The Spiritual Background of World War I
GA 174b
15 March 1916, Stuttgart
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The Spiritual Background of World War I, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Als wir das letzte Mal hier miteinander gesprochen haben bei meiner vorigen Anwesenheit, da betrachteten wir einige geistige Tatsachen, die sich auf das Leben der Menschenseele beziehen, nachdem der Mensch durch die Todespforte hindurchgegangen ist. Wir wollen heute zunächst einige mit diesem Ereignisse zusammenhängenden Tatsachen _ der geistigen Welt betrachten, die ein weiteres Verständnis auf dieses Ereignis werfen können, Tatsachen, die aber ebenso, wie sie auf das Todesereignis Licht zu werfen geeignet sind, zugleich erhellen können das, was im Leben sich abspielt zwischen Geburt und Tod des Menschen, was sich abspielt in dem physischen Leben, in dem wir darinstehen. Ich muß ja immer wieder und wiederum betonen, daß Geisteswissenschaft den Versuch machen muß, nicht bloß bei einer äußeren Schematik in der Auffassung der Menschenwesenheit stehenzubleiben, sondern immer tiefer und tiefer in die verschiedenen Glieder der menschlichen Wesenheit einzudringen.
[ 1 ] The last time we spoke here during my previous visit, we considered some spiritual facts relating to the life of the human soul after a person has passed through the gate of death. Today we will first consider some facts of the spiritual world connected with this event—facts that can shed further light on it; facts that, just as they are capable of shedding light on the event of death, can at the same time illuminate what takes place in life between a person’s birth and death, what takes place in the physical life in which we find ourselves. I must emphasize again and again that spiritual science must strive not merely to remain at an external, schematic level in its understanding of the human being, but to penetrate ever deeper and deeper into the various aspects of the human being.
[ 2 ] Nun wollen wir einmal unsere Betrachtungen auf das hinwenden, was wir oftmals den menschlichen Ätherleib genannt haben. Schon im öffentlichen Vortrage gestern habe ich darauf aufmerksam gemacht, daß man sich diesen Ätherleib nicht nur wie einen verdünnten physischen Leib vorstellen soll — das wäre ja eine materialistische Auffassung —, sondern daß man sich ihn als das vorstellen soll, als was er erscheint durch ein inneres Erlebnis. Und da kommen wir darauf, daß sich dasjenige, was wir im engeren Sinne Denken, Vorstellen nennen, so wie der Mensch hier auf dem physischen Plan lebt, eigentlich abspielt im Ätherleib. Aber damit sich Gedanken bilden durch dieses Denken, durch dieses Vorstellen, ist der physische Leib notwendig, denn der physische Leib muß seine Eindrücke bekommen, wenn Gedanken hier im physischen Leben erinnerungsmäßig festgehalten werden sollen.
[ 2 ] Now let us turn our attention to what we have often called the human etheric body. Already in yesterday’s public lecture, I pointed out that one should not imagine this etheric body merely as a diluted physical body—that would, after all, be a materialistic view—but rather as what it appears to be through an inner experience. And this leads us to the realization that what we call, in the narrower sense, thinking and imagining—as the human being lives here on the physical plane—actually takes place in the etheric body. But for thoughts to form through this thinking and imagining, the physical body is necessary, for the physical body must receive its impressions if thoughts are to be retained as memories here in physical life.
[ 3 ] Der Vorgang ist also der: Wenn wir denken, so geht natürlich das Denken vom Ich aus, geht durch den astralischen Leib, aber es spielt sich dann hauptsächlich in den Bewegungen des Ätherleibes ab. Was wir immer denken, was wir vorstellen, spielt sich in den Bewegungen des Ätherleibes ab. Diese Bewegungen des Ätherleibes drücken sich förmlich ein in den physischen Leib. Das ist grob gesprochen, denn es handelt sich um viel feinere Vorgänge als um ein grobes Einprägen, aber man kann die Sache vergleichsweise so nennen. Und dadurch, daß diese Bewegungen des Ätherleibes in den physischen Leib eingeprägt werden, spielen sich für unser Bewußtsein die Gedanken ab, und dadurch auch erhalten sich die Gedanken in der Erinnerung. Gewissermaßen ist es so: Wenn wir einen Gedanken haben und den später einmal aus der Erinnerung hervorholen, so kommt bei dieser Arbeit des Sich-Erinnern-Wollens unser Ätherleib in Bewegung, und er paßt sich mit seinen Bewegungen dem physischen Leib an, und indem er hineinkommt in jene Eindrücke, die dieser Ätherleib bei dem entsprechenden Gedanken in den physischen Leib gemacht hat, kommt der Gedanke wieder herauf ins Bewußtsein. Also Erinnerung ist daran geknüpft, daß die Bewegungen des Ätherleibes sich in den physischen Leib einprägen können. Natürlich ist das Gedächtnis an den Ätherleib gebunden, aber der Ätherleib muß eine Art von Bewahrer seiner Bewegungen haben, damit im physischen Leben das Erinnern zustande kommen könne. Und so leben wir denn unser Leben zwischen Geburt und Tod, haben unsere Erlebnisse und erinnern uns unserer Erlebnisse, das heißt, es läuft unser Gedankenleben in uns ab. Im wachen Zustande haben wir immer mehr oder weniger dieses in unserem Inneren ablaufende Gedankenleben.
[ 3 ] The process is as follows: When we think, thought naturally originates in the “I,” passes through the astral body, but then takes place primarily in the movements of the etheric body. Whatever we think or imagine takes place in the movements of the etheric body. These movements of the etheric body are literally imprinted upon the physical body. This is a rough way of putting it, since the processes involved are much more subtle than a crude imprinting, but one can describe the matter in this way by way of comparison. And because these movements of the etheric body are imprinted upon the physical body, thoughts unfold in our consciousness, and in this way thoughts are also preserved in memory. In a sense, it is like this: When we have a thought and later recall it from memory, the act of wanting to remember sets our etheric body in motion; it adapts its movements to those of the physical body, and as it enters into the impressions that this etheric body made in the physical body at the time of the corresponding thought, the thought rises again into consciousness. Memory, then, is linked to the fact that the movements of the etheric body can be imprinted upon the physical body. Of course, memory is bound to the etheric body, but the etheric body must have a kind of repository for its movements so that recollection can take place in physical life. And so we live our lives between birth and death, have our experiences, and remember our experiences—that is, our inner life of thought unfolds within us. In the waking state, we always have, to a greater or lesser extent, this inner life of thought taking place within us.
[ 4 ] Man hat nun als Mensch im physischen Leib so die Empfindung, das, was sich da abspielt in unserem Denken, in unserem Vorstellungsleben, das ist inneres Erleben, etwas, was sich in uns selber abspielt, was unser Eigentum ist. Und für das physische Leben ist ja das auch zunächst richtig, denn äußerlich ist ja für andere Menschen wirklich dasjenige, was sich innerlich als Gedankenerlebnis abspielt, nicht sichtbar. Es ist also unser Eigentum. Aber gegenüber der geistigen Welt ist das gar nicht unser Eigentum, was sich da in unserem Gedankenleben abspielt.
[ 4 ] As human beings in our physical bodies, we have the sense that what takes place in our thinking and in our imaginative life is an inner experience—something that occurs within ourselves, something that belongs to us. And as far as physical life is concerned, this is indeed true at first glance, for outwardly, what takes place internally as a thought experience is not visible to other people. It is therefore our own. But in relation to the spiritual world, what takes place in our life of thought is not our own at all.
[ 5 ] Ja, unser Gedankenleben hat noch eine ganz andere Bedeutung, als wir oftmals vermeinen, wenn wir es so als unser Eigentum ansprechen. Und wir wollen einmal ein bißchen nachfragen nach dieser Weltbedeutung unseres Gedankenlebens. Damit ich mich ganz gut verständlich machen kann, muß ich von einem Vergleich ausgehen: Wir physischen Menschen arbeiten hier in der physischen Welt. Nehmen wir an, unsere Arbeit bestünde darin, daß wir Maschinen machten. Sie könnte ja auch in etwas anderem bestehen, aber nehmen wir an, sie bestünde darin, daß wir Maschinen machen. Um die Maschinen zu machen, die dann in den Dienst des menschlichen Lebens gestellt sind, brauchen wir Holz oder Eisen oder was immer, woraus eben die Maschinen gemacht werden. Wir brauchen die entsprechenden Materialien dazu, und wir müssen diese Materialien bearbeiten. Die Materialien müssen da sein in der Natur. Wir können als physische Menschen nicht Eisen erschaffen, Holz erschaffen, diese Materialien müssen da sein. Wir nehmen diese Materialien, formen sie, bearbeiten sie und setzen sie zu unseren Maschinen zusammen. Da üben wir Menschen eine gewisse Tätigkeit aus. Wir bewirken gewissermaßen, daß ein Reich der Maschinen da ist, aber wir schaffen dieses Reich der Maschinen auf Grundlage der Materialien, die wir der Erde entnehmen.
[ 5 ] Yes, our inner life has a significance quite different from what we often assume when we speak of it as something that belongs to us. And let’s explore this universal significance of our inner life a little further. To make myself perfectly clear, I must start with an analogy: We physical human beings work here in the physical world. Let’s assume our work consists of making machines. It could, of course, consist of something else, but let’s assume it consists of making machines. To make the machines that are then put to use in the service of human life, we need wood or iron or whatever else the machines are made of. We need the appropriate materials for this, and we must process these materials. The materials must be present in nature. As physical human beings, we cannot create iron or wood; these materials must already exist. We take these materials, shape them, process them, and assemble them into our machines. In doing so, we humans carry out a certain activity. In a sense, we bring about the existence of a realm of machines, but we create this realm of machines on the basis of the materials we extract from the earth.
[ 6 ] Stellen Sie sich nun vor, wir hätten es nicht mit Menschen zu tun, die aus irdischen Materialien, aus Eisen oder Holz Maschinen herstellen, sondern mit den Wesenheiten der nächsthöheren Hierarchie, den Wesenheiten, denen wir die Namen geben: Angeloi, Archangeloi, Archai. Man könnte nun fragen: Was haben denn diese Wesen eigentlich zu tun? Haben sie auch so etwas zu tun, was sich vielleicht vergleichen ließe mit der Tätigkeit, von der eben gesprochen worden ist, und die dazu führt, daß ein Reich der Maschinen geschaffen wird? Ja, diese Angeloi, Archangeloi und Archai, sie haben auch ihre Tätigkeit. Diese Tätigkeit spielt sich eben nur in der geistigen Welt ab. Und geradeso wie wir Menschen aus den untergeordneten Reichen, also zunächst aus dem mineralischen, aus dem pflanzlichen Reiche unser Eisen, unser Holz nehmen müssen, um unsere Maschinen zusammenzustellen, so brauchen die Angeloi, Archangeloi, Archai auch Materialien, um dasjenige, nun, sagen wir, zu erbauen — obwohl der Ausdruck natürlich sehr grob ist —, was sie erbauen sollen. Und was sind ihre Materialien? Zu vielem, was die Angeloi, Archangeloi, Archai zu leisten haben in der geistigen Welt, sind die Materialien gerade die Gedanken, die die Menschen als ihr Eigentum betrachten. Und es ist schon so: Während wir durch die Welt gehen und unsere Gedanken hegen, unser Gedankenleben gleichsam vom Inneren anschauen und als unser Eigentum betrachten, arbeiten an unseren Gedanken, ohne daß wir es wissen, die Angeloi, Archangeloi und Archai. Das allerwenigste, was in unseren Gedanken lebt, kommt uns zum Bewußtsein, denn die Gedanken bedeuten noch viel anderes, als was uns zum Bewußtsein kommt, viel anderes, als was in unseren Seelen lebt. Während wir denken und unsere Gedanken erinnern, arbeiten gleichsam von außen nach ihrer Art, so wie sie unsere Gedanken brauchen können, die genannten Wesenheiten der höheren Hierarchie, der nächsten Hierarchie. Also stellen Sie sich durchaus jeden Menschen so vor, daß das nur eine Seite seines Gedankenlebens ist, was sich für sein Bewußtsein abspielt. Während er denkt, umschweben ihn fortwährend die Wesenheiten der genannten Hierarchien und arbeiten mit Hilfe seiner Gedanken. Das sind ihre Materialien. Und das, was sie auf diese Art arbeiten, das gehört zu dem dazu, was gebraucht wird, damit aus der Erde einmal Jupiter, Venus, Vulkan hervorgehen können. Das gehört zu dem, was den Fortschritt in der Entwickelung des Weltenalls bewirkt. Und unser ganzes Leben bis zum Tode hin arbeiten an den Gedanken, insofern sie von unserem Wesen gleichsam umschlossen werden, von außen herein die genannten Wesen der höheren Hierarchie.
