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Historical Necessity and Freedom
The Influence of Fate from the World of the Dead
GA 179

11 December 1917, Dornach

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Historical Necessity and Freedom, tr. SOL
  1. Geschichtliche Notwendigkeit und Freiheit

Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Das Thema, das wir jetzt besprechen, ist sehr umfassend, und es wird heute nicht so weit geführt werden können, als ich eigentlich gewollt habe, aber wir setzen ja diese Betrachtungen weiter fort. Denn ich möchte gerade in diesen Betrachtungen vor allem die Grundlage zum Verständnis von Freiheit und Notwendigkeit so legen, daß Sie ein Bild bekommen von dem, was vom okkultistischen Standpunkte in Betracht kommt, um den Verlauf des sozialen und des geschichtlichen, des ethisch-moralischen Menschenlebens zu verstehen.

[ 1 ] The topic we are now discussing is very broad, and we will not be able to cover it as thoroughly today as I had actually intended, but we will, of course, continue these reflections. For in these reflections, I would like above all to lay the foundation for understanding freedom and necessity in such a way that you gain a picture of what, from an occult perspective, is relevant for understanding the course of social, historical, and ethical-moral human life.

[ 2 ] Wir haben betont, daß für das Leben zwischen der Geburt und dem Tode völlig wachend eigentlich nur das durchlebt wird, was wir in der Sinneswahrnehmung haben, was aus den Sinneseindrücken stammt und was in den Vorstellungen erlebt wird. Dagegen verträumt der Mensch alles das, was in den Gefühlen als Wirklichkeit lebt, und er verschläft alles, was in den Willensimpulsen eigentlich als die tiefere Notwendigkeit liegt, als die tiefere Wirklichkeit vorhanden ist. Wir leben in unserem Gefühls- und Willensleben in denselben Sphären, in denen mit uns gemeinschaftlich die sogenannten Toten da sind.

[ 2 ] We have emphasized that, in terms of being fully awake, life between birth and death consists only of what we experience through our sensory perceptions—that which stems from sensory impressions and is experienced in our mental images. In contrast, human beings dream away everything that lives as reality in their feelings, and they sleep through everything that actually lies within the impulses of the will as a deeper necessity—as a deeper reality. In our emotional and volitional lives, we inhabit the same spheres in which the so-called dead are present alongside us.

[ 3 ] Nun ist es gut, wenn wir uns zunächst eine Vorstellung davon machen, was eigentlich hinter dem Sinnesleben nach außen hin liegt. Die Eindrücke der Sinne, man kann sie sich vorstellen, als ob sie sich wie ein Teppich vor uns ausbreiteten. Natürlich, diesen Teppich müssen wir uns besetzt denken auch mit den Gehörseindrücken, mit allen Eindrücken der zwölf Sinne, wie wir sie ja aus anthroposophischen Betrachtungen kennen. Sie wissen, daß die wirkliche Zahl der Sinne zwölf ist. Dieser Sinnesteppich deckt gewissermaßen eine hinter ihm liegende Wirklichkeit zu. Diese hinter den Sinneswahrnehmungen liegende Wirklichkeit dürfen wir uns nicht so vorstellen, wie etwa der Naturforscher sich die Atomwelt vorstellt, oder wie eine gewisse philosophische Richtung vom Ding an sich spricht. Denn ich habe sogar in den öffentlichen Vorträgen betont: Suchen nach einem Ding an sich, wie es die heutige Philosophie tut, wie es der Kantianismus tut, das hieße ungefähr dasselbe als, die Wesen, die man in einem Spiegel sieht, ihrer Wirklichkeit nach dadurch suchen zu wollen, daß man den Spiegel zerbricht, um zu sehen, was dahinter ist. — In diesem Sinne rede ich nicht von etwas, was hinter den Sinneswahrnehmungen liegt, sondern ich rede von etwas, was hinter den Sinneswahrnehmungen liegt als einem Geistigen, in dem wir selber eingebettet sind, an das aber des Menschen gewöhnliches Bewußtsein, das er zwischen der Geburt und dem Tode trägt, nicht reicht. In dem Augenblicke, wo wir den Sinnesteppich gewissermaßen enträtseln würden auf einer ersten Stufe, so daß wir nach außen hin mehr sehen würden als die Mannigfaltigkeit der Sinnesimpulse — was würden wir da auf dieser ersten Stufe der spirituellen Enträtselung des Sinnesteppichs sehen? Diese Frage wollen wir uns einmal vorlegen.

[ 3 ] Now it would be good if we first formed an idea of what actually lies behind our sensory life as it appears to the outside world. We can imagine sensory impressions as if they were spread out before us like a carpet. Of course, we must imagine this carpet as also encompassing auditory impressions—all the impressions of the twelve senses, as we know them from anthroposophical considerations. You know that the actual number of senses is twelve. This sensory carpet, so to speak, conceals a reality that lies behind it. We must not imagine this reality lying behind sensory perceptions in the same way that, for example, the natural scientist imagines the atomic world, or as a certain philosophical school speaks of the “thing-in-itself.” For I have even emphasized in my public lectures: To search for a “thing-in-itself,” as contemporary philosophy does, as Kantianism does, would be roughly the same as trying to ascertain the reality of the beings one sees in a mirror by breaking the mirror to see what lies behind it. — In this sense, I am not speaking of something that lies beyond sensory perceptions, but rather of something that lies beyond sensory perceptions as a spiritual realm in which we ourselves are embedded, yet which is beyond the reach of the ordinary human consciousness that one possesses between birth and death. At the moment when we were, so to speak, to unravel the tapestry of the senses at a first stage, so that we would see outwardly more than the multiplicity of sensory impulses—what would we see at this first stage of the spiritual unravelling of the tapestry of the senses? Let us consider this question.

