How Individual Spirit Beings Work in the Human Soul
GA 178
19 November 1917, Dornach
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8. Individuelle Geistwesen und einheitlicher Weltengrund II
Lecture II
[ 1 ] Zunächst bitte ich Sie, mit Bezug auf die Betrachtungen, die wir jetzt pflegen, und die ich angeknüpft habe an das Hereinleuchten einer Erkenntnisbestrebung mit unzulänglichen Erkenntnismitteln, die uns aber zu weiten historischen Perspektiven geführt haben, dabei zunächst zu beachten, daß sowohl bei diesen Dingen wie auch bei dem, was ich aus der gleichen Absicht, dem gleichen Impuls heraus bei meinem vorigen Hiersein gesagt habe: es handelt sich um Mitteilungen tatsächlicher Vorgänge, nicht um irgendeine Theorie, nicht um irgendeine Vorstellungssystematik, sondern um Mitteilungen von Tatsachen. Also gerade das ist der Punkt, den wir berücksichtigen müssen aus dem Grunde, weil uns sonst das Verständnis dieser Dinge Schwierigkeiten bereiten kann. Es handelt sich nicht darum, daß ich Ihnen geschichtliche Gesetze oder historische Ideen entwickle, sondern Tatsächlichkeiten, die zusammenhängen mit den Intentionen, mit den Absichten sowohl gewisser Persönlichkeiten, die in Brüderschaften zusammengeschlossen sind, als auch anderer Wesenheiten, welche auf solche Brüderschaften einwirken, deren Einfluß von diesen Brüderschaften auch gesucht wird, die aber, so wie sie sind, nicht zu den im Fleische verkörperten Menschen gehören, sondern solche Wesen sind, die sich in der geistigen Welt verkörpern. Insbesondere bei einer Mitteilung wie diejenige ist, die ich gestern gemacht habe, ist dies sehr notwendig zu berücksichtigen. Denn bei diesen Brüderschaften haben wir es ja — das haben Sie schon aus den Auseinandersetzungen des vorigen Jahres erkennen können — gewissermaßen mit verschiedenen Parteien zu tun. Ich habe Sie dazumal darauf aufmerksam gemacht, daß wir es innerhalb solcher Brüderschaften mit einer solchen Partei zu tun haben, welche von sich aus für die absolute Geheimhaltung gewisser höherer Wahrheiten ist; daneben, neben andern Schattierungen, hat man es zu tun mit Mitgliedern solcher Brüderschaften, welche namentlich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts dafür sind, daß gewisse Wahrheiten — wenn auch zunächst noch jene Wahrheiten, für deren Bekanntmachung nur die nächste Notwendigkeit besteht — vorsichtig und entsprechend sachgemäß der Menschheit enthüllt werden. Neben diesen Hauptparteien gibt es andere Parteinuancen. Daraus aber ersehen Sie, daß dasjenige, was beabsichtigt wird, was gerade ausgehend von solchen Brüderschaften in die Menschheitsentwickelung als Impuls hineinverlegt wird, sehr häufig die Sache eines Kompromisses sein wird.
[ 1 ] We have been considering the emergence of a search for knowledge with inadequate means, and this has opened up wide historical perspectives. Now with regard to these matters, and also to what I said with the same intention when I last spoke here, I must ask you to realise that we are concerned not with a theory or with a system of ideas but with the communication of facts. That is the point to keep in mind; otherwise these matters will not be clearly understood. I am not setting out historical laws or ideas, but stating facts—facts that are connected with the plans and purposes both of certain personalities who are held together in brotherhoods and of other beings who work on these brotherhoods and whose influence is also sought. They are beings who are not incarnated in the flesh, but are embodied in the spiritual world. It is essential to keep this in mind when you hear what I told you yesterday. For where these brotherhoods are concerned, we have to do with various parties (as indeed you will have learnt from explanations given in earlier lectures, e.g. The Occult Movement in the 19th Century (See p. 71)). Thus there is one party which stands for keeping certain higher truths absolutely secret; and again, allowing for various shades of opinion, there are brothers, particularly since the middle of the fifteenth century, who hold that certain truths, if only those called for by the needs of the moment, should be carefully and pertinently disclosed. Besides these two main parties there are other variations; hence you will see that whatever influence is finally exerted on human evolution from the side of these brotherhoods will very often reflect some kind of compromise.
[ 2 ] Nun, gerade als die Brüderschaften, die bekannt sind mit den geistigen Wirkensimpulsen der Menschheitsentwickelung, herankommen sahen das bedeutsame Ereignis vom Anfang der vierziger Jahre: den Kampf gewisser Geister mit höheren Geistern, der dann 1879 damit beschlossen worden ist, daß gewisse Geister mit Engelnatur, Geister der Finsternis, verfallen sind dem Ereignisse, das als die Überwindung des Drachens durch Michael symbolisiert wird, als also in der Mitte des 19. Jahrhunderts, am Anfang der vierziger Jahre, diese Brüderschaften jenes Ereignis herankommen fühlten, da mußten sie dazu Stellung nehmen, mußten sich fragen: Was ist zu tun?
[ 2 ] Early in the 1840s, those brotherhoods who have knowledge of the spiritual impulses that play into history saw coming on that battle of certain spiritual beings with higher Spirits which terminated in 1879, when certain Angel-beings, Spirits of Darkness, were cast down, an event symbolised by the victory of Michael over the dragon. When therefore, in the middle of the nineteenth century, these brotherhoods felt that this event was approaching, they had to decide what attitude to take towards it and to consider what should be done.
[ 3 ] Diejenigen Mitglieder dieser Brüderschaften, welche vor allen Dingen Rechnung tragen wollten den Forderungen der Zeit, sie waren bis zu einem gewissen Grade von den besten Absichten beseelt, und sie waren es, welche unter dem irrtümlichen Impulse standen, mit dem Materialismus der Zeit rechnen zu wollen; sie waren es, welche vorzugsweise darauf bedacht waren, den Menschen, die eigentlich nur auf physischem Wege etwas wissen wollten, gerade auf materialistische Weise auf diesem physischen Wege, ich möchte sagen, etwas beizubringen von der geistigen Welt. Es war also gut gemeint, als in den vierziger Jahren von dieser Seite der Spiritismus in die Welt hineinlanciert worden ist.
[ 3 ] Those brothers who wished above all to reckon with the demands of the moment were actuated up to a certain point with the best intentions, but they were mistaken in their approach to the materialism of the time; they thought that men who were prepared to accept only what could be known in physical terms should be offered something from the spiritual world in a materialistic form. So it was with good intentions that Spiritualism was launched on the world in the 1840s.
[ 4 ] Notwendig war es in der Zeit dieses Kampfes, in der, wie ich angedeutet habe, auf Erden vorzugsweise herrschen sollte der kritische Geist, der bloß auf die Außenwelt gerichtete Verstand, notwendig war es, den Menschen wenigstens eine Empfindung, ein Gefühl dafür beizubringen, daß es eine geistige Welt um die Menschen herum gibt. Und nun, wie eben Kompromisse zustande kommen, so kam auch dieser Kompromiß zustande. Diejenigen Mitglieder solcher Brüderschaften, die sich durchaus ablehnend verhielten gegen die Bekanntgabe gewisser spiritueller Wahrheiten an die Menschheit, die sahen sich, ich möchte sagen, majorisiert, mußten sich herbeilassen, der Sache zuzustimmen. Es war nicht ihre ureigene Absicht, diese Dinge in die Welt zu setzen, die mit dem Spiritismus zusammenhingen. Wo es sich um Körperschaften handelt und der Wille der Körperschaften vorliegt, da hat man es mit Kompromissen zu tun. Aber natürlich, wie es äußerlich im Leben ist: wenn in irgendeiner Körperschaft etwas beschlossen wird, so erwarten da nicht nur diejenigen etwas von dem Beschlossenen, welche aus ihren eigenen Absichten heraus die Sache in Szene gesetzt haben, sondern auch jene, die ursprünglich dagegen waren, erwarten das eine oder das andere davon, wenn es einmal beschlossen ist.
[ 4 ] Since at that time a critical mentality, concerned solely with the external world, was due to prevail on earth, it was necessary to give people at least some inkling, some feeling, that a spiritual world existed around them. And so now this compromise, as is the way with compromises, was put into effect. Those brothers who were altogether against communicating spiritual truths to mankind found themselves outvoted, one might say; they had to give in and agree. Even so, it was not their original intention to introduce the phenomena connected with Spiritualism into the world. Where collective groups of people are concerned one always gets compromises, and naturally, when a collective decision has been reached, not only those who favoured it will be looking for results, but those who at first opposed it will be expecting something or other from it.
