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Humanity's Internal Impulses for Development
Goethe and the Crisis of the Nineteenth Century
GA 171

25 September 1910, Dornach

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Wir haben uns damit beschäftigt, zu zeigen, wie in dem geschichtlichen Werden der Menschheit diejenigen geistigen Kräfte mitspielen, die wir in unserer Art als luziferische und ahrimanische Kräfte oder Mächte bezeichnen. Wir haben gesehen, wie das, was im Weltenwerdegang hinübergetragen werden soll aus einem Zeitalter in das andere, hinübergetragen wird durch solche Mächte, und wir haben uns bemüht zu zeigen, wie in den Trieben, in den Begierden, in den Erkenntnissehnsuchten, auch in den Impulsen des sozialen Lebens der Menschen das vorhanden ist, was im Konkreten nur dann gefaßt werden kann, wenn man diese übersinnlichen, dem weltgeschichtlichen Werden zugrunde liegenden Kräfte kennt. So wie das hat ausgesprochen werden sollen für unseren fünften nachatlantischen Zeitraum, so hat es sich, wie wir gesehen haben, vorbereitet seit dem 15. Jahrhundert. Wir haben gesehen, welche neuen Fähigkeiten der Menschheit heraufgezogen sind seit diesem 15. Jahrhundert, was sich im gesamten Kulturorganismus Europas seit jener Zeit entwickelt hat.

[ 1 ] We have sought to show how, in the historical development of humanity, those spiritual forces come into play that we, in our own way, refer to as Luciferic and Ahrimanic forces or powers. We have seen how that which is to be carried over from one age to the next in the course of world history is carried over by such forces, and we have endeavored to show how what is present in human instincts, desires, the thirst for knowledge, and even in the impulses of social life can be grasped concretely only when one is familiar with these supersensible forces that underlie the development of world history. Just as this was to be articulated for our fifth post-Atlantean epoch, so, as we have seen, the groundwork has been laid since the 15th century. We have seen what new capacities have emerged in humanity since that 15th century, and what has developed within the entire cultural organism of Europe since that time.

[ 2 ] Wenn wir nach einem Geiste blicken wollen, der in konzentriertester und schärfster Weise zum Ausdruck gebracht hat, welches die menschlichen Impulse unserer Zeit sein sollen, so können wir auf Goethe blicken, und wir haben schon erwähnt, daß er sowohl mit seiner Naturanschauung wie mit seiner imaginativen Welt das zum Ausdrucke gebracht hat, was den Anfang bilden kann des fünften nachatlantischen Zeitraums. Und ich muß Sie heute daran erinnern, daß ich öfter darauf aufmerksam gemacht habe, wie Goethe das, was er als die Kulturimpulse, Erkenntnisimpulse, Gefühlsimpulse, Willensimpulse angesehen hat, was er als notwendig für die Wirksamkeit der Menschen in der Zukunft sich hat denken müssen, in intimer Weise zum Ausdruck gebracht hat in jenem Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie, in das er hineingeheimnißt hat dasjenige, was er wußte, man könnte sagen, aus den geistig verborgen wirkenden Kräften, die seit dem 15. Jahrhundert in der Menschheit tätig sind und durch etwa zwei Jahrtausende tätig sein werden. Sie wissen ja auch, wie wir in unseren Mysterien in einer ausführlichen Weise versucht haben, dasjenige lebendig zu machen, was Goethe durchschaut hat, als er dieses Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie dichtete. In diesen Mysterien sollte das, was Goethe beseelte, was aber die ganze fünfte nachatlantische Kulturmenschheit als höchstes Geistesgut beseelen soll, so zum Ausdruck gebracht werden, wie es eben wiederum hundert Jahre nach Goethe zum Ausdruck gebracht werden kann.

[ 2 ] If we wish to look for a spirit who has expressed in the most concentrated and incisive way what the human impulses of our time should be, we can look to Goethe, and we have already mentioned that, through both his view of nature and his imaginative world, he has given expression to what can form the beginning of the fifth post-Atlantean epoch. And I must remind you today that I have often pointed out how Goethe, in that fairy tale about the green snake and the beautiful lily, intimately expressed what he regarded as cultural impulses, impulses of knowledge, and impulses of feeling— impulses of the will—what he must have regarded as necessary for human effectiveness in the future—in an intimate way in that fairy tale of the green serpent and the beautiful lily, into which he wove what he knew, one might say, from the spiritually hidden forces that have been at work in humanity since the 15th century and will remain active for about two millennia. You also know how, in our Mysteries, we have attempted in great detail to bring to life what Goethe perceived when he composed this fairy tale of the green snake and the beautiful lily. In these mysteries, what inspired Goethe—and what is to inspire the entire fifth post-Atlantean cultural humanity as its highest spiritual asset—was to be expressed in a way that is appropriate a hundred years after Goethe.

[ 3 ] Solche Tiefen einer Menschenseele, wie sie zugrunde liegen einer so großen, gewaltigen Dichtung wie das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie, trotzdem es eine symbolische Dichtung ist, solche großen Impulse, wie sie Goethes «Faust» als Menschheitsdichtung zugrunde liegen, die weisen uns immer wieder und wiederum hin auf tiefe, unter der Oberfläche des Bewußtseins liegende Kräfte. Das wirkt in einer solchen Seele aus den Tiefen alter Kulturimpulse heraus. Und über solche Kulturimpulse, wie sie bei Goethe, ich möchte sagen, eine gewisse Vergeistigung erfahren haben, möchte ich heute im Zusammenhange mit dem gestern Ausgeführten etwas sprechen.

[ 3 ] Such depths of the human soul—as lie at the heart of such a great and powerful work of literature as the fairy tale of the Green Snake and the Beautiful Lily, even though it is a symbolic work—and such great impulses as underlie Goethe’s Faust as a work of universal significance, point us time and again to deep forces lying beneath the surface of consciousness. This is at work in such a soul, emerging from the depths of ancient cultural impulses. And today, in connection with what I discussed yesterday, I would like to speak a little about such cultural impulses, which, in Goethe’s case, I would say have undergone a certain spiritualization.

[ 4 ] Wir müssen da zurückgehen wiederum bis in jene Zeit, in der gewissermaßen im Keime die Impulse gelegt worden sind für die fünfte nachatlantische Zeit; wir müssen vor das 15. Jahrhundert zurückgehen, weil solche Dinge, die dann geistig fortwirken, lange vorher vorbereitet werden müssen. Wie sich im europäischen Seelenleben und im europäischen sozialen Leben in dem Streben nach dem Wahren, Schönen, Guten des europäischen Lebens die normal fortwirkenden göttlich-geistigen Kräfte verschlingen mit den ahrimanisch-luziferischen Mächten für unser Zeitalter, das kann man nur erkennen, wenn man zurückgeht bis in die Zeiten, wo gewissermaßen die ersten Anstöße gegeben werden. Solche ersten Anstöße der früheren Zeiten, wir haben sie gestern kennengelernt. Wir wollen heute noch einen solchen Anstoß kennenlernen aus der Mitte des Mittelalters; wir wollen kennenlernen, wie in der Mitte des Mittelalters sich herausgebären gewisse geistige Tendenzen aus dem menschlichen Werden. Dabei werde ich den historischen Hintergrund nur andeuten können. Den historischen Hintergrund kann ja heute jeder aus jedem Konversationslexikon sich nachlesen.

[ 4 ] We must go back once again to that time when, so to speak, the seeds of the impulses for the fifth post-Atlantean epoch were sown; we must go back to before the 15th century, because such things, which continue to have a spiritual effect, must be prepared long beforehand. How, in European spiritual and social life—in the striving for the true, the beautiful, and the good in European life—the normally active divine-spiritual forces become entangled with the Ahrimanic-Luciferic powers of our age can only be recognized by going back to the times when, so to speak, the first impulses were given. We learned about such early impulses from earlier times yesterday. Today we will examine another such impulse from the middle of the Middle Ages; we will explore how, in the middle of the Middle Ages, certain spiritual tendencies emerged from the process of human development. In doing so, I will only be able to touch upon the historical background. After all, anyone can look up the historical background today in any general encyclopedia.

[ 5 ] Zurückverweisen muß ich, um die Konfiguration der Kulturimpulse, die dann in Goethe eine gewisse Vergeistigung erfahren haben, zu schildern, auf jene Zeit, in der aus dem europäischen Wollen heraus, und zwar aus den christlichen Impulsen des europäischen Wollens heraus der Wille entstanden ist zu den Kreuzzügen. In dieser Zeit, als der Wille in der europäischen Kulturmenschheit entstanden ist, die heiligen Stätten zu besuchen, gab es harte Zusammenstöße im gesamten europäischen Leben zwischen dem, was man luziferische und was man ahrimanische Mächte nennt. Das heißt, in die fortwirkenden guten, wahrhaft christlichen Impulse wirkten gewissermaßen von jenen Seiten her, die gestern charakterisiert worden sind, diese anderen Mächte hinein in der Art, wie solche Mächte zugelassen werden von der weisheitsvollen Weltenlenkung, damit dasjenige, was in der weisheitsvollen Weltenlenkung der Gegenwart geschieht, in der entsprechenden Weise konfiguriert werde von den aus der Vergangenheit hereinwirkenden anderen Impulsen, die sich mit den Gegenwartsimpulsen immer durchkreuzen in der Art, wie wir ja dies öfter besprochen haben.

[ 5 ] In order to describe the configuration of the cultural impulses—which then underwent a certain spiritualization in Goethe—I must refer back to that time when, out of the European will, and specifically out of the Christian impulses within that European will, the will to wage the Crusades arose. During this period, when the will to visit the holy sites arose within European cultural humanity, there were fierce clashes throughout European life between what are called Luciferic and Ahrimanic forces. That is to say, the continuing, positive, truly Christian impulses were, in a sense, counteracted from those sides that were characterized yesterday, in the manner permitted by the wise guidance of the world, so that what is happening in the wise guidance of the world today might be shaped accordingly by the other impulses working in from the past—impulses that constantly intersect with the present impulses, just as we have often discussed.

[ 6 ] Wir sehen in dieser Zeit unter vielem, das, wenn man es betrachtet, ich möchte sagen, zum Frohmachen der Menschenseele ist, wie unter vielem, was da entsteht, bald nachdem die Kreuzzüge ihre ersten Erfolge errungen haben, begründet wird im Jahre 1119 der Orden der Tempelherren. Fünf französische Ritter unter der Führung von Hugo de Payens tun sich zusammen und begründen an der geheiligt gehaltenen Stätte, auf der sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hat, einen Orden, der sich ganz weihen soll dem Dienste des Mysteriums von Golgatha, und der sein erstes wichtigstes Ordenshaus unmittelbar neben der Stätte hat, wo einst der Salomonische Tempel gestanden hat, so daß gewissermaßen zusammenwirken konnte an dieser Stätte uraltheilige, für das Christentum vorbereitete Weisheit und die salomonische Weisheit, mit allen Empfindungen und allen Gefühlen, die in höchstem Maße aus der heiligsten Begeisterung für das Mysterium von Golgatha und seinen Träger entstanden sind. Neben den gewöhnlichen, damals üblichen Mönchsgelübden, der Pflicht des Gehorsams gegenüber den geistlichen Oberen, verpflichteten sich die ersten Tempelherren, in intensivster Weise mitzuwirken dazu, hereinzubeziehen in den Bereich europäischer Machtentfaltung die Stätten, auf denen sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hat. An nichts sollten sie denken — so war es in den geschriebenen und namentlich in den ungeschriebenen Ordensregeln enthalten —, als wie sie in ihrem Herzen, in ihrer Seele ganz sich erfüllen können mit dem geheiligten Geheimnis von Golgatha, und wie sie dienen können mit jedem Tropfen ihres Blutes der Hereinbeziehung der geheiligten Stätte in den Machtbereich des europäischen Willens. In jedem Augenblick ihres Lebens sollten sie denken, sollten sie empfinden, daß sie ganz nur dieser Aufgabe gehören, und daß sie nichts scheuen werden, um diese Aufgabe mit all der Kraft, die jedem einzelnen zur Verfügung steht, zu verwirklichen. Ihr Blut sollte ihnen nicht selber gehören, sondern einzig und allein der Aufgabe, die wir gekennzeichnet haben. Und wenn sie einer dreifachen Übermacht gegenüberstehen — so war ihnen befohlen —, dürfen sie nicht fliehen; jeder Templer muß seine Stelle behaupten, auch wenn drei Ungläubige ihm diese Stelle streitig machen wollen. Und in jedem Augenblick ihres Lebens mußten sie denken, daß das Blut, das in ihren Adern rinnt, nicht ihnen gehört, sondern ihrer großen geistigen Aufgabe. Was sie an Vermögen erwerben sollten, das sollte keinem einzelnen gehören. Nicht der einzelne sollte irgendeinen Besitz haben, sondern nur der ganze Orden. Vom einzelnen sollte derjenige, der aus der Reihe der Feinde einen besiegt, kein anderes Gut erbeuten als die hanfene Schnur, die um die Lenden gegürtet war, das Zeichen ihrer freiwillig übernommenen Arbeit für dasjenige, was man dazumal als das Heil für den europäischen Geist ansah. Eine große, gewaltige Aufgabe, weniger dem Nachdenken als dem tiefen Empfinden, war gestellt, eine Aufgabe, die dahin ging, das Seelenleben als individuelles, als persönliches nur deshalb zu stärken, damit dieses einzelne Seelenleben ganz aufgehen könne in dem fortlaufenden Strom der christlichen Entwickelung.

