The Karma of a Person's Profession
in Relation to Goethe's Life
GA 172
19 November 1916, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Karma of a Person's Profession in Relation to Goethe's Life, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Es ist ja jetzt meine Aufgabe, in dieser Zeit gewissermaßen episodisch einiges auseinanderzusetzen, was sich unmittelbar auf das praktische Leben und auf das äußere menschliche Dasein im allgemeinen bezieht, um gerade dasjenige, was Geisteswissenschaft in unserer Zeit haben muß, die unmittelbare Beziehung zum Leben, ein wenig ins Licht zu setzen. Zu Partien, die mehr das innere menschliche Leben behandeln, werden wir ja hoffentlich auch noch kommen. Im Ganzen steht ja in dem Mittelpunkt unserer gegenwärtigen Betrachtungen das Ziel, eine Auffassung zu gewinnen aus den geisteswissenschaftlichen Grundlagen heraus über die Stellung des Menschen, jedes einzelnen Menschen im praktischen Leben, das heißt sogar im praktischen Berufsleben darinnen. Über das Karma des Berufes möchte ich alle diese Vorträge, die ich jetzt seit einiger Zeit gehalten habe, nennen. Dazu ist aber notwendig, eine breitere Basis zu gewinnen, und ich muß manches, was mit unseren Fragen in breiterem Sinne zusammenhängt, auseinandersetzen.
[ 1 ] It is now my task, so to speak, to discuss in a series of episodes certain topics that relate directly to practical life and to external human existence in general, in order to shed a little light on precisely what spiritual science must have in our time: a direct relationship to life. We will, I hope, also come to topics that deal more with inner human life. Overall, the focus of our current reflections is the goal of gaining an understanding, based on the foundations of spiritual science, of the position of the human being—of each individual human being—in practical life, that is, even in practical professional life. I would like to refer to all these lectures I have been giving for some time now as “On the Karma of the Profession.” To do so, however, it is necessary to establish a broader foundation, and I must address certain matters that are connected to our questions in a broader sense.
[ 2 ] Wir haben es uns klargemacht, daß das, was der Mensch für die Welt in irgendeinem Berufe erarbeitet, keineswegs etwas ist, das wie etwas Prosaisches nur abgetan werden dürfte, sondern etwas, was sogar mit des Menschen weitester kosmischer Zukunft, wie wir gesehen haben, in innigstem Zusammenhang steht. Der Mensch gliedert sich ein in gewisser Weise in die soziale Ordnung des Lebens. Er wird aus seinem Karma heraus zu irgendeinem Beruf getrieben — keiner soll dabei als prosaischer oder poetischer gelten, wenn wir über diese Frage sprechen —, und wir wissen: Was er da vollbringt innerhalb der sozialen Ordnung, das ist der erste Keim zu etwas, was nicht nur für unsere Erde Bedeutung hat, sondern sich weiter entwickeln wird, wenn die Erde durch den Jupiter-, durch den Venus-, durch den Vulkanzustand hindurchgeht. Dasjenige, was man nennen kann: Auffassung des Berufes, Erkennen der Bedeutung des unmittelbaren menschlichen Lebens, das kann uns durch solche Betrachtungen recht sehr aufgehen. Und es ist ja gerade die Aufgabe unserer geisteswissenschaftlichen Bestrebungen, nicht bloß wohltuend klingende Theorien zu vermitteln, sondern dasjenige an unsere Seelen herantreten zu lassen, was geeignet ist, uns richtig, aber auch richtig im Sinne des Geistes unserer Zeit, des Arche unserer Zeit, in das Leben hineinzustellen, jeden an dem Platze, auf den er gestellt ist. Daher tragen unsere Wahrheiten auch einen Charakter, der immer stark genug sein wird, damit durch unsere Wahrheiten das Leben, dasjenige, was uns entgegentritt im Leben, wirklich beurteilt werden könne. Wir wollen nicht schwärmen in allerlei uns wohltuenden Vorstellungen, sondern wir wollen Vorstellungen aufnehmen, die uns durch das Leben tragen.
[ 2 ] We have come to realize that what a person achieves for the world in any profession is by no means something that should be dismissed as merely prosaic, but rather something that, as we have seen, is intimately connected even with humanity’s most distant cosmic future. Human beings integrate themselves, in a certain sense, into the social order of life. They are driven by their karma toward a particular profession—none of which should be regarded as more prosaic or poetic than another when we discuss this question—and we know: What a person accomplishes within the social order is the first seed of something that is significant not only for our Earth but will continue to develop as the Earth passes through the Jupiter, Venus, and Vulcan stages. What might be called the “understanding of one’s profession” and the “recognition of the significance of immediate human life”—these can become quite clear to us through such reflections. And it is precisely the task of our spiritual scientific endeavors not merely to convey theories that sound pleasant, but to allow that which is capable of placing us correctly—and correctly in the sense of the spirit of our time, the ark of our time—into life to approach our souls, each person in the place where they are placed. That is why our truths also possess a character that will always be strong enough to ensure that, through our truths, life—that which confronts us in life—can truly be assessed. We do not wish to revel in all manner of pleasant notions, but rather to embrace ideas that carry us through life.
[ 3 ] Wenn wir uns erinnern an etwas, was ich öfter schon betont habe, so werden wir sehen, wie auch unsere wissenschaftlichen Bestrebungen dahin gehen, wirklich Lebensbedeutsames unseren Seelen nahezubringen. Ich habe öfter auf eine sehr bedeutsame Lebenstatsache hingewiesen, eine Tatsache, die vielleicht, wenn diejenigen Menschen, die die Aufgabe haben, Gelehrsamkeit zu treiben, nicht allzu stumpf sich verhalten werden, in verhältnismäßig kürzester Zeit eine größere, bedeutsame wissenschaftliche Rolle spielen könnte. Nicht wahr, man betont heute vielfach dasjenige, was im Menschenleben zusammenhängt mit der Vererbung, und die Pädagogen, die heute von Berufsbestimmung sprechen, sie reden, weil sie natürlich zumeist papageienhaft nachschwätzen, was die naturwissenschaftliche Weltanschauung bildet, auch von den vererbten Eigenschaften, auf die der Pädagoge Rücksicht nehmen müsse, wenn er ein Urteil abgeben wolle über das oder jenes, was zu beantworten ist mit Bezug auf den künftigen Beruf eines in das Leben hereintretenden Menschen. Nun aber behandelt man diese Vererbung heute nur in der Art, daß man sagt: Kinder erben gewisse Eigenschaften von ihren Eltern, auch von weiteren Vorfahren — und man denkt heute dabei mehr oder weniger an die physische Vererbung, an die Vererbung, die ganz und gar in der physischen Linie aufgeht. Zur Anerkennung der wiederholten Erdenleben, zur Anerkennung des Herübertragens von menschlichen Eigenschaften aus früheren Inkarnationen können sich ja die Menschen der heutigen äußeren Wissenschaft noch nicht entschließen. Man redet von Vererbung. Man wird aber über diese Vererbungsfrage nur dann eine richtige Meinung gewinnen können, wenn man mit ihr im Zusammenhange das betrachtet, was wir schon wissen können, wenn wir auch nur verstehen den Inhalt des kleinen Büchleins: «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft». Da wissen wir, daß das menschliche Leben so verläuft, daß es seinen ersten Abschnitt hat bis ungefähr zum siebten Jahre, bis zum Zahnwechsel, einen zweiten Abschnitt hat bis zum vierzehnten Jahre, einen dritten Abschnitt bis zum einundzwanzigsten Jahre und so weiter fort, sagen wir noch bis zum achtundzwanzigsten Jahre und so weiter. Einiges Genauere wiederum wird man finden in einer kleinen Broschüre, die wiedergibt den Inhalt meines vor kurzer Zeit in Liestal gehaltenen Vortrages, wo ich wiederum von einem anderen Gesichtspunkte auf diese Wahrheiten der nach siebenjährigen Perioden geteilten menschlichen Entwickelung zwischen Geburt und Tod hinweisen wollte. Wir wissen, daß im wesentlichen zwischen der Geburt und dem Zahnwechsel der physische Leib in einer gewissen Weise sich innerlich ausbildet, daß sich der ätherische Leib bis zu der Reifezeit ausbildet und daß dann der astralische Leib seine Ausbildung erfährt.
[ 3 ] If we recall something I have often emphasized, we will see how even our scientific endeavors are directed toward bringing what is truly meaningful in life closer to our souls. I have often pointed out a very significant fact of life—a fact that, if those whose task it is to pursue scholarship do not act too obtusely, could play a major, significant scientific role in a relatively short time. Isn’t it true that today there is a great deal of emphasis on what is related to heredity in human life, and that educators who speak today of “vocation” speak—because, of course, they mostly parrot the scientific worldview—of inherited traits that the educator must take into account when forming a judgment about this or that question regarding the future profession of a person entering life. But today this heredity is treated only in the sense that one says: Children inherit certain characteristics from their parents, and also from more distant ancestors—and in doing so, people today think more or less of physical heredity, of heredity that is entirely confined to the physical line. People in today’s mainstream science are not yet ready to accept the idea of repeated earthly lives or the carrying over of human characteristics from earlier incarnations. They speak of heredity. However, one will only be able to form a correct opinion on this question of heredity if one considers it in connection with what we can already know—even if we merely understand the content of the little book: The Education of the Child from the Perspective of Spiritual Science. There we learn that human life unfolds in such a way that it has a first phase lasting until about the age of seven, until the teeth begin to change; a second phase lasting until the age of fourteen; a third phase lasting until the age of twenty-one; and so on, let us say until the age of twenty-eight and beyond. More detailed information, however, can be found in a small brochure that summarizes the content of a lecture I recently gave in Liestal, in which I sought to highlight, from yet another perspective, these truths regarding human development—divided into seven-year periods—between birth and death. We know that, essentially, between birth and the change of teeth, the physical body develops internally in a certain way; that the etheric body develops until the time of maturity; and that the astral body then undergoes its development.
[ 4 ] Lenken wir heute einmal unseren Blick auf diesen Zeitpunkt, der vom vierzehnten bis sechzehnten Jahre an läuft; er ist ja für Klima, für Nationalität und so weiter verschieden. In diesem Zeitpunkte wird der Mensch reif, wie wir wissen, Nachkommen das Leben zu geben. Man wird nun erkennen, daß gerade für eine naturwissenschaftliche Vererbungslehre die Betrachtung dieses Zeitpunktes von einer ungeheuren Wichtigkeit ist, denn bis zu diesem Zeitpunkte muß ja der Mensch alle diejenigen Eigenschaften entwickelt haben, welche ihn befähigen, von sich aus Eigenschaften auf seine Nachkommen zu übertragen; er kann nicht nachher erst diese Fähigkeiten entwickeln. Es ist also ein wichtiger Abschnitt im Leben gegeben, der Abschnitt, in dem im Menschen die Fähigkeit aufhört, Eigenschaften auf seine Nachkommen zu übertragen. Gewiß, in untergeordnetem Sinne können auch Eigenschaften, die später erworben werden, auf die Nachkommen übertragen werden, aber naturwissenschaftlich betrachtet ist doch der Mensch so eingerichtet, daß er mit dem vierzehnten bis sechzehnten Jahre vollständig reif ist, zu vererben. Man kann also nicht sagen, daß das Wesentliche, das in die Menschenentwickelung nach diesem Zeitpunkte hereintritt, Bedeutung habe gerade für die Vererbungsfrage. Es wird also die Naturwissenschaft sich bekanntmachen müssen mit den Gründen, warum von diesem Zeitpunkte an der Mensch aufhört, Vererbungsunterlagen in sich zu entwickeln. Für das Tier liegt die Sache ganz anders. Für das Tier liegt die Sache durchaus so, daß es durch sein ganzesLeben hindurch im wesentlichen nicht eigentlich weiterkommt als bis zu diesem Zeitpunkt. Das ist es, was ins Auge gefaßt werden muß.
[ 4 ] Let us now turn our attention to this period, which extends from the age of fourteen to sixteen; of course, it varies depending on climate, nationality, and so on. As we know, it is during this period that a person matures to the point of being able to produce offspring. It will now become clear that, particularly for a scientific theory of heredity, the consideration of this period is of immense importance; for by this point, a person must have developed all the characteristics that enable them to pass on traits to their offspring of their own accord; they cannot develop these abilities only afterward. There is thus an important stage in life—the stage at which a person’s ability to pass on characteristics to their offspring ceases. Certainly, in a secondary sense, characteristics acquired later can also be passed on to offspring, but from a scientific perspective, human beings are constituted in such a way that by the age of fourteen to sixteen, they are fully mature in terms of heredity. One cannot, therefore, say that the essential elements entering human development after this point are significant specifically for the question of heredity. Natural science will thus have to investigate the reasons why, from this point onward, humans cease to develop hereditary material within themselves. For animals, the situation is quite different. For animals, the situation is such that, throughout their entire lives, they essentially do not progress beyond this point. This is what must be taken into account.
