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The Spiritual Background of World War I
GA 174b

21 March 1921, Stuttgart

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The Spiritual Background of World War I, tr. SOL
  1. Zeitgeschichtliche Betrachtungen Band I

Sechzehnter Vortrag

Sixteenth Lecture

[ 1 ] Daß ich heute spreche, das ist durch eine Fragestellung der vorangehenden historischen Seminarstunde gefordert. Diese Fragestellung geht nach der Schuldfrage an der letzten Kriegskatastrophe, und es liegt ja gewiß da eine so wichtige, und man kann schon heute sagen, auch durchaus historisch wichtige Sache vor, daß die Beantwortung dieser Frage, soweit sie in einem so engen Rahmen in einer kurzen Zeit möglich ist, Ihnen nicht vorenthalten werden darf.

[ 1 ] The fact that I am speaking today stems from a question raised in the previous history seminar. This question concerns the issue of blame for the last war catastrophe, and it is certainly such an important matter—and one can already say today that it is also of great historical significance—that the answer to this question, to the extent that it is possible within such a limited framework and in a short time, must not be withheld from you.

[ 2 ] Ich möchte nur einige Bemerkungen voranschicken, damit Sie über den Sinn, aus dem heraus ich über diese Frage sprechen will, unterrichtet sind. Ich habe mit den Anschauungen, die ich mir bilden mußte über das Thema dieser heutigen Auseinandersetzungen, niemals zurückgehalten in Vorträgen, die ich im Goetheanum in Dornach gehalten habe, und ich habe da niemals ein Hehl daraus gemacht, daß mir diese Anschauungen als diejenigen erscheinen, welche vor der ganzen Welt vor allen Dingen ausgesprochen werden müßten. Ich bin nicht der Ansicht, daß in dieser wichtigen Frage die Sachen heute so liegen, daß man immer wieder und wiederum sagen soll, man müsse das objektive Urteil erst der Geschichte überlassen, man werde erst in einer zukünftigen Zeit ein objektives Urteil über diese Angelegenheit sich bilden können. Es wird im Laufe der Zeit, namentlich durch die fortwirkenden Vorurteile, ebenso viel verloren werden an Möglichkeiten, ein gesundes Urteil über diese Frage zu gewinnen, wie etwa vielleicht durch das eine oder andere gewonnen werden könnte. Ich sage ausdrücklich «vielleicht»; denn ich selbst glaube gar nicht, daß man in dieser Frage in der Zukunft wird ein besseres Urteil gewinnen können als schon in der Gegenwart.

[ 2 ] I would just like to preface this with a few remarks so that you are aware of the perspective from which I intend to speak on this issue. I have never held back from expressing the views I have formed on the subject of today’s debates in the lectures I have given at the Goetheanum in Dornach, and I have never made any secret of the fact that these views seem to me to be the ones that, above all else, must be articulated before the whole world. I do not believe that, on this important issue, the situation today is such that one should repeatedly say that an objective judgment must first be left to history, or that an objective judgment on this matter can only be formed at some future time. Over time, particularly due to the lingering effects of prejudice, just as many opportunities to arrive at a sound judgment on this question will be lost as might perhaps be gained through one or the other. I say expressly “perhaps”; for I myself do not believe at all that a better judgment on this question will be possible in the future than is already possible in the present.

[ 3 ] Das ist das erste, was ich sagen möchte. Ich muß es aus folgendem Grunde sagen: Wie Sie ja wissen, gehen jene Angriffe — ich möchte sie mit keinem Epitheton jetzt bezeichnen —, die sich gerade auf die kulturpolitische Seite meiner Wirksamkeit beziehen innerhalb der Grenzen Deutschlands, hauptsächlich von derjenigen Seite aus, die man die «alldeutsche» nennen kann, und ich muß natürlich gewärtig sein, daß auf dieser Seite alles, was ich irgendwie vorbringe, in der wildesten Weise ausgedeutet wird. Aber auf der anderen Seite glaube ich es nicht nötig zu haben, nach dieser Richtung hin besondere Worte zur Verteidigung zu sagen, denn die albernen Anschuldigungen, daß irgend etwas gegen das Deutschtum geschehe, richten sich ja selbst durch die Tatsache, daß schon während des Krieges hingestellt worden ist in die nordwestlichste Ecke der Schweiz das Goetheanum, also ein Wahrzeichen für dasjenige, was nicht etwa bloß innerhalb Deutschlands, sondern vor der ganzen Welt durch das deutsche Geistesleben geleistet werden soll. Wenn man in einer solchen Weise Zeugnis abgelegt hat für dasjenige, was das Deutschtum ist, so, denke ich, hat man nicht nötig, viele Worte zu machen, um böswillige Anschuldigungen in irgendeiner Weise zu widerlegen.

[ 3 ] That is the first thing I would like to say. I must say it for the following reason: As you know, those attacks—I do not wish to label them with any epithet at this time—which relate specifically to the cultural-political aspect of my activities within Germany come mainly from the camp that might be called the “Pan-German” camp, and I must, of course, expect that on that side, everything I say in any way will be interpreted in the wildest manner. But on the other hand, I do not believe it necessary to offer any special words of defense in this regard, for the absurd accusations that something is being done against German identity are refuted by the very fact that, even during the war, the Goetheanum was established in the northwesternmost corner of Switzerland, a symbol of what German spiritual life is meant to achieve—not merely within Germany, but before the whole world. When one has borne witness in such a way to what German culture is, I think there is no need to say much to refute malicious accusations in any way.

[ 4 ] Was ich weiter zu sagen habe, ist dies, daß ich mich immer bemüht habe, die Urteile derer, die hören, was ich nach dieser Richtung sage, nicht in irgendeiner Weise zu beeinflussen, und ich möchte, soweit das geht — selbstverständlich geht es ja nur in beschränktem Maße, wenn man sich kurz zu fassen hat —, das auch heute möglichst einhalten. Ich habe bei allem, was ich gesagt habe, im Auge gehabt, durch die Aufzählung dieser oder jener Tatsachen, dieser oder jener Momente, für jeden Grundlagen zu geben zur Bildung eines eigenen Urteils. Und so, wie ich es im ganzen Umfang der Geisteswissenschaft mache, daß ich niemals ein Urteil vorausnehme, sondern nur die Materialien zur Bildung eines Urteiles herbeizutragen versuche, so möchte ich es auch in diesen auf die historische Außenwelt bezüglichen Dingen tun.

[ 4 ] What I have to say further is this: I have always endeavored not to influence in any way the judgments of those who hear what I say on this subject, and I would like—as far as possible—to adhere to that today as well, though of course this is only possible to a limited extent when one must be brief. In everything I have said, my aim has been to provide everyone with a basis for forming their own judgment by listing these or those facts, these or those points. And just as I do throughout the entire field of spiritual science—never anticipating a judgment, but merely attempting to provide the materials necessary for forming one—so I would like to proceed in these matters relating to the historical external world as well.

[ 5 ] Nun, ich bemerke jetzt zur Sache selber: Mir scheint, daß die Diskussionen, die heute über die Schuldfrage angestellt werden, sich mehr oder weniger alle überall in der Welt im Grunde auf unmögliche Voraussetzungen stützen. Ich glaube meinerseits, daß man mit diesen selben Voraussetzungen, wenn man sie nur in der einen und anderen Art anwendet, ruhig beweisen kann, daß die gesamte Schuld am Kriege der etwas merkwürdige Nikita, der König von Montenegro, trägt. Ich glaube, daß man mit diesen Argumenten schließlich auch sogar den Beweis führen kann, daß Helfferich ein außerordentlich weiser Mann ist, oder daß sich der ehemals dicke Herr Erzberger während des Krieges nicht in einer merkwürdig lebendigen Weise durch alle möglichen Untergründe und Keller des europäischen Wollens durchgeschlängelt hat. Kurz, ich glaube, daß man mit diesen Argumenten außerordentlich wenig anfangen kann. Dagegen glaube ich, daß es durchaus richtig ist, was der gegenwärtige deutsche Außenminister Simons in seiner Stuttgarter Rede neulich gesagt hat; daß es nötig ist, die Schuldfrage ernsthaft zu behandeln. Nur habe ich die dieses ergänzende Ansicht, daß das nun wirklich auch geschehen sollte. Denn daß man betont, die Sache sei notwendig, damit hat man noch nicht getan, was zu geschehen hat, sondern es ist eben notwendig, daß es geschieht. Und daß es nötig ist, die Schuldfrage zu behandeln, das geht ja daraus hervor, daß gewissermaßen an die Spitze dieser letzten, unglückseligen Londoner Verhandlungen gestellt worden ist von dem durchtriebensten Staatsmann der Gegenwart, Lloyd George, der — wie soll man es nur nennen, man ist in Verlegenheit, über dasjenige, was gegenwärtig da figuriert, zutreffende Worte zu finden —, der Satz: Alles, was wir verhandeln, geht davon aus, daß für die Entente-Verbündeten die Schuldfrage entschieden ist.

[ 5 ] Well, let me now turn to the matter at hand: It seems to me that the discussions taking place today regarding the question of blame are, more or less everywhere in the world, fundamentally based on impossible premises. For my part, I believe that using these very same premises—if one applies them in one way or another—one can easily prove that the entire blame for the war lies with the somewhat peculiar Nikita, the King of Montenegro. I believe that, ultimately, one could even use these arguments to prove that Helfferich is an extraordinarily wise man, or that the formerly portly Mr. Erzberger did not, during the war, wind his way in a remarkably lively manner through all manner of underground passages and cellars of European will. In short, I believe that these arguments are of very little use. On the other hand, I believe that what the current German Foreign Minister Simons said in his recent speech in Stuttgart is entirely correct: that it is necessary to address the question of guilt seriously. However, I hold the supplementary view that this should actually be done. For merely emphasizing that the matter is necessary does not mean that what needs to be done has been done; rather, it is precisely necessary that it be done. And the fact that it is necessary to address the question of guilt is evident from the fact that, so to speak, at the forefront of these latest, unfortunate London negotiations, the most cunning statesman of our time, Lloyd George, placed—how should one even put it? One is at a loss to find the right words to describe what is currently taking place—the following statement: “Everything we are negotiating is based on the assumption that, for the Entente allies, the question of guilt has been settled.”

[ 6 ] Nun, wenn alles das, was wir verhandeln können, überhaupt unter dem Aspekt geschieht, daß die Schuldfrage entschieden sei, dann handelt es sich, wenn sie nicht entschieden ist, erst recht darum, beim Anfang die Verhandlungen damit zu beginnen, daß man ernsthaft die — Schuldfrage aufwirft und sie in ernsthafter Weise behandelt. Es muß durchaus betont werden, daß im Grunde genommen wirklichkeitsgemäß bis jetzt nichts anderes geschehen ist, in bezug auf diese Schuldfrage, als ein sehr merkwürdiger Entscheid der Siegermächte. Dieser Entscheid begründet sich, ganz nach den Regeln des heutigen Weltgeschehens, nicht auf eine objektive Beurteilung der Tatsachen, sondern einfach auf ein Diktat der Sieger. Die Sieger haben nötig, um ihren Sieg in entsprechender Weise auszunützen, der Welt zu diktieren, die andere Seite sei schuld am Kriege. Man kann ja den Sieg nicht ausnützen, wie man es auf seiten der Entente möchte, wie man ihn sogar — das kann ja zugestanden werden — von jenem Standpunkt aus ausnützen muß, wenn man nicht dem anderen die volle Schuld aufhalst. Sie werden leicht einsehen, daß man so, wie man da handelt, nicht handeln könnte, wenn man sagen würde: Ja, die Leute sind ja eigentlich gar nicht so zu beurteilen, wie es, sagen wir, während der Kriegskatastrophe geschehen ist.

[ 6 ] Well, if everything we can negotiate is based on the assumption that the question of guilt has already been decided, then—if it has not been decided—it is all the more important to begin the negotiations by seriously raising the question of guilt and addressing it in a serious manner. It must be emphatically stated that, in reality, nothing else has happened so far with regard to this question of guilt other than a very peculiar decision by the victorious powers. This decision is based—entirely in keeping with the rules of today’s world affairs—not on an objective assessment of the facts, but simply on a diktat by the victors. In order to capitalize on their victory in an appropriate manner, the victors need to dictate to the world that the other side is to blame for the war. After all, one cannot capitalize on the victory as the Entente would like to—and as one must, in fact, capitalize on it from that standpoint, as can be conceded—unless one places the full blame on the other side. You will readily see that one could not act as one is acting here if one were to say: “Yes, these people should not actually be judged the way they were, let’s say, during the catastrophe of the war.”

[ 7 ] Also es handelt sich darum — denn alles andere ist nur Literatur geblieben oder nicht einmal Literatur geworden —, daß vorläufig für die Schuldfrage nichts anderes getan worden ist, als daß ein Siegerdiktat erflossen ist. Und daß auf unbegreifliche Weise das geschehen ist, was im Grunde doch niemals hätte geschehen dürfen, daß dieses Siegerdiktat unterschrieben worden ist, damit ist eine Tatsache geschaffen, die man nicht genug bedauern kann. Denn man kann nicht sagen: Diese Unterschrift hat gegeben werden müssen, um das Unglück nicht noch größer zu machen. — Derjenige, der in die wirklichen Ereignisse hineinsieht, weiß, daß man doch durchkommt durch die gegenwärtige Weltsituation nur mit der Wahrheit und mit dem Willen zur vollen Wahrheit. Mag auch vielleicht das, was zunächst durch das Bedürfnis fließt, zu tragischen Situationen führen, man kommt heute doch mit nichts anderem durch. Die Zeiten sind zu ernst, sie rufen zu große Entscheidungen hervor, als daß sie anders gelöst werden können als mit dem vollen Willen zur Wahrheit.

[ 7 ] So the point is—since everything else has remained mere literature, or has not even become literature—that, for the time being, nothing has been done regarding the question of guilt other than the imposition of a victor’s diktat. And the fact that, in some incomprehensible way, what should never have happened in the first place did happen—that this victor’s diktat was signed—has created a reality that one cannot regret enough. For one cannot say: This signature had to be given in order not to make the misfortune even greater. — Anyone who looks closely at the actual events knows that one can navigate the current world situation only through the truth and the will to the full truth. Even if what initially flows from necessity may lead to tragic situations, one cannot get through today with anything else. The times are too serious; they demand decisions too momentous to be resolved in any way other than with a full commitment to the truth.

