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The Rudolf Steiner Archive

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The Riddle of Man
The Spiritual Background of Human History
GA 170

13 August 1916, Dornach

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Bei solcher Wahrheit, wie wir sie gestern vor unsere Seele treten ließen, handelt es sich nicht bloß darum, daß wir sie abstrakt-theoretisch in uns aufnehmen und gewissermaßen wissen, die Sachen sind so, sondern darum, daß wir uns wirklich durchdringen mit den Folgen, die diese Tatsachen für unser ganzes menschliches Leben haben. Und diese Folgen sind sehr bedeutsam. Ich will heute nur einiges skizzieren von dem, was ich so als Folgen bezeichnen möchte. Natürlich ließe sich vieles in derselben Richtung sagen, aber man muß ja an irgendeinem Punkte einmal anfangen, oder wenigstens eine Gedanken- und Willensströmung ins Auge fassen, die sich aus solchen tatsächlichen geisteswissenschaftlichen Voraussetzungen ergibt.

[ 1 ] With a truth such as the one we brought before our souls yesterday, it is not merely a matter of absorbing it abstractly and theoretically within ourselves—and, in a sense, knowing that things are this way—but rather of truly allowing ourselves to be permeated by the consequences that these facts have for our entire human life. And these consequences are very significant. Today I want to outline just a few of what I would like to call these consequences. Of course, much more could be said along these lines, but one must start somewhere, or at least consider a current of thought and will that arises from such actual spiritual-scientific premises.

[ 2 ] Führen wir uns noch einmal vor Augen, was wir gestern gemeint haben. Zwölf Sinnesbezirke können wir wie eine Art menschlichen Tierkreis betrachten. Strömend durch alle diese Sinnesbezirke haben wir dann die sieben Lebensströmungen: Atmung, Wärmung, Ernährung, Absonderung, Erhaltung, Wachstum, Reproduktion. (Siehe die Zeichnung Seite 113.)

[ 2 ] Let’s review once again what we meant yesterday. We can view the twelve sensory regions as a kind of human zodiac. Flowing through all these sensory regions are the seven life currents: respiration, warmth, nutrition, excretion, maintenance, growth, and reproduction. (See the diagram on page 113.)

[ 3 ] Um die Sache vollständig zu verstehen, müssen wir uns klarmachen, daß die wirkliche Wahrheit eine ganz andere ist in bezug auf diese Dinge als das, was die materialistische Wissenschaft sagt. Die materialistische Wissenschaft denkt zum Beispiel, daß der Geschmackssinn und der ihm verwandte Geruchssinn nur an die engen Bezirke gebunden sind, welche in der Umgebung der Zunge und der Nasenschleimhaut sind. Aber das ist nicht der Fall. Die materiellen Organe für die Sinne sind nur gewissermaßen die Hauptstädte in dem Reiche der Sinne. Die betreffenden Reiche der Sinne breiten sich viel mehr aus. Und ich denke, daß zum Beispiel ein jeder, der nur einige Selbstbeobachtung hat für den Gehörsinn, wissen wird, daß gehört wird nicht nur eigentlich mit dem Ohre, sondern mit einem viel weiteren Bezirke des Organismus. Der Ton lebt in einem viel weiteren Bezirke des Organismus als nur im Ohr, ebenso leben die anderen Sinne in einem viel weiteren Bezirke. Der Geschmacks- und der ihm verwandte Geruchssinn leben zum Beispiel deutlich vernehmbar in Leber und Milz; sie breiten sich also weiter aus, als man gewöhnlich in der materialistischen Wissenschaft meint. Wenn aber das der Fall ist, dann werden Sie auch einsehen, daß zwischen den Lebensorganen, die ihre Lebenskräfte durch den ganzen Organismus immerfort strömen lassen, und den einzelnen Sinnesbezirken innige Beziehungen sind, so daß man sagen kann: Die innere Verfassung, die geistig-seelisch-leibliche Verfassung eines Menschen hängt in vieler Richtung davon ab, wie irgendein Lebensorgan sich zu den Sinnesbezirken stellt. Und wie wir in der Astronomie davon sprechen, daß der Saturn im Widder oder die Sonne im Löwen steht, so können wir auch davon sprechen, daß der Absonderungsimpuls des Lebens meinetwillen in der Sehsphäre liegt, mit der Sehsphäre etwas zu tun hat, oder daß der Wachstumsbezirk mit der Hörsphäre etwas zu tun hat. Aber es kann mit jeder Sphäre der eine oder andere Lebensbezirk etwas zu tun haben; denn die Lebensbezirke stehen bei den verschiedenen Menschen in verschiedenen Verhältnissen zu den Sinnesbezirken. Es finden da wirklich ähnliche Verhältnisse im Innern des Menschen statt wie draußen im Makrokosmos am Sternenhimmel.

[ 3 ] To fully understand the matter, we must realize that the real truth regarding these things is quite different from what materialistic science claims. Materialistic science, for example, believes that the sense of taste and the related sense of smell are confined only to the narrow areas surrounding the tongue and the nasal mucosa. But that is not the case. The physical organs of the senses are, so to speak, merely the capitals of the realm of the senses. The respective realms of the senses extend much further. And I think that, for example, anyone who has even a little self-observation regarding the sense of hearing will know that we hear not only with the ear itself, but with a much broader region of the organism. Sound exists in a much broader region of the organism than just the ear; likewise, the other senses exist in a much broader region. The sense of taste and the related sense of smell, for example, are clearly perceptible in the liver and spleen; they thus extend further than is generally assumed in materialistic science. But if that is the case, then you will also realize that there are intimate relationships between the life organs—which constantly allow their life forces to flow through the entire organism—and the individual sensory spheres, so that one can say: A person’s inner constitution—their spiritual, psychological, and physical constitution—depends in many ways on how a particular life organ relates to the sensory spheres. And just as we speak in astronomy of Saturn being in Aries or the Sun in Leo, so too can we speak of the life impulse of secretion being situated, for my part, in the sphere of sight, having something to do with the sphere of sight, or of the growth region having something to do with the sphere of hearing. But each sphere may be related to one or another sphere of life; for the spheres of life stand in different relationships to the sensory spheres in different people. There are indeed similar relationships taking place within the human being as there are outside in the macrocosm, in the starry sky.

[ 4 ] Wenn Sie nun bedenken, daß die Sinnesbezirke etwas verhältnismäßig Stabiles im Menschen sind — sie sind stabilisiert dadurch, daß sie nach den materiellen Organen hintendieren, der Sehsinn nach den Augen hin, obwohl er einen weiteren Bezirk hat, der Gehörsinn nach dem Ohre hin und so weiter-, daß dagegen alle Lebensprozesse beweglich sind und den ganzen Leib fortwährend durchlaufen, durchkreisen, so werden Sie in all dem, was durch die Sinne im Menschen vorgeht, mit Recht etwas verhältnismäßig Ruhiges vermuten. In all dem, was durch die Lebensprozesse und die sie dirigierenden Organe vorgeht, werden Sie etwas Bewegliches vermuten, etwas, was im Menschen beweglich ist.

[ 4 ] If you now consider that the sensory spheres are relatively stable in human beings—they are stabilized by the fact that they tend toward the material organs, the sense of sight toward the eyes, even though it has a broader sphere of influence, the sense of hearing toward the ear, and so on—whereas, in contrast, all life processes are in motion and continually flow through and circulate throughout the entire body—then you will rightly suspect that there is something relatively calm in everything that takes place through the senses in human beings. In everything that takes place through the life processes and the organs that direct them, you will suspect something mobile, something that is mobile within the human being.

[ 5 ] Wenn wir nun das berücksichtigen, was wir gestern gesagt haben, daß das Sinnesleben von heute mehr Lebensprozesse waren während der Mondenzeit, so kommen wir darauf, daß wir uns den Menschen während der Mondenzeit überhaupt in seinem ganzen Leben beweglicher vorstellen müssen als den Menschen während seiner jetzigen Erdenzeit. Beweglicher, innerlich beweglicher war der Mondenmensch. Der Erdenmensch verhält sich in bezug auf das, was er als Bewußtsein erlebt, in der Tat so, wie die im Verhältnis zueinander ruhigen Sternbilder des Tierkreises. Es ist an der Oberfläche des Menschen während der Erdenzeit ruhig geworden, wie es im Tierkreise ruhig ist. Es ist auf dem Monde in dem, was heute Sinnesleben ist, so beweglich gewesen im Menschen, wie es heute beweglich ist draußen im Kosmos in der Planetensphäre, wo die Planeten immer verschiedene Stellungen zueinander haben. Verwandelbar, metamorphosierbar war der Mensch während der Mondenzeit. Und ich habe ja oftmals darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn nun heute der Mensch durch Initiation wiederum aufrückt zu einer Erkenntnis, die zum Beispiel imaginativ ist, sein Bewußtseinsleben im Verhältnis zu dem gegenwärtigen Erden-Sinnesleben wiederum beweglich wird. Da bewegt sich wiederum alles; nur erlebt der Mensch es eben in einem übersinnlichen Bewußtsein. Und so müssen auch die Erkenntnisse aus dieser Sphäre heraus aufgenommen werden. Ich habe ja das oftmals auseinandergesetzt, wie wir unsere Begriffe, unsere Vorstellungen beweglicher machen müssen, wenn wir uns einleben in das, was durch das übersinnliche Bewußtsein erkannt wird. Die Begriffe der sinnlichen Welt sind wie in ein Schächtelchen eingeschlossen, und jeder will sie auch so haben, daß einer hübsch neben den anderen hingestellt ist, während man für die Geisteswissenschaft Begriffe braucht, die sich ineinander verwandeln, die beweglich sind, die einer in den anderen übergehen. Da sehen Sie etwas von den Folgen dessen, was wir als Tatsache anführen können.

[ 5 ] If we now take into account what we said yesterday—that today’s sensory life consisted of more life processes during the Lunar period—we come to the conclusion that we must imagine human beings during the Lunar period as being, in their entire lives, more flexible than human beings during their present Earth period. The Lunar human was more flexible, more flexible inwardly. The Earth human, in relation to what he experiences as consciousness, behaves in fact just like the constellations of the zodiac, which are stationary in relation to one another. On the surface of the human being during the Earth era, things have become calm, just as they are calm in the zodiac. On the Moon, in what is today the sensory life, the human being was as mobile as is now the case out in the cosmos in the planetary sphere, where the planets always occupy different positions relative to one another. During the Lunar era, the human being was capable of transformation and metamorphosis. And I have often pointed out that when human beings today, through initiation, ascend once more to a form of knowledge that is, for example, imaginative, their life of consciousness becomes mobile again in relation to present-day earthly sensory life. Then everything is in motion again; only now human beings experience it within a supersensible consciousness. And so the insights from this sphere must also be received in this way. I have often explained how we must make our concepts and ideas more flexible when we immerse ourselves in what is perceived through supersensible consciousness. The concepts of the sensory world are enclosed as if in a little box, and everyone wants them arranged neatly side by side, whereas spiritual science requires concepts that transform into one another, that are flexible, that flow into one another. Here you can see some of the consequences of what we can cite as a fact.