[ 5 ] So waren denn gutmeinende spirituelle Mitglieder der Brüderschaften der irrtümlichen Ansicht, daß durch die Benützung der Medien die Menschen von dem Vorhandensein einer geistigen Welt um sie herum überzeugt werden würden; dann würde man ihnen auf Grundlage dieser Überzeugung weiter höhere Wahrheiten beibringen können. Das wäre dann gegangen, wenn das eingetroffen wäre, was diese gutmeinenden Mitglieder von Brüderschaften vorausgesetzt hatten: wenn es eingetroffen wäre, daß dasjenige, was durch solche Medien zutage tritt, in dem Sinne ausgelegt worden wäre, daß man es mit einer geistigen Welt ringsherum zu tun hat. Es ist etwas ganz anderes eingetreten — wie ich auch gestern angedeutet habe. Was durch die Medien zutage trat, das wurde interpretiert von den Menschen, die daran teilnahmen, als herkommend von den Toten. Dadurch war das, was dutch den Spiritismus zutage trat, eigentlich eine Enttäuschung für alle. Denn diejenigen, welche sich haben überstimmen lassen, waren natürlich aufs äußerste betrübt darüber, daß in den spiritistischen Sitzungen — zuweilen mit Recht — von Manifestationen der Geister Verstorbener geredet werden konnte. Die gutmeinenden fortschrittlichen Eingeweihten, die erwarteten überhaupt nicht, daß von Toten gesprochen würde, sondern sie erwarteten, daß von einer allgemeinen elementaren Welt gesprochen würde; auch sie waren also enttäuscht. Vor allem aber verfolgen solche Dinge jene, die in einer gewissen Weise eingeweiht sind. Und nun haben wir — außer den bereits angeführten Mitgliedern von Brüderschaften — solche Mitglieder anderer Brüderschaften oder zum Teil auch derselben, worinnen sich Minoritäten, manchmal auch Majoritäten bilden können; wir haben andere Eingeweihte zu beachten: jene, welche genannt werden innerhalb der Brüderschaften «die Brüder der Linken», also jene, welche vor allen Dingen ausnutzen ein jegliches, was als Impuls der Menschheitsentwickelung einverleibt wird, im Sinne einer Machtfrage. Und selbstverständlich, diese Brüder der Linken erwarteten nun auch ihrerseits allerlei von dem, was durch den Spiritismus zutage trat. Ich habe gestern bemerklich gemacht, daß es solche Brüder der Linken vor allen Dingen waren, welche die Veranstaltungen mit den Seelen der toten Menschen gemacht haben. Für sie war vor allen Dingen das interessant, was durch die spiritistischen Sitzungen herauskommen werde. Sie bemächtigten sich nach und nach des ganzen Feldes. Die gutmeinenden Eingeweihten verloren nach und nach alles Interesse an dem Spiritismus, fühlten sich in einer gewissen Weise sogar beschämt, weil diejenigen, die den Spiritismus von Anfang an nicht wollten, ihnen sagten, das hätte man von Anfang an wissen können, daß mit dem Spiritismus jetzt nichts herauskommen kann. Dadurch kam aber gerade der Spiritismus in die Machtzone, ich möchte sagen, der Brüder der Linken. Nun, von solchen Brüdern der Linken habe ich gestern gesprochen, die vor allen Dingen sich dadurch enttäuscht fühlten, da sie sahen, es könne durch diesen nun einmal in Szene gesetzten Spiritismus sich das enthüllen, was sie eigentlich angeregt hatten, wovon sie aber vor allen Dingen wollten, daß es nicht herauskäme: es könne ja gerade in spiritistischen Sitzungen, weil sich die Teilnehmer von den Toten beeinflußt glaubten, durch Mitteilung der Toten sich offenbaren, was gewisse Brüder der Linken mit den Seelen Verstorbener machen. Gerade solche Seelen konnten sich in den spiritistischen Sitzungen manifestieren, die mißbraucht wurden gewissermaßen von den Brüdern der Linken.
[ 5 ] Thus the well-meaning members of these brotherhoods took the mistaken view that through the use of mediums people would be convinced of the presence around them of a spiritual world; then on the basis of this conviction it would be possible to impart higher truths. This could indeed have happened if the phenomena that came through the mediums had in fact been interpreted in the intended way, as evidence for the presence of an interpenetrating spiritual world. But—as I explained yesterday—something quite different resulted. The mediumistic phenomena were interpreted by those who took part in the seances as coming from the dead. Hence the experiment was a disappointment for all concerned. Those brothers who had allowed themselves to be outvoted were very grieved that the séance manifestations could be spoken of—sometimes correctly—as coming from the spirits of the dead. The well-intentioned progressive brothers had not expected any mention of the dead, but rather of a general elemental world, so they too were disappointed. These activities, however, are pursued above all by persons who have been in some way initiated. And besides the brotherhoods already mentioned, we have to reckon with others, or with sections of the same brotherhoods, wherein a minority of members, or even a majority, consists of initiates who within their brotherhoods are known as “brothers of the left;” they are those who treat every impulse that enters into human evolution as a question of power. Naturally, these brothers expected all sorts of things from Spiritualism. As I told you yesterday, it was these brothers of the left who were specially responsible for dealing in the way I described with the souls of the dead. Their interest was centred on observing what came out of the seances, and by degrees they got control of the whole field. The well-intentioned initiates gradually lost all interest in Spiritualism; they felt in a certain sense ashamed, because those who had all along opposed Spiritualism said they might have known from the start that nothing would come of it. But the result was that Spiritualism came under the power of the brothers of the left. Yesterday I said that these brothers had been disappointed in the following way. They saw that Spiritualism could bring to light what they had set on foot, and they were above all anxious that this should not happen. Since the persons attending the seances believed they were in touch with the dead, communications from the dead might reveal what the brothers of the left were doing with the souls of the dead. The very souls which they were misusing might manifest in the course of a séance.
[ 6 ] Das müssen Sie eben durchaus in Betracht ziehen, daß es sich bei diesen Mitteilungen nicht um Theorien handelt, sondern daß es sich darum handelt, Tatsachen zu erzählen, die auf Individualitäten zurückgehen. Und wenn nun diese Individualitäten wiederum vereinigt sind in Brüderschaften, so kann von ein und derselben Sache die eine Individualität dies, die andere jenes erwarten. Es geht schon einmal nicht, wenn man von dem Tatsächlichen der geistigen Welt redet, es geht schon einmal nicht, da etwas anderes zu suchen als ein Wirken aus den Impulsen der Individualitäten heraus. Was der eine macht und was der andere macht, widerspricht sich ja auch im Leben. Redet man von Theorien, dann darf der Satz des Widerspruchs nicht verletzt werden. Redet man aber von Tatsachen, dann wird sich — gerade weil man von Tatsachen redet — sehr häufig zeigen, daß diese Tatsachen in der geistigen Welt ebensowenig zusammenstimmen wie die Handlungen der Menschen hier auf dem physischen Plane. Also ich bitte Sie, das immer zu berücksichtigen. Man kann ja, wenn man von diesen Dingen spricht, nicht über Wirklichkeiten reden, wenn man nicht von individuellen Tatsachen redet. Das ist es, um was es sich handelt. Also es müssen die einzelnen Strömungen auseinandergehalten, auseinandergeschält werden.
[ 6 ] You must please once more keep in mind that I am not expounding theories but relating facts—facts that go back to particular individuals. And when individuals are united in brotherhoods, they will differ in what they expect from the same event. When one speaks of facts that belong to the spiritual world, it is always a question of looking for the outcome of individual impulses. In ordinary life one action will often contradict another. If theories are discussed, the rule of contradiction must be observed. But when one is speaking of facts, then—just because they are facts—we shall very often find that facts in the spiritual world agree just as little as do human actions on the physical plane. Therefore I ask you to keep this in mind. One cannot talk of realities in these matters unless one talks of individual facts. That is the point. Therefore we must keep the various streams apart and distinguish between them.
[ 7 ] Dies hängt aber zusammen mit einer sehr bedeutsamen Sache, die man, will man in der Gegenwart zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung kommen, sich vor allen Dingen zum Bewußtsein bringen muß. Es ist das, was ich nun sage, eine ganz prinzipielle und bedeutungsvolle Sache, trotzdem sie etwas abstrakter ist; aber wir müssen uns einmal diese Tatsache vor die Seele führen.
[ 7 ] This is connected with something very important, which must be kept clearly in view by anyone who hopes to arrive at a more or less satisfying outlook on the world. It is a fundamental point, and we must bring it before us, even though it is somewhat abstract.
[ 8 ] Der Mensch strebt nämlich, wenn er sich eine Weltanschauung bilden will, mit Recht danach, daß die einzelnen Teile dieser Weltanschauung zusammenstimmen. Dies tut er aus einer gewissen Gewohnheit heraus, aus einer Gewohnheit heraus, die so berechtigt ist wie nur möglich; denn sie hängt zusammen mit alledem, was durch viele Jahrhunderte hindurch der Menschheit teuerstes Seelen- und Geistesgut war: mit dem Monotheismus. Man will dasjenige, was einem in der Welt als Erlebnis begegnet, auf einen einheitlichen Weltengrund zurückführen. Dies hat seine gute Berechtigung, aber nicht nach derjenigen Seite hin, nach welcher es die Menschen gewöhnlich berechtigt glauben, sondern nach einer ganz andern Seite hin, von der wir das nächste Mal sprechen werden. Heute möchte.ich Ihnen nur das prinzipiell Wichtige vor die Seele führen.