[ 5 ] Nun will ich heute, ohne auf vieles, was in dieser Angelegenheit besprochen werden müßte, einzugehen, sogleich darauf hindeuten, was eigentlich geisteswissenschaftlich der Sache zugrunde liegt. Wir haben ja, wenn wir den Zeitpunkt der Geburt ins Auge fassen, vorausliegend den längeren Zeitraum, den der Mensch zubringt zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt in der geistigen Welt. Dadrinnen finden diejenigen Vorgänge statt, die ich öfter in einer gewissen Weise skizzenhaft beschrieben habe. Alles, was da stattfindet in dem Zeitraum zwischen Tod und neuer Geburt, wirkt natürlich auf den Menschen. Nun ist in dem, was da vorgeht zwischen dem Tod und der Geburt, vor allen Dingen viel darinnen mit Bezug auf alles das, was der Mensch ausarbeitet im Verhältnis zu seiner Leiblichkeit zwischen der Geburt und dem vierzehnten, sechzehnten Jahre. Gerade dasjenige, was der Mensch hier stark in der Unbewußtheit arbeitet, das arbeitet er zwischen dem Tod und der neuen Geburt von dem Gesichtspunkte einer höheren Bewußstheit aus. Also seien wir uns klar darüber: hier auf dieser Erde schaut der Mensch durch seine Augen, durch seine übrigen Sinne auf die mineralische, pflanzliche, tierische Welt und so weiter. Sein Augenmerk ist, wenn er zusammen ist in der geistigen Welt mit Angeloi, Archangeloi, Archai, Exusiai und mit denjenigen Menschen, die durch die Pforte.des Todes gegangen sind und die ihm in irgendeiner Weise nahestehen können, sein Augenmerk ist, wenn er herunterschaut, hauptsächlich gerichtet auf dasjenige, was mit dem Menschenleben zusammenhängt in diesem Zeitraum, Von da aus wird, was ich auch schon in exoterischen Vorträgen auseinandersetzte, auch alles das bestimmt, was der Vererbung zugrunde liegt. Wir wissen aus einer Betrachtung, die ich vorige Woche angestellt habe, daß als ein Rest der Vorgänge zwischen dem Tod und einer neuen Geburt gewissermaßen physiognomisch und in den Gesten, in der ganzen Vererbungsanlage auch auftritt dasjenige, was Ergebnis ist früheren Berufslebens, so daß man wirklich dem Menschen ansehen kann während dieser Zeit in der Art sogar, wie er geht, wie er die Hände bewegt, wie er sich sonst verhält, was das Ergebnis seines Berufslebens von der vorhergehenden Inkarnation ist.
[ 5 ] Today, without going into many of the details that would need to be discussed in this matter, I would like to point out right away what actually underlies the issue from a spiritual-scientific perspective. When we consider the moment of birth, we have before us the longer period of time that a human being spends in the spiritual world between their last death and this birth. It is there that the processes take place which I have often described in a certain sketchy way. Everything that occurs during the period between death and a new birth naturally has an effect on the human being. Now, in what takes place between death and birth, there is above all much that relates to everything the human being works through in connection with their physicality between birth and the ages of fourteen and sixteen. Precisely what the human being works through here largely in the unconscious, they work through between death and the new birth from the perspective of a higher consciousness. So let us be clear about this: here on this earth, a human being looks through their eyes and their other senses at the mineral, plant, and animal worlds, and so on. When they are together in the spiritual world with angels, archangels, Archaei, Exusiai, and with those human beings who have passed through the gate of death and who may be close to them in some way—their attention, when they look down, is directed primarily toward what pertains to human life during this period. From this perspective, as I have already explained in exoteric lectures, everything that underlies heredity is also determined. We know from an observation I made last week that, as a remnant of the processes between death and a new birth, what results from a previous professional life also manifests itself, so to speak, physiognomically and in gestures, as well as in the entire hereditary constitution, so that during this time one can truly see in a person—even in the way they walk, move their hands, and behave in general—what is the result of their professional life from the previous incarnation.
[ 6 ] Aber dann beginnt die Zeit vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Jahre, die in einer gewissen Weise in Opposition steht zu der vorhergehenden Zeit. In dieser Zeit können, wie Sie gehört haben, nicht in derselben Weise die Vererbungsimpulse nachwirken, denn das ist vorbei; der Zeitpunkt ist vorbei, wenn der Mensch die Vererbungsimpulse ausgebildet hat. Auf solche Fragen nimmt die äußere Naturwissenschaft noch keine Rücksicht. Aber sie wird, wenn sie nicht ganz von aller Realität verlassen sein will, darauf Rücksicht nehmen müssen. Dies ist aber auch der Zeitpunkt, in welchem der Mensch durch unbestimmt wirkende, unbewußt wirkende Impulse zu seinem neuen Berufe hingeführt wird, und in die weniger hereinwirken die Vorgänge, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegen, als vielmehr hereinwirken diejenigen Impulse, die aus der vorhergehenden Inkarnation wirken. Ganz besonders wirksam sind die Impulse der vorhergehenden Inkarnation in diesem Zeitraume. Der Mensch glaubt, und die anderen glauben auch, indem sich die Verhältnisse so entwickeln, daß der Mensch in diesen oder jenen Beruf hineingetrieben werde, es wirkten nur diese äußeren Verhältnisse. Aber diese äußeren Verhältnisse sind in Wirklichkeit in einem unterbewußten Zusammenhange mit dem, was in unserer Menschenseele lebt, und zwar jetzt gerade unmittelbar aus dem Verhältnisse der vorhergehenden Inkarnation. Merken Sie den Unterschied: In der vorhergehenden Periode vom siebten bis zum vierzehnten Jahre geht die frühere Inkarnation, indem sie befruchtet wird von dem, was zwischen Tod und neuer Geburt vorgeht, in unsere Leibesorganisation hinein und macht uns zum Abbild des vorigen Berufes; in dem folgenden Zeitraum wirken die Impulse nicht mehr in uns hinein, drängen uns nicht mehr Gesten auf, sondern führen uns die Wege zu dem neuen Berufe hin.
[ 6 ] But then begins the period from the age of fourteen to twenty-one, which, in a certain sense, stands in opposition to the preceding period. During this period, as you have heard, hereditary impulses cannot continue to exert their influence in the same way, for that phase is over; the time has passed when the human being has developed these hereditary impulses. Conventional natural science does not yet take such questions into account. But if it does not wish to be completely divorced from reality, it will have to take them into account. This is also the time when a person is guided toward their new vocation by impulses that act in an indeterminate and unconscious manner; and the events that lie between death and a new birth have less of an influence here than the impulses arising from the previous incarnation. The impulses of the previous incarnation are particularly effective during this period. People believe—and others believe as well—that as circumstances develop in such a way that a person is driven toward this or that profession, it is only these external circumstances that are at work. But in reality, these external circumstances are subconsciously connected to what lives within our human soul—and specifically, at this very moment, directly from the circumstances of the previous incarnation. Note the difference: In the preceding period, from the seventh to the fourteenth year, the previous incarnation—fertilized by what takes place between death and rebirth—enters our physical constitution and makes us a reflection of our previous profession; in the subsequent period, these impulses no longer act within us, no longer impose gestures upon us, but rather guide us along the paths leading to our new profession.
[ 7 ] Sie sehen daraus, welch unendlich fruchtbarer Gedanke sich für die Pädagogik, für das ganze Erziehungswesen der Zukunft aus diesen Betrachtungen ergeben muß, wenn sich die äußere Weltkultur einmal dazu wird entschließen können, mit den wiederholten Erdenleben zu rechnen und nicht mehr in phantastischer Weise Theorien aufzustellen, die eben phantastisch sein müssen aus dem Grunde, weil sie nicht mit der Wirklichkeit rechnen, sondern nur mit dem rechnen, was nicht Wirklichkeit ist, nur ein Teilstück der Wirklichkeit, nämlich mit dem unmittelbaren jetzigen Leben zwischen der Geburt und dem Tode. Hier haben wir wiederum zugleich einen Ausblick zu gewinnen, von welch unermeßlicher Wichtigkeit es sein wird, daß gerade in diejenigen Kreise Geisteswissenschaft hineinkomme, die es zu tun haben mit der Heranbildung, mit der Entwickelung des Menschen, die es aber auch zu tun haben damit, das Leben in der äußeren sozialen Ordnung zu beeinflussen. Natürlich schauen wir da auf weite Perspektiven hin, aber auf Perspektiven, die durchaus mit der Realität zusammenhängen, denn in der Weltenentwickelung herrscht nicht Chaos, sondern herrscht wirklich Ordnung, oder auch Unordnung, aber es herrscht eben dasjenige, was nur aus dem geistigen Leben heraus zu erklären ist. Und so kann derjenige, der da weiß, welches die Gesetze sind, die mit den wiederholten Erdenleben zusammenhängen, in ganz anderer Weise ratend und tatend, wie man sagt, sich dem Leben gegenüberstellen, Dinge aussprechen oder auch Dinge in Szene setzen, welche mit dem Verlauf des Lebens zusammenhängen müssen.
[ 7 ] You can see from this what an infinitely fruitful idea must emerge from these reflections for pedagogy—for the entire educational system of the future—once the outer world culture is finally able to accept the reality of repeated earthly lives and cease to formulate fantastical theories, which must necessarily be fantastical for the simple reason that they do not take reality into account, but only that which is not reality—merely a fragment of reality—namely, the immediate present life between birth and death. Here, too, we must gain an insight into just how immeasurably important it will be for spiritual science to find its way precisely into those circles that are concerned with the formation and development of the human being, but which are also concerned with influencing life within the external social order. Of course, we are looking toward broad perspectives here, but perspectives that are thoroughly connected to reality, for in the evolution of the world there is no chaos; rather, there is truly order—or even disorder—but what prevails is precisely that which can only be explained from within spiritual life. And so, the one who knows the laws governing repeated earthly lives can, as they say, face life in a completely different way—in thought and action—and can speak of or even bring about things that must be connected to the course of life.
[ 8 ] Denken Sie nun, daß doch in einer gewissen Weise alles in der Welt zyklisch abläuft. Wir kennen ja die großen Zyklen der nachatlantischen Zeit: den urindischen, den urpersischen, chaldäisch-ägyptischen, griechisch-lateinischen, unseren Zyklus, den, der darauf folgen wird. Die Menschenseelen werden in all diesen Zyklen wiedergeboren, mehrmals, oder auch manche einmal wiedergeboren. Aber nicht nur in diesem großen überschaulichen Sinne verläuft das Leben auf unserer Erde zyklisch, sondern es verläuft zyklisch so, daß sich gewisse Verhältnisse bestimmen lassen, wenn man frühere Verhältnisse in der richtigen Weise zu beurteilen vermag. Kann zum Beispiel jemand in einer richtigen Weise beurteilen, was geistig wirksam war in den ersten Jahrhunderten der christlichen Entwickelung, sagen wir, vom 3. Jahrhunderte bis ins 7. Jahrhundert hinein, so daß er die geistigen Impulse kennt, so kann er wiederum beurteilen, welche sozialen Bedürfnisse in unserer Zeit wirksam sein können. Zyklische Entwickelungen finden statt.Und es handelt sich darum, daß man einen Menschen unglücklich macht, der vielleicht gerade dazu bestimmt ist, in einer gewissen Weise in die zyklische Entwickelung sich hineinzustellen und dem man den Rat gibt, er solle sich in einer anderen Weise verhalten im Leben. Da aber gerade in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum die Menschen sich immer bewußter und bewußter ins Leben hineinstellen müssen, so muß auch immer mehr und mehr ein Wissen von den entsprechenden Gesetzen auftreten. Es muß möglich sein, daß der Mensch sich im Zusammenhang betrachten lernt mit dem, was in seiner Umgebung spielt und tätig ist. Das kommt ja nicht etwa bloß darauf hinaus, daß man lernt, die Kinder zu dem richtigen Beruf zu bestimmen, sondern auch, daß man selber — wir wissen ja, daß Gedanken Wirklichkeiten sind — die richtigen Gedanken entwickeln kann über sein eigenes Verhältnis zur Welt, gleichgültig, an welchen Platz im Leben man gestellt ist. Es wird in der Zukunft immer weniger gleichgültig werden, was der Mensch denkt über seinen Zusammenhang mit dem, was in der Welt um ihn herum nach der Entwickelung des Zeitgeistes, des Arche, vorgeht. Darüber wird die menschliche Seele immer mehr und mehr Bewußtheit ergreifen müssen.
[ 8 ] Now consider that, in a certain sense, everything in the world unfolds cyclically. We are, after all, familiar with the great cycles of the post-Atlantean era: the Proto-Indian, the Proto-Persian, the Chaldean-Egyptian, the Greek-Latin, our own cycle, and the one that will follow. Human souls are reborn in all these cycles—some many times, others just once. But life on our Earth does not proceed cyclically only in this broad, general sense; rather, it proceeds cyclically in such a way that certain conditions can be identified if one is able to assess earlier conditions correctly. For example, if someone can correctly assess what was spiritually active during the first centuries of Christian development—say, from the 3rd century into the 7th century—so that they understand the spiritual impulses, then they can in turn assess which social needs may be active in our time. Cyclical developments take place. And the issue is that one makes a person unhappy who may be precisely destined to engage with the cyclical development in a certain way, and to whom one gives the advice that they should behave differently in life. But since, especially in our fifth post-Atlantean epoch, people must engage with life with ever greater awareness, knowledge of the corresponding laws must also emerge more and more. It must be possible for a person to learn to view themselves in relation to what is taking place and at work in their surroundings. This does not merely amount to learning how to guide children toward the right profession, but also to being able—since we know that thoughts are realities—to develop the right thoughts about one’s own relationship to the world, regardless of one’s place in life. In the future, it will become increasingly important what a person thinks about their connection to what is happening in the world around them in accordance with the development of the spirit of the age, the Arche. The human soul will have to become more and more aware of this.