[ 6 ] Now imagine that we were not dealing with human beings who build machines out of earthly materials—such as iron or wood—but with the beings of the next higher hierarchy, the beings to whom we give the names: Angeloi, Archangeloi, Archai. One might now ask: What, exactly, do these beings do? Do they also engage in an activity that could perhaps be compared to the one just described—one that leads to the creation of a realm of machines? Yes, these Angeloi, Archangeloi, and Archai do have their own activity. This activity simply takes place in the spiritual world. And just as we humans must take our iron and our wood from the lower kingdoms—that is, first and foremost from the mineral and plant kingdoms—in order to assemble our machines, so too do the Angeloi, Archangeloi, and Archai need materials to build—well, let’s say—what they are meant to build, although the expression is, of course, very crude. And what are their materials? For much of what the angels, archangels, and archai must accomplish in the spiritual world, the materials are precisely the thoughts that human beings regard as their own. And it is indeed the case that while we go through the world cherishing our thoughts, observing our inner life of thought from within, as it were, and regarding it as our own, the angels, archangels, and archai are working on our thoughts without our knowing it. The very least of what lives in our thoughts comes to our consciousness, for thoughts signify much more than what comes to our consciousness—much more than what lives in our souls. While we think and recall our thoughts, the aforementioned beings of the higher hierarchy—the next hierarchy—work, as it were, from the outside in their own way, just as they may need our thoughts. So imagine every human being in such a way that what takes place in their consciousness is only one aspect of their inner life of thought. While they think, the beings of the aforementioned hierarchies constantly hover around them and work with the aid of their thoughts. These are their materials. And what they create in this way is part of what is needed so that Jupiter, Venus, and Vulcan may one day emerge from the Earth. This is part of what brings about progress in the evolution of the universe. And throughout our entire life, right up to death, the beings of the higher hierarchies mentioned above work on our thoughts from the outside, insofar as these thoughts are, as it were, encompassed by our being.
[ 7 ] Und wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, dann wird ja, wie wir schon bei meiner vorigen Anwesenheit angedeutet haben, einige Zeit nachdem wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, unser ÄÄtherleib von uns genommen und dem allgemeinen Weltenäther einverwoben. Da wird nicht nur dasjenige einverwoben, was wir zuletzt sehen, indem wir auf die eine Seite unseres Gedankengewebes hinsehen, sondern da wird einverwoben dem allgemeinen Weltenäther auch das, was die genannten Wesenheiten erarbeitet haben. Während sie gewissermaßen an unserem einzelnen Gedankengewebe während unseres Lebens arbeiten, fügen sie dann die einzelnen Gedankengewebe des einen, des anderen, des dritten Menschen zusammen, so wie sie sie brauchen können, damit Neues entstehe im Fortentwickelungsgange der Welt. Das muß hineinverwoben werden in den allgemeinen Weltenäther, was sie da erwerben können durch das Zusammenfügen der einzelnen Ätherleiber der Menschen, die sie während der Zeit des physischen Lebens bearbeitet haben.
[ 7 ] And when we pass through the gate of death, then—as we already hinted at during my previous visit—some time after we have passed through the gate of death, our etheric body is taken from us and woven into the universal world ether. It is not only what we see last—by looking at one side of our thought-fabric—that is woven into it, but also what the aforementioned beings have worked out is woven into the universal world ether. While they work, so to speak, on our individual thought-fabrics during our lives, they then assemble the individual thought-fabrics of one person, another, and a third, as they see fit, so that something new may arise in the course of the world’s further development. What they are able to acquire through the interweaving of the individual etheric bodies of the human beings they have worked with during their physical lives must be woven into the general world ether.
[ 8 ] Sie sehen daraus, wie ernst es eigentlich steht mit unserem gedanklichen Innenleben. Recht ernst steht es damit. Je nachdem wir denken, werden wir brauchbar gefunden für den allgemeinen Weltenentwickelungsgang. Derjenige, der sein ganzes Leben sich nur bemüht hat, Dummheiten zu denken, oder sich nur bemüht hat, die Dinge zu denken, die Abbilder der physischen Welt sind, der wird nicht sehr gute Baumaterialien liefern für dasjenige, was aus seinem Ätherleib dem allgemeinen Weltenäther einverwoben werden soll. Eine ernste Sache ist es um das innere Leben, um das innere Gedankenleben, das uns während des Lebens zwischen Geburt und Tod wie unser Eigentum erscheint. Es gehört auf diese geschilderte Weise eigentlich der ganzen Welt an. Und so wenig wir Menschen Maschinen ohne Holz und Eisen machen könnten, so wenig könnten die höheren Wesenheiten fortarbeiten an dem Weltenwerdegang, wenn sie nicht ihre Baumaterialien finden würden an dem, was wir während unseres physischen Lebens an Gedanken ihnen geben können. Wir sind für sie der Grund und Boden, aus dem sie ihr Holz, ihr Eisen und so weiter, das heißt unsere Gedankengewebe, nehmen. Ihre erhabene Tätigkeit mit diesen Materialien üben sie aus ihrer die menschliche Wesenheit überragenden Weisheit aus; aber die Materialien muß ihnen das liefern, was in uns liegt.
[ 8 ] You can see from this just how serious our inner mental life really is. It is quite serious, in fact. Depending on how we think, we are deemed useful for the general course of world development. The person who has spent his entire life striving only to think foolish thoughts, or striving only to think of things that are mere reflections of the physical world, will not provide very good building materials for what is to be woven from his etheric body into the general world ether. It is a serious matter concerning the inner life, the inner life of thought, which appears to us as our own property during the life between birth and death. In the manner described, it actually belongs to the whole world. And just as we humans could not build machines without wood and iron, so too could the higher beings not continue working on the course of world development if they did not find their building materials in what we can give them in the form of thoughts during our physical lives. For them, we are the soil from which they draw their wood, their iron, and so on—that is, the fabric of our thoughts. They carry out their sublime work with these materials through their wisdom, which transcends the human being; but the materials must be supplied by what lies within us.
[ 9 ] Dasjenige, was wir so diesen Wesenheiten, den Angeloi, Archangeloi, Archai zu geben vermögen, das bildet für die ganze Zeit, die wir dann durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, etwas, das wir anzuschauen haben, auf das wir hinzublicken haben. Wir wissen ja, es wird von uns genommen wenige Tage schon, nachdem wir durch die Pforte des Todes geschritten sind. Aber so, wie wir weiterleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, ist unser seelischer Blick unablässig hingerichtet auf dasjenige, was wir so imstande waren hinzugeben zu dem allgemeinen Weltenäther-Gewebe. Und wie wir selber nun wiederum mitzuarbeiten haben an der Herstellung dessen, was sich dann mit der physischen Materie verbindet, um uns eine neue Inkarnation zu geben, so wirkt in diese unsere Arbeit hinein der Anblick dessen, was wir so der großen Welt gegeben haben. Kurz, ob wir auf etwas zu blicken haben, woraus wir neue Antriebe für eine nächste Inkarnation schöpfen können in diesem, dem Weltenäther einverwobenen Gedankengewebe, oder ob wir das nicht können, davon wird vieles abhängen in bezug auf die Art, wie wir imstande sein werden, für unsere neue Inkarnation vorzuarbeiten.
[ 9 ] What we are able to give to these beings—the Angeloi, Archangeloi, and Archai—forms, for the entire time we then live between death and a new birth, something we can contemplate, something toward which we can look. We know, of course, that it is taken from us just a few days after we have passed through the gate of death. But as we continue to live between death and a new birth, our soul’s gaze is constantly directed toward what we were able to contribute to the general fabric of the world-ether. And just as we ourselves must now once again cooperate in the creation of that which will then unite with physical matter to give us a new incarnation, so the vision of what we have thus given to the great world influences our work. In short, whether we have something to look to—from which we can draw new impulses for a future incarnation within this web of thought interwoven with the world-ether—or whether we cannot, much will depend on this with regard to the way in which we will be able to prepare for our new incarnation.
[ 10 ] So sind unsere Gedanken an unsere Körperlichkeit gebunden, bevor wir durch die Pforte des Todes gehen. Dann werden sie uns in einer gewissen Weise genommen, und sie werden in dem, was die genannten Wesenheiten aus ihnen gemacht haben, dem allgemeinen Weltenäther einverwoben, um nun nicht ein Dasein in uns zu haben, sondern ein Dasein außer uns. Daher kann man in der Geisteswissenschaft diesen Vorgang, um ihn sich immer zu merken, um ihn gewissermaßen zur Meditation immer vor sich zu haben, mit den Worten bezeichnen: Das Innere wird ein Äußeres. Denn genau so, wie wir hier mit dem physischen Auge auf Berge, Flüsse, Wolken, Sterne sehen, so sehen wir nach dem Tode auf das aus unserem Denken Gewobene hin als auf das Äußere, das von uns genommen und dem allgemeinen Weltenäther einverwoben ist. Außenwelt ist es jetzt, uns erhebende oder uns betrübende, uns stärkende oder schwächende Außenwelt. Das Innere ist ein Äußeres geworden.
[ 10 ] Thus, our thoughts are bound to our physicality before we pass through the gate of death. Then they are, in a certain sense, taken from us, and they are woven into the general world ether in the form that the aforementioned entities have fashioned from them, so that they no longer exist within us but rather exist outside of us. Therefore, in spiritual science, to always keep this process in mind—to have it before us, as it were, for meditation—we can describe it with the words: “The inner becomes the outer.” For just as we here see mountains, rivers, clouds, and stars with our physical eyes, so after death we look upon what has been woven from our thinking as the external world—that which has been taken from us and woven into the general world ether. It is now the external world—an external world that uplifts or saddens us, strengthens or weakens us. The inner has become the outer.