[ 8 ] Ich möchte betonen: Da ich in der kurzen Zeit, die mir zur Verfügung steht, nicht in der Lage bin, die Sache so zu geben, daß aus dem Inhalt meiner Sätze voll dasjenige, was ich sage, auch beweiskräftig erscheinen könnte, werde ich wenigstens in der Art, in der ich mich bemühe, die Dinge darzustellen, im Nuancieren, in der Weise, wie die Dinge gegeben werden, versuchen, Ihnen eine Grundlage zur Bildung eines Urteils auf diesem Gebiet zu geben. Nun, ich habe durch wirklich langjährige Erfahrungen, durch ein sorgfältiges Beobachten dessen, was im weltgeschichtlichen Werden sich vollzieht, herausbekommen, wie vor allen Dingen bei dem angelsächsischen Volk und insbesondere bei gewissen Menschengruppen innerhalb dieses angelsächsischen Volkes eine in einem gewissen Sinne durchaus weltgeschichtlich großzügig gehaltene politische Anschauung besteht. Bei gewissen Hintermännern, wenn ich sie so nennen darf, der angelsächsischen Politik besteht eine politische Anschauung, die ich in zwei Hauptsätzen zusammenfassen möchte: Erstens besteht die Ansicht — und es ist eine größere Anzahl von Persönlichkeiten, welche hinter den eigentlichen äußeren Politikern, die zuweilen Strohmänner sind, stehen, durchdrungen von dieser Ansicht —, daß der angelsächsischen Rasse durch gewisse Weltentwickelungskräfte die Mission zufallen müsse, für die Gegenwart und die Zukunft vieler Jahrhunderte eine Weltherrschaft, eine wirkliche Weltherrschaft auszuüben. Es ist dieses festgewurzelt in diesen Persönlichkeiten, wenn es auch, ich möchte sagen, auf materialistische Art und in materialistischen Vorstellungen von dem Weltenwirken festgewurzelt ist, es ist aber so festgewurzelt in denjenigen, die die wahren Führer der angelsächsischen Rasse sind, daß man es vergleichen kann mit den inneren Impulsen, welche einstmals das altjüdische Volk von seiner Weltmission hatte. Das altjüdische Volk stellte sich allerdings die Sache mehr moralisch, mehr theologisch vor; aber die Intensität des Vorstellens ist keine andere bei den eigentlich Führenden der angelsächsischen Rasse wie bei dem altjüdischen Volk. Wir haben es also in erster Linie mit diesem Grundsatz, den Sie verfolgen können auch äußerlich, zu tun und mit der besonderen Art der Lebensauffassung, wie sie bei dem angelsächsischen Volk, bei seinen repräsentativen Männern gerade, vorhanden ist. Es herrscht die Ansicht, daß dann, wenn so etwas vorliege, alles getan werden müsse, was im Sinne eines solchen Weltimpulses liege, daß man vor nichts zurückschrecken dürfe, was im Sinne eines solchen Weltimpulses liegt. Dieser Impuls wird in einer, man muß schon sagen, intellektualistisch außerordentlich großartigen Weise hineingetragen in die Gemüter derer, die dann in den mehr unteren Stellungen — wozu aber immer noch diejenigen der Staatssekretäre gehören — das politische Leben führen. Ich glaube, wer die eben angeführte Tatsache nicht kennt, der kann unmöglich den Gang der Weltentwickelung in der neueren Zeit verstehen. |

[ 8 ] I would like to emphasize: Since, in the short time available to me, I am unable to present the matter in such a way that the content of my statements alone could fully and convincingly demonstrate what I am saying, I will at least, through the way in which I endeavor to present these matters, through the nuances and the way in which I present them, I will try to provide you with a basis for forming a judgment in this area. Now, through many years of experience and through careful observation of what is unfolding in the course of world history, I have come to understand how, above all among the Anglo-Saxon people—and particularly among certain groups within that population—there exists a political outlook that, in a certain sense, is quite broad in its world-historical perspective. Among certain power brokers—if I may call them that—behind Anglo-Saxon politics, there exists a political outlook that I would like to summarize in two main points: First, there is the view—and a large number of figures standing behind the actual public politicians, who are sometimes mere figureheads, are imbued with this view—that certain forces of world development have bestowed upon the Anglo-Saxon race the mission to exercise world domination, true world domination, for the present and for many centuries to come. This is deeply rooted in these individuals—even if, I might say, it is rooted in a materialistic way and in materialistic conceptions of world affairs—but it is so deeply rooted in those who are the true leaders of the Anglo-Saxon race that it can be compared to the inner impulses that once drove the ancient Jewish people toward their world mission. The ancient Jewish people, however, conceived of the matter in more moral, more theological terms; yet the intensity of this conception is no different among the true leaders of the Anglo-Saxon race than it was among the ancient Jewish people. We are therefore dealing first and foremost with this principle—which you can also observe externally—and with the particular outlook on life that exists among the Anglo-Saxon people, especially among their representative figures. The prevailing view is that, when such a situation arises, everything must be done that is in keeping with such a world impulse, and that one must not shy away from anything that is in keeping with such a world impulse. This impulse is instilled—in a manner that must be described as intellectually extraordinary—into the minds of those who then conduct political life in the lower echelons—which still include the state secretaries. I believe that anyone who is unaware of the fact just mentioned cannot possibly understand the course of world development in recent times. |

[ 9 ] Das zweite, worauf sich diese ja für Mitteleuropa so traurige und verderbliche Weltpolitik richtet, ist das Folgende. Man ist weitsichtig. Diese Politik ist vom Gesichtspunkt des Angelsachsentums aus eben großzügig, ist durchsetzt von dem Glauben, daß Weltimpulse die Welt regieren und nicht die kleinen praktischen Impulse, von denen sich oftmals mit Überhebung diese oder jene Politiker leiten lassen. Diese Politik des Angelsachsentums ist’ in diesem Sinne eine großzügige; sie rechnet auch in einzelnen praktischen Maßnahmen mit dem weltgeschichtlichen Impuls. Das zweite ist dies: Man weiß, daß die soziale Frage ein weltgeschichtlicher Impuls ist, der unbedingt sich ausleben muß. Es gibt keinen der Führenden unter den angelsächsischen Persönlichkeiten, die in Betracht kommen, der nicht mit einem, ich möchte sagen, außerordentlich kalten, nüchternen Blick sich sagte: Die soziale Frage muß sich ausleben. — Aber er sagt sich dazu: Sie darf sich nicht so ausleben, daß die westliche, die angelsächsische Mission dadurch Schaden erleiden könnte. Er sagt da fast wörtlich, und diese Worte sind oft gesprochen worden: Die westliche Welt ist nicht dazu angetan, daß man sie ruinieren lasse durch sozialistische Experimente. Dazu ist die östliche Welt angetan. — Und er ist dann von der Absicht beseelt, diese östliche, namentlich die russische Welt, zum Felde sozialistischer Experimente zu machen.

[ 9 ] The second aspect on which this world policy—which is so sad and destructive for Central Europe—is focused is the following. They are far-sighted. From the Anglo-Saxon perspective, this policy is indeed magnanimous; it is permeated by the belief that global impulses govern the world, and not the petty practical impulses by which this or that politician often allows himself to be guided with arrogance. In this sense, this Anglo-Saxon policy is a magnanimous one; even in individual practical measures, it takes into account the impulse of world history. The second point is this: They know that the social question is a global historical impulse that must inevitably run its course. There is not a single one of the leading Anglo-Saxon figures in question who has not said to himself, with what I would call an extraordinarily cold, sober gaze: The social question must run its course. — But he also tells himself: It must not run its course in such a way that the Western, the Anglo-Saxon mission, might suffer harm as a result. He says, almost verbatim—and these words have often been spoken: “The Western world is not meant to be allowed to be ruined by socialist experiments. The Eastern world is meant for that.” — And he is then driven by the intention to turn this Eastern world—namely, the Russian world—into a testing ground for socialist experiments.

[ 10 ] Dasjenige, was ich Ihnen jetzt sage, ist eine Anschauung, die ich konstatieren konnte — vielleicht geht sie noch weiter zurück, das weiß ich vorderhand nicht — bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Mit kaltem Blicke wußte man im angelsächsischen Volke, daß sich die soziale Frage ausleben müsse, daß man durch diese das Angelsachsentum nicht ruinieren lassen wolle, daß daher Rußland werden müsse das Experimentierland für sozialistische Versuche. Und nach dieser Richtung hin wurde in der Politik tendiert, es wurde mit aller Klarheit nach dieser Politik hin tendiert. Und namentlich alle Balkanfragen, einschließlich derjenigen, durch die man im Berliner Vertrag den ahnungslosen Mitteleuropäern Bosnien und die Herzegowina zugeschanzt hat, alle diese Fragen wurden schon unter diesem Gesichtspunkte behandelt. Die ganze Behandlung des türkischen Problems von seiten der angelsächsischen Welt steht unter diesem Gesichtspunkt, und man hoffte, daß die sozialistischen Experimente, dadurch daß sie sich so abspielen, wie sie sich abspielen müssen, wenn die in die Irre gehende Proletarierwelt sich nach marxistischen oder ähnlichen Prinzipien richtet, daß dann diese sozialistischen Experimente auch für die Welt der Arbeiter eine deutliche Lehre sein werden in ihrem Ausgehen, in der Nichtigkeit, in der Zerstörung eine deutliche Lehre sein werden, daß man es so auch nicht machen könne. Man wird also die westliche Welt dadurch schützen, daß man im Osten zeigen wird, was der Sozialismus anrichtet, wenn er sich so verbreiten kann, wie man es für die westliche Welt nicht will.

[ 10 ] What I am about to tell you is an observation I have been able to confirm—perhaps it goes back even further, though I do not know that for certain at this point—all the way back to the 1880s. The Anglo-Saxon peoples knew full well that the social question had to run its course, that they did not want Anglo-Saxon civilization to be ruined by it, and that Russia, therefore, had to become the testing ground for socialist experiments. And political trends moved in this direction; there was a very clear tendency toward this policy. And in particular, all Balkan issues—including those through which Bosnia and Herzegovina were handed over to the unsuspecting Central Europeans in the Treaty of Berlin—all these issues were already being addressed from this perspective. The entire approach to the Turkish problem on the part of the Anglo-Saxon world is based on this perspective, and it was hoped that the socialist experiments, by unfolding as they inevitably must when the misguided proletariat follows Marxist or similar principles—that these socialist experiments would then serve as a clear lesson for the working class as well—in their outcome, in their futility, in their destruction—a clear lesson that things cannot be done that way either. The Western world will thus be protected by demonstrating in the East what socialism does when it is allowed to spread in a way that is undesirable for the Western world.

[ 11 ] Sie sehen, diese Dinge, von denen es durchaus auch möglich sein wird, sie vollhistorisch zu begründen, sind das, was seit Jahrzehnten der europäischen Situation, der Weltsituation überhaupt zugrunde liegt. Und aus diesen Dingen geht dann, ich möchte sagen, das hervor, was eine mehr nun schon gegen die physische Welt zu gelegene Ebene des weltgeschichtlichen Geschehens zeigt. Wir brauchen nur ganz aufmerksam dasjenige zu lesen, was der Phantast Woodrow Wilson, der aber doch im gegenwärtigen Sinne ein guter Historiker ist, in seinen verschiedenen Reden durch seine Worte hindurchscheinen läßt. Aber wir brauchen das nur, um ein Symptom für das zu haben, was ich sagen will. Durch die ganze neuere Geschichte herauf hat sich ergeben, daß der Orient, wenn man das auch gewöhnlich nicht bemerkt, eine Art von Diskussionsproblem für die ganze europäische Zivilisation ist. Es bleibt dem objektiven Beobachter doch nichts anderes übrig, als sich zu sagen: Durch die weltgeschichtlichen Ereignisse der neueren Zeit ist England begünstigt worden in einer gewissen Inaugurierung der Ihnen charakterisierten Mission. Das geht weit zurück, zurück bis zu der Auffindung der Möglichkeit, auf dem Seewege nach Indien zu kommen. Von diesem Freignis aus geht eigentlich im Grunde genommen auf verschiedenen Umwegen die ganze Konfiguration der neueren englischen Politik, und da haben Sie — wenn ich Ihnen das kurz schematisch andeuten darf; was ich jetzt sage, müßte man natürlich in vielen Stunden auseinandersetzen, ich kann aber in dieser Fragenbeantwortung die Sache nur andeuten —, da haben Sie das, was ich den Zug der von der englischen Mission getragenen Weltströmung nennen möchte, da haben Sie es so: sie geht von England aus durch den Ozean hindurch um Afrika herum nach Indien. An dieser Linie ist ungeheuer viel zu lernen. Diese Linie ist diejenige, um welche die angelsächsische Weltmission in Wahrheit kämpft und kämpfen wird bis aufs Messer, auch wenn es nötig ist, gegen Amerika bis aufs Messer kämpfen wird. Die andere Linie, die ebenso wichtig ist, das ist diese, die den Landweg darstellt, welche im Mittelalter eine große Rolle spielte, aber durch die Entdeckung Amerikas und durch den Einfall der Türken in Europa für die neueren Wirtschaftsentwickelungen eine Unmöglichkeit geworden ist. Aber zwischen diesen beiden Linien liegt der Balkan, und die angelsächsische Politik geht darauf hin, das Balkanproblem so zu behandeln, daß diese Linie völlig ausgeschaltet wird in bezug auf die Wirtschaftsentwickelung, daß allein die Seelinie sich entwickeln kann. Wer sehen will, kann das, was ich eben jetzt angedeutet habe, in all dem sehen, was sich abgespielt hat vom Jahre 1900 und schon früher bis zu den Balkankriegen, die dem sogenannten Weltkrieg unmittelbar vorangegangen sind, und bis zum Jahre 1914.

