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Humanity's Internal Impulses for Development
Goethe and the Crisis of the Nineteenth Century
GA 171

18 September 1916, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Es ist außerordentlich schwierig, über die Verhältnisse zu sprechen, welche im vorigen Vortrage angedeutet worden sind, weil in der neueren Zeit, in unserer Zeit des materialistischen Denkens, vielfach die Vorstellungen und Begriffe dafür fehlen. Die muß man sich erst durch die Geisteswissenschaft aneignen. So kann es auch nur gewissermaßen andeutend sein, was mitgeteilt werden kann. Außerdem liegt ja — durch die ganze Entwickelung unserer neueren Kultur ist das bedingt — ein anderer Grund noch vor: der Grund, daß gegenüber den Verhältnissen, die sich für den neueren Menschen hinter der Erkenntnisschwelle verbergen, dieser neuere Mensch in seiner Gesamtheit etwas schwachmütig geworden ist. Man kann es nicht anders sagen, wenn man das Wort «feige» vermeiden will: er ist schwachmütig geworden. Der neuere Mensch möchte sich am liebsten recht wohlige Gefühle verschaffen durch die Erkenntnis. Das ist aber nicht immer möglich. Die Erkenntnis kann uns auch mit innigster Befriedigung erfüllen, wenn sie uns nicht gerade angenehme Sachen sagt, angenehme Dinge zeigt; denn diese nicht angenehmen Dinge gehören ja zur Wahrheit und über die Wahrheit sollte man in jedem Falle befriedigt sein; gewissermaßen auch über die schlimmsten Wahrheiten kann man ein erhebendes Gefühl empfangen. Aber dazu ist vielfach, wie gesagt, der moderne Mensch zu schwachmütig; er will Erhebung auf seine Art. Das hängt wiederum zusammen gerade mit den Geheimnissen des modernen Daseins, auf die durch solche Betrachtungen, wie die jetzt angestellten, gedeutet werden soll.

[ 1 ] It is extremely difficult to speak about the conditions that were alluded to in the previous lecture, because in modern times—in our age of materialistic thinking—the ideas and concepts necessary to understand them are often lacking. These must first be acquired through spiritual science. Thus, what can be communicated can only be, in a sense, suggestive. Moreover—and this is a consequence of the entire development of our modern culture—there is another reason as well: the fact that, when confronted with the conditions that lie hidden beyond the threshold of knowledge for modern people, these modern people have, as a whole, become somewhat faint-hearted. There is no other way to put it if one wishes to avoid the word “cowardly”: he has become faint-hearted. Modern man would prefer to derive quite pleasant feelings from knowledge. But that is not always possible. Knowledge can also fill us with the deepest satisfaction even when it does not tell us pleasant things or show us pleasant things; for these unpleasant things are, after all, part of the truth, and one should be satisfied with the truth in any case; in a sense, even the worst truths can evoke an uplifting feeling. But, as I said, modern man is often too faint-hearted for this; he wants inspiration on his own terms. This, in turn, is precisely connected to the mysteries of modern existence, which are to be interpreted through reflections such as those just presented.

[ 2 ] Der moderne Mensch kann die besonderen Fähigkeiten, von denen gestern gesprochen worden ist, die freien Imaginationen im Denken und Handeln und das urphänomenale Verhalten zur Welt im Denken und Handeln sich nur aneignen, wenn über gewisse Vorgänge, die sich auch abspielen, ein Schleier gebreiter ist, wenn sie sich nicht so ohne weiteres enthüllen. Und so liegt es denn auch in der Notwendigkeit der Evolution des fünften nachatlantischen Zeitraumes, daß der Mensch gewisse Dinge, die sich abspielen, die gewissermaßen hereinschlagen aus untersinnlichen und übersinnlichen Welten in unsere sinnliche Welt, nicht versteht. Die wichtigsten Ereignisse, die sich vor unseren Augen um uns herum abspielen, versteht ja der moderne Mensch gar nicht. Er ist gewissermaßen davor geschützt, diese Ereignisse zu verstehen, weil er nur unter diesem Schutze die angedeuteten zwei Fähigkeiten gehörig entwickeln kann. Nur sind bis zu unserem Zeitpunkte so weit die Grundlagen geschaffen, daß es weiter nicht geht, in der Evolution vorzuschreiten, ohne daß in gewissen vorsichtigen Weisen und Arten doch auf diese Dinge hingedeutet werde. Der moderne Mensch, wie er so mit seiner Seele miterlebt nicht nur das, was um ihn geschieht, sondern das, was er selbst tut, was er selbst verrichtet, der moderne Mensch hat in seiner Seele gewissermaßen nur schwache Reflexe dessen, was eigentlich vorgeht, schwache Reflexe dessen, was treibt und quillt in der untersinnlichen Natur, die höchstens zuweilen in erschreckenden Traumbildern, aber da auch nur schwach, dem modernen Menschen heraufschauern. Was da geschieht, das weiß der moderne Mensch nicht. Auch vom Übersinnlichen weiß er im normalen Zustande wenig. Unter dem, was wir in der Seele erfahren als moderne Menschen, liegt gewissermaßen etwas, das man nicht anders bezeichnen kann denn als eruptive Kräfte. Es ist gerade so, als ob das, was der moderne Mensch in seiner Seele erlebt, so wäre, daß man es vergleichen könnte mit der Welt, die man erlebt, wenn man auf einem ganz vulkanischen Boden steht. Da kann es zunächst ganz beruhigend ausschauen; aber man braucht nur ein Papier in die Hand zu nehmen und es anzuzünden, so quillt überall der Rauch heraus! Und würde man in diesem Rauch auch noch sehen, was da unten quirlt und brodelt, so würde man wissen, auf welchem Boden man eigentlich steht. So ist es auch mit dem modernen Leben. Da beobachten wir im modernen Leben, daß Ernest Renan sein «Leben Jesu» schreibt. Wir sehen es so, wie wir sehen über einer Solfatara die Landschaft. Wir sehen das, was David Friedrich Strauß schreibt, und beschreiben es so, wie wir es gestern beschrieben haben — zahm. Wir sehen, was Solowjow schreibt; wir beschreiben es, wie wir es gestern beschrieben haben — zahm. Das ist alles zahm beschrieben; das ist alles so beschrieben, daß wir noch nicht angefangen haben, ein Papierschnitzelchen anzuzünden und zu sehen, was alles unter dem Boden lebt und wirkt an eruptiven Trieben der Menschheit.

[ 2 ] Modern human beings can only acquire the special abilities discussed yesterday—the free imaginations in thought and action and the primal, phenomenal attitude toward the world in thought and action—if a veil is cast over certain processes that are also taking place, if they do not reveal themselves so readily. And so it is also a necessity of the evolution of the fifth post-Atlantean epoch that human beings do not understand certain things that are taking place—things that, so to speak, strike into our sensory world from the sub-sensory and supersensory worlds. Modern human beings do not understand at all the most important events unfolding before our eyes all around us. He is, so to speak, protected from understanding these events, because only under this protection can he properly develop the two abilities mentioned. However, up to this point in time, the foundations have been laid to such an extent that it is no longer possible to proceed further in evolution without, in certain cautious ways and forms, pointing toward these things. Modern man, who experiences with his soul not only what happens around him but also what he himself does, what he himself accomplishes—modern man has, in a sense, only faint reflections in his soul of what is actually taking place, weak reflections of what stirs and wells up in the sub-sensory realm, which at most occasionally send shivers up the spine of modern man in the form of terrifying dream images—but even then only faintly. Modern man does not know what is happening there. Nor does he know much about the supersensible in his normal state. Underlying what we experience in our souls as modern human beings lies, so to speak, something that can be described only as eruptive forces. It is precisely as if what modern human beings experience in their souls were such that one could compare it to the world one experiences when standing on volcanic ground. At first, it may look quite peaceful; but one need only pick up a piece of paper and set it on fire, and smoke billows out everywhere! And if, through this smoke, one could also see what is swirling and bubbling down below, one would know what kind of ground one is actually standing on. So it is with modern life. In modern life, we observe that Ernest Renan is writing his Life of Jesus. We see it the same way we see the landscape above a solfatara. We see what David Friedrich Strauss writes, and we describe it just as we described it yesterday—tame. We see what Solovyov writes; we describe it as we described it yesterday—tame. It’s all described in a tame way; it’s all described in such a way that we haven’t yet begun to light a scrap of paper and see what lives and works beneath the surface in the eruptive impulses of humanity.