[ 11 ] Dann wissen wir, daß es eine fernere, sehr lange Zeit dauert, in der wir rückwärtsgehend auf eine gewisse Art dasjenige zu durchleben haben, was wir hier im Erdenleben durchgemacht haben, aber anders, als wir es im Erdenleben durchgemacht haben. Wir durchleben ja, wie wir wissen, mit dreifacher Schnelligkeit das abgelaufene Leben zwischen dem Tode und der Geburt in umgekehrter Reihenfolge, also das, was wir im letzten Jahre erlebt haben, zuerst, dann das vom vorletzten Jahre und so weiter. So leben wir das Leben nach dem Tode in Imaginationen zurück, aber anders, als wir es hier im physischen Leib gelebt haben. Nachdem unser Ätherleib von uns getrennt ist, leben wir das Leben zurück, so aber, daß wir jetzt nicht das erleben, was wir in unserem Fühlen, in unseren Willensimpulsen während unseres physischen Daseins erlebt haben. Nehmen wir den extremen Fall, wir hätten während unseres physischen Daseins jemanden verletzt, beleidigt, so haben wir etwas gefühlt, indem wir ihn beleidigt haben. Aber er hat auch etwas gefühlt. Das, was wir gefühlt haben, ist dasjenige, was uns aus unserem Fühlen heraus getrieben hat, ihn zu beleidigen, dann auch, was wir gefühlt haben vielleicht sogar als eine gewisse Befriedigung über die Tat. Kurz, Sie können sich ausmalen, was ein Mensch fühlt, im guten oder im schlimmen Sinne fühlt, wenn er irgend etwas auf dem physischen Plan bewirkt. Aber der andere, auf den sich das richtete, was wir getan haben, der fühlt etwas anderes. Derjenige, der beleidigt wird, fühlt etwas anderes als der, der beleidigt. Nach dem Tode, bei diesem Zurücklaufen, das jetzt charakterisiert werden soll, da fühlen wir die Wirkungen, die wir mit unseren Taten, mit unseren Willensimpulsen, ja auch mit unseren Gedanken in anderen Menschen, aber auch in anderen Wesenheiten angerichtet haben. Also nicht das, was wir schon gefühlt haben, während wir im physischen Leibe waren, fühlen wir jetzt, sondern das, was wir bewirkt haben in anderen Seelen, in anderen Wesenheiten. Das Äußere, das, was Außerliches geblieben ist während unseres physischen Lebens, das wird jetzt Inneres. Wie durch die Abtrennung des Ätherleibes das Innere ein Äußeres wird, so wird durch dieses Zurückleben das Äußere ein Inneres. Unsere Seele erfüllt sich mit dem, was wir innerhalb unseres physischen Daseins als Wirkungen angestellt haben. Das wird jetzt unser Innenleben: das Äußere wird ein Inneres. So wird das Innere ein Äußeres und das Außere ein Inneres. So wird der Mensch gleichsam gewendet, nachdem er durch die Pforte des Todes getreten ist.
[ 11 ] Then we know that there is a subsequent, very long period during which we must, in a sense, relive in reverse what we have experienced here in our earthly life—but differently than we experienced it in our earthly life. As we know, between death and birth we relive our past life at three times the speed and in reverse order—that is, first what we experienced in the last year, then what we experienced in the year before that, and so on. Thus, we relive our life after death in imaginings, but differently than we lived it here in the physical body. After our etheric body has been separated from us, we relive our life, but in such a way that we no longer experience what we felt or the impulses of our will during our physical existence. Let us take the extreme case: if, during our physical existence, we had hurt or insulted someone, we felt something when we insulted them. But they also felt something. What we felt is what drove us, out of our own feelings, to insult them—and perhaps even what we felt as a certain satisfaction with the act. In short, you can imagine what a person feels—whether in a good or bad sense—when they bring about something on the physical plane. But the other person—the one at whom our actions were directed—feels something else. The one who is insulted feels something different from the one who insults. After death, during this “retrograde journey” that we are now to characterize, we feel the effects that we have wrought in other people—and indeed in other beings—through our actions, our impulses of will, and even our thoughts. So it is not what we already felt while we were in the physical body that we now feel, but rather what we have brought about in other souls, in other beings. What was external—what remained external during our physical life—now becomes internal. Just as the inner becomes external through the separation from the etheric body, so too does the external become internal through this process of reliving the past. Our soul is filled with the effects we have brought about during our physical existence. This now becomes our inner life: the external becomes internal. Thus, the internal becomes external and the external becomes internal. In this way, the human being is, as it were, turned inside out after passing through the gate of death.
[ 12 ] Stellen Sie sich vor, wie Sie sich vorhin die Angeloi, Archangeloi und Archai in einem gewissen Verhältnisse zur menschlichen Gedankenwelt vorstellen mußten, jetzt die Geister der höheren Hierarchien vor: die Geister der Form, die Geister der Bewegung, die Geister der Weisheit, ja sogar noch die Geister des Willens, die Throne, die stellen Sie sich so vor, daß sie nun auch in einer Art Verhältnis zu dem stehen, was ich jetzt charakterisiert habe, wie der Mensch ein neues Inneres erwirbt, das jetzt aus dem Äußeren zusammengeschweißt wird. Mit ihrem geistigen Auge — wenn ich das Bild gebrauchen darf — sehen die Formgeister, die Geister der Bewegung, die Geister der Weisheit, die Geister des Willens herab auf jenes merkwürdige, bedeutungsvolle Schauspiel, das sich abspielt, nachdem der Mensch zwischen der Geburt und dem Tod dies oder jenes durch seine Taten, durch seine Willensimpulse innerlich erlebt hat; was er jetzt erlebt, nachdem er durch die Pforte des Todes geschritten ist, wo er die Wirkungen aufsammelt gleichsam, um sie zu einem neuen Inneren zu machen, zu jenem Inneren, das dann im Karma sich weiter ausleben kann bei dem Aufbau der späteren Inkarnation. Wie da alles, was sich draußen in der Welt als unsere Wirkungen ausbreitet, Inneres wird, das schauen die genannten Geister aus ihren geistigen Höhen an. Und das, was sie so anschauen, ist für sie nun Material, um noch etwas anderes als die genannten niedrigeren Geister der fortlaufenden Weltenentwickelung einzuverleiben, um vor allen Dingen Hilfe zu leisten, damit das Karma bewirkt werden kann, damit dasjenige, was so von außen nach innen gedrängt wird, die Grundlage abgibt in einem langsamen Aufbau, der da zwischen dem Tod und einer neuen Geburt jenes Gewebe vereinigt, das sich dann herabsenkt zu der physischen Vererbungssubstanz, um sich als Geistiges mit dem zu verbinden, was der Mensch von Vater und Mutter ererbt. Es ist vieles notwendig, damit das zustande komme, was sich so herabsenkt aus den geistigen Höhen und sich verbinden muß mit der Vererbungssubstanz, die von den Vorfahren abstammt. Nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, seinen Ätherleib abgelegt hat, nachdem er jenen Rücklauf durch die Seelenwelt bewirkt hat, von dem gesprochen worden ist, da beginnt ja bereits die Arbeit, die verrichtet werden muß zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, damit eben die neue Geburt, die neue Inkarnation zustande kommen könne.
[ 12 ] Just as you had to imagine the Angeloi, Archangeloi, and Archai in a certain relationship to the human realm of thought earlier, now imagine the spirits of the higher hierarchies: the spirits of form, the spirits of movement, the spirits of wisdom, and indeed even the spirits of will—the Thrones—imagine them as now also standing in a certain relationship to what I have just described: how a human being acquires a new inner life that is now forged together from the outer world. With their spiritual eye—if I may use that image—the spirits of form, the spirits of movement, the spirits of wisdom, and the spirits of will look down upon that remarkable, significant spectacle that unfolds after a human being, between birth and death, has inwardly experienced this or that through their deeds and impulses of will; what he now experiences after passing through the gate of death, where he gathers up the effects, as it were, to make them into a new inner being—that inner being which can then continue to unfold in karma during the formation of the subsequent incarnation. The spirits mentioned above observe from their spiritual heights how everything that spreads out in the outer world as our effects becomes part of the inner being. And what they thus observe is now material for them to incorporate something other than the aforementioned lower spirits of the ongoing development of the world—above all, to provide assistance so that karma can be brought to fruition, so that what is thus pressed from the outside inward may serve as the foundation in a slow process of formation that, between death and a new birth, unites that fabric which then descends into the physical hereditary substance to connect, as a spiritual element, with what the human being inherits from father and mother. Much is required for what descends from the spiritual heights to come to pass and to unite with the hereditary substance that originates from the ancestors. After a human being has passed through the gate of death, shed their etheric body, and completed that return journey through the soul world of which we have spoken, the work that must be accomplished between death and a new birth already begins, so that the new birth—the new incarnation—may indeed come to pass.
[ 13 ] Was wird da gearbeiter? Es ist eigentlich unendlich schwierig, die Art, wie da an uns gearbeitet wird im geistigen Weltenall draußen, zu charakterisieren. Sollte ich das charakterisieren, so könnte ich es vielleicht in der folgenden Weise durch eine schematische Skizze tun. Nehmen wir an, der Mensch tritt durch die Pforte des Todes. Sein Ätherleib wird dann abgelegt. Dasjenige, was er selber noch überblickt, bleibt ja verhältnismäßig lange Zeit irgendwie in der Umgebung der Erde. Ich habe Ihnen solche Dinge im Laufe der Zeit charakterisiert. Das aber, was die Angeloi, Archangeloi, Archai gewoben haben, geht so weit hinaus, indem es der allgemeinen Ätherwelt einverwoben wird, daß es sich in einer weiten Kugel entfaltet, deren Mittelpunkt die Erde ist. Also wie eine Geistatmosphäre umgibt der Weltenäther die Erde. Und diesem Weltenäther wird einverwoben, was wir aus unseren Gedanken gesponnen haben. Seien Sie nicht ängstlich darüber, wo Platz sein könnte für alle diese Gewebe: das Geistige durchdringt sich, und in dieser Sphäre sind alle diese Gewebe drinnen.
[ 13 ] What is happening there? It is actually incredibly difficult to describe the way in which we are being worked on in the spiritual universe out there. If I were to describe it, I might perhaps do so in the following way, using a schematic sketch. Let us assume that a human being passes through the gate of death. His etheric body is then shed. That which he himself can still perceive remains, in a sense, in the vicinity of the Earth for a relatively long time. I have described such things to you over the course of time. But what the Angeloi, Archangeloi, and Archai have woven extends so far outward—as it becomes interwoven with the general etheric world—that it unfolds into a vast sphere with the Earth at its center. Thus, like a spiritual atmosphere, the world ether surrounds the Earth. And what we have spun from our thoughts becomes interwoven with this world ether. Do not worry about where there might be room for all these fabrics: the spiritual permeates everything, and all these fabrics are contained within this sphere.
[ 14 ] In seinem weiteren Verlauf sieht der Mensch nun, nicht von innen, sondern von außen, dieses Gewebe. Und sein weiteres Leben ist eine Art Vergrößerung, ein Aufgehen im Weltenall. Und während der ganzen Zeit, während sich das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt abspielt, sieht der Mensch immer von außen herein, sieht er: Das bist du —, wie eine noch mächtigere, ausgedehntere Kugel, und auf dieser Kugel stellen Sie sich vor so etwas wie eine mächtige Landkarte. Es ist natürlich alles bildlich und grob ausgedrückt, aber es gibt schon die Tatsachen wieder. — Da, an dieser Landkarte, an diesem Globus wird gearbeitet, indem alles eingezeichnet, geistig eingearbeitet wird: Erstens dasjenige, was da vom Menschen selber erarbeitet worden ist in seinem Ätherleib, auf den der Mensch hinblicken kann, dann aber auch das, was jetzt menschliches Inneres geworden ist auf die Art, wie ich es geschildert habe. Das wird alles da eingearbeitet, indem an dem Menschen zwischen Tod und neuer Geburt Formgeister, Geister der Bewegung, Geister der Weisheit, Willensgeister arbeiten. Und wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wo sich die neue Inkarnation ergeben soll, dann ist dieses Gewebe fertig. Dann ist also eine mächtige Kugel da. Sie brauchen wiederum keine Angst zu haben, daß kein Platz da wäre für alle diese Kugeln; die können alle ineinander sein. Es ist natürlich ein Bild für eine geistige Sache. — Dann beginnt diese Kugel immer kleiner und kleiner zu werden, und sie wendet sich, so wie Sie einen Handschuh umwenden, daß das Innere Äußeres wird und das Äußere Inneres. Das, was gleichsam außen ist, das geht alles nach innen hinein, das wendet sich vollständig und wird so klein, daß es sich vereinigen kann mit dem menschlichen Keim, wie er sich ausbildet im Leibe der Mutter. Das ist auch ein Bild.
