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Humanity's Internal Impulses for Development
Goethe and the Crisis of the Nineteenth Century
GA 171

2 October 1910, Dornach

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Humanity's Internal Impulses for Development, tr. SOL
  1. Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit

Neunter Vortrag

Ninth Lecture

[ 1 ] Es war mir in unseren Betrachtungen schon seit einer längeren Zeit her die Aufgabe gestellt, hinzuweisen auf gewisse Impulse, auf gewisse Kräfte, welche in den Menschenseelen wirken und sich in allem äußern, was aus diesem Wirken der Menschenseelen in unser Dasein fließt, hinzudeuten darauf, wie sich im Aufgange des neueren Geisteslebens diese Impulse, diese Kräfte entwickelt haben. Und weil ich Ihren Blick lenken möchte auf eine ganz bestimmte Art neueren geistigen Strebens, so möchte ich noch einmal heute vor Ihre Seelen hinstellen einen wichtigen Ausgangspunkt für dieses neuere Geistesleben, den wir ja schon betrachtet haben, der aber zu dem Wichtigsten, zu dem Wesentlichsten gehört. Wenn wir nach den Kräften suchen, welche in den neueren Seelen wirken, müssen wir ihn als ein Wichtigstes, als ein Bedeutendstes betrachten. Ich meine das ganze Schicksal und die Entwickelung des Templertums. Also noch einmal möchte ich vor Ihre Seele hinstellen das Bild des Tempelrittertums, um dann zu zeigen, wie das, was ausgeflossen ist von dem Templertum, in weiten Strömungen heraufwirkt bis in die Gefühle und Empfindungen unserer Tage.

[ 1 ] For quite some time now, in our reflections, I have been tasked with pointing out certain impulses, certain forces that are at work in human souls and manifest themselves in everything that flows into our existence from this activity of the human soul—and with indicating how these impulses and forces have developed in the rise of the newer spiritual life. And because I would like to direct your attention to a very specific form of modern spiritual striving, I would like to present once again today before your souls an important starting point for this modern spiritual life—one we have already considered, but which belongs to the most important, to the most essential. When we seek the forces at work in modern souls, we must regard it as one of the most important, as one of the most significant. I am referring to the entire destiny and development of the Knights Templar. So once again, I would like to present to your souls the image of the Knights Templar, in order to then show how what has flowed forth from the Knights Templar continues to influence, in broad currents, the feelings and sensibilities of our time.

[ 2 ] Wir wissen, der Templerorden ist begründet worden als eine bedeutsame Begleiterscheinung der Kreuzzüge, jenes historischen Ereignisses, durch welches in ihrer Art die europäische Menschheit dem Mysterium von Golgatha näherkommen wollte, als sie das vorher gekonnt hat. Und fast gleich im Beginne der Kreuzzüge ist dieser Templerorden begründet worden. Wenn man absieht von all dem, was äußerlich über die Begründung des Templerordens und über den Verlauf seines Wirkens bekannt ist, was ja in jedem Geschichtsbuch nachgelesen werden kann, so erscheint, innerlich betrachtet, dieser Templerorden als eine besonders vertiefte Näherung der neueren Menschheit an das Mysterium von Golgatha. Zunächst eine kleine Anzahl dem Christentum treu ergebener Seelen findet sich zusammen, gründet an der Stätte, die neben der Tempelstätte des alten Salomonischen Tempels in Jerusalem lag, eine Art geistlichen Orden. Wie gesagt, vom Äußeren wollen wir absehen. Aber hinlenken wollen wir den Blick darauf, was nach und nach, geistig betrachtet, in den Seelen der Templer lebt: Sie sollten nach dem Willen, der in der Ordensgründung wirkte, ihren Sinn ablenken von der äußeren sinnlichen Wirklichkeit, sie sollten innerhalb der Menschheit sich als solche Seelen ausleben, welche schon innerhalb des Erdendaseins in innerster Lebendigkeit darinnenzustehen wußten in dem Leben, in dem seit dem Mysterium von Golgatha die innersten, die bedeutsamsten Menschenkräfte durch die Verbindung des Christus mit dem Erdendasein leben. Darinnenstehen in diesem Erdenleben in dem, was das Erdenleben durch das Mysterium von Golgatha geworden ist, ganz darinnenstehen sollten die Seelen, die sich zum Templertum zusammengetan hatten. Das Blut als Repräsentant desjenigen, was den Erdenmenschen auszeichnet, das Ich, aber auch alles Fühlen und Denken, alles Sein und Dasein dieser Seelen sollte gewissermaßen vergessen den Zusammenhang mit dem sinnlich-physischen Dasein und nur leben in dem, was aus dem Mysterium von Golgatha ausströmt, und nur kämpfen für das Weiterleben der stärksten Impulse, die mit dem Mysterium von Golgatha zusammenhängen. Das Blut der Templer gehörte dem Christus Jesus, das wußte jeder. Nichts anderem auf der Erde gehörte dieses Blut als dem Christus Jesus. Und jeder Augenblick im Leben dieser Templerseelen sollte dadurch ausgefüllt sein, daß sie ein immerwährendes Bewußtsein entwickelten, wie in der eigenen Seele im Paulinischen Sinne der Christus und nicht das eigene Ich wohnt. Und in blutigen und schweren Kämpfen, in hingebender Arbeit, wie es die Kreuzzüge forderten, haben die Templer ausgelebt das, was sie sich also geistig vorgesetzt haben.

[ 2 ] We know that the Order of the Templars was founded as a significant byproduct of the Crusades, that historical event through which the people of Europe sought, in their own way, to draw closer to the mystery of Golgotha than they had been able to before. And the Order of the Templars was founded almost at the very beginning of the Crusades. If one sets aside all that is known externally about the founding of the Order of the Templars and the course of its activities—which, of course, can be read in any history book—then, viewed from within, this Order appears as a particularly profound approach by modern humanity to the Mystery of Golgotha. Initially, a small number of souls deeply devoted to Christianity came together and founded a kind of spiritual order at the site adjacent to the ruins of the ancient Temple of Solomon in Jerusalem. As I said, let us set aside the external aspects. But let us turn our gaze to what, from a spiritual perspective, gradually came to live within the souls of the Templars: According to the will that was at work in the founding of the Order, they were to turn their attention away from external, sensory reality, they were to live out within humanity as souls who, even within earthly existence, knew how to stand in the innermost vitality of the life in which—since the Mystery of Golgotha—the innermost, most significant human forces have lived through Christ’s connection with earthly existence. The souls who had united to form the Templar Order were to stand fully within this earthly life—within what earthly life has become through the Mystery of Golgotha. Blood, as the representative of that which characterizes the earthly human being—the “I”—but also all feeling and thinking, all the being and existence of these souls—should, as it were, forget their connection to sensory-physical existence and live solely in what flows forth from the Mystery of Golgotha, and strive only for the continued life of the strongest impulses connected to the Mystery of Golgotha. The blood of the Templars belonged to Christ Jesus; everyone knew that. This blood belonged to no one else on earth but Christ Jesus. And every moment in the lives of these Templar souls was to be filled by their developing an ever-present awareness that, in the Pauline sense, Christ—and not their own “I”—dwells within their own souls. And in bloody and arduous battles, in self-sacrificing work as demanded by the Crusades, the Templars lived out what they had thus set as their spiritual goal.

[ 3 ] Worte sind ohnmächtig, das zu beschreiben, was in den Seelen solcher Menschen lebte, in jenen Seelen, die pflichtgemäß niemals wanken durften, und auch, wenn eine dreifach stärkere Macht äußerlich auf dem physischen Plane ihnen entgegenstand, nicht flüchten durften, sondern ruhig den Tod erwarten mußten, den Tod, den sie ertragen wollten, um zu befestigen im Erdendasein den Impuls, der von dem Mysterium von Golgatha ausgegangen ist. Das war intensives Leben des ganzen Menschen mit dem Mysterium von Golgatha. Und wenn sich solch intensives Leben in entsprechenden Rhythmen in den Menschenseelen so ereignet, daß es sich hineinstellt in das ganze kosmisch-irdische Strömen der Kräfte, dann entwickelt sich aus solchem Leben Bedeutendes, wohlgemerkt: Bedeutendes. Ich sage, wenn sich solches Bewußtsein hineinstellt mit einem gewissen Rhythmus innerlichmystisch in das, was äußerlich geschieht, dann kann man gewiß vieles erleben, das die eigene Seele mit dem Göttlich-Geistigen in Zusammenhang stellt. Aber noch anderes, Wirksameres wird dann entwickelt, wenn solches inneres Erleben, zusammengefaßt mit dem äußeren geschichtlichen Werdegang, nun in den Dienst dieses äußeren geschichtlichen Werdegangs gestellt ist. Was im Dienste der Wiedererringung der Macht über das Heilige Grab damals getan werden sollte, mit dem sollte in Übereinstimmung stehen das, was im Bewußtsein der Tempelritterseelen lebte. Dadurch entwickelte sich ein besonderes mystisches Leben, durch das diejenigen, die diesem sogenannten geistlichen Orden . angehörten, immer mehr für die Welt wirken konnten als andere geistliche Orden. Denn wenn in solcher Weise eben im Zusammenhange mit dem Leben der Umwelt mystisch gelebt wird, dann strömt das, was mystisch erlebt wird, in die unsichtbaren, in die übersinnlichen Kräfte der Umwelt des Menschen hinein, wird objektiv, ist dann nicht bloß innerlich in der Seele des Menschen, sondern wirkt im geschichtlichen, im historischen Werden weiter. Durch solche Mystik wird nicht nur seelisch etwas erlebt für das einzelne menschliche Individuum, sondern es wird Seelisches; objektiv gestaltete Mächte, die vorher nicht da waren in der spirituellen Strömung, welche die Menschheit trägt und hält, die werden geboren, die sind dann da. Wenn der Mensch sein Tagewerk vollbringt mit seiner Hände oder mit seiner sonstigen Werkzeuge Arbeit, so stellt er ecwas Äußerliches, Materielles in die Welt hinein. Mit solcher Mystik, wie die Tempelritter sie entfaltet haben, wird Geistiges in das Geisttum der Erde hineingestellt. Dadurch aber, daß dieses geschah, wurde die Menschheit wirklich eine Etappe weitergebracht in ihrer Entwickelung. Das Mysterium von Golgatha wurde durch dieses Erleben der Templer auf einer höheren Stufe als vorher verstanden und auch erlebt. Es war jetzt etwas da über dieses Mysterium von Golgatha, was vorher nicht dagewesen war. Die Seelen der Templer hatten aber dadurch noch etwas Besonderes erreicht.

[ 3 ] Words are powerless to describe what lived in the souls of such people—those souls that, out of a sense of duty, were never allowed to waver, and even when a power three times stronger confronted them externally on the physical plane, they were not allowed to flee, but had to calmly await death—the death they were willing to endure in order to establish within earthly existence the impulse that emanated from the Mystery of Golgotha. This was the intense living of the whole human being in union with the Mystery of Golgotha. And when such an intense life unfolds in human souls in corresponding rhythms, so that it aligns itself with the entire cosmic-earthly flow of forces, then something significant develops from such a life—mind you: something significant. I say that when such consciousness aligns itself, with a certain inner-mystical rhythm, with what is happening externally, then one can certainly experience many things that connect one’s own soul with the divine-spiritual. But something else, something even more effective, is developed when such inner experience, combined with the external course of history, is then placed in the service of that external course of history. What was to be done at that time in the service of regaining power over the Holy Sepulcher was to be in harmony with what lived in the consciousness of the souls of the Knights Templar. Through this, a special mystical life developed, through which those who belonged to this so-called spiritual order were able to have an ever-greater impact on the world than other spiritual orders. For when one lives mystically in this way—in connection with the life of the surrounding world—then what is mystically experienced flows into the invisible, supersensible forces of the human environment; it becomes objective, is no longer merely within the human soul, but continues to work within the historical unfolding of events. Through such mysticism, something is not only experienced soulfully by the individual human being, but it becomes a soul-related reality; objectively formed forces—which were not previously present in the spiritual current that carries and sustains humanity—are born and come into being. When a person accomplishes their daily work with their hands or with other tools, they place something external and material into the world. Through such mysticism, as the Knights Templar developed it, the spiritual is placed into the spiritual fabric of the Earth. But because this happened, humanity was truly advanced one stage further in its development. Through this experience of the Knights Templar, the Mystery of Golgotha was understood and experienced on a higher level than before. There was now something about this Mystery of Golgotha that had not existed before. Through this, however, the souls of the Knights Templar had achieved something even more special.

[ 4 ] Durch dieses intensive Sich-Hineinleben in das Mysterium von Golgatha hatten diese Seelen die Macht erlangt, die christliche Einweihung durch dieses historische Ereignis wirklich zu erreichen. Diese christlicheEinweihung, man kann sie so erreichen, wie es in unseren Schriften geschildert ist; aber hier durch die Templer wurde diese christliche Einweihung so erreicht, daß die äußeren Taten und der Enthusiasmus, der in den äußeren Taten lebte, die Seelen der Templer heraustrug, so daß diese Seelen, abgesehen vom Leibe, außer dem Leibe, in dem geistigen Werdegang der Menschheit mitlebten, durchdrangen, seelisch-geistig durchdrangen die Geheimnisse von Golgatha. Da wurde vieles nicht nur für die einzelnen Seelen, sondern für die Menschheit erlebt. Das ist das Wichtige, das ist das Bedeutsame.