[ 3 ] Es ist mit dem, was ich da andeute, recht viel gesagt. Es muß nur ordentlich durchdacht werden, dann werden Sie schon sehen, daß viel gesagt ist damit. Also betrachten wir das, was wir gestern am Ende unserer Auseinandersetzungen beschrieben haben, so wie das Leben über einem Vulkan. Und es ist wiederum ganz im Sinne der Evolution gelegen, daß das so ist, daß wir wirklich die Dinge so zahm, so harmlos ansehen. Das ist gut, denn unter dieser Zahmheit, unter dieser Harmlosigkeit entwickeln sich eben die Fähigkeiten, die wir brauchen im fünften nachatlantischen Zeitraum. Nur entwickeln sie sich nicht bewußt bei den meisten Menschen, und es muß danach getrachtet werden durch Geisteswissenschaft, daß sie sich auch bewußt entwickeln können. Daher muß zuweilen eben in vorsichtiger Art auf die Dinge hingedeutet werden, die man dann gewahrt, wenn man dieses Papierschnitzelchen eben anzündet. Warum ist das alles so? Sehen Sie, das alles ist so aus dem Grunde, weil ja mit unserer fünften nachatlantischen Kultur zunächst die ahrimanischen Kräfte doch etwas ganz anderes vorhaben. In der vierten nachatlantischen Kultur sind sie so enttäuscht worden durch die römische Evolution, wie wir das gestern und vorgestern beschrieben haben. Sie haben ihr Ziel nicht erreicht; sie haben ärgere Stürme daher vorbereitet für unseren fünften nachatlantischen Zeitraum, weil sie wiederum ihr Ziel erreichen wollen.

[ 3 ] What I’m hinting at here is quite significant. It just needs to be thought through properly, and then you’ll see that it carries a lot of weight. So let’s consider what we described yesterday at the end of our discussion—life above a volcano. And it is, in turn, entirely in keeping with the spirit of evolution that this is so—that we truly view things as so tame, so harmless. This is good, for it is precisely beneath this tameness, beneath this harmlessness, that the abilities we need in the fifth post-Atlantean epoch are developing. However, they do not develop consciously in most people, and spiritual science must strive to ensure that they can also develop consciously. That is why it is sometimes necessary to point out, in a cautious manner, the things one perceives when one sets this little scrap of paper on fire. Why is all this so? You see, all this is so because, with our fifth post-Atlantean culture, the Ahrimanic forces initially have something quite different in mind. In the fourth post-Atlantean culture, they were so disappointed by Roman evolution, as we described yesterday and the day before. They did not achieve their goal; they have therefore prepared even fiercer storms for our fifth post-Atlantean epoch, because they want to achieve their goal once again.

[ 4 ] Nun habe ich schon angedeutet, daß von zwei Seiten her auch lokal zum Ausdrucke kommt das, was wie Stürme hereinstoßen soll in unsere gewissermaßen zahme, friedliche, oder zur Zahmheit und Friedlichkeit bestimmte Evolution in der fünften nachatlantischen Zeit. Auf das eine habe ich gedeutet, indem ich gesagt habe, wie Dschingis-Khan inspiriert worden ist durch jenen Priester, der einen Nachkommen des Großen Geistes der alten Atlantis geschaut hat; auf der anderen Seite habe ich hingedeutet, wie eine gewisse ahrimanische Sturmkraft ausgegangen ist von dem Westen und überwunden worden ist in gewisser Beziehung durch all das, was sich an die Entdeckung Amerikas geschlossen hat, respektive in all dem als eine Widerstandskraft lebt. Man soll nur nicht glauben, daß die Dinge, die man nicht sieht, nicht vorhanden sind! Dadurch, daß das nicht zur äußeren physischen Erdenwirklichkeit gekommen ist, was eigentlich in Angriff genommen worden ist von den ahrimanischen Mächten auf der westlichen Halbkugel, dadurch ist unsere fünfte nachatlantische Kultur vor den ersten Stürmen gerettet. Aber es lebt fort, es lebt fort gewissermaßen in gespenstischer Art. Es ist da, es drängt sich hinein in die Triebe der Menschen. Nur wissen die Menschen nichts davon, daß es sich in diese Triebe hineinlebt, hineindrängt. Nun kann ich Ihnen eigentlich nur durch eine gewisse Aneinanderreihung von Bildern eine Grundlage für Vorstellungen geben, die Sie sich nach und nach durch Meditationen selber verschaffen müssen, denn nicht leicht würde ich Begriffe finden im gegenwärtigen Begriffsmaterial, um anzudeuten, was eigentlich in den Trieben der Menschen lebt, die unterschwellig sind und die in das gewöhnliche Seelenleben zwar stoßen und treiben, aber die bedeckt sind, die nicht geschaut werden, die nicht gesehen werden im modernen normalen Leben.

[ 4 ] I have already hinted that what is to sweep in like storms—into our, so to speak, tame, peaceful, or—as it were—destined for tameness and peacefulness—evolution in the fifth post-Atlantean epoch—is also manifesting itself locally from two directions. I have pointed to one of these by describing how Genghis Khan was inspired by that priest who beheld a descendant of the Great Spirit of ancient Atlantis; on the other hand, I have pointed out how a certain Ahrimanic storm force emanated from the West and was overcome, in a certain sense, by all that followed the discovery of America—or rather, lives on in all of that as a force of resistance. One must not believe that things one cannot see do not exist! Precisely because what was actually set in motion by the Ahrimanic forces in the Western Hemisphere did not materialize as an outer, physical reality on Earth, our fifth post-Atlantean culture has been spared the first storms. But it lives on; it lives on, so to speak, in a ghostly manner. It is there; it forces its way into people’s instincts. Only, people are unaware that it is living within these instincts, forcing its way in. Now, I can really only provide you with a foundation for these ideas through a certain sequence of images—ideas that you must gradually develop for yourselves through meditation—for I would find it difficult to find terms within the current conceptual framework to suggest what actually lives within people’s instincts—instincts that are subliminal and that, while they do intrude upon and drive ordinary soul life, but which are concealed, which are not perceived, which are not seen in modern, everyday life.

[ 5 ] Auf dem Boden, der betreten worden ist durch die Entdeckung Amerikas, hatten sich ja allmählich im Laufe der Jahrhunderte, die verflossen sind, auf der westlichen Halbkugel ganz besondere Verhältnisse herausgebildet. Eine allgemeine Bevölkerung war dort, die weit entfernt war, diejenigen Eigenschaften auszubilden, die mittlerweile auf der östlichen Halbkugel, in Asien, in Europa, entwickelt worden sind. Eine den allgemeinen Denkfähigkeiten, die auf der östlichen Halbkugel sich ausgebildet haben, fernestehende Bevölkerung war dort, aber innerhalb dieser Bevölkerung eine große Anzahl von Menschen, die eingeweiht waren in gewisse Mysterien. Mysterien der allerverschiedensten Art gab es auf dieser westlichen Halbkugel vor der Entdeckung Amerikas, Mysterien, die breite Anhängerschaften für gewisse Lehren hatten, welche aus diesen Mysterien heraus kamen. Und gewissermaßen wie eine einheitliche Macht, der alles gehorchte, der alles folgte, wurde ein gespensterartiger Geist verehrt, ein Geist, der ein Nachkomme war des Großen Geistes der Atlantis, ein Geist, der aber allmählich einen ahrimanischen Charakter angenommen hatte, indem er mit all denjenigen Kräften wirken wollte, die in der Atlantis die richtigen waren, oder schon in der Atlantis ahrimanische waren. So wollte er wirken. Wenn der Atlantier von seinem Großen Geiste sprach, so drückte er das aus, wie schon angedeutet worden ist in unseren Betrachtungen, in dem Worte, das ähnlich klang dem noch in China erhaltenen Worte Tao. Und eine ahrimanische Karikatur, ein ahrimanischer Widerpart, Gegner dieses Großen Geistes Tao, der aber doch mit ihm verwandt war, der wirkte so, daß er nur vor dem atavistisch-visionären Schauen sichtbar werden konnte, aber den Leuten, die namentlich in Beziehung standen zu den weit ausgebreiteten Mysterien dieses Geistes, auch immer, wenn sie ihn haben wollten, erschien, so daß sie seine Aufträge und seine Gebote empfangen konnten. Diesen Geist nannte man mit einem Worte, das so ähnlich klang: Taotl. [* Hinweis S. 362 beachten.] Das war also eine ahrimanische Abart des Großen Geistes, Taotl, eine mächtige, nicht bis zur physischen Inkarnation kommende Wesenheit.

[ 5 ] On the ground that had been set in motion by the discovery of America, very special conditions had gradually developed in the Western Hemisphere over the centuries that had passed. There was a general population there that was far from having developed the qualities that had meanwhile been cultivated in the Eastern Hemisphere, in Asia and Europe. There was a population there that was far removed from the general intellectual capacities that had developed in the Eastern Hemisphere, but within this population there was a large number of people who were initiated into certain mysteries. Mysteries of the most diverse kinds existed in this Western Hemisphere before the discovery of America—mysteries that attracted broad followings for certain teachings that emerged from them. And in a sense, as a unified power to which everything obeyed and everything followed, a ghostly spirit was worshiped—a spirit that was a descendant of the Great Spirit of Atlantis, but one that had gradually taken on an Ahrimanic character by seeking to work with all those forces that had been the right ones in Atlantis, or that had already been Ahrimanic there. That was how he sought to work. When the Atlanteans spoke of their Great Spirit, they expressed it—as has already been indicated in our reflections—with a word that sounded similar to the word “Tao,” which is still preserved in China. And an Ahrimanic caricature, an Ahrimanic adversary, an adversary of this Great Spirit Tao—who was, however, related to it—acted in such a way that he could become visible only through atavistic-visionary perception; yet he appeared to those who were specifically connected to the far-reaching mysteries of this Spirit, whenever they wished to see him, so that they could receive his instructions and his commandments. This spirit was called by a word that sounded something like this: Taotl. [* See note on p. 362.] This was, then, an Ahrimanic variant of the Great Spirit, Taotl, a powerful being that did not incarnate physically.