[ 6 ] Among the many events of this period, we see one that, upon reflection, I would say serves to gladden the human soul: among the many developments that arose shortly after the Crusades achieved their first successes, the Order of the Knights Templar was founded in 1119. Five French knights, led by Hugo de Payens, joined forces and founded an order at the sacred site where the Mystery of Golgotha took place; an order dedicated entirely to the service of the Mystery of Golgotha, with its first and most important monastery located directly adjacent to the site where the Temple of Solomon once stood, so that, in a sense, the ancient, sacred wisdom prepared for Christianity could interact at this site with the wisdom of Solomon, along with all the sentiments and feelings that arose to the highest degree from the most sacred enthusiasm for the Mystery of Golgotha and its bearer. In addition to the customary monastic vows of the time and the duty of obedience to their spiritual superiors, the first Knights Templar committed themselves to working in the most intensive way to incorporate into the sphere of European power the sites where the Mystery of Golgotha had taken place. They were to think of nothing else—as was laid down in the written and, above all, the unwritten rules of the Order—but how they might fill their hearts and souls entirely with the sacred mystery of Golgotha, and how they might serve, with every drop of their blood, to bring the sacred site into the sphere of influence of the European will. At every moment of their lives, they were to think and feel that they belonged entirely to this task, and that they would spare no effort to fulfill this task with all the strength available to each individual. Their blood was not to belong to them, but solely and exclusively to the task we have described. And if they face a threefold superior force—so they were commanded—they must not flee; every Templar must hold his ground, even if three infidels seek to dispute that position. And at every moment of their lives, they were to remember that the blood flowing through their veins did not belong to them, but to their great spiritual mission. Whatever wealth they might acquire was not to belong to any individual. No individual was to possess any property; it belonged solely to the Order as a whole. An individual who defeated an enemy was not to take any spoils other than the hemp cord tied around his waist—the symbol of the work he had voluntarily undertaken for what was then regarded as the salvation of the European spirit. A great and formidable task—one that called less for reflection than for deep feeling—had been set: a task aimed at strengthening the life of the soul as individual and personal, solely so that this individual life of the soul might be fully absorbed into the continuous stream of Christian development.

[ 7 ] Das war gewissermaßen der Stern, der den Tempelrittern bei allem, was sie dachten, fühlten, unternahmen, voranleuchten sollte. Damit war ein Impuls in Seelen gegeben, welcher in seiner weiteren Wirksamkeit bei der weiteren Ausdehnung des 'Templerordens von Jerusalem aus über die europäischen Länder zu einer gewissen Durchgeistigung, Durchchristung des europäischen Lebens hätte führen sollen. Begreiflich kann es erscheinen bei dem schier unermeßlich großen Eifer, der in diesen Tempelherrenseelen bestand, daß diejenigen Mächte, welche die Entwickelung zurückzuhalten haben, sie so zu lenken haben, daß die Seelen der Menschen von der Erde abgelenkt werden, erdenfremd werden, gewissermaßen geführt werden zu einem besonderen Planeten, damit die Erde entvölkert werde, daß die Mächte, die dieses wollten, ganz besonders sich heranmachen wollten an die Seelen, die also empfanden und fühlten wie die Tempelritter. Diese Seelen, die ganz sich hingeben wollten dem Geistigen, an sie konnten leicht jene Kräfte kommen, welche das Geistige von der Erde wegheben wollen, die nicht wollen, daß das Geistige auf der Erde ausgebreitet werde, daß der Geist das Erdensein durchdringe. Und immer ist ja die Gefahr vorhanden, daß die Seelen erdenfremd und erdenmüde werden, und daß die Menschheit auf der Erde mechanisiert werde.

[ 7 ] In a sense, this was the star that was meant to guide the Knights Templar in everything they thought, felt, and undertook. This gave rise to an impulse in their souls which, as it continued to take effect with the further expansion of the Order of the Knights Templar from Jerusalem across the European countries, should have led to a certain spiritualization, a Christianization of European life. It may seem understandable, given the sheer immeasurable zeal that existed in the souls of these Knights Templar, that those powers whose purpose is to hold back development are compelled to steer them in such a way that human souls are diverted from the Earth, become alienated from it, and are, so to speak, led to a particular planet so that the Earth might be depopulated—that the forces desiring this would particularly set their sights on the souls who felt and sensed as the Knights Templar did. These souls, who wished to devote themselves entirely to the spiritual—it was easy for those forces to approach them that seek to remove the spiritual from the Earth, that do not want the spiritual to spread on Earth, that do not want the Spirit to permeate earthly existence. And there is always the danger that souls will become estranged from the Earth and weary of it, and that humanity on Earth will become mechanized.

[ 8 ] Da haben wir auf der einen Seite gewaltig aufstrebendes geistiges Leben, von dem wir voraussetzen dürfen, daß die luziferische Versuchung ihm nahestehen kann, weil da ein guter Anhaltspunkt ist für die luziferische Versuchung. Dann haben wir aber in derselben Zeit, in welcher der Templerorden rasch sich ausbreitete über die verschiedenen christlichen Länder Europas, im Westen Europas die Möglichkeit scharfen Einsetzens ahrimanischer Mächte. Denn in der Zeit, in welcher der Templerorden durch seine Tätigkeit zu großem Ansehen und auch zu großem Reichtum — als Orden, nicht als einzelner Templer — gekommen war und sich ausgebreitet hatte auch über den Westen Europas, in dieser Zeit des ausgehenden 13., des beginnenden 14. Jahrhunderts, da haben wir im Westen herrschend einen Mann, eine menschliche Persönlichkeit, welche, man kann geradezu sagen, in der Seele eine Art Begeisterung empfand durch die moralische Macht oder respektive unmoralische Macht des Goldes; eine Persönlichkeit, die geradezu in einseitiger Weise die Vermaterialisierung der Weisheit aus dem Golde heraus zu ihrer Inspiration bilden konnte. Erinnern Sie sich an das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie, wo der goldene König zum Repräsentanten der Weisheit geworden ist! Es kann allerdings, weil in den einzelnen Stoffen auch geistige Kräfte stecken denn der Stoff ist immer nur scheinbar, geistige Kräfte stecken dahinter, wenn sie auch der Materialist nicht wahrzunehmen vermag —, es kann geradezu das Gold zum Inspirator werden. Eine hochbegabte, mit außerordentlicher, mit höchster Klugheit ausgestattete Persönlichkeit ist zugänglich dieser Inspiration durch das Gold mit geradezu ärgster ahrimanischer Weisheit. Das ist der von 1285 bis 1314 in Frankreich regierende König Philipp der Schöne, Philipp IV. Philipp IV. der Schöne kann geradezu ein genial-habsüchtiger Mensch genannt werden, ein Mensch, der den instinktiven Drang in sich verspürte, nichts anderes anzuerkennen in der Welt als das, was mit Gold aufgewogen werden kann, und niemandem wollte Philipp der Schöne eine Macht über das Gold zugestehen als nur allein sich selber. Geradezu alles, was an Macht durch das Gold bewirkt werden kann, wollte er in seinen Machtwillen hineinzwingen. Das wurde bei ihm zur großen, welthistorischen Marotte.

[ 8 ] On the one hand, we have a spiritual life that is flourishing tremendously, and we may assume that the Luciferic temptation is close at hand, because there is a strong basis for such a temptation. But then, at the very same time that the Order of the Templars was rapidly spreading across the various Christian countries of Europe, there was, in Western Europe, the possibility of a sharp intervention by Ahrimanic forces. For in the period when the Order of the Templars, through its activities, had attained great prestige and also great wealth—as an order, not as individual Templars—and had spread throughout Western Europe as well, during this time at the end of the 13th and the beginning of the 14th century, we find a man ruling in the West, a human personality who, one might even say, felt a kind of enthusiasm in his soul inspired by the moral—or rather, immoral—power of gold; a personality who was able, in a one-sided way, to draw his inspiration from the materialization of wisdom through gold. Recall the fairy tale of the green snake and the beautiful lily, in which the golden king has become the representative of wisdom! It is indeed possible—because spiritual forces are also contained within individual substances (for matter is always only apparent; spiritual forces lie behind it, even if the materialist is unable to perceive them)—that gold itself can become a source of inspiration. A highly gifted personality, endowed with extraordinary, supreme intelligence, is susceptible to this inspiration through gold—an inspiration imbued with the very worst kind of Ahrimanic wisdom. This is King Philip the Fair, Philip IV, who reigned in France from 1285 to 1314. Philip IV the Fair can truly be called a brilliantly greedy man, a man who felt within himself the instinctive urge to recognize nothing in the world but what could be measured in gold, and Philip the Fair would grant no one but himself power over gold. He sought to force virtually all the power that gold could bring into the realm of his own will. This became his great, world-historical obsession.

[ 9 ] Das führte dahin, daß bei dem an sich nicht sehr bedeutungsvollen Anlaß, als der Papst Bonifatius den französischen Geistlichen verbot, Steuern zu bezahlen an den französischen Staat, Philipp IV. der Schöne ein Gesetz machte, welches verbot, Gold und Silber aus Frankreich auszuführen. Alles Gold und Silber, das in Frankreich ist, sollte in Frankreich verbleiben nach seinem Willen; aber er sollte die Macht haben über alles Gold und Silber. Das war, man könnte sagen, seine Idiosynkrasie. Daher versuchte er, für sich das Gold und das Silber zu behalten und den übrigen Leuten, die er regierte, nur Scheinwerte zu geben, das heißt, er ließ die Münzen so schlecht wie möglich prägen, um in seinem Gold- und Silberschatze zurückzubehalten dasGold und den Münzen nur möglichst wenig beizugesellen. Aufruhr und Empörung des Volkes gerade über solche Maßnahmen konnten ihn nicht abhalten, in dieser Weise immer weiterzugehen. So daß, als er einen letzten Versuch machte, möglichst wenig Gold und Silber den Münzen beizumischen, er sich, durch eine Volksempörung veranlaßt, in die Tempelstätte der Templer flüchten mußte. Da hatte er bei den Templern, durch seine Gewaltmaßregeln dazu veranlaßt, seinen Schatz, seinen Goldschatz verbergen lassen. Er war erstaunt, wie schnell die Templer den Volksaufruhr beruhigen konnten. Aber er war zu gleicher Zeit von Furcht erfüllt, weil er gesehen hatte, wie groß die moralische Macht der Templer über das Volk war, und wie wenig er, der nur vom Golde inspiriert war, vermochte gegenüber der moralischen Macht der Templer, die dazumal auch schon reiche Schätze hatten, die ungeheuer reich waren, aber nach ihrer Ordensregel allen Reichtum ihres Ordens in den Dienst geistigen Wirkens, geistigen Schaffens stellen mußten.