[ 4 ] Through this intense immersion in the mystery of Golgotha, these souls had attained the power to truly achieve Christian initiation through this historical event. This Christian initiation can be attained as described in our writings; but here, through the Templars, this Christian initiation was attained in such a way that the outward deeds and the enthusiasm that animated those deeds carried the souls of the Templars forth, so that these souls, apart from the body, outside the body, participated in the spiritual development of humanity, and spiritually and soulfully penetrated the mysteries of Golgotha. There, much was experienced not only for the individual souls but for humanity as a whole. That is what is important; that is what is significant.

[ 5 ] Dann, wissen wir, breitete sich der Templerorden aus, und er erlangte zu dem ungeheuer starken Einflusse, den er geistig hatte - mehr auf übersinnliche Art, als durch äußere Einflüsse —, hinzu bedeutende äußere Schätze. Und ich habe nun schon beschrieben, wie damit der Zeitpunkt gekommen war, diese äußeren Schätze, die der Templerorden in immer größerem und größerem Umfang erreicht hatte, übergehen zu lassen in die weltliche Macht, und ich habe beschrieben, wie durch eine Art Initiation, wirklich durch eine Art Initiation mit dem bösen Prinzip des Goldes Philipp der Schöne zum Werkzeuge ausersehen war, dem 'Templertum entgegenzutreten. Das heißt, er wollte zunächst die äußeren Schätze des Templertums sich aneignen. Aber Philipp der Schöne wußte mehr als andere Menschen in der Welt. Philipp der Schöne wußte durch das, was er durchgemacht hatte, vieles von den Geheimnissen des seelisch-menschlichen Daseins. Und so kam es denn, daß Philipp der Schöne ein Werkzeug sein konnte gerade im Dienste der mephistophelisch-ahrimanischen Gewalten, welche darauf ausgingen, das Templertum in der Gestalt, wie es zunächst sich ausgelebt hatte, unwirksam zu machen. Philipp der Schöne war, wie gesagt, das Werkzeug anderer geistiger, mephistophelisch-ahrimanischer Mächte. Philipp der Schöne wußte unter der Inspiration seiner Mächte, was das bedeutet haben würde, wenn in jene spirituellen Strömungen, welche ebenso wie das Sichtbare durch die Welt gehen, sich hineinergossen hätte das, was die Templer geistig sich erobert hatten an Wissen vom Mysterium von Golgatha und an Empfindungen und Gefühlen und Willensimpulsen, die sich anschlossen an das Mysterium von Golgatha. Es sollte das, was sich so entwickelt hatte, entrissen werden gewissermaßen den göttlich-geistigen, normal fortschreitenden Mächten; es sollte in andere Bahnen gelenkt werden.

[ 5 ] Then, as we know, the Order of the Templars expanded, and in addition to the immense spiritual influence it wielded—more in a supernatural sense than through external means—it acquired significant material wealth. And I have already described how the time had come to transfer these material treasures—which the Order of the Templars had amassed on an ever-increasing scale—into secular power, and I have described how, through a kind of initiation—truly a kind of initiation involving the evil principle of gold—Philip the Fair was chosen as the instrument to oppose the Templars. That is to say, he initially wanted to appropriate the external treasures of the Templars. But Philip the Fair knew more than anyone else in the world. Through what he had gone through, Philip the Fair knew much about the mysteries of human-spiritual existence. And so it came to pass that Philip the Fair was able to serve as an instrument precisely in the service of the Mephistophelean-Ahrimanic forces, which sought to render the Templar Order ineffective in the form in which it had initially manifested itself. Philip the Fair was, as I said, the instrument of other spiritual, Mephistophelean-Ahrimanic forces. Under the inspiration of his powers, Philip the Fair knew what it would have meant if what the Templars had spiritually attained—knowledge of the Mystery of Golgotha, along with the sensations, feelings, and impulses of will connected to the Mystery of Golgotha—had poured into those spiritual currents that, just like the visible world, flow through the world. What had developed in this way was to be, so to speak, wrested from the divine-spiritual, normally progressing forces; it was to be directed along other paths.

[ 6 ] Dazu mußte man erreichen, daß nun wiederum etwas, was nur in den Seelen der Templer leben konnte, herausgerissen wurde aus der Individualität der Templer selber. Geradeso wie das, was die Templer erlebt hatten über das Mysterium von Golgatha, nicht bei ihnen als Individuen blieb, sondern herausgesetzt wurde in die allgemeine Entwickelung der Menschheit, so sollte auch etwas anderes herausgesetzt werden aus den Individuen, sollte einverleibt werden dem objektiven historischen Strom. Und das konnte nur durch einen besonderen Akt der Grausamkeit vollzogen werden, durch einen furchtbaren Akt der ‚Grausamkeit vollzogen werden. Den Templern wurde der Prozeß gemacht. Sie wurden angeklagt nicht nur äußerer Verbrechen, an denen sie ganz gewiß unschuldig waren - was sich auch äußerlich historisch nachweisen läßt, wenn man nur die Wahrheit sehen will, auch in der äußeren Geschichte -, die Templer wurden vor allen Dingen beschuldigt, daß’sie verlästert hätten das Christentum, daß sie verlästert hätten das Mysterium von Golgatha selber, daß sie Götzendienst getrieben hätten, Heidentum hereingebracht hätten in den Dienst des Mysteriums von Golgatha, daß sie die richtigen Formeln bei der Konsekration, bei der Transsubstantiation nicht angewendet hätten, daß sie sogar das Kreuz entheiligt hätten. Und allerlei anderer, sogar widernatürlicher Verbrechen wurden die Templer angeklagt. Hunderte und aber Hunderte wurden grausamster Folterung unterworfen. Und man wußte auf der Seite, die den Prozeß machte, was solche Folterung bedeutet: Das gewöhnliche Tagesbewußtsein wurde den Gefolterten unterdrückt; dadurch vergaßen sie während der Folterung in ihrem Oberbewußtsein ihren Zusammenhang mit dem Mysterium von Golgatha. Aber sie hatten, weil das bei jedem so ist, der in die geistige Welt hineinschaut, sie hatten alle die Anfechtungen, alle die Versuchungen in der Tat kennengelernt, die da aufsteigen aus des Menschen Innerem, wenn sich der Mensch den guten göttlich-geistigen Kräften nähert. All die Feinde, die da wirken aus dem untergeordneten geistigen Reiche heraus und die den Menschen abbringen wollen vom Guten, die den Menschen verleiten wollen zum Bösen, die in den Trieben, in den Begierden, in den Leidenschaften, in den Affekten wirken können, die aber namentlich auch wirken können in Spott und Haß und Verachtung und Ironisierung des Guten, all die Mächte, die da aufgerufen werden konnten, die Templer hatten sie kennengelernt. Und sie hatten in vielen, vielen ihnen heiligen Stunden jene inneren Siege errungen, die der Mensch erringen kann, wenn er sehend hindurchgeht durch die Welten, die jenseits der Schwelle der sinnlichen Welt liegen und die überwunden werden müssen, damit der Mensch nach der Überwindung mit gestärkten Kräften in die ihm angemessenen geistigen Welten einziehen kann.

[ 6 ] To achieve this, it was necessary to ensure that something—which could only live in the souls of the Templars—was now, in turn, torn from the individuality of the Templars themselves. Just as what the Templars had experienced regarding the Mystery of Golgotha did not remain with them as individuals but was set forth into the general evolution of humanity, so too was something else to be set forth from the individuals and incorporated into the objective historical current. And this could only be accomplished through a particular act of cruelty, through a terrible act of ‘cruelty.’ The Templars were put on trial. They were accused not only of external crimes of which they were most certainly innocent—a fact that can be historically proven even from an external historical perspective, if one is only willing to see the truth, even in external history—but above all, the Templars were accused of having they had blasphemed Christianity, that they had blasphemed the Mystery of Golgotha itself, that they had practiced idolatry, that they had introduced paganism into the service of the Mystery of Golgotha, that they had failed to use the correct formulas during consecration and transubstantiation, and that they had even desecrated the cross. And the Templars were accused of all manner of other crimes, even those contrary to nature. Hundreds upon hundreds were subjected to the most cruel torture. And those conducting the trial knew what such torture entailed: the ordinary daily consciousness of those being tortured was suppressed; as a result, during the torture, they forgot in their higher consciousness their connection to the Mystery of Golgotha. But because this is true of everyone who looks into the spiritual world, they had all indeed come to know the trials and temptations that arise from within a person when that person draws near to the good, divine-spiritual forces. All the enemies who work from the lower spiritual realm and who seek to turn people away from the good, who seek to lead people into evil, who can work through instincts, desires, passions, and emotions—but who can also work, in particular, through mockery, hatred, contempt, and the trivialization of the good— all the powers that could be summoned—the Templars had come to know them. And in many, many hours sacred to them, they had won those inner victories that a human being can achieve when he passes through, with clear vision, the worlds that lie beyond the threshold of the sensory world—worlds that must be overcome so that, after overcoming them, the human being may enter the spiritual worlds appropriate to him with renewed strength.

[ 7 ] Den Ausblick über diese den Menschen angemessenen geistigen Welten hatten die Templer herabgedrückt bekommen während der Folterung; das Oberbewußtsein war ihnen abgelähmt, und ihr innerer Seelenblick wurde während der Folterung nur auf das gerichtet, was sie erlebt hatten als ein zu Überwindendes, was als Anfechtung in ihnen war, worüber sie Sieg über Sieg in ihrer Seele erreicht hatten. Das wurde ihnen heraufgedrängt in das Bewußisein, in das abgelähmte, getrübte Bewußtsein während der Folterung. Und so kam es, daß diese gefolterten Tempelritter in den Augenblicken, in denen sie der Folterung unterzogen wurden, vergaßen ihren Zusammenhang mit dem Mysterium von Golgatha, vergaßen, wie sie wohnten mit ihrer Seele in den geistig ewigen Welten, und das, was sie überwunden hatten, das, was als Anfechtung in ihnen lebte, das stand vor ihnen als Vision, wenn sie auf der Folter lagen, und sie gestanden als einen Gebrauch innerhalb des Ordens, was sie — jeder einzelne für sich — überwunden hatten. Sie gestanden das als ihre Fehler, was sie gerade erlebt hatten so, daß sie Sieg über Sieg darüber errungen hatten. Als der Mensch mußte jeder dieser Templer erscheinen, der von jedem dieser Templer, dieser wahren Templer — selbstverständlich, Auswüchse gibt es überall — innerlichst überwunden war, der überwunden werden mußte, um gerade mit höheren Kräften das Allerbeste, Höchste, Heiligste zu erreichen. Das wußte man auf seiten der Gegner. Man wußte: weil ja das gewöhnliche Bewußtsein abgelähmt war, so war, ebenso wie auf der anderen Seite im Guten das Mysterium von Golgatha herausgestellt war, damit jetzt herausgestellt, verobjektiviert und der Menschheitsentwickelung einverleibt das, was in diesem bösen Bewußtsein lebte. Das war ein historischer Faktor geworden.

[ 7 ] The Templars had been forced to suppress their view of these spiritual worlds appropriate to human beings during their torture; their higher consciousness had been numbed, and during the torture, their inner spiritual vision was directed solely toward what they had experienced as something to be overcome—what had been a trial within them, over which they had achieved victory after victory in their souls. This was forced into their consciousness—into their numbed, clouded consciousness—during the torture. And so it came to pass that these tortured Knights Templar, in the moments when they were subjected to torture, forgot their connection to the Mystery of Golgotha, forgot how they dwelt with their souls in the spiritually eternal worlds, and what they had overcome—what lived within them as a trial—stood before them as a vision while they lay on the rack, and they confessed, as was customary within the Order, what they—each one individually—had overcome. They confessed as their own faults what they had just experienced, in such a way that they had won victory after victory over it. Each of these Templars had to appear as a human being—one who had been overcome in the innermost depths by each of these Templars, these true Templars (of course, there are aberrations everywhere)—one who had to be overcome in order to attain, precisely through higher forces, the very best, the highest, and the holiest. The opponents were well aware of this. It was known that, since ordinary consciousness had been numbed, just as on the other side—in the realm of good—the Mystery of Golgotha had been brought to the fore, so too was that which dwelt within this evil consciousness now brought to the fore, objectified, and incorporated into the development of humanity. This had become a historical factor.

[ 8 ] So waren zwei Strömungen in die neuere Geschichte eingeführt: Das, was die Templer erlebt hatten in ihren heiligsten Stunden, was sie erarbeitet hatten innerhalb der spirituellen fortschreitenden Strömung der Menschheit, aber auch das, was ihnen durch Ahriman-Mephistopheles abgezogen war, herausgeholt war aus ihrem Bewußtsein, um es objektiv zu machen, und so objektiv im weiteren Fortschritte der Jahrhunderte wirksam zu gestalten.

[ 8 ] Thus, two currents were introduced into recent history: What the Templars had experienced in their most sacred moments, what they had developed within the progressive spiritual current of humanity, but also what had been taken from them by Ahriman-Mephistopheles—extracted from their consciousness in order to make it objective—and thus made effective in an objective way as the centuries progressed.

