The Karma of a Person's Profession
in Relation to Goethe's Life
GA 172
13 November 1916, Dornach
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The Karma of a Person's Profession in Relation to Goethe's Life, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Sie werden aus den Betrachtungen gerade eines solchen Einschlages in das menschliche Leben, wie es der Beruf ist oder alles das, was damit zusammenhängt im Leben, ersehen haben, daß es schwierig ist, diese Dinge auseinanderzusetzen, weil außerordentlich viel dabei in Betracht kommt. Wir müssen dabei bedenken, daß alles das, was durch den Verlauf der Schicksalsgesetze, des Karmas in das Menschenleben hineingeführt wird, von sehr vielen Faktoren abhängt und daß gerade darauf die Mannigfaltigkeit des menschlichen Lebens beruht, daß so viele Faktoren ins Spiel kommen. Eine besondere Bemerkung muß gemacht werden,wenn unter dem Wort Beruf einzelnes Menschliche aus dem Lebensschicksal zusammengefaßt wird. Man soll nämlich das, was als Beruf des Menschen bezeichnet werden kann, nicht verwechseln mit demjenigen, was man als Amt des Menschen im weitesten Sinne bezeichnet. Denn selbstverständlich würde man sogleich in mancherlei Verwirrungen hineinkommen, wenn man sein Augenmerk auf das richten würde, was der cine oder der andere Mensch in seinem Amte vorstellt und dies unter den Gesichtspunkt rücken würde, der hier für das Berufsleben in Anspruch genommen worden ist. Gerade dadurch, daß der Mensch vielfach — nicht immer — seinen Beruf in einem Amte auszuführen hat, kommt es ja, daß. die mannigfaltigsten äußeren Faktoren wiederum hereinspielen können in das menschliche Leben und daß sich gewissermaßen mit dem Berufskarma andere karmische Fäden verspinnen.
[ 1 ] From your reflections on the very nature of a factor in human life such as one’s profession—or everything in life connected with it—you will have realized that it is difficult to analyze these matters, because there are an extraordinary number of factors to consider. We must bear in mind that everything brought into human life through the course of the laws of destiny—of karma—depends on a great many factors, and that the diversity of human life is based precisely on the fact that so many factors come into play. A special remark must be made when the term “profession” is used to summarize individual human aspects of one’s life destiny. One should not, in fact, confuse what can be called a person’s “profession” with what is referred to as a person’s “office” in the broadest sense. For, of course, one would immediately run into all sorts of confusion if one were to focus one’s attention on what this or that person represents in their office and were to view it from the perspective that has been adopted here for professional life. Precisely because a person often—though not always—has to carry out his or her profession within an office, it follows that the most diverse external factors can in turn come into play in human life and that, in a sense, other karmic threads become intertwined with one’s professional karma.
[ 2 ] Wir leben ja heute noch in einer Zeit, die zwar langsam in einer gewissen Umgestaltung begriffen ist, in der es aber doch in vieler Beziehung noch so ist, daß durchaus nicht allein maßgebend sind die Dinge, die wir jetzt anzuführen haben für das Berufskarma, um einen Menschen an diese oder jene Stelle im Leben zu versetzen. Wir wissen, daß heute noch in vieler Beziehung das Berufskarma durchkreuzt wird von dem Karma ganzer Stände, Klassen und so weiter, daß innerhalb von Menschengruppen in der Art, wie jemand auf seinen Platz im Leben gestellt wird, Ehrgeiz, Eitelkeit, Vorurteile von ihm selbst und anderen mitwirken, und viele andere Faktoren. Alle diese Faktoren, die da gewissermaßen von außen hereinwirken in das Berufskarma, machen es möglich, daß sich in den Verlauf des menschlichen Wirkens fortwährend ahrimanische Einflüsse hineinmischen. Ein Mensch, der auf einen bestimmten Posten im Leben gestellt ist, der also Minister oder Staatsrat oder etwas Ähnliches geworden ist durch mancherlei Dinge, die ja bekannt sind, die man nicht aufzuzählen braucht, ein Mensch, der auf einen solchen Posten gestellt worden ist, braucht durchaus nicht den Beruf zu diesem Posten zu haben. Er kann auf einem hohen Posten stehen und sein Beruf kann nur der einer Schreiberseele sein; vielleicht nicht einmal das. Man darf aber dann nicht glauben, daß sein Posten nicht ausgefüllt wird. Gerade das ist ja das Eigentümliche unserer Zeit, die in der materialistischen Ausdeutung der berechtigten darwinistischen Grundlagen solch eine Lebenslehre heraufgebracht hat wie die von der «Auslese der Besten», die Oscar Hertwig, Haeckels Schüler, nunmehr schon so kräftig tadelt, — daß diese Zeit, welche diese Lehre heraufgebracht hat, zu gleicher Zeit ganz deutlich, viel mehr als das jemals im ganzen Lebenszusammenhange in irgendeinem anderen Zeitalter der Fall war, gerade die Schlechtesten auswählt. Hier braucht man nicht auf dem Standpunkt zu stehen, daß man nur seine Zeit wie ein Pessimist abkanzelt und sich auf die gute alte Zeit beruft, sondern hier steht man wirklich auf dem Grund einer Tatsache: Auf der einen Seite tut man sich zugute mit der Lehre von der Auslese der Besten; aber diese Zeit, die sich mit dieser Lehre etwas besonders zugute tut, ist beherrscht in ihrer Realität, in ihrer Wirklichkeit von der Tendenz, gerade die Schlechtesten auszuwählen für die scheinbar wichtigsten Lebensposten.
[ 2 ] We still live today in an age that, while slowly undergoing a certain transformation, is in many respects still such that the factors we are about to mention regarding vocational karma are by no means the only determining factors in placing a person in this or that position in life. We know that even today, in many respects, vocational karma is thwarted by the karma of entire social strata, classes, and so on; that within groups of people, ambition, vanity, prejudices—both one’s own and those of others—play a role in the way a person is placed in their position in life, along with many other factors. All these factors, which, so to speak, exert an influence from the outside on vocational karma, make it possible for Ahrimanic influences to continually intrude into the course of human activity. A person who has been placed in a certain position in life—that is, who has become a minister, a state councilor, or something similar through various circumstances that are well known and need not be enumerated—a person who has been placed in such a position need not necessarily have the vocation for that position. He may hold a high office, yet his vocation may be nothing more than that of a scribal soul; perhaps not even that. But one must not then believe that his position is not being filled. This, precisely, is the peculiarity of our time, which—in the materialistic interpretation of the legitimate Darwinian principles—has brought forth such a doctrine of life as that of the “selection of the best,” which Oscar Hertwig, Haeckel’s student, now so strongly criticizes—that this era, which has given rise to this doctrine, at the very same time quite clearly selects precisely the worst, far more so than was ever the case in the entire context of life in any other age. Here one need not take the position of simply denouncing one’s own era like a pessimist and invoking the “good old days”; rather, one is truly standing on the basis of a fact: On the one hand, one takes credit for the doctrine of selecting the best; but this era, which takes particular pride in this doctrine, is in reality dominated by the tendency to select precisely the worst for the seemingly most important positions in life.
[ 3 ] Das ist eine bittere Wahrheit für die Gegenwart, die aber erkannt werden würde, wenn nicht diese Gegenwart durchaus unter dem Eindrucke eines möglichst weitgehenden Autoritätsglaubens und einer möglichst weitgehenden Opportunitätsduselei stünde, und wenn nicht das,was man heute öffentliche Meinung nennt — öffentliche Meinungen sind ja nach der Ansicht eines Philosophen des 19. Jahrhunderts private Torheiten —, herrschte. Man würde, sage ich, das, um was es sich handelt, einsehen, wenn man nicht so sehr unter dem Eindrucke der heute aus so schlammigen Quellen heraus gespeisten öffentlichen Meinung stünde. Darüber also muß man sich klar sein, daß unsere Zeit vor allen Dingen erzogen werden muß zu einer intensiveren Lebensauffassung dadurch, daß man einsieht, daß Einseitigkeit, die Auslese der Schlechtesten, da ist, wenn auch diese Schlechtesten angebetet werden von der genannten öffentlichen Meinung.