[ 6 ] Eine andere Folge ist diese: Sie werden einsehen, daß dieses ruhige Sinnesleben, das den Tierkreisbildern vergleichbar ist, nur stattfinden kann, wenn der Mensch in der Erdensphäre lebt. Die zwölf Sinnesbezirke haben ja eigentlich nur einen Sinn für das Leben im Erdenleibe, also zwischen der Geburt und dem Tod. Das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ist wesentlich anders, und das merkwürdige ist: Diejenigen Sinnesbezirke, die wir als die höheren im Erdenleben ansehen, die verlieren diese Bedeutung des Höheren, wenn wir in die geistige Sphäre nach dem Tode übergetreten sind. Erinnern Sie sich, was in der «Geheimwissenschaft» von mir gesagt ist über die Beziehungen von Mensch zu Mensch in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wie diese Beziehungen auf eine viel innerlichere Weise vermittelt werden als hier auf der Erde. Wir brauchen dort nicht den Ichsinn so, wie wir ihn auf der Erde haben, wir brauchen auch nicht den Denksinn und auch nicht den Sprachsinn, wie wir ihn auf der Erde haben. Mehr dagegen brauchen wir schon den umgewandelten Hörsinn; aber der ist ins Geistige umgewandelt, der ist wirklich vergeistigt. Wir treten durch den vergeistigten Gehörsinn ein in die Sphärenmusik. Aber schon dadurch ist die Vergeistigung des Gehörsinns zu erkennen, daß wir alles, was hier durch ein ganz irdischsinnliches Medium, nämlich durch die physische Luft gehört wird, dort ohne physische Luft hören. Und außerdem hören wir alles umgekehrt, von rückwärts nach vorne laufend. Gerade weil der Gehörsinn hier auf der Erde an das physische Element der Luft gebunden ist, kann für den Gehörsinn am allerschwersten vorgestellt werden, daß man sich die Dinge wie in der Rückschau rückwärts vorstellt. Es bereitet einige Schwierigkeit, sich eine Melodie wirklich rückwärts vorzustellen. Es bereitet gar keine Schwierigkeit in der geistigen Auffassung. Aber der Gehörsinn steht gewissermaßen an der Grenze; im vergeistigten Zustande ist der Gehörsinn noch am ähnlichsten dem in der physischen Welt.

[ 6 ] Another consequence is this: You will come to realize that this peaceful inner life, which is comparable to the images of the zodiac, can only take place when a human being lives in the earthly sphere. The twelve spheres of perception actually have meaning only for life in the earthly body—that is, between birth and death. Life between death and a new birth is fundamentally different, and the remarkable thing is this: those spheres of perception that we regard as the higher ones in earthly life lose this significance of the higher when we have passed into the spiritual sphere after death. Remember what I said in Occult Science about human relationships in the period between death and a new birth—how these relationships are mediated in a much more inner way than here on Earth. There we do not need the sense of the “I” as we have it on Earth; nor do we need the sense of thought or the sense of speech as we have them on Earth. What we do need, however, is the transformed sense of hearing; but this has been transformed into the spiritual realm—it is truly spiritualized. Through the spiritualized sense of hearing, we enter into the music of the spheres. But the spiritualization of the sense of hearing can already be recognized by the fact that everything which is heard here through a wholly earthly, sensory medium—namely, through physical air—is heard there without physical air. Moreover, we hear everything in reverse, running backward to forward. Precisely because the sense of hearing here on Earth is bound to the physical element of air, it is extremely difficult for the sense of hearing to conceive of things as if viewed in retrospect, moving backward. It presents some difficulty to truly imagine a melody moving backward. It presents no difficulty at all in spiritual perception. But the sense of hearing stands, so to speak, at the boundary; in the spiritual state, the sense of hearing is still most similar to that in the physical world.

[ 7 ] Kommen wir dann zum Wärmesinn, so ist der schon sehr verändert in der geistigen Welt, noch mehr verändert der Gesichtssinn, und noch mehr verändert der Geruchs- und Geschmackssinn, denn die spielen eine große Rolle in der geistigen Welt. Gerade das, was wir hier niedere Sinne nennen, spielt in der geistigen Welt eine große Rolle. Nur ist es eben sehr, sehr vergeistigt. Und auch noch der Gleichgewichts- und der Bewegungssinn spielen eine bedeutsame Rolle in der geistigen Welt. Wiederum eine geringere Rolle spielt der Lebenssinn, und gar keine besondere Rolle der Tastsinn.

[ 7 ] When we turn to the sense of heat, we find that it is already greatly altered in the spiritual world; the sense of sight is altered even more, and the senses of smell and taste are altered even more still, for they play a major role in the spiritual world. It is precisely what we here call the lower senses that play a major role in the spiritual world. It’s just that they are very, very spiritualized. And the senses of balance and movement also play a significant role in the spiritual world. The sense of life, on the other hand, plays a lesser role, and the sense of touch plays no special role at all.

[ 8 ] Wir können also sagen: Wenn wir uns durch den Tod einleben in die geistige Welt, geht gewissermaßen die Sonne unter im Gehörsinn. Der steht an der Grenze des geistigen Horizontes. Der Gehörsinn wird gewissermaßen durchschnitten im Horizont, und drüben geht dieSonne auf im geistigen Gehörsinn, und geht dann durch die vergeistigten Sinne des Wärmesinns, des Gesichtssinns, des Geschmacks- und Geruchssinns, die drüben zur spirituellen Wahrnehmung ganz besonders wichtig sind. Und der Gleichgewichtssinn trägt uns durch die Weltenweiten, indem wir nicht nur innerlich ein Gleichgewicht wahrnehmen, sondern uns im Gleichgewicht fühlen zu den Wesen der höheren Hierarchien, in deren Gebiet wir aufsteigen. Der Gleichgewichtssinn spielt da eine große Rolle. Er ist versteckt, ein niederer Sinn in unserem physischen Organismus hier, dort spielt er eine große Rolle, denn durch ihn erkennen wir, ob wir im Gleichgewicht sind zwischen einem Archangelos und einem Angelos, oder zwischen einem Geist der Persönlichkeit und einem Erzengel, oder zwischen einem Geist der Form und einem Engel. Das Gleichgewicht, in dem wir sind zu den verschiedenen Wesen der geistigen Welt, wird uns gerade durch die vergeistigten niederen Sinne vermittelt. Und die Bewegungen, die wir machen — wir sind ja in den geistigen Welten fortwährend in Bewegung — vermittelt uns der jetzt nach auswärts gekehrte geistige Bewegungssinn. Den Lebenssinn brauchen wir nicht mehr, weil wir in allem Leben drinnen gewissermaßen schwimmen; es ist dasjenige Element, in dem wir uns bewegen als Geist, wie sich der Schwimmer im Wasser bewegt.

[ 8 ] We can therefore say: When we enter the spiritual world through death, the sun sets, so to speak, in the sense of hearing. It stands at the edge of the spiritual horizon. The sense of hearing is, so to speak, cut off at the horizon, and on the other side the sun rises in the spiritual sense of hearing, and then passes through the spiritualized senses of warmth, sight, taste, and smell, which are particularly important for spiritual perception on the other side. And the sense of balance carries us through the vastness of the worlds, in that we not only perceive an inner balance but also feel ourselves in balance with the beings of the higher hierarchies, into whose realm we ascend. The sense of balance plays a major role there. It is hidden—a lower sense in our physical organism here—but there it plays a major role, for through it we recognize whether we are in balance between an Archangel and an Angel, or between a Spirit of Personality and an Archangel, or between a Spirit of Form and an Angel. The balance we maintain with the various beings of the spiritual world is conveyed to us precisely through the spiritualized lower senses. And the movements we make—for we are, after all, constantly in motion in the spiritual worlds—are conveyed to us by the spiritual sense of movement, which is now directed outward. We no longer need the sense of life, because we are, so to speak, swimming within all life; it is the very element in which we move as spirits, just as a swimmer moves in water.

[ 9 ] Gleichsam unter dem Horizonte sind die niederen Sinne, die hier im physischen Erdenleben nur für die inneren Wahrnehmungen im Organismus dienen. Aber so wie die Sonne, wenn sie untergeht, zu den Sternbildern unterhalb des Horizontes geht, so geht auch die Sonne unseres Lebens zu den Sternbildern unterhalb des Horizontes, wenn wir sterben. Und wenn wir wiedergeboren werden, geht sie auf zu den Sternbildern, die wir hier haben — Tastsinn, Lebenssinn, Sprachsinn, Denksinn, Ichsinn —, um dasjenige wahrzunehmen, was im Erdenleben in der physischen Welt ist.

[ 9 ] The lower senses, so to speak, lie below the horizon; here in physical earthly life, they serve only for the inner perceptions within the organism. But just as the sun, when it sets, moves toward the constellations below the horizon, so too does the sun of our life move toward the constellations below the horizon when we die. And when we are reborn, it rises toward the constellations we have here—the sense of touch, the sense of life, the sense of speech, the sense of thought, and the sense of the self—in order to perceive what exists in the physical world during our earthly life.

[ 10 ] Und noch vergeistigter als diese niederen Sinne sind die Lebensorgane. Gar mancher, der eine besonders hohe mystische Anschauungsweise vertreten will, redet von den «niederen» Lebensprozessen. Gewiß, sie sind hier niedrig, aber was hier niedrig ist, ist hoch in der geistigen Welt; denn was in unserem Organismus lebt, ist wie ein Spiegelbild dessen, was in der geistigen Welt lebt. Sehr merk würdig ist dieser Satz. Wenn Sie sich den Menschen gewissermaßen durch den Tierkreis seiner Sinne begrenzt denken, und die Sterne seiner Lebensorgane sich vorstellen, so gibt es außerhalb des Menschen in der geistigen Welt bedeutungsvolle geistige Wesenheiten, welche sich spiegeln im Menschen. Wir können sagen: Es gibt in der geistigen Welt etwas, das sich spiegelt in den vier Lebensprozessen, in der Absonderung, in der Erhaltung, in dem Wachstum, in der Reproduktion, und es gibt etwas in der geistigen Welt, das sich spiegelt in Atmung, Wärmung, Ernährung. Dasjenige, was sich spiegelt in der Vierheit Absonderung, Erhaltung, Wachstum, Reproduktion, das ist in der geistigen Welt ein Hohes, von dem werden wir aufgenommen, in dem leben und weben wir nach dem Tode, damit unser Organismus geistig vorbereitet werden kann für die nächste Inkarnation. Alles, was niedrig ist in unserem physischen Organismus, entspricht einem Hohen, das nur durch Imagination wahrgenommen werden kann. Da ist eine ganze Welt, die durch Imagination, durch imaginatives Erkennen wahrgenommen werden kann, eine Welt, die der Imagination gegeben ist, und die sich gewissermaßen spiegelt vom Jenseits des Tierkreises der Sinne in den menschlichen Organismus hinein. Es ist hier so, wie wenn Sie sich vorstellen würden, daß die Sonne, die Venus, der Merkur und der Mond Spiegelungen wären von etwas, was außerhalb des Tierkreises liegt; es gibt von Sonne, Venus, Merkur und Mond geistige Gegenbilder, die außerhalb des Tierkreises sind, und die sich innerhalb des Tierkreises nur in diesen Himmelskörpern spiegeln.