[ 9 ] This led to the situation where, on an occasion that was in itself not very significant—namely, when Pope Boniface forbade French clergy from paying taxes to the French state—Philip IV the Fair enacted a law prohibiting the export of gold and silver from France. All gold and silver in France was to remain in France according to his will; but he was to have power over all the gold and silver. That was, one might say, his idiosyncrasy. Therefore, he tried to keep the gold and silver for himself and to give the rest of the people he ruled only token value; that is, he had the coins minted as poorly as possible in order to retain the gold in his gold and silver treasury and to add as little as possible to the coins. The unrest and outrage of the people over such measures could not deter him from continuing in this manner. So when he made a final attempt to mix as little gold and silver as possible into the coins, he was forced, by a popular uprising, to flee to the Templars’ sanctuary. There, driven by his own repressive measures, he had his treasure—his hoard of gold—hidden by the Templars. He was astonished at how quickly the Templars were able to quell the popular uprising. But at the same time, he was filled with fear, for he had seen how great the Templars’ moral power over the people was, and how little he—who was inspired solely by gold—could do in the face of the Templars’ moral power; for even back then, they already possessed rich treasures—treasures that were immensely vast— but who, according to their rule, were required to place all the wealth of their Order at the service of spiritual work and spiritual creation.

[ 10 ] Wenn eine Leidenschaft so stark wird, wie bei Philipp dem Schönen die Gold- und Silbergier war, dann preßt sie in der menschlichen Seele starke Kräfte aus, Kräfte, die einen starken Einfluß haben auf die Willensentfaltung gegenüber den übrigen Menschen. Beim Volke hatte Philipp der Schöne wenig Einfluß; um so mehr aber bei denjenigen, die seine Kreaturen waren, und das war denn doch ein großes Heer. Und er verstand seine Macht zu gebrauchen, dieser Philipp der Schöne. Als der Papst Bonifatius einst nicht seinen Willen tun wollte, das heißt, die Geistlichen in Frankreich möglichst viel bezahlen lassen wollte, da zettelte Philipp IV. der Schöne eine Verschwörung an gegen den Papst Bonifatius, und der Papst Bonifatius konnte nur noch von seinen Anhängern befreit werden. Er starb aus Gram sehr bald darauf. Das war zu derselben Zeit, als Philipp IV. der Schöne es unternahm, überhaupt die Kirche ganz und gar in die Gewalt des Königtums zu bringen, die Kirchenoberen nur zu Knechten der vom Golde regierten königlichen Gewalt zu machen. Deshalb brachte er es zustande, daß der Papst nach Avignon übersiedelte, und es begann unter Philipp dem Schönen die in der Geschichte oftmals genannte europäische «babylonische Gefangenschaft» der Päpste, die vom Jahre 1309 bis 1377 dauerte.

[ 10 ] When a passion becomes as strong as Philip the Fair’s greed for gold and silver, it unleashes powerful forces within the human soul—forces that exert a strong influence on the development of one’s will in relation to other people. Philip the Fair had little influence over the people; but all the more so over those who were his minions—and that was, after all, a vast army. And he knew how to use his power, this Philip the Fair. When Pope Boniface once refused to do his bidding—that is, to make the clergy in France pay as much as possible—Philip IV the Fair instigated a conspiracy against Pope Boniface, and Pope Boniface could only be rescued by his own followers. He died of grief very soon afterward. This was at the same time that Philip IV the Fair undertook to bring the Church entirely under the control of the monarchy, to make the Church leaders mere servants of the royal power governed by gold. Consequently, he arranged for the Pope to relocate to Avignon, and under Philip the Fair began the European “Babylonian Captivity” of the popes—often mentioned in history—which lasted from 1309 to 1377.

[ 11 ] Eine völlige Kreatur in den Händen Philipps IV. des Schönen von Frankreich war der Papst Clemens V., der vorher Bischof von Bordeaux gewesen war und dann in Avignon residierte, der nach und nach durch den gewaltigen Willen Philipps des Schönen so weit gekommen war, daß er gar nicht mehr einen eigenen Willen hatte, sondern wirklich seine kirchliche Gewalt nur dazu verwendete, um Philipp dem Schönen zu dienen, allem, was Philipp der Schöne wollte. Und Philipp der Schöne wollte vor allen Dingen, wie aus einer tiefen Leidenschaft heraus, sich zum Herren aller Reichtümer, die damals verfügbar waren, machen. Kein Wunder, daß er — vor allem, nachdem er gesehen hatte, welch andere Bedeutung das Gold auch haben kann in anderen Händen — vor allen Dingen diese anderen Hände vernichten wollte, die Hände der Templer, um ihr Gold zu erbeuten und sich in den Besitz ihres Goldes zu setzen, in den Besitz aller ihrer Schätze. Nun sagte ich: Solch eine Leidenschaft, die auf eine solch materielle Weise angeregt wird und die so intensiv ist, die erzeugt zugleich in der Seele starke Machtkräfte; sie erzeugt aber auch, wenn auch nach dem Ahrimanischen hin gehende, Erkenntnisse. Und so konnte es sein, daß in der Seele Philipps IV. des Schönen gewisse Erkenntnisse aufgingen, ich möchte sagen, von nachgeordneter Art, von derjenigen Weise des Erkennens, die wir aufflammen gesehen haben in herbster, abscheulicher Weise in den mexikanischen Mysterien. Was man bewirken kann, wenn man in der richtigen Weise Leben überwindet in der Welt, wenn auch in anderer Weise als die mexikanischen Eingeweihten, wenn auch nicht in so unmittelbarer, sondern mittelbarer Weise, das ging Philipp IV. dem Schönen auf. Und wie aus tief unterbewußten Impulsen heraus fand er die Mittel, aus dem Töten von Menschen heraus unterbewußte Impulse der Menschheitsentwickelung einzuverleiben. Dazu brauchte er seine Opfer. Und in einer ganz merkwürdigen Weise stimmte zusammen dieser teuflische Instinkt Philipps IV. des Schönen mit demjenigen, was sich auf der anderen Seite im Schoße der Templer notwendigerweise entwickelte durch ihr den gekennzeichneten Dingen geweihtes Leben.

[ 11 ] Pope Clement V—who had previously been Bishop of Bordeaux and then took up residence in Avignon—was a complete puppet in the hands of Philip IV the Fair of France. Gradually, through Philip the Fair’s overwhelming will, he had been reduced to the point where he no longer had a will of his own, but truly used his ecclesiastical authority solely to serve Philip the Fair, whatever Philip the Fair desired. And Philip the Fair desired above all else—as if driven by a deep passion—to make himself the master of all the riches available at that time. No wonder that he—especially after he had seen what other significance gold could have in other hands—wanted above all else to destroy those other hands, the hands of the Templars, in order to seize their gold and take possession of it, to take possession of all their treasures. Now I said: Such a passion, which is stirred in such a material way and is so intense, generates at the same time powerful forces within the soul; but it also generates insights, even if they tend toward the Ahrimanic. And so it could be that certain insights dawned in the soul of Philip IV the Fair—I would say, of a subordinate nature, of that mode of cognition which we have seen flare up in the most bitter, abominable way in the Mexican mysteries. Philip IV the Fair came to realize what one can achieve by overcoming life in the world in the right way—albeit in a different manner than the Mexican initiates, and though not in such a direct but rather in a more indirect way. And as if driven by deep subconscious impulses, he found the means to incorporate subconscious impulses for human development through the killing of people. For this, he needed his victims. And in a most remarkable way, this diabolical instinct of Philip IV the Fair coincided with what was necessarily developing on the other side within the bosom of the Templars through their life devoted to the things characterized by it.

[ 12 ] Selbstverständlich, wo so etwas Edles, Großes auftritt wie bei den Templern, da gliedert sich auch an dieses Große, Edle manches Ungehörige an, vielleicht auch manches Unmoralische; und daß es selbstverständlich auch Templer gegeben hat, denen man allerlei vorwerfen kann, das soll nicht bestritten werden. Aber im Sinne der Tempelrittergründung war das nicht. Im Sinne der Tempelrittergründung war zuerst das, was die Templer für Jerusalem geleistet hatten, und dann das, was zur Verchristung der ganzen europäischen Kultur geleistet werden konnte. Denn allmählich breiteten sich die Templer aus in einflußreichen Gesellschaften über England, Frankreich, Spanien und einen Teil Italiens, über Mitteleuropa, überall breiteten sich die Templer aus. Und bei einzelnen Templern bildete sich in einem höchsten Grade aus dieses ganze Erfülltsein der Seele mit dem Empfinden von dem Mysterium von Golgatha, mit dem Empfinden von all dem, was mit dem christlichen Impulse zusammenhängt. Stark und intensiv wurde die Kraft dieses Verbundenseins mit dem Christus in den Templern. Das war ein richtiger Templer, der gewissermaßen nichts mehr von sich wußte, sondern, wenn er empfand, den Christus in sich empfinden ließ, wenn er dachte, den Christus in sich denken ließ, wenn er begeistert war, den Christus in sich begeistert sein ließ. Waren es vielleicht wenige, aber gegenüber der gesamten Masse des Tempelrittertums war es immerhin eine stattliche Anzahl von Männern, in denen dieses Ideal eine völlige Umwandelung, eine ganze Metamorphose des Seelenlebens bewirkt hat, die Seele wirklich oft und oft herausgebracht hat aus dem Leibe, sie lieben hat lassen in der geistigen Welt.

[ 12 ] Of course, when something as noble and grand as the Templars emerges, many inappropriate—and perhaps even immoral—elements inevitably attach themselves to that greatness and nobility; and there is no denying that there were certainly Templars who could be accused of all sorts of things. But that was not in keeping with the spirit of the Knights Templar’s founding. In keeping with the spirit of the Knights Templar’s founding was, first and foremost, what the Templars had accomplished for Jerusalem, and then what could be accomplished toward the Christianization of the entire European culture. For gradually the Templars spread into influential circles throughout England, France, Spain, and parts of Italy, throughout Central Europe—everywhere the Templars spread. And in individual Templars, this complete filling of the soul with a sense of the Mystery of Golgotha, with a sense of all that is connected with the Christian impulse, developed to the highest degree. The power of this connection with Christ grew strong and intense within the Templars. That was a true Templar—one who, in a sense, was no longer aware of himself, but who, when he felt, allowed Christ to feel within him; when he thought, allowed Christ to think within him; and when he was inspired, allowed Christ to be inspired within him. Perhaps there were only a few, but compared to the entire body of the Knights Templar, it was nonetheless a considerable number of men in whom this ideal brought about a complete transformation—a veritable metamorphosis of their inner life—that truly and repeatedly lifted the soul out of the body, allowing it to love in the spiritual world.

[ 13 ] Dadurch war etwas ganz Merk würdiges im Kreise der Templer vor sich gegangen; etwas ganz großartigGewaltiges war dadurch im Kreise der Templer vor sich gegangen, ohne daß diese Templer gekannt hätten die Regeln der christlichen Initiation durch etwas anderes als durch den Opferdienst. Zuerst in den Kreuzzügen, dann in dem geistigen Wirken in Europa, wurde ihre Seele von der intensiven Hingabe an die christlichen Impulse und an das Mysterium von Golgatha so inspiriert, daß das Resultat war das Erleben der christlichen Einweihung bei vielen Templern, bei einer stattlichen Anzahl der Templer. Und wir haben das welthistorische Ereignis vor uns, daß auf weltgeschichtlichem Untergrunde einer Reihe von Männern aus den Untergründen, aus dem Schoße des menschlichen Werdens heraus die christliche Einweihung erwächst, das heißt, das Schauen derjenigen geistigen Welten, die dem Menschen zugänglich werden sollen durch die christliche Einweihung.

[ 13 ] As a result, something truly remarkable had taken place among the Templars; something truly magnificent and powerful had taken place among the Templars, even though these Templars knew the rules of Christian initiation through nothing other than the rite of sacrifice. First during the Crusades, then through their spiritual work in Europe, their souls were so inspired by their intense devotion to Christian impulses and to the Mystery of Golgotha that the result was the experience of Christian initiation among many Templars—a considerable number of them. And we have before us the world-historical event in which, against the backdrop of world history, Christian initiation arises from a group of men emerging from the depths, from the very womb of human becoming—that is, the beholding of those spiritual worlds that are to become accessible to human beings through Christian initiation.