[ 3 ] This is a bitter truth for the present, but one that would be recognized if the present were not so thoroughly under the influence of a belief in authority that extends as far as possible and a self-serving opportunism that goes as far as possible, and if what is today called public opinion—public opinions are, after all, private follies in the view of a 19th-century philosopher—did not prevail. I say that people would understand what is at stake if they were not so heavily influenced by public opinion, which today is fed from such murky sources. One must therefore be clear about this: our age must, above all, be educated toward a more intense conception of life by recognizing that one-sidedness—the selection of the worst—exists, even if these very worst are idolized by the aforementioned public opinion.
[ 4 ] Die Ämter werden vielfach ausgefüllt von Ahriman-Mephistopheles, und Sie können ja gerade an dem Fortgange der «Faust»-Handlung sehen, wie Mephistopheles sein Amt versieht. Erst am Schlusse seines Lebens wird es dem Faust möglich, sich von Mephistopheles zu befreien. Faust kommt an den Kaiserhof. Er macht sogar eine für die letzten Jahrhunderte außerordentlich wichtige Erfindung; er erfindet nämlich das Papiergeld. Aber eigentlich erfindet Mephistopheles das Papiergeld. Dann wird wiederum Faust hingeleitet in die antike Welt durch den Homunkulus; aber durch die Beihilfe des Mephistopheles kommt der Homunkulus zustande. Faust wird sogar Feldherr, führt Kriege, aber man kann gerade an der Darstellung, die Goethe in diesem Akte zustande bringt, ersehen, daß eigentlich Mephistopheles diese Kriege führt. Zum Schlusse erst sehen wir, wie Faust sich allmählich befreit von Mephistopheles. Wenn Faust auch gewissermaßen nur durch die Welt schweift, ohne ein bestimmtes Amt zu haben, nachdem er seine Professur verlassen hat, die er vorher innehatte, so muß man doch sagen: Die Art und Weise, wie Mephistopheles an seiner Seite steht, die ist schon so, wie vielfach heute die mephistophelische Kraft in das Leben der Menschheit hereinspielt. Das ist das eine, das beachtet werden muß.
[ 4 ] These roles are often filled by Ahriman-Mephistopheles, and you can see precisely from the course of the Faust plot how Mephistopheles carries out his duties. Only at the end of his life does Faust manage to free himself from Mephistopheles. Faust arrives at the imperial court. He even makes an invention of extraordinary importance for the past few centuries; namely, he invents paper money. But in reality, it is Mephistopheles who invents paper money. Then Faust is led back into the ancient world by the homunculus; but the homunculus comes into being through Mephistopheles’s assistance. Faust even becomes a general and wages wars, but it is precisely from the portrayal Goethe creates in this act that one can see that it is actually Mephistopheles who wages these wars. Only at the very end do we see how Faust gradually frees himself from Mephistopheles. Even if Faust, in a sense, merely wanders through the world without holding a specific office after leaving the professorship he previously held, one must still say: The way in which Mephistopheles stands by his side is very much like the way the Mephistophelean force often plays a role in human life today. That is the one thing that must be taken into account.
[ 5 ] Etwas anderes, das beachtet werden muß, das ist, daß es außerordentlich schwierig ist, in der menschlichen Natur das richtig zu erforschen, was eigentlich im Verlauf der karmischen Evolution wirkt. Man kann sogar auf diesem Gebiete sagen, daß auch da die naturwissenschaftliche Entwickelung zu dem Punkte hingelangt, der ersetzt werden muß durch geisteswissenschaftliche Betrachtung. Allein gerade indem die naturwissenschaftliche Betrachtungsweise sich auf das seelische Leben einläßt, macht sie die fürchterlichsten Irrtümer. Wir sehen ja, wie es heute eine verkehrte wissenschaftliche Richtung gibt, welche sich an das menschliche Seelenleben heranwagt und dieses naturwissenschaftlich betrachten will, welche auch zugibt, daß dieses menschliche Seelenleben nicht bloß verläuft in demjenigen, was im Bewußtsein vorhanden ist, sondern daß unter der Schwelle des Bewußtseins, wie man sagt, im Unbewußten oder Unterbewußten, vieles liegt, das heraufschlägt in das Bewußtsein. Wir haben bei früheren Betrachtungen konkrete Dinge angeführt, die wirklich im Unterbewußtsein liegen und die heraufschlagen in das Bewußtsein wie dieRauchwolken auf dem Gebiete einer Solfatara, wenn man da anfängt, Papierstückchen abzubrennen. Vieles ist allerdings in den Tiefen des Bewußtseins da unten. So daß man sagen kann: Es ahnen schon einige Leute, die heute Seelenkunde betreiben wollen, daß man dunkle, unbewußte Seelenfähigkeiten und Seelenunfähigkeiten zur Erklärung des Seelenlebens ins Feld führen muß. Allein da diese Anschauungen sich durchaus noch nicht zu einer umfassenderen geisteswissenschaftlichen Weltanschauung bequemen wollen, so können sie auch nur Verkehrtes zutage fördern. Man schaut, wenn man auf diesem Gesichtspunkt naturwissenschaftlicher Seelenkunde steht, sich ein Menschenleben an, wie es sich entwickelt hat. Man ist allerdings schon davon abgekommen zu glauben, daß das, was eine Seele fühlt und will, womit sie glücklich oder unglücklich, freudevoll oder schmerzvoll ist, nur von dem abhängt, was sie selber unmittelbar im Bewußtsein bewahrt hat. Man versucht nun die Seele zu katechisieren, versucht zum Beispiel herauszukriegen aus den Seelen, was sie einmal durchgemacht haben, durchgemacht haben an Freuden, an Leiden, an Enttäuschungen im Leben, die sie für ihr gewöhnliches Vorstellungsvermögen vergessen haben. Allein, was vergessen ist, sagt man sich, das ist deshalb nicht verschwunden; im Unterbewußten wühlt es.
[ 5 ] Another point that must be taken into account is that it is extremely difficult to properly investigate, within human nature, what actually operates in the course of karmic evolution. One might even say, in this area as well, that scientific development has reached a point where it must be supplemented by spiritual scientific consideration. Yet it is precisely when the natural-scientific approach ventures into the realm of the soul life that it commits the most terrible errors. We see, after all, how there is today a misguided scientific trend that ventures into the human soul life and seeks to examine it from a natural-scientific perspective—a trend that also admits that this human soul life does not merely unfold in what is present in consciousness, but that beneath the threshold of consciousness—as one says, in the unconscious or subconscious— there lies much that surges up into consciousness. In earlier discussions, we have cited concrete examples of things that truly lie in the subconscious and surge up into consciousness like clouds of smoke in the vicinity of a solfatara when one begins to burn up pieces of paper there. Much, indeed, lies in the depths of the unconscious down there. So one can say: Some people who wish to engage in the study of the soul today already suspect that one must bring dark, unconscious soul capacities and soul deficiencies into play to explain the life of the soul. But since these views are by no means yet willing to align with a more comprehensive spiritual-scientific worldview, they can only bring forth falsehoods. From this perspective of scientific psychology, one observes a human life as it has unfolded. One has, however, already moved away from the belief that what a soul feels and wills—what makes it happy or unhappy, joyful or sorrowful—depends solely on what it has directly retained in consciousness. One now attempts to interrogate the soul, trying, for example, to draw out from the soul what it has once experienced—the joys, sufferings, and disappointments in life that it has forgotten beyond the reach of its ordinary imagination. Yet, one tells oneself, what is forgotten has not therefore disappeared; it stirs in the subconscious.