[ 9 ] Man kann gewiß solchen Erscheinungen gegenüber die einfache, bequeme Menschheitsfrage aufwerfen: Warum lassen die göttlich-geistigen Vorsehermächte solches geschehen? Warum führen sie die Menschheit nicht, ohne daß sie durch solche schmerzlichen Prüfungen gehen muß, durch den Werdegang der Geschichte? — Solcher Gedanke ist eben menschlich, allzumenschlich; er kann der Gesinnung entspringen, die derjenige fassen kann, der glauben kann, die Welt wäre besser geworden, wenn sie nicht von Göttern, sondern von Menschen gemacht wäre. Das kann mancher Mensch glauben, daß er mit seinem Verstande eine Kritik üben kann an dem, was als Weisheit durch die Welt wallt und webt. Aber solches Denken verführt auch zum äußersten Erkenntnishochmut und zum äußersten Erkenntnisübermut. Wir Menschen sind dazu berufen, einzudringen in die Geheimnisse des Daseins, aber nicht, die weisheitsvolle Weltenlenkung zu kritisieren. Daher müssen wir auch Einsichten gewinnen in die Stellung und in die Bedeutung, die als Böses, als böse Strömung zugelassen wird von der weisheitsvollen Weltenlenkung. Denn würde nur das Gute zugelassen, würden nur gute Impulse walten im geschichtlichen Werden, so würde die Menschheit niemals so hingelenkt werden auf dieses geschichtliche Werden, daß sie zur Freiheit sich entwickeln könnte. Nur dadurch, daß das Böse selber waltet im geistigen Werdegang der menschlichen Geschichte, kann die Menschheit sich zur Freiheit entwickeln. Und würden die Götter ablenken den menschlichen Seelenblick von dem Bösen, so würden die Menschen ewig Automaten bleiben müssen, niemals frei werden. Es ist schon so eingerichtet im menschlichen Werdegang, daß auch das, was tiefstes Leiden, intensivsten Schmerz verursacht, zuletzt ins Gute geleitet wird. Der Schmerz ist ja nur ein zeitlicher, deshalb natürlich nicht ein minder großer und tiefer; man darf sich nicht über den Schmerz hinwegtäuschen, man darf nicht einer billigen verschwommenen Mystik sich hingeben wollen, die den Schmerz nicht sehen will. Man muß den Schmerz mitmachen wollen, muß in den Schmerz sich einsenken wollen, muß ihn abladen können auf die eigene Seele; aber man muß auch ohne Kritik des geistigen Daseinswillens verstehen lernen, wie die verschiedensten Impulse positiver und negativer Art in den Werdegang der Menschheit hineinversetzt werden, damit der Mensch nicht nur gut, sondern auch frei mit eigenen Impulsen werde.

[ 9 ] One can certainly raise the simple, convenient question of humanity in the face of such phenomena: Why do the divine-spiritual powers of providence allow such things to happen? Why do they not guide humanity through the course of history without it having to undergo such painful trials? — Such a thought is precisely human, all too human; it may spring from the mindset of someone who believes the world would have been better if it had been made not by gods but by humans. Many a person may believe that they can use their intellect to critique what flows and weaves through the world as wisdom. But such thinking also leads to the utmost arrogance of knowledge and the utmost overconfidence in one’s understanding. We humans are called to penetrate the mysteries of existence, but not to criticize the wise guidance of the world. Therefore, we must also gain insight into the role and significance of what is permitted as evil—as an evil current—by the wise governance of the world. For if only the good were permitted, if only good impulses were at work in the unfolding of history, humanity would never be guided in such a way through this historical process that it could develop toward freedom. Only by allowing evil itself to prevail in the spiritual development of human history can humanity evolve toward freedom. And if the gods were to divert the gaze of the human soul from evil, then human beings would have to remain eternal automatons, never becoming free. It is already so arranged in the course of human development that even that which causes the deepest suffering and the most intense pain is ultimately channeled toward the good. Pain is, after all, merely temporal—and therefore, naturally, no less great or profound; one must not delude oneself about pain, nor must one seek to indulge in a cheap, vague mysticism that refuses to acknowledge pain. One must be willing to endure the pain, to immerse oneself in it, and to be able to lay it upon one’s own soul; but one must also learn to understand—without criticizing the spiritual will to exist—how the most diverse impulses, both positive and negative, are woven into the course of human development, so that human beings may become not only good but also free through their own impulses.

[ 10 ] So sehen wir in der Entwickelung, in dem Schicksal des Templertums einen wichtigen Impuls für alle folgenden Jahrhunderte der neueren Zeit. Hätte das Templertum sich ausleben können mit der Intensität, mit der Stärke, die intendiert war von den großen Templern, dann hätte die folgende Menschheit das nicht ertragen können. Gewissermaßen mußte die Schnelligkeit der Entwickelung abgedämpft werden; zurückgehalten mußte der Strom werden. Damit wurde er aber auch verinnerlicht. Und so sehen wir, wie sich denn unter den beiden Strömungen, die wir angedeutet haben, im neueren geschichtlichen Werdegang innerlichstes Leben entwickelt neben dem äußeren Materialismus. Denn das, was Mephistopheles-Ahriman durch sein Werkzeug, Philipp den Schönen, herausgedrängt hat als mephistophelischen Impuls für den nächsten Werdegang der Menschheit, das lebte fort, und das lebte mit vielem anderen zusammen in der materialistischen Gesinnung und lebte in allen materialistischen Impulsen sich aus, die jetzt im 14., 15., 16., 17., 18., 19. Jahrhundert über die Menschheit heraufzogen. Und das bewirkte, daß in der Breite des Lebens sich geistig-seelisch, sozial das auslebte, was wir als den Materialismus kennen, sich das auslebte, was das Karma auch unserer Tage hervorbrachte. Wäre das nicht so gegangen, wäre nicht in dieBreite des Lebens der materialistische Strom durch den mephistophelischen Impuls geflossen, so hätte auf der anderen Seite der Zusammenhang mit der geistigen Welt nicht so verinnerlicht werden können. Oh, was die Templer nach der anderen Seite durch ihr spirituelles Einleben in das Mysterium von Golgatha bewirkt hatten, das lebte fort! Und diejenigen Templerseelen, die, nachdem sie die schweren Erfahrungen auf der Folterbank durchgemacht hatten vierundfünfzig Templer waren hingerichtet worden nachher -, diese Templerseelen, die so durch die Pforte des Todes gegangen sind, sie konnten nun aus den geistigen Welten Ströme geistigen Lebens heruntersenken für die Menschen, die in den folgenden Jahrhunderten lebten. 1312 hatte die Hinrichtung der vierundfünfzig Templer stattgefunden; vierundfünfzig Seelen sind hinaufgestiegen in die geistigen Welten. Und jetzt geschieht innerhalb der europäischen Menschheit seit jener Zeit übersinnlich, unsichtbar, ohne daß es sich für den äußeren Anblick in den geschichtlichen Tatsachen auslebt, eine geistige Entwickelung, die darinnen besteht, daß immer einzelne der Nachkommenden inspiriert werden aus der geistigen Welt heraus mit dem, was diese vierundfünfzig Seelen durch die Pforte des Todes hineingetragen hatten in die geistige Welt.

[ 10 ] Thus, we see in the development and destiny of the Templar Order an important impetus for all subsequent centuries of modern times. Had the Templar Order been able to run its course with the intensity and strength intended by the great Templars, subsequent generations would not have been able to bear it. In a sense, the rapid pace of development had to be tempered; the current had to be held back. But in doing so, it was also internalized. And so we see how, amid the two currents we have indicated, an innermost life develops alongside external materialism in the course of modern history. For what Mephistopheles-Ahriman forced forth through his instrument, Philip the Fair, as a Mephistophelean impulse for the next phase of human development—that lived on, and coexisted with much else in the materialistic mindset, and found expression in all the materialistic impulses that now swept over humanity in the 14th, 15th, 16th, 17th, 18th, and 19th centuries. And this brought about the fact that, across the breadth of life—spiritually, psychologically, and socially—what we know as materialism played itself out, and what the karma of our own days has brought forth also played itself out. Had it not been so—had the materialistic current not flowed into the broad expanse of life through the Mephistophelean impulse—then, on the other hand, the connection with the spiritual world could not have been internalized to such an extent. Oh, what the Templars had brought about on the other side through their spiritual immersion in the Mystery of Golgotha—that lived on! And those Templar souls who, after having endured the terrible ordeal on the rack—fifty-four Templars had been executed afterward—those Templar souls who had thus passed through the gate of death were now able to send down streams of spiritual life from the spiritual worlds to the people living in the centuries that followed. In 1312, the execution of the fifty-four Templars had taken place; fifty-four souls ascended into the spiritual worlds. And now, ever since that time, a spiritual development has been taking place within European humanity—supernaturally, invisibly, without manifesting outwardly in historical facts—consisting in the fact that individual descendants are continually inspired from the spiritual world with what these fifty-four souls had carried through the gate of death into the spiritual world.

[ 11 ] Nur ein Beispiel will ich dafür erwähnen, das ich früher schon, in dem vorhergehenden Vortrage, angedeutet habe, das ich jetzt von einem anderen Gesichtspunkte etwas ausführlicher erwähnen will. Bevor die tragische Entwickelung sich über den Templerherrenorden ergossen hat, lange vor dem Jahre 1312, ein Jahrhundert vorher, hatte in Einsamkeit, könnte man sagen, oder wenigstens nur im kleinen Kreise wirksam, Wolfram von Eschenbach seinen «Parzival» gedichtet, das Lied von jener Seele, die durch innere Läuterung strebt zu jenem Leben, das auch als Endziel dem Templertum vorschwebte. In reichen Bildern, in wunderbaren Imaginationen entrollt Wolfram von Eschenbach das innere Leben des Parzival, für ihn als Repräsentanten des Tempelrittertums. Sehen wir eine bedeutsame äußere Wirkung des «Parzival» im geschichtlichen Werden der folgenden Zeit? Nein. Ins geschichtliche Werden der europäischen Menschheit hat ja erst wiederum Richard Wagner in anderer Art den Parzival hineingestellt. Aber das, was als spirituelle Macht, als geistiger Impuls dazumal noch von der Erde aus sich in die Seele des Wolfram von Eschenbach ergießen konnte, das wurde in den folgenden Jahrhunderten zur Inspiration von der geistigen Welt aus für manchen anderen. Und wer die Dinge innerlich schaut, wer die Zusammenhänge, die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen dem sinnlichen Erdenleben und dem geistigen Leben schaut, der weiß, wie in Goethes Seele hereingeflossen sind die Impulse, die durch das Schicksal der Templer in die geistige Welt hinausgetragen worden sind. Nicht umsonst hat Goethe bereits in den achtziger Jahren ein Gedicht angefangen, das er dann nicht fertiggebracht hat. Es ist bedeutsam, daß er es begonnen hat; ebenso bedeutsam ist der Umstand, daß Goethe, selbst Goethe nicht stark genug war, den gewaltigen Gedanken dieses Gedichtes in Wirklichkeit umzusetzen. Ich meine «Die Geheimnisse», wo der Bruder Markus zu einem einsamen Schlosse der Rosenkreuzer geht und in den Kreis der zwölf Rosenkreuzer tritt. Goethe hat den Grundgedanken, der auch im «Parzival» liegt, ja in seiner Art aufgefaßt, aber er hat ihn nicht vollenden können, durch das Nichtvollenden anzeigend, daß wir alle eigentlich drinnenstehen in dieser geistigen Entwickelung, die Goethe auch nur in ihren Anfängen erlebt hat, und an der wir arbeiten und arbeiten und arbeiten müssen, damit wir immer weiter und weiter schreiten in der Durchdringung der geistigen Welt und diese Anfänge immer weiter und immer weiter gestalten. Dem hat Goethe die besten Kräfte seines Daseins gewidmet, dieses hat er auch in seinen «Faust» einfließen lassen, als er den Zusammenhang des Menschen mit den geistigen Kräften schildern wollte, die für ihn auch die ahrimanisch-mephistophelischen sind.

[ 11 ] I would like to mention just one example of this, which I alluded to earlier in my previous lecture and which I now wish to discuss in somewhat greater detail from a different perspective. Before the tragic events befell the Order of the Knights Templar—long before the year 1312, a century earlier—Wolfram von Eschenbach, working in solitude, one might say, or at least within a small circle, Wolfram von Eschenbach composed his Parzival, the tale of that soul which, through inner purification, strives toward the very life that the Knights Templar also envisioned as their ultimate goal. Through rich imagery and wondrous imagination, Wolfram von Eschenbach unfolds the inner life of Parzival, who represents the Knights Templar. Do we see a significant external impact of Parzival on the historical development of the subsequent era? No. It was Richard Wagner, after all, who later introduced Parzival into the historical development of European humanity in a different way. But what, as a spiritual power, as a spiritual impulse, was still able to flow from the earth into the soul of Wolfram von Eschenbach at that time became, in the centuries that followed, an inspiration from the spiritual world for many others. And anyone who looks at things inwardly, who perceives the connections—the mysterious connections—between earthly, sensory life and spiritual life, knows how the impulses carried out into the spiritual world through the fate of the Templars flowed into Goethe’s soul. It is no coincidence that Goethe began a poem as early as the 1880s that he never completed. It is significant that he began it; equally significant is the fact that Goethe—even Goethe—was not strong enough to bring the powerful ideas of this poem to fruition. I am referring to The Mysteries, in which Brother Markus goes to a lonely castle of the Rosicrucians and enters the circle of the twelve Rosicrucians. Goethe did, in his own way, grasp the fundamental idea that also lies at the heart of Parzival, but he was unable to complete it; by leaving it unfinished, he indicated that we are all actually engaged in this spiritual development, which Goethe himself experienced only in its early stages, and at which we must work and work and work so that we may advance ever further and further in our penetration of the spiritual world and shape these beginnings ever more fully. Goethe devoted the best energies of his existence to this; he also incorporated this into his Faust when he sought to depict the connection between human beings and the spiritual forces, which for him were also the Ahrimanic-Mephistophelean ones.