[ 10 ] And even more spiritual than these lower senses are the life organs. Many who wish to advocate a particularly elevated mystical perspective speak of the “lower” life processes. Certainly, they are low here, but what is low here is high in the spiritual world; for what lives in our organism is like a mirror image of what lives in the spiritual world. This statement is very remarkable. If you conceive of the human being, so to speak, as bounded by the zodiac of his senses, and imagine the stars of his life organs, then there are significant spiritual beings outside the human being in the spiritual world that are reflected in the human being. We can say: There is something in the spiritual world that is reflected in the four life processes—secretion, maintenance, growth, and reproduction—and there is something in the spiritual world that is reflected in respiration, warmth, and nutrition. That which is reflected in the fourfold process of excretion, maintenance, growth, and reproduction is, in the spiritual world, a higher reality; we are received into it, and in it we live and weave after death, so that our organism may be spiritually prepared for the next incarnation. Everything that is low in our physical organism corresponds to something High that can only be perceived through imagination. There is an entire world that can be perceived through imagination, through imaginative cognition—a world that is given to the imagination and that, so to speak, is reflected from beyond the zodiac of the senses into the human organism. It is as if you were to imagine that the Sun, Venus, Mercury, and the Moon were reflections of something that lies outside the zodiac; there are spiritual counterparts to the Sun, Venus, Mercury, and the Moon that exist outside the zodiac and are reflected within the zodiac only in these celestial bodies.

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[ 11 ] Dann gibt es wiederum außerhalb des Bezirks der menschlichen Sinne im Übersinnlichen etwas, was nur durch Inspiration wahrgenommen werden kann, eine Welt der Inspiration. Und das spiegelt sich in Atmung, Wärmung, Ernährung; so, wie wenn sich spiegeln würden Saturn, Jupiter, Mars von geistigen Gegenstücken von jenseits des Tierkreises. Und es ist eine tiefe Verwandtschaft zwischen dem, was da im Menschen als niedere Natur ist, und dem, was da draußen im Weltenall ist. Es gibt solche Gegenbilder der physischen Lebensprozesse. So können wir den Sinnesbereich des Menschen und den Lebensbereich abgrenzen.

[ 11 ] Then, beyond the realm of the human senses, in the supersensible world, there is something that can only be perceived through inspiration—a world of inspiration. And this is reflected in breathing, warmth, and nutrition; just as if Saturn, Jupiter, and Mars were mirrored by spiritual counterparts from beyond the zodiac. And there is a deep kinship between what exists within the human being as lower nature and what exists out there in the universe. There are such counterparts to the physical life processes. In this way, we can distinguish between the human sensory realm and the realm of life.

[ 12 ] Kommen wir jetzt zu dem, was höher ist als das Leben, in den eigentlichen Seelenbereich, wo wir das Astralische des Menschen haben und das Ichliche, das Ich, da kommen wir aus dem Sinnesgebiete, auch aus dem Raum- und Zeitgebiete, heraus, da kommen wir eben ins Geistige hinein. Nur weil ein gewisser Zusammenhang besteht zwischen unserem Ich hier auf der Erde und den zwölf Sinnesbezirken, lebt das Ich in dem Bewußtsein, das getragen wird durch die Sinnesbezirke. Unter diesem Bewußtsein ist nun ein solches anderes Bewußtsein, ein astralisches Bewußtsein, das so, wie der Mensch jetzt ist, eine innigere Beziehung hat zum Lebensreiche des Menschen, zu der Lebenssphäre. Das Ich hat seine innige Beziehung zur Sinnessphäre, das astralische Bewußtsein zum Lebensreich. So wie wir durch unser Ich, oder in unserem Ich wissen von unserem Tierkreis, so wissen wir durch unser astralisches Bewußtsein, das heute beim Menschen noch unterbewußt ist, von unseren Lebensprozessen. Das kann nur der Mensch sich heute noch nicht im normalen Zustande enthüllen, das liegt noch jenseits der Schwelle. Denn dieses Wissen ist im physischen Leben ein innerliches Wissen um die Lebensvorgänge. Nur in abnormen Zuständen geschieht es manchmal, daß das Bewußtsein das Lebensreich, die Lebenssphäre umfaßt, daß diese heraufschlägt in das gewöhnliche Bewußtsein. Das ist dann für den heutigen Menschen etwas Krankhaftes, und die Ärzte, die Naturforscher stehen staunend vor diesen krankhaften Ausbrüchen der menschlichen Natur, wenn das Bewußtsein, das da unten ist, das heute noch zugedeckt ist durch das zwölfgliedrige Bewußtsein, heraufschlägt, wenn die Planeten ihr Leben in den Tierkreis hineinschlagen können dadurch, daß gewissermaßen das Unterbewußtsein heraufschlägt. Es muß entwickelt werden, real entwickelt werden, so wie es beschrieben ist in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? »; dann ist es recht. Aber wenn es heraufschlägt ohne das, so ist es eben krankhaft.

[ 12 ] Let us now turn to what lies higher than life, to the realm of the soul proper, where we find the astral aspect of the human being and the “I”—the Self. There we emerge from the realm of the senses, and also from the realm of space and time; there we enter the spiritual realm. It is only because a certain connection exists between our “I” here on Earth and the twelve sensory spheres that the “I” lives within the consciousness supported by these sensory spheres. Beneath this consciousness, however, lies another kind of consciousness—an astral consciousness—which, as the human being is now, has a more intimate relationship with the human realm of life, with the sphere of life. The “I” has its intimate relationship with the sensory sphere; the astral consciousness has its intimate relationship with the realm of life. Just as we know about our zodiac through our “I,” or within our “I,” so do we know about our life processes through our astral consciousness, which is still subconscious in human beings today. Human beings cannot yet reveal this to themselves in their normal state; it still lies beyond the threshold. For this knowledge is, in physical life, an inner knowledge of life processes. Only in abnormal states does it sometimes happen that consciousness encompasses the realm of life, the sphere of life, so that this breaks through into ordinary consciousness. For people today, this is something pathological, and doctors and natural scientists stand in amazement before these pathological outbursts of human nature when the consciousness that lies below, which is still veiled today by the twelvefold consciousness, breaks through—when the planets can project their life into the zodiac by means of the subconscious, so to speak, breaking through. It must be developed—truly developed—as described in How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?; then it is right. But if it surges upward without that, then it is indeed pathological.

[ 13 ] Es ist in der letzten Zeit ein interessantes Buch erschienen von einem Arzt, der nun schon eingehen will auf solche Dinge. Es ist ihm noch alles Geisteswissenschaftliche verschlossen, er denkt noch ganz materialistisch. Aber er ist so frei in seinem Forschen, daß er sich, besonders in der letzten Zeit, auf diese Gebiete verlegt hat. Ich meine das Buch «Vom Schaltwerk der Gedanken» von Carl Ludwig Schleich. Da finden Sie sehr interessante Mitteilungen aus der ärztlichen Praxis. Nehmen wir die einfachste Mitteilung, die da gegeben wird: Eine Dame kommt zu einem Arzte, will den Arzt konsultieren. Der sagt ihr, sie solle sich unterdes setzen. In dem Augenblick bewegt sich ein Windrädchen zum Hereinlassen von Luft, ein Ventilator. «Ach, das ist eine große Fliege», sagt sie, «die wird mich beißen.» Sehr bald, nachdem sie das ausgesprochen hat, fängt das Auge schon an, anzuschwellen. Nach einiger Zeit ergibt sich eine Geschwulst am Auge, die so groß ist wie ein Hühnerei. Der Arzt beruhigt sie, es sei nicht so schlimm, man könne den Fehler bald wieder ausbessern.

[ 13 ] An interesting book has recently been published by a doctor who is now beginning to address such matters. The realm of spiritual science is still closed to him; he still thinks entirely in materialistic terms. But he is so open-minded in his research that he has turned his attention to these fields, especially in recent times. I am referring to the book The Mechanism of Thought by Carl Ludwig Schleich. In it, you will find very interesting accounts from medical practice. Let’s take the simplest account given there: A woman comes to see a doctor; she wants to consult him. He tells her to take a seat while she waits. At that very moment, a small fan—a device for letting air in—begins to move. “Oh, that’s a big fly,” she says, “it’s going to bite me.” Very soon after she says this, her eye begins to swell. After some time, a swelling forms on her eye that is as big as a chicken egg. The doctor reassures her that it’s not so bad and that the problem can be corrected soon.

[ 14 ] Mit demjenigen Bewußtsein, das in dem menschlichen Tierkreis an die zwölf Sinnesbezirke gebunden ist, kann der Mensch nicht so tief in die Lebenssphäre eingreifen, daß sich etwas in seiner Lebenssphäre verändert. Mit dem Unterbewußtsein, wenn es heraufschlägt in das gewöhnliche Tagesbewußtsein, da greift der Mensch in die Lebenssphäre hinein. Begriffe, Vorstellungen, wie wir sie im gewöhnlichen Bewußtsein haben, die gehen beim heutigen Menschen noch nicht hinunter in diese Tiefe der Lebensvorgänge. Nur wogt es zuweilen mehr oder weniger herauf, bisweilen sogar sehr stark. Aber mit dem, was richtiges normales Außenbewußtsein heute ist, kann — sagen wir Gott sei Dank — der Mensch noch nicht in seine Lebensprozesse eingreifen, sonst würde er sich durch so manchen Gedanken schön zurichten. Die menschlichen Gedanken sind nicht so stark, daß sie eingreifen können. Aber es werden heute schon Gedanken von den Menschen gehegt, wenn die in die Lebenssphäre eingreifen würden, wie dieser Gedanke der Dame, der aus dem Unterbewußtsein heraufgequollen ist in die Lebensvorgänge, da würden Sie sehen, wie die Menschen mit hochgeschwollenen Gesichtern herumgehen würden, und mit noch manch anderen viel schlimmeren Zuständen. Also da ist unter der Oberfläche des Menschen, die an den Tierkreis gebunden ist, ein Unterbewußstsein, das in innigerem Zusammenhange mit dem Lebensprozesse steht; das wirkt dann sehr weit in abnormen Zuständen. Schleich erzählt zum Beispiel einen sehr interessanten Fall: Ein junges Mädchen kommt zu einem Arzt, sagt, sie habe sich vergangen. Es ist nach dem ärztlichen Befund ausgeschlossen, aber sie behauptet es. Sie will nicht angeben, mit wem sie sich vergangen hat. In den nächsten Monaten wird sie richtig guter Hoffnung; alle Symptome stellen sich ein, die äußeren physisch sichtbaren ebenso wie die inneren. In der Zeit, in der man in späteren Monaten bereits den Herzschlag des Kindes hört, wenn man untersucht, hört man genau unterscheidbar neben dem Pulsschlag der quasi Wöchnerin den Herzschlag des Kindes. Es geht ganz richtig fort, nur daß im neunten Sonnenmonat kein Kind kommt! Es geht in den zehnten Monat hinein — man kommt endlich darauf, es muß etwas anderes sein. Es muß zur Operation geschritten werden. Es ist nichts da,gar nichts, es war überhaupt.nichts! Es war einehysterischeSchwangerschaft mit allen physischen Symptomfolgen. Das wird heute schon von dem Arzt beschrieben, und es ist gut, daß es beschrieben wird; denn diese Dinge werden dieMenschen zwingen, anders nachzudenken über die menschlichen Zusammenhänge, als sie es bisher getan haben.