[ 8 ] A person who tries to build up a world-picture rightly endeavours to bring its separate elements into harmony. He does this from habit—a thoroughly justified habit, connected for many centuries with the dearest possession of our souls: with monotheism. He tries therefore to lead back the whole range of his experience of the world to a unitary principle. This is valid enough in its own way—not, however, in the sense in which it is usually applied, but in quite another sense of which we will speak next time. To-day I will deal only with the essential principle.
[ 9 ] Wer mit der Voraussetzung an die Welt herantritt: alles muß sich widerspruchslos so erklären lassen, als ob es aus einem einheitlichen Weltengrunde hervorgehe, der wird viele Enttäuschungen erleben gerade dann, wenn er in unbefangener Art der Welt und ihren Erlebnissen gegenübertritt. Es ist einmal so hergebracht, daß der Mensch alles das, was er in der Welt wahrnimmt, behandelt nach der pastoralen Weltanschauung: alles führt zurück zu dem einheitlichen göttlichen Urgrund; aus Gott stammt alles, also muß es in einheitlicher Weise sich erklären lassen.
[ 9 ] If we approach the world with the preconceived idea that everything must be explicable without contradiction, as though it came from a single source, we shall be disappointed again and again when we look without prejudice at the world and the experiences it affords. We have acquired the habit of treating everything we perceive in the light of the didactic concept which says that everything leads back to a unitary divine origin—everything derives from God and so must admit of a single mode of explanation.
[ 10 ] Nun ist das aber nicht so. Es ist nicht so, es stammt nicht dasjenige, was uns in der Welt an Erlebnissen umgibt, aus einem einheitlichen Urgrund, sondern es stammt aus voneinander verschiedenen spirituellen Individualitäten. Es wirken verschiedene Individualitäten zu dem zusammen, was uns in der Welt als Erlebnisse umgibt. So ist es zunächst. Über anderes, was den Monotheismus berechtigt macht, werden wir das nächste Mal noch sprechen. Aber so ist es zunächst. Wir müssen uns bis zu einem gewissen Grade, ja bis zu einem hohen Grade voneinander unabhängige Individualitäten denken, sobald wir nur die Schwelle der geistigen Welt übertreten. Aber dann kann man nicht verlangen, daß dasjenige, was auftritt, aus einem einheitlichen Prinzip heraus zu erklären ist. Denn denken Sie, schematisch dargestellt (siehe Zeichnung S.200), dies wäre irgendein Erlebnis, meinetwillen wären das die Erlebnisse, sagen wir vom Jahre 1913 bis zum Jahre 1918. Die Erlebnisse der Menschen gehen natürlich nach beiden Richtungen fort. Ja, der Historiker wird immer versucht sein, nun ein einheitliches Prinzip in diesem ganzen Werdegang vorauszusetzen. So ist es aber nicht; sondern sobald man die Schwelle zur geistigen Welt überschreitet, die man nach unten und nach oben überschreiten kann (siehe Zeichnung, rot), es ist ein und dieselbe, so wirken in diese Ereignisse herein verschiedene Individualitäten zusammen, die voneinander verhältnismäßig unabhängig sind (siehe Zeichnung, Pfeile). Und wenn Sie das nicht berücksichtigen, wenn Sie einen einheitlichen Weltengrund überall voraussetzen, so werden Sie die Ereignisse niemals verstehen. Nur dann, wenn Sie in dem, was gewissermaßen der Wellenschlag der Ereignisse ist, die verschiedensten Individualitäten, die gegeneinander oder miteinander arbeiten, in Betracht ziehen, dann werden Sie die Dinge in der richtigen Weise verstehen.
[ 10 ] But this is not so. The experiences we encounter in the world do not spring from a single ground, but from diverse spiritual individualities, who all play a part in producing them. That is the essential point. We will speak tomorrow of the sense in which monotheism is justified. Up to a certain stage, and indeed up to a high stage, we must think of independent individualities as soon as we cross the threshold of the spiritual world. And then we cannot expect to explain everything we experience in unitary terms. Take any series of events—let us say the experiences encountered from 1913 to 1918. A diagram will naturally show them taking their course from two directions at once ... An historian will always try to reduce the whole process to the working of a single principle, but that is not how things happen. Directly we cross the threshold of the spiritual world, whether downwards or upwards—it is one and the same—we find that different individualities, relatively independent of each other, are working into these events. We shall never understand the course of events if we assume a single source for them; we shall see them rightly only if in the turbulence of events we reckon with the activities of individualities who are working either with or against each other.


[ 11 ] Diese Sache hängt ja zusammen mit den tiefsten Geheimnissen des Menschenwerdens überhaupt. Und nur das monotheistische Gefühl hat diese Tatsache für Jahrhunderte oder Jahrtausende verschleiert; aber in Betracht ziehen muß man sie. Man muß daher, wenn man heute in Weltanschauungsfragen weiterkommen will, vor allen Dingen Logik nicht verwechseln mit abstrakter Widerspruchslosigkeit. Abstrakte Widerspruchslosigkeit kann in einer Welt, in der voneinander unabhängige Individualitäten zusammenwirken, nicht da sein; daher wird es immer, wenn abstrakte Widerspruchslosigkeit angestrebt wird, zur Verarmung der Begriffe führen; die Begriffe werden nicht mehr die volle Wirklichkeit umspannen können. Nur dann können die Begriffe die volle Wirklichkeit umspannen, wenn diese Begriffe jene widerspruchsvolle Welt in sich zu fassen vermögen, welche eben die Wirklichkeit ist.
[ 11 ] This is something that belongs to the deepest secrets of human evolution. For centuries, even for millennia, it has been obscured by monotheistic feeling, but you must take it into account. If to-day we are to come closer to ultimate questions, we must above all not confuse logic with abstract freedom from contradictions. In a world where independent individualities are simultaneously at work, contradictions are bound to occur, and to expect them not to occur leads to an impoverishment of ideas; to ideas which cannot embrace the whole of reality. The only adequate ideas will be those that are able to grasp a world replete with contradictions, for that is the real world.
[ 12 ] Dasjenige, was der Mensch als Naturgebiet vorliegend hat, das kommt auf eine sehr merkwürdige Weise zustande. Auch an der Natur, an allem, was der Mensch Natur nennt und mit Naturwissenschaft auf der einen Seite, mit Naturdienst, Naturästhetik und so weiter auf der andern Seite zusammenfaßt, wirken verschiedene Individualitäten mit. Aber in dem gegenwärtigen Entwickelungszyklus der Menschheit ist durch die weisheitsvolle Weltenlenkung eine für den Menschen sehr segensvolle Einrichtung getroffen worden. Nämlich, der Mensch kann die Natur begreifen mit den Begriffen, die sich auf eine einheitliche Lenkung beziehen, weil von der Natur durch die Sinneswahrnehmung nur dasjenige an den Menschen als Erlebnis herankommt, was von der einheitlichen Lenkung abhängt. Hinter dem Teppich der Natur liegt etwas anderes, was von ganz anderer Seite beeinflußt wird. Aber das wird ausgeschaltet, wenn der Mensch die Natur wahrnimmt. So kommt es, daß dasjenige, was der Mensch Natur nennt, ein einheitliches System ist, aber nur deshalb, weil es durchgesiebt ist. Indem wir wahrnehmen durch unsere Sinne, wird uns die Natur gleichsam durchgesiebt. Alles das, was widerspruchsvoll in ihr ist, das wird herausgesiebt, und es wird die Natur uns so überliefert, daß sie ein einheitliches System ist. In dem Augenblick aber, wo man die Schwelle überschreitet und dasjenige, was zur Wirklichkeit gehört, auch zur Naturerklärung heranzieht — die elementaren Geister oder die Beeinflussungen der Menschenseelen, die sich auf die Natur auch richten können —, in dem Augenblick ist man nicht mehr in der Lage, auch bei der Natur von einem einheitlichen System zu reden, sondern da muß man sich dann auch schon wiederum klarwerden, daß man es mit dem Hereinwirken einander bekämpfender oder einander tragender, einander verstärkender Individualitäten zu tun hat.
[ 12 ] The realms of nature that lie around us come into being in a very remarkable way. In all that we call nature, the nature we approach through science on the one hand and through aesthetic perception on the other, various individualities are at work. But in the present phase of human evolution a wise Providence has ordained an arrangement which is a great blessing for mankind. We can lay hold of nature with ideas that assume a monistic dispensation, because sense-perception allows us normally to experience only as much of nature as is in accord with that principle. Behind the tapestry of nature there lies something different which is sustained from a quite other direction; but sense-perception shuts it out, admitting only as much of nature as can pass through its sieve. Everything contradictory is strained out, and nature is communicated to us in the guise of a monistic system. But directly we cross the threshold and bring the true facts to bear on the interpretation of nature—the facts concerning the elemental spirits or the influence of human souls, which can also act on nature—then we are no longer able to speak of a monistic system applicable to nature. Once again we see clearly that we have to do with the workings of individualities who may either oppose or reinforce one another.
