Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Reflections on Contemporary History III
The Reality of Occult Impulses
GA 173c

22 January 1917, Dornach

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Reflections on Contemporary History, Volume III, tr. SOL
  1. Zeitgeschichtliche Betrachtungen Band III

Zweiundzwanzigster Vortrag

Twenty-second Lecture

[ 1 ] Wenn Sie sich an einzelne Ausführungen erinnern, die in dem Wiener Zyklus stehen über «Das innere Leben der Seele und dasLeben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt», so werden Sie da Begriffe, oder besser gesagt, innere Seelenerlebnisse finden, die der Mensch machen kann, und durch die er sich nähern kann jenen Welten, von denen wir gestern gesprochen haben und die wir gemeinsam haben mit den entkörperten Menschenseelen, mit den Seelen, die durch des Todes Pforte geschritten sind und sich für ein neues Erdendasein vorbereiten. Sie werden vor allen Dingen einen Begriff lebendig machen können, der unentbehrlich ist, wenn man wirkliche Vorstellungen gewinnen will über die geistige Welt, das ist, daß vieles — ich betone ausdrücklich: vieles, nicht alles —, vom Gesichtspunkte der geistigen Welt angesehen, geradezu entgegengesetzt sich darstellt gegenüber den Offenbarungen der physischen Welt. Legen wir diese Vorstellungen zugrunde und betrachten wir einmal mit Hilfe dieser Vorstellungen das Hinüberleben und auch Hinüberschauen des Menschen in die geistige Welt.

[ 1 ] If you recall specific passages from the Vienna Cycle on “The Inner Life of the Soul and Life Between Death and a New Birth,” you will find concepts—or rather, inner soul experiences—that a person can undergo, and through which they can draw closer to those worlds we spoke of yesterday, which we share with disembodied human souls—souls that have passed through the gate of death and are preparing for a new earthly existence. Above all, you will be able to bring to life a concept that is indispensable if one wishes to gain true insights into the spiritual world, namely that much—and I emphasize this expressly: much, not everything—when viewed from the perspective of the spiritual world, appears to be the very opposite of what is revealed in the physical world. Let us take these ideas as our foundation and, with their help, consider how human beings continue to live and perceive the spiritual world after death.

[ 2 ] Hier, indem wir wachend, also zwischen Aufwachen und Einschlafen, gebunden sind an unseren physischen Leib, daß wir diesen physischen Leib als Werkzeug benützen zu unserem Erleben in der Welt, hier fühlen wir gegenüber der geistigen Welt ein gewisses Unvermögen, sie gewissermaßen zu fassen, ihre Offenbarungen festzuhalten. Solange wir eingeschlossen im physischen Leibe sind, brauchen wir, um etwas wahrzunehmen, die groben Instrumente des physischen Leibes. Wir müssen diese benützen. Und wenn wir sie nicht benützen können, wie es der Fall ist zwischen Einschlafen und Aufwachen, da ist gewissermaßen unsere ja erst aus der Monden- und Erdenzeit stammende astralische und Ich-Wesenheit zu dünn, zu intim, um etwas zu erfassen. Die geistige Welt ist ja immer um uns, so wahr wie die Luft um uns ist. Und wären wir, ich möchte sagen, genügend dicht in unserem astralischen und Ich-Wesen, so würden wir dasjenige, was geistig in der geistigen Welt um uns herum ist, immer erfassen können, perzipieren können. Wir können es nicht, weil wir eben in unserem astralischen und IchWesen zu dünn sind, weil das noch keine ausgebildeten Instrumente sind wie die physischen Sinne oder wie das Gehirn, dessen sich das Vorstellungsvermögen bedient, um zunächst zu wachen Erlebnissen der Seele zu kommen.

[ 2 ] Here, while we are awake—that is, in the state between waking and falling asleep—we are bound to our physical body, using this physical body as a tool for our experience in the world; here we feel a certain inability, as it were, to grasp the spiritual world or to hold onto its revelations. As long as we are confined within the physical body, we need the coarse instruments of the physical body in order to perceive anything. We must use them. And when we cannot use them—as is the case between falling asleep and waking up—our astral and “I” beings, which indeed originate from the Lunar and Earth periods, are, so to speak, too thin, too subtle to grasp anything. The spiritual world is, after all, always around us, just as surely as the air is around us. And if we were, I might say, sufficiently dense in our astral and “I” nature, we would always be able to grasp and perceive that which is spiritually present in the spiritual world around us. We cannot do so because we are simply too thin in our astral and “I” nature; because these are not yet developed instruments like the physical senses or like the brain, which the imagination uses to arrive at the soul’s waking experiences.

[ 3 ] Wenn nun der Mensch durch die Pforte des Todes getreten ist, dann ist er ja, wie Sie wissen, im wesentlichen in jener Substantialität, in der wir sind während unseres schlafenden Zustandes, zunächst wenigstens für die nächsten Jahrzehnte. Diese Substantialität kann nicht so dünn bleiben, wie sie ist während unserer physischen Verkörperung, sonst würde zwischen dem Tod und einer neuen Geburt alles Erleben unbewußt bleiben. Und das bleibt es ja nicht, im Gegenteil, es tritt ein zwar andersartiges, aber viel helleres, viel gewaltigeres Bewußtsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt auf, als es vorhanden ist, während wir im physischen Leibe weilen. Wir müssen da fragen: Wie kommt diese Bewußtheit zustande, wenn wir weilen im astralischen Leibe und in der Ich-Wesenheit?

[ 3 ] Once a person has passed through the gate of death, then—as you know—they essentially exist in the same state of substance in which we exist during our sleeping state, at least for the next few decades. This state of being cannot remain as subtle as it is during our physical incarnation; otherwise, all experience between death and a new birth would remain unconscious. And indeed, it does not remain so; on the contrary, a consciousness—admittedly of a different kind, but much brighter and much more powerful—arises between death and a new birth than is present while we dwell in the physical body. We must ask: How does this consciousness come about when we dwell in the astral body and in the “I”-essence?

[ 4 ] Nun, hier im physischen Leben haben wir ja das physische Instrument, indem wir durchdrungen werden — man könnte auch sagen: umkleidet werden — von den Ingredienzien, welche die physische Welt, also das mineralische, das pflanzliche, das tierische Reich bilden. Das, was uns da zubereitet wird als physische Leiblichkeit, ist unser Instrument des wachen Lebens. In ähnlicher Art wird uns auch ein Instrument zubereitet zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das erste, was gewissermaßen uns dadurch zubereitet wird nach dem Tode, daß wir überhaupt Menschen sind, was uns unbedingt zubereitet werden muß, schon wenn wir unseren Ätherleib abgelegt haben, das ist dasjenige, was von der Hierarchie der Angeloi kommt. Wir werden gewissermaßen durchsetzt mit der Substantialität der Hierarchie der Angeloi. Ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi gehört ja zu uns selbst, ist gewissermaßen die führende Wesenheit unserer menschlichen Individualität. Indem wir aber heraufwachsen in die geistige Welt, verbinden sich mit dieser Wesenheit aus der Hierarchie der Angeloi, der wir zunächst verbunden sind, andere Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi, und es bildet sich gewissermaßen in uns oder besser gesagt für uns eine Art Angeloi-Organismus aus, der allerdings anders konstruiert ist als unser physischer Organismus.

[ 4 ] Well, here in physical life we do indeed have the physical instrument, in that we are permeated—or, one might also say, clothed—by the elements that make up the physical world, that is, the mineral, plant, and animal kingdoms. What is prepared for us there as physical corporeality is our instrument of waking life. In a similar way, an instrument is also prepared for us between death and a new birth. The first thing that is, so to speak, prepared for us after death—by virtue of the fact that we are human beings at all, something that must absolutely be prepared for us as soon as we have shed our etheric body—is that which comes from the hierarchy of the Angeloi. We are, so to speak, permeated by the substance of the hierarchy of the Angeloi. A being from the hierarchy of the Angeloi belongs, after all, to our very being; it is, so to speak, the guiding entity of our human individuality. But as we grow upward into the spiritual world, other beings from the hierarchy of the Angeloi join this being from the hierarchy of the Angeloi with whom we are initially connected, and a kind of Angeloi organism forms, so to speak, within us—or rather, for us—which is, however, structured differently from our physical organism.

[ 5 ] Wollte man das, wovon ich hier spreche, sich einmal schematisch vor die Seele führen, so könnte man das in folgender Weise tun, man könnte sagen: Wir leben hinauf durch die Pforte des Todes in die geistige Welt. Das sei schematisch unsere eigene Individualität (siehe Zeichnung S$. 224, violett), und mit der ist verbunden diejenige Wesenheit, die wir aus der Hierarchie der Angeloi wie uns zugeteilt empfinden (rot). Aber indem wir unseren Ätherleib ablegen, tritt diese unsere Angeloiwesenheit mit andern Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi in Beziehung, gliedert sich an, und wir fühlen in uns diese ganze Angeloiwelt. Die fühlen wir in uns, die erleben wir als innere Erfahrung, abgesehen natürlich von den äußeren Erlebnissen, die uns dadurch vermittelt werden.

[ 5 ] If one were to visualize what I am speaking of here in a schematic way, one could do so as follows: We ascend through the gate of death into the spiritual world. Schematically, this represents our own individuality (see illustration on p. 224, violet), and connected to it is the being we perceive as having been assigned to us from the hierarchy of the Angeloi (red). But as we shed our etheric body, this Angeloi being of ours enters into relationship with other beings from the hierarchy of the Angeloi, joins with them, and we feel this entire world of the Angeloi within us. We feel them within us; we experience them as an inner experience, apart, of course, from the outer experiences that are conveyed to us through them.

[ 6 ] Dieses Durchdrungenwerden mit der Welt der Angeloi macht es auch möglich, daß wir in Beziehungen treten zu entkörperten Menschen, zu andern Menschen, die vorher durch des Todes Pforte gegangen sind. Ich möchte sagen: So wie uns unsere Sinne hier die Außenwelt vermitteln, so vermittelt uns dieses Eingebettetsein in die Welt der Angeloi die Beziehung zu den Geistwesen, auch der Menschen, die wir in der geistigen Welt antreffen. So wie wir hier in der physischen Welt, abhängig von den Verhältnissen der physischen Welt, einen in der einen oder in der andern Art organisierten Organismus erhalten, so erhalten wir gewissermaßen einen Geistorganismus, der durch dieses Netz der Angeloi-Substanzen hervorgerufen wird. Wie sich dieses Netz der Angeloi-Substanzen gestaltet, das hängt aber sehr davon ab, wie wir in die geistige Welt uns hinaufarbeiten. Arbeiten wir uns hinauf in die geistige Welt so, daß wir wenig Empfindung haben können für die geistige Welt, daß wir zu viele, allzuviele Nachklänge haben an physische Genüsse, Begierden und Instinkte, an physische Sympathien und Antipathien, so wird die Gestaltung dieses Angeloi-Organismus schwierig. Und dazu ist ja gerade die Zeit des Verweilens in der Seelenwelt, wie wir sie genannt haben, da, um uns freizumachen von demjenigen, was uns in der angedeuteten Art durchdringt von der physischen Welt her, und was uns verhindert, diesen Angeloi-Organismus in entsprechender Weise auszubilden. Er wird während der Zeit, während wir weilen in der Seelenwelt, allmählich ausgebildet. Wir wachsen heran zu diesem AngeloiOrganismus. Aber gleichzeitig beginnt damit eine andere Notwendigkeit, die Notwendigkeit, sich nun nicht nur zu durchdringen mit diesem Angeloi-Organismus, sondern sich auch zu durchdringen mit einer weiteren Substantialität, nämlich mit einem Archangeloi-Organismus. Unser Bewußtsein in der geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt würde sehr dumpf bleiben, wenn wir uns nicht durchdringen könnten mit dem Archangeloi-Organismus. Wir würden gewissermaßen, wenn wir nur durchdrungen würden mit dem AngeloiOrganismus, träumende Wesen bleiben in der geistigen Welt, ich möchte sagen, gewoben aus allerlei Imaginativstoff aus der geistigen Welt; aber wir würden unser Dasein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verträumen. Damit wir es nicht verträumen, damit eben ein starkes, helles Bewußtsein auftritt, müssen wir durchdrungen werden mit dem Archangeloi-Organismus (siehe Zeichnung, blau).

[ 6 ] This immersion in the world of the Angeloi also makes it possible for us to enter into relationships with disembodied human beings—with other people who have previously passed through the gate of death. I would like to say: Just as our senses here convey the external world to us, so this being embedded in the world of the Angeloi conveys to us a relationship with spiritual beings, including the people we encounter in the spiritual world. Just as here in the physical world—depending on the conditions of the physical world—we possess an organism organized in one way or another, so, in a sense, we possess a spiritual organism brought about by this network of angelic substances. How this network of angelic substances takes shape, however, depends very much on how we work our way up into the spiritual world. If we work our way up into the spiritual world in such a way that we have little sensitivity to the spiritual world—that we have too many, far too many echoes of physical pleasures, desires, and instincts, as well as physical sympathies and antipathies—then the formation of this Angeloi organism becomes difficult. And that is precisely why the time of dwelling in the soul world, as we have called it, exists: to free us from that which permeates us in the manner described from the physical world, and which prevents us from developing this Angeloi organism in the appropriate way. It is gradually developed during the time we dwell in the soul world. We grow into this Angeloi organism. But at the same time, another necessity arises: the necessity not only to become imbued with this Angeloi organism, but also to become imbued with a further substance, namely an Archangeloi organism. Our consciousness in the spiritual world between death and a new birth would remain very dull if we could not become imbued with the Archangeloi organism. In a sense, if we were imbued only with the Angeloi organism, we would remain dreamlike beings in the spiritual world—I might say, woven from all manner of imaginative material from the spiritual world; but we would spend our existence between death and a new birth in a dreamlike state. So that we do not waste this time in a dreamlike state, so that a strong, clear consciousness may arise, we must be permeated by the Archangeloi organism (see drawing, blue).