[ 11 ] You see, these things—which it will certainly be possible to justify fully from a historical perspective—are what have underlain the European situation, and indeed the global situation as a whole, for decades. And from these things, I would say, emerges what points to a level of world-historical events that is now situated more in opposition to the physical world. We need only read very carefully what the visionary Woodrow Wilson—who is, after all, a good historian in the modern sense—allows to shine through in his various speeches. But we need this only to have a symptom of what I wish to say. Throughout recent history, it has become apparent that the Orient—even if this is not usually noticed—is a kind of subject of debate for the entire European civilization. The objective observer has no choice but to conclude: Through the world-historical events of recent times, England has been favored in a certain inauguration of the mission I have characterized for you. This goes back a long way, all the way back to the discovery of the possibility of reaching India by sea. From this discovery, in fact, the entire configuration of modern English politics essentially stems—albeit via various detours—and there you have—if I may briefly outline this schematically; what I am saying now would, of course, require many hours to explain in detail, but in this response I can only touch upon the matter— there you have what I would like to call the trajectory of the world current driven by the English mission; there you have it: it runs from England across the ocean, around Africa, to India. There is an immense amount to learn from this line. This is the line for which the Anglo-Saxon world mission is truly fighting and will fight to the bitter end—even if it means fighting to the bitter end against America, if necessary. The other line, which is just as important, is the overland route, which played a major role in the Middle Ages but has become impractical for modern economic developments due to the discovery of America and the Turkish incursions into Europe. But between these two routes lies the Balkans, and Anglo-Saxon policy is aimed at handling the Balkan problem in such a way that this route is completely eliminated in terms of economic development, so that only the maritime route can develop. Anyone who wishes to see it can recognize what I have just indicated in everything that took place from the year 1900 and even earlier, up to the Balkan Wars—which immediately preceded the so-called World War—and up to the year 1914.

[ 12 ] Ein anderes liegt da noch vor, das Verhältnis von England zu Rußland. Diese Linie interessiert selbstverständlich Rußland gar nicht; aber Rußland interessiert sein eigenes Verhalten zu dieser Linie. England hat ja, wie Sie bereits gesehen haben, mit Rußland etwas Besonderes vor, das sozialistische Experiment, und es muß daher seine ganze Politik daraufhin anlegen, daß auf der einen Seite diese Wirtschaftslinie zustande komme, und auf der anderen Seite Rußland so eingeengt und eingedämmt werde, daß es zu den sozialistischen Experimenten eben den Boden hergeben könne. Das war im Grunde genommen dennoch die Weltsituation. Alles dasjenige, was getan worden ist bis zum Jahre 1914 auf dem Gebiete der Weltpolitik, steht unter dem Einfluß dieser Welttendenz. Wie gesagt, es gehörten viele Stunden dazu, um das im einzelnen auszuführen; ich wollte es aber hier zunächst wenigstens andeuten.

[ 12 ] There is another issue at hand: the relationship between England and Russia. This policy, of course, does not interest Russia at all; but Russia is interested in its own conduct with regard to this policy. As you have already seen, England has something special in mind for Russia—the socialist experiment—and must therefore gear its entire policy toward ensuring, on the one hand, that this economic policy is implemented, and on the other hand, that Russia is so constrained and contained that it can provide the very ground for these socialist experiments. That, in essence, was the world situation. Everything that was done up to the year 1914 in the realm of world politics was influenced by this global trend. As I said, it would take many hours to explain this in detail; but I wanted at least to hint at it here for the time being.

[ 13 ] Dasjenige, was nun dem gegenübersteht, und was ich durchleuchten ließ, als ich im Jahre 1919 meinen Aufruf «An das deutsche Volk und die Kulturwelt» schrieb, das ist die andere Tatsache, daß man sich leider immer in Mitteleuropa verschlossen hat dagegen, daran zu glauben, daß man eine politische Einstellung gewinnen müsse unter dem Gesichtspunkt solcher großzügigen historischen Impulse. Man konnte es innerhalb Europas, innerhalb des Kontinentes leider nicht dazu bringen, daß sich irgend jemand eingelassen hätte darauf, die Maßregeln, die getroffen wurden, unter dem Gesichtswinkel zu betrachten, daß man es mit solch großzügigen Tendenzen zu tun hatte. Sehen Sie, da kommen dann die Leute und sagen: Du mußt praktische Politik machen! Der Politiker muß ein Praktiker sein! — Nun lassen Sie mich durch ein Beispiel klarmachen, was eigentlich die Praktik solcher Leute bedeutet. Es gibt zahlreiche Leute, die sagen: Das ist alles Humbug, was da die Stuttgarter machen mit ihrer Dreigliederung, mit ihrem «Kommenden Tag» und so weiter. Das ist alles unpraktisch, das sind unpraktische Idealisten! — Nun, stellen Sie diese Leute jetzt vor Ihre Seele hin und denken Sie, wie es hoffentlich sein wird, es kämen die Jahre, wo wir — wenn ich mich so ausdrücken darf — Glück gehabt haben, wo wir etwas geleistet haben, errungen haben, was in der Welt dasteht. Dann werden Sie sehen, daß dieselben Leute, die jetzt sagen: Das alles ist unpraktisches Zeug —, dann kommen und sich anstellen lassen wollen, daß sie ihre praktischen Kenntnisse dann ausnützen wollen, um mit all ihrer Redekraft und Tätigkeit das zu verbreiten, was sie vorher als das unpraktische Zeug ausgeschrien haben. Dann wird die Sache plötzlich als praktisch angesehen. Das ist der einzige Gesichtspunkt, den diese Leute für ihre Praxis haben. Worum es sich dabei immer handelt, ist dies: man muß einsehen, daß die Dinge an ihrem Ursprung betrachtet werden müssen und daß dasjenige, was die «praktischen» Unpraktiker «unpraktisch» nennen, etwas ist, was oftmals gerade als ihrer Praktik zugrunde liegend gesucht wird. Sie wollen sich nur in die Dinge nicht versetzen, und dadurch sind sie zunächst unbrauchbar für dasjenige, was in Wirklichkeit geschieht.

[ 13 ] What stands in contrast to this—and what I sought to shed light on when I wrote my appeal “To the German People and the Cultural World” in 1919—is the other fact that, unfortunately, Central Europe has always been resistant to the idea that one must adopt a political stance informed by such generous historical impulses. Unfortunately, within Europe, within the continent, it was not possible to get anyone to agree to view the measures that were taken from the perspective that they were driven by such generous tendencies. You see, then people come along and say: You have to engage in practical politics! A politician must be a pragmatist!” — Now let me use an example to clarify what the “practicality” of such people actually means. There are many people who say: “It’s all nonsense, what the Stuttgart people are doing with their threefold social order, with their *Kommender Tag* and so on. It’s all impractical; they’re impractical idealists!” — Well, now picture these people in your mind’s eye and imagine—as we hope will be the case—that the years will come when we—if I may put it that way—have been fortunate, when we have accomplished something, achieved something that stands in the world. Then you will see that the very same people who now say, “All that is impractical nonsense”—will come and want to be taken seriously, wanting to use their practical knowledge to spread, with all their eloquence and energy, what they previously denounced as impractical nonsense. Then the matter will suddenly be regarded as practical. That is the only perspective these people have for their practice. What this always comes down to is this: one must realize that things must be considered at their source, and that what the “practical” impractical people call “impractical” is often precisely what is sought as the foundation of their practice. They simply do not want to put themselves in the situation, and as a result, they are initially useless for what is actually happening.

[ 14 ] Solch eine Praxis ungefähr war auch diejenige, die von den Politikern Europas befolgt worden ist. Das kann schon nicht anders gesagt werden. Und es handelt sich durchaus darum, einzusehen, daß die Nichtigkeit, das Ankommen auf dem Nullpunkt in bezug auf diese Politik ein tragisches Verhältnis Mitteleuropas war, als die Dinge sich zur Entscheidung drängten. Das, um was es sich da handelt, ist also, daß man auch einsehen muß: Unbedingt notwendig ist es, daß wir in Mitteleuropa dazu kommen, uns auf die Höhe eines großzügigen, vom Geist getragenen politischen Gesichtspunktes zu erheben. Ohne das können wir durchaus aus den Wirren der Gegenwart nicht herauskommen. Entschließen wir uns nicht dazu, dann kommt immer nur das zustande, was wir jetzt sich abspielen sehen. Ich bin der Ansicht, daß die politischen Probleme, die heute noch immer unter dem Einfluß der alten Maximen behandelt werden, so verknäuelt und so verworren sind, daß sie zunächst eben aus diesen alten Impulsen heraus überhaupt nicht gelöst werden können. Und nehmen wir an, die Entente-Staatsmänner hätten sich zusammengesetzt — ich sage Ihnen das als etwas, was ich mir als ehrliche Ansicht gebildet habe — und hätten, meinetwillen sogar unter der Führung von Lloyd George, diejenigen Friedensforderungen ausgeheckt, die sie vor der Londoner Konferenz in die Welt hinausgesetzt haben; aber nehmen wir an, sie hätten dann durch irgendein Ereignis die Ausarbeitungen dieser Friedensforderungen verloren und sie hätten sogar vergessen, wie diese Friedensforderungen gewesen waren — natürlich ist das eine unmögliche Hypothese, aber ich will dadurch etwas ausdrücken —, und nun nehmen wir an, Simons hätte dieses Elaborat zugestellt erhalten und hätte von seiner Seite aus diese selben Forderungen gestellt, ganz wörtlich gestellt sogar, ich bin überzeugt, sie wären zurückgewiesen worden mit derselben Entrüstung, mit der die Angebote Simons auf der Londoner Konferenz zurückgewiesen worden sind. Denn es handelt sich nicht um lösbare Probleme, sondern darum, daß man herumredet über Probleme, die zunächst unlösbar sind von diesem Gesichtspunkte aus. Das ist das, was durchaus für denjenigen, der die Wahrheit sucht auf diesem Gebiete, eben ausgesprochen werden muß.

[ 14 ] This was roughly the kind of approach that European politicians had followed. There is simply no other way to put it. And it is indeed a matter of recognizing that the futility—the reaching of a dead end—with regard to this policy was a tragic reality for Central Europe as events came to a head. What is at stake here, then, is that we must also recognize this: it is absolutely essential that we in Central Europe rise to the level of a magnanimous, spirit-driven political perspective. Without that, we will certainly not be able to extricate ourselves from the turmoil of the present. If we do not resolve to do so, then the only outcome will be what we are now witnessing unfold. I am of the opinion that the political problems, which are still being addressed today under the influence of the old maxims, are so tangled and so confused that they cannot be solved at all—at least not initially—by drawing on these old impulses. And let us suppose that the Entente statesmen had sat down together—I am telling you this as something I have formed into an honest opinion—and had, for my sake even under the leadership of Lloyd George, concocted those peace demands that they put out into the world before the London Conference; but let us suppose that, due to some event, they had lost the drafts of these peace demands and had even forgotten what those demands had been—of course, this is an impossible hypothesis, but I want to illustrate a point with it—and now let us suppose that Simons had received this document and, for his part, had put forward these very same demands, word for word, even, I am convinced they would have been rejected with the same indignation with which Simons’s proposals were rejected at the London Conference. For these are not solvable problems, but rather a matter of beating around the bush regarding problems that are, from this point of view, insoluble to begin with. This is precisely what must be stated for anyone seeking the truth in this area.

[ 15 ] Nun, jetzt gehen wir noch, ich möchte sagen, um eine Schichte tiefer gegen die rein physischen Ereignisse herunter. Sie wissen, den äußeren Anfang hat die Kriegskatastrophe genommen mit dem serbischen Ultimatum. Über die Veranlassung desselben, über all dasjenige, was vorangegangen ist diesem Ultimatum, habe ich ja so oft gesprochen, und es wird Ihnen möglich sein, sich über diese Dinge zu informieren, so daß ich eben heute durchaus mehr kursorisch reden darf. Es ging aus von dem österreichischen Ultimatum an Serbien der ganze Kreis, der ganze Zirkel von Verwicklungen. Nun, derjenige, der die österreichische Politik kennt, der namentlich die historische Entwickelung dieser österreichischen Politik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kennt, der weiß, daß dieses österreichisch-serbische Ultimatum zwar ein kriegerisches Vabanquespiel war, daß es aber, nachdem man die Politik, die getrieben worden ist, gemacht hatte, dann eine historische Notwendigkeit war. Man kann nicht etwas anderes sagen als dieses: Die österreichische Politik spielte sich auf einem Territorium ab, in dem es einfach von den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts an unmöglich war, mit den alten Regierungsprinzipien fortzuwursteln, und daß man fortwurstelte, das ist nicht ein von mir erfundener Ausdruck, das hat der Graf Taaffe, dessen Namen man in Österreich oftmals geschrieben hat «Ta-affe», im Parlament ja selbst gesagt. Er hat gesagt: Wir können nichts anderes machen, als fortwursteln.

[ 15 ] Well, now let’s go—I would say—one level deeper, down to the purely physical events. As you know, the war catastrophe began externally with the Serbian ultimatum. I have spoken so often about the reasons behind it—about everything that preceded this ultimatum—and you will be able to inform yourselves about these matters, so that today I can speak in a much more cursory manner. The entire chain, the entire circle of complications, stemmed from the Austrian ultimatum to Serbia. Now, anyone familiar with Austrian politics—and specifically with the historical development of that policy in the second half of the 19th century—knows that while this Austro-Serbian ultimatum was indeed a high-stakes gamble, it was, given the course of the policy that had been pursued, a historical necessity. One can say nothing other than this: Austrian politics unfolded in a territory where, from the 1870s onward, it was simply impossible to muddle through with the old principles of government; and that they did muddle through—this is not an expression I invented—was stated in Parliament by Count Taaffe himself, whose name is often written “Ta-affe” in Austria. He said: “We can do nothing else but muddle through.”

