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The Spiritual Background of World War I
GA 174b

24 November 1915, Stuttgart

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The Spiritual Background of World War I, tr. SOL
  1. Zeitgeschichtliche Betrachtungen Band I

Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Diesen Abend wollen wir noch dazu verwenden, einige Betrachtungen anzustellen über das Zusammenwirken der geistigen und der physischen Welt. Es hat dies ja schon den Gegenstand anderer Betrachtungen in diesen Tagen gebildet. Es wird die Hauptsache sein, auf die es uns ankommt, das Thema, das wir angeschlagen haben, weiter auszubauen. Ich möchte aber von einer allgemeineren Betrachtung ausgehen, die uns zeigen wird, wie im Abstrakteren, im Allgemeineren gedacht werden kann, mit einem einfachen Gedanken umfaßt werden kann das Zusammenwirken des Geistigen und Physischen, des Überirdischen und des Irdischen. Und von dieser allgemeineren Betrachtung wollen wir dann übergehen auf das, worauf es ankommt: auf die Beziehung des entkörperten, durch die Pforte des Todes gegangenen Menschen, zu jenen Menschen, die verkörpert in diesem irdischen Leben sind.

[ 1 ] Let us use this evening to reflect further on the interplay between the spiritual and physical worlds. This has, after all, already been the subject of other reflections in recent days. Our main concern will be to further develop the topic we have introduced. However, I would like to begin with a more general consideration that will show us how we can think in more abstract and general terms—how the interplay of the spiritual and the physical, the supernatural and the earthly, can be encompassed by a single, simple thought. And from this more general perspective, let us then move on to what really matters: the relationship of the disembodied human being, who has passed through the gate of death, to those human beings who are embodied in this earthly life.

[ 2 ] Wir wollen einmal unsere Erde als den Schauplatz dessen betrachten, was sich zunächst für unsere Sinne zum Ausdruck bringt. Ich will ganz hypothetisch beginnen, will Gedanken, Vorstellungen anschlagen, welche zunächst so wie erdacht sind, bloß erdacht sind, oder wenigstens so aussehen. Nehmen wir einmal an, der ganze Umfang desjenigen, was von einem gewissen Gesichtspunkt aus unsere Erde an Kräften hat, sei wie konzentriert, sei wie zusammengedrängt in ein kleines, irgendwie geartetes Abbild der Erde. Also das wollen wir voraussetzen, daß wir gewissermaßen eine kleine Erde hätten, einen kleinen, winzigen Körper, der aber dasjenige, was die Erde an gewissen Kräften im Großen birgt, im Kleinen in sich enthielte. Wir wollen uns das schematisch darstellen. Wir wollen also denken, wir hätten eine kleine Erde, das heißt einen kleinen, winzigen Körper, der in sich enthielte diejenigen Kraftverhältnisse, die sonst im großen Inhalt des Erdenleibes, wir können sagen, verteilt sind. Stellen wir uns vor, irgendwie sei dieser kleine Erdenkörper mit der Erde in Verbindung.

[ 2 ] Let us consider our Earth as the setting for what first manifests itself to our senses. I want to begin entirely hypothetically, to introduce thoughts and ideas that are, for the time being, merely imagined—or at least appear to be so. Let us suppose for a moment that the entire scope of what, from a certain point of view, constitutes the forces of our Earth were somehow concentrated, somehow compressed into a small, some sort of image of the Earth. So let us assume that we have, so to speak, a small Earth—a small, tiny body—which, however, contains within itself, on a small scale, the very forces that the Earth holds on a large scale. Let us represent this schematically. So let us imagine that we have a small Earth—that is, a small, tiny body that contains within itself the same balance of forces that are otherwise, so to speak, distributed throughout the vast body of the Earth. Let us imagine that this small Earth-like body is somehow connected to the Earth.

[ 3 ] Nun müssen wir, wenn wir uns die Erde richtig vorstellen, sie uns nicht denken als ein beliebiges lebloses Wesen, so wie sie sich etwa dem Geologen, dem Mineralogen darstellt, der sich diese Erde nur als ein lebloses Wesen vorstellt. Denn wenn die Erde so mineralisch nur wäre, wie sich der Geologe das vorstellt, so würde sie niemals Pflanzen, Tiere, Menschen auf sich beherbergen können. Gewiß hat der Geologe recht, sich das herauszuschälen, was tot ist, aber er müßte sich bewußt sein, daß er damit nur einen Ausschnitt des Erdendaseins hat. Wenn wir uns aber diese Erde als ein Lebendiges vorstellen, dann müssen wir sie uns auch im Leben so vorstellen, daß der lebendige Verlauf in der Zeit zu dem Sein der Erde dazugehört. So daß diese Erde im Winter — wir haben das öfter besprochen — in einem ganz anderen Zustande ist als im Sommer, ebenso wie der Mensch im Schlafe in einem anderen Zustand ist als im Wachen. Wir müssen uns das nicht so vorstellen, daß Winter und Sommer einfach über die Erde hinstreichen, sondern daß sie etwas sind, was den Zustand der Erde, also das lebendige Wesen ergreift, wie uns die Zustände von Wachen und Schlafen ergreifen. Also dieser zeitliche Ablauf gehört zum Erdendasein dazu, wenn wir dieses Erdendasein als ein Lebendiges betrachten. Damit aber sagen wir zugleich, daß jedes Wesen, welches mit dieser Erde in Zusammenhang steht — also auch diese kleine Erde, von der wir hier sprechen —, mit der ganzen Erde in diesem wechselnden Zustande ist, daß es diesen mitmacht.

[ 3 ] Now, if we are to conceive of the Earth correctly, we must not imagine it as just any lifeless entity, as it might appear, for example, to the geologist or the mineralogist, who conceives of the Earth solely as a lifeless entity. For if the Earth were merely mineral, as the geologist imagines it, it would never be able to sustain plants, animals, or human beings. Certainly, the geologist is right to focus on what is dead, but he must be aware that in doing so, he is considering only a fragment of the Earth’s existence. But if we imagine this Earth as a living being, then we must also conceive of it in such a way that its living course through time is an integral part of the Earth’s existence. So that this Earth in winter—as we have often discussed—is in a completely different state than in summer, just as a human being is in a different state when asleep than when awake. We must not imagine this in such a way that winter and summer simply sweep across the Earth, but rather that they are something that affects the Earth’s state—that is, its living being—just as the states of waking and sleeping affect us. So this temporal progression is part of earthly existence, if we regard this earthly existence as a living entity. But in saying this, we are also saying that every being connected to this Earth—including this small Earth we are speaking of here—is in this changing state along with the entire Earth, that it participates in it.

[ 4 ] Was bedeutet nun dieser Wechsel von Zuständen für unsere Erde? Sagen wir zum Beispiel, es tritt der Frühling ein. Wenn der Frühling eintritt, so bedeutet es, daß die Sonne in ihrer Wirksamkeit für die Erde in ein ganz anderes Verhältnis tritt, als es während des Winters besteht. Wir könnten auch sagen: Wenn der Frühling eintritt, wird die Erde ergriffen von den Sonnenwirkungen. Wenn während des Winters unsere kleine Erde mit der großen Erde gewissermaßen auf sich selbst angewiesen war, sich die Sonne nicht kümmerte um unsere kleine Erde, wird jetzt von den Sonnenwirkungen, von dem, was außerhalb unserer Erde ist, auch unsere kleine Erde ergriffen. Es wird die Summe von Kräften, die in der kleinen Erde ist, der Erde entrissen. Unsere kleine Erde ist sozusagen nicht mehr auf die Erde allein angewiesen; sie wird von der Sonne in Anspruch genommen, sie wird der Erde entrissen. Ja, wenn so unsere kleine Erde nun der Erde entrissen wird, dann spielen in unsere kleine Erde eben andere Kräfte hinein als die bloßen Erdenkräfte, dann teilen sich unserer kleinen Erde die Außenkräfte mit.

[ 4 ] What, then, does this change in states mean for our Earth? Let’s say, for example, that spring arrives. When spring arrives, it means that the Sun’s influence on Earth takes on a completely different character than it does during winter. We could also say: When spring arrives, the Earth is seized by the Sun’s effects. Whereas during winter our little Earth was, so to speak, left to its own devices with the great Earth—the Sun paid no heed to our little Earth—now our little Earth, too, is seized by the Sun’s effects, by that which lies outside our Earth. The sum of forces within the little Earth is wrested from it. Our little Earth is, so to speak, no longer dependent on the Earth alone; it is claimed by the Sun, it is snatched away from the Earth. Yes, when our little Earth is thus snatched away from the Earth, then forces other than mere earthly forces come into play within our little Earth; then the external forces make themselves felt within our little Earth.

[ 5 ] Nun müssen wir uns diese kleine Erde mit Stoffen ausgekleidet denken. Was Stoff ist, kommt dabei jetzt nicht in Betracht. Vom Herbst bis zum Frühling ist diese kleine Erde also mit sich allein, da kann sie in sich ihre Kräfte entfalten. Dann aber kommt die Sonne, die reißt die Kräfte heraus, so daß unter dem Einfluß der Sonnenwirkung dasjenige, was zuerst in unserer kleinen Erde eingeschlossen war, jetzt in außerirdische Wirkungskreise hineinkommt. Es wird herausgerissen und kommt in außerirdische Wirkungskreise hinein. Das, was zusammengedrängt war, kann sich ausdehnen und bekommt ein Verhältnis auch zum umliegenden Weltenraum unter dem Einfluß der Sonnenwirkung.

[ 5 ] Now we must imagine this small earth as being lined with substances. What these substances are is not relevant here. From fall to spring, this little Earth is thus left to itself, and can unfold its forces within itself. But then the sun comes, and it draws those forces out, so that under the influence of the sun’s action, what was initially enclosed within our little Earth now enters into extraterrestrial spheres of influence. It is drawn out and enters into extraterrestrial spheres of influence. What was previously compressed can now expand and, under the influence of the sun’s rays, establish a relationship with the surrounding cosmos.

[ 6 ] Jetzt hören nach einer gewissen Zeit, gegen den Herbst zu, die Sonnenwirkungen wieder auf. Dann kann diese Entfaltung nicht stattfinden, dann entziehen sich wiederum die Sonnenwirkungskräfte den Erdenwirkungskräften, das heißt, diese Kraftzusammensetzung stellt sich wiederum her. Sie sammelt den Stoff zusammen: die Erde ergreift gleichsam das wieder, was sie eine gewisse Zeit der Sonne überlassen mußte. Die Sonnenwirkungen bleiben jetzt eine Zeitlang weg, der Winter kommt. Es würde, wenn das der Erde überlassen bliebe, eine kleine Erde in der großen Erde die Sonne ganz in Anspruch nehmen. Während des ganzen Winters muß das System der Erdenkräfte drinnen wirksam sein. Die Sonne würde sonst diese kleine Erde ganz für sich einheimsen. Es muß dafür gesorgt werden, daß die Sonne, wenn sie wieder erscheint, diese kleine Erde ergreifen kann; sonst wird sie einfach zu einem Kügelchen, das aufgezehrt wird von der großen Erde. Es muß eine Kraft sich geltend machen, damit die Sonne, wenn sie kommt, wieder heran kann an diese kleine Erde. Dafür aber muß vorgesorgt werden.

[ 6 ] After a certain time, as autumn approaches, the sun’s effects cease once more. Then this unfolding cannot take place; the forces of the sun once again withdraw from the forces of the earth—that is, this combination of forces is reestablished. It gathers the matter together: the Earth, as it were, reclaims what it had to leave to the Sun for a certain time. The Sun’s effects are now absent for a while; winter arrives. If this were left to the Earth, a small Earth within the great Earth would completely monopolize the Sun. Throughout the entire winter, the system of Earth’s forces must be active within. Otherwise, the Sun would completely claim this small Earth for itself. Measures must be taken to ensure that when the sun reappears, it can reclaim this small Earth; otherwise, it will simply become a tiny sphere consumed by the great Earth. A force must assert itself so that when the sun returns, it can once again reach this small Earth. But provisions must be made for this.