[ 13 ] In der elementaren Welt finden wir Geister der Erde, gnomenhafte Wesen; Geister des Wassers, undinenhafte Wesen; Geister der Luft, sylphenhafte Wesen; Geister des Feuers, salamanderartige Wesen. Die sind alle da. Ja, die sind nicht so, daß sie nun alle ein einheitliches Regiment bilden würden. So ist das nicht. Sondern diese verschiedenen Reiche: Gnomen, Undinen, Sylphen, Salamander, sie sind in einer gewissen Weise selbständig; sie arbeiten nicht nur in Reih und Glied alle aus einem System heraus, sondern sie bekämpfen auch einander. Ihre Intentionen haben nichts miteinander zu tun von vornherein, sondern das, was entsteht, entsteht durch das verschiedenartigste Zusammenwirken der Intentionen. Kennt man die Intentionen, dann sieht man in dem, was vor einem auftritt, daß da hereinwirken meinetwillen Feuergeister und Undinen zusammen. Aber man darf niemals glauben, daß hinter diesen nun wiederum einer steht, der ihnen ein gewisses Kommando gibt. Das ist nicht so. Es ist dieser Geist sehr verbreitet in der Gegenwart, und solche Philosophen, wie zum Beispiel der Philosoph Wand — von dem Fritz Mauthner nicht mit Unrecht gesagt hat: «Autorität von seines Verlegers Gnaden», aber Autorität ist er fast für die ganze Welt vor dem Kriege gewesen —, die gehen darauf aus, alles dasjenige, was in der menschlichen Seele lebt, Vorstellungsleben, Gefühlsleben, Willensleben in eine Einheit zu fassen, weil sie sagen: Die Seele ist eine Einheit, also muß alles das zu einer Einheit, zu einem gemeinsamen System gehören. — Das ist aber eben nicht so, und es würden jene starken, bedeutungsvollen Diskrepanzen des menschlichen Lebens, auf die gerade die analytische Psychologie kommt, nicht herauskommen, wenn nicht unser Vorstellungsleben hinter der Schwelle zurückführte in ganz andere Regionen, wo andere Individualitäten unser Vorstellungsleben beeinflussen als unser Gefühlsleben und dann wiederum unser Willensleben.
[ 13 ] In the elemental world we find earth-spirits, gnomes; water-spirits, undines; air-spirits, sylphs; fire-spirits, salamanders. They are all there, but they do not form a single united band. Each of the four kingdoms is in a certain sense independent; they do not work only in rank and file as a single system, but they oppose one another. Their purposes are, to begin with, entirely distinct; the outcome reflects the interactions of their purposes in the most varied ways. If we know what these purposes are, we can discern in a given phenomenon the working together, let us say, of fire-spirits and undines. But we must never suppose that behind them is a single authority which gives them definite orders. This way of thinking is widespread to-day; and philosophers such as, for example, Wilhelm Wundt (whom Fritz Mauthner described with some justice as “an authority by the grace of his publisher”—yet before the war he ranked as an authority almost everywhere)—these philosophers are out to force into a unity all the manifold life of the soul, its concepts, its feeling, its willing, because they say that the soul is a unity, and therefore all this must belong to a unitary system. But that is not so, and the strongly conflicting tendencies in human life, which psycho-analysis indeed brings out, would not occur if our conceptual life did not lead back beyond the threshold into regions where it is influenced by individualities quite different from those that influence our feeling and our willing.
[ 14 ] Es ist so sonderbar! Sehen Sie, wenn das die menschliche Wesenheit ist (siehe Zeichnung, Oval) und wir haben in der menschlichen Wesenheit Vorstellungsleben, Gefühlsleben, Willensleben (drei Kreise), dann kann sich so ein Systematiker wie Wundt nichts anderes vorstellen, als daß das alles ein System ist.
[ 14 ] Really it is strange! Here (drawing on blackboard) we have in the human being a conceptual life, a life of feeling and a life of willing—yet a systematiser such as Wundt cannot get away from the idea that all this must form a single system.
[ 15 ] Indessen, es führt das Vorstellungsleben in eine andere Welt (W 1), es führt das Gefühlsleben in eine andere Welt (W 2), und wiederum das Willensleben in eine andere Welt (W 3). Dazu ist gerade die Menschenseele da, um eine Einheit zu bilden aus demjenigen, was in der vormenschlichen, also augenblicklich vormenschlichen Welt eine Dreiheit ist.
[ 15 ] In fact, the life of concepts leads into one world, the life of feeling into another world, and the life of willing into another again. The function of the human soul is precisely to bring together into a unity activities which in the pre-human world—and therefore in the still existing pre-human world—are threefold.


[ 16 ] Nun, mit allen diesen Dingen muß gerechnet werden, sobald für die geschichtliche Entwickelung der Menschheit in Betracht kommen die Impulse, die dieser geschichtlichen Entwickelung einmal einverleibt werden.
[ 16 ] All these things must be taken into account as soon as we study the impulses which have played into human evolution.
[ 17 ] Ich habe im Verlaufe dieser Betrachtungen gesagt, daß ein jeder Zeitraum der nachatlantischen Zeit seine besondere Aufgabe hat. Ich habe im allgemeinen die Aufgabe des fünften nachatlantischen Zeitraumes charakterisiert, indem ich angedeutet habe, daß es einmal schon für die Menschheit die Aufgabe dieses Zeitraumes ist, sich mit dem Bösen als Impuls in der Weltenentwickelung auseinanderzusetzen. Was das heißt, das haben wir ja verschiedentlich besprochen. Es ist nicht anders möglich, als daß die Kräfte, welche, wenn sie am schlechten Orte auftreten, als das Böse auftreten, durch die Anstrengungen der Menschen im fünften nachatlantischen Zeitraum für die Menschheit erobert werden, so daß sie mit diesen Kräften des Bösen etwas Günstiges für die Zukunft der ganzen Weltenentwickelung anzufangen in der Lage ist. Dadurch wird die Aufgabe dieses fünften nachatlantischen Zeitraums eine ganz besonders schwierige. Denn sehen Sie, eine große Anzahl von Versuchungen steht der Menschheit bevor. Und wenn so nach und nach die Gewalten des Bösen erscheinen, dann ist natürlich der Mensch unter Umständen viel mehr geneigt, sich diesem Bösen auf allen Gebieten zu überlassen, als daß er den Kampf aufnimmt, um dasjenige, was ihm als Böses erscheint, in den Dienst der guten Weltenentwickelung zu stellen. Und dennoch, dieses muß geschehen; es muß das Böse bis zu einem gewissen Grade in den Dienst der guten Weltenentwickelung gestellt werden. Ohne dieses könnte nicht eingetreten werden in den sechsten nachatlantischen Zeitraum, der dann eine ganz andere Aufgabe haben wird, der die Aufgabe haben wird, die Menschheit leben zu lassen, trotzdem sie mit der Erde noch zusammenhängt, vor allen Dingen in einer fortdauernden Anschauung der geistigen Welt, in geistigen Impulsen. Gerade mit dieser Aufgabe gegenüber dem Bösen im fünften nachatlantischen Zeitraum hängt es zusammen, daß eine gewisse Art von persönlicher Verfinsterung für die Menschen eintreten kann.
[ 17 ] I have already said that each post-Atlantean epoch has a special task, and I have described the task for mankind in the fifth post-Atlantean epoch as that of coming to terms with evil as an impulse in world-evolution. We have spoken of what this means from various points of view. The indispensable need is that the forces which manifest as evil when they appear in the wrong place shall be overcome by human endeavour during this epoch, so that men can begin to make out of these forces something favourable for the whole future of cosmic evolution. Hence the task of this fifth post-Atlantean epoch is quite specially arduous, and many temptations lie ahead. And as the powers of evil make their appearance in gradual stages, men are naturally much more inclined to give way to them in all realms instead of battling to place what appears as evil in the service of the rightful course of world-development. This, nevertheless, is what has to come about—up to a certain point evil must be turned to good ends. Failing that, we shall not be able to go forward into the sixth post-Atlantean epoch, which will have a quite different task. Its task will be to enable men, while still connected with the earth, to have the spiritual world continually in view and to live in accordance with spiritual impulses. It is precisely in connection with the task of opposing evil during our own epoch that a certain darkening of the human personality can occur.
[ 18 ] Nun wissen wir, daß seit dem Jahre 1879 die dem Menschen nächststehenden Geister der Finsternis, die dem Reiche der Angeloi angehören, im Menschenreiche selber wandeln, weil sie aus der geistigen Welt in das Menschenreich herabgestoßen worden sind und nun in den menschlichen Impulsen drinnen vorhanden sind, durch die menschlichen Impulse wirken. Ich sagte, gerade durch dieses, daß dem Menschen so nahestehende Wesen auf unsichtbare Art unter den Menschen wirken und der Mensch durch die hereinspielenden Kräfte des Bösen abgehalten ist davon, das Spirituelle mit der Vernunft anzuerkennen — denn das ist wiederum die damit zusammenhängende Aufgabe des fünften nachatlantischen Zeitraums —, gerade dadurch werden diesem fünften nachatlantischen Zeitraum viele Gelegenheiten gegeben, sich finsteren Irrtümern und dergleichen hinzugeben. Es muß gewissermaßen der Mensch sich dazu bequemen, in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum das Spirituelle durch seine Vernunft zu erfassen. Geoffenbart wird es schon; dadurch, daß die Geister der Finsternis 1879 besiegt worden sind, dadurch wird immer mehr und mehr spirituelle Weisheit aus den geistigen Welten herunterfließen können. Nur wenn die Geister der Finsternis oben geblieben wären in den geistigen Reichen, würden sie ein Hemmnis sein können für dieses Herunterfließen. Das Herunterfließen von spiritueller Weisheit können sie fortan nicht verhindern; aber Verwirrung können sie fortan stiften, die Seelen können sie verfinstern. Und welche Gelegenheiten zur Verfinsterung ergriffen werden, haben wir ja zum Teil schon geschildert. Was für Vorkehrungen getroffen werden, haben wir angeführt, um die Menschen abzuhalten davon, das spirituelle Leben zu empfangen.