[ 14 ] With the consciousness that is bound to the twelve sensory spheres in the human zodiac, a person cannot intervene so deeply in the sphere of life as to bring about a change in that sphere. When the subconscious surges up into ordinary daily consciousness, that is when human beings intervene in the sphere of life. Concepts and ideas, as we have them in ordinary consciousness, do not yet reach down to this depth of life processes in modern human beings. It merely surges up from time to time to a greater or lesser extent, sometimes even very strongly. But with what constitutes true, normal outer consciousness today, human beings—thank God—cannot yet intervene in their life processes; otherwise, they would do themselves a world of harm with many a thought. Human thoughts are not strong enough to intervene. But people are already harboring thoughts today that, if they were to interfere with the sphere of life—such as this thought of the lady’s, which welled up from the subconscious into the life processes—you would see people walking around with severely swollen faces, and suffering from many other, far worse conditions. So beneath the surface of the human being—which is bound to the zodiac—there is a subconscious that stands in a deeper connection with the life processes; this then has a far-reaching effect in abnormal states. Schleich, for example, recounts a very interesting case: A young girl goes to a doctor and says she has had sexual intercourse. According to the medical findings, this is ruled out, but she insists it is true. She does not want to reveal with whom she had intercourse. Over the next few months, she becomes visibly pregnant; all the symptoms appear, both the external, physically visible ones and the internal ones. During this time, when in later months one would normally hear the child’s heartbeat during an examination, the child’s heartbeat can be clearly distinguished alongside the pulse of the so-called expectant mother. Everything proceeds exactly as it should, except that no child is born in the ninth solar month! As the tenth month begins, it finally becomes clear that it must be something else. Surgery must be performed. There is nothing there—absolutely nothing; there was nothing at all! It was a hysterical pregnancy with all its associated physical symptoms. This is already being described by doctors today, and it is good that it is being described; for these things will force people to think differently about human relationships than they have done so far.

[ 15 ] Ein anderer Fall: Zu Schleich kommt ein Mann, der sich während des Tages in seinem Büro mit der Feder gestochen hat; er hat sich etwas geritzt. Schleich schaut es sich an — es ist nicht sehr erheblich. Der Mann sagt: «Ja, aber ich weiß, ich spüre es schon im Arm, das ist eine Blutvergiftung, der Arm muß amputiert werden, sonst muß ich an Blutvergiftung sterben.» Schleich erwidert: «Ich kann Ihnen doch nicht den Arm wegnehmen, wenn gar nichts da ist. Sie werden ganz gewiß nicht an Blutvergiftung sterben.» Zur Vorsicht saugt er ihm die Wunde noch aus und entläßt ihn. Der Mann war aber in einer solchen Verfassung, daß Schleich, der ein sehr guter Mensch ist, ihn am Abend noch besuchte. Der Patient ist nur von dem Gedanken erfüllt, daß er sterben muß. Aber auch nachdem später das Blut untersucht worden ist, hat sich nicht im geringsten etwas von einer Blutvergiftung ergeben. Schleich beruhigt ihn wiederum; aber in der Nacht stirbt der betreffende Mann. Er stirbt wirklich! Tod, bloß aus psychischen Gründen heraus! _

[ 15 ] Another case: A man comes to Schleich after pricking himself with a pen in his office earlier that day; he has cut himself slightly. Schleich examines the wound—it is not very serious. The man says, “Yes, but I know—I can already feel it in my arm. It’s blood poisoning; my arm has to be amputated, or else I’ll die of blood poisoning.” Schleich replies, “I can’t possibly amputate your arm when there’s nothing wrong with it. You certainly won’t die of blood poisoning.” Just to be on the safe side, he suctions the wound and discharges him. But the man was in such a state that Schleich, who is a very kind man, visited him again that evening. The patient is consumed by the thought that he must die. But even after the blood was later tested, there was not the slightest indication of blood poisoning. Schleich reassures him once more; but that night, the man in question dies. He really does die! Death, solely due to psychological causes! _

[ 16 ] Nun, ich kann Ihnen die Versicherung geben, an den Gedanken, die der Mensch sich macht unter dem Einflusse seines Tierkreises, kann er nicht sterben, ganz gewiß nicht. Diese Gedanken reichen nicht so tief in die Lebensprozesse hinab. Und der andere Fall, den ich gerade vorhin erwähnt habe — ich meine die hysterische Schwangerschaft —, kann sich auch nicht durch bloße Gedanken ergeben, aber sterben kann man auch nicht an dem Gedanken, daß etwas Blutvergiftung sei.

[ 16 ] Well, I can assure you that a person cannot die from the thoughts he forms under the influence of his zodiac sign—certainly not. These thoughts do not penetrate that deeply into the processes of life. And the other case I mentioned just a moment ago—I mean hysterical pregnancy—cannot arise from mere thoughts either, but one cannot die from the thought that something is blood poisoning either.

[ 17 ] Mit Bezug auf diesen letzten Fall, wo ein wirklicher Tod scheinbar aus der Einbildung heraus eingetreten ist, muß allerdings die gegenwärtige Wissenschaft die Aufklärung von der Geisteswissenschaft erwarten. Und vielleicht können wir gerade an diesem Fall ein wenig erwägen, wie die Sache eigentlich liegt. Wir haben es mit einem Mann zu tun, der sich ritzt mit einer Feder, mit der er geschrieben hat, und “ der scheinbar an der Einbildung, die er daraus schöpft, stirbt. Aber wir haben es noch mit etwas ganz anderem zu tun: Der Mann, der da stirbt, hat ja zugleich einen Ätherleib, in diesem Ätherleib war der Tod, bevor er sich geritzt hat, bereits darinnen. Da lebte der Tod drinnen. Also in dem Augenblicke, in dem er am Morgen in sein Büro gegangen war, war der Tod bereits in seinem Ätherleib ausgedrückt, das heißt der Ätherleib hatte diejenigen inneren Prozesse angenommen, die er annimmt, wenn man stirbt, nur haben sie sich sehr langsam in den physischen Leib hinein übertragen. Und die Ungeschicklichkeit, die der Mann begangen hat, die hätte er nicht begangen, wenn nicht der Tod schon in ihm gesessen hätte. Unter dem Einfluß dieser inneren Verfassung passierte es ihm, daß er sich diesen Stich gemacht hat, der ganz bedeutungslos war. Aber dadurch wiederum drängte sich aus seiner Lebenssphäre in seinem Unterbewußtsein heraus das Bewußtsein: ich sterbe. Das Äußere war nur eine äußerliche Verbrämung, nur eine Attrappe. Dadurch, daß die Attrappe da war, wogte das herauf ins Tagesbewußtsein. Mit dem im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vorhandenen Prozeß der Einbildung hat der Tod nichts, absolut nichts zu tun; sondern der sitzt in ihm.

[ 17 ] With regard to this last case, in which an actual death apparently occurred as a result of delusion, contemporary science must, however, look to spiritual science for an explanation. And perhaps it is precisely this case that allows us to reflect a little on how things actually stand. We are dealing with a man who cuts himself with a pen he had been using to write, and “who apparently dies as a result of the delusion he derives from this.” But we are also dealing with something entirely different: The man who is dying here also has an etheric body, and death was already present within that etheric body before he cut himself. Death was living inside it. So at the very moment he entered his office that morning, death was already expressed in his etheric body—that is, the etheric body had taken on those inner processes that it assumes when one dies, only they had transferred very slowly into the physical body. And the blunder the man committed—he would not have committed it if death had not already been within him. Under the influence of this inner state, he ended up inflicting this stab wound on himself, which was completely meaningless. But as a result, the awareness “I am dying” forced its way out of his sphere of life and into his subconscious. The outward appearance was merely a facade, merely a sham. Because the sham was there, this thought surged up into his conscious awareness. Death has nothing—absolutely nothing—to do with the process of imagination present in ordinary daily consciousness; rather, it resides within him.

[ 18 ] Durch diese Dinge werden die Naturforscher allmählich gezwungen werden, immer tiefer einzudringen in das, was Geisteswissenschaft zu geben vermag. Schon haben wir etwas Kompliziertes vor uns, wenn wir die Beziehung betrachten zwischen der Planetensphäre und dem Lebensprozeß, der Tierkreissphäre und den Sinnesgebieten. Aber noch komplizierter wird die Sache, wenn wir aufsteigen zu den Bewußtseinsvorgängen, wenn wir also in diejenigen Gebiete hineinkommen, die nur einen gewissen Zusammenhang haben mit diesen Sphären: das Ich mit dem Tierkreis, der astralische Leib mit der planetarischen Sphäre des Menschen, mit dieser beweglichen Lebenssphäre des Menschen. Aber das, was da in Verbindung ist mit der beweglichen Lebenssphäre des Menschen, und was vom Ich aus in Verbindung ist mit dem Tierkreis, dem kommen wir nicht nahe, wenn wir so vorstellen, wie wir in der gewöhnlichen physischen Welt vorstellen, wie wir durch den Tierkreis vorstellen; sondern dem kommen wir nur nahe, wenn wir versuchen, uns ein ganz anderes Vorstellungsvermögen anzueignen. Es wird in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geraten, zuweilen rückwärts vorzustellen, Rückschau zu machen. Rückschau bedeutet, daß man die Vorgänge, die in der Welt nach der einen Seite ablaufen, nach der anderen Seite vorstellt, zurück vorstellt.

[ 18 ] These developments will gradually compel natural scientists to delve ever deeper into what spiritual science has to offer. We are already faced with a complex issue when we consider the relationship between the planetary sphere and the life process, and between the zodiacal sphere and the sensory realms. But the matter becomes even more complex when we ascend to the processes of consciousness—that is, when we enter those realms that have only a certain connection to these spheres: the “I” with the zodiac, the astral body with the human planetary sphere, with this mobile sphere of human life. But what is connected there to the human being’s mobile sphere of life, and what is connected from the “I” to the zodiac—we cannot approach this by imagining it as we do in the ordinary physical world, or as we do through the zodiac; rather, we can only approach it if we try to acquire a completely different capacity for imagination. In How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, it is advised to sometimes imagine things in reverse, to look back. Looking back means imagining the processes that take place in the world from one side to the other—that is, imagining them in reverse.