[ 12 ] Für den, der die Geschichte konkret betrachtet in ihrem geistigen Werden, für den ist es eine Anschauung, daß aus der geistigen Welt in die Seele Goethes auf Erden hineinfloß das, was die Templer, die durch des Todes Pforte auf so bedeutungsvolle, grausame Art gegangen waren, hinaufgetragen hatten in die geistigen Welten, und eben deshalb, weil sie so durch die Todespforte gegangen waren, herabfließen lassen konnten als Inspirationen in Menschenseelen. Und nicht nur in diese eine Goethesche Seele, wenn auch vielleicht in diese gerade bedeutsam, in viele andere Menschenseelen ist das eingeflossen und lebt, wenn auch von der äußeren Welt heute noch wenig beachtet. Denn wie sehr ist das Geistige in «Faust» selbst noch unbeachtet geblieben von der äußeren Welt! Es lebt aber doch, und lebt einem immer reicheren Leben entgegen und wird immer fruchtbarer und fruchtbarer werden müssen, wenn die Menschheit sich nicht in die Dekadenz statt in die Aufwärtsentwickelung begeben will. Allerdings ist gerade für unser Zeitalter das, was in der Menschheit wirken soll in der Zukunft, in die eigene freie Hand der Menschen gegeben, und vor die Wahl ist die Menschheit gestellt und wird es immer mehr und mehr werden, ob sie eintreten will in die Dekadenz und es mit dem Materialismus weiter halten will, oder ob sie hinaufstreben will in die geistigen Welten.

[ 12 ] For those who view history concretely in its spiritual development, it is evident that what flowed from the spiritual world into Goethe’s soul on earth was what the Templars—who had passed through the gate of death in such a significant and cruel manner—had carried up into the spiritual worlds, and precisely because they had passed through the gate of death in this way, they were able to let it flow down as inspiration into human souls. And it has flowed into and lives on not only in this one soul of Goethe’s—though perhaps in this one in a particularly significant way—but also in many other human souls, even if it is still largely overlooked by the outer world today. For how very much has the spiritual element in Faust itself remained unnoticed by the outer world! Yet it lives on, and is moving toward an ever richer life; and it will have to become ever more fruitful if humanity does not wish to descend into decadence rather than move toward upward development. However, especially in our age, what is to work within humanity in the future has been placed in the hands of human beings themselves, and humanity is faced with a choice—one that will become ever more pressing—as to whether it wishes to descend into decadence and continue down the path of materialism, or whether it wishes to strive upward into the spiritual worlds.

[ 13 ] Wir Menschen leben nämlich, so wie wir auf der Erde leben, nur mit unserem physischen Leib ein Leben, das mit der Erde zusammenhängt. Schon derjenige Leib, der aus Licht und Ton und Leben gewoben ist, und der in diesem physischen Leib drinnensteckt, schon dieser sogenannte ätherische Leib lebt nicht nur ein Erdenleben, sondern lebt das kosmische Leben mit. Und wenn eine Menschenseele aus den getstigen Welten durch die Geburt ins Dasein heruntersteigt, so richten sich schon vorher im außerirdischen Kosmos Kräfte zurecht, welche den Ätherorganismus des Menschen zusammensetzen, so wie aus den physischen Erdenkräften und physischen Erdenstoffen der physische Leib des Menschen zusammengesetzt ist.

[ 13 ] We humans, in the way we live on Earth, live a life connected to the Earth solely through our physical body. Even the body that is woven from light, sound, and life—and which is contained within this physical body—even this so-called etheric body does not merely live an earthly life, but also participates in the cosmic life. And when a human soul descends from the spiritual worlds into existence through birth, forces in the extraterrestrial cosmos are already aligning beforehand to compose the human etheric organism, just as the human physical body is composed of the physical forces and physical substances of the Earth.

[ 14 ] In den einfachsten Begriffen der Menschheit lebt eigentlich Hochmut und Übermut, insbesondere in unserer maternalistischen Zeit. In unserer materialistischen Zeit glauben ja die Vorfahren auch, daß sie die Nachkommen ganz allein ins Dasein stellen. Und indem der Materialismus sich ausbreitet, wird man immer mehr und mehr glauben, daß die Vorfahren allein es sind, die die Nachkommen ins Dasein stellen. Anders ist es geistig gesehen. Die Menschen hier auf der Erde geben nur die Veranlassung, daß das Geistige zu ihnen herunterkommen kann. Das, was der Mensch als Vorfahre tun kann, das besteht einzig und allein darinnen, daß er den Ort zubereitet, durch den sich ein Ätherleib, der aus den Weiten des Kosmos in Kräften sich zubereitet, daß ein solcher Ätherorganismus sich auf die Erde herabsenken kann. Dieser Ätherorganismus ist ein ebenso organisiertes Wesen, wie es der physische Organismus des Menschen ist. Den physischen Organismus des Menschen, wir sehen ihn mit dem Haupte, mit den Armen, mit den Händen, mit dem Rumpfe, mit alle dem, was er dem Anatomen, dem Physiologen darbietet. Für die Geistesschau ist durchglüht, durchleuchtet, wie wir wissen, dieser physische Organismus von dem Ätherorganismus. Der physische Organismus atmet die Luft ein, atmet die Luft aus. Der Ätherorganismus atmet Licht aus, und dieses Licht gibt er uns. Und indem er Licht ausatmet und uns das Licht zuteilt, leben wir durch sein Licht. Und er atmet Licht ein. Wie wir Luft ein- und ausatmen, so atmet unser Ätherleib Licht aus und ein. Und indem er Licht einatmet, verarbeitet er das Licht in sich, wie wir die Luft in uns physisch verarbeiten. Lesen Sie das nach in meinen Mysteriendramen, wo an einer bestimmten Stelle gerade dieses Geheimnis der ätherischen Welt dramatisch entwickelt ist. Der Ätherleib atmet Licht ein, verarbeiter das Licht in sich zur Dunkelheit, und in diese Dunkelheit kann er als seine Nahrung den Weltenton aufnehmen, der in der Sphärenharmonie lebt, und kann aufnehmen die Lebensimpulse. Wie wir die physische Nahrung aufnehmen, so atmet ein und aus das ätherischeWesen, das in uns lebt, Licht. Wie wir die Luft in uns als Sauerstoff verarbeiten und zu Kohlensäure machen, so verarbeitet der Ätherleib das Licht und durchzieht es mit Dunkelheit, wodurch es in Farben erscheint und der Ätherleib uns, für den hellsichtigen Blick, in wogenden Farben erscheint. Aber während der Ätherleib das Licht für die Dunkelheit zubereitet und dadurch innere Atmungsarbeit für sich verrichtet, lebt er, indem er den Weltenton aufnimmt, den Weltenton in das Weltenleben verarbeitet. Das aber, was wir so als unseren Ätherleib aufnehmen, das kommt zu uns herunter zu gewissen Zeiten aus den Weiten des Kosmos.

[ 14 ] In the simplest concepts of humanity, pride and arrogance actually thrive, especially in our maternalistic age. In our materialistic age, the ancestors also believe that they alone bring their descendants into existence. And as materialism spreads, people will increasingly believe that it is the ancestors alone who bring their descendants into existence. Spiritually speaking, however, the situation is different. Human beings here on Earth merely provide the opportunity for the spiritual to descend to them. What a human being, as an ancestor, can do consists solely in preparing the place through which an etheric body—which is gathering its forces from the vastness of the cosmos—can descend to Earth. This etheric organism is a being just as organized as the physical organism of a human being. We see the human physical organism with its head, arms, hands, torso—with everything it presents to the anatomist and the physiologist. As we know, this physical organism is, in spiritual vision, permeated and illuminated by the etheric organism. The physical organism inhales air and exhales air. The etheric organism exhales light, and it gives this light to us. And as it exhales light and bestows that light upon us, we live through its light. And it inhales light. Just as we inhale and exhale air, so our etheric body inhales and exhales light. And as it inhales light, it processes the light within itself, just as we physically process air within ourselves. You can read about this in my Mystery Dramas, where at a certain point this very mystery of the etheric world is dramatically unfolded. The etheric body inhales light, processes the light within itself into darkness, and into this darkness it can take in, as its nourishment, the world tone that lives in the harmony of the spheres, and can take in the life impulses. Just as we take in physical nourishment, so the etheric being that lives within us breathes light in and out. Just as we process the air within us as oxygen and convert it into carbon dioxide, so the etheric body processes light and permeates it with darkness, causing it to appear in colors, and the etheric body appears to us—to the clairvoyant eye—in undulating colors. But while the etheric body prepares the light for darkness and thereby performs its own inner respiratory work, it lives by absorbing the world tone and processing it into world life. What we thus take in as our etheric body, however, descends to us at certain times from the vastness of the cosmos.

[ 15 ] Es ist heute noch nicht möglich, hinzuweisen auf die Umstände, wie der menschliche Ätherleib auf den Bahnen des Lichtes herunterzieht, wenn diese Bahnen des Lichtes durch die Sternkonstellation in einer gewissen Weise gelenkt werden. Damit das einmal gesagt werden könne, müssen die Menschen sich noch auf eine höhere Stufe der Moral erheben. Denn heute noch würde gerade dieses Mysterium von dem Hereinziehen der menschlichen Ätherleiber auf Lichtes- und Sphärenharmonie-Tonbahnen von den Menschen, wenn sie es kennten, in der furchtbarsten Weise mißbraucht werden. Denn in diesem Mysterium steckt alles, was, wenn die Menschen mit niederen Trieben es sich aneignen wollten, den Vorfahren unumschränkte Macht über die ganze Nachkommenschaft geben würde. Sie werden es daher glauben, daß dieses Mysterium, wie auf Lichtesbahnen und auf den Bahnen der Töne aus der Sphärenharmonie die Ätherleiber zu den Menschen, die sich verkörpern, kommen, daß dieses Mysterium noch längere Zeit eben ein Mysterium wird bleiben müssen. Nur unter ganz bestimmten Bedingungen kann man gerade von diesem Mysterium etwas wissen; denn bei Nichterfüllung dieser Bedingungen würden die Menschen sich, wie gesagt, als Vorfahren eine Macht über die Nachkommenschaft aneignen, die unerhört wäre, wodurch die Nachkommenschaft gänzlich ihrer freien Selbständigkeit, Persönlichkeit und Individualität beraubt werden könnte, und der Wille der Vorfahren dieser Nachkommenschaft aufgedrängt werden könnte. Weisheitsvoll ist dies für die Menschheit in die Unbewußtheit gehüllt, und gedeiht durch den Willen der weisheitsvollen Weltenlenkung in der Unbewußtheit ganz gut.

[ 15 ] It is not yet possible today to describe the circumstances under which the human etheric body descends along the paths of light when these paths of light are directed in a certain way by the constellations. For that to ever be possible, human beings must first rise to a higher level of morality. For even today, this very mystery—the drawing in of human etheric bodies along the paths of light and the tonal paths of spherical harmony—would be abused in the most terrible way by people if they were to know it. For this mystery contains everything that, if people were to appropriate it with base instincts, would give ancestors absolute power over their entire posterity. You will therefore believe that this mystery—how the etheric bodies come to human beings who are incarnating along the paths of light and the paths of sound from the harmony of the spheres—must remain a mystery for quite some time yet. Only under very specific conditions can one gain any knowledge of this particular mystery; for if these conditions were not met, human beings—as ancestors—would, as has been said, appropriate a power over their descendants that would be unheard of, whereby the descendants could be entirely deprived of their free autonomy, personality, and individuality, and the will of the ancestors could be imposed upon them. Wisely, this is shrouded in unconsciousness for humanity, and thrives quite well in unconsciousness through the will of the wise guidance of the worlds.

[ 16 ] Aber andere Wege als der physische Leib macht unser Ätherleib. Wir tragen ja, nachdem wir durch die Pforte des Todes geschritten sind, diesen Ätherleib nur noch wenige Tage; dann müssen wir ihn wieder zurückgeben an den Kosmos. Nur wie ein Bild im Kosmos, im Geistigen, bleibt der Ätherleib für unser ferneres Leben, das wir durchmachen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Aber dem Kosmos wird unser Ätherleib einverleibt, einverleibt in der verschiedensten Weise: in anderer Weise bei denjenigen Menschen, die durch ein Unglück früh sterben oder die sonst früh sterben, in einer anderen Weise bei denjenigen Menschen, die ein hohes Alter erreichen. Aber gerade wenn man hinübersieht in diejenige Welt, die jenseits der Schwelle liegt, so weiß man, daß sowohl das eine wie das andere, der frühere Tod und der spätere Tod, im ganzen kosmischen Zusammenhang eine große Bedeutung hat. Denn das, was wir als unseren Ätherleib abgeben, das wirkt weiter fort, wirkt nun geistig fort.