[ 4 ] Es kann zunächst überraschen, was als dasjenige genannt werden muß, das man zunächst sieht. Was man da zunächst sieht, ist eine Summe von Kräften, die alle darauf ausgehen, unser gesamtes Leben zu impulsieren von der Geburt, oder sagen wir von der Empfängnis bis zum Tode. Nicht in den einzelnen Ereignissen würden wir unser Leben sehen, wenn wir den Sinnesteppich enträtseln, aber in seiner ganzen Artung. Nicht irgend etwas ganz Fremdartiges würden wir zunächst finden, uns selbst würden wir finden auf der ersten Stufe der Enträtselung der Sinneswahrnehmungen — aber uns selbst nicht, wie wir in diesem Augenblicke sind, sondern uns selbst so, wie wir geartet sind dieses ganze Leben zwischen der Geburt und dem Tode. Dieses Leben, das nicht in unseren physischen Leib hereinspielt, daher auch nicht mit physischen Sinnen wahrgenommen werden kann, dieses Leben spielt in unseren Ätherleib, in unseren Bildekräfteleib herein. Und unser Bildekräfteleib ist im wesentlichen ein Ausdruck dieses Lebens, das wir überblicken würden, wenn wir die Sinne, die Sinneswahrnehmungen ausschalten würden. Würde gewissermaßen der Sinnesteppich zerreißen — und er zerreißt, wenn der Mensch zum Schauen aufsteigt —, so findet sich der Mensch selbst, so wie er geartet ist für diese Erdeninkarnation, in der er die betreffende Beobachtung macht. Aber wie gesagt, die Sinne sind nicht geeignet, dies wahrzunehmen.

[ 4 ] At first, it may come as a surprise what must be identified as the very thing one sees first. What one sees there at first is a sum of forces, all of which are directed toward impelling our entire life from birth—or, let us say, from conception—until death. We would not see our life in individual events if we were to unravel the tapestry of the senses, but rather in its entire nature. We would not find something entirely alien at first; we would find ourselves at the first stage of unraveling sensory perceptions—but not ourselves as we are at this very moment, rather ourselves as we are constituted throughout this entire life between birth and death. This life, which does not play out in our physical body and therefore cannot be perceived by the physical senses, plays out in our etheric body, in our body of formative forces. And our body of formative forces is essentially an expression of this life, which we would be able to survey if we were to shut off the senses and sensory perceptions. If, so to speak, the veil of the senses were to be torn away—and it is torn away when a person ascends to the realm of vision—then the person finds themselves as they truly are for this earthly incarnation in which they are making the observation in question. But as I said, the senses are not suited to perceiving this.

[ 5 ] Was ist geeignet, dies wahrzunehmen? Der Mensch hat es schon, was geeignet ist, dies wahrzunehmen; aber er hat es in einer solchen Entwickelungsstufe, daß von einem wirklichen Wahrnehmen gegenwärtig noch nicht die Rede sein kann. Was da wahrgenommen würde, das dringt in kein Auge, kein Ohr, dringt nicht in Sinnesorgane, sondern wird — ich bitte Sie, das wohl zu verstehen — eingeatmet, mit dem Atem eingesogen. Und das, was unserer Lunge ätherisch zugrunde liegt — von der physischen Lunge kann ja dabei gar nicht die Rede sein, denn die Lunge ist, so wie sie ist, kein unmittelbares Wahrnehmungsorgan —, was ätherisch unserer Lunge zugrunde liegt, das ist eigentlich Wahrnehmungsorgan, aber für den Menschen zwischen Geburt und Tod nicht brauchbares Wahrnehmungsorgan desjenigen, was da eingeatmet wird. In der Atemluft, die wir einsaugen, liegt eigentlich in bezug auf jeden Atemzug, wie er sich einfügt in den Gesamtrhythmus des Lebens von der Geburt bis zum Tode, unsere tiefere Wirklichkeit. Es ist nur so eingerichtet, daß das, was dem ganzen Lungensystem zugrunde liegt, beim Menschen auf dem physischen Plan unausgebilder ist, nicht vorgeschritten ist bis zu der Fähigkeit, wahrzunehmen. Würde das, was eigentlich unser Lungensystem aufbaut, was da ätherisch zugrunde liegt, untersucht und richtig erkannt, dann stellte es sich im Grunde genommen als ganz dasselbe dar, was physisch, für die physische Welt, unser Gehirn mit den Sinnesorganen ist. In dem, was unserem Lungensystem zugrunde liegt, haben wir ein Gehirn auf einer früheren Entwickelungsstufe, auf einer, man möchte sagen, noch kindlichen Entwickelungsstufe. Auch in dieser Beziehung tragen wir gewissermaßen — ich sage ausdrücklich: gewissermaßen — einen zweiten Menschen in uns. Und Sie stellen nicht falsch vor, wenn Sie sich denken, daß außer dem physischen Kopf, den der Mensch trägt, noch ein ätherischer Kopf vorhanden ist, der nur noch nicht als Wahrnehmungsorgan im gewöhnlichen Leben brauchbar ist, der aber in der Anlage Wahrnehmungsvermögen- hat für das, was hinter dem Bildekräfteleib, als diesen Bildekräfteleib schaffend, liegt. Dies aber, was da hinter dem Bildekräfteleib schaffend liegt, das ist dasjenige, in das wir eintreten, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Den Bildekräfteleib selbst legen wir dann ab, aber was ihn schafft, was ihn produziert, in das treten wir ein. Es ist vielleicht eine schwierige Vorstellung; allein es ist gut, wenn Sie versuchen, diese Vorstellung wirklich zu Ende zu denken. Schematisch könnten wir uns die Sache doch noch verdeutlichen.