[ 19 ] Durch dieses Zurück-Vorstellen macht man neben manchem anderen allmählich die Geisteskräfte fähig, in eine der physischen Welt gegenüber verkehrte Welt hineinzukommen. Das ist die geistige Welt. Sie ist gegenüber der physischen Welt verkehrt in vieler Beziehung. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß man nicht einfach abstrakt umkehren darf, was in der physischen Welt ist, aber man muß unter den Kräften, die man ausbildet, auch diejenigen ausbilden, die sich an das Rückwärts-Vorstellen anschließen. Was folgt daraus? Daß die Menschen darauf angewiesen sind, wenn sie nicht ganz vertrocknen wollen in der Kultur, wenn sie sich in eine spirituelle Anschauungsweise der Welt hineinfinden wollen, gezwungen sein werden, eine verkehrte Welt vorzustellen. Denn das geistige Bewußtsein beginnt erst da, wo wirklich der Lebensprozeß oder der Sinnesprozeß sich umkehrt, wo der Prozeß rückwärts verläuft. Es werden sich die Menschen also gegen die Zukunft hin dazu bequemen müssen, rückwärts vorzustellen. Dann werden sie in dieses Rückwärts-Vorstellen die geistige Welt hineinkriegen, wie sie jetzt in das Vorwärts-Vorstellen die physische Welt hineinkriegen. Daß wir die physische Welt vorstellen können, rührt von der Richtung unseres Vorstellens her.

[ 19 ] Through this process of imagining things in reverse—among other things—one gradually enables the spiritual faculties to enter a world that is the opposite of the physical world. This is the spiritual world. It is the opposite of the physical world in many respects. I have already pointed out that one must not simply reverse what exists in the physical world in an abstract sense, but one must also, among the faculties one cultivates, develop those associated with this process of imagining in reverse. What follows from this? That people, if they do not wish to wither away completely in culture, if they wish to find their way into a spiritual view of the world, will be compelled to imagine an inverted world. For spiritual consciousness begins only where the process of life or the sensory process is truly reversed, where the process runs backward. People will therefore have to accustom themselves, as they look toward the future, to imagining things in reverse. Then, through this reverse imagination, they will be able to grasp the spiritual world, just as they now grasp the physical world through forward imagination. Our ability to imagine the physical world stems from the direction of our imagination.

[ 20 ] Also, wenn ich weitergehen wollte — ich habe Sie nur von dem menschlichen 'Tierkreis, den zwölf Sinnessphären, durch die LebensPlanetensphäre geführt —, so müßte ich Sie in ein ganz anderes Vorstellen hineinverweisen: in ein rückwärts gerichtetes Vorstellen.

[ 20 ] So, if I were to continue—I have just guided you through the human “zodiac,” the twelve spheres of the senses, and the sphere of the planet of life—I would have to direct you toward a completely different kind of imagination: one that looks backward.

[ 21 ] Nun wissen Sie ja, daß die Menschen der Gegenwart nicht sonderlich geneigt sind, Geisteswissenschaft aufzunehmen und wirklich zu durchdringen. Sie lehnen sie heute noch ab, denn sie sind gewöhnt an das materialistische Vorstellen. Für den, der nur ein wenig die Schwelle überschritten hat in die geistige Welt, ist die Behauptung, daß die Welt nur vorwärts geht und nicht zurück, ebenso töricht, wie wenn jemand behauptet: Die Sonne geht immer nach der einen Richtung, sie kann doch nicht zurückgehen! — Ja, sie geht wirklich auf der anderen Seite zurück, indem sie scheinbar diesen Weg (es wird gezeichnet) zurücklegt.

[ 21 ] Now, as you know, people today are not particularly inclined to embrace spiritual science or to truly grasp it. They still reject it today because they are accustomed to materialistic thinking. For anyone who has crossed the threshold into the spiritual world even a little, the claim that the world only moves forward and never backward is just as foolish as if someone were to claim: “The sun always moves in one direction; it can’t possibly go backward!” — Yes, it does indeed go backward on the other side, by seemingly retracing this path (it is drawn).

[ 22 ] Wir können uns leicht denken, daß so ein richtiger, in die gegenwärtige Vorstellungsweise eingefrorener Mensch einen wahren Horror haben könnte vor dem Rückwärts-Vorstellen, vor dem Vorstellen der verkehrten Welt. Aber wenn es diese verkehrte Welt nicht geben würde, würde es überhaupt kein Bewußtsein geben. Aber Bewußtsein ist ja schon eine Geisteswissenschaft. Das leugnen die Materialisten. Solch ein Mensch der Gegenwart könnte also einen besonderen Horror haben vor dem Rückwärts-Vorstellen, und man könnte sich denken, daß er einmal die Frage aufwerfen würde: Ist es denn unlogisch, den Weltenlauf auch einmal rückwärts vorzustellen? — und daß er dann darauf kommen könnte: Unlogisch ist es ja gar nicht.— Es ist wahrhaftig nicht unlogisch, ein Drama von rückwärts, vom fünften Akt nach vorn, aufzudröseln, und ebensowenig ist es unlogisch, den Weltenlauf nach rückwärts zu verfolgen. Aber für die gegenwärtigen Denkgewohnheiten ist es etwas Furchtbares. Wenn nun ein Mensch, der ganz in den Denkgewohnheiten der Gegenwart lebt, solch eine Frage aufwirft, so könnte er gerade aus dieser Frage heraus — für ihn ist es eine Tatsache, daß man sich die Welt nicht rückwärts vorstellen kann, daß es ganz unglaublich ist, daß die Welt nach rückwärts geht — etwas Besonderes herauswittern. Man könnte sich also einmal einen einsamen Denker denken, der sich abschwitzte mit dem Problem des Rückwärts-Vorstellens, und aus der Unmöglichkeit des Rückwärts-Vorstellens aus den heutigen Denkgewohnheiten heraus besondere philosophische Schlüsse zöge.

[ 22 ] It is easy to imagine that such a person—truly frozen in the current way of thinking—might feel a genuine horror at the idea of imagining things in reverse, at imagining an upside-down world. But if this upside-down world did not exist, there would be no consciousness at all. But consciousness is, after all, already a spiritual science. The materialists deny this. Such a person of the present might therefore have a particular horror of imagining things in reverse, and one could imagine that he might one day raise the question: Is it really illogical to imagine the course of the world in reverse for once? — and that he might then come to the conclusion: It is not illogical at all. — It is truly not illogical to unravel a drama in reverse, from the fifth act backward, and it is just as little illogical to trace the course of the world in reverse. But for current ways of thinking, it is something dreadful. If a person who lives entirely within the present-day habits of thought were to raise such a question, he might, precisely from this question—for him it is a fact that one cannot imagine the world in reverse, that it is utterly unbelievable that the world could move backward—sense something extraordinary. One could thus imagine a solitary thinker who toiled away at the problem of imagining things in reverse, and who, based on the impossibility of such reverse imagination within today’s patterns of thought, drew particular philosophical conclusions.

[ 23 ] Man kann noch eine weitere Vermutung haben. Ich habe Sie schon darauf aufmerksam gemacht, daß es besonders in dem Sternbild, wo die Sonne untergeht, beim Gehörsinn schwer wird, rückwärts vorzustellen. Der Gehörsinn hat ja besonders in bezug auf das Musikalische manche Veränderung im Laufe der Zeiten erfahren. Diese feineren Veränderungen, die beobachten gewöhnlich die Historiker nicht, sie sind aber für das innere Leben der Menschen wichtiger als die groben Veränderungen, die in der Geschichte verzeichnet sind. Es ist zum Beispiel durchaus wichtig für die Veränderung des Gehörsinns, des vergeistigten, für die physische Welt schon vergeistigten Hörsinns, daß in der griechisch-lateinischen Kulturperiode die Oktave als ganz besonders angenehmer, sympathischer Tonzusammenklang empfunden wurde, daß im elften, zwölften, dreizehnten Jahrhundert die Quinte besonders beliebt geworden ist. Man nannte sie in diesen Zeiten den «süßen Ion». Dieselbe Empfindung, die heute der Mensch der Terz gegenüber hat, hatte er noch im zwölften, dreizehnten Jahrhundert der Quinte gegenüber. So ändern sich die Konstitutionen in verhältnismäßig kurzer Zeit.

[ 23 ] One can make yet another assumption. I have already pointed out to you that, particularly in the constellation where the sun sets, it becomes difficult for the sense of hearing to imagine things in reverse. The sense of hearing has, after all, undergone many changes over the course of time, especially with regard to music. Historians usually do not observe these more subtle changes, yet they are more important for people’s inner lives than the major changes recorded in history. For example, it is quite significant for the evolution of the sense of hearing—the spiritualized sense of hearing, already spiritualized in relation to the physical world—that during the Greco-Latin cultural period the octave was perceived as a particularly pleasant and harmonious combination of tones, and that in the eleventh, twelfth, and thirteenth centuries the fifth became especially popular. In those times, it was called the “sweet Ion.” The same feeling that people have today toward the third was still felt toward the fifth in the twelfth and thirteenth centuries. This is how constitutions change in a relatively short time.

[ 24 ] Es könnte also sein, daß jemand, der ein besonders musikalisches Ohr hat, sich stoßen würde an dem Rückwärtsverlauf der Vorstellungen — denn die Musik gehört ja zum Allertiefsten, was wir hier auf dem physischen Plan haben! —, weil ein musikalisches Ohr gerade dadurch, daß es tief, mit tiefer Befriedigung, auf dem physischen Plan in der einen Richtung empfindet, Anstoß nimmt an dem Rück wärtsVorstellen. Natürlich kann das nur in einer Zeit sein, in der der Materialismus so hoch ist wie heute. Demjenigen, der nicht sehr musikalisch ist, wird dieser Zwiespalt nicht so leicht kommen. Aber ein musikalischer Mensch, der gründlich materialistisch ist seinen Denkgewohnheiten nach, der kann dadurch darauf geführt werden, daß er sagt: Das geht unmöglich mit diesem Menschenkopf zusammen, daß man rückwärts vorstellt. — In dieser Form sträubt er sich gegen die geistige Welt. Man könnte geradezu voraussetzen: irgendwo könnte es einen solchen Denker doch geben.

[ 24 ] It could therefore be that someone with a particularly musical ear would take offense at the backward progression of these ideas—for music, after all, belongs to the very deepest realm we have here on the physical plane! — because a musical ear, precisely because it perceives deeply and with profound satisfaction in one direction on the physical plane, takes offense at this backward progression of ideas. Of course, this can only happen in an age when materialism is as prevalent as it is today. For someone who is not very musical, this conflict will not arise so easily. But a musical person who is thoroughly materialistic in their habits of thought may be led to say: “It is impossible to reconcile this with the human mind—the idea of imagining things in reverse.” — In this way, they resist the spiritual world. One might even assume that such a thinker could indeed exist somewhere.