[ 16 ] Nun, die Notwendigkeit lag eben vor, gerade aus den komplizierten österreichischen Verhältnissen heraus, überzugehen zu einer klaren Einsicht in die Frage: Wie hat irgendeine Assoziation von Volkstümern dasjenige zu studieren, was geistige Angelegenheiten sind-, und in einem Assoziationsstaate, wie es der österreichische war, lag durchaus in den nationalen Fragen so etwas vor wie die Ausflüsse des geistigen Lebens. Diese Frage hat die österreichische Politik nicht einmal ordentlich anzuschauen begonnen, geschweige denn in Wirklichkeit studiert. Und wenn ich Überschau halte mit einem gewissen Willen, die Dinge zu wägen, sie nicht nach Leidenschaften bloß zu gruppieren oder aus der äußeren Geschichte herzunehmen, so erscheinen mir doch in der Vorgeschichte des serbischen Ultimatums andere Dinge ausschlaggebender noch als das, wozu sich dann die Ereignisse zusammengeballt haben, als die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand. Ich sehe da hin zum Beispiel auf den Umstand, daß sich vom Herbste des Jahres 1911 in das Jahr 1912 hinein wirtschaftliche Debatten im österreichischen Parlament abgespielt haben, die ja bis auf die Straße hinaus bedeutsam geworden sind, und die immer an die dazumal in Österreich bestehenden Verhältnisse anknüpften. Auf der einen Seite wurde dazumal eine ganze Anzahl von Betrieben stillgelegt aus dem Grunde, weil die ganze österreichische Politik so in die Enge getrieben war, daß sie sich nicht auskannte und in fruchtloser Weise versuchte, neue Absatzmärkte zu finden, aber diese nicht finden konnte. Das führte dann im Jahre 1912 zur Stillegung zahlreicher Betriebe und dazu, daß die Preise ungeheuer stiegen. Teuerungsunruhen, die bis zum Revolutionären gingen, entstanden dazumal in Wien und in anderen Gegenden Österreichs, und die Teuerungsdebatten, an denen der verstorbene Abgeordnete Adler einen so großen Anteil nahm im österreichischen Parlament, führten dazu, daß von der Galerie aus auf den Justizminister fünf Schüsse abgegeben wurden. Diese waren das Signal; so läßt sich in Österreich nicht weiter fortwirtschaften, so läßt sich das wirtschaftliche Leben nicht aufrechterhalten. Was hat der Zwischenminister Gautsch dazumal als einen Hauptinhalt seiner Rede gefunden? Er sagte, daß man sich mit aller Energie, das heißt mit den alten administrativen Maßregeln Österreichs, dafür einsetzen müsse, daß die Agitation gegen die Teuerung verschwinde. Das bezeugt Ihnen die Stimmung nach der anderen Seite hin.

[ 16 ] Well, precisely because of the complicated Austrian circumstances, it was necessary to arrive at a clear understanding of the question: How is any association of nations to study matters of the intellect—and in a federal state such as Austria, national issues certainly involved manifestations of intellectual life. Austrian politics has not even begun to properly examine this question, let alone study it in earnest. And when I take stock of the situation with a certain willingness to weigh things carefully—rather than merely grouping them according to passions or deriving them from external history—it seems to me that, in the events leading up to the Serbian ultimatum, other factors were even more decisive than the culmination of events, namely the assassination of the Austrian heir to the throne, Franz Ferdinand. I am referring, for example, to the fact that from the fall of 1911 into 1912, economic debates took place in the Austrian Parliament—debates that had significant repercussions even on the streets—and which were always tied to the conditions prevailing in Austria at the time. On the one hand, a large number of businesses were shut down at that time because Austrian politics as a whole had been driven into such a corner that it was at a loss and tried in vain to find new markets, but was unable to do so. This then led in 1912 to the closure of numerous businesses and to a tremendous rise in prices. Inflation-related unrest, which bordered on the revolutionary, broke out at that time in Vienna and other parts of Austria, and the debates on inflation—in which the late Member of Parliament Adler played such a major role in the Austrian Parliament—led to five shots being fired at the Minister of Justice from the gallery. These shots served as a signal: the economy cannot continue to be managed this way in Austria; economic life cannot be sustained under these conditions. What did Acting Minister Gautsch identify as the main thrust of his speech at that time? He said that every effort—that is, using Austria’s traditional administrative measures—must be made to ensure that the agitation against inflation subsided. This attests to the prevailing sentiment on the other side.

[ 17 ] Das geistige Leben spielte sich in den nationalen Kämpfen ab. Das wirtschaftliche Leben war in eine Sackgasse getrieben — das können Sie in allen Einzelheiten studieren —, aber niemand hatte Herz und Sinn dafür, daß es notwendig sei, die Bedingungen der weiteren Entwickelung des geistigen Lebens und des wirtschaftlichen Lebens abgesondert von den alten Staatsansichten, die gerade in Österreich sich in ihrer Nullität zeigten, zu studieren. In Österreich zeigte sich die Notwendigkeit, das Studium der weltgeschichtlichen Angelegenheiten so in Angriff zu nehmen, daß die Sache hinarbeitete auf eine Dreigliederung des sozialen Organismus. Das geht einfach aus solchen Tatsachen hervor, wie ich sie jetzt geschildert habe. Daran wollte niemand denken, und weil niemand daran denken wollte, deshalb spielten sich die Dinge so ab. Sehen Sie, dasjenige, was sich in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, im Beginne derselben, unter dem Einfluß der Wirkungen des Berliner Kongresses abspielte in Österreich, man braucht es nur mit ein paar Strichen zu beleuchten und man wird sehen, welche Kräfte da spielten. In Österreich waren die Verhältnisse schon im Beginne der achtziger Jahre so weit gediehen, ja sogar noch früher, daß der polnische Abgeordnete Otto Hausner im öffentlichen Parlamente die Worte aussprach: Wenn man so fortarbeitet in der österreichischen Politik, so werden wir in drei Jahren überhaupt kein Parlament mehr haben, sondern etwas ganz anderes. — Er meinte das staatliche Chaos. Nun natürlich, man übertreibt in solchen Auseinandersetzungen, man macht Hyperbeln. Es kam nicht in drei Jahren schon, es kam aber in einigen Jahrzehnten, was er für die Zukunft der nächsten drei Jahre prophezeit hatte.

[ 17 ] Intellectual life unfolded amid the national struggles. Economic life had been driven into a dead end—you can study this in detail—but no one had the heart or the mind to recognize the necessity of studying the conditions for the further development of spiritual and economic life separately from the old conceptions of the state, which were proving to be utterly worthless, particularly in Austria. In Austria, the need arose to approach the study of world-historical affairs in such a way that it would lead to a threefold division of the social organism. This simply follows from facts such as those I have just described. No one wanted to think about this, and because no one wanted to think about it, that is why things unfolded as they did. You see, what took place in Austria in the 1880s—at the very beginning of that decade—under the influence of the Berlin Congress, need only be briefly outlined to reveal the forces at work there. In Austria, conditions had already developed to such an extent by the beginning of the 1880s—indeed, even earlier—that the Polish representative Otto Hausner uttered the following words in a public parliamentary session: “If we continue down this path in Austrian politics, in three years we will no longer have a parliament at all, but something entirely different.” — He was referring to state chaos. Of course, in such debates people tend to exaggerate and use hyperbole. What he had predicted for the next three years did not happen in three years, but it did come to pass within a few decades.

[ 18 ] Ich könnte Unzähliges anführen gerade aus den Parlamentsdebatten Österreichs um die Wende der siebziger und achtziger Jahre, woraus Ihnen hervorgehen würde, wie man in Österreich sah, daß auch das Agrarproblem in furchtbarer Weise heraufrückte. Ich erinnere mich zum Beispiel sehr gut, wie dazumal anschließend an die Rechtfertigung des Baues der Arlbergbahn es ausgesprochen wurde von einzelnen Politikern der verschiedensten Schattierungen, daß man den Bau dieser Bahn in Angriff nehmen müsse, weil sich zeige, daß es einfach nicht mehr gehe, agrarisch richtig fortzuarbeiten, wenn in derselben Weise wie früher von Westen her die ungeheure Influenz mit landwirtschaftlichen Produkten so weiterginge. Selbstverständlich war das Problem nicht in der richtigen Weise angefaßt, aber es war eine richtige Prophetie gesprochen. Und alle diese Dinge-man könnte Hunderte anführen — würden zeigen, wie Österreich zuletzt, im Jahre 1914, so weit war, daß es sich sagen mußte: Entweder können wir nicht mehr weiter, wir müssen als Staat abdanken, wir müssen sagen, wir sind hilflos! — oder wir müssen durch ein Vabanquespiel, durch irgend etwas, was einer Oberschichte Prestige schafft, irgendwie aus der Sache herauskommen. — Wer überhaupt auf dem Standpunkte stand, Österreich solle weiterbestehen — und ich möchte wissen, wie ein österreichischer Staatsmann hätte ein Staatsmann bleiben können, wenn er nicht diesen Standpunkt gehabt hätte —, selbst wenn er ein solcher Tropf war wie Graf Berchtold, konnte sich nicht anders sagen als: Es muß so etwas geschehen —, man konnte eben nicht anders, als ein Vabanquespiel spielen. Mag es von gewissen Gesichtspunkten aus noch so eigenartig erscheinen, man muß das in seinen historischen Impulsen begreifen.

[ 18 ] I could cite countless examples, particularly from the Austrian parliamentary debates at the turn of the 1970s and 1980s, which would show you how people in Austria recognized that the agricultural problem was also becoming increasingly acute. For example, I remember very well how, at that time, following the justification for the construction of the Arlberg Railway, individual politicians of various political stripes stated that the construction of this railway had to be undertaken because it was becoming clear that it was simply no longer possible to continue farming properly if the immense influx of agricultural products from the west continued in the same way as before. Of course, the problem was not addressed in the right way, but a true prophecy had been spoken. And all these things—one could cite hundreds of examples—would show how Austria, in the end, in 1914, had reached the point where it had to say to itself: Either we can go no further, we must abdicate as a state, we must admit we are helpless! — or we must somehow extricate ourselves from the situation through a high-stakes gamble, through something that would bring prestige to the upper class. — Anyone who took the position that Austria should continue to exist—and I would like to know how an Austrian statesman could have remained a statesman if he had not held this position—even if he was such a fool as Count Berchtold, could not help but say to himself: “Something like this must happen”—one simply had no choice but to take a gamble. No matter how strange it may seem from certain perspectives, one must understand this in terms of its historical impulses.

[ 19 ] Nun, da haben wir sozusagen den Ausgangspunkt an einem Orte. Betrachten Sie diesen Ausgangspunkt einmal an einem anderen Orte, nämlich in Berlin. Nun, da möchte ich Ihnen zunächst ganz objektiv, um Ihnen einen Begriff zu geben von dem, was da wirkte, einiges rein Tatsächliche sagen: Sehen Sie — bitte, nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich auch da ganz objektiv charakterisiere —, im Jahre 1905 wurde derjenige Mann, auf dessen Schultern 1914 in Berlin dennoch die Entscheidung lag über Krieg und Frieden, der damalige General und spätere Generaloberst vor Moltke, zum Generalstabschef ernannt. Damals bei der Ernennung hat sich folgende Szene abgespielt — ich schildere so kurz als möglich —: Der General von Moltke konnte seiner Überzeugung nach das verantwortungsvolle Amt des Generalstabschefs nicht übernehmen, wenn er sich nicht erst mit dem obersten Kriegsherrn, dem Kaiser, auseinandersetzte über die Bedingungen der Annahme dieses Amtes. Und diese Auseinandersetzung hatte etwa folgenden Verlauf. Es handelte sich darum, daß bis dahin durch die Stellung der Generalität zu dem obersten Kriegsherrn die Sache so war, daß dieser — Sie haben das vielleicht da oder dort schon selber nachgelesen — oftmals bei den Manövern den Oberbefehl auf der einen oder anderen Seite führte, und Sie wissen ja, daß dieser oberste Kriegsherr auch regelmäßig gewonnen hat. Nun sagte sich der Mann, der 1905 berufen werden sollte, das verantwortungsvolle Amt des Generalstabschefs zu übernehmen: Natürlich, unter solchen Bedingungen kann man es nicht übernehmen; denn es kann auch einmal ernst werden, und dann soll man sehen, wie man Krieg führen kann unter den Voraussetzungen, unter denen man Manöver zusammenstellen muß, wenn man den obersten Kriegsherrn zum Befehlshaber hat, der doch siegen muß. — Nun beschloß der General von Moltke, dieses in ganz unverhohlener Weise offen und ehrlich dem Kaiser vorzutragen. Der Kaiser war außerordentlich erstaunt darüber, daß ihm seine zum Generalstabschef zu ernennende Persönlichkeit sagte, es ginge doch nicht, denn eigentlich verstünde der Kaiser nicht im Ernstfall einen Krieg zu führen. Also müsse man die Dinge so vorbereiten, daß sie im Ernstfalle auch gelten könnten, und er könne das Amt des Generalstabschefs nur übernehmen, wenn der Kaiser verzichte auf die Führung irgendeiner Seite. Der Kaiser sagte: Ja, aber wie liegt denn die Sache? Habe ich denn nicht wirklich gesiegt? Ist das so gemacht worden? — Er wußte nichts davon, was seine Umgebung gemacht hatte, und erst als man ihm die Augen öffnete, wurde er sich klar darüber, daß das nicht weiterginge, und man muß sogar sagen, er ging dann mit ziemlicher Bereitwilligkeit auf die Bedingungen ein; das soll auch durchaus nicht verschwiegen werden.