[ 14 ] As this process continues, the human being now perceives this fabric—not from within, but from without. And the rest of their life is a kind of expansion, a merging into the universe. And throughout this entire time, while life unfolds between death and a new birth, the human being always looks in from the outside; they see: “That is you”—like an even more powerful, more expansive sphere, and on this sphere, imagine something like a vast map. Of course, this is all figurative and a rough description, but it does reflect the facts. — Work is being done on this map, on this globe, by drawing everything in and incorporating it spiritually: first, that which has been worked out by the human being themselves in their etheric body—which the human being can look upon—and then also that which has now become part of the human inner being in the way I have described. All of this is incorporated there as form spirits, spirits of movement, spirits of wisdom, and spirits of will work on the human being between death and a new birth. And when the time comes for the new incarnation to take place, this fabric is complete. Then there is a mighty sphere. You need not fear, however, that there would be no room for all these spheres; they can all be contained within one another. It is, of course, a metaphor for a spiritual reality. — Then this sphere begins to grow smaller and smaller, and it turns inside out, just as you turn a glove inside out, so that the inside becomes the outside and the outside becomes the inside. What is, so to speak, on the outside all moves inward; it turns completely inside out and becomes so small that it can unite with the human embryo as it develops in the mother’s womb. This, too, is a metaphor.
[ 15 ] Man kann diese Dinge natürlich auch noch in einer anderen Bildlichkeit darstellen. Das ist ja hier auch schon geschehen. Aber wir wollen uns die Sache heute so vorstellen, daß nach Maßgabe desjenigen, was der Mensch den Wesenheiten der höheren Hierarchien während seines Lebens zwischen der Geburt und dem Tode hingegeben hat, diese Geister der höheren Hierarchien sowohl an der Welt wie auch an der Herstellung der geistigen Grundlagen für die neue Inkarnation des Menschen arbeiten. Das, denke ich, ist ein gewaltiger Gedanke, wenn er sich in gefühlsmäßiger Art festsetzt in unserer Seele, wenn wir gewahr werden, was eigentlich, so betrachtet, unser Leben für das gesamte Weltenall bedeutet, wie wir drinnenstehen in diesem Weltenall. Und notwendig ist es, daß immer mehr und mehr die Menschen sich von der Gegenwart an mit dem Bewußtsein durchdringen, so im Zusammenhange zu stehen durch ihr ganzes Leben mit einer geistigen Welt.
[ 15 ] Of course, these things can also be depicted using different imagery. That has already been done here. But today let us imagine the matter in such a way that, in accordance with what a person has given to the beings of the higher hierarchies during their life between birth and death, these spirits of the higher hierarchies work both on the world and on laying the spiritual foundations for the person’s new incarnation. That, I think, is a profound thought when it takes root in our souls on an emotional level, when we become aware of what our life actually means for the entire universe when viewed in this way, and how we are situated within this universe. And it is essential that, from this moment on, more and more people become imbued with the awareness that they are connected to a spiritual world throughout their entire lives.
[ 16 ] Die sehr gescheiten Leute von heute, die Gegner der Geisteswissenschaft sind, werden sagen: Das menschliche Leben geht ja weiter, auch wenn man nicht solche Kenntnisse unter den Menschen verbreitet, sondern Kenntnisse viel einfacherer Art. Denn das wären doch nur Dinge, die eben für das Denken da seien, womit man sich sein Denken beschweren könne; aber man brauche ja nicht das Leben mit solchen Gedanken zu belasten. — So sagen gewiß die ganz gescheiten Leute. Und sie fügen dann vielleicht auch noch hinzu: Die Menschen haben ja früher auch nicht solche unnötige Weisheit gewußt und haben auch vorwärtskommen können. — Die Menschen, die solches sagen, haben gar keine Ahnung, wie dumm das ist, was sie so sagen, weil nämlich eine solche Behauptung unter der Voraussetzung getan wird, daß es wirklich wahr sei, daß die Menschen immer so unwissend über die geistigen Geheimnisse des Daseins waren, wie sie es jetzt sind. Aber es ist gar nicht so lange her, daß die Menschen nicht so unwissend waren. Das kann man sogar an Äußerlichkeiten überall zeigen.
[ 16 ] Today’s very intelligent people, who oppose the science of the spirit, will say: Human life goes on, even if such knowledge is not disseminated among people, but rather knowledge of a much simpler kind. After all, these would be merely things intended for thought—with which one could burden one’s thinking—but there is no need to burden life with such thoughts. — That is certainly what the very clever people say. And they might even add: People in the past didn’t know such unnecessary wisdom either, and they were still able to make progress. — The people who say such things have absolutely no idea how foolish their words are, because such a claim is made on the assumption that it is actually true that people have always been as ignorant of the spiritual mysteries of existence as they are now. But it wasn’t that long ago that people weren’t so ignorant. This can even be demonstrated everywhere by outward appearances.
[ 17 ] Ich will Ihnen eine solche Außerlichkeit anführen. Hier habe ich noch niemals Gelegenheit gehabt, irgendeine Bildergalerie zu besuchen, um nachzusehen, ob sich auch hier in Stuttgart ähnliche Stücke befinden. Aber vor kurzem besuchten wir einmal eine Bildergalerie in Hamburg, und da stellte sich folgendes heraus. Sehen Sie, wenn heute die Maler kommen und das malen sollen, was wir als ein großes, gewaltiges Bild kennen, aber ein Bild für eine Wahrheit, wie wir ja wissen, den Sündenfall im Beginne des Alten Testaments, wenn die Maler diesen Sündenfall malen sollen auf Grund dessen, was sie heute für das Richtige halten, nun, da malen sie einen Baum, auf der einen Seite Eva, auf der anderen Seite Adam. Je nachdem sie Expressionisten, Impressionisten oder andere «isten» sind, malen sie diese menschlichen Gestalten mehr oder weniger aus, ich will sagen, an; aber jedenfalls malen sie dann an dem Baum eine Schlange. Das ist naturalistisch, nicht wahr, das ist realistisch. Genauer zugesehen für den, der wirklich denken kann, ist das aber gar nicht realistisch. Denn ich möchte das Weib kennen, selbst wenn es eine Eva wäre, die sich von so einer gewöhnlichen Schlange mit einem richtigen bloßen Schlangenkopf verführen ließe zu dem, wozu sich die Eva hat verführen lassen. Ich meine, das gibt es ja nicht. Von einer solchen Schlange wird sich auch eine Eva nicht verführen lassen. Wir wissen ja, daß es sich um eine Verführung durch den Luzifer handelt. Aber kann denn Luzifer durch eine gewöhnliche Schlange dargestellt werden? Diese kann höchstens das Bild sein. Aber wir wissen von Luzifer, daß er sein Dasein eigentlich dadurch erhalten hat, daß er zurückgeblieben ist auf der Mondenstufe. Da hat es noch nicht solche Schlangen gegeben, wie sie sich während der Erdenzeit gebildet haben. Es ist also ganz unnaturalistisch, eine reine Schlange mit einem riesigen Schlangenkopf zu malen. Wie müßte man denn Luzifer eigentlich malen, wenn man ihn richtig, realistisch im Sinne unserer Geisteswissenschaft malen wollte? Man müßte ihn so malen, daß man ausdrückte, wie Luzifer für eine, noch das Imaginative ausdrückende Entwickelung während der Mondenzeit war, so wie ich es geschildert habe in der Akasha-Chronik. Das heißt, wenn man näher darauf eingeht, wird man finden, daß das, was als Erdenkopf beim Menschen jetzt physisch geworden ist, mit der dicken, manchmal sehr dicken knöchernen Hirnschale, dazumal noch dünn war. Es war imaginativ zu sehen. Aber das, was daran hängt — Sie können es am Skelett sehen, wie der Mensch eigentlich aus den zwei Teilen besteht, aus dem Hirn und dem Rückgrat —, das hängt daran nur wie ein ganz dünner Streifen. Das andere ist eigentlich Erdenwerk. Und vom Menschen ist wesentlich dasjenige, was eigentlich Schädel ist, vom Monde, und das Rückenmark ist als Anhänger herübergekommen. Das andere alles ist durch das, was wir als Erdensein ausgebildet haben, darangesetzt worden. Wie wird also Luzifer auszusehen haben für ein imaginatives Erkenntnisschauen? Er wird einen menschlichen Schädel gehabt haben, und daran hängend so etwas wie einen Schlangenleib, als damals Bewegliches ausgebildet, das Rückgrat. So wird er ausgesehen haben. Wenn man realistisch malen wollte, müßte man also den Baum malen, und an dem Baum den menschlichen Kopf mit daranhängendem Schlangenleib, andeutend das Rückgrat. Dann würde man wahr malen. Aber man müßte dann etwas wissen von dem Geheimnis des Daseins, von den geistigen Welten, mit denen der Mensch im Zusammenhang steht.
[ 17 ] I’d like to give you an example of such an external feature. I’ve never had the opportunity here to visit an art gallery to see if there are similar works here in Stuttgart. But recently we visited an art gallery in Hamburg, and this is what we discovered. You see, when painters today are asked to paint what we recognize as a large, powerful painting—but a painting depicting a truth, as we know, such as the Fall of Man at the beginning of the Old Testament—when painters are asked to depict this Fall based on what they consider correct today, well, they paint a tree, with Eve on one side and Adam on the other. Depending on whether they are Expressionists, Impressionists, or other “-ists,” they will depict these human figures in greater or lesser detail—I mean, they’ll paint them; but in any case, they’ll then paint a serpent on the tree. That’s naturalistic, isn’t it? That’s realistic. But on closer inspection—for those who can truly think—that isn’t realistic at all. For I would like to know the woman—even if she were an Eve—who would allow herself to be seduced by such an ordinary snake with a mere snake’s head into doing what Eve was led to do. I mean, that simply doesn’t exist. Not even an Eve would allow herself to be seduced by such a snake. We know, after all, that this was a seduction by Lucifer. But can Lucifer really be represented by an ordinary snake? At most, it can be an image of him. But we know that Lucifer actually sustained his existence by remaining on the lunar stage. There were no snakes there yet like those that developed during the Earth era. So it is completely unrealistic to paint a pure snake with a gigantic snake’s head. How, then, should one actually paint Lucifer if one wanted to depict him correctly and realistically in the sense of our spiritual science? One would have to paint him in such a way as to express how Lucifer represented a stage of development during the Lunar era that still expressed the imaginative, just as I have described it in the Akashic Records. That is to say, if one looks more closely, one will find that what has now become physical in human beings as the “earthly head”—with its thick, sometimes very thick bony skull—was still thin back then. It could be perceived imaginatively. But what is attached to it—you can see from the skeleton how the human being actually consists of two parts, the brain and the spine—is attached to it only like a very thin strip. The rest is actually the work of the Earth. And what is essentially human—that which is actually the skull—comes from the Moon, while the spinal cord has come over as an appendage. Everything else has been added to it through what we have developed as earthly existence. So what will Lucifer look like to an imaginative, perceptive gaze? He will have had a human skull, and hanging from it something like a serpent’s body—formed at that time as a movable structure, the spine. That is what he will have looked like. If one wanted to paint realistically, one would have to paint the tree, and on the tree the human head with a serpent’s body hanging from it, suggesting the spine. Then one would be painting the truth. But one would then have to know something of the mystery of existence, of the spiritual worlds with which human beings are connected.
