of their faith and their cause was at the same time that of their poetry”—well, of course he’s licking his fingers over this, because he’s so clever! — “Have we truly moved beyond them today? — — I fear not; and the difficulties the traditionalists face in solving the problems of the present terrible world events only show us that the strong roots of our strength lie in the heroic worldview and outlook on life of our ancestors.”
[ 24 ] Also möglichst schnell Wiedereinführung des Wotan- und des Thordienstes? Es ist allerdings eine Zeitschrift, in der auch einstmals die schmählichsten Angriffe gerade gegen unsere Sache erschienen sind. Es ist den Menschen schon heute nicht gestattet, sich einzuschließen in die Sehsphäre, die zwischen gewissen Scheuledern liegt und dann zwischen diesen Scheuledern allerlei Weltanschauungsprinzipien geltend zu machen. Was wird alles als Weltanschauungsprinzipien heute hoch verehrt! Ja, da macht man seine sonderbaren Erfahrungen. Und ganz frei, meine lieben Freunde, ist ja keineswegs diejenige Weltanschauung, die man so trivial die «theosophische» nennt, von dem Teilnehmen an diesem, sagen wir, allgemeinen Dusel. Dieser allgemeine Dusel ist eigentlich recht groß. Das mannigfaltigste Überhandnehmen dieses oder jenes Triebes, der durch das Überwuchern eines Teiles des Ätherleibes bewirkt wird — jetzt können Sie sich ja nach dieser Schilderung, die ich heute gegeben habe, das vorstellen —, das kommt zum Vorschein. Nicht wahr, Hochmut zum Beispiel, das ist ja etwas, was durch unser ganzes gegenwärtiges Schrifttum geht. Jeder läßt sich anmerken, wie bedeutend er eigentlich ist. Ohne das kann man ja heute schon fast gar nicht mehr schreiben, als daß sich die Leute anmerken lassen, wie bedeutend sie eigentlich sind. Ich habe oftmals gesagt: Darin besteht ein Teil der esoterischen Entwickelung, daß man einen Unsinn nicht bloß logisch als einen Unsinn empfindet, sondern daß man körperlichen Schmerz dabei empfinden kann. Diesen körperlichen Schmerz, der einen fast bis zur Verzweiflung bringen könnte, man kann ihn heute wahrhaftig recht, recht häufig spüren, wenn man dies oder jenes, sonst vielleicht ganz gescheite Dinge, durchliest.
[ 23 ] So, should the Wotan and Thor services be reinstated as quickly as possible? It is, however, a magazine in which, in the past, the most shameful attacks—directed specifically against our cause—were once published. Even today, people are not permitted to shut themselves off within the sphere of vision that lies between certain eyelids and then assert all manner of worldview principles within that sphere. What a variety of things are held in such high esteem as worldview principles today! Indeed, one has some peculiar experiences in this regard. And, my dear friends, the worldview that is so trivially called “theosophical” is by no means entirely free from participating in this, shall we say, general delusion. This general delusion is actually quite widespread. The most manifold overgrowth of this or that impulse, caused by the overgrowth of a part of the etheric body—now you can create a mental image of this based on the description I’ve given today—comes to the surface. Isn’t that so? Arrogance, for example, is something that runs through all of our current literature. Everyone makes a point of showing just how important they actually are. Indeed, it’s almost impossible to write anything these days without people making a point of showing just how important they actually are. I have often said: Part of esoteric development consists in not merely perceiving nonsense as nonsense on a logical level, but in being able to feel physical pain in the process. This physical pain, which could almost drive one to despair, can truly be felt quite, quite frequently today when reading through this or that—things that might otherwise be quite sensible.