[ 19 ] Well, there we have, so to speak, the starting point in one place. Let’s consider this starting point in another place, namely Berlin. Now, to give you an idea of what was at work there, I’d like to begin by stating a few purely factual points quite objectively: You see—please don’t hold it against me if I describe this quite objectively as well—in 1905, the man on whose shoulders the decision regarding war and peace in Berlin in 1914 ultimately rested—the then-general and later Colonel General von Moltke—was appointed Chief of the General Staff. At the time of the appointment, the following scene took place—I’ll describe it as briefly as possible—: General von Moltke was convinced that he could not assume the responsible office of Chief of the General Staff unless he first discussed the conditions for accepting this office with the supreme commander, the Emperor. And this discussion unfolded roughly as follows. The issue was that, up to that point, due to the general staff’s relationship with the supreme commander—as you may have read here and there—he often held the supreme command on one side or the other during maneuvers, and as you know, this supreme commander regularly emerged victorious. Now, the man who was to be appointed in 1905 to assume the responsible office of Chief of the General Staff said to himself: Of course, under such conditions one cannot accept it; for things could become serious at some point, and then one would have to see how to wage war under the same conditions under which one must organize maneuvers when the supreme commander is the commander-in-chief, who, after all, must win. — General von Moltke then decided to present this to the Emperor in a completely frank, open, and honest manner. The Emperor was extraordinarily astonished that the man he was about to appoint as Chief of the General Staff was telling him it simply wouldn’t work, since the Emperor did not actually understand how to wage war in a real emergency. Therefore, he said, matters must be prepared in such a way that they would hold up in a real emergency, and he could only assume the office of Chief of the General Staff if the Emperor refrained from leading either side. The Emperor said: “Yes, but what is the situation? Haven’t I really been victorious? Is that how it was done?” — He knew nothing of what those around him had done, and only when his eyes were opened to the reality of the situation did he realize that things could not continue as they were; indeed, one must even say that he then agreed to the conditions with considerable willingness; this should by no means be concealed.

[ 20 ] Also, meine sehr verehrten Anwesenden, nachdem ich Ihnen diese Tatsache vorgelegt habe zur Bildung eines eigenen Urteils, bitte ich Sie — und ich darf vielleicht in Parenthese einfügen, es ist heute reichlich Veranlassung gegeben, daß ich in solchen Sachen nicht irgendwie färbe, denn ich kann durch eine hier anwesende Persönlichkeit in jedem Augenblick nachgeprüft werden —, nachdem ich Ihnen diese Tatsache vorgelegt habe, bitte ich Sie auch, nun zu erwägen, wo irgendwelche Verirrungen vorlagen, ob es nicht auch eine ganz eigentümliche Sache war, daß sich um den obersten Kriegsherrn herum Persönlichkeiten fanden — die auch ihre Nachfolgeschaft gefunden haben —, die mindestens nicht so gesprochen haben wie 1905 der spätere Generaloberst von Moltke, sondern die auch nach Übernahme eines Amtes in anderem Sinne gehandelt haben. Es ist heute gar nicht nötig, daß man der Welt immerfort vormacht, man müsse warten bis man die objektiven Tatsachen feststellen könne; es handelt sich nur darum, daß man den ernstlichen Willen habe, auf diese objektiven Tatsachen hinzuweisen.

[ 20 ] So, ladies and gentlemen, having presented this fact to you so that you may form your own judgment, I ask you—and may I perhaps add in parentheses, there is ample reason today for me not to distort the facts in any way, since I can be verified at any moment by a person present here—after I have presented this fact to you, I also ask you now to consider where any errors may have occurred, and whether it was not also a rather peculiar circumstance that, around the supreme commander, there were individuals—who have since found their successors—who, at the very least, did not speak as the future Colonel General von Moltke did in 1905, but who, after assuming office, acted in a different manner. Today, it is by no means necessary to constantly pretend to the world that one must wait until the objective facts can be established; the only thing that matters is having the sincere will to point out these objective facts.

[ 21 ] Und nun braucht man wirklich nicht zu spintisieren über einen Kronrat von 1914, von dem es sicher ist, daß Generaloberst von Moltke keine Ahnung hatte, daß er stattgefunden hat, denn er war im Juli 1914 bis kurz vor Ausbruch des Krieges zur Kur in Karlsbad abwesend. Das ist deshalb wichtig zu betonen, weil, wenn die Rede kommt auf Deutschlands Kriegshetzer, man dann folgendes sagen muß: Gewiß, solche Kriegshetzer hat es gegeben, und wenn man das spezielle Problem der Kriegshetzerei in Angriff nehmen würde, so würde es hapern bei solchen Persönlichkeiten, die ich vorhin auch angeführt habe, wenn man sie ganz weiß waschen wollte. Und schließlich das, was ich gesagt habe, daß man dem — ich weiß nicht, ob er weiß oder schwarz ist — Nikita von Montenegro auch eine harte Last der Kriegsschuld zuschreiben kann, das mag daraus hervorgehen, daß schon am 22. Juli 1914 die beiden Töchter, diese — verzeihen Sie den Ausdruck — dämonischen Frauen in Petersburg, in Anwesenheit von Poincare, bei einer besonders prunkvollen Hoffestlichkeit dem französischen Botschafter, der das Merkwürdige sich geleistet hat, daß er in seinen Memoiren in Altersgeschwätzigkeit die Sache selbst erzählt hat, gesagt haben: Wir leben in einer historischen Zeit; eben kam ein Brief von unserem Vater an, und der weist darauf hin, daß wir in den nächsten Tagen Krieg haben werden. Es wird großartig werden. Deutschland und Österreich werden verschwinden, wir werden uns in Berlin die Hände reichen. Nun, das haben die Töchter des Königs Nikita, Anastasia und Militza, am 22. Juli — ich bitte das Datum zu beachten — dem französischen Botschafter in Petersburg gesagt. Das ist auch eine Tatsache, auf die hingewiesen werden kann.

[ 21 ] And now there is really no need to speculate about a Crown Council meeting in 1914—one that Colonel General von Moltke certainly had no idea had taken place, since he was away in Karlsbad for a spa treatment from July 1914 until shortly before the outbreak of the war. It is important to emphasize this because, when the topic of Germany’s warmongers comes up, one must say the following: Certainly, such warmongers existed, and if one were to tackle the specific problem of warmongering, one would run into difficulties with the figures I mentioned earlier if one were to try to completely exonerate them. And finally, what I said—that one can also attribute a heavy share of the blame for the war to Nikita of Montenegro (I don’t know whether he is white or black)—may be evident from the fact that as early as July 22, 1914, his two daughters—these, forgive the expression, “demonic” women—in St. Petersburg, in the presence of Poincaré, at a particularly lavish court celebration, told the French ambassador—who, curiously enough, took the liberty of recounting the incident himself in his memoirs in a fit of senile rambling: “We are living in a historic moment; a letter has just arrived from our father, and it indicates that we will have war in the coming days. It will be magnificent. Germany and Austria will disappear; we will shake hands in Berlin.” Now, this is what King Nikita’s daughters, Anastasia and Militza, said to the French ambassador in St. Petersburg on July 22—please note the date. This is also a fact that can be pointed out.

[ 22 ] Nun also, man braucht sich, ich möchte sagen, um alle die weniger wichtigen Details im Grunde genommen nicht zu bekümmern. Dagegen wird doch eine bedeutsame Rolle das spielen, daß sich die Dinge bis zum 31. Juli 1914 in Berlin so zuspitzten, daß eigentlich alle Entscheide über Krieg und Frieden in Berlin auf die Schultern von Generaloberst von Moltke gelegt worden sind, und der konnte selbstverständlich aus keinen anderen als aus rein militärischen Untergründen heraus sich ein Urteil bilden über die Situation. Das ist dasjenige, was man wird berücksichtigen müssen; denn zur Beurteilung der Lage in Berlin dazumal ist es eigentlich nötig, daß man genau kennt, ich möchte fast sagen, von Stunde zu Stunde dasjenige, was sich in Berlin abspielte vom Sonnabend etwa um vier Uhr nachmittags bis um elf Uhr nachts. Das waren die entscheidungsvollen Stunden in Berlin, in denen sich eine ungeheure weltgeschichtliche Tragik abgespielt hat. Diese weltgeschichtliche Tragik spielte sich so ab, daß der damalige Generalstabschef aus dem, was geschehen war, oder wenigstens aus alledem, was man in Berlin über das Geschehen wissen konnte, gar nichts anderes tun konnte, als den Generalstabsplan ausführen zu lassen und auszuführen, der seit Jahren vorbereitet war für den Fall, daß etwa das einträte, was zum Schluß doch nur als das Einzutretende hat vorausgesehen werden können.

[ 22 ] Well then, I would say that, basically, there is no need to worry about all the less important details. On the other hand, the fact that the situation in Berlin had come to such a head by July 31, 1914, that virtually all decisions regarding war and peace in Berlin had been placed on the shoulders of Colonel General von Moltke will certainly play a significant role—and he could, of course, form his judgment of the situation based on nothing other than purely military considerations. This is what one must take into account; for in order to assess the situation in Berlin at that time, it is actually necessary to know precisely—I would almost say, hour by hour—what took place in Berlin from about four o’clock in the afternoon on Saturday until eleven o’clock at night. Those were the decisive hours in Berlin, during which an immense tragedy of world-historical proportions unfolded. This tragedy of world-historical proportions unfolded in such a way that the then Chief of the General Staff, based on what had happened—or at least on everything that could be known in Berlin about the events—could do nothing other than have the General Staff plan carried out, a plan that had been prepared for years in the event that something like this might occur—something that, in the end, could only have been foreseen as the inevitable outcome.

[ 23 ] Die verschiedenen Verbündungen waren durchaus so, daß man in keiner anderen Weise über die europäische Situation denken konnte, als so: Wenn die Balkanwirren sich nach Österreich herübererstrecken, wird sich Rußland unbedingt daran beteiligen. Rußland hat zu seinen Verbündeten Frankreich und England. Sie müssen sich in irgendeiner Weise daran beteiligen. Dann aber läuft automatisch die Sache so — man braucht gar nicht weiter darüber zu fragen —, daß Deutschland und Österreich zusammengehen müssen, und von Italien hatte man die bestimmteste Zusicherung, sogar im einzelnen stipuliert durch eine kurz vorher getroffene Vereinbarung, bis auf die Bestimmung der Divisionszahl sogar, wie es sich an einem eventuellen Kriege beteiligen werde. Das waren die Dinge, die man in Berlin wissen konnte, das waren die Dinge, die ein Mann, der eigentlich gegenüber der Weltsituation nur zweierlei kannte als Ausgangspunkte, vorliegen hatte. Es waren die zwei Maximen, die Generaloberst von Moltke hatte: Erstens, wenn es zu einem Kriege kommt, dann wird dieser Krieg furchtbar sein, ein Entsetzliches wird sich abspielen. Und wer die ganz feine Seele des Generalobersten von Moltke kannte, der wußte, daß nun wahrhaftig leichten Herzens sich eine solche Seele nicht in dasjenige, was sie für das Furchtbarste ansah, würde hineinstürzen können. Das andere war aber eine grenzenlose Hingabe an das Pflichtund Verantwortungsgefühl, und das konnte wiederum nicht anders als so wirken, wie es gewirkt hat.

[ 23 ] The various alliances were such that one could not conceive of the European situation in any other way than this: If the turmoil in the Balkans spreads to Austria, Russia will inevitably get involved. Russia has France and England as its allies. They must get involved in some way. But then the situation would automatically unfold—there was no need to ask any further questions—in such a way that Germany and Austria would have to join forces, and one had the most definitive assurance from Italy—even stipulated in detail by an agreement reached shortly before, down to the number of divisions—as to how it would participate in a possible war. These were the facts that were known in Berlin; these were the facts available to a man who, in view of the world situation, really had only two starting points. These were the two maxims that Colonel General von Moltke held: First, if war breaks out, it will be terrible; something horrific will unfold. And anyone who knew the very refined soul of Colonel General von Moltke knew that such a soul could truly not throw itself lightheartedly into what it regarded as the most terrible of events. The other was, however, a boundless devotion to a sense of duty and responsibility, and that, in turn, could not help but have the effect it did.

[ 24 ] Wenn dazumal dasjenige, was geschehen ist, hätte verhindert werden sollen, dann hätte es verhindert werden müssen von seiten der deutschen Politik aus; es hätte dasjenige verhindert werden müssen, was Sie vielleicht selbst als zu Verhinderndes heraus urteilen, wenn ich Sie auf folgende Tatsachen aufmerksam mache: Es war am Sonnabend Nachmittag; da nahte ja dasjenige heran, was zu einer Entscheidung führen sollte, und da traf denn nach vier Uhr der Generalstabschef von Moltke den Kaiser, Bethmann-Hollweg und eine Reihe von anderen Herren in einer Verfassung, die eigentlich eine ziemlich rosige zu sein schien. Es war eben eine Mitteilung von England gekommen — ich glaube allerdings, man kann diese Mitteilung kaum ordentlich gelesen haben, denn sonst könnte sie nicht so aufgefasst worden sein, wie sie aufgefaßt worden ist —, diese Mitteilung besagte nach der Ansicht der deutschen Politiker, daß man England doch noch zurechtkriegen könnte. Es hatte niemand eine Ahnung von dem unerschütterlichen Glauben an die Mission des Angelsachsentums, dagegen hatte man immer Vogel-Strauß-Politik getrieben, das war tragisch. Jetzt glaubte man, leichten Herzens aus einem solchen Telegramm herauslesen zu können, daß sich die Dinge auch anders abspielen könnten, und es geschah das, daß der Kaiser die Mobilisationsurkunde nicht unterschrieb. Also, ich bemerke ausdrücklich, daß zunächst am Abend des 31. Juli die Mobilisationsurkunde vom Kaiser nicht unterschrieben worden ist, obwohl der Generalstabschef aus seinem militärischen Urteil heraus die Meinung gehabt hat, daß man auf solch eine Depesche nichts geben dürfe, sondern unbedingt der Kriegsplan ausgeführt werden müsse. Statt dessen wurde dem Offizier vom Tage der Auftrag gegeben, in Gegenwart von Moltke, zu telephonieren, daß sich die Truppen im Westen von der feindlichen Grenze zurückzuhalten haben, und der Kaiser hat gesagt: Jetzt brauchen wir ganz gewiß nicht in Belgien einzumarschieren.