[ 14 ] Das fordert immer Gegenkräfte heraus, Gegenkräfte, die ja in der damaligen Zeit reichlich vorhanden waren. Das, was also in die Welt tritt, wird nicht nur geliebt, es wird auch unbändig gehaßt. Weniger Haß als die Begierde, hinwegzuräumen von der Welt eine solche Gesellschaft und ihr ihre Schätze, die ihr reichlich zugeflossen waren und die sie nur verwenden sollte im Dienst des Geistes, zu entwenden, das lebte in Philipp IV. dem Schönen.

[ 14 ] This always provokes opposition—opposition that was, after all, abundant at that time. So whatever comes into the world is not only loved; it is also fiercely hated. It was less hatred than a desire to wipe out such a society from the world and to seize its treasures—treasures that had flowed to it in abundance and that it was meant to use only in the service of the spirit—that drove Philip IV the Fair.

[ 15 ] Nun ergibt sich immer für eine solche Initiation, wie sie jetzt die Folge war bei einer Reihe der Tempelritter, auch die Möglichkeit, nicht nur zu sehen das Beseligende, das Göttliche, sondern auch die luziferischen und ahrimanischen Kräfte zu sehen. Alles das, was dem Göttlichen entgegenwirkt, alles das, was den Menschen in die ahrimanische Welt hinunterzieht und in die luziferische Welt hinaufzieht, all das erscheint neben dem Einblick in die normalen geistigen Welten dem, der eine solche Initiation durchmacht. All die Leiden und all die Versuchungen und all die Anfechtungen, die an den Menschen herankommen durch die dem Guten gegnerischen Mächte, denen steht der also Initiierte gegenüber, und er hat schon Augenblicke, in denen vor seinem geistigen Blicke, vor dem Seelenblicke schwindet die gute geistige Welt, und er sich wie gefangen sieht von dem, was Macht über ihn gewinnen will, und sich in den Händen sieht der ahrimanisch-luziferischen Mächte, die ihn ergreifen wollen, die sich seines Willens, Denkens, Fühlens, Empfindens bemächtigen wollen. Das sind ja die aus den Schilderungen derjenigen, die in die geistige Welt hineingesehen haben, genugsam bekannten geistigen Anfechtungen. Und es war so mancher aus dem Kreise der Tempelritter, der einen tiefen Blick hineintun konnte in das Mysterium von Golgatha und seine Bedeutung, der einen tiefen Blick hineintun konnte in die christliche Symbolik, wie sie sich herausgebildet hatte durch die Entwickelung des Abendmahles, der den tiefen Hintergrund dieser Symbolik schauen konnte. Mancher, der infolge seiner christlichen Initiation hineinschauen konnte in das, was an christlichen Impulsen durch das geschichtliche Werden der europäischen Völker ging, mancher, der in diese Dinge hineinschauen konnte, sah aber auch anderes. Er erlebte es sozusagen an eigener Seele, weil es als Anfechtung über ihn kam, die er immer wieder überwand; die sich ihm zeigte, weil er erkennen mußte, wessen eine menschliche Seele fähig sein kann, wenn sie sich dessen auch nicht bewußt wird. Der Initiierte wird sich dessen bewußt und sucht zu überwinden, was im Uhnterbewußten sonst bleibt. So lernte manch solcher Tempelritter kennen jenen teuflischen Drang, der sich des menschlichen Wollens und Fühlens bemächtigt, herabzuwürdigen das Mysterium von Golgatha. Und in den Traumbildern, von denen solch ein Initiierter heimgesucht werden kann, erschien manchem visionär — das war bei der Art, wie diese Initiation entstanden war, durchaus möglich, namentlich da ja die luziferischen Kräfte versuchend an der Seite standen — gewissermaßen die Kehrseite der Verehrung des Symbols des Kruzifixus. Er sah in der Vision, wie die menschliche Seele fähig werden konnte, zu verunehren das Kreuzessymbolum, zu verunehren die heilige Handlung der Konsekration der Hostie; er sah jene menschlichen Kräfte, welche dahin drängen, ins alte Heidentum wiederum zurückzuführen, anzubeten das, was die Heiden angebetet haben und zu verachten den christlichen Fortschritt. Wie dieMenschenseele solchen Anfechtungen erliegen kann, das wußten diese Menschen, weil sie es bewußt überwinden mußten. Und Sie schauen da hinein in dieses Seelenleben, von dem wenig erzählt die äußere Geschichte.

[ 15 ] Now, such an initiation—as was recently the case with a number of Knights Templar—always presents the opportunity not only to see the blissful, the divine, but also to perceive the Luciferic and Ahrimanic forces. Everything that works against the divine, everything that pulls human beings down into the Ahrimanic world and up into the Luciferic world—all of this appears, alongside the insight into the normal spiritual worlds, to the one who undergoes such an initiation. All the sufferings, all the temptations, and all the trials that come upon human beings through the forces opposed to the good—the initiated person faces these, and there are moments when, before his spiritual gaze, before the gaze of his soul, the good spiritual world fades away, and he finds himself as if trapped by that which seeks to gain power over him, and sees himself in the hands of the Ahrimanic-Luciferic forces that seek to seize him, that seek to take possession of his will, thought, feeling, and sensation. These are, after all, the spiritual trials well known from the descriptions of those who have looked into the spiritual world. And there were many within the circle of the Knights Templar who were able to gaze deeply into the mystery of Golgotha and its significance, who were able to gaze deeply into Christian symbolism as it had taken shape through the development of the Last Supper, and who could perceive the profound background of this symbolism. Many who, as a result of their Christian initiation, were able to look into the Christian impulses that flowed through the historical development of the European peoples—many who could look into these things—also saw something else. He experienced it, so to speak, in his own soul, because it came upon him as a trial that he repeatedly overcame; it revealed itself to him because he had to recognize what a human soul is capable of, even if it remains unaware of it. The initiate becomes aware of this and seeks to overcome what would otherwise remain in the unconscious. Thus, many such Knights Templar came to know that diabolical impulse which seizes hold of human will and feeling, seeking to debase the Mystery of Golgotha. And in the dream images that can haunt such an initiate, it appeared to many—which was entirely possible given the nature of how this initiation had come about, especially since the Luciferic forces were standing by, tempting them—as it were, the flip side of the veneration of the symbol of the crucifix. In the vision, he saw how the human soul could become capable of desecrating the symbol of the cross, of desecrating the sacred act of the consecration of the Host; he saw those human forces that urge a return to the old paganism, to worship what the pagans worshipped, and to despise Christian progress. These people knew how the human soul can succumb to such temptations, because they had to consciously overcome them. And you are looking into this inner life of the soul, about which external history tells us very little.

[ 16 ] So ein rechtes Wissen, wenn auch nur instinktiver Art, von diesen Tatsachen des Seelenlebens hatte durch seine ahrimanische Gold-Initiation auch Philipp IV. der Schöne. Der wußte etwas davon, bis zu dem Grade sogar, daß er es seinen Kreaturen mitteilen konnte. Und nun wurde, nachdem man eine grausame Gerichtsprozedur heraufbeschworen hatte, durch die man allerlei Untersuchungen angestellt hatte, etwas in Szene gesetzt, was von vornherein beschlossen war. Man machte, angestiftet von Philipp IV. dem Schönen, mit den Kreaturen, die zu der Untersuchung herangezogen waren gegen die Templer, Anschläge. Aller möglichen Laster, von denen man wußte, daß sie sie nicht hatten, wurden sie angeklagt. Man hat sie eines Tages in Frankreich überfallen, um sie alle einzusperren, und nachdem man sie eingesperrt hatte, hat man sich möglichst schnell aller ihrer Schätze gleich bemächtigt, sie alle konfisziert.

[ 16 ] Through his Ahrimanic Gold Initiation, Philip IV the Fair also possessed a true knowledge—albeit of a purely instinctive nature—of these facts of the inner life. He knew something of this, even to the extent that he could share it with his subjects. And now, after a cruel legal process had been set in motion—through which all manner of investigations had been conducted—something was staged that had been decided from the outset. Instigated by Philip IV the Fair, plots were hatched against the Templars using the individuals who had been called upon to participate in the investigation. They were accused of every possible vice, even though it was known that they were not guilty of any of them. One day in France, they were raided so that they could all be imprisoned, and after they had been imprisoned, all their treasures were seized as quickly as possible and confiscated.

[ 17 ] Man machte nun Gerichtsprozeduren, in denen, ganz unter dem Einflusse Philipps IV. des Schönen, die Folter in ausgiebigstem Maße angewendet wurde. Alle nur auftreibbaren Tempelritter wurden den schlimmsten Folterungen unterworfen. So wurde hier die Folter angewendet zu ähnlichen Überwindungen des Lebens, wie Sie sie ja in ihrer Bedeutung kennengelernt haben. Möglichst viele Leute zu foltern, das gehörte mit in die Intentionen Philipps des Schönen. Und die Folterung wurde in der grausamsten Weise vollzogen, so daß eine große Zahl, ja die größte Zahl der gefolterten Tempelritter bis zur Bewußtlosigkeit gefoltert wurden. Das wußte Philipp IV. der Schöne, was da herauskommt, wenn das Bewußtsein getrübt wurde, wenn diese Leute auf der Folter liegen unter den entsetzlichsten Qualen; er wußte: da kommen die Bilder der Anfechtungen heraus! Und nun wurde unter Anstiftung Philipps IV. des Schönen eine Katechisierung zusammengestellt, ein Katechismus von Suggestionsfragen, so daß man die Fragen so stellte, daß immer in der Frage herausgefordert wurde die Antwort, und die Antwort gegeben aus dem durch die Folter getrübten Bewußtsein. Die Frage wurde gestellt: Habt ihr die Hostie verleugnet und bei der Konsekration nicht die Konsekrationsworte gesprochen? — Und die Tempelritter gestanden das, weil ihr Bewußtsein getrübt war durch die Folter, weil die dem Guten entgegenstehenden Mächte aus ihren Visionen heraus sprachen. Und sie klagten sich an, während sie in ihrem bewußten Leben dem Kreuzessymbolum, dem Kruzifixus, die höchste Verehrung entgegenbrachten, daß sie es bei der Aufnahme anspeien; und sie klagten sich an aller der schlimmsten Verbrechen, die in dieser Zeit sonst als Anfechtungen in ihrem Unterbewußtsein lebten. Und so stellte man zusammen aus dem, was die Tempelritter gestanden haben auf der Folter, daß diese Tempelritter angebetet hätten ein Idol statt des Christus, ein Idol eines Menschenkopfes, dessen Augen leuchtend werden, daß sie bei ihrer Aufnahme widerwärtigen Prozeduren schlimmster geschlechtlicher Art unterworfen würden, daß sie die Wandlung nicht in der richtigen Weise vollziehen, daß sie die schlimmsten geschlechtlichen Laster treiben, daß sie eben bei ihrer Aufnahme abschwören das Mysterium von Golgatha; und man hatte die ganze Katechisierung so eingerichtet, daß selbst der Großmeister des Templerordens unter der Folter gezwungen worden ist, aus dem Unterbewußten heraus diese Zugeständnisse zu machen.

[ 17 ] Legal proceedings were then initiated in which, entirely under the influence of Philip IV the Fair, torture was employed to the fullest extent. Every Knight Templar who could be tracked down was subjected to the most horrific forms of torture. Thus, torture was used here to break people’s will to live in ways similar to those you have come to understand in terms of their significance. Torturing as many people as possible was part of Philip the Fair’s intentions. And the torture was carried out in the most cruel manner, so that a large number—indeed, the vast majority—of the tortured Knights Templar were tortured to the point of unconsciousness. Philip IV the Fair knew what would emerge once consciousness was clouded, once these people lay on the rack enduring the most horrific torments; he knew: that is when the images of the trials would emerge! And now, at the instigation of Philip IV the Fair, an interrogation protocol was devised—a catechism of leading questions—so that the questions were phrased in such a way that the answer was always elicited by the question itself, and the answer was given from a mind clouded by torture. The question was asked: “Have you denied the Host and failed to recite the words of consecration during the consecration?”—And the Knights Templar confessed to this, because their consciousness was clouded by torture, because the forces opposed to the Good spoke through their visions. And they accused themselves—even though in their conscious lives they had shown the highest veneration for the symbol of the cross, the crucifix—of spitting on it during Communion; and they accused themselves of all the worst crimes that otherwise existed in their subconscious at that time as temptations. And so, based on what the Knights Templar confessed under torture, it was concluded that these Knights Templar had worshiped an idol instead of Christ, an idol in the form of a human head whose eyes glow, that during their initiation they were subjected to repulsive procedures of the worst sexual nature, that they did not perform the Eucharist in the proper manner, that they engaged in the worst sexual vices, and that during their initiation they renounced the Mystery of Golgotha; and the entire interrogation had been arranged in such a way that even the Grand Master of the Order of the Templars was forced under torture to make these admissions from his subconscious.