[ 6 ] In die Mysterien des Taotl wurden viele eingeweiht. Aber die Einweihung war durchaus eine solche, die einen ahrimanischen Charakter trug; denn diese Einweihung hatte einen ganz bestimmten Zweck, ein ganz bestimmtes Ziel. Sie hatte das Ziel, alles Erdenleben, auch das Erdenleben der Menschen, so weit zu erstarren, zu mechanisieren, daß über diesem Erdenleben der ja schon in verschiedener Weise in diesen Betrachtungen angedeutete besondere luziferische Planet angelegt werden könnte, daß die Seelen der Menschen herausgebracht würden; herausgepreßt werden sollten sie. Das, was in der römischen Kultur durch die ahrimanischen Mächte in der gestern angedeuteten Weise versucht worden ist, war nur ein schwacher nachatlantischer Nachklang desjenigen, was durch furchtbarste magische Künste erreicht werden sollte in einem viel umfänglicheren Maße von denjenigen, welche unter der Führung des Taotl standen. Ein ganz auf Ertötung jeder Selbständigkeit, jeder Seelenregung von innen heraus gerichtetes allgemeines ErdenTodesreich, könnte man sagen, sollte erstrebt werden, und in den Mysterien des Taotl sollten diejenigen Kräfte erworben werden, welche den Menschen befähigten, ein solches ganz mechanisiertes Erdenreich herzustellen. Dazu hätte man vor allem kennen müssen die großen kosmischen Geheimnisse, alle die großen kosmischen Geheimnisse, die sich beziehen auf dasjenige, was wirkt und lebt im Weltenall und seine Wirkungen äußert im Erdendasein. Diese Weisheit vom Kosmos, die ist im Grunde genommen in allen guten und schlechten Mysterien ja immer dem Wortlaute nach dieselbe, weil die Wahrheit immer dieselbe ist. Es handelt sich nur darum, sie in solcher Weise zu bekommen, daß sie entweder in gutem oder in schlechtem Sinne gewendet wird.

[ 6 ] Many were initiated into the mysteries of the Taotl. But the initiation was certainly one that bore an Ahrimanic character; for this initiation had a very specific purpose, a very specific goal. Its aim was to freeze and mechanize all earthly life—including human life—to such an extent that the special Luciferic planet, already alluded to in various ways in these reflections, could be superimposed upon this earthly life, so that human souls would be removed; they were to be squeezed out. What was attempted in Roman culture by the Ahrimanic forces in the manner indicated yesterday was merely a faint post-Atlantean echo of what was to be achieved through the most terrible magical arts on a much grander scale by those who stood under the leadership of Taotl. One might say that the goal was to create a universal earthly realm of death entirely directed toward the annihilation of all independence and all inner soul stirrings; and in the mysteries of Taotl, the forces were to be acquired that would enable human beings to establish such a completely mechanized earthly realm. To this end, one would first and foremost have had to know the great cosmic mysteries—all the great cosmic mysteries—that pertain to that which acts and lives in the universe and manifests its effects in earthly existence. This wisdom of the cosmos is, after all, always the same in letter in all good and bad mysteries, because the truth is always the same. The only question is how to acquire it in such a way that it is applied either for good or for evil.

[ 7 ] Die Weisheit nun von dem Kosmos, die an sich keine schlechte war, die in sich sogar heilige Geheimnisse enthielt, diese Weisheit wurde sorgfältig von den Initiierten des Taotl verborgen. Sie wurde niemandem mitgeteilt anders als dadurch, daß er eben im richtigen Sinne in der Taotl-Manier initiiert worden ist. Es handelte sich also darum, daß jemand in der richtigen Weise initiiert werden mußte; dann wurde ihm erst als Lehre mitgeteilt, was die Geheimnisse des Kosmos sind. Nun handelte es sich darum, diese Geheimnisse durch Initiation in einer ganz bestimmten Seelenverfassung zu erhalten, in einer solchen Seelenverfassung, daß man in sich die Neigung, die Sympathie dazu verspürte, diese Geheimnisse so zu verwenden auf der Erde, daß sie dieses mechanische, starre Todesreich auf der Erde aufrichteten. So sollte man sie bekommen. Und man bekam sie, man empfing sie in einer besonderen Weise: Keinem wurde die Weisheit mitgeteilt, der nicht vorher in einer gewissen Art einen Mord begangen hatte. Und zwar wurden ihm beim ersten Mord nur gewisse Geheimnisse mitgeteilt. Erst bei folgenden Morden wurden ihm weitere und höhere Geheimnisse mitgeteilt. Die Morde mußten aber auch unter ganz bestimmten Bedingungen begangen werden. Derjenige, der gemordet werden sollte, der wurde auf einen Aufbau gelegt, der so eingerichtet war, daß man durch ein oder zwei Stufen von allen Seiten zu einer Art von katafalkartiger Vorrichtung kam, die oben abgerundet war, so daß, wenn man den betreffenden zu Ermordenden darauf legte, er im Rücken stark gekrümmt wurde, und durch das besondere Anschnüren an jene Vorrichtung wurde ihm der Magen herausgetrieben. So wurde ihm der Magen herausgetrieben, daß mit einem Schnitt, zu dem der betreffende Einzuweihende vorbereitet worden ist, der Magen ausgeschnitten werden konnte.

[ 7 ] The wisdom of the cosmos—which was not bad in itself, and which even contained sacred mysteries—was carefully concealed by the initiates of the Taotl. It was not revealed to anyone except through initiation in the true sense, in the manner of the Taotl. It was therefore a matter of someone having to be initiated in the proper way; only then would the nature of the mysteries of the cosmos be imparted to him as a teaching. Now, the point was to receive these mysteries through initiation in a very specific state of mind—a state of mind in which one felt within oneself the inclination and sympathy to use these mysteries on Earth in such a way that they would establish this mechanical, rigid realm of death on Earth. That was how one was to receive them. And one received them in a special way: Wisdom was not imparted to anyone who had not first committed a murder of a certain kind. Specifically, upon committing the first murder, only certain secrets were revealed to him. Only upon committing subsequent murders were further and higher secrets revealed to him. The murders, however, also had to be committed under very specific conditions. The person who was to be murdered was placed on a structure arranged in such a way that, by ascending one or two steps from any side, one reached a sort of catafalque-like device that was rounded at the top, so that when the person to be murdered was laid upon it, his back was severely arched, and by the special lacing to that device, his stomach was forced out. His stomach was thus forced out so that, with a single cut—for which the initiate in question had been prepared—the stomach could be cut out.

[ 8 ] Diese Art des Mordes erzeugte ganz bestimmte Gefühle, und diese Gefühle, die erregten die Empfindungen, welche fähig machten, die Weisheit, die dem Betreffenden später mitgeteilt wurde, in der angedeuteten Weise zu verwenden. Wenn dann der Magen ausgeschnitten worden war, so wurde er dem Gotte Taotl geopfert, wiederum unter ganz besonderen Zeremonien. Das bewirkte, daß die Initiierten dieser Mysterien in einer ganz bestimmten Absicht lebten, in der Absicht eben, die ich Ihnen angedeutet habe. Das bewirkte ganz bestimmte Gefühlsrichtungen. Wenn die Betreffenden, die initiiert werden sollten, reif waren auf diesem Initiationswege, dann erfuhren sie auch, um was es sich handelte; dann erfuhren sie, wie die Wechselwirkung war zwischen dem also Ermordeten und demjenigen, der initiiert worden war. Der also Ermordete, der sollte dadurch vorbereitet werden in seiner Seele, in das luziferische Reich hinaufzustreben, und derjenige, der initiiert werden sollte, sollte die Weisheit bekommen, diese Erdenwelt so zu gestalten, daß die Seelen aus ihr vertrieben werden. Und dadurch, daß eine Verbindung geschaffen war zwischen dem Ermordeten und dem Initiierten — nicht Mörder, kann man sagen, sondern Initiierten —, dadurch war dann die Möglichkeit gegeben, daß der Initiierte mitgenommen wurde von der anderen Seele, also selber im rechten Augenblicke die Erde verlassen konnte.