[ 24 ] If, at that time, what happened was to have been prevented, then it would have had to be prevented by German policymakers; it would have had to be prevented—that which you yourself might judge to be preventable—if I draw your attention to the following facts: It was Saturday afternoon; the moment that would lead to a decision was approaching, and then, shortly after four o’clock, Chief of the General Staff von Moltke met with the Emperor, Bethmann-Hollweg, and a number of other gentlemen in a mood that actually seemed quite optimistic. A message had just arrived from England—though I believe it is unlikely that this message was read properly, for otherwise it could not have been interpreted the way it was—and in the view of German politicians, this message suggested that England could still be brought to heel. No one had the slightest inkling of the unshakable faith in the mission of Anglo-Saxon civilization; on the contrary, they had always pursued a policy of burying their heads in the sand—which was tragic. Now, with light hearts, they believed they could infer from such a telegram that things might turn out differently, and so it came to pass that the Emperor did not sign the mobilization decree. So, I expressly note that, initially, on the evening of July 31, the mobilization order was not signed by the Emperor, even though the Chief of the General Staff, based on his military judgment, had been of the opinion that no heed should be paid to such a dispatch, but that the war plan must be carried out without fail. Instead, on that very day, the officer was ordered, in the presence of Moltke, to telephone that the troops in the west were to hold back from the enemy border, and the Emperor said: “We certainly do not need to march into Belgium now.”

[ 25 ] Nun dasjenige, was ich Ihnen sage, steht in Aufzeichnungen, die der Generaloberst von Moltke nach seiner sehr merkwürdig erfolgten Verabschiedung selber aufgeschrieben hat, die veröffentlicht werden sollten im Einverständnis mit Frau von Moltke im Mai 1919, in jenem entscheidenden Augenblick, wo Deutschland davor stand, der Welt die Wahrheit zu sagen unmittelbar vor dem Unterschreiben des Versailler Diktates. Und wer dasjenige liest, das dazumal veröffentlicht werden sollte und was aus der Feder des Herrn von Moltke selber geflossen war, wird keinen Augenblick das Urteil gewinnen können, da diese Dinge so sehr den Ausdruck der innerlichen Ehrlichkeit und Redlichkeit durch sich selbst tragen, daß sie vor dem Versailler Diktat auf die Welt nicht einen bedeutsamen Eindruck gemacht hätten. Nun, die Sache war gedruckt, an einem Dienstagnachmittag gedruckt, am Mittwoch sollte sie erscheinen. Ich will nicht in die Schilderung weiterer Einzelheiten mich einlassen. Es erschien bei mir ein deutscher General, der mir aus einem dicken Konvolut von Akten klarmachen wollte, daß drei Punkte in diesen Aufzeichnungen unrichtig seien. Ich mußte dem General sagen: Ich habe lange Zeit philologisch gearbeitet. Aktenbündel imponieren mir nicht eher, bevor sie nicht in philologischem Sinne beurteilt sind, denn man muß nicht nur wissen, was drinnen enthalten ist, sondern auch, was nicht drinnen enthalten ist, und wer eine historische Untersuchung macht, untersucht auch nicht nur, was drinnen enthalten ist, sondern auch dasjenige, was fehlt. — Aber ich mußte folgendes sagen: Sie haben mitgearbeitet, die Weltnimmt selbstverständlich an, daß Sie von den Dingen genau wissen. Werden Sie beeidigen, wenn ich die Broschüre erscheinen lasse mit den Memoiren von Moltke, daß diese drei Punkte unrichtig sind? — und er sagte: Ja! — Ich bin völlig überzeugt, daß die drei Punkte richtig sind, denn sie sind auch psychologisch als richtig zu konstatieren. Aber es hätte selbstverständlich dazumal nichts genützt, wenn man die Broschüre hätte erscheinen lassen — es kamen alle anderen Schikanen dazu —, die Broschüre würde einfach konfisziert worden sein, das sah man ganz genau. Ich konnte eine Broschüre nicht erscheinen lassen, der gegenüber ein Eid geleistet worden wäre vor aller Welt, daß die drei Punkte darin nicht richtig sind. Denn wir leben ja in einer Welt, in der es sich nicht um das Richtige und Unrichtige handelt, sondern in der die Macht entscheidet.

[ 25 ] Now, what I am telling you is contained in notes that Colonel General von Moltke himself wrote down after his very peculiar dismissal; these were to be published with Mrs. von Moltke’s consent in May 1919, at that decisive moment when Germany was on the verge of telling the world the truth, immediately before signing the Versailles Dictate. And anyone who reads what was to be published at that time—words that flowed from von Moltke’s own pen—will not for a moment be able to form a judgment against him, for these words are so deeply imbued with inner honesty and integrity that they would not have made a significant impression on the world prior to the Versailles Dictate. Well, the document had been printed—printed on a Tuesday afternoon—and was scheduled to appear on Wednesday. I do not wish to go into further details. A German general came to see me, intending to use a thick bundle of files to show me that three points in these records were incorrect. I had to tell the general: I have worked as a philologist for a long time. Bundles of files do not impress me until they have been evaluated from a philological perspective, for one must not only know what is contained within them, but also what is not contained within them; and anyone conducting a historical investigation examines not only what is contained within them, but also what is missing. — But I had to say the following: You were involved in this; the world naturally assumes that you know the facts precisely. Will you swear under oath, if I publish the pamphlet containing Moltke’s memoirs, that these three points are incorrect? — And he said: Yes! — I am completely convinced that the three points are correct, for they can also be established as correct from a psychological standpoint. But of course it would have been of no use at the time to have published the pamphlet—on top of all the other harassment—the pamphlet would simply have been confiscated; that was perfectly clear. I could not publish a pamphlet in response to which a solemn oath had been sworn before the whole world that the three points contained therein were incorrect. For we live, after all, in a world where it is not a matter of what is right or wrong, but where power decides.

[ 26 ] Ich weiß, daß man ganz besonders übelgenommen hat, was ich in dieser Broschüre auf Seite V geschrieben habe, was ich aber für nötig gehalten habe, um die Situation in der richtigen Weise zu beleuchten. Ich habe geschrieben: Wie auf die Spitze des militärischen Urteils in den Zeiten, die dem Kriegsausbruch vorausgingen, alles in Deutschland gestellt war, das zeigt der unglückselige Einfall in Belgien, der eine militärische Notwendigkeit und eine politische Unmöglichkeit war. Der Schreiber dieser Zeilen hat Herrn von Moltke, mit dem er jahrelang befreundet war, im November 1914 gefragt: Wie hat der Kaiser über diesen Einfall gedacht? — und es wurde geantwortet: Der hat vor den Tagen, die dem Kriegsausbruch vorangingen, nichts davon gewußt, denn bei seiner Eigenart hätte man befürchten müssen, daß er die Sache aller Welt ausgeschwätzt hätte. Das durfte nicht geschehen, denn der Einfall konnte nur Erfolg haben, wenn die Gegner unvorbereitet waren. — Und ich fragte: Wußte der Reichskanzler davon? — Die Antwort lautete: Ja, der wußte davon. — Es mußte also so Politik getrieben werden in Mitteleuropa, daß man Rücksicht nehmen mußte auf Geschwätzigkeit, und ich frage Sie: Ist es nicht eine furchtbare Tragik, wenn so Politik getrieben werden muß? — Daher kann durchaus aus diesen Untergründen heraus der volle Beweis geführt werden, daß das richtig ist, was der mir sonst unangenehme Tirpitz über BethmannHollweg sagt, daß dieser in die Kniekehle gesunken wäre und auch äußerlich die Nullität seiner Politik schon in der Physiognomie zum Ausdruck gebracht hätte. Diese Nullität ist auch später dadurch zum Ausdruck gekommen, daß er dem englischen Botschafter gegenüber betont hat, daß, wenn nun England doch losschlägt, seine ganze Politik sich als ein Kartenhaus erweise. Das war sie auch in Wirklichkeit, und dieses Kartenhaus stürzte zusammen, und der Generalstabschef mußte in seinen Memoiren über die Situation, in der er dazumal, Samstag abends, war, schreiben: Die Stimmung wurde immer erregter, und ich stand ganz allein da.

[ 26 ] I know that what I wrote on page V of this pamphlet was taken particularly badly, but I considered it necessary in order to shed light on the situation in the proper way. I wrote: The unfortunate invasion of Belgium—which was a military necessity and a political impossibility—shows just how everything in Germany was geared toward the extreme of military judgment in the period leading up to the outbreak of war. The author of these lines asked Mr. von Moltke, with whom he had been friends for years, in November 1914: “What did the Kaiser think of this incursion?”—and the reply was: “He knew nothing of it in the days leading up to the outbreak of war, for, given his temperament, one would have had to fear that he would have blabbed the whole thing to the world. That could not be allowed to happen, for the incursion could only succeed if the enemy was caught off guard.” — And I asked: “Did the Reich Chancellor know about it?” — The answer was: “Yes, he knew about it.” — Politics in Central Europe, then, had to be conducted in such a way that one had to take a tendency toward loose talk into account, and I ask you: Isn’t it a terrible tragedy when politics must be conducted in this manner? — Therefore, based entirely on these underlying facts, it can be fully demonstrated that what Tirpitz—whom I otherwise find unpleasant—says about Bethmann-Hollweg is true: that the latter had sunk to his knees and had already expressed the futility of his politics outwardly, even in his facial expression. This insignificance was also later evident in the fact that he emphasized to the British ambassador that, if England were to strike after all, his entire policy would prove to be a house of cards. That is indeed what it was, and this house of cards collapsed; and the Chief of the General Staff had to write in his memoirs about the situation he found himself in that Saturday evening: “The atmosphere grew increasingly agitated, and I stood there all alone.”

[ 27 ] Das militärische Urteil stand also ganz allein da, die Politik war in die Nullität verfallen. Das hat den Deutschen der Umstand gebracht, daß sie sich nicht mehr zu den großen Gesichtspunkten aufschwingen wollten, zu denen sie ganz besonders berufen gewesen wären, die sich zeigen in den großen, bedeutsamen Epochen der deutschen Kulturentwickelung, auf die man nicht hinsehen wollte am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts. Daß aus einer solchen Situation nur Unheil folgen konnte, das lastete nun schwer auf der Seele des Generalstabschefs, und als ein Offizier zu ihm kam, damit er die Weisung unterschreibe, die der telephonischen Zurückhaltung der Truppen von der belgisch-französischen Grenze nachgeschickt werden sollte, da stieß der Generalstabschef die Feder auf den Tisch, daß sie zerbrach, und sagte, er werde niemals einen solchen Befehl unterschreiben, die Truppen würden unsicher werden, wenn ein solcher Befehl auch vom Generalstabschef käme. Und aus der schmerzlichsten, verzweiflungsvollsten Stimmung heraus wurde der Generalstabschef dann geholt. Es war mittlerweile weit nach zehn Uhr geworden. Ein anderes Telegramm von England war gekommen, und — ich will die Einzelheiten lieber nicht erwähnen — nun fielen die Worte von seiten des obersten Kriegsherrn: Nun können Sie machen, was Sie wollen!

[ 27 ] The military judgment thus stood entirely on its own; politics had fallen into insignificance. This was brought about by the fact that the Germans no longer wished to rise to the great perspectives to which they had been particularly called—perspectives evident in the great, significant epochs of German cultural development, which people did not want to acknowledge at the end of the 19th and the beginning of the 20th centuries. The realization that only disaster could result from such a situation now weighed heavily on the mind of the Chief of the General Staff, and when an officer came to him to have him sign the order—which was to be sent following the telephone directive to withdraw the troops from the Belgian-French border— the Chief of the General Staff slammed the pen down on the table so hard that it broke, and said he would never sign such an order; the troops would lose confidence if such an order were issued, even by the Chief of the General Staff. And it was from this most painful, most desperate state of mind that the Chief of the General Staff was then summoned away. By then, it was well past ten o’clock. Another telegram had arrived from England, and—I’d rather not go into the details—the supreme commander then said: “Now you can do whatever you want!”

[ 28 ] Sie sehen, man muß schon auf die Einzelheiten eingehen, und ich habe nur ein paar Hauptzüge angegeben von dem, was gewissermaßen auf dem Kontinente geschah. Ich möchte auch den Gegenzug nun erwähnen, der auf der anderen Seite geschah. Es wird einmal authentisch werden — wiederum kann ich sagen, daß ich Ihnen nicht leichtsinnig das erzähle —, es wird einmal authentisch werden, daß die beiden Leute Asquith und Grey in derselben Zeit, in der in Berlin das geschah, wovon ich jetzt erzählt habe, sagten: Ja, was ist denn das eigentlich? Haben wir bis jetzt mit verbundenen Augen englische Politik gemacht? Sie meinten, diese englische Politik wäre von ganz anderer Seite gemacht worden; ihnen wären die Augen verbunden gewesen. Und sie sagten: Jetzt ist uns die Binde abgenommen worden — das war Samstag abends —, jetzt, da wir sehend werden, stehen wir vor dem Abgrund; jetzt können wir nurmehr in den Krieg hinein. — Das ist das Spiegelbild drüben jenseits des Kanals, und das alles bitte ich Sie so zu nehmen, daß es reichlich vermehrt werden könnte, denn ich kann in der mir zugemessenen Zeit nichts anderes tun, als eine Art von Stimmung einmal geben, Ihnen vorlegen dasjenige, was wenigstens einiges Licht wirft auf die Dinge, die geschehen sind.

[ 28 ] As you can see, one really has to go into the details, and I have only outlined a few main points of what happened, so to speak, on the continent. I’d also like to mention the counter-reaction that took place on the other side. It will one day be confirmed—and again, I can assure you that I’m not telling you this lightly—it will one day be confirmed that Asquith and Grey, at the very same time that the events I’ve just described were taking place in Berlin, said: “Well, what on earth is this?” Have we been conducting English politics blindfolded until now? They believed that this English policy had been shaped by a completely different force; their eyes had been blindfolded. And they said: “Now the blindfold has been removed—that was Saturday evening—now that we can see, we are standing on the brink of the abyss; now we have no choice but to go to war.” — That is the reflection on the other side of the Channel, and I ask you to take all of this in such a way that it might be greatly expanded upon, for in the time allotted to me I can do nothing more than convey a certain mood, to present to you that which at least sheds some light on the events that have taken place.