[ 6 ] Insbesondere wühlen in diesem Unterbewußtsein Begierden, die man früher einmal gehabt hat, die nicht befriedigt worden sind, die man zurückgedrängt hat. Sagen wir einen konkreten Fall: Man hat es zu tun mit einem weiblichen Wesen im dreißigsten Jahre. Im sechzehnten Jahre habe sie sich verliebt, habe da eine recht erotische Begierde entwickelt so sagt diese naturwissenschaftliche Richtung —, aber diese erotische Begierde würde zu irgendeinem Lebensabwege geführt haben, wenn sie sich hingegeben hätte dieser erotischen Begierde, wenn sie erfüllt worden wäre. Sie hat sie unter dem Einflusse der Erziehung, unter dem Einflusse des elterlichen Zuredens zurückgedrängt, sie hat sie, wie man trivial sagen kann, seelisch hinuntergefressen. Sie lebt weiter. Es sind schon vierzehn Jahre seit jener Zeit verflossen. Sie hat vielleicht nun standesgemäß geheiratet. Für das, was sie täglich denkt und fühlt, ist es längst vergessen, aber was vergessen ist, ist nicht verschwunden. Die Seele erschöpft sich nicht in demjenigen, was sie weiß. In den Untergründen des Seelenlebens ist das noch immer vorhanden, und es kommt in der Weise zum Ausdruck, daß die betreffende Dame dann, trotzdem sie äußerlich glücklich ist, an einer undefinierbaren, pessimistischen Anwandlung leidet, an einem partiellen Lebensüberdruß oder dergleichen, daß sie, wie man sagt, nervös ist, neurasthenisch oder eben so etwas dergleichen. Man sucht dann diese Art von Seelenkunde in die Heilwissenschaft hineinzutragen, und man versucht dann, solche Seelen zu heilen, indem man sie katechisiert, indem man sagt: Solche in den Untergründen des Seelenlebens hausenden Erlebnisse, die scheinbar vergessen sind für das Oberbewußtsein, müssen heraufgeholt werden. Werden sie heraufgeholt und setzt man sich unter dem Einflusse eines günstigen Katecheten — der natürlich nach heutigen Anschauungen ein SeelenArzt sein muß — auseinander mit der Sache, dann wird es besser. — Man erlangt auch Heilungen auf diesem Wege, die ja oftmals sogar mehr oder weniger Heilungen sind, obwohl es in der Mehrzahl der Fälle nur Scheinheilungen sein werden; doch inwieferne es Scheinheilungen sind, können wir ja bei einer anderen Gelegenheit auseinandersetzen. Das ist so eines, was man da unten sucht in den Tiefen des Seelenlebens.
[ 6 ] In particular, this subconscious is rife with desires that one once had, that were never satisfied, and that one has repressed. Let’s take a specific case: We are dealing with a woman in her thirties. At the age of sixteen, she fell in love and developed—as this scientific school of thought puts it—a rather erotic desire; but this erotic desire would have led her down some wrong path in life if she had given in to it, if it had been fulfilled. Under the influence of her upbringing and her parents’ persuasion, she repressed it; she, as one might trivially put it, “ate it away” emotionally. She carries on with her life. Fourteen years have already passed since that time. She may now have married a man of her own social standing. As far as her daily thoughts and feelings are concerned, it has long been forgotten, but what is forgotten has not disappeared. The soul is not limited to what it knows. It still exists in the depths of her inner life, and it manifests itself in such a way that the woman in question, despite appearing happy on the outside, suffers from an indefinable, pessimistic mood, a partial weariness with life, or something similar—so that she is, as they say, nervous, neurasthenic, or something of that sort. People then seek to incorporate this kind of psychology into medical science, and they attempt to heal such souls by catechizing them, by saying: Such experiences lurking in the depths of the soul—which seem to have been forgotten by the conscious mind—must be brought to the surface. If they are brought to the surface and one grapples with the matter under the guidance of a skilled therapist—who, of course, according to today’s views, must be a psychiatrist—then things improve. — One also achieves healings in this way, which are often more or less actual healings, although in the majority of cases they will be only apparent healings; but to what extent they are apparent healings is something we can discuss on another occasion. This is the kind of thing one seeks down there in the depths of the soul’s life.
[ 7 ] Ein anderes: Wir haben es zu tun mit einem fünfunddreißig- oder vierzigjährigen Mann, der an einer gewissen Lebensmüdigkeit leidet, an einer Lebensunentschlossenheit. Er weiß nicht warum, und seine Umgebung weiß nicht warum; er weiß es am allerwenigsten. Derjenige, der mit solchen Dingen, wie angedeutet worden ist, mit solcher Seelenwissenschaft sich zu tun machen will, versucht nun wiederum in den vergessenen, aber nicht verschwundenen Untergründen des Seelenlebens dieses Menschen zu wühlen und bringt herauf, daß der Betreffende vielleicht in seinem fünfzehnten, sechzehnten, siebzehnten Lebensjahre diesen oder jenen Lebensplan gehabt hat, der gescheitert ist. Er mußte sich dazumal einem anderen Lebensplan zuwenden, der diesem früheren Lebensplan nicht entspricht. Er hat allerdings scheinbar sich damit abgefunden in dem, was er täglich fühlt und denkt und will; aber das ist nicht das ganze Seelenleben, was man so bewußt denkt und fühlt und will, sondern in den Untergründen lebt als Kraft dieser gescheiterte Lebensplan weiter.
[ 7 ] Another example: We are dealing with a man of thirty-five or forty who suffers from a certain weariness of life, from a lack of resolve. He does not know why, and those around him do not know why; he knows it least of all. Anyone who wishes to engage with such matters—as has been suggested—with this kind of psychology, now attempts to delve into the forgotten but not vanished depths of this person’s inner life and uncovers that the individual in question may have had this or that life plan in his fifteenth, sixteenth, or seventeenth year, which failed. At that time, he had to turn to a different life plan that did not correspond to this earlier one. He has, admittedly, seemingly come to terms with this in what he feels, thinks, and wills on a daily basis; but that is not the entirety of the soul life—what one so consciously thinks, feels, and wills—rather, this failed life plan lives on as a force in the depths of the soul.
[ 8 ] Man glaubt nun wiederum, heilen zu können, wenn man katechisierend heraufbekommt diesen gescheiterten Lebensplan und der Betreffende sich mit seinem Katecheten auseinandersetzen kann. Man denkt aber auch, vieles andere ruhe da unten in den Tiefen der Seele, ohne daß das Bewußtsein davon weiß. Kurz, man ist darauf gekommen, daß das Bewußtsein ein kleiner Kreis ist, das Seelenleben ein größerer Kreis, daß das Bewußtsein nur einen Teil des Seelenlebens umfaßt. Man sucht nun aber auch das, ich möchte sagen, Unseelische auf dem Grunde des Seelenlebens, wie sich erst jüngst, wie es scheint, ein Theologe wenig geschmackvoll ausgedrückt hat: man sucht den «animalischen Grundschlamm» der Seele. Also Enttäuschungen, unterdrückte Begierden, gescheiterte Lebenspläne, den «animalischen Grundschlamm» der Seele, das heißt alles dasjenige, was in dem animalischen Leben wurzelt, welches sozusagen aus dem Fleisch, aus dem Blute, aus dem Animalischen kommt und nicht auf bewußte Weise — denn das Bewußtsein, das würde sich natürlich dagegen wehren, wehrt sich auch — heraufkommt aus dem Grunde des Seelischen. |
[ 8 ] It is now believed, however, that healing is possible if one can bring this failed life plan to the surface through a catechizing process and the person in question is able to grapple with their catechist. But one also thinks that much else lies down there in the depths of the soul, without the conscious mind being aware of it. In short, one has come to realize that the conscious mind is a small circle, the life of the soul a larger circle, and that the conscious mind encompasses only a part of the life of the soul. But now people are also searching for what I would call the “non-spiritual” at the very bottom of the life of the soul—as, it seems, a theologian recently put it in a rather tasteless way: they are searching for the “animalistic sludge” of the soul. That is, disappointments, repressed desires, failed life plans—the “animalistic sludge” of the soul, that is, everything that is rooted in animal life—which comes, so to speak, from the flesh, from the blood, from the animal nature—and does not rise consciously from the depths of the soul, for consciousness would naturally resist this, and indeed does resist it. |
[ 9 ] Wahr ist ja manches an dieser Theorie von dem «animalischen Grundschlamm». Denn wir sehen es vielfach im Leben, wie das Bewußtsein sich sagt: Ach, ich will ja nichts anderes als das: ich will dies oder jenes erfahren, daher wende ich mich an diesen oder jenen Menschen. — Aber dann wirkt der «animalische Grundschlamm» des Seelenlebens, und es sind vielleicht nur animalische Begierden, die verbrämt, maskiert werden durch das, was das Bewußtsein sagt. Ferner wird von dieser «wissenschaftlichen» Richtung behauptet — «wissenschaftlich» muß man dabei schon in Gänsefüßchen sagen, wobei es ja auch meistens Gänserichfüßchen sind —, daß in diesen unbewußten Regionen auch das gefunden werde, was herrühre aus dem Zusammenhange des Individuums mit der Rasse, mit der Nation, mit allerlei anderen historischen Residuen, die unbewußt spielen in der menschlichen Seele, während das Bewußtsein sich ganz anders verhält. Man kann nicht einmal sagen angesichts desjenigen, was heute durch die Welt braust, daß diese Dinge nicht durch weit über die Welt sich breitende Beispiele belegt werden können. Wer würde heute nicht sehen müssen, wie mancher Mensch für Recht und Freiheit der Völker in seinen Worten hohe Ideale aufstellt, während in seiner Seele wirklich nur das tätig ist, was, den Grundschlamm der Seele durchwühlend, aus den Zusammenhängen kommt, die in der angedeuteten Richtung die Psychoanalyse eben analysiert, analysieren will wenigstens.
