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The Riddle of Man
The Spiritual Background of Human History
GA 170

30 July 1916, Dornach

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Ausgehen möchte ich heute in unseren Betrachtungen von einer einfachen, vor aller Augen liegenden Tatsache. Wenn wir den Blick schweifen lassen über die Naturvorgänge, so erscheinen uns diese, wenn wir sie verständig, aufmerksam betrachten, doch eigentlich als zwei voneinander stark unterschiedene Reiche: ein Reich der allergrößten Regelmäßigkeit, der allergrößten Ordnung, und ein Reich von zunächst fast undurchdringlichen Zusammenhängen, von Unregelmäßigkeit, von vielfacher Unordnung; so wenigstens wird es empfunden. Die gewöhnliche Naturwissenschaft unterscheidet nicht klar zwischen diesen zwei Gebieten des Naturdaseins, und doch sind diese zwei Gebiete streng voneinander getrennt. Da haben wir auf der einen Seite alles dasjenige, was vorgeht mit jener Regelmäßigkeit, mit der etwa jeden Morgen die Sonne aufgeht, jeden Abend die Sonne untergeht, mit der die Sterne auf- und untergehen, sowie alles das, was in einem gewissen Zusammenhange mit Sonnenauf- und -untergängen erscheint: Mit Regelmäßigkeit erscheinen im Frühling die Wachstumstriebe, entwickeln sich während des Sommers, welken, schwinden im Herbst dahin. Und vieles Ähnliche, das mit einer großen Regelmäßigkeit und Ordnung empfunden werden muß, sehen wir in dem einen Gebiete der Natur.

[ 1 ] Today, I would like to begin our reflections with a simple fact that is plain for all to see. When we let our gaze wander over natural phenomena, if we observe them intelligently and attentively, they actually appear to us as two realms that are sharply distinct from one another: a realm of the utmost regularity and order, and a realm of connections that are at first almost impenetrable, of irregularity, and of manifold disorder; at least, that is how it is perceived. Conventional natural science does not clearly distinguish between these two realms of natural existence, and yet these two realms are strictly separate from one another. On the one hand, we have everything that occurs with the regularity with which, for example, the sun rises every morning and sets every evening, with which the stars rise and set, as well as everything that appears in a certain connection with sunrises and sunsets: with regularity, the shoots of growth appear in spring, develop during the summer, wither, and fade away in the fall. And we see many similar phenomena, which must be perceived as exhibiting great regularity and order, in this one realm of nature.

[ 2 ] Aber es gibt ein anderes Gebiet der Natur, das nicht in derselben Weise empfunden werden kann. Man kann nicht in derselben Weise, wie man den Sonnenaufgang am Morgen, den Sonnenuntergang am Abend erwartet, ein Gewitter erwarten; das kommt nicht mit solcher Regelmäßigkeit. Mit einer solchen Bestimmtheit, wie wir sagen: Morgen, wenn es zehn Uhr sein wird, werden wir die Sonne an einer bestimmten Stelle am Himmelsgewölbe sehen, können wir nicht sagen: Wir werden an einer Stelle ein gewisses Wolkengebilde sehen, oder gar darüber etwas sagen, wie dieses Wolkengebilde aussehen wird. Auch werden wir nicht mit einer gleichen Bestimmtheit, wie wir dieses oder jenes Mondenviertel voraussagen, sagen können: zu der oder jener Zeit wird hier den Dornacher Bau ein Sturm oder ein Regenwetter überraschen. Man wird mit einer gewissen Sicherheit berechnen können, wann nach Jahrhunderten Sonnenfinsternisse, Mondenfinsternisse sein werden; man wird aber nicht mit der gleichen Sicherheit angeben können, wann Erdbeben oder Vulkanausbrüche stattfinden.

[ 2 ] But there is another aspect of nature that cannot be perceived in the same way. One cannot anticipate a thunderstorm in the same way one anticipates the sunrise in the morning or the sunset in the evening; it does not occur with such regularity. With the same certainty with which we say, “Tomorrow, when it is ten o’clock, we will see the sun in a certain place in the sky,” we cannot say, “We will see a certain cloud formation in a certain place,” or even say anything about what that cloud formation will look like. Nor can we say with the same certainty with which we predict this or that phase of the moon: “At such and such a time, a storm or rainy weather will take the Dornach building by surprise.” It will be possible to calculate with a certain degree of certainty when solar and lunar eclipses will occur centuries from now; however, it will not be possible to state with the same certainty when earthquakes or volcanic eruptions will take place.

[ 3 ] Sie sehen da voneinander getrennt zwei Gebiete des Naturdaseins: eines, welches mit großer, für unseren Verstand durchdringbarer Regelmäßigkeit auftritt, und ein anderes Gebiet, das nicht in derselben Weise empfunden werden kann, das als Unregelmäßiges auftritt. Und das, was wir Gesamtnatur nennen, das ist im Grunde genommen ein Zusammenfluß, ich möchte sagen, der großen Regelmäßigkeit und der Unregelmäßigkeit; denn in jedem Augenblicke ist der Gesamteindruck, den wir haben von dem Naturdasein, bestimmt durch das, was durch den regelmäßigen Verlauf geschieht und was sich in diesen regelmäßigen Verlauf der Dinge an Geschehnissen hineinmischt, die uns Überraschungen gewähren können, und die eigentlich immer wiederkehren, bis zu einem gewissen Grade wenigstens.

[ 3 ] There they see two distinct realms of natural existence: one that manifests with great regularity, comprehensible to our minds, and another realm that cannot be perceived in the same way, one that appears as irregular. And what we call nature as a whole is, in essence, a convergence— I might say, of great regularity and irregularity; for at every moment, the overall impression we have of natural existence is determined by what occurs through the regular course of events and by what intermingles with this regular course—events that can surprise us and that, in fact, recur again and again, at least to a certain degree.

[ 4 ] Nun haben wir ja öfter in den verschiedensten Zusammenhängen unserer Betrachtungen einer tiefen Wahrheit gedacht, der Wahrheit, daß der Mensch ein Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos ist, daß wir im Menschen in einer gewissen Weise wiederfinden, was wir draußen im Universum im großen finden. Wir können also erwarten, daß auch im Menschen in einer gewissen Beziehung so etwas wie zwei Gebiete zu finden sein müssen, ein Gebiet von größerer Regelmäßigkeit und ein Gebiet von einer gewissen Unregelmäßigkeit. Im Menschenleben wird sich das allerdings in anderer Art ausdrücken können, verschieden von der Art, die draußen in der Natur ist; aber an die Zweiheit in der Natur von Regelmäßigkeit und Unregelmäßigkeit, Ordnung und Unordnung wird uns etwas erinnern müssen im Menschen. Und nun gedenken Sie desjenigen, was wir gestern an einem typischen Beispiel darzustellen versuchten.