[ 8 ] This type of murder evoked very specific feelings, and these feelings stirred emotions that enabled the individual to apply the wisdom later imparted to him in the manner described. Once the stomach had been cut out, it was sacrificed to the god Taotl, again in accordance with very specific ceremonies. This caused the initiates of these mysteries to live with a very specific purpose—precisely the purpose I have indicated to you. This gave rise to very specific emotional orientations. When those who were to be initiated had reached maturity on this path of initiation, they also learned what it was all about; they then learned how the interaction worked between the one who had thus been murdered and the one who had been initiated. The one who was thus murdered was to be prepared in his soul to ascend into the Luciferic realm, and the one who was to be initiated was to receive the wisdom to shape this earthly world in such a way that souls would be driven from it. And because a connection had been established between the murdered man and the initiate—not a murderer, one might say, but an initiate—this made it possible for the initiate to be taken along by the other soul, thus enabling him to leave the Earth himself at the right moment.

[ 9 ] Es sind ja, wie Sie wohl ohne weiteres zugeben werden, diese Mysterien solche der allerempörendsten Art, solche, die eben nur einer Anschauung entsprechen, die man im vollsten Sinne eine ahrimanische nennen kann. Gewisse Empfindungen sollten dadurch auf der Erde erzeugt werden. Nun, selbstverständlich würde die Evolution der Erde nicht fortgehen, wenn auf einem beträchtlichen Teile der Erde Menschlichkeit und Sinn für Menschlichkeit ganz aussterben würde. Deshalb starb auch hier der Sinn für Menschlichkeit nicht ganz aus, und es wurden einzelne andere Mysterien begründet, welche dazu bestimmt waren, den Ausschreitungen dieser Mysterien entgegenzuarbeiten. Das waren die Mysterien, in denen ein Wesen lebte, das nicht bis zur fleischlichen Inkarnation kam, das aber wiederum von den ja mit gewissem atavistischem Hellsehen befähigten Menschen geschaut werden konnte, wenn die Betreffenden ordentlich vorbereitet worden sind durch die Mysterien dieses Wesens. Und dieses Wesen war Tezkatlipoka. So nannte man es; ein Wesen, das durch seine Eigenart etwas verwandt war — obwohl es zu einer viel niedrigeren Hierarchie gehörte — dem Jahve-Gott, und das da auf der anderen Hälfte der Erde entgegenwirkte diesen scheußlichen Mysterien, von denen gesprochen worden ist.

[ 9 ] As you will no doubt readily admit, these mysteries are of the most outrageous kind—ones that correspond precisely to a worldview that can be called Ahrimanic in the fullest sense of the word. Certain feelings were intended to be generated on Earth through them. Now, of course, the evolution of the Earth would not continue if humanity and the sense of humanity were to die out entirely in a considerable part of the world. That is why the sense of humanity did not die out entirely here either, and certain other mysteries were established that were intended to counteract the excesses of these mysteries. These were the mysteries in which a being lived that did not attain physical incarnation, but which could nevertheless be beheld by people endowed with a certain atavistic clairvoyance, provided they had been properly prepared through the mysteries of this being. And this being was Tezkatlipoka. That was its name; a being that, due to its nature, was somewhat related—although it belonged to a much lower hierarchy—to the god Yahweh, and which, on the other side of the earth, counteracted these hideous mysteries of which we have spoken.

[ 10 ] Die Lehren des Tezkatlipoka drangen sehr bald aus den Mysterien heraus und wurden exoterisch verbreitet, so daß in dieser Welt die Lehren des Tezkatlipoka eigentlich die exoterischesten waren, dagegen die des Taotl die esoterischesten waren, weil man nur eben auf die beschriebene Art hineinkam. Aber die ahrimanischen Mächte versuchten, die Menschheit gewissermaßen — jetzt spreche ich das so, wie es Ahriman denkt — zu retten vor dem Gotte Tezkatlipoka. Und daher wurde dem Tezkatlipoka ein anderer Geist entgegengesetzt, der für die westliche Halbkugel viel Ähnlichkeit hat mit dem Geiste, den Goethe als Mephistopheles beschrieben hat. Es ist ein Verwandter von ihm. Er wurde dort bezeichnet mit einem Worte, das so ähnlich klang wie Quetsalkoatl. Quertsalkoatl war also ein Geist — wir müssen uns ihn in das andere Milieu hineinversetzt denken —, welcher für dieses andere Milieu eben ähnlich war dem viel seelischer auftretenden Mephistopheles. Dieser Geist Quetsalkoatl, der auch nie unmittelbar inkarniert erschien, der hatte zu seinem Symbolum etwas Ähnliches wie es auf der östlichen Halbkugel der Merkurstab war, und er war zugleich auf dieser westlichen Halbkugel der Geist, welcher durch gewisse magische Kräfte bösartige Krankheiten austeilen konnte, bösartige Krankheiten, die er über diejenigen bringen konnte, die er verderben wollte, weil er sie losmachen wollte von dem verhältnismäßig guten Gotte Tezkatlipoka. Durch solche Dinge wurden hier die scharfen Stöße vorbereitet, die von ahrimanischer Seite allmählich in die Welt der menschlichen Triebe hineingebohrt werden sollten.

[ 10 ] The teachings of Tezkatlipoka very soon emerged from the mysteries and were disseminated exoterically, so that in this world the teachings of Tezkatlipoka were actually the most exoteric, whereas those of Taotl were the most esoteric, because one could only enter into them in the manner described. But the Ahrimanic forces attempted, so to speak—and now I am putting it the way Ahriman thinks—to save humanity from the god Tezkatlipoka. And so Tezkatlipoka was opposed by another spirit who, for the Western Hemisphere, bears a strong resemblance to the spirit Goethe described as Mephistopheles. He is a relative of Mephistopheles. There he was referred to by a word that sounded something like Quetzalcoatl. Quetzalcoatl was thus a spirit—we must imagine him placed within that other milieu—who, for that other milieu, was similar to the much more spiritual Mephistopheles. This spirit, Quetzalcoatl—who also never appeared in direct incarnation—had as his symbol something similar to what the caduceus was in the Eastern Hemisphere, and at the same time, in this Western Hemisphere, he was the spirit who, through certain magical powers, could inflict malignant diseases—malignant diseases that he could bring upon those he wished to corrupt, because he wanted to sever them from the relatively benevolent god Tezkatlipoka. Through such things, the sharp blows were prepared here that were to be gradually driven into the world of human instincts from the Ahrimanic side.

[ 11 ] Nun ereignete sich in einem bestimmten Zeitpunkte dieses, daß ein Wesen geboren wurde, welches sich einebestimmte Aufgabe setzte innerhalb dieser Kultur, ein Wesen, das im heutigen Mittelamerika geboren wurde. Die Mexikaner, die alten Ureinwohner von Mexiko, knüpften an das Dasein dieses Wesens eine bestimmte Anschauung. Sie sagten, dieses Wesen sei dadurch zur Welt gekommen, daß eine Jungfrau es als Sohn bekommen habe, eine Jungfrau, welche in Jungfrauenschaft es empfangen hat durch überirdische Mächte, dadurch, daß ein gefiedertes Wesen der Befruchter dieser Jungfrau war, ein aus dem Himmel gekommenes gefiedertes Wesen. Wenn man mit den okkulten Mitteln, die einem zur Verfügung stehen, den Dingen nachgeht, so sieht man, wie dieses Wesen, dem die Altmexikaner Jungfrauengeburt zuschrieben, ungefähr ein Lebensalter von dreiunddreißig Jahren erreichte, und es wurde geboren ungefähr um das Jahr 1 unserer Zeitrechnung. Dies ergibt sich, wie gesagt, wenn man mit okkulten Mitteln den Dingen nachgeht. Und es stellte sich eine ganz bestimmte Aufgabe.

[ 11 ] Now, at a certain point in time, a being was born who set himself a specific task within this culture—a being who was born in what is now Central America. The Mexicans, the ancient indigenous people of Mexico, associated a specific belief with the existence of this being. They said that this being had come into the world because a virgin had given birth to him as her son—a virgin who, while still a virgin, had conceived him through supernatural powers, in that a feathered being was the father of this virgin, a feathered being who had come down from heaven. If one investigates these matters using the occult means at one’s disposal, one sees that this being, to whom the ancient Mexicans attributed a virgin birth, reached an age of approximately thirty-three years, and was born around the year 1 of our era. This is what emerges, as I said, when one investigates these matters using occult means. And a very specific task arose.

