The Riddle of Man
The Spiritual Background of Human History
GA 170
31 July 1916, Dornach
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The Riddle of Man, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Wenn wir zurückblicken auf das in diesen zwei verflossenen Tagen Besprochene und uns das Hauptergebnis vor die Seele führen, so ist es ja das, daß der Mensch im Grunde genommen der Ausdruck ist einer Doppelnatur. Wir haben gesehen, wie wir alles das, was die Menschenseele belebt im Wachbewußtsein, zurückzuführen haben auf Einflüsse, Eindrücke, die — wenn der Ausdruck kosmisch genommen wird — dem Menschen aus dem Himmlischen, aus dem Universellen eingeprägt sind. Was gewissen tieferen Regionen der Menschennatur zugrunde liegt, was nur im normalen Leben heraufwogt in das Bewußtsein im Traum, das ist zurückzuführen auf Einflüsse, Eindrücke des Terrestrischen, des im engeren Sinne Irdischen. Wenn wir im geisteswissenschaftlichen Sinne die Welt betrachten, dann muß uns alles, was den Sinnen erscheint, wie ein wirklicher Ausdruck des Geistigen sein.
[ 1 ] When we look back on what has been discussed over the past two days and reflect on the main conclusion, it is indeed that the human being is, in essence, the expression of a dual nature. We have seen how everything that animates the human soul in waking consciousness can be traced back to influences and impressions that—if the term is taken in a cosmic sense—are imprinted upon the human being from the heavenly, from the universal. What underlies certain deeper regions of human nature—what in normal life only surges up into consciousness in dreams—can be traced back to influences and impressions from the terrestrial, from the earthly in the narrower sense. When we view the world from a spiritual-scientific perspective, then everything that appears to the senses must be seen as a true expression of the spiritual.
[ 2 ] Nun ist wirklich der Mensch auch mit Bezug auf seine bildliche Erscheinung, mit Bezug auf seine sinnliche Offenbarung ein Ausdruck dieser seiner Doppelnatur. Am besten kann man sich das vergegenwärtigen, weil es da am deutlichsten wird, wenn man das Skelett betrachtet, das sehr deutlich aus zwei Teilen besteht: dem Kopf, dem Schädelteil und dem übrigen Körperteil, und beide hängen im Grunde genommen nur durch einen dünnen Skelettstrang zusammen. Der Kopf ist eigentlich nur aufgesetzt. Man kann ihn herunterheben. Das gibt auch äußerlich, bildlich den Ausdruck jener Doppelnatur; denn dadurch, daß der Mensch sein Haupt, seinen Schädel, seinen Kopf hat, hat er Wachbewußtsein; dadurch, daß er die übrige Natur hat, die beim Skelett am Kopfe daranhängt, hat er alles das, was sich mehr oder weniger im Unterbewußten abspielt und heraufwogt in den Träumen, heraufwogt dann auch dadurch, daß es durchglüht, durchfeuert, durchleuchtet das gewöhnliche Wachbewußtsein in der schöpferischen Phantasie des Dichters, des Künstlers. Da wirkt immer, wenn auch das Edelste der irdischen Natur, so doch eben die irdische Natur durch das, was sonst gewöhnliches Wachbewußtsein ist, durchaus mit. Wir haben gestern gesehen, wie man aus dem Bewußtsein einer gewissen Zeitkultur, der hebräischen Kultur heraus geradezu hinweisen kann darauf, wie die Menschen Erkenntnisse gehabt haben, ausführliche, gründliche Erkenntnisse des Zusammenhanges des menschlichen Wachbewußstseins mit den überirdischen Vorgängen, den überirdischen Tatsachen. Wir haben gesehen, wie eigentlich das, was man die kosmische Gedankenwelt nennen kann, die sich ausdrückt in den Bewegungen der Sterne, sich ihr Abbild schafft in dem, was der Mensch als sein Wachbewußtsein hat, was er dadurch hat, daß er sich für das Wachbewußtsein zunächst des Organes seines Kopfes bedient. Jenes wunderbare Darinnenstehen des Menschen in dem gesamten Universum, gewissermaßen in den himmlischen und irdischen Tatsachen zugleich, das haben wir betrachtet.
[ 2 ] Now, human beings are truly an expression of this dual nature of theirs, even in terms of their physical appearance and their sensory manifestation. The best way to visualize this—because it becomes clearest there—is to look at the skeleton, which very clearly consists of two parts: the head, the skull, and the rest of the body, and both are essentially connected only by a thin skeletal strand. The head is actually just perched on top. One can lift it off. This also expresses, outwardly and visually, that dual nature; for it is through having his head—his skull—that a human being possesses waking consciousness; and it is through having the rest of his nature—which, in the skeleton, is attached to the head—that he possesses everything that takes place more or less in the subconscious and surges up in dreams, and it also surges up through the fact that it glows through, burns through, and illuminates ordinary waking consciousness in the creative imagination of the poet and the artist. Here, even the noblest aspect of earthly nature—and yet, precisely because it is earthly nature—is always at work through what is otherwise ordinary waking consciousness. Yesterday we saw how, based on the consciousness of a particular historical culture—the Hebrew culture—one can point directly to how people possessed insights, detailed and thorough insights into the connection between human waking consciousness and supernatural processes, supernatural realities. We have seen how what might be called the cosmic world of thought—which expresses itself in the movements of the stars—creates its own image in what human beings experience as their waking consciousness, which they possess by making use, for the purposes of waking consciousness, primarily of the organ of their head. We have considered that wondrous way in which human beings stand within the entire universe—in a sense, within both the heavenly and earthly realities at the same time.
[ 3 ] Wenn man all dem, was mit diesen schwerwiegenden, bedeutungsvollen Tatsachen zusammenhängt, gerecht werden will, dann muß man sich schon von Vorurteilen losmachen. Und ein solches ahrimanisches Vorurteil ist ja besonders bei denen vorhanden, welche in einem gewissen Sinne doch Mystiker sein wollen. Es ist das Vorurteil, das sich in einer gewissen Empfindung ausspricht und das darin besteht, daß man sagt: Das Irdische ist das Wertlose, was man unbedingt zu überwinden hat, es ist der rohe, gemeine Stoff, von dem ein wirklich der Geisteswelt zustrebender Mensch gar nicht spricht; wonach man streben muß, das ist das Geistige! — Wenn man dabei auch oftmals von diesem Geistigen die verworrensten Vorstellungen hat und sich vielleicht bloß sinnliche Bilder davon macht, so empfindet man doch so. Deshalb sage ich, es drückt sich das, was in Betracht kommt, mehr in einer Art Empfindungsrichtung aus. Aber man wird niemals die Wesenheit sowohl des Menschen wie der Welt verstehen können, wenn man nur in dieser vorurteilsvollen Empfindung leben will. Denn diese Empfindung kann man nur haben, wenn man in einem gewissen einseitigen Sinne als auf der Erde im physischen Leibe lebender Mensch die Erde betrachtet, und von dieser Erdenbetrachtung aus die ja gewiß berechtigte Sehnsucht hat nach dem, was überirdisch ist und was durchlebt werden muß zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Aber man wird niemals vollständig eine Art verständnisvollen Gefühles haben können für das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wenn man so, wie ich es eben angedeutet habe, über das Irdische spricht. Denn, so paradox es klingen mag, es ist wahr, und aus gewissen Zyklen werden Sie das deutlich entnehmen können, wo Sie es im einzelnen dargestellt finden: Was dem Menschen zwischen Geburt und Tod, also dem Menschen im physischen Leibe vorschwebt, wenn er von dem Himmel spricht, das schwebt dem Toten, der zwischen dem Tode und einer neuen Geburt steht, dem im Geiste und in der Seele lebenden Menschen, so vor, daß er in demselben Sinne von der Erde spricht. Den im Himmel lebenden Menschen, denen ist das Jenseits die Erde, denen ist das Wertvolle, auf das sie blicken, die Erde. Die reden von der Erde so, wie wir von dem Himmel reden. Es ist das Land ihrer Sehnsucht, zu dem sie wieder hinwollen in einer neuen Verkörperung, das Land, nach dem sie streben. Und man bekommt ein falsches Gefühl von dem, wie die Toten leben, wenn man dieses nicht ins Auge faßt.