[ 16 ] But our etheric body takes a different path than the physical body. After we have passed through the gate of death, we carry this etheric body for only a few more days; then we must return it to the cosmos. The etheric body remains, like an image in the cosmos, in the spiritual realm, for our subsequent life, which we experience between death and a new birth. But our etheric body is incorporated into the cosmos in a variety of ways: differently for those who die young due to misfortune or for other reasons, and differently for those who reach a ripe old age. But precisely when one looks across to the world that lies beyond the threshold, one knows that both the former and the latter—early death and late death—have great significance within the entire cosmic context. For what we give up as our etheric body continues to have an effect; it now continues to have an effect in the spiritual realm.

[ 17 ] Ja, im Grunde genommen, tiefer betrachtet, werden wir, alle Menschen, gleich alt. Physisch stirbt einer früher, der andere später. Geistig betrachtet werden wir im Grunde genommen alle gleich alt. Sterben wir früh, so geht unser physischer Leib früh zugrunde; aber der Ätherleib lebt weiter für den Kosmos, und gerade dadurch, daß wir früh gestorben sind, hat dieser Ätherleib andere Funktionen für den Kosmos, als wenn wir spät sterben. Wenn wir zusammenzählen die Jahre, die wir durchleben im physischen Leib und im Ätherleib als Menschen, und das, was wir im physischen Leib verrichten, als Erdentaten ansehen, das, was wir im Ätherleib verrichten, auch nach dem Tode, und was wir nicht für uns, sondern für den Kosmos leben, für dieWelt, als Himmelstaten, wenn wir das zusammenzählen nach den Jahren: bei allen Menschen finden wir ein gleiches Alter ungefähr.

[ 17 ] Yes, when you really think about it, on a deeper level, all of us humans reach the same age. Physically, some die sooner, others later. Spiritually speaking, we all essentially reach the same age. If we die early, our physical body perishes early; but the etheric body lives on for the cosmos, and precisely because we have died early, this etheric body fulfills different functions for the cosmos than if we had died later. If we add up the years we live through in the physical body and in the etheric body as human beings, and regard what we accomplish in the physical body as earthly deeds, what we accomplish in the etheric body—even after death—and what we live not for ourselves but for the cosmos, for the world, as heavenly deeds, if we add all this up by the years: we find that all human beings are roughly the same age.

[ 18 ] Aber dadurch nun, daß so etwas gemacht wird, wie es durch die Templer geschehen ist, dadurch wird noch etwas anderes bewirkt, als wenn wir Menschen nur ein individuelles Leben führen. Was wir als individuelles Leben führen, bleibt innerhalb unserer Person; was wir als solches Leben führen, das objektiv abgesondert werden kann, wie auf der einen Seite von der Seele der Templer dasjenige, was sie für die Fortpflanzung des Mysteriums von Golgatha tun konnten, und auf der anderen Seite das, was geschehen ist durch mephistophelisch-ahrimanische Mächte für die Impulse des neueren Materialismus, das lebt auch gewissermaßen als Stücke des Ätherleibes fort. Aber es wird dem geschichtlichen Werdegang einverleibt; so daß einiges von dem, was der Mensch in seinem Ätherleib lebt, mit der menschlichen Individualität weiterlebt, einiges davon dem geschichtlichen Werdegang einverleibt wird, wenn die Dinge in der geschilderten Weise losgerissen werden von dem Menschen. Aber der Ätherleib ist das Mittel, das Medium, wodurch dasjenige, was der Mensch in seiner Seele so objektiv lebt, daß es heraustreten kann aus seiner Seele, wodurch das, was sich so objektiviert hat, Anhaltspunkte hat, um weiterzuleben. Das ist der Ätherleib.

[ 18 ] But the fact that something like this is done—as was done by the Templars—brings about something different than when we humans lead only an individual life. What we lead as an individual life remains within our own person; what we lead as a life that can be objectively separated—such as, on the one hand, what the Templars’ souls were able to do for the perpetuation of the Mystery of Golgotha, and, on the other hand, what was brought about by Mephistophelean-Ahrimanic forces to fuel the impulses of modern materialism—all of this also lives on, in a sense, as fragments of the etheric body. But it is incorporated into the course of history; so that some of what a human being lives in his etheric body lives on with human individuality, while some of it is incorporated into the course of history when things are torn away from the human being in the manner described. But the etheric body is the means, the medium, through which that which a human being experiences in his soul so objectively that it can step out of his soul—through which that which has thus become objectified—has points of reference to continue living. That is the etheric body.

[ 19 ] Was in die ätherische Welt einfloß von den geistigen Impulsen der Templer, das lebte ätherisch weiter; und durch dieses Weiterleben im Ätherischen wurde manche Seele dazu bereitet, aufzunehmen die Inspirationen, die ich beschrieben habe, die aus den geistigen Welten von den Templerseelen selber kommen. Das ist der konkrete Vorgang, der sich abgespielt hat in der neueren Zeit.

[ 19 ] What flowed into the etheric world from the spiritual impulses of the Templars continued to live on in the etheric realm; and through this continued existence in the etheric realm, many a soul was prepared to receive the inspirations I have described, which come from the spiritual worlds through the Templar souls themselves. This is the specific process that has taken place in more recent times.

[ 20 ] In dasjenige, was aus den Templerseelen floß, ist aber immer mehr und mehr, und zwar gerade in der Breite des Lebens, eingeströmt dasjenige, was aus mephistophelisch-ahrimanischen Impulsen fließt, was durchtränkt ist von dem mephistophelisch-ahrimanischen Elemente, was inauguriert wurde auf den Folterbänken der Templer dadurch, daß sie unter der Folter Unwahres über sich selber aussagen mußten. Dies nicht allein, aber dies mit als einer der Gründe, der geistigen Gründe zum modernen Materialismus, dies gehört zu dem, was man verstehen muß, wenn man innerlich den Sinn der modernen materialistischen Entwickelung verstehen will.

[ 20 ] But into that which flowed from the souls of the Templars, more and more— precisely in the breadth of life, what flows from Mephistophelean-Ahrimanic impulses—that which is steeped in the Mephistophelean-Ahrimanic element—which was inaugurated on the Templars’ torture benches when they were forced under torture to make false statements about themselves. This is not the only reason—but it is one of the spiritual reasons for modern materialism—and it is part of what one must understand if one wishes to grasp the inner meaning of modern materialistic development.

[ 21 ] So kam es, daß allerdings in der neueren Zeit einige inspiriert wurden mit hohen geistigen Wahrheiten, daß aber die allgemeine Kultur einen immer materialistischeren und materialistischeren Charakter annahm, daß immer mehr und mehr gewissermaßen sich der Blick der Seele trübte für dasjenige, was geistig uns umgibt, und in das wir eintreten durch die Pforte des Todes, aus dem wir herausgetreten sind durch die Pforte der Geburt. Abgelenkt immer mehr und mehr von diesem auf den verschiedensten Gebieten des Lebens, auf dem geistigen Gebiete, auf dem religiösen Gebiete, auf dem sozialen Gebiete wurde die Menschheit, abgelenkt von dem Hineinschauen in das Geistige. Der Blick wurde immer mehr und mehr nur auf das gerichtet, was als materielle, stoffliche Welt sich den Sinnen darbietet. So kam es, daß die neuere Menschheit seit dem Heraufkommen der neueren Zeit durch viele, viele Irrtümer gegangen ist. Aber urteilen wir wiederum nicht kritisch darüber, daß die Menschheit durch Irrtümer gegangen ist. Gerade indem Irrtümer sich hineinlebten in die menschliche Entwickelung, mußten die Menschen diese Irrtümer erleben, und sie werden sie nach und nach sehen, und in dem Überwinden dieser Irrtümer stärkere Kräfte gewinnen, als wenn ihnen automatisch nur der Weg nach dem, was sie sollen, eingeimpft worden wäre. Aber heute ist die Zeit gekommen, wo eingesehen werden muß, wie in dem Spirituellen die Impulse zu Irrtümern leben, und die Menschheit ist angewiesen darauf heute, immer mehr und mehr freie Entschlüsse zu fassen, die Irrtümer zu durchschauen und zu überwinden.

[ 21 ] Thus it came to pass that, while in more recent times some were inspired by lofty spiritual truths, general culture took on an increasingly materialistic character, so that, in a sense, the soul’s vision of that which surrounds us spiritually became more and more clouded, and into which we enter through the gate of death, from which we emerged through the gate of birth. Distracted more and more from this in the most diverse areas of life—in the spiritual realm, in the religious realm, in the social realm—humanity became distracted from looking into the spiritual. Its gaze has been directed more and more solely toward what presents itself to the senses as the material, physical world. Thus it came to pass that modern humanity, since the dawn of the modern era, has passed through many, many errors. But let us not, in turn, judge critically the fact that humanity has passed through these errors. Precisely because errors became woven into human development, people had to experience these errors; and they will gradually come to see them, and in overcoming these errors, they will gain greater strength than if the path to what they ought to do had simply been instilled in them automatically. But today the time has come to recognize how the impulses toward error live within the spiritual realm, and humanity is now called upon to make more and more free decisions to see through and overcome these errors.

[ 22 ] Nicht angeklagt soll irgendein historisches Ereignis werden, sondern nur ganz objektiv betrachtet. Die historischen Ereignisse der neueren Zeit, sie entwickelten sich ja so, daß in den Menschen die Gedanken und Empfindungen lebten nur nach der äußeren physischen Wirklichkeit, nur nach dem hin, was der Mensch durchlebt zwischen Geburt und Tod. Selbst das religiöse Leben nahm allmählich einen persönlichen Charakter an, indem es sich darauf richtete, dem Menschen lediglich die Mittel an die Hand zu geben, mit seiner eigenen Seele selig zu werden. Das neuere religiöse Leben, das den Blick der Menschen von der konkreten geistigen Welt immer mehr und mehr ablenkt, es ist vielfach durchzogen von materialistischer Gesinnung, materialistischer Empfindung. Wie gesagt, nicht angeklagt soll irgendeine historische Erscheinung werden, aber dargestellt soll sie werden so, wie sie verstanden werden muß, wenn die kommende Menschheit nicht in Dekadenz verfallen, sondern eine Aufwärtsbewegung durchmachen soll.

[ 22 ] The aim is not to condemn any historical event, but merely to view it entirely objectively. The historical events of modern times unfolded in such a way that people’s thoughts and feelings were shaped solely by external physical reality—solely by what a person experiences between birth and death. Even religious life gradually took on a personal character, focusing solely on providing people with the means to attain salvation through their own souls. Modern religious life, which increasingly diverts people’s gaze away from the concrete spiritual world, is in many ways permeated by a materialistic mindset and materialistic sensibility. As I said, the intention is not to condemn any historical phenomenon, but to present it as it must be understood if future humanity is to avoid falling into decadence and instead undergo an upward movement.

[ 23 ] Wir sehen den Strom des Materialismus neben dem, ich möchte sagen, verborgenen Parallelstrom heraufziehen und sehen ein gewaltiges Ereignis eintreten am Ende des 18, Jahrhunderts, ein Ereignis, unter dessen Eindruck das ganze 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit herein steht: Wir sehen am Ende des 18. Jahrhunderts die Französische Revolution über die europäische Kultur hinfließen. Vieles lebte sich so aus, wie die Historiker beschrieben haben, daß es in der Französischen Revolution lebt. Aber man wird zu dem, was man bisher versteht von dieser Französischen Revolution und was fortwirkte an Impulsen, ausgehend von der Französischen Revolution, das noch hinzuverstehen müssen, was spirituell aus den materialistischen Impulsen, aus ahrimanisch-mephistophelischen Impulsen wird. Die Französische Revolution strebte — wie gesagt, nicht angeklagt soll ein historisches Ereignis werden, sondern verstanden - nach einem Höchsten; aber sie strebte nach einem Höchsten in einer Zeit, auf welche noch schwer die Schatten jenes Ereignisses fielen, das ich heute charakterisiert habe, jenes Ereignisses, durch das Mephistopheles-Ahriman mächtig geworden war, in das europäische Leben hereinzusenden den materialistischen Impuls. Und so hatten denn die Besten, welche die Französische Revolution inaugurierten, wenn sie auch in ihrem Bewußtsein etwas anderes zu glauben vermeinten — darauf kommt es nicht an, daß man sich mit Worten zu diesem oder jenem bekennt, sondern darauf kommt es an, daß man ein lebendiges, seelisch-lebendiges Bewußtsein hat von dem, was wirkt in der Welt -, die Besten, welche die Französische Revolution inaugurierten, hatten nur ein Bewußtsein von dem physischen Plane. Sie strebten gewiß nach einem Höchsten, aber sie wußten nichts von der Trinität im Menschen: von dem Leib, der da wirkt durch das ätherische Prinzip im Menschen, von der Seele, die da wirkt durch das astralische Prinzip, von dem Geist, der zunächst im Menschen wirkt durch das Ich.