[ 7 ] Wenn die Erde ihre eigene Kraft nur in diesem da jetzt drinnen hat (es wird gezeichnet), so ist das eben eine kleine Erde. Die Sonne hat sich zurückgezogen, jetzt ist diese kleine Erde mit der großen Erde für sich allein. Wenn die Sonne wieder kommen würde, was soll sie jetzt machen mit dem, was nur Erde geworden ist? Es muß in Wirklichkeit die Sonne wiederum hereingreifen können — hier ist kein Unterschied, ob die Sonne um die Erde geht oder die Erde um die Sonne —, es muß die Sonne, wenn sie so in einem neuen Verhältnis zur Erde steht, eingreifen können. Sie können sich das etwa auf folgende Weise vorstellen: Denken Sie einmal, ein Mensch stellt sich fest auf und wendet alle seine Kräfte an, um stehenzubleiben. Sie kommen von der Seite und wollen ihn weiterstoßen. Wenn er die Stehkraft in sich genügend erhärtet hat, so werden Sie ihn nicht weiterbringen. Wenn er aber anfängt sich zu bewegen, so werden Sie eingreifen können in seine Bewegungsrichtung. Nehmen Sie an, es wäre da drinnen eine Kraft, welche die umkreisende Bewegung der Sonne, respektive der Erde selber, wie eine innere Schwungkraft da drinnen hätte; nehmen wir an, es würde der kleinen Erde diese Schwungkraft der Sonne mitgeteilt: dann könnte die Sonne wiederum in diese Bewegung, die sie erteilt hat, eingreifen. Dadurch könnte sie wiederum diese kleine Erde der Erde entreißen, und der Vorgang könnte sich wie beschrieben abspielen. Wir hätten da, mit anderen Worten, gegen den Frühling zu eine kleine Erde, in welche die Sonne eingreift durch Bewegungsimpulse, die sie im vorigen Herbst schon erteilt hat. Die Sonne greift ein, entreißt die kleine Erde den bloßen Erdenkräften, entfaltet in Gemäßheit der Sonnenwirkung im Größeren das, was nur auf die kleine Erde beschränkt ist. Die Kräfte müssen sich zusammenziehen, und der kleinen Erdkugel muß die Schwungkraft der Sonne verliehen werden. Sie ahnen schon, um was es sich handelt: ich habe skizzenhaft geschildert, was geschieht während des Wachstums der Pflanzen, der Entfaltung der Pflanzen in Blätter, Blüten und Früchte. Ich habe Ihnen hier beschrieben die Mitwirkung des Sonnenschwunges: das ist die Befruchtung; der Same ist befruchtet und bleibt so bis zum nächsten Jahre, wo er wiederum von der Sonne ergriffen wird. Das kleine Körnchen, das die Befruchtung bei der Pflanze ausführt, das ist das Wesen, in welches durch die Sonnenreifung die Möglichkeit gelegt ist, diese Schwungkraft dem irdischen Teile zu vermitteln.

[ 7 ] If the Earth has its own power only within this here and now (it is being drawn), then that is simply a small Earth. The Sun has withdrawn; now this little Earth is left alone with the great Earth. If the Sun were to return, what would it do now with what has become merely Earth? In reality, the Sun must be able to intervene again—it makes no difference here whether the Sun orbits the Earth or the Earth orbits the Sun—the Sun, when it stands in this new relationship to the Earth, must be able to intervene. You can imagine this roughly as follows: Imagine a person standing firmly and using all their strength to remain standing. You approach from the side and try to push them forward. If they have sufficiently strengthened their ability to stand firm, you will not be able to move them. But if they begin to move, you will be able to intervene in the direction of their movement. Suppose there were a force within it that possessed the Sun’s orbital motion—or rather, the Earth’s own motion—as an internal momentum; suppose this momentum of the Sun were imparted to the small Earth: then the Sun could in turn intervene in this motion that it had imparted. Through this, it could once again snatch this small Earth away from the Earth, and the process could unfold as described. In other words, around springtime we would have a small Earth into which the Sun intervenes through impulses of motion that it had already imparted the previous fall. The Sun intervenes, snatches the small Earth away from the mere forces of the Earth, and—in accordance with the Sun’s effect on the larger whole—unfolds within the larger context that which is otherwise limited to the small Earth. The forces must contract, and the small earth must be endowed with the Sun’s momentum. You can already guess what this is about: I have sketched out what happens during the growth of plants, the unfolding of plants into leaves, flowers, and fruits. I have described to you here the contribution of the sun’s momentum: this is fertilization; the seed is fertilized and remains so until the following year, when it is once again taken up by the sun. The tiny grain that carries out fertilization in the plant is the being into which, through the sun’s ripening process, the potential is placed to impart this momentum to the earthly part.

[ 8 ] Sie sehen, wir haben hier eine lebendige Wechselwirkung zwischen Irdischem und räumlich Außerirdischem. Wir können uns nicht vorstellen, daß der Pflanze Wachstum weiter gedeihe, ohne daß die Sonne ihr übrigläßt eine Nachbildung ihrer Schwungkraft, in die sie das nächste Jahr wieder eingreifen kann. Mit anderen Worten: Wenn wir die Pflanze betrachten, so betrachten wir wirklich nicht bloß etwas, was mit der Erdenwirksamkeit zusammenhängt, sondern wir sehen in dem ganzen Zyklus des Pflanzenvorganges eine Wechselwirkung von Sonne und Erde. Es kommen noch andere planetarische Zustände in Betracht; davon wollen wir aber jetzt absehen, wir wollen den Sinn des ganzen Vorganges auffassen. Wir wollen uns vergegenwärtigen, wie das, was wir auf der Erde sehen, nicht bloß ein irdisches Produkt ist, sondern wie es auch ein Sonnenprodukt ist. Der Umstand, daß sich das menschliche Wissen gewöhnlich beschränkt auf das, was auf der Erde innen und außen vorgeht, verhindert, daß man zu einer wirklichen Anschauung, zu einer wirklichen Erkenntnis über die Dinge kommt. Denn mit bloßen Erdenkräften werden bloß unsere Mineralien geformt. In dem Augenblick, wo wir über das bloß Mineralische hinausgehen in das Pflanzliche, da müssen wir sagen, daß in dem Irdischen selber nicht mehr die Kräfte sind, welche die Dinge formen.

[ 8 ] As you can see, we have here a living interaction between the earthly and the extraterrestrial. We cannot imagine that the plant’s growth would continue to flourish without the sun leaving it a reflection of its own momentum, which it can draw upon again the following year. In other words: When we observe the plant, we are not merely observing something connected to earthly forces; rather, we see in the entire cycle of the plant’s life a mutual interaction between the sun and the earth. Other planetary influences also come into play; but let us set those aside for now and focus on grasping the meaning of the entire process. Let us bear in mind that what we see on Earth is not merely an earthly product, but is also a product of the Sun. The fact that human knowledge is usually limited to what takes place on Earth, both internally and externally, prevents us from arriving at a true perception, at a true understanding of things. For mere earthly forces shape only our minerals. The moment we move beyond the purely mineral realm into the plant realm, we must acknowledge that the forces that shape things are no longer to be found within the earthly realm itself.

[ 9 ] Die Materialisten hoffen immer, daß sie einmal den Pflanzensamen so wie irgendeine andere chemische Zusammensetzung im Laboratorium erzeugen werden. Nicht um dieses Erzeugen handelt es sich bei der Gegnerschaft gegen den Materialismus, sondern darum, daß, indem man vom Mineral zur Pflanze vorrückt, vom chemischen Produkt zum Lebendigen, das Erzeugen nur durch einen überirdischen Prozeß vor sich gehen kann. Und bevor es gelingen wird, dieses Ideal des Materialismus auszuführen, Pflanzensamen ebenso herzustellen wie mineralische Produkte, chemische Substanzen, werden die Materialisten lernen müssen — wenn ich mich grotesk ausdrücken will —, an die Astrologie zu glauben, zu glauben, daß sie einen Vorgang, den sie werden bewirken wollen, unter den Einfluß der Sternenwirkungen stellen müssen. Es wird Laboratorien geben müssen, welche so arbeiten, daß sie mit dem Gang des Jahres arbeiten, und daß sie ebenso berücksichtigen müssen die Konstellation der Gestirne, wie draußen in der Natur die Konstellation der Gestirne berücksichtigt wird. Man muß sich von der Erde erheben, wenn man sich vom Toten zum Lebendigen erhebt. Denn es muß mitarbeiten bei der Entstehung des Lebendigen das ÄtherischLeibliche. Dieses ist aber niemals bloß abhängig von dem bloß Irdischen, sondern von dem, was in der ganzen Welt draußen verbreitet ist. Dasjenige, was bloß physisch ist, das überschauen wir, wenn wir unser Irdisches überschauen; vom irdischen Standpunkt überschauen wir das Physische, indem wir das Irdische überschauen. Dasjenige, was für unsere Erde ätherisch ist, das ist noch immer ausgesetzt dem gesamten Weltenall.

[ 9 ] Materialists always hope that one day they will be able to produce a plant seed in the laboratory just as they would any other chemical compound. The opposition to materialism is not about this creation itself, but rather about the fact that, as one moves from minerals to plants—from chemical products to living beings—this creation can only take place through a supernatural process. And before they succeed in realizing this ideal of materialism—producing plant seeds just as they produce mineral products and chemical substances—materialists will have to learn—if I may put it in grotesque terms—to believe in astrology, to believe that they must subject a process they wish to bring about to the influence of the stars. There will have to be laboratories that operate in such a way that they work in harmony with the course of the year, and that they must take into account the constellations of the stars just as they are taken into account out in nature. One must rise above the earth if one is to rise from the dead to the living. For the etheric-physical must cooperate in the creation of the living. But this is never dependent solely on what is merely earthly, but rather on what is spread throughout the entire outer world. We survey what is merely physical when we survey our earthly existence; from the earthly standpoint, we survey the physical by surveying the earthly. That which is ethereal for our Earth is still subject to the entire universe.

[ 10 ] Wenn wir nun noch weitergehen zum Astralischen, dann kommen wir zu einem Elemente, das überhaupt nicht mehr dem Sichtbaren ausgesetzt ist. Und würde ich Ihnen das, wie ich es für die Pflanze entwickelt habe durch ein Schema, für das Tierische zu entwickeln haben, so würde sich das komplizierter ausnehmen; aber Sie würden sehen, daß da zu dem Irdischen nicht nur das Außerirdische und noch in der Sternenwelt Sichtbare in Betracht kommt, sondern daß überhaupt Übersinnliches in Betracht kommt, das nicht einmal beschlossen ist in der Sternenwelt. Man muß aus dem Reiche des Sichtbaren hinausgehen.

[ 10 ] If we now proceed further into the astral realm, we arrive at an element that is no longer subject to the visible at all. And if I were to develop a schema for the animal realm—as I have done for the plant realm—it would appear more complicated; but you would see that, in addition to the earthly realm, we must consider not only the extraterrestrial—and what is still visible in the world of the stars—but also the supersensible realm, which is not even confined to the world of the stars. One must go beyond the realm of the visible.

[ 11 ] Ich wollte eine solche Betrachtung vor Ihnen anstellen, damit Sie sich einen Einblick verschaffen in das wirklich tief innerlich Geheimnisvolle desjenigen, was auch in der Alltäglichkeit, im täglichen Pflanzenwachstum vor sich geht, damit Sie einen Einblick gewinnen, wie es in den befruchtenden Körnern der Pflanzenblüte, die um den Fruchtknoten herum kreisförmig oder sonst verteilt sind, im wesentlichen darauf ankommt, daß außerirdische Wirkungen in ihnen enthalten sind, und wie es bei dem Samen selber darauf ankommt, daß er im Grunde ein Abbild der ganzen Erdenwirkung ist, daß er eine kleine Erde ist. Die Wechselwirkung, die in der Pflanzenblüte durch die Befruchtung geschieht, ist ein Abbild des Vorganges, der sich abspielt zwischen der Erde und der gesamten Sternenwelt des umliegenden Weltenraumes.

[ 11 ] I wanted to present this perspective to you so that you might gain insight into the truly profound and inner mystery of what takes place even in everyday life, in the daily growth of plants, so that you may gain insight into how, in the fertilizing grains of the plant flower—which are arranged in a circle or otherwise distributed around the ovary—it essentially depends on the fact that extraterrestrial forces are contained within them, and how, in the case of the seed itself, it is fundamentally a reflection of the entire earthly process, that it is a small earth. The interaction that takes place in the plant flower through fertilization is a reflection of the process that unfolds between the Earth and the entire starry world of the surrounding cosmos.

[ 12 ] Wir sind ja im Grunde überall von Geheimnissen umgeben, und die Erkenntnis und das Erkenntnisstreben spornt immer zur tiefsten Bescheidenheit an. Denn denken Sie sich, wie weit der Weg ist von der Anschauung einer solchen Sache im allgemeinen bis zu der konkreten Anschauung der Einzelheiten von alledem, was als Pflanzendecke die

[ 12 ] We are, after all, surrounded by mysteries everywhere, and knowledge—and the pursuit of it—always inspires the deepest humility. For just imagine how far the path stretches from a general conception of such a thing to a concrete understanding of the details of everything that constitutes the plant cover of the

[ 13 ] 4419 Erde bedeckt. Das Feld der Erkenntnis eröffnet sich damit wirklich als ein unendliches. Wir stehen sozusagen an jedem Punkte unseres Daseins der Unendlichkeit gegenüber. Und es gehört zu der rechten Stimmung, die der Mensch entfalten soll der Welt gegenüber, einen Sinn zu haben dafür, daß man überall eigentlich in ein unendliches Dasein hineinblickt. Dadurch fühlt man aber auch ein gewisses Band zwischen dem einzelnen endlichen Menschendasein und dem Unendlichen, der ganzen Welt. Und diese Stimmung müßte man eigentlich ausgießen über alles einzelne, was die Geisteswissenschaft uns bringen kann, denn ohne diese verehrungsvolle Stimmung gegenüber dem Unendlichen läßt sich eigentlich nichts mit der richtigen Empfindung in der Geisteswissenschaft erfassen. Man muß zuweilen eine solche Stimmung in sich erneuern, damit man aufhört, die Erkenntnis als etwas zu betrachten, was so wie ein auch im Leben Verlaufendes nebenher aufgesucht wird, während sie in der Tat zum allerheiligst Geistigen gehören muß, das in unser Leben eingreift.