[ 3 ] If one wishes to do justice to everything connected with these serious, significant facts, one must free oneself from prejudices. And such an Ahrimanic prejudice is particularly prevalent among those who, in a certain sense, still wish to be mystics. It is the prejudice that finds expression in a certain feeling and consists in saying: The earthly is worthless, something that must be overcome at all costs; it is the crude, base matter of which a person truly striving toward the spiritual world does not even speak; what one must strive for is the spiritual! — Even if one often has the most confused notions of this spiritual realm and perhaps forms merely sensory images of it, one still feels this way. That is why I say that what is at stake here is expressed more in a certain emotional orientation. But one will never be able to understand the essence of both humanity and the world if one wishes to live solely within this prejudiced sentiment. For one can only have this feeling if, as a human being living on Earth in a physical body, one views the Earth in a certain one-sided sense, and from this earthly perspective harbors the certainly justified longing for what is supernatural and what must be lived through between death and a new birth. But one will never be able to fully develop a kind of understanding feeling for the life between death and a new birth if one speaks of earthly matters in the way I have just indicated. For, as paradoxical as it may sound, it is true, and you will be able to see this clearly from certain cycles, where you will find it described in detail: What comes to mind for a human being between birth and death—that is, for a human being in a physical body—when speaking of heaven, comes to mind in the same way for the dead person who stands between death and a new birth—the human being living in spirit and soul—so that they speak of the earth in the same sense. For those who live in heaven, the afterlife is the earth; for them, the earth is the precious thing toward which they look. They speak of the earth just as we speak of heaven. It is the land of their longing, to which they wish to return in a new incarnation—the land toward which they strive. And one gets a false impression of how the dead live if one does not take this into account.
[ 4 ] Ich habe öfters darauf aufmerksam gemacht, daß man nicht pedantisch sein darf und glauben, daß der Grundsatz «im Geistigen ist alles umgekehrt», einfach nun so angewendet werden könne, daß man sagt: Man stellt sich die geistige Welt richtig vor, wenn man sie umgekehrt gegenüber der physischen vorstellt. Da wird gar nichts Besonderes herauskommen durch eine abstrakte Anwendung eines solchen Satzes. Es müssen schon die Tatsachen im einzelnen betrachtet werden, aber es ist wahr, daß dieser Grundsatz von der Umkehrung, wie ich ihn eben angedeutet habe, für vieles gilt. So zum Beispiel kann derjenige, der in geistigen Welten forschend lebt, ein merkwürdiges Land kennenlernen, ein Land, in dem sich einzelne Menschen befinden unter anderen Menschen. Die anderen Menschen, unter denen sich diese einzelnen befinden, sind normale Menschen, so wie die gläubigen Erdenmenschen ich sage die gläubigen Erdenmenschen. — Das sind die, die ein gewisses Gefühl haben für das Himmlische, ein gewisses Gefühl für das Irdische. Aber unter diesen anderen leben einzelne in dem Lande, von dem ich spreche, die leugnen vollständig das Irdische, leugnen alle Materie, allen Stoff, die sagen, es gäbe nur Geistiges, und es sei ein Aberglaube, von Materie zu sprechen. Das Land, von dem ich Ihnen erzähle, ist allerdings nicht hier in der physischen Welt, sondern es ist ein Geistgebiet, das man entdeckt, wenn man den Blick hinrichtet auf gewisse Teile der geistigen Welt, etwa, sagen wir, von der Mitte des achtzehnten bis zu der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Da lebten Sie alle in der geistigen Welt noch, man kann wohl sagen, wenigstens im ersten Teil lebten wir alle noch in der geistigen Welt, und waren so im Durchschnitt Menschen in der geistigen Welt, die als Seelen Empfindungen hatten von dem Himmlischen, in dem wir drinnen waren, und von dem Irdischen, nach dem wir strebten, und das dort ein Jenseits ist. Dann aber gab es einige, die betrachteten das Reden von dem Irdischen als einen Aberglauben, die behaupteten, es gebe nur Geistiges, und alles Irdische, Stoffliche sei eine Träumerei. Ja, diese Menschen wurden natürlich dann auch geboren. Sie trugen die Namen Ludwig Büchner, Ernst Haeckel, Carl Vogt und so weiter. Diese Menschen, die Sie ja in bezug auf ihr Ausleben in der physischen Welt genügend kennen, sind diejenigen, die gerade in ihrem letzten Stadium während ihres Hereinlebens in die physische Welt alles Materielle als einen Aberglauben erklärt haben, die das Geistige als das einzig Wirkliche anerkannt haben, weil das um sie herum war, und weil sie nicht auf etwas blicken wollten, was nicht um sie herum war, was im Jenseits war. Sie werden fragen: Woher kommt es denn, daß diese Menschen dann geboren wurden und sich allmählich zu solchen Seelen entwickelten, welche von der Materie als dem einzig Vorhandenen sprechen? — Das werden Sie fragen, aber das könnte Ihnen doch verständlich sein, denn diese Menschen haben ja doch, bevor sie geboren wurden, kein Verständnis für die Materie gezeigt, und das ist ihnen geblieben; denn wer die Materie als absolut bezeichnet und nicht als etwas, was bloß Ausdruck des Geistes ist, der versteht eben nichts von der Materie, und ein Materialist ist man nicht, wenn man den Materialismus so vertritt wie die genannten Persönlichkeiten, ein Materialist ist man nicht dadurch, daß man das Materielle als Materielles versteht, sondern eben gerade dadurch, daß man das Materielle als Materielles nicht versteht. Also darin haben sie sich nicht geändert, daß sie kein Verständnis für das materielle Leben haben.
[ 4 ] I have often pointed out that one must not be pedantic and believe that the principle “in the spiritual realm, everything is reversed” can simply be applied in such a way that one says: One conceives of the spiritual world correctly if one imagines it as the reverse of the physical world. Nothing particularly meaningful will come of an abstract application of such a statement. The facts must be considered in detail, but it is true that this principle of reversal, as I have just indicated, applies to many things. For example, someone who lives a life of exploration in the spiritual worlds can come to know a strange land—a land in which individual human beings find themselves among other human beings. The other people among whom these individuals are found are ordinary people, just like the devout people on Earth—I say, the devout people on Earth. — These are the ones who have a certain feeling for the heavenly, a certain feeling for the earthly. But among these others, there are individuals living in the realm of which I speak who completely deny the earthly, deny all matter, all substance—who say that only the spiritual exists, and that it is superstition to speak of matter. The land I am telling you about, however, is not here in the physical world; rather, it is a spiritual realm that one discovers when one directs one’s gaze toward certain parts of the spiritual world—say, from the mid-eighteenth to the mid-nineteenth century. At that time, all of you were still living in the spiritual world—one might well say that, at least during the first part of that period, we were all still living in the spiritual world—and, on average, we were people in the spiritual world who, as souls, had perceptions of the heavenly realm in which we were immersed and of the earthly realm toward which we were striving, which is the hereafter. But then there were some who regarded talk of the earthly realm as superstition, who claimed that only the spiritual existed, and that everything earthly and material was a fantasy. Yes, these people were, of course, born as well. Their names were Ludwig Büchner, Ernst Haeckel, Carl Vogt, and so on. These people, whom you know well enough in terms of how they lived out their lives in the physical world, are the very ones who, especially in the final stage of their physical existence, declared all material things to be superstition; they recognized the spiritual as the only reality because that was what surrounded them, and because they did not want to look at anything that was not around them—that which lay in the hereafter. You will ask: How is it, then, that these people were born and gradually developed into souls who speak of matter as the only thing that exists? — You will ask that, but it should be understandable to you, for these people, after all, showed no understanding of matter before they were born, and that has remained with them; for whoever describes matter as absolute—and not as something that is merely an expression of the spirit—simply understands nothing about matter; and one is not a materialist if one advocates materialism as these individuals do; one is not a materialist by understanding the material as material, but precisely by failing to understand the material as material. So in this respect they have not changed: they have no understanding of material life.