[ 9 ] There is certainly some truth to this theory of the “animalistic primal sludge.” For we see it time and again in life, how consciousness tells itself: “Oh, I want nothing more than this: I want to experience this or that, which is why I turn to this or that person.” — But then the “animalistic primal slime” of the soul’s life takes effect, and perhaps these are merely animalistic desires that are embellished and masked by what the consciousness says. Furthermore, this “scientific” school of thought claims— “scientific” must be said in quotation marks here, though in most cases they are actually goose-foot quotation marks—that in these unconscious regions one also finds what stems from the individual’s connection to the race, to the nation, to all sorts of other historical residues that play out unconsciously in the human soul, while consciousness behaves quite differently. In light of what is currently sweeping across the world, one cannot even say that these things cannot be substantiated by examples spreading far beyond the world. Who today could fail to see how many people set forth lofty ideals in their words regarding the justice and freedom of peoples, while in their souls what is truly at work is that which, stirring up the deep sludge of the soul, arises from the connections that psychoanalysis is analyzing—or at least seeks to analyze—in the direction indicated?
[ 10 ] Dann — und ich weiß nicht, wie sich nun die naturwissenschaftlichen Psychoanalytiker auseinandersetzen mit den theologischen Psychoanalytikern, die es ja auch gibt — rechnen namentlich die theologischen Psychoanalytiker zu dem Unterbewußtsein im Seelenleben auch das Dämonische, das, was also aus noch weiteren Untergründen, aus ganz irrationalen Untergründen, wie man sagt, heraufkommt. Insbesondere tun sich theologische Psychoanalytiker viel darauf zugute, daß unbekannte Dämonen wirken im Unterbewußtsein der menschlichen Seele, um zum Beispiel die Menschen zu Gnostikern, zu Theosophen zu machen. Denn, wenn man die Seele psychoanalysiert, wenn man hinunterdringt bis zu den Untergründen, wo auch der Urschlamm ist, findet man dies. Und eine dämonische Lehre ist Gnosis, eine dämonische Lehre ist Psychoanalyse — pardon, nicht Psychoanalyse. Die ist nach Ansicht dieser Männer und Frauen — denn Frauen nehmen auch schon teil an diesen Dingen — nicht dabei, sondern 'Theosophie und andere Dinge, die dabei auch aufgezählt werden. Nun, ich will mich heute nicht auf eine Kritik der Psychoanalyse einlassen, sondern ich will mit dem, was ich auseinandergesetzt habe, nur andeuten, daß in dieser psychoanalytischen Richtung gewissermaßen etwas liegt, wodurch die gegenwärtige Forschung hingestoßen wird zu dem, was unter dem bewußten Seelenteil liegt, was da wirkt und webt. Aber da sich aus den naturwissenschaftlichen Vorurteilen heraus gerade auf diesem Gebiete das Allerverkehrteste ergeben muß, da man sich auf geisteswissenschaftliche Untersuchungen vorläufig auf diesem Gebiete nicht einlassen will, so wird man niemals einsehen, daß dasjenige, was man da findet im Seelenleben, durchaus nicht in der richtigen Weise analysiert werden kann, wenn iman nicht weiß, daß das Menschenleben in wiederholten Erdenleben abläuft. Denn man sucht ja in der Psychoanalyse alles das, was auf dem Grunde der Seele ist, aus dem einen Erdenleben nur zu erklären. Kein Wunder, daß man es dann in viel schiefe Lichter stellen muß.
[ 10 ] Then — and I don’t know how the scientific psychoanalysts deal with the theological psychoanalysts, who do exist, after all — the theological psychoanalysts, in particular, also include the demonic in the subconscious of the soul, that which rises from even deeper depths, from entirely irrational depths, as they say. In particular, theological psychoanalysts take great pride in the fact that unknown demons are at work in the subconscious of the human soul, for example, to turn people into Gnostics or Theosophists. For when one psychoanalyzes the soul, when one delves down to the depths where the primordial mud also lies, one finds this. And Gnosticism is a demonic doctrine; psychoanalysis is a demonic doctrine—pardon me, not psychoanalysis itself. According to these men and women—for women are already involved in these matters as well—it is not included, but rather “theosophy and other things” that are also listed in this context. Well, I do not wish to engage in a critique of psychoanalysis today, but I merely wish to suggest, through what I have discussed, that there is, so to speak, something in this psychoanalytic direction that propels current research toward what lies beneath the conscious part of the soul—what is at work and weaving there. But since scientific prejudices inevitably lead to the most erroneous conclusions in this very field, and since people are currently unwilling to engage with spiritual scientific investigations in this area, they will never realize that what is found in the life of the soul cannot be properly analyzed unless one knows that human life unfolds over the course of repeated earthly lives. For in psychoanalysis, one seeks to explain everything that lies at the root of the soul solely on the basis of a single earthly life. No wonder, then, that one ends up viewing it in a very distorted light.
[ 11 ] Derjenige, der zum Beispiel auf dem Grunde der Seele gescheiterte Lebenspläne findet, der müßte erst untersuchen, was solches Scheitern eines Lebensplanes im Gesamtleben des Menschen, das durch wiederholte Erdenleben geht, für eineBedeutung hat. Er würde dann vielleicht finden, daß auch im Unterbewußten ruhend gewisse Seiten dieses Menschenlebens wirksam sind, welche gerade schicksalsmäßig verhindert haben, daß der betreffende Lebensplan zur Ausführung gekommen ist, und dann würde er bemerken, daß dieser gescheiterte Lebensplan, der da noch in den Untergründen der Seele ist, nicht bloß bestimmt ist, den Menschen für diese Inkarnation krank zu machen, sondern bestimmt dazu ist, durchgetragen zu werden, wenn dieses Leben zu Ende ist, durch die Pforte des Todes, zur Kraft zu werden in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, um im nächsten Erdenleben erst die rechte Rolle zu spielen. Für solch einen gescheiterten Lebensplan kann es gerade notwendig sein, im Leben zunächst in den Untergründen der Seele bewahrt zu werden, damit er sich erkraften, sich steigern kann und dann die richtige Gestalt gewinnen kann zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, damit er die ihm vorbestimmte Form annehmen kann im nächsten Erdenleben, die er vermöge anderer Eigenschaften im Seelenleben eben nicht hat annehmen können in diesem Erdenleben..
