Historical Necessity and Freedom
The Influence of Fate from the World of the Dead
GA 179
9 December 1917, Dornach
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Historical Necessity and Freedom, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Wie ich schon bemerkt habe, werden wir in diesen Tagen Betrachtungen anstellen, die dann morgen oder übermorgen gipfeln werden in einer Auseinandersetzung über geschichtliche Notwendigkeit und Freiheit, gipfeln werden darinnen, daß gezeigt werden soll, in welchem Sinne ein geschichtliches Ereignis notwendig ist, und in welchem Sinne ein geschichtliches Ereignis, überhaupt irgend etwas, das in das Menschenleben seelisch hereingreift, auch anders sein könnte. Es ist’ dieses ein Problem, das in der Gegenwart, wo so bedeutungsvolle Ereignisse hereingreifen in das Menschenleben, von ganz besonders tiefgehender Bedeutung ist. Denn angesichts der traurigen, katastrophalen Ereignisse der Gegenwart muß sich jeder Mensch die Frage stellen: Inwiefern sind solche Ereignisse und ist gerade dieses Ereignis abhängig von einer gewissen Notwendigkeit, und inwiefern hätte es auch ganz anders ausfallen können, hätte es sich ganz anders gestalten können?
[ 1 ] As I have already noted, we will be engaging in reflections over the next few days that will culminate tomorrow or the day after in a discussion of historical necessity and freedom—culminating in an effort to show in what sense a historical event is necessary, and in what sense a historical event—or indeed anything that affects human life on a spiritual level—could also be different. This is a problem of particularly profound significance in the present, when such momentous events are intervening in human life. For in light of the sad, catastrophic events of the present, every person must ask themselves: To what extent are such events—and this event in particular—dependent on a certain necessity, and to what extent could it have turned out quite differently, could it have unfolded in a completely different way?
[ 2 ] Wie gesagt, wir werden in diesen Tagen darauf hinzielen, uns diese große, umfassende Frage zu beantworten mit den Mitteln, die man gegenwärtig in den öffentlich zu besprechenden okkulten Grundlagen haben kann. Aber wir müssen ausgehen von einer umfassenderen Betrachtung des menschlichen Lebens. Wir müssen uns etwas vertiefen von einer gewissen Seite her in die menschliche Natur selbst. Das müssen wir vorausgehen lassen. Denn, wie Sie vielleicht gerade aus den in der letzten Zeit gehaltenen öffentlichen Vorträgen entnehmen können, in das menschliche Leben spielen fortwährend die Kräfte jener Welt herein, in welcher der Mensch sich befindet zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Viel intensiver, als man denkt, spielen die Kräfte, in die der Mensch als sogenannter Toter eingebettet ist, in das Leben herein. Wir sind — ich habe das letzte Mal, ich möchte sagen, mehr physisch darauf aufmerksam gemacht — als Menschen so geartet, daß im Grunde genommen die Schwelle zwischen der gewöhnlichen physischen Welt und der geistigen Welt mitten durch uns geht. Wenn wir unser gewöhnliches Leben ins Auge fassen und das, was wir das letzte Mal mehr physisch betrachtet haben, heute mehr seelisch betrachten, so können wir sagen: unser menschliches Leben, wenn wir hier im physischen Leibe verkörpert sind, verläuft so, daß wir erstens alles das in uns wirksam haben, was durch unsere Sinne während unseres Lebens erfahren werden kann, alles das, was sich gewissermaßen als der Sinnesteppich um uns herum ausbreitet und wovon wir durch unsere Sinne Kunde erhalten. Auf diese Welt baut sich dann alles das auf, was wir aus dieser Sinneswelt herausarbeiten, was wir aber auch unabhängig von dieser Sinneswelt durchdringen können in unserem Vorstellungsleben. Wenn wir aber Sinnesleben und Vorstellungsleben zusammenfassen, so haben wir im Grunde schon alles dasjenige, worin wir mit unserem gewöhnlichen wachen Bewußtsein leben.
[ 2 ] As I said, over the next few days we will aim to answer this broad, comprehensive question using the resources currently available within the occult principles that can be discussed publicly. But we must start from a more comprehensive view of human life. We must delve somewhat deeper into human nature itself from a certain perspective. We must let that come first. For, as you may have gathered from the public lectures held recently, the forces of that world in which the human being finds itself between death and a new birth are constantly at work in human life. Much more intensely than one might think, the forces in which a human being—as a so-called dead person—is embedded play a role in life. We are—I drew attention to this more physically last time, I might say—as human beings of such a nature that, fundamentally speaking, the threshold between the ordinary physical world and the spiritual world runs right through us. If we consider our ordinary life and look today from a more soulful perspective at what we examined more physically last time, we can say: our human life, when we are embodied here in the physical body, unfolds in such a way that, first of all, we have active within us everything that can be experienced through our senses during our lifetime—everything that, so to speak, spreads out around us like a tapestry of sensory impressions and of which we receive knowledge through our senses. Everything we derive from this sensory world—as well as what we can penetrate in our life of imagination independently of this sensory world—is then built upon this foundation. But when we bring together sensory life and the life of imagination, we essentially already have everything in which we live with our ordinary waking consciousness.
[ 3 ] Von dem Augenblicke an, wo wir morgens aufwachen, bis zu dem Augenblicke, wo wir einschlafen, wachen wir in Wirklichkeit nur vollständig in unseren Sinneseindrücken und in unseren Vorstellungen. In unseren Gefühlen, in unserem Gefühlsleben wachen wir eigentlich nicht im vollen Sinne des Wortes. Und zwischen dem Vorstellungsleben und dem Gefühlsleben liegt für das gewöhnliche Bewußtsein ziemlich unvermerkt die Schwelle. Denn das, was unser Gefühlsleben als tiefere Realität durchdringt, das kommt eigentlich dem Menschen in Wirklichkeit gar nicht zum Bewußtsein. Die Gefühle selbst kommen ihm zum Bewußtsein. Die Gefühle wogen herauf aus einer unterbewußten Welt, aber das Bewußtsein hat mit den Gefühlen wirklich nicht mehr zu tun, als wir im Schlafe mit unseren Träumen zu tun haben. Deshalb konnte auch in den öffentlichen Vorträgen hier in der Schweiz jetzt gesagt werden: Indem der Mensch in seinem Gefühlsleben lebt, schläft er eigentlich träumend. Das Traumleben dehnt sich herein in unser Wachleben. Wir sind vom Einschlafen bis zum Aufwachen eigentlich immer in Träumen; aber nur die am allerstärksten mit unserem physischen Dasein zusammenhängenden Träume kommen zum Bewußtsein oder zur Erinnerung. Das Träumen geht durch das ganze Schlafleben weiter, und nur in den tieferen Schichten unseres Bewußtseins schlafen wir gewissermaßen traumlos. Aber dieses träumende und traumlos schlafende Leben geht auch in unser Wachleben herein. Das Traumleben geht in unser Gefühlsleben herein, in das Affektleben. Und wir wissen von der Wirklichkeit, von dem wirklichen Inhalte im gewöhnlichen Bewußtsein, im nichthellseherischen Bewußtsein nicht mehr von unserem Gefühlsleben, als wir von dem wissen, was eigentlich geschieht, wenn die Bilder des Traumlebens vor uns ablaufen. Daher konnte auch gesagt werden, daß der Mensch den Inhalt dessen, was man «Geschichte» nennt, nicht mit wachem Bewußtsein erlebt, sondern durchträumt. Was Geschichte ist, ist ein Weltentraum des Menschen. Denn die Impulse, die in der Geschichte leben, leben eigentlich in den Gefühls-, in den Affektimpulsen; der Mensch träumt, indem er Geschichte erlebt. Also das Gefühlsleben liegt schon unterhalb der Schwelle des eigentlich wachen Bewußtseins. Auch in dieser seelischen Beziehung geht die Grenze zwischen bewußtem und unterbewußtem Leben mitten durch den Menschen.
[ 3 ] From the moment we wake up in the morning until the moment we fall asleep, we are in reality fully awake only in our sensory impressions and in our ideas. In our feelings, in our emotional life, we are not actually awake in the full sense of the word. And between the life of the imagination and the emotional life lies a threshold that goes largely unnoticed by ordinary consciousness. For what permeates our emotional life as a deeper reality does not actually come to a person’s consciousness at all. It is the feelings themselves that come to consciousness. Feelings well up from a subconscious world, but consciousness really has no more to do with these feelings than we have to do with our dreams while we sleep. That is why it was also possible to say in the public lectures here in Switzerland: As human beings live in their emotional life, they are actually asleep, dreaming. Dream life extends into our waking life. From the moment we fall asleep until we wake up, we are actually always in dreams; but only the dreams most closely connected to our physical existence come to consciousness or are remembered. Dreaming continues throughout the entire sleep cycle, and only in the deeper layers of our consciousness do we sleep, so to speak, without dreaming. But this life of dreaming and dreamless sleep also extends into our waking life. Dream life enters into our emotional life, into our life of affections. And in ordinary consciousness—in non-clairvoyant consciousness—we know no more about our emotional life than we do about what is actually happening when the images of dream life unfold before us. Therefore, it could also be said that human beings do not experience the content of what is called “history” with waking consciousness, but rather dream it through. What history is, is a world-dream of humanity. For the impulses that live in history actually live in the emotional and affective impulses; human beings dream as they experience history. Thus, emotional life already lies below the threshold of true waking consciousness. In this psychological sense, too, the boundary between conscious and subconscious life runs right through the human being.