[ 5 ] Da sehen Sie gleich ein Gebiet, in dem eine vollständige Umkehrung, eine richtige Umkehrung vorliegt für die geistige Welt gegenüber dem, was man in der physischen Welt hier nach den Erscheinungen glaubt. Aber wie gesagt, man darf diesen Grundsatz nicht in absträkter Art nun über alles ausdehnen. Ich sage das alles, namentlich das von dem Jenseitscharakter des Irdischen während unseres Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, damit man den Gegensatz, der in der alten griechischen Mythologie durch die zwei Worte «Uranos» und «Gäa» ausgedrückt wird, nicht so fasse, als ob das eine das absolut Wertvolle und das andere das absolut Minderwertige wäre, sondern damit man ihn so faßt, als ob es eben zwei entgegengesetzte Pole wären eines Einheitlichen. Uranos ist gewissermaßen der Umkreis, und der polarische Gegensatz des Umkreises ist der Mittelpunkt, die Gäa. Die Griechen haben zunächst gar nicht gedacht an das eng begrenzte Geschlechtliche der Menschen oder des Irdischen, wenn sie von Uranos und Gäa gesprochen haben, sondern diesen Gegensatz, den wir jetzt charakterisiert haben — das Himmlische, das Irdische —, diesen Gegensatz als solchen haben sie gemeint.
[ 5 ] Here you can immediately see an area in which there is a complete reversal—a true reversal—in the spiritual world compared to what one believes here in the physical world based on outward appearances. But as I said, one must not now extend this principle in an abstract way to everything. I am saying all this—particularly regarding the otherworldly nature of earthly existence during our life between death and a new birth—so that one does not interpret the contrast, which in ancient Greek mythology is expressed by the two words “Uranos” and “Gaia,” is not understood as if one were absolutely valuable and the other absolutely inferior, but rather so that it is understood as if they were simply two opposing poles of a single unity. Uranos is, so to speak, the circumference, and the polar opposite of the circumference is the center, Gaia. When the Greeks spoke of Uranos and Gaia, they did not initially have in mind the narrowly defined sexual aspect of human beings or of the earthly realm, but rather this contrast that we have now characterized—the heavenly and the earthly—this contrast as such is what they meant.
[ 6 ] Ich mußte das auseinandersetzen, weil wir sonst gar kein Verständnis gewinnen könnten für das, was ich im weiteren zu sagen habe. Es ist ja ohnedies heute sehr schwierig, gewisse tiefere Wahrheiten der Menschheit schon zugänglich zu machen. Abergewissermaßen antippen kann man doch, und das soll auch geschehen, soweit es eben möglich ist.
[ 6 ] I had to explain this because otherwise we would not be able to gain any understanding of what I am about to say. It is, after all, very difficult today to make certain deeper truths accessible to humanity. But one can, in a sense, touch upon them, and that is what should be done, as far as possible.
[ 7 ] Zu diesen Betrachtungen, die wir nun zu pflegen haben, bitte ich Sie also, ganz genau festzuhalten, in welchem Sinne der Mensch eine Doppelnatur ist, und wie sich diese Doppelnatur äußerlich in seiner Leibesgestaltung ausdrückt dadurch, daß er aus dem Kopf und dem übrigen Leib besteht. Der Kopf des Menschen erfährt seine hauptsächlichste Gestaltung, seine ganze Formung eigentlich schon während der Zeit zwischen dem letzten Tod und der neuen Geburt. Selbstverständlich wird der physische Kopf irdisch erzeugt; darauf kommt es aber nicht an, sondern die Form, die er bekommt, die Art, wie er geformt wird, die hängt zusammen mit Kräften, die in der Zeit weit zurückliegen. Der Mensch bekommt seinen Kopf tatsächlich aus dem Himmel heraus geformt, denn alle die Kräfte, die da wirken zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, sind wirklich dazu angetan, dem Menschen seinen Kopf zu bilden. Wenn auch der Kopf den Weg durch die physische Geburt und die physische Vererbung machen muß, der Mensch hat seinen Kopf vom Himmel. Nur den übrigen Körper hat er von der Erde. So daß der Mensch seiner Leibesgestaltung nach ein Produkt von Uranos und Gäa ist: dem Kopfe nach ein Ergebnis himmlischer Kräfte, dem übrigen Leibe nach ein Ergebnis irdischer Kräfte, Uranos und Gäa.
[ 7 ] In light of these considerations, which we must now address, I ask you to take careful note of the exact sense in which human beings possess a dual nature, and how this dual nature is outwardly expressed in the structure of their physical body—namely, in the fact that it consists of the head and the rest of the body. The human head undergoes its most fundamental shaping—its entire formation—actually during the period between the last death and the new birth. Of course, the physical head is produced on earth; but that is not the point. Rather, the form it takes, the way it is shaped, is connected to forces that lie far back in time. The human being’s head is in fact shaped from heaven, for all the forces at work between death and a new birth are truly intended to form the human being’s head. Even though the head must take its course through physical birth and physical heredity, the human being receives his head from heaven. Only the rest of the body comes from the earth. Thus, in terms of physical form, the human being is a product of Uranus and Gaia: the head is the result of heavenly forces, and the rest of the body is the result of earthly forces, Uranus and Gaia.
[ 8 ] Nun tritt der Mensch ins Dasein, und wenn er geboren wird, so ist das ganz stark in ihm ausgeprägt, so stark, daß man sagen kann: Da wird etwas hereingesetzt in die physische Welt, das ist dem Kopfe nach wirklich ein Abdruck derjenigen Kräfte, die himmlisch wirken, und da ist der Leib, der ein Abbild ist der Kräfte, die irdisch wirken. Das ist, wenn der Mensch eben geboren worden ist, besonders stark ausgeprägt. Für den, der mit tiefer Erkenntnis den Menschen durchschauen kann, ist da ein starker Gegensatz zwischen dem Kopf und dem übrigen Leib. Beim kleinen Kinde ist wirklich ein starker Gegensatz. Man muß nur lernen, solche Dinge unbefangen zu beobachten, dann merkt man schon, daß ein großer, gewaltiger Gegensatz ist zwischen dem Kopf, dem Uranosgebiet des Menschen, und dem übrigen Leib, dem Gäagebiet des Menschen.
[ 8 ] Now the human being enters into existence, and when he is born, this is very strongly imprinted within him—so strongly that one can say: Something is brought into the physical world that, in terms of the head, is truly an imprint of the forces that act from the heavens, and there is the body, which is a reflection of the forces that act from the earth. This is particularly pronounced when a human being has just been born. For those who can perceive the human being with deep insight, there is a stark contrast between the head and the rest of the body. In a small child, this contrast is truly striking. One need only learn to observe such things impartially to realize that there is a great, powerful contrast between the head—the Uranus realm of the human being—and the rest of the body—the Gaia realm of the human being.
[ 9 ] Betrachten wir das Leben bis zu dem ersten bedeutsamen Einschnitt, bis zum siebenten Jahre ungefähr, bis zum Zahnwechsel. Wir wissen, daß das der erste bedeutungsvolle Lebensabschnitt des Menschen ist. Diese Zeit ist sehr wichtig, denn jetzt kommt das Paradoxe, das in der rechten Weise zu verstehen wichtig ist. Denn in dieser Zeit zwischen der Geburt und dem siebenten Jahre oder dem Zahnwechsel wird der Mensch eigentlich von denen, die ihn physisch betrachten, ganz falsch betrachtet. Ich habe schon öfter von anderen Gesichtspunkten aus darauf hingewiesen. Es wird der Mensch in seinen ersten sieben Lebensjahren, wollen wir kurz sagen, so betrachtet, als ob er schon männlich oder weiblich wäre. Das ist vom höheren Gesichtspunkte aus vollständig falsch. Nur der heutige Materialismus ist dieser Ansicht, daher betrachtet der heutige Materialismus auch immer Äußerungen in den ersten sieben Lebensjahren schon wie sexuelle Außerungen, die sie gar nicht sind. Viel gesünder wird eine Anschauung einmal sein, die wissen wird, daß das Kind in den ersten sieben Lebensjahren überhaupt noch kein sexuelles, sondern ein asexuelles Wesen ist. Wenn ich mich trivial ausdrücken darf, so möchte ich sagen, es schaut nur so aus, als ob der Mensch in den ersten sieben Jahren schon männlich oder weiblich wäre. Und zwar deshalb schaut es so aus, weil in dem, was für den Materialismus einzig und allein da ist, im Physischen, kein rechter Unterschied auftritt zwischen dem, was der Mensch heute in den ersten sieben Lebensjahren irrtümlicherweise männlich nennt und was er später so nennt, und ebenso was er weiblich nennt. Das Spätere sieht aus wie eine Fortsetzung dessen, was schon da ist; das ist es aber gar nicht. Und jetzt bitte ich Sie wirklich, das, was ich gesagt habe, recht sehr in Ihre Empfindungen aufzunehmen, damit Sie es nicht mißverstehen und nach dem Muster, wie man das heute auf anderen Gebieten tut, wo man nicht mehr objektiv, sondern nur nach Werturteilen urteilt, auch da gleich wieder Werturteile einmischen, wo nur Objektives gemeint ist.