AltNameAltName

[ 7 ] Das macht unser Bewußtsein zu einem entsprechend hellen. Dadurch wachen wir gewissermaßen erst auf für die geistige Welt. In dem Maße aber, in dem wir da aufwachen für die geistige Welt, in dem Maße bekommen wir auch ein freies Verhältnis zu der physischen Welt hier. Und dieses freie Verhältnis zu der physischen Welt hier müssen wir haben. Man muß sich nämlich fragen: Wie ist das Verhältnis der physischen Welt zu den entkörperten Menschen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind? Auch das können Sie aus jenen Wiener Vorträgen entnehmen. Hier in der physischen Welt wird es dem Menschen, so stark er auch die Sehnsucht haben mag, schwierig, sich emporzuheben mit seinen Gedanken und Empfindungen zu einer Wahrnehmung der geistigen Welt, der himmlischen Welt. Der Mensch lechzt nach Vorstellungen über die himmlische Welt, aber er entfaltet nicht leicht das starke Vorstellungsvermögen, um diese himmlische Welt in seine Sphäre hereinzubekommen. In gewissem Sinne ist das entgegengesetzt für den Aufenthalt in der geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Dahinein geht uns zunächst nach, was in der physischen Welt erlebt wird; was in der physischen Welt Bedeutung hat, was hier wahrgenommen wird, das geht uns nach. Es geht uns sogar in einer sehr eigenartigen Weise nach. Beispiele, die ich Ihnen anführe, die werden Ihnen einen Begriff von der Kompliziertheit dieser Dinge geben. Für das physische Vorstellungsvermögen der Menschen sehen diese Beispiele zuweilen grotesk, paradox aus, aber man kann sich nicht konkret in die geistige Welt hineinleben, wenn man nicht eben auf solche Vorstellungen auch Rücksicht nimmt.

[ 7 ] This makes our consciousness correspondingly bright. As a result, we begin, so to speak, to awaken to the spiritual world. But to the extent that we awaken to the spiritual world, we also develop a free relationship to the physical world here. And we must have this free relationship to the physical world here. For one must ask: What is the relationship between the physical world and the disembodied human beings who have passed through the gate of death? You can also glean this from those Vienna lectures. Here in the physical world, no matter how strong a person’s longing may be, it is difficult for them to rise with their thoughts and feelings to a perception of the spiritual world, the heavenly world. Human beings yearn for ideas about the heavenly world, but they do not easily develop the strong power of imagination needed to bring this heavenly world into their own sphere. In a certain sense, this is the opposite of our experience in the spiritual world between death and a new birth. There, what we first carry with us is what we have experienced in the physical world; what has meaning in the physical world, what is perceived here—that is what follows us there. It follows us in a very peculiar way, in fact. The examples I will give you will provide you with an idea of the complexity of these matters. To the physical imagination of human beings, these examples sometimes appear grotesque or paradoxical, but one cannot truly immerse oneself in the spiritual world unless one also takes such ideas into account.

[ 8 ] Die Wahrnehmung desjenigen, was im Mineralreich vorhanden ist, die geht eigentlich gleich verloren, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist. Hier in der physischen Welt hat der Mensch dadurch, daß er Sinne hat, gerade für das Mineralreich das meiste Wahrnehmungsvermögen, man könnte fast sagen, das fast ausschließliche Wahrnehmungsvermögen. Denn der Mensch nimmt nicht viel anderes als das Mineralreich wahr, wenn er zunächst auf seine Sinne beschränkt ist. Sie sagen, wir nehmen auch Tiere wahr, wir nehmen auch Pflanzen wahr. Aber warum? Sehen Sie, wenn Sie hier eine Pflanze haben, so sind in dieser Pflanze mineralische Produkte. Das wissen Sie ja. Die ist ausgefüllt mit mineralischen Produkten. Und das, was mineralisch pulsiert, strömt, was mineralisch in der Pflanze enthalten ist, das nimmt man eigentlich in der Pflanze wahr — ebenso im Tier. So kann man schon sagen, fast ausschließlich nimmt der Mensch hier durch seine Sinne Mineralisches wahr. Also dieses Mineralreich, das da der Mensch wahrnimmt, das schwindet dahin. Nehmen wir ein bestimmtes Beispiel. Hier sehen Sie jeden Tag Kochsalz auf Ihrem Tische, Sie sehen es als äußeres mineralisches Produkt. Der entkörperte Mensch, der durch die Pforte des Todes geschritten ist, kann dieses Kochsalz im Salzfaß nicht sehen. Aber wenn Sie sich das Salz in die Suppe tun und es verschlucken, so bewirkt das einen Prozeß in Ihrem eigenen Inneren, und was da vorgeht in Ihrem eigenen Inneren, namentlich der Vorgang, der begleitet ist von der Empfindung des Salzigen, den nimmt der Tote wahr. Also von dem Augenblicke an, wo das Salz anfängt auf der Zunge einen Geschmack hervorzurufen, also einen Prozeß absolviert in Ihrem eigenen Inneren, von dem Augenblicke an kann der Tote das Salz in seiner Wirkungsweise wahrnehmen; so sind die Dinge. Aber wir können eben sagen: So wie das Mineralreich hier ist, erstarrt, ohne daß es noch seine Wirkungen auf einen menschlichen oder tierischen oder pflanzlichen Organismus ausübt, so kann der Tote, nachdem er durch die Pforte des Todes geschritten ist, das mineralische Reich nicht wahrnehmen. Daraus schon können Sie ersehen, daß dasjenige, was man nennen könnte die äußere Umgebung des Toten, eine ganz andere ist als diejenige, die der Mensch gewöhnt ist als seine Außenwelt zu bezeichnen hier zwischen der Geburt und dem Tode.

[ 8 ] The perception of what exists in the mineral kingdom is actually lost the moment a person has passed through the gate of death. Here in the physical world, because human beings have senses, they possess the greatest capacity for perception—one might almost say the almost exclusive capacity for perception—precisely with regard to the mineral kingdom. For a human being perceives little else besides the mineral kingdom when initially limited to their senses. You might say, “We also perceive animals; we also perceive plants.” But why? You see, if you have a plant here, there are mineral products within that plant. You know that, of course. It is filled with mineral products. And what pulsates and flows as a mineral force—what is contained in the plant as a mineral substance—is what we actually perceive in the plant—and likewise in the animal. So one can indeed say that, through their senses, human beings perceive almost exclusively the mineral realm. And this mineral realm that human beings perceive is gradually fading away. Let’s take a specific example. Every day you see table salt on your table; you see it as an external mineral substance. The disembodied human being who has passed through the gate of death cannot see this table salt in the salt shaker. But when you put the salt in your soup and swallow it, this sets in motion a process within you, and what takes place within you—namely, the process accompanied by the sensation of saltiness—is what the deceased perceives. So from the moment the salt begins to evoke a taste on the tongue—that is, from the moment a process takes place within you—from that moment on, the deceased can perceive the salt in its mode of action; that is how things are. But we can say this: Just as the mineral kingdom here is solidified, no longer exerting its effects on a human, animal, or plant organism, so too can the deceased, after passing through the gate of death, not perceive the mineral kingdom. From this alone you can see that what one might call the external environment of the deceased is entirely different from what human beings are accustomed to describing as their external world here between birth and death.

[ 9 ] Eines bleibt aber für die Toten immer wahrnehmbar — und es ist wichtig, gerade darauf sein Augenmerk zu wenden —, das ist dasjenige, worin die menschlichen Gedanken und Empfindungen hineingeflossen sind; und zwar sind es die menschlichen Gedanken, die dann wahrnehmbar sind. Das Salz als ein Naturprodukt nimmt also der Tote nicht wahr, so wie es im Salzfasse ist. Das Salzfaß, das vielleicht aus Glas oder aus irgend etwas anderem Stofflichen ist, nimmt er auch nicht wahr; aber insofern in das Salzfaß bei seiner Verfertigung menschliche Gedanken sich hineingenistet haben, nimmt der Tote diese menschlichen Gedanken wahr. Wenn Sie sich vorstellen, wie in unserer Umgebung überall, wo wir hinschauen, zu dem, was nicht bloßes Naturprodukt ist, menschliche Gedanken gewissermaßen die Signaturen abzugeben haben, nach denen sich diese Dinge anordnen, so bekommen Sie die Vorstellung von dem, was der Tote wahrnehmen kann. Der Tote nimmt auch alle Beziehungen zwischen den Wesen wahr, also die Beziehungen zwischen den Menschen und so weiter; das alles ist für ihn lebendig.

[ 9 ] One thing, however, remains perceptible to the dead—and it is important to focus specifically on this—namely, that into which human thoughts and feelings have flowed; and it is precisely these human thoughts that are then perceptible. The deceased therefore does not perceive salt as a natural product, as it is in the salt shaker. Nor does he perceive the salt shaker itself, which may be made of glass or some other material; but to the extent that human thoughts have become embedded in the salt shaker during its manufacture, the deceased perceives these human thoughts. If you imagine how, everywhere in our surroundings, wherever we look, human thoughts—in a sense—leave their signatures on everything that is not merely a natural product, according to which these things are arranged, then you will gain an idea of what the deceased can perceive. The deceased also perceives all relationships between beings—that is, the relationships between people and so on; all of this is alive for them.

[ 10 ] Nun aber handelt es sich darum, daß für gewisse Dinge hier in der physischen Welt der’Iote ebenso dasBestreben hat,sie loszubekommen aus seinen Vorstellungen, aus seinen Seelenerlebnissen, sie loszubekommen, sie wegzuwischen gleichsam, wie der physische Mensch hier die Sehnsucht hat, gewisse Vorstellungen über die jenseitige Welt zu bekommen. Hier hat man dieSehnsucht, Vorstellungen über das Jenseits zu bekommen. Nach dem Tode hat man für gewisse menschliche Dinge hier auf Erden — und diese Erde ist dann das Jenseits für die Toten —, die Sehnsucht, diese Dinge auszulöschen, wegzuwischen. Dazu aber ist es notwendig, eben durchdrungen zu werden von den Substantialitäten dieser höheren Hierarchien der Angeloi, Archangeloi. Denn dadurch, daß man von deren Substantialitäten durchdrungen wird, kann man auslöschen aus dem Bewußtsein dasjenige, was ausgelöscht werden muß. Damit bekommen Sie eine Vorstellung von dem Hineinwachsen in die geistige Welt, von der Art und Weise, wie der Mensch in die geistige Welt hineinwächst, indem er gewissermaßen seine eigene Individualität durchdringt mit den Substantialitäten der Wesenheiten der höheren Hierarchie. Nun ist es sehr wichtig, folgendes einzusehen: Um zunächst alles dasjenige, was mit den Menschen mehr oder weniger persönlich zusammenhängt — und das sind ja alle die Kunstprodukte, die wir zum Gebrauche haben, von denen ich Ihnen sagte: weil sie menschliche Gedanken verkörpern, sieht sie der Tote —, um das wegzuschaffen, aus dem Bewußtsein zu entfernen, dazu ist vor allen Dingen nötig, daß der Mensch in gehöriger Weise durchsetzt wird von der Substanz der Angeloi. Aber auch anderes muß abgestreift werden, anderes muß gewissermaßen abgedämpft werden, damit der Mensch in der richtigen Weise seinen Aufenthalt finden kann in der geistigen Welt.

[ 10 ] But the point here is that, with regard to certain things here in the physical world, the ‘Iote’ also has the desire to rid itself of them from its conceptions, from its soul experiences—to rid itself of them, to wipe them away, as it were—just as the physical human being here has the longing to gain certain conceptions of the world beyond. Here, one has the longing to form ideas about the afterlife. After death, one has—with regard to certain human matters here on Earth (and this Earth is then the afterlife for the dead)—the longing to erase these things, to wipe them away. But to do this, it is necessary to be permeated by the substantialities of these higher hierarchies of the Angeloi and Archangeloi. For it is through being permeated by their substantialities that one can erase from one’s consciousness that which must be erased. This gives you an idea of growing into the spiritual world—of the way in which a human being grows into the spiritual world by, so to speak, permeating their own individuality with the substantialities of the beings of the higher hierarchy. Now it is very important to understand the following: In order first of all to remove from consciousness everything that is more or less personally connected with human beings—and these are, after all, all the man-made objects we use, about which I told you: because they embody human thoughts, the dead can see them—in order to remove these, it is necessary above all that the human being be properly permeated by the substance of the Angeloi. But other things must also be shed; other things must, so to speak, be tempered, so that the human being can find his proper place in the spiritual world.