[ 25 ] Dafür ein kleines Beispiel: Da habe ich ein Büchelchen, über den Inhalt will ich weiter nicht sprechen. Der Verfasser ist Thomas Mann, einer derjenigen, die heute von vielen als die erleuchtetsten Geister angesehen werden. Er spricht auch über die Art und Weise, wie man den gegenwärtigen Krieg in seinen Ursachen zu betrachten habe. Nun, ich will in diese Sache nicht eingehen. Aber indem er auf die Urteile der anderen blickt, sagt er: «Ein wenig Mut zur Geistesklarheit, meine Herrschaften!» — Er findet, daß die anderen nicht Mut haben zur Geistesklarheit. Also bescheiden ist der Mann nicht! Und jetzt kommt das, wobei man wirklich vor Schmerz aufspringen könnte. Jetzt will er beweisen, wo die Ursachen liegen. Da sagt er: «Zum Kriegführen gehören zwei oder mehrere, und wenn nur Deutschland bereit gewesen wäre, es auf die ultima ratio ankommen zu lassen, wenn nicht auch die anderen den Krieg, wie die korrekte Redensart lautet, «in ihren Willen aufgenommem gehabt und ihn einem diplomatischen Erfolge Deutschlands begeistert vorgezogen hätten, — nun! so wäre er nicht gekommen». — Zum Kriegführen gehören zwei, sonst kommt der Krieg nicht, — natürlich, das ist die Logik, mit der man heute denkt. Also das heißt: Wenn einer angreift, und nicht zwei da sind, die wollen, da kommt kein Krieg. Zum Kriegführen gehören zwei, da müssen zwei wollen. Das ist die Logik, meine lieben Freunde, eine Logik, die man noch dadurch besonders unterstreicht, daß man sagt: «Mut zur Geistesklarheit, meine Herrschaften!» Solche Erscheinungen spüren manche, und sie erziehen sich dann zur Demut, zur Bescheidenheit. Aber oftmals kommt einem diese Bescheidenheit so vor, daß man es charakterisieren könnte, mit einem Gedichte von Matthias Claudius, einem schönen Gedicht über die Bescheidenheit, der man sich hingibt. Ich will nicht über die Bescheidenheit sprechen, sondern dieses Gedicht sprechen lassen. Das Gedicht heißt — verzeihen Sie —: «Der Esely.
[ 24 ] Here’s a small example: I have a little book—I won’t go into its contents any further. The author is Thomas Mann, one of those whom many today regard as the most enlightened minds. He also discusses the way in which one should consider the causes of the current war. Well, I don’t want to go into that. But as he looks at the judgments of others, he says: “A little courage for clarity of thought, ladies and gentlemen!”—He thinks that others lack the courage for clarity of thought. So the man is not exactly modest! And now comes the part that could really make one jump up in pain. Now he wants to prove where the causes lie. He says: “Waging war requires two or more parties, and if only Germany had been prepared to let it come down to the ultima ratio, if the others had not also, as the correct saying goes, ‘accepted the war as part of their will’ and enthusiastically preferred it to a diplomatic success for Germany—well! then it would not have happened.” — It takes two to wage war; otherwise, war does not happen—of course, that is the logic by which we think today. So that means: If one side attacks, and there aren’t two sides that want it, there will be no war. It takes two to wage war; both must want it. That is the logic, my dear friends—a logic that is further emphasized by saying: “Have the courage to think clearly, ladies and gentlemen!” Some people sense such realities, and they then cultivate humility and modesty within themselves. But often this modesty strikes one in such a way that one could characterize it with a poem by Matthias Claudius, a beautiful poem about the modesty to which one surrenders. I do not wish to speak about modesty, but rather to let this poem speak for itself. The poem is called—please forgive me—“The Donkey.”
Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt,
Ohn Mut und ohn Gewalt;
Mein spotten und mich scheuen
Die Menschen, jung und alt;
Bin weder warm noch kalt;
Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt;
I have nothing to rejoice in,
I am foolish and ugly,
Without courage and without strength;
People, young and old,
Mock me and shun me;
I am neither warm nor cold;
I have nothing to be happy about,
I am foolish and misshapen;
[ 26 ] Bescheiden ist er, nicht wahr!