[ 9 ] Let us consider life up to the first significant milestone—roughly the age of seven, when the baby teeth are replaced. We know that this is the first significant stage of a person’s life. This period is very important, for here lies the paradox that must be understood correctly. For during this time between birth and the age of seven—or the change of teeth—the person is, in fact, viewed entirely incorrectly by those who observe him or her from a physical perspective. I have pointed this out on several occasions from other perspectives. During the first seven years of life—to put it briefly—a human being is viewed as if they were already male or female. From a higher perspective, this is completely wrong. Only today’s materialism holds this view; that is why today’s materialism always interprets expressions during the first seven years of life as sexual expressions, which they are not at all. A much healthier view will one day be one that recognizes that during the first seven years of life, the child is not yet a sexual being at all, but rather an asexual one. If I may put it simply, I would say that it only appears as though a human being is already male or female during the first seven years. And the reason it looks that way is that in the physical realm—which is the only thing that exists for materialism—there is no real difference between what people today mistakenly call “male” in the first seven years of life and what they later call by that name, nor between what they call “female.” What comes later appears to be a continuation of what is already there; but that is not the case at all. And now I truly ask you to take what I have said very much to heart, so that you do not misunderstand it and, following the pattern of how things are done today in other fields—where judgments are no longer made objectively but solely on the basis of value judgments—immediately introduce value judgments into a context where only objective considerations are intended.
[ 10 ] Das, was in den ersten sieben Jahren männlich aussieht — und hier bitte ich Sie zu berücksichtigen, was ich über Uranos und Gäa gesagt habe —, das ist nicht männlich als solches, sondern ist nur äußerlich so gestaltet, damit dasjenige, was sonst auf den Kopf wirkt, das Himmlische, fortwirkt und den Menschen und die menschliche Gestalt nach dem Außerirdischen, Himmlischen formt. Dadurch sieht es so aus wie das Männliche. Es ist gar nicht männlich, es ist nach dem Uranos geformt, nach dem Außerirdischen! Ich sagte: vorzugsweise ist der Kopf des Menschen himmlisch, der übrige Körper irdisch. Aber sowohl hat das Irdische eine Hereinstrahlung des Himmlischen, wie das Himmlische eine Hereinstrahlung des Irdischen. Alles steht in Wechselwirkung; es ist nur das eine oder das andere überwiegend. Ich möchte sagen, das Himmlische überschattet bei der einen Sorte des Menschen den Körper, auch den außerkopflichen Körper, und macht ihn so, daß man sagt, er ist männlich. Aber das hat nichts mit dem Geschlechtlichen zu tun, es ist nur eine Organisation, die mehr uranisch ist, und eine andere Organisation bei anderen Individuen ist mehr terrestrisch, gäisch. Gar nicht ist der Mensch ein Geschlechtswesen in den ersten sieben Jahren; das ist Maja. Unterschiedlich sind sie dadurch, daß bei dem einen Körper mehr der Himmel, bei dem andern mehr die Erde wirkt. Und ich habe vorausgeschickt, daß für eine universelle Weltbetrachtung das Irdische geradesoviel wert ist wie das Himmlische, damit kein Werturteil Platz greifen kann, damit nicht geglaubt werden kann, es sollte in Weiningerscher Weise das Weibliche herabgewürdigt werden dadurch, daß es von einem erhabenen mystischen Standpunkte aus nur irdisch ist oder gäisch. Es ist jedes der Pol des anderen, hat aber noch nichts mit dem Geschlechte zu tun.
[ 10 ] What appears to be masculine in the first seven years—and here I ask you to bear in mind what I have said about Uranus and Gaia—is not masculine as such, but is merely shaped outwardly in such a way that what otherwise acts upon the head, the heavenly, continues to work and shapes the human being and the human form according to the extraterrestrial, the heavenly. This is why it looks like the masculine. It is not masculine at all; it is shaped according to Uranus, according to the extraterrestrial! I said: the human head is primarily celestial, while the rest of the body is earthly. But just as the earthly is permeated by the celestial, so too is the celestial permeated by the earthly. Everything interacts; it is just that one or the other predominates. I would say that in one type of human being, the heavenly overshadows the body—including the body outside the head—and makes it such that one says, “He is male.” But this has nothing to do with sexuality; it is simply an organization that is more Uranian, whereas in other individuals, a different organization is more terrestrial, more Gaian. During the first seven years, the human being is not at all a sexual being; that is Maya. They differ in that in one body the heavenly aspect is more active, while in the other the earthly aspect is more active. And I have stated from the outset that, for a universal view of the world, the earthly is just as valuable as the heavenly, so that no value judgment can take hold, so that it cannot be believed—in the manner of Weininger—that the feminine should be disparaged by being deemed, from a lofty mystical standpoint, merely earthly or gäisch. Each is the opposite pole of the other, but this has nothing to do with gender.
[ 11 ] Nun, was findet statt im Menschlichen, in der menschlichen Organisation während der ersten sieben Jahre? Alles das, was ich sage, müssen Sie so auffassen, daß es hauptsächlich stattfindet, es ist immer auch der Gegensatz da, aber das, was ich charakterisiere, ist eben in der Hauptsache da. Sehen Sie, in den ersten sieben Jahren sind fortwährende Strömungen, Kräftewirkungen vorhanden von dem übrigen Organismus nach dem Haupte hin. Gewiß sind auch Strömungen vom Kopf nach dem übrigen Organismus, die sind aber in dieser Zeit schwach im Verhältnis zu den starken Strömungen, die von dem Leib nach dem Kopfe gehen. Wenn der Kopf wächst in den ersten sieben Jahren, wenn er sich noch weiter ausbildet, so rührt das davon her, daß der Leib eigentlich seine Kräfte in den Kopf hineinschickt; der Leib drückt sich in den Kopf hinein in den ersten sieben Jahren, und der Kopf paßt sich der Leibesorganisation an. Das ist das Wesentliche in der menschlichen Entwickelung, daß sich der Kopf in den ersten sieben Jahren der Leibesorganisation anpaßt. Daher dieses Eigentümliche, was man beobachten kann, wenn man einen feinen Sinn hat für das Verwandeln des menschlichen Antlitzes in den ersten sieben Lebensjahren, dieses Heraufströmen der übrigen Organisation. Beachten Sie das nur einmal, wie das Gesicht des Kindes ist, und wie es nach dem Zahnwechsel ganz anders geworden ist, wo sich der ganze Leib gewissermaßen in den Gesichtsausdruck hineinergossen hat.
[ 11 ] Now, what takes place within the human being, within the human organism, during the first seven years? Everything I say must be understood to be what primarily takes place; the opposite is always present as well, but what I am describing is, in essence, what is predominantly there. You see, during the first seven years there are continuous currents and forces flowing from the rest of the organism toward the head. Certainly there are also currents flowing from the head to the rest of the organism, but during this period they are weak in comparison to the strong currents flowing from the body to the head. When the head grows during the first seven years, as it continues to develop, this is because the body is actually sending its forces into the head; the body presses itself into the head during the first seven years, and the head adapts to the body’s organization. This is the essential aspect of human development: that the head adapts to the body’s organization during the first seven years. Hence this peculiar phenomenon that can be observed if one has a keen sense for the transformation of the human face during the first seven years of life—this surging upward of the rest of the organism. Just observe for a moment what the child’s face is like, and how it has become completely different after the teeth have fallen out, when the entire body has, so to speak, poured itself into the facial expression.