[ 13 ] 4419 Earth. The field of knowledge thus truly reveals itself as infinite. We face infinity, so to speak, at every point of our existence. And part of the proper attitude that a person should cultivate toward the world is to have a sense that, everywhere, we are actually looking into an infinite existence. Through this, however, we also feel a certain bond between the individual, finite human existence and the infinite—the whole world. And this attitude should actually be applied to everything that spiritual science can offer us, for without this reverent attitude toward the infinite, nothing in spiritual science can truly be grasped with the proper sensibility. One must renew this attitude within oneself from time to time so that one ceases to regard knowledge as something that is sought out incidentally, as if it were merely another aspect of life, whereas in fact it must belong to the most sacred spiritual realm that intervenes in our lives.

[ 14 ] Wenn man sich solchen Stimmungen hingibt, dann wird man auch dasjenige mit der richtigen Gesinnung entgegennehmen, was in unserer Gegenwart aus den Quellen der Geisteswissenschaft heraus für den notwendig in die Welt kommenden Fortschritt von unserer Gegenwart an in die Zukunft hinein immer mehr wird verkündet werden müssen. Und wenn man sich eine solche Gesinnung entwickelt hat, dann ist diese Gesinnung in unserer Seele etwas Wirksames. Sie ist da wirklich nicht bloß etwas Abstraktes, sondern sie ergreift unsere Seele, sie durchwärmt, sie durchleuchtet unsere Seele. Und dadurch kann erst das Richtige aus der Geisteswissenschaft hervorgehen, daß unsere Seele gewissermaßen eine andere wird dadurch, daß also durchfühlt werde das, was durch die Geisteswissenschaft erforscht werden kann. Wenn wir solche Stimmung in unsere Seele hineinbringen, dann gehen uns erst in der rechten Weise über das, was sonst im Leben an uns vorbeifließt, ohne daß wir in der rechten Weise uns dazu stellen können, die Rätsel auf.

[ 14 ] If one surrenders to such sentiments, then one will also receive with the right attitude what, in our time, must increasingly be proclaimed from the sources of spiritual science—namely, the progress that is necessary for the world, extending from the present into the future. And once one has developed such an attitude, this attitude becomes a living force within our soul. It is truly not merely something abstract; rather, it takes hold of our soul, warms it, and illuminates it. And it is only through this—that our soul, so to speak, becomes transformed—that the true essence of spiritual science can emerge, namely, by truly feeling what can be explored through spiritual science. When we bring such a disposition into our soul, only then do the mysteries of life—which otherwise flow past us without our being able to relate to them in the right way—unfold before us in the proper manner.

[ 15 ] Es ist wirklich ein innerer Seelenzusammenhang zwischen diesen allgemeinen Betrachtungen, die ich jetzt angestellt habe, und dem, was ich nun weiter mit Bezug auf das Menschenleben sagen will. Man kann, wenn man den Blick hinrichtet zur Pflanze, wenn man sie hervorsprießen sieht aus der Erde, die Seele so stimmen, daß sie das Gefühl hart: Was da als Grünes hervorsprießt, es nimmt seinen Ausgang von einem so komplizierten kleinen Wesen, dem Samen, daß dieses kleine Wesen — von gewissen Gesichtspunkten aus — ein Abbild der ganzen Erde ist, daß bei dem, was ich da emporsprießen sehe vom Blatt zur Blüte, von der Blüte zur Frucht, das ganze Weltenall mitwirkt. Wenn ich ein grünes Pflanzenblatt am Stengel mir ansehe, so wird mir bewußt: In diesem Blatt, so wie es sich ansetzt, wie es grünt, wird von der Sonnenwirkung umspielt, was zuerst eingeschlossen war in der kleinen Erde, was entrissen worden ist der Erde, bis die Sonnenwirkungen es ergriffen haben. Dann lassen die Sonnenwirkungen ihr aber zurück ihre Schwingungsimpulse, nachdem sie unmöglich gemacht haben, daß sich das, was in der kleinen Erde war, ausbreitet, wenn es sich wiederum zusammenziehen muß. Wir sehen gewissermaßen in der aufsprießenden, sich entfaltenden Pflanze ein Bild gewisser Wirkungen des ganzen großen Kosmos. Wir müssen das, was sich unseren Sinnen darbietet, in dieser Weise als etwas betrachten, das uns in jedem Punkte Geheimnisse enthüllt, die den ganzen Kosmos durchwallen und durchweben.

[ 15 ] There really is an inner spiritual connection between these general observations I have just made and what I now wish to say with regard to human life. When one turns one’s gaze to a plant, when one sees it sprouting from the earth, one can attune one’s soul so that one feels: What sprouts forth there as greenery originates from such a complex little being—the seed—that this little being, from certain points of view, is a reflection of the entire Earth; that in what I see sprouting upward—from leaf to flower, from flower to fruit—the entire universe is at work. When I look at a green plant leaf on its stem, I realize: In this leaf, just as it attaches itself, just as it turns green, the effects of the sun play around what was first enclosed within the little earth, what was torn from the earth until the sun’s effects took hold of it. But then the sun’s forces leave behind their vibrational impulses, having made it impossible for what was in the tiny earth to spread out when it must contract again. In a sense, we see in the sprouting, unfolding plant a reflection of certain forces of the entire vast cosmos. We must regard what presents itself to our senses in this way—as something that reveals to us, at every point, mysteries that surge through and interweave the entire cosmos.

[ 16 ] So aber steht auch das Menschenleben selber mit dem ganzen Kosmos im Zusammenhang und jetzt auch mit dem, was von den außerirdisch-sichtbaren Körpern und Vorgängen uns gegenüber da ist. Ganz besonders bedeutsam aber tritt uns das, was da in den irdischen Vorgängen erscheint, vor das Auge, wenn wir, ich möchte sagen, die Abweichungen von dem ins Auge fassen, was sich uns eingewöhnt als das normale Erdenleben, das normale Menschenleben. Zwar sehen wir fortwährend viel mehr Abweichungen als eigentlich Normales im Leben, aber das gewöhnliche Erkennen, das sich auf die Sinnenwelt beschränkt, läßt sich nicht ein auf diese Abweichungen, man möchte sagen, es läßt sich nicht ein auf den Sinn dieser Abweichungen. Wir leben in einer Zeit, in der sich uns, zusammengedrängt, viele Abweichungen zeigen, die zu gleicher Zeit so rechte Rätselfragen sind. Sehen wir nicht in dieser Zeit einer schweren Prüfung der Menschheit zahlreiche unserer Menschenbrüder frühzeitig durch die Pforte des Todes gehen? Wir sehen sie so durch die Pforte des Todes gehen, daß sie nun nicht durch irgendeine Krankheit, also durch etwas, was im eigenen Organismus ist, durch die Pforte des Todes gehen, sondern gewaltsam sehen wir sie

[ 16 ] In this way, human life itself is also connected to the entire cosmos and now also to what is present before us in the form of visible extraterrestrial bodies and processes. What appears in earthly processes, however, strikes us as particularly significant when we—I would say—consider the deviations from what we have come to regard as normal earthly life, normal human life. Admittedly, we constantly see far more deviations than what is actually normal in life, but ordinary perception, which is limited to the sensory world, does not engage with these deviations; one might say it does not engage with the meaning of these deviations. We live in a time when many deviations present themselves to us in rapid succession, and at the same time they are true enigmas. Do we not see, in this time of severe trial for humanity, many of our fellow human beings passing through the gates of death prematurely? We see them passing through the gates of death not because of any illness—that is, something within their own organism—but rather, we see them being forcibly

[ 17 ] durch diese Pforte des Todes gehen. Denn es ist etwas anderes, ob eine _ Menschenseele durch die Pforte des Todes geht so, daß sie durch eine Krankheit im jugendlichen Alter stirbt oder dadurch, daß ihr Organismus von einer Kugel getroffen wird, oder auf irgendeine andere Art gewaltsam hinweggenommen wird von dem Seelisch-Geistigen. Aber ich habe schon gestern davon gesprochen: Was sich hier vollzieht zwischen Geburt und Tod, das ist alles bedeutsam im ganzen Zusammenhang des Lebens; wir müssen es als Karmazusammenhänge hinnehmen, wir müssen uns in das Karma hineinfügen, wie es gegeben ist. Aber es ist bedeutsam das, was geschieht.

[ 17 ] pass through this gate of death. For it is one thing for a human soul to pass through the gate of death by dying of an illness in youth, and quite another for it to be violently torn away from the soul-spiritual realm—whether by a bullet striking its body or by some other means. But I already spoke of this yesterday: What takes place here between birth and death is all significant within the overall context of life; we must accept it as karmic connections, we must submit to karma as it is given. But what happens is significant.

[ 18 ] Nun betrachten wir einmal den Fall, daß der physische Organismus von dem Seelisch-Geistigen hinweggenommen wird durch eine Kugel in verhältnismäßig jugendlichem Alter. Gegenüber dem, was wir in uns eingewöhnt haben — daß der Mensch seinen Organismus selber aufbraucht —, ist das ein Abnormes. Es ist daher eine doppelte Rätselfrage. Ist schon der Tod allein für das unmittelbare Anschauen ein Rätsel, das eben durch die Geisteswissenschaft sich enthüllt, ein doppeltes Rätsel entsteht noch, wenn nun der Verlauf des Lebens nicht so ist, daß durch innere organische Vorgänge der Organismus dem Geistig-Seelischen weggenommen wird, sondern wenn dies etwa durch eine Kugel geschieht.

[ 18 ] Now let us consider the case in which the physical organism is taken away from the soul-spiritual being by a bullet at a relatively young age. Compared to what we have grown accustomed to—that a person wears out his or her own organism—this is an anomaly. It is therefore a twofold mystery. If death itself is already a mystery to direct observation—one that is revealed precisely through spiritual science—a double mystery arises when the course of life is not such that the physical body is taken from the soul and spirit through internal organic processes, but rather when this happens, for example, through a bullet.

[ 19 ] Es gehört dem Universum, dem Kosmos gegenüber eine innere Stimmung in die Seele hinein, die sich erzeugt durch solche einfache Erwägungen, die aber, mit aller Tiefe erfaßt, uns ergreift mit einem inneren Stimmungszusammenhang gegenüber den Geheimnissen des Universums. Und dann, wenn die Seele so ergriffen ist, dann treten wir auch mit der nötigen verehrungsvollen Stimmung und Würde und mit dem nötigen Ernst dem Ereignisse entgegen, das ich eben angedeutet habe: daß auf gewaltsame Weise dem menschlichen Geistig-Seelischen das Physisch-Leibliche weggenommen wird. Und dann tritt diese Frage wie eine Rätselfrage vor unserer Seele auf. Denn wie eine solche Frage auftritt, darauf kommt es an, ob man irgend etwas beitragen kann zu ihrer Lösung oder nicht. Wenn ein Mensch eben noch ein Festmahl durchgemacht hat und sich dann ausgeruht hat und nun an seine geistige Arbeit sich setzt, dann wird er die tiefe Rätselfrage nicht lösen, dann wird er nicht die Stimmung finden, auf die es ankommt. Wenn er aber der Rätselfrage entgegentritt und seine Seele von der rechten Stimmung durchtränkt hat gegenüber dem Universum, dann können ihm die Rätsel aufgehen.

[ 19 ] It is an inner mood within the soul toward the universe, toward the cosmos, one that arises from such simple reflections, but which—when grasped in all its depth—moves us with a sense of inner harmony in the face of the mysteries of the universe. And then, when the soul is thus moved, we also approach the event I have just alluded to with the necessary reverence, dignity, and seriousness: that the physical-bodily aspect is violently taken away from the human spiritual-soul aspect. And then this question arises before our soul like a riddle. For how such a question presents itself determines whether one can contribute anything to its solution or not. If a person has just been through a festive meal, has then rested, and now sits down to his spiritual work, he will not solve the profound riddle; he will not find the mood that is essential. But if they face the riddle head-on and have imbued their soul with the right mood toward the universe, then the riddles may become clear to them.