[ 4 ] Now, in the course of our reflections in a wide variety of contexts, we have often considered a profound truth—the truth that the human being is a microcosm in relation to the macrocosm, that in the human being we find, in a certain way, what we find out there in the universe on a grand scale. We can therefore expect that, in a certain sense, something like two realms must also be found within the human being: a realm of greater regularity and a realm of a certain irregularity. In human life, however, this will express itself in a different way, distinct from the way it does out there in nature; but something in human beings must remind us of the duality in nature between regularity and irregularity, order and disorder. And now, recall what we tried to illustrate yesterday using a typical example.

[ 5 ] Jene typische Persönlichkeit konnte gut logisch denken, wenn es eben darauf ankam, logisch zu denken, konnte rechnen, Urteile fällen, die Erscheinungen der Welt in einem gewissen Zusammenhange sehen, das Leben bis zu einem gewissen Grade regelmäßig geordnet überschauen und überdenken und danach handeln, hatte also alles das, was aus der Regelmäßigkeit des Wirkens unseres Verstandes, unserer Vernunft, unserer Empfindungsfähigkeit, unserer Willensimpulse kommt. Daneben aber hatte diese Persönlichkeit ein anderes Leben, das sich ausgeprägt hat in den beiden Werken, die ich angeführt habe, ein Leben, von dem Sie haben sehen können aus dem wenigen, das ich aus dem Inhalte der Bücher angeführt habe, wie es stürmisch verlaufen ist, wie es irregulär verlaufen ist gegenüber dem, was der gewöhnliche, regelmäßige Verstand dem Menschen darbietet. Da waren unten in der Seele Stürme, tiefe Stürme, die sich auslebten in der Weise, wie wir es gestern schildern konnten. Und wahrhaftig, so wie in den regelmäßigen Sonnen- und Mondengang, in das regelmäßige Aufkeimen, Welken und Hinsterben der Gewächse die kommenden und gehenden Gewitter- und Wetterstürme und Winde hineinspielen, so spielen hinein in den regelmäßigen Gang dessen, was sich aus dem menschlichen Kopf und dem regelmäßigen Gang des menschlichen Herzens herausentwickelt, jene Stürme, die uns wie wache Träume erscheinen müssen oder wie geniale Lichtblitze, die die Seele so durchzucken wie Gewitter und sich wie Gewitter entladen. Aber Sie werden nicht daran zweifeln, daß dasjenige, was nur in einer extremen, radikal paradoxen Art bei Otto Weininger aufgetreten ist, sich in der Anlage in jeder Menschenseele findet. Auf dem Grunde jeder Menschenseele ist das vorhanden. Es tritt bei den gewöhnlichen Menschenseelen, die nicht Veranlagung haben, sich so genial zu finden, wie Weininger sich gefunden hat, in Form von Träumen auf — aber von Träumen immer. Jeder Mensch hat Träume, und die Träume sind ja schließlich das, was aus den Tiefen des astralischen Leibes herausquillt und dadurch zur Offenbarung kommt, daß der astralische Leib sich spiegelt im Ätherleibe. In jeder menschlichen Natur ist das tagwache Bewußtsein vorhanden, das ein Mensch wie Weininger das philiströse Bewußtsein nennt, das pedantische Bewußtsein, und auch das andere Bewußtsein, in das hineinschlagen die Träume.

[ 5 ] That typical personality was capable of thinking logically when it mattered, could do math, make judgments, see the phenomena of the world in a certain context, survey and reflect on life in a regular and orderly manner to a certain degree, and act accordingly—in short, possessed everything that arises from the regular functioning of our intellect, our reason, our sensibility, and our volitional impulses. Alongside this, however, this individual led another life, one that found expression in the two works I have cited—a life of which you have been able to see, from the few examples I have drawn from the books’ contents, how turbulent it was, how irregular it was in comparison to what the ordinary, orderly mind presents to human beings. There were storms deep within the soul—deep storms—that played themselves out in the way we were able to describe yesterday. And truly, just as the coming and going of thunderstorms, weather storms, and winds interplay with the regular cycles of the sun and moon, and with the regular sprouting, withering, and dying of plants, so, too, do those storms—which must appear to us like waking dreams or like flashes of genius that dart through the soul like thunderstorms and discharge themselves like thunderstorms—play a part in the regular course of what develops from the human mind and the regular course of the human heart. But you will not doubt that what appeared in Otto Weininger only in an extreme, radically paradoxical way is present in potential within every human soul. It lies at the very foundation of every human soul. In ordinary human souls—which lack the predisposition to discover themselves as brilliantly as Weininger did—it manifests in the form of dreams—but always as dreams. Every human being has dreams, and dreams are, after all, what wells up from the depths of the astral body and is revealed through the astral body’s reflection in the etheric body. Present in every human nature is the waking consciousness—which a person like Weininger calls the philistine consciousness, the pedantic consciousness—as well as the other consciousness into which dreams break through.

[ 6 ] Sehen Sie, diese Träume, diese ganze Traumwelt, man soll nicht von ihr sagen, sie ist nur dann vorhanden, wenn man weiß, in der Nacht, da träumt man oder man hat geträumt. Der Mensch träumt nämlich fortwährend. Wirklich träumen, was man so nennt wirklich träumen, das tritt nur dann ein, wenn man das fortwährende Träumen eine Weile beobachtet. Aber in Wirklichkeit träumt man fortwährend. Und alle, die Sie hier sitzen — neben dem, daß die Gedanken, die jetzt in diesem Vortrage ausgesprochen werden, in Ihnen leben, wie ich hoffe —, träumen Sie alle. Sie träumen alle auf dem Untergrunde Ihrer Seele. Und das Träumen, das Sie in der Nacht haben, unterscheidet sich von dem, das Sie jetzt haben, nur dadurch, daß Sie jetzt die anderen Gedanken als die bewußteren, als die stärkeren haben, und die überwiegen bei weitaus den meisten, denke ich; während, wenn das Wachbewußtsein hinabgedämpft ist und nicht wahrgenommen werden kann, zu gleicher Zeit aber der Schlaf unterbrochen wird, dann für eine Weile heraufkommen kann, was jetzt im Unterbewußtsein verträumt wird. Dadurch ist ein bewußter Traum da. Aber das Traumleben geht fortwährend vor sich.

[ 6 ] You see, these dreams, this whole world of dreams—one shouldn’t say that it exists only when you know, at night, that you are dreaming or have been dreaming. For people dream constantly. True dreaming—what is commonly called “true dreaming”—only occurs when one observes this continuous dreaming for a while. But in reality, one dreams continuously. And all of you sitting here—aside from the fact that the thoughts now being expressed in this lecture are alive within you, as I hope—you are all dreaming. You are all dreaming on the depths of your soul. And the dreaming you experience at night differs from what you are experiencing now only in that you now have other thoughts—the more conscious, the stronger ones—and these predominate for the vast majority of people, I think; whereas, when waking consciousness is subdued and cannot be perceived, but sleep is interrupted at the same time, what is now being dreamt in the subconscious can rise to the surface for a while. This results in a conscious dream. But the life of dreams continues unceasingly.