[ 12 ] Dann kommt die Zeit ungefähr vom siebenten bis zum vierzehnten Lebensjahre, der zweite Lebensabschnitt des Menschen, bis zur Geschlechtsreife. Da findet das gerade Entgegengesetzte statt: ein fortwährendes Strömen der Kopfkräfte in den Organismus hinein, in den Leib hinein; da paßt sich der Leib dem Kopfe an. Das ist sehr interessant wahrzunehmen, wie eine vollständige Revolution im Organismus stattfindet: ein Strömen, ein Hinaufkraften des Leibes in den Kopf in den ersten sieben Jahren, was dann den Abschluß findet im Zahnwechsel, und dann eine Umkehrung, ein Hinunterströmen, Hinunterkraften. Und durch dieses Hinunterströmen, Hinunterkraften wird der Mensch erst ein Geschlechtswesen. Jetzt wird der Mensch erst ein sexuelles Wesen. Und das, was die vorerst himmlischen oder irdischen Organe zu Geschlechtsorganen macht, das kommt aus dem Kopf, das ist Geist. Die physischen Organe — man kann es geradezu so aussprechen — sind gar nicht für Sexualität bestimmt; sie werden erst angepaßt der Sexualität. Und wer behauptet, sie wären ursprünglich der Sexualität angepaßt, der urteilt nur nach der äußeren Meinung. Sie sind so, daß die einen angepaßt sind dem Himmlischen, die anderen dem Irdischen. Abbilder sind sie. Der Geschlechtscharakter wird ihnen erst aufgedrückt durch das, was aus der Kopfströmung kommt vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre. Da erst wird der Mensch ein Geschlechtswesen.
[ 12 ] Then comes the period from about the seventh to the fourteenth year of life, the second stage of human life, leading up to sexual maturity. During this time, the exact opposite takes place: a continuous flow of the head forces into the organism, into the body; the body adapts to the head. It is very interesting to observe how a complete revolution takes place within the organism: a flow, a striving upward from the body into the head during the first seven years, which then culminates in the change of teeth, followed by a reversal—a downward flow, a striving downward. And it is through this downward flow, this striving downward, that the human being first becomes a sexual being. Only now does the human being become a sexual being. And what transforms the organs—which are initially heavenly or earthly—into sexual organs comes from the head; it is the spirit. The physical organs—one can put it quite plainly—are not at all intended for sexuality; they are only adapted to sexuality. And anyone who claims that they were originally adapted to sexuality is judging solely on the basis of outward appearances. They are such that some are adapted to the heavenly, others to the earthly. They are images. Their sexual character is only imprinted upon them by what comes from the flow of the head between the ages of seven and fourteen. Only then does the human being become a sexual being.


[ 13 ] Es ist außerordentlich bedeutsam, daß man diese Dinge genau ins Auge faßt; denn man erlebt es heute in der Praxis alle Augenblicke, daß Leute kommen mit den kleinsten Kindern und darüber klagen, daß sie geschlechtliche Ungezogenheiten haben. Das ist vor dem siebenten Jahre gar nicht möglich, weil das, was dann vorhanden ist, überhaupt nichts Geschlechtliches ist, gar nicht diese Bedeutung hat. Und es würde auf medizinische Weise eine Heilung hier nicht eintreten können, sondern auf normale Weise dadurch, daß man diese Dinge nicht mehr mit falschen Namen benennt und dadurch ihnen falsche Begriffshüllen überwirft. Erwerbe man sich doch wiederum jene, ich möchte sagen, heilige Unschuld, welche die Alten hatten mit Bezug auf diese Dinge, denen es gar nicht eingefallen wäre bei ihrem noch atavistischen Wissen aus der geistigen Welt, bei Kindern schon von der Sexualität zu sprechen. Von anderen Gesichtspunkten aus habe ich ja auf diese Dinge schon hingedeutet.
[ 13 ] It is extremely important to take a close look at these matters; for we see it happening all the time in practice today: people come with their very young children and complain that the children are exhibiting sexual misbehavior. This is not at all possible before the age of seven, because what is present at that stage is not sexual at all; it simply does not have that meaning. And a cure could not be achieved here through medical means, but rather in a natural way—by no longer referring to these things by false names and thereby casting false conceptual veils over them. Let us regain that—I would say—sacred innocence that the ancients possessed with regard to these matters; with their still atavistic knowledge of the spiritual world, it would never have occurred to them to speak of sexuality to children at all. I have already alluded to these matters from other perspectives.
[ 14 ] Wenn Sie aber das nehmen, was wir so herausholen konnten aus der geistigen Welt an bedeutungsvollen Wahrheiten über den Menschen und seinen Zusammenhang mit der irdischen und himmlischen Welt, dann werden Sie erst recht sehen, wie ein solcher Mensch wie Weininger in der Karikatur gewissen berechtigten Ideen entspricht. Denn würde er die Dinge so durchschauen, wie sie hier dargestellt worden sind, dann würde er mit einer gewissen Berechtigung sagen können: Der Mensch wird aus der geistigen Welt in die physische so hereingestellt, daß er erst durch das, was sein Kopf in den ersten sieben Jahren hier in der physischen Welt erwirbt, aus dem Himmlischen ein Männliches, aus dem Irdischen ein Weibliches macht. Es wird später unsere Aufgabe sein, auf gewisse Strömungen und Kraftungen, die in den späteren Lebensjahren noch für die menschliche Entwickelung wichtig sind, zurückzukommen. Jetzt möchte es gut sein, daß wir einmal auf die menschliche Entwickelung der ersten vierzehn Jahre unser Augenmerk richten. Durch solche Dinge bekommen Sie erst eine Vorstellung davon, wie wahr es ist, daß das äußere Leben eigentlich ein Leben in der Maja ist, in der großen Täuschung. Denn es ist wirklich eine Täuschung, und nichts mehr als eine Täuschung, daß die Menschen als männlich und weiblich in die Welt hereingestellt sind. Erst das Irdische, das sie in den sieben Jahren mit ihrem Kopfe erwerben, das macht sie auf der Erde zu Geschlechtswesen.
[ 14 ] But if you take what we have been able to glean from the spiritual world—meaningful truths about human beings and their connection to the earthly and heavenly worlds—then you will see all the more clearly how a person like Weininger, as caricatured, corresponds to certain legitimate ideas. For if he were to see things as they have been presented here, he would be able to say, with some justification: Human beings are placed in the physical world from the spiritual world in such a way that it is only through what their minds acquire during the first seven years here in the physical world that they transform the heavenly into the masculine and the earthly into the feminine. It will be our task later to return to certain currents and forces that remain important for human development in the later years of life. For now, it would be good for us to focus our attention on human development during the first fourteen years. It is through such things that you will first gain an idea of how true it is that outer life is actually a life in Maya, in the great illusion. For it is truly an illusion—and nothing more than an illusion—that human beings are placed into the world as male and female. It is only the earthly qualities they acquire through their heads during the first seven years that make them sexual beings on Earth.