[ 18 ] Es ist eines der traurigsten Kapitel der Menschheitsgeschichte, aber eines derjenigen Kapitel der Menschheitsgeschichte, die man nur verstehen kann, wenn man sich klar ist darüber, daß hinter dem Schleier dessen, wovon die Geschichte erzählt, wirksame Kräfte stehen, und daß das Menschenleben wahrhaftig ein Kämpfen ist. Es wäre eine Leichtigkeit — ich will jetzt alles übrige, was noch zu erzählen wäre, weglassen wegen der kurzen Zeit — zu zeigen, wie alle Scheingründe dafür sprachen, die Templer zu verurteilen. Manche blieben bei den Geständnissen, manche flüchteten; ein großer Teil wurde verurteilt, und wie gesagt, selbst der Großmeister, Jakob Bernhard von Molay, wurde durch die Folter gezwungen, in der gekennzeichneten Weise auszusagen. Und so kam es denn, daß Philipp IV. der Schöne von Frankreich es dahin bringen konnte, seine Kreatur, den Papst Clemens V. zu überzeugen — es war nicht schwierig! —, daß die Templer alle die schändlichsten Laster begangen hätten, daß sie die unchristlichsten Ketzer seien. Alles das segnete der Papst Clemens V. auch mit seinem Segen, und es wurde von Clemens V. der Templerorden aufgehoben, vernichtet. Vierundfünfzig Tempelritter, auch Jakob Bernhard von Molay, wurden verbrannt. In den übrigen europäischen Ländern wurde ihnen bald danach auch der Prozeß gemacht, in England, in Spanien, dann auch bis nach Mitteleuropa, Italien herein.

[ 18 ] It is one of the saddest chapters in human history, but one of those chapters in human history that can only be understood if one realizes that behind the veil of what history recounts there are active forces at work, and that human life is truly a struggle. It would be easy—I will now omit everything else that remains to be told due to time constraints—to show how all the spurious reasons pointed to the conviction of the Templars. Some stuck to their confessions, some fled; a large number were convicted, and as I said, even the Grand Master, Jacques Bernard de Molay, was forced under torture to testify in the manner described. And so it came to pass that Philip IV the Fair of France was able to persuade his puppet, Pope Clement V—it was not difficult!—that the Templars had committed the most shameful vices and were the most unchristian heretics. Pope Clement V gave his blessing to all of this, and the Order of the Templars was dissolved and destroyed by Clement V. Fifty-four Knights Templar, including Jakob Bernhard von Molay, were burned at the stake. Soon afterward, trials were held against them in the other European countries as well—in England, in Spain, and then as far as Central Europe and Italy.

[ 19 ] So sehen wir, wie hineindringt mitten in die europäische Entwickelung dasjenige, was die Auffassung des Mysteriums von Golgatha und seiner Wirksamkeit durch den Templerorden war. Im tieferen Sinne müssen die Dinge doch angesehen werden als von einer gewissen Notwendigkeit bedingt. So aufzunehmen die Impulse von Weisheit, Schönheit, Stärke, wie die Templer das wollten, dazu war die Menschheit zu der Templer Zeiten noch nicht reif. Und außerdem war es durch Gründe, die wir auch noch kennenlernen werden später, durch Gründe, die in der gesamten europäischen Geistesentwickelung liegen, bedingt, daß nicht in der Form, in der die Templer sich in die geistige Welt hineinleben, diese geistige Welt errungen werden sollte. Sie wäre zu schnell errungen worden, wie es luziferische Art ist. Und wir sehen wirklich einen der bedeutungsvollsten Zusammenstöße Luzifers und Ahrimans: Luzifer nur die Templer gleichsam hindrängend, in ihr Unglück hineindrängend; Ahriman durch die Inspiration Philipps IV. des Schönen wirksam. Wir sehen ein bedeutsames Zusammenstoßen in der Weltgeschichte.

[ 19 ] Thus we see how, right in the midst of European development, the Templar Order’s understanding of the Mystery of Golgotha and its effects made its way into the cultural fabric. In a deeper sense, these events must be viewed as having been brought about by a certain necessity. Humanity was not yet ripe in the time of the Templars to receive the impulses of wisdom, beauty, and strength in the way the Templars intended. Moreover, for reasons we will come to understand later—reasons rooted in the overall development of the European spirit—it was not destined for this spiritual world to be attained in the form in which the Templars sought to immerse themselves in it. It would have been attained too quickly, as is the Luciferic way. And we truly see one of the most significant clashes between Lucifer and Ahriman: Lucifer, as it were, pushing the Templars into their misfortune; Ahriman, active through the inspiration of Philip IV the Fair. We see a significant clash in world history.

[ 20 ] Dasjenige aber, was in den Templern lebte und wirkte, das konnte nicht ausgerottet werden. Geistiges Leben kann nicht ausgerottet werden. Geistiges Leben lebt und webt fort. Mit den Templern, gerade mit jenen vierundfünfzig, die dazumal verbrannt worden waren durch Philipp IV., war allerdings manche Seele in die geistige Welt hinaufgezogen, die auf der Erde noch manches gewirkt hätte im Sinne der Templer, und auch Schüler herangezogen hätte, die in demselben Sinne gewirkt hätten. Aber es sollte anders kommen. Durch jene Erfahrungen, die die Seelen durchgemacht hatten unter den furchtbarsten Folterqualen, unter dem Einflusse des unter der Folter erpreßten Visionsgeständnisses, lebten sich diese Seelen in die geistige Welt hinauf. Und ihre Impulse, die nun zwischen ihrem Tode und ihrer nächsten Geburt, ihrer nächsten Inkarnation auf die Seelen ausgehen, die herunter gekommen sind seither, und auch auf die Seelen, die noch oben sind und auf ihre Inkarnation warten seit jener Zeit, die sollten verwandelt werden aus der Art und Weise der Wirksamkeit in der physischen Erdenwelt in geistige Wirksamkeit. Und zum Inspirationsprinzip für viele sollte das werden, was jetzt von diesen Templerseelen kam, die auf diese elende Art hingemordet worden sind und die noch erleben mußten vor ihrem Tode, vor dem Verbrennungstode, ein Furchtbarstes, das ein Mensch erleben kann. Es sollten aus diesen Erlebnissen gewaltige Impulse in menschliche Seelen herunterfließen. Und bei mancher menschlichen Seele könnten wir dieses nachweisen.

[ 20 ] But what lived and worked within the Templars could not be eradicated. Spiritual life cannot be eradicated. Spiritual life continues to live and weave its way forward. With the Templars—especially those fifty-four who had been burned at the stake by Philip IV—many a soul had indeed ascended into the spiritual world, souls that would have accomplished much more on Earth in the spirit of the Templars and would also have drawn disciples who would have worked in the same spirit. But things were to turn out differently. Through the experiences those souls had endured amid the most terrible torments of torture, and under the influence of the visionary confession extorted under torture, these souls ascended into the spiritual world. And their impulses—which now, between their death and their next birth, their next incarnation, affect the souls that have descended since then, as well as the souls who are still above and have been waiting for their incarnation since that time—were to be transformed from the mode of activity in the physical earthly world into spiritual activity. And what now came from these Templar souls—who had been murdered in such a wretched manner and who, before their death, before being burned at the stake, had to endure the most terrible ordeal a human being can experience—was to become a source of inspiration for many. Powerful impulses were to flow down into human souls from these experiences. And in the case of many a human soul, we could demonstrate this.

[ 21 ] Wir wollen auch heute mehr im Erkenntnis- und geistigen Gebiete bleiben, wie ich das in den anderen Fällen tat, wo ich in den letzten Tagen Beispiele gegeben habe. Inspiration auch des kosmischen Wissens der Templer, sie wurde immer gegeben. Daß schließlich das Volk nach und nach auch die Templer als Ketzer angesehen, nachdem sie gefoltert und verbrannt worden waren, das ist ja nicht zu verwundern; daß das Volk auch geglaubt hat, daß sie alles mögliche Schändliche getrieben haben, das ist nicht zu verwundern. Ich weiß nicht, wenn es jemand gefallen würde, das Teufels-Spiel, das gerade vorhin aufgeführt worden ist, in welchem Mephisto, die Lemuren, die Dick- und Dürrteufel auftreten, als besonders ketzerisch zu verdammen, ob sich nicht zahlreiche Menschen aus dem Volk finden würden, die das auch als etwas Ketzerisches ansehen würden! Nur daß man nicht mehr dieselben Mittel in der heutigen, etwas wehleidigeren Zeit anwendet, wie sie PhilippIV. der Schöne von Frankreich anwandte.

[ 21 ] Today, too, we want to focus more on the realms of knowledge and spirituality, as I have done in the other examples I’ve given over the past few days. Inspiration—including that derived from the Templars’ cosmic knowledge—was always present. It is hardly surprising that the people eventually came to regard the Templars as heretics after they had been tortured and burned; nor is it surprising that the people also believed they had engaged in all manner of shameful acts. I do not know whether, if someone were to condemn the “Devil’s Play”—which was performed just a moment ago, featuring Mephisto, the Lemures, and the Fat and Skinny Devils—as particularly heretical, there would not be numerous people among the common folk who would also regard it as heretical! It’s just that in today’s somewhat more whiny times, people no longer use the same methods that Philip IV the Fair of France employed.

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[ 22 ] In so manche Seele ist das kosmische Wissen, das diese Templer gehabt haben, hineingegangen. Viele Beispiele könnte man anführen, wie die Templer-Inspiration in die Seelen gezogen ist. Ich will Ihnen nur eine Stelle vorlesen aus dem 1838 erschienenen Gedichte «Ahasver» von Julius Mosen. Ich habe Ihnen Mosen schon öfter — Sie können das in den Zyklen nachlesen — als einen recht tiefen Geist angeführt, Julius Mosen, den tiefsinnigen Dichter der tiefsinnigen Dichtung auch des «Ritter Wahn». Im dritten Teil des «Ahasver» führt gleich im ersten Gesange Mosen seinen Ahasver nach derjenigen Stätte der Erde hin, wo auf Ceylon und den angrenzenden Inseln die Gegend zu suchen ist, die wir in unserer Geisteswissenschaft in der Kosmologie als die Gegend bezeichnen, wo sich ungefähr die lemurische Entwickelung abgespielt hat. Diese Gegend der Erde, die ist auf eine besondere Weise ausgezeichnet. Sie wissen, daß es einen gewissen Punkt gibt — nicht den geographischen Nordpol, sondern einen gewissen Punkt, den magnetischen Nordpol. Die Magnetnadeln weisen überall nach dem magnetischen Nordpol hin. Gewisse Linien kann man als magnetische Meridiane ziehen; die fallen mit dem magnetischen Nordpol zusammen. Oben in Nordamerika, wo der magnetische Nordpol liegt, da sind die Linien ziemliche Kreise, aber gerade Kreise. Merkwürdigerweise gerade in der Gegend, die wir als die lemurische bezeichnen, wird diese Linie eine verschlungene Schlangenlinie. Die magnetischen Kräfte verschlingen sich dort schlangenförmig. Solche Dinge beachtet man heute viel zu wenig. Derjenige, der auf das Lebendige unserer Erde sieht, der weiß aber, daß der Magnetismus wie eine die Erde belebende Kraft ist, daß er im Norden gerade geht und sich schlängelt gerade in dem Gebiete, wo das alte Lemurien war. Denken Sie, wie tiefsinnig Julius Mosen, als er seinen Ahasver hinführt nach dieser Gegend im ersten Gesang der dritten Frist — er teilt ein in Fristen —, wie er da sagt:

[ 22 ] The cosmic knowledge possessed by the Templars has found its way into many a soul. One could cite many examples of how the Templars’ inspiration has entered people’s souls. I would like to read just one passage to you from the poem “Ahasver” by Julius Mosen, published in 1838. I have often mentioned Mosen to you—you can read about this in the cycles—as a truly profound spirit: Julius Mosen, the profound poet of profound poetry, including “Ritter Wahn.” In the third part of Ahasver, right in the first canto, Mosen leads his Ahasver to that place on Earth—in Ceylon and the neighboring islands—which we in our spiritual science, in cosmology, designate as the region where the Lemurian evolution roughly took place. This region of the Earth is distinguished in a special way. You know that there is a certain point—not the geographic North Pole, but a certain point, the magnetic North Pole. Compass needles point everywhere toward the magnetic North Pole. Certain lines can be drawn as magnetic meridians; these coincide with the magnetic North Pole. Up in North America, where the magnetic North Pole is located, these lines form fairly circular patterns, but they are straight circles. Curiously, precisely in the region we refer to as Lemuria, this line becomes a winding, serpentine path. The magnetic forces intertwine there in a serpentine pattern. Such things are given far too little attention today. But anyone who looks at the living nature of our Earth knows that magnetism is a force that animates the Earth, that it runs straight in the north and winds its way precisely in the region where ancient Lemuria once lay. Consider how profoundly Julius Mosen, when he leads his Ahasver to this region in the first canto of the third period—he divides the work into periods—how he says there:

Vom Südpol aus in ganz geradem Gange
Zieht die magnet’sche Linie sich vor,
Doch plötzlich krümmt sie sich wie eine Schlange

Vor Indien und seinem Archipele —
Dort vor dem Kerker, wo gebunden sitzt
Die ewge Mutter, Weh in tiefster Seele.