[ 23 ] We see the tide of materialism rising alongside what I would call a hidden parallel current, and we witness a momentous event taking place at the end of the 18th century—an event whose influence has shaped the entire 19th century right up to the present day: At the end of the 18th century, we see the French Revolution sweep across European culture. Much of it unfolded as historians have described it—as it did during the French Revolution. But in addition to what we have understood so far about this French Revolution and the impulses that continued to have an effect stemming from it, we must also understand what emerges spiritually from the materialistic impulses, from the Ahrimanic-Mephistophelean impulses. The French Revolution strove—as I said, a historical event should not be condemned but understood—toward a supreme ideal; but it strove for the highest at a time when the shadows of that event I have described today still fell heavily upon it—the event through which Mephistopheles-Ahriman had gained power to send the materialistic impulse into European life. And so the best among those who inaugurated the French Revolution, even if in their consciousness they believed otherwise —for what matters is not that one professes this or that with words, but that one has a living, soul-filled awareness of what is at work in the world—the best among those who inaugurated the French Revolution had only an awareness of the physical plane. They certainly strove for the highest, but they knew nothing of the trinity within the human being: of the body, which acts through the etheric principle in the human being; of the soul, which acts through the astral principle; and of the spirit, which acts in the human being primarily through the “I.”

[ 24 ] Man sah ja auch schon am Ende des 18. Jahrhunderts den Menschen so an, wie ihn zum Unheil der Menschheit die heutige materialistische Wissenschaft ansieht, die Physiologie, die Biologie. Man sah den Menschen so an, daß man, auch wenn man religiös ahnte etwas von einem geistigen Leben, doch nur den Blick richtete - von dem anderen redete man vielleicht —, aber den konkreten Blick richtete man auf das, was in der physischen Welt hier zwischen Geburt und Tod sich auslebt. Das kann man verstehen, was sich hier auslebt, wenn man es auch heute noch nicht ganz versteht, wenn man nur den Blick auf den äußeren physischen Leib richtet. Was aber im ganzen Menschen lebt, das kann man nur verstehen, wenn man weiß, wie mit dem äußeren physischen Leib das ätherische Prinzip, das astralische und das Ich-Prinzip verknüpft sind. Denn schon indem wir hier in der physischen Welt zwischen Geburt und Tod stehen, lebt in uns das Geistig-Seelische, das den geistigen Welten angehört. Leib, Seele und Geist sind wir hier, und wenn wir durch die Pforte des Todes geschritten sind, werden wir, nur mit einem anderen geistigen Leibe, wiederum eine Dreiheit sein als Menschen. Wer also den Erdenmenschen nur betrachtet so, wie er als physischer Mensch sich auslebt zwischen Geburt und Tod, der betrachtet nicht den ganzen Menschen, der gibt sich über den ganzen Menschen einem Irrtum hin. Und wenn er dann ein menschliches Ideal aufstellt für den physischen Menschen allein, dann paßt dieses Ideal nicht für den ganzen Menschen. Die Ereignisse, die in der Welt geschehen, dürfen wir nicht so ansehen, daß sie an sich irrtümlich sind. Das, was erscheint, ist schon die Wahrheit; aber die Art, wie der Mensch es ansieht und in seinen eigenen Taten verwertet, das macht oftmals Konfusionen. Und so entstand in den Seelen der Menschen am Ende des 18. Jahrhunderts dadurch eine Konfusion, daß alles in den Leib hinein gewissermaßen projiziert wurde, und Ideale, die nur einen Sinn haben, wenn man den Menschen als eine Trinität ansieht, wurden angestrebt für ein menschliches bloß leibliches Monon.

[ 24 ] Even at the end of the 18th century, people were viewed in the same way that today’s materialistic science—physiology and biology—views them, to the detriment of humanity. People viewed human beings in such a way that, even if they had a religious inkling of a spiritual life, they directed their gaze—they might have spoken of the other—but their concrete gaze was directed toward what unfolds in the physical world here between birth and death. One can understand what unfolds here, even if one does not yet fully grasp it today, when one directs one’s gaze solely toward the outer physical body. But what lives within the whole human being can only be understood if one knows how the etheric principle, the astral principle, and the I-principle are linked to the outer physical body. For even as we stand here in the physical world between birth and death, the spiritual-soul aspect—which belongs to the spiritual worlds—lives within us. Here we are body, soul, and spirit, and when we have passed through the gate of death, we will once again be a trinity as human beings, only with a different spiritual body. Therefore, anyone who regards the earthly human being solely as a physical being living out their life between birth and death is not considering the whole human being; such a person is succumbing to a misconception regarding the whole human being. And if they then establish a human ideal for the physical human being alone, that ideal does not apply to the whole human being. We must not view the events that take place in the world as if they were inherently erroneous. What appears is already the truth; but the way in which human beings view it and apply it in their own actions often leads to confusion. And so, at the end of the 18th century, confusion arose in people’s souls because everything was, as it were, projected into the body, and ideals—which only make sense if one views the human being as a trinity—were pursued for a human being who was merely a physical monon.

[ 25 ] Und so kam es denn, daß schöne Ideale am Ende des 18. Jahrhunderts durch die Menschen schwirrten: Brüderlichkeit, Freiheit, Gleichheit! Schöne Ideale schwirrten durch die Menschheit, aber sie schwirrten durch die Menschheit in einer Zeit, in der sie nicht verstanden werden konnten, in der konfundiert wurde Leibliches, Seelisches und Geistiges, weil sie alle miteinander so aufgefaßt wurden, wie sie aufgefaßt werden von Menschen, die in Wahrheit nur an den physischen Menschenleib glauben. Denn für den physischen Menschenleib gilt als Ideal berechtigterweise nur die Brüderlichkeit, und die Freiheit hat nur Sinn, wenn man sie bezieht auf die menschliche Seele, und die Gleichheit hat nur Sinn, wenn man sie bezieht auf den Geist, so, wie sich der Geist auslebt in der Menschheit als das Ich. Nur wenn man weiß, daß der Mensch aus Leib, Seele und Geist besteht, und daß von den drei Idealen vom Ende des 18. Jahrhunderts sich die Brüderlichkeit auf den Leib, die Freiheit auf die Seele, die Gleichheit auf das Ich bezieht, dann redet man in einem Sinn, der mit dem inneren Sinn der spirituellen Welt übereinstimmt. Brüderlichkeit können wir entwickeln, insofern wir als physische Menschen physische Erdenleiber tragen, und wenn wir in die sozialen Ordnungen die Brüderlichkeit aufnehmen, dann ist dieBrüderlichkeit für die sozialeOrdnung auf dem physischen Plan ein Rechtes. Freiheit kann sich der Mensch nur erwerben in der Seele, insofern er mit der Seele sich auf der Erde verkörpert. Freiheit herrscht auf der Erde nur und ist auf der Erde nur möglich - das wollte auch Goethe in dem schönen Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie ausdrücken -, wenn sie bezogen werden wird auf die Menschenseelen, die in solchen Ordnungen auf der Erde leben, daß sie sich die Fähigkeit erwerben, das Gleichgewicht zu halten zwischen den niederen und den höheren Kräften. Wenn man die Waage zu halten vermag als Mensch zwischen den niederen und den höheren Kräften der Menschenseele, dann entwickelt man diejenigen Kräfte, die leben können hier zwischen Geburt und Tod; man entwickelt auch diejenigen Kräfte, die man braucht, wenn man durch die Pforte des Todes geht. Und so ist neben der sozialen Ordnung eine seelische Ordnung auf der Erde nötig, in welche die Seelen sich so einbetten können, daß sie die Kräfte der Freiheit entwickeln, die wir durchtragen können durch die Pforte des Todes, die wir nur dann durchtragen werden durch die Pforte des Todes, wenn wir uns vorbereiten für das Leben nach dem Tod in diesem Leben hier. Daß ein solcher seelischer Verkehr gestiftet werde von Seele zu Seele auf der Erde, daß die Seelen sich solche Kräfte entwickeln können, daß alle Ereignisse des Menschenlebens von klein auf, daß alle Gestaltung der Wissenschaften, alle Gestaltung der Künste, alle Gestaltung des menschlichen Schaffens dem Ideale zustreben, daß der Mensch als Seele die Waage zu halten vermag zwischen dem, was geistig wirkt und lebt und dem, was hier physisch wirkt und lebt, das muß ein Ideal werden. Frei wird der Mensch, wenn er sich solche Seelenkräfte zu erwerben vermag in der äußeren physischen Welt, wie er sie zum Beispiel erwerben kann, wenn er die schönen Formen zu verfolgen vermag, die in einer wirklich aus dem Geistigen heraus kommenden Kunst leben. Frei wird der Mensch, wenn der Verkehr zwischen Seele und Seele so ist, daß die eine Seele die andere mit immer größerem und größerem Verständnisse und mit immer größerer und größerer Liebe zu verfolgen vermag. Wenn es sich um die Leiber handelt, kommt die Brüderlichkeit in Betracht. Wenn es sich um die Seelen handelt, kommt in Betracht die Herausgestaltung jener zarten Bande, die sich entwickeln von Seele zu Seele, die sich auch hineinleben müssen in die Struktur des Erdenlebens, die aber darauf gehen müssen, Interesse, tiefes, tiefes Interesse zu begründen in der einen Seele für die andere Seele. Denn nur dadurch können die Seelen frei werden, und nur die Seelen können frei werden.

[ 25 ] And so it came to pass that, at the end of the 18th century, beautiful ideals were circulating among people: brotherhood, liberty, equality! Beautiful ideals were circulating among humanity, but they were circulating at a time when they could not be understood—a time when the physical, the soul, and the spirit were conflated, because they were all conceived of in the same way as they are conceived by people who, in truth, believe only in the physical human body. For the physical human body, only brotherhood is rightly regarded as an ideal; freedom has meaning only when it is related to the human soul; and equality has meaning only when it is related to the spirit, just as the spirit expresses itself in humanity as the “I.” Only when one knows that the human being consists of body, soul, and spirit, and that of the three ideals from the end of the 18th century, brotherhood relates to the body, freedom to the soul, and equality to the “I,” can one speak in a way that corresponds to the inner meaning of the spiritual world. We can develop brotherhood to the extent that we, as physical human beings, bear physical earthly bodies; and when we incorporate brotherhood into social orders, then brotherhood is a right for the social order on the physical plane. Human beings can acquire freedom only in the soul, to the extent that they incarnate on Earth through the soul. Freedom reigns on Earth and is possible on Earth only—as Goethe also sought to express in his beautiful fairy tale of the green snake and the beautiful lily—when it is related to human souls living in such social orders on Earth that they acquire the ability to maintain a balance between the lower and higher forces. If, as a human being, one is able to maintain a balance between the lower and higher forces of the human soul, then one develops the forces that can live here between birth and death; one also develops the forces needed when passing through the gate of death. And so, alongside the social order, a spiritual order is necessary on Earth into which souls can embed themselves in such a way that they develop the forces of freedom that we can carry through the gate of death—forces that we will only be able to carry through the gate of death if we prepare ourselves for life after death in this present life. That such a spiritual communion may be established from soul to soul on Earth, that souls may develop such powers, that all events of human life from an early age, that all forms of the sciences, all forms of the arts, and all forms of human creativity may strive toward the ideal—that human beings, as souls, may be able to maintain a balance between what acts and lives spiritually and what acts and lives physically here—this must become an ideal. Human beings become free when they are able to acquire such soul powers in the outer physical world—as they can, for example, when they are able to pursue the beautiful forms that live in an art that truly springs from the spiritual. Human beings become free when the interaction between soul and soul is such that one soul is able to regard the other with ever greater understanding and ever greater love. When it comes to the physical bodies, brotherhood comes into play. When it comes to the souls, what comes into play is the formation of those delicate bonds that develop from soul to soul—bonds that must also be woven into the fabric of earthly life, but which must be directed toward fostering deep, deep interest in one soul for the other. For only in this way can the souls become free, and only the souls can become free.