[ 18 ] Im Hamburger Bildermuseum finden Sie ein Bild aus dem 13., 14. Jahrhundert von dem sogenannten Meister Bertram. Da ist der Sündenfall genau so gemalt, wie ich es Ihnen jetzt geschildert habe. Da ist nicht jenes Abbild einer bloßen Schlange gemalt, sondern da ist all das gemalt an dem Baum, wie ich es Ihnen soeben geschildert habe. Was heißt das? Das heißt, es ist höchstens ein paar Jahrhunderte her, seit die Menschen nicht mehr wissen, wie sie mit der geistigen Welt im Zusammenhang stehen und daß es eine geistige Welt im gekennzeichneten Sinne überhaupt gibt. Also die Menschen sind so töricht geworden, daß sie glauben, so wie die Menschen jetzt mit den bloßen physischen Sinnen und mit dem bloßen Verstande, der an das Gehirn gebunden ist, die Welt anschauen, so hätte man sie immer angeschaut; sie wären nur etwas kindischer gewesen und hätten sich allerlei Mythen ausgedacht. So denkt heute die Universitätswissenschaft. Aber Unsinn ist das ganze, denn ein paar Jahrhunderte ist es erst her, seit die Menschheit das lebendige Anschauen der geistigen Welt verloren hat. Und gegenüber den großen Aufgaben der Erkenntnis ist die materialistische Wissenschaft der Gegenwart nichts anderes als der herumwandelnde Stumpfsinn gegenüber der geistigen Welt. Und dieser Stumpfsinn ist dasjenige, was als das Autoritative unter den Menschen heute herumwandelt, das, was als der große Fortschritt angestaunt wird. Er mußte einmal kommen. Wir wissen, warum er kommen mußte: damit die Menschen geschützt sind durch ihre bloße physische Entwickelung und frei werden können. Und das muß durchschaut werden. Und selbst von solchen äußeren Dokumenten, wie ich sie Ihnen angeführt habe, könnten die Menschen, wenn sie nur ein klein wenig, verzeihen Sie das, Grütze in ihren Köpfen hätten, ersehen, wie kurze Zeit es erst her ist, daß das geistige Anschauen den Menschen verlorengegangen ist. Aber es fällt den Menschen heute gar nicht ein, diese Dinge wirklich denkend anzuschauen. Man wählt lieber äußere Machtmittel, weil das bequem ist, weil man dabei nichts Besonderes zu lernen, sondern sich nur hinzustellen braucht an irgendeinen Laboratoriumstisch und sich gewisse Methoden eintrichtern lassen kann; und man erklärt dann durch äußere Machtsprüche, daß alles Irrtum und Unsinn und Phantasterei ist, was von der geistigen Welt redet. Das ist dasjenige, was statt des wirklichen Hinneigens zur geistigen Welt gegenwärtig den Menschen gegeben werden soll.
[ 18 ] At the Hamburg Picture Museum, you will find a painting from the 13th or 14th century by the so-called Master Bertram. The Fall of Man is depicted there exactly as I have just described it to you. It does not depict a mere snake, but rather everything on the tree, just as I have just described to you. What does this mean? It means that it has been at most a few centuries since people ceased to know how they are connected to the spiritual world—and that a spiritual world in the sense described even exists at all. So people have become so foolish that they believe that the way people now view the world—using only their physical senses and their intellect, which is bound to the brain—is the way it has always been viewed; they were simply a bit more childish and made up all sorts of myths. That is how academic science thinks today. But the whole thing is nonsense, for it has only been a few centuries since humanity lost its living perception of the spiritual world. And in the face of the great tasks of knowledge, contemporary materialistic science is nothing more than a wandering stupidity in relation to the spiritual world. And this dullness is what passes as authority among people today, what is marveled at as great progress. It was bound to come. We know why it had to come: so that people might be protected by their mere physical development and become free. And this must be seen through. And even from such external documents as I have cited for you, people—if they had just a little bit, forgive me for saying so, “grit” in their heads—could see how recently it was that spiritual insight was lost to humanity. But it does not even occur to people today to truly contemplate these things thoughtfully. People prefer to resort to external means of power because it is convenient; because it requires no special learning, but only standing at some laboratory table and having certain methods drummed into them; and then, through external pronouncements of authority, they declare that everything that speaks of the spiritual world is error, nonsense, and fantasy. This is what is currently being presented to people instead of a genuine inclination toward the spiritual world.
[ 19 ] Aber, meine lieben Freunde, gegenwärtig ist es noch so, daß alles das, wozu Erfindungsgabe gehört, noch als ein Erbgut von jenen alten Zeiten, in denen man in die geistige Welt hineingeschaut hat, geblieben ist. Wenn das auch einmal weg sein wird, dann werden die Menschen keine Erfindungen mehr machen. Und wenn Geisteswissenschaft das menschliche Denken nicht wiederum neu erflammen würde, so würde es keine fünfzig Jahre mehr dauern, dann würde alles, was so arbeitet in dem bloßen Materialismus, ein Reden über die äußere Materie sein, und niemandem würde mehr etwas einfallen, das die Kunst oder die Ideologie oder irgendwie das äußere Leben bereichern könnte. Daher ist es die strengste Forderung der Zeit, nicht eine bloße Vorliebe für irgendwelche spirituelle Träumerei, daß Platz greife ein Bewußtsein des Zusammenhanges der Menschheit mit der geistigen Welt, daß die Menschen wiederum hinaufschauen können. Und das können sie, nachdem das alte atavistische Hellsehen vergangen ist, indem sie durch die Geisteswissenschaft hindurchgehen.
[ 19 ] But, my dear friends, at present it is still the case that everything involving inventiveness remains as a legacy from those ancient times when people looked into the spiritual world. Once that is gone, people will no longer make inventions. And if spiritual science were not to rekindle human thought anew, it would not take more than fifty years before everything that operates within mere materialism would become nothing more than talk about external matter, and no one would come up with anything that could enrich art, ideology, or external life in any way. Therefore, the most urgent demand of our time—not merely a preference for some form of spiritual reverie—is that an awareness of humanity’s connection to the spiritual world take hold, so that people may once again look upward. And they can do so, now that the old atavistic clairvoyance has passed, by engaging with spiritual science.
[ 20 ] Und in diesem Sinne ist es schon notwendig, daß die Menschen lernen, wie befruchtend nicht nur für ein Wissen von der geistigen Welt, sondern für ein richtiges Denken auch über das ganze Leben das Herantreten an die Geisteswissenschaft ist. Immer wieder und wieder erfährt man, wie eigentlich die Menschen in der gegenwärtigen Zeit ganz abgeneigt sind, sich in jenes etwas komplizierte innere Seelenleben einzulassen, das schon einmal entwickelt werden muß, wenn man der geistigen Welt nahetreten will. Denken Sie sich doch nur einmal: so ein richtiger Durchschnittsprofessor von heute — selbstverständlich kann es Ausnahmen geben, es soll niemand getroffen werden, und um so mehr muß es gelobt werden, wenn einer da sein sollte in diesem Kreis —, so ein richtiger heutiger vortragender Universitätsprofessor, der wird diesen Dingen in der Regel gar nicht zuhören wollen, das ist ihm viel zu fad. Wenn man heute nämlich von geistigen Dingen redet, dann muß man in allgemeinen, verschwommenen Redensarten reden, die möglichst wenig besagen, die dann aber auch möglichst wenig bedeuten für das wirkliche Leben.
[ 20 ] And in this sense, it is indeed necessary for people to learn how enriching an approach to spiritual science is—not only for knowledge of the spiritual world, but also for proper thinking about life as a whole. Time and again, one sees how people today are actually quite averse to engaging with that somewhat complex inner life of the soul, which must first be developed if one wishes to draw near to the spiritual world. Just imagine: a typical professor of today—of course there may be exceptions; no one is meant to be singled out, and it is all the more praiseworthy if there happens to be one in this circle—a typical university professor who gives lectures today generally won’t even want to listen to these things; they are far too dull for him. For when one speaks of spiritual matters today, one must use general, vague expressions that convey as little as possible—and which, consequently, mean as little as possible for real life.
[ 21 ] Als ich vor kurzem einmal in Leipzig denselben Vortrag gehalten habe, den ich vorgestern hier über einen verklungenen Ton im deutschen Geistesleben hielt, da kamen zwei Herren nach dem Vortrag auf mich zu, zwei Herren von der gescheiten Sorte der genannten Menschen natürlich, und der eine sagte, er hätte sich eigentlich gewundert, daß ich so gesprochen hätte, denn er hätte erwartet, daß, wenn man von theosophischen Gesichtspunkten aus redet, man mehr in seine Denkweise hineinschlüge; er sei nämlich Pazifist und müsse insbesondere als Pazifist den gegenwärtigen Krieg betrachten.
[ 21 ] When I recently gave the same lecture in Leipzig that I gave here the day before yesterday on a faded note in German intellectual life, two gentlemen approached me after the lecture—two gentlemen of the intelligent sort among the people I mentioned, of course—and one of them said he had actually been surprised that I had spoken that way, for he had expected that, when speaking from a theosophical perspective, one would align more closely with his way of thinking; for he was a pacifist and, as a pacifist in particular, had to view the current war.
[ 22 ] Pazifismus, das ist diese Anschauung, welche seit einiger Zeit unter der Agide verschiedener Leute, der Bertha von Suttner, aber auch jenes Wesens, das in Petersburg als Cäsar und Papst zugleich gilt, gepflegt wird. Vor vielen Jahren habe ich in Berliner Vorträgen schon gesagt, charakteristisch für die Friedensbestrebungen sei, daß, seit wir sie haben, die größten und blutigsten Kriege in der Weltgeschichte geführt werden. Aber diese Bewegung ist gerade eine von denjenigen, die davon leben, möglichst unklare Phrasen unter die Menschheit zu bringen, die sich aber einschmieren in das menschliche Gefühlsleben, weil man sie nur zu verbreiten braucht, und man verbreitet ja lauter Liebe und lauter Güte. Ich erlaubte mir, dem Herrn zu sagen: Sehen Sie, wir leben jetzt in dem furchtbarsten der Kriege, den die Weltgeschichte bisher erlebt hat, wir haben es erlebt, daß im Juni oder Juli 1915 innerhalb eines einzigen Tages mehr Munition verschossen worden ist wie im ganzen Deutsch-Französischen Krieg! Wir haben bereits den Punkt erreicht, daß jetzt in diesem Kriege so viel Munition verschossen ist wie in allen Kriegen, die bisher mit dieser Munition überhaupt in der Welt, in der Menschheitsentwickelung, geführt worden sind. Ich sagte: Ist denn da nicht einzusehen, daß dasjenige, was sich nunmehr durch Jahrhunderte als Kultur abgespielt hat, sich selbst ad absurdum geführt hat, daß sich gezeigt hat, wozu es führt? — Nun, da wandte er ein: Ich sehe diesen Krieg als eine Krankheit an, und die muß eben geheilt werden; es ist ja nur eine Krankheit, die kann eintreten.