[ 4 ] Und im Willensleben schläft der Mensch vollständig. Denn was eigentlich im Willen lebt, davon weiß der Mensch mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nichts. Sein gewöhnliches Bewußtsein lebt in der Realität, die sich im Willen ausspricht, genau so, wie es lebt im tiefen Schlafe. Bewußt verfolgt der Mensch eigentlich nur dasjenige, was schon aus dem Willen heraus und in die Handlung übergegangen ist; darinnen wacht er, im Vollziehen des Willens kann er nicht wachen. Daher stritten sich die Philosophen immer über die Freiheit und Unfreiheit des Willens, weil sie nicht eindringen konnten in das Gebiet das nur mit hellseherischem Bewußtsein durchschaut werden kann —, aus dem der Wille eigentlich seine Impulse holt. So liegt also, ich betone es noch einmal, auch in seelischer Beziehung für diesen Menschen die Schwelle zwischen der eigentlichen physischen wachen Welt und der dem Menschen unterbewußt bleibenden Welt mitten im Menschen drinnen.
[ 4 ] And in the life of the will, the human being is completely asleep. For the human being, with ordinary consciousness, knows nothing of what actually lives in the will. His ordinary consciousness lives in the reality that expresses itself in the will, just as it lives in deep sleep. Consciously, a person actually pursues only that which has already emerged from the will and been translated into action; in that, he is awake, but he cannot be awake in the very act of exercising the will. That is why philosophers have always argued about the freedom and lack of freedom of the will, because they could not penetrate the realm—which can only be perceived through clairvoyant consciousness—from which the will actually draws its impulses. Thus, I emphasize once again, even in a psychological sense, the threshold between the actual physical waking world and the world that remains subconscious to the individual lies right within the person himself.
[ 5 ] Nun spielt in unser Leben herein, insofern es Gefühls- und Willensleben ist, also verträumt und verschlafen wird, alles dasjenige, was der Mensch miterlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Die Erlebnisse der Toten sind eigentlich in der Welt, in der wir lebend auch sind, indem wir fühlen und wollen. Nur kennen wir mit dem gewöhnlichen Bewußtsein die Realitäten, die im Fühlen und Willen leben, nicht. Würden wir das dem Gefühlsleben zugrunde liegende Reale, würden wir namentlich das dem Willensleben zugrunde liegende Wirkliche so durchleben, wie wir das Wirkliche der Sinneswahrnehmungen und des Vorstellens — des Vorstellens schon weniger, aber doch bis zu einem gewissen Grade — wachend durchleben, dann wäre der Tote, der Mensch, der durch die Todespforte gegangen ist, genau ebenso neben uns, mit uns in fortwährender Verbindung, wie derjenige, der mit uns noch auf dem physischen Plane so herumwandelt, daß wir von ihm Eindrücke empfangen können im wachen Bewußtsein durch unsere Sinne und durch unser Vorstellungsleben. Dasjenige, was in den Impulsen der Toten lebt, das ragt fortwährend herein in unser Gefühlsleben, in das Leben unserer Willensimpulse. Und nur weil wir dies verträumen und verschlafen, fühlen wir uns von den Toten, mit denen wir verbunden waren, getrennt.
[ 5 ] Now, insofar as our life consists of feelings and will—that is, insofar as it is dreamlike and drowsy—everything that a person experiences between death and a new birth plays a part in it. The experiences of the dead are actually present in the world in which we, too, live, in that we feel and will. But with our ordinary consciousness, we are unaware of the realities that live in feeling and will. If we were to experience the reality underlying the life of feeling—and especially the reality underlying the life of will—just as we experience the reality of sensory perceptions and imagination (though imagination to a lesser extent, though to a certain extent—then the dead person, the human being who has passed through the gate of death, would be right beside us, in constant connection with us, just as much as the one who still walks among us on the physical plane in such a way that we can receive impressions of them in waking consciousness through our senses and through our life of imagination. That which lives in the impulses of the dead continually reaches into our emotional life, into the life of our volitional impulses. And it is only because we dream this away and sleep through it that we feel separated from the dead with whom we were connected.
[ 6 ] Aber im Grunde ist die Welt, in der die sogenannten Toten leben, auch recht verschieden von der Welt, in der wir leben, wenn wir im physischen Leibe verkörpert sind. Denn fragen Sie sich mit voller Besonnenheit: Was liegt denn eigentlich vor für das wache Bewußtsein, für das nicht hellseherisch gewordene Bewußtsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen? Es liegt nur dasjenige vor, was erlebt werden kann in der Welt, die sich als Sinnenteppich ausbreitet, und in der Welt, die wir uns durch unsere Vorstellungen aus dieser Sinneswelt machen. Von dieser Welt ist zunächst alles das, was dem sogenannten mineralischen Reiche angehört, wozu man Sinnesorgane braucht, um es wahrzunehmen, für den Toten unmittelbar nicht vorhanden. Zu dieser mineralischen Welt gehören zum Beispiel auch die Sterne, gehören Sonne und Mond, gehört überhaupt alles das, was mit den Sinnen wahrgenommen wird, und es gehört ein großes Gebiet der Pflanzenwelt dazu. Das sind zunächst Gebiete, die nicht aufgeschlossen liegen vor dem Geistes- und Seelenauge des Toten.
[ 6 ] But essentially, the world in which the so-called dead live is also quite different from the world in which we live when we are embodied in a physical body. For ask yourself with complete composure: What is actually present to the waking consciousness—to the consciousness that has not yet become clairvoyant—from the moment of waking until falling asleep? All that is present is what can be experienced in the world that unfolds as a tapestry of the senses, and in the world we create for ourselves through our ideas derived from this sensory world. Of this world, everything that belongs to the so-called mineral kingdom—which requires sensory organs to be perceived—is initially not immediately present to the dead. This mineral world includes, for example, the stars, the sun, and the moon; it includes, in fact, everything that is perceived by the senses, and a large part of the plant world belongs to it as well. These are, to begin with, realms that do not lie open before the spiritual and soul eye of the deceased.
[ 7 ] Dagegen beginnt aufgeschlossen zu sein für das Seelenauge des Toten bereits die Welt, die auch mehr oder weniger unbewußt vor uns liegt, indem wir den Blick lenken — hier allerdings den durch die Sinneswelt verschleierten Blick — auf die tierische Welt. Die tierische Welt, das heißt die Welt der Impulse, der Kräfte, die in den Tieren leben, die ist für den Toten genauso die unterste Welt, wie für uns im physischen Leibe die mineralische Welt die unterste Welt ist. Wie sich für uns aufbaut die pflanzliche Welt, die hervorsprießt aus der mineralischen Welt, so baut sich für den Toten aus der Grundlage, die in der tierischen Welt lebt, die menschliche Welt auf, die menschliche Welt als seelische Welt. Und wie für uns das Tierreich erst die dritte Kategorie bildet, die sich aufbaut auf mineralischer, auf pflanzlicher Welt, so für den Toten als das weiter hinaufliegende Reich das Reich der Angeloi, Archangeloi und so weiter.
[ 7 ] In contrast, the world that lies before us—more or less unconsciously—begins to open up to the soul’s eye of the deceased as we direct our gaze—though in this case, a gaze veiled by the sensory world—toward the animal world. The animal world—that is, the world of impulses and forces that live within animals—is just as much the lowest world for the deceased as the mineral world is the lowest world for us in our physical bodies. Just as the plant world, which springs forth from the mineral world, unfolds for us, so too does the human world—the human world as a spiritual world—unfold for the deceased from the foundation that lives in the animal world. And just as the animal kingdom constitutes only the third category for us—arising from the mineral and plant worlds—so for the dead, the realm of the angels, archangels, and so on is the realm that lies further above.
[ 8 ] Die ganze Umgebung, in die der Tote hineinversetzt ist, ist damit eine andere als die Umgebung, in der wir selbst im physischen Leibe leben. Denn stellen Sie sich einmal vor: aus der Welt, die Sie wahrnehmen in Ihrem physischen Leibe, über die Sie sich Vorstellungen machen in Ihrem physischen Leibe, wäre alles dasjenige weg, was Sie durch die Sinne wahrnehmen: es bliebe überhaupt zunächst für das nichthellseherische Bewußtsein etwas übrig, was sich nur wie eine ’Traumeswelt ausnehmen könnte, was nur erträumt werden könnte, was nicht stärker im Bewußtsein leben könnte als ein Traum.
[ 8 ] The entire environment into which the deceased is transported is thus different from the environment in which we ourselves live in our physical bodies. For just imagine: if everything you perceive through your senses were to be removed from the world you perceive in your physical body—the world you form mental images of while in your physical body— at first, nothing would remain for the non-clairvoyant consciousness that could appear as anything other than a ‘dream world’—something that could only be dreamed, something that could not exist more vividly in consciousness than a dream.
[ 9 ] Deutlicher aber wird der Unterschied, wenn wir ihn in einer andern Weise noch ins Auge fassen. Das wesentlichste Charakteristikum unseres Lebens in der Umwelt, so lange wir im physischen Leibe verkörpert sind, ist — obwohl innerlich die Sache anders ist, das wissen Sie aus andern Vorträgen —, daß wir, indem wir zu den mineralischen und pflanzlichen Wesen in eine Beziehung treten, das Bewußtsein haben können: diesen Wesen bleibt es verhältnismäßig gleichgültig, was wir mit ihnen anstellen. Wir handeln ja auch unter dem Einflusse dieses eben ausgesprochenen Gedankens. Wir zerschlagen ruhig Steine und haben zunächst das Bewußtsein, daß wir dem Stein nicht weh tun oder auch keine Lust bereiten. Sie wissen, innerlich ist die Sache etwas anders. Aber insofern wir Menschen mit der mineralischen Umwelt in Berührung stehen, denken wir mit einem gewissen Rechte: Lust und Leid wird nicht gleich aufgerührt, wenn wir einen Stein zerschlagen oder dergleichen.