[ 5 ] What is capable of perceiving this? Human beings already possess what is capable of perceiving this; but they possess it at such a stage of development that there can be no question of actual perception at present. What would be perceived there does not enter the eye or the ear, nor does it enter the sense organs; rather—and I ask you to understand this clearly—it is inhaled, drawn in with the breath. And that which underlies our lungs on the etheric level—for we cannot speak of the physical lungs here at all, since the lungs, as they are, are not direct organs of perception—that which underlies our lungs on the etheric level is actually an organ of perception, but for human beings between birth and death, it is an organ of perception that cannot be used to perceive what is inhaled there. In the air we breathe in, our deeper reality actually lies in every breath, as it fits into the overall rhythm of life from birth to death. It is simply the case that what underlies the entire lung system is, on the physical plane, undeveloped in human beings; it has not progressed to the point of being able to perceive. If what actually constitutes our respiratory system—that which lies at its etheric foundation—were to be examined and properly understood, it would essentially prove to be exactly the same as what, physically and for the physical world, our brain and the sense organs are. In what underlies our respiratory system, we have a brain at an earlier stage of development—at a stage one might call still childlike. In this respect, too, we carry within us, so to speak—and I say expressly: so to speak—a second human being. And you are not mistaken in imagining that, in addition to the physical head that a human being carries, there is also an etheric head, which is not yet usable as a sense organ in ordinary life, but which, in its potential, possesses the capacity to perceive what lies behind the form-forming body—that which creates this form-forming body. But this—what lies behind the form-forming body, creating it—is that into which we enter when we pass through the gate of death. We then shed the form-forming body itself, but we enter into that which creates it, that which produces it. It may be a difficult concept to grasp; yet it is good if you try to really think this idea through to its conclusion. Schematically, we could still clarify the matter for ourselves.

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[ 6 ] Wir stellen uns das physische System des Kopfes vor, und wir stellen uns das physische System der Lunge vor (siehe Zeichnung, rot), hereinwirkend aus dem Kosmos die Impulse des Kosmos (blaue Pfeile), die sich rhythmisch ausdrücken in den Lungenbewegungen (rot schraffiert). Durch unsere Lunge stehen wir mit dem ganzen Kosmos in Beziehung, und der ganze Kosmos schafft an unserem Ätherleib. Den Ätherleib selbst legen wir ab, wenn wir durch die Pforte des Todes treten, aber wir treten ein in dasjenige, was hineinspielt in unser Lungensystem; das steht mit dem ganzen Kosmos in Verbindung. Daher jene merkwürdige Übereinstimmung im Rhythmus des Menschenlebens und im Rhythmus der Atmung. Sie wissen ja — ich habe das schon einmal hier ausgeführt —, wenn Sie die 18 Atemzüge, die der Mensch in der Minute hat, ausrechnen, so daß Sie die Zahl der Atemzüge in einem Tage bekommen, so sind es also 18 mal 60 in der Stunde, für den Tag mal 24 sind 25 920 Atemzüge in einem Tage. Der Mensch atmet ein und atmet aus; das gibt seinen Rhythmus, seinen kleinsten Rhythmus zunächst. Dann aber ist ein anderer Rhythmus in unserem Leben da, wie ich Ihnen schon einmal angedeutet habe: der besteht darinnen, daß wir unser Seelisches, das Ich und den astralischen Leib, an jedem Morgen beim Aufwachen in unser physisches System gewissermaßen einatmen, beim Einschlafen wiederum ausatmen. Das machen wir durch unser ganzes physisches Leben hindurch. Nehmen wir ein Durchschnittsmaß des menschlichen Lebens an, so haben wir das so zu berechnen, daß wir sagen: 365 mal während eines Jahres atmen wir uns selbst aus und uns selbst ein. Das gibt, wenn wir das menschliche Leben, sagen wir durchschnittsmäßig auf 71 Jahre annehmen, 25 915. Sie sehen, im wesentlichen dieselbe Zahl — das Leben ist ja nicht gleich bei den einzelnen Menschen —, wiederum 25 920mal während eines Lebens zwischen Geburt und Tod wird aus- und eingeatmet dasjenige, was wir unser eigentliches Selbst nennen. So daß wir sagen können: Wie wir uns mit einem Atemzug verhalten zu den Elementen ringsherum, so verhalten wir uns zu der Welt, der wir selbst angehören. In demselben Rhythmus zum Kosmos leben wir während des Lebens, in welchem wir durch unser Atmen während des Tages stehen. Und wiederum, wenn wir unser Leben nehmen, sagen wir also ungefähr 71 Jahre, und wir betrachten dieses Leben des Menschen als einen kosmischen Tag — nennen wir einmal ein Menschenleben einen kosmischen Tag —, so würde ein kosmisches Jahr 365 mal soviel sein, 25 920, also annähernd wiederum ein Jahr. Das aber ist die Zeit, in welcher die Sonne wiederum zurückkehrt zu demselben Sternbilde: 25920 Jahre. Wenn in einem bestimmten Jahre die Sonne im Widder erscheint, nach 25920 Jahren erscheint sie wiederum im Widder im Aufgang, denn die Sonne bewegt sich durch den ganzen Tierkreis im Laufe von 25 920 Jahren. So also ist ein Jahr des Menschenlebens, herausgeatmet aus dem Kosmos, ein Atemzug des Kosmos, der sich genau zum kosmischen Werden, zum kosmischen Umschwung der Sonne im Tierkreis verhält, wie ein Atemzug zum Tagesleben. Eine tiefe innerliche Gesetzmäßigkeit! Sie sehen, alles ist auf Rhythmus aufgebaut. Wir atmen dreifach oder wenigstens stehen dreifach in einem Atmungsprozeß drinnen. Wir atmen zunächst durch unsere Lunge in den Elementen — in einem Rhythmus, der durch die Zahl 25920 angegeben wird. Wir atmen im ganzen Sonnensystem, wenn wir Auf- und Untergang der Sonne als parallellaufend zählen unserem Einschlafen und Aufwachen. Wir atmen durch unser ganzes Leben hindurch in einem Rhythmus, der wiederum durch die Zahl 25920 bestimmt ist. Und endlich, das Weltenall atmet uns aus, atmet uns wieder ein in einem Rhythmus, der wiederum durch die Zahl 25920 bestimmt ist, bestimmt durch den Umlauf der Sonne um den Tierkreis.