[ 7 ] Tatsächlich, es ist ein solcher Gegensatz in der Menschennatur vorhanden zwischen der Regelmäßigkeit des gewöhnlichen Denkens und der Unregelmäßigkeit des Traumlebens. Und wenn man diese Regelmäßigkeit des gewöhnlichen Denkens nicht hat, wenn man nicht die Dinge verstandesmäßig zu nehmen weiß und sie das eine Mal so, das andere Mal anders nimmt, nicht wie die Sonne, die jeden Morgen zu entsprechender Zeit in gleicher Weise aufgeht, so ist man geistig nicht gesund. Neben diesem gesunden Wachbewußtsein hat man in seiner Seele, auf dem Grunde seiner Seele, das andere Gebiet, ich möchte sagen, das stürmische Gebiet, das unregelmäßige Gebiet.

[ 7 ] Indeed, there is such a contrast in human nature between the regularity of ordinary thought and the irregularity of the dream life. And if one lacks this regularity of ordinary thought—if one does not know how to approach things rationally and instead perceives them one way at one moment and another way the next, unlike the sun, which rises in the same way every morning at the appropriate time—then one is not mentally healthy. Alongside this healthy waking consciousness, one has within one’s soul—at the very depths of one’s soul—the other realm; I would call it the stormy realm, the irregular realm.

[ 8 ] Es ist wirklich in uns eine Nachbildung des astronomischen Ganges der Gestirne am Himmel in den Kräften, die das Wachbewußtsein zusammensetzen. Wir hätten kein Wachbewußtsein, wenn wir es nicht hätten von dem Gang der Sterne. Aber die Kräfte, die da draußen spielen — Sie können das auch aus einer Bemerkung entnehmen, die ich in dem Vortragszyklus über «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» gemacht habe —, die wir in den meteorologischen Erscheinungen, in Wind und Wetter, in Gewitter und Erdbeben beobachten, die spielen unten in den Tiefen des Seelischen, im halb- und unterbewußten Leben des Menschen. Wir wiederholen wirklich auch in dieser Beziehung mikrokosmisch den Makrokosmos.

[ 8 ] There is truly within us a reflection of the astronomical course of the celestial bodies in the sky in the forces that constitute waking consciousness. We would have no waking consciousness if we did not derive it from the course of the stars. But the forces at work out there—as you can also gather from a remark I made in the lecture series on “The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity”—which we observe in meteorological phenomena, in wind and weather, in thunderstorms and earthquakes, are at work down in the depths of the soul, in the semi-conscious and subconscious life of the human being. In this respect, too, we truly repeat the macrocosm on a microcosmic level.

[ 9 ] Heute ist ein geringes Bewußtsein vorhanden von diesen Dingen, denn wir leben ja in dem Zeitalter, das die Menschheit aufgerufen hat, sich mehr und mehr auf den physischen Plan zu beschränken, materialistisch zu werden, und die geistige Begleiterscheinung des Materialismus ist die bloße Verstandes- und Vernunftbildung, die keine Spiritualität hat. Aber die Menschheit wird, wie wir oftmals hier ausgeführt haben, auch über dieses Zeitalter hinauskommen. Und vorbereiten sollte die geisteswissenschaftliche Bewegung, was wiederum als ein spiritueller Einschlag kommen soll.

[ 9 ] Today there is little awareness of these things, for we live in an age that has called upon humanity to confine itself more and more to the physical plane, to become materialistic; and the spiritual corollary of materialism is the mere development of intellect and reason, which lacks spirituality. But humanity, as we have often explained here, will also move beyond this age. And the spiritual science movement should prepare the way for what is to come as a spiritual revival.

[ 10 ] Aber es war nicht immer so, daß die Menschen so gewissermaßen Geist-los gelebt haben wie jetzt, geistlos insofern, als sie wenig Bewußtsein davon haben, daß ein Zusammenhang besteht zwischen dem, was der Mensch hier auf der Erde treibt, was in allen Geschehnissen, in allen Tatsachen des Erdenseins vorgeht, und den geistigen Welten. Das spricht sich darin aus, daß heute bei den menschlichen Einrichtungen wenig Rücksicht darauf genommen wird, wie die geistigen Welten hereinspielen in die physischen Welten. Erinnern Sie sich nur, daß ich einmal dargestellt habe, wie Numa Pompilius, der zweite römische König, die Einrichtungen des physischen Planes gestalten wollte. Das wird symbolisch erzählt, aber hinter dieser symbolischen Erzählung liegt eine bedeutsame Tatsache. Er hat sich an die Nymphe Egeria gewandt, die hat ihm aus der geistigen Welt heraus gesagt, wie die Epochen zu verlaufen haben, und er hat dann die Epoche des Romulus als die erste, seine eigene als die zweite bezeichnet, und noch fünf dazu, damit es eine Siebenheit geworden ist, und innerhalb dieser Siebenheit können wir in einer merkwürdigen Weise finden, wie sich gerade diese römische Königsgeschichte mit derselben Gesetzmäßigkeit aufbaute, mit der sich die sieben Glieder unseres Organismus aufbauen. Es war in früheren Zeiten eine Tendenz vorhanden, den physischen Plan so einzurichten, daß seine Einrichtung den Anforderungen der geistigen Welt entspricht, gewissermaßen ein Abbild ist desjenigen, was in der geistigen Welt vor sich geht. Heute beachten dies die Menschen nicht.

[ 10 ] But it was not always the case that people lived, so to speak, spiritlessly as they do now—spiritless in the sense that they have little awareness of the connection between what human beings do here on Earth, what takes place in all events and all facts of earthly existence, and the spiritual worlds. This is reflected in the fact that today, in human institutions, little consideration is given to how the spiritual worlds interact with the physical worlds. Just recall that I once described how Numa Pompilius, the second Roman king, sought to shape the institutions of the physical plane. This is told symbolically, but behind this symbolic narrative lies a significant fact. He turned to the nymph Egeria, who told him from the spiritual world how the epochs were to unfold, and he then designated the epoch of Romulus as the first, his own as the second, and five more besides, so that a sevenfold structure was formed, and within this sevenfold structure we can see, in a remarkable way, how this very history of the Roman kings unfolded with the same regularity with which the seven members of our organism are structured. In earlier times, there was a tendency to organize the physical plane in such a way that its structure corresponded to the requirements of the spiritual world—in a sense, a reflection of what takes place in the spiritual world. Today, people do not pay attention to this.