[ 9 ] The difference becomes even clearer, however, when we consider it from another perspective. The most essential characteristic of our life in the environment, as long as we are embodied in a physical body—although internally the situation is different, as you know from other lectures—is that, in our relationship with mineral and plant beings, we can be aware that these beings remain relatively indifferent to what we do with them. After all, we act under the influence of this very thought I have just expressed. We calmly break stones and are initially aware that we are neither harming the stone nor giving it pleasure. You know that inwardly, the matter is somewhat different. But insofar as we humans are in contact with the mineral environment, we think, with some justification, that pleasure and suffering are not immediately stirred up when we break a stone or the like.
[ 10 ] In ähnlicher Weise verhalten wir uns gegenüber der Pflanzenwelt. Und diejenigen Menschen sind schon sehr selten, welche zum Beispiel eine Art Schmerz, eine Art Mitgefühl empfinden, wenn eine Blume gepflückt wird. Die Menschen, welche in einem gewissen Sinne doch lieber die Rosen am Rosenstrauch haben als im Rosenbouquet im Zimmer, die sind nicht gar so häufig. Erst bei der tierischen Welt fangen wir an, unser Menschliches unmittelbar mit der Umwelt in Beziehung zu bringen. Und noch einmal sei es gesagt, die Menschen, die mit einem auch nur entfernt ähnlichen Gefühle Rosen vom Rosenstrauch pflücken, wie sie Köpfe von Tieren abreißen würden, um sie zu Sträußchen zusammenzufügen, dieseMenschen sind eben doch unter den Gegenwartsmenschen selten. Selbst unter Anthroposophen habe ich gefunden, daß nicht alle immer die Rosen am Rosenstrauch am allerliebsten haben, obwohl das Gefühl schon so weit fortgeschritten ist, daß noch niemals in einem Saale mir zum Beispiel ein Bouquet mit Nachtigallenköpfen überreicht worden ist! Da fangen wir an zu fühlen, wie das Leben, das sich in uns selbst ausdehnt, sich in unsere Umwelt hinein fortsetzt.
[ 10 ] We behave in a similar way toward the plant world. And those people who, for example, feel a kind of pain or compassion when a flower is picked are already very rare. People who, in a certain sense, would rather have the roses on the rosebush than in a bouquet in the room are not all that common. It is only when it comes to the animal world that we begin to relate our humanity directly to the environment. And let it be said once again: people who, with even remotely similar feelings, pluck roses from the rosebush as they would tear off the heads of animals to arrange them into bouquets—such people are, after all, rare among people today. Even among anthroposophists, I have found that not everyone always prefers roses on the rosebush, although this sentiment has already progressed so far that, for example, I have never once been presented with a bouquet of nightingale heads in a hall! That is where we begin to feel how the life that expands within us continues into our surroundings.
[ 11 ] Der Tote hat es nicht so. Für den Toten gibt es gar nichts in der Umgebung, für das er nicht das Gefühl haben könnte, wenn er nur einen Finger ausstreckt — es ist jetzt ganz symbolisch, bildlich gesprochen —, durch das, was sich durch das Ausstrecken des Fingers, also durch irgendeine Aktion vollzieht, ja durch alles, was der Tote tut, löst sich Lust und Leid in der Umgebung aus. Er kommt gar nicht anders mit seiner Umwelt in Beziehung, als daß er Lust und Leid erweckt, daß überall ein Echo von Lust und Leid ist. Tun Sie etwas, nachdem Sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, so geschieht immer durch das, was Sie tun, irgendwo Schmerz oder Freude, Entspannung oder Anspannung von so etwas, was dem Gefühlsleben ähnlich ist. Wenn wir an einen Tisch klopfen, haben wir eben das Gefühl, dem Tisch tut es nicht weh. Der Tote kann nie eine Aktion ausführen, ohne daß er weiß, er lebt und webt nicht nur in Lebendigem, sondern in gefühlsmäßig Lebendigem. Gefühlsmäßiger Reiz ist ausgebreitet über seine ganze Umgebung.
[ 11 ] The dead man doesn't feel that way. For the dead, there is nothing in their surroundings for which they could not feel—if only they were to extend a finger—it is now entirely symbolic, figuratively speaking—that through the act of extending a finger, that is, through any action, indeed through everything the dead do, pleasure and suffering are triggered in their surroundings. He cannot relate to his environment in any other way than by arousing pleasure and suffering, so that everywhere there is an echo of pleasure and suffering. If you do something after you have passed through the gate of death, what you do will always cause, somewhere, pain or joy, relaxation or tension—something akin to emotional life. When we tap on a table, we have the feeling that it does not hurt the table. The deceased can never perform an action without knowing that he lives and acts not only within the living, but within what is emotionally alive. Emotional stimuli are spread throughout his entire surroundings.
[ 12 ] Von einer andern Seite finden Sie das ja selbst geschildert in den entsprechenden Kapiteln meiner «Theosophie». Diese gefühlsmäßige Reizwelt lebt also oben im tierischen Reich auf einer untersten Stufe. Und so bekannt wir sind mit einer gewissen Außenseite des mineralischen Reiches durch unsere Sinneswahrnehmungen, so bekannt ist der Tote mit der Innenseite — nicht mit der Außenform, aber mit der Innenseite — des tierischen Lebens über seine ganze Welt hin. Das ist die unterste Grundlage, auf der er lebt, auf der er sich aufbaut, auf der er sein Dasein aufbaut. Und ein großes Stück Arbeit für den Toten besteht darinnen, sich in unmittelbare Beziehung zu der Welt des TierischLebendigen zu setzen.
[ 12 ] You will find this described from another perspective in the relevant chapters of my Theosophy. This world of sensory stimulation thus exists at the lowest level of the animal kingdom. And just as we are familiar with a certain outer aspect of the mineral kingdom through our sensory perceptions, so too is the deceased familiar with the inner aspect—not the outer form, but the inner aspect—of animal life throughout his entire world. This is the lowest foundation upon which he lives, upon which he builds himself, upon which he builds his existence. And a major part of the deceased’s work consists in establishing a direct relationship with the world of animal life.
[ 13 ] Wie wir uns hier von Kindheit auf in Beziehung setzen zu der Welt des Mineralisch-Toten, so leben wir uns nach dem Tode ein in eine allmählich immer mehr an Breite und an Ausdehnung wachsende Beziehung zu der Welt des Tierisch-Lebendigen Die lernt der Tote nach allen Seiten kennen. Die lernt der Tote kennen, indem er stufenweise alle die Geheimnisse zu durchdringen hat, welche ihm hier so verborgen sind, wie seelisch dasjenige, was unter seinem Gefühlsleben schlummert; denn es ist dasselbe.
[ 13 ] Just as we relate here, from childhood onward, to the world of the mineral-dead, so after death we gradually enter into a relationship with the world of the animal-living that grows ever broader and more expansive. The dead person comes to know this world from all sides. The deceased comes to know this world by having to gradually penetrate all the mysteries that are so hidden from them here—just as, on a soul level, that which slumbers beneath their emotional life; for it is the same thing.
[ 14 ] Es kann selbstverständlich eine solche Frage wie diejenige, die ich jetzt aufwerfen will, nicht als eine ordentlich wissenschaftliche Frage gelten. Allein sie kann doch hinweisen auf irgend etwas, hinter dem reale Beziehungen sind. Gefragt werden kann, warum denn eigentlich dem Menschen hier in der physischen Welt manches verborgen ist beim Walten der alles durchdringenden Weltenweisheit. Man kann fragen, warum das verborgen ist, in das der Tote eingeweiht werden muß: in die Geheimnisse des Aufbaues der gesamten tierischen Welt.
[ 14 ] Of course, a question such as the one I am about to raise cannot be considered a proper scientific question. Yet it may still point to something behind which real relationships lie. One might ask why, in the face of the all-pervading wisdom of the world, certain things remain hidden from human beings here in the physical world. One might ask why that which the dead must be initiated into—the mysteries of the structure of the entire animal world—remains hidden.
[ 15 ] Gerade wenn man solch eine Frage zu beantworten versucht, greift man hinein in die tiefsten Geheimnisse des Daseins überhaupt. Und auch mit dieser Frage werden wir uns noch etwas zu befassen haben in diesen Betrachtungen. Zunächst aber haben wir den Blick darauf zu lenken, wie denn dieses Erfassen der Innenseite des tierischen Lebens eigentlich ist.
[ 15 ] It is precisely when one attempts to answer such a question that one delves into the deepest mysteries of existence itself. And we will also have to deal with this question in more detail in these reflections. For now, however, we must turn our attention to what this understanding of the inner nature of animal life actually entails.