[ 29 ] Und dann, wenn Sie das alles nehmen, dann bitte ich Sie, mit dieser Voraussetzung dasjenige zu lesen, was ich in meinen «Gedanken während der Zeit des Krieges» geschrieben habe, die ich wohl überlegt betitelte als gerichtet «Für Deutsche und solche, die nicht glauben, sie hassen zu müssen». Alles einzelne ist darin überlegt. Ich bitte Sie, von diesen Gesichtspunkten aus zu bedenken, was ich dort schrieb, daß es sich nicht um dasjenige handelt, was man im gewöhnlichen Sinn moralische Schuld oder moralische Unschuld nennt, sondern daß die Dinge hinaufgehoben werden müssen auf die Höhe geschichtlichen Werdens, indem sich außerordentlich Tragisches vollzog, indem sich etwas vollzog, wo man anfangen kann zu sprechen von historischen Notwendigkeiten, in die man im Grunde genommen mit solchen Urteilen, wie ich sie anfangs angedeutet habe, nicht hineinschwätzen sollte. Die Dinge liegen viel ernster, als die Welt heute hüben und drüben noch meint; dennoch liegen sie so, daß sie unbedingt der Welt bekanntwerden müßten, daß von ihnen der Ausgang zu der Ordnung der Wirren eigentlich genommen werden müßte. Aber man findet ja wahrhaftig gegenwärtig keine Möglichkeit, daß dasjenige, was man nach dieser Richtung unternimmt, in irgendeiner Weise anders in die Welt hineingestellt wird als dadurch, daß es entstellt, verleumdet wird.

[ 29 ] And then, once you have taken all of this into account, I ask you to read—with this in mind—what I wrote in my “Thoughts During the War,” which I carefully titled “For Germans and Those Who Do Not Believe They Must Hate Them.” Every detail therein has been carefully considered. I ask you to reflect on what I wrote there from these perspectives—that it is not a matter of what is commonly called moral guilt or moral innocence, but rather that these matters must be elevated to the level of historical development, in which extraordinarily tragic events unfolded, in which something took place that allows one to begin speaking of historical necessities—necessities into which, fundamentally speaking, one should not blunder with judgments such as those I indicated at the outset. The situation is far more serious than the world on both sides still believes today; yet they are such that they absolutely must become known to the world, and that the path out of the turmoil must actually be taken from them. But at present, one truly finds no possibility that anything undertaken in this direction will be presented to the world in any way other than by being distorted and slandered.

[ 30 ] Dasjenige, was ich Ihnen heute über den Generaloberst von Moltke gesagt habe, das gibt eine Möglichkeit, diesen Mann in dieser entscheidungsvollen Stunde zu beurteilen; aber es finden sich ja, wie Sie wissen, Leute, von denen gesagt wird, daß sie selbst im Generalstab tätig waren, die bringen es zustande, die verleumderischsten Dinge über den Generaloberst von Moltke zu sagen, unter anderem auch die erlogene Absurdität, in Luxemburg wären vor der Marneschlacht anthroposophische Veranstaltungen getroffen worden, und dadurch hätte der Generaloberst seine Pflicht nicht getan. Wenn diese Dinge gesagt werden können von solcher Seite her, dann sieht man daraus, in welche moralische Verfassung wir heute hineingekommen sind, und es ist schwierig, innerhalb dieser moralischen Verfassung für die Wahrheit eine rechte Gasse zu bahnen. Dazu brauchten wir eigentlich viele, recht viele Persönlichkeiten, und erst nachdem ich Ihnen die Voraussetzungen gegeben habe, von denen ich gesprochen habe, erst jetzt möchte ich aus Moltkes Memoiren einen Satz vorlesen, der Ihnen zeigen wird, was in der Seele dieses Mannes lebte erstens in bezug auf seine Meinung über die Kriegsnotwendigkeit und zweitens in bezug auf sein Verantwortungsgefühl. Denn es handelt sich durchaus darum, daß man nicht einen brutalen Begriff von Schuld konstruiere, sondern daß man auf das eingehe, was dazumal in den Seelen gelebt hat. Es ist ein sehr einfacher Satz, den da Moltke geschrieben hat, ein Satz, der oftmals ausgesprochen worden ist, aber es ist ein Unterschied, ob er von den Nächstbesten ausgesprochen wird oder von demjenigen, auf dessen Seele dazumal die Entscheidung über den Krieg lag. Er schrieb: «Deutschland hat den Krieg nicht herbeigeführt, es ist nicht in ihn eingetreten aus Eroberungslust oder aus aggressiven Absichten gegen seine Nachbarn. Der Krieg ist ihm von seinen Gegnern aufgezwungen worden und wir kämpfen um unsere nationale Existenz, um das Fortbestehen unseres Volkes, unseres nationalen Lebens.»

[ 30 ] What I have told you today about Colonel General von Moltke provides an opportunity to assess this man at this decisive moment; but, as you know, there are people—who are said to have served on the General Staff themselves—who manage to say the most slanderous things about Colonel General von Moltke, including the fabricated absurdity that anthroposophical events took place in Luxembourg before the Battle of the Marne, and that because of this, the Colonel General failed to fulfill his duty. If such things can be said by such people, then one can see from this the moral state into which we have fallen today, and it is difficult to carve out a proper path for the truth within this moral state. To do so, we actually need many—quite a few—distinguished figures; and only after I have provided you with the background I have been discussing would I now like to read a passage from Moltke’s memoirs that will show you what lived in this man’s soul—first, with regard to his view on the necessity of war, and second, with regard to his sense of responsibility. For the point is certainly not to construct a brutal concept of guilt, but rather to address what was alive in people’s souls at that time. It is a very simple sentence that Moltke wrote—a sentence that has been uttered many times—but there is a difference between it being spoken by just anyone and by the man upon whose soul the decision regarding the war rested at that time. He wrote: “Germany did not bring about the war; it did not enter into it out of a lust for conquest or with aggressive intentions toward its neighbors. The war was forced upon it by its adversaries, and we are fighting for our national existence, for the survival of our people and our national life.”

[ 31 ] Wenn man Tatsächlichkeiten untersucht, kommt man nicht auf das Richtige, indem man irgendwo einsetzt; man muß dort einsetzen, wo die Wirklichkeiten, die Tatsächlichkeiten spielen, und wenn man nachweisen kann, daß ein Wesentliches von den Tatsächlichkeiten in der Seele eines Mannes spielt, dann gehört es zu den Tatsachen, die die Lage geschaffen haben, wenn ein solches Bewußtsein in dieser Seele waltete. Es gehört auch zum Wesentlichen dazu, wenn man die Situation beurteilen will, gerade hinzuschauen auf dasjenige, was sich bei den vierzig bis fünfzig Persönlichkeiten abspielte, die eigentlich beteiligt waren an dem Ausbruch dieser entsetzlichen Katastrophe, und wer sich nicht aus Vorurteilen, sondern aus Sachkunde über diese Dinge ein Urteil aneignet, der weiß, daß im Grunde genommen eigentlich alle ziemlich ahnungslos waren außer den vierzig bis fünfzig Persönlichkeiten, die den Kriegsausbruch herbeiführten, die überhaupt Tätigkeiten unter der Konstellation der europäischen Verhältnisse entfalteten.

[ 31 ] When examining facts, one cannot arrive at the truth by starting anywhere; one must begin where the realities and facts are at play, and if one can demonstrate that an essential aspect of those facts is at play in a man’s soul, then the fact that such a consciousness prevailed in that soul is part of the circumstances that created the situation. It is also essential, when assessing the situation, to look directly at what was taking place among the forty to fifty individuals who were actually involved in the outbreak of this horrific catastrophe, and anyone who forms an opinion on these matters not out of prejudice but out of expertise knows that, fundamentally speaking, everyone was actually quite clueless except for the forty to fifty individuals who brought about the outbreak of war—those who were actively engaged in the constellation of European affairs.

[ 32 ] Ich habe während des Krieges wahrhaftig Gelegenheit gehabt, mit vielen Menschen, die schon etwas von der Situation beurteilen konnten, über die Angelegenheiten zu sprechen, und ich habe mir da niemals ein Blatt vor den Mund genommen. Ich habe zum Beispiel zu einer Persönlichkeit, die der Lenkung eines neutralen Staates nahestand, gesagt: Es kann als notorisch betrachtet werden, daß in unserer demokratisch sich nennenden Zeit etwa vierzig bis fünfzig Persönlichkeiten, unter denen — es sind nicht nur innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft Frauen — durchaus auch Frauen waren, und zwar in gar nicht so geringer Anzahl, daß etwa vierzig bis fünfzig Persönlichkeiten für diese Katastrophe in der internationalen Welt unmittelbar tätig waren. — Es wäre schon nötig, daß man sich erst etwas heraufschwingen würde zu den Gesichtspunkten, von denen aus man diese Situation erst im Grunde genommen beurteilen könnte. Statt dessen wird ungeheuer viel über diese ernsten, weltumwälzenden Ereignisse gesprochen aus den Oberflächlichkeiten der Weißbücher und ähnlichem heraus, und es ist für denjenigen, der nicht reden würde, wenn er die Dinge nicht anders kennte als viele andere, außerordentlich schwer immer gewesen, das Nötige da oder dort zur Geltung zu bringen, wo seit dem Jahre 1914 über die Situation geurteilt worden ist. Das begann für mich schon in der Zeit, als mir in der Schweiz überall entgegengeworfen wurden die «J’accuse»-Bücher, und ich den Leuten — Sie wissen, wie gefährlich die Situationen manchmal waren — nichts anderes sagen konnte als dasjenige, was wahr ist, obwohl das oftmals am wenigsten verstanden wurde: Leset, sagte ich, in einem solchen Buch nicht dasjenige, was mit juristischer Spitzfindigkeit darinnen geschrieben ist, leset dasjenige, was im Stile liegt, leset den ganzen Aufbau, die ganze Aufmachung des Buches, und wenn ihr Geschmack habt, müßt ihr sagen: politische Hintertreppenliteratur! — Ich habe es Leuten, die neutralen und nicht neutralen Gebieten angehörten, wiederholt immer wieder und wiederum sagen müssen. Natürlich sage ich damit nicht, daß in diesem «J’accuse»-Buch nicht manches Richtige drinnensteht; aber am allerwenigsten geht es von einem solchen Gesichtspunkt aus, der geeignet ist, die weltgeschichtlich tragische Situation zu beurteilen, in der sich, man kann schon sagen, die Welt im Jahre 1914 befand. Und man muß auf die Untergründe hinweisen, wenn man auch nur in einigem genötigt ist, über die Schuldfrage zu sprechen.

[ 32 ] During the war, I truly had the opportunity to discuss these matters with many people who were already in a position to assess the situation, and I never minced words. For example, I said to a prominent figure who was close to the leadership of a neutral state: It can be considered a well-known fact that in our so-called democratic age, some forty to fifty individuals—among whom were certainly women, and not only within the Anthroposophical Society, but in fact a not insignificant number—were directly responsible for this catastrophe in the international arena. — It would be necessary for people to first elevate their perspective to the vantage points from which this situation could actually be properly assessed. Instead, an enormous amount is said about these serious, world-shaking events based on the superficialities of the White Papers and the like, and it has always been extraordinarily difficult for someone who would not speak out if he did not know the facts differently from many others to bring the necessary points to light here and there, wherever judgments have been made about the situation since 1914. For me, this began back when I was confronted everywhere in Switzerland with the “J’accuse” books, and I—you know how dangerous the situations sometimes were—could say nothing else to people but what is true, even though that was often the least understood: “Read,” I said, “in such a book, not what is written there with legal sophistry, but read what is implied in the style; read the entire structure, the entire presentation of the book, and if you have any taste, you must say: political back-alley literature!”—I have had to say this again and again to people from both neutral and non-neutral territories. Of course, I am not saying that there isn’t a great deal of truth in this *J’accuse* book; but it is certainly not written from a perspective suited to assessing the tragic situation in world history in which—one might well say—the world found itself in 1914. And one must point out the underlying causes if one is compelled, even in the slightest, to discuss the question of guilt.

[ 33 ] Ja, diese Schuldfrage soll aber auch noch etwas lehren. Sehen Sie, ich bin gleich, nachdem die unglückselige Friedenswillenserklärung im Herbst oder Winter 1916 von Deutschland ausgegangen war und dann der ganze phantastische Zug mit den Vierzehn Punkten des Woodrow Wilson sich vollzog, ich bin gleich dazumal — ich war nirgends aufdringlich, die Leute sind mir sehr stark, weit über den halben Weg entgegengekommen — herangetreten an diejenigen, die Verantwortung hatten, mit dem Ansinnen, das allerdings manchen paradox erschienen ist, es könnte gegenüber diesen weltfremden Vierzehn Punkten Wilsons, die aber trotz ihrer Weltfremdheit Schiffe, Kanonen und Menschen reichlich auf den Plan zu bringen vermochten, die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus vor der Welt geltend gemacht werden. Und ich habe es erleben müssen, daß ja manche recht gut eingesehen haben, daß so etwas geschehen müßte, daß aber niemand eigentlich den Mut hatte, nach dieser Richtung hin irgend etwas zu tun, niemand geradezu. Für das Gespräch, das ich mit Kühlmann hatte, ist, wie ich denke, der Zeuge, der dabeigewesen ist, heute wieder da. Ich kann also in diesen Dingen in keiner Art irgendein Geflunker treiben. Aber ich habe doch das zu erklären, und auch da würde ich heute ganz gewiß Ihnen nicht etwas Unrichtiges erzählen, da man genau weiß, wie sich die Sache vollzogen hat.

[ 33 ] Yes, but this question of guilt should also teach us something. You see, right after Germany issued that ill-fated declaration of intent to make peace in the fall or winter of 1916, and then the whole fantastical sequence of events surrounding Woodrow Wilson’s Fourteen Points unfolded, I approached—at that very time—those in positions of responsibility with a proposal that admittedly seemed paradoxical to some, that, in the face of Wilson’s unworldly Fourteen Points—which, despite their unworldliness, were capable of mobilizing ships, cannons, and people in abundance—the idea of the threefold social order could be put forward to the world. And I had to witness that, while some did indeed understand quite well that something like this had to happen, no one actually had the courage to do anything in this direction—no one, strictly speaking. As for the conversation I had with Kühlmann, I believe the witness who was present is here again today. So I cannot in any way be disingenuous about these matters. But I do have to explain this, and even here I would certainly not tell you anything incorrect today, since it is known exactly how the matter unfolded.