[ 20 ] Wenn nun der Geistesforscher mit einer solchen Stimmung der Seele sich vor das Todesrätsel hinstellt, das so an uns herantritt, daß auf gewaltsame Weise dem Seelisch-Geistigen der physische Leib entrissen wird, dann taucht allerlei in der Seele auf, was zur Lösung des Rätsels beitragen kann. Dann kommen einem die richtigen Impressionen, die man braucht, um eine solche Sache aufzuklären. Nicht aus jeder Seelenstimmung können sie hervorgehen, diese Impressionen, sondern nur aus der richtigen Seelenstimmung. Damit Sie dieses innerlich anschaulich vor sich haben, wählte ich gerade diesen Weg, den ich heute gewählt habe, indem ich Ihnen gleichsam zeigte, wie dem Geistesforscher sich eine solche Aufgabe vor seine Seele stellt. Dem Geistesforscher tritt also, wenn er sich so gestimmt hat, die angedeutete Rätselfrage vor die Seele. Dann taucht aber etwas ganz anderes auf: Wie sonst gesetzlos Gedanke neben Gedanke sich stellt, so stellt sich dann gesetzmäßig eine Impression vor die Seele hin, neben die Frage. Und dann kann sich hinstellen, wenn man empfunden hat dieses Rätsel, das Todesrätsel, dann kann man, wie etwas, was dazu gehört, empfinden die andere Frage: Ja, wie nehmen die Menschen eigentlich — je nach ihrer besonderen Artung — das Leben hin? — Und da entwickeln sich einem allerlei Gedanken, Gedanken, die ich jetzt vor Ihrer Seele selber ausbreiten will.

[ 20 ] When the spiritual researcher, with such a state of mind, confronts the mystery of death—which approaches us in such a way that the physical body is violently torn away from the soul and spirit—all sorts of things arise in the soul that can contribute to solving the mystery. Then the right impressions come to one—the ones needed to shed light on such a matter. These impressions cannot arise from just any state of mind, but only from the right one. So that you might visualize this clearly within yourselves, I chose precisely this approach today, showing you, as it were, how such a task presents itself to the spiritual researcher’s soul. So when the spiritual researcher has attuned himself in this way, the enigmatic question I have alluded to presents itself to his soul. But then something quite different emerges: just as thoughts otherwise arise haphazardly, one after another, so now an impression arises in an orderly manner before the soul, alongside the question. And then, once one has sensed this riddle—the riddle of death—one may, as something that belongs to it, sense the other question: Yes, how do people actually—depending on their particular nature—accept life? —And from there, all sorts of thoughts develop within one, thoughts that I now wish to unfold before your very souls.

[ 21 ] Gerade in unserem gegenwärtigen Zeitenzyklus lassen ja die Menschen nur das so recht als eine Wirklichkeit gelten, was nicht ein «bloßer Gedanke» ist. Der Gedanke ist für sie eigentlich nichts Wirkliches. Und sie mögen von ihrem Standpunkt aus recht haben, aber es ist eben eine gewisse Stimmung der Seele. Das, was wirklich ist, das muß schon derber an den Menschen herantreten als ein bloßer Gedanke, recht sehr derb. Ein bloßer Gedanke ist eben — ein bloßer Gedanke! Aber das, was man als seiend bezeichnet, das darf für die gegenwärtigen Menschen nur ja kein bloßer Gedanke sein. Was sich als bloßer Gedanke gibt, das bezeichnet der Mensch heute eben als nicht seiend. Das Seiende muß derb sich hineinstellen in die Welt, muß nicht bloß zum Gedanken sprechen. Aus dieser Stimmung heraus glauben die Menschen nur dann in der Wirklichkeit zu stehen, wenn sie von dieser Wirklichkeit als einem Seienden, einem Sein sprechen können, wenn sie gezwungen werden, diese Wirklichkeit durch das Sein anzuerkennen.

[ 21 ] Especially in our current cycle of time, people tend to regard as reality only that which is not a “mere thought.” For them, a thought is, in fact, not something real. And while they may be right from their point of view, it is simply a certain state of mind. That which is real must approach human beings in a much more concrete way than a mere thought—very concrete indeed. A mere thought is, after all, just that—a mere thought! But that which is described as “being” must by no means be a mere thought for people today. What presents itself as a mere thought is precisely what people today describe as not being. That which is must assert itself forcefully in the world; it must not merely speak to the mind. From this perspective, people believe they are standing in reality only when they can speak of this reality as a being, as existence, when they are compelled to acknowledge this reality through existence.

[ 22 ] Nun, wenn wir von dieser Welt, in der wir hier stehen, in die geistige Welt hinaufsteigen, die der Mensch bewohnt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, so ist der unbehaglichste Gedanke, möchte man sagen, der Gedanke des Seins, der sich hier in der physischen Welt gebildet hat. Ein Sein, das so ist wie das Sein in der physischen Welt, das stört den entkörperten Menschen in der geistigen Welt. Gerade das, was man hier in der Wirklichkeit als das Unwirkliche im Gegensatz zum Seienden bezeichnet, ist das Wirkliche in der geistigen Welt. Was dort an einen herantreten würde so wie hier das Seiende, das würde man abweisen, das würde schreckhaft sein, das würde etwas sein, was nicht in die geistige Welt hineingehört. Es ist das ein ungeheuer bedeutungsvoller Gedanke. Wenn man so trivial reden würde in der geistigen Welt wie hier, so könnte man als Geist etwa sagen, wenn einem so etwas entgegentritt, wie die Dinge einem hier entgegentreten: Was soll ich denn damit machen? Das ist ja gar nicht! — Denn in der geistigen Welt muß ich die Möglichkeit haben, alles das, was mir als Imagination entgegentritt, mitmachen zu können — es ist das auf der untersten Stufe der Erkenntnis in der geistigen Welt —, das heißt, es überführen zu können in die Anschauung durch meine eigene Tätigkeit. Während in unserer Zeit die Menschen nur das als die Wirklichkeit anerkennen, wozu sie nichts getan haben, kann man das jetzt

[ 22 ] Now, when we ascend from this world, in which we stand here, into the spiritual world inhabited by human beings once they have passed through the gate of death, the most unsettling thought—one might say—is the concept of being that has taken shape here in the physical world. A sense of being that is like that in the physical world disturbs the disembodied human being in the spiritual world. Precisely what is called here in reality the “unreal”—in contrast to the “real”—is the “real” in the spiritual world. Anything that would approach one there in the same way that “being” does here would be rejected; it would be frightening; it would be something that does not belong in the spiritual world. This is an immensely significant thought. If one were to speak as trivially in the spiritual world as one does here, one might say, as a spirit, when something like this confronts one—just as things confront one here: “What am I supposed to do with that? That’s not real at all!” — For in the spiritual world, I must have the ability to participate in everything that approaches me as imagination—this is the lowest level of knowledge in the spiritual world—that is, to be able to transform it into intuition through my own activity. Whereas in our time people recognize as reality only that to which they have contributed nothing, one can now

[ 23 ] ‘nicht anerkennen in der geistigen Welt. Sondern in der geistigen Welt ist es so, daß man etwas dazu tun muß, daß man mitarbeiten muß, damit das entsteht, was einem dort als die Wirklichkeit erscheinen soll, man muß überall! mittun.

[ 23 ] “Do not assume anything in the spiritual world. Rather, in the spiritual world, one must do something to bring it about; one must cooperate so that what is to appear to one there as reality can come into being—one must participate everywhere!

[ 24 ] Es ist so, daß derjenige, der entkörpert in der geistigen Welt ist, die geistige Welt um sich herum insoweit schaut, als er darinnen tätig ist. Und was er schaut, ohne daß er tätig ist, das ist dort jenseitige Welt, die Welt, die unsere diesseitige Welt ist. Wenn der Entkörperte auf die Erde schaut, so sieht er das, was da ist, ohne daß er mittut. Wie wir hier auf der Erde unsere sichtbare Welt, unsere wirkliche Welt, unsere seiende Welt als das Diesseits bezeichnen und das, was nicht gesehen wird, als Jenseits, so ist es gerade umgekehrt von dem Standpunkte der geistigen Welt aus. In der geistigen Welt ist rein nichts außer dem, was wir dadurch aus dem Nichts in die Gegenwart schaffen, daß wir mittun: Das ist dann das Diesseits. Sonst ist das Diesseits in der geistigen Welt finster und stumm und öde, wenn wir nicht darinnen handeln seelisch-geistig. Das Jenseits aber ist da, ohne daß wir arbeiten. Während wir hier hinaufblicken zum Unbekannten, blicken wir von der geistigen Welt auf das, was uns hier bekannt ist, aber das ist gerade das Jenseits, das keine Wirklichkeit hat, weil es ist, ohne daß man etwas dazu tut. — Mit solchen Vorstellungen muß man sich schon einmal bekanntmachen.

[ 24 ] The fact is that a person who is disembodied in the spiritual world perceives the spiritual world around them to the extent that they are active within it. And what they perceive without being active is the world beyond—the world that is our world here on earth. When the disembodied being looks down upon the Earth, they see what is there without participating in it. Just as we here on Earth refer to our visible world, our real world, our world of being, as the “here and now,” and to that which is not seen as the “beyond,” so it is exactly the opposite from the perspective of the spiritual world. In the spiritual world, there is absolutely nothing except what we bring into existence from nothing through our active participation: that is then the “here and now.” Otherwise, the “here and now” in the spiritual world is dark, silent, and desolate unless we act within it through our soul and spirit. The Hereafter, however, exists without our doing anything. While we look up here toward the unknown, from the spiritual world we look down upon what is familiar to us here—but that is precisely the Hereafter, which has no reality because it exists without our doing anything to bring it about. — One must familiarize oneself with such concepts.

[ 25 ] Nun gibt es jetzt innerhalb unseres physischen Diesseits, unserer physischen Wirklichkeit etwas, was nicht alle, aber doch gewisse Menschen als etwas Bedeutungsvolles gelten lassen, trotzdem es nicht zst, etwas, was einzelne Menschen hereintragen in diese sonst seiende Wirklichkeit, und demgegenüber diejenigen, die ein Verständnis dafür haben, sich so verhalten, daß sie es gelten lassen, trotzdem es keine derbseiende Wirklichkeit hat: Das sind die Ideale, welche die Menschen haben. Die Idealisten tragen in unsere sinnliche Wirklichkeit etwas hinein, was wertvoll ist: die Ideale, nach denen sich der Mensch richtet, die nicht derbe, materielle Wirklichkeit haben, und die nur der grobe Materialist eben nicht gelten läßt. Nun sind diese Ideale aber zu gleicher Zeit etwas ungeheuer Wertvolles im diesseitigen Leben, die Ideale sind das, was die Richtungsimpulse für unser Leben gibt, sie sind das, was wir begehren, damit wir uns daran halten können. In gewisser Beziehung machen diese Ideale das Leben wertvoll, indem sich der Mensch nach ihnen richtet. Es muß mit den Idealen etwas im materialistischen Sinne Unwirkliches in unsere sinnliche Wirklichkeit hineingetragen werden, damit nicht das entstehe, was wir etwa in dem Sinne charakterisieren müssen: Das bloße Dasein wäre öde, wenn nicht die Ideale da wären, wenn der Mensch sie nicht darinnen finden würde. Unter diejenigen, welche keine Ideale haben, müssen die Idealisten treten, die gleichsam etwas entwickeln in unserer Wirklichkeit, was ein Abbild ist der jenseitigen Wirklichkeit, was nicht ein Seiendes ist, was nicht das Seiende beansprucht und dennoch ein Wertvolles ist, ja, einen absoluten Wert hat.

[ 25 ] Now, within our physical world, our physical reality, there is something that not everyone, but certain people, regard as significant, even though it does not, at present, exist—something that individual people bring into this otherwise existing reality, and in contrast, those who understand it behave in such a way that they accept it, even though it has no tangible reality: These are the ideals that people hold. Idealists bring into our sensory reality something that is valuable: the ideals by which people guide themselves, which have no gross, material reality, and which only the crude materialist refuses to acknowledge. Yet at the same time, these ideals are something immensely valuable in this earthly life; ideals are what provide the guiding impulses for our lives; they are what we desire so that we can adhere to them. In a certain sense, these ideals make life valuable by serving as a guide for human beings. Through these ideals, something that is, in a materialistic sense, unreal must be brought into our sensory reality, so that we do not end up with what we might characterize as follows: mere existence would be bleak if ideals did not exist, if human beings did not find them within it. Among those who have no ideals, the idealists must step forward, developing, as it were, something within our reality that is a reflection of the reality beyond—something that is not a being, that makes no claim to being, and yet is valuable, indeed, possesses absolute value.