[ 9 ] Nun erinnern Sie sich, wie ich versucht habe zu charakterisieren, welche Strömungen heraufgezogen sind mit dem fünften nachatlantischen Zeitraum. Ich habe Ihnen gezeigt, wie über die westlichen Gegenden mehr die Strömung heraufgezogen ist, die den Menschen — wir haben es mit einem zusammenfassenden, ich möchte sagen, approximativen Ausdruck bezeichnet — zum Bourgeois macht, wie das Bourgeoistum im westlichen Europa und auch in Amerika zum Ausdruck gekommen ist. Wir haben kontrastiert mit diesem Ideal des Bourgeoistums das östliche Ziel, das vorläufig noch ein Ziel ist, weil es sich weniger deutlich zum Ausdruck bringt — die westliche Kultur ist verhältnismäßig weiter fortgeschritten, die östliche mehr zurück —, das Ideal des Pilgers. Diese beiden Ideale, der Bourgeois und der Pilger, sie stehen einander gegenüber, und ohne daß man versteht, was das für eine Bedeutung hat für das Leben, kann man unmöglich sich hineinfinden in ein Verständnis des Lebens, das uns immer mehr aufglimmt. Unverständig dem Leben gegenüberstehen konnten die Menschen der früheren Jahrhunderte und Jahrtausende, weil sie geleitet wurden von den göttlich-geistigen Mächten. Verständig müssen sie ihm gegenüberstehen, je mehr wir uns der jetzt beginnenden Zukunft entgegen entwickeln.
[ 9 ] Now, do you recall how I tried to characterize the trends that emerged during the fifth post-Atlantic period? I have shown you how, in the Western regions, the current that turns people into—we have described this with a general, I would say, approximate term—the “bourgeois” has gained greater momentum, and how bourgeoisie has manifested itself in Western Europe and also in America. We have contrasted this ideal of bourgeoisie with the Eastern ideal—which is still, for the time being, merely an ideal because it expresses itself less clearly—since Western culture is relatively more advanced, while Eastern culture is more backward—namely, the ideal of the pilgrim. These two ideals—the bourgeois and the pilgrim—stand in opposition to one another, and without understanding what significance this has for life, it is impossible to come to terms with an understanding of life that is increasingly dawning upon us. People in earlier centuries and millennia could face life without understanding because they were guided by divine-spiritual powers. The more we develop toward the future that is now beginning, the more they must face it with understanding.
[ 10 ] Sehen Sie, solche Dinge, wie ich sie Ihnen da auseinandergesetzt habe als die zwei Strömungen, wovon die eine auf der Vererbung, die andere auf der Erlösung fußt, solche Verhältnisse muß man gründlich betrachten, wenn man überhaupt ein Urteil haben will über das Leben der Gegenwart, denn sie drängen sich auf. Das ist nicht bloß meine Behauptung, daß sich diese Dinge aufdrängen, sondern das ist etwas, was aus der Realität der Gegenwart heraus gesagt werden darf und was Menschen, welche nicht stumpf und schläfrig, sondern mit vollem Anteil dem Leben gegenüberstehen, auch wirklich schon seit langer Zeit fühlen und bis zu einem gewissen Grade auch wissen. Ich habe Sie ja schon darauf hingewiesen, worinnen das Eigentümliche unserer Zeit besteht. Es gibt viele Menschen in unserer Zeit, die haben durchaus ein Empfinden für die Dinge, die heraufziehen im Leben, aber sie haben nicht die Möglichkeit — erinnern Sie sich, was ich ausgeführt habe in bezug auf Jaures —, sich aufzuschwingen bis zu einem Verständnis der wiederholten Erdenleben und des Karmas, weder des einzelnen individuellen Karmas noch des Weltenkarmas, und können daher nicht das durchschauen, was sie wohl wahrnehmen. Aber an zahlreichen Stellen der neueren Entwickelung finden wir Menschen, die ein offenes Auge hatten für die Dinge, die da geschehen, trotzdem sie sich dann niemals dazu entwickeln konnten, die Sache vom Standpunkt der wiederholten Erdenleben zu erklären, trotzdem sie selber sogar, weil sie das nicht taten, die wiederholten Erdenleben anzunehmen, viel dazu beitrugen, die Dinge herbeizuführen, die sie scharf kritisierten. Das ist gerade das Eigentümliche der heutigen Menschen, und sogar der Klarsehendsten; sie kritisieren das, was heute da ist, aber sie arbeiten selbst an dem Zustandekommen dessen, was sie dann abkritisieren, was sie in der richtigen Weise beurteilen. So spielen unbewußte Impulse in das menschliche Leben herein.
[ 10 ] You see, matters such as these—which I have outlined to you as the two currents, one based on heredity and the other on redemption—must be thoroughly examined if one is to form any judgment at all about contemporary life, for they present themselves as self-evident. This is not merely my assertion that these things demand attention; rather, it is something that can be said based on the reality of the present, and something that people—who face life not with apathy or lethargy, but with full engagement—have in fact felt for a long time and, to a certain extent, already know. I have already pointed out to you what constitutes the distinctive character of our time. There are many people in our time who certainly have a sense of the things that are emerging in life, but they lack the ability—remember what I explained regarding Jaures—to rise to an understanding of repeated earthly lives and karma, neither individual karma nor world karma, and therefore cannot see through what they do perceive. But at numerous points in recent history we find people who had an open eye for the things that were happening, even though they were never able to develop the capacity to explain the matter from the standpoint of repeated earthly lives; and even though, precisely because they did not do so—and thus failed to accept the concept of repeated earthly lives—they themselves contributed greatly to bringing about the very things they sharply criticized. This is precisely what is peculiar about people today, even the most clairvoyant among them; they criticize what exists today, yet they themselves contribute to the very emergence of what they then criticize—what they judge correctly. Thus, unconscious impulses come into play in human life.
[ 11 ] Nehmen wir zum Beispiel einen Menschen, der wirklich vieles außerordentlich klar gesehen hat, sich das Leben ringsherum, seine Umgebung namentlich, klar ansah. Ein solcher Mensch war John Stuart Mill, der 1806 geboren ist, 1873 gestorben ist, der ein berühmter englischer Philosoph ist, der von vielen Menschen der neueren Zeit geradezu angesehen wird als der Erneuerer der Logik, als der Fortentwickeler der Logik, der aber auch soziale Einsichten in weitestem Umfange entwickelte. Er richtete den Blick auf die soziale Entwickelung namentlich derjenigen Welt, die er kannte, die in seiner Umgebung war. Und er wollte sich die Frage beantworten, die für ihn einen tragischen Charakter annahm: Wohin steuert diese Gegenwart, wohin steuert das, was sich als ein sozialer Charakter dem Leben des 19. Jahrhunderts zunächst aufgedrängt hat? — Und er sagte: Dasjenige, was sich ausgebildet hat als Menschentypus im 19. Jahrhundert, das ist der Bourgeois. Worinnen unterscheidet sich, meint John Stuart Mill, der Bourgeois von früheren Sorten von Menschentypen, die sich herausgebildet haben im Lauf der Zeit? — Er frägt sich dieses, und er antwortet darauf: Dadurch unterscheidet sich der Bourgeois, daß in früheren Zeiten der individuelle Mensch mehr Geltung hatte. Durch den früheren Menschen sprach ich will es jetzt mehr in unsere Vorstellungen kleiden, aber John Stuart Mill sprach im Grunde in seinen Vorstellungen dasselbe aus —, durch den früheren Menschen sprach mehr Individualität, mehr ein gewisses Sich-Hinaufarbeiten der Seele über die unmittelbare äußere physische Wirklichkeit. Der Bourgeois-Typus arbeitet auf das Nivellement, auf das Gleichwerden aller Menschen in der sozialen Ordnung. Was aber, frägt John Stuart Mill, kommt heraus bei dem Gleichwerden? Nicht das Gleichwerden in der Größe der Menschenseele, sondern das Gleichwerden, meint John Stuart Mill, in den Nichtigkeiten der Menschenseele. — Und so zeichnet John Stuart Mill eine Menschenzukunft für diesen fünften nachatlantischen Zeitraum, von der er sagt: Die Menschen in ihrem Zusammenleben werden immer mehr und mehr werden — so etwa drückt er sich aus — der Preßkaviar bürgerlicher Nichtigkeiten. — Das empfand er wie eine tragische Erkenntnis.
[ 11 ] Let us take, for example, a person who truly saw many things with extraordinary clarity, who looked clearly at the life around him—specifically, his surroundings. One such person was John Stuart Mill, who was born in 1806 and died in 1873—a famous English philosopher who is regarded by many people in modern times as the innovator of logic, the one who further developed logic, but who also developed social insights on a very broad scale. He turned his gaze to social development, particularly in the world he knew—the world around him. And he sought to answer the question that took on a tragic character for him: Where is the present heading? Where is the social character that initially imposed itself on 19th-century life heading? — And he said: The type of person that emerged in the 19th century is the bourgeois. In what way, according to John Stuart Mill, does the bourgeois differ from earlier types of people that have emerged over the course of time? — He asks himself this, and he answers: The bourgeois differs in that, in earlier times, the individual human being held greater significance. By “earlier human beings”—I’ll now put it in terms more familiar to us, though John Stuart Mill essentially expressed the same idea in his own terms—by “earlier human beings,” there was more individuality, more of a certain striving of the soul to rise above the immediate external physical reality. The bourgeois type works toward leveling, toward making all people equal within the social order. But what, John Stuart Mill asks, results from this leveling? Not equality in the greatness of the human soul, but equality, John Stuart Mill argues, in the trivialities of the human soul. — And so John Stuart Mill sketches a future for humanity in this fifth post-Atlantean epoch, of which he says: People, in their coexistence, will increasingly become—as he puts it—the “pressed caviar” of bourgeois trivialities. — He perceived this as a tragic realization.
[ 12 ] Aber je nachdem die Menschen aus der westlichen oder aus der östlichen Kultur herausgeboren sind, empfinden sie solche Dinge in verschiedener Weise. Genau bekannt machte sich mit diesen Aufstellungen, mit diesen Erkenntnissen John Stuart Mills der russische Denker Herzen. In seiner Seele wirkte das ganz anders noch. Der westliche Denker beschreibt mehr, man möchte sagen, mit einer Art Nonchalance diese Perspektive des Bourgeois-Seins; der östliche Denker, Herzen, leidet furchtbar daran, daß Europa den Weg macht, wie dazumal diese zwei Leute, John Stuart Mill und Herzen behaupteten, ins Chinesentum hinein. Denn Mill und Herzen — Sie können das entnehmen aus der 1864 erschienenen Schrift von Herzen —, der eine mit östlicher, der andere mit westlicher Färbung, sie betrachten das, was im Chinesentum bis jetzt entstanden ist, als für eine gewisse Altersstufe schon Erreichtes gegenüber den, worauf Europa hinsteuert: zu einem neuen Chinesentum, Chinesentum einer späten Stufe, in der die Menschen der Preßkaviar bürgerlicher Nichtigkeiten werden. Einengung des Verstandes werde kommen, sagt John Stuart Mill, Einengung des Verstandes und der Lebensenergie. Abgeschliffenheit der Persönlichkeit, alles dasjenige, was zum Nivellement führen muß. Beständige, wie er sich ausdrückt, Verflachung des Lebens, beständiges Ausschließen allgemeiner menschlicher Interessen aus dem Leben, so sagt John Stuart Mill, und so bestätigt es, nur aus einem tragisch empfindenden Gemüte heraus, Herzen: Reduzieren auf die Interessen des kaufmännischen Kontors und des bürgerlichen Wohlstandes. — So in den sechziger Jahren schon John Stuart Mill und Herzen! Und John Stuart Mill, der zunächst über sein Land spricht, sagte: England ist auf dem Wege, ein modernes China zu werden. — Und Herzen sagte: Nicht nur England, sondern ganz Europa ist auf dem Wege, ein modernes China zu werden. — Aus dem Buche von 1864 von Herzen kann man entnehmen, daß Herzen und Mill dazumal so ziemlich übereinstimmten in dem, was Herzen ausspricht: Wenn in Europa nicht ein unerwarteter Aufschwung eintritt, der zur Wiedergeburt der menschlichen Persönlichkeit führt und ihr Kraft gibt, die Bourgeoisie zu überwinden, so wird, trotz seiner edlen Vorfahren und seines Christentums, Europa zu China werden. Diese Worte sind 1864 gesprochen!
[ 12 ] But depending on whether people are born into Western or Eastern culture, they perceive such things in different ways. It was the Russian thinker Herzen who made these observations and insights—these characterizations—widely known through the work of John Stuart Mill. It had a very different effect on his soul. The Western thinker describes this perspective of bourgeois existence—one might say—with a kind of nonchalance; the Eastern thinker, Herzen, suffers terribly from the fact that Europe is paving the way—as John Stuart Mill and Herzen claimed at the time—into “Chineseness.” For Mill and Herzen—as you can gather from Herzen’s 1864 work—one with an Eastern slant, the other with a Western one, they regard what has emerged in Chinese culture thus far as something already achieved at a certain stage of development, in contrast to what Europe is heading toward: toward a new form of Chinese culture—a late stage of Chinese culture—in which people become the “caviar paste” of bourgeois trivialities. A narrowing of the mind will come, says John Stuart Mill—a narrowing of the mind and of vital energy. A blunting of the personality—all that which must lead to leveling. A constant, as he puts it, “flattening” of life, a constant exclusion of general human interests from life, says John Stuart Mill; and Herzen confirms this, speaking solely from a tragically sensitive mind: a reduction to the interests of the commercial office and bourgeois prosperity. — This is what John Stuart Mill and Herzen were already saying back in the 1860s! And John Stuart Mill, speaking initially about his own country, said: England is on its way to becoming a modern China. — And Herzen said: Not only England, but all of Europe is on its way to becoming a modern China. — From Herzen’s 1864 book, one can gather that Herzen and Mill were in broad agreement at that time regarding what Herzen articulates: Unless an unexpected upsurge occurs in Europe that leads to the rebirth of the human personality and gives it the strength to overcome the bourgeoisie, Europe—despite its noble ancestors and its Christianity—will become China. These words were spoken in 1864!