[ 15 ] Nun muß ja für den, der solche Dinge nicht bloß mit dem Kopfe, sondern auch mit dem ganzen Herzensverständnis nimmt, eigentlich eine Frage auftauchen, über die man nicht so leicht hinweggehen kann: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch in der Maja lebt, in der Täuschung lebt? Hat denn das eine Bedeutung? Ist es denn nicht im Grunde genommen etwas, was einen traurig stimmen könnte, daß der Mensch in der Täuschung lebt? Wäre es denn, könnte man sagen, nicht viel richtiger von der Gottheit und den Göttern gewesen, wenn sie den Menschen überhaupt gar nicht in der Täuschung leben ließen, sondern ihn die Welt so anschauen ließen, daß er nicht erst hinter den Erscheinungen die Wahrheit zu suchen hat und nicht in der Täuschung zu leben braucht? Warum muß denn der Mensch zunächst eigentlich in der Täuschung leben? — Es könnte eine sehr pessimistische Weltanschauung begründen diese Frage, warum der Mensch in der Täuschung leben muß. Nun, es hat seine guten Gründe, daß der Mensch in der Täuschung leben muß; denn würde der Mensch von vornherein in die Wahrheit hereingeboren werden, würde ihm die Wahrheit angeboren sein, würde er sie nicht suchen müssen, so würde der Mensch niemals eine Persönlichkeit werden können, niemals frei werden können. Der Mensch kann nur innerhalb der Erdensphäre Freiheit erringen. Das kann er aber nur dadurch, daß er im irdischen Streben zur Persönlichkeit wird. Daß ihm zunächst äußerlich entgegentritt dasjenige, was noch Schein ist, und er erst das Innere dieses Scheins suchen muß, das entfesselt in seinem Innern erst die Kräfte, welche ihn allmählich und durch viele Inkarnationen hindurch zur freien Persönlichkeit machen. Sie können sich das durch einen Vergleich leicht klarmachen. Nehmen Sie einmal irgendein wertvolles Buch, sagen wir Dantes «Göttliche Komödie». Theoretisch, und nicht nur theoretisch wäre es durchaus denkbar, daß der Mensch auf eine ganz andere Weise heute zur Kenntnis von Dantes «Göttlicher Komödie» käme, als es der Fall ist. Wie kommt denn der Mensch heute zur Kenntnis von Dantes «Göttlicher Komödie»? Entweder dadurch, daß sie ihm vorrezitiert wird, daß er sie hört, also äußerlich in Tönen, die gar nichts zu tun haben mit dem Inhalt der «Göttlichen Komödie», oder daß er sie liest. Wenn er sie liest, hat er in Wirklichkeit nichts vor sich als Zeichen, die nicht das Geringste zu tun haben mit dem Inhalt der «Göttlichen Komödie». Es könnten ja geradesogut auch andere Zeichen sein, theoretisch. Ja, so lernt der Mensch heute den Inhalt eines wertvollen Werkes kennen. Von außen her lernt er ihn kennen durch Rezitieren, aber das Sprechen hat nichts zu tun mit dem Inhalt des Werkes, wie es aus Dantes Kopf entsprungen ist, es ist nur eine äußerliche Vermittlung. Und theoretisch — aber nicht nur theoretisch, sage ich ausdrücklich wäre es auch möglich, daß wir auf eine andere Weise zum Inhalt der «Göttlichen Komödie» kämen: Von innen heraus, indem einfach in einem gewissen Lebensalter der Inhalt in unsere Seele heraufstiege, in unser Wachbewußtsein durch einen Traum. Es ist dies nicht nur theoretisch, sondern es könnte ganz gut sein, wenn die Welt nicht so eingerichtet wäre, daß wir erst durch Maja hindurchgehen müßten. Wenn wir nicht erst durch Maja hindurchgehen müßten, dann wäre nämlich die Sache so: Das, was schon geleistet ist, sagen wir von Homer, Dante, Plato und so weiter, würden wir eines schönen Tages heraufsteigen sehen wie einen Traum. Wir brauchten uns nicht durch eine Vermittlung von außen Kenntnis davon zu verschaffen. Raffael hätte nicht seine Bilder zu malen, sondern sie nur lebendig in seinem Geiste zu fassen gebraucht, und es würden diejenigen, die nachher leben, ohne daß sie etwas anderes bekommen würden als eine Art Direktion hin zu Raffael, sie aus sich selber aufstehen lassen können.
[ 15 ] Now, for anyone who takes such things to heart—not merely with the mind, but with the whole understanding of the heart—a question must surely arise that cannot be easily dismissed: How is it, after all, that human beings live in Maya, in illusion? Does this have any significance? Isn’t it, after all, something that could make one sad—that human beings live in illusion? Wouldn’t it have been, one might say, much more appropriate on the part of the Deity and the gods if they had not allowed human beings to live in illusion at all, but had instead enabled them to view the world in such a way that they would not first have to seek the truth behind appearances and would not need to live in illusion? Why, after all, must human beings live in illusion to begin with? — This question—why human beings must live in illusion—could give rise to a very pessimistic worldview. Well, there are good reasons why human beings must live in illusion; for if human beings were born into the truth from the very beginning, if the truth were innate to them, if they did not have to seek it, then human beings would never be able to become personalities, never be able to become free. Human beings can only attain freedom within the earthly sphere. But they can do so only by developing a personality through earthly striving. The fact that what is still an illusion initially confronts them externally—and that they must first seek the inner reality behind this illusion—is what unleashes within them the forces that gradually, over the course of many incarnations, transform them into free personalities. You can easily understand this through a comparison. Take any valuable book, say Dante’s Divine Comedy. Theoretically—and not just theoretically—it would be entirely conceivable that people today might come to know Dante’s Divine Comedy in a completely different way than is actually the case. How, then, do people today come to know Dante’s Divine Comedy? Either by having it recited to them—that is, by hearing it, externally in sounds that have absolutely nothing to do with the content of The Divine Comedy—or by reading it. When they read it, they actually have nothing before them but signs that have not the slightest connection to the content of The Divine Comedy. Theoretically, they might just as well be other symbols. Yes, this is how people today become acquainted with the content of a valuable work. Externally, they become acquainted with it through recitation, but the speech has nothing to do with the content of the work as it sprang from Dante’s mind; it is merely an external medium. And theoretically—but not only theoretically, I emphasize—it would also be possible for us to arrive at the content of The Divine Comedy in another way: from within, by the content simply rising up into our soul at a certain age, into our waking consciousness through a dream. This is not merely theoretical; it could very well be the case if the world were not arranged in such a way that we must first pass through Maya. If we did not first have to pass through Maya, then the situation would be as follows: what has already been accomplished—say, by Homer, Dante, Plato, and so on—we would one fine day see rise up like a dream. We would not need to acquire knowledge of it through an external mediator. Raphael would not have needed to paint his pictures, but only to grasp them vividly in his mind, and those who live afterward—receiving nothing more than a kind of guidance toward Raphael—would be able to let them arise from within themselves.
[ 16 ] Das, wovon ich Ihnen erzähle, ist gar nicht einmal eine Hypothese, sondern auf dem Mond verhielt es sich so mit uns, da wurde alles so vermittelt. Da war es wirklich so. Auf dem Mond lernte man nicht lesen, da erstand alles aus dem Inneren heraus. Es mußte einmal dagewesen sein; dann aber stieg es aus dem Innern heraus. Aber frei konnte man nicht sein. Man war ganz und gar wie ein Automat der Vorzeit. Die Vorzeit ließ alles in einem erstehen. Eine freie Persönlichkeit konnte man da nicht werden. Nicht deshalb erlangen wir unsere Kenntnisse, damit wir eine überflüssige Wiederholung machen dessen, was doch schon draußen ist, sondern damit wir freie Persönlichkeiten werden. Nur dadurch, daß wir uns erhärten an dem, was zunächst gar nichts zu tun hat mit dem, wozu wir kommen, dadurch werden wir zur freien Persönlichkeit. Und das ist der Fortschritt von der Mondenzeit zur Erdenzeit, daß wir dazumal eben keine freien Wesen waren, sondern alles in uns als Imagination heraufstieg. Und jetzt müssen wir nach außen gelangen. Und dadurch, daß wir im Anschauen nun den geistigen Prozeß durchmachen, der darin besteht, daß wir lesen oder hören, dadurch werden wir zu freien Persönlichkeiten. Wenn man sagt, daß der Mensch sich seine Erkenntnisse erwirbt um der Erkenntnis willen, so ist das nicht ganz richtig. Der Mensch erwirbt sich seine Erkenntnisse, damit er ein freies persönliches Wesen wird. Das ist das eine, was wir ins Auge fassen wollen.
[ 16 ] What I am telling you is not even a hypothesis; that is exactly how things were for us on the Moon—that is how everything was conveyed there. That is truly how it was. On the Moon, one did not learn to read; everything arose from within. It must have existed at some point; but then it arose from within. Yet one could not be free. One was entirely like an automaton of ancient times. Ancient times caused everything to arise within one. One could not become a free personality there. We do not acquire our knowledge so that we can engage in a superfluous repetition of what is already out there, but so that we may become free personalities. Only by tempering ourselves through what at first has nothing to do with what we are striving toward do we become free personalities. And that is the progress from the Moon era to the Earth era: that back then we were not free beings, but everything arose within us as imagination. And now we must reach outward. And by undergoing the spiritual process of contemplation—which consists of reading or listening—we become free individuals. When it is said that human beings acquire knowledge for the sake of knowledge, that is not entirely correct. Human beings acquire knowledge so that they may become free, individual beings. That is the one thing we wish to focus on.