[ 26 ] Nachdem der Geistesforscher nun diese seine ihm naturgemäße Impression entwickelt hat, führt ihn seine Forschung wiederum zurück zu der Rätselfrage nach dem von einer Kugel im jugendlichen Alter getroffenen Menschen. Und er muß nun fragen: Gibt es für die von hier aus jenseitige Welt, in der die entkörperten Menschen und die geistigen Wesen, die seelischen Wesen leben, etwas, was dem Idealismus hier auf der Erde entspricht? Gibt es für die jenseitigen Wesen etwas Ähnliches wie die Ideale hier auf der Erde? — Und siehe da, es stellt sich das Folgende heraus. Nehmen wir einen Menschen, der im jugendlichen Alter von einer Kugel getroffen worden ist: sein Ätherleib trennt sich von dem physischen Leibe, der physische Leib ist auf gewaltsame Weise weggegangen. Selbstverständlich muß die Gewalt von außen kommen. Es kann niemals das, was ich gesagt habe, gelten, wenn der eigene Entschluß vorliegt. Der Vorgang muß von außen kommen. Der Ätherleib hat also, wie ich schon betonte, Kräfte in sich, die noch weiter, vielleicht jahrzehntelang das Leben hätten versorgen können hier auf der Erde. Diese Kräfte vergehen nicht, sie bleiben. Derjenige, der so seinen Ätherleib nun ablegt, übergibt die Kräfte seines Ätherleibes der allgemeinen Welt. Er ist aber auf die angedeutete Weise in die geistige Welt hineingekommen, beziehungsweise es ist ihm sein Leib genommen worden. So geht er nun in die geistige Welt als ein Entkörperter hinauf. Es bleibt von ihm etwas in der physischen Welt zurück, was er selber noch hätte verbrauchen können, aber nicht verbraucht hat. Bedenken Sie, was da vorliegt! Das betreffende Menschenwesen geht in die geistige Welt hinauf, ohne verbraucht zu haben etwas, was es hätte verbrauchen können.

[ 26 ] Now that the spiritual researcher has developed this impression, which is natural to him, his research leads him back once again to the puzzling question of the person struck by a bullet at a young age. And he must now ask: Is there, in the world beyond—where disembodied human beings and spiritual and soul beings live—anything that corresponds to idealism here on Earth? Is there, for the beings in the beyond, anything similar to the ideals here on Earth? — And lo and behold, the following emerges. Let us take a person who was struck by a bullet in his youth: his etheric body separates from the physical body; the physical body has been violently taken away. Of course, the violence must come from outside. What I have said can never apply if the person’s own decision is involved. The process must come from outside. The etheric body, as I have already emphasized, thus possesses forces within it that could have sustained life here on Earth for even longer—perhaps for decades. These forces do not fade away; they remain. The person who now sheds his etheric body in this way surrenders the forces of his etheric body to the world at large. However, he has entered the spiritual world in the manner described—or rather, his body has been taken from him. Thus he now ascends into the spiritual world as a disembodied being. Something of him remains in the physical world—something he himself could still have used but did not. Consider what is happening here! The human being in question ascends into the spiritual world without having used up anything that he could have used.

[ 27 ] Wir lenken jetzt den Blick auf die Individualität des Menschen selber. Der Mensch kommt hinauf in die geistige Welt, ohne etwas verbraucht zu haben, was er hätte verbrauchen können. Damit kommt er in die geistige Welt hinauf mit etwas, was hier unten in der physischen Welt hätte Wirklichkeit sein können, aber nicht Wirklichkeit geworden ist im äußeren Sinn. Solche Menschen, die mit der Anlage für einen längeren Verbrauch des Ätherleibes hier eingetreten sind in die physische Welt, auf die Erde gekommen sind, aber diesen Verbrauch nicht gehabt haben, die kommen anders in die geistige Welt hinauf als diejenigen, die bis zur Neige des Daseins diesen Ätherleib verbraucht haben. Sie kommen hinauf so, daß sie einverleibt haben dieser hiesigen Erde etwas, was sein könnte, was aber nicht seiend geworden ist. Das aber bewirkt in ihnen eine Stimmung, durch die sie etwas Ähnliches werden für die geistige Welt wie die Idealisten hier für die physische Welt. Derjenige also, der in dieser Weise durch die Pforte des Todes tritt, tritt ein in die geistige Welt, indem er etwas hereinbringt, was dort für die geistige Welt Idealismus ist, was ähnlich ist den Idealen, die hier in die physische Welt durch die Idealisten hereingebracht werden. Ein bedeutungsvoller Lebenszusammenhang!

[ 27 ] We now turn our attention to the individuality of the human being itself. The human being ascends into the spiritual world without having used up anything that he could have used up. Thus, he ascends into the spiritual world with something that could have become reality here below in the physical world, but did not become reality in the external sense. Such people—who entered the physical world, came to Earth, with the predisposition for a prolonged use of the etheric body but did not actually make use of it—ascend into the spiritual world differently than those who have used up this etheric body until the very end of their existence. They ascend having incorporated into this earthly life something that could have been, but did not come to be. This, however, creates within them a disposition through which they become, for the spiritual world, something akin to what the idealists are here for the physical world. Thus, the one who passes through the gate of death in this way enters the spiritual world by bringing with them something that constitutes idealism for the spiritual world—something similar to the ideals that are brought into the physical world here by the idealists. What a meaningful connection in life!

[ 28 ] Es treten also in die geistige Welt in solchen Märtyrerzeiten, wie die jetzige ist, Seelen ein, die ein kürzeres Dasein durchmessen haben. Sie haben hier auf der Erde so gelebt, daß etwas, das seiend hätte werden können, nicht für sie zum Sein gekommen ist, und sie treten so ein in die geistige Welt, daß sie dort den Zusammenhang mit der irdischen Welt so darstellen, wie die Idealisten hier für die Erde den Zusammenhang mit der geistigen Welt darstellen in den Idealen. Mit anderen Worten, diese Menschenwesen, die so durch die Pforte des Todes gegangen sind, haben die Aufgabe, in der geistigen Welt zu verkündigen, daß auf der Erde nicht alles so derbseiend ist wie dasjenige, was man hier unter gewöhnlichen Umständen die Wirklichkeit nennt, daß die Erde auch etwas birgt, das zwar zum Sein veranlagt ist, aber nicht dieses Sein in derber Weise auslebt. Daß solches inneres Gestimmtsein der Seele auch hinaufgetragen wird in die geistige Welt, das gibt in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt etwas Ähnliches, wie der Idealismus hier auf der Erde ist. Und wenn wir vom Standpunkt der Weisheit der Welt ein solches Zeitalter betrachten, wie das unsrige ist, dann blicken wir — wenn wir uns die rechte Stimmung erzeugt haben bei dem Anblick der Tode, die in dieser Weise entstehen — so in die Welt hinein, daß wir uns sagen: Innerhalb des ganzen, weisheitsvollen Weltenlaufes nehmen wir auch dieses so hin, daß wir uns ehrfurchtsvoll zu seinem Verständnis emporarbeiten. — Wir erkennen dann: Den geistigen Welten wird dadurch in einem großen, umfassenden Sinne in einem solchen Märtyrerzeitalter dasjenige gegeben, was bei ihnen leben muß, so wie bei uns der Idealismus auf der Erde leben muß, damit die Menschen, die als solche überhaupt hinaufgehen in die geistige Welt und das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchleben, etwas Ähnliches finden in dieser Welt, wie wir hier den Idealismus finden. Daher müssen diese Zeitalter entstehen. Ob sie immer entstehen müssen in der Zukunft, davon braucht heute nicht die Rede zu sein, denn das hängt davon ab, in welcher Weise, nicht allein ob, sondern in welcher Weise das Erkenntnisleben der Menschheit auf der Erde vergeistigt wird. Es soll niemand den Schluß aus dem Gesagten ziehen, daß unbedingt für immer solche Zeitalter verteidigt werden sollen; aber wenn man ihren Sinn erforscht, stellt sich für die Menschheitsgegenwart dar, was gesagt wurde.

[ 28 ] Thus, in times of martyrdom such as the present one, souls who have lived a shorter life enter the spiritual world. They lived here on Earth in such a way that something which could have come into being did not come into being for them, and they enter the spiritual world in such a way that there they represent the connection with the earthly world just as the idealists here on Earth represent the connection with the spiritual world through their ideals. In other words, these human beings who have passed through the gate of death in this way have the task of proclaiming in the spiritual world that not everything on Earth is as grossly material as what is here, under ordinary circumstances, called reality; that the Earth also harbors something which, though predisposed to existence, does not live out this existence in a grossly material way. The fact that such an inner disposition of the soul is also carried up into the spiritual world gives rise, in the time between death and new birth, to something similar to what idealism is here on Earth. And when we view an age such as our own from the standpoint of the wisdom of the world, then—if we have cultivated the right frame of mind upon witnessing the deaths that occur in this way—we look into the world in such a way that we say to ourselves: Within the entire, wisdom-filled course of the world, we also accept this in such a way that we reverently strive to understand it. — We then recognize: In a broad, comprehensive sense, such an age of martyrdom provides the spiritual worlds with that which must live within them, just as idealism must live on Earth among us, so that the people who, as such, ascend into the spiritual world and live through the period between death and a new birth may find in that world something similar to what we find here in idealism. That is why these ages must arise. Whether they must always arise in the future is not something we need to discuss today, for that depends on the manner—not merely whether, but in what way—humanity’s life of knowledge on Earth is spiritualized. No one should conclude from what has been said that such eras must necessarily be defended forever; but when one explores their meaning, what has been said becomes clear for humanity’s present situation.

[ 29 ] Da blicken wir hinein in den weisheitsvollen Zusammenhang der Welt und sagen uns: Wie gliedert sich da zusammen die Furcht und der Schrecken, das Leid und der Schmerz und das, was notwendigerweise diejenigen finden müssen in der geistigen Welt, die durch die Pforte des Todes gehen! — Wir sehen wie Leid, Schmerzen, Blut und Märtyreropfer, die sich uns hier von der einen Seite zeigen, sich von der anderen Seite ausnehmen. Man kann sich ja denken, daß es Menschen gibt, die gescheiter sein wollen als die Götter und die deshalb die Frage aufwerfen: Hätten die Götter nicht auch ein solches dem Idealismus auf der Erde Entsprechendes in der geistigen Welt zustande gebracht, ohne daß sie über die Erde verhängt hätten, was in einem solchen Märtyrerzeitalter der Erde auferlegt wird? — Solche Fragen werfen nur diejenigen auf, die gescheiter sein wollen als die Götter. Die Menschen, welche in der richtigen Weise in das Menschenzeitalter hineinblicken, wollen die Welt verstehen, weil sie überzeugt sind, daß es so, wie es ist, eben sein muß, und daß alles das, was der Mensch ausspintisiert über etwas, was besser wäre für diese Welt, nur schlechter sein könnte für sie.

[ 29 ] There we gaze into the wisdom-filled fabric of the world and ask ourselves: How do fear and terror, suffering and pain, and what those who pass through the gate of death must inevitably encounter in the spiritual world all fit together? — We see how suffering, pain, blood, and martyrdom—which present themselves to us here from one side—are counterbalanced from the other side. One can well imagine that there are people who want to be wiser than the gods and who therefore raise the question: Could the gods not have brought about something in the spiritual world that corresponds to the idealism on Earth, without having imposed upon Earth what is being imposed upon it in such an age of martyrdom? — Such questions are raised only by those who wish to be wiser than the gods. People who look upon the Age of Man in the right way seek to understand the world because they are convinced that it must be exactly as it is, and that everything humanity conjures up about what might be better for this world could only be worse for it.

[ 30 ] Wir sehen hin auf die Idealisten, vielleicht auf einen so recht idealistisch gearteten Menschen in dieser Welt; wir sind vielleicht versucht, wenn wir für Ideale einen Sinn haben, zu sagen: Seht den Menschen, er trägt den Himmel in die Erde hinein, denn was nicht im derben Sinne seiend ist, das bringt er als Wertvolles für das Seiende, als eine Richtschnur an die Menschen heran! — Die Seelen, die normalerweise durch die Pforte des Todes getreten sind und das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchmachen, sie erblicken in diesem Leben auch solche Seelen, die in irgendeiner Weise einen Opfertod durchgemacht haben, denen der physische Leib von außen genommen ist durch irdische Notwendigkeit. Sie blicken auf diese Seelen hin als auf diejenigen, die ihnen zu verkünden haben, daß da drunten auf der Erde nicht bloß derb Seiendes ist, sondern daß mit der Erde verbunden werden auch Menschenanlagen, welche seiend sein könnten und dennoch nicht zum vollen Sein kommen, sondern, statt daß sie dieses volle Sein verbrauchen, hinübergehen an einem früheren Zeitpunkte ihres Lebens zwischen Geburt und Tod in die geistige Welt.