[ 34 ] Auch da muß ich zum Beispiel folgendes sagen: Sehen Sie, ich hielt schon im Januar 1918 die Frühjahrsoffensive von 1918 für eine absolute Unmöglichkeit, und ich kam in die Lage auf einer Reise, die ich von Dornach nach Berlin zu machen hatte, mit einer gewissen Persönlichkeit — man wußte, daß, wenn die entscheidungsvollen Augenblicke herannahen würden, diese Persönlichkeit zur Leitung der Geschäfte berufen würde — über die Verhältnisse zu sprechen, die eigentlich dann erst eintraten im November 1918, und als ich dann auch da eigentlich ein gewisses Verständnis gefunden hatte für die Dreigliederung des sozialen Organismus, kam ich nach Berlin. Da hatte ich mit einer Persönlichkeit zu sprechen. Diejenigen, die sich dazumal informieren konnten über die Art, wie der Hase läuft, die wußten ja schon von der Offensive im Januar 1918; man konnte nur nicht davon sprechen. Und ich hatte zu sprechen mit einer militärischen Persönlichkeit, die dem General Ludendorff außerordentlich nahe stand. Das Gespräch nahm ungefähr die Wendung, daß ich sagte: Ich will mich nicht der Gefahr aussetzen, daß man mir vorwerfen könnte, ich wolle in militärisch-strategische Dinge hineinreden, sondern ich will von einem gewissen Ausgangspunkt sprechen, von dem aus dieser militärische Dilettantismus, den ich haben könnte, nicht in Betracht käme. — Ich sagte, daß in einer Frühjahrsoffensive Ludendorff möglicherweise alles das erreiche, was er sich überhaupt nur träumen lassen könne; aber ich halte trotzdem diese Offensive für ein Unding —, und ich führte die drei Gründe an, die ich dafür hatte. Der Mann, zu dem ich sprach, wurde recht aufgeregt und er sagte: Was wollen Sie? Der Kühlmann hat ja Ihr Elaborat in der Tasche. Damit ist er ja nach Brest-Litowsk gezogen. So werden wir von der Politik bedient. Die Politik ist nichts bei uns. Wir Militärs können nichts anderes tun als kämpfen, kämpfen, kämpfen. — Im Jahre 1914 war der Generalstabschef in einer Lage, daß er schreiben mußte für die Situation in der Abendstunde: «Die Stimmung wurde immer erregter und ich stand ganz allein da.» Für die Stimmung zwischen zehn und elf Uhr mußte er schreiben: Der Kaiser hat gesagt: «Nun können Sie machen, was Sie wollen!» — Und im Jahre 1918 konnte einem gesagt werden: Die Politik kommt überhaupt nicht in Betracht, die ist in der Nullität; wir können nichts anderes tun als kämpfen, kämpfen. — Meine sehr verehrten Anwesenden, es war nicht anders geworden und es ist heute nicht anders geworden, und ich möchte Ihnen einen negativen, allerdings nur subjektiven Beweis liefern, daß es nicht anders geworden ist.

[ 34 ] Here, too, I must say the following, for example: You see, as early as January 1918, I considered the spring offensive of 1918 to be an absolute impossibility, and during a trip I had to make from Dornach to Berlin, I found myself in the position of speaking with a certain individual —it was known that, when the decisive moments approached, this person would be called upon to lead the affairs—about the circumstances that actually did not arise until November 1918, and when I had actually found a certain understanding there for the threefold social order, I arrived in Berlin. There I had to speak with a certain person. Those who were able to inform themselves at the time about how things were really going already knew about the offensive in January 1918; it was just that one could not speak of it. And I had to speak with a military figure who was extremely close to General Ludendorff. The conversation took a turn in which I said: I do not wish to run the risk of being accused of meddling in military-strategic matters, but I do wish to speak from a certain vantage point from which any military amateurism on my part would be out of the question. — I said that in a spring offensive, Ludendorff might well achieve everything he could possibly dream of; but I nevertheless consider this offensive to be an absurdity—and I cited the three reasons I had for this. The man I was speaking to became quite agitated and said: “What do you want? Kühlmann has your report in his pocket. He took it with him to Brest-Litovsk. That’s how politics treats us. Politics is nothing to us. We military men can do nothing but fight, fight, fight.” — In 1914, the Chief of the General Staff found himself in a situation where he had to write about the situation in the evening: “The mood grew increasingly agitated, and I stood there all alone.” Regarding the mood between ten and eleven o’clock, he had to write: The Emperor said, “Now you can do whatever you want!” — And in 1918, one could be told: Politics is out of the question altogether; it is non-existent; we can do nothing but fight, fight. — Ladies and gentlemen, it has not changed, and it has not changed today either, and I would like to provide you with negative—albeit purely subjective—evidence that it has not changed.

[ 35 ] Wiederum ist gesprochen worden mit derselben Weltfremdheit, mit derselben Abstraktheit, mit der Woodrow Wilson gesprochen hat, die bewiesen worden ist durch die Art und Weise, wie Woodrow Wilson in Versailles gestanden hat. Wiederum ist gesprochen worden von derselben Stelle aus von Harding, und ich sehe in der Rede Hardings, die so konfus wie möglich ist, die mit Ausschluß jedes Wirklichkeitssinnes gehalten ist, die wiederum nur die alten Phrasen bringt jetzt, wo wir ebenso vor wirtschaftlichen Entscheidungen stehen wie dazumal vor politischen, ich sehe in dieser Rede nichts davon, daß sich die Leute irgendwie beschäftigen mit dem, was da wiederum heraufzieht. Es ist fast unmöglich, die Menschen zu einem Urteil zu bringen. Ob wir den ersten Wilson haben, der in Versailles seine Konfusion zeigt, oder ob wir aus derselben Gegend heraus gesprochen haben etwas später, darauf kommt es nicht an. Darauf käme es an, daß man mit Wirklichkeitssinn ein waches Auge hätte.

[ 35 ] Once again, remarks have been made with the same naivety, the same abstractness, with which Woodrow Wilson spoke—a fact demonstrated by the way Woodrow Wilson conducted himself at Versailles. Once again, Harding has spoken from the same perspective, and I see in Harding’s speech—which is as confused as can be, delivered with a complete lack of any sense of reality, and which once again offers only the old clichés—now that we face economic decisions just as we once faced political ones—I see nothing in this speech to suggest that people are in any way grappling with what is once again looming on the horizon. It is almost impossible to get people to form a judgment. Whether we have the first Wilson, who displays his confusion at Versailles, or whether we have spoken from the same region a little later, that is not the point. What matters is that one should keep a watchful eye with a sense of reality.

[ 36 ] Dann würde man auch auf solche Dinge hinschauen wie die Tatsache, die geradezu unerhört ist für denjenigen, der ein Gefühl hat für die Beurteilung politischer Situationen, daß dieser gerade in dem heutigen Sinn charakteristische Staatsmann Lloyd George vor kurzem noch gesagt hat: Man kann nicht in dem alten Sinn Deutschland moralische Schuld am Krieg geben; die Leute sind in ihrer Dummheit hineingerutscht. — So hat er gesprochen vor einigen Wochen, und Sie wissen, wie er gesprochen hat in London gegenüber Simons. Sie können daraus ermessen, welcher Wahrheitswert in den Reden liegt, die die Leute halten, und haben die Menschen noch keinen Impetus, auf diese Dinge zu schauen — sie müssen ihn bekommen, müssen ihn bekommen dadurch, daß sie sich Sinn verschaffen für die großen Gesichtspunkte. In dieser Katastrophe haben sie gespielt, diese großen Gesichtspunkte, und unser Unglück ist, daß niemand eine Ahnung hatte von diesen großen Gesichtspunkten. Es muß die Möglichkeit gegeben werden, daß die großen Gesichtspunkte, von denen die Dinge abhängen, heute auch in Mitteleuropa in die Entscheidung hineingeworfen werden.

[ 36 ] Then one would also look at such things as the fact—which is downright unheard of for anyone with a sense of how to assess political situations—that Lloyd George, a statesman who is so characteristic of the modern era, said just recently: “One cannot, in the old sense, attribute moral blame for the war to Germany; people simply slipped into it out of their own stupidity.” — That is what he said a few weeks ago, and you know how he spoke in London to Simons. You can gauge from this how much truth there is in the speeches people give, and people still lack the impetus to look at these things—they must gain it, must gain it by developing an understanding of the big picture. These broader perspectives have played a role in this catastrophe, and our misfortune is that no one had any inkling of these broader perspectives. There must be a possibility that the broader perspectives on which things depend will also be brought into the decision-making process in Central Europe today.

[ 37 ] Solange aber dasjenige, was wahr ist, von seiten derer, die das Deutschtum in einer etwas eigentümlichen Weise gepachtet zu haben glauben, verleumdet wird, solange man von solchen Leuten Verräter am Deutschtum genannt wird, trotzdem dasjenige, was da gesagt wird, wenn es wirklich verstanden würde, einzig und allein geeignet wäre, dem wirklichen deutschen Volkstum seine ihm gebührende Stellung zu verschaffen, so lange kann es nicht besser werden. Die Menschen, die ganz anderen Willens sind, die vor allen Dingen des Willens sind, die Wahrheit zu erkennen, müssen sich zusammenfinden.

[ 37 ] But as long as the truth is slandered by those who believe they have a sort of exclusive claim to German identity, as long as one is called a traitor to German identity by such people, even though what is said there—if it were truly understood—would be the only thing capable of securing for genuine German culture the status it deserves, things cannot improve. People who have a completely different will—who, above all else, are determined to recognize the truth—must come together.

[ 38 ] Gewiß, es hat auch in Deutschland Kriegshetzer gegeben; aber alles, was von ihnen ausgegangen ist, ist im entscheidenden Augenblick gar nicht von Bedeutung gewesen. Von Bedeutung aber ist gewesen, was ich im letzten Kapitel meiner «Kernpunkte» ausgeführt habe, daß man durch das Verlieren der großen Gesichtspunkte auf dem Nullpunkt der politischen Wirksamkeit angekommen war. In dem Deutschtum werden wir uns nur dann erheben, wenn wir uns zu großen Gesichtspunkten erheben; denn derjenige, der mit warmem Herzen, nicht bloß mit dem Maule — verzeihen Sie den etwas groben Ausdruck — im Deutschtum drinnensteht, der weiß, daß wahres Deutschtum gerade heißt: Mit großen Gesichtspunkten verwachsen sein. — Aber wir müssen wiederum den Weg zu den großen Gesichtspunkten des deutschen Volkes zurückfinden. Und es ist im Grunde genommen auch aus einer Erfahrung heraus, daß ich diese Dinge heute zu Ihnen spreche. Trotz der Stellung der Frage hätte ich ja vielleicht nicht zu antworten brauchen; aber ich wollte gerade diese Frage beantworten, und etwas, was zur Beantwortung solcher Fragen führt, das wird sich Ihnen zeigen, wenn ich Ihnen den Schlußpassus vorlege, den mir der Fragesteller noch in einem Nachtrag übergeben hat. Er schreibt: Ich hielte es für sehr wertvoll, die richtige, klare Anschauung über diese ganze Frage der Kriegsschuld etwa in einer Denkschrift zu veröffentlichen und weit zu verbreiten. — Nun, das hätte im Mai 1919 geschehen sollen. Die Denkschrift war auch gedruckt. Die Welt innerhalb Deutschlands hat verhindert, daß diese Denkschrift erscheinen konnte. Bleiben wir nicht dabei, bloß uns das Urteil zu bilden, so etwas müßte geschehen; unterstütze man diejenigen, die sich nicht bei diesem Urteil beruhigen wollen, sondern dasjenige, was hier vorgeschlagen wird, vor langer Zeit schon versucht haben, gerade im entscheidenden Augenblick zu tun. Dann werden wir weiterkommen.

[ 38 ] Certainly, there were warmongers in Germany as well; but nothing they did had any significance at the decisive moment. What was significant, however, was what I explained in the last chapter of my *Key Points*: that by losing sight of the big picture, we had reached the zero point of political effectiveness. We will rise as a German people only when we rise to the level of the big picture; for anyone who is truly part of the German spirit—with a warm heart, not just with their mouth—pardon the somewhat crude expression—knows that true German spirit means precisely this: being deeply rooted in the big picture. — But we must once again find our way back to the grand perspectives of the German people. And, fundamentally speaking, it is also based on experience that I am speaking to you about these things today. Despite the way the question was phrased, I might not have needed to answer it; but I wanted to answer precisely this question, and you will see what leads to the answer to such questions when I present to you the concluding passage that the questioner provided to me in an addendum. He writes: “I would consider it very valuable to publish and widely disseminate the correct, clear perspective on this entire issue of war guilt, for example in a memorandum.” — Well, that should have happened in May 1919. The memorandum had even been printed. The political climate within Germany prevented this memorandum from being published. Let us not merely stop at forming the judgment that something like this should have happened; let us support those who are not content to rest with this judgment, but who have already attempted—long ago—to do precisely what is proposed here at the very decisive moment. Then we will make progress.

[ 39 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, weil ich doch glaube, daß in der deutschen Jugend Persönlichkeiten sind, die den Weg zu wahrem Deutschtum wiederum zurückfinden, die Sinn und Herz und offenes Gemüt haben für das Empfangen der Wahrheit, deshalb, weil ich hier vielleicht doch mit einiger Aussicht gerade zu jüngeren Leuten, zu dem besten Teil vielleicht unserer Jugend sprechen konnte, deshalb habe ich mich entschlossen, heute zu Ihnen diese Andeutungen zu sprechen.

[ 39 ] Ladies and gentlemen, because I do believe that among German youth there are individuals who are finding their way back to true German identity, who have the intellect, the heart, and the open-mindedness to receive the truth, and because I felt I might have a reasonable chance here of speaking directly to younger people—perhaps the very best of our youth—I have decided to share these thoughts with you today.