[ 11 ] Nun, so sonderbar Ihnen das vielleicht vom Erdenstandpunkte aus klingen mag, so ist es doch wahr, daß ein Hemmnis besteht, ein Hindernis für das Hineinwachsen gerade in dasjenige, was uns das klare, helle Bewußtsein gibt in der geistigen Welt, und dieses Hemmnis, was uns verhindert, leicht in die geistige Welt hineinzuwachsen, das ist, so sonderbar es eben klingt, die menschliche Sprache, die Sprache, deren wir uns hier auf Erden für die physische Verständigung von Mensch zu Mensch bedienen. Der Tote muß allmählich der Sprache entwachsen, sonst würde das Verbleiben in den Affinitäten, die ihn an die Sprache binden, ihn verhindern, in das Reich der Archangeloi hineinzuwachsen. Die Sprache ist wirklich nur für irdische Verhältnisse da, aber der Mensch ist innerhalb der irdischen Verhältnisse seelisch sehr zusammengewachsen mit der Sprache. Für viele Menschen ist ja das Denken gewissermaßen in der Sprache gerade heute im materialistischen Zeitalter geradezu enthalten. Die Menschen denken heute im materialistischen Zeitalter fast gar nicht in Gedanken, sondern ungeheuer stark in der Sprache, in Worten. Daher sind sie so zufrieden, wenn sie für irgend etwas einen Ausdruck gefunden haben. Aber solche Ausdrücke, solche Wortbezeichnungen taugen eigentlich nur hier für das physische Leben, und nach dem Tode ist es die Aufgabe, sich loszumachen von den Wortbezeichnungen.

[ 11 ] Well, as strange as this may sound to you from an earthly perspective, it is nevertheless true that there is an obstacle, a hindrance to growing into precisely that which gives us clear, bright consciousness in the spiritual world, and this obstacle, which prevents us from easily growing into the spiritual world, is—as strange as it may sound—human language, the language we use here on Earth for physical communication between people. The deceased must gradually outgrow language; otherwise, remaining bound by the affinities that tie them to language would prevent them from growing into the realm of the Archangels. Language is truly meant only for earthly conditions, but within those earthly conditions, human beings have become deeply intertwined with language on a soul level. For many people today, especially in this materialistic age, thinking is, in a sense, virtually contained within language. People today, in this materialistic age, hardly think in thoughts at all, but rather think intensely in language, in words. That is why they are so satisfied when they have found an expression for something. But such expressions, such verbal designations, are really only suitable here for physical life, and after death, the task is to detach oneself from these verbal designations.

[ 12 ] Auch in bezug auf solche Dinge gibt die geisteswissenschaftliche Betrachtung eine gewisse Möglichkeit, in das Reich des Übersinnlichen sich hineinzuleben. Denn wie oft sage ich Ihnen, man kann nur annähernd, indem man um die Sache, um die Worte gleichsam einen Kreis herumzieht, zu dem wirklichen Begriff kommen. Wie oft zeigte ich Ihnen, wie man versuchen muß, durch Beleuchtung von allen Seiten, durch den Gebrauch der verschiedenartigsten Worte gerade vom Worte freizukommen, um zum Begriff zu kommen. Geisteswissenschaft emanzipiert uns in gewissem Sinne von der Sprache. Das tut sie in vollstem Maße. Daher bringt sie uns in diejenige Sphäre hinein, die wir gemeinschaftlich haben mit den Toten.

[ 12 ] Even with regard to such matters, the spiritual-scientific approach offers a certain opportunity to immerse oneself in the realm of the supersensible. For how often have I told you that one can only approach the true concept—by, as it were, drawing a circle around the subject and the words—and arrive at it in an approximate way. How often have I shown you that one must try, by examining the matter from all sides and using the most diverse words, to free oneself from the words themselves in order to arrive at the concept? Spiritual science emancipates us, in a certain sense, from language. It does so to the fullest extent. Therefore, it brings us into that sphere which we share with the dead.

[ 13 ] Also die Emanzipation von der Sprache, die hängt innig zusammen mit dem Hineinwachsen in die Substantialität der Archangeloi. Dadurch wird eine Brücke geschaffen zwischen hier und der geistigen Welt, daß wir uns gerade geisteswissenschaftlich wiederum emanzipieren von der Sprache, daß wir geisteswissenschaftlich Begriffe schaffen, die mehr oder weniger unabhängig von der Sprache sind.

[ 13 ] So the emancipation from language is intimately connected with growing into the substantiality of the Archangeloi. This creates a bridge between here and the spiritual world, in that we emancipate ourselves from language through spiritual science, creating concepts through spiritual science that are more or less independent of language.

[ 14 ] Nun fassen Sie das, was ich eben gesagt habe, recht scharf ins Auge, dann haben Sie eine wichtige Beziehung zwischen hier und der geistigen Welt ins Auge gefaßt, und Sie werden, wenn Sie den Gedanken lebendig durchdenken, eine wichtige Handhabe gewinnen für das Verständnis mancher Impulse, die von jenen Brüderschaften ausgehen, von denen ich Ihnen in diesen Wochen mehrfach gesprochen habe. Diese Brüderschaften machen es sich — das können Sie aus manchen Auseinandersetzungen, die ich gegeben habe, entnehmen — mehr oder weniger zur Aufgabe, gerade den Menschen im materiellen Felde zu erhalten. Und wir haben ja in diesen Tagen gesehen, daß es diesen Brüderschaften sogar darum zu tun ist, den Materialismus noch zu übermaterialisieren, gewissermaßen, wie ich es genannt habe, eine ahrimanische Unsterblichkeit für die Teilnehmer solcher Brüderschaften zu schaffen. Das können sie am allermeisten dadurch, daß sie Gruppeninteressen, Gruppenegoismen vertreten, und das tun sie ja im eminentesten Maße. Und schon darin liegt das Bestreben, ein Gruppeninteresse zu vertreten, daß gewissermaßen die einflußreichsten dieser Brüderschaften von dem Gesichtspunkte ausgehen, den ich Ihnen angeführt habe: die fünfte nachatlantische Kulturperiode ganz zu durchtränken mit alldem, was englisch spricht. Denn das ist ja für diese Brüderschaften die Definition der fünften nachatlantischen Periode: Alles dasjenige gehört zu den Menschen der fünften nachatlantischen Periode, was englisch spricht, die englisch sprechenden Menschen. Damit liegt schon in dem allerersten Grundsatze die Einengung auf ein egoistisches Gruppeninteresse.

[ 14 ] Now, take a close look at what I have just said; then you will have grasped an important connection between this world and the spiritual world, and if you think through this idea vividly, you will gain an important tool for understanding many of the impulses that emanate from those brotherhoods of which I have spoken to you several times in recent weeks. These brotherhoods—as you can gather from some of the explanations I have given—have made it their task, to a greater or lesser extent, to preserve human beings in the material realm. And we have seen in recent days that these brotherhoods are even concerned with “over-materializing” materialism—in a sense, as I have called it, creating an Ahrimanic immortality for the members of such brotherhoods. They can achieve this most effectively by representing group interests and group egoisms, and they do so to the utmost degree. And the very effort to represent a group interest lies in the fact that, in a sense, the most influential of these brotherhoods proceed from the perspective I have outlined for you: to completely permeate the fifth post-Atlantean cultural period with everything that speaks English. For this is, after all, how these brotherhoods define the fifth post-Atlantean period: everything that belongs to the people of the fifth post-Atlantean period is that which speaks English—the English-speaking people. Thus, the very first principle already contains a narrowing down to a selfish group interest.

[ 15 ] Damit ist geistig etwas ungeheuer Bedeutungsvolles gemeint. Nichts Geringeres ist damit gemeint, als eine Wirkung nicht nur auf die menschlichen Individualitäten auszuüben, insofern diese zwischen Geburt und Tod im physischen Leibe verkörpert sind, sondern auf die ganzen menschlichen Individualitäten, auch insofern sie zwischen dem Tod und einer neuen Geburt leben. Denn durch das, was da angestrebt wird, wird erreicht, daß die menschliche Individualität sich hineinlebt in die geistige Welt, durchdrungen wird von der Hierarchie der Angeloi, aber nicht hinaufsteigt zu der Hierarchie der Archangeloi. Es wird gewissermaßen angestrebt, abzusetzen von der menschlichen Entwickelung die Hierarchie der Archangeloi!

[ 15 ] This refers to something of immense spiritual significance. It means nothing less than exerting an influence not only on human individualities insofar as they are embodied in the physical body between birth and death, but on all human individualities, including those living between death and a new birth. For what is being strived for here is to enable the human individuality to live its way into the spiritual world, to be permeated by the hierarchy of the Angeloi, but not to ascend to the hierarchy of the Archangeloi. In a sense, the aim is to separate the hierarchy of the Archangeloi from human evolution!

[ 16 ] Wenn Sie recht aufmerksam sind auf mancherlei, was Ihnen hat kund werden können, vielleicht nicht den Jüngeren — ich meine in Mitgliedschaft jüngeren —, aber den älteren unter unseren Mitgliedern, so werden Sie selbst aus der Theosophical Society heraus deutliche Anzeichen vernehmen für diese Dinge. Es werden sich gewiß solche, welche noch das Leben der Theosophical Society mitgemacht haben, erinnern, daß von einzelnen tonangebenden Mitgliedern dieser Theosophical Society, vor allen Dingen von dem berüchtigten Mr. Leadbeater, geradezu gesagt worden ist, daß in vieler Beziehung das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt eine Art Traumleben sei. Gerade diejenigen, die ältere Mitglieder waren in der 'Theosophical Society, die wissen, daß diese Dinge verbreitet worden sind.

[ 16 ] If you pay close attention to various things that may have come to your attention—perhaps not among the younger members—I mean those who have been members for a shorter time—but among the older members of our Society—you will yourself perceive clear signs of these things even within the Theosophical Society. Certainly, those who have experienced the life of the Theosophical Society will recall that certain influential members of this Society—above all the notorious Mr. Leadbeater—have stated outright that, in many respects, life between death and a new birth is a kind of dream life. It is precisely those who were long-standing members of the Theosophical Society who know that these ideas were widely disseminated.

[ 17 ] Es ist nun nicht wunderbar, daß so etwas behauptet wird, denn für gewisse Seelen, bei denen so etwas zum Teil schon gelungen war, und die dann jener Leadbeater fand in der geistigen Welt, traf das ja wirklich zu. Es war für gewisse Seelen wirklich schon gelungen, sie abzuschließen von der Welt der Archangeloi, und daher mangelte ihnen das helle, starke Bewußtsein. Leadbeater beobachtete also in seiner Art eben schon den Machinationen solcher Brüderschaften verfallene Seelen. Nur kam er nicht so weit, dasjenige zu beobachten, was nach einer gewissen Zeit aus diesen Seelen wird, denn diese Seelen können keineswegs die ganze Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ohne jene Ingredienzien bleiben, die bei normalen Leben herkommen von der Welt der Archangeloi, sondern sie müssen etwas anderes erhalten. Und sie erhalten wirklich ein Äquivalent, sie werden auch durchsetzt von etwas, aber jetzt wovon? Sie werden durchsetzt von etwas, was von den auf der Archangeloistufe zurückgebliebenen Archai kommt. Also statt daß sie normalerweise durchsetzt würden von der Substantialität der richtigen Archangeloi, werden sie durchsetzt von Archai, von Zeitgeistern, aber solchen, die nicht aufgestiegen sind bis zum Zeitgeist, sondern zurückgeblieben sind auf der Archangeloistufe. Sie hätten Archai werden sollen im normalen Entwickelungsgange, sind aber auf der Archangeloistufe zurückgeblieben. Das heißt, sie werden im eminentesten Sinne ahrimanisch durchsetzt. Man muß schon ganz richtige Vorstellungen haben von der geistigen Welt, um die volle Bedeutung einer solchen Tatsache ins Auge zu fassen. Wenn mit okkulten Mitteln angestrebt wird, einem einzelnen Volksgeiste die Weltherrschaft zu sichern, dann bedeutet das, daß Wirkungen bis hinein in die geistige Welt erzielt werden sollen, es bedeutet, daß man an die Stelle der berechtigten Herrschaft der Archangeloi über die Toten setzt die unberechtigte Herrschaft der Archangeloi gebliebenen Archai, der unberechtigten Zeitgeister. Und mit diesen hat man erreicht eine ahrimanische Unsterblichkeit.

[ 16 ] If you pay close attention to various things that may have come to your attention—perhaps not among the younger members—I mean those who have been members for a shorter time—but among the older members of our Society—you will yourself perceive clear signs of these things even within the Theosophical Society. Certainly, those who have experienced the life of the Theosophical Society will recall that certain influential members of this Society—above all the notorious Mr. Leadbeater—have stated outright that, in many respects, life between death and a new birth is a kind of dream life. It is precisely those who were long-standing members of the Theosophical Society who know that these ideas were widely disseminated.