[ 17 ] Das andere, was wir ins Auge fassen wollen, kann durch eine weitere Frage eingeleitet werden. Es kann die Frage entstehen: Ja, wozu denn überhaupt diese Wiederholungen der Außenwelt durch unsere Begriffe und Vorstellungen? Wozu denn das eigentlich? Warum wiederholt denn der Mensch in seinen Gedanken und Vorstellungen überhaupt noch einmal die Außenwelt, das kann doch die Außenwelt gar nicht interessieren, daß wir sie wiederholen! — Sie merken den Gedanken am genauesten, wenn Sie Ihr Denken auf das Folgende hinlenken: Ein Mensch ist da. Wenn er in der Jugend ermordet worden wäre, wäre er nicht da. Dadurch, daß er da ist, lebt außer dem, daß die Welt da ist, seine Erfahrungswelt in seinem Innern, gewissermaßen eine Wiederholung, ein Bild der Welt. Das könnte aber ganz fehlen, wenn er in der Jugend ermordet worden wäre. Das Außere würde sich dadurch nicht ändern. Wenn er eingreift, dann ist das etwas anderes, aber die Außenwelt, für die ist das, was in unserem reinen Erkennen lebt, nur eine reine Wiederholung. Wären wir Automaten und würden von außen her angeregt, auch noch das zu tun, was wir als Menschen zwischen Geburt und Tod vollbringen, dann würde unsere Erkenntnis vollständig überflüssig sein. Wir würden also noch das tun, was durch uns geschehen muß, und wir hätten in der Erkenntnis eine ganz überflüssige Parallelerscheinung. Daraus aber können Sie sich die Vorstellung bilden, daß der Mensch in seiner Erkenntnis etwas mit sich trägt, das zu der Natur, zu dem Universum eigentlich hinzukommt, und es kann der Natur, dem Universum ziemlich gleichgültig sein, daß da noch so etwas hinzukommt. Die Natur könnte sich ebensogut Automaten machen, die nicht mit Gedanken und Begriffen das, was vorgeht, verfolgen. Denn es ändert schließlich draußen nichts, ob wir die Ereignisse der Welt verfolgen, ob wir mit unseren Gedanken und Begriffen Abbilder schaffen oder nicht. Wenn Sie durch einen Photographenapparat eine Gegend aufnehmen, so ist außer der Gegend noch das Bild da, aber der Gegend ist es höchst gleichgültig, ob das Bild da ist oder nicht. Etwas ganz Ähnliches liegt eigentlich unseren Vorstellungen zugrunde. Sie kommen hinzu. Warum ist denn nicht die Natur so eingerichtet? — könnte man fragen. Wir alle, die wir uns schon so gewöhnt haben an das Denken, denen das Denken so liebgeworden ist, wir stellen diese Frage nicht mehr, weil uns das Denken etwas Gewohntes ist wie das Essen und Trinken; deshalb ist für uns diese Frage nicht vorhanden. Aber Sie wissen, wie viele Menschen draußen in der Welt sind, die ganz froh wären, wenn sie nicht zu denken brauchten, wenn sie wie Maschinen arbeiten könnten, denen das Denken zu schwer ist, die eigentlich jeden Gedanken fliehen. Nun, das ist wieder der Ausdruck der Frage: Ja, warum hat denn die Natur die Menschen nicht so veranlagt, daß sie das Denken nicht in ihrem Besitz haben? Einen Teil dieser Frage haben wir ja schon beantwortet. Die Menschen werden durch ihr Denken freie Persönlichkeiten. Aber solch eine Frage beantwortet sich immer auf mannigfaltige Weise. Es ist nicht das einzige, was uns zum Verständnis führen kann.
[ 17 ] The other point we wish to consider can be introduced by another question. The question may arise: Yes, but why do we even repeat the external world through our concepts and ideas? What is the point of that, really? Why does a person even repeat the external world in their thoughts and ideas? Surely the external world couldn’t possibly care that we repeat it! — You’ll grasp this idea most clearly if you direct your thinking toward the following: A person is here. If he had been murdered in his youth, he would not be here. Because he is here, in addition to the world being here, his world of experience lives within him—in a sense, a repetition, an image of the world. But that could be entirely absent if he had been murdered in his youth. The external world would not change as a result. If he intervenes, that is something else, but for the external world, what lives in our pure cognition is merely a pure repetition. If we were automatons and were stimulated from the outside to do even what we, as human beings, accomplish between birth and death, then our cognition would be completely superfluous. We would therefore still do what must happen through us, and we would have in our cognition a completely superfluous parallel phenomenon. From this, however, you can form the idea that human beings carry within their cognition something that actually adds to nature, to the universe, and it may be quite indifferent to nature, to the universe, that such a thing is added. Nature could just as well create automatons that do not track what is happening with thoughts and concepts. For, after all, it makes no difference out there whether we follow the events of the world, whether we create images with our thoughts and concepts or not. When you photograph a landscape with a camera, the image exists in addition to the landscape itself, but the landscape is utterly indifferent to whether the image is there or not. Something quite similar actually underlies our ideas. They are an addition. Why, then, is nature not arranged in this way?—one might ask. All of us who have become so accustomed to thinking, for whom thinking has become so dear, no longer ask this question, because thinking is as familiar to us as eating and drinking; that is why this question does not arise for us. But you know how many people there are out in the world who would be quite happy if they didn’t have to think, if they could work like machines—people for whom thinking is too difficult, who actually flee from every thought. Well, that is once again the expression of the question: Yes, why hasn’t nature endowed human beings in such a way that they do not possess the capacity to think? We have, after all, already answered part of this question. Through their thinking, human beings become free individuals. But such a question always has multiple answers. It is not the only thing that can lead us to understanding.
[ 18 ] Nehmen wir an, wir wären so organisiert, daß wir als Kinder geboren würden, der Himmel gibt uns unseren Kopf, die Erde gibt uns unseren Leib, durch die Wesenheiten der Hierarchien, der Angeloi, Archangeloi und so weiter würden wir hingestellt, würden dasjenige tun, was wir zu tun haben, wir würden aber nicht dadurch, daß wir innerlich ein Seelenleben entwickeln mit all seinen Schmerzen und Qualen, das es oftmals bildet, abstrapaziert werden. Nehmen wir an, wir wären so; dann würde etwas Bedeutsames die Folge sein. Wir könnten nur dann so sein, wenn wir nur einmal geboren würden und einmal sterben würden, wenn es nicht wiederholte Erdenleben geben müßte. Eine Pflanze, welche wächst, ohne in der Blüte eine Frucht zu entwickeln, lebt einmal. Im Keime kann sie sich fortentwickeln. Dadurch, daß wir ein Seelenleben entwickeln, entwickeln wir den Keim für das nächste Erdenleben. Da drinnen liegt der Keim. Würden wir kein Seelenleben entwickeln mit den Erkenntnissen, würde unser Leben mit unserem irdischen Tode sein Ende haben müssen. Also nicht bloß eine Wiederholung dessen, was draußen ist, sondern die Zukunft tragen wir in uns, indem wir unser Seelenleben erkenntnismäßig gestalten. Das ist so bedeutsam. Alles das, was wir außer dem Erkenntnismäßigen an uns und mit uns tragen, das ist gewissermaßen so, daß die Vergangenheit an uns gearbeitet hat. Alles das, was wir an Erkenntnismäßigem in uns entwickeln, das stellt dar den realen Keim des Zukünftigen. In unserem Erkenntnismäßigen entwickelt sich in uns der reale Keim des Zukünftigen.
[ 18 ] Let’s assume we were organized in such a way that we would be born as children, heaven would give us our mind, earth would give us our body, and through the beings of the hierarchies—the angels, archangels, and so on—we would be placed where we need to be and would do what we are meant to do; yet we would not be worn down by the inner life of the soul, with all the pain and torment it often entails. Suppose we were like that; then something significant would result. We could only be like that if we were born just once and died just once, if there were no need for repeated earthly lives. A plant that grows without developing fruit in its bloom lives only once. In the seed, it can continue to develop. By developing a soul life, we develop the seed for the next earthly life. The seed lies within us. If we did not develop a soul life through spiritual insight, our life would have to come to an end with our earthly death. Thus, it is not merely a repetition of what is outside us; rather, we carry the future within us by shaping our soul life through spiritual insight. This is so significant. Everything we carry within and with us, apart from what is based on insight, is, in a sense, the result of the past having worked upon us. Everything we develop within ourselves that is based on insight represents the real seed of the future. Within our insight, the real seed of the future develops within us.