[ 25 ] Kurioserweise ist in der letzten Zeit ein Buch erschienen: Christian von Ehrenfels, «Kosmogonie». Dieses Buch hat als erstes Kapitel: « ‹Die Reversion›, ein Paradoxon unserer Erkenntnis.» Da entwickelt Ehrenfels auf vielen Seiten, so wie es ein heutiger Philosoph macht, wie es wäre, wenn man probieren würde, die andere Seite, gleichsam die asymmetrische Seite des Weltenverlaufes sich vorzustellen, zurückzudenken. Er kommt wirklich einmal darauf, zurückzudenken, richtig zurückzudenken. Da versucht er, wie er mit diesem Paradoxon fertig werden könnte, und legt sich für besondere Fälle dieses Rück wärtsdenken vor. Eines möchte ich Ihnen als Beispiel für dieses Rück wärtsdenken anführen. Er nimmt zuerst einen nicht rückwärtsgehenden, sondern vorwärtsgehenden Verlauf an:

[ 25 ] Curiously, a book has recently been published: Christian von Ehrenfels, Kosmogonie. The first chapter of this book is titled: “‘The Reversion,’ a Paradox of Our Knowledge.” Over many pages, Ehrenfels explores—just as a contemporary philosopher would—what it would be like to try to imagine the other side, so to speak, the asymmetrical side of the course of the world, and to think back to it. He actually does come to the point of thinking back—truly thinking back. There he attempts to grapple with this paradox and envisions specific cases of this backward thinking. I would like to cite one example of this backward thinking. He first assumes a course of events that moves forward rather than backward:

[ 26 ] «In der aufrechten Welt löse sich, auf hoher Gebirgswand, infolge Feuchtigkeit und Frost ein Brocken von der kompakten Felsmasse los und verliere bei eintretendem Tauwetter das Gleichgewicht. Er stürzt an der überhängenden Wand herab, schlägt auf Felsgrund auf, zerschellt in viele Stücke. Eines dieser Stücke verfolgen wir, wie es den tieferen Abhang hinabkollert, beim Zusammenstoß mit Steinen noch mehrere Splitter verliert und endlich an einer Erdwelle liegen bleibt. Es hat alsdann seine gesamte kinetische Energie in Form von Erwärmungen der Erd- und Felsstellen, auf die es aufschlug, und der Luft, welche seiner Bewegung Widerstand bot, ausgegeben. — Wie würde nun dieser — gewiß nicht seltene — Vorgang in der verkehrten Welt sich ausnehmen?»

[ 26 ] “In the upright world, on a high mountain face, moisture and frost cause a chunk to break away from the compact rock mass, and as the thaw sets in, it loses its balance. It plunges down the overhanging face, strikes the rocky ground, and shatters into many pieces. We follow one of these pieces as it tumbles down the steeper slope, loses several more fragments upon colliding with stones, and finally comes to rest on a mound of earth. It has then expended all of its kinetic energy in the form of heat transferred to the earth and rock where it struck, and to the air that offered resistance to its motion. — How, then, would this—certainly not uncommon—process appear in a world turned upside down?”

[ 27 ] «Ein Stein liegt an einer Erdwelle. Plötzlich schießen die anscheinend chaotischen Wärmestöße seines Untergrundes in so seltsamer Weise zusammen, daß sie dem Stein einen starken Schwung nach schräg aufwärts erteilen. Die Luft bereitet ihm keinen Widerstand. Im Gegenteil. Infolge merkwürdiger Wärmetransaktionen aus ihrem eigenen Bestand macht sie ihm freie Bahn, weicht ihm von selbst bei seiner Bewegung nach schräg aufwärts aus und fördert diese Bewegung noch dazu durch kleine, aber zielstrebig sich summierende Wärmestöße. Der Stein prallt bei seiner Bewegung an einen Felsvorsprung. Er verliert aber dadurch weder einen Splitter seines Gefüges, noch einen Teil seiner Bewegungswucht. Im Gegenteil. Zufällig wird ein anderes Steinchen durch gesammelte Wärmestöße der Erde und der Luft im gleichen Moment auch an die Stelle des Anprallens geschleudert, und — siehe da! — Dieses Steinchen wird an unsern Stein — immer durch Wärmestöße — so nahe herangedrückt, und die — anscheinend regellos gebrochenen — Oberflächen dieser Stücke passen so minutiös genau ineinander, daß die Kräfte der Kohäsion in Wirksamkeit treten, das Steinchen an den Stein zu einer kompakten Masse anwächst, und der vergrößerte Brocken nun, gefördert durch anscheinend zielstrebige Wärmestöße aus dem Felsvorsprung, an welchen er anprallte, seinen Weg nach schräg aufwärts mit vergrößerter Geschwindigkeit fortsetzen kann.»

[ 27 ] “A stone lies on a mound of earth. Suddenly, the seemingly chaotic heat waves from the ground below converge in such a strange way that they impart a powerful momentum to the stone, propelling it diagonally upward. The air offers it no resistance. On the contrary. As a result of peculiar heat transactions arising from its own composition, the air clears a path for it, automatically yielding to its diagonal upward motion, and even aids this movement through small but purposefully accumulating heat pulses. As it moves, the stone strikes a rocky outcrop. Yet it loses neither a fragment of its structure nor any part of its momentum. On the contrary. By chance, another small stone is also hurled toward the point of impact at the very same moment by the accumulated thermal pulses of the earth and the air, and—lo and behold!—this small stone is pressed so close to our stone—again by thermal pulses—and the—seemingly irregularly fractured — surfaces of these pieces fit together so meticulously that the forces of cohesion come into play, the small stone fuses with the larger one to form a compact mass, and the enlarged chunk—propelled by seemingly purposeful thermal shocks from the rock ledge against which it struck—can now continue its path diagonally upward at increased speed. »

[ 28 ] Wie früher der Stein in Stücke zerschellt ist, so kommen sie jetzt wieder zusammen. Das Ganze geht zusammen, legt sich wieder an den Felsvorsprung. Es gleicht sich wieder aus, geht wiederum zurück und so weiter. Das beschreibt er sehr genau. Also er denkt den Vorgang rückwärts. Noch mehrere solche Beispiele führt er an, wo er den Vorgang rückwärts denkt. Man sieht, er plagt sich furchtbar; er strengt sich furchtbar an.

[ 28 ] Just as the stone shattered into pieces earlier, so now the pieces come back together. The whole thing comes together again, settling back onto the rocky ledge. It balances out again, recedes once more, and so on. He describes this in great detail. In other words, he thinks through the process in reverse. He cites several more examples like this, in which he thinks the process through in reverse. You can see that he is struggling terribly; he is exerting himself tremendously.

[ 29 ] «Ein Hase läuft an einem sonnigen Wintertag durch den Schnee und hinterläßt eine Fährte, welche an vielen Stellen alsbald durch den Wind wieder verweht wird, an einigen südlich geneigten Hängen jedoch, wo der Schnee unter dem Einfluß der Sonnenstrahlung auftaut und am Abend wieder gefriert, noch wochenlang zu sehen ist, bis sie endlich mit dem Eintritt der allgemeinen Schneeschmelze ganz verschwindet. — In der «verkehrten Welt» würde die Fährte des Hasen zuerst entstehen, aber nicht als Ganzes, sondern bruchstückweise, hier und dort, erst als undeutliche Einkerbungen in dem vereisten Schnee (oder vielmehr dem allmählich zu Schnee sich lockernden Eis), dann nach Wochen, während jene Einkerbungen sich allmählich vertiefen und in ihrer Form dem Abdruck von Hasenpfoten sich annähern, an den Zwischenstellen, dadurch, daß aus lockerem Schnee durch Wärmestöße Flocken herausgeschleudert werden, — bis endlich die ganze Zeile von Eindrücken fertig ist, und nun der Hase, den Kopf nach hinten und das Hinterteil voran, die Zeile — nicht abläuft — sondern, gegen den Zug seiner Muskeln, immer durch Wärmestöße entlang geschleudert wird, so kunstvoll, daß immer eine Pfote in das schon fertige Futteral der Fährte zu fallen kommt. — Des Wunders nicht genug: — So oft die Pfote aus diesem Futteral austritt, wird die Vertiefung durch scheinbar zielstrebige Wärmestöße so treffsicher mit lockerem Schnee angefüllt, daß volle Konformität mit der Umgebung sich einstellt, und über den von dem Hasen zurückgelegten Weg alsbald in tadelloser Glätte das Schneefeld sich breitet, als wäre es niemals anders gewesen.»

[ 29 ] “On a sunny winter day, a hare runs through the snow, leaving a trail that is quickly blown away by the wind in many places; however, on some south-facing slopes, where the snow thaws under the sun’s rays and freezes again in the evening, the trail remains visible for weeks until it finally disappears completely with the onset of the general snowmelt. — In the “upside-down world,” the hare’s tracks would appear first, but not as a whole, rather in fragments, here and there, first as indistinct indentations in the frozen snow (or rather, the ice gradually loosening into snow), then, after weeks, as those indentations gradually deepen and their shape comes to resemble the imprint of a hare’s paws, in the spaces between them, as flakes are flung out of the loose snow by bursts of heat, — until finally the entire line of impressions is complete, and now the hare, with its head thrown back and its hindquarters leading, does not run along the line—but, against the pull of its muscles, is constantly propelled along by bursts of heat, so skillfully that one paw always lands within the already formed channel of the track. — As if that weren’t miraculous enough: — Whenever the paw steps out of this channel, the indentation is filled so accurately with loose snow by seemingly purposeful thermal pulses that it blends perfectly with the surroundings, and the snowfield immediately spreads out in flawless smoothness along the path the hare has traveled, as if it had never been otherwise.”

[ 30 ] Sie sehen, er strengt sich an. Und nun sagt er sich noch: wenn er schon bei einem Hasen sich anstrengen muß, wie müßte er sich anstrengen, meint er, bei einer ganzen Treibjagd.

[ 30 ] You see, he’s trying hard. And now he tells himself: if he has to work this hard just to catch a single hare, how much harder, he thinks, would he have to work during an entire hunt.

[ 31 ] «Man merkt leicht: — es sind die wesentlich gleichen Unglaublichkeiten wie in den Beispielen aus der anorganischen Natur, nur ins Groteske, Ungeheuerliche gesteigert. — Und dieser Fall ist noch ein einfacher von Spurenbildung durch organische Wesen. Man vergegenwärtige sich etwa nur die Spuren, welche — nicht ein Hase, sondern eine ganze winterliche Treibjagd mit vielen Jägern, Treibern, Hunden, vielen Hasen, mehreren Rehen, Füchsen und Hirschen im Schnee hinterläßt, — wie diese Spuren sich kreuzen, decken, wie der eine die Spur des andern niedertritt, so daß stellenweise geglättete Flächen zurückbleiben usw. Man verkehre nun diese Vorgänge, — beachte, wie da, durch die anscheinend gleichartigen Ursachen von Wärmestößen aus dem Chaotischen, verschiedenartige Spurzeilen sich bilden und nun jedes Lebewesen gerade auf die ihm konforme Zeile, das Reh auf diese, der Hirsch auf jene, jeder Jäger auf die seinem Schuhwerk entsprechende Fährte gedrängt, geschoben, geworfen wird, immer durch die seltsam sich vereinigenden Wärmestöße aus der Erde, aus der Luft, aus dem Inneren der betreffenden Organismen, — und man erhält dann erst eine blasse Vorstellung von der Tragweite des Begriffes «Spurenbildung; in unserer aufrechten» — und nicht verkehrten — «Welt.»