[ 30 ] We look to the idealists, perhaps to a person of such a truly idealistic nature in this world; we may be tempted, if we have a sense of ideals, to say: Look at this person—he brings heaven down to earth, for what does not exist in the gross sense, he brings to humanity as something of value for what does exist, as a guiding principle! — The souls who have normally passed through the gate of death and are undergoing the life between death and a new birth also perceive in this life those souls who have, in some way, undergone a sacrificial death—those from whom the physical body has been taken from the outside by earthly necessity. They regard these souls as those who have come to proclaim to them that down there on Earth there is not only coarse existence, but that connected to the Earth are also human potentials that could exist yet do not attain full existence; instead of living out this full existence, they pass over into the spiritual world at an earlier point in their lives, between birth and death.

[ 31 ] Gewiß entsteht dabei eine bedeutsame Frage, nämlich die nach dem Unterschied zwischen einem solchen gewaltsamen Tode und einem Tode, der durch eine frühe Krankheit erzeugt wird. Denn das, was ich jetzt gesagt habe, ist nichts als das Konstatieren von Tatsachen. Gerade diejenigen, die auf diese Weise das physische Leben beendet haben, wie beschrieben, das sind gleichsam die Idealisten der geistigen Welt, und sie sind Idealisten aus dem Grunde, weil ihnen — das zeigt sich durch fernere Betrachtung — der physische Leib genommen worden ist durch irdische Ereignisse, durch Ereignisse, die dem Erdenleben bloß angehören.

[ 31 ] This certainly raises an important question, namely, the difference between such a violent death and a death caused by an early illness. For what I have just said is nothing more than a statement of facts. Precisely those who have ended their physical lives in this way, as described, are, as it were, the idealists of the spiritual world, and they are idealists for the reason that—as becomes apparent upon further reflection—their physical bodies have been taken from them by earthly events, by events that belong solely to earthly life.

[ 32 ] Wenn der Mensch eine Krankheit durchmacht, so wird ihm der Leib noch durch andere Kräfte genommen als durch Erdenkräfte. Denn denken Sie, schon in dem Pflanzenwachstum wirken nicht bloß Erdenkräfte, sondern außerirdische Kräfte wirken mit. Beim Tier ist das natürlich auch der Fall und beim Menschen erst recht. Wir haben unsere Krankheiten auch durchaus nicht bloß von der Erde. Bloß von der Erde wird uns der Tod niemals auf andere Weise gebracht als dadurch, daß wir gewaltsam sterben. Wie der Tod auch eintreten mag, er ist niemals ein bloß durch irdische Verhältnisse herbeigeführter, wenn er nicht auf die angedeutete Weise ein gewaltsamer ist. Ob der Tod durch eine Krankheit an uns herantritt — auch Selbstmord ist kein irdisches Ereignis, er kommt ja durch Seelenentschluß —, es gibt keinen Tod, der bloß durch Erdenkräfte bewirkt wird, außer dem, der durch Opfertode, durch Kräfte, die auf der Erde spielen, den Leib losmacht vom Seelisch-Geistigen. So daß hier in Wechselverhältnisse treten irdische Kräfte und Beziehungen mit demjenigen, was geistig ist. Sonst ist der Tod immer etwas, was über die Erde vollständig hinausragt; er ist niemals ein bloßes Wechselwirken zwischen der Erde und dem, was in der geistigen Welt ist. Gerade rein irdischen Verhältnissen, gerade etwas, was bloß irdisch ist, was bloß irdisches Geschehen ist, wird hingegeben der früh seiner Tätigkeit entzogene Ätherleib; daraus entsteht, was man eben den Idealismus der geistigen Welt nennen kann. Denn der Tod ist so — halten Sie das, was ich jetzt zu sagen habe, mit manchen Gedanken dieser Tage zusammen —, daß er, wenn man ihn von der physischen Seite anblickt, sich ganz anders ausnimmt, als wenn man ihn von der geistigen Seite anblickt. Ich habe in verschiedener Weise darauf hingedeutet. Aber immer ist der Tod, wenn er nicht auf die Weise eintritt, wie ich es jetzt angedeutet habe, von der anderen Seite gesehen etwas, was von dieser anderen Seite verständlich ist. Tritt man durch einen Krankheitstod, durch einen Alterstod, auch durch Selbstmord in die andere Welt, dann hat man dort, was man braucht, um den Tod zu verstehen. Wenn der Tod durch eine Kugel auf dem Schlachtfeld herbeigeführt wird, dann muß man auf rein irdische Verhältnisse blicken, um ihn zu verstehen. Bei Unglücksfällen ist es auch so. Man muß von der geistigen Welt hinabsehen, daß man irdisch gewesen ist; der Tod ist aus irdischen Verhältnissen zu erklären. Und das macht, daß man aus dem Diesseits der geistigen Welt in das Jenseits der physischen Welt hinunterblicken muß, um einen solchen Tod zu verstehen.

[ 32 ] When a person suffers from an illness, their body is affected by forces other than earthly ones. For consider this: even in plant growth, it is not only earthly forces at work, but extraterrestrial forces are also involved. This is naturally also the case with animals, and all the more so with humans. Our illnesses certainly do not come solely from the Earth. Death, however, is never brought to us by the Earth in any other way than through violent death. However death may occur, it is never brought about solely by earthly circumstances unless it is a violent death in the manner described. Whether death comes to us through illness—even suicide is not an earthly event, for it arises from a decision of the soul—there is no death that is brought about solely by earthly forces, except for that which, through sacrificial death and through forces at work on Earth, separates the body from the soul-spiritual. Thus, earthly forces and relationships enter into interaction here with that which is spiritual. Otherwise, death is always something that transcends the earth completely; it is never a mere interaction between the earth and that which exists in the spiritual world. It is precisely to purely earthly circumstances—precisely to something that is merely earthly, that is merely an earthly event—that the etheric body, prematurely deprived of its activity, is surrendered; from this arises what one might call the idealism of the spiritual world. For death is such—please consider what I am about to say in conjunction with some of the thoughts I have shared recently—that when viewed from the physical side, it appears quite differently than when viewed from the spiritual side. I have alluded to this in various ways. But death, when it does not occur in the manner I have just described, is always—when viewed from the other side—something that can be understood from that other side. Whether one enters the other world through death by illness, death from old age, or even suicide, one has there what is needed to understand death. If death is brought about by a bullet on the battlefield, then one must look to purely earthly circumstances to understand it. The same is true in cases of accidents. One must look down from the spiritual world to recognize that one was earthly; death must be explained in terms of earthly circumstances. And this means that one must look down from the “here and now” of the spiritual world into the “hereafter” of the physical world in order to understand such a death.

[ 33 ] Wie uns hier die Ideale mit dem Himmel verbinden, so verbinden die himmlischen Ideale diese Toten mit der Erde. Daher ist dann derjenige, der also durch die Pforte des Todes schreitet, in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt ein solcher, der all dem Geschehen, das sich abspielt zwischen den Menschenseelen, die wiederum zur Verkörperung kommen, einverwebt dasjenige, was auf unserer Erde dann Geistiges ergibt, was auf unserer Erde das ergibt, daß die Erde selber auch aus unseren Gedanken, Gefühlen und nicht bloß aus Irdischem besteht.

[ 33 ] Just as ideals connect us here to heaven, so do heavenly ideals connect these dead to the earth. Therefore, the one who thus passes through the gate of death is, in the life between death and new birth, one who weaves into all the events unfolding among human souls—who in turn return to incarnation—that which on our Earth then gives rise to the spiritual, that which on our Earth reveals that the Earth itself also consists of our thoughts and feelings and not merely of earthly matter.

[ 34 ] Es ist zuzugeben, daß die Charakteristik dieser Dinge, die ich da besprochen habe, schwierig ist. Aber es ist begreiflich, daß das schwierig sein muß, denn man redet mit solchen Worten, die für die physischen Verhältnisse geprägt sind, über das, was weit, weit über die physischen Verhältnisse hinausragt. Es ist jedenfalls etwas anderes, ob man, ich möchte sagen, stumpf und unverstehend hinblickt auf das Rätselvolle solcher Ereignisse, die aus dem Schoße der Geschichte ins Menschenleben eintreten, wie unsere jetzige schwere Prüfungszeit der Menschheit, oder ob man so auf sie hinblickt, daß man sich sagt: Was einem solchen Ereignis Sinn gibt, das hat nicht nur Bedeutung für unsere Erde, sondern für das Gesamtleben! — Und man wird wiederum auch in diesem Fühlen hineingeführt in den tiefen Sinn und den weisheitsvollen Gang der Gesamtheit. Man lernt allmählich ahnen, was alles mitwirken muß dazu, daß der Mensch in seinem gesamten Lebensverlauf in diese Welt hineingestellt ist.

[ 34 ] It must be admitted that characterizing the things I have discussed here is difficult. But it is understandable that this must be difficult, for we use words shaped by physical conditions to speak of what extends far, far beyond those physical conditions. In any case, it is one thing to gaze—I would say—blankly and without understanding at the mystery of such events that emerge from the bosom of history into human life—such as the current time of severe trial for humanity—and quite another to gaze upon them in such a way that one says to oneself: What gives meaning to such an event is significant not only for our Earth but for life as a whole! — And through this feeling, one is in turn led into the deep meaning and the wise course of the whole. One gradually begins to sense all that must contribute to the fact that human beings are placed into this world throughout the entire course of their lives.

[ 35 ] Dieses wollte ich andeuten in dem zweiten Mysteriendrama aus dem Munde des Capesius heraus, der davon spricht, daß vieler Götter Sinnen und vieler Götter Zusammenarbeiten notwendig ist, um den Menschen aus allen Welten heraus als ihr Ziel erscheinen zu lassen. Das, was sich in diesem Drama herauslöst als eine Weltempfindung aus der Seele des Capesius, es kann vielleicht gegenständlich werden, wenn man versucht, sich solche Vorstellungen anzueignen, wie wir sie auch heute wiederum in unsere Seelen haben versetzen wollen. In solchen Persönlichkeiten wie Capesius treten solche Stimmungen aus dem Grunde tragisch auf, weil sie sich auch ergeben können, ohne daß man gleich in vollem Umfange die Lösung des Rätsels findet. Das ist das eine, was dabei zu bemerken ist, das andere ist, daß immer darauf Rücksicht genommen werden muß, wie sehr zur Bescheidenheit und zur Demut, nicht zum Hochmut, nicht zum menschlichen Größenwahn wir durch solches Studium aufgefordert werden.

[ 35 ] This is what I sought to imply in the second Mystery Play through the words of Capesius, who speaks of how the will of many gods and their joint efforts are necessary to make humanity appear as their goal to all worlds. What emerges in this drama as a sense of the world from Capesius’s soul may perhaps become tangible if one tries to make such ideas one’s own, just as we have sought to rekindle them in our own souls today. In personalities such as Capesius, such moods are fundamentally tragic because they can arise even without one immediately finding the full solution to the riddle. That is one point to note; the other is that we must always bear in mind how much such study calls us to modesty and humility—not to arrogance, not to human hubris.

[ 36 ] Im rechten Sinne sich das menschliche Selbstbewußtsein anzueignen heißt doch, es sich bewußt innerlich zu vergegenwärtigen. Und wenn wir anfangen zu ahnen, worüber wir unser Bewußtsein erstrekken können, wie weit der Horizont der Weltenrätsel ist, so werden wir uns hüten, auf den stolzen Gedanken zu verfallen: O Mensch, wie bist du eigentlich eine Zusammenfassung des ganzen Kosmos! — Ich glaube, gerade ein solcher Gedanke wird uns recht ferne liegen müssen.. Dagegen wird uns nahe liegen der andere Gedanke: Wie wenig wissen wir in unserem Bewußtsein von dem, was wißbar ist! — Unendliches ist notwendig, um den Menschen zusammenzusetzen; wir aber haben es niemals weiter gebracht, als ein sehr kleines Stück davon zu wissen. Bescheidenheit und Demut ist das, was sich gerade aus dem Wissen heraus, wenn es sich erweitert, in unsere Seele hineinsenkt. Niemals kann man mehr erfahren, als man schon weiß über die geistige Welt, ohne zugleich zu erfahren, daß das Wißbare ein Unendliches ist. Und immer lebendiger wird die Empfindung von dieser Unendlichkeit, je mehr man weiß. Und man lernt verstehen, wie ein Teil des Lebens darin besteht, daß man sich also ergreifen läßt von den großen, gewaltigen Rätseln und Geheimnissen, die das Dasein durchpulsen.