[ 11 ] Ich habe öfter erwähnt, wie die Menschen heute nicht einmal mehr pietätvoll jener Einrichtung gegenüber empfinden, welche die Osterzeit des Jahres, das Osterfest ist. Es denken heute schon gewisse Menschen daran, den Ostersonntag auf einen bestimmten Tag zu verlegen, nicht zu einem beweglichen Fest zu gestalten nach dem Gang der Sterne, wie es heute ist, sondern ihn vielleicht den ersten Sonntag im April sein zu lassen; denn die Kontobücher sind dadurch leichter zu führen, Geschäfte sind leichter abzuwickeln, als wenn man jedes Jahr in diesen Büchern eine andere Österzeit hat. Aber das ist nur ein krasses Beispiel für Unzähliges, was heute angeführt werden kann zum Beweise, wie wenig die Menschen heute einen Sinn dafür haben, in ihren Einrichtungen hier auf dem physischen Plan ein Abbild zu schaffen dessen, was in den geistigen Welten vorgeht und in den Sternen sich ausdrückt. Aber nicht immer war es so; sondern es gab schon Zeiten — und es sind eben die älteren Zeiten der Menschheit, in denen es noch atavistisches Hellsehen gab —, wo ein tiefes Bewußtsein davon vorhanden war, daß der Mensch hier auf der Erde so leben soll, daß sein Leben und auch das Zusammenleben der einzelnen Menschen gewisse Dinge abbildet, die sich in der geistigen Welt vollziehen und in den Sternen ausbreiten.

[ 11 ] I have often mentioned how people today no longer even feel reverence for that institution which marks the Easter season of the year—Easter itself. There are already certain people today who are considering moving Easter Sunday to a specific date—not making it a movable feast based on the movement of the stars, as it is today, but perhaps setting it as the first Sunday in April; for this makes it easier to keep the ledgers and conduct business than if these ledgers had a different Easter date every year. But this is only one striking example among countless others that could be cited today to demonstrate how little sense people have today of creating, in their institutions here on the physical plane, a reflection of what takes place in the spiritual worlds and is expressed in the stars. But it was not always this way; rather, there were times—and these were precisely the earlier times of humanity, when atavistic clairvoyance still existed—when there was a deep awareness that human beings here on Earth should live in such a way that their lives, as well as their coexistence as individuals, reflect certain things that take place in the spiritual world and unfold in the stars.

[ 12 ] Wir wollen ein Beispiel nehmen. Die alten Hebräer hatten als Kirchenjahr, also als dasjenige Jahr, auf das es ankam, ein Mondenjahr, 3548/s Tage. Nun, das ist etwas kürzer als das Sonnenjahr; so daß immer, wenn man Mondenjahre zählt — denn das Mondenjahr füllt das Sonnenjahr nicht aus-, gewisse Tage übrigbleiben. Nach einer bestimmten Zeit bleiben immer mehr und mehr Tage übrig. Nun wurden Ausgleiche geschaffen. Aber diese Ausgleiche zwischen Monden- und Sonnenjahr wurden im hebräischen Altertum auf eine ganz besondere Art geschaffen. Ich will diese Art nur andeuten, denn es kommt uns heute weniger darauf an, diese Sache im einzelnen kennenzulernen, als den ganzen Geist und Sinn dieser Sache einmal vor unsere Seele zu führen. Es gab unter den alten hebräischen Gebräuchen das sogenannte Jubeljahr. Nach 49 Sonnenjahren nämlich — das ist etwas mehr als 50 Mondenjahre — wurde ein Jahr eingefügt, welches ein allgemeines Versöhnungs-, Aussöhnungsjahr war. In solchem Aussöhnungsjahr wurden gewisse Dinge vergeben, die der eine dem anderen vorzuwerfen hatte. Wer Schulden gemacht hatte, dem konnten oder sollten sie erlassen werden, wer sein Eigentum verloren hatte, sollte es zurückbekommen, und ähnliches. Es war ein Jahr des Ausgleiches, ein Jahr der Versöhnung nach 7 mal 7 Sonnenjahren, nach 49 Sonnenjahren oder 50 Mondenjahren — 50 1/2 eigentlich, aber 50 kann man sagen, weil ja das Jahr eine Zeitlang dauert und man daher den Anfang nehmen kann. 50 mal 354 Tage also dauerte die Jubelperiode, die Periode, in der sich allerlei anhäufen konnte, was dann ausgesöhnt wurde. — Wenn man in Betracht zieht, daß ein Ausgleich geschaffen werden sollte zwischen dem Monden- und Sonnenjahr, und dadurch 7 mal 7 gleich 49 Sonnenjahre in 50 Mondenjahren kommt, so kann man sagen, daß dieses Jubeljahr nach der Zahl Sieben geordnet ist. Also es lag eine gewisse Anschauung von der Bedeutung der Siebenheit diesem Jubeljahr zugrunde.

[ 12 ] Let’s take an example. The ancient Hebrews used a lunar year—3,548/s days—as their church year, that is, the year that mattered. Now, this is slightly shorter than the solar year; so whenever one counts lunar years—since the lunar year does not fill out the solar year—certain days remain. After a certain period of time, more and more days remain. So adjustments were made. But these adjustments between the lunar and solar years were made in a very special way in ancient Hebrew times. I will merely hint at this method, for what matters to us today is not so much to understand this matter in detail as to bring the whole spirit and meaning of it before our souls. Among the ancient Hebrew customs was the so-called Jubilee Year. Namely, after 49 solar years—which is slightly more than 50 lunar years—a year was inserted that served as a general year of atonement and reconciliation. In such a year of reconciliation, certain grievances that one person might have held against another were forgiven. Those who had incurred debts could or should have them forgiven; those who had lost their property should have it returned to them; and so on. It was a year of restitution, a year of reconciliation after 7 times 7 solar years, after 49 solar years or 50 lunar years—50 1/2 to be exact, but one can say 50 because the year lasts for a certain period of time and one can therefore take the beginning as the starting point. The Jubilee period—the period during which all manner of things could accumulate, which were then reconciled—lasted 50 times 354 days. — If one considers that a balance was to be established between the lunar and solar years, and that this results in 7 times 7—equal to 49 solar years—within 50 lunar years, then one can say that this Jubilee Year is ordered according to the number seven. Thus, a certain conception of the significance of the number seven underlay this Jubilee Year.

[ 13 ] Wir wollen aber, um uns den ganzen Geist der Sache vor die Seele zu führen, auf folgendes heute besonders sehen. Wir wollen darauf sehen, daß man also im hebräischen Altertum so lebte, daß man sich sagte: Man erlebt Tage, einen Tag nach dem anderen, man erlebt 354 Tage, dann beginnt ein neues Jahr. Und man erlebt diese Jahre 49- beziehungsweise 50mal hintereinander, dann beginnt ein besonderes Festesjahr für die Menschheit. Und nun, denken Sie, verlief alles das, was der Mensch durchlebte, so, daß fortwährend diese Nebenempfindung da war, man wußte: 7, 8,9 Jahre ist es her, seitdem ein Jubeljahr war, und soundso lange hat man zu warten, bis wieder ein Jubeljahr ist. Aber das ist nicht willkürlich gemacht, sondern das ist so eingerichtet, daß da eine okkulte Einteilung nach Zahlen zugrunde liegt.