[ 6 ] We visualize the physical system of the head, and we visualize the physical system of the lungs (see diagram, red), with cosmic impulses (blue arrows) flowing in from the cosmos and expressing themselves rhythmically in the movements of the lungs (red hatching). Through our lungs, we are connected to the entire cosmos, and the entire cosmos works upon our etheric body. We shed the etheric body itself when we pass through the gate of death, but we enter into that which plays a part in our pulmonary system; this is connected to the entire cosmos. Hence that remarkable correspondence between the rhythm of human life and the rhythm of breathing. As you know—I have explained this here before—if you calculate the 18 breaths a person takes per minute to determine the number of breaths in a day, that is 18 times 60 per hour; multiplied by 24 for the day, that makes 25,920 breaths in a day. A person inhales and exhales; this provides their rhythm, their smallest rhythm to begin with. But then there is another rhythm in our lives, as I have already hinted to you: it consists in the fact that every morning upon waking, we inhale our soul, the “I,” and the astral body into our physical system, so to speak, and exhale them again when we fall asleep. We do this throughout our entire physical life. If we assume an average human lifespan, we can calculate it as follows: 365 times a year, we breathe ourselves out and breathe ourselves in. If we assume an average human lifespan of, say, 71 years, that comes to 25,915. As you can see, essentially the same number—though life is not the same for every individual—25,920 times over the course of a life between birth and death, we breathe in and out that which we call our true self. So we can say: Just as we relate to the elements around us with each breath, so do we relate to the world to which we ourselves belong. We live in harmony with the cosmos throughout our lives, in the same rhythm that we maintain through our breathing during the day. And again, if we take our life—say, roughly 71 years—and regard this human life as a cosmic day—let’s call a human life a cosmic day—then a cosmic year would be 365 times that amount, 25,920, which is, again, approximately one year. But that is the time it takes for the Sun to return to the same constellation: 25,920 years. If the Sun appears in Aries in a given year, after 25,920 years it will rise again in Aries, for the Sun moves through the entire zodiac in the course of 25,920 years. Thus, a year of human life—exhaled from the cosmos—is a breath of the cosmos that relates to cosmic becoming, to the cosmic cycle of the Sun through the zodiac, just as a breath relates to daily life. A profound inner law! You see, everything is built upon rhythm. We breathe in threefold ways, or at least we are involved in a threefold breathing process. First, we breathe through our lungs within the elements—in a rhythm determined by the number 25,920. We breathe throughout the entire solar system when we regard the rising and setting of the sun as running parallel to our falling asleep and waking up. We breathe throughout our entire life in a rhythm that is, in turn, determined by the number 25,920. And finally, the universe exhales us and inhales us again in a rhythm that is, in turn, determined by the number 25,920—determined by the Sun’s orbit around the zodiac.

[ 7 ] So sind wir hineingestellt in den ganzen sichtbaren Kosmos, dem nun der unsichtbare Kosmos zugrunde liegt. In diesen unsichtbaren Kosmos treten wir ein, wenn wir durch die Pforte des Todes treten. Rhythmisches Leben ist dasjenige Leben, das unserem Gefühlsleben zugrunde liegt. In das rhythmische Leben des Kosmos treten wir ein in der Zeit, die wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Dieses rhythmische Leben liegt als unser ätherisches Leben bestimmend hinter dem Sinnesteppich ausgebreitet. Sehen würde man in dem Augenblicke, wo man zum schauenden Bewußtsein kommt, diesen Weltenrhythmus, der gewissermaßen ein rhythmisch wogendes Weltenmeer ist, jetzt astralisch gearter. Und in diesem rhythmisch wogenden astralischen Meere sind auch die sogenannten Toten vorhanden, sind die Wesenheiten der höheren Hierarchien vorhanden, ist dasjenige vorhanden, was zu uns gehört, was aber unter der Schwelle liegt, aus der nur die Gefühle heraufwogen, die verträumt werden, die Willensimpulse heraufwogen, die in ihrer eigenen Wirklichkeit verschlafen werden.

[ 7 ] Thus we are placed within the entire visible cosmos, which is now underpinned by the invisible cosmos. We enter this invisible cosmos when we pass through the gate of death. Rhythmic life is the life that underlies our emotional life. We enter into the rhythmic life of the cosmos during the time we experience between death and a new birth. This rhythmic life, as our etheric life, lies spread out behind the veil of the senses, determining our existence. At the moment one attains a contemplative consciousness, one would see this cosmic rhythm—which is, in a sense, a rhythmically undulating cosmic sea—now in its astral form. And in this rhythmically undulating astral sea are also present the so-called dead, the beings of the higher hierarchies, and that which belongs to us but lies beneath the threshold—from which only the feelings that are dreamt away and the impulses of will that are slept through in their own reality rise up.