[ 36 ] To truly acquire human self-consciousness means, after all, to consciously bring it to mind within oneself. And when we begin to sense the scope of our consciousness—how vast the horizon of the world’s mysteries is—we will be careful not to succumb to the arrogant thought: “O human, how you are, in fact, a synthesis of the entire cosmos!”—I believe that precisely such a thought must remain quite distant from us. On the other hand, the opposite thought will be close to us: How little do we know in our consciousness of what is knowable! — The infinite is necessary to compose the human being; yet we have never managed to know more than a very small part of it. Modesty and humility are precisely what sink into our soul from knowledge itself as it expands. One can never learn more than one already knows about the spiritual world without simultaneously realizing that what is knowable is infinite. And the more one knows, the more vivid the sense of this infinity becomes. And one learns to understand how part of life consists in allowing oneself to be gripped by the great, mighty riddles and mysteries that pulse through existence.

[ 37 ] Vieles von dem, was die Menschheit sich jetzt wieder erringen muß, haben in uralten Zeiten innerhalb einer uralten Weisheit die Menschen gewußt wie ein Erbgut. Was die Menschen heute besitzen, ist nur errungen worden dadurch, daß diese Erbschaft aus den Seelen geschwunden ist. Damit die Menschenseelen sich wiederum diese Weisheit aneignen können, mußte sie zunächst verschwinden. Sie mußte verschwinden, damit sie erarbeitete Weisheit werden kann. Wir müssen uns wiederum hinaufarbeiten, um uns das zu erringen im ferneren Erdenleben, im ferneren Dasein der Erde, was als Erbweisheit aus den Seelen verschwunden ist. So müssen wir also in die Perspektive der menschlichen Zukunft hineinsehen; dann werden wir die Notwendigkeit begreifen, daß Geisteswissenschaft in die Welt eintritt. Gerade dieses lebendige Sich-in-Verhältnis-Setzen zu dem Unendlichen, wie es charakterisiert worden ist, gibt uns die Möglichkeit, das Geheimwissenschaftliche wirklich als ein innerlich Lebendiges aufzufassen, das auch in uns kraftet und tätig ist, das uns zu wirklichen Mitarbeitern der Gestaltung der Erde machen kann, zu denen wir werden müssen, wenn die Erde sich weiterentwickeln soll.

[ 37 ] Much of what humanity must now regain was known to people in ancient times as part of an ancient wisdom, like an inheritance. What people possess today has been attained only because this heritage has faded from their souls. In order for human souls to acquire this wisdom anew, it first had to disappear. It had to disappear so that it could become wisdom earned through effort. We must work our way up once more to attain, in the Earth’s future life, in the Earth’s future existence, that which has vanished from the souls as inherited wisdom. Thus, we must look into the perspective of humanity’s future; then we will understand the necessity for spiritual science to enter the world. It is precisely this living relationship to the infinite, as it has been characterized, that gives us the opportunity to truly grasp esoteric knowledge as something inwardly alive—something that is also at work within us and active, something that can make us true co-workers in the shaping of the Earth, which we must become if the Earth is to continue to develop.

[ 38 ] Um das zu bekräftigen, möchte ich noch eines erwähnen. Es gibt Leute, auf die wir wohl hinhorchen sollen, weil sie von dem Standpunkte der Gegenwart das Richtige sagen. Sie sagen: In früheren Zeiten hat man nicht gewußt, was ein Verbrecher ist, warum ein Mensch als Verbrecher sich in der Welt entwickelt. Heute aber weiß man das. Wenn man einen Verbrecherkopf seziert, so findet man, daß er eine gewisse Eigenschaft hat: der Hinterhauptlappen bedeckt das Kleingehirn nicht völlig wie beim normalen Menschen. — Es war eine große, bedeutsame Entdeckung, die Moriz Benedikt, der berühmte Kriminalanthropologe, machte, die zeigt, wie eine gewisse einfache Physiologie des Hinterhauptes bedingt, daß man ein Verbrecher ist. Also bedenken Sie: Ein Verbrecher ist man dadurch, daß der hintere Gehirnlappen Teile des Gehirnes nicht bedeckt, die bedeckt werden sollen! Gegen diese Wahrheit ist nichts einzuwenden. Sie ist einmal da, und es wäre ganz einfältig, sich dagegen aufzulehnen, denn es ist eben eine Wahrheit. Aber denken Sie: Wenn man nun Materialist ist, was muß man dann sagen? — Ja nun, es werden eben Menschen so geboren, daß sie zu kleine Gehirnlappen haben; die sind dann prädestiniert, Verbrecher zu werden. Bedenken Sie — ich brauche das nicht weiter auszuführen — das unendlich Trostlose einer solchen Anschauung der Welt! Bedenken Sie, wie alles menschliche Fühlen verändert werden muß, wenn man nichts anderes weiß als dieses, und wenn man sich sagen muß: Warum werden Menschen zu Verbrechern? Weil sie von der Natur eben so hineingestellt werden ins Leben, daß sie nicht anders können als Verbrecher werden. — Beginnt man aber zu wissen, daß der Mensch einen Ätherleib hat, so weiß man zu der Sache etwas anderes zu sagen, man weiß etwas anderes dazu. Man weiß, daß dieser Ätherleib alle Teile umfaßt, und daß bei dem Menschen, der einen zu kurzen Hinterhauptslappen hat im physischen Sinne, noch immer die entsprechenden Ätherteile ihre volle Entwickelung erlangen können. Wie es sich dann auch mit dem Physischen verhalten mag, die Korrektur kann auch mit dem Ätherleib erreicht werden. Wenn es uns nun gelingt, solch eine Pädagogik zu haben, daß wir für sie nicht nur die physische Wissenschaft zu Hilfe rufen, sondern die Geisteswissenschaft, dann können wir uns einen Blick dafür aneignen aus der Art und Weise, wie sich ein Kind verhält, um zu erkennen, was notwendig ist zu seiner Erziehung, und was wir vorkehren müssen, damit der Ätherleib sich so entwickelt, daß er die Wirkung der zu kurzen Hinterhauptslappen paralysiert. Dann kann der Mensch, wenn im Ätherleibe sein Hinterhirn normal ausgebildet ist, trotzdem ein guter Mensch werden, wenn er auch physisch prädestiniert ist zum Verbrecher. Hier sehen Sie, wie Geisteswissenschaft praktisch in das Leben eingreifen kann und muß. Denn die rein physische Wissenschaft muß das Verbrecherhirn eben Verbrecherhirn sein lassen, weil sie nur eine Wissenschaft vom Physischen ist. Nimmt man aber auf die Geisteswissenschaft Rücksicht, so paralysiert man die physischen Mängel. Hieraus ergibt sich Ihnen das, was in die Zukunft hinein sich entwickeln muß.

[ 38 ] To reinforce this point, I would like to mention one more thing. There are people we should certainly listen to, because they speak the truth from the perspective of the present. They say: In earlier times, people did not know what a criminal was, or why a person develops into a criminal in this world. Today, however, we do know. If you dissect the brain of a criminal, you find that it has a certain characteristic: the occipital lobe does not completely cover the cerebellum, as it does in normal people. — It was a major, significant discovery made by Moriz Benedikt, the famous criminal anthropologist, which shows how a certain simple physiological structure of the occipital lobe determines whether one is a criminal. So consider this: One is a criminal because the occipital lobe does not cover parts of the brain that are supposed to be covered! There is nothing to object to in this truth. It simply exists, and it would be quite foolish to rebel against it, for it is, after all, a truth. But consider this: If one is a materialist, what must one say? — Well, some people are simply born with lobes that are too small; they are then predestined to become criminals. Consider—I need not elaborate further—the infinite desolation of such a view of the world! Consider how all human feeling must be altered when one knows nothing else but this, and when one must say to oneself: Why do people become criminals? Because nature has placed them in life in such a way that they cannot help but become criminals. — But once one begins to understand that human beings have an etheric body, one can say something different about the matter; one knows something else about it. One knows that this etheric body encompasses all parts, and that even in a person whose occipital lobe is too short in the physical sense, the corresponding etheric parts can still attain their full development. Whatever the physical situation may be, correction can also be achieved through the etheric body. If we now succeed in developing a pedagogy in which we draw not only on physical science but also on spiritual science, then we can gain insight—from the way a child behaves—into what is necessary for their upbringing, and what measures we must take so that the etheric body develops in such a way as to counteract the effect of the underdeveloped occipital lobes. Then, if the hindbrain is normally developed in the etheric body, a person can still become a good person, even if they are physically predisposed to be a criminal. Here you can see how spiritual science can and must intervene practically in life. For purely physical science must simply allow the criminal brain to remain a criminal brain, because it is only a science of the physical. But if one takes spiritual science into account, one neutralizes the physical deficiencies. From this you can see what must develop in the future.

[ 39 ] Und stellen Sie sich jetzt vor: Diese Geisteswissenschaft bestünde nicht! Dann wird niemals die Möglichkeit entstehen, den Ätherleib in einer solchen Weise zu entwickeln, wie ich gesagt habe. Das heißt, derjenige, der geboren wird in Zukunft mit einem verkümmerten Gehirn, der wird sich so ausleben, wie es diesem Gehirn entspricht. Es wird keine Möglichkeit geben, dies pädagogisch auszubessern. Die Folge davon wird sein, daß die Menschen so werden, wie es ihrer physischen Organisation gemäß ist. Und das wird immer weitergehen. Und die Menschen werden zum Jupiterzustand kommen, und das wird wahr sein, was die Materialisten heute erträumen. Wenn durch Geisteswissenschaft nicht dasjenige, was aus der bloß materiellen Organisation folgt, überwunden wird, so werden die Menschen nach und nach sich so entwickeln, daß diese materielle Organisation maßgebend sein wird; die Menschen würden dann bloß ein Ergebnis ihrer materiellen Entwickelung sein. Dadurch, daß Geisteswissenschaft eingreift in das Leben, wird das auf dem Jupiter nicht so sein, es wird der Ätherleib wiederum umgestalten den physischen Leib. Denn wenn dann in einem Leben, in dem durch das Karma frühere Lebensursachen das physische Gehirn verkümmert haben, der Ätherleib richtig entwickelt wird, so wird sich in der nächsten Inkarnation das physische Gehirn richtig entwickeln. Das berührt sich alles. So daß Geisteswissenschaft wirklich eine Realität wird, daß sie die Menschheit wiederum umgestaltet.

[ 39 ] Now imagine: what if this spiritual science did not exist! Then there would never be any possibility of developing the etheric body in the way I have described. This means that anyone born in the future with an underdeveloped brain will live out their life in a way that corresponds to that brain. There will be no way to correct this through education. The consequence will be that people will become what their physical constitution dictates. And this will continue indefinitely. People will reach the Jupiter state, and what the materialists dream of today will come true. If spiritual science does not overcome what results from the purely material constitution, human beings will gradually develop in such a way that this material constitution will become the determining factor; human beings would then be merely a product of their material development. Because spiritual science intervenes in life, this will not be the case on Jupiter; there, the etheric body will once again reshape the physical body. For if, in a life in which the physical brain has atrophied due to karmic causes from previous lives, the etheric body is properly developed, then in the next incarnation the physical brain will develop properly. It is all interconnected. Thus spiritual science truly becomes a reality, transforming humanity once again.

[ 40 ] Wenn Sie diese Gedanken zusammenfassen, werden Sie sich sagen können: Das, was die Materialisten heute denken von dem Menschen, es ist heute noch keine Realität, denn heute ist der Mensch noch so veranlagt, daß das Geistige eingreifen kann. Aber es könnte so werden, wie die Materialisten denken, wenn es nach den Materialisten ginge, wenn Geisteswissenschaft durch die Materialisten ausgerottet werden könnte. So bloß als Folge ihrer materiellen Organisation würden die Menschen auf dem Jupiter leben, wenn die Träume der Materialisten sich erfüllen könnten. — Was sind denn die Materialisten eigentlich? Sie haben eine Weltanschauung, welche heute nicht der Wirklichkeit entspricht, welche aber einmal der Wirklichkeit entsprechen könnte bei den Menschen. Diese Materialisten sind Propheten, nur falsche Propheten! Sie träumen von einer Welt, die, wenn es nach ihnen ginge, in ihrem Sinne hergestellt werden könnte. Die Materialisten sind Träumer, aber man muß ihren Träumereien entgegenarbeiten. Wenn man einsehen wird, daß die Materialisten Träumer sind, daß man zu ihnen sagen muß: Ihr geht durch die Welt und seht die Wirklichkeit nicht, ihr träumt von einem Dasein, das höchstens durch eure Einsichtslosigkeit gegenüber der Welt herbeigeführt werden könnte, ihr seid falsche Propheten, ihr macht euch allerlei Hirngespinste! — in dem Moment wird man den Materialismus richtig taxieren. Also das entgegengesetzte Urteil von dem, was die Materialisten, nun, sagen wir, von sich aus erträumen, das wird man haben müssen. Dann wird die Zeit gekommen sein, wo man die Geisteswissenschaft wirklich verstehen kann. In einem gewissen Sinne wird die Geisteswissenschaft schon von diesem Gesichtspunkte aus die Welt umgestalten.