[ 13 ] However, in order to fully grasp the spirit of the matter, let us focus particularly on the following today. Let us consider that in ancient Hebrew times, people lived in such a way that they said to themselves: One experiences days, one day after another; one experiences 354 days, and then a new year begins. And one experiences these years 49—or rather, 50—times in a row, and then a special festival year begins for humanity. And now, consider this: did everything that people experienced unfold in such a way that this underlying sense was always present—they knew: “It has been 7, 8, or 9 years since the last Jubilee Year, and we must wait this long until the next Jubilee Year”? But this is not arbitrary; rather, it is structured in such a way that an occult division based on numbers underlies it.

[ 14 ] Sie werden keinen Zweifel darein setzen, daß die, sagen wir, im 24. Jahre nach einem Jubeljahr Lebenden, 24 zurückrechneten zum vorhergehenden Jubeljahr, 26 weiter rechneten zum nächsten Jubeljahr, und sich so drinnenstehend fühlten in der Zeit zwischen dem vorhergehenden und dem nachfolgenden Jubeljahr. Das ist ein gewisses Sichhineinstellen in die Zeit, das heißt hier auf der Erde beschäftigt die menschlichen Seelen etwas, was sie in eine gewisse Zahlenordnung hineinstellt, und sie fühlten immer mit dieser Zahlenordnung; diese Zahlenordnung geht gleichsam als eine fortdauernde Strömung durch die Seelen. Durch Jahrtausende hindurch haben sich die Seelen gewöhnt, dies zu fühlen, gewissermaßen zu leben mit dem, was ich jetzt eben charakterisiert habe. Ja, das prägt sich dem Leben ein, was man immer wieder und wiederum in Wiederholungen erlebt, das gehört dann zum Leben dazu, das formt, das figuriert die Seelen, so daß, wenn man der alten hebräischen Seele nachgeforscht hat, man gefunden hat: In ihr war ein Bewußtsein von einer solchen Formung, von einer solchen Konfiguration, von einem solchen Drinnenleben in der Zeit von Jubeljahr zu Jubeljahr. Jeder Tag stellt sich dadurch in einer gewissen Weise in die Zeitordnung hinein. Die Seele gewöhnt sich in eine Ordnung hinein, die bedingt ist auf der einen Seite von 354 und auf der anderen Seite von 49 (7 mal 7) beziehungsweise 50, das trägt sie jetzt mit sich herum.

[ 14 ] You will have no doubt that those living, say, in the 24th year after a Jubilee Year would count back 24 years to the previous Jubilee Year, count forward 26 years to the next Jubilee Year, and thus feel themselves to be situated in the time between the previous and the following Jubilee Year. This is a certain way of orienting oneself within time; that is to say, here on Earth, human souls are engaged with something that places them within a certain numerical order, and they always felt in tune with this numerical order; this numerical order flows, as it were, through the souls as a continuous current. Over the course of millennia, souls have grown accustomed to feeling this, to living, so to speak, with what I have just described. Indeed, what one experiences again and again in repetition becomes imprinted on life; it then becomes part of life, shaping and forming the souls, so that when one has investigated the ancient Hebrew soul, one has found: Within it was an awareness of such a shaping, of such a configuration, of such an inner life from Jubilee to Jubilee. Through this, every day takes its place in the order of time in a certain way. The soul becomes accustomed to an order that is determined, on the one hand, by 354 and, on the other hand, by 49 (7 times 7) or 50; it now carries this with it.

[ 15 ] Man kann das damit vergleichen, daß man in der Jugend als Kind rechnen lernt und dann das Rechnen später anwenden kann; man hat es dann. Es bildet eine gewisse Konfiguration der Seele. Das wollen wir uns merken und jetzt etwas anderes betrachten.

[ 15 ] You can compare this to learning arithmetic as a child and then being able to apply it later in life; you’ve mastered it by then. It shapes a certain configuration of the soul. Let’s keep that in mind and now consider something else.

[ 16 ] Der Planet Merkur hat, wenn man nach der heutigen Astronomie rechnet, einen Umlauf um die Sonne, der weit schneller ist als der Umlauf der Erde, so daß, wenn wir den Umlauf des Merkur nehmen, wir ein solches Bild bekommen: Die Erde geht langsam um die Sonne und der Merkur geht schnell. Nun fassen Sie einmal einen Merkurumlauf ins Auge, den wollen wir 354 mal nehmen; wir könnten ihn sogar 354 3/8 mal nehmen; und dann wiederum nehmen wir ihn 49- beziehungsweise 50 mal. Bilden Sie sich also einfach diese Zahlen. Sie denken einmal einen Merkurumlauf wie eine Art Himmelstag, dann wären 354 solcher Merkurumläufe wie eine Art Monden-Himmelsjahr auf dem Merkurplaneten, und das nehmen Sie 49- beziehungsweise 50 mal. Dann würde das ein Himmels-Jubeljahr sein. Ein HimmelsJubeljahr, das ist natürlich viel länger als ein Erden-Jubeljahr, aber es ist eben auch nach dem Merkur berechnet.

[ 16 ] According to current astronomical calculations, Mercury’s orbit around the Sun is much faster than Earth’s, so that if we consider Mercury’s orbit, we get the following picture: Earth moves slowly around the Sun, and Mercury moves quickly. Now, imagine one orbit of Mercury—let’s multiply that by 354; we could even multiply it by 354 3/8; and then, in turn, let’s multiply it by 49 or 50. So just picture these numbers. If you think of one Mercury orbit as a kind of celestial day, then 354 such Mercury orbits would be like a kind of lunar-celestial year on the planet Mercury, and you multiply that by 49 or 50. That would then be a celestial jubilee year. A celestial jubilee year is, of course, much longer than an earthly jubilee year, but it is calculated based on Mercury.

[ 17 ] Wir rechnen also in bezug auf den Merkur jetzt einmal geradeso, wie die alten Hebräer ihr Jubeljahr nach den Monden- beziehungsweise nach den Erdentagen gerechnet haben. Sie haben einen Erdentag nach dem anderen erlebt, 354 3/8 mal. Das war ein Jahr. Das, 7 mal 7 genommen (49 beziehungsweise 50), gibt ein Jubeljahr für die alten Hebräer. Dem entspricht ein Umlauf des Merkur 354 3/8 mal, und das 50- beziehungsweise 49 mal. Das ist natürlich ein ganz anderer Zeitraum, aber es liegen da doch die gleichen Zahlen zugrunde, nur daß die Zeiteinheit eine ganz andere ist als ein Erdenjahr.

[ 17 ] So, when it comes to Mercury, we’ll now calculate it in exactly the same way that the ancient Hebrews calculated their Jubilee Year based on lunar months or Earth days. They experienced one Earth day after another, 354 3/8 times. That was one year. Multiplying that by 7 times 7 (49 or 50) yields a Jubilee Year for the ancient Hebrews. This corresponds to Mercury orbiting 354 3/8 times, and 50 or 49 times, respectively. This is, of course, a completely different time period, but the same numbers underlie it—only the unit of time is entirely different from an Earth year.