[ 26 ] Gleichheit für die äußere physische Welt gedacht, ist ein Unsinn, denn Gleichheit wäre Einförmigkeit. Alles in der Welt ist in Verwandlung, alles ist in die Zahlen gebannt, alles in der Welt muß sich in der Vielheit und der Vielgestaltigkeit ausleben. Dazu ist die physische Welt da, daß das Geistige durch die Vielheit der Formen gehe. Aber eines bleibt in unserem vielfachen und mannigfaltigen Menschenleben gleich, weil es zunächst ein Anfang ist. Unsere übrige Menschheit tragen wir schon seit der Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit in uns, das Ich erst während der Erdenzeit. Das Ich ist im Anfange! Unser ganzes Leben zwischen Geburt und Tod kommen wir nicht weiter im Geistigen, als daß wir zu uns«Ich» sagen, und daß wir dieses Ich empfinden. Schauen kann es der Mensch entweder nur außer dem Leibe schon hier zwischen Geburt und Tod durch Initiation, oder wenn er durch die Pforte des Todes schreitet, wo er dann in der Erinnerung zurück an seinen Erdenleib das Ich geistig zu schauen bekommt. Aber durch dieses Ich lebt sich hier auf der Erde alle Mannigfaltigkeit aus. Und die Struktur des Erdenlebens muß so gestaltet werden, daß die Möglichkeit vorhanden ist, daß durch die gleichen Iche all die Mannigfaltigkeiten sich ausleben, die durch die menschlichen Individualitäten in die Erde hereinkommen können. Der eine Mensch lebt diese, der andere jene, ein dritter eine weitere Individualität dar. Alle diese Individualitäten versammeln sich in ihren Wirkungsstrahlen in dem Fokus, in dem Brennpunkt des Ich, gleich; aber dieses, daß wir gleich sind, das macht die Möglichkeit, daß durch dieses Ich dasjenige geht, was wir uns mitteilen als Geister, daß wir ein Gemeinsamkeitsleben der Menschheit entwickeln. Durch das Gleiche geht das Verschiedene. So begründet sich in geistiger Gleichheit dasjenige, was nicht von einem einzelnen Menschen in den ganzen Strom des kosmisch-spirituellen Werdens hineingeht, sondern indem durch unser Ich, durch unser Geistiges schreitet dasjenige, was uns im mannigfaltigen Leben gesetzt ist, wird es ein Gemeinsames, geht als gemeinsamer Strom im kosmischen Werden weiter.

[ 26 ] Equality, as conceived for the external physical world, is nonsense, for equality would mean uniformity. Everything in the world is in a state of transformation; everything is encapsulated in numbers; everything in the world must find its fulfillment in multiplicity and diversity. That is why the physical world exists—so that the spiritual may pass through the multiplicity of forms. But one thing remains the same in our multifaceted and varied human life, because it is, first and foremost, a beginning. We have carried the rest of humanity within us since the Saturn, Sun, and Moon eras; the “I,” however, only since the Earth era. The “I” is in the beginning! Throughout our entire life between birth and death, we do not progress any further in the spiritual realm than to say “I” to ourselves and to perceive this “I.” A human being can perceive it either from outside the body—already here between birth and death through initiation—or when they pass through the gate of death, where they then, in the memory of their earthly body, are able to perceive the “I” spiritually. But through this “I,” all diversity finds its expression here on Earth. And the structure of earthly life must be shaped in such a way that the possibility exists for all the diversities that can enter the Earth through human individualities to find their expression through the same “I”s. One person embodies this, another that, and a third yet another individuality. All these individualities gather in their rays of action at the focus, the focal point of the “I,” equally; but this fact that we are equal creates the possibility that what we communicate to one another as spirits passes through this “I,” enabling us to develop a shared life of humanity. Through the same, the different passes. Thus, spiritual equality is the foundation for that which does not enter the entire stream of cosmic-spiritual becoming through a single human being; rather, as that which is set before us in our manifold lives passes through our “I,” through our spiritual nature, it becomes a shared reality and continues as a common stream within cosmic becoming.

[ 27 ] Dem Geiste geziemt die Gleichheit. Und ein Geschlecht wird erst verstehen, wie die drei Ideale von Brüderlichkeit, Freiheit und Gleichheit sich in die Menschheit einleben können, welches verstehen wird, daß der Mensch diese Dreigliedrigkeit von Leib, Seele und Geist in sich trägt. Daß das im 18. Jahrhundert und durch das ganze 19. Jahrhundert nicht verstanden werden konnte, das war noch eine Folge der Stärke des ahrimanisch-mephistophelischen Stromes, der auf die Ihnen geschilderte Art in die neuere Menschheitsentwickelung hineingekommen ist. Konfundiert hat das 18. Jahrhundert Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit, indem es die drei angewendet hat allein auf das äußere physische Leben. Wie es das 19. Jahrhundert verstanden hat, kann es nur Chaos, soziales Chaos sein. Und in dieses soziale Chaos würde die Menschheit hineinschreiten müssen, wenn sie nicht aufnähme geistige Wissenschaft, spirituelles Leben, welche zum Verständnis führen werden, daß der Mensch eine Dreiheit ist, welche begründen werden eine Struktur des Erdenlebens für den dreigliedrigen Menschen.

[ 27 ] Equality befits the spirit. And only a generation that understands that human beings carry within themselves this threefold nature of body, soul, and spirit will be able to grasp how the three ideals of brotherhood, freedom, and equality can take root in humanity. The fact that this could not be understood in the 18th century and throughout the 19th century was yet another consequence of the strength of the Ahrimanic-Mephistophelean current, which entered into the recent development of humanity in the manner I have described to you. The 18th century conflated equality, freedom, and brotherhood by applying these three concepts solely to external, physical life. As the 19th century understood it, this could only lead to chaos—social chaos. And humanity would have to plunge into this social chaos if it did not embrace spiritual science and spiritual life, which will lead to the understanding that the human being is a triad, and which will establish a structure of earthly life for the threefold human being.

[ 28 ] Der Mensch beziehungsweise die Menschheit mußte durch den Materialismus durchgehen; ihre Kräfte wären zu schwach gewesen für die Folgezeit, wenn diese Menschheit nicht durch den Materialismus durchgegangen wäre. Denn merkwürdig ist ja die Entwickelung der Menschheit. Gestern habe ich Ihnen einen Fall aus der Astronomie angeführt. Heute zum Schluß lassen Sie mich einen Fall anführen, aus dem Sie sehen werden, wie kompliziert der Gang der Menschheit durch das Erdenwerden ist, ich meine durch das Erdenleben im ganzen, wenn wir die Sache geistig anschauen. Sie wissen, wir leben jetzt in der fünften Periode des Zeitalters, das ich durch diesen Strich bezeichnen will (es wird gezeichnet), das wir das fünfte Zeitalter der Erde nennen, das nachatlantische. Unserer Periode ging die griechisch-römische voran. Der nachatlantischen Zeit ging voran das Zeitalter, das in der griechisch-römischen Zeit sich wiederholte, das aber abgetrennt ist von dem nachatlantischen Zeitalter durch die große atlantische Flut, welche die Geologie die Eiszeit nennt. Das nennen wir das atlantische Zeitalter; das griechisch-römische ist nur eine Wiederholung davon, eine vergeistigte Wiederholung. Diesem atlantischen Zeitalter ging aber voran das lemurische Zeitalter, das wiederum durch eine Katastrophe getrennt ist von dem atlantischen. Und dann kommen wir zu früheren Zeitaltern, die wir nicht weiter in Erwägung ziehen wollen.

[ 28 ] Humanity had to go through materialism; its strength would have been too weak for the period that followed if humanity had not gone through materialism. For the development of humanity is indeed remarkable. Yesterday I cited an example from astronomy. Today, to conclude, let me cite an example from which you will see how complicated humanity’s journey through earthly existence is—I mean through earthly life as a whole—when we view the matter spiritually. As you know, we are now living in the fifth period of the age that I will denote with this line (it is drawn)—the fifth age of the Earth, the post-Atlantean age. Our period was preceded by the Greco-Roman period. The Post-Atlantean era was preceded by the era that was repeated during the Greco-Roman period, but which is separated from the Post-Atlantean era by the great Atlantean flood, which geology calls the Ice Age. We call this the Atlantean Age; the Greco-Roman era is merely a repetition of it, a spiritualized repetition. This Atlantean Age, however, was preceded by the Lemurian Age, which in turn is separated from the Atlantean Age by a catastrophe. And then we come to earlier ages, which we shall not consider further.

[ 29 ] Werfen wir jetzt ganz kurz einen Blick auf ein Ereignis des lemurischen Zeitalters. Da gab es einen bestimmten Punkt in der Entwickelung, der jetzt Tausende und Tausende Jahre zurückliegt, wo die Menschheit der Erde noch ganz anders war als heute. Sie wissen aus der Art, wie ich in der «Geheimwissenschaft im Umriß» diese Entwickelung der Menschheit auf der Erde beschrieben habe, wie nach und nach die Impulse in die Menschheit hineinkommen. Es gab einen Punkt in der Entwickelung, wo sich festsetzte im Innern des Menschen aus dem Kosmos heraus das, was wir heute kennen als magnetische und namentlich als elektrische Kräfte. Denn in uns leben auf geheimnisvolle Art auch die magnetischen und elektrischen Kräfte. Vor diesem Zeitalter, in der lemurischen Zeit, lebte der Mensch auf der Erde noch ohne die magnetischen und elektrischen Kräfte, die sich in seinem Nervensystem, zwischen den Nervenwirkungen und den Blutwirkungen geistig entwickeln. Da wurden ihm diese Kräfte einverleibt. Von den magnetischen Kräften wollen wir absehen, auch von einem gewissen Teile der elektrischen Kräfte wollen wir absehen. Dadurch nun, daß sich diese Kräfte, die ich als elektrische Kräfte im Galvanismus, im Voltaismus und so weiter bezeichnen will, also jene Kräfte, die heute in die Kultur so tief eingreifen, in der Urzeit in den menschlichen Organismus hineingelebt haben, mit dem menschlichen Leben verbanden, dadurch konnten diese Kräfte eine Zeitlang für das menschliche Bewußtsein unbekannt bleiben. Der Mensch trug sie im Innern, aber äußerlich blieben sie ihm unbekannt. Nun, die magnetischen, die anderen elektrischen Kräfte außer dem Galvanismus und Voltaismus lernten wir schon früher kennen. Denn Galvanismus, die Berührungselektrizität, die mehr, als man heute sich überlegt, unserem Zeitalter sein Karma aufdrückt von außen, sie wurde, wie Sie wissen, erst um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert durch Galvani und Volta gefunden. Über solche Dinge denkt man gewöhnlich viel zu wenig nach. Denken Sie einmal, dieser Galvani, einen Froschschenkel präpariert er. Dadurch, daß er ihn, wie man sagt, zufällig am Fenster befestigt und der Froschschenkel mit Eisen in Berührung kommt, zuckt er. Das ist der Anfang all der Entdeckungen, all der Erfindungen, die heute durch den elektrischen Strom unsere Erde beherrschen! Seit so kurzer Zeit ist das erst. Man denkt gewöhnlich nicht nach: Wie kommt es denn, daß die Menschheit so etwas früher nicht gewußt hat? Plötzlich taucht auf eine ganz wunderbare Art in einem Menschen dieser Gedanke auf; er wird darauf gestoßen, dieser Mensch, auf diesen Gedanken. Unser materialistisches Zeitalter denkt natürlich über solche Dinge nicht nach. Aber deshalb versteht unser materialistisches Zeitalter rein gar nichts wissenschaftlich von dem wirklichen Werdegang der Welt. Die Wahrheit ist diese:

[ 29 ] Let us now take a very brief look at an event from the Lemurian Age. There was a certain point in human evolution—thousands and thousands of years ago—when humanity on Earth was still very different from what it is today. You know from the way I described this evolution of humanity on Earth in An Outline of Esoteric Science how these impulses gradually entered into humanity. There was a point in evolution when what we know today as magnetic and, in particular, electrical forces became established within the human being from the cosmos. For the magnetic and electrical forces also live within us in a mysterious way. Before this era, during the Lemurian period, human beings on Earth still lived without the magnetic and electrical forces that develop spiritually within their nervous system, between the nervous and circulatory functions. It was then that these forces became incorporated into them. Let us set aside the magnetic forces for now, and also a certain portion of the electrical forces. Precisely because these forces—which I shall refer to as electrical forces in the context of galvanism, voltaism, and so on, that is, those forces that today are so deeply intertwined with civilization—were integrated into the human organism in primeval times and connected with human life, these forces were able to remain unknown to human consciousness for a time. Human beings carried them within, but outwardly they remained unknown to them. Now, we became acquainted with the magnetic forces and the other electrical forces—apart from galvanism and voltaism—already some time ago. For galvanism—contact electricity, which imposes its karma on our age from the outside more than we realize today—was, as you know, only discovered around the turn of the 18th to the 19th century by Galvani and Volta. People usually give far too little thought to such things. Just think: this Galvani—he was dissecting a frog’s leg. By attaching it, as they say, by chance to a window, and the frog’s leg coming into contact with iron, it twitched. That is the beginning of all the discoveries, all the inventions that today, through electric current, dominate our world! It has only been that short a time. People usually don’t stop to think: How is it that humanity didn’t know such a thing before? Suddenly, in a truly wondrous way, this thought arises in a person; this person stumbles upon this thought. Our materialistic age, of course, does not reflect on such things. But that is precisely why our materialistic age understands absolutely nothing, scientifically speaking, about the true course of the world. The truth is this:

[ 30 ] Nachdem die Menschheit den Zeitpunkt in der lemurischen Zeit durchgemacht hatte, wo sie sich selbst jene Kräfte in ihr Inneres eingepflanzt hat, oder wo sie eingepflanzt erhalten hat die Kräfte, die heute in der Elektrizität durch den Draht gehen, und die auf unsichtbare Weise im Menschen wirken, nachdem dieses Zeitalter vorübergegangen war, lebte gewissermaßen die Elektrizität im Innern des Menschen. Nun geht die Entwickelung nicht so vorwärts, wie man es leichthin zeichnet, so mit einem einfachen Strich. Man glaubt nur, die Zeit geht so vorwärts, daß sie ins Unendliche verfließt. Das ist aber eine ganz abstrakte Vorstellung. In Wahrheit geht die Zeit so, daß sie sich weiterbewegt, daß die Entwickelung wieder umgekehrt wird und zurückläuft. Nicht nur im Raume gehen diese Bewegungen in der Lemniskate vor sich, sondern auch in der Zeit.