[ 18 ] Sie können ja allerdings sagen: Wie können Menschen so töricht sein, geradezu programmäßig sich loszuschnüren von der normalen Entwickelung und in eine ganz andere geistige Entwickelung hineinzudringen? — Aber das ist ein sehr kurzsinniges Urteil, ein Urteil, welches gar nicht denkt, daß aus gewissen Impulsen heraus die Menschen allerdings die Sehnsucht bekommen können, in anderen Welten ihre Unsterblichkeit zu suchen als in denen, die wir als die normalen bezeichnen. Ich möchte sagen: daß Sie kein Verlangen danach haben, teilzunehmen an dieser ahrimanischen Unsterblichkeit — nun, es ist ja recht gut! Aber geradeso wie manches andere unbegreiflich ist für die allernächsten Begriffe, so müssen Sie schon zugeben, daß das etwas Unbegreifliches haben darf, wenn Menschen aus der Welt, die wir als die normale bezeichnen, einschließlich jetzt des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, heraus wollen und gewissermaßen sich sagen: Wir wollen nicht weiter Christus als den Führer haben, der ja der Führer ist durch diese normale Welt, wir wollen einen andern Führer haben, wir wollen gerade in Opposition treten zu dieser normalen Welt. — Sie bekommen durch die Vorbereitungen, die sie durchmachen — ich habe Ihnen ja von diesen Vorbereitungen gesprochen —, die durch die zeremonielle Magie bewirkt werden, die Vorstellung, daß eigentlich diese Welt der ahrimanischen Mächte eine viel stärkere geistige Welt ist, daß sie da vor allen Dingen fortsetzen können dasjenige, was sie hier im physischen Leben sich angeeignet haben, daß sie unsterblich machen können die materiellen Erlebnisse des physischen Lebens.

[ 18 ] You might well say, however: How can people be so foolish as to deliberately break away from normal development and venture into an entirely different spiritual path? — But that is a very short-sighted judgment, one that fails to consider that certain impulses can indeed lead people to yearn to seek their immortality in worlds other than those we call “normal.” I would say: the fact that you have no desire to participate in this Ahrimanic immortality—well, that’s quite all right! But just as many other things are incomprehensible to the most immediate concepts, you must admit that there may be something incomprehensible about it when people want to break away from the world we call “normal”—including, now, the life between death and a new birth—and, so to speak, say to themselves: We no longer want Christ as our guide—who is, after all, the guide through this normal world—we want a different guide; we want to place ourselves in direct opposition to this normal world. —Through the preparations they undergo —I have, after all, spoken to you about these preparations—, which are brought about by ceremonial magic, the idea that this world of Ahrimanic forces is actually a much stronger spiritual world, that there, above all, they can continue what they have acquired here in physical life, that they can make the material experiences of physical life immortal.

[ 19 ] Es ist heute schon einmal die Zeit, in diese Dinge hineinzuschauen. Denn wer diese Dinge nicht weiß, wer nicht weiß, daß solche Dinge heute angestrebt werden, der ist nicht in der Lage, zu durchschauen dasjenige, was in unserer Gegenwart geschieht; denn hinter allem physisch Sichtbaren, hinter allem physisch Wahrnehmbaren liegt das Überphysische, liegt das physisch Nichtwahrnehmbare. Und es gibt eben nicht wenige Menschen, die heute, entweder im guten oder im schlimmen Sinne, mit Mitteln arbeiten, welche Impulse sind, die hinter dem Sinnlichen stehen. Die Mittel, um von dieser Welt loszukommen, von der wir sagen können, daß sie ihre richtige Entwickelung erlangen kann, wenn sich die Menschen in den Dienst Christi stellen, die Mittel sind ja sehr mannigfaltige, und über manche sogar naheliegende Mittel ist nicht leicht zu sprechen, weil man recht Naheliegendes berührt, von dem die Menschen keine Ahnung haben, daß es, indem es sich in Menschengemütern verbreitet, zu gleicher Zeit ein ungeheuer stark wirkender okkulter Impuls ist.

[ 19 ] Now is the time to take a closer look at these matters. For whoever is unaware of these things, whoever does not know that such things are being pursued today, is unable to see through what is happening in our present time; for behind everything physically visible, behind everything physically perceptible, lies the superphysical, lies that which is physically imperceptible. And there are indeed quite a few people today who, whether for good or for ill, work with means that are impulses lying behind the sensory realm. The means for breaking free from this world—a world of which we can say that it can attain its proper development when people place themselves in the service of Christ— these means are indeed very diverse, and it is not easy to speak of some—even quite obvious—means, because one touches upon something quite obvious of which people have no idea that, as it spreads in human minds, it is at the same time an occult impulse with an immensely powerful effect.

[ 20 ] Sie wissen — um etwas Naheliegendes zu erwähnen —, in einem bestimmten Zeitpunkt wurde fixiert das Dogma der sogenannten Infallibilität. Dieses Dogma der Infallibilität — das ist nun das Wichtige — wird von vielen Menschen akzeptiert, angenommen. Derjenige, der nun ein wirklicher Christ ist, kann sich überlegen: Wie ist es mit diesem Dogma der Infallibilität? — Er kann sich zum Beispiel die Frage vorlegen: Was würden die ersten Kirchenväter, die noch näher dem ursprünglichen Sinne des Christentums gestanden haben, zu dem Dogma der Infallibilität gesagt haben? — Sie würden es eine Gotteslästerung genannt haben! Und damit würde man im christlichen Sinne wohl auch die Sache treffen können. Damit würde man aber hingedeutet haben auf ein außerordentlich wirksames okkultes Mittel, nämlich durch etwas im eminentesten Sinne Widerchristliches Glauben zu erwecken. Aber dieser Glaube ist ein wichtiger okkulter Impuls nach einer bestimmten Seite hin, um loszukommen von der normalen christlichen Entwickelung. Sie sehen, man kann an Nächstes rühren, und man findet überall in der Welt okkulte Impulse.

[ 20 ] You know—to mention something obvious—that at a certain point in time, the dogma of so-called infallibility was established. This dogma of infallibility—and this is the important point—is accepted and embraced by many people. Anyone who is a true Christian might ask themselves: What about this dogma of infallibility? — For example, they might ask themselves: What would the early Church Fathers, who were still closer to the original spirit of Christianity, have said about the dogma of infallibility? — They would have called it blasphemy! And in the Christian sense, that would probably hit the nail on the head. But this would point to an extraordinarily effective occult means—namely, arousing faith through something that is, in the most eminent sense, anti-Christian. Yet this faith is an important occult impulse directing one toward a specific path, in order to break away from normal Christian development. You see, one can touch upon the next stage, and one finds occult impulses everywhere in the world.

[ 21 ] Ebenso war es ein mächtiger okkulter Impuls, der nur mißglückt ist, der angestrebt wurde von Mrs. Besant, indem sie den AlcyoneRummel veranstaltete. Hätte dieser Glaube an den verkörperten Jesus in Alcyone weiteren Glauben gefunden, so wäre das ein starker okkulter Impuls gewesen. Nun, Sie sehen, daß schon in der Verbreitung gewisser Begriffe, in der Verbreitung gewisser Vorstellungen starke okkulte Impulse liegen. Und da jene Brüderschaften, von denen ich sprach, sich zur Aufgabe machen, die fünfte nachatlantische Periode im egoistischen Gruppeninteresse zum Gesamtimpuls der Erdenentwickelung zu machen und auszuschalten von der Erdenentwickelung das, was kommen soll im sechsten und siebenten nachatlantischen Zeitraum, so wird es Ihnen begreiflich erscheinen, daß die Dinge von diesen Brüderschaften ausgehen, die ich als von ihnen ausgehend bezeichnet habe. Zu diesen Dingen müssen eben Impulse geschaffen werden, die nicht bloß für die verkörperten Menschen, sondern auch für die entkörperten Menschen eine Bedeutung haben. Und es ist einmal die Zeit gekommen, in der wenigstens einzelne Menschen in solche Dinge hineinsehen müssen, damit sie eine Vorstellung haben von dem, was eigentlich geschieht, was eigentlich sich vollzieht.

[ 21 ] Likewise, it was a powerful occult impulse—one that ultimately failed—that Mrs. Besant sought to achieve by organizing the Alcyone spectacle. Had this belief in the incarnated Jesus in Alcyone found wider acceptance, it would have been a powerful occult impulse. Now, you see that even in the dissemination of certain concepts, in the dissemination of certain ideas, there lie powerful occult impulses. And since those brotherhoods I spoke of have made it their task to turn the fifth post-Atlantean period into the overarching impulse of Earth’s evolution for the sake of selfish group interests, and to eliminate from Earth’s evolution that which is to come in the sixth and seventh post-Atlantean periods, it will seem understandable to you that the things I have described as originating from them actually do originate from these brotherhoods. Impulses must be created for these very things that are significant not only for incarnate human beings but also for disincarnate human beings. And the time has now come when at least some individuals must gain insight into such matters so that they may have an idea of what is actually happening, of what is actually taking place.

[ 22 ] Das aber muß in Verbindung sein damit, daß immer richtigere und richtigere Begriffe sich bilden über das Leben der Menschen auf der Erde. Es ist unmöglich, daß jene Begriffe fortleben, welche gerade in unserer Zeit so ungeheuer viel Unheil anrichten. Denn je mehr Menschen es geben wird, welche über gewisse Dinge richtige Vorstellungen bekommen, desto unmöglicher wird es gewissen Okkultismen sein, im trüben zu fischen. Solange allerdings in Europa so gesprochen werden kann über das Verhältnis der Völker, wie man jetzt spricht, wie man jetzt absichtlich mit aller Verzerrung der Wahrheit spricht, so lange sind viele okkulte Impulse vorhanden, um die Erdenentwickelung herauszuwerfen aus dem sechsten nachatlantischen Zeitraum. Denn für diesen sechsten nachatlantischen Zeitraum steht ja Gewichtiges bevor. Ich habe es betont, stark betont: Der Christus ist für die individuellen Menschen gestorben. Das müssen wir als etwas ganz wesentlich zum Mysterium von Golgatha Gehöriges betrachten. Der Christus hat eine wichtige Tat im fünften — davon wollen wir zunächst absehen —, aber auch im sechsten nachatlantischen Zeitraum zu tun: nämlich hier für die Erde ein Helfer zu werden zur Überwindung, zur letztlichen Überwindung alles desjenigen, was aus dem Nationalprinzip kommt. Daß aber dies nicht eintreten könne, daß zur rechten Zeit Vorsorge getroffen werde, daß der Christus keinen Einfluß hat im sechsten nachatlantischen Zeitraum, dazu dienen die Impulse jener Brüderschaften, die den fünften nachatlantischen Zeitraum konservieren wollen in der Weise, wie ich es Ihnen angedeutet und ausgedeutet habe.

[ 22 ] But this must go hand in hand with the formation of increasingly accurate concepts regarding human life on Earth. It is impossible for those concepts to persist that are causing so much harm, especially in our time. For the more people there are who gain accurate understandings of certain things, the more impossible it will be for certain forms of occultism to fish in troubled waters. However, as long as people in Europe can speak about the relationship between nations the way they do now—the way they deliberately speak now, distorting the truth at every turn—so long will many occult forces remain at work to throw Earth’s evolution off course from the sixth post-Atlantean epoch. For this sixth post-Atlantean epoch, after all, holds momentous events in store. I have emphasized this, strongly emphasized it: Christ died for individual human beings. We must regard this as something quite essential to the Mystery of Golgotha. Christ has an important task to perform in the fifth—let us set that aside for now—but also in the sixth post-Atlantean epoch: namely, to become a helper for the Earth in overcoming, in ultimately overcoming, everything that arises from the national principle. However, to prevent this from happening—to ensure that precautions are taken in due time so that the Christ has no influence in the sixth post-Atlantean epoch—the impulses of those brotherhoods serve, which seek to preserve the fifth post-Atlantean epoch in the manner I have indicated and explained to you.

[ 23 ] Dem kann nur entgegengearbeitet werden, wenn man sich richtige Begriffe verschafft, die allmählich lebendig und immer lebendiger werden. Denn lebendig müssen diese richtigen Begriffe werden. Die Völker könnten so friedlich miteinander zusammenleben, wenn sie sich bestreben würden, ihr Verhältnis in richtigen Begriffen und Vorstellungen zu schauen. Nicht durch Programme, nicht durch allerlei abstrakte Ideen — das habe ich schon besprochen — kommt man zu dem, was eintreten muß, sondern allein durch konkrete, richtige Begriffe. So schwer das auch wird gegenüber den heute landläufigen Vorstellungen, von denen ja auch unsere Freunde selbstverständlich hinlänglich infiziert sind, muß doch schon aufmerksam gemacht werden auf manches, was zu richtigen Begriffen führt. Schließlich haben Sie ja alle die Materialien zu diesen richtigen Begriffen, diese Materialien werden nur schlecht beleuchtet. Sobald man sie richtig beleuchtet, bekommt man schon die richtigen, konkreten Vorstellungen.

[ 23 ] This can only be countered by acquiring correct concepts that gradually come to life and become ever more alive. For these correct concepts must become alive. Nations could live together peacefully if they strove to view their relationship in terms of correct concepts and ideas. It is not through programs, nor through all sorts of abstract ideas—as I have already discussed—that we arrive at what must come to pass, but solely through concrete, correct concepts. As difficult as this may be in the face of the commonly held notions of today—by which, of course, even our friends are sufficiently infected—attention must nevertheless be drawn to certain things that lead to correct concepts. After all, you all have the materials for these correct concepts; it’s just that these materials are poorly illuminated. As soon as they are properly illuminated, you will already gain the correct, concrete ideas.