[ 18 ] Jetzt finden wir noch eine andere Zahl. Wir nehmen den Jupiter. Der Jupiter geht viel langsamer, geht sehr langsam. Zwölf Jahre braucht er, um einmal um die Sonne herumzugehen. Der Merkur geht viel schneller als die Erde, der Jupiter viel langsamer. Nun nehmen wir den Jupiter und betrachten jetzt einen solchen Jupitertag. Eigentlich ist es ein Jupiterjahr, aber wir betrachten das, weil es am Himmel ist und dort alle Maße groß genommen werden können, als einen Tag. So wie unseren Erdentag, so betrachten wir solch eine lange Periode, in der der Jupiter um die Sonne herumgeht, als einen Tag. Dann härten wir, wenn wir diese Periode 354 3/8 mal nehmen würden, ein großes Jupiterjahr, so wie man das Mondenjahr bildet, ein großes Jupiterjahr. Wir nehmen es jetzt nicht 7 mal 7 Male, sondern nur einmal, weil der Jupiter so lange braucht. Das wäre ein großes Jupiterjahr. Bei dem Merkur haben wir uns ausgerechnet ein Jubeljahr; beim Jupiter rechnen wir uns nur überhaupt ein Jahr aus nach derselben Methode.

[ 18 ] Now let’s look at another number. Let’s take Jupiter. Jupiter moves much more slowly—very slowly, in fact. It takes twelve years for it to orbit the Sun once. Mercury moves much faster than Earth, while Jupiter moves much slower. Now let’s take Jupiter and consider one of its days. Technically, it’s a Jupiter year, but since we’re looking at it in the sky—where all measurements can be taken on a grand scale—we’ll treat it as a day. Just as we do with our Earth day, we’ll consider this long period during which Jupiter orbits the Sun as a single day. Then, if we were to multiply this period by 354 3/8—a full Jupiter year, just as we calculate the lunar year—we would have a full Jupiter year. We do not multiply it by 7 times 7, but only once, because Jupiter takes so long. That would be a great Jupiter year. With Mercury, we calculate a jubilee year; with Jupiter, we calculate just a single year using the same method.

[ 19 ] Dann betrachten wir noch einen anderen Planeten, der den alten Hebräern ja noch nicht bekannt war; aber es war ihnen dafür die Sphäre bekannt, und sie haben gedacht, daß das die Kristallsphäre draußen ist, das Himmelsgewölbe selber. Er ist ja viel später gefunden worden, man kann aber trotzdem vom Uranus sprechen. Nur dachten die alten Hebräer, es wäre die Sphäre da, wo später dann der Uranus hingesetzt worden ist. Und vom Uranus — der geht nun sehr langsam — nehmen wir 49 beziehungsweise 50 Umläufe. Und jetzt vergleichen wir alles das mit Erdenjahren.

[ 19 ] Let us now consider another planet that was not yet known to the ancient Hebrews; however, they were familiar with the sphere, and they believed that this was the outer crystal sphere, the celestial vault itself. It was, of course, discovered much later, but we can still refer to it as Uranus. However, the ancient Hebrews thought that the sphere was located where Uranus was later placed. And for Uranus—which moves very slowly—we’ll take 49 or 50 orbits. Now let’s compare all of this to Earth years.

[ 20 ] Nicht wahr, man kann sagen, das würde eine bestimmte Anzahl von Erdenjahren sein. Also wenn der Merkur 354 3/8 mal 50 mal um die Sonne herumgeht, so würde das eine bestimmte Anzahl von Erdenjahren ergeben. Der Umlauf des Jupiter 354 3/8 mal würde wieder eine bestimmte Anzahl von Erdenjahren ergeben: ein großes Jupiterjahr. Und 49 (50) Umläufe des Uranus werden wiederum eine bestimmte Anzahl von Erdenjahren ergeben.

[ 20 ] Isn't it true that one could say this would amount to a certain number of Earth years? So if Mercury orbits the Sun 354 3/8 times 50 times, that would amount to a certain number of Earth years. Jupiter’s orbit 354 3/8 times would again result in a certain number of Earth years: a great Jupiter year. And 49 (50) orbits of Uranus will, in turn, result in a certain number of Earth years.

[ 21 ] Das Merkwürdige ist, daß das immer dieselben Erdenjahre gibt. Man bekommt eine bestimmte Anzahl von Erdenjahren dadurch, daß man die 50 beziehungsweise 49 Umläufe des Uranus nimmt. Die gleiche Anzahl von Erdenjahren bekommt man dadurch, daß man 354 3/8 Umdrehungen des Jupiter nimmt, und daß man 50 mal 354 3/8 Umdrehungen des Merkur nimmt: Immer eine bestimmte Anzahl von Erdenjahren. Beim Uranus 50 mal; beim Jupiter 354 3/8 mal; beim Merkur 50 mal 354 3/8 mal — eine Art Merkur-Jubeljahr im Kosmos drauBen, sagte ich schon. Alle drei geben dieselbe Zahl.

[ 21 ] The curious thing is that the number of Earth years is always the same. You get a specific number of Earth years by taking the 50 or 49 orbits of Uranus. You get the same number of Earth years by taking 354 3/8 revolutions of Jupiter, and by taking 50 times 354 3/8 revolutions of Mercury: always a specific number of Earth years. For Uranus, 50 times; for Jupiter, 354 3/8 times; for Mercury, 50 times 354 3/8 times—a kind of Mercury jubilee out there in the cosmos, as I already mentioned. All three yield the same number.

[ 22 ] Und was hat der alte Hebräer bei dieser Zahl empfunden? Diese Zahl war — natürlich, es kommen da immer gewisse Unregelmäßigkeiten hinein, die ihre gute Bedeutung haben, die wir heute übersehen können — die Zahl 4182. Alle drei Zahlen sind 4182. Man kann immer sagen ungefähr, aber man kann ganz genau darauf gehen, weil die Unregelmäßigkeiten sich wiederum durch andere ausgleichende Bewegungen erklären, 4182 Erdenjahre! Was konnte also der alte Hebräer sagen? Er konnte sagen: Hier auf dieser Erde erlebst du in deiner Seele den Erdentag 354 mal 50 mal; dann ist ein Jubeljahr, ein großes Versöhnungsjahr. Aber draußen in der Weltengedankenbildung geht etwas vor sich. Wenn irgendein Weltenwesen den Merkurumlauf als einen Tag rechnet und dann weiter geradeso empfindet im Makrokosmos draußen, wie du hier mit deiner Seele gegenüber dem Jubeljahre, so würde dieses Wesen draußen im Makrokosmos so empfinden, daß es sagte: Ein Merkurumlauf wie ein Tag, das 354 3/8 mal und 49beziehungsweise 50mal gleich ein Jubeljahr, bloß auf den Merkur berechnet; gleichzeitig ein Jahr vom Jupiter aus gerechnet, und 50mal Umlauf des Himmelsgewölbes, also die gleiche Zahl, die den beiden anderen zugrunde liegt.