[ 16 ] Da könnte ich zunächst, um nicht theoretisch zu werden, vielleicht ausgehen von einer zeitgeschichtlichen Tatsache. Sie wissen, daß in einer gewissen äußerlichen Weise das menschliche historische Bewußtsein in der neueren Zeit eine Umänderung erfahren hat durch den Darwinismus. Man hat versucht, die Kräfte zu finden, durch die sich die Organismen von sogenannten unvollkommenen zu vollkommenen Zuständen entwickeln. Die Darwinisten haben ja mancherlei genannt: zunächst das Prinzip der zweckmäßigen Auslese, der Anpassung an die Verhältnisse und so weiter. Ich will Ihnen mit diesen Dingen, die Sie in jedem Handbuch des Darwinismus nachlesen können, sogar in jedem Lexikon, nicht kommen. Aber hinweisen will ich darauf, daß das äußerliche, abstrakte Prinzipien sind; daß für den, der tiefer blickt, gar nichts damit gesagt ist. Was eigentlich geschieht, ist nicht gezeigt, wenn man sagt: die Vervollkommnung geschieht dadurch, daß die Passendsten ausgewählt werden und die andern allmählich absterben, während die Passendsten die Überlebenden sind. Damit ist natürlich nichts gesagt über die Kräfte, über die Impulse, die eigentlich im tierischen Reiche leben, damit die Tiere erst sich vervollkommnen, aber auch in der gewöhnlichen gegenwärtigen Welt ihr Leben entsprechend zimmern können.
[ 16 ] To avoid getting too theoretical, I could perhaps begin by referring to a fact of contemporary history. As you know, in a certain external sense, human historical consciousness has undergone a transformation in recent times as a result of Darwinism. Attempts have been made to identify the forces through which organisms evolve from so-called imperfect to perfect states. The Darwinists have, of course, cited various factors: first and foremost, the principle of natural selection, adaptation to circumstances, and so on. I do not wish to dwell on these matters, which you can read about in any textbook on Darwinism—or even in any encyclopedia. But I do want to point out that these are external, abstract principles; that for those who look more deeply, they say absolutely nothing. What actually happens is not explained when one says: perfection occurs because the fittest are selected and the others gradually die off, while the fittest are the survivors. Of course, this says nothing about the forces, the impulses, that actually animate the animal kingdom—forces that enable animals not only to perfect themselves but also to shape their lives accordingly in the ordinary, present world.
[ 17 ] Was wirkt denn wirklich in den Kräften, die vom Darwinismus als Selektionskräfte, als Kräfte einer reinen mechanischen Zweckmäßigkeit und so weiter angesprochen werden? Darinnen wirken die Toten. Es gehört zu den überraschendsten, eindringlichsten Erfahrungen, die im Kreise der Toten gemacht werden können, wenn man darauf kommt, wie — ebenso wie es hier Schmiede und Tischler und andere Leute gibt, welche in der mechanischen Welt handwerksmäßig arbeiten und dadurch die physisch-sinnliche Grundlage des Lebens hier schaffen — in der geistigen Welt, vom Tierreich angefangen nach aufwärts, die Toten arbeiten. Während das tierische Reich hier in vieler Beziehung ein solches ist, das der Mensch als ein niedriges empfindet, aber das mineralische liegt noch niedriger, ist die Grundlage der Arbeit der Toten die Fortführung des tierischen Reiches. Daher lebt sich der Tote gewissermaßen ein in alle die Geschicklichkeiten, die ihm hier für das Leben zwischen der Geburt und dem Tode verborgen sind.
[ 17 ] What is it that truly operates within the forces that Darwinism refers to as forces of selection, as forces of pure mechanical expediency, and so on? It is the dead who are at work there. It is one of the most surprising and profound experiences that can be had in the realm of the dead when one realizes how—just as there are blacksmiths, carpenters, and others here who work as craftsmen in the mechanical world and thereby create the physical-sensory foundation of life here—the dead work in the spiritual world, starting with the animal kingdom and moving upward. While the animal kingdom here is, in many respects, one that humans perceive as inferior—and the mineral kingdom lies even lower—the foundation of the dead’s work is the continuation of the animal kingdom. Thus, the dead, in a sense, familiarize themselves with all the skills that are hidden from them here during life between birth and death.
[ 18 ] Hier kommen wir dann an den Punkt, der vielfach geheimgehalten wurde bis in unsere Zeit von den Brüderschaften, welche zum Teil mit Recht, zum Teil mit Unrecht glauben, daß die andern Menschen für solche Dinge nicht reif sind. Lernt man erkennen, was sich auf die tierische Natur bezieht in der Welt der Toten, hält man da Umschau, so ist das alles Gefühlsmäßig-Lebendiges. Der Mensch hat auch in seiner Seele Gefühlsmäßig-Lebendiges. Aber wie? Zwischen der Geburt und dem Tod hat er es so, daß, wäre es nicht eingeschlossen in seine Unbewußtheit, der Mensch jederzeit dieses Gefühlsmäßig-Lebendige, das zwischen Geburt und Tod liegt, zum Verderb des übrigen Gefühlsmäßig-Lebendigen in der Welt verwenden könnte. Also bedenken Sie, was das eigentlich heißt! Sie leben selbst in Ihrem persönlichen Leben ein Gefühlsmäßig-Lebendiges, das aber eingeschlossen ist in die Grenzen, die eben dem physischen Menschen gezogen sind. Hätten die Menschen im allgemeinen das frei zur Verfügung — Anthroposophen werden in dieser Beziehung schon kultivierter sein —, so könnte der Mensch jederzeit die Kräfte, die da gerade verborgen sind, verwenden, um das um ihn liegende Gefühlsmäßig-Lebendige zu zerstören. Die tierische Natur im Menschen ist zunächst sogar im vorzüglichen Sinne eine zerstörerische, und sie ist sogar angelegt, zu zerstören. Und wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, so ist es vor allen Dingen seine Aufgabe, alle die Impulse aus seiner Seele herauszureißen, welche dann in der Weise frei geworden sind, daß eigentlich sehr viel vorliegt von dem Bedürfnis, Lebendiges zu zerstören, Lebendiges zu töten. Und man kann sagen, zu dem, was der Tote lernen muß, gehört vor allen Dingen Achtung, Heiligachtung vor allem Lebendigen.
[ 18 ] This brings us to a point that has often been kept secret up to the present day by the brotherhoods, which believe—partly rightly, partly wrongly—that other people are not ready for such things. If one learns to recognize what pertains to the animal nature in the world of the dead, and looks around there, one finds that it is all emotional and living. Human beings also possess this emotional-living aspect within their souls. But how? Between birth and death, it is such that, were it not enclosed within their unconsciousness, human beings could at any time use this emotional-living aspect—which lies between birth and death—to the detriment of the rest of the emotional-living aspect in the world. So consider what that actually means! You yourselves live out an emotional-living aspect in your personal lives, but it is confined within the limits that have been set for the physical human being. If people in general had free access to it—anthroposophists are already more cultivated in this regard—then human beings could at any time use the forces that are currently hidden there to destroy the emotional-living aspect surrounding them. The animal nature in human beings is, at first, destructive even in the best sense of the word, and it is, in fact, predisposed to destroy. And once a person has passed through the gate of death, their primary task is to tear all those impulses out of their soul that have been set free in such a way that there is, in fact, a very strong urge to destroy living things, to kill living things. And one can say that what the dead must learn includes, above all, respect—a reverence for all living things.
[ 19 ] Diese Heiligachtung vor allem Lebendigen ist etwas, was man beobachten kann als die selbstverständliche Entwickelung des Toten. So wie wir hier mit innigem Anteil ein Kind verfolgen, das sich von klein auf, allmählich, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche selbstverständlich entwickelt, wie wir bei diesem Kinde verfolgen, wie das Seelische ergreift das Fleischlich-Leibliche, wie wir innige Freude haben an dem, was da geschieht, ohne daß der sogenannte freie Wille mitwirkt, was da rein durch seelisch-organische Kräfte geschieht: so hat man, wenn man den Toten von seinem Todestage an weiterhin durch sein Leben verfolgt, eben wiederum die Anschauung eines dem freien Willen zunächst entzogenen Einlebens in die Heilighaltung alles in der Umgebung befindlichen Lebendigen. Das ist gewissermaßen etwas, was wie eine Außenseite im Toten geschieht, so wie im Kinde es als Außenseite geschieht, daß es wächst, daß seine Züge ausdrucksvoller werden. Was so äußerlich am Kinde zu unserer Freude heranwächst, das wächst am Toten heran, indem wir von ihm immer mehr und mehr ausstrahlend finden das so erhebende Heilighalten alles Lebendigen.
[ 19 ] This reverence for all living things is something that can be observed as the natural development of the dead. Just as we here follow with deep interest a child who, from an early age, gradually, day by day, week by week, develops naturally; just as we observe in this child how the soul takes hold of the physical body; just as we take deep joy in what is happening there, without the so-called free will playing a part—what is happening there purely through soul-organic forces: so, too, when one continues to observe the deceased from the day of their death throughout their life, one again gains insight into a process—initially beyond the reach of free will—of becoming attuned to the sanctity of all living beings in the surrounding environment. In a sense, this is something that occurs as an external aspect within the dead person, just as it occurs as an external aspect in a child—that the child grows and its features become more expressive. What grows outwardly in the child to our delight also grows in the dead person, as we find radiating from them, ever more and more, this uplifting reverence for all living things.
[ 20 ] Und in dieser Beziehung unterscheidet sich gewichtig das Leben nach dem Tode von dem Leben hier. Das Leben hier hat gerade dasjenige durch einen Schleier verdeckt, in das sich der Tote vertiefen muß. Wir nehmen die Welt durch unsere Sinne wahr und bilden uns gewisse Gesetze, die wir Naturgesetze nennen, nach denen wir dann unsere mechanischen Werkzeuge, unsere Geräte ringsherum bilden. Das, was wir nach dem Gesetze der Natur um uns herum als eine Welt aufbauen, ist im wesentlichen eine Welt des Todes. Selbst die Pflanze, selbst den Baum müssen wir töten, wenn wir sein Holz in den Dienst unserer mechanischen Künste stellen wollen. Und es gehört wiederum zu den erschütterndsten Erkenntnissen, daß im Grunde genommen alles dasjenige, was uns unsere Sinne lehren, wenn wir es anwenden durch unseren Willen, ein Zerstörendes ist und gar nicht anders sein kann als ein Zerstörendes.