[ 12 ] Es war damals nämlich in Mittelamerika ein schon durch seine Geburt zum hohen Initiierten des Taotl bestimmter Mensch geboren. Dieser zum hohen Initiierten bestimmte Mensch hatte eben schon in seinen vorhergehenden irdischen Inkarnationen Initiationen erreicht auf die angegebene Weise, und dadurch, daß er viele Male, sehr viele Male wiederholt hat die Ihnen beschriebene und nicht weiter zu wiederholende Prozedur des Magenausschneidens, dadurch war er allmählich mit einem hohen irdisch-überirdischen Wissen ausgerüstet worden. Es war dieses einer der allergrößten, wenn nicht der größte schwarze Magier, den die Erde jemals über sich hat schreiten sehen, derjenige schwarze Magier, der sich daher die größten Geheimnisse angeeignet hat, die es auf diesem Wege anzueignen gibt. Er stand unmittelbar vor einer großen Entscheidung, als das Jahr 30 heranrückte, vor der großen Entscheidung, durch fortdauernde Initiation wirklich als einzelne Menschenindividualität so mächtig zu werden, daß er das Grundgeheimnis gekannt hätte, durch das er der folgenden menschlichen Erdenevolution einen solchen Anstoß hätte geben können, daß wirklich die Menschheit im vierten und fünften nachatlantischen Zeitraum so verfinstert worden wäre, daß zustande gekommen wäre das, was die ahrimanischen Mächte für diese Zeiträume angestrebt haben. Da begann zwischen ihm und jenem Wesen, dem eine Jungfrauengeburt zugeschrieben worden ist, ein Kampf, von dem man wiederum findet, wenn man nachforscht, daß er drei Jahre gedauert hat, ein Kampf zwischen jenem Wesen, dem Jungfrauengeburt zugeschrieben wird, und diesem übermächtigen Magier. Dieses Wesen, dem die Jungfrauengeburt zugeschrieben wird, trägt ungefähr den Namen, wenn man ihn versucht nachzubilden in unserer Sprache: Vitzliputzli. Vitzliputzli ist also ein Menschenwesen. Von allen diesen Wesen, die sonst nur gespenstig herumgingen, so daß sie nur durch atavistisches Hellsehen geschaut werden konnten, war dieses Wesen Vitzliputzli wirklich Mensch geworden durch die Jungfrauengeburt, die man ihm zugeschrieben hat. Der dreijährige Kampf endete damit, daß Vitzliputzli imstande war, den großen Magier kreuzigen zu lassen, und durch die Kreuzigung nicht nur seinen Leib zu vertilgen, sondern auch seine Seele zu bannen, so daß sie ohnmächtig wurde in ihrem Schaffen, so daß das Wissen ohnmächtig wurde, das Wissen getötet wurde, das sich dieser mächtige Magier des Taotl angeeignet hatte.

[ 12 ] At that time, a person was born in Central America who, by virtue of his very birth, was destined to become a high-ranking initiate of Taotl. This man, destined to be a high initiate, had already attained initiations in his previous earthly incarnations in the manner described, and by repeating many times—very many times—the procedure of cutting open the stomach that has been described to you and need not be repeated here, he had gradually been endowed with a high level of earthly and supernatural knowledge. He was one of the greatest, if not the greatest, black magicians the Earth has ever seen walk upon it—the black magician who had thus appropriated the greatest secrets that can be acquired by this path. He stood on the very threshold of a great decision as the year 30 approached—the great decision to, through ongoing initiation, truly become so powerful as a single human individual that he would have known the fundamental secret, through which he could have given such an impetus to the subsequent human evolution on Earth that humanity in the fourth and fifth post-Atlantean epochs would indeed have been so darkened that what the Ahrimanic forces had strived for during these epochs would have come to pass. Then a struggle began between him and that being to whom a virgin birth is attributed—a struggle which, upon investigation, is found to have lasted three years—a struggle between that being to whom a virgin birth is attributed and this all-powerful magician. This being, to whom the virgin birth is attributed, bears a name that, if one attempts to render it in our language, is roughly: Vitzliputzli. Vitzliputzli is thus a human being. Of all these beings, who otherwise only wandered about as ghostly apparitions—so that they could be seen only through atavistic clairvoyance—this being, Vitzliputzli, had truly become human through the virgin birth attributed to him. The three-year struggle ended with Vitzliputzli succeeding in having the great magician crucified, and through the crucifixion not only destroying his body but also banishing his soul, rendering it powerless in its work—thus rendering the knowledge powerless, killing the knowledge that this powerful magician of the Taotl had appropriated.

[ 13 ] Auf diese Weise hat sich Vitzliputzli die Fähigkeit erworben, alle diejenigen Seelen, die auf die angedeutete Weise schon den Drang erhalten haben, Luzifer zu folgen und die Erde zu verlassen, wiederum für das Erdenleben zu gewinnen, ihnen wiederum den Trieb zum Erdenleben, zur folgenden Inkarnation einzuimpfen durch den mächtigen Sieg, den er über den großen schwarzen Magier davongetragen hatte.

[ 13 ] In this way, Vitzliputzli acquired the ability to win back for earthly life all those souls who, in the manner described, had already felt the urge to follow Lucifer and leave the Earth—to instill in them once again the impulse toward earthly life and the next incarnation through the mighty victory he had won over the great black magician.

[ 14 ] So lebt fort nicht das, was fortgelebt haben würde von diesen Gegenden her, wenn die Mysterien des Taotl ihre Früchte getragen hätten, sondern es lebt fort gleichsam nur in der ätherischen Welt das, was an Kräften, an Nachkräften geblieben ist von dem Treiben, das in diesen Mysterien war. Alle diese Kräfte sind vorhanden; sie sind untersinnlich vorhanden, und sie gehören zu dem, von dem ich Ihnen sagte, man würde es schauen, wenn man im geistigen Leben ebenso es machen könnte, wie über einer Solfatara das Papier anzuzünden. Es ist da, es ist gewissermaßen unter der Vulkandecke des gewöhnlichen Lebens da. So daß hineinspielt in all das, was den fünften nachatlantischen Zeitraum bildet, in bezug auf die Seelenentwickelung des Menschen auf der einen Seite das, was von dem Inspirator des Dschingis-Khan kam, und auf der anderen Seite das, was als das Gespenst der Vorgänge nachwirkt, die sich auf der westlichen Halbkugel vollzogen haben und die nur noch in schwachen Nachklängen vorhanden waren, als die Europäer Amerika entdeckten. Aber es weiß ja sogar die Geschichte, daß noch viele Europäer, die den Boden Amerikas, den Boden Mexikos betraten, dadurch ermordet worden sind, daß sie von der dortigen schon in Dekadenz befindlichen Priesterschaft, die nicht mehr so schlimm war wie die alte, auf solche Weise den Magen ausgeschnitten bekamen, wie ich sie geschildert habe. Vielen Europäern, die den Boden Mexikos nach der Entdeckung Amerikas betreten haben, ist das auf diese Weise passiert, das weiß ja sogar auch die Geschichte.

[ 14 ] Thus, what would have continued to exist from these regions had the mysteries of the Taotl borne fruit does not live on; rather, what remains—in the form of forces and residual energies—from the activity that took place within these mysteries lives on, as it were, only in the ethereal world. All these forces are present; they exist in the subsensible realm, and they belong to that which I told you one would be able to see if, in spiritual life, one could do the same as setting paper ablaze above a solfatara. It is there; it exists, so to speak, beneath the volcanic crust of ordinary life. Thus, in everything that constitutes the fifth post-Atlantean epoch, with regard to the soul’s development in human beings, there is, on the one hand, what came from the inspirer of Genghis Khan, and on the other hand, what continues to exert an influence as the specter of the events that took place in the Western Hemisphere—events that were already present only as faint echoes when the Europeans discovered America. But history itself tells us that many Europeans who set foot on American soil—on Mexican soil—were murdered in such a way that their stomachs were cut out, as I have described, by the local priesthood, which was already in a state of decadence, though not as terrible as the old one. This is what happened to many Europeans who set foot on Mexican soil after the discovery of America; even history knows this.

[ 15 ] In Vitzliputzli verehrten diese Leute also ein Sonnenwesen, welches von einer Jungfrau geboren ist auf die Weise, wie ich es beschrieben habe und von dem man findet, wenn man den Dingen mit okkulten Mitteln nachgeht, daß es der unbekannte Zeitgenosse des Mysteriums von Golgatha auf der westlichen Halbkugel war.

[ 15 ] In Vitzliputzli, these people worshipped a solar being who was born of a virgin in the manner I have described, and who—as one discovers when investigating these matters through occult means—was the unknown contemporary of the Mystery of Golgotha in the Western Hemisphere.

[ 16 ] Man kann ja diese Dinge auch so beschreiben — abstrakt —, wie es die Oberflächlinge der Gegenwart machen, daß sie gewissermaßen nicht weh tun; aber will man ein wirkliches Erkennen, dann muß man das Konkrete, das vorgegangen ist, schon wenigstens mit einem flüchtigen Blick streifen, wie wir es heute gestreift haben. Ja, wenn wir diese moderne Menschenseele betrachten, so sehen wir, wie sie nach unten, zum Untersinnlichen hin, nach oben, zum Übersinnlichen hin, starken, großen Gefahren ausgesetzt ist, wie da die Kräfte hereinspielen, die nur unbewußt bleiben. Und es ist gut, daß sie unbewußt bleiben, weil sich nur dadurch der fünfte nachatlantische Zeitraum entwickeln kann. Gelüftet muß der Schleier nur werden, damit, nachdem seit der Entdeckung Amerikas genügend Zeit verflossen ist, zu der Unbewußtheit auch die Bewußtheit eintreten kann; denn sonst würden, wenn nicht die Bewußtheit eintreten würde nach und nach, diese Kräfte übermächtig werden, und es würden Bedingungen, die verhältnismäßig zur Wohltat der Menschheit entstanden sind in der Zeit der Unbewußtheit, umschlagen und würden zum Fluch der Menschheit werden. Denn manches ist wirklich darauf angelegt, zum Fluch der Menschheit zu werden, das, so wie es entstanden ist von dieser oder jener Seite her, allerdings zur Wohltat der Menschheit geworden ist.