[ 22 ] And what did the ancient Hebrews make of this number? This number was—of course, there are always certain irregularities involved, which have their own significance but which we can overlook today—the number 4182. All three numbers are 4182. One can always speak in approximate terms, but one can also be quite precise about it, because the irregularities are in turn explained by other compensating movements: 4182 Earth years! So what could the ancient Hebrew say? He could say: Here on this Earth, you experience the Earth day 354 times 50 in your soul; then comes a Jubilee Year, a great year of reconciliation. But out there in the formation of cosmic thought, something is taking place. If any cosmic being were to count the orbit of Mercury as a day and then perceive things in the same way out in the macrocosm—just as you do here with your soul in relation to the Jubilee Year—then this being out there in the macrocosm would perceive it in such a way that it would say: One orbit of Mercury equals one day; 354 3/8 times that, and 49 or 50 times, equals a Jubilee Year—calculated solely based on Mercury; at the same time, one year calculated from Jupiter, and 50 revolutions of the celestial vault—that is, the same number that underlies the other two.

[ 23 ] Nun rechnete das hebräische Altertum den Erdenanfang mit Grund so — wenn wir auch heute ein anderes Ereignis dorthin setzen, wo das alte hebräische Altertum den Erdenanfang rechnete, wir setzen auch ein Ereignis — daß, wenn es von dem Erdenanfang 4182 Jahre weiterrechnete, dann das große Weltenversöhnungsjahr kam, da der Christus im Fleische erschien. Das heißt, das hebräische Altertum stimmte sich die Zeitenordnung so ab, daß es von dem von ihm angenommenen Beginne der Erdenentwickelung bis zu dem Erscheinen des Christus im Fleische rechnete ein großes Merkur-Jubeljahr, ein Jupiterjahr, und 50 Umläufe der äußersten Sphäre, was wir heute die Uranusbahn nennen.

[ 23 ] Now, ancient Hebrew tradition calculated the beginning of the earth in this way—even though today we place a different event at the point where ancient Hebrew tradition calculated the beginning of the earth, we also place an event—namely, that when 4,182 years were counted from the beginning of the Earth, the great Year of World Reconciliation arrived, when Christ appeared in the flesh. That is to say, ancient Hebrew tradition aligned its chronology in such a way that, from what it assumed to be the beginning of the Earth’s development up to the appearance of Christ in the flesh, it counted one great Mercury Jubilee Year, one Jupiter Year, and 50 revolutions of the outermost sphere—what we today call the orbit of Uranus.

[ 24 ] Da haben Sie dieses wunderbare Beispiel, daß sich vorbereiten sollte die Menschenseele auf das große Welten-Jubeljahr dadurch, daß sie in ihren sozialen Einrichtungen hier auf der Erde nach 354 3/8 und 7 mal 7 beziehungsweise 50 darauf abgestimmt war, die Ordnung draußen im Kosmos mitzuerleben, das heißt die Formen dafür in der Seele zu figurieren. Es ist etwas Ungeheures, ein ungeheuer tiefer Zusammenhang.

[ 24 ] Here you have this wonderful example: the human soul was to prepare itself for the great cosmic Jubilee by aligning its social institutions here on Earth—according to 354 3/8 and 7 times 7, or 50—to experience the order out there in the cosmos, that is, to form the corresponding patterns within the soul. It is something immense, an immensely profound connection.

[ 25 ] Und wenn nun diejenigen, die aus dem Judentum herausgewachsen sind, in ihren Gedanken verfolgt werden sollen, so kann man sagen: diese Menschen haben vorausgesetzt, daß der Christus aus den Sonnenhöhen zur Erde herabkommen wird nach dem Gedanken, den unendlich erhabene Wesen im Kosmos draußen denken, und der angezeigt, interpretiert wird durch die Bewegungen der Sternenregelmäßigkeirt. Da draußen wird gedacht nach 354 3/8, nach 7 mal 7. Und so wird es angeordnet, daß, wer zum Beispiel nach der Uhr des Merkur geht, abzuzählen hat einen Merkurjahresumlauf als einen Tag, und dann ein Jubeljahr zu zählen hat vom Weltenanfang bis zum Mysterium von Golgatha. Wie der Mensch jetzt nach seinen Erdentagen denkt, so denken die Weltenwesen von dem Moment, wo das Judentum die Welt erstehen läßt bis zur Erscheinung des Mysteriums von Golgatha, nach kosmischen Maßen. Und hier wurde durch die soziale Ordnung die Seele zubereitet, diesen großen Gedanken, der da ausgeschwebt ist, im Werdegang zu denken, sich dafür zu formen. Diejenigen, die in der Zeit der Entstehung des Christentums das Mysterium von Golgatha in bezug auf seine Hereinstellung in die Zeit zu verstehen hatten, die waren durchgegangen durch diese Vorbereitung, die hatten ihre Seele so geformt. Daher konnten sie wissen: das Mysterium von Golgatha wird kommen. Die konnten dann die Evangelien verfassen; denn ein Verständnis für das, was zugrunde liegt dem Herabkommen des kosmischen Sonnengeistes auf die Erde, ein solches Verständnis setzt voraus, daß man die Seele dazu vorbereitet hat.

[ 25 ] And if those who have outgrown Judaism are now to be persecuted for their thoughts, one might say: these people have assumed that the Christ will descend to Earth from the heights of the sun, in accordance with the thoughts of the infinitely exalted beings in the cosmos, thoughts that are indicated and interpreted by the regular movements of the stars. Out there, thought proceeds according to 354 3/8, according to 7 times 7. And so it is ordained that whoever, for example, follows the clock of Mercury must count one Mercury year’s orbit as one day, and then count a Jubilee Year from the beginning of the world to the Mystery of Golgotha. Just as human beings now think in terms of their earthly days, so do the beings of the worlds—from the moment Judaism brought the world into being until the appearance of the Mystery of Golgotha—think in cosmic measures. And here, through the social order, the soul was prepared to think this great thought that has been woven into the course of events, and to shape itself accordingly. Those who, at the time of Christianity’s emergence, were to understand the Mystery of Golgotha in relation to its placement within time had undergone this preparation; they had shaped their souls accordingly. Therefore, they were able to know: the Mystery of Golgotha would come. They were then able to write the Gospels; for an understanding of what underlies the descent of the cosmic Sun Spirit to Earth—such an understanding—requires that one’s soul has been prepared for it.