[ 13 ] Aber Herzen hatte keine Möglichkeit, mit dem Karma und den wiederholten Erdenleben zu rechnen. Und so konnte er eine solche Erkenntnis nur in tiefster Lebenstragik aufnehmen. Und er sprach es aus: Wir sind nicht die Ärzte unserer Zeit, wir sind die Schmerzen unserer Zeit, denn heran naht — vielleicht läßt es sich mit dem englischen Terminus, den dazumal Herzen und Mill gebrauchten, noch besser bezeichnen als mit einem deutschen —, herauf kommt «conglomerated mediocrity». Und Herzen spricht es aus, aus einem tragischen Gefühl heraus: es werde eine Zeit kommen in Europa, wo es der Realismus der modernen naturwissenschaftlichen Anschauung soweit gebracht haben wird, daß man an nichts mehr eigentlich im Ernste glauben wird, was einer anderen Welt, einer übersinnlichen Welt angehört, wo man davon sprechen wird, daß das Ziel, das man zu verfolgen hat, die äußeren physischen Realitäten nur sind, und wo man Menschen hinopfern wird um der physischen Realitäten willen, ohne daß man die Perspektive eröffnet, daß die hingeopferten Menschen etwas anderes bedeuteten als die Brücke für diejenigen, die nachfolgen. Der einzelne wird geopfert dem künftigen allgemeinen Polypenstock. — Das sind die Worte, die dazumal fielen. Europa, meint Herzen, hat nur eine Schwierigkeit, recht schnell zu China zu werden; das ist: Das Christentum läßt sich nicht so ganz ohne weiteres überwinden. — Aber er sieht doch keine Aussicht, denn er findet auch das Christentum verflacht, verflacht zur Revolution, und die Revolution, wie er sagt, verflacht zum bürgerlichen Liberalismus des 19. Jahrhunderts, zur «conglomerated mediocrity». Und im Hinblicke auf dasjenige, was John Stuart Mill ausgesprochen hat, sagt Herzen, indem er gedenkt des Unterganges des alten Roms: Ich sehe den unvermeidlichen Zusammenbruch des alten Europa; an der Pforte der alten Welt — Europas meint er — steht kein Catilina, steht der Tod.
[ 13 ] But Herzen had no way of accounting for karma and repeated earthly lives. And so he could only come to terms with such a realization amid the deepest tragedy of life. And he put it this way: “We are not the doctors of our time; we are the pains of our time, for what is approaching—perhaps it can be described even better with the English term that Herzen and Mill used back then than with a German one—is ‘conglomerated mediocrity.’” And Herzen expresses it, out of a tragic sense: a time will come in Europe when the realism of the modern scientific worldview will have progressed to such an extent that people will no longer truly believe in anything that belongs to another world, a supernatural world; when people will speak of the goal to be pursued as being solely the external physical realities, and where people will be sacrificed for the sake of physical realities, without opening up the perspective that those sacrificed might mean anything other than a bridge for those who follow. The individual is sacrificed to the future general polyp colony. — These are the words that were spoken back then. Europe, Herzen believes, has only one obstacle to becoming China quite quickly; that is: Christianity cannot be overcome quite so easily. — But he sees no prospect of this, for he also finds Christianity to have been reduced to a shallow form, reduced to revolution, and the revolution, as he says, reduced to the bourgeois liberalism of the 19th century, to “conglomerated mediocrity.” And with regard to what John Stuart Mill has stated, Herzen says, recalling the downfall of ancient Rome: “I see the inevitable collapse of old Europe; at the gate of the old world—Europe, he means—there stands not a Catiline, but Death.”
[ 14 ] Nicht ohne eine gewisse Berechtigung, aber auch als einer, der zwar manches sieht, was in der Gegenwart um ihn herum ist, jedoch sich durchaus nicht entschließen kann, die tragenden Vorstellungen und Ideen der Geisteswissenschaft aufzunehmen, mit einer gewissen Berechtigung, sagte ich, bemerkt der gegenwärtige russische Schriftsteller Mereschkowskij, der gerade viel gelernt hat von Mill und Herzen, für unsere Zeit sei an die Stelle des Zepters der früheren Zeiten die Elle getreten, an Stelle der Bibel das Kontobuch, an Stelle des Altars der Ladentisch. — Der Fehler ist gerade der, daß man diese Dinge bloß kritisiert; denn daß Elle, Kontobuch und Ladentisch in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum die Rolle spielen, die sie eben spielen: wir wissen es, daß es so sein muß, daß es einem unbedingten Weltenkarma entspricht. Und nicht darum handelt es sich, diese Dinge abzuurteilen, sondern darum, in diese Welt der Elle, des Kontobuches, des Ladentisches hineinzugießen denjenigen Geist, der allein diesen Dingen gewachsen ist, und das ist der Geist der Geisteswissenschaft.
[ 14 ] Not without some justification, but also as someone who, while he sees many things happening around him in the present, is nevertheless quite unable to bring himself to embrace the fundamental concepts and ideas of the spiritual sciences—with some justification, I said, the contemporary Russian writer Merezhkovsky—who has recently learned much from Mill and Herzen—observes that in our time the cubit has taken the place of the scepter of earlier times, the ledger has taken the place of the Bible, and the counter has taken the place of the altar. — The mistake lies precisely in merely criticizing these things; for the fact that the cubit, the ledger, and the counter play the roles they do in our fifth post-Atlantean epoch—we know that this is how it must be, that it corresponds to an unconditional world karma. And the point is not to condemn these things, but to infuse this world of the cubit, the ledger, and the counter with the spirit that alone is equal to these things, and that is the spirit of spiritual science.
[ 15 ] Die Dinge sind ernst, und ich wollte Sie darauf aufmerksam machen, wie ich es ja immer versuche bei solchen Gelegenheiten, daß ich nicht schildere das, was ich gerade zu sagen habe, sondern daß, was ich ausspreche, im Einklange ausgesprochen ist mit denjenigen Menschen, die offen und unschläfrig das Leben angeschaut haben. Ansichten, Meinungen können viele Leute haben, aber es handelt sich darum, wie man mit diesen Meinungen in seiner Zeit drinnensteht, ob sie Wurzeln haben in dem Boden der Zeit, und ob man die Dinge wirklich belegen kann. Es ist die Tatsache wichtig, daß die Zeit einen gewissen Charakter annimmt, den die Menschen sehen, die sehen wollen, und daß es sich nicht darum handelt, daß man in beliebiger Weise der Zeit einen Charakter geben kann, sondern daß man zu sehen hat, wie die geistige Entwickelung der Menschheit fortschreitet von Zyklus zu Zyklus.
[ 15 ] The situation is serious, and I wanted to draw your attention—as I always try to do on such occasions—not to what I happen to have to say at the moment, but to the fact that what I say is in harmony with those people who have viewed life with an open mind and unwavering vigilance. Many people may have views and opinions, but what matters is how one stands within one’s own time with these opinions, whether they are rooted in the soil of that time, and whether one can truly substantiate them. What is important is the fact that time takes on a certain character, which people who wish to see can perceive, and that it is not a matter of arbitrarily ascribing a character to time, but rather of observing how humanity’s spiritual development progresses from cycle to cycle.
[ 16 ] Ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie es okkulte Gesellschaften gibt, die nach althergebrachten Traditionen aus der alten atavistischen Geheimlehre her von diesen Dingen Kenntnis haben. Nun haben, wie Sie ja aus früheren Betrachtungen wissen, diese Gesellschaften namentlich im Westen — aber östliche Menschen sind deren Anhänger geworden — einen trüben Charakter angenommen. Das hindert aber nicht, daß sie gewisse Geheimnisse des Daseins bewahren. Aber sie bewahren sie so, wie sie heute nicht bewahrt werden dürfen. Gerade derjenige, der hinhorcht auf die geistige Verkündigung unserer Zeit und dasjenige Stück Geisteswissenschaft mitteilt, das nach dem Sinne unseres Zeitgeistes der Offentlichkeit, der breiten Öffentlichkeit heute mitgeteilt werden kann, der stößt ganz besonders auf Widerstand, der ja manchmal aus trüben Quellen heraus kommt. Allein dieser Widerstand wird ja überall geleitet und gelenkt von geistigen Mächten. Das muß man dennoch auch durchaus in Erwägung ziehen. Und so ist es denn durchaus begreiflich, daß gerade gegen diejenige Geisteswissenschaft, die innerhalb unserer Bewegung leben soll, jetzt, wo solche Dinge leicht zu handhaben sind, sich die Widerstände dadurch erheben, daß man immer mehr darauf hinweist, wie in unserer Zeit es nicht sein dürfe, daß solch eine Wissenschaft für weitere Kreise geschaffen werde, und man ruft allerlei Mächte auf, welche heute Beifall haben, um diese Geisteswissenschaft unwirksam zu machen. Universitätsprofessoren ziehen von einem Lande ins andere, um zu erklären, daß sie insbesondere gegen meine Geisteswissenschaft auftreten müssen aus dem Grunde, weil die heutige Zeit, wie sie sagen, auf die Wirklichkeit — und sie meinen diejenige Wirklichkeit, die sie allein sehen — schauen müsse und nicht auf solche Dinge, die die Menschen von der Wirklichkeit abbringen. Und es ist manchmal viel Methode in solchen Angriffen. Denn derjenige, der nicht blind ist, sieht, wie sich nach politischen Konstellationen die Leute gerade die rechten Orte aussuchen, wo sie glauben, in der besten Weise wirken zu können mit ihrem Ansehen — als Universitätsprofessoren zum Beispiel —, wo sie glauben, einen am besten aus dem Sattel heben zu können. Wenn sie die richtigen Orte wählen und die richtigen Worte gebrauchen — nicht, die richtig an sich sind, sondern die den heutigen Leidenschaften entsprechen —, dann glauben sie am weitesten zu kommen.
[ 16 ] I have pointed out that there are occult societies which, following time-honored traditions derived from ancient, atavistic secret teachings, possess knowledge of these matters. Now, as you know from earlier discussions, these societies—particularly in the West, though people in the East have also become their followers—have taken on a murky character. This does not, however, prevent them from preserving certain mysteries of existence. But they preserve them in a way that is no longer permissible today. It is precisely those who heed the spiritual message of our time and communicate that portion of spiritual science which, in keeping with the spirit of our age, can be shared with the public—the general public—today who encounter particularly strong resistance, which sometimes stems from murky sources. Yet this resistance is, after all, directed and guided everywhere by spiritual forces. One must certainly take this into account as well. And so it is entirely understandable that it is precisely against that spiritual science which is meant to live within our movement now that such matters are easily managed, resistance arises through the increasing emphasis on how, in our time, it should not be permissible for such a science to be made accessible to wider circles; and all manner of forces that enjoy popularity today are called upon to render this spiritual science ineffective. University professors travel from one country to another to explain that they must oppose my spiritual science in particular, on the grounds that the present age, as they say, must look to reality—and by that they mean the reality that they alone see—and not to things that lead people away from reality. And there is sometimes a great deal of method to such attacks. For anyone who is not blind can see how, depending on political constellations, people choose precisely the right places where they believe they can exert the greatest influence through their standing—as university professors, for example—and where they believe they can most effectively unseat someone. If they choose the right places and use the right words—not those that are right in and of themselves, but those that correspond to today’s passions—then they believe they will get the furthest.
[ 17 ] Diese Dinge stehen heute aber alle in einem größeren Zusammenhange. Und dasjenige, was von einer gewissen Seite am meisten, man könnte sagen, gefürchtet, man könnte aber ebensogut sagen perhorresziert wird, das ist, daß eine Anzahl von Leuten in der Gegenwart etwas über die Charakteristik des Lebens in der Gegenwart erfahren sollen. Denn man hat, und gerade von den Seiten her, bei denen jene charakterisierten okkulten Verbrüderungen sind, das tiefste Interesse daran, die Menschen im unklaren zu erhalten über dasjenige, was mit den wirklichen Gesetzen des Lebens zusammenhängt, denn unter solchen Menschen kann man selbst am besten wirken. Man kann nicht mehr wirken, wenn die Menschen anfangen zu wissen, wie sie eigentlich in der Gegenwart drinnenstehen. Das ist gefährlich für diejenigen, die im Trüben fischen wollen, die ihre Esoterik für sich behalten wollen, aber sie anwenden wollen, um die Menschen so zu gestalten in ihren sozialen Zusammenhängen, wie sie sie haben wollen. Und es gibt heute Mitglieder von okkulten Brüderschaften, die innerhalb ihrer okkulten Brüderschaften voll überzeugt sind davon, daß überall in unserer Umgebung geistige Mächte walten, daß ein Band besteht zwischen Lebendigen und Toten. Die reden innerhalb ihrer okkulten Brüderschaften nichts anderes als das, was Gesetze der geistigen Welt sind, von denen wir einen Teil, der jetzt veröffentlicht werden soll, in unserer Geisteswissenschaft haben; sie reden davon, indem sie ihn übernommen haben von der alten atavistischen Tradition her. Dann schreiben sie in Zeitungen, und da treten sie gegen dieselbe Sache auf und brandmarken sie als mittelalterlichen Aberglauben. Es sind oftmals durchaus dieselben Menschen, die in ihren Geheimbünden Geisteswissenschaft als übernommene Lehre pflegen und die in den öffentlichen Journalen dagegen auftreten, sie als einen mittelalterlichen Aberglauben, eine überkommene Mystik und dergleichen bezeichnen. Denn sie sehen es als das Richtige an, wenn sie das Wissen für sich behalten, und wenn die anderen dumm bleiben und nicht wissen, nach welchen Grundsätzen sie gelenkt werden. Natürlich gibt es auch allerlei merkwürdige Mitglieder okkulter Verbrüderungen, die genau so viel sehen mit Bezug auf die Welt, als vorhanden ist bis zu der Grenze ihrer Nase, und die dann auch reden von der Unmöglichkeit, den Mysteriengehalt den Menschen heute in der Öffentlichkeit mitzuteilen.