[ 16 ] One can, of course, describe these things in an abstract way—as the superficial people of our time do—so that they, as it were, do not cause any pain; but if one seeks true understanding, then one must at least cast a fleeting glance at the concrete events that have taken place, as we have done today. Indeed, when we consider this modern human soul, we see how it is exposed to great and grave dangers—both downward, toward the sub-sensory, and upward, toward the supersensory—and how forces come into play there that remain only unconscious. And it is good that they remain unconscious, because only in this way can the fifth post-Atlantean epoch develop. The veil need only be lifted so that, now that sufficient time has passed since the discovery of America, consciousness can enter alongside the unconscious; for otherwise, if consciousness were not to gradually take hold, these forces would become overwhelming, and conditions that arose during the period of unconsciousness—which were, relatively speaking, for the benefit of humanity—would turn against humanity and become a curse. For there are indeed many things that are destined to become a curse upon humanity, even though, as they arose from one side or the other, they have certainly become a blessing to humanity.

[ 17 ] Ich wollte Ihnen durch das heute Geschilderte andeuten, was da unten unter der Oberfläche brodelt und quillt. Und nun verlassen wir diese unterirdische Gegend und gehen wiederum zum Oberirdischen, ohne daß wir irgendwie gleich unmittelbar eine Gedankenverbindung hervorrufen wollen — die können wir später einmal hervorrufen — zwischen den beiden Reichen. Betrachten wir jetzt einmal die Frage: Wie ist denn dieses ausgezeichnete, genialische «Leben Jesu» von Ernest Renan geschrieben? Es ist so geschrieben, daß wir einen Jesus vor uns haben, der als ein Mensch über die Erde wandelt, wie ich es gestern beschrieben habe. Solch eine geniale Persönlichkeit wie Ernest Renan ist sich nicht bewußt, aus welchen Gründen heraus sie gerade ein solches «Leben Jesu» schreibt. Es ist so etwas aus ganz bestimmten Trieben heraus geschrieben; aber die Triebe bleiben im Unbewußten. Diese Triebe, aus denen Ernest Renans «Leben Jesu» geschrieben ist, man kann sie zusammenfassen als einen Grundtrieb, der bisher nur Gutes hervorgebracht hat, in gewissen Grenzen relativ Gutes; denn das «Leben Jesu» von Ernest Renan ist zum Beispiel in seiner Art ein ausgezeichnetes Werk. Aber vieles ist gemacht worden aus demselben Grundtrieb heraus. Ich habe nur das eine Erkenntnisbeispiel gewählt; man könnte auch Lebensbeispiele wählen, nur würde man da auf Gebiete kommen, welche die Menschen sehr irritieren. Aus dem Grundtriebe heraus, der zu etwas ganz Bestimmtem sich hinentwickeln will, ist so etwas geschrieben, aus dem Grundtrieb heraus, das, was sich als Mensch kundgibt, nur äußerlich anzuschauen, nur so anzuschauen, wie es sich äußerlich in die Welt hineinsteilt. Ich habe dieses Beispiel des «Lebens Jesu» aus dem Grunde gewählt, weil Ernest Renan aus diesem Grundtriebe heraus sich gerade an die geheiligteste Persönlichkeit der Menschheit heranmacht und diese aus diesem Grundtriebe heraus so schildert, daß sie nur als äußere Persönlichkeit vor uns steht.

[ 17 ] Through what I have described today, I wanted to give you a sense of what is bubbling and surging beneath the surface. And now let us leave this subterranean realm and return to the surface world, without attempting to immediately establish a mental connection—we can do that later—between the two realms. Let us now consider the question: How, then, is this outstanding, brilliant *Life of Jesus* by Ernest Renan written? It is written in such a way that we have before us a Jesus who walks the earth as a human being, just as I described yesterday. A brilliant personality like Ernest Renan is not aware of the reasons that lead him to write precisely such a *Life of Jesus*. It is written out of very specific impulses; but these impulses remain in the unconscious. These impulses, from which Ernest Renan’s *Life of Jesus* is written, can be summarized as a fundamental impulse that has so far produced only good—relatively good, within certain limits; for Ernest Renan’s *Life of Jesus*, for example, is in its own way an excellent work. But much has been created out of the same fundamental impulse. I have chosen only this one example from the realm of knowledge; one could also choose examples from life, but that would lead into areas that greatly unsettle people. Out of this fundamental impulse, which seeks to develop toward something very specific, such a work has been written—out of the impulse to view what manifests itself as a human being only from the outside, to view it only as it projects itself outwardly into the world. I chose this example of *The Life of Jesus* for the following reason: because Ernest Renan, driven by this fundamental impulse, approaches the most sacred figure of humanity and, out of this same impulse, portrays him in such a way that he stands before us solely as an external personality.

[ 18 ] Wohin würde dieser Grundtrieb endlich führen, wenn er sich immer mehr und mehr steigern würde? Er würde dahin führen, daß die Menschen nicht mehr die Neigung haben würden, in ihre eigenen Seelen zu schauen, wenn sie die Welt betrachten. Denn Ernest Renan ist ja schon so weit, nicht mehr sich zu getrauen, in sein eigenes Innere zu schauen, wenn er von dem Christus Jesus spricht. Er spricht nur von der historischen Figur und sucht sie äußerlich anzuschauen. Das kommt aus dem Grundtrieb, uns allmählich als Menschheit so zu verlieren, daß wir jeden Menschen auf der Welt nur äußerlich anschauen, daß wir nicht mehr miterleben, was sich von dem Menschen in unserer eigenen Seele spiegelt. Der Grundtrieb des urphänomenalen Anschauens ist zum Extrem gebracht; der eine Grundtrieb ist zum Extrem gebracht: Die Außenwelt soll angeschaut werden, ohne daß das Innere irgendwie rege gemacht wird. Die einseitige Ausbildung dieses Triebes strebt nach einem menschlichen Verkehr, der so die anderen Menschen ansieht, daß er eben alles nur äußerlich ansieht. In vieler Beziehung zeigt uns gerade unsere unmittelbare Gegenwart, wie weit es mit diesem Triebe gekommen ist, wie die Menschen immer mehr und mehr nur aufgefaßt werden sollen nicht nach ihrem Seelischen, sondern nach ihrem Außerlichen. Und gerade die falsche Ausbildung der Nationalideen, die die Nationalität, die dem Seelenhaften gegenüber etwas Außerliches ist, dem Menschen aufprägt und ihn nur nach dem beurteilen will, ihn gewissermaßen so ausgestalten will im Leben, daß er nur noch als Angehöriger der Nationalität aufgefaßt wird, nicht seinem Innern nach, das ist eine der Kräfte, die diesem Grundtrieb ganz besonders dient. Dadurch würde die Erdenmenschheit immer mehr und mehr sich innerhalb nationaler Grenzen abschließen, und es würde in der Zukunft niemals diese nationale Grenze überschritten werden können.

[ 18 ] Where would this basic instinct ultimately lead if it were to intensify more and more? It would lead to people no longer having the inclination to look into their own souls when they contemplate the world. For Ernest Renan has already reached the point where he no longer dares to look into his own inner self when he speaks of Jesus Christ. He speaks only of the historical figure and seeks to view him from the outside. This stems from the fundamental impulse for us, as humanity, to gradually lose ourselves to the point where we view every person in the world only externally, where we no longer experience what is reflected in our own souls from that person. The fundamental impulse of purely phenomenal perception has been taken to the extreme; this one fundamental impulse has been taken to the extreme: the external world is to be perceived without the inner self being stirred in any way. The one-sided development of this impulse strives for a form of human interaction that views other people in such a way that it sees everything only superficially. In many respects, our immediate present shows us just how far this impulse has gone, how people are increasingly to be understood not according to their inner lives but according to their outward appearances. And it is precisely the misguided development of national ideas—which impose nationality, which is something external to the soul, upon the individual and seek to judge him solely by it, to shape him in life, as it were, in such a way that he is perceived only as a member of that nationality and not according to his inner being—that is one of the forces which serves this fundamental instinct in a very special way. As a result, humanity on Earth would increasingly isolate itself within national borders, and in the future it would never be possible to cross these national boundaries.