[ 20 ] And in this respect, life after death differs significantly from life here. Life here has veiled precisely that into which the dead must immerse themselves. We perceive the world through our senses and formulate certain laws—which we call the laws of nature—according to which we then shape our mechanical tools and the devices around us. What we construct around us as a world according to the laws of nature is, in essence, a world of death. We must even kill the plant, even the tree, if we wish to put its wood to use in the service of our mechanical arts. And it is, in turn, one of the most shattering realizations that, fundamentally, everything our senses teach us—when we apply it through our will—is destructive and cannot be anything other than destructive.
[ 21 ] Ja, selbst wenn wir Künstlerisches schaffen, müssen wir uns beteiligen an der Welt des Zerstörens. Was wir da aufbauen, geht erst aus der Zerstörung hervor. Eine gütige Weltenweisheit hat nur bewirkt, daß wir in der Regel zunächst noch als Menschen zurückscheuen, von der tierischen Natur nach aufwärts dasjenige in den Dienst der mechanischen Kunst zu stellen, was da lebt. In einem gewissen höheren Sinne lebt aber in der Welt eigentlich alles. Das können Sie aus den verschiedenen Darstellungen, die im Laufe der Jahre gegeben worden sind, schon erkennen. Was tun wir aber eigentlich, indem wir das in den Dienst der mechanischen Kunst stellen, was wir durch unsere Sinne wahrnehmen und durch unseren Verstand kombinieren? Wir tragen fortwährend den Tod in das Leben hinein. Ein Raffaelisches Gemälde selbst kann nicht zustande kommen, ohne daß der Tod in das Leben hineingetragen wird. Bevor ein Raffaelisches Gemälde entsteht, lebt mehr, als da lebt, nachdem ein Raffaelisches Gemälde entstanden ist. Die Abschlagszahlung im Universum besteht nur darin, daß Seelen kommen, die dieses Raffaelische Gemälde genießen, die von diesem Raffaelischen Gemälde einen Impuls, einen Eindruck bekommen. Der Impuls, der Eindruck, den die schaffende oder die genießende Seele bekommt, das ist dasjenige, was einzig und allein hinweghelfen kann über das Wirken des Todes — selbst in dem Fall, wenn die höchsten Güter, die sogenannten höchsten Güter der Menschheit hier auf dem physischen Plan geschaffen werden. Die Erde wird im wesentlichen dadurch zerstört werden, daß die Menschen den Tod mit ihren mechanischen Künsten in die Erde in einem so starken Maß hineintragen. Sie wird nicht mehr leben können, weil der Tod dasjenige überwiegt, was hinübergerettet werden kann über den Untergang der physischen Erde in die Jupiterwelt. Aber aus dem, was Menschen geschaffen haben, indem sie den Tod mit dem Leben verwoben haben, werden sie seelischen Inhalt wiederum erhalten haben, den sie nun hinübertragen in die Jupiterwelt.
[ 21 ] Yes, even when we create art, we must participate in the world of destruction. What we build there emerges only from destruction. A benevolent worldly wisdom has merely caused us, as human beings, to generally hesitate at first to place that which lives—ascending from animal nature—in the service of mechanical art. In a certain higher sense, however, everything in the world actually lives. You can already see this from the various descriptions that have been given over the years. But what are we actually doing when we place what we perceive through our senses and combine through our intellect in the service of mechanical art? We are constantly bringing death into life. Even a Raphael painting cannot come into being without death being brought into life. Before a Raphael painting comes into being, there is more life than there is after it has been created. The only compensation in the universe is that souls come to enjoy this Raphael painting, receiving an impulse, an impression from it. The impulse, the impression that the creating or the appreciating soul receives—that is the one and only thing that can help overcome the workings of death—even in the case where the highest goods, the so-called highest goods of humanity, are created here on the physical plane. The Earth will essentially be destroyed by the fact that human beings, through their mechanical arts, are introducing death into the Earth to such a great extent. It will no longer be able to live because death outweighs that which can be saved and carried over from the demise of the physical Earth into the world of Jupiter. But from what human beings have created by interweaving death with life, they will in turn have received spiritual content, which they will now carry over into the Jupiter world.
[ 22 ] Mehr als man sagen kann, webt sich durch menschliches Tun selber, dadurch daß dieses menschliche Tun zwischen Geburt und Tod innig verwoben ist mit dem Sinnessein, mehr als man sagen kann, webt sich fortwährend der Tod, webt sich fortwährend die Vernichtung des Lebendigen in das Leben ein. Allerdings beruht darauf, daß sich der Tod in das Leben einverwebt, die Entstehung des Bewußtseins überhaupt, und der Mensch würde gar nicht seine Erdenaufgabe in bezug auf das Bewußtsein absolvieren können, wenn er nicht dazu berufen wäre, den Tod in das Leben einzuweben. Selbst in unserem Innern töten wir in dem Augenblicke das Leben der Nerven, in welchem wir vorstellen wollen. Denn ein richtig lebender Nerv kann nicht vorstellen. In unser Nervenleben hinein ersterben wir fortwährend, habe ich in öffentlichen Vorträgen in der letzten Zeit gesagt.
[ 22 ] More than can be put into words weaves its way through human action itself, in that this human action, between birth and death, is intimately interwoven with sensory existence; more than can be put into words, death continually weaves itself—the destruction of the living continually weaves itself—into life. However, the very emergence of consciousness depends on death being woven into life, and human beings would not be able to fulfill their earthly task with regard to consciousness at all if they were not called upon to weave death into life. Even within ourselves, we kill the life of the nerves the very moment we seek to imagine something. For a nerve that is truly alive cannot imagine. We are constantly dying within our nervous life, as I have said in recent public lectures.
[ 23 ] In dieser Beziehung ist das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ein völlig entgegengesetztes. Da handelt es sich darum, daß die Menschenseele vollständig sich einlebt in die Heilighaltung des Lebendigen, in die Durchdringung des Lebendigen mit immer mehr und mehr Leben. So hängt das Leben zwischen der Geburt und dem Tode zusammen mit dem Tode, und es hängt das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zusammen mit dem Leben des Ganzen. Denn nur dadurch, daß der Mensch stirbt und von der geistigen Welt heraus seine Impulse in das Leben der Tiere sendet, lebt über die Erde hin eine tierische Welt.
[ 23 ] In this respect, life between death and a new birth is completely opposite. Here, the human soul must fully immerse itself in the sanctification of the living, in the permeation of the living with ever more and more life. Thus, life between birth and death is connected with death, and life between death and a new birth is connected with the life of the whole. For it is only through the fact that human beings die and send their impulses from the spiritual world into the life of animals that an animal world lives on across the earth.
[ 24 ] Das zweite, in das sich der Mensch nach dem Tode einlebt, ist das Reich der Menschenseelen selbst, gleichgültig, ob diese Menschenseelen hier im physischen Leibe verkörpert sind, oder ob sie selbst schon durch die Pforte des Todes gegangen sind. Der tierischen Welt gegenüber hat der Mensch nach dem Tode das Gefühl, wenn er eine Aktion ausführt: etwas hat Freude, oder etwas tut weh einem Wesen oder wenigstens einem Wesenhaften. Er weiß: Stößt du nur mit deiner Geisteskraft, so stößt du an Lebendiges.
[ 24 ] The second realm into which a person enters after death is the realm of human souls themselves, regardless of whether these human souls are currently embodied here in physical bodies or whether they themselves have already passed through the gate of death. In contrast to the animal world, after death a human being has the sense, when performing an action, that something brings joy or causes pain to a being—or at least to something that possesses a soul. He knows: If you push even with your mental power, you are pushing against something living.
[ 25 ] Hier ist es mehr ein allgemeines Leben und Weben im Lebendigen. Gegenüber der Bekanntschaft mit dem, was in unsere Sphäre, die menschliche Sphäre tritt, wenn wir tot sind, ist es so, daß, wenn eine andere Seele in Beziehung zu uns tritt, nachdem wir selbst durch die Pforte des Todes gegangen sind, wir dann fühlen, durch die Art, wie wir zu dieser Seele in Beziehung treten, wird unser eigenes Lebensgefühl entweder verstärkt oder abgeschwächt. Zu der einen Seele, gleichgültig ob sie hier auf Erden weilt oder drüben in den geistigen Welten, treten wir so in Beziehung, daß wir fühlen, wir werden stärker innerlich, nach einer gewissen Beziehung stärkt uns das Zusammensein mit der Seele, unsere inneren Kräfte werden stärker gemacht, wir leben gleichsam mehr auf. Wir begegnen einer Seele und fühlen, wir wachen an ihr mehr auf, als wir ohne sie aufgewacht wären. Lebensinnigkeit fließt uns in einer gewissen Stärke zu durch die Bekanntschaft mit der einen Seele. Durch die Bekanntschaft mit einer andern Seele werden wir schwächer nach einer gewissen Kraftrichtung hin; sie dämpft unser Leben gewissermaßen ab. Und darin besteht das Zusammenleben mit Seelen, daß wir unser eigenes Leben lebendig wogen fühlen in der Verbindung mit andern Seelen.