[ 8 ] Die Frage kann aufgeworfen werden — wir dürfen die Sache vergleichsweise, ohne in Teleologie zu verfallen, so sagen: Warum hat es die weisheitsvolle Weltenlenkung eingerichtet, daß der Mensch, so wie er nun einmal ist zwischen Geburt und Tod, nicht wahrnimmt, was da als rhythmisches Leben hinter dem Sinnesteppich liegt? Warum ist der Kopf des Menschen, der verborgene Kopf des Menschen, dem das Lungensystem entspricht, nicht geeignet zu einem entsprechenden Wahrnehmen? Ja, das führt auf eine Wahrheit, welche, man kann sagen, bis in unser Zeitalter von den entsprechenden okkulten Schulen als ein Geheimnis bewahrt worden ist, weil allerdings mit diesem Geheimnis andere Geheimnisse in Verbindung stehen, die nicht enthüllt werden sollen, sollten, bisher. Allein in unserer Zeit ist eben auch die Epoche gekommen, in der solche Dinge zum Bewußtsein der Menschheit gebracht werden müssen.

[ 8 ] The question may be raised—we may put it this way, comparatively and without falling into teleology: Why has the wise guidance of the universe arranged things so that human beings, as they are between birth and death, do not perceive what lies behind the veil of the senses as rhythmic life? Why is the human head—the hidden head of the human being, corresponding to the respiratory system—not suited to such perception? Indeed, this leads to a truth which, one might say, has been kept as a secret by the relevant occult schools right up to our own age, because this secret is connected to other secrets that are not to be, and should not be, revealed—at least not yet. But in our time, the era has finally arrived in which such things must be brought to the consciousness of humanity.

[ 9 ] Die okkulten Schulen, die da oder dort eingerichtet sind, bewahren solche Dinge aus Gründen, die jetzt nicht erörtert werden sollen, vielfach heute noch, obwohl die Dinge heute notwendigerweise an das Menschenbewußtsein herangebracht werden sollen. Aber seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts sind Mittel und Wege gegeben, durch die dasjenige überholt werden kann, was die okkulten Schulen eigentlich vielfach unrechtmäßigerweise zurückhalten. Das hängt zusammen mit dem Ereignis, von dem ich Ihnen gesprochen habe als fallend in den Herbst des Jahres 1879. Wir können nur den äußersten Saum dieses Geheimnisses für diesmal berühren. Allein schon dieser äußerste Saum dieses Geheimnisses gehört zu den bedeutsamsten Erkenntnissen des menschlichen Wesens. Ein Kopf ist es allerdings, den wir da in uns tragen als den Kopf eines zweiten Menschen, ein Kopf ist es — aber was zu diesem Kopf gehört, ist auch ein Leib, und der Leib, der dazugehört, der ist zunächst ein Tierleib. Der Mensch trägt also einen zweiten Menschen in sich: dieser zweite Mensch hat einen richtig ausgebildeten Kopf, aber einen Tierleib daran, einen richtigen Kentaur. Der Kentaur ist schon eine Wahrheit. Er ist eben eine ätherische Wahrheit.

[ 9 ] The occult schools that have been established here and there still preserve such things in many cases today, for reasons that will not be discussed here, even though these things must now necessarily be brought within the reach of human consciousness. But since the last third of the 19th century, means and ways have been available through which what the occult schools—in many cases unjustifiably—withhold can be overcome. This is connected to the event I spoke to you about, which occurred in the fall of 1879. For now, we can only touch upon the very edge of this mystery. This outermost fringe of the mystery alone ranks among the most significant insights into the human being. It is indeed a head that we carry within us as the head of a second human being; it is a head—but what belongs to this head is also a body, and the body that belongs to it is, at first, an animal body. Human beings therefore carry a second human being within themselves: this second human being has a fully developed head, but an animal body attached to it—a true centaur. The centaur is indeed a truth. It is, in fact, an etheric truth.

[ 10 ] Das Bedeutsame ist das, daß in dieser Wesenheit eine verhältnismäßig große Weisheit spielt, eine Weisheit, die sich auf den ganzen kosmischen Rhythmus bezieht. Was der. Kopf sieht, der diesem Kentaur angehört, das ist der kosmische Rhythmus, in dem auch der Mensch als Wesen, das zwischen Tod und neuer Geburt lebt, eingebettet ist. Es ist jener Weltenrhythmus, der hier in dreifacher Weise selbst zahlenmäßig gezeigt worden ist, jener Rhythmus, auf dem viele Geheimnisse des Kosmos beruhen. Dieser Kopf ist viel weiser als unser physischer Kopf. Alle Menschen tragen einen sehr weisen andern Menschen, eben den Kentaur, in sich. Aber zugleich ist dieser Kentaur, trotz seiner Weisheit, ausgerüstet mit allen wilden Instinkten der Tierheit.

[ 10 ] What is significant is that this being possesses a relatively great wisdom—a wisdom that relates to the entire cosmic rhythm. What the head belonging to this centaur perceives is the cosmic rhythm in which human beings, as beings living between death and new birth, are also embedded. It is that rhythm of the worlds, which has itself been demonstrated numerically in three ways here, that rhythm upon which many mysteries of the cosmos are based. This head is far wiser than our physical head. All human beings carry within themselves another, very wise human being—namely, the centaur. But at the same time, despite its wisdom, this centaur is endowed with all the wild instincts of the animal realm.