[ 19 ] Aus diesem Grundtriebe heraus also entsteht das Bild eines jeden Menschen nur, wie er äußerlich sich hineinstellt in die Welt, wenn dieser Grundtrieb sich in der Erkenntnis auslebt. Nun betrachten wir den anderen Grundtrieb. Der andere Grundtrieb, der entgegengesetzte Grundtrieb würde darinnen bestehen, daß man nur die inneren Erlebnisse ins Feld führt, gar nicht den Blick auf den äußeren Menschen richtet, sondern nur auf die inneren Erlebnisse, das nur anschaut, was man innerlich erleben kann, was man in der Seele unmittelbar erlebt. Wenn man diesen Trieb zur Erkenntnisfrage macht mit Bezug auf die Gestalt des Christus Jesus, da müßte natürlich das Interesse für die Jesus-Gestalt wegfallen, denn die Jesus-Gestalt kann nach Renanscher Weise nur äußerlich erforscht werden, und es würde das Interesse nicht haften an der Jesus-Gestalt, sondern nur an der Christus-Wesenheit. Da wird man kein Interesse haben an der Jesus-Gestalt als historische Figur, sondern nur für die Christus-Wesenheit. Wenn dieser Trieb, der der entgegengesetzte des zuerst geschilderten ist, der auch nun strebt, allgemein in der Erdenmenschheit zu werden, wenn der sich ausbreiten würde, dann würden wiederum die Menschen nebeneinander hergehen, jeder in seinem Innern ein reiches Seelenleben brodelnd haben, aber sie würden aneinander vorbeigehen, ohne auch nur das Bedürfnis zu haben, die Menschen, die um sie herum sind, irgendwie in ihrer Eigenart aufzufassen. Es würde jeder nur gewissermaßen in seinem eigenen Seelenhause leben wollen. Auf Erkenntnisgebieten der geheiligtsten Wesenheit der Menschlichkeit gegenüber lebt sich wiederum dieser Trieb bei Solowjow aus, der nur das Interesse für die Christus-Wesenheit hat, nicht für die historische Jesus-Figur.

[ 19 ] It is out of this basic impulse, then, that the image of each human being arises—specifically, how that person externally positions themselves in the world—when this basic impulse is lived out in cognition. Now let us consider the other basic impulse. The other fundamental impulse—the opposite one—would consist in bringing only inner experiences into play, not directing one’s gaze at the outer human being at all, but only at inner experiences; in looking only at what one can experience inwardly, what one experiences directly in the soul. If one makes this impulse the basis for inquiry regarding the figure of Christ Jesus, then interest in the figure of Jesus would naturally disappear, for the figure of Jesus, according to Renan’s approach, can only be investigated externally; and interest would not lie in the figure of Jesus, but only in the Christ-essence. Then one would have no interest in the figure of Jesus as a historical figure, but only in the Christ-essence. If this impulse—which is the opposite of the one described first, and which is now also striving to become widespread among humanity on Earth—were to spread, then people would once again walk side by side, each with a rich inner life bubbling within, but they would pass each other by without even feeling the need to perceive the people around them in any way according to their individual nature. Each would, so to speak, want to live only within the sanctuary of their own soul. In the realm of understanding the most sacred essence of humanity, this impulse finds expression once again in Soloviev, who is interested only in the Christ-essence, not in the historical figure of Jesus.

[ 20 ] Sie sehen, nach welchen beiden Extremen die moderne Menschheit hintendiert. Sie tendiert nach zwei Extremen hin. Das eine ist der Trieb, die Welt nur von außen anzuschauen, das Urphänomenale ins Extreme zu treiben; das andere ist, die Welt nur in freien Imaginationen innerlich zu erfassen. Das alles ist im Anfange, hat sich bisher in wohltätiger, schöner Weise ausgebildet; aber das alles strebt danach, verkehrt zu werden. Geradeso, wie in bezug auf äußerliche Schilderung Renans «Leben Jesu» ein Meisterwerk ist, sind die Solowjowschen Darstellungen der Christus-Wesenheit das Höchste, was auf diesem Gebiete in der Gegenwart hat geschaffen werden können. Es sind wohltätige Impulse, aber sie entspringen dem Trieb, der in seiner einseitigen Ausbildung jeden Menschen in sein eigenes Haus zurücktreiben würde.

[ 20 ] You can see the two extremes toward which modern humanity is tending. It tends toward two extremes. One is the impulse to view the world solely from the outside, to take the primordial phenomenal to the extreme; the other is to grasp the world inwardly only through free imaginings. All of this is in its infancy; so far, it has developed in a beneficial and beautiful way; but all of it is striving to be turned upside down. Just as Renan’s *The Life of Jesus* is a masterpiece in terms of external description, so too are Solovyov’s depictions of the Christ-essence the highest achievement that could have been created in this field at the present time. These are beneficial impulses, but they spring from an impulse that, if developed one-sidedly, would drive every human being back into his own home.

[ 21 ] Demgegenüber muß eine Erkenntnis gerade durch die Geisteswissenschaft Platz greifen, eine Erkenntnis, die zusammengefaßt werden kann in zwei Sätze, die ich Ihnen heute ganz besonders in die Seele schreiben möchte. Der eine Satz ist der, daß der Mensch niemals zu einem wirklichen guten, rechten, starken persönlichen Innenleben kommen kann, ohne daß er das wärmste Interesse hat für andere Menschen. Alles Innenleben, das wir suchen, bleibt falsch, bleibt ein versucherisches, wenn es nicht einhergeht mit einem liebevollen Interesse für die Eigenarten der anderen Menschen. Wir sollen geradezu voraussetzen, daß wir uns innerlich finden als Menschen, wenn wir Interesse haben für die Eigenarten der anderen Menschen. Liebevolles Eingehen auf die Individualitäten anderer Menschen — was zuweilen verbunden ist im Leben mit einer argen Lebenstragik —, nur das ist dasjenige, was uns zur Selbsterkenntnis bringen kann. Und Selbsterkenntnis, die wir durch Selbstgrübelei suchen, wird niemals eine richtige Selbsterkenntnis sein. Also unser Inneres vertiefen wir im interessevollen Verkehr mit den anderen Menschen. Aber dieser Satz ist, so wie er ausgesprochen wird, etwas andeutend, was nicht unmittelbar ausgeführt werden kann, weil es in unmittelbarer Wechselwirkung stehen muß mit einem anderen. Wir erlangen niemals nämlich eine richtige Erkenntnis der Außenwelt, wenn wir uns nicht dazu entschließen, das Menschliche, das Allgemeinmenschliche in uns selber zu erforschen, in uns selber kennenzulernen. Daher wird alle Naturerkenntnis der modernen Zeit eine bloß mechanische, nicht wahre, sondern falsche, verkehrte sein, die nicht so fußt auf einer Erkenntnis des Menschen, wie die Wissenschaft, die von mir als Geheimwissenschaft beschrieben worden ist in dem Buch «Geheimwissenschaft im Umriß», wo mit der Erkenntnis des Menschen die Erkenntnis der Außenwelt gesucht wird. Das Innere finden wir im Äußeren, das Äußere finden wir im Inneren.

[ 21 ] In contrast, a realization must take root precisely through spiritual science—a realization that can be summarized in two sentences, which I would like to impress upon you very deeply today. The first is that a person can never attain a truly good, right, and strong inner life without having the warmest interest in other people. Any inner life we seek remains false, remains illusory, if it is not accompanied by a loving interest in the unique qualities of other people. We should virtually take it for granted that we find ourselves inwardly as human beings when we take an interest in the unique qualities of other people. Lovingly engaging with the individuality of others—which is sometimes linked in life to profound tragedy—is the only thing that can lead us to self-knowledge. And self-knowledge sought through self-contemplation will never be true self-knowledge. Thus, we deepen our inner lives through engaged interaction with other people. But this statement, as it is expressed, hints at something that cannot be immediately realized, because it must exist in direct interaction with another. For we will never attain a true understanding of the external world unless we resolve to explore and come to know the human, the universally human, within ourselves. Therefore, all knowledge of nature in modern times will be merely mechanical—not true, but false and distorted—and will not be based on a knowledge of the human being in the same way as the science I have described as “esoteric science” in the book *Esoteric Science in Outline*, where knowledge of the external world is sought through knowledge of the human being. We find the inner in the outer, and the outer in the inner.