[ 31 ] “It is easy to see: — these are essentially the same absurdities as in the examples from inorganic nature, only heightened to the grotesque and monstrous. — And this case is still a simple one involving tracks left by organic beings. Just consider, for example, the tracks left—not by a single hare, but by an entire winter hunt involving many hunters, beaters, dogs, many hares, and several roe deer, foxes, and deer—leaves behind in the snow—how these tracks crisscross and overlap, how one tramples over another’s tracks, leaving smoothed-out patches in places, and so on. Now let us reverse these processes—note how, through the seemingly similar causes of heat surges arising from chaos, different types of track lines form, and how every living being is now forced, pushed, and thrown precisely onto the line that corresponds to it—the roe deer onto this one, the stag onto that one, every hunter onto the trail corresponding to his footwear—always driven, pushed, and thrown by the strangely converging heat surges from the earth, from the air, and from within the organisms in question—and only then does one gain a faint notion of the scope of the concept of “track formation” in our “upright”—and not inverted—“world.”

[ 32 ] Er strengt sich also sehr an, um Vorstellungen zu gewinnen, die er braucht. Sie drängen manches aus dem Unterbewußten des heutigen Menschen herauf. Sie sehen, wie naturgemäß es ist, daß Geisteswissenschaft entsteht, denn wie ich oft auch an anderen Beispielen gezeigt habe, es drängt in der Seele des Menschen dahin. Er müht sich ab, man kann schon sagen, wenn es auch geistig gemeint ist, er schwitzt sich ab, diese rückwärtsgehenden Prozesse wenigstens einigermaßen zu verstehen. Es ist also solch ein Denker da, denn er ist ein Denker, das kann nicht geleugnet werden. Logisch ist es durchaus möglich, das vorzustellen, aber unglaubwürdig, sagt er, ist es. Das heißt ja für uns, es widerspricht seinen Denkgewohnheiten, das heißt im letzten Ende: Er kann überhaupt nicht sich die geistige Welt vorstellen. Und nun schließt er: «Ja, mehr noch! — Versetzen wir uns in die Lage, ein Realitätenkomplex gleich der «verkehrten Welt> sei uns durch den unerbittlichen Zwang der Erfahrung als Tatsache wirklich aufgenötigt.»

[ 32 ] So he makes a great effort to gain the insights he needs. These insights bring certain things to the surface from the subconscious of modern human beings. You can see how natural it is for spiritual science to emerge, for as I have often shown using other examples, there is a natural urge in the human soul toward this. He struggles—one might even say, even if it is meant in a spiritual sense, he works up a sweat—to understand these retrograde processes at least to some extent. So here is such a thinker—for he is a thinker; that cannot be denied. Logically, it is entirely possible to imagine this, but he says it is implausible. For us, this means it contradicts his habitual way of thinking; in the final analysis, it means: He cannot conceive of the spiritual world at all. And now he concludes: “Yes, even more than that! — Let us imagine that a complex of realities akin to the ‘upside-down world’ is truly forced upon us as a fact by the inexorable compulsion of experience.”

[ 33 ] Also der Mann versetzt sich noch in die Lage, so wie er seinen Hasen draußen in der physischen Welt wirklich sieht, oder seine Treibjagd, so könnte es einmal geschehen, daß er in der physischen Welt, die für ihn doch das einzig Wirkliche ist, das Umgekehrte sähe. Nehmen wir an, es werde einem aufgedrängt, man trete wirklich einmal in die physische Welt hinaus und es sei eine ganz verkehrte Welt da:

[ 33 ] So, if the man were to put himself in the position of actually seeing his hare out there in the physical world, or his hunt—it could happen that, in the physical world, which is after all the only reality for him, he might see the opposite. Let’s suppose it were forced upon us that we actually stepped out into the physical world one day and found it to be a completely upside-down world:

[ 34 ] «Wie würden wir uns ihm gegenüber verhalten, wie ihn auszulegen versuchen? — Jenes — früher angedeutete — Gedankenprojekt mit dem gestaltsaugenden Rückwirkungsprinzip in der Zukunft müßten wir, obgleich das Erfahrungsmaterial uns immer wieder dahin drängte, doch als absurd von uns weisen.»

[ 34 ] “How would we respond to it, how would we try to interpret it? — That — previously hinted at — conceptual project involving the form-absorbing principle of retroaction in the future, we would have to reject as absurd, even though the empirical evidence kept pushing us in that direction.”

[ 35 ] Er sagt, es wäre doch schrecklich, wir könnten das nicht denken, dürften es nicht denken, und wir würden es sehen! Das stellt er sich vor, das Schreckliche, was er wirklich sehen müßte, wenn er in die geistige Welt hineinkommen würde. Das wäre nun etwas Schreckliches, wenn es ihm aufgedrängt würde in der physischen Welt, wie er sich es vorstellt!

[ 35 ] He says it would be terrible—we couldn’t imagine it, we shouldn’t be allowed to imagine it, and yet we would see it! That is what he imagines—the horror he would truly have to face if he were to enter the spiritual world. It would indeed be a terrible thing if it were forced upon him in the physical world, just as he imagines it!

[ 36 ] «Es bliebe uns keine andere Wahl übrig: — Die scheinbar spontanen Gestaltungsanfänge (hie Menschen, dort Füchse, dort Rosen usw.) müßten wir als eben nur scheinbar spontan, tatsächlich vielmehr durch teleologische, zweckbewußt vorausberechnete Kollokationen der materiellen Partikel und ihrer Bewegungsrichtungen zustande gebracht beurteilen, — und ebenso das seltsame Spiel ihrer auf Gleitbahnen sich vollziehenden Konvergenz zu immer wenigeren und niedrigeren Gestaltfolgen.»

[ 36 ] “We would have no other choice: — We would have to regard the seemingly spontaneous beginnings of form (here humans, there foxes, there roses, etc.) as merely seemingly spontaneous, but in fact brought about by teleological, purposefully precalculated collocations of material particles and their directions of motion, — and likewise the strange interplay of their convergence along gliding paths into ever fewer and simpler sequences of forms.”

[ 37 ] Also er denkt sich das Ganze zurück zu den Darwinischen Einheitsformen vom Anfang der Erde.

[ 37 ] So he traces the whole thing back to the Darwinian uniform forms from the beginning of the Earth.

[ 38 ] «Das Ziel aber dieser vorausschauenden, vorausrechnenden Schöpferkraft? — Kann die plötzliche Erweckung von Gestalt und ihre allmähliche Überleitung in Nichtgestalt ein letztes Ziel sein? — «Nein, und wieder nein! — Die Ziele des Ganzen müssen gegensätzlicher Art sein.»

[ 38 ] “But what is the goal of this foresighted, anticipatory creative power? — Can the sudden emergence of form and its gradual transition into formlessness be the ultimate goal? — ‘No, and no again! — The goals of the whole must be of a contrary nature.”

[ 39 ] Und nun frägt er sich: Wie würde mir eine solche Welt vorkommen, wenn ich sie wirklich sähe? Und darauf gibt er sich die Antwort: «Die Erfahrungswelt ist der groteske Scherz eines unbegreiflichen Weltdämons, dem alles an uns ausgeliefert ist, mit Ausnahme der Erkenntnis.»

[ 39 ] And now he asks himself: How would such a world appear to me if I could actually see it? And he answers his own question: “The world of experience is the grotesque joke of an incomprehensible world demon to whom everything about us is at the mercy—except for our knowledge.”

[ 40 ] Die behält er sich, denn da, sagt er, kann er nicht herein. Die Erkenntnisse sind seine Denkgewohnheiten, da kann er nicht herein, die behält er sich. Aber die Welt, die er verkehrt sehen müßte, die wäre das groteske Schauspiel eines Weltdämons, des Teufels; es wäre die teuflische Welt. Er fürchtet sich vor dem, was ihm als Teufel erscheinen müßte. — Da haben Sie einmal in einer Seele erlebt, was ich oftmals gesagt habe: Furcht vor der geistigen Welt ist es, was zurückhält. Er spricht es aus: er würde in dem Augenblick, wo er eine physische Welt sehen würde, die ähnlich wäre der geistigen Welt, dies für das Paradoxon eines teuflischen Wesens halten. So fürchtet er sich davor.

[ 40 ] He reserves those for himself, because, he says, he cannot enter there. These insights are his habitual ways of thinking; he cannot enter there—he reserves them for himself. But the world, which he would have to see upside down, would be the grotesque spectacle of a world demon, the devil; it would be the devilish world. He is afraid of what would have to appear to him as the devil. — There, for once, you have experienced in a soul what I have often said: it is fear of the spiritual world that holds one back. He says it outright: the moment he were to see a physical world similar to the spiritual world, he would regard it as the paradox of a diabolical being. That is why he fears it.

[ 41 ] «jenseits der Grenzen unserer Erfahrungswelt muß ein anderes, umfassendes Weltgesetz walten!» — Das heißt: Selbst eine «verkehrte Welv würden wir letzten Endes nicht nach verkehrten Prinzipien aufzufassen uns bequemen.»

[ 41 ] “Beyond the limits of our world of experience, another, all-encompassing law of the universe must prevail!” — In other words: Even if the world were “upside down,” we would ultimately not be willing to interpret it according to upside-down principles.

[ 42 ] Was würde also der gute Ehrenfels tun, wenn er wirklich in solch eine Welt versetzt würde, die sich bequemen würde, für ihn physisch zu sein? Er würde sagen: Nein, die glaube ich nicht; ich will sie nach der anderen Seite vorstellen, ich will sie nicht gelten lassen. Und das tun ja die Leute auch mit der geistigen Welt; sie wollen sie wirklich nicht gelten lassen, wenn sie die Sachen anders sehen als in der Gegenwart.

[ 42 ] So what would the good Ehrenfels do if he were truly transported into such a world that would deign to be physical for him? He would say: No, I don’t believe in that; I want to imagine it from the other side; I won’t accept it. And that is exactly what people do with the spiritual world; they really do not want to accept it if they see things differently than they do in the present.

[ 43 ] «Wir würden sie (diese Welt) als eine Ausnahme, als eine Enklave, als einen Gegenstrom in dem großen Gesamtlauf des Weltgeschehens einschätzen, und diesem umfassenden Weltgeschehen würden wir doch wieder jene physiognomischen Züge erteilen, die uns an sich als glaubwürdig erscheinen.»

[ 43 ] “We would regard it (this world) as an exception, as an enclave, as a countercurrent within the grand sweep of world events, and to these overarching world events we would, after all, once again ascribe those distinctive characteristics that seem credible to us in and of themselves.”

[ 44 ] Also man würde sich hinstellen und sagen: Nein, diese Welt, die narrt uns zwar ein Dämon vor, aber wir glauben nicht an sie; wir stellen sie uns doch nach der anderen Seite vor; wir stellen sie uns so vor, wie wir es gewöhnt sind.