[ 19 ] Und nun will ich einen Gedanken zum Schlusse anschlagen, der der Leitgedanke unserer nächsten Vorträge sein wird, die uns dann in wichtige Regionen des menschlichen Welt-Seins führen werden.
[ 19 ] And now I would like to conclude with a thought that will serve as the central theme of our next lectures, which will then lead us into important realms of human existence.
[ 20 ] Wir tragen also in uns alles das, was unsere Erkenntnis ist, sei es das naivste Erkennen, sei es das abstrakte Erkennen — so furchtbar unterschieden sind die beiden nicht, man schätzt das nicht richtig ein —, wir tragen das in uns, tief unter der Oberfläche, aber übersinnlich, denn der Inhalt der Erkenntnis ist natürlich etwas Übersinnliches. Es ist in Wirklichkeit eine Summe von Kräften, die in uns ruht. Wir gehen durch die Pforte des Todes, was geschieht alsdann? Nun, ich habe es ja oftmals beschrieben, was geschieht, aber ich möchte jetzt vom Gesichtspunkt dieser Kräfte aus es noch einmal beschreiben. Wir bestehen als Menschen aus dem Leib und aus dem Kopf. Unser Kopf, er mag Ihnen noch so wertvoll sein, aber es gilt doch das von ihm: unser Kopf hat eigentlich «vertan». Ich rede immer von den Kräften, nicht von den äußeren Formen, und Sie können natürlich den Leib des Menschen verwesen lassen oder verbrennen, die Kraftform bleibt vorhanden, die zergeht nicht, die bleibt draußen vorhanden, auch das dem Körper zugrunde liegende Geistige. Aber der Kopf, der verschwindet. Es hilft nichts, Sie mögen ihn, wie gesagt, für ein noch so wertvolles Glied des Organismus halten, mit dem Kopf ist es nach dem Tode nichts Besonderes. Das bezieht sich selbstverständlich nicht auf den Seeleninhalt, sondern auf die äußere Form des Kopfes. Denn was eigentlich jetzt für den Himmel wichtig wird bei dem Durchgang zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das ist dasjenige, was Sie im letzten Erdenleben erst von der Erde bekommen haben: der übrige Leib. Der wird mit seinen Kräften in einen neuen Kopf umgewandelt in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Hier haben Sie den Kopf, da haben Sie den übrigen Leib. Dieser Kopf war ein Leib in Ihrem früheren Leben; Ihr jetziger Leib wird ein Kopf in Ihrem nächsten Leben. Und die Kräfte, die Sie im jetzigen Leben durch Ihren Kopf entwickeln, die wandeln die Kräfte Ihres Leibes zu einem neuen Kopf fürs nächste Leben um. Der Leib wird Ihnen von der Erde dazugegeben. Und der Kopf, den Sie jetzt tragen, das ist Ihr umgewandelter Leib aus dem vorigen Leben, denn Metamorphose gilt überall im Leben. Nicht nur, daß das Pflanzenblatt sich in das Blütenblatt verwandelt, nicht nur die Metamorphose der untersten Gestalt gilt, sondern die Metamorphose gilt auf alle Fälle. Ihr Leib ist ein noch nicht gewordener Kopf, Ihr Kopf ist ein umgewandelter Leib.
[ 20 ] We therefore carry within us everything that constitutes our knowledge, whether it be the most naive form of cognition or the most abstract—the two are not as vastly different as one might think; people do not assess this correctly— we carry this within us, deep beneath the surface, but in a supersensible way, for the content of knowledge is, of course, something supersensible. It is, in reality, a sum of forces that lies dormant within us. We pass through the gate of death—what happens then? Well, I have described what happens many times before, but I would now like to describe it once more from the perspective of these forces. As human beings, we consist of the body and the head. Our head—no matter how valuable it may be to you—is nevertheless subject to this truth: our head has, in fact, “wasted away.” I am always speaking of the forces, not of the outer forms, and you can, of course, let the human body decompose or burn it; the force-form remains; it does not disintegrate; it remains outside, as does the spiritual aspect underlying the body. But the head—it disappears. It doesn’t matter; you may, as I said, consider it a valuable part of the organism, but after death, the head is nothing special. This, of course, does not refer to the soul’s content, but to the outer form of the head. For what actually becomes important for heaven during the passage between death and a new birth is that which you received from the earth in your last earthly life: the rest of the body. This, with its forces, is transformed into a new head in the time between death and a new birth. Here you have the head; there you have the rest of the body. This head was a body in your previous life; your present body will become a head in your next life. And the forces you develop through your head in this present life transform the forces of your body into a new head for the next life. The body is provided to you by the Earth. And the head you now bear is your transformed body from your previous life, for metamorphosis applies everywhere in life. It is not only that a plant leaf transforms into a petal, nor is it only the metamorphosis of the lowest forms that applies—metamorphosis applies in all cases. Your body is a head that has not yet come into being; your head is a transformed body.
[ 21 ] Also diesen Gedanken möchte ich anschlagen. Sie tragen jetzt Ihren Kopf an sich. Die Phrenologen studieren den Kopf nach seinen Formen, aber diese Phrenologie hat keinen großen Wert, wenn sie nicht auf Initiation beruht, weil jeder seinen eigenen Kopf hat. Es ist schon nicht anders — der Kopf ist das Erbe seines Leibes vom vorhergehenden Leben. Der Kopf jedes Menschen ist vom Kopf jedes anderen Menschen verschieden, und die typischen Eigenschaften, die man herausfindet, sind im Grunde genommen nur grobe Feststellungen. Denken Sie, daß dieser wunderbare Zusammenhang besteht: Der Mensch ist eine Doppelnatur, aber außer dem, daß er eine Doppelnatur ist, trägt er Vergangenheit und Zukunft auch schon in seiner äußeren Gestaltung an sich. Die Reinkarnation ist mit Händen zu greifen an unserem Haupte, denn was wir am Haupte geformt finden, es ist das Ergebnis des vorhergehenden Lebens. Der Kopf, den wir im nächsten Leben tragen werden, wird die Umwandlung unseres Leibes sein. Metamorphose ist überhaupt etwas, was dem Dasein zugrunde liegt, wenn man dieses Dasein in seinen Tiefen betrachtet. Man kann, wenn man solche Dinge überblickt, wie wir sie jetzt auseinandergesetzt haben, tief, tief hineinschauen in das Werden, in das Sein der Weltenwesen, der Menschheitswesen. Und ich wollte diesen Gedanken, der wie gesagt das Leitmotiv bilden wird der nächsten beiden Vorträge, anschlagen: wie hinüberwirkt die eine Inkarnation in die nächstfolgende, wie herüberwirkt auch die vorhergehende Inkarnation in die jetzige, indem eine Metamorphose besteht zwischen der Körperlichkeit des Menschen und der Kopflichkeit des Menschen, wenn ich so sagen darf.
[ 21 ] So I’d like to explore this idea. You are now carrying your own head. Phrenologists study the head based on its shapes, but this phrenology has little value if it is not grounded in initiation, because everyone has their own head. It simply cannot be otherwise—the head is the legacy of one’s body from a previous life. Every person’s head is different from that of every other person, and the typical characteristics that are identified are, in essence, only rough generalizations. Consider this marvelous connection: Human beings are dual in nature, but beyond that duality, they already carry the past and the future within their very outward form. Reincarnation is palpable in our heads, for what we find shaped there is the result of our previous life. The head we will bear in our next life will be the transformation of our body. Metamorphosis is, in fact, something that underlies existence when one looks at this existence in its depths. When one surveys such things as we have now discussed, one can look deeply, deeply into the becoming, into the being of the beings of the worlds, of humanity. And I wanted to introduce this thought, which, as I said, will form the leitmotif of the next two lectures: how does one incarnation influence the next, and how does the preceding incarnation influence the present one, in that there is a metamorphosis between the physicality of the human being and the mental aspect of the human being, if I may put it that way.