[ 18 ] We know that since 1879 the Spirits of Darkness who are nearest to man, belonging as they do to the realm of the Angels, have been roaming about in the human world, because they were cast down into it from the spiritual world. Hence they are present in human impulses and work through them. Just because these beings are able to work invisibly, so close to man, and by their influence to hinder him from recognising the spiritual with his reason—which is also a task for our epoch—so in this epoch there are many opportunities for surrendering to all sorts of errors and observations that belong to the darkness of evil. During this epoch man has to learn by degrees to grasp the spiritual with his reason; for this possibility has been offered to him by the vanquishing of the Spirits of Darkness in 1879, as a result of which more and more spiritual wisdom has been able to flow down from the spiritual worlds. Only if the Spirits of Darkness had remained up there in spiritual realms would they have been able to obstruct this flow. Henceforward they can do nothing to hinder it; but they can continue to create confusion and to darken human souls. We have already described in part the opportunities they have for doing this, and the precautions they have taken to prevent men from receiving spiritual wisdom.
[ 19 ] Das alles kann natürlich nicht zum Jammern oder irgend so etwas Anlaß geben, sondern zu einer Stärkung der Kraft und Energie der Menschenseele nach dem Spirituellen hin. Denn wird in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum von den Menschen dasjenige erreicht, was erreicht werden kann durch die Einverleibung der Kräfte des Bösen im guten Sinne, dann wird zu gleicher Zeit etwas Ungeheures erreicht: dann wird dieser fünfte nachatlantische Zeitraum für dieEntwickelung der Menschheit etwas wissen aus größeren Vorstellungen als irgendein nachatlantischer Zeitraum, ja als irgendein früherer Zeitraum der Erdenentwickelung. Erschienen ist zum Beispiel der Christus durch das Mysterium von Golgatha dem vierten nachatlantischen Zeitraum; aneignen für die menschliche Vernunft kann ihn sich der fünfte nachatlantische Zeitraum erst. Im vierten nachatlantischen Zeitraum haben die Menschen begreifen können, daß sie in dem Christus-Impuls etwas haben, was sie über den Tod hinausführt als Seelen; das ist ja durch das Paulinische Christentum hinlänglich klargeworden. Aber ein noch Bedeutsameres wird eintreten für die Entwickelung des fünften nachatlantischen Zeitraums, in dem die Menschenseelen erkennen werden, daß sie in dem Christus den Helfer haben, um die Kräfte des Bösen in Gutes umzuwandeln. Aber eines ist mit dieser Eigentümlichkeit des fünften nachatlantischen Zeitraums verbunden, eines, das man sich jeden Tag aufs neue in die Seele schreiben soll, das man ja nicht vergessen soll, obwohl der Mensch besonders für das Vergessen dieser Sache angelegt ist: ein Kämpfer um das Spirituelle muß der Mensch sein in dieser fünften nachatlantischen Zeit; erleben muß er, daß seine Kräfte erschlaffen, wenn er sie nicht fortwährend im Zaume hält für die Eroberung der spirituellen Welt. Im höchsten Maße ist der Mensch auf seine Freiheit gestellt in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum! Das muß er durchmachen. Und gewissermaßen an der Idee der menschlichen Freiheit muß geprüft werden alles dasjenige, was die Menschen trifft in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum. Denn würden die Kräfte der Menschen erschlaffen, so könnte gewissermaßen alles zum Schlimmen ausfallen. Der Mensch ist nicht in der Lage, in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum wie ein Kind geführt zu werden. Sind gewisse Brüderschaften da, welche sich gewissermaßen das Ideal vorhalten, die Menschen wie Kinder zu führen, wie sie noch geführt wurden im dritten nachatlantischen Zeitraum und im vierten, so tun diese Brüderschaften gar nicht das rechte; sie tun gar nicht dasjenige, was für die Entwickelung der Menschheit eigentlich geschehen soll. Die Menschen so auf die spirituelle Welt hinzuweisen, daß Annahme oder Ablehnung der spirituellen Welt in die Freiheit der Menschen gestellt ist, das muß sich derjenige, der in dieser fünften nachatlantischen Zeit von dieser spirituellen Welt spricht, immer wieder und wiederum vorhalten. Daher können gewisse Dinge in dieser fünften nachatlantischen Zeit nur gesagt werden; aber das Sagen ist jetzt ebenso wichtig, wie irgend etwas anderes wichtig war in andern Zeiträumen. Dafür will ich Ihnen ein Beispiel geben.
[ 19 ] All this, of course, gives no occasion for lamentation but for a strengthening of human energy and aspiration towards the spiritual. For if men achieve what can be achieved in this epoch by taking hold of the forces of evil and turning them to good ends, then they will at the same time achieve something tremendous: this fifth post-Atlantean epoch will gain for human evolution grander conceptions than those of any other post-Atlantean epoch, or indeed of any previous epoch. For example, the Christ appeared and passed through the Mystery of Golgotha during the fourth post-Atlantean epoch, but only in our fifth epoch will it be possible for human reason to encompass the meaning of this event. In the fourth epoch men could comprehend that in the Christ Impulse they had something which would carry their souls beyond death: this was made sufficiently clear through Pauline Christianity. The fifth epoch will bring an even more important development: men will come to recognise the Christ as their helper in the task of transforming the forces of evil into good. But connected with this characteristic of the fifth epoch is a fact we must inscribe daily in our souls and never forget, although we are readily inclined to forget it. In this epoch we have to be fighters for the spirit: we must realise that our forces grow slack unless they are kept constantly in training for the conquest of the spiritual world. In this fifth epoch man is in the highest degree dependent upon his freedom, and he has to experience it to the full. And the idea of human freedom should be the criterion of whatever he encounters in this epoch. For if human energies were to grow slack, everything might turn to evil. Man is no longer in a condition to be guided like a child. If the aim of certain brotherhoods is to treat him in this way, as he was in the third and fourth epochs, they are far from doing right and are not advancing human evolution. Anyone who in this epoch speaks of the spiritual world must constantly remind himself to do so in such a way that acceptance or rejection of it is left to the freedom of the individual. Therefore certain things can only be—said; but the saying is just as important as any other way of presenting them was in other epochs. I will give you an example.
[ 20 ] In unserer Zeit ist das Mitteilen von Wahrheiten, wenn ich trivial sprechen darf, das Vortragen von Wahrheiten das Allerwichtigste. Danach richten sollen sich die Menschen aus ihrer Freiheit heraus. Weiter sollte eigentlich nicht gegangen werden als bis zum Vortrag, bis zur Mitteilung der Wahrheiten; das andere sollte in freiem Entschlusse daraus folgen; so daraus folgen, wie die Dinge folgen, die man als Entschlüsse faßt aus dem Impulse des physischen Planes heraus. Das bezieht sich auch auf die Dinge, die gewissermaßen nur von der geistigen Welt aus selbst gelenkt und geleitet werden können.
[ 20 ] In our time the communication of truths—or, if I may use a trivial phrase, lecturing on them—is the most important thing. People should then be left to a free choice of attitude. One should go no further than the lecture, the communication of truths; the rest should follow out of free decision, just as it does when someone takes a decision on the physical plane. This applies also to the things which can in a certain sense be directed and guided only from the spiritual world.