[ 44 ] So one would stand up and say: No, this world—though a demon may be deceiving us with it—we do not believe in it; we imagine it to be the other way around; we imagine it the way we are accustomed to.

[ 45 ] Da sehen Sie das ganze Sich-Entgegenstellen eines Philosophen gegen dasjenige, was kommen muß. Es ist gut, den Fortgang der Menschheitsentwickelung in solchen Punkten zu fassen. Es ist schon so, meine lieben Freunde, dasjenige, was sein muß nach der Geisteswissenschaft, das geschieht. Und wenn hier oftmals gezeigt worden ist aus den verschiedensten Symptomen, daß die Menschen sich auch heute noch in ihrem Oberbewußtsein gegen den Geist wehren, sie fangen an, unterbewußt zu ihm sich hinzuwenden. Sie machen sich nur noch etwas vor, sie leugnen ihn noch. Es wird nicht lange dauern, so werden sie ihn nicht mehr leugnen können, diesen Geist, denn schon werden sogar zwangsweise die Gedanken der Menschen dahin gerichtet, was man gerade an einem solchen Fall, wie an der «Kosmogonie» des Christian von Ehrenfels, sehen kann.

[ 45 ] Here you see the full extent of a philosopher’s resistance to what must come. It is good to grasp the course of human development in such respects. It is indeed true, my dear friends, that what must come to pass according to spiritual science does come to pass. And although it has often been shown here, through a wide variety of signs, that people even today still resist the Spirit in their conscious minds, they are beginning to turn toward it subconsciously. They are merely deluding themselves; they still deny it. It will not be long before they can no longer deny this spirit, for even now people’s thoughts are being directed toward it almost against their will, as can be seen in a case such as Christian von Ehrenfels’s “Cosmogony.”

[ 46 ] Ich wollte dieses Buch auch aus dem Grunde hier besprechen, weil es als ein eben erschienenes Buch in der nächsten Zeit ganz gewiß viel besprochen werden wird. Wenn es auch in einer Philosophensprache geschrieben ist, die schwer lesbar ist, wird es viel und wahrscheinlich überall in sehr grotesker Weise besprochen werden, weil man die Zusammenhänge doch nicht erfassen wird. Damit auch einmal dasjenige gesagt worden ist, was sachgemäß über dieses Buch gesagt werden muß, wollte ich in diesem Zusammenhange gerade auf die «Kosmogonie» von Christian von Ehrenfels aufmerksam machen. Wir haben es mit einem Philosophen zu tun, der Universitätsprofessor ist, der seit langen Jahren Philosophie an der Prager Universität vorgetragen hat. 1915 ist dieses Buch erschienen. Er spricht in der Vorrede zu diesem Buch über seinen Entwickelungsgang, welchen Philosophen älteren Datums er mehr oder weniger dies oder jenes zu verdanken hat, mit welchen er als Philosoph mehr oder weniger einverstanden ist. Am Schluß dieser Vorrede sagt er das Folgende, nachdem er angeführt hat, daß er Franz Brentano, Meinong, also den älteren Philosophen, dies oder jenes verdanke.

[ 46 ] I also wanted to review this book here because, as a newly published work, it will certainly be the subject of much discussion in the near future. Even though it is written in philosophical language that is difficult to read, it will be discussed extensively—and likely in a very grotesque manner everywhere—because people will not grasp the connections. To ensure that what needs to be said about this book is said properly, I wanted to draw attention in this context specifically to Christian von Ehrenfels’s Kosmogonie. We are dealing with a philosopher who is a university professor and who has been teaching philosophy at the University of Prague for many years. This book was published in 1915. In the preface to this book, he discusses his intellectual development—which earlier philosophers he owes this or that to, and with whom he agrees to a greater or lesser extent as a philosopher. At the end of this preface, after noting that he owes this or that to Franz Brentano, Meinong, and other earlier philosophers, he says the following:

[ 47 ] «Das Schwergewicht meiner Dankesschuld dagegen habe ich in eine Richtung zu weisen, welche nach allgemeiner Auffassung von Philosophie weit abliegt. — Ich habe in meinem Leben ein weit größeres Quantum an psychisischer Energie der innerlichen Aneignung der deutschen Musik zugewandt, als der Rezeption philosophischer Literatur.» — Dieses Bekenntnis legt er als Philosophieprofessor ab! — «Und ich bereue das nicht, gegenwärtig in der zweiten Hälfte des sechsten Dezenniums dieses Lebens stehend» — also er ist weit über fünfzig Jahre alt — «sondern erblicke darin vielmehr eine der Quellen meiner Produktivität» — und er ist nur philosophisch produktiv! — «Denn wenn Schopenhauers Deutung der Musik als einer besonderen Objektivation des Weltwillens in dieser Form auch wohl abzulehnen sein wird, so trifft sie doch, wie mich dünkt, ihrer Intention nach den Kern der Sache. Der wahrhaft produktive Musiker steht in seinen Offenbarungen dem Weltgeist näher als andere Sterbliche. — Wer von diesen «anderen» die metaphysische Sprache der Musik zu verstehen vermeint, der empfindet es als verantwortungsvollste Pflicht, den vernommenen Sinn nun für die Mitwelt in die ihr geläufigen begrifflichen Verständigungsmittel zu übersetzen.

[ 47 ] “The bulk of my debt of gratitude, however, must be directed toward a field that, according to the general understanding of philosophy, lies far removed from it. — In my life, I have devoted a far greater amount of mental energy to the internal assimilation of German music than to the study of philosophical literature.” — He makes this confession as a professor of philosophy! — “And I do not regret this, now that I am in the second half of the sixth decade of my life”—meaning he is well over fifty years old—“but rather see it as one of the sources of my productivity”—and he is productive only in philosophy! — “For even if Schopenhauer’s interpretation of music as a special objectification of the world will in this form be subject to rejection, it nevertheless, as it seems to me, strikes at the heart of the matter in its intention. The truly productive musician, in his revelations, is closer to the world spirit than other mortals. — Whoever among these ‘others’ presumes to understand the metaphysical language of music feels it is their most solemn duty to translate the meaning they have perceived into the conceptual means of communication familiar to the rest of the world.

[ 48 ] Wenn man unter Religion ein geistiges Besitztum versteht, welches seinem Eigner Weltvertrauen, sittliche Kraft und inneren Halt erteilt, so ist die deutsche Musik mir Religion gewesen durch ein Menschenalter einer agnostischen, metaphysik- und glaubenslosen Zeit, von dem Tage, als ich mich innerlich endgiltig vom katholischen Dogma lossagte (im Jahre 1880), bis zu jenen Wochen (im Frühling 1911), in welchen mir die Umrisse der hier vorgetragenen metaphysischen Lehre aufgingen.»

[ 48 ] If one understands religion to be a spiritual possession that grants its owner trust in the world, moral strength, and inner stability, then German music has been my religion throughout a generation of agnosticism, a time devoid of metaphysics and faith—from the day I finally broke away inwardly from Catholic dogma (in 1880), until those weeks (in the spring of 1911) when the outlines of the metaphysical doctrine presented here became clear to me.”

[ 49 ] Und diese metaphysische Lehre geht aus von dem Paradoxon der Reversion, von der Unmöglichkeit der Umkehrung der Vorstellungen.

[ 49 ] And this metaphysical doctrine stems from the paradox of reversion, from the impossibility of reversing concepts.

[ 50 ] «Ja, die deutsche Musik ist mir auch heute noch Religion in dem Sinn, daß ich, wenn mir alle Argumente dieses Werkes auch widerlegt würden, doch nicht der Verzweiflung verfiele, — doch überzeugt bliebe, mit dem Weltvertrauen, aus dem dieses Werk erwuchs, den wesentlich richtigen Pfad beschritten zu haben, — überzeugt, — weil es die deutsche Musik gibt. Denn eine Welt, die Solches hervorgebracht, muß ihrem innersten Wesen nach gut und vertrauenswürdig sein. i

[ 50 ] “Yes, German music is still a religion to me today in the sense that, even if all the arguments in this work were refuted, I would not fall into despair—but would remain convinced, with the trust in the world from which this work sprang, that I have been on the essentially correct path—convinced—because German music exists. For a world that has produced such things must, in its innermost essence, be good and trustworthy. i

[ 51 ] Die Musik der H-moll-Messe, die Musik zum steinernen Gast, die dritte, die fünfte, die siebente, die neunte Symphonie, die Musik des Tristan, des Ringes, des Parsifal — diese Musik kann nicht widerlegt werden, denn sie ist Wirklichkeit, — quellendes Leben. — Dank ihren Schöpfern! — Heil allen, die aus ihrem Wunderborn den Durst nach Ewigem zu stillen berufen! — Das Beste, das jemals ich schaffen durfte und für das Beste halte ich dieses Werk — ist nur ein schwacher Entgelt der Fülle, die ich von dorther» — von der Musik — «empfing.»

[ 51 ] The music of the Mass in B minor, the music for Der steinerne Gast, the Third, Fifth, Seventh, and Ninth Symphonies, the music of Tristan, Der Ring, and Parsifal—this music cannot be refuted, for it is reality—life springing forth. — Thanks to their creators! — Hail to all who are called to quench their thirst for the eternal from this miraculous spring! — The best I have ever been allowed to create—and which I consider the best—is but a meager reward for the abundance I have received “from there”—from music.—

[ 52 ] Und ich bin überzeugt, meine lieben Freunde, daß diese besondere Art des Sich-Entgegenstellens der geistigen Welt gegenüber, wie es ein Philosoph unternimmt, nur bei einem so gearteten Geist sich finden kann, der so zur Musik steht in dieser materialistischen Zeit, wie Ehrenfels zur Musik steht. Denn was in der menschlichen Seele vorgeht, und wenn es auch scheinbar nach den verschiedensten Gebieten hin liegt, steht in einem tiefen inneren Zusammenhang. Hier wollte ich Ihnen ein Beispiel vorführen, wie andersartig ein Gläubiger, nicht bloß ein Hörer, ein Gläubiger des modernen musikalischen Elementes seine Seele durchleben lassen muß von den materialistischen Denkgewohnheiten als einer, der nicht als ein solcher Gläubiger gerade dem musikalischen Elemente gegenübersteht. Nur wenn man die geheimnisvollen Zusammenhänge in der menschlichen Seele untersucht, die so vieles hineinbringen in dieses menschliche Seelenleben von Harmonien und Disharmonien, kann man sich allmählich dem Lebens- und Menschenrätsel nähern.

[ 52 ] And I am convinced, my dear friends, that this particular way of engaging with the spiritual world—as a philosopher does—can only be found in a mind that relates to music in this materialistic age in the same way that Ehrenfels relates to music. For what takes place in the human soul—even if it seems to pertain to the most diverse realms—is connected by a deep inner bond. Here I would like to give you an example of how differently a believer—not merely a listener, but a believer in the modern musical element—must allow his soul to be shaped by this element, as opposed to someone who, lacking such faith, approaches the musical element from a materialistic mindset. Only by examining the mysterious interconnections within the human soul—which bring so much harmony and disharmony into this inner life—can one gradually approach the mystery of life and humanity.