[ 22 ] Was mit Bezug auf gewisse Zeiterscheinungen dann weiter zu sagen ist für andere Schöpfungen, die wir auch schon berührt haben, wie zum Beispiel das sogenannte «Leben Jesu» von David Friedrich Strauß, darüber will ich dann ein nächstes Mal sprechen. Heute möchte ich nur sagen, daß, als vor zweimal sieben Jahren begonnen worden ist mit unserem Impuls einer theosophischen Bewegung, die dann die anthroposophische geworden ist, daran gedacht worden ist, daß durch alles das, was in dieser Bewegung fließt, ganz besonders im Sinne dieser zwei Sätze gewirkt werde: Alles Äußere soll entzünden Selbsterkenntnis; das Innere soll lehren Welterkenntnis. In diesen Sätzen, beziehungsweise in ihrer Verwirklichung in der Welt, liegt wahre geistige Einsicht in das Dasein und liegen die Impulse zu wirklicher Menschenliebe, zu sehender Menschenliebe. Und eine Verwirklichung desjenigen, was in diesen Sätzen liegt, sollte gesucht werden durch unsere Gesellschaft. Wäre in den zweimal sieben Jahren all das zustande gekommen, was angestrebt worden ist, wären nicht die gegenteiligen Mächte in unserer Zeit noch stark genug gewesen, vieles zu verhindern, dann würde ich heute ganz anders noch sprechen können über gewisse Geheimnisse des Daseins, als gesprochen werden kann. Dann würde diese Gesellschaft reif geworden sein, daß in ihrem Schoße heute Dinge ausgesprochen werden könnten, die sonst nirgends ausgesprochen werden könnten. Aber es würde dann auch eine Garantie dafür vorhanden sein, daß diese Geheimnisse des Daseins in der richtigen Weise bewahrt würden. Die Vorgänge in unserer Gesellschaft haben aber gezeigt, daß gerade mit Bezug auf das Bewahren die Dinge nicht gehen, nicht gehen durch die mannigfaltigsten Gegengewichte, die sich der Bewegung angehängt haben. Denn da wirklich heute kein Schutz mehr vorhanden ist, wenigstens kein durchdringender Schutz dafür, daß das, was bei uns gesagt wird, in beliebiger Weise, in der Ihnen ja auch bekannten Weise verwendet wird draußen in der Welt, wie es von manchen Leuten verwendet wird, und eingehüllt wird in solche Gefühle, wie es von seiten mancher Leute geschieht, so zeigt sich darinnen im Hinblick auf die zweimal sieben Jahre, daß in gewisser Weise die Gesellschaft hinter dem, was angestrebt werden mußte, in mancher Beziehung zurückgeblieben ist. Solch eine Einsicht soll uns nicht zur Mutlosigkeit führen, aber sie solluns dazu führen, nicht bloß schwelgen zu wollen in gewissen Erkenntnissen, sondern Lebensernst genug entwickeln zu wollen, um die Wahrheit in der Gestalt aufzunehmen, in der sie gerade in unserer Zeit eigentlich mitgeteilt werden müßte. Wenn es möglich ist, daß hervorragende schriftstellernde Mitglieder unserer Bewegung so denken, wie es sich in der letzten Zeit gezeigt hat, dann ist es eben klar, daß erst noch andere, tiefere Impulse in den Seelen derjenigen Menschen aufwachen müssen, die sich innerhalb unserer Gesellschaft befinden, als bisher aufgewacht sind. Nicht bloß, um angenehme Erkenntnisse zu haben, sollen wir uns verbinden, sondern um einen heiligen Dienst der Wahrheit im Interesse der Evolution der Menschheit zu leisten. Dann werden schon die rechten Erkenntnisse unskommen; dann werden nicht durch allerlei Vorurteile diese Erkenntnisse zurückgedämmt werden.

[ 22 ] What else there is to say regarding certain contemporary phenomena in relation to other works we have already touched upon—such as David Friedrich Strauss’s so-called *The Life of Jesus*—I will discuss another time. Today I would simply like to say that when, two times seven years ago, we began our initiative for a theosophical movement—which later became the anthroposophical movement—it was intended that everything flowing through this movement should work in a way that particularly embodies the spirit of these two sentences: Everything external should kindle self-knowledge; the internal should teach knowledge of the world. In these sentences—or rather, in their realization in the world—lies true spiritual insight into existence, as well as the impulses toward genuine love of humanity, toward a love of humanity that sees. And our Society should strive to realize what is contained in these sentences. Had everything that was aspired to been achieved during the two periods of seven years, and had the opposing forces in our time not still been strong enough to prevent so much, then I would be able to speak today in a very different way about certain mysteries of existence than is currently possible. Then this Society would have matured to the point where things could be spoken of within its ranks today that could not be spoken of anywhere else. But there would then also be a guarantee that these mysteries of existence would be preserved in the proper way. However, the events in our society have shown that, precisely with regard to preservation, things are not going as they should—they are hindered by the most diverse counterforces that have attached themselves to the movement. For since there is truly no protection left today—at least no comprehensive protection—against what is said among us being used in any way, in the manner you are well aware of, out in the world, as it is used by some people, and is wrapped up in such sentiments, as happens on the part of some people—it becomes evident, with regard to the two periods of seven years, that in a certain sense society has, in many respects, fallen behind what should have been strived for. Such an insight should not lead us to despondency, but it should lead us not merely to revel in certain insights, but to develop enough seriousness of life to embrace the truth in the form in which it ought to be communicated precisely in our time. If it is possible that outstanding writers within our movement think as has recently become apparent, then it is clear that even deeper impulses must yet awaken in the souls of those within our Society than have awakened so far. We should unite not merely to gain pleasant insights, but to perform a sacred service to the truth in the interest of human evolution. Then the right insights will come to us; then these insights will not be held back by all manner of prejudices.

[ 23 ] Und so wollen wir wenigstens in unsere Herzen das Ideal aufnehmen, daß doch vielleicht eine solche Gesellschaft auch entstehen könne, welche notwendig ist in der allgemeinen Welt der Vorurteile, die unsere Zeit durchsetzt und durchsaugt. Das, was ich sage, richtet sich natürlich nicht im geringsten an irgendeine einzelne Seele unter uns; nicht im allergeringsten richtend wendet es sich an irgendeine einzelne Seele, ‚sondern lediglich darauf ist es gerichtet, das Ideal der Erkenntnis unserer Zeit zu betonen, das Ideal jenes Menschheitsdienstes, den wir als notwendig erkennen sollten. Und ebenso warm, wie ich vor etwa acht Tagen hier gesprochen habe, möchte ich auch heute wiederum betonen, daß nicht vergessen werden möge in unserem Kreise, daß der Menschheit in der Gegenwart notwendig ist ein Kreis von Menschen, zu dem in unbefangenster Weise von dem ganzen heute zu offenbarenden Wahrheitsgehalt gesprochen werden kann, ohne daß sich dagegen vorurteilsvolle Emotionen erheben. Wir müssen es als unser Karma hinnehmen, daß sich in unserem Kreise Feindschaft erhoben hat, Feindschaft erhoben hat, Feindschaft aus dem unverständigen Zeitgefühl und den unverständigen Zeitideen, Zeitemotionen heraus; aber wir sollten uns auch keinen Augenblick einer Täuschung darüber hingeben, daß dieses Karma eben das unsere ist. Dann wird uns aus dieser Erkenntnis heraus der Impuls für das Rechte aufgehen. Und namentlich sollen wir nicht so vieles, was wir aufnehmen, so schnell, als es geschieht, vergessen, so vieles von dem, wo sich in einzelnen überragenden Sätzen zusammenschließen die sonst auseinandergelegten Wahrheiten; wir sollen sie nicht bloß an uns vorüberziehen lassen, sondern sie in unseren Herzen bewahren. In unserem Kreise ist so viel verbreitet die Sehnsucht, zu vergessen, gerade oft das Wichtigste zu vergessen. Und so sind wir noch nicht der lebendige Gesellschaftsorganismus geworden, den wir brauchen, beziehungsweise den die Menschheit braucht. Dazu ist vor allen Dingen notwendig, daß wir uns Gedächtnis aneignen für das, was wir durch das Leben in der Gesellschaft lernen können.

[ 23 ] And so let us at least embrace in our hearts the ideal that perhaps such a society could indeed come into being—a society that is necessary in this world of prejudice that pervades and permeates our time. What I am saying is, of course, not directed in the least toward any single soul among us; it is not in the slightest way accusatory toward any single soul, ‘but is directed solely toward emphasizing the ideal of insight in our time, the ideal of that service to humanity which we should recognize as necessary. And just as warmly as I spoke here about eight days ago, I would like to emphasize once again today that we in our circle must not forget that humanity today needs a circle of people with whom the full truth to be revealed today can be discussed in the most open-minded way, without prejudiced emotions arising in opposition. We must accept as our karma that hostility has arisen within our circle—hostility arising from the unwise spirit of the times, the unwise ideas of the times, and the emotions of the times; but we should not for a single moment delude ourselves into thinking that this karma is not ours. Then, from this realization, the impulse for what is right will dawn upon us. And in particular, we should not so quickly forget so much of what we take in—so much of what brings together, in a few outstanding sentences, truths that are otherwise scattered; we should not merely let them pass us by, but rather keep them in our hearts. In our circle, there is such a widespread longing to forget—often, in fact, to forget precisely the most important things. And so we have not yet become the living social organism that we need—or rather, that humanity needs. To achieve this, it is necessary above all that we cultivate a memory for what we can learn through life in society.