[ 22 ] Pacifism is that view which has been promoted for some time now by various people—Bertha von Suttner, for example—but also by that figure in St. Petersburg who is regarded as both Caesar and Pope. Many years ago, in lectures I gave in Berlin, I already said that what is characteristic of these peace efforts is that, ever since they have existed, the greatest and bloodiest wars in world history have been waged. But this movement is precisely one of those that thrive on spreading the most vague phrases possible among humanity—phrases that, however, insinuate themselves into people’s emotional lives, because all one needs to do is spread them, and after all, one is spreading nothing but love and goodness. I took the liberty of saying to the gentleman: “Look, we are now living through the most terrible of all the wars that world history has ever witnessed; we have seen that in June or July 1915, more ammunition was fired in a single day than in the entire Franco-Prussian War!” We have already reached the point where more ammunition has been fired in this war than in all the wars ever waged with this type of ammunition in the world, throughout the course of human development. I said: “Is it not obvious that what has unfolded over the centuries as ‘culture’ has reduced itself to absurdity, that it has become clear where this leads?” — Well, then he objected: “I regard this war as an illness, and it simply must be cured; after all, it is only an illness—it can happen.”
[ 23 ] Es ist nun ein solcher Satz besonders tief einleuchtend aus dem Grunde, weil er so selbstverständlich ist und weil er von irgendeiner Seite her ganz selbstverständlich richtig ist. Aber darauf kommt es nicht an, daß die Dinge richtig sind, sondern ob sie mehr oder weniger oberflächlich sind, darauf kommt es an. Richtig ist der Satz selbstverständlich: es ist eine Krankheit. Aber ich sagte ihm: Wenn Sie doch die Krankheit tiefer betrachten würden, warum tritt sie denn in den Menschen auf? Weil vorher etwas nicht in Ordnung ist! Die Krankheit ist ja erst die Reaktion gegen etwas, was vorher nicht in Ordnung war. Also wenn Sie nur etwas weiter denken würden von Ihrem Gesichtspunkte aus, so würden Sie darauf kommen, daß das eine Krankheit ist, die aber aufgetreten ist, weil vorher die Dinge nicht in Ordnung waren. Weil das gerade nicht in Ordnung war, ist die Krankheit aufgetreten, das stimmt. — Aber die Leute vermischen eben alle möglichen richtigen Dinge, weil sie trivial und selbstverständlich sind und weil sie eigentlich an tiefere Dinge nicht herankommen können. Das ist das Ernste, das man einsehen muß in der gegenwärtigen Zeit.
[ 23 ] This statement is particularly compelling precisely because it is so self-evident and because, from any perspective, it is obviously correct. But what matters is not whether things are correct, but whether they are more or less superficial—that is what matters. The statement is, of course, correct: it is a disease. But I said to him: If only you would look at the illness more deeply, why does it occur in people? Because something was wrong beforehand! The illness is, after all, merely a reaction to something that was wrong before. So if you would just think a little further from your point of view, you would realize that this is an illness, but one that arose because things were not right beforehand. It’s true that the illness arose precisely because things weren’t right—but people tend to mix up all sorts of correct ideas simply because they’re trivial and taken for granted, and because they’re actually unable to grasp deeper matters. That is the serious issue we must recognize in the present age.
[ 24 ] Wenn Sie eine solche Tatsache nehmen, wie die, die ich vorgestern vorgebracht habe mit Bezug auf Karl Christian Planck, dessen geistige Kapazität einfach daraus hervorgeht, daß er im Jahre 1880 genau voraussah, was sich heute abspielt, werden Sie aus der Art, wie er geschätzt und anerkannt worden ist, einsehen, daß diese Kultur, die sich da heranentwickelt hat, ganz dazu angetan ist, die Herrschaft der alles w.ahrhaftige Streben unterdrückenden Macht der Unfähigen gerade zur Weltenmacht zu machen. Darüber sollte man sich nur keiner Unklarheit hingeben. Das ist dasjenige, was man im tiefsten Sinne einsehen muß.
[ 24 ] If you take a fact such as the one I presented the day before yesterday regarding Karl Christian Planck—whose intellectual capacity is evident simply from the fact that in 1880 he accurately foresaw what is happening today—you will realize, from the way he has been valued and recognized, that this culture, which has developed in this way, is perfectly suited to turning the power of the incompetent—which suppresses all genuine striving—into a world power. One should not allow any ambiguity to arise on this point. This is what one must understand in the deepest sense.
[ 25 ] Ich will Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Ein Mensch hörte einmal, daß Goethe einen «Faust» geschrieben hat, und er sagte, er wollte kennenlernen, was eigentlich dieser Goethesche «Faust» enthält. Da fand der, den er also befragt hat, er müsse die bequemste, leichteste Methode herausfinden, damit der andere erfahren könne, was dieser «Faust» eigentlich enthält, und er dachte tief nach: Wie kann ich denn diesem Menschen, der nun keinen Sinn hat für die einfachste Idee des Goetheschen «Faust», eigentlich beibringen, was er enthält? — Da ging ihm ein Licht auf. Ihm fiel ein: es wird jetzt ja gerade eine neue «Faust»-Ausgabe in einer bestimmten Buchdruckerei gedruckt, da führe ich den Kerl hin, der wissen will, was im «Faust» steht. Und da sagte er ihm: Sieh einmal, in drei Wochen wird hier der «Faust» gedruckt. In ali den Hunderten von Setzkästen liegen die verschiedensten Buchstaben, und nun gib einmal acht, du wirst sehen, der Setzer nimmt diesen und jenen Buchstaben heraus und setzt die einzelnen Buchstaben zu Wörtern zusammen. Da wirst du genau sehen, wie man Seite um Seite zusammensetzt, und wie dann zum Schluß der «Faust» aus den einzelnen Buchstaben zusammenkommt. Da setzte sich der andere also durch Wochen hin und sah, wie der ganze «Faust» durch die Hände der Menschen durch die Buchstaben zusammengekommen ist!
[ 25 ] I’d like to tell you a little story. A man once heard that Goethe had written *Faust*, and he said he wanted to find out what this Goethean *Faust* actually contained. So the person he asked decided he had to find the most convenient, easiest way for the other man to learn what this *Faust* actually contains, and he thought deeply: How can I actually teach this man—who has no grasp of even the simplest idea in Goethe’s *Faust*—what it contains? — Then it dawned on him. It occurred to him: a new edition of *Faust* is currently being printed at a certain printing house; I’ll take the guy who wants to know what’s in *Faust* there. And so he said to him: “Look, *Faust* will be printed here in three weeks.” In all those hundreds of type cases lie all sorts of letters, and now pay close attention—you’ll see the typesetter take out this letter and that letter and assemble the individual letters into words. There you’ll see exactly how page after page is set, and how, in the end, *Faust* comes together from the individual letters.” So the other man sat there for weeks and watched as the entire *Faust* came together through human hands and through the letters!
[ 26 ] Ja, sehen Sie, ich kann das auch in etwas anderer Art erzählen. Es kam die neuere Zeit herauf. Da wollten die Leute wissen, was eigentlich im geistig-seelischen Leben vorhanden ist, und sie hatten ein Bedürfnis danach, einzusehen, wie Vorstellungen, Gedanken, Willensimpulse und Gefühle in der Menschenseele verwoben werden, was sie für die Gesamtwelt bedeuten. Sie fragten — die Menschen. Nun, da kam die neuere Wissenschaft, diese bloß naturalistische Wissenschaft, und die sagte: Nun, das werden wir schon machen! Da schauen wir, daß wir, soweit es jetzt schon sein kann, die einzelnen Gehirnbahnen, die Nervenfäden, die Ganglien und das alles untersuchen, wie das miteinander verwoben ist. Und da haben wir das Seelenleben drinnen. Genau dasselbe hat man, was man vom Goetheschen «Faust» hat, wenn man ihn so kennenlernt, wie der betreffende Mensch, der drei Wochen in der Druckerei gesessen hat, genau dasselbe! Nehmen Sie alle die Erzeugnisse, die heute fabriziert werden von den sogenannten PsychoPhysiologen, da haben Sie in bezug auf die geistigen Erkenntnisse der Welt dasjenige, was Sie über den ganzen «Faust» wissen, wenn Sie zugesehen haben, wie der «Faust» fabriziert wird aus dem Setzerkasten heraus. Das ist nur notwendig einzusehen, dann wird schon das erschütternde Gefühl die Seele überkommen, das nötig ist, um vorwärtszukommen im Entwickelungsgange der Menschheit.
[ 26 ] Yes, you see, I can also tell this story in a slightly different way. The modern era dawned. People wanted to know what actually exists in spiritual and soul life, and they felt a need to understand how ideas, thoughts, impulses of the will, and feelings are interwoven in the human soul, and what they mean for the world as a whole. They asked—the people. Well, then came modern science—this purely naturalistic science—and it said: “Well, we’ll take care of that! We’ll examine, as far as is currently possible, the individual neural pathways, the nerve fibers, the ganglia, and all of that, to see how they’re interwoven. And there we have the life of the soul.” You get exactly the same thing from Goethe’s *Faust* as you do when you get to know it the way that person did who spent three weeks in the printing shop—exactly the same thing! Take all the works produced today by the so-called psychophysiologists; in terms of the world’s spiritual insights, what you have there is exactly what you know about the entire *Faust* when you have watched how *Faust* is produced from the typesetting case. One need only realize this, and then the soul will be overcome by the profound feeling necessary to move forward in the course of human development.
[ 27 ] Ihr seid schöne Gegner, werden nun die Leute vom Naturalismus sagen, indem ihr unsere Wissenschaft, die wahre Wissenschaft, die streng naturgemäß vorgeht, so anschwärzt! — Aber es fällt uns gar nicht ein, sie anzuschwärzen. Wir stellen sie nur auf den rechten Punkt, an den richtigen Lebenspunkt hin. Wenn der «Faust» zustande kommen soll, muß für die «Faust»-Ausgabe selbstverständlich die Serzerarbeit gemacht werden; aber sie muß in ihrer richtigen Weltenlage erkannt werden.
[ 27 ] “You are fine opponents,” the naturalists will now say, “since you denigrate our science—the true science that proceeds strictly in accordance with nature!” — But it would never occur to us to denigrate it. We are merely placing it in its proper context, in the right context of life. If *Faust* is to come into being, the groundwork must of course be laid for the *Faust* edition; but it must be recognized in its proper place in the world.