[ 17 ] Today, however, all these things are part of a larger context. And what is, from a certain perspective, most—one might say—feared, though one might just as well say abhorred, is that a number of people today should learn something about the nature of life in the present. For there is—and this is especially true of those circles where those characteristic occult brotherhoods are found—the deepest interest in keeping people in the dark about what pertains to the true laws of life, because it is among such people that one can best exert one’s influence. One can no longer exert influence once people begin to understand their true position in the present. This is dangerous for those who wish to fish in troubled waters—those who want to keep their esotericism to themselves but use it to shape people within their social contexts exactly as they wish. And today there are members of occult brotherhoods who, within their own circles, are fully convinced that spiritual forces are at work everywhere around us, that a bond exists between the living and the dead. Within their occult brotherhoods, they speak of nothing other than the laws of the spiritual world—a portion of which, now to be published, we have in our spiritual science; they speak of these laws having adopted them from the old atavistic tradition. Then they write in newspapers, where they take a stand against the very same thing and denounce it as medieval superstition. It is often the very same people who, within their secret societies, practice spiritual science as an inherited doctrine, yet who, in public journals, speak out against it, labeling it medieval superstition, outdated mysticism, and the like. For they consider it right to keep this knowledge to themselves, while others remain ignorant and unaware of the principles by which they are guided. Of course, there are also all sorts of peculiar members of occult fraternities who see no more of the world than what lies right under their noses, and who then speak of the impossibility of publicly revealing the content of the mysteries to people today.
[ 18 ] Nun gibt es ganz verschiedene Mittel, die Menschen gewissermaßen im Nebel zu erhalten; denn geradeso — ich habe das im Liestaler Vortrag und auch sonst in öffentlichen Vorträgen angedeutet — wie wahre Geisteswissenschaft uns gewisse Ideen und Begriffe überliefern wird, durch welche wir wie durch einen Schlüssel den Eingang in die geistige Welt finden, geradeso kann man gewisse Begriffe finden, durch die man den Teil der Bevölkerung, der nun nicht zu jener Verflachung des Verstandes durch naturwissenschaftliche Weltanschauung kommen kann, von welchem Mill und Herzen sprechen, einzuseifen vermag. Man kann ja die Begriffe in einer ganz bestimmten Weise formen. Und würde mancher wissen, wie heute öffentlich Begriffe geformt werden, um die Menschenseelen in der richtigen Weise zuzubereiten, so würde er schon allmählich auch den Drang verspüren, zu wahrer Geisteswissenschaft heranzukommen, die von diesen Dingen in ehrlicher und redlicher Weise spricht. Ich will heute nicht zu allerlei hohen Begriffen kommen, die als Ideale den Menschen verkündet werden, und die nicht den Zweck haben, das in den Menschen zu erreichen, was in diesen Idealen steckt, sondern einen ganz anderen Zweck haben, sondern ich will an einem einfachen Beispiel klarmachen, wie man, ich möchte sagen, nun Menschen, die das Bedürfnis haben, gewisse mystische Sehnsuchten zu befriedigen, leicht einseifen kann.
[ 18 ] Now, there are all sorts of ways to keep people, so to speak, in the dark; for just as—as I have hinted at in the Liestal lecture and in other public lectures—true spiritual science provides us with certain ideas and concepts through which we find entry into the spiritual world, as if by means of a key, in exactly the same way one can find certain concepts through which one is able to indoctrinate that segment of the population which cannot succumb to the “dumbing down” of the intellect caused by a natural-scientific worldview, as described by Mill and Herzen. After all, concepts can be shaped in a very specific way. And if some people knew how concepts are shaped in public today in order to prepare human souls in the right way, they would gradually begin to feel the urge to approach true spiritual science, which speaks of these things in an honest and sincere manner. I do not wish to delve today into all sorts of lofty concepts that are proclaimed to people as ideals—concepts that do not aim to achieve within people what these ideals embody, but rather serve an entirely different purpose. Instead, I want to use a simple example to illustrate how one can, so to speak, easily manipulate people who feel the need to satisfy certain mystical longings.
[ 19 ] Ich will ein allerdümmistes Beispiel wählen. Sehen Sie, es könnte zum Beispiel jemand sagen: Die Zahlen haben schon die alten Pythagoräer als dasjenige angesehen, worin die Gesetzmäßigkeit der Welt enthalten ist. In den Zahlenverhältnissen steckt sehr viel. Nehmen wir zum Beispiel zwei Zahlenverhältnisse. Nehmen wir NikolausII. von Rußland.
[ 19 ] I’ll choose the most trivial example possible. You see, someone might say, for example: Even the ancient Pythagoreans regarded numbers as containing the laws of the world. There is a great deal to be found in numerical ratios. Let’s take two numerical ratios, for example. Let’s take Nicholas II of Russia.
Er ist geboren im Jahre 1868
er hat die Regierung angetreten 1894
seine Regierungszeit ist 22 Jahre
sein Alter 48 Jahre
Addieren wir diese Zahlen: 3832
Nehmen wir die Hälfte, so haben wir 1916
He was born in 1868
He took office in 1894
His reign lasted 22 years
He was 48 years old
Let’s add these numbers: 3832
If we take half of that, we get 1916
[ 20 ] 1916, das bedeutsamste Kriegsjahr. Aber das wird durch einen recht geheimen, zahlenmäßigen Zusammenhang konstatiert. Denn nehmen wir Georg V. von England.
[ 20 ] 1916, the most significant year of the war. But this is established by a rather secret numerical connection. For let us take George V of England.
Er ist geboren im Jahre 1865
er regiert seit 1910
er regiert 6 Jahre
sein Alter ist 51 Jahre 3832
Die Hälfte: 1916
He was born in 1865
He has reigned since 1910
He has reigned for 6 years
His age is 51 years 3832
Halfway point: 1916
[ 21 ] Das Schicksal der beiden Leute fällt innig zusammen. Sie sehen hier, wie die pythagoräischen Zahlengesetze in der Welt eine Rolle spielen! Aber wir wollen zum Überflusse noch Poincare nehmen.
[ 21 ] The fates of these two people are intimately intertwined. Here you can see how the Pythagorean laws of numbers play a role in the world! But let’s also consider Poincaré, just for good measure.
Er ist geboren 1860
er regiert seit 1913
das sind 3 Jahre
er ist 56 Jahre alt: 3832
Die Hälfte: 1916
He was born in 1860
He has been ruling since 1913
That is 3 years
He is 56 years old 3832
Halfway through: 1916
[ 22 ] Sie sehen, wie innerhalb der drei Verbündeten die Zahlen übereinstimmen!
[ 22 ] You can see how the numbers match up among the three allies!
[ 23 ] Es ist eines der dümmsten Beispiele selbstverständlich, denn wenn ich jetzt heruntergehen würde und eine der Damen — ich tue es nicht fragen würde, wann sie geboren ist, seit wann sie Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft ist, wie alt sie ist — wie gesagt, ich werde es nicht tun —, wieviel Jahre sie in der Anthroposophischen Gesellschaft ist, und ich würde dieseZahlen addieren und würde die Hälfte nehmen, so würde ich nämlich dieselbe Zahl bekommen, genau dieselbe Zahl. Ein ideales Beispiel! Damit es ein Wirklichkeitsbeispiel ist, nehmen wir also an einmal, irgendeine Dame oder ein Herr — es kann auch ein Herr sein:
[ 23 ] It’s one of the silliest examples, of course, because if I were to go downstairs right now and ask one of the ladies—I won’t do it—when she was born, how long she’s been a member of the Anthroposophical Society, how old she is—as I said, I won’t do that—how many years she’s been in the Anthroposophical Society, and if I added up those numbers and took the average, I’d get the same number, exactly the same number. A perfect example! So that it’s a real-life example, let’s assume, for once, any woman or man—it could also be a man:
X.Y. sei geboren 1870
sei eingetreten in die Anthroposophische Gesellschaft 1912
dann wäre er also darinnen 4 Jahre
und 46 Jahre alt 3832
die Hälfte davon ist 1916
X.Y. was born in 1870
joined the Anthroposophical Society in 1912
so he would have been a member for 4 years
and 46 years old in 3832
half of that time would be 1916
[ 24 ] Es ist ein sehr dummes Beispiel, aber ich kann Ihnen die Versicherung geben, zahlreiche Dinge, die sich beschäftigen damit, allerlei Zahlengeheimnisse aufzusuchen, beruhen auf nichts anderem; nur sind sie etwas verstecktere Aufgaben als diese Dinge. Und ebensogut kann man aus anderen Gebieten hergenommene Begriffe zusammenfassen in der richtigen Weise und den Menschen das in die Augen streuen, indem man nur eben die richtigen Wege wählt und die Leute nicht aufmerksam werden läßt auf dasjenige, was dahintersteht; denn auch auf das angeführte Beispiel sind viele Menschen hereingefallen. Es ist tief bedeursam, daß also das Schicksal 1916 wählt; hätten wir es für 1914 gerechnet, so wäre es auch so gewesen, dann wäre es mit dem Kriegsausbruch zusammengefallen für diese drei Verbündeten! Wie man diese Zahlen für diese drei Verbündeten zusammenstellt, so kann man schließlich jede Zahl zusammenstellen. Manche Dinge, die gezimmert werden nur aus anderen Begriffsunterlagen heraus, sind durchaus nicht bedeutsamer und gescheiter; nur merkt man es dann, wenn die Sache etwas verborgener ist, weniger, und man kann, wenn man dazu noch den Ausdruck «welttief», «abgrundartig tief» und namentlich allerlei Zahlenzusammenhänge produziert, furchtbar viel Anhänger gewinnen und kann zugleich den Anschein erwecken, als ob man aus ganz besonderen Tiefen der menschlichen Erkenntnis heraus sprechen würde. Aber es ist etwas, und noch manches andere dazu, in den Methoden darinnen, welche gewisse Leute wählen, um den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Da oder dort werden diese oder jene Begriffe verkündet, indem dies oder jenes dazu gesagt wird. Der Ursprung liegt in irgendeinem okkulten Zusammenhange, der etwas erreichen will, der dies oder jenes will. Man muß dann nur die Wege kennen, die eingeschlagen werden. Daß in der Zukunft solches unmöglich werde, dazu muß eine Anzahl von Leuten wirklich nicht den eingeengten Verstand und die eingeengte Lebensenergie haben, auf die Mill hinweist, sondern den tragenden Verstand und die tragende Lebensenergie, welche von Geisteswissenschaft kommt und die befruchtend wirken soll auf den menschlichen Verstand, auf die menschliche Lebensenergie, so daß man dem Leben so gegenübertritt, daß es einen nicht einseifen kann.
[ 24 ] It’s a very silly example, but I can assure you that many things that involve searching for all sorts of numerical mysteries are based on nothing else; they’re just a bit more subtle than this example. And just as easily, one can take concepts from other fields, put them together in the right way, and throw them in people’s faces—simply by choosing the right methods and not letting people become aware of what lies behind them; for many people have fallen for the example cited as well. It is deeply regrettable that fate thus chose 1916; had we calculated it for 1914, it would have been the same—it would have coincided with the outbreak of war for these three allies! Just as one can arrange these numbers for these three allies, one can ultimately arrange any number. Some things, which are cobbled together solely from other conceptual foundations, are by no means more significant or clever; but one only notices this when the matter is somewhat more hidden, less obvious, and one can—if one also uses expressions like “world-deep,” “abysmally deep,” and, in particular, produces all sorts of numerical correlations—gain a tremendous number of followers and at the same time give the impression of speaking from the very depths of human knowledge. But there is something—and much more besides—in the methods employed by certain people to pull the wool over people’s eyes. Here and there, this or that concept is proclaimed, accompanied by this or that comment. The origin lies in some occult context that seeks to achieve something, that wants this or that. One need only be familiar with the paths that are taken. For such things to become impossible in the future, a certain number of people must not have the narrow-mindedness and limited life energy that Mill refers to, but rather the expansive mind and life energy that come from spiritual science and are meant to have a fertilizing effect on the human mind and human life energy, so that one approaches life in such a way that it cannot deceive one.
[ 25 ] Mit diesen Dingen hängt es nun auch zusammen, daß eine gewisse Furcht vorhanden war, aber auch ein Perhorreszieren, als herüberJeuchtete — es hat lange herübergeleuchtet, bevor es zum Austrage gekommen ist — aus dem europäischen Osten nach dem Westen die merkwürdige Tatsache, daß eine solche Individualität wie Blavatsky, man möchte sagen, wie aus heiterem Himmel auftrat. Ich habe schon öfter hingewiesen darauf, daß ja das immerhin etwas Bedeutsames war für den Verlauf des 19. Jahrhunderts. Und gerade damals ist sie aufgetreten, wo der Streit am ärgsten gewütet hat zwischen den sogenannten Esoterikern und den sogenannten fortschrittlichen Okkultisten. Esoteriker nannten sich nämlich die Reaktionäre in diesem Zusammenhange. Diejenigen nannten sich Esoteriker — für das haben sie das Wort gebraucht —, die nun alles vorenthalten wollten, für sich behalten wollten von den okkulten Geheimnissen. Da hinein fiel sozusagen dieses Leben der Blavatsky. Und die Gefahr war vorhanden durch die besondere Konstruktion dieses Lebens, daß durch sie, in der ja umfassende Kräfte aus dem Unterbewußten heraus arbeiteten, geistige Geheimnisse aufgedeckt werden könnten, daß die Leute in einer richtigen Weise etwas erfahren könnten. Die Gefahr war vorhanden. Unter dieser Gefahr lebten die Leute von den vierziger Jahren ab, gewissermaßen seit Blavatsky geboren war, ein Kind war. Seit jener Zeit war auch immer das Bestreben, die Sache so zu arrangieren, daß Blavatsky in den Dienst der westlichen okkulten Verbrüderungen gestellt worden wäre, so daß durch sie nur dasjenige hätte zum Vorschein kommen können, was die westlichen okkulten Verbrüderungen für das ihnen Angemessene hielten.