[ 11 ] For example, someone who discovers failed life plans deep within the soul would first have to examine what significance such a failure of a life plan holds in the context of a person’s entire life, which spans repeated earthly lives. They might then discover that certain aspects of this human life, lying dormant in the subconscious, have been at work—aspects that, as a matter of fate, have prevented the life plan in question from being carried out— and then he would realize that this failed life plan, which still lies in the depths of the soul, is not merely destined to make the person ill in this incarnation, but is destined to be carried through—once this life has ended, through the gate of death—to become a source of strength in the life between death and a new birth, so that it may finally play its proper role in the next earthly life. For such a failed life plan, it may indeed be necessary for it to be preserved initially in the depths of the soul during this life, so that it can gather strength, grow, and then take on the proper form between death and a new birth—so that it can assume the form predestined for it in the next earthly life, a form it was unable to assume in this earthly life precisely because of other qualities in the soul’s life.
[ 12 ] Und was den sogenannten — wie gesagt, der Ausdruck ist wenig geschmackvoll — animalischen Grundschlamm des Seelenlebens betrifft: Gewiß, er ist da; aber erinnern Sie sich an das, was ich ausgeführt habe über die Beziehung zwischen dem Haupte des Menschen und dem übrigen Organismus. Der übrige Organismus hängt gerade mit dem Erdenleben des Menschen, ja in vieler Beziehung mit seiner gegenwärtigen Inkarnation zusammen, während das Haupt ein Ergebnis früherer Erdenplanentwickelung ist und vor allen Dingen auch zusammenhängt mit seinen vorhergehenden Inkarnationen. Wenn Sie sich das überlegen, werden Sie begreifen, daß aus seinem übrigen Organismus, nach seiner Rolle, die er spielt im ganzen karmischen Zusammenhang, vieles heraufwirkt, was einen anderen Reifezustand haben muß als dasjenige, was aus dem Haupte des Menschen, aus dem Kopf und seinem Nervensystem entspringt. Aber derjenige geht ganz fehl, der zunächst in Psychoanalyse nur den Grundschlamm analysiert, denn wer den animalischen Grundschlamm analysiert, ist in derselben Lage wie ein Mensch, der wissen will, was für eine Getreideart auf einem bestimmten Boden wachsen wird, wenn sie noch nicht gewachsen ist; da analysiert er den Boden und gräbt hinein, findet einen gewissen Mist, mit dem gemistet ist. Nun sagt er: Ja, jetzt kenne ich den Mist, aus dem wird nächstens das Getreide herauswachsen. — Das Getreide wächst gar nicht aus dem Mist heraus, trotzdem der Mist da sein muß! Es handelt sich darum, was in diesem Grundschlamm eingebettet ist; und das, was in diesem Grundschlamm eingebettet ist, das ist vielfach dazu bestimmt, durch die Pforte des Todes hinüberzuwirken in die Entwickelung des nächsten Erdenlebens. Nicht darum handelt es sich, den animalischen Grundschlamm zu untersuchen, sondern dasjenige, was als seelischer Keim in diesem animalischen Grundschlamm eingebettet ist.
[ 12 ] And as for the so-called—as I said, the expression is in poor taste—animalistic primal sludge of the soul’s life: Certainly, it is there; but recall what I have explained regarding the relationship between the human head and the rest of the organism. The rest of the organism is directly connected to a person’s earthly life—indeed, in many respects to their present incarnation—while the head is a result of earlier developments on the Earth plane and, above all, is also connected to their previous incarnations. If you consider this, you will understand that much arises from the rest of the organism—depending on the role it plays in the overall karmic context—that must have a different state of maturity than that which springs from the human head, from the brain and its nervous system. But anyone who, in psychoanalysis, initially analyzes only the primal sludge is completely mistaken; for whoever analyzes the animalic primal sludge is in the same situation as a person who wants to know what kind of grain will grow on a certain piece of land when it has not yet grown there; so he analyzes the soil and digs into it, finding a certain kind of manure that has been used to fertilize it. Now he says: “Yes, now I know the manure; the grain will soon grow out of it.”—The grain does not grow out of the manure at all, even though the manure must be there! What matters is what is embedded in this primal sludge; and what is embedded in this primal sludge is often destined to work its way through the gateway of death into the development of the next earthly life. The point is not to examine the animalic primordial slime, but rather that which is embedded in this animalic primordial slime as a soul seed.
[ 13 ] Es gibt gerade die sogenannte Psychoanalyse Gelegenheit, so recht zu studieren, wo die Vorurteile der Gegenwart verhängnisvoll wirken, weil man es da mit einem Gebiet zu tun hat, nach dem hindrängt das Denken der Gegenwart, das sich nicht befriedigen darf mit dem, was der Seele bloß die Erfahrung gibt, was also der Seele die Erfahrung des Bewußtseins ist. Hingedrängt wird man schon zu dem Orte, wo man untersuchen soll. Aber nunmehr wühlen diejenigen, die keine Richtlinien haben zu untersuchen, weil sie Geisteswissenschaft nicht verstehen können, in den Gebieten, die ihnen von Amts wegen oder durch ihre Agitation zugeteilt sind, in der ungeschicktesten Weise, indem sie alles an falsche Stellen rücken, weil sie nicht verstehen, die Dinge eben an die richtigen Stellen zu rücken. Das würde man nur können, wenn man In der Lage wäre, den wirklichen karmischen Faden zu verfolgen, wie ich es Ihnen jetzt wenigstens andeutungsweise gerade mit dem einen und mit dem anderen gezeigt habe. Vor allen Dingen erweist sich diese Psychoanalyse so furchtbar ungesund, wenn sie schon im Elementaren herumwühlt, in demjenigen Gebiet, das aber wichtig ist, wenn man den fortlaufenden Schicksalsfaden des Menschen in seinen feinen, intimen Gestaltungen erforschen will. Das, was im bewußten Seelenleben des Menschen sich abspielt vom Aufwachen bis zum Einschlafen, zeigt eigentlich wenig von dem, was als karmische Strömung weiterwirkt durch die Inkarnationen. Was wir im wachen Leben bewußt erleben, das gehört zum großen Teil herein in die gegenwärtige Inkarnation, und es ist gut so, denn der Mensch soll in der gegenwärtigen Inkarnation tüchtig sein. Aber vieles von dem, was durch die Pforte des Todes getragen wird als Keim, der sich gebildet hat aus den Erlebnissen, Erfahrungen, Ertüchtigungen der gegenwärtigen Inkarnation, das spielt eine große Rolle in unserem Leben vom Einschlafen bis zum Aufwachen, und das spielt vielfach in die Träume hinein. Nur muß man die Gestaltung der Träume in der richtigen Weise beurteilen können. Wenn man sagt, Träume sind Reminiszenzen, so ist das oftmals richtig, aber sie wirken in anderer Weise in unserer karmischen Strömung als in einer geraden Weise. Sie wirken nicht in gerader Weise, sie wirken oftmals dadurch, daß sie in der Kraftrichtung das Entgegengesetzte bedeuten von dem, wie sie sich kundgeben. Ich will ein Beispiel aus der Literatur geben, um daran zu erörtern, was ich sagen will.