[ 21 ] Wir werden uns gleich besser verstehen, wenn wir auf Einzelheiten eingehen. Noch im vierten nachatlantischen Zeitraum war es so, daß andere Dinge in Betracht kamen als das bloße Wort, die bloße Mitteilung. Was kam da in Betracht? Nun, nehmen wir einen bestimmten Fall an: die Insel Irland, wie wir sie heute nennen, hat ganz besondere Eigentümlichkeiten. Diese Insel Irland unterscheidet sich durch gewisse Dinge von der ganzen übrigen Erde. Jedes Gebiet der Erde unterscheidet sich von den andern durch gewisse Dinge; das ist also nichts Besonderes; nur will ich den verhältnismäßig starken Unterschied heute hervorheben, der im Vergleich von Irland mit andern Gegenden der Erde besteht. In der Entwickelung der Erde kann man ja — wie Sie schon aus meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» sehen — zurückgehen und verschiedene Einflüsse, verschiedene Geschehnisse konstatieren in demjenigen, was als Tatsachen aus der geistigen Welt herausgeholt werden kann. Sie wissen aus der «Geheimwissenschaft», wie sich die Dinge verhalten, wenn man zurückgeht bis zu dem, was die lemurische Zeit genannt wird, was da alles geschehen ist seit der lemurischen Zeit, wie sich die verschiedenen Dinge entwickelt haben. Ich habe Sie nun gestern darauf aufmerksam gemacht, daß die ganze Erde eigentlich als ein Organismus zu betrachten ist, daß sie für verschiedene Territorien Verschiedenes aus sich herausstrahlt auf die Bewohner. Dieses Ausgestrahlte hat auf den Doppelgänger, auf den ich gestern zum Schluß aufmerksam gemacht habe, einen ganz besonderen Einfluß. Bei Irland ist es so, daß in älteren Zeiten die Menschheit, die Irland gekannt hat, die ganz besondere Eigentümlichkeit von Irland märchenhaft, legendenhaft zum Ausdruck gebracht hat. Ich möchte sagen, eine esoterische Legende hat man gekannt als aussprechend das Wesen von Irland im Erdenorganismus. Man hat gesagt: Die Menschheit ist einstmals aus dem Paradiese vertrieben worden, weil im Paradiese Luzifer die Menschheit verführt hat; und sie ist dann in die übrige Welt zerstreut worden. Aber diese übrige Welt war schon da zur Zeit, als die Menschheit aus dem Paradiese vertrieben worden ist. Man unterscheidet also — so sagte man in dieser märchenhaften, in dieser legendenhaften Darstellung —, man unterscheidet also das Paradies mit dem Luzifer darinnen von der übrigen Erde, in welche die Menschheit verstoßen worden ist. Aber mit Irland ist es nicht so, das gehört nicht in demselben Sinne zu der übrigen Erde, weil, bevor Luzifer das Paradies betreten hat, sich ein Abbild des Paradieses auf der Erde gebildet hat, und dieses Abbild ist Irland geworden.
[ 21 ] We shall understand one another better if we go into details. During the fourth post-Atlantean epoch it was still necessary to consider other things, not only the spoken word. What were these other things? Let us take a definite instance. The island of Ireland, to use its modern name, has quite special characteristics which distinguish it from the rest of the world. Every part of the earth has some distinguishing characteristics—there is nothing unusual in that—but the point here is that Ireland has them to an exceptional degree. You know from my Occult Science that it is possible to look back and discern various influences which have flowed from the spiritual world into the evolution of the earth. You have heard also what things were like in the Lemurian Age and of the various evolutionary developments since then. Yesterday I called attention to the fact that the whole earth must be regarded as a living organism, and that the various influences which radiate out to the inhabitants of particular territories have a special effect on the “double,” also mentioned yesterday. In ancient times people who knew of Ireland gave expression to its peculiar characteristics in the form of myths and legends. One could indeed speak of an esoteric legend which indicated the nature of Ireland within the whole earth-organism. Lucifer, it was said, had once tempted mankind in Paradise, wherefore mankind was driven out and scattered over the earth, which was already in existence at that time. Thus a distinction was drawn—so the legend tells us—between Paradise, with Lucifer in it, and the rest of the earth. But with Ireland it was different. Ireland did not belong in the same sense to the rest of the earth, for Paradise, before Lucifer entered it, had created an image of itself on earth, and that image became Ireland.
[ 22 ] Verstehen Sie wohl: Irland ist also dasjenige Stück Erde, welches keinen Teil hat an Luzifer, zu dem Luzifer keine Beziehung hat. Dasjenige, was abgesondert hat werden müssen vom Paradiese, damit sein irdischer Abglanz entstehe, das hätte verhindert, daß Luzifer ins Paradies hineingekonnt hätte. Also Irland wurde so aufgefaßt nach dieser Legende, daß es erst eine Absonderung war desjenigen Teiles des Paradieses, der Luzifer verhindert hätte, in das Paradies hineinzukommen. Erst als Irland aus dem Paradiese heraus abgesondert war, konnte Luzifer in das Paradies hinein.
[ 22 ] Let us understand this clearly. Ireland is that piece of the earth which has no share in Lucifer, no connection with Lucifer. The part of Paradise that had to be separated, so that an earthly image of it might come into being, would have stood in the way of Lucifer's entry into Paradise. According to this legend, therefore, Ireland was conceived as having been first of all that part of Paradise which would have kept Lucifer out. Only when Ireland had been separated off, could Lucifer get in.
[ 23 ] Diese esoterische Legende, die ich Ihnen sehr unvollkommen dargestellt habe, ist etwas sehr Schönes. Sie war vielen Menschen die Erklärung für die ganz eigentümliche Aufgabe von Irland durch Jahrhunderte hindurch. Im ersten Mysteriendrama, das ich geschrieben habe, finden Sie schon dasjenige, was ja so viel erzählt wird: wie die Christianisierung Europas von irischen Mönchen ausgegangen ist. Als Patrick das Christentum eingeführt hatte in Irland, da verhielt sich die Sache ja so, daß dort das Christentum zur höchsten Frömmigkeit führte. Umdeutend die eben besprochene Legende, nannte man sogar Irland, das die Griechen «Ierne», die Römer «Ivernia» genannt hatten — in diesen Zeiten, in denen die Kräfte des europäischen Christentums gerade in seinen besten Impulsen von Irland ausgingen, von irischen, ins Christentum liebevoll Eingeweihten —, wegen der Frömmigkeit, die dort in den christlichen Klöstern herrschte: die Insel der Heiligen. Das hängt damit zusammen, daß allerdings die Kräfte, von denen ich gesprochen habe, diese territorialen Kräfte, die aus der Erde aufsteigend den menschlichen Doppelgänger erfassen, für die Insel Irland die allerbesten sind.
[ 23 ] This legend, of which I have given you a very incomplete account, is a very beautiful one. For many people it explained the quite individual task of Ireland through the centuries. In the first of my Mystery Plays you will find what has been often described: how Europe was Christianised by Irish monks. After Patrick had introduced Christianity into Ireland, it came about that Christianity there led to the highest spiritual devotion. In further interpretation of the legend I have just described, Ireland—Ierne for the Greeks and Ivernia for the Romans—was even called the island of the saints, because of the piety that prevailed in the Christian monasteries there. This is connected with the fact that the forces which radiate from the earth and lay hold of the “double” are at their very best in the island of Ireland.
[ 24 ] Sie werden sagen: dann müßten ja in Irland die allerbesten Menschen sein. Ja, so ist es aber doch nicht auf der Welt. In jedes Gebiet wandern andere ein und haben Nachkommen und so weiter. Also, so ist es eben nicht, daß der Mensch bloß das Ergebnis des Stückes Erde ist, auf dem er steht. Es kann sehr wohl der Charakter der Menschen widersprechen dem, was aus der Erde aufsteigt. Man darf nicht dasjenige, was sich in den Menschen wirklich entwickelt, zur Charakteristik des Erdenorganismus mit Bezug auf ein bestimmtes Territorium anführen. Da würde man sich eben wiederum nur der Welt der Illusionen überlassen.
[ 24 ] You will say: then the Irish should be the best of men. But that is not how things work out in the world! People immigrate into every region of the earth and have descendants, and so on. Human beings are thus not merely a product of the patch of earth where they live; their character may well contradict the influences that come from the earth. We must not attribute their development to the qualities found in a particular part of the earth-organism; that would be merely to succumb to illusions.
[ 25 ] Aber so etwas wie das, was ich Ihnen jetzt angedeutet habe, daß Irland ein ganz besonderer Boden ist, das können wir heute sagen. Und aus solchem Sagen müßte erfließen ein Faktor unter den vielen Faktoren, welche heute in fruchtbarer Weise zu sozialpolitischen Ideen führen können. Man müßte mit solchen Faktoren rechnen. Das, was ich eben von Irland gesagt habe, ist ein Faktor, man müßte mit solchen Faktoren rechnen. Man müßte das alles zusammensetzen. Das müßte Wissenschaft sein von der Gestaltung der menschlichen Verhältnisse auf der Erde. Bevor das sein wird, wird mit Bezug auf die Einrichtung der öffentlichen Angelegenheiten kein rechtes Heil sein. Das, was aus der geistigen Welt heraus gesagt werden kann, müßte einfließen in die Maßnahmen, die man trifft. Deshalb habe ich in öffentlichen Vorträgen jetzt gesagt, es sei wichtig, daß alle, die mit öffentlichen Angelegenheiten zu tun haben, Staatsmänner und so weiter, sich mit diesem bekanntmachen; denn dadurch allein würden sie die Wirklichkeit beherrschen. Sie tun es nur nicht, haben es vor allen Dingen nicht getan bis jetzt. Aber eine Notwendigkeit ist es deshalb doch.
[ 25 ] But we can say, more or less as I have said to-day, that Ireland is a quite special piece of land and this is one factor among many from which should come a fruitful working out of social-political ideas. Ireland is one such factor, and all these factors must be taken account of in conjunction with one another. In this way we must develop a science of human relationships on the earth. Until that is done, there will be no real health in the organisation of public affairs. That which can be communicated from out of the spiritual world must flow into any measures that are taken. For this reason I have said in public lectures that statesmen and others concerned with public affairs should acquaint themselves with these communications, for only then will they be able to control reality. But they do not do this, or at least they have not done it so far; yet the necessity for it remains.