[ 25 ] Here, it is more a matter of a general life and interplay within the living world. In contrast to our experience of what enters our sphere—the human sphere—when we are dead, the situation is this: when another soul enters into a relationship with us after we ourselves have passed through the gate of death, we then feel that, depending on the nature of our relationship with that soul, our own sense of life is either strengthened or weakened. We relate to a soul—whether it dwells here on Earth or in the spiritual worlds beyond—in such a way that we feel we become stronger inwardly; after a certain connection, being together with that soul strengthens us, our inner powers are strengthened, and we come alive, as it were. We encounter a soul and feel that we awaken more fully through it than we would have without it. A certain intensity of life flows into us through our acquaintance with one soul. Through our acquaintance with another soul, we become weaker in a certain direction of strength; it dampens our life, so to speak. And this is what living together with souls consists of: that we feel our own life pulsating vividly in connection with other souls.
[ 26 ] Wir leben als Menschen zwischen Geburt und Tod unser Gefühls- und Willensleben hin und wissen gar nicht, daß durch die Wogen unseres Gefühls- und Willenslebens, die wir verschlafen und verträumen, die Totenseelen leben. Sie sind immer da; sie leben in unseren eigenen Gefühls- und Willenswogen, und sie leben so, daß sie mitleben dieses Leben. Während wir mit unseren Sinnen die Umwelt gewissermaßen doch als etwas Äußerliches erleben, leben in unseren Gefühlen und in unseren Willensimpulsen die Toten intimer mit uns verbunden, als wir mit unserer Umwelt hier, insofern wir physisch verkörpert sind, innig verbunden leben.
[ 26 ] As human beings, we live out our emotional and volitional lives between birth and death, completely unaware that the souls of the dead live on through the waves of our emotional and volitional lives—waves that we sleep through and dream away. They are always there; they live within our own waves of feeling and will, and they live in such a way that they share in this life. While we experience the external world through our senses as something external, so to speak, the dead live within our feelings and impulses of will, more intimately connected to us than we are to our physical environment here, insofar as we are physically embodied.
[ 27 ] Aber das ist so, daß dieses Leben, dieses Erleben, besser gesagt, dieses Leben-Innesein der Toten langsam und allmählich sich entwickelt, und zwar nach Maßgabe derjenigen Verhältnisse, die angesponnen sind hier im Leben. Gewiß, wir sind nach dem Tode mit allen Seelen zusammen, das ist schon wahr, aber wir wissen nichts davon. Langsam und allmählich stellen sich Beziehungen her, und zwar zu denjenigen Seelen, mit denen wir Beziehungen angeknüpft haben in dem Leben zwischen Geburt und Tod. Neue Beziehungen, ursprüngliche Beziehungen kann der Mensch zum Menschen nicht anknüpfen in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, ursprünglich, unmittelbar kann er nicht anknüpfen. Wenn wir hier jemand lieb gehabt haben, oder einen gehaßt haben, also mit ihm in irgendeiner positiven oder negativen Verbindung waren, so tritt das wiederum aus einer grauen Geistestiefe im allmählichen Heraufleben des Lebens nach dem Tode auf, in der Art, wie ich es eben angedeutet habe, daß wir drinnen leben in diesen Seelen.
[ 27 ] But the fact is that this life—or rather, this inner experience of life—of the dead develops slowly and gradually, in accordance with the circumstances that have been established here in this life. Certainly, after death we are together with all souls—that is certainly true—but we know nothing of it. Slowly and gradually, relationships are established, specifically with those souls with whom we formed relationships during the life between birth and death. A human being cannot form new, original relationships with other human beings in the life between death and a new birth; he cannot form them originally or immediately. If we have loved someone here, or hated someone—that is, if we were connected to them in some positive or negative way—then this emerges again from a gray spiritual depth as life after death gradually wells up, in the manner I have just indicated, such that we live within these souls.
[ 28 ] Und so besteht ein großer Teil dieses Erlebens, dieses Leben-Inneseins der Toten darinnen, daß allmählich auftaucht eben aus grauer Geistestiefe alles dasjenige, was an Banden da war aus dem letzten oder vorletzten oder früheren Leben, an Verhältnissen mit andern Seelen. Das kann sich weiter ausdehnen, dehnt sich für manchen Toten verhältnismäßig sehr früh, sehr bald nach dem Tode aus, doch mittelbar.
[ 28 ] And so a large part of this experience—this inner life of the dead—consists in the fact that, gradually, from the depths of the gray spirit, everything that existed in terms of bonds from the last, the second-to-last, or earlier lives, as well as relationships with other souls, begins to emerge. This can expand further; for some of the dead, it expands relatively early, very soon after death, though indirectly.
[ 29 ] Es kann so sein, daß jemand stirbt; er hat mit einer Seele, die entweder noch auf Erden weilt, oder in der geistigen Welt weilt, in Beziehung gestanden, in irgendeiner Beziehung. Diese Beziehung tritt in ihrer Wirklichkeit nach dem Tode ihm wiederum in der angedeuteten Weise entgegen. Aber diese Seele, mit der er in Beziehung gestanden hat, hat Beziehungen zu andern Seelen, mit denen er vielleicht nicht in Beziehung gestanden hat in irgendeinem Leben zwischen Geburt und Tod. Da, indirekt, mittelbar können dann auch solche Seelen an den sogenannten Toten herantreten, mit ihm in eine Beziehung treten. Nur allerdings sind das niemals unmittelbare Beziehungen, wie ich schon sagte, sondern sie sind immer vermittelt durch diejenigen Seelen, mit denen man durch das physische Leben karmisch verbunden ist. Die Verbindung mit solchen Seelen, mit denen man die Verbindung nicht im physischen Leben begründet hat, ist doch immer eine ganz andere, und sie wird vermittelt durch die Seelen, mit denen man im physischen Leben in Beziehung gestanden hat.
[ 29 ] It may be that someone dies; he has been connected in some way to a soul that either still dwells on earth or dwells in the spiritual world. After death, this connection manifests itself to him once again in the manner described. But this soul with whom they were connected has connections to other souls with whom they may not have been connected in any life between birth and death. Thus, indirectly, such souls can also approach the so-called deceased and enter into a relationship with them. However, as I have already said, these are never direct relationships; rather, they are always mediated by those souls with whom one is karmically connected through physical life. The connection with such souls—with whom one has not established a connection in physical life—is always quite different, and it is mediated by the souls with whom one was connected in physical life.
[ 30 ] Sie können sich auch jetzt leicht vorstellen, daß zunächst die unmittelbaren Beziehungen vorliegen, dann die mittelbaren Beziehungen. Dadurch aber, daß über die Erde hin doch die Seelen alle mehr oder weniger miteinander verbunden sind, der Mensch in dem langen Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wenigstens indirekt in viele Beziehungen hineingerät, lebt sich der Mensch in der Tat, wenn man die mittelbaren Beziehungen mitrechnet, in ein weites Miterleben mit andern Seelen hinein. Dieses Hineinleben in andere Seelen haben wir immer in uns, auch wenn wir hier auf der Erde stehen. Wir haben mit unzähligen Seelen immer wieder und wiederum gelebt in der geistigen Welt. Dieses Sich-Einsfühlen mit allen Seelen, das eine abstrakte Philosophie eben auch nur abstrakt behandelt und als abstraktes Einssein bespricht, das hat seine sehr konkrete Seite: es gibt eigentlich über die Erde hin kaum Seelen, mit denen nicht wenigstens eine entfernte, indirekte Verbindung doch besteht.
[ 30 ] You can easily imagine that direct relationships come first, followed by indirect ones. But because all souls are, to a greater or lesser extent, connected with one another across the Earth, and because, in the long life between death and a new birth, a person enters into many relationships—at least indirectly—a person does, in fact, live within a vast shared experience with other souls, if one takes the indirect relationships into account. We always carry this immersion in other souls within us, even when we are here on Earth. We have lived time and again with countless souls in the spiritual world. This empathy with all souls—which abstract philosophy treats only in abstract terms and discusses as abstract oneness—has a very concrete aspect: in fact, there are hardly any souls across the earth with whom at least a distant, indirect connection does not exist.
[ 31 ] Diese Sache muß man so konkret fassen wie möglich, dann kommt man mit ihr zum Realen. Das, was der Tote so erlebt, ist also ein allmähliches Hineinwachen, Hineinaufwachen in eine Welt, die aber zur Grundlage sein Karma im weiteren Sinne hat. Über diese Welt hin wird es gleichsam immer mehr innerlich licht und lichter, indem wir immer Reicheres und Reicheres erleben in diesem zweiten Reiche, das sich auf dem Reich des Tierischen aufbaut, wie unser Erleben mit dem Pflanzenreich auf dem Reich des Mineralischen. Reicheres und Reicheres erlebt man immer mehr.
[ 31 ] One must grasp this matter as concretely as possible; only then can one arrive at reality. What the deceased experiences, then, is a gradual awakening—an awakening into a world that is, however, founded on their karma in the broader sense. Beyond this world, it becomes, as it were, ever brighter and brighter within, as we experience ever richer and richer things in this second realm, which is built upon the animal realm, just as our experience of the plant realm is built upon the mineral realm. We experience ever richer and richer things.