Die Linie möcht’ zum Kreise sich verkürzen
Und in sich selbst hinein geheimnisvoll
Mit einemmal in einen Wirbel stürzen.

Der große Geist hielt dort zuerst umschlungen
Sein armes Weib, dort sind aus ihrer Glut
Die Erddämonen allzumal entsprungen.

Als so die erste Schöpfung ausgedampft,
Hat er, der Große, unnennbare Geist
Im Zorn das Brautbett in das Meer gestampft.

From the South Pole, in a perfectly straight line
The magnetic line stretches out,
But suddenly it curves like a snake

Before India and its archipelagos —
There, before the dungeon where she sits bound
The eternal mother, sorrow in her deepest soul.

The line would like to shorten itself into a circle
And, mysteriously, turn inward
Suddenly plunging into a whirlwind.

The Great Spirit first held her there in his embrace
His poor wife—from her fiery passion
All the earth demons sprang forth.

When the first creation had thus evaporated,
He, the Great, Unnameable Spirit
In his wrath, stamped the bridal bed into the sea.

[ 23 ] Und so geht es weiter. Wir sehen da auftauchen eine Inspiration mitkosmischem Wissen, wunderbar ahnend. Die Weisheit lebt weiter, die unter Schmerzen, unter Qualen, unter Verfolgungen, unter furchtbarsten Sünden nur in die Welt einziehen konnte; aber vergeistigt lebt sie weiter.

[ 23 ] And so it continues. We see an inspiration emerge there, imbued with cosmic knowledge, wonderfully intuitive. The wisdom lives on—the wisdom that, amid pain, torment, persecution, and the most terrible sins, could only find its way into the world; but in a spiritualized form, it lives on.

[ 24 ] Und suchen wir eine der schönsten Vergeistigungen dieser Weisheit, die, wie beschrieben, in die Weltenentwickelung Europas eingezogen ist, so finden wir sie eben in alle dem, was wirken und leben will in den gewaltigen Imaginationen Goethes. Goethe wußte um das Geheimnis der Templer. Und nicht umsonst hat er das Gold in der Weise, wie er es verwendet hat, verwendet in seinem Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie und gefordert, daß die Schlange das Gold verzehre und sich dann opfere, damit das Gold entrissen werde den Mächten, von denen Goethe wahrhaftig wußte, daß es nicht bei ihnen sein darf, bleiben darf. Mit Gold ist selbstverständlich hier auch all dasjenige gemeint, wofür das Gold reales Symbolum ist. Und lesen Sie das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie von Goethe noch einmal, und versuchen Sie zu fühlen, wie Goethe das Geheimnis vom Golde kannte und wie er durch die Art und Weise, wie er das Gold durch das Märchen fließen ließ, zeigt, daß er in alte Zeiten zurückblickt. Ich darf vielleicht da das persönliche Geständnis einfügen, daß, als ich mir zum ersten Male gerade die Frage nach dem Golde in Goethes Märchen in den achtziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts vorlegte, mir der Sinn des Goetheschen Märchens von der grünen Schlange und der schönen Lilie durch die Fortentwickelung des Goldes in dem Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie aufging. Durch die Art und Weise, wie Goethe das Gold durch dieses Märchen fließen läßt, zeigt er, wie er zurückblickt in die Zeiten, in denen die Weisheit — für die auch das Gold steht, daher der goldene König der Weisheit — solchen Verfolgungen ausgesetzt war, wie die geschilderten waren. Nun versuchte er zu zeigen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In die Zukunft der osteuropäischen Kultur sah Goethe instinktiv hinein. Er sah hinein in das Unberechtigte der Art, wie dort das Sünden- und Todesproblem wirkte. Und wenn man vielleicht nicht ganz ungeeignet bezeichnen wollte, welcher Nationalität der Mensch ist, der dann zum Tempel und zur schönen Lilie geführt wird, der zuerst wie ohne Mark auftritt, wie gelähmt: nach dem, was wir über die Kultur des Ostens, namentlich die russische Kultur in den letzten Tagen sagen mußten, werden Sie es nicht als ungereimt erachten, russischer Nationalität diesen Menschen zu finden, und Sie werden Goethes Instinkt damit ziemlich treffen. Es ist das Geheimnis des europäischen Werdens im fünften nachatlantischen Zeitraum ebenso darinnen, wie es Goethe in seiner Zeit in seinen «Faust» hineingeheimnissen konnte, insbesondere — das wissen wir aus seinen eigenen Mitteilungen — wie es im zweiten Teil seines «Faust» darinnen ist. Gerade an Goethe läßt sich zeigen, und wir haben es für verschiedene Punkte schon getan, es soll in der Zukunft für andere Punkte noch gezeigt werden, daß er anhebt, mit jenem Denken und mit jener Art die Welt anzusehen und in die Welt sich hineinzufühlen, wie es die Grundforderung des fünften nachatlantischen Zeitraums ist.

[ 24 ] And if we seek one of the most beautiful spiritualizations of this wisdom—which, as described, has become part of the development of the European world—we find it precisely in all that seeks to act and live within Goethe’s mighty imaginings. Goethe knew the secret of the Templars. And it was not for nothing that he used gold in the way he did in his fairy tale of the Green Snake and the Beautiful Lily, demanding that the snake devour the gold and then sacrifice itself so that the gold might be wrested from the powers of which Goethe truly knew that it must not remain with them. Of course, “gold” here also refers to everything for which gold is a real symbol. And read Goethe’s fairy tale “The Green Snake and the Beautiful Lily” once more, and try to sense how Goethe knew the secret of gold and how, through the way he let gold flow through the fairy tale, he shows that he is looking back to ancient times. Perhaps I may insert a personal confession here: when I first asked myself the very question about gold in Goethe’s fairy tale in the 1880s, the meaning of Goethe’s fairy tale “The Green Snake and the Beautiful Lily” dawned on me through the further development of the gold within the story. Through the way Goethe allows gold to flow through this fairy tale, he shows how he looks back to the times when wisdom—for which gold also stands, hence the golden king of wisdom—was subjected to persecutions such as those described. In this way, he sought to reveal the past, the present, and the future. Goethe instinctively looked into the future of Eastern European culture. He saw the injustice in the way the problem of sin and death operated there. And if one were to describe—perhaps not entirely inappropriately—the nationality of the person who is then led to the temple and the beautiful lily, who at first appears as if without spirit, as if paralyzed: given what we have had to say in recent days about the culture of the East—namely, Russian culture—you will not find it incongruous to identify this person as Russian, and in doing so you will be quite in line with Goethe’s instinct. The secret of European development in the fifth post-Atlantean epoch lies just as much in this as Goethe was able to enshrine in his Faust in his own time, particularly—as we know from his own writings—as it is contained in the second part of his Faust. It is precisely in Goethe that it can be demonstrated—and we have already done so for various points, and it is to be demonstrated in the future for other points as well—that he begins to think and to view the world and empathize with it in the manner that is the fundamental requirement of the fifth post-Atlantean epoch.

[ 25 ] Ein richtiger Fortsetzer des Tempelherrenlebens, aber in Vergeistigung, so wie ich es charakterisiert habe, ist doch in Goethe da. Nur wird erst langsam und allmählich gerade dieser Goetheanismus in das menschliche Verständnis hineinkommen können. Für gewisse Punkte, sagte ich, habe ich schon gezeigt, wie in dem Goetheanismus geradezu der Impuls für alles Geisteswissenschaftliche liegt. Aus Goethe heraus kann alles Geisteswissenschaftliche entwickelt werden. Und in einem öffentlichen Vortrage, den ich vor kurzer Zeit gehalten habe, habe ich gezeigt, wie in Goethes Metamorphosenlehre die erste elementare wissenschaftliche Begründung der Reinkarnationslehre, der Lehre von den wiederholten Erdenleben liegt. Denn, wie Goethe die Metamorphosenlehre beginnt und zeigt, wie das Blatt sich in die Blüte verwandelt, wie ein Organ in verschiedenen Formen erscheint, darin liegt beschlossen, wenn man es durchdringend durchführt, das, was ich nun auch hier schon ausführte: daß des Menschen Haupt ein umgewandelter übriger Leib sei und der übrige Leib ein noch nicht umgewandeltes menschliches Haupt. Metamorphose im äußersten Maße, die unmittelbar so der Wissenschaft zur Reinkarnationserkenntnis, zur Erkenntnis der wiederholten Erdenleben werden wird! Aber Goethe ist noch wenig verstanden worden; Goethe muß sich erst einleben in die Menschheitskultur. Und nicht nur Jahrhunderte, Jahrtausende werden nötig sein, um vieles zu ergründen, was in Goethe liegt. Denn im Grunde genommen gibt es heute noch nicht einmal eine Grundlage für ein Goethe-Studium durch eine wirklich im Goetheschen Stile selbst gehaltene Goethe-Monographie oder -Biographie.

[ 25 ] Goethe is, after all, a true successor to the Templar way of life—but in a spiritualized form, just as I have characterized it. However, it is only slowly and gradually that this very Goetheanism will be able to find its way into human understanding. As I said, I have already shown how, in certain respects, Goetheanism provides the very impulse for all spiritual science. Everything in spiritual science can be developed from Goethe. And in a public lecture I gave a short time ago, I showed how Goethe’s theory of metamorphosis contains the first elementary scientific foundation for the doctrine of reincarnation—the doctrine of repeated earthly lives. For in the way Goethe begins his theory of metamorphosis and shows how the leaf transforms into the flower, how an organ appears in various forms—in this, if one follows it through to its logical conclusion, lies what I have already expounded here: that the human head is a transformed remnant of the body, and the rest of the body is a human head not yet transformed. Metamorphosis in the most extreme sense, which will directly lead science to the knowledge of reincarnation, to the knowledge of repeated earthly lives! But Goethe has been little understood so far; Goethe must first take root in human culture. And it will take not just centuries, but millennia, to fathom much of what lies within Goethe. For, fundamentally speaking, there is not even a foundation today for the study of Goethe through a monograph or biography written in Goethe’s own style.

[ 26 ] Sehen wir, was innerhalb der modernen Kultur in einzelnen Fällen wir können ja nur einzelne Beispiele anführen — geleistet worden ist für das Verständnis der Gesamtpersönlichkeit Goethes. Herman Grimm hat zum Beispiel mit Recht gesagt: Da hat ein gewisser Mister Lewes ein Buch geschrieben — es war eine Zeitlang das allerberühmteste Buch über Goethe, sogar das allerbeste, kann man sagen —, ein Buch, das handelt von einer gewissen Persönlichkeit, die 1749 in Frankfurt am Main geboren sein soll, einen Frankfurter Ratsherrn zum Vater haben soll, die dann so sich entwickelt, daß ihr Goethes Jugendleben angedichter wird, der allerlei anderes von Goethe angedichtet wird, der Goethes Werke zugeschrieben werden, die auch in demselben Jahre nach Italien reiste, in dem Goethe nach Italien gereist ist, die auch in demselben Jahre stirbt, in dem Goethe stirbt — aber Goethe ist es nicht, sondern es ist ein Phantasiegeschöpf des Mister Lewes!