[ 13 ] Psychoanalysis, in particular, offers an opportunity to study precisely where the prejudices of the present have a disastrous effect, because it deals with a field toward which contemporary thought is driven—a field that cannot be satisfied with what experience alone provides the soul, that is, with the soul’s experience of consciousness. One is already being driven toward the very place one is meant to investigate. But now those who have no guidelines for investigation—because they cannot understand spiritual science—are digging around in the areas assigned to them by their official positions or through their agitation, in the most clumsy manner, placing everything in the wrong places because they do not understand how to place things in their proper places. One could only do this if one were able to trace the actual karmic thread, as I have just shown you, at least in outline, with one example and another. Above all, this psychoanalysis proves to be so terribly unhealthy when it delves into the elemental realm—the very realm that is, however, important if one wishes to explore the continuous thread of a person’s destiny in its subtle, intimate manifestations. What takes place in a person’s conscious soul life—from waking up to falling asleep—actually reveals very little of what continues to influence us as a karmic current through the incarnations. What we consciously experience in waking life belongs for the most part to the present incarnation, and that is as it should be, for a person is meant to be effective in the present incarnation. But much of what is carried through the gateway of death as a seed—formed from the experiences, lessons, and training of the present incarnation—plays a major role in our lives from the moment we fall asleep until we wake up, and this often finds its way into our dreams. One must, however, be able to interpret the nature of dreams correctly. When people say that dreams are reminiscences, this is often true, but they operate in our karmic current in a different way than in a direct one. They do not operate directly; they often operate by signifying, in terms of their direction of force, the opposite of how they manifest themselves. I would like to give an example from literature to illustrate what I mean.
[ 14 ] Der V-Vischer — V-Vischer heißt er, weil man ihn nicht mit F, sondern mit V schreibt —, der Ästhetiker, der den Roman «Auch Einer» geschrieben hat, hatte in «Auch Einer» eine kleine nette Erzählung, die ich aus dem Grunde anführe, weil ich ja in weiterem Umkreise über das Berufsleben, also über das spreche, was mit des Menschen Beschäftigung zusammenhängt. So will ich auch ein solches Beispiel anführen, das mit der Beschäftigung zusammenhängt. Da führt der V-Vischer ein Gespräch an zwischen einem Vater und seinem Sohne. Die gehen zusammen, und der Sohn erzählt dem Vater, nachdem ihn der Vater um Verschiedenes gefragt hat: Sieh einmal, der Lehrer hat uns gesagt, man solle immer beim Menschen sich erkundigen, was er für eine Beschäftigung hat, denn darauf komme es an, daß einer eine ordentliche Beschäftigung hat, daran erkenne man, ob er überhaupt ein ordentlicher Mensch ist, ob er eine ordentliche Seele ist. — So! sagt der Vater. — Ja, und nachher, nachdem der Lehrer uns das in der Schule gesagt hat, da träumte mir, ich ginge an den See da drüben, und da habe ich im Traum den See gefragt, was er für eine Beschäftigung hat, und da sagte der See: Ich habe die Beschäftigung, naß zu sein. — Na ja! sagt der Vater.
[ 14 ] V-Vischer — His name is V-Vischer because it’s spelled with a V rather than an F —, the aesthete who wrote the novel Auch Einer, included a short, charming story in Auch Einer that I’m citing here because I’m speaking more broadly about professional life, that is, about matters related to people’s occupations. So I, too, would like to cite an example related to one’s occupation. In it, V-Vischer recounts a conversation between a father and his son. They are walking together, and after the father has asked him various questions, the son tells his father: “Look, the teacher told us that one should always ask a person what kind of occupation they have, because what matters is that a person has a decent occupation; that’s how you can tell whether they’re a decent person at all, whether they have a decent soul.” “Is that so?” says the father. “Yes, and later, after the teacher told us that at school, I dreamed I was walking over to that lake over there, and in my dream I asked the lake what its occupation was, and the lake said, ‘My occupation is to be wet.’ ‘Well, well!’ says the father.”
[ 15 ] Es ist eine sehr geistvolle Erzählung, eine Erzählung, die viel Lebenskenntnis verrät von dem, der sie ersonnen hat. Denn der Vater hat: Na ja! gesagt aus dem Grunde, weil er selbstverständlich seinen Sohn nicht verderben wollte und ihm nicht sagen wollte, was für eine Dummheit da der Lehrer gesagt hat. Aber er wird sich schon etwas gedacht haben, der Vater. Er hätte eigentlich nun den Sohn in gescheiterer Weise aufklären müssen als der Lehrer, er hätte sagen müssen: Man muß nicht in einer so oberflächlichen Weise urteilen. Es könnte daran liegen, daß man zum Beispiel ein falsches Urteil habe über eine ordentliche Beschäftigung und deshalb den Menschen für einen unordentlichen Menschen halte; oder der Betreffende könnte durch etwas anderes gehindert sein. Kurz, der Vater hätte den Sohn belehren sollen. Er hat ihn in diesem Falle nicht zu belehren gebraucht, denn da wir es mit einem noch jungen Menschen zu tun haben in dem Sohne, so kann noch in günstiger Weise der Traum wirken. Denn der Traum, der dem Sohne ja zum Bewußtsein gekommen ist, der ist als Kraft wirklich statt einer Belehrung da. In dem Unterbewußtsein wirkt dieser Traum, aber dieser Traum wirkt so, daß er die Torheit, die der Lehrer angerichtet hat mit seinem Unterricht, ausmerzt aus der Seele. Deshalb hat sich der Traum im Unterbewußtsein, das gescheiter ist als das Oberbewußtsein, bei dem Sohne so gestaltet, daß gewissermaßen ein Hauch des Lächerlichen sich durch den Traum ausbreitet über die Torheit des Lehrers. Der See sagt, es sei seine Beschäftigung, sein Beruf, daß er naß sei. Das ist etwas, was heilsam wirken wird, was austreiben wird all die schädlichen Folgen, die durch eine solche Lehre entstehen können. Da ist der Traum eine Reminiszenz — gleich in der nächsten Nacht folgt der Traum als eine Reminiszenz —, aber er ist zu gleicher Zeit ein Lebenskorrigierer. Und so wirkt in der Tat das Leben des astralischen Leibes vielfach, und man — würde finden neben den Resten dessen, was in der Seele vorhanden ist aus der Lebenserfahrung, vor allen Dingen manchmal. aus einer verkehrten Lebenserziehung heraus, daß ein Korrigierer in den unterbewußten Seelenkräften vorhanden ist, der manchmal schon wirkt noch in derselben Inkarnation, wenn er eintritt bei einem jungen Menschen, der aber vor allen Dingen durch die Pforte des Todes getragen wird und weiterwirkt. Da besteht wirklich eine Art Selbstkorrigierer des Menschen. Das müssen wir durchaus ins Auge fassen.
[ 15 ] It is a very witty story, one that reveals a great deal of wisdom about life on the part of the person who conceived it. For the father said, “Well, well!” simply because he naturally didn’t want to spoil his son and didn’t want to tell him what a silly thing the teacher had said. But the father must have had his own thoughts on the matter. He really should have explained things to his son more wisely than the teacher did; he should have said: “One shouldn’t judge in such a superficial way. It could be, for example, that one has formed a false opinion about a respectable occupation and therefore considers the person to be unscrupulous; or the person in question might be hindered by something else.” In short, the father should have instructed his son. In this case, however, he did not need to instruct him, for since we are dealing with a young person in the son, the dream can still have a beneficial effect. For the dream, which has indeed come to the son’s consciousness, is truly present as a force in place of instruction. This dream works in the subconscious, but it works in such a way that it eradicates from the soul the folly that the teacher has caused with his teaching. That is why, in the son’s subconscious—which is wiser than the conscious mind—the dream has taken such a form that, in a sense, a touch of the ridiculous spreads through the dream over the teacher’s folly. The lake says that being wet is its occupation, its calling. This is something that will have a healing effect, something that will drive out all the harmful consequences that can arise from such teaching. Here the dream is a reminiscence—the very next night the dream follows as a reminiscence—but at the same time it is a corrector of life. And this is indeed how the life of the astral body works in many ways, and one would find—besides the remnants of what is present in the soul from life experience—above all, sometimes, from a misguided upbringing—that there is a corrector present within the subconscious soul forces, which sometimes begins to work even in the same incarnation when it enters a young person, but which is carried above all through the gate of death and continues to work. There truly is a kind of self-corrector within the human being. We must certainly take this into account.