[ 25 ] He's modest, isn't he!
Muß Stroh und Disteln käuen;
Werd unter Säcken alt —
Ah, die Natur schuf mich im Grimme!
Sie gab mir nichts als eine schöne Stimme.
I must chew on straw and thistles;
I’ll grow old beneath the sacks —
Ah, nature created me in Grimme!
She gave me nothing but a beautiful voice.
[ 27 ] So bescheiden kommt einem mancher vor, der heute eine Weltanschauung begründet. Er ist bescheiden in allen Dingen, selbst bescheiden in dem, was man zu lernen hat, um eine Weltanschauung zu erhalten. Aber er weiß genau: die Natur gab ihm die Fähigkeit des Mutes zur Geistesklarheit, wie — verzeihen Sie — dem Esel die schöne Stimme.
[ 26 ] Some people who are establishing a worldview today seem so modest. They are modest in all things, even modest about what one must learn in order to develop a worldview. But they know full well: nature has given them the courage to seek clarity of mind, just as—forgive me—it has given the donkey its beautiful voice.
[ 28 ] Wie gesagt, diese Dinge müssen, so sehr sie auf dem Boden der Alltäglichkeit zu spielen scheinen, schon durchaus beachtet werden, man muß schon den Blick darauf hinwenden. Denn viel wichtiger ist, daß man die Fähigkeit des beweglichen Denkens erlangt, als der Besitz einzelner geisteswissenschaftlicher Wahrheiten. Bei der Kraft der Klarheit des Denkens und bei der Weite und Beweglichkeit des Denkens, die nötig ist, um sich hineinzufinden in das Anerkennen der geisteswissenschaftlichen Wahrheit, kann man nicht anders, als spüren und empfinden, wo heute das vorhanden ist, was ich als Lebenslüge, Hochmut und alle möglichen Dinge dieser Art charakterisiert habe, die heute so vielfach das Leben beherrschen. An den breiten Menschenmassen liegt es nicht. Derjenige, meine lieben Freunde, der das Menschenleben kennt, der weiß, daß wenn es nur auf die menschlichen Naturen ankäme, es ebensogut möglich wäre, daß, wie Ihre Zahl hier Geisteswissenschaft aufnimmt, zwei Drittel von Berlin Geisteswissenschaft aufnehmen würden! An den Menschen als solchen, an der breiten Menschenmasse liegt es nicht. Es liegt an den Verhältnissen und an den führenden Persönlichkeiten. Das muß klar und deutlich empfunden werden. Und nicht einmal so sehr an den führenden Persönlichkeiten als an den Strömungen, in die diese führenden Persönlichkeiten eben durch die Zeit hineingepfercht sind, und wobei es dahin gekommen ist, daß heute jeder glaubt, über alles ohne eine Grundlage der Einsicht in die Welterscheinungen ein Urteil haben zu können. Man sagt ja, es werde heute viel Geistreiches geschrieben, wenn man auf dem Standpunkt der ganz gescheiten Leute steht. In Wahrheit wird viel gekohlt. Man könnte hier auch sagen, es wird viel «gekohlert»; denn der Professor Dr. Kohler ist Professor an der Berliner Universität, Rechtslehrer, und ist Neu-Hegelianer. Daher könnte man auch das Wort «kohlen» durch «kohlern» ersetzen. Ja, sehen Sie sich nur das an von einem etwas gründlichen Standpunkte, was von solchen Neu-Hegelianern zusammengekohlert wird! Wie gesagt, notwendig ist es, ein offenes Auge und einen freien Sinn zu haben für dasjenige, was da lebt in unserer Zeitbildung, im Zeitdenken.