[ 40 ] If you summarize these thoughts, you will be able to say to yourself: What materialists think about human beings today is not yet a reality, for human beings today are still constituted in such a way that the spiritual can intervene. But it could become just as the materialists imagine—if things were up to them, if spiritual science could be eradicated by the materialists. Simply as a consequence of their materialistic organization, people would be living on Jupiter if the materialists’ dreams could come true. — What, then, are the materialists really? They have a worldview that does not correspond to reality today, but which could one day correspond to reality for humanity. These materialists are prophets—only false prophets! They dream of a world that, if it were up to them, could be brought into being according to their vision. The materialists are dreamers, but we must work against their daydreams. When people come to realize that the materialists are dreamers—that one must say to them: “You walk through the world and do not see reality; you dream of an existence that could, at best, be brought about by your lack of insight into the world; you are false prophets; you are conjuring up all sorts of fantasies!”—at that very moment, people will assess materialism correctly. So one will have to arrive at the opposite judgment from what the materialists—well, let’s say—dream up on their own. Then the time will have come when one can truly understand spiritual science. In a certain sense, spiritual science will already transform the world from this perspective.

[ 41 ] Ich habe versucht, Ihnen in diesen Tagen in einigen Andeutungen dieses oder jenes zu sagen von dem Zusammenhange der physischen mit der geistigen Welt. Ich habe es gesagt aus Impulsen heraus, die von den bedeutsamen Ereignissen unserer Zeit ausgehen. In einer Zeit, in der uns so tausendfältig, täglich, möchte man sagen, der Tod vor der Seele steht, sind wohl gerade solche Betrachtungen, wenn sie als Möglichkeit geboten werden, der Menschenseele naheliegend. Denn wie könnte man absehen vom Forschen nach Sinn und Zweck des Daseins in solch schweren Prüfungszeiten, wie die heutigen es sind! Daß wir gerade über solche Fragen hier sprechen konnten, macht, daß es mir zur tiefen Befriedigung gereicht, auch in dieser schweren Zeit wiederum unter Ihnen sein zu können. Ich möchte damit nur die Bemerkung verbinden, daß in der Gegenwart schon einmal manches nach dem Charakter dieser Gegenwart angesehen werden muß. Es ist jetzt nicht so einfach, überall hinzureisen wie sonst in Friedenszeiten. Daher müssen schon auf unserem Gebiet unsere Mitglieder sich bewußt werden, wie sich ja alle Menschen dessen bewußt sein müssen, daß kriegerische Zeiten andere sind als die normalen Zeiten, und daß wir nicht alles so verlangen können wie in den normalen Zeiten. Ich sage das ganz besonders mit Rücksicht darauf, daß das oftmals gerade von unseren Mitgliedern sehr übersehen wird, während doch gerade unsere Mitglieder recht viel Verständnis haben müßten für unsere Gegenwart, lebendigen Zusammenhang damit haben müßten. Vielfach zeigt es sich, daß unsere Mitglieder gar nicht begreifen können, daß man daran denken muß, in welch schwerer Zeit man lebt, und daß nicht alles in derselben Regelmäßigkeit geschehen kann wie sonst. Daran aber müssen wir festhalten, daß wir auch treu in unserer Sache sind. Was ein jeder von uns in dieser Zeit tun kann dadurch, daß die einzelnen Zweige unserer Gesellschaft recht viel, recht gründlich in unserer Sache arbeiten, das wird wirklich nicht nur zum Heile unserer Sache getan, sondern das wird zu einem viel weiteren Heile getan.

[ 41 ] Over the past few days, I have tried to convey to you, through a few hints, this or that aspect of the connection between the physical and spiritual worlds. I have spoken out of impulses arising from the significant events of our time. At a time when death stands before our souls in so many ways—one might even say daily—such reflections, when offered as a possibility, are surely close to the human soul. For how could one refrain from seeking the meaning and purpose of existence in such difficult times of trial as these we are facing today! The very fact that we were able to discuss such questions here gives me deep satisfaction at being able to be among you once again, even in these difficult times. I would simply like to add that, in the present, many things must be viewed in light of the nature of the present moment. It is not as easy now to travel everywhere as it is in peacetime. Therefore, even within our own sphere, our members must realize—as indeed all people must realize—that times of war are different from normal times, and that we cannot expect everything to be the same as it is in normal times. I say this especially in light of the fact that this is often overlooked precisely by our members, even though our members, of all people, should have a great deal of understanding for our present circumstances and maintain a living connection to them. It is often evident that our members simply cannot grasp that we must bear in mind the difficult times in which we live, and that not everything can proceed with the same regularity as usual. But we must hold fast to this: that we remain faithful to our cause. What each of us can do during this time—by ensuring that the individual branches of our society work diligently and thoroughly for our cause—is truly done not only for the benefit of our cause, but for a much broader benefit.

[ 42 ] Es ist natürlich, daß die Gemeinschaft jetzt eine losere sein muß; um so intensiver muß das Arbeiten in unseren Zweigen sein, besonders in Hinsicht der seelischen Vertiefung. Das ist es, was ich gerade in dieser Zeit und heute Ihnen besonders in die Seele und ans Herz legen möchte. Versuchen wir, ein jeder, gerade in dieser Zeit heilig und treu zu unseren Idealen zu halten, heilig und treu zu dem zu halten, was als Gesinnung sich herausbilden konnte im Laufe der Zeit durch die Geisteswissenschaft. Geisteswissenschaft muß sich nicht nur in leichten, sondern auch in schweren Zeiten bewähren. Es muß das, was man ja freilich banal, aber doch als einen Grundton unseres ganzen Strebens angeben kann, sich jetzt besonders tief mit unserer Seele verbinden: der Versuch einer allseitigen Erfassung des Lebens. Im Gegensatz zu so vielem, was jetzt in der Außenwelt, in der dem Materialismus zuneigenden Außenwelt gegeben wird — oftmals in solcher Einseitigkeit —, wollen wir Vielseitigkeit des Lebens anstreben. Wir wollen wissen, daß wir uns, weil wir in jedem Augenblick einer Unendlichkeit gegenüberstehen, vor jeder bequemen Einseitigkeit in jedem Augenblick hüten müssen.

[ 42 ] It is only natural that our community must now be a looser one; all the more reason, then, for our work in our branches to be all the more intense, especially with regard to spiritual deepening. This is what I would like to impress upon your souls and hearts, especially at this time and today. Let us each strive, especially at this time, to remain holy and faithful to our ideals, to remain holy and faithful to the mindset that has taken shape over time through spiritual science. Spiritual science must prove itself not only in good times but also in difficult times. What one might call—admittedly, somewhat tritely, yet still as a fundamental tone of our entire striving—must now connect particularly deeply with our souls: the attempt to grasp life in all its aspects. In contrast to so much of what is now presented in the outer world—a world inclined toward materialism, often with such one-sidedness—let us strive for the diversity of life. We want to know that, because we face infinity at every moment, we must guard against any comfortable one-sidedness at every moment.

[ 43 ] Der eine oder andere von Ihnen hat vielleicht gehört, daß an einem Orte, an dem unsere Geisteswissenschaft gepflegt wird, über allerlei Mängel gesprochen werden mußte, die da oder dort sich herausgestellt haben. Wenn mit gewissen Worten diese oder jene Menschen getroffen worden sind, so darf man darum nun nicht zur anderen Einseitigkeit hinneigen. Ich sage das jetzt nicht, um auf diese Dinge näher einzugehen, sondern nur als Beispiel. Wenn zum Beispiel Menschen, die von allerlei okkulten Ereignissen, okkulten Erlebnissen sprachen, über diese Erlebnisse nicht in der richtigen Weise gesprochen haben, so darf daraus nicht der Schluß gezogen werden, daß etwa in unserer Gesellschaft die okkulten Erlebnisse nicht die Hauptsache wären. Gewiß sind sie es, denn wir streben ja aus dem Äußerlichen in das Innerliche hinein. Es war auch nicht ein Bedürfnis vorhanden, gegen okkulte Erlebnisse an sich etwas einzuwenden. Auf welcher Stufe diese Erlebnisse aber auftreten, das ist es, auf was man innerhalb unserer Bewegung sehen muß, was zu gelten hat. Denn ein anderes ist es, in einer gewissen leichten Weise über okkulte Erlebnisse zu sprechen, ein anderes wäre es, zu sagen, man wolle überhaupt nichts mehr davon hören. Wir haben drei Tage lang von den intimsten okkulten Erlebnissen gesprochen. Eine bloße Denkwissenschaft kann das nicht sein, was in unserem Kreise geschaffen wird. Dazu ist unsere Gesellschaft nicht da. Wir dürfen nicht von einer Einseitigkeit in eine andere kommen.

[ 43 ] Some of you may have heard that, at a place where our spiritual science is practiced, it was necessary to discuss various shortcomings that have come to light here and there. Even if certain words may have offended this or that person, we must not allow ourselves to swing to the other extreme. I am not saying this now to go into these matters in detail, but merely as an example. If, for example, people who spoke of all sorts of occult events and experiences did not speak of these experiences in the proper way, one must not conclude from this that occult experiences are not the main focus in our society. Certainly they are, for we are striving, after all, from the outer toward the inner. Nor was there any need to object to occult experiences in and of themselves. But at what level these experiences occur—that is what we must discern within our movement, and that is what must be taken into account. For it is one thing to speak of occult experiences in a certain lighthearted manner; it would be quite another to say that one no longer wishes to hear anything about them at all. For three days we have spoken of the most intimate occult experiences. What is being created in our circle cannot be a mere intellectual exercise. That is not the purpose of our Society. We must not swing from one extreme to another.

[ 44 ] Ich möchte namentlich auf das Intime, auf das so recht mit dem Innersten unseres seelischen Empfindens Zusammenhängende unserer Geisteswissenschaft aufmerksam machen. Daß wir unsere Seele zu etwas anderem machen als sie vorher war, wenn wir durch die Geisteswissenschaft durchgehen, darauf kommt es an. Und das muß sich auch in schweren Zeiten bewähren. Deshalb wollte ich einmal solche Betrachtungen anstellen, die vielleicht geeignet sind, uns in jene ehrfürchtige Stimmung gegenüber dem geistigen Leben zu versetzen, die dem richtigen Geisteswissenschafter angemessen ist. Denn im Grunde genommen ist das größte und das kleinste Ereignis des Lebens, alles im Leben, etwas, was uns mit tiefer Ehrfurcht erfüllt, wenn wir nur von diesem Einzelnen tief genug in die geistigen Hintergründe hineinzugehen in der Lage sind. Und auch die schmerzlichen Ereignisse des Lebens, die kleinsten und die größten, sie können durch die Geisteswissenschaft in ein solches Licht gestellt werden, daß ihre Betrachtung dazu beiträgt, unsere Seele in das rechte Verhältnis zu der durch die Welt wallenden und webenden Weisheit zu bringen.

[ 44 ] I would like to draw attention specifically to the intimate aspect of our spiritual science—that which is so closely connected to the innermost depths of our soul’s feelings. What matters is that, as we engage with spiritual science, we transform our soul into something different from what it was before. And this must prove its worth even in difficult times. That is why I wanted to offer some reflections that might be suitable for putting us in that reverent frame of mind toward spiritual life that is befitting a true student of spiritual science. For, when it comes down to it, the greatest and the smallest events of life—everything in life—are things that fill us with deep reverence, if only we are able to delve deeply enough into the spiritual background of each individual event. And even the painful events of life—the smallest and the greatest—can be placed in such a light through spiritual science that contemplating them helps bring our soul into the right relationship with the wisdom that surges and weaves through the world.

[ 45 ] Vom Gesichtspunkte der Weltenweisheit wollten wir einmal Lebensereignisse betrachten, die zusammenhängen mit dem, was so groß, aber auch so prüfungsreich sich heute in unserer Umgebung abspielt. Wenn wir so fühlen gegenüber unserer Zeit, dann fühlen wir recht gegenüber dem, was wir andeuten wollten mit den Worten:

[ 45 ] From the perspective of world wisdom, let us consider the events of life that are connected to what is unfolding around us today—something so grand, yet also so full of trials. If we feel this way about our times, then we are in tune with what we sought to convey with the words:

Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geist-bewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.

From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls, spiritually aware,
Direct their minds toward the spirit realm.

[ 46 ] Seien wir die Seelen, die in dieser Weise ihren Sinn ins Geisterreich lenken! Dann werden wir beitragen können zu den Früchten, die sonnenhaft heilsam für die Menschheit aufgehen müssen aus den Saaten, die sich blutgetränkt über die Erde hinstreuen in unseren schicksalsschweren Tagen.

[ 46 ] Let us be the souls who direct their minds in this way toward the spirit realm! Then we will be able to contribute to the fruits that, like the sun, must blossom as a source of healing for humanity from the seeds that are scattered across the earth, drenched in blood, in these fateful days.