[ 25 ] These matters are also connected to the fact that there was a certain fear, but also a sense of dread, as the strange fact—which had been looming for a long time before it came to a head—spread from Eastern Europe to the West: that a figure as unique as Blavatsky, one might say, appeared as if out of the blue. I have pointed out on several occasions that this was, after all, a significant event for the course of the 19th century. And she appeared precisely at the time when the conflict was raging most fiercely between the so-called esotericists and the so-called progressive occultists. In this context, the reactionaries called themselves “esotericists.” Those who wanted to withhold everything—to keep the occult mysteries to themselves—were the ones who called themselves “esotericists”—that is why they used the word. Blavatsky’s life, so to speak, fell into this category. And the danger existed, due to the particular nature of her life—through which, after all, comprehensive forces were at work from the subconscious—that spiritual secrets might be revealed, that people might come to know something in the right way. The danger was real. People lived under this danger from the 1840s onward, in a sense ever since Blavatsky was born, ever since she was a child. From that time on, there was also always an effort to arrange matters so that Blavatsky would be placed in the service of the Western occult fraternities, so that through her only that which the Western occult fraternities deemed appropriate for them could come to light.
[ 26 ] Aber es hat ja die ganze Sache eine merkwürdige Wendung genommen. Ich habe Ihnen erzählt, wie zunächst versucht worden ist, Blavatsky zu kapern von dem «Grand Orient» und wie sie dann, weil sie Bedingungen gestellt hat, die nicht erfüllt werden konnten, die Sache also mißglückt war, wiederum in einer amerikanischen westlichen Brüderschaft Unheil stiftete, weil bei ihr immer das Temperament durchging gegenüber dem, was die anderen mit ihr wollten; wie sie dann ausgestoßen worden ist und man nicht mehr anders sich helfen konnte als dadurch, daß man eine Art okkulter Gefangenschaft über sie verhängt und sie dann in die indische okkulte Verbrüderung hineingebracht hat, deren Pflege des Okkultismus man für die sogenannten westlichen Brüderschaften für unschädlich, weil in ihrer Linie laufend, hielt. Man dachte: Nun ja, wenn da aus indischen Quellen heraus allerlei an den Tag kommt, so ist das keineswegs geeignet, unsere Kreise besonders zu stören. — Die meisten der Okkultisten, welche mit ernsthaftem Okkultismus arbeiteten, die sagten dort: Nun, was wird denn viel herauskommen, nachdem wir die Blavatsky mit all den Bildern umgeben haben, die sie abschließen von einer wirklichen Erkenntnis der geistigen Welt! Da wird sie ja doch nur Dinge aufnehmen, welche allerlei beim Tee versammelte männliche oder weibliche Tanten vereinigt — ich zitiere! —, und das wird unsere Kreise nicht besonders stören.
[ 26 ] But the whole thing has taken a strange turn. I told you how the “Grand Orient” initially tried to co-opt Blavatsky, and how, because she set conditions that could not be met—and the attempt thus failed—she then stirred up trouble again in an American Western brotherhood, because she always lost her temper when faced with what others wanted from her; how she was then expelled, and the only recourse left was to impose a kind of occult confinement upon her and subsequently bring her into the Indian occult brotherhood, whose practice of the occult was considered harmless to the so-called Western brotherhoods because it was in line with their own traditions. The thinking was: Well, if all sorts of things come to light from Indian sources, that is by no means likely to particularly disturb our circles. — Most of the occultists who worked with serious occultism said there: Well, what much will come of it, now that we have surrounded Blavatsky with all those images that shut her off from a true knowledge of the spiritual world! She’ll surely just pick up things that all sorts of male and female aunts gathered over tea have in common—and I quote!—and that won’t particularly disturb our circles.
[ 27 ] Unbehaglich wurde die Sache eben erst, als unsere Strömung auftrat, welche die Dinge ernst nahm und welche den Zugang eröffnete zu den Quellen einer wirklichen geistigen Welt. Aber Sie sehen auch, daß die Grundlagen der Konflikte, die sich da ergaben, recht tief lagen. Denn in der Tat, es war etwas von den Impulsen, die gerade von der östlichen Welt kommen müssen, in der Blavatsky, und es war auch eine gewisse Notwendigkeit vorhanden, daß eine Art Synthese mit der westlichen Welt eintrat. Aber es handelte sich ja darum, daß man in der neueren Zeit immer mehr dahin gekommen war, gewisse Zwecke und Ziele anzustreben, die, wie ich schon einmal andeutete, nicht die Ziele der Wahrheit allein sind, sondern auf dem Wege, wie ich es Ihnen heute wiederum charakterisiert habe, wahrhaftig zuweilen ganz andere Ziele anstrebte. Und denken Sie, wenn man nun weiß, wie die Menschenzyklen verlaufen, was für einen Charakter die Welt jetzt ihrem Arche entsprechend haben muß, nachdem in früheren Zeiten an der richtigen Stelle der Entwickelung dies oder jenes da war, so kann man ja schon in einer gewissen Weise entsprechend wirken. Wenn man auf der einen Seite traditionelle okkulte Wissenschaft hat und auf der anderen Seite in den öffentlichen Blättern und in dem öffentlichen Leben entgegentritt dieser okkulten Wissenschaft als einem mittelalterlichen Aberglauben, kann man schon im Trüben wirken und wichtige Dinge erreichen, die man gerade anstrebt zu erreichen, denn die Dinge in der Welt stehen im Zusammenhange. Nur müssen nicht die Menschen immer wissen, welches der Zusammenhang ist, sondern es kann sich für viele Menschen der Zusammenhang im Unterbewußten abspielen. Aber darauf kommt viel an, daß man in der Art, wie ich es gestern angedeutet habe, den Blick gewissermaßen hinzurichten versteht auf die richtigen Stellen. Da erscheint manchmal recht Unbedeutendes, aber dieses Unbedeutende im richtigen Zusammenhange gesehen, das erklärt manchmal viel mehr, als dasjenige erklärt, was man für das Bedeutende hält. Denn es ist wirklich so auch in vielen anderen Dingen in der Welt, wie Hamlet vom Guten und Bösen sagt: Nichts ist an sich gut und böse, sondern der Mensch macht es in seinen Gedanken dazu. — Es ist so auch mit vielem anderen. Bedeutend ist das eine oder andere nicht durch das, als was es unmittelbar für die äußere Maja, für die große Täuschung erscheint, sondern in ihrer Bedeutung müssen die Dinge erkannt werden dadurch, daß der Mensch die richtigen Begriffe mit den Dingen verbindet. Ich will Ihnen ein Beispiel aus der allerjüngsten Zeit sagen in diesem Europa, ohne damit irgendwie in eine parteimäßige oder in irgendeine politische Strömung eingreifen zu wollen.
[ 27 ] Things only became uncomfortable when our movement emerged—a movement that took matters seriously and opened the door to the sources of a true spiritual world. But you can also see that the roots of the conflicts that arose there ran quite deep. For in fact, there was something in Blavatsky of the impulses that must come specifically from the Eastern world, and there was also a certain necessity for a kind of synthesis with the Western world to take place. But the point was that, in more recent times, people had increasingly come to strive for certain aims and goals which, as I have already hinted, are not the goals of truth alone, but—as I have once again characterized it for you today—truly sometimes aimed at entirely different goals. And consider this: if one now knows how the human cycles unfold, what character the world must have now in accordance with its arche, given that in earlier times this or that was present at the appropriate stage of development, then one can indeed act accordingly in a certain way. If, on the one hand, one has traditional occult science and, on the other hand, this occult science is opposed in the public press and in public life as a medieval superstition, one can still work behind the scenes and achieve important things that one is specifically striving to achieve, for everything in the world is interconnected. People do not always need to know what the connection is; for many, the connection can play out in the subconscious. But it is crucial that, as I hinted at yesterday, one knows how to direct one’s gaze, so to speak, toward the right places. Sometimes something quite insignificant appears, but when viewed in the right context, this seemingly insignificant thing sometimes explains far more than what one considers to be significant. For it is truly the case in many other matters in the world, as Hamlet says of good and evil: Nothing is good or evil in itself; rather, it is the human mind that makes it so. — The same is true of many other things. One thing or another is not significant because of what it immediately appears to be to the external Maya—the great illusion—but rather, things must be understood in their significance by a person associating the correct concepts with them. I will give you an example from very recent times in this Europe, without wishing in any way to get involved in party politics or any political movement.
[ 28 ] Es kann Menschen geben in diesem Europa, die, da sie ja heute alle kurz denken wollen, den Ausbruch des gegenwärtigen Krieges zusammenhängend denken — ich sage nicht, daß das falsch ist, ich sage nicht, daß darinnen nicht Richtigkeit ist — mit derErmordung desErzherzogThronfolgers, des Franz Ferdinand; sie können daraus gewisse Ereignisse erklären, die sie zurückführen bis zu jener im Juni 1914 erfolgten Ermordung. Aber es kann auch Menschen geben, welche betonen, daß in einer westlichen Zeitung vom Januar 1913 gestanden hat, daß in der nächsten Zeit zum Heile der europäischen Menschheit der Erzherzog Franz Ferdinand ermordet werden solle. Ich meine, man kann zurückgehen bis zu der wirklichen Ermordung; man kann aber auch zurückgehen bis zu dem, was in einer westlichen Zeitung im Januar 1913 bereits stand: daß er ermordet werden wird. Man kann auch zurücksehen bis zu der, wie ich neulich andeutete, wahrscheinlich niemals vollständig enthüllten Ermordung von Jaures am Abend des letzten Tages der Friedenszeit. Man kann aber auch so weit zurückgehen, daß man hinweist auf dieselbe Zeitung, die ich jetzt gemeint habe, die fast eben so weit zurückliegend, also schon im Jahre 1913, den Satz enthielt: Wenn die Verhältnisse in Europa zu einem Krieg führen sollten, so wird Jaur£s der erste sein, der seinen Tod findet. — Man kann einen gewissen, sozusagen okkultistischen Almanach aufschlagen, der für vierzig Franken verkauft wurde, und man kann in dem Almanach, der auf das Jahr 1913 bestimmt war, der also schon 1912 gedruckt worden ist, die Sätze lesen: In Österreich werde nicht der regieren, von dem man glaubt, daß er regieren werde, sondern ein junger Mann, von dem man jetzt noch nicht glaubt, daß er nach dem alten Kaiser regieren werde. — Das wurde in einem sogenannten okkultistischen Almanach gedruckt für 1913, also schon im Herbst 1912 gedruckt. Und wiederum, aus demselben Almanach für 1914, also schon gedruckt 1913, wurde dieselbe Bemerkung wiederholt, weil offenbar für 1913 das Attentat mißglückt war. Für alle solche Dinge wird einmal, wenn man die Dinge heller ansehen . wird, der Zusammenhang aufgedeckt werden, der da besteht zwischen dem, was in der äußeren Wirklichkeit geschieht und zwischen demjenigen, was in verborgenen, trüben Quellen ausgekocht wird. Es wird mancher erkennen, welche Fäden aus dem öffentlichen Leben hineinlaufen in diese oder jene Verbrüderung, und es wird auch mancher erkennen, wie töricht es ist von anderen Verbrüderungen, wenn die heute noch immer davon deklamieren, daß man über gewisse Mysterienwahrheiten durchaus schweigen müsse. Solche Leute können recht unschuldig sein, weil sie Kinder sind, trotzdem sie vielleicht alte Mitglieder sind von diesem oder jenem Freimaurerbund zum Beispiel, der auch okkulte Quellen haben will; dennoch fördern sie die Dunkelheit und Finsternis, die unter den Menschen herrscht.
[ 28 ] There may be people in this Europe who, since everyone today tends to think in the short term, view the outbreak of the current war in a coherent light—I am not saying that this is wrong, nor am I saying that there is no truth to it—linking it to the assassination of the Archduke and heir to the throne, Franz Ferdinand; they may use this to explain certain events that they trace back to that assassination in June 1914. But there may also be people who point out that a Western newspaper in January 1913 reported that Archduke Franz Ferdinand was to be assassinated in the near future for the good of European humanity. I believe one can go back to the actual assassination; but one can also go back to what was already stated in a Western newspaper in January 1913: that he would be assassinated. One can also look back to the assassination of Jaurès—as I hinted at recently—which will probably never be fully revealed, on the evening of the last day of peacetime. But one can also go back far enough to point to the very same newspaper I just mentioned, which, almost just as far back—that is, as early as 1913—contained the sentence: “If conditions in Europe should lead to a war, Jaurès will be the first to meet his death.” — One can open a certain, so to speak, occult almanac that was sold for forty francs, and in that almanac—which was intended for the year 1913 and was therefore already printed in 1912—one can read the following sentences: In Austria, it will not be the one whom people believe will rule who will rule, but a young man whom people do not yet believe will succeed the old emperor. — This was printed in a so-called occult almanac for 1913—that is, it had already been printed in the fall of 1912. And again, in the same almanac for 1914—which had already been printed in 1913—the same remark was repeated, because apparently the assassination attempt had failed in 1913. For all such matters, once we come to view things more clearly, the connection will be revealed that exists between what happens in outward reality and what is concocted in hidden, murky sources. Many will recognize which threads run from public life into this or that brotherhood, and many will also recognize how foolish it is of other brotherhoods—especially those that still insist today that one must remain absolutely silent about certain mystical truths. Such people may be quite innocent, because they are children, even though they may be long-standing members of this or that Masonic lodge, for example, which also claims to have occult sources; nevertheless, they promote the darkness and gloom that reigns among humanity.