[ 26 ] Let us see what has been accomplished within modern culture—in individual cases, since we can only cite a few examples—toward understanding Goethe’s personality as a whole. Herman Grimm, for example, rightly said: A certain Mr. Lewes wrote a book—for a time it was the most famous book about Goethe, even the very best, one might say—a book that deals with a certain person who is said to have been born in Frankfurt am Main in 1749, whose father is said to have been a Frankfurt councilman, and who then develops in such a way such that Goethe’s early life is attributed to him, all sorts of other things are attributed to him, Goethe’s works are attributed to him, he traveled to Italy in the same year that Goethe traveled to Italy, and he died in the same year that Goethe died—but it is not Goethe; rather, he is a figment of Mr. Lewes’s imagination!

[ 27 ] Dann haben wir ein verhältnismäßig auch gutes Buch, in dem mit einem Riesenfleiße, besser als vieles andere, was über Goethe geschrieben worden ist, Goethes Leben und Schaffen beschrieben wird, aber ganz erfüllt von der ersten bis zur letzten Seite mit Haß und Abneigung: das Buch des Jesuiten Baumgartner, ein ausgezeichnetes Buch, aber eben ein jesuitisches Buch, ein Goethe-gegnerisches Buch, ein Buch, das jedenfalls besser geschrieben ist als alle die zahlreichen Bücher, die über Goethe geschrieben worden sind im Laufe des 19. Jahrhunderts und bis in das 20. Jahrhundert herein, von denen eine große Anzahl unangenehm zu genießen sind, weil man immerfort niesen muß: man bekommt in die Nase den Bibliothekstaub und den Schulgelehrtenstaub, welcher noch anhaftert diesen Büchern, die von Schulfüchsen über Goethe — sie nennen es Goethe — geschrieben worden sind, manchmal nicht ohne besonderen schulfüchsigen Hochmut geschrieben worden sind, aber muffig zu genießen, entweder wegen des Bibliothekstaubs oder wegen der Luft, die man einatmen muß, wenn man ahnt, wie oft der Betreffende, der da über «Faust» schreibt, bei dieser oder jener Goethe-Stelle das Grimmsche oder ein anderes Wörterbuch aufgeschlagen hat, um dieses oder jenes Wort bei Goethe zu entziffern, und dergleichen mehr. Man könnte sagen: Oh, schauervoll, höchst schauervoll, was auf diesem Gebiete geschrieben worden ist!

[ 27 ] Then there is a book that is also relatively good, in which Goethe’s life and work are described with tremendous diligence—better than in much of what has been written about Goethe—but which is entirely filled, from the first page to the last, with hatred and aversion: the book by the Jesuit Baumgartner—an excellent book, but precisely a Jesuit book, a book hostile to Goethe, a book that is, in any case, better written than all the numerous books written about Goethe throughout the 19th century and well into the 20th century, a large number of which are unpleasant to read because one is constantly sneezing: one gets a whiff of library dust and the dust of pedantic scholars, which still clings to these books written by school foxes about Goethe—they call it Goethe—books that were sometimes written not without a particular school-fox-like arrogance, but they are a musty read, either because of the library dust or because of the air one must breathe in when one senses how often the person writing about Faust has opened a Grimm dictionary or some other dictionary at this or that passage in Goethe in order to decipher this or that word in Goethe, and so on. One might say: Oh, how dreadful, utterly dreadful, what has been written in this field!

[ 28 ] Ein Buch ragt allerdings ganz außerordentlich hervor. Es ist das Buch, in dem die Goethe-Vorlesungen von Herman Grimm enthalten sind, die er in den siebziger Jahren an der Berliner Universität gehalten hat. Herman Grimm war allerdings ein Geist, welcher den besten Willen und die wunderbarsten Traditionen hatte, um sich in Goethe einzuleben. Und so ist denn sein Buch ein geistvolles, ein ausgezeichnetes Buch, ein Buch, das herausgewachsen ist aus der Goethe- Atmosphäre. Es ist ja Herman Grimm aufgewachsen in dem Zeitalter, das überall noch Goethesche Traditionen hatte. Aber dieses Buch zeigt gerade wiederum Bedeutsames. Es ist nämlich in gewisser Beziehung wiederum gar nicht das Buch, das ganz aus den Goetheschen Traditionen herausgewachsen ist; es ist sowohl goethisch wie in gewisser Beziehung auch ungoethisch. Denn Herman Grimm schreibt einen Stil nicht wie Goethe, sondern Herman Grimm schreibt merkwürdigerweise einen solchen Stil, daß man sagen kann: sein Buch ist wie von einem Amerikaner, von einem Deutschamerikaner geschrieben. — Und man kann Herman Grimms Vorlesungen geradezu dem Stile nach ein amerikanisch geschriebenes Buch nennen, nur daß es in deutscher Sprache geschrieben ist; aber der Stil ist amerikanisch. Es ist jener Stil, den Herman Grimm sich herangebildet hat, indem er Emerson als einer der begeistertsten Anhänger studiert, gelesen, verdaut, übersetzt hat, sich ganz in ihn hineingefunden hat. Nun findet sich dieser Herman Grimm in diesen amerikanischen Emerson-Stil hinein, so daß er ihn handhabt, so daß er auch dafür begeistert wird. Und wie er alles Amerikanische in sich nachleben lassen kann, das sehe man nur einmal, indem man Herman Grimms Roman «Unüberwindliche Mächte» liest. Enthusiasmus für das Amerikanische und damit wunderbar Internationales ist auch ausgegossen über die Goethe-Vorträge, über das Goethe-Buch Herman Grimms.

[ 28 ] One book, however, stands out quite extraordinarily. It is the book containing Herman Grimm’s lectures on Goethe, which he delivered at the University of Berlin in the 1870s. Herman Grimm was, after all, a mind endowed with the best of intentions and the most wonderful traditions for immersing himself in Goethe. And so his book is a spirited, excellent work—a book that has grown out of the Goethean atmosphere. After all, Herman Grimm came of age in an era when Goethean traditions were still prevalent everywhere. But this book, in turn, reveals something significant. For in a certain sense, it is not at all a book that has grown entirely out of the Goethean traditions; it is both Goethean and, in a certain respect, also un-Goethean. For Herman Grimm does not write in a style like Goethe’s; rather, strangely enough, he writes in such a style that one might say: his book is as if written by an American, by a German-American. — And one could almost call Herman Grimm’s Lectures, based on their style alone, a book written in the American style, except that it is written in German; but the style is American. It is the style that Herman Grimm cultivated by studying, reading, digesting, and translating Emerson—one of his most enthusiastic followers—and by immersing himself completely in him. Now Herman Grimm has found his way into this American Emersonian style, so that he wields it and has become enthusiastic about it as well. And to see just how he is able to bring everything American to life within himself, one need only read Herman Grimm’s novel Unüberwindliche Mächte (Invincible Forces). Enthusiasm for all things American—and thus wonderfully international—also flows through his Goethe lectures and his book on Goethe.

[ 29 ] Aber trotz allem und alledem wird vieles, vieles an geistigem Leben hinfließen müssen, bis Goethe und ähnliche Geister richtig verstanden worden sind. Und werden sie einmal richtig verstanden, dann müssen sie auch noch anders verstanden werden, als Herman Grimm Goethe verstand. Ich muß immer wieder und wiederum daran denken, als ich einmal in einem Gespräch mit Herman Grimm war und nur einiges von dem Wege andeuten wollte, wie man allmählich in die geistige Welt hineinkommen könnte: unvergeßlich wird mir immer bleiben Herman Grimms Bewegung seines rechten Armes — ablenkend; er wollte das beiseite schieben. Er schuf, man möchte sagen, einen Goethe, der wunderbar herrlich von außen anzusehen ist; man sieht nur nicht ihm ins Herz hinein. Aber so, wie er wandelt durch das geschichtliche Werden, wie er dasteht, wie er da geht, wie er mit Menschen in Beziehungen kommt, wie menschliche Beziehungen in seine Werke hineinfließen, wie die zeitgenössische Weltanschauung in seine Werke hineinfließt, so wandelt dieser Herman Grimmsche Goethe vor unserem geistigen Blick doch vorbei wie ein Gespenst, wie ein Gespenst, das durch die Welt hinhuscht, nicht vom Lebendigen erfaßt. Und erst, wenn man den Goetheanismus zur Geisteswissenschaft vertieft haben wird, erst dann wird Goethe verstanden werden können. Vieles wird sich finden aus Goethe, was Goethe selber nicht aussprechen konnte. Der richtig verstandene Goethe führt schon zur Geisteswissenschaft. Geisteswissenschaft ist nur ausgebildeter Goetheanismus.

[ 29 ] But despite all this, much, much more intellectual effort will have to be expended before Goethe and minds like his are truly understood. And once they are truly understood, they must still be understood differently than Herman Grimm understood Goethe. I keep thinking back to a time when I was once in conversation with Herman Grimm and wanted only to hint at some of the ways one might gradually enter the spiritual world: I will always remember Herman Grimm’s gesture with his right arm—a dismissive wave; he wanted to brush it aside. He created, one might say, a Goethe who is wonderfully magnificent to behold from the outside; one simply cannot see into his heart. But the way he moves through the course of history, the way he stands, the way he walks, the way he relates to people, the way human relationships flow into his works, the way the contemporary worldview flows into his works, this Goethe of Herman Grimm’s passes before our spiritual gaze like a ghost, like a ghost that flits through the world, ungrasped by the living. And only when Goetheanism has been deepened into spiritual science will Goethe be understood. Much will be discovered in Goethe that Goethe himself could not articulate. A properly understood Goethe already leads to spiritual science. Spiritual science is nothing other than Goetheanism brought to full maturity.

[ 30 ] Und von frühester Zeit an hat Goethe auch verstanden, wie das Christentum ein Lebendiges ist. Wie hat er sich gesehnt nach einem möglichen Ausdruck für die Durchchristung des modernen Weltanschauens. In der neueren Zeit arbeitet Geisteswissenschaft schon, diese Durchchristung zu finden. Das lag noch nicht in seinem Zeitalter. Aber nehmen wir sein Gedicht «Die Geheimnisse», wo der Bruder Markus hingeführt wird zu dem Tempel, auf dem das Rosenkreuz am Tore ist, und sehen wir uns das Ganze an: wie da christliche Stimmung in diesem Fragment «Die Geheimnisse» ist, jene christliche Stimmung, die daher stammt, daß das Symbolum des Kreuzes zum Bild des Lebens wird durch die lebendig es umschlingenden Rosen! Und wie läßt Goethe — er hat sich ja selber im hohen Alter zu Eckermann ausgesprochen — seinen «Faust» auslaufen in christliche Vorstellungen! Eine Zeit wird kommen, wo man in einem gar viel regsameren Sinne, in einem viel intensiveren Sinne dieses Ausklingen des Faust-Gedankens und das Zusammenklingen des Faust-Gedankens mit dem Christentum einfügen wird, wenn Goethe auch weit davon entfernt war, von sich aus das zu tun, denn er war bescheiden, innerlich bescheiden in solchen Dingen. Er war auf dem Wege, den er seinen Bruder Markus gehen läßt, zu dem Kreuze, von Rosen umwunden. Darinnen liegt schließlich doch dasjenige, was aus solcher Weisheit fortfließen soll, wie sie von den Tempelherren — aber nur in einem zu raschen Tempo und auf eine mehr für die physische Entwickelung berechnete Weise — angestrebt war.

[ 30 ] And from the very earliest times, Goethe also understood how Christianity is a living force. How he longed for a possible expression of the “Christianization” of the modern worldview! In more recent times, spiritual science has already been working to discover this “Christianization.” That was not yet possible in his era. But let us take his poem “The Mysteries,” in which Brother Markus is led to the temple bearing the Rose Cross at its gate, and let us consider the whole: how there is a Christian atmosphere in this fragment, “The Mysteries”—that Christian atmosphere which stems from the fact that the symbol of the cross becomes an image of life through the roses that so vividly entwine it! And how does Goethe—he himself confided this to Eckermann in his old age—bring his Faust to a close with Christian ideas! A time will come when people will interpret this culmination of the Faustian idea and its harmonization with Christianity in a far more active and intense sense—even though Goethe himself was far from doing so of his own accord, for he was modest, inwardly modest in such matters. He was on the path—the one he has his brother Markus follow—toward the cross, entwined with roses. Ultimately, this is what should flow from such wisdom as was sought by the Knights Templar—though only at too rapid a pace and in a manner calculated more for physical development.