[ 26 ] Hier sehen Sie ein wunderbares Beispiel, wie die Menschenseele durch soziales Zusammenleben, das geistig geregelt wird von den Initiierten, vorbereitet wird, ein gewisses Ereignis zu verstehen und überhaupt aufzufassen. Was spricht sich darinnen aus? Nun, ein tiefes Bewußtsein davon, daß dasjenige, was wir auch in bezug auf das menschliche Zusammenleben ausdenken sollen in unserem Wachbewußtsein, einen gewissen Zusammenhang haben soll mit der Sternenwelt. Man kann das Mysterium von Golgatha nicht begreifen, man kann es nicht hereinkriegen in das Begreifen mit der Vernunft, wenn man nicht durchschaut den Zusammenhang der Vernunft selber mit dem Gang der Gedanken, die sich in dem Umlauf der Sterne nach Zahlenverhältnissen ausdrücken. Alles, was so zusammenhängt mit unserem Wachbewußtsein, hängt entweder bewußt oder unbewußt bewußt wie in diesem Falle, geregelt durch die Initiierten — mit dem regelmäßigen Sternengange zusammen. Und aus dem Schoße unserer Seele steigt dasjenige herauf, was sich auf diese Weise, wie ich es geschildert habe, in den Träumen ankündigt, oder in solch genialen Blitzen, wie sie bei Weininger sind, was zuweilen nicht diesem Sternengange entspricht, was sich, wie bei Weininger, erst in den nächsten Inkarnationen, wie ich gestern auseinandergesetzt habe, entwickeln wird.

[ 26 ] Here you see a wonderful example of how the human soul, through social life—which is spiritually guided by the Initiates—is prepared to understand and even comprehend a certain event. What is expressed in this? Well, a deep awareness that whatever we are to conceive of in our waking consciousness—even with regard to human coexistence—must have a certain connection to the world of the stars. One cannot comprehend the Mystery of Golgotha; one cannot bring it within the grasp of reason unless one understands the connection between reason itself and the course of thoughts that are expressed in the movement of the stars according to numerical ratios. Everything that is thus connected to our waking consciousness—whether consciously or unconsciously, as in this case, guided by the Initiates—is linked to the regular course of the stars. And from the depths of our soul rises that which announces itself in this way—as I have described—in dreams, or in such flashes of genius as those found in Weininger; this does not always correspond to the movement of the stars, but, as in Weininger’s case, will only develop in future incarnations, as I explained yesterday.

[ 27 ] Womit hängt denn dies zusammen, dieses andere? Während also entweder unbewußt oder sogar bewußt unser Kopf denkt, unser Herz fühlt, kurz, alles das, was dem Wachbewußtsein angehört, dem Sternengang entsprechend ist, entspricht dasjenige, was in unserem mehr traumartigen oder Phantasiebewußtsein oder auch oftmals genialischen Bewußtsein ist, mehr den Elementarwelten der Erdengeschehnisse, von denen auch Gewitter, Sturm, Hagel, Erdbeben und dergleichen abhängen. Und tief sehen wir hinein in das Naturdasein, das für uns dadurch das werden kann, was einigermaßen initiierteMenschen schon immer gesagt haben: Was ist denn die Natur, insofern sie nicht geregelt ist von dem regelmäßigen Gang der Sonne, des Mondes und dergleichen, insoferne sie also nicht in geregelter, regelmäßiger Ordnung verläuft? Was ist die Natur, insofern es Hagel, Regen, Sturm, Gewitter, Erdbeben, Vulkanausbrüche gibt? — Diese Initiierten haben immer gesagt: Diese Natur mit ihren Erscheinungen ist eine Somnambule!

[ 27 ] What, then, is the connection between this and that other thing? So while—whether unconsciously or even consciously—our head thinks, our heart feels, in short, everything that belongs to waking consciousness corresponds to the course of the stars, that which resides in our more dreamlike or imaginative consciousness—or often in our genius-like consciousness—corresponds more to the elemental worlds of earthly events, on which thunderstorms, gales, hail, earthquakes, and the like. And we look deeply into the existence of nature, which can thereby become for us what somewhat initiated people have always said: What, then, is nature, insofar as it is not governed by the regular course of the sun, the moon, and the like—insofar as it does not, therefore, proceed in a regulated, regular order? What is nature, insofar as there is hail, rain, storms, thunderstorms, earthquakes, and volcanic eruptions? — These initiates have always said: This nature, with all its phenomena, is a somnambulist!

[ 28 ] Und jetzt blicken wir hin zu dem Gang der Sterne, der uns in den regelmäßigen Zahlenverhältnissen auch in okkultistischer Beziehung entgegentritt: da haben wir dasMakrokosmische unseres Wachbewußtseins. Und dann blicken wir hinein in unser Traumbewußtsein, auf das, was mehr oder weniger durch dieses Traumbewußtsein sich ausspricht, und wir haben dasjenige, was sich draußen in den unregelmäßigen Erscheinungen unserer Erde vollzieht wie ein Spiegelbild. Wir schauen hinauf zum Himmel und seiner Sternenweite und haben da draußen das Makrokosmische für unser Wachbewußtsein. Wir blicken hinunter auf die Erde mit ihren Erscheinungen und wir haben ein Bild, wie wenn die Natur als Somnambule, als somnambule Träumerin draußen spiegelte dasjenige, was in dem tiefen Schoße unserer Seele vor sich geht. Unser wacher Geist denkt nach der Astronomie. Unser träumendes, phantasieerfülltes, oftmals somnambules Seelenleben lebt und webt nach dem großen somnambulen Bewußtsein der Erdennatur. Das ist eine tiefe Wahrheit.

[ 28 ] And now let us turn our gaze to the movement of the stars, which also presents itself to us in regular numerical ratios from an occult perspective: there we find the macrocosmic aspect of our waking consciousness. And then we look into our dream consciousness, at what is expressed more or less through this dream consciousness, and we have that which unfolds outside in the irregular phenomena of our Earth like a mirror image. We look up at the sky and its vast expanse of stars, and there, outside, we have the macrocosmic realm for our waking consciousness. We look down upon the Earth with its phenomena, and we see a picture as if nature, like a somnambulist, a somnambulist dreamer, were reflecting out there what is taking place in the deep bosom of our soul. Our waking mind thinks in terms of astronomy. Our dreaming, imagination-filled, often somnambulistic soul life lives and weaves in accordance with the great somnambulistic consciousness of earthly nature. This is a profound truth.

[ 29 ] Denken Sie bis morgen einmal darüber nach, inwiefern Sie Astronomie in Ihrem Wachbewußtsein waltend haben und Meteorologie in Ihrem Unterbewußtsein. Gestern haben wir an Otto Weininger ein Beispiel gehabt des Zusammenwirkens von Astronomie im Menschen, die aber gleichsam abgedämpft war durch die Meteorologie. Davon wollen wir dann morgen sprechen.

[ 29 ] Think about it until tomorrow: to what extent does astronomy reign in your waking consciousness, and meteorology in your subconscious? Yesterday, we saw in Otto Weininger an example of the interplay of astronomy within a person, which was, however, as it were, dampened by meteorology. We’ll talk about that tomorrow.