[ 11 ] Jetzt werden Sie die weise Weltenlenkung verstehen. Sie konnte nicht dem Menschen ein Bewußtsein geben, das auf der einen Seite mächtig ist und den Weltenrhythmus durchschaut, aber auf der andern Seite ungebändigt ist, in wilden Trieben lebend. Aber was in der einen Inkarnation tierisch ist an diesem Kentaur, das wird — halten Sie das, was ich jetzt sage, mit andern Vorträgen zusammen, in denen ich das Thema von einem andern Gesichtspunkte aus beleuchtet habe —, das wird in der nächsten Inkarnation gebändigt, indem er durch die Welt des Weltenrhythmus durchgeht zwischen Tod und neuer Geburt. Was unserem Lungensystem in der gegenwärtigen Inkarnation zugrunde liegt, was da verborgen wird, das erscheint als Ihr physischer Kopf, der dann allerdings herabgedämpft ist zu seinem beschränkten sinnlichen Wissen, und es erscheint in der nächsten Inkarnation als der ganze Mensch nun auch den wilden Trieben nach gebändigt. Was Kentaur in dieser Inkarnation ist, ist der sinnlich wahrnehmende Mensch in der nächsten Inkarnation.

[ 11 ] Now you will understand the wise guidance of the worlds. It could not give human beings a consciousness that is, on the one hand, powerful and able to perceive the rhythm of the worlds, but on the other hand, unbridled and driven by wild impulses. But what is animalistic in this centaur in one incarnation—and please consider what I am about to say in conjunction with other lectures in which I have illuminated this topic from a different perspective—will be tamed in the next incarnation as he passes through the world of the rhythm of the worlds between death and new birth. What underlies our respiratory system in the present incarnation—what is hidden there—appears as your physical head, which is then, however, diminished to its limited sensory knowledge; and in the next incarnation, it appears as the whole human being, now also tamed in regard to its wild impulses. What is a centaur in this incarnation is the sensually perceiving human being in the next incarnation.

[ 12 ] Und jetzt werden Sie ein anderes begreifen. Jetzt werden Sie begreifen, warum ich gesagt habe, daß der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt als unterstes Reich das tierische Reich hat, in dessen Kräften er Meister werden muß. Was muß er denn tun? Woran muß er denn teilnehmen zwischen zwei Inkarnationen? Er muß daran teilnehmen, den Kentauren, das Tierische in ihm für die nächste Inkarnation ins Menschliche umzuwandeln. Dazu sind wirklich Kenntnisse notwendig, welche über die Impulse des ganzen tierischen Reiches sich erstrecken müssen, welche in ihrer Abschwächung atavistisch eigen gewesen sind den Menschen jenes Zeitalters, in dem der Chiron gelebt hat. Wenn auch die Erkenntnisse, von denen der Chiron spricht, Abschwächungen sind dieser Inkarnation, von dieser Art sind sie. Aber Sie sehen den Zusammenhang. Sie sehen, wozu der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt dieses untere Reich braucht, in dem er Meister werden muß: er braucht es, weil er den Kentauren in einen Menschen umwandeln muß.

[ 12 ] And now you will understand something else. Now you will understand why I said that between death and a new birth, the lowest realm for human beings is the animal realm, and they must master its forces. What, then, must they do? In what must he participate between two incarnations? He must participate in transforming the centaur—the animal nature within him—into the human nature for the next incarnation. This truly requires knowledge that must extend across the impulses of the entire animal kingdom—impulses that, in their attenuated form, were atavistically inherent in the people of the age in which Chiron lived. Even though the insights Chiron speaks of are attenuated forms of this incarnation, they are of this nature. But you see the connection. You see why, between death and a new birth, the human being needs this lower kingdom, in which he must become a master: he needs it because he must transform the centaur into a human being.

[ 13 ] Was die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft darbietet, war bis jetzt eigentlich nur in einzelnen Lichtblitzen außerhalb der okkulten Schulen erlangt worden. Aber einzelne Menschen hat es immer gegeben, die auf solche Dinge wie durch Lichtblitze des Lebens gekommen sind. Besonders im 19. Jahrhundert kamen, ich möchte sagen vorahnend, einzelne Geister darauf, daß im Menschen drinnen so etwas mit wildgebändigten Trieben steckt. Es gibt Schriftsteller, die davon sprechen. Und aus der Art, wie sie davon sprechen, sieht man, wie sie erschrocken sind über diese Erkenntnis. Ja, so bequem geistig zu verdauen wie die heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, sobequem sind die hohen Wahrheiten nicht. Diese hohen Wahrheiten haben schon zuweilen die Eigenschaft, daß man vor ihrer Wirklichkeit erschrecken kann. Und es hat Geister im 19. Jahrhundert gegeben, die erschrocken sind, die furchtbar berührt gewesen sind, als sie wahrnahmen, was eigentlich aus dem manchmal verwirrt blickenden Auge des Menschen oder aus sonstigem am Menschen spricht. Einer der Schriftsteller des 19. Jahrhunderts hat sich drastisch ausgedrückt, indem er sagte: Jeder Mensch trägt eigentlich einen Mörder in sich. — Er meinte diesen Kentauren, der ihm unklar zum Bewußtsein gekommen ist.

[ 13 ] What anthroposophically oriented spiritual science offers had, until now, actually only been grasped in isolated flashes of insight outside the occult schools. But there have always been individuals who have come upon such things as if through flashes of light in their lives. Especially in the 19th century, I would say with a sense of foreboding, certain minds came to realize that within human beings lies something akin to wild, yet tamed, instincts. There are writers who speak of this. And from the way they speak of it, one can see how alarmed they are by this realization. Indeed, these higher truths are not as easy to digest intellectually as today’s scientific findings. These higher truths do indeed sometimes have the quality of making one recoil in fear at their reality. And there were minds in the 19th century who were terrified, who were deeply shaken when they perceived what actually speaks from the sometimes bewildered gaze of a human being or from other aspects of the human being. One of the 19th-century writers expressed this starkly when he said: “Every human being actually carries a murderer within.”—He was referring to this centaur that had come into his consciousness in an unclear way.