[ 24 ] Nehmen wir einmal jetzt etwas wieder auf, was wir schon von einem gewissen Gesichtspunkte aus besprochen haben. Hier auf unserem Erdenrund, in unserer europäischen Welt wird heute über die Beziehungen der Nationen gesprochen so, daß die Toten durch dieses Sprechen wahre Qualen erleben, weil alle Vorstellungen, alle Begriffe, die man sich bildet, hergenommen sind von den Eigentümlichkeiten der Sprache. Und indem sich die Menschen Begriffe bilden über die Nationalitäten aus den Eigentümlichkeiten der Sprache, quälen sie fortwährend die Toten. Wie man die Toten quälen kann, wie man gegen die Toten lieblos sein kann, davon kann man sich ja besonders überzeugen durch die Teilnahme an spiritistischen Sitzungen. Da werden die Toten geradezu gezwungen, sich in einer bestimmten Sprache zu manifestieren. Der Tote soll in einer bestimmten Sprache sprechen, denn selbst beim Tischklopfen soll die Manifestation ja in einer bestimmten Sprache sein. Sie können dasjenige, was Sie dem Toten antun, indem Sie ihn zwingen, in einer bestimmten Sprache sich zu äußern, ganz richtig vergleichen damit, daß Sie glühende Zangen nehmen und ein hier im Fleische lebendes Wesen mit glühenden Zangen fortwährend zwicken. So wehe tun spiritistische Sitzungen, die darauf ausgehen, daß der Tote in einer bestimmten Sprache sich äußert, diesem Toten. Denn sein normales Leben geht darauf aus, sich aus der Differenzierung in den Sprachen freizumachen.

[ 24 ] Let us now return to something we have already discussed from a certain perspective. Here on our Earth, in our European world, people today speak of the relationships between nations in such a way that the dead experience true torment because of this talk, since all the ideas and concepts people form are derived from the peculiarities of language. And by forming concepts about nationalities based on the peculiarities of language, people are constantly tormenting the dead. One can see for oneself just how the dead can be tormented, and how one can be unkind to them, by participating in spiritualist séances. There, the dead are practically forced to manifest themselves in a specific language. The dead person is expected to speak in a specific language, for even when the table is rapping, the manifestation is supposed to be in a specific language. You can quite rightly compare what you do to the dead person—by forcing them to express themselves in a specific language—to taking red-hot tongs and constantly pinching a living being here in the flesh with those tongs. Thus, spiritualist séances that aim to have the deceased express themselves in a specific language cause great suffering to that deceased person. For their normal life is directed toward freeing themselves from the differentiation of languages.

[ 25 ] Schon dadurch, daß man sich über die Beziehungen der europäischen Menschen Vorstellungen nach Maßgabe der Sprache macht, tut man etwas, worüber es kaum eine Verständigung mit den Toten gibt. Daher könnte ich auch sagen: Es ist heute vonnöten, oder es beginnt wenigstens vonnöten zu werden, sich solche Vorstellungen zu bilden, die man auch mit den Toten besprechen, über die man sich mit den Toten verständigen kann. — Selbstverständlich geht das nicht darauf aus, eine Volapük-Sprache, oder wie die schönen Dinge alle heißen, über die Erde auszugießen, denn wenn es auch richtig ist, daß alle Menschen sich Kleider anziehen, so brauchen nicht alle die gleichen Kleider zu tragen. Aber ebensowenig kann es ein Erfordernis sein, daß wir die Kleider zu uns selber rechnen. Und so können wir auch nicht dasjenige, was für die physische Welt notwendig ist, die Differenzierung der Sprachen, die uns das Geistige für die physische Welt schon vermitteln, als zu unserem ureigensten Wesen gehörig betrachten; darüber muß man sich nur ganz klar sein.

[ 25 ] Simply by forming ideas about the relationships among European people based on language, we are doing something about which there is hardly any communication with the dead. Therefore, I could also say: It is necessary today—or at least it is beginning to become necessary—to form such concepts that one can also discuss with the dead, about which one can communicate with the dead. — Of course, this does not mean spreading a Volapük-like language—or whatever all those lovely things are called—across the earth, for even if it is true that all people put on clothes, not everyone needs to wear the same clothes. But neither can it be a requirement that we regard these garments as part of ourselves. And so we cannot regard that which is necessary for the physical world—the differentiation of languages that the spiritual realm already conveys to us for the physical world—as belonging to our very essence; one must simply be very clear about this.

[ 26 ] Nun, wie kann man Begriffe gewinnen, die sich allmählich erheben über jene Ethnographie, die sich fast einzig und allein auf die Sprache beschränkt? Auch in dieser Beziehung muß Anthroposophie herauswachsen aus der bloßen Anthropologie, die ja im Grunde genommen kein anderes Mittel hat, um dieser Frage durch eine Antwort näherzukommen, als die Differenzierung, die im Sinne der Sprachen gegeben ist, ins Auge zu fassen.

[ 26 ] Well, how can one arrive at concepts that gradually rise above that form of ethnography which is limited almost exclusively to language? In this regard, too, anthroposophy must grow beyond mere anthropology, which, after all, has no other means of approaching an answer to this question than to take into account the differentiation inherent in languages.

[ 27 ] Ich sagte, die europäischen Völker könnten gut in Frieden leben, wenn sie entsprechende Begriffe finden würden, lebendige Begriffe. Ich möchte sagen, einen Schritt sind wir schon gegangen, um zu solchen lebendigen Begriffen zu kommen damals, als wir hingewiesen haben auf das sogenannte Gesetz der Lautverschiebung. Ich habe Ihnen gezeigt, wie gewisse Sprachen auf früheren Stufen stehengeblieben sind. Wir haben aufeinanderfolgende Stufen: Gotisch, angelsächsisch — heutiges englisch — und dann hochdeutsch. Das Hochdeutsche hat sich gewissermaßen herausgebildet, das Englische ist auf einer gewissen Stufe stehengeblieben. Das bedeutet kein Werturteil, ist aber eine Tatsache, die man objektiv ebenso wie ein Naturgesetz ins Auge fassen muß. Im Englischen haben wir ein d, wo wir im Hochdeutschen ein t haben, und wir haben gesehen, daß das einem ganz bestimmten Gesetze, dem Gesetze der sogenannten Lautverschiebung entspricht. Dieses Gesetz der Lautverschiebung ist aber auf einem bestimmten Gebiete der Ausdruck für tiefere Verhältnisse, die im ganzen europäischen Leben sind. Und da ist es sehr merkwürdig, daß gewisse Begriffe und Vorstellungen geradezu mit unbewußter Lust darauf hinarbeiten, Mißverständnisse hervorzurufen. Nehmen Sie diese Dinge auch mit völliger Objektivität auf.

[ 27 ] I said that the peoples of Europe could live in peace if they could find appropriate concepts—vivid concepts. I would like to say that we have already taken a step toward arriving at such living concepts back when we pointed out the so-called law of sound shift. I have shown you how certain languages have remained at earlier stages. We have successive stages: Gothic, Anglo-Saxon—modern English—and then High German. High German has, so to speak, evolved, while English has remained at a certain stage. This is not a value judgment, but a fact that must be viewed objectively, just like a law of nature. In English, we have a “d” where we have a “t” in High German, and we have seen that this corresponds to a very specific law—the law of so-called sound shift. This law of sound shift, however, is, in a certain area, an expression of deeper conditions that are present throughout European life. And it is very curious that certain concepts and ideas seem to work toward causing misunderstandings with almost unconscious delight. Please consider these matters with complete objectivity as well.

[ 28 ] Sich stützend auf dasjenige, was wir ja schon ausgeführt haben, könnte man sagen: In Mitteleuropa ist gewissermaßen der Urbrei gewesen für dasjenige, was nach der Peripherie ausgestrahlt hat, namentlich nach dem Westen hinüber. Fassen wir diesen Urbrei ins Auge (siehe Zeichnung Seite 239). Es ist üblich geworden seit langer Zeit, daß das repräsentative Volk dieses Urbreis sich das deutsche Volk genannt hat. Die Völker des Westens haben sich gewissermaßen schon dadurch an diesem Volke gerächt, daß sie es durchaus nicht bezeichnen wollen mit dem Ausdrucke, mit dem es sich selbst bezeichnet und der einen tiefen Instinkt bedeutet: Man nennt sie Teutonen, Allemands, Germans, alles mögliche, nur dazu will man sich nicht bequemen, wenn man in einer Sprache des Westens spricht, «Deutsche» zu sagen, während gerade diese Bezeichnung tief zusammenhängt mit dem Wesen dieses Volkes. Es ist gewissermaßen, man könnte sagen, der Urbrei. Nach Süden hinunter ist der eine Strahl gegangen. Wir haben ihn charakterisiert, indem wir aufmerksam gemacht haben auf das Kultisch-Päpstlich-Hierarchische. Nach Westen hinüber ist der andere Strahl gegangen. Wir haben ihn charakterisiert, indem wir auf das Diplomatisch-Politische hingedeutet haben. Nach Nordwesten ist der dritte Strahl gegangen. Wir haben ihn charakterisiert, indem wir auf das Merkantilistische hingedeutet haben. In der Mitte ist geblieben dasjenige, was sich in der Tat eine flüssige Entwickelung bewahrt hat, denn Sie brauchen nur daran zu denken, daß die Sprache selbst in den Lauten in der Peripherie stehengeblieben ist, während das mitteleuropäische Deutsche sich in der Lautverschiebung die Möglichkeit bewahrt hat, hinauszuwachsen über die Laute und aufzusteigen zu der nächsten Stufe der Laute.

[ 28 ] Based on what we have already discussed, one could say: Central Europe was, in a sense, the primordial mass from which what spread to the periphery—namely, toward the West—originated. Let us visualize this primordial mass (see illustration on page 239). It has long been customary for the people who represent this “primordial broth” to call themselves the German people. The peoples of the West have, in a sense, already taken their revenge on this people by refusing to refer to them by the term with which they designate themselves—a term that reflects a deep instinct: They are called Teutons, Allemands, Germans—all sorts of things—but when speaking in a Western language, people simply refuse to say “Germans,” even though this very designation is deeply connected to the essence of this people. It is, so to speak, the primordial mass. One ray has extended southward. We have characterized it by drawing attention to its cultic, papal, and hierarchical aspects. The other ray has extended westward. We have characterized it by pointing to its diplomatic and political aspects. The third ray has extended northwestward. We have characterized it by pointing to its mercantilistic aspects. What remained in the center was that which has, in fact, retained a fluid development; for you need only consider that language itself has remained stagnant in its sounds on the periphery, while Central European German, through sound shifts, has preserved the possibility of growing beyond those sounds and ascending to the next level of sounds.

[ 29 ] Was liegt da eigentlich zugrunde? Nun, die Sache ist diese: Der Urbrei ist gewissermaßen noch undifferenziert und hatte in sich alle die Elemente, die da ausgestrahlt sind. Sie sind ja wirklich ausgestrahlt. Durch ganz Italien hinunter zogen die Völkerschaften, und diejenigen, die heute Italiener sind, sind ja nicht etwa Nachkommen der alten Römer, sondern alles dessen, was sich ergeben hat durch die Mischung der hinunterziehenden germanischen Völkerschaften. Der ganze Prozeß hat ja damit begonnen, daß schon als die Römer Kriege führten gegen die Deutschen, sie diese Kriege führten mit Menschen, die selbst Deutsche waren und von ihnen aufgenommen waren; das waren ja gerade ihre besten Krieger. Und dann ging es eben so weiter, wie Sie es aus der Geschichte kennen. Und so zogen die Franken nach Westen hinüber, die Angelsachsen nach Nordwesten. Wie kommen wir zu richtigen Begriffen von dem, was da eigentlich ausgezogen ist?

[ 29 ] What is actually underlying this? Well, the fact is this: The primordial mass is, in a sense, still undifferentiated and contained within itself all the elements that have radiated out from it. They have indeed radiated out. The peoples migrated all the way down through Italy, and those who are Italians today are not, after all, descendants of the ancient Romans, but rather the result of the mixture of the migrating Germanic peoples. The whole process began, after all, with the fact that even when the Romans were waging war against the Germans, they fought these wars with people who were themselves German and had been assimilated by them; these were, in fact, their very best warriors. And then it simply continued as you know from history. And so the Franks migrated westward, and the Anglo-Saxons to the northwest. How can we arrive at accurate concepts of what actually took place there?

[ 30 ] Sehen Sie, das Undifferenzierte enthält auch eine gewisse Gliederung der Menschheit, wenn es auch undifferenziert ist. Und man hat eine richtige Vorstellung, wenn man unterscheidet zwischen diesem Undifferenzierten und dem späteren Differenzierten. In diesem Urbrei ist allerdings enthalten dasjenige, was da nach Süden hinuntergezogen ist; aber es ist als ein Glied, als ein Teil enthalten. Dieser eine Teil, der da enthalten ist (rot), der ist nach dem Süden hinuntergezogen in seiner Einseitigkeit. Wenn man wiederum zurückgeht auf die ja von den Menschen gewußten uralten Kasteneinteilungen, so kann man sagen: Nach diesem Süden ist die eine Kaste hinuntergezogen, die mit der Anlage zum Priesterlichen, die Priesterkaste. Das Priesterliche ging daher immer von jenem Teil der Peripherie aus, in welcher Form es auch auftrat, denn selbst die neueste Phase dieses Ausgehens hat ja, wenn auch in einem merkwürdigen Sinne, einen durchaus priesterlichen Charakter gehabt. Nicht nur, daß der Impuls der «heilige» Egoismus, Sacro egoismo ist, sondern wie könnte man überhaupt priesterlichere Worte gebrauchen, als sie der berühmte d’Annunzio gebraucht hat? Bis zu den umgeformten Seligpreisungen zog dasjenige, was da heraufkam, in priesterliches Gewand gekleidet daher. Im Guten und im Schlimmen: Priesterliches. Dasjenige, was zurückgeblieben ist, ist zur Opposition geworden, wie ich es Ihnen ausgeführt habe. Was dann in der Reformation zutage getreten ist, das ist das im Urbrei zurückgebliebene Element, das opponiert hat dem einseitig ausgebildeten priesterlichen Elemente. Daß heute von diesem priesterlichen Elemente nichts wahrnehmbar ist, oder eben nur wahrnehmbar ist, was eben da ist, das rührt einfach von der Aushöhlung her, über die ich ja gesprochen habe.