[ 29 ] Ich habe in den letzten Zeiten ein Beispiel gewählt — ich habe es in St.Gallen und in Zürich behandelt — von einem besonders erleuchteten Pastor und Professor, bei dem ich aufmerksam gemacht habe auf die Diskontinuität des Denkens, die bei ihm herrscht. Der gehört allerdings auch einer okkulten Verbrüderung an. Aber er gehört zu denen, die nicht durch etwas anderes wirken als durch die eigene Beschränktheit, die sie sich aneignen in ihrer okkulten Verbrüderung, in der sie beschränkt erhalten werden, denn auch das machen sich manche Oberen in der okkulten Verbrüderung zur Aufgabe; und dadurch wird vielfach ungünstig gewirkt. Dasjenige, was notwendig ist, das ist, daß die Menschen wirklich die Augen aufmachen. Aber die Augen müssen erst sehen lernen, und sehen lernen kann man nur, wenn man gewissermaßen die Augenrichtung sich bestimmen läßt durch dasjenige, was man zuerst an Aufklärung über die geistige Welt erhalten hat. Gerechnet wird ja immer mit Eigenschaften, denen gegenüber man sich selten verrechnet im menschlichen Zusammenhang. So — ich habe es ja schon einmal angedeutet — sollte ich selbst ja auch einmal kirre gemacht werden. Ich hätte erlangen können in der Zeit, als in der Theosophical Society Alcyone zu etwas ernannt worden ist, gleichzeitig auch zu etwas ernannt zu werden. Es hätte alles dasjenige, was durch unsere Bewegung pulsiert, dadurch hübsch aus der Welt geschafft werden können, wenn ich dazumal eingegangen wäre auf dasjenige, was mir ja nahe genug gelegt worden ist: der wiederverkörperte Johannes zu werden! Es würde dann von einer gewissen Seite her die Aufgabe übernommen worden sein, zu verkündigen: Alcyone ist das, und der ist der wiederverkörperte Johannes — und es hätte die ganze Bewegung dasjenige nicht zu erfahren gebraucht, was ja später geschehen ist.
[ 29 ] Recently, I have cited an example—which I discussed in St. Gallen and Zurich—of a particularly enlightened pastor and professor, to whom I pointed out the discontinuity in his thinking. He is, however, also a member of an occult brotherhood. But he is among those who act through nothing other than their own narrow-mindedness, which they acquire in their occult brotherhood, where they are kept in a state of limitation; for some of the leaders in the occult brotherhood make this their task as well; and this often has an adverse effect. What is necessary is for people to truly open their eyes. But the eyes must first learn to see, and one can only learn to see if, so to speak, one allows the direction of one’s gaze to be determined by the initial enlightenment one has received about the spiritual world. After all, one always counts on qualities that rarely lead to miscalculations in human relationships. So—as I have already hinted at once—I myself was once supposed to be driven mad. I could have been appointed to a position at the same time that Alcyone was appointed to a position in the Theosophical Society. Everything that pulsates through our movement could have been neatly swept aside if I had gone along at that time with what had been strongly suggested to me: to become the reincarnated John! Then, from a certain quarter, the task would have been taken on to proclaim: “Alcyone is this, and he is the reincarnated John”—and the entire movement would not have had to experience what did in fact happen later.
[ 30 ] Unter die mancherlei Dinge, die den Menschen dumm machen, gehört natürlich auch die Eitelkeit, und trifft man in der richtigen Weise auf die Eitelkeiten, dann kann man viel erreichen, insbesondere, wenn man auch die Methoden noch kennt, gewisse Begriffe zu formen. Ich habe schon gestern erwähnt, daß die Theosophische Gesellschaft es nur zu dilettantisch gemacht hat; die andern machen es gescheiter und sachgemäßer. Aber man kann natürlich nicht viel Gescheites machen, wenn man zu rechnen hat mit einer Persönlichkeit, unter der ja die ihr Nahestehenden so viel geseufzt haben, wenn man zu rechnen hat zum Beispiel mit einer Persönlichkeit wie Annie Besant, die selber voll von Leidenschaften ist. Man braucht nur zu wissen, wie diejenigen, die in der Umgebung Annie Besants waren, durch Jahre darüber geseufzt haben, in welche Lage sie sie noch alle bringen werde dadurch, daß sie ja nun auch in die Aura eines gewissen indischen Okkultismus verfallen sei. Sie hatte dabei wiederum merkwürdige, aus sonderbaren Untergründen heraus kommende Eigenschaften mitgebracht, die einer Anzahl von Menschen gerade in der Theosophical Society recht unpaß gekommen sind. Eine Anzahl von Leuten, zumeist Männer — verzeihen Sie, aber das soll keine Anspielung sein —, seufzten, weil sie sich immer bemühten, Annie Besant ein wenig in Bahnen zu bringen, daß es ginge. Aber Frauen waren auch da, die seufzten auch, doch sie unterwarfen sich immer wieder; denn die hatten vor allen Dingen das Bestreben, zwar Theosophie zu treiben in dem Sinne, wie man es dort trieb, aber diese Theosophie so zu treiben, daß sie auch so etwas werde — nur etwas theosophisch — wie «conglomerated mediocrity». Hineintragen wollte man dasjenige, was John Stuart Mill die «conglomerated mediocrity» nennt, in den Betrieb der Geisteswissenschaft.
[ 30 ] Among the many things that make people foolish is, of course, vanity; and if one addresses these vanities in the right way, one can achieve a great deal—especially if one also knows the methods for formulating certain concepts. I already mentioned yesterday that the Theosophical Society has gone about it far too amateurishly; the others are handling it more intelligently and appropriately. But of course, one cannot do much that is sensible when one has to deal with a personality under whom those closest to her have sighed so much—when one has to deal, for example, with a personality like Annie Besant, who is herself full of passions. One need only consider how those in Annie Besant’s circle have for years lamented the predicament into which she would yet lead them all, now that she, too, has fallen under the spell of a certain form of Indian occultism. She, in turn, had brought with her peculiar traits stemming from strange underlying motives, which were quite unwelcome to a number of people, particularly within the Theosophical Society. A number of people, mostly men—forgive me, but this is not meant to be an allusion—sighed because they were always trying to steer Annie Besant a little in the right direction so that things would work out. But there were women there as well, and they sighed too; yet they repeatedly submitted, for their primary aspiration was to practice Theosophy in the sense that it was practiced there, but to practice it in such a way that it would become something—albeit somewhat Theosophical—like “conglomerated mediocrity.” They wanted to introduce what John Stuart Mill calls “conglomerated mediocrity” into the practice of spiritual science.
[ 31 ] Ich habe es selbst noch erfahren, wie eine Sendbotin der Theosophical Society in einer Stadt gewirkt hat, die zu der damaligen Sektion gehörte, deren Generalsekretär ich war. Ich ging in diese Stadt, Vorträge zu halten, sogar gerufen von der betreffenden Sendbotin. Aber die betreffende Sendbotin sagte mir: Von den Vorträgen werden wir allmählich absehen, denn die haben doch nicht einen rechten Zweck. Man muß Tee-Abende arrangieren und die Leute dazu einladen, daß sie sich kennenlernen beim Tee — und sie meinte: Bei den Brötchen, da macht sich das am allerbesten! Aber die Vorträge — und sie sagte das mit einer gewissen wegwerfenden Miene —, die werden allmählich eine immer geringere Bedeutung haben. — Man kann sagen, eingewickelt in die richtige Hülle von einer gewissen Seite her war auch diese Persönlichkeit, und es sind eben viele, viele, gerade solche, die als Sendboten wirken, die zuweilen gar nicht wissen, wie die Drähte gehen, an denen sie gezogen werden. Manchmal braucht man gar nicht Drähte, es können dünne Schnüre sein, Bindfaden meinetwillen. Es ist schon ein Jammer, wie gerade über die heiligsten und ernstesten Dinge der Menschheit zuweilen innerhalb dieser Menschheit verhandelt wird.
[ 31 ] I myself witnessed how a representative of the Theosophical Society worked in a city that belonged to the section of which I was the general secretary at the time. I went to that city to give lectures, having even been invited by the emissary in question. But she told me: “We’re going to gradually phase out the lectures, because they don’t really serve a proper purpose. We need to organize tea parties and invite people so they can get to know one another over tea”—and she added: “It works best with little rolls!” But the lectures—and she said this with a certain dismissive expression—will gradually become less and less important. —One could say that, from a certain perspective, this person was also wrapped in the right guise, and there are indeed many, many just like her who act as emissaries, who sometimes have no idea at all how the strings are being pulled that control them. Sometimes you don’t even need wires; they can be thin cords, or even twine, for all I care. It’s truly a pity how, within humanity itself, the most sacred and serious matters of humanity are sometimes discussed.
[ 32 ] Namentlich fürchtete man ungeheuer, wenn die Blavatsky richtig gesund bliebe und doch dasjenige an die Oberfläche brächte, was in ihren Untergründen war, dann könnte es gerade durch ihre besondere Anlage und durch den besonderen Zusammenhang mit ihrem russischen Volkstum auch in politischer Beziehung gefährlich werden. Und das, um was es sich da handelte, auszuschalten, das war auch ein ganz besonderes Bestreben. Und hätte gar dasjenige zur Geltung kommen können schon dazumal, von den sechziger, siebziger Jahren an, was in der Blavatsky gelebt hat, dann wären doch manche Dinge anders verlaufen, Dinge, denen gegenüber solche Leute wie Mill und Herzen ganz gut gesehen haben. Aber es ist eben dazumal einzelnen ahrimanischen Mächten gelungen, mancherlei auszuschalten. Nun, wir werden ja sehen, wie es unter den gegenwärtigen traurigen Verhältnissen unserer Geisteswissenschaft ergehen kann. Recht denken werden über sie diejenigen, welche die Möglichkeit haben, ihre Bedeutung einzusehen gerade gegenüber den großen Aufgaben unseres fünften nachatlantischen Zeitraums. Inwiefern ja unsere Geisteswissenschaft wirklich nur mit dem rein Wienschlichen rechnet, das könnten Sie ja jetzt schon wissen. Und erkennen, meine ich, könnte man auch schon, daß doch da Unterschiede sind. Wir haben zum Beispiel vielfach besprochen und auch aufgeführt Goethes «Faust». Denn man braucht nicht nationale Hintergründe zu haben, wenn man Goethes «Faust» in seinen okkulten Tiefen der Menschheit vorführt. Ob man aber nationale Hintergründehaben muß, vielleicht sogar sehr sonderbare nationale Hintergründe, wenn man, wie jetzt Maeterlinck wiederum neuestens, Goethe und Schiller und Lessing mittelmäßige Geister nennt und große Aufsätze über die Mittelmäßigkeit Goethes, Schillers und Lessings schreibt, wofür man große Zeitungen der Welt gewinnt, in denen das heute stehen kann — ob dahinter nicht nationale Gründe stecken, das überlasse ich Ihnen zu entscheiden! Vielleicht noch viel tiefere als bloß nationale!
[ 32 ] In particular, there was a tremendous fear that if Blavatsky remained in good health and nevertheless brought to the surface what lay beneath her, it could become dangerous—especially in a political sense—precisely because of her unique disposition and her special connection to her Russian heritage. And eliminating whatever it was that was at stake there was also a very special endeavor. And if what lived within Blavatsky had been able to come to the fore back then, starting in the 1860s and 1870s, then many things would have turned out differently—things that people like Mill and Herzen had a good understanding of. But at that time, certain Ahrimanic forces succeeded in thwarting many things. Well, we shall see how things may turn out for our spiritual science under the current sad circumstances. Those who have the opportunity to grasp its significance—especially in light of the great tasks of our fifth post-Atlantean epoch—will judge it rightly. To what extent our spiritual science truly relies only on what is purely Viennese, you could already know that. And I believe one could already recognize that there are indeed differences. For example, we have discussed and performed Goethe’s Faust on many occasions. For one does not need a national background when presenting Goethe’s Faust in its occult depths of humanity. But does one need a national background—perhaps even a very peculiar national background—when, as Maeterlinck has done most recently, calls Goethe, Schiller, and Lessing “mediocre minds” and writes lengthy essays on the mediocrity of Goethe, Schiller, and Lessing—for which one wins over major newspapers around the world, in which such things can appear today—whether there are national reasons behind this, I leave it to you to decide! Perhaps even much deeper reasons than merely national ones!