[ 28 ] Das alles, was ich damit andeuten kann, gehört in dem Sinne, wie ich es auch gestern gemeint habe, zu den ernsten, bedeutsamen Aufgaben, die Mitteleuropa noch erwachsen werden. Das alles deutet auf diese ernsten Aufgaben hin. Und dieser Dinge zu gedenken in unserer heutigen ernsten Zeit, das ist schon dringend notwendig. Denn es ist unbedingt nötig, daß ein tieferer Sinn für wirkliche Wahrheit durch die Welt gehe, als er wehen kann unter dem Einfluß der materialistischen oder naturalistischen oder streng naturwissenschaftlichen Weltanschauung. Man braucht gar nicht Gegner davon zu sein, daß die Leute setzen lernen, damit «Faust»-Ausgaben gemacht werden können. Man braucht gar nicht Gegner davon zu sein, daß die Leute das Hirn, das Nervensystem studieren. All das soll studiert werden, was heute wirklich sehr wichtig ist zu studieren. Aber man muß in einer entschiedenen Weise Gegner davon sein, daß jene anmaßende Hochmütigkeit auftritt, die heute gerade in der materialistischen Wissenschaft ist, daß in einer so furchtbaren Weise das Gefühl dafür leidet, wie ernst und würdig gerade von Mitteleuropa aus — denn Westeuropa ist in bezug auf diese Dinge abgestorben — die Vergeistigung der Kultur geleistet werden muß. Ich sage das nicht bloß, um irgend etwas Paradoxes, irgend etwas Starkes zu sagen, sondern ich sage das aus der Notwendigkeit heraus, die für das Aussprechen solcher Dinge in unserer Zeit wirkt. Es wird eine Zeit kommen, wo man wahrheitsgemäß auf verschiedene Dinge wird hinsehen müssen; aber es ist heute noch nicht viel Sinn vorhanden für ein solches wahrheitsgemäßes Hinschauen. Tausende und Tausende von Beispielen für die innere Unwahrhaftigkeit des gegenwärtigen Wissenschafts- und Literaturbetriebes könnte ich Ihnen anführen. Lassen Sie mich eines wenigstens anführen, das ich gern schon im gestrigen öffentlichen Vortrag angeführt hätte, aber die Zeit ist ja immer zu kurz, und die Vorträge müssen leider so sehr kurz gehalten werden.
[ 28 ] Everything I am implying here belongs—in the sense I meant yesterday—to the serious, significant tasks that Central Europe still has to face. All of this points to these serious tasks. And it is urgently necessary to bear these things in mind in our serious times today. For it is absolutely essential that a deeper sense of true reality permeate the world than can prevail under the influence of a materialistic, naturalistic, or strictly scientific worldview. There is no need to oppose people learning typesetting so that editions of *Faust* can be produced. There is no need to oppose people studying the brain or the nervous system. All of this should be studied—it is truly very important to study these things today. But one must be resolutely opposed to the emergence of that presumptuous arrogance that is prevalent today precisely in materialistic science, and to the fact that, in such a terrible way, the sense of how seriously and worthily the spiritualization of culture must be achieved—precisely from Central Europe, for Western Europe is dead in regard to these matters—is suffering. I am not saying this merely to make some paradoxical or forceful statement, but out of the necessity that compels the articulation of such things in our time. A time will come when we will have to look at various things truthfully; but today there is still little inclination toward such truthful observation. I could cite thousands upon thousands of examples of the inner insincerity of the current scientific and literary establishment. Let me at least mention one that I would have liked to have cited in yesterday’s public lecture, but time is always too short, and the lectures must, unfortunately, be kept so brief.
[ 29 ] Sie können zum Beispiel in vielen Büchern von Ernst Faeckel — Sie wissen, ich schätze Ernst Haeckel sehr auf dem Gebiet, wo er zu schätzen ist — immer wieder und wiederum angeführt finden, daß er sich beruft auf Karl Ernst von Baer, den ausgezeichneten Naturforscher, den er seinen Lehrer nennt. Die Menschen nehmen heute selbstverständlich Haeckels Bücher in die Hand, studieren sie, betrachten sie als eine Art neuer Bibel oder wenigstens als eine Art von Schriften neuer Kirchenväter. Denn der Unterschied ist ja nicht der, daß man heute an ein eigenes Urteil glaubt, während man zur Zeit der Kirchenväter sich eben auf die Kirchenväter verlassen hat, sondern der Unterschied ist ein ganz anderer. Zu Tertullians, Gregors von Nazianz Zeiten, da waren diese die Kirchenväter, und auf sie haben die Leute geschworen. Heute schwören namentlich diejenigen, die Monistenvereine oder Vereine für eugenetische Weltanschauung oder ähnlich schöne Dinge gründen, auf den heiligen Darwin, den heiligen Haeckel oder auf den heiligen Helmholtz. Es ist — nur auf einem etwas anderen Gebiete — ganz dasselbe! Man nennt es nicht heilig, aber das macht ja den Unterschied nicht aus. Also die Leute lesen Haeckel und haben, wenn er so Karl Ernst von Baer anführt, die Meinung: Nun ja, man sieht schon, dieser große Naturforscher Karl Ernst von Baer war in bezug auf die Ablehnung jeder geistigen Welt mit Haeckel vollständig einig. Ich möchte manchem, der heute, nachdem er so ein bißchen hineingerochen hat in Haeckels, in Darwins Bücher, raten, bevor er daran geht, eine Filiale für einen Monistenverein zu gründen, mancherlei anderes vorher zu tun: so zum Beispiel wenn Haeckel Ernst von Baer anführt, selber einmal Karl Ernst von Baer in die Hand zu nehmen und zu lesen. Ich will Ihnen nur eine Stelle aus Karl Ernst von Baer vorlesen, wo er sich darüber ausspricht, wie es mit der geistigen Welt im Verhältnis zur Erdenwelt bestellt ist. Da sagt Baer: «Der Erdkörper ist nur das Samenbeet, auf welchem das geistige Erbteil des Menschen wuchert, und die Geschichte der Natur ist nur die Geschichte fortschreitender Siege des Geistigen über den Stoff. Das ist der Grundgedanke der Schöpfung, dem zu Gefallen, nein, zu dessen Erreichung sie Individuen und Zeugungs-Reihen schwinden läßt und die Gegenwart auf dem Gerüste einer unermeßlichen Vergangenheit erhebt.»
[ 29 ] For example, in many of Ernst Haeckel’s books—you know I hold Ernst Haeckel in high regard in the areas where he deserves it—you will find him repeatedly citing Karl Ernst von Baer, the outstanding naturalist whom he calls his teacher. People today, of course, pick up Haeckel’s books, study them, and regard them as a kind of new Bible or at least as a kind of writing by new Church Fathers. For the difference is not that people today trust their own judgment, whereas in the time of the Church Fathers people relied on the Church Fathers; rather, the difference is something entirely different. In the days of Tertullian and Gregory of Nazianzus, they were the Church Fathers, and people swore by them. Today, especially those who found monist societies or associations for eugenic worldviews or similarly lofty causes swear by Saint Darwin, Saint Haeckel, or Saint Helmholtz. It is—albeit in a slightly different field—exactly the same thing! They don’t call it “holy,” but that doesn’t make any difference. So people read Haeckel and, when he quotes Karl Ernst von Baer in this way, come to the conclusion: Well, you can see that this great naturalist, Karl Ernst von Baer, was in complete agreement with Haeckel regarding the rejection of any spiritual world. I’d like to advise some people today—who, after having dipped their toes a bit into Haeckel’s and Darwin’s books—to do a few other things before they set out to found a branch of a monist association: for example, when Haeckel quotes Ernst von Baer, to pick up Karl Ernst von Baer’s own work and read it for themselves. I’d like to read you just one passage from Karl Ernst von Baer, where he discusses the relationship between the spiritual world and the earthly world. Baer says: “The earthly body is merely the seedbed on which the spiritual heritage of humankind flourishes, and the history of nature is nothing but the history of the spiritual’s progressive victories over matter. This is the fundamental idea of creation, for the sake of which—no, in order to achieve which—it causes individuals and generations to fade away and raises the present upon the scaffolding of an immeasurable past.”
[ 30 ] Was sagt also dieser Baer? Der Erdenkörper, die Erde ist das Samenbeet, und da hinein werden versenkt die geistigen Keime, damit sie sich umhüllen. — Die reine Wahrheit hat dieser Baer gesagt im Beginne des 19. Jahrhunderts! Ernst Haeckel sucht sich diejenigen Sätze von Baer heraus, die ihm genehm sind. Diejenigen, die nichts tun, als höchstens Monistenvereine begründen, um die Weltenweisheit zu befördern, die wissen ja von alledem nichts anderes, als was Haeckel über Baer sagt, und leben in der Lüge weiter, ohne auch nur die leiseste Neigung dazu zu haben, sich von der Sache, die zugrunde liegt, selbst zu überzeugen. Von solchen Lügengeweben ist heute unsere Literatur überall durchzogen. Und überall kommt, namentlich in unserer populären wissenschaftlichen Literatur, das über Europa ausgegossene Streben nach möglichster Verwaschenheit und Verspieltheit, könnte man sogar sagen, der geistigen Bestrebungen und eine möglichste Ungeneigtheit zum Ausdruck, mit klaren, sicheren Menschenurteilen in diese Dinge hineinzuschauen und zu urteilen.
[ 30 ] So what does this Baer say? The physical body—the Earth—is the seedbed, and the spiritual seeds are planted there so that they may take on a physical form. — Baer spoke the pure truth at the beginning of the 19th century! Ernst Haeckel picks out only those statements by Baer that suit him. Those who do nothing more than, at best, found monist societies to promote worldly wisdom know nothing of all this other than what Haeckel says about Baer, and continue to live in a lie, without even the slightest inclination to convince themselves of the underlying truth. Our literature today is permeated everywhere by such webs of lies. And everywhere—particularly in our popular scientific literature—there is a manifestation of the trend sweeping across Europe toward the greatest possible vagueness and frivolity—one might even say, of intellectual endeavors—and the greatest possible reluctance to examine these matters and pass judgment with clear, confident human discernment.
[ 31 ] Da gibt es zum Beispiel, um Ihnen konkrete Dinge anzuführen, im Westen unter den Franzosen, unter den Briten, unter den Italienern, allerlei Freimaurerorden mit hohen Graden, solche mit dreiunddreißig Graden, aber es gibt auch solche mit über neunzig Graden. Gerade in solchen Orden ist im Laufe der letzten Jahrhunderte viel im trüben gefischt worden. Und wenn man einmal mit nüchternem, gesundem Urteil den Einfluß allerlei ungesunder, törichter, aber wohl in bezug auf die persönlichen und politischen Absichten bewußter Spielerei untersuchen wird, wenn man die Einflüsse und die Strömungen der Freimaurerei, die im Westen Europas existiert, auf den Anteil Italiens an diesem Krieg studieren wird, dann wird man erst von mancherlei Unklarheiten und Im-trüben-Fischereien in unserer sogenannten Kultur eine Ahnung bekommen! Das, was sich abgespielt hat, namentlich in solchen freimaurerischen Orden seit dem Ausbruch des Krieges, das wird eiinstmals ein kurioses Kapitel werden. Die deutschen Freimaurer werden dabei verhältnismäßig am besten wegkommen, denn von ihnen wird man das einzige sagen können: daß sie bei dem ganzen Spiel der Dumme gewesen sind. Sie haben nämlich, insofern sie mit den anderen in Bruderschaft gelebt haben, nichts gemerkt. Und das ist ja etwas, was noch — nun ja! — zu ihren Gunsten gesagt werden kann. Aber man soll nur ja nicht glauben, daß das, was sich von solchen Seiten geltend macht, ohne Einfluß sei auf das, was um uns herum lebt und wirkt in der sogenannten Kultur, und was nur wirken und leben kann, so lange als die anderen Menschen nicht wollen, daß ihr Urteil geklärt, gekräftigt wird durch den Einblick in die geistige Welt.