[ 32 ] Dieses Erleben denken Sie sich in all den konkreten Beziehungen ausgestaltet, dann haben Sie vieles von dem, was die Seele der Toten zwischen Tod und neuer Geburt durchdringt. Denn verbunden mit diesem Erleben sind ja alle Gedanken, die uns karmisch irgendwie verbinden mit den andern Seelen. Eine unendlich reiche Welt liegt darinnen. Und es ist im wesentlichen — das können Sie schon aus dem Zyklus über das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt entnehmen — in der ersten Hälfte des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt so, daß die Entwickelung eine mehr weisheitsvolle ist. Der Mensch lebt sich weisheitsvoll ein in die Verbindungen, die er sich allmählich wiederum herausholt aus grauer Geistestiefe; weisheitsvoll lebt er sich da hinein.
[ 32 ] Imagine this experience unfolding in all its concrete relationships, and you will have a good sense of much of what permeates the soul of the dead between death and rebirth. For connected to this experience are all the thoughts that link us karmically, in one way or another, to other souls. An infinitely rich world lies within it. And essentially—as you can already gather from the cycle on life between death and a new birth—the first half of life between death and a new birth is characterized by a development that is more wisdom-filled. The human being wisely immerses himself in the connections that he gradually draws forth once more from the gray depths of the spirit; he wisely lives himself into them.
[ 33 ] Vor dem, was ich in den Mysterien «Mitternachtsstunde des Daseins» genannt habe, sind im wesentlichen die Fäden gezogen zu all den karmischen direkten und indirekten Verbindungen hin, zu denen sie zu ziehen sind. Dann kommt das Verarbeiten. Dann tritt in das menschliche Seelenleben ein mehr dem Willen ähnliches Kraftelement ein, aber nur ein ähnliches, nicht ein gleiches. Dieses dem Willen ähnliche Kraftelement macht den Menschen immer stärker und stärker. Es verstärkt vor allen Dingen die Impulse in ihm, welche zu dem weisheitsvollen Überblicken der Welt als willensmäßige Elemente, willensmäßige Impulse, als Kraftimpülse dazukommen.
[ 33 ] Before what I have called the “Midnight Hour of Existence” in the Mysteries, the threads are essentially drawn out toward all the direct and indirect karmic connections to which they must be drawn. Then comes the process of assimilation. Then an element of power more akin to the will enters the human soul life—but only akin to it, not identical to it. This element of power, akin to the will, makes the human being stronger and stronger. Above all, it strengthens the impulses within him that contribute to a wise overview of the world as elements of the will, as impulses of the will, as impulses of power.
[ 34 ] Nun tritt etwas Merkwürdiges ein. Im Menschen lebt ein gewisser Wille in der zweiten Hälfte des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt auf. Wenn man diesen Willen beobachtet — man kann das insbesondere bei denjenigen Menschen, welche durch irgendwelche Verhältnisse ein gewissermaßen kurzes Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, ein abgekürztes Leben, haben —, da tritt eine merkwürdige Willensrichtung ein, die man etwa charakterisieren kann dadurch, daß man sagt: Es tritt der Wille ein, die Spuren des Lebens, die Spuren des Karma in einer gewissen Weise zu verwischen.
[ 34 ] Now something strange occurs. In human beings, a certain will arises in the second half of life, between death and a new birth. If one observes this will—and this can be seen particularly in those people who, due to certain circumstances, have a relatively short life between death and a new birth, an abbreviated life—a peculiar direction of will emerges, which can be characterized, for example, by saying: The will arises to obliterate, in a certain way, the traces of life, the traces of karma.
[ 35 ] Ich bitte Sie, das recht deutlich aufzufassen. Solch ein Wille: die Spuren des Karma zu verwischen, tritt im Menschen immer mehr und mehr auf. Dieses Verwischen der Spuren des Karma, das hängt mit den tiefsten Geheimnissen des Menschenlebens zusammen. Und würde der Mensch immerfort den vollen Überblick über die Weisheit haben, den er nach seinem Tode verhältnismäßig bald haben kann, so würden unzählig viele Menschen lieber die Spuren ihres Daseins verwischen, als in neue Erdenleben eintreten. Die Verarbeitung der früheren Erdenleben im karmischen Zusammenhang, die wir ja vollziehen, kann sich im wesentlichen nur dadurch entwickeln, daß wir durch gewisse Wesen der höheren Hierarchien in der zweiten Hälfte des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt mit Bezug auf das Weisheitslicht abgetrübt werden, abgelähmt werden, so daß wir unsere Tätigkeit, unsere Willensimpulse immer mehr und mehr einschränken. Und man kann nur sagen: das Ziel geht dann dahin, sie so einzuschränken, daß wir eben dasjenige schaffen, was sich dann in der Vererbungsströmung mit einem physischen Menschenleib verbinden und in diesem physischen Menschenleib sein Erdenschicksal ausleben kann.
[ 35 ] I ask you to understand this very clearly. This desire—to cover up the traces of karma—is becoming increasingly prevalent in human beings. This covering up of the traces of karma is connected to the deepest mysteries of human life. And if human beings were constantly to have the full overview of wisdom that they can attain relatively soon after their death, countless people would prefer to erase the traces of their existence rather than enter into new earthly lives. The processing of past earthly lives within the karmic context—which we do, after all—can essentially only develop through the fact that, in the second half of the life between death and a new birth, we are clouded and dulled by certain beings of the higher hierarchies with regard to the light of wisdom, so that we increasingly restrict our activity and our impulses of will. And one can only say: the goal is then to restrict them to such an extent that we create precisely that which can then connect with a physical human body through the stream of heredity and live out its earthly destiny within that physical human body.
[ 36 ] Vollständig versteht man diesen Gedanken allerdings nur dann, wenn man dieses Erdenschicksal selbst ins Auge faßt. Wie ist doch dieses Erdenschicksal selbst etwas Traumhaftes für den Erdenmenschen! Er lebt sich ein als Kind in die Verhältnisse des Erdenlebens. Dasjenige, was man Schicksal nennt, tritt in Form von einzelnen Lebenserfahrungen an ihn heran. Aus dem Gewebe, das diese Lebenserfahrungen bilden, gestaltet sich etwas, was eigentlich wir selbst sind. Denn bedenken Sie alle, was Sie wären bis zu Ihrem heutigen Tage, wenn Sie nicht gerade das Schicksalsleben erlebt hätten, das Sie eben erlebt haben. Sie können schon sagen: Das, was ich als Schicksal erlebt habe, bin ich selber. — Denn ein ganz anderer wären Sie, wenn Sie eben etwas anderes als Schicksal erlebt hätten.
[ 36 ] However, one can only fully understand this idea by contemplating this earthly destiny for oneself. How dreamlike this earthly destiny itself is for the earthly human being! As a child, he immerses himself in the circumstances of earthly life. What we call destiny approaches him in the form of individual life experiences. From the fabric woven by these life experiences, something takes shape that is, in fact, who we truly are. For consider, all of you, what you would have been up to this very day if you had not experienced precisely the life of destiny that you have just lived. You can indeed say: What I have experienced as destiny is who I am. — For you would be a completely different person if you had just experienced something other than fate.
[ 37 ] Und dennoch, wie fremd fühlt der Mensch eigentlich sein Schicksal, wie wenig fühlt er es mit dem verwoben, was er sein Ich nennt. In wie unzähligen Fällen fühlt sich das Ich eben getroffen vom Schicksal. Warum? Weil das, was wir selbst aus uns heraus arbeiten an der Zimmerung unseres Schicksals, eben im Unterbewußten bleibt. Das, was wir erleben, das stellt sich hinein in die Welt der Sinneserfahrung und in die Welt der Vorstellungen. Es schlägt ja nur an unser Gefühlsleben an. Unser Gefühlsleben verhält sich dazu passiv. Aber aktiv aus diesem Gefühlsleben und aus diesem Leben der Willensimpulse kraftet dasjenige heraus, was wir nun auch mit dem Reich der Toten gemeinschaftlich haben. Was da aber herauskraftet und was wir selber tun ohne unser Bewußtsein, was wir wiederum verschlafen und verträumen, das bildet unser Schicksal, das sind wir selbst. Was wir an unserem Schicksal tun, verschlafen und verträumen wir. Was wir an unserem Schicksal erleben, das leben wir allerdings wachend durch, aber eben nur, weil es unterbewußt bleibt. Was bleibt da eigentlich unterbewußt? Dasjenige, was als Impulse herüberschlägt aus den früheren Erdenverkörperungen und aus dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt auf eine rein geistige Weise aus dem Reiche, in dem die Toten auch sind, aus dem Reiche, das wir verträumen und verschlafen. Das sind zugleich Kräfte, die auch von uns selbst kommen. Es sind die Kräfte, mit denen wir unser Schicksal zimmern. Wir weben unser Schicksal aus demselben Reiche heraus, das mit uns gemeinschaftlich die Toten beleben.
[ 37 ] And yet, how alien does a person actually feel toward their fate, how little do they feel it to be interwoven with what they call their “self.” In how many countless cases does the self feel as though it has simply been struck by fate? Why? Because what we ourselves work out from within ourselves to shape our fate remains precisely in the subconscious. What we experience manifests itself in the world of sensory perception and in the world of ideas. It merely touches upon our emotional life. Our emotional life remains passive in relation to it. But what we share with the realm of the dead emerges actively from this emotional life and from this life of volitional impulses. But what emerges from there—and what we ourselves do without our consciousness, what we in turn sleep through and dream away—that forms our destiny; that is who we are. What we do with our destiny, we sleep through and dream away. What we experience in our destiny, we do indeed live through while awake, but only because it remains subconscious. What actually remains subconscious? That which flows over as impulses from our earlier earthly incarnations and from the life between death and a new birth—in a purely spiritual way—from the realm where the dead also dwell, from the realm that we dream away and sleep through. These are, at the same time, forces that also come from within ourselves. They are the forces with which we shape our destiny. We weave our destiny out of the very same realm that, together with us, gives life to the dead.