[ 33 ] Aber stellen Sie sich jetzt zwei Dinge zusammen. Ich habe Ihnen im Verlauf dieser Betrachtungen den Hinweis darauf gegeben, daß ein geniales Buch in einer gewissen Beziehung Ku Hung-Ming, der Chinese, geschrieben hat, und daß es darstellt, wie die einzige Rettung der Europäer die sei, daß sie sich dem Chinesentum zuwenden, denn dadurch würden die Europäer in die Lage kommen, ihre wertlosen Magna Chartas der Freiheit — meint Ku Hung-Ming — zu ersetzen durch die Magna Charta der Treue, die nur aus dem Chinesentum kommen könne. Und Ku Hung-Ming ist ein scharfsinniger Geist, der es bewahrheitet, was John Stuart Mill und Herzen bereits geahnt haben, der es bewahrheitet aus einer tiefen Kenntnis des Chinesentums selbst heraus; auch ein Geist, der nicht als Philologe, nicht als Schulmeister, sondern ein Geist, der aus einem praktischen Berufe, wie der Ihnen früher angeführte Max Eyth, gekommen ist; weder ein Theologe noch ein Schulmeister, noch ein Philologe, sondern einer, der ursprünglich Kaufmann war, durch allerlei Berufe noch durchgegangen ist und das Leben kennt. Ku HungMing stellt das Chinesentum, das chinesische Leben dar. Man kann heute eine Vorstellung gewinnen aus den ungeheuer anschaulichen Darstellungen, die Ku Hung-Ming gegeben hat, und man bekommt den Eindruck: Wie recht hatten John Stuart Mill und Herzen — man lese nur das Buch von Herzen von 1864 —, als sie die Lehre des Konfuzius und des Laotse die letzte Konsequenz nannten, die herauskommen müsse, wenn der sogenannte positivistische Realismus, wie sie das nannten, getragen von der «conglomerated mediority», von der «bürgerlichen Nichtigkeit», Europa ergreift! Denn die letzte Konsequenz desjenigen, was heute an den Universitäten getrieben wird und in das Volk übergeht als heutige Weltanschauung, ist das Chinesentum, das nur sechshundert Jahre vor unserer Zeitrechnung schon zu dieser Konsequenz von einer früheren Kulturschichte aus sich bereitgefunden hat. Ku Hung-Ming zeichnet klar, was das Chinesentum ist; Mill und Herzen zeichneten den Weg, den diejenige europäische Kultur geht, welche nur auf dem äußeren positivistischen Realismus fußen will: Von beiden Seiten her, von der einen Seite, daß Europa das Chinesentum ergreifen wird, von der anderen Seite, daß die einzige Rettung Europas das Chinesentum ist.
[ 33 ] But now consider these two things together. In the course of these reflections, I have pointed out to you that Ku Hung-Ming, the Chinese, wrote a brilliant book in a certain respect, and that it describes how the only salvation for Europeans is for them to turn to Chinese culture, for thereby, according to Ku Hung-Ming, Europeans would be able to replace their worthless Magna Chartas of freedom with the Magna Carta of loyalty, which can come only from Chinese culture. And Ku Hung-Ming is a perceptive mind who confirms what John Stuart Mill and Herzen had already intuited, confirming it from a deep understanding of Chinese culture itself; he is also a mind that did not emerge from philology or from the classroom, but rather from a practical profession, much like Max Eyth, whom I mentioned earlier; neither a theologian nor a schoolteacher nor a philologist, but someone who was originally a merchant, who has worked in all sorts of professions, and who knows life. Ku Hung-Ming embodies Chinese culture and Chinese life. Today, one can gain an understanding from the incredibly vivid descriptions provided by Ku Hung-Ming, and one gets the impression: How right John Stuart Mill and Herzen were—one need only read Herzen’s book from 1864—when they called the teachings of Confucius and Laozi the ultimate consequence that must arise when so-called positivist realism, as they called it, carried by “conglomerated mediocrity” and “bourgeois insignificance,” takes hold of Europe! For the ultimate consequence of what is being pursued in universities today—and which is spreading among the people as the contemporary worldview—is “Chineseness,” which, as early as six hundred years before our era, had already arrived at this conclusion based on an earlier cultural history. Ku Hung-Ming clearly outlines what “Chineseness” is; Mill and Herzen charted the path being taken by that European culture which seeks to base itself solely on external positivist realism: from both sides—on the one hand, that Europe will embrace “Chineseness,” and on the other, that “Chineseness” is Europe’s only salvation.
[ 34 ] Vielleicht gibt es noch eine dritte Seite, und ich darf diese Frage gerade heute am Schlusse aufwerfen: Wie wäre es denn nun, wenn es auch eine Seite gäbe, der es sehr gelegen käme, wenn gerade ein Chinese heute den Europäern den Rat gäbe, die einzige Rettung zu wählen, die besteht? Wie wäre es, wenn nicht ein Zufall es wäre, daß just die Lehre des Ku Hung-Ming nach Europa hereingeworfen wird, die genial vom Standpunkte des Chinesentums, die aber geeignet genug ist, die Menschen, die sie nicht mit hellen Sinnen, mit den durch die Geisteswissenschaft geweckten Sinnen aufnehmen, zu verwirren und vielleicht gerade dorthin zu führen, wohin man sie haben will: richtig zum Chinesentum? Wie denn schon John Stuart Mill und Herzen richtig erkannt haben, daß die Segel, die ausgeschickt werden von gewissen okkulten Brüderschaften, dahin auslaufen und ein Chinesentum haben wollen; denn in das Chinesentum Europas kann man am besten dasjenige einschalten, was gewisse Brüderschaften wollen! Warum sollte es nicht auch dem Willen einer Brüderschaft entsprechen, daß nun just ein Chinese den Europäern den Rat gibt, hinzuhorchen auf all die Schönheiten, die gerade aus dem Chinesentum kommen könnten? Warum soll man nicht erwarten können, daß gerade die sogenannten Erleuchtetsten hingerissen werden von dem, was ein Chinese zu raten versteht, nachdem man sich in Europa selber keinen Rat mehr weiß?
[ 34 ] Perhaps there is a third side to this, and I would like to raise this question right at the end today: What if there were a side that would find it very convenient if, of all people, a Chinese person were to advise Europeans today to choose the only salvation that exists? What if it were no coincidence that precisely the teachings of Ku Hung-Ming are being introduced into Europe—teachings that are brilliant from the standpoint of Chinese culture, but which are quite capable of confusing people who do not receive them with clear senses, with senses awakened by spiritual science, and perhaps leading them precisely where one wants them to go: right into “Chineseness”? As John Stuart Mill and Herzen correctly recognized, the sails set forth by certain occult brotherhoods are heading in that direction and aim to establish a form of “Chineseness”; for it is into the “Chineseness” of Europe that one can best incorporate precisely what certain brotherhoods desire! Why should it not also be in accordance with the will of a brotherhood that it is precisely a Chinese who now advises Europeans to listen to all the beauties that might come precisely from “Chineseness”? Why should one not expect that it is precisely the so-called most enlightened who will be enthralled by what a Chinese knows how to advise, now that Europe itself no longer knows what to do?
[ 35 ] Nachdem ich Ihnen zunächst gesagt habe, wie bedeutend das chinesische Buch ist, fühle ich mich durchaus auch verpflichtet, gerade von dem Gesichtspunkte aus, der hier immer mit Geisteswissenschaft gepflegt werden soll, darauf aufmerksam zu machen, daß man solche Erscheinungen wie das Buch oder eigentlich die Bücher von Ku HungMing — zwei sind schon erschienen — wohl verfolgen soll, aber unter Umständen wissen muß, daß hinter ihnen Absichten stecken, weitgehende Absichten. Unrecht tut man, wenn man sich nicht mit ihnen bekannt macht, aber unrecht geschieht auch, wenn man auf sie hereinfällt. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist es aber, auf alles dasjenige sorgfältig hinzuschauen, was sich heute als Mystik oder Okkultismus aus manchmal recht trüben Quellen auftut. Und diejenigen, die in Erwägung ziehen werden, was ich vielfach ausgeführt habe, die werden auch versuchen, in diesen Dingen richtig zu sehen. Denn die moderne Welt steht in mancherlei anderen Strömungen noch drinnen, und es frägt sich, ob einzelne Leute den Willen haben, klar und deutlich zu sehen. Man muß zum Beispiel durchaus abwägen können, welch ein Unterschied besteht zwischer dieser und einer gewissen Strömung, die heute noch mehr Macht hat, als man glaubt und denkt, die von gewissen katholischen Quellen ausgeht, hinter denen auch vielfach Einweihungsprinzipien schon stehen, wenn auch natürlich diejenigen, die sie in die Welt hinausbringen, an dem Bindfaden geführt werden. Aber kontrastieren wir jetzt das, was auch kontrastiert werden kann: auf der einen Seite die römische Kirche und auf der anderen Seite jene okkulten Brüderschaften. Die römische Kirche, welche in der Ihnen ja bekannten Weise wirkt; jene Brüderschaften, die bis aufs Messer die römische Kirche selbstverständlich bekämpfen, aber andererseits eben bis zu diesen Dingen gehen, daß sie sehr wohl die okkulten Kenntnisse haben und auch benützen, aber in der Öffentlichkeit sie als mittelalterlichen Aberglauben nun brandmarken, um die Menschen in der richtigen Strömung zu erhalten, so daß sie sie benützen können. Kontrastieren Sie dieses mit der römischen Kirche. Nehmen Sie nur eine solche Tatsache wie die Enzyklika vom 8. Dezember 1864, wo von der römischen Kirche ex cathedra verkündigt ist [die Verdammung von] Freiheit des Gewissens und der Kulte. Sie führt die Sätze an, die von manchen geglaubt werden, und verdammt sie dann: Es wird gesagt von einigen Menschen, Freiheit des Gewissens und der Kulte sei jedes Menschen eigenes Recht; dies ist ein Delirium — das heißt ein Wahnsinn. Also ein Wahnsinn ist es, ein Delirium für den rechtgläubigen Katholiken im Sinne des römischen Stuhles, die Freiheit des Gewissens und der Kulte zu beanspruchen! Das ist die eine Strömung. Die andere Strömung, die findet, daß es besser ist, solche Sachen nicht zu sagen, sondern lieber Dinge zu tun, wodurch die Freiheit des Gewissens, die Freiheit vor allen Dingen der eigenen Überzeugung und die Hineinstellung der eigenen Überzeugung in das menschliche Leben aufgehoben wird. Da haben Sie auch zwei kontrastierende Bewegungen, die sehr bedeutsam sind in der Gegenwart und von denen vieles abhängt.
[ 35 ] Having first told you how significant the Chinese book is, I feel quite obliged—precisely from the perspective that should always be cultivated here in the context of spiritual science—to point out that while one should certainly follow developments such as the book, or rather the books, by Ku Hung-Ming—two have already been published— but one must be aware that there are intentions behind them—far-reaching intentions. It is wrong not to familiarize oneself with them, but it is also wrong to fall for them. It is, however, of particular importance to look carefully at everything that presents itself today as mysticism or occultism, often emerging from rather murky sources. And those who will give consideration to what I have often expounded will also strive to see these matters clearly. For the modern world is still caught up in various other currents, and the question arises as to whether individual people have the will to see clearly and distinctly. For example, one must be able to weigh up the difference between this and a certain current that still wields more power today than one might believe or imagine—a current that originates from certain Catholic sources, behind which initiatory principles often already lie, even if, of course, those who bring them out into the world are being led by the nose. But let us now contrast what can indeed be contrasted: on the one hand, the Roman Church, and on the other, those occult brotherhoods. The Roman Church, which operates in the manner you are well aware of; those brotherhoods, which, of course, fight the Roman Church tooth and nail, but on the other hand go so far as to possess and make use of occult knowledge, while publicly denouncing it as medieval superstition in order to keep people within the “right” current so that they can exploit them. Contrast this with the Roman Church. Take, for example, the encyclical of December 8, 1864, in which the Roman Church proclaimed ex cathedra [the condemnation of] freedom of conscience and worship. It cites the propositions believed by some and then condemns them: It is said by some people that freedom of conscience and of worship is every person’s inherent right; this is a delirium—that is, madness. Thus, for the orthodox Catholic in the sense of the Roman See, it is madness—a delirium—to claim freedom of conscience and of worship! That is one current of thought. The other current believes that it is better not to say such things, but rather to do things that abolish freedom of conscience—above all, freedom of one’s own convictions and the integration of one’s own convictions into human life. Here, too, you have two contrasting movements that are very significant in the present and on which much depends.
[ 36 ] Solche Betrachtungen, in die heute ausgemündet ist das, was ich zu sagen habe, werden aus dem Grunde hier angestellt, damit diejenigen, die innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung stehen, den inneren Seelenimpuls fassen, nicht zu den Schläfrigen zu gehören, sondern zu denen, die versuchen wollen, das Leben anzusehen, wie es ist. Dadurch ist man noch nicht Geisteswissenschafter, daß man die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse aufnimmt und an sie glaubt. Dann ist man erst im richtigen Sinne Geisteswissenschafter, wenn einen die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten zu einem klarer schauenden Menschen machen, aber auch zu einem solchen Menschen, der den Willen hat, wirklich das, was in seiner Umgebung ist, in der richtigen Weise, an den richtigen Punkten anzuschauen, um ein Urteil zu bekommen über die Lage, in der er selbst in die Welt hineingestellt ist. Das gehört schon dazu, wenn man in einer fruchtbaren Weise über das Karma des Berufes sprechen will.
[ 36 ] Such reflections—which form the basis of what I have to say today—are presented here so that those who are part of our spiritual science movement may grasp the inner impulse of the soul: not to be among the sleepers, but to be among those who wish to try to view life as it is. Simply absorbing and believing in the insights of spiritual science does not yet make one a spiritual scientist. One is a spiritual scientist in the true sense only when the truths of spiritual science make one a person who sees more clearly, but also a person who has the will to truly observe what is in one’s surroundings in the right way and at the right points, in order to form a judgment about the situation in which one is oneself placed in the world. This is an essential part of speaking fruitfully about the karma of one’s profession.
[ 37 ] Solche Betrachtungen werden wir demnächst fortsetzen. Dann wird schon das nötige Licht fallen auf das, was mehr in das Alltagsleben hineingehört, auf das unmittelbare menschliche Leben, das unmittelbare Karma des Berufes.
[ 37 ] We will continue these reflections shortly. Then the necessary light will be shed on what belongs more to everyday life—on immediate human life, the immediate karma of one’s profession.