[ 31 ] Aber immer mehr und mehr brach auch die Sehnsucht nach voller Verchristung der Weisheitsschätze des Kosmos und des Erdenwerdens durch, und nach voller Verchristung des irdischen Lebens, solcher Verchristung des irdischen Lebens, daß der Erde Leiden, der Erde Schmerz und der Erde Trauer wie das Erdenkreuz erscheint, das allein aber seinen Trost, seine Erhebung, seine Erlösung findet in dem Rosensymbolum des Kruzifixus. Und in immer wieder und wiederum von dieser Seite inspirierten Menschen, in denen fortlebte dasjenige, was mit dem Verbrennen der Tempelritter getötet werden sollte, in Menschen, die davon inspiriert waren, lebte immer wieder das hohe Ideal, daß an die Stelle dessen, was in die Menschen Streit und Hader bringt, dasjenige treten muß, was das Gute auf die Erde bringen kann, so wie es vorgestellt werden kann, dieses Gute, unter dem Symbolum des Kreuzes in der Verbindung mit den Rosen.

[ 31 ] But more and more, the longing for the full Christianization of the treasures of wisdom of the cosmos and of earthly existence also began to emerge, and for the full Christianization of earthly life—a Christianization of earthly life such that the Earth’s suffering, the Earth’s pain, and the Earth’s sorrow appear as the Cross of the Earth, which, however, finds its sole comfort, its exaltation, and its redemption in the rose symbol of the crucifix. And in people inspired time and again from this source—in whom lived on that which was meant to be destroyed with the burning of the Knights Templar, in people inspired by it—the lofty ideal lived on again and again: that in place of what brings strife and discord among people, there must come that which can bring goodness to the earth, as it can be conceived—this goodness, under the symbol of the cross in conjunction with the roses.

[ 32 ] Es wurde mir gerade heute von einem unserer Mitglieder überreicht das Buch «Schutt» von Anastasius Grün, und ich habe hier wiederum dieselben Verse, die ich schon vor Zeiten vorgelesen habe zur Bekräftigung, wie dieses Geheimnis, das auch hier gemeint ist, nicht etwa bloß von uns so aufgebracht worden ist, sondern immer wieder und wiederum auflebte. Anastasius Grün, der österreichische Dichter, hat seine Dichtungen «Schutt» geschrieben, deren achte Auflage schon 1847 erschienen ist. Da dichtete er in seiner Art über den Werdegang der Menschheit, und ich will heute wiederum die Stelle vorlesen, die ich schon vor Jahren vorgelesen habe zum Beweise dafür, welche Rolle die Vorstellung vom Rosenkreuz in der sich entwickelnden Menschheit bei den in der neueren Zeit in gekennzeichneter Art inkarnierten Menschen spielt. Anastasius Grün wendet hin seinen Blick nach Palästina; er wendet hin seinen Blick auch nach anderen Gegenden der Erde, nachdem er beschrieben hat, wie über die Erde vieles hingezogen ist an wüstem Kampf und Streit. Nachdem er vieles, was Kampf und Streit bewirkt, gesehen und es dargestellt hat in dem Gedichte, nachdem der in einer gewissen Weise großartige Seher Anastasius Grün das beschrieben hat, wendet er seinen Blick nach einer Gegend der Erde, die er also beschreibt. Ich kann nicht das Ganze vorlesen, es würde zu lange dauern. Der Blick ist zunächst auf eine Gegend der Erde gewendet, durch welche die Pflugschar gezogen wird:

[ 32 ] Just today, one of our members presented me with the book Schutt by Anastasius Grün, and here I have once again the same verses that I read aloud some time ago to confirm that this mystery—which is also referred to here—was not merely brought up by us, but has been revived time and again. Anastasius Grün, the Austrian poet, wrote his collection Schutt, the eighth edition of which was published as early as 1847. In it, he wrote in his own style about the course of human history, and today I would like to read aloud once more the passage I read years ago to demonstrate the role that the concept of the Rose Cross plays in the development of humanity, particularly among those who have incarnated in a distinctive way in recent times. Anastasius Grün turns his gaze toward Palestine; he also turns his gaze toward other regions of the earth, after having described how much of the earth is drawn into desolate strife and conflict. After he has observed much of what causes strife and conflict and depicted it in the poem—after the in a certain sense magnificent seer Anastasius Grün has described this—he turns his gaze to a region of the Earth, which he then describes. I cannot read the entire passage aloud; it would take too long. His gaze is first directed toward a region of the Earth through which the plowshare is drawn:

Einst, da begab sich’s, daß im Feld die Kinder
Ausgruben gar ein formlos, eisern Ding;
Als Sichel deucht’s zu grad und schwer die Finder,
Als Pflugschar fast zu schlank und zu gering.

Sie schleppen’s mühsam heim gleich selt’'nem Funde,
Die Eltern sehn es, — doch sie kennen’s nicht.
Sie rufen rings die Nachbarn in der Runde,
Die Nachbarn sehn es, — doch sie kennen’s nicht.

Da ist ein Greis, der in der Jetztwelt Tage
Mit weißem Bart und fahlem Angesicht
Hineinragt, selbst wie eine alte Sage;
Sie zeigen’s ihm, — er aber kennt es nicht.

Wohl ihnen allen, daß sie’s nimmer kennen!
Der Ahnen Torheit, längst vom Grab verzehrt,
Müßt’ ihnen noch im Aug’ als Träne brennen.
Denn was sie nimmer kannten, — war ein Schwert!

Als Pflugschar soll’s fortan durch Schollen ringen,
Dem Saatkorn nur noch weist’s den Weg zur Gruft;
Des Schwertes neue Heldentaten singen
Der Lerchen Epopö’n in sonn’ger Luft! —

Einst wieder sich’s begab, daß, als er pflügte,
Der Ackersmann wie an ein Felsstück stieß,
Und, als sein Spaten rings die Hüll’ entfügte,
Ein wundersam Gebild aus Stein sich wies.

Er ruft herbei die Nachbarn in der Runde,
Sie sehn sich’s an, — jedoch sie kennen’s nicht!
Uralter, weiser Greis, du gibst wohl Kunde?
Der Greis besieht’s — jedoch er kennt es nicht.

Once upon a time, it happened that in the field, the children
Unearthed a shapeless, iron object;
To those who found it, it seemed too straight and heavy to be a sickle,
Almost too slender and too small to be a plowshare.

They laboriously drag it home, as if it were a rare find,
Their parents see it—but they do not recognize it.
They call the neighbors from all around,
The neighbors see it—but they do not recognize it.

There is an old man who, in this present world,
With a white beard and a pale face,
Stands out, himself like an ancient legend;
They show it to him—but he does not recognize it.

Blessed are they all, that they shall never know it!
The folly of their ancestors, long since consumed by the grave,
Must still burn in their eyes as a tear.
For what they never knew—was a sword!

From now on, it shall plow through clods like a plowshare,
Showing the seed only the way to the grave;
Sing of the sword’s new exploits
In the larks’ epic songs in the sunlit air! —

Once again it came to pass that, as he plowed,
The farmer struck what seemed to be a piece of rock,
And, as his spade chipped away the surrounding earth,
A wondrous stone figure revealed itself.

He calls the neighbors from all around,
They look at it—yet they do not recognize it!
Ancient, wise old man, can you shed some light on this?
The old man examines it—yet he does not recognize it.

[ 33 ] Also beim Pflügen wurde etwas ausgegraben, und selbst der alte Greis kennt es nicht.

[ 33 ] So something was unearthed while plowing, and even the old man doesn't know what it is.

Ob sie’s auch kennen nicht, doch steht’s voll Segen
Aufrecht in ihrer Brust, in ew’gem Reiz,
Und blüht sein Same rings auf allen Wegen;
Denn was sie nimmer kannten, — war ein Kreuz!

Sie sahn den Kampf nicht und sein blutig Zeichen,
Sie sehn den Sieg allein und seinen Kranz.
Sie sahn den Sturm nicht mit den Wetterstreichen,
Sie sehn nur seines Regenbogens Glanz!

Though they do not know it, it stands full of blessings
Upright in their hearts, in eternal charm,
And its seed blooms all around on every path;
For what they never knew—was a cross!

They did not see the battle and its bloody mark,
They see only the victory and its wreath.
They did not see the storm with its fierce winds,
They see only the splendor of its rainbow!

[ 34 ] Daß es immer wieder erkannt wird, das Kreuz, selbst in einer Gegend, wo es schon verschollen war und nur noch als Steinkreuz aus der Erde gezogen ist, wo die Kultur schon so abgezogen ist, daß sich eine unchristliche Kultur entwickelt hat, will Anastasius Grün sagen. Da wird ein Kreuz gefunden: in der innersten Brust erkennt man es, wenn es auch nach der Tradition selbst der älteste Greis nicht kennt.

[ 34 ] Anastasius Grün wants to say that the cross is recognized time and again, even in a region where it had already been lost and has been pulled from the ground as nothing more than a stone cross, where culture has already receded to such an extent that a non-Christian culture has developed. A cross is found there: one recognizes it in the innermost depths of one’s heart, even if, according to tradition, not even the oldest of the elderly knows it.

Ob sie’s auch kennen nicht, doch steht’s voll Segen
Aufrecht in ihrer Brust, in ew’gem Reiz,
Und blüht sein Same rings auf allen Wegen;
Denn was sie nimmer kannten, — war ein Kreuz!

Sie sahn den Kampf nicht und sein blutig Zeichen,
Sie sehn den Sieg allein und seinen Kranz.
Sie sahn den Sturm nicht mit den Wetterstreichen,
Sie sehn nur seines Regenbogens Glanz!

Das Kreuz von Stein, sie stellen’s auf im Garten,
Ein rätselhaft, ehrwürdig Altertum,
Dran Rosen rings und Blumen aller Arten
Empor sich ranken, kletternd um und um.

So steht das Kreuz inmitten Glanz und Fülle
Auf Golgatha, glorreich, bedeutungsschwer;
Verdeckt ist’s ganz von seiner Rosen Hülle,
Längst sieht vor Rosen man das Kreuz nicht mehr.

Though they do not know it, it stands full of blessing
Upright in their hearts, in eternal charm,
And its seed blooms all around on every path;
For what they never knew—was a cross!

They did not see the struggle and its bloody sign,
They see only the victory and its wreath.
They did not see the storm with its fierce gusts,
They see only the splendor of its rainbow!

The stone cross—they set it up in the garden,
A mysterious, venerable relic of antiquity,
Around it, roses and flowers of every kind
Climbing upward, winding round and round.

So the cross stands amid splendor and abundance
On Golgotha, glorious, steeped in meaning;
It is completely hidden by its mantle of roses,
Long ago, the cross was obscured by roses.

[ 35 ] Aber da ist es! Da ist das Kreuz! Da sind die Rosen!

[ 35 ] But there it is! There's the cross! There are the roses!

[ 36 ] Den Sinn der Geschichte erkennt man nur, wenn man den Blick richtet auf das, was lebt in dem Geistigen, was das menschliche Werden durchzieht, wenn man aber auch den Sinn lenken will auf das, was uns zeigt, unter welchen Auspizien, unter welchen Zeichen die Dinge in die Weltgeschichte eintreten. Ich denke, man kann fühlen den tieferen Zusammenhang von dem, was für die spätere Zeit von uns charakterisiert worden ist, und dem, was heute charakterisiert worden ist in dem Ideal der Templer und ihrem Schicksal in der Welt am Anfange des 14. Jahrhunderts.

[ 36 ] One can only recognize the meaning of history by turning one’s gaze to what lives in the spiritual realm—that which permeates human development—but one must also direct one’s attention to what reveals to us under what auspices, under what signs, things enter world history. I believe one can sense the deeper connection between what we have characterized as defining later times and what has been characterized today in the ideal of the Templars and their fate in the world at the beginning of the 14th century.