[ 27 ] As I said, these things—as much as they may seem to take place on the level of everyday life—must certainly be taken into account; one must indeed turn one’s attention to them. For it is far more important to acquire the ability to think flexibly than to possess individual truths of Spiritual Science. Given the power of clarity of thought and the breadth and flexibility of thought required to find one’s way into the recognition of Spiritual Science truth, one cannot help but sense and perceive where what I have characterized as a “life lie,” arrogance, and all manner of things of this sort—which so often dominate life today—are present. It is not the fault of the broad masses of people. Anyone, my dear friends, who knows human life knows that if it depended solely on human nature, it would be just as possible that, just as many of you here are embracing Spiritual Science, two-thirds of Berlin would embrace Spiritual Science! It is not the fault of human beings as such, nor of the broad masses of people. It is due to the circumstances and the leading figures. This must be clearly and distinctly understood. And not so much the leading figures themselves as the currents into which these leading figures have been forced by the times—which have led to a situation where today everyone believes they can pass judgment on everything without any foundation of insight into world phenomena. People say, after all, that a great deal of witty writing is produced today, if one takes the perspective of the truly intelligent. In truth, a great deal of nonsense is being spouted. One could also say here that a great deal of “Kohler-ism” is being spouted; for Professor Dr. Kohler is a professor at the University of Berlin, a scholar of law, and a Neo-Hegelian. Therefore, one could also replace the word “spout” with “Kohler-ism.” Yes, just take a look at what such Neo-Hegelianists are “kohlerning” together from a somewhat thorough standpoint! As I said, it is necessary to have an open eye and a free mind for what is alive in our contemporary culture and in contemporary thought.
[ 29 ] Denn wahrhaftig, ebenso wie die Menschen heroisch ihr Blut vergießen, ebenso würden sie dem Geiste sich zuneigen, wenn dieser Geist in der richtigen Weise an sie herankommen könnte. An den Menschen liegt es nicht. Das zeigt all dasjenige, was an großen Opfern und großen Taten in unserer Gegenwart verrichtet wird.
[ 28 ] For truly, just as people heroically shed their blood, so too would they turn to the Spirit if that Spirit could reach them in the right way. It is not up to people. This is demonstrated by all the great sacrifices and great deeds being performed in our time.
[ 30 ] Notwendig ist es, meine lieben Freunde, daß wir aus solchen Dingen der Geisteswissenschaft heraus, wie sie auch heute wiederum besprochen worden sind, den Willen bekommen, wirklich ein offenes Urteil und einen freien Sinn für dasjenige zu haben, was in unserer Umgebung lebt. Ich habe Ihnen vor kurzem darüber gesprochen, wie man in vieler Beziehung nur aneinander vorbeiredet. An einem epochemachenden Buch des Professors Schleich habe ich Ihnen angeführt, an einem besonderen Beispiel, wie man aneinander vorbeireden kann. Lesen sie wenigstens einzelne Kapitel dieses Buches. Es ist dieses Buch so recht ein Beispiel, wie in Wahrheit es sich ganz anders verhält als nach den menschlichen Meinungen. In Wahrheit arbeiten schon die wirklich redlichen Menschen so, wie man in einem Tunnel arbeitet: von zwei Seiten her, so daß man sich in der Mitte begegnet. Lesen Sie zum Beispiel gerade das Kapitel, an dessen Ende das steht von dem Goetheschen Zettel, der erst noch gefunden werden soll, der aber schon seit dem Jahre 1892 gefunden ist, dieses Kapitel über den «Mythos vom Stoffwechsel im Gehirn» — so nennt Schleich dieses Kapitel —, dann werden Sie spüren, wie ein redlicher ernster Forscher, der zu gleicher Zeit ein Denker ist, durch die Notwendigkeiten seiner anatomisch-chirurgischen Untersuchungen, die er in zahlreichen Fällen machen konnte, weil sie ihm chirurgisch auferlegt waren, dazu kommt, etwas zu schildern. Lesen Sie dieses Kapitel, Sie werden sehen, was Schleich eigentlich schildert von der anderen Seite her: Den Ätherleib des Kopfes schildert er in Wirklichkeit! Er ist gedrängt, gezwängt duch die notwendigen Tatsachen, diesen Ätherleib zu schildern.