[ 31 ] To give you some concrete examples, there are in the West—among the French, the British, and the Italians—all sorts of Masonic orders with high degrees, some with thirty-three degrees, but there are also those with over ninety degrees. It is precisely in such orders that much has been fished in murky waters over the course of the last few centuries. And if one were to examine—with sober, sound judgment—the influence of all manner of unhealthy, foolish, yet—in terms of personal and political intentions—deliberate gamesmanship, and if one studies the influences and currents of Freemasonry as it exists in Western Europe with regard to Italy’s role in this war, only then will one begin to grasp the extent of the ambiguities and murky dealings within our so-called culture! What has taken place, particularly within such Masonic orders since the outbreak of the war, will one day become a curious chapter. The German Freemasons will come off relatively best in this regard, for the only thing that can be said of them is that they were the fools in this whole game. For, insofar as they lived in brotherhood with the others, they noticed nothing. And that is, after all, something that can still—well, yes!—be said in their favor. But one must not believe that what asserts itself from such quarters has no influence on what lives and works around us in so-called culture—and which can only live and work as long as other people do not want their judgment to be clarified and strengthened through insight into the spiritual world.
[ 32 ] Ich habe in meinem Buch «Gedanken während der Zeit des Krieges» aufmerksam gemacht, soweit man es in der öffentlichen Literatur kann, um verstanden zu werden — es ist Ja auch wenig verstanden worden —, auf gewisse Strömungen, die überall im Osten und im Westen sind. Diese Strömungen, sagen wir zum Beispiel die östliche der Slawophilen, auf die ich in dem genannten Schriftchen hingewiesen habe, wurzeln aber viel tiefer. Am Ende des 18. Jahrhunderts schon, und namentlich am Ende des 19. Jahrhunderts, aber auch schon Jahrzehnte früher, haben besonders die westlichen Freimaurerorden größeren Einfluß auf das russische Geistesleben gehabt, haben da hinübergepflanzt, haben da infiziert, eingeimpft dasjenige, was da auftauchen sollte. Und in vieler Beziehung ist der Slawophilismus und der Panslawismus wirklich die aufgegangene Saat dessen, was viele gerade aus diesen Freimaurerorden gepflanzt haben. Unter der Maske, unter dem Mantel der Zeremonie wurden die Leute zunächst sozusagen benebelt, wurde ihnen allerlei Firlefanz vorgemacht, damit sie dann geneigt sein können für gewisse Pläne. Und welche Dinge gespielt haben im Osten Europas von dieser westlichen Seite, davon wird sich die Menschheit dann, wenn einmal an die Stelle der kriegerischen andere Ereignisse getreten sein werden, entsprechend überzeugen!
[ 32 ] In my book *Thoughts During the War*, I drew attention—as much as one can in public literature in order to be understood (and indeed, it has been little understood)—to certain currents that exist everywhere in the East and the West. These currents—let us take, for example, the Eastern Slavophile movement, which I referred to in the aforementioned pamphlet—are, however, rooted much deeper. As early as the end of the 18th century, and particularly at the end of the 19th century—but also decades earlier—the Western Masonic orders, in particular, exerted a major influence on Russian intellectual life; they transplanted, infected, and instilled there what was to emerge. And in many respects, Slavophilism and Pan-Slavism are truly the seeds that have sprouted from what many planted precisely through these Masonic orders. Under the guise, under the cloak of ceremony, people were first, so to speak, befuddled; all sorts of frippery were presented to them so that they might then be inclined toward certain plans. And as for the schemes that have been orchestrated in Eastern Europe by this Western side—humanity will come to realize this once events other than war have taken their place!
[ 33 ] Wenn diese Orte, an denen wir in unseren Zweigen beisammen sind, die einzigen Orte sind, an denen man eben heute sprechen kann, so muß es wenigstens hier besprochen werden.
[ 33 ] If these places, where we gather in our branches, are the only places where one can speak freely today, then it must at least be discussed here.
[ 34 ] Ich wollte heute anknüpfen an jenes Große, Erhabene des Zusammenhanges des Menschen mit ganzen Hierarchien, das vor unsere Seele treten kann, wenn wir bedenken, daß das, was wir im Gedanken-, im Gefühlsleben in uns tragen, schon innerhalb unserer physischen Hülle zwischen Geburt und Tod, aber dann auch zwischen Tod und neuer Geburt in einem Gewebe darin ist, einer Weltenarbeit, an der ganze Hierarchien arbeiten im Weltenzusammenhange. Nicht darauf kommt es an, daß wir so sehr das einzelne wissen, sondern darauf, daß wir uns mit einer solchen Weltempfindung durchdringen können, und daß Sie, meine lieben Freunde, aus einer solchen Betrachtung weggehen mit dem Gefühl dafür, was der Mensch innerhalb der Welt eigentlich ist, und was er wissen sollte über diesen seinen Zusammenhang mit der Welt. Darauf kommt es an. Daß alles dies in Ihren Seelen, in Ihren Herzen zusammenfließt in eine Weltenempfindung, und daß auf diese Weise etwas in Ihnen aufleuchtet von der Kraft, die sich anfeuern kann daran, was unserer Kultur einverleibt werden soll, soweit jeder es vermag nach dem Platze, auf den er gestellt ist in der Welt. Offizielle Gelehrte haben heute nicht gearbeitet an diesen Dingen; sie werden es nicht tun. Daher muß den Menschen auch das Auge aufgehen über die Stellung, die den offiziellen Gelehrten gebührt in der Welt: daß sie, insofern sie Laboratoriumsarbeit machen, zu vergleichen sind mit den Setzern, oder manche, die nicht Laboratoriumsarbeit machen, bloß mit Leuten, die die Setzerei beschreiben. Das sind zumeist heute die Philosophen, die an den Universitäten predigen.
[ 34 ] Today I wanted to build on that greatness, sublime aspect of humanity’s connection to entire hierarchies—which can arise before our souls when we consider that what we carry within us in our life of thought and feeling is already woven into our physical shell between birth and death, and then also between death and new birth, as part of a cosmic work at which entire hierarchies labor within the context of the cosmos. What matters is not so much that we know the details, but that we can imbue ourselves with such a sense of the world, and that you, my dear friends, may emerge from such contemplation with a sense of what the human being actually is within the world, and what he should know about this connection of his with the world. That is what matters. That all of this may flow together in your souls, in your hearts, into a sense of the world, and that in this way something may dawn within you of the power that can be kindled by what is to be incorporated into our culture, to the extent that each person is able, according to the place in which they are situated in the world. Official scholars today have not worked on these things; they will not do so. Therefore, people must also come to realize the position that official scholars deserve in the world: that, insofar as they do laboratory work, they are comparable to typesetters, or—in the case of some who do not do laboratory work—merely to people who describe the typesetting process. These are, for the most part, the philosophers who preach at the universities today.
[ 35 ] Daß das so ist, das soll doch in einzelnen Seelen gewußt werden. Denn das ist keine Kritik der Zeit, das ist eine Charakteristik. Nur dadurch, daß man in den verschiedenen Zeitaltern gewußt hat, wie die Dinge stehen, fanden sich die Kräfte, um die Entwickelung weiterzubringen, nur dadurch.
[ 35 ] That this is so should be known in each individual soul. For this is not a critique of the times; it is a characterization. It was only because people in the various ages knew how things stood that they found the strength to advance development—only through this.
[ 36 ] Das wollte ich insbesondere in dieser schweren Zeit — wo man ja nicht immer sagen kann, man wird sich wieder sehen — auf Ihre Seelen legen: etwas von Erkenntnis, was sich, wenn wir es in der richtigen Weise empfinden, verwandeln kann in eine heilige innere Pflicht der Menschenseele gegenüber dem Weltenzusammenhange. Tode über Tode umgeben uns heute in dem Ereignisse, das auf der einen Seite im angedeuteten Sinne die Frucht der vorhergehenden Entwickelung ist, das aber ein Merkzeichen sein muß für mancherlei, was zu geschehen hat, damit die Menschheit nicht in der Weise vorrückt, wie es die Beschreiber des Setzerkastens wollen, sondern so vorrücke, wie es der Notwendigkeit der Weltentwickelung entspricht.
[ 36 ] This is what I wanted to place upon your souls, especially in these difficult times—when one cannot always say that we will see each other again—: a measure of insight which, if we perceive it in the right way, can be transformed into a sacred inner duty of the human soul toward the fabric of the world. Death after death surrounds us today in this event, which, on the one hand, is—in the sense indicated—the fruit of previous developments, but which must also serve as a sign of the many things that must happen so that humanity does not advance in the way the typographers would have it, but rather in a way that corresponds to the necessity of the world’s development.
[ 37 ] Gewiß, ich habe gestern von dem Vater alles Materialismus, von Lamettrie, angeführt, daß er gesagt hat — selbstverständlich, Wahrheit ist auch das —, Erasmus hätte bloß notwendig gehabt, daß ein kleines Rädchen in seinem Nervensystem anders geworden wäre, dann wäre er vielleicht kein Erasmus, sondern ein Tor geworden. Ich habe gesagt, daß man das nicht zu widerlegen braucht. Aber wir, die wir vielleicht ein wenig vorbereitet sind, müssen ja auch noch ein wenig anderes darüber wissen.
[ 37 ] Certainly, yesterday I quoted the father of all materialism, Lamettrie, who said—and of course, this is also true—that Erasmus would have needed only for a tiny cog in his nervous system to have been different; then he might not have become Erasmus, but a fool. I said that there is no need to refute this. But we, who are perhaps a little better prepared, must also know a little more about it.
[ 38 ] Alles, was wir heute betrachtet haben, nehmen wir zusammen, lassen es Gefühl und Empfindung in uns werden, und wir sagen uns dann, wie wahr das ist, daß die zahlreichen Opfertode, die gegenwärtig gebracht werden, wirklich sich zum Erdendasein so verhalten, daß die Ätherleiber, die in frühem Lebensalter den Menschen genommen werden, lange, lange verbunden bleiben mit dem Erdendasein, und daß nun Menschen da sein müssen, die sich bewußt werden können dessen, was in diesen unverbrauchten Ätherleibern lebt, die alles dasjenige, was diese Menschen noch hätten in ihrem irdischen Leben verwenden können, wenn sie noch Jahrzehnte gelebt hätten, noch in sich enthielten, Das ist in dem Geistig-Ätherischen der Erde. Aber Menschen werden da sein müssen, die sich dessen bewußt sind in der Folgezeit, damit die Erdenkultur und nicht Ahriman die Früchte dessen bekommt, was in diesen Ätherleibern enthalten ist. Durchdringen wir uns also wirklich angesichts dessen, daß wir uns vorzubereiten haben in unseren Seelen für dasjenige, was geschieht, mit den Worten, die hier öfters ausgesprochen worden sind:
[ 38 ] Let us take everything we have considered today, let it become a feeling and a sensation within us, and then let us say to ourselves how true it is that the numerous sacrificial deaths that are currently being offered truly relate to earthly existence in such a way that the etheric bodies taken from human beings at an early age remain connected to earthly existence for a long, long time, and that there must now be people who can become aware of what lives within these unspent etheric bodies—which still contain within themselves all that these people could have utilized in their earthly lives had they lived for decades longer. This is present in the spiritual-etheric realm of the Earth. But there must be people who become aware of this in the time to come, so that earthly culture—and not Ahriman—may reap the fruits of what is contained in these etheric bodies. Let us therefore truly take to heart, in view of the fact that we must prepare ourselves in our souls for what is happening, the words that have often been spoken here:
Aus dem Mut der Kämpfer,
Aus dem Blut der Schlachten,
Aus dem Leid Verlassener,
Aus des Volkes Opfertaten
Wird erwachsen Geistesfrucht —
Lenken Seelen geist-bewußt
Ihren Sinn ins Geisterreich.
From the courage of the fighters,
From the blood of the battles,
From the suffering of the forsaken,
From the sacrifices of the people
The fruit of the spirit grows—
Guiding souls, spiritually aware,
Direct their minds toward the spirit realm.