[ 16 ] Ich wollte durch alle diese Dinge nur aufmerksam darauf machen, was alles in der Seele des Menschen ist und sich so von einer Inkarnation in die andere hereindrängt. Wir haben es mit einem ganzen Kraftkomplex zu tun, der aus einer Inkarnation in die andere hineinspielt. Nun müssen wir bedenken, welches Verhältnis besteht zwischen diesem Kraftkomplex und dem Menschen, insofern sein Leben verfließt zwischen der Geburt und dem Tode. Da ist der Mensch tatsächlich, ich möchte sagen, ein Instrument mit vier Saiten, auf dem gespielt wird von dem genannten karmischen Kraftkomplex. Physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich sind die vier Saiten, das Karma spielt darauf. Je nachdem mehr oder weniger das eine oder das andere, der Ätherleib, der Astralleib, oder der Ätherleib mit dem Astralleib zusammen, der physische Leib mit dem Astralleib zusammen, der physische Leib mit dem Ich zusammen gewissermaßen von dem Bogen des Karma gestrichen wird — wenn wir uns den Vergleich mit einer Violine erlauben, die auch vier Saiten hat —, entsteht das individuelle menschliche Leben. In der mannigfaltigsten Weise können diese vier Saiten des menschlichen Lebens durcheinanderspielen. Daher ist es so schwierig, wenn man nicht in allgemeinen leeren Abstraktionen, sondern im Konkreten reden will, die einzelnen Lebensmelodien der Menschen zu entziffern, weil man sie nur dann entziffern kann, wenigstens fruchtbar entziffern kann, wenn man gewissermaßen es schauen kann, wie der Fiedelbogen des Karmas auf den vier Saiten des Menschen spielt. Dabei kommen allerdings allgemeine Gesichtspunkte in Betracht, die aber berücksichtigt werden müssen.
[ 16 ] My purpose in mentioning all these things was simply to draw attention to everything that exists within the human soul and thus carries over from one incarnation to the next. We are dealing with an entire complex of forces that carries over from one incarnation to the next. Now we must consider the relationship between this complex of forces and the human being, insofar as his life unfolds between birth and death. In this regard, the human being is indeed—I would say—an instrument with four strings, played upon by the aforementioned karmic complex of forces. The physical body, the etheric body, the astral body, and the I are the four strings; karma plays upon them. Depending on whether one or the other—the etheric body, the astral body, or the etheric body together with the astral body, the physical body together with the astral body, or the physical body together with the “I”—is stroked to a greater or lesser extent by the bow of karma—if we may use the analogy of a violin, which also has four strings— individual human life arises. These four strings of human life can intertwine in the most manifold ways. That is why it is so difficult—if one wishes to speak not in general, empty abstractions but in concrete terms—to decipher the individual melodies of human life, because one can decipher them—or at least decipher them fruitfully—only if one can, so to speak, observe how the bow of karma plays upon the four strings of the human being. However, general perspectives do come into play here, and these must be taken into account.
[ 17 ] Wenn man einen Menschen betrachtet in denjenigen Lebensjahren, in denen im Sinne meines kleinen Büchelchens «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» vorzugsweise zur Entwickelung kommen physischer Leib und namentlich der Ätherleib, wenn man die Entwickelung eines Kindes betrachtet vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre ungefähr — ungefähr, denn alles das ist annähernd —, dann wird man finden, daß gerade in dieser Zeit bei dem Kinde gewisse Eigentümlichkeiten hervortreten, die diese Lebensperiode besonders auszeichnen. Man wird bemerken, daß sich in dieser Zeit, in einer gewissen Weise allerdings, gewisse Dinge konsolidieren. Manches tritt Ja schon, weil die Dinge sich durcheinanderschieben, auch in den ersten sieben Lebensjahren auf, aber genau, tiefer beobachtbar ist es erst vom siebenten bis vierzehnten Lebensjahre ungefähr. Man wird finden, daß in einer bestimmteren Weise dasjenige im werdenden Menschen hervortritt, was man nennen kann die durch die Körperlichkeit, durch die ganze Art des Sich-Gebens — aber insofern, als dieses Sich-Geben in der Haltung, in der Gestenhaftigkeit der Körperlichkeit, in der ganzen Lebenshaltung zum Ausdruck kommt — gewissermaßen konsolidierten inneren Eigentümlichkeiten. Was sich da konsolidiert, allerdings nicht alles, aber ein großer Teil desjenigen, was da macht, daß ein Mensch sogar gedrungene Gestalt hat, daß er kurz ist, kürzere oder längere Figur hat, daß er in einer gewissen Weise auftritt, festen Tritt oder tänzelnden Schritt hat, um radikale Gegensätze zu sagen, kurz, das, was mit dem Körperlichen der Lebenshaltung zusammenhängt, ist hier gemeint. Wie gesagt, nicht alles, aber ein großer Teil desjenigen, was so in dem werdenden Menschen auftritt, das ist herrührend aus den Karmawirkungen des Berufes der vorhergehenden Inkarnation. Man macht nun sehr häufig, indem man das, was ich eben gesagt habe, nicht beachtet, Fehler, indem man gescheit sein will, den Menschen beachtet in seiner Haltung, und aus dem, wie er sich gewissermaßen hält und gibt, irgend etwas für seinen Beruf bestimmen will. Da würde man den Fehler machen, den betreffenden Menschen in einen ähnlichen Beruf hineinstellen zu wollen, wie er ihn in der vorhergehenden Inkarnation gehabt hat. Das würde aber nicht heilsam sein für den betreffenden Menschen; denn man sieht in dieser Zeit die Wirkungen der vorhergehenden Inkarnation.
[ 17 ] If one observes a person during those years of life in which, according to my little book The Education of the Child from the Perspective of Spiritual Science, the physical body and, in particular, the etheric body are primarily developing—if one observes a child’s development from approximately the seventh to the fourteenth year—approximately, since all of this is approximate—then one will find that it is precisely during this time that certain characteristics emerge in the child that particularly mark this period of life. One will notice that during this time, in a certain sense, certain things become consolidated. Indeed, some of these things do already appear during the first seven years of life, because everything is still in a state of flux, but they can only be observed more precisely and in greater depth from approximately the seventh to the fourteenth year of life. One will find that what emerges in the developing human being in a more definite way are what might be called the inner characteristics that are, so to speak, consolidated through physicality, through the entire manner of self-expression—but insofar as this self-expression is manifested in posture, in the gestural quality of physicality, and in one’s entire demeanor. What consolidates there—admittedly not everything, but a large part of what determines that a person has a stocky build, that they are short, or have a shorter or taller stature, that they carry themselves in a certain way, with a firm stride or a mincing gait, to mention radical opposites—in short, what is meant here is that which is connected to the physical aspect of one’s demeanor. As I said, not everything, but a large part of what manifests in the developing human being stems from the karmic effects of the profession in the previous incarnation. Very often, however, by disregarding what I have just said—in an attempt to be clever—people observe a person’s posture and, based on how he carries himself and presents himself, try to determine something about his profession. In doing so, one would make the mistake of wanting to place the person in question in a profession similar to the one they had in their previous incarnation. But that would not be beneficial for the person in question; for in this life, one sees the effects of the previous incarnation.