[ 29 ] It is essential, my dear friends, that from such topics in Spiritual Science—as they have once again been discussed today—we draw the will to truly have an open mind and a free spirit toward what is alive in our surroundings. I spoke to you recently about how, in many respects, we simply talk past one another. Using a groundbreaking book by Professor Schleich as a specific example, I showed you how we can talk past one another. Please read at least a few chapters of this book. This book is a perfect example of how, in truth, things are quite different from what human opinions would have us believe. In truth, even truly honest people work much like one works in a tunnel: from two sides, so that they meet in the middle. Read, for example, the chapter that ends with the mention of Goethe’s note—which is supposedly yet to be found, but which has actually been found since 1892—this chapter on the “Myth of Metabolism in the Brain” —as Schleich calls this chapter—then you will sense how an honest, serious researcher, who is at the same time a thinker, is led by the necessities of his anatomical and surgical investigations—which he was able to conduct in numerous cases because they were surgically required of him—to describe something. Read this chapter, and you will see what Schleich is actually describing from the other side: he is, in reality, describing the etheric body of the head! He is compelled, driven by the necessary facts, to describe this etheric body.
[ 31 ] Segen wird einmal erst da sein, wenn man wissen wird, daß von der anderen Seite her die Geisteswissenschaft arbeitet. Denn man wird nichts machen können mit alledem, was da von der einseitigen Naturwissenschaft her gebracht wird. Wenn man immer wieder und wiederum sehen muß — oh, es ist schmerzlich —, daß die Naturforscher eigentlich von der anderen Seite her arbeiten und das beschreiben, so weit sie eben kommen können, von der anderen Seite, worauf die Geisteswissenschaft aus einer breiten, umfassenden Weltanschauung kommt, da hat man das Gefühl: die Leute haben ja dasjenige in der Hand, um das es sich handelt. Aber wie haben sie es in der Hand? Sie haben es in der Hand wie einer, der ein Magneteisen in der Hand hat, einen Hufeisen-Magneten, und der da sagt: Da behauptest du mir, da sei eine magnetische Kraft drinnen; ich sehe das stoffliche Eisen! — und der dieses stoffliche Eisen nimmt und damit das Pferd beschlägt. Denken Sie sich einmal: Gerade so verhalten sich die bloß auf dem Boden der Naturforschung stehenden Menschen, wie der, der ein Pferd beschlägt, statt den Magnetismus zu verwenden, woraus dann etwas ganz anderes entstehen könnte als ein Hufeisen, das man einem Pferd annagelt; dazu braucht das Eisen eben nicht magnetisch zu sein, es ist vielleicht gar nicht gut, wenn es magnetisch ist. Denken Sie, was anderes entstehen würde aus alledem, was unsere Naturwissenschaft gebracht hat, wenn es möglich wäre, daß die Leute ohne Vorurteile und unbefangen sich wirklich begegnen würden mit dem, was die Geisteswissenschaft ihnen entgegenbringt. Und denken Sie, wie das auf allen Gebieten so ist. Wie hilflos, wie grenzenlos hilflos sind die volkswirtschaftlichen Untersuchungen der gescheiten Leute der Gegenwart! Sie ahnen nicht, was aus der gegenwärtigen Volkswirtschaft würde, wenn man sich begegnen wollte mit dem, was die Geisteswissenschaft zu geben vermag. Und so auf allen, allen Gebieten. Überall ist es so, daß man sieht: Die Leute haben das Eisen, sie wissen nur nicht, daß es magnetisch ist, daß eine unsichtbare Kraft in dem ist, was sie in der Hand haben. Das ist dasjenige, was wir fühlen, was wir empfinden müssen. Überall werden die Menschen durch die Notwendigkeit der Entwickelung an den Geist herangedrängt. Aber die Meinung ist so befangen, daß sie diesen Geist nicht anerkennen können.