[ 38 ] Denken Sie sich, wie wir da zusammenwachsen mit dem Reiche, von dem wir bis zu einem gewissen Grade jetzt wissen, wie es verschlafen wird: Wie wir es erleben! — obwohl wir noch nicht haben besprechen können, wie nun das Erleben gegenüber den Wesen der höheren Hierarchien ist; das wird auch noch dazukommen. Aber was man hervorrufen möchte durch eine solche Auseinandersetzung, wie ich sie eben gegeben habe, das ist, daß wir das Reich der sogenannten Toten hereinrücken in das Reich, in dem wir selber leben. Und bewußt werden wir uns, wie wir uns nur durch den Umstand von den Toten getrennt fühlen — aber nicht von ihnen getrennt sind —, daß wir unser Gefühlsleben, in dem die Toten auch sind, und unser Willensleben, in dem die Toten auch sind, verträumen und verschlafen.
[ 38 ] Just imagine how we grow together with the realm—a realm we now understand, to a certain extent, how it is being neglected—and how we experience it! —even though we have not yet been able to discuss what this experience is like in relation to the beings of the higher hierarchies; that will come later as well. But what one hopes to bring about through a discussion such as the one I have just given is that we bring the realm of the so-called dead into the realm in which we ourselves live. And we become aware that we feel separated from the dead—though we are not actually separated from them—simply because we let our emotional life, in which the dead are also present, and our life of will, in which the dead are also present, slip away in a dreamlike state and fall asleep.
[ 39 ] In dieser Welt, die wir verträumen und verschlafen, liegt aber noch etwas anderes, etwas, was der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein im Grunde gar nicht verfolgt. Er wird manchmal darauf aufmerksam, wenn es ihm in besonders eklatanten Fällen entgegentritt; aber das sind sensationelle einzelne Fälle, die nur auf dasjenige hinweisen, was das Leben fortwährend durchdringt und durchzieht. Wieviel werden Sie selbst von solchen Fällen gehört haben, wie der folgende ist!
[ 39 ] But in this world, which we dream away and sleep through, there is something else—something that people, in their ordinary state of consciousness, do not really pay attention to. People sometimes become aware of it when it confronts them in particularly striking cases; but these are sensational isolated incidents that merely point to what constantly permeates and runs through life. How many such cases, like the one that follows, have you yourself heard of!
[ 40 ] Ein Mensch ist gewöhnt, täglich einen Spaziergang zu machen; er führt ihn auf einen Berghang. Da geht er täglich hin, das ist seine Lust. Eines Tages geht er wiederum hin. Plötzlich, während er geht, hört er etwas wie eine Stimme, die aber nicht physisch da ist, die ihm sagt: Warum gehst du eigentlich diesen Weg? Kannst du diese Lust nicht auch entbehren? — So ungefähr sagt sie zu ihm. Da wird er stutzig. Er tritt etwas zur Seite und denkt nach über das, was ihm geschehen ist. In dem Augenblicke rollt ein Felsstück in die Tiefe, das ihn ganz sicher erschlagen hätte, wenn er nicht beiseite getreten wäre.
[ 40 ] A man is in the habit of taking a daily walk; he walks up a mountainside. He goes there every day—that is his pleasure. One day he goes there again. Suddenly, as he walks, he hears something like a voice—though it is not physically present—that says to him: “Why do you actually walk this path?” Can’t you do without this pleasure? — That’s roughly what it says to him. This makes him pause. He steps slightly to the side and reflects on what has happened to him. At that very moment, a boulder rolls down into the depths—a boulder that would certainly have crushed him if he hadn’t stepped aside.
[ 41 ] Das ist eine wahre Geschichte, aber eine von denjenigen Geschichten, die eben nur sensationell, möchte ich sagen, auf etwas hinweisen, was fortwährend in unserem Leben da ist. Wie oft kommt es vor, daß Sie sich vornehmen, dies oder jenes zu tun. Sie werden durch dies oder jenes abgehalten. Malen Sie sich einmal aus, wie vieles manchmal anders geworden wäre im kleinen Erleben des Tages, wenn Sie einen Ausgang zu einer festgesetzten Stunde unternommen hätten, den Sie dann eine halbe Stunde später unternommen haben, weil Sie durch irgend etwas abgehalten worden sind, malen Sie sich aus, was da als Veränderung in Ihr Leben hineingekommen ist, was sogar als Veränderung in das Leben vieler anderer Menschen hineingekommen ist! Leicht kann man sich so etwas ausmalen. Nehmen wir einmal an: Sie haben sich vorgenommen, an einem Tage um viertel Vier Uhr nachmittags einen gewissen Gang zu machen, da wären Sie mit einem andern Menschen zusammengetroffen; dem hätten Sie eine Mitteilung gemacht, der wiederum diese Mitteilung einem andern gemacht hätte. Sie machen, weil Sie zu spät kommen, diese Mitteilung dem andern Menschen nicht und sehen: es wird hintangehalten, gewisse recht wichtige Dinge geschehen nicht.
[ 41 ] This is a true story, but one of those stories that—I would say—simply uses a sensational angle to point out something that is constantly present in our lives. How often does it happen that you resolve to do this or that, only to be prevented from doing so by this or that? Just imagine how much might sometimes have turned out differently in the small events of the day if you had gone out at a set time but ended up leaving half an hour later because you were held up by something—imagine what kind of change that brought into your life, and what kind of change it even brought into the lives of many other people! It’s easy to imagine something like that. Let’s suppose: You had planned to take a certain walk one day at a quarter past four in the afternoon; there you would have met another person; you would have shared some news with them, and they, in turn, would have passed that news on to someone else. Because you’re running late, you don’t share this news with that other person, and you see: it gets delayed, and certain quite important things don’t happen.
[ 42 ] Da sieht man eine Weltenordnung, die anderer Art ist als die Weltenordnung, die wir als natürliche Notwendigkeit bezeichnen. Darin, daß jemand von dem Weiterschreiten auf einem Spazierwege abgehalten wird, weil er eine Stimme hört, durch die er beiseite tritt, was verhindert, daß er von einem Felsblock erschlagen wird, darin fühlen wir eine andere Weltenordnung hereinragen. Aber diese andere Weltenordnung ragt ja in jedem Augenblick unseres Daseins herein, nur nicht durch so sensationelle Ereignisse. Der Mensch ist nur gewöhnt, den Blick aufs Sensationelle zu richten auch in diesen Dingen. Wir beachten jene Welt nur nicht. Warum? Weil wir den Blick richten auf das, was geschieht in unserem Leben und in unserer Umwelt, und nicht richten den Blick auf dasjenige, was nicht geschieht, was immerfort abgehalten wird, was immerfort zurückgehalten wird.
[ 42 ] Here we see a world order that is of a different kind than the world order we refer to as a natural necessity. In the fact that someone is prevented from continuing along a walking path because they hear a voice that causes them to step aside—thereby preventing them from being struck by a boulder—we sense another world order at work. But this other world order is at work in every moment of our existence; it’s just not manifested through such sensational events. People are simply accustomed to focusing their attention on the sensational, even in these matters. We simply do not pay attention to that world. Why? Because we focus our attention on what happens in our lives and in our environment, and do not focus on what does not happen—what is constantly prevented, what is constantly held back.
[ 43 ] Von einem gewissen Momente des geistigen Erlebens an kann dasjenige, was nicht geschieht, wovor wir gewissermaßen bewahrt oder zurückgehalten worden sind, uns ebenso zum Bewußtsein kommen wie dasjenige, was geschehen ist. Nur kommt es uns zum Bewußtsein als eine andere Weltenordnung. Versuchen Sie, jene Weltenordnung sich einmal recht zur Seele zu bringen, indem Sie sich sagen: Der Mensch ist gewöhnt, nur auf dasjenige zu sehen, was geschieht, und nicht auf dasjenige, was vom Geschehen abgehalten wurde. — Was er da nicht beachtet, das hängt innig zusammen mit dem Reiche, in dem die Toten sind, in dem wir selbst sind mit unserem träumenden Fühlen, mit unserem schlafenden Willen. Wir trennen uns in uns selber von einer ganz andern Welt dadurch ab, daß auch in das wache Leben der Traum, der Schlaf hereinspielen. Und was da alles brodelt und lebt und webt unter der Grenze, die unser Vorstellen von unserem Fühlen trennt, das ist zugleich dasjenige, was einschließt die Geheimnisse, welche die Brückebilden zwischen den sogenannten Lebendigen und den sogenannten Toten, aber auch die Brücke bilden zwischen dem Reich der Notwendigkeit und dem Reich der Freiheit und dem sogenannten Zufall.
[ 43 ] From a certain point in spiritual experience onward, that which does not happen—from which we have, so to speak, been spared or held back—can come to our consciousness just as much as that which has happened. It simply comes to our consciousness as a different world order. Try to truly bring that world order to your soul by telling yourself: Human beings are accustomed to looking only at what happens, and not at what has been prevented from happening. — What they fail to notice there is intimately connected with the realm where the dead are, where we ourselves are with our dreaming feelings and our sleeping will. We separate ourselves within ourselves from an entirely different world by the fact that dreams and sleep also play a part in our waking life. And all that which simmers, lives, and weaves beneath the boundary that separates our imagination from our feeling—that is at the same time what encompasses the mysteries that form the bridge-images between the so-called living and the so-called dead, but also the bridge between the realm of necessity and the realm of freedom and so-called chance.