[ 30 ] After humanity had passed through that phase of the Lemurian era when it implanted within itself—or received the implantation of—those forces that today flow through wires as electricity and work invisibly within human beings, once that era had passed, electricity, so to speak, continued to live within human beings. Now, evolution does not proceed as one might casually depict it, with a simple stroke of the pen. People merely believe that time moves forward by flowing into infinity. But that is a completely abstract notion. In truth, time moves in such a way that it continues to advance, that development is reversed and runs backward. These lemniscate-like movements occur not only in space but also in time.

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[ 31 ] Da war die Menschheit während der lemurischen Zeit (Kreuzungspunkt der Lemniskatenbewegung, siehe Zeichnung), als sie sich eingepflanzt hat in sich selber das elektrische Kraftprinzip. Diesen Weg (blau) ist sie gegangen in der atlantischen Zeit, und kam mit Bezug auf gewisse Kräfte in der nachatlantischen Zeit an um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert an den Punkt, genau an den Punkt in der Weltentwickelung, wo sie war in der alten lemurischen Zeit, als sie sich selber vom Kosmos herein das Elektrizitätsprinzip eingepflanzt hatte. Und das ist der Grund, daß Galvani dazumal die Elektrizität fand! In späteren Zeiten gehen die Menschen immer wiederum zurück nach dem, was sie schon früher durchlebt haben; zyklisch, rhythmisch vollzieht sich alles Leben. Wir standen als Menschheit gewissermaßen wirklich um die Mitte des materialistischen Zeitraums, der sich seit dem 14., 15. Jahrhunderte entwickelt hat, an dem Punkt im Weltenall, den wir einmal durchlaufen hatten während der lemurischen Zeit. Und die ganze Menschheit erinnerte sich dazumal des Hereinbrechens der Elektrizität in den Menschen, und daher imprägnierte durch diese Erinnerung die Menschheit die Kultur mit dem elektrischen Prinzip. Das, was als Seele und Geist im Menschen lebt, das fand das wiederum, was einmal durchlebt war. Solche Wahrheiten werden der Menschheit wiederum klar werden müssen, denn mit diesen Wahrheiten allein wird man die Dekadenz der Zukunft vermeiden.

[ 31 ] This is where humanity was during the Lemurian period (the intersection of the lemniscate movement; see diagram), when it implanted the principle of electrical power within itself. It followed this path (blue) during the Atlantean era, and—with regard to certain forces—reached, in the post-Atlantean era around the turn of the 18th to the 19th century, the exact point in world development where it had been in the ancient Lemurian era, when it had implanted within itself the principle of electricity drawn from the cosmos. And that is why Galvani discovered electricity back then! In later times, people always return to what they have already experienced before; all life unfolds cyclically and rhythmically. As humanity, we were, so to speak, truly standing at the midpoint of the materialistic era that had been developing since the 14th and 15th centuries—at the point in the cosmos that we had once passed through during the Lemurian era. And all of humanity remembered at that time the emergence of electricity within human beings, and thus, through this memory, humanity imbued culture with the electrical principle. That which lives as soul and spirit within the human being rediscovered what had once been experienced. Such truths will have to become clear to humanity once again, for only with these truths will the decadence of the future be avoided.

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[ 32 ] Unter dem Einflusse jener Inspirationen, von denen ich heute gesprochen habe, kamen gewisse Geister auf solche Wahrheiten. Denn daß die Menschen solche Wege machen, das wird eben bewirkt dadurch, daß verschiedene Strömungen herrschen. Würde zum Beispiel nur das geherrscht haben, was von der Art war, wie es die Templer wollten, so würde eine andere Entwickelung durchgemacht worden sein. Dadurch, daß aber der andere Strom, der mephistophelische beigemischt worden ist — er war von Anfang an auch da, aber er wurde erneuert durch das Templerschicksal —, dadurch ist die Menschheit gerade in dieser Zeit in den Materialismus hereingebracht worden, wie sie eben hereingebracht worden ist. Man braucht in der Menschheitsentwickelung diese mephistophelisch-ahrimanischen Kräfte. Und ich sagte: Gewisse Geister werden durch die Inspiration, die von dem rosenkreuzerischen Templerprinzip herkommt, die aus der geistigen Welt kommt, dahin geführt, dieses Prinzip, das ich hier meine, zu erkennen.

[ 32 ] Under the influence of the inspirations I have spoken of today, certain minds arrived at such truths. For the fact that people follow such paths is precisely the result of the prevalence of various currents. If, for example, only what the Templars desired had prevailed, a different course of development would have taken place. But because the other current—the Mephistophelean one—was mixed in—it was there from the beginning, but it was renewed by the fate of the Templars—humanity was led into materialism precisely at this time, just as it has been. These Mephistophelean-Ahrimanic forces are necessary in the development of humanity. And I said: Certain spirits are led, through the inspiration that comes from the Rosicrucian-Templar principle—which comes from the spiritual world—to recognize this principle that I am referring to here.

[ 33 ] Und denken Sie nur nicht, daß ein großer Dichter, ein wirklich großer Dichter, der aus der geistigen Welt heraus schafft, seine Worte so hinsetzt, wie die Leute heute manchmal glauben, diese Worte oberflächlich nehmen zu dürfen! Nein, ein Dichter wie Goethe zum Beispiel weiß, was in dem Worte liegt, weiß, daß mit dem Worte etwas gegeben ist, was den Menschen trägt und mit dem Menschen den Geist trägt, durch die menschliche Person den Geist tönen läßt. Person? - Da erinnert man sich: persona! Persona ist das Wort, das entstanden ist aus dem griechischen Wort für die Maske, die der Schauspieler trug und durch die seine Stimme tönte: personare heißt durchtönen. Das alles hängt innig zusammen mit der Fortentwickelung desWortes: «Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott und ein Göttliches war das Wort.» - DasWort war nicht im Menschen; doch die menschliche Persönlichkeit hängt damit zusammen.

[ 33 ] And don’t for a moment think that a great poet—a truly great poet who creates from the spiritual world—simply strings his words together the way people today sometimes believe they can take those words at face value! No, a poet like Goethe, for example, knows what lies within the word; he knows that the word conveys something that sustains human beings and, through them, sustains the spirit, allowing the spirit to resound through the human person. Person?—That brings to mind: persona! Persona is the word derived from the Greek word for the mask worn by the actor, through which his voice resounded: personare means “to resound.” All of this is intimately connected with the further development of the Word: “In the beginning was the Word, and the Word was with God, and the Word was divine.” - The Word was not in human beings; yet human personality is connected to it.

[ 34 ] Aber die ganze Entwickelung wird fortgetrieben dadurch, daß nicht nur die guten Kräfte wirken, sondern auch die anderen. Und solch ein Mensch wie Goethe sagte, wenn auch zum Teil unbewußt, aber unter Inspiration, gerade in einer solchen Dichtung wie in der Faust-Dichtung die tiefsten, bedeutsamsten großen Wahrheiten. Da, wo der Herr mit Mephistopheles im «Prolog im Himmel» im Gespräche ist, da sagt der Herr zuletzt zu dem Mephistopheles, daß er gegen sein Wirken nichts hat. Er läßt diesen Mephistopheles-Ahriman gelten, weil er drinnen sein soll in derWeltenentwickelung. Durch ihn soll das drinnen sein, was «reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen». Dann aber wendet der Herr seine Stimme von ihm ab und richtet das Wort zu den «echten Göttersöhnen», welche die normale Entwickelung vorwärtsbringen, und mit denen die andere Entwickelungsströmung zusammenwirkt. Und was sagt denn der Herr zu diesen echten Göttersöhnen?

[ 34 ] But the entire process of development is driven forward not only by the forces of good, but also by the others. And a man like Goethe expressed—albeit partly unconsciously, yet under inspiration—the deepest, most significant, and greatest truths precisely in a work of poetry such as Faust. In the “Prologue in Heaven,” where the Lord is in conversation with Mephistopheles, the Lord finally tells Mephistopheles that he has no objection to his work. He allows this Mephistopheles-Ahriman to exist because he is meant to be part of the development of the world. Through him, that which “provokes and acts and must work as the devil” is to be present. But then the Lord turns his voice away from him and addresses the “true sons of the gods,” who advance normal evolution and with whom the other current of evolution interacts. And what does the Lord say to these true sons of the gods?

Doch ihr, die echten Göttersöhne,
Erfreut euch der lebendig reichen Schöne!
Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfaß’ euch mit der Liebe holden Schranken,
Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
Befestiget mit dauernden Gedanken!

But you, the true sons of the gods,
Rejoice in the living, rich beauty!
That which is becoming, which eternally acts and lives,
Encircle yourselves with love’s sweet bounds,
And what hovers in a wavering form,
Strengthen it with enduring thoughts!

[ 35 ] Der Herr gibt direkt den Befehl seinen Söhnen, daß sie hinsetzen sollen an die Weltenorte dauernde Gedanken! Solch ein dauernder Gedanke wurde hingesetzt in die Welt, als das elektrische Prinzip den Menschen eingepflanzt wurde, und zurückgeführt wurde die Menschheit wiederum zu dem dauernden Gedanken, als die Menschheit das elektrische Prinzip entdeckte und es der materialistischen Kultur einpflanzte. Ein Gedanke von ungeheurer Tiefe, dieses:

[ 35 ] The Lord directly commands His sons to plant enduring thoughts in the corners of the world! Such a lasting thought was planted in the world when the electrical principle was implanted in humankind, and humanity was led back to that lasting thought when it discovered the electrical principle and implanted it in materialistic culture. This is a thought of immense depth:

Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfaß’ euch mit der Liebe holden Schranken,
Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
Befestiget mit dauernden Gedanken!

That which is coming to be, which eternally acts and lives,
Encircle yourselves with the gentle barriers of love,
And whatever hovers in a wavering form,
Strengthen it with enduring thoughts!

[ 36 ] Und eine tiefe Empfindung erfaßt unsere Seele, wenn das Mysterium auf uns wirkt von den dauernden Gedanken; denn dann fühlen wir, wie in der Welt das Ewige da und dort als dauernde Gedanken sitzt, wie wir angehören der Welt der Bewegung und wie wir durchgehen durch das, was in die «schwankende Erscheinung» hineinversetzt wird als dauernde Gedanken, als das ewig wirkende und webende Schöne, das sich offenbart, damit wir es erfassen in dem rechten Augenblicke.

[ 36 ] And a profound feeling takes hold of our soul when the mystery of enduring thoughts takes effect upon us; for then we feel how the eternal is present here and there in the world as enduring thoughts, how we belong to the world of movement, and how we pass through that which is set into the “fluctuating appearance” as enduring thoughts—as the eternally active and weaving beauty that reveals itself so that we may grasp it at the right moment.

[ 37 ] Und so möge denn auch ein rechter Augenblick für die Menschheit kommen in einer nächsten Zukunft, wie er ihr vorbestimmt ist, wenn sie nicht in die Dekadenz kommen will. Möge sie es verstehen, daß sie durchzugehen hat durch den nächsten Punkt, der den Materialismus wiederum in sein Gegenteil aufhebt, durchzugehen hat durch den Punkt, wo die großen Gedanken der spirituellen Welt hereinstrahlen können in die Menschheit, zu welchen diese Menschheit sich vorbereiten will in denjenigen ihrer Persönlichkeiten, welche heute schon durch ihr Karma zur Geisteswissenschaft kommen durften. Hinzulenken darauf, daß auch dem materialistischen Zeitalter, das gefunden hat den dauernden Gedanken, den in der letzten Art Ahriman-Mephistopheles in die neuzeitliche Entwickelung hineingesetzt hat, dasjenige hinzugefügt werden muß, was erfahren werden kann bei dem Durchgang durch einen spirituellen dauernden Gedanken, darauf hinzuweisen, und daß die Menschheit nicht versäume, diesen spirituellen Gedanken zu erfassen, wird die immer wiederkehrende Aufgabe des geisteswissenschaftlichen Wirkens und Strebens sein. Daher darf man auch nicht müde werden, immer wieder und wiederum zu gemahnen daran, daß der Zeitpunkt zur Erfassung der Geisteswissenschaft von der Menschheit nicht versäumt werden möge.

[ 37 ] And so may a true moment for humanity also come in the near future, as is destined for it, if it does not wish to fall into decadence. May humanity understand that it must pass through the next stage, which in turn transcends materialism into its opposite; it must pass through the stage where the great ideas of the spiritual world can shine into humanity—ideas for which this humanity wishes to prepare itself through those of its personalities who, through their karma, have already been permitted to come to spiritual science today. To point out that even the materialistic age—which has found the enduring thought that Ahriman-Mephistopheles, in his latest form, has introduced into modern development—must be supplemented by what can be experienced through the passage through a spiritual, enduring thought; to point out and ensuring that humanity does not fail to grasp this spiritual thought will be the ever-recurring task of spiritual scientific work and endeavor. Therefore, we must not grow weary of repeatedly and persistently reminding humanity that it must not miss the opportunity to embrace spiritual science.