[ 30 ] You see, the undifferentiated also contains a certain structure of humanity, even though it is undifferentiated. And one has a correct understanding when one distinguishes between this undifferentiated state and the later differentiated state. This primordial mass does, however, contain that which has drifted down toward the south; but it is contained as a single element, as a part. This one part that is contained there (red) has drifted down toward the south in its one-sidedness. If, in turn, one goes back to the ancient caste divisions known to people, one can say: Toward this south, the one caste with a predisposition toward the priestly has moved—the priestly caste. The priestly thus always emanated from that part of the periphery, in whatever form it appeared; for even the most recent phase of this emanation has, albeit in a peculiar sense, possessed a thoroughly priestly character. Not only is the impulse “sacred” egoism—Sacro egoismo—but how could one even use words more priestly than those employed by the famous d’Annunzio? Right down to the reworked Beatitudes, what emerged there was clad in priestly garb. For better or for worse: priestly. What remained has become the opposition, as I have explained to you. What then came to light during the Reformation was the element that had remained in the primordial mass—the element that opposed the one-sidedly developed priestly element. The fact that nothing of this priestly element is perceptible today—or that only what is actually there is perceptible—stems simply from the hollowing out I have spoken of.

[ 31 ] Nach Westen hinüber ist das zweite gezogen: Kriegerkaste, königliche Kaste, das Königtum.Wir haben ja auch darüber schon gesprochen. Dieser Westen ist ja nur durch eine Anomalie in den Republikanismus verfallen. In Wahrheit ist er durch und durch kriegerisch, königlich organisiert und wird schon immer wiederum zurückfallen ins Kriegerisch-Königliche. Allerdings, es ist wieder eine Ausstrahlung, so daß das eine Element, das nach dem Westen herübergezogen ist, auch hier im Urbrei enthalten ist und wiederum die Opposition gegen den Westen bilden muß (blau).

[ 31 ] To the West, the second has emerged: the warrior caste, the royal caste, the monarchy. We’ve already discussed this, of course. The West has, after all, only fallen into republicanism due to an anomaly. In truth, it is thoroughly warlike and organized along royal lines, and will always revert to the warlike-royal. However, this is again a form of radiation, so that the one element that has migrated westward is also contained here in the primordial mass and must in turn form the opposition to the West (blue).

[ 32 ] Und nach Nordwesten: das merkantilistische Element. Es ist selbstverständlich wiederum als ein Glied enthalten (orange) und steht in Opposition gegen dasjenige, was sich einseitig ausgebildet hat. — Damit werden keine Werturteile gefällt, denn niemand soll glauben, daß ich irgendwie mich jenen Meinungen anschließe, die man so häufig hat, als ob das Merkantilistische etwas Verachtungswürdiges sei gegenüber dem Priesterlichen. Da muß uns alles gelten als zwar anderes, aber nicht als dasjenige, das man mit gewissen Wertbezeichnungen behängt. Für den fünften nachatlantischen Zeitraum ist, wie wir ausgeführt haben, das merkantilistische Element sogar ein ganz wesentliches Element. Aber sehen muß man die Wirklichkeiten, die da sind; die muß man durchaus sehen. Und wenn die Menschen sie heute noch nicht sehen, sie werden sie in der Zukunft schon sehen.

[ 32 ] And to the northwest: the mercantilist element. It is, of course, again included as a component (orange) and stands in opposition to that which has developed one-sidedly. — This is not meant to pass any value judgments, for no one should believe that I in any way subscribe to those opinions so commonly held, as if mercantilism were something contemptible in comparison to the priestly. We must regard all of this as different, certainly, but not as something to which certain value labels are attached. As we have explained, the mercantilist element is in fact a quite essential element of the fifth post-Atlantean epoch. But one must see the realities that exist; one must absolutely see them. And even if people do not see them today, they will certainly see them in the future.

AltNameAltName

[ 33 ] Geradeso wie nun von der einen Seite viele okkulte Impulse ausgegangen sind, welche für Gruppeninteressen benützten das priesterliche Wesen, von der andern Seite okkulte Impulse ausgegangen sind, die das kriegerische Wesen benützten, gehen eben heute in der angedeuteten Weise von der dritten Seite okkulte Impulse aus, welche vorzugsweise das merkantilistische Wesen als Mittel benützen. Sie werden stärker sein, denn 1 und 2 sind ja nur Wiederholungen des dritten beziehungsweise vierten nachatlantischen Zeitraums, 3 ist aber das dem fünften nachatlantischen Zeitraum Angemessene. Daher werden stärker sein als alle Impulse, die von der Seite 1 und 2 kommen, die Impulse, die von der Seite 3 kommen, sie werden die stärksten sein, weil sie zusammenfallen mit dem Grundcharakter des fünften nachatlantischen Zeitraums. Sie werden so stark sein, wie gewisse Impulse der ägyptischen Kultur es waren im dritten nachatlantischen Zeitraum, und gewisse Impulse, die namentlich von Vorderasien ausgegangen sind, durch Griechenland und Rom sich verpflanzt haben, im vierten nachatlantischen Zeitraum waren. Die Zauberei der alten Ägypter und der Blutopferdienst, das sind die Vorboten desjenigen, was ausgeht von diesen okkulten Brüderschaften, um die es sich hier handelt, aber es wird nicht das Gleiche sein. Es wird alles einen, ich möchte sagen, mehr trivialen Charakter haben, im gewöhnlichen menschlichen Sinne gesprochen, weil es benützt das merkantilistische Wesen.

[ 33 ] Just as, on the one hand, many occult impulses have emanated that utilized the priestly nature for group interests, and, on the other hand, occult impulses have emanated that utilized the warlike nature, so too today, in the manner indicated, occult impulses are emanating from a third side that primarily utilize the mercantilistic nature as a means. They will be stronger, for 1 and 2 are merely repetitions of the third and fourth post-Atlantean epochs, respectively, whereas 3 is appropriate to the fifth post-Atlantean epoch. Therefore, the impulses coming from the third side will be stronger than all those coming from the first and second sides; they will be the strongest because they coincide with the fundamental character of the fifth post-Atlantean epoch. They will be as strong as certain impulses of Egyptian culture were in the third post-Atlantean epoch, and as certain impulses—which originated specifically in the Near East and were transmitted through Greece and Rome—were in the fourth post-Atlantean epoch. The magic of the ancient Egyptians and the practice of blood sacrifice are the harbingers of what will emanate from these occult brotherhoods we are discussing here, but it will not be the same. It will all have, I would say, a more trivial character, in the ordinary human sense, because it makes use of the mercantilistic nature.

[ 34 ] Über diese Dinge muß man sich schon völlig klar sein. Nur dadurch, daß der Mensch sich lebendig hineingestellt fühlt in dasjenige, was ist, kann Heil in die Evolution kommen. Und dadurch allein kann man auch innerhalb dessen, was geschieht, das Wahre von dem Unwahren unterscheiden lernen, und wir haben ja gehört, wie notwendig es ist, unterscheiden zu lernen das Wahre von dem Unwahren, von jenem Unwahren, das heute eine so ungeheure Welle schlägt in all den Impulsen, die jetzt durch die Welt gehen. In vielen Vorstellungen, die unwahr sind, liegt, indem die Menschen sie glauben, eine starke okkulte Kraft.

[ 34 ] One must be absolutely clear about these things. Only when a person feels fully immersed in what is can salvation come into evolution. And only in this way can one learn to distinguish the true from the false within the course of events—and we have heard how necessary it is to learn to distinguish the true from the false, from that falsehood which today is surging like a tremendous wave in all the impulses now sweeping through the world. In many false ideas, there lies a powerful occult force precisely because people believe them.

[ 35 ] Und so wie früher andere Medien gedient haben demjenigen, was als Impulse wirken sollte, so dient in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum namentlich die Buchdruckerkunst und alles dasjenige, was mit dem merkantilistischen Wesen zusammenhängt. Von dem Schlimmen, was kommen wird, haben wir ja einen Vorgeschmack schon in der starken Abhängigkeit desjenigen, was durch die Buchdruckerkunst hervorgebracht wird als Presse heute von merkantilistischen Gruppen, von Menschen, die alles andere wollen als dasjenige, was sie in ihren Blättern sagen. Sie wollen Geschäfte machen oder durch Geschäfte dies oder jenes erreichen und haben dafür das Mittel, Ansichten verbreiten zu lassen, auf deren Wahrheit es nicht ankommt, sondern die der Entrierung gewisser Geschäfte und dergleichen dienen. Heute ist es ja gut, wenn man bei vielem, was gedruckt in der Welt herumgesendet wird, nicht frägt: Was meint der Betreffende? — sondern: In wessen Dienst steht er? Wer bezahlt die eine oder andere Meinung? — Das ist dasjenige, worauf es heute vielfach ankommt. Dies nicht etwa zu unterdrücken, sondern als ein wichtiges okkultes Mittel zu fördern, das ist gerade dasjenige, was jene okkulten Brüderschaften wollen, weil das ihnen dient. Und wenn es immer weniger darauf ankommt, was gesagt wird, sondern nur darauf, daß das nach einer gewissen Richtung hin im Dienste von Gruppen Stehende auf Menschen wirkt, dann ist für solche okkulten Brüderschaften ein wichtiges Ziel erreicht.

[ 35 ] And just as other media in the past served as sources of inspiration, so too in our fifth post-Atlantic era do the art of printing and everything associated with the mercantilist spirit serve this purpose. We already have a foretaste of the evil that is to come in the strong dependence of what is produced by the art of printing—as the press today—on mercantilist groups, on people who want anything but what they say in their publications. They want to do business or achieve this or that through business, and to that end they have the means to disseminate views whose truth does not matter, but which serve to further certain business interests and the like. Today, it is indeed wise, when it comes to much of what is printed and circulated around the world, not to ask: “What does the person in question mean?”—but rather: “In whose service does he stand? Who is paying for this or that opinion?”—That is what matters in many cases today. Not to suppress this, but to promote it as an important occult means—that is precisely what those occult brotherhoods want, because it serves their purposes. And when what is said matters less and less, and what matters is only that something—acting in a certain direction in the service of certain groups—has an effect on people, then an important goal has been achieved for such occult brotherhoods.

[ 36 ] Diese Dinge so klar wie möglich, so trocken wie möglich ins Auge zu fassen, darauf kommt es an. Und man bekommt eigentlich über diese Dinge nur dann genügend, ich möchte sagen, schattierte Begriffe, wenn man sie richtig im Zusammenhang mit den geistigen Welten betrachtet. Dadurch wird man auch hingewiesen auf die Symptome, und auf «Symptomatische Geschichte», sagte ich Ihnen, kommt es an. Natürlich müssen Sie nicht bei allem gleich schwarze Magie vermuten. Aber die Dinge, die einmal da sind, werden in den Dienst grauer oder schwarzer Magie gestellt. Sie müssen auch nicht alle Dinge mit einem moralischen Urteil belegen, sondern sie nur im richtigen Lichte sehen. So wird es für denjenigen, der die Dinge in der richtigen Weise sehen will, gewiß unvergeßlich, und nicht nur unvergeßlich, sondern noch etwas anderes sein, wenn man in jener großen Rede, mit der von Sir Edward Grey Englands Teilnahme an diesem europäischen Kriege eingeleitet worden ist, unter manchem weniger Wichtigen — wenn es auch wichtig war, es zu sagen, damit die Menschen es glauben —, auf gewisse Worte stößt, welche nun gerade von dem Blute des fünften nachatlantischen Zeitraums — ich meine dem seelischen Blute — durchsetzt sind. Denn diese Worte sind nicht nur wahr, sondern von tragender Wahrheit, von Wahrheit, die herausgenommen ist aus dem, was im fünften nachatlantischen Zeitraum materialistisch lebt. «Wir werden», so sagte Grey, «fürchte ich, von diesem Kriege schwer zu leiden haben, ob wir darein verwickelt werden oder nicht. Der Handel mit dem Auslande wird aufhören, nicht weil die Verbindungswege unterbrochen werden, sondern weil an ihrem andern Ende die Geschäfte ganz stilliegen. Die kontinentalen Nationen, die mit ihren gesamten Bevölkerungen, mit allen ihren Kräften, mit ihrem ganzen Reichtum in einen verzweifelten Kampf verwickelt sind, können ihren Handel mit uns nicht in der Weise weitertreiben, wie sie es im Frieden getan haben, mögen wir Teilnehmer an diesem Kriege sein oder nicht» und so weiter.