[ 26 ] Heute liegt das vor, daß in Gemäßheit der Aufgaben der fünften nachatlantischen Zeit es auf das Sagen ankommt, auf das Mitteilen; denn ehe das Gesagte zur Tat werden soll, müssen die Entschlüsse so gefaßt werden, wie man sie aus dem Impulse des physischen Planes heraus faßt. Das war in früheren Zeiten eben anders; da hat man noch anderes tun können.
[ 26 ] This speaking, this communication, is the important thing to-day, in accordance with the tasks of the fifth post-Atlantean epoch, for then, before speaking leads to actions, decisions have to be taken just as they are taken in relation to impulses on the physical plane. In earlier times it was different; other methods could then be employed.
[ 27 ] In einem bestimmten Zeitpunkte des dritten nachatlantischen Zeitraumes hat eine gewisse Brüderschaft Veranlassung genommen, eine größere Anzahl von Kolonisten aus Kleinasien nach der Insel Irland zu schicken. Dazumal wurden dort angesiedelt Kolonisten aus demselben Gebiete von Asien, aus dem später der Philosoph Thales stammte. Lesen Sie nach in meinen «Rätseln der Philosophie» über die Philosophie des 'Thales. Thales stammte aus derselben Gegend, wenn auch später; er ist ja erst in der vierten nachatlantischen Zeit geboren. Aber schon früher, aus dem Milieu heraus, aus der ganzen geistigen Substanz heraus, aus welcher später der Philosoph Thales stammte, haben die Eingeweihten nach Irland Kolonisten geschickt. Warum? Weil sie die Eigentümlichkeit eines solchen Gebietes der Erde, wie es Irland ist, gekannt haben. Sie haben dasjenige gewußt, was angedeutet wurde durch die esoterische Legende, von der ich Ihnen gesprochen habe. Sie haben gewußt: die Kräfte, die aufsteigen aus der Erde durch den Boden der irischen Insel, diese Kräfte wirken so auf die Menschen, daß der Mensch dadurch wenig beeinflußt wird nach der Richtung der Intellektualität hin, wenig nach der Richtung des Egoismus, wenig nach der Richtung der Entschlußfähigkeit. Das haben diese Eingeweihten, die jene Kolonisten dahin geschickt haben, sehr gut gewußt, und sie haben Leute ausgewählt, welche durch ihre besonderen karmischen Anlagen geeignet erschienen, gerade den Einflüssen der Insel Irland ausgesetzt zu werden. Heute gibt es noch immer in Irland Nachkommen jener alten Bevölkerung, die dazumal von Kleinasien hinüber verpflanzt worden ist, und die sich entwickeln sollte so, daß nicht die kleinste Intellektualität, nicht der kleinste Verstand, nicht die Entschlußfähigkeit, dagegen gewisse besondere Eigenschaften des Gemütes hervorragend sich entwickeln sollten.
[ 27 ] At a particular time in the third post-Atlantean epoch a certain brotherhood took occasion to send a large number of colonists from Asia Minor to Ireland. These settlers came from the region where much later, in the fourth epoch, the philosopher Thales was born. It was from this same milieu and spiritual background that the initiates sent colonists to Ireland—why? Because they were aware of the special characteristics of a land such as Ireland, as indicated by the esoteric legend I have told you about. They knew that the forces which rise from the earth through the soil of Ireland act in such a way that people there are little influenced towards developing intellectuality, or the ego, or towards a capacity for taking decisions. The initiates who sent these colonists to Ireland knew this very well, and they chose people who appeared to be karmically suited to be exposed to such influences. In Ireland there still exist descendants of the old immigrants from Asia Minor who were intended to develop no trace of intellectuality, or of reasoning power or of decisiveness, but were on the other hand to manifest certain special qualities of temperament to an outstanding degree.
[ 28 ] Dadurch ist von langer Hand her vorbereitet gewesen das, was dann als die friedliche Ausbreitung des Christentums in Irland Platz gegriffen hat und jene gloriose Entwickelung des Christentums in Irland, von der dann ausgestrahlt ist die Christianisierung Europas. Von langer Hand her ist das vorbereitet gewesen. Die Landsleute des späteren Thales haben Leute dorthin geschickt, welche sich dann geeignet erwiesen, solche Mönche zu werden, die in der Weise, wie ich es angedeutet habe, wirken konnten. Solche Dinge hat man überhaupt viele gemacht in älteren Zeiten, und wenn Sie in der äußeren exoterischen Geschichte heute von unverständigen Historikern — die aber viel Verstand haben können selbstverständlich, denn der Verstand ist ja heute auf der Straße zu finden —, wenn Sie heute von solchen Historikern Kolonisationen der Alten dargestellt finden, so müssen Sie immer sich klar sein: in solchen Kolonisationen lag eine tiefgehende Weisheit; die wurden gelenkt und geleitet, indem man überall Rücksicht nahm auf dasjenige, was in der Zukunft stattfinden sollte, indem man in jener Zeit rechnete mit den Eigentümlichkeiten der Erdenentwickelung.
[ 28 ] So, you see, preparations were made a very long time in advance for the peaceful interpretation of Christianity which eventually found scope in Ireland, and for the glorious developments which led to the Christianising of Europe. The fellow-countrymen of the later Thales sent to Ireland people who proved well suited to become those monks who could work in the way I have described. Such plans were often carried through in earlier times, and when in external history written by historians who lack understanding—though of course they may be intelligent enough, for intelligence to-day can be picked up in the street—you find accounts of ancient colonisations, you must be clear that a far-reaching wisdom lay behind them. They were guided and led in the light of what was to come about in the future, and the local characteristics of earth-evolution were always taken into account.
[ 29 ] Das war eine andere Art, spirituelle Weisheit in die Welt zu setzen. Das dürfte heute derjenige, der den rechten Pfad geht, so nicht machen; er dürfte nicht einfach den Leuten gegen ihren Willen, um die Erde einzuteilen, etwas vorschreiben, sondern er hat so zu wirken, daß er den Leuten die Wahrheiten sagt, und sie sollen sich selber darnach richten.
[ 29 ] That was another way of introducing spiritual wisdom into the world. It should not be adopted to-day by anyone who is following the rightful path. To prescribe the movement of people against their will, in order to partition parts of the earth, would be wrong. The right way is to impart true facts and to leave people to decide their actions for themselves.
[ 30 ] Sie sehen also damit angedeutet einen wesentlichen Fortschritt vom dritten, vierten zum fünften nachatlantischen Zeitraum. Solch eine Sache muß man sehr gut ins Auge fassen. Und erkennen muß man, wie dieser Impuls der Freiheit sich hindurchziehen muß durch all dasjenige, was den fünften nachatlantischen Zeitraum beherrscht. Denn gerade gegen diese Freiheit des menschlichen Gemütes lehnt sich auf jener Widersacher, von dem ich Ihnen gesagt habe, daß er wie ein Doppelgänger den Menschen von einiger Zeit vor der Geburt bis zum Tode hin begleitet, aber bei dem Tode, vor dem Tode den Menschen verlassen muß. Wenn man unter diesem Einflusse steht, der unmittelbar mit dem Doppelgänger wirkt, dann kommt allerlei heraus, das schon in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum herauskommen kann, aber nicht für diesen fünften nachatlantischen Zeitraum so geeignet ist, daß es ihm die Möglichkeit gibt, seine Aufgabe so zu erreichen, daß im Kampf mit dem Bösen die Umwandlung des Bösen in das Gute bis zu einem gewissen Grade sich vollzieht.
[ 30 ] Hence you can see that there has been a real advance from the third and fourth post-Atlantean epochs up to the present; and this is something we must grasp quite clearly. We must recognise how this impulse for freedom must penetrate all the dominating tendencies of the fifth post-Atlantean epoch. For it is precisely this freedom of the human mind that is opposed by that adversary of whom I have told you—the “double” who accompanies man from shortly before birth until death, though just before death he has to depart. If someone is under the influence which proceeds directly from the “double,” he may bring about all sorts of things which can appear in this epoch but are not in harmony with it. It will then not be possible for him to fulfil his task of fighting against evil in such a way that to a certain extent the evil is changed into good.
[ 31 ] Denken Sie, was also eigentlich hinter all den Dingen steht, in welche der Mensch des fünften nachatlantischen Zeitraums hineingestellt ist. Die einzelnen Tatsachen müssen in der richtigen Weise beleuchtet werden; sie müssen verstanden werden. Denn da, wo stark der Doppelgänger wirkt, von dem ich gestern gesprochen habe, da wirkt man auch der eigentlichen Tendenz des fünften nachatlantischen Zeitraums entgegen. Es ist nur in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum die Menschheit noch nicht so weit, die Tatsachen richtig zu taxieren; insbesondere seit diesen letzten drei traurigen Jahren ist die Menschheit gar nicht geeignet, die Tatsachen irgendwie in der richtigen Weise zu taxieren.
[ 31 ] Just think of all that really lies behind the situation of humanity in the fifth post-Atlantean epoch! The detailed facts must be seen in their true colours, and understood. For wherever the “double” is strongly active, he will be working against mankind. In this fifth post-Atlantean epoch people have not reached the stage of being able to judge the facts correctly; particularly during these last three sad years they have not been at all inclined to form true judgments.