[ 14 ] Daß auf dem Grunde der Menschennatur Rätselhaftes ist, über das der Mensch sich nach und nach aufklären muß, das ist etwas, was immer wieder und wieder betont werden muß. Mit Mut und Gelassenheit müssen diese Dinge ins Auge gefaßt werden. Aber sie dürfen nicht vertrivialisiert werden, denn sie rücken das Menschheitsbewußtsein an den großen Ernst des Lebens heran. Und den Ernst des Lebens zu durchschauen, das ist dasjenige, was den Menschen vorgesetzt ist für diese Zeit, die da kommt, die jetzt durch so furchtbare Zeichen eingetreten ist.

[ 14 ] The fact that there is something mysterious at the core of human nature—something that people must gradually come to understand—is something that must be emphasized again and again. These things must be faced with courage and composure. But they must not be trivialized, for they bring human consciousness face to face with the profound seriousness of life. And to penetrate the seriousness of life—that is what is set before humanity for this time to come, a time that has now begun amid such terrible signs.

[ 15 ] Dies ist die eine Seite, durch die ich eine gewisse Betrachtung vorbereiten will, die wir dann demnächst fortsetzen werden. Die andere Seite ist die folgende: Der Mensch tritt durch die Todespforte; ich habe ja das letzte Mal davon gesprochen, wie verschieden das ganze Erleben dann wird, indem ich Ihnen angedeutet habe, wie der Verkehr mit einem Toten eigentlich so vor sich geht, daß dasjenige, was man selber ihm mitteilt, wie aus ihm spricht, und dasjenige, was er einem mitteilt, wie aus den Tiefen des eigenen Wesens heraus spricht. Es kehrt sich geradezu das gegenseitige Verhältnis um im Verkehr mit dem Toten. Wenn Sie hier mit einem Menschen verkehren, da sprechen Sie. Sie hören sich dasjenige sprechen, was Sie dem andern mitteilen. Von ihm hören Sie dasjenige, was er Ihnen mitteilt. Wenn Sie mit dem Toten sich verständigen, dann dringt aus Ihrer eigenen Seele herauf dasjenige, was er sagt, und wie durch ein Echo tönt von ihm zurück Ihnen entgegen, was Sie ihm mitgeteilt haben. An sich nehmen Sie es gar nicht wahr, was Sie ihm mitgeteilt haben: an ihm nehmen Sie es wahr. Das wollte ich nur als ein Beispiel angeben für den radikalen Unterschied, der da besteht zwischen der physischen Welt hier, in der wir zwischen Geburt und Tod leben, und der Welt, in der wir leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 15 ] This is one aspect through which I wish to lay the groundwork for a certain line of thought, which we will then continue shortly. The other aspect is as follows: A person passes through the gate of death; as I mentioned last time, the entire experience then becomes quite different, for I hinted to you that communication with a deceased person actually proceeds in such a way that what one communicates to them seems to speak from within them, and what they communicate to you seems to speak from the depths of your own being. The mutual relationship is virtually reversed in communication with the deceased. When you interact with a living person here, you speak. You hear yourself saying what you are communicating to the other person. From them, you hear what they are communicating to you. When you communicate with the dead, what they say rises up from your own soul, and what you have communicated to them echoes back to you from them. In and of itself, you do not perceive what you have communicated to them; rather, you perceive it in them. I wanted to give this merely as an example of the radical difference that exists between the physical world here, in which we live between birth and death, and the world in which we live between death and a new birth.

[ 16 ] Hinein schauen wir, indem wir diese Welt von der einen Seite anschauen: indem wir den Sinnesteppich durchschauen, schauen wir in den Rhythmus der Welt. Aber dieser Rhythmus hat zwei Seiten. Ich will Ihnen diese zwei Seiten des Rhythmus schematisch dadurch darstellen, daß ich vielleicht eine Anzahl von Sternen, sagen wir Planeten zunächst, hier aufzeichne (rot). Das sei eine Anzahl von Sternen, Planeten. Meinetwillen sei das das Planetensystem, das zu unserer Erde gehört. Der Mensch geht durch dieses Planetensystem durch in der Zeit, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegt. Es gibt einen Zyklus von Vorträgen, der gedruckt ist, in dem Sie sich über diese Dinge unterrichten können. Der Mensch geht durch das System durch. Aber indem er durch das, was noch sichtbare Welt ist, durchgeht, kommt er in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt auch in die Welt, die nicht mehr sichtbar ist, die nicht einmal räumlich ist. Da redet man allerdings von schwierigen Dingen, weil der Mensch gewohnt ist, nach den Erfahrungen hier in der physischen Welt, wo er sich überhaupt etwas vorstellt, sich Räumliches vorzustellen. Aber es liegt eine Welt jenseits des Sinnlich-Wahrnehmbaren, die allerdings nicht mehr räumlich ist. Ich kann sie schematisch nur räumlich ausdrücken.

[ 16 ] We look into it by viewing this world from one side: by looking through the tapestry of the senses, we look into the rhythm of the world. But this rhythm has two sides. I would like to illustrate these two sides of the rhythm schematically by first drawing a number of stars—let’s say planets—here (in red). Let these be a number of stars, planets. For the sake of argument, let this be the planetary system to which our Earth belongs. The human being passes through this planetary system during the time that lies between death and a new birth. There is a series of lectures, now in print, where you can learn about these things. The human being passes through the system. But as they pass through what is still the visible world, they also enter—in the time between death and a new birth—the world that is no longer visible, that is not even spatial. These are difficult concepts to discuss, however, because human beings are accustomed—based on their experiences here in the physical world, where they can imagine anything at all—to conceiving of things in spatial terms. But there is a world beyond what is perceptible to the senses, one that is, however, no longer spatial. I can only express it schematically in spatial terms.