[ 36 ] The key is to view these things as clearly as possible, as objectively as possible. And one can really only gain a sufficiently—I would say—nuanced understanding of these things when one considers them properly in the context of the spiritual worlds. This also draws one’s attention to the symptoms, and, as I told you, it is the “symptomatic history” that matters. Of course, you need not immediately suspect black magic in everything. But the things that are already there are put to the service of gray or black magic. Nor do you need to pass moral judgment on everything; you need only see them in the right light. Thus, for those who wish to see things in the right way, it will certainly be unforgettable—and not only unforgettable, but something more—when, in that great speech with which Sir Edward Grey introduced England’s participation in this European war, among many less important points—even if it was important to say them so that people would believe them— one comes across certain words that are imbued precisely with the blood of the fifth post-Atlantean epoch—I mean the spiritual blood. For these words are not only true, but embody a fundamental truth, a truth drawn from what lives materialistically in the fifth post-Atlantean epoch. “We,” said Grey, “I fear, will suffer greatly from this war, whether we become involved in it or not. Trade with foreign countries will cease, not because the lines of communication will be severed, but because business at the other end has come to a complete standstill. The continental nations, which are embroiled in a desperate struggle with their entire populations, all their forces, and all their wealth, cannot continue their trade with us in the same way they did in peacetime, whether we are participants in this war or not,” and so on.

[ 37 ] Ganz Westeuropa steht heute unter der Herrschaft einer einzigen Machtfrage. Dieses Sprechen von Geschäften und daß es vor allen Dingen darauf ankommt, aus merkantilistischen Rücksichten von dem Kriege nicht fernzubleiben, sondern an ihm teilzunehmen, das ist von einer tieferen Wahrheit als alles dasjenige, was sonst in dieser Rede steht und was nur wichtig war zu sagen, damit es geglaubt werde. Aber es kommt heute nicht darauf an, was die Menschen sagen, damit es geglaubt werde. Sie können ja das unbewußt sagen. Es soll auch nicht über irgend jemanden ein moralisches Urteil gefällt werden, sondern darauf kommt es an, aus der inneren Wahrheit der Menschheitsevolution zu erkennen, wo die Wahrheit ausgesprochen wird. Und hier wurde die Wahrheit im eminentesten Sinne ausgesprochen. Und es sind dieselben Tatsachen hier in Wahrheit ausgesprochen, es sind dieselben Impulse in Wahrheit ausgesprochen, die dann, entsprechend ausgebildet von jenen Brüderschaften, auf die ich gedeutet habe, eben dazu führen, daß man die merkantilistischen Strömungen durchsetzt mit okkultistischen Impulsen.

[ 37 ] All of Western Europe is today dominated by a single question of power. This talk of business—and the idea that, above all else, it is a matter of mercantilist considerations that one should not stay out of the war but rather participate in it—contains a deeper truth than anything else in this speech, which was said only to be believed. But what matters today is not what people say merely to be believed. After all, they may say such things unconsciously. Nor is the intention here to pass moral judgment on anyone; rather, what matters is to recognize, from the inner truth of human evolution, where the truth is being spoken. And here, the truth has been spoken in the most eminent sense. And it is the same facts that have been spoken here in truth; it is the same impulses that have been spoken in truth, which—when appropriately developed by those brotherhoods to which I have alluded—lead precisely to the interweaving of occult impulses with mercantilist currents.

[ 38 ] Diese Sache muß die Menschheit einmal erfahren, muß die Menschheit einmal erleben. Denn würde sie sie nicht erleben, so würde sie nicht stark genug werden. Sie muß sich stählen durch Widerstand gegenüber dem, was in den Impulsen, die charakterisiert worden sind, liegt. Früher war eine Tyrannis dadurch da, daß gewisse Menschen eine Zeitlang verpflichtet waren, nur dasjenige für wahr zu halten, was Rom anerkannte. Die Tyrannis wird viel größer sein, wenn die Zeit kommen wird, wo nicht dasjenige, was der Philosoph entscheidet, nicht dasjenige, was der Wissenschafter entscheidet, Grundlage des Glaubens sein wird, sondern dasjenige, was die Organe jener okkulten Brüderschaften zu glauben erlauben werden: daß in keines Menschen Seele etwas anderes geglaubt werde, als was von jener Seite vorgeschrieben wird zu glauben, daß von keiner Seite andere Usancen in der Welt eingeführt werden, als was von jener Seite vorgeschrieben wird. Das streben jene Brüderschaften an. Und es ist ein naiver Glaube mancher Idealisten — womit nichts gegen die Idealisten gesagt werden soll, Idealismus ist in jedem Fall eine gute Eigenschaft —, wenn gemeint wird, die Dinge seien nur vorübergehend, die da angestrebt werden, und würden wieder aufhören, wenn der Krieg aufgehört hat. Der Krieg ist nur ein Anfang von alledem, wozu, wie es charakterisiert worden ist, die Dinge hintendieren. Und die Möglichkeit, über diese Dinge hinauszukommen, liegt doch nur im klaren, richtigen Verstehen desjenigen, was ist; alles übrige taugt nicht. Daher wird es schon, wenn man es auch von gewisser Seite her nicht gern hören und sehen wird und seine Maßregeln dagegen ergreifen wird, immer Menschen geben müssen, welche auf die ganze, volle Intensität desjenigen, was geschieht, wirklich hinweisen, welche sich nicht abschrecken lassen, hinzuweisen auf die ganze, volle Intensität desjenigen, was geschieht.

[ 38 ] Humanity must one day experience this, must one day go through it. For if it did not go through it, it would not become strong enough. It must steel itself by resisting what lies within the impulses that have been described. In the past, tyranny existed because certain people were compelled for a time to regard as true only what Rome recognized. Tyranny will be far greater when the time comes when the basis of belief will not be what the philosopher decides, nor what the scientist decides, but rather what the authorities of those occult brotherhoods permit to be believed: that nothing other than what that side prescribes be believed in any human soul, and that no customs other than those prescribed by that side be introduced into the world. That is what those brotherhoods strive for. And it is a naïve belief held by some idealists—not that this is meant as a criticism of idealists; idealism is, in any case, a good quality—to think that the things they are striving for are only temporary and will cease once the war has ended. The war is only the beginning of all that, as has been characterized, things are tending toward. And the possibility of moving beyond these things lies solely in a clear, correct understanding of what is; everything else is of no use. Therefore, even if certain quarters will not want to hear or see this and will take measures against it, there will always have to be people who truly point out the full, complete intensity of what is happening—people who do not allow themselves to be deterred from pointing out the full, complete intensity of what is happening.

[ 39 ] Ich sagte, um diese Betrachtungen einzuleiten, die Deutschen haben sich «Deutsche» genannt. Sie haben ja kein Entgegenkommen gefunden mit dieser Benennung, man nennt sie «Germans» und so weiter, was sie in ihrem Sinne unmöglich sein können, denn der Deutsche selbst bezeichnet als germanisch alles dasjenige, was sprachgeschichtlich zusammenhängt auf einer Stufe, die nicht das neue Hochdeutsche oder das Deutsche überhaupt ist. Also die Skandinavier, die Angelsachsen, die Holländer gehören durchaus zu den «Germans», womit nichts anderes als eine unter der Oberfläche liegende Sprachverwandtschaft gemeint ist. «Germans» heißt also eigentlich gar nichts Besonderes im deutschen Sinne, weil es keine heutige Wirklichkeit mehr bedeutet. Und wenn man außerhalb Deutschlands den Ausdruck «pangermanisch» prägt, so ist das etwas, womit der Deutsche überhaupt gar nichts anfangen kann, aus dem einfachen Grunde, weil für den Deutschen das Germanische keine reale substantielle Sache mehr sein kann. Es haben sich andere Volksgebilde abdifferenziert, und würde man dann rein theoretisch den Ausdruck «pangermanisch» betrachten, so würde man einfach auf eine ältere Zeitenstufe zurückweisen, würde gar nichts bezeichnen können, was mit irgendeiner Zukunft oder Gegenwart irgend etwas zu tun hat. Aber ein tiefer Instinkt liegt in der Bezeichnung «deutsch».

[ 39 ] To introduce these observations, I said that the Germans have called themselves “Germans.” They have not, of course, found any acceptance for this designation; they are called “Germans” and so on, which, in their view, is impossible, for the Germans themselves define as “Germanic” everything that is linguistically related at a level that is not Modern High German or German in general. Thus, the Scandinavians, the Anglo-Saxons, and the Dutch certainly belong to the “Germans,” which refers to nothing other than a linguistic kinship lying beneath the surface. “Germans” therefore does not actually mean anything special in the German sense, because it no longer corresponds to any present-day reality. And when the term “Pan-Germanic” is coined outside of Germany, it is something that Germans cannot relate to at all, for the simple reason that, for Germans, the “Germanic” can no longer be a real, substantive entity. Other ethnic groups have differentiated themselves, and if one were to consider the term “Pan-Germanic” purely theoretically, it would simply refer back to an earlier historical period and could not denote anything that has anything to do with the future or the present. But there is a deep instinct embedded in the term “German.”

[ 40 ] Es sind gewissermaßen die drei Kasten, die erste, zweite, dritte Kaste, die sich herausdifferenziert haben aus dem, was ich den Urbrei genannt habe, ausgezogen, haben sich entwickelt. Die vierte Kaste, ich habe sie vor einiger Zeit schon bezeichnet als diejenige, die eigentlich nur Menschen sein wollen, weiter nichts, nicht differenziert sein wollen, die sind immer zurückgeblieben, haben daher auch eine so eigentümliche, für die andern groteske Entwickelung durchgemacht wie diejenige, die sich ergeben hat aus der ersten sakramentalen Stufe der Alliteration, mit der Fortbildung in der Lautverschiebung. Das ist außerordentlich interessant, weil es ein Glied ist innerhalb vieler anderer. Man kann daher sagen: Ausgezogen sind gewisse Differenzierungen des Volkes; zurückgeblieben ist «das Volk», «diet». Dietrich heißt zum Beispiel der Volkreiche, «diet» ist dann später geworden zu deutsch, und deutsch sein heißt nichts anderes als «Volk sein». Das Volk, das zurückgeblieben ist, ist das vierte. Die drei andern sind ausgezogen, das Volk ist zurückgeblieben.

[ 40 ] In a sense, these are the three castes—the first, second, and third—that have differentiated themselves from what I have called the “primordial mass,” emerged from it, and developed. The fourth caste—which I described some time ago as consisting of those who really just want to be human beings, nothing more, who do not want to be differentiated—has always lagged behind; consequently, it has undergone a development that is peculiar to it and grotesque to the others, similar to that which resulted from the first sacramental stage of alliteration, with its further development in sound shift. This is extraordinarily interesting because it is one link among many others. One can therefore say: Certain differentiations of the people have moved on; what has remained behind is “the people,” “diet.” Dietrich, for example, means “the rich among the people”; “diet” later became “German,” and to be German means nothing other than “to be the people.” The people who have remained are the fourth group. The other three have moved on; the people have remained.

AltNameAltName

[ 41 ] Das ist der Instinkt, der in der Sache liegt; das vierte ist einfach das Menschliche. Daher ist dasjenige, was zurückgeblieben ist innerhalb des «Volkes», auch dazu veranlagt, nicht als ein Organisches empfunden zu werden, sondern es ist die Entwickelung flüssig geblieben, so daß über alle die Einzelheiten wirklich hinausgekommen wird. Gewiß, das priesterliche Element ist auch darinnen, aber es ist die Anlage vorhanden, hinauszukommen über das priesterliche Element. Das kriegerische Element ist auch darinnen, aber die Anlage ist vorhanden, hinauszukommen aus dem kriegerischen Element. Das merkantilistische Element ist auch darinnen, aber die Anlage ist vorhanden, hinauszukommen über das merkantilistische Element, geradeso wie in der älteren Sprachform die Anlage vorhanden war, die dann übergegangen ist auf die andern Sprachen, aber auch die Möglichkeit, darüber hinauszukommen.

[ 41 ] This is the instinct inherent in the matter itself; the fourth is simply the human element. Therefore, that which has remained within the “people” is also predisposed not to be perceived as something organic, but rather its development has remained fluid, so that it truly transcends all the details. Certainly, the priestly element is also present there, but the potential exists to move beyond the priestly element. The warlike element is also present there, but the potential exists to move beyond the warlike element. The mercantilist element is also present, but the potential exists to move beyond the mercantilist element, just as the potential existed in the older linguistic form—which then passed on to the other languages—but also the possibility of moving beyond it.