[ 30 ] Blessing will only come when people realize that Spiritual Science is at work from the other side. For they will not be able to make sense of all that is presented by one-sided natural science. When one has to see again and again—oh, it is painful—that natural scientists are actually working from the other side and describing things as far as they can from that other side, whereas Spiritual Science comes from a broad, comprehensive worldview, one gets the feeling: these people actually have in their hands the very thing that is at stake. But how do they have it in their hands? They have it in their hands like someone who holds a piece of magnetic iron—a horseshoe magnet—and says: “You claim there’s a magnetic force in there; I see the physical iron!”—and who takes this physical iron and uses it to shoe a horse. Just imagine: People who stand solely on the ground of natural science behave exactly like the one who shoes a horse, instead of using magnetism—from which something entirely different could arise than a horseshoe nailed to a horse; for that, the iron doesn’t need to be magnetic—it might not even be good if it is magnetic. Just imagine what else might emerge from all that our natural science has produced if it were possible for people, free of prejudice and with an open mind, to truly engage with what Spiritual Science has to offer them. And consider how this applies to every field. How helpless—how utterly helpless—are the economic studies of today’s so-called intelligent people! You have no idea what would become of today’s economics if people were willing to engage with what Spiritual Science has to offer. And so it is in all, all fields. Everywhere we see that people have the iron, but they simply do not know that it is magnetic, that there is an invisible force within what they hold in their hands. That is what we feel, what we must perceive. Everywhere, people are being drawn toward the spirit by the necessity of development. But public opinion is so biased that it cannot acknowledge this spirit.
[ 32 ] Dieses Gefühl uns anzueignen, wahrhaftig, ein Zeichen dafür ist dasjenige, was wir als im Sinne der Zeitgeschichte und als Zeitereignisse jetzt erleben. Und was ist das, was ich schon neulich anführte? Dadurch zeichnet sich unsere Zeit besonders aus, daß die Verhältnisse, die Ereignisse, kompliziert geworden sind, und die Gedanken diese komplizierten Ereignisse nicht im entferntesten umspannen können. Und so zersplittert sich alles. Die Leute gehen aneinander vorbei. Alles zersplittert sich. Jeder findet auf seinem besonderen Gebiete seine eigene Methode und ahnt nicht, daß die geschichtliche Notwendigkeit vorliegt, alles das wirklich beleuchten zu lassen von der Geisteswissenschaft aus.
[ 31 ] To truly make this feeling our own—that is precisely what we are now experiencing in the context of contemporary history and current events. And what is it that I mentioned just the other day? What particularly characterizes our time is that circumstances and events have become complicated, and our thoughts cannot even remotely encompass these complicated events. And so everything fragments. People pass each other by. Everything is fragmenting. Everyone finds their own method in their particular field and has no inkling that there is a historical necessity for all of this to be truly illuminated by Spiritual Science.
[ 33 ] Nun, ich habe es oftmals hier ausgesprochen: Jedes physische Ereignis hat schon seine geistige Seite. Wie verwandt wir mit der Welt sind, zeigt sich, indem wir der Welt zurückgegeben werden, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Das, was ich über den Ätherleib gesagt habe, bezieht sich auf die Zeit zwischen Geburt und Tod. Anders wird es, wenn unter dem Halt des Ich und des astralischen Leibes zunächst während einiger Tage nach dem Tode der Ätherleib zusammengehalten und dann dem Kosmos übergeben wird. Dann wirkt er so, wie ich das oftmals dargestellt habe. Viele solche Ätherleiber — ich habe es oft gesagt — von jung durch die Pforte des Todes Gegangenen sind gegenwärtig in der geistigen Sphäre und bleiben dort mit all dem geistigen Inhalte, der da kommt von dem Opfertode. Das können Helfer sein für die Vergeistigung der Menschheit in der Zukunft. Aber hier auf der Erde werden Menschenseelen sein müssen, welche verstehen, was ätherisch um den Menschen herumschwebt als teuer-werter Überrest der durch den Opfertod Gegangenen. Das wird ein realer, nicht bloß ein abstrakter Erinnerungsprozeß sein. Und an den Menschen, die hier sind, wird es sein, daß sie diese Kräfte, die von den noch jungen Ätherleibern kommen können, in den Dienst der Menschheit stellen, wo sie hin wollen. Wenn die Menschenseelen hier nicht dazu reif sein werden, dann werden diese Kräfte in ahrimanisch-luziferische Strömungen einlaufen müssen. Nicht nur Erkenntnisse, nicht nur Gefühle, meine lieben Freunde, sondern auch Verantwortungen zeigt uns die Geisteswissenschaft, Verantwortungen, die wir treulich in unserer Seele lebendig machen sollen.