[ 32 ] Aber nehmen Sie eine scheinbar von dem, was ich heute auseinandergesetzt habe, sehr weit abliegende 'Tatsache. Die Tatsache, die ich Ihnen vorführen will, ist diese: In einem großen Eisenwerke sollten Zehntausende von Tonnen Gußeisen verladen werden in Eisenbahnzüge. Dazu wurde selbstverständlich eine bestimmte Anzahl von Arbeitern angestellt. Fünfundsiebzig Mann sollten an die Arbeit gehen, und es stellte sich heraus, daß jeder zwölfeinhalb Tonnen am Tage verladen konnte; also von fünfundsiebzig Mann je zwölfeinhalb Tonnen am Tage.
[ 32 ] Take a fact which seems to be far removed from our immediate subject. In a large ironworks, 10,000 tons of cast iron were to be loaded into railway trucks. A definite number of workmen—75—were assigned to the job, and it appeared that each man could load 12½ tons a day.
[ 33 ] Ein Mann, der mehr auf den Doppelgänger gab als auf dasjenige, was im Sinne des Fortschrittes der Menschheit für das menschliche Gemüt im fünften nachatlantischen Zeitraum erobert werden muß, ein solcher Mann ist Taylor. Dieser Mann fragte zunächst die Fabrikanten, ob sie nicht glaubten, daß ein einzelner Mann viel mehr verladen könne als zwölfeinhalb Tonnen am Tag? Die Fabrikanten meinten, daß ein Arbeiter höchstens achtzehn Tonnen verladen könnte. Da sagte Taylor: Dann machen wir Experimente; wir wollen einmal experimentieren.
[ 33 ] There was a man named Taylor in whom the influence of the “double” prevailed over the needs of the human soul in our epoch. He first asked the managers if they did not think a man could load a good deal more than 12½ tons a day. They said that in their opinion a workman could load 18 tons a day at the utmost. Taylor then called for some experiments.
[ 34 ] Taylor ging daran, mit den Menschen zu experimentieren. Das Maschinenmäßige wird dadurch in das menschliche soziale Leben übertragen. Es sollte mit den Menschen experimentiert werden! Er probierte, ob das wirklich so wäre, wie die praktischsten Fabrikanten sagten, daß ein Mann nur höchstens achtzehn Tonnen am Tag verladen kann. Er richtete Pausen ein, die er nach der Physiologie so berechnete, daß die Menschen in diesen Pausen gerade so viel Kräfte wiederum sammelten, als sie vorher ausgegeben hatten. Es stellte sich natürlich heraus, daß es unter Umständen beim einen so, beim andern so war. Da nahm er — Sie wissen, im Mechanismus kommt dabei nichts darauf an, da nimmt man das arithmetische Mittel, beim Menschen kann man nicht das arithmetische Mittel nehmen, weil jeder Mensch seine Berechtigung zum Dasein hat —, aber Taylor nahm arithmetische Mittel, das heißt, er wählte diejenigen Arbeiter heraus, welche in ihrer Gesamtheit rationelle Pausen abwarfen, und diese rationellen Pausen gestattete er ihnen. Die andern, die nicht in diesen Pausen ihte Kräfte wiederherstellen konnten, wurden einfach herausgeworfen. Da stellte sich denn heraus, wenn man in dieser Weise experimentierte mit den Menschen, daß die Ausgewählten, die durch Selektion Ausgewählten, wenn sie in den Pausen sich wieder vollständig erholten, jeder siebenundvierzigeinhalb Tonnen verladen könne.
[ 34 ] So, you see, Taylor proceeded to experiment with human beings! Machine standards were to be carried over into social life. Taylor wished to find out whether it was true, as the managers believed, that 18 tons a day was the utmost a man could load. He ordered rest-periods, calculated in physiological terms to be just long enough for a man to make good the energy he had previously expended. Naturally it turned out that the results varied with individuals. This does not matter with machines—you simply take the arithmetical mean—but it cannot properly be done with human beings, for each individual has his own justified capacity. All the same, Taylor did it—that is, he chose those workmen whose need for rest corresponded to the period he had calculated; the others were simply thrown out. The outcome was that the selected workmen, by dint of fully restoring their energies during the rest-periods, were each able to load 47½ tons a day.
[ 35 ] Sie haben den Mechanismus der Darwinschen Theorie auf das Arbeiterleben angewendet: die Unpassenden weg, die Passenden durch Selektion ausgewählt. Die Passenden sind diejenigen, die mit entsprechender Ausnützung der Pausen, nicht, wie man früher angenommen hat, als Maximum achtzehn Tonnen, sondern siebenundvierzigeinhalb Tonnen verladen können. Dadurch können aber auch die Arbeiter zufriedengestellt werden; denn man erspart ungeheuer viel dabei, und man konnte dadurch den Lohn jener Arbeiter um sechzig Prozent erhöhen. Also man macht die Ausgewählten, die im Kampfe ums Dasein Passendsten, die man auf diese Weise herausgewählt hat durch Selektion, außerdem zu sehr zufriedenen Leuten. Aber — die Unpassenden mögen verhungern!
[ 35 ] Here we have the mechanics of the Darwinian theory applied to working life: the fit were kept on and the unfit discarded. The fit in this case were those who, with the aid of the given rest-periods, could load 47½ tons, instead of the 18 tons previously regarded as the maximum. In this way the workmen also could be satisfied, for such enormous economies were effected that wages could be raised by 60 per cent. Thus the chosen workmen, who had proved themselves fit in the struggle for existence, were very well pleased. But—the unfit could go hungry!
[ 36 ] Das ist der Anfang eines Prinzips! Solche Sachen beachtet man wenig, weil man sie nicht von großen Gesichtspunkten aus beleuchtet. Man muß sie aber von großen Gesichtspunkten aus beleuchten. Heute ist es noch ein bloßes Anwenden irrtümlicher naturwissenschaftlicher Vorstellungen auf das Menschenleben. Der Impuls bleibt. Und dann wird der Impuls angewendet auf diejenigen Dinge, die im Verlauf des fünften nachatlantischen Zeitraums als okkulte Wahrheiten kommen. Der Darwinismus enthält keine okkulten Wahrheiten; seine Anwendung würde aber schon zu großen Scheußlichkeiten führen: die Anwendung der darwinistischen Anschauung in bezug auf das unmittelbare Experimentieren mit Menschen. Wenn aber dazu okkulte Wahrheiten wirklich kommen, wie sie enthüllt werden müssen im Verlauf des fünften nachatlantischen Zeitraums, dann würde man eine ungeheure Macht über Menschen auf diese Weise gewinnen, allerdings nur dadurch, daß man die Passendsten immer auswählt. Aber man würde nicht nur die Passendsten auswählen, sondern man würde dadurch, daß man anstrebt eine gewisse okkulte Erfindung, um die Passenden immer passender und passender zu machen — dadurch würde man zu einer ungeheuren Machtausnützung kommen, die gerade entgegengesetzt wirken würde der guten Tendenz des fünften nachatlantischen Zeitraums.
[ 36 ] This is just the beginning of a far-reaching principle. Such things are little noticed, because they are not seen—as they must be seen—in the light of the great issues involved. So far we have not gone beyond the application of faulty scientific ideas to human life; but the underlying impulse remains. The next step will be to make similar use of the occult truths which will be disclosed in the course of the fifth post-Atlantean epoch. Darwinism contains no occult truths, but its application to direct experiments on human beings would have horrible results. But if occult truths are brought in, as and when they become available, it will be possible to use them for obtaining enormous power over men—if only by a continual selection of the “fittest.” But things will not stop there. There would be an endeavour to use a certain occult discovery for making the fit ever fitter and fitter ... and by that means a tremendous power for utilising human beings—a power directly opposed to the good tendencies of the fifth post-Atlantean epoch—would be achieved.
[ 37 ] Solche Zusammenhänge, wie ich sie Ihnen jetzt dargestellt habe, wollte ich nur anführen, um Ihnen zu zeigen, wie sich die Anfänge zukunftsumspannender Intentionen ausnehmen und wie man diese Dinge beleuchten muß von gewissen höheren Gesichtspunkten aus. Es wird nun unsere weitere Aufgabe sein, das nächste Mal hinzuweisen auf die drei bis vier großen Wahrheiten, zu denen der fünfte nachatlantische Zeitraum kommen muß. Es wird daran gezeigt werden, wie diese Wahrheiten mißbraucht werden können, wenn sie nicht im Sinne der richtigen guten Tendenz des fünften nachatlantischen Zeitraums angewendet werden, sondern wenn vorzugsweise die Bedingungen des Doppelgängers erfüllt würden, die vertreten werden durch diejenigen Brüderschaften, die an die Stelle des Christus ein anderes Wesen setzen wollen.
[ 37 ] I wished to give you these inter-related examples in order to show you how such far-ranging intentions begin, and how these matters must be illuminated from higher standpoints. Next time we will turn our attention to the three or four great truths which the fifth post-Atlantean epoch must arrive at, and how they could be misused if, instead of being brought into line with the rightful tendencies of the epoch, they were placed in the service of the “double,” represented by those brotherhoods who wish to set up another being in place of the Christ.