[ 18 ] Und wenn nun diese Lebensperiode zu Ende ist, oder schon vorher die Dinge, wie gesagt, schieben sich ineinander —, da tritt der Astralleib in einer ganz besonderen Weise auf, und dieser Astralleib — wenn man die Sache weiß, wenn sie aus der Geisteswissenschaft herausgeholt ist, so kann sie auch äußerlich auf dem physischen Plan beobachtet werden —, der wirkt zurück auf das, was sich vorher ausgebildet hat. Er‘ wirkt zurück in einer solchen Weise, daß er umbildet nach anderen karmischen Kräften das, was sich aus dem reinen Berufskarma vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre ergeben hat. Es sind also im Menschen hier zwei miteinander im Kampfe befindliche Kräfte, Die einen gestalten ihn; die kommen mehr aus dem Ätherleib. Die anderen wirken diesen Kräften entgegen und paralysieren sie zum Teil, so daß der Mensch durch diese anderen mehr aus dem Astralleb kommenden Kräfte dazu getrieben wird, umzugestalten das, was ihm aufgedrängt hat das Berufskarma aus der vorhergehenden Inkarnation. Wir können also sagen: Der Ätherleib wirkt gestaltend — denn das, was als Haltung im physischen Leib im Sich-Geben auftritt, das rührt aus dem Ätherleib her —, der Astralleib wirkt umgestaltend. Durch das Spiel der beiden Kräfte, die da wirklich, man möchte sagen, arg im Kampfe miteinander liegen, wird vieles ausgedrückt für das Wirken des Berufskarmas.
[ 18 ] And when this period of life comes to an end—or even before that, as I said, when things begin to intertwine— then the astral body manifests in a very special way, and this astral body—if one understands the matter, if it is derived from spiritual science, then it can also be observed externally on the physical plane—has a retroactive effect on what has previously developed. It acts back in such a way that, through other karmic forces, it reshapes what has arisen from pure occupational karma between the ages of seven and fourteen. There are thus two forces within the human being that are in conflict with one another: one set shapes the person; these arise more from the etheric body. The other set works against these forces and partially paralyzes them, so that the human being is driven by these other forces—which arise more from the astral body—to reshape what has been imposed upon them by the vocational karma from the previous incarnation. We can therefore say: The etheric body has a formative effect—for what appears as posture in the physical body and as self-expression originates from the etheric body—while the astral body has a transforming effect. Through the interplay of these two forces, which are truly, one might say, locked in a fierce struggle with one another, much is expressed in the workings of vocational karma.
[ 19 ] Das wirkt aber nun zusammen mit anderen karmischen Strömungen, denn wir haben ja auch den physischen Leib zu betrachten. Für den physischen Leib kommt für die erste Lebensepoche vor allen Dingen in Betracht, wie der Mensch durch sein Karma sich hineinstellt in die Welt. Schon was wir für einen physischen Leib haben, hängt ja davon ab, denn wir stellen uns durch unser Karma in eine bestimmte Familie hinein, die einer bestimmten Nation und so weiter angehört. Dadurch bekommen wir einen ganz bestimmt gearteten Leib. Aber nicht nur, daß wir einen ganz bestimmt gearteten Leib bekommen, sondern wieviel, denken Sie, hängt ab von dem Verlauf unseres Lebens, von der Situation, in die wir uns hineinbegeben, indem wir uns in eine bestimmte Familie hineinstellen. Damit ist ja schon der Ausgangspunkt für unendlich vieles in unserem Leben gegeben. Und in der Tat, wirksam im physischen Leib, um den physischen Leib könnte man besser sagen, sind in der Zeit, in der sich der physische Leib besonders entwickelt, in den ersten sieben Lebensjahren, Kräfte, welche herrühren jetzt nicht aus ‘dem Beruflichen und Berufsmäßigen der vorhergehenden Inkarnation, sondern herrühren von dem, wie wir mit Menschen in der vorhergehenden Inkarnation zusammengelebt haben, indem wir in dieser oder jener Beziehung zu diesen oder jenen Menschen gestanden haben nicht in irgendeinem Lebensteil — das kommt auf ein anderes Gebiet —, sondern das ganze Leben hindurch. Das wird verarbeitet. Tiefe Beziehungen bilden sich ja heraus zu unserer Seele, indem wir zu Menschen in Beziehungen treten. Das tragen wir durch die Todespforte, und durch diese Kräfte bewirken wir, daß wir uns wieder in eine bestimmte Familie, in eine bestimmte Lebenssituation hineinstellen. So daß wir sagen können: Dasjenige, was schon gewissermaßen unseren physischen Leib hineinstellt, durch unseren physischen Leib wirkt, das ist das, was die Lebenssituation gestaltet. Das wirkt natürlich weiter durch das folgende Leben, und das erlangt jetzt die Gegenkraft durch das Ich. Das Ich wirkt auslöschend auf die Lebenssituationen, aber es wirkt im Kampfe mit dem, was determiniert in der Lebenssituation. So daß man sagen kann: Physischer Leib: Lebenssituation schaffend; Ich: Lebenssituation umschaffend. Durch das Zusammenwirken von diesen beiden, durch einen Kampf, den diese beiden bewirken, wird eine andere Karmaströmung ins Leben eingreifen. Denn immer ist vorhanden im Menschen das, was ihn in einer bestimmten Situation erhalten will, und das, was ihn herausheben will aus der bestimmten Situation.
[ 19 ] However, this interacts with other karmic currents, for we must also take the physical body into account. For the physical body, what matters most during the first epoch of life is how a person positions themselves in the world through their karma. Even the kind of physical body we have depends on this, for through our karma we place ourselves within a specific family that belongs to a particular nation and so on. As a result, we receive a body of a very specific nature. But it is not only that we receive a body of a very specific nature; how much, do you think, depends on the course of our life, on the situation into which we place ourselves by entering a particular family? This already establishes the starting point for an infinite number of things in our life. And in fact, active within the physical body—or rather, around the physical body—during the period when the physical body develops most rapidly, in the first seven years of life, forces that do not stem from “the professional and vocational aspects of the previous incarnation,” but rather from how we lived together with people in the previous incarnation—by having been in this or that relationship with these or those people—not in just any part of life—that belongs to a different realm—but throughout the entire life. This is processed. Deep relationships do, after all, develop with our soul as we enter into relationships with people. We carry this through the gate of death, and through these forces we bring about our re-entry into a specific family, into a specific life situation. So that we can say: That which, in a sense, already places us into our physical body and works through our physical body—that is what shapes the life situation. This, of course, continues to have an effect in the following life, and it now encounters a counterforce through the “I.” The “I” has an extinguishing effect on life situations, but it acts in conflict with what is deterministic in the life situation. So that one can say: Physical body: creating the life situation; “I”: reshaping the life situation. Through the interaction of these two, through a struggle they bring about, a different karmic current will intervene in life. For there is always present within the human being that which seeks to preserve them in a particular situation, and that which seeks to lift them out of that particular situation.
1. Physischer Leib: Lebenssituation schaffend
2. Ätherleib: Gestaltend
3. Astralleib: Umgestaltend
4. Ich: Lebenssituation umschaffend.
1. Physical Body: Creating Life Situations
2. Etheric Body: Shaping
3. Astral Body: Transforming
4. Self: Recreating Life Situations.
[ 20 ] Ich möchte sagen: In primärer Weise wirken also 1 und 4 und 2 und 3 aufeinander; aber in der mannigfaltigsten Weise wirken diese Saiten auch sonst wiederum zusammen. Die Art und Weise, wie wir nach unserem Karma mit neuen Menschen in einem Leben in Zusammenhang treten, hängt ab von 1 und 4 in ihren Zusammenhängen. Das führt aber auch zunächst wieder zurück auf unsere Lebenszusammenhänge in früheren Leben. Die Art und Weise, wie wir den beschäftigungsgemäß beruflichen Lebenszusammenhang finden, das hängt zusammen mit 2 und 3 und ihrem gegenseitigen Aufeinanderwirken.
[ 20 ] I would like to say: Primarily, 1 and 4, as well as 2 and 3, interact with one another; but these strings also interact with one another in a multitude of other ways. The way in which we, according to our karma, come into contact with new people in a given life depends on 1 and 4 in their interrelationships. However, this also leads us back, first and foremost, to our life connections in past lives. The way in which we find our professional life context, in terms of our occupation, is related to 2 and 3 and their mutual interaction.
[ 21 ] Ich bitte Sie nun, dies zunächst sich zu überlegen. Wir werden in dieser Betrachtung nächstens fortfahren.
[ 21 ] I would now ask you to think about this for the time being. We will continue this discussion shortly.