[ 32 ] Well, I have often said here: Every physical event has its spiritual side. Just how closely connected we are to the world is shown by the fact that we are returned to the world when we pass through the gate of death. What I have said about the etheric body refers to the period between birth and death. The situation is different when, held together by the “I” and the astral body, the etheric body is initially preserved for a few days after death and then surrendered to the cosmos. Then it functions as I have often described. Many such etheric bodies—as I have often said—of those who passed through the gate of death at a young age are currently in the spiritual sphere and remain there with all the spiritual content that comes from their sacrificial death. They can serve as helpers for the spiritualization of humanity in the future. But here on Earth there must be human souls who understand what hovers ethereally around human beings as a precious remnant of those who have passed through the sacrificial death. This will be a real, not merely an abstract, process of remembrance. And it will be up to the people who are here to place these forces—which may come from the still-young etheric bodies—at the service of humanity, wherever they wish to direct them. If human souls here are not yet mature enough for this, then these forces will have to flow into Ahrimanic-Luciferic currents. Spiritual Science shows us not only insights, not only feelings, my dear friends, but also responsibilities—responsibilities that we are to faithfully bring to life within our souls.
[ 34 ] Und im Grunde genommen ist es das rechte Ergebnis einer solchen Betrachtung, wie wir sie heute nach der einen und nach der anderen Richtung gepflogen haben, wenn wir fühlen lernen die Verantwortung, die auch das Seelische des Menschen hat gegenüber der Zeit, die sich entwickelt, die die Ereignisse entwickeln muß, da, wo sie sich werden abspielen müssen über blutgedüngtem Boden. Nur wenn wir so, nicht in leichtem, sentimentalem Sinn, sondern in echtem, ernstem Sinne uns erbauen an der Betrachtung des Zusammenhanges von Mensch und Welt, wie die Geisteswissenschaft es geben kann, dann verstehen wir recht die Worte, die oftmals hier gebraucht sind und die uns zur Seele rufen sollen die Gefühle, die in den gegenwärtigen Menschen so notwendig sind angesichts der großen Zeitereignisse:
[ 41 ] And, fundamentally speaking, this is the true outcome of such a contemplation as we have pursued today in one direction and then another, when we learn to feel the responsibility that the human soul also bears toward the times that are unfolding—times that must bring about events wherever they are destined to unfold on soil fertilized by blood. Only when we take inspiration—not in a light, sentimental sense, but in a genuine, serious sense—from contemplating the connection between humanity and the world, as Spiritual Science can provide it, will we truly understand the words that are often used here and that are meant to awaken in our souls the feelings so necessary for people today in the face of major historical events:
[ 35 ] Aus dem Mut der Kämpfer, Aus dem Blut der Schlachten, Aus dem Leid Verlassener,
[ 33 ] From the courage of the fighters, From the blood of the battles, From the suffering of the forsaken,
[ 36 ] Aus des Volkes Opfertaten Wird erwachsen Geistesfrucht — Lenken Seelen geistbewußt
[ 34 ] From the people’s acts of sacrifice, the fruit of the spirit grows—guiding souls with spiritual awareness
[ 37 ] Ihren Sinn ins Geisterreich!
[ 35 ] Your mind into the spirit realm!