[ 42 ] Damit hängt allerdings eine Erscheinung zusammen, die in begreiflicher Weise unendlich viele Mißverständnisse hervorruft. Im tieferen Sinne betrachtet sind es traurige Mißverständnisse, aber sie werden eben hervorgerufen, weil selbstverständlich in diesem Urbrei vieles enthalten ist, was die Anlage enthält zu dem, was dann in der Peripherie wieder hervortritt. Aber während es bei der Peripherie charakteristisch ist und man es angemessen findet, findet man es gerade bei dem Urbrei höchst abnorm. So zum Beispiel nehmen wir den Militarismus. Er ist dem deutschen Wesen durchaus nicht angemessen, sondern er ist gerade dem französischen Wesen angemessen. Aber dort wird man ihn nicht tadeln, weil er sich organisch entwickelt hat. Beim Deutschen betrachtet man ihn gerade als nicht angemessen, er soll nicht da sein. Daher tadelt man, wenn er aus irgendeiner Notlage, die ich ja genügend charakterisiert habe, nämlich aus der geographischen Lage vorhanden ist. Dasjenige, was man gefunden hat bei gewissen Leuten als Junkerliches und dergleichen, das ist ja in Mitteleuropa nichts anderes als gerade dasjenige, woraus sich entwickelt hat dasjenige, was im Britischen Reiche gang und gäbe ist, das Selbstverständliche ist. Nur indem es in Mitteleuropa in seiner Art sich entwickelt hat, fällt es da wiederum besonders auf, und man findet es hervorstechend, herausfordernd. Dadurch entstehen unendliche Mißverständnisse, wie ja die Welt heute überhaupt voll ist von Mißverständlichem und unobjektivem Auffassen der Wirklichkeit. Man kann da oder dort heute anfassen, man findet lauter Vorstellungen, die eigentlich zerbrechen, wenn man sie anfaßt, Vorstellungen, die durch ihre innere Natur zerbrechen. Derjenige, der die Dinge wirklich versteht, kann mit all diesen Dingen nichts anfangen, wer aus der Wirklichkeit heraus denkt, kann nichts anfangen damit, und dennoch spielen diese Dinge eine Rolle als Impulse, denn sie wirken in der öffentlichen Meinung wie Dynamit. Sie setzen sich hinein in diese öffentliche Meinung. Manche Dinge wären ja unendlich komisch, wenn sie nicht so unendlich traurig wären.

[ 42 ] This, however, is connected to a phenomenon that, understandably, gives rise to an infinite number of misunderstandings. Viewed in a deeper sense, these are sad misunderstandings, but they arise precisely because, naturally, this primordial mass contains much that holds the seeds of what later reemerges on the periphery. But while it is characteristic of the periphery—and is considered appropriate there—it is regarded as highly abnormal precisely in the primordial mass. Take militarism, for example. It is by no means appropriate to the German character; rather, it is precisely appropriate to the French character. But there, it is not criticized because it has developed organically. Among Germans, however, it is viewed as inappropriate; it should not exist there. That is why it is criticized when it arises from some predicament—which I have sufficiently characterized—namely, from the geographical situation. What has been identified in certain people as “Junker-like” and the like is, in Central Europe, nothing other than precisely that from which has developed what is commonplace in the British Empire—what is taken for granted. It is only because it has developed in its own way in Central Europe that it stands out there in particular, and people find it striking and provocative. This gives rise to endless misunderstandings, just as the world today is full of misunderstandings and subjective perceptions of reality. One can touch upon this here and there today; one finds nothing but ideas that actually crumble when one touches them—ideas that crumble by their very nature. Those who truly understand things cannot make sense of any of this; those who think from reality cannot make sense of it, and yet these things play a role as impulses, for they have the effect of dynamite on public opinion. They take root in this public opinion. Some things would be infinitely funny if they weren’t so infinitely sad.

[ 43 ] Nehmen Sie zum Beispiel eine Erscheinung wie diese: Treitschke wird angeführt von den Menschen der Entente als ein Ungeheuer, als ein Mensch, dessen Ansichten schrecklich seien für Europa, und er wird als ein Bestandteil jener Ansichten Mitteleuropas hingestellt, durch welche Mitteleuropa jenes Schicksal, das wir charakterisiert haben, erfahren muß. Nun kann man sich auf einzelne Ansichten dieses Treitschke einlassen; greifen wir zum Beispiel eine Ansicht heraus, die Treitschke hat über die Türken. Treitschke hatte die Ansicht über die Türken, daß sie aus Europa verschwinden müssen, daß sie nicht in Europa leben sollen, daß sie sich über Asien verteilen sollen. Was wir heute in der Note an Wilson lesen, ist genau die Treitschkesche Ansicht! Treitschke wird also gescholten, aber die Ansicht, die er hatte in diesem einen Punkte — und ich könnte Ihnen unzählige anführen —, wird aufgenommen und gerade vertreten. Man hätte einfach die Treitschkeschen Ansichten über die Türkei abschreiben und sie in Wilsons Note setzen können, denn es ist genau dieselbe Ansicht. — Das nenne ich einen zerbrechlichen Begriff, denn faßt man ihn an mit Wissen, mit Erkenntnis, so zerbricht er. Und so zerbrechen andere Begriffe, man braucht nur ein bißchen Kenntnisse zu haben. Aber heute redet alles ohne Kenntnisse, und das ist ein Glück für diejenigen, die eben ihre Begriffe, die wirksam sein sollen, im trüben verbreiten wollen. Wie oft wird heute geredet davon, daß es ja ganz «human» sei, Mitteleuropa einzukreisen und auszuhungern. Unter den mancherlei Begründungen, um diese humanste Art, Krieg zu führen, zu rechtfertigen, beruft man sich darauf, daß die Deutschen es 1870 auch nicht anders gemacht haben, daß sie es im Jahre 1870 auch «human» gefunden haben, Paris einzuschließen und auszuhungern, und auf die Größe des Territoriums komme es ja schließlich nicht an, das sei ein und dasselbe. — So aber kann schließlich nur derjenige reden, der nichts von der Geschichte weiß — selbstverständlich meine ich nicht die Geschichte, die in den Zeitungen steht. Aber wie waren denn eigentlich die Tatsachen?

[ 43 ] Take, for example, a phenomenon like this: Treitschke is portrayed by the people of the Entente as a monster, as a man whose views are terrible for Europe, and he is presented as an integral part of those Central European views through which Central Europe must suffer the fate we have described. Now, one can engage with Treitschke’s individual views; let us, for example, single out one view that Treitschke held regarding the Turks. Treitschke believed that the Turks must disappear from Europe, that they should not live in Europe, and that they should disperse throughout Asia. What we read today in the note to Wilson is precisely Treitschke’s view! So Treitschke is criticized, but the view he held on this one point—and I could cite countless others—is adopted and actively advocated. One could simply have copied Treitschke’s views on Turkey and inserted them into Wilson’s note, for it is exactly the same view. — That’s what I call a fragile concept, because if you examine it with knowledge and insight, it shatters. And so do other concepts; you just need a little knowledge. But today everyone speaks without knowledge, and that is a stroke of luck for those who wish to spread their concepts—the ones meant to be effective—in a murky way. How often do people speak today of how “humane” it is to encircle and starve Central Europe. Among the various justifications offered to legitimize this most “humane” way of waging war, people point out that the Germans did not act any differently in 1870, that they, too, found it “humane” in 1870 to besiege and starve Paris, and that, after all, the size of the territory does not matter—it is all the same. — But only someone who knows nothing about history could speak this way—of course, I do not mean the history that appears in the newspapers. But what were the facts, actually?

[ 44 ] Im Jahre 1870/71 war Bismarck, der verantwortlich war für diese Sache, absolut dagegen, Paris mit Hunger beizukommen, und wenn man Bismarck liest, sieht man, wie der sich dazumal aufregte, daß auf dem Umwege durch die spätere Kaiserin Friedrich von England aus der Impuls gekommen ist, Paris nicht auf eine andere Weise, sondern durch Hunger zu überwinden. Er schreibt: Leider müssen wir uns durch die Engländerin zwingen lassen, «diese humane Art» auf Paris anzuwenden —, er spricht also von dieser humanen englischen Art.

[ 44 ] In 1870–71, Bismarck, who was responsible for this matter, was absolutely opposed to subduing Paris through starvation, and when one reads Bismarck, one sees how upset he was at the time that the impetus to subdue Paris not by any other means but through starvation had come, indirectly, from the future Empress Friedrich of England. He writes: “Unfortunately, we must allow ourselves to be compelled by the Englishwoman to apply ‘this humane method’ to Paris”—he is thus referring to this humane English method.

[ 45 ] Da sehen Sie den historischen Zusammenhang. Aber man muß das eben wissen, wenn man die Dinge beurteilen will, damit man nicht zerbrechliche Begriffe faßt. Es schaut so ungeheuer wahr aus, wenn man das eine mit dem andern vergleicht; aber das eine ist oftmals nicht das andere, wenn man es vergleicht mit Rücksicht auf alles dasjenige, was der Sache zugrunde liegt. Denn auch in bezug auf die Aushungerung von Paris ist die «Humanität», auszuhungern, schon durchaus eine englische Erfindung für die neuere Geschichte. Also diesen Einwand, den dürfte man nicht machen, wenn man mit Wirklichkeiten arbeitet, und darum handelt es sich, mit Wirklichkeiten zu arbeiten, und nichts anderes kann zum Heile führen, als aus der Wirklichkeit heraus die Dinge zu begreifen.

[ 45 ] There you see the historical context. But one must be aware of this if one wants to judge things, so as not to form fragile concepts. It seems so incredibly true when one compares one thing with another; but one thing is often not the other when compared with due regard for everything that underlies the matter. For even with regard to the starvation of Paris, the “humanity” of starving people is certainly an English invention in modern history. So this objection should not be raised when dealing with realities, and that is precisely the point—to deal with realities—and nothing else can lead to salvation except understanding things from reality itself.

[ 46 ] Deshalb mußten ja hier, anknüpfend an die Betrachtungen, die wir sonst für andere Gebiete pflegen, und im Zusammenhange mit dem Wunsche vieler unserer Freunde, auch einzelne Betrachtungen angestellt werden über die Zeitereignisse, damit der Ernst uns vor die Seele tritt, der darinnen liegen muß, die Dinge ihrer Wirklichkeit gemäß ins Auge zu fassen. Wenn sich nur einige Menschen finden, welche sich entschließen können, die Dinge ihrer Wirklichkeit gemäß ins Auge zu fassen, dann werden nach den trüben Zeiten, denen wir jetzt entgegengehen, auch wiederum Zeiten des Heiles kommen. Die Saaten müssen ja reifen. Aber richtige, reifbare Saaten sind es, wenn Sie Gedanken der Wirklichkeit heute in Ihre Seele aufnehmen, und wir können geradezu sagen: solche Gedanken, über die man in Übereinstimmung sein kann auch mit den Toten. Denn das ist oftmals jetzt ein so schmerzliches Wort, daß von allen Seiten gesagt wird, wir seien «den Toten dies oder jenes schuldig». Da, wo man dieses Ereignis, das man heute noch immer aus Bequemlichkeit «Krieg» nennt, das schon ganz etwas anderes geworden ist, wo man dieses Ereignis fortsetzen will, was deklamiert man alles darüber, was man den Gefallenen, den Toten schuldig seil Wenn die Menschen wüßten, welche Gotteslästerung sie damit aussprechen, daß sie behaupten, die Fortsetzung der blutigen Ereignisse den Toten schuldig zu sein, wenn die Menschen wüßten, wie die Toten sich dazu verhalten, dann würden sie von dieser Gotteslästerung wenigstens abstehen!

[ 46 ] That is why, building on the reflections we usually engage in regarding other areas, and in response to the wishes of many of our friends, we must also offer some reflections here on current events—so that the gravity of the situation may sink into our souls, for it is essential to view things as they truly are. If only a few people can be found who are willing to view things as they truly are, then after the dark times we are now facing, times of salvation will come again. The seeds must, of course, ripen. But they are true, ripening seeds if you take thoughts of reality into your soul today, and we can say quite plainly: such thoughts are ones on which one can be in agreement even with the dead. For this is often such a painful phrase now that it is said from all sides that we are “indebted to the dead for this or that.” Where this event—which, out of convenience, is still called “war” today, even though it has already become something entirely different—where there is a desire to continue this event, what all sorts of things are declaimed about what we supposedly owe the fallen, the dead! If people knew what blasphemy they are uttering when they claim that the continuation of these bloody events is what we owe the dead—if people knew how the dead feel about this, then they would at least refrain from this blasphemy!

[ 47 ] Und so sehen Sie, meine lieben Freunde, aus den Einzelheiten dessen, was von Menschen ausgeht, wie nötig es ist, daß die Brücke geschlagen werde zwischen den Lebenden und den Toten. Und Geisteswissenschaft wird diese Brücke schlagen, sie wird die Möglichkeit einer Verständigung herbeiführen auch mit denjenigen, die durch des Todes Pforte gegangen sind. Ein gemeinsames Leben wird sich schlingen um die Menschenseelen, um diejenigen, die im Leibe sind und diejenigen, die in dem Leben sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wenn man das menschliche Wesen verstehen wird in seinen Grundlagen, für die Leben im Leibe oder Leben ohneLeib nur zwei verschiedene Formen eines und desselben umfassenden Lebens sind. Aber in dieser Erkenntnis, daß der Mensch zwei verschiedene Lebensformen hat, sei es im Körper, sei es ohne Körper, in dieser Erkenntnis, konkret aufgefaßt, liegt auch das Heil der Zukunft, aber nur dann, wenn sich die Menschen mit den Ideen davon wirklich lebendig durchdringen.

[ 47 ] And so, my dear friends, you can see from the details of what emanates from human beings just how necessary it is to build a bridge between the living and the dead. And spiritual science will build this bridge; it will make communication possible even with those who have passed through the gate of death. A shared life will entwine itself around human souls—those who are in the body and those who are in the life between death and a new birth—once the human being is understood in its foundations, for life in the body and life without a body are merely two different forms of one and the same all-encompassing life. But in this realization—that human beings have two different forms of life, whether in the body or without a body—in this realization, understood concretely, lies the salvation of the future, but only if people truly allow these ideas to permeate their lives.