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[ 17 ] Die Alten haben gesagt: Jenseits der Planeten liegt der Fixsternhimmel — das ist zwar verkehrt gesagt, darauf kommt es aber jetzt nicht an — und jenseits davon liegt nun die übersinnliche Welt. — Die Alten stellten sie räumlich dar, aber das ist nur eine bildliche Vorstellung davon (siehe Zeichnung, blau).

[ 17 ] The ancients said: Beyond the planets lies the fixed-star sky—though that is not strictly accurate, it doesn’t matter now—and beyond that lies the supersensible world. — The ancients depicted it spatially, but that is only a figurative representation of it (see drawing, blue).

[ 18 ] Ist der Mensch eingetreten in diese übersinnliche Welt in der Zeit, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegt, dann kann man sagen, trotzdem das auch wieder bildlich gesprochen ist, der Mensch befindet sich dann jenseits der Sterne, und die Sterne selbst dienen ihm zu einer Art von Lesen. Also die Sterne dienen dem Menschen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zu einer Art von Lesen. Machen wir uns das ganz klar, wie das ist. Wie lesen wir, wenn wir hier auf der Erde lesen? Wenn wir hier auf der Erde lesen, haben wir ungefähr zwölf Konsonanten und sieben Vokale mit verschiedenen Nuancen. Diese Buchstaben setzen wir in der mannigfaltigsten Weise zu Worten zusammen. Wir werfen sie durcheinander, die Buchstaben. Stellen Sie sich vor, wie der Setzer im Setzkasten die Dinge durcheinander wirft, damit Worte daraus werden. Aus den bestimmten Buchstaben, die wir haben, werden ja alle Worte. Was für den Menschen, der hier auf dem physischen Plane ist, diese Buchstaben sind, diese ungefähr zwölf Konsonanten und sieben Vokale mit den verschiedenen Nuancen, das sind für den Toten die Fixsterne des Tierkreises und die Planeten. Die Fixsterne des Tierkreises sind die Konsonanten und die Planeten sind die Vokale. Ist man jenseits des Sternenhimmels, dann sieht man peripherisch. Der Mensch sieht zentral, wenn er zwischen der Geburt und dem Tode ist; er hat hier sein Auge, und dann sieht er so ausstrahlend nach verschiedenen Punkten hin. Es ist am schwersten vorzustellen, daß das umgekehrt ist nach dem Tode: da sieht man peripherisch. Man ist eigentlich im Umkreise und man sieht von außen die Sterne des Tierkreises, die Konsonanten, und die Planeten, die Vokale. Und so sieht man von außen herein auf das, was auf der Erde vorgeht. Und je nachdem man irgendeinen Teil seines Wesens belebt, sieht man — Sie müssen sich jetzt das nicht von der Erde aus denken, sondern umgekehrt, auf die Erde herunterschauend — durch den Stier und Mars auf die Erde nieder, oder Sie sehen durch den Stier durch zwischen Mars und Jupiter. Sie lesen, indem Sie als Toter die Erde umkreisen, Sie lesen mit Hilfe des Sternensystems. Nur müssen Sie sich dieses Lesen jetzt etwas anders vorstellen. Nicht wahr, wir könnten auch anders lesen, nur wäre es nicht technisch so bequem eingerichtet wie unser gegenwärtiges Lesesystem. Man könnte auch anders lesen. Man könnte so lesen, daß wir die Buchstaben hintereinander haben: a, b, c, d, e, f, g und so weiter oder nach einem andern System — und statt daß wir sie im Setzkasten um und um werfen, könnten wir so lesen, daß, wenn zum Beispiel «der» gelesen werden soll, ein Lichtstrahl fällt auf das «der»; soll «geht» gelesen werden, fällt ein Lichtstrahl auf «geht». Es könnte also die Reihenfolge der Buchstaben erst da sein, und sie könnten so hintereinander beleuchtet sein. Es wäre technisch nicht so bequem, aber Sie könnten sich immerhin ein Erdenleben vorstellen, in dem das Lesen so bewerkstelligt würde, daß man vor sich nimmt ein Alphabet, und dann gäbe es irgendeine Vorrichtung, durch die immer beleuchtet wird ein Buchstabe; dann liest man hintereinander die Aufeinanderfolge der beleuchteten Buchstaben — und es hat den Goetheschen «Faust» ergeben. Das ist natürlich nicht so ohne weiteres vorzustellen, doch eine Möglichkeit gibt es, sich so es vorzustellen, nicht wahr?

[ 18 ] Once a person has entered this supersensible world during the time between death and a new birth, one can say—even though this is again a figurative expression—that the person is then beyond the stars, and the stars themselves serve as a kind of reading material for them. So the stars serve as a kind of reading material for the human being between death and a new birth. Let’s be very clear about what this means. How do we read when we read here on Earth? When we read here on Earth, we have about twelve consonants and seven vowels with various nuances. We combine these letters into words in the most diverse ways. We jumble them up, the letters. Imagine how a typesetter jumbles things up in the type case so that they become words. After all, all words are formed from the specific letters we have. What these letters are for a person here on the physical plane—these roughly twelve consonants and seven vowels with their various nuances—are, for the dead, the fixed stars of the zodiac and the planets. The fixed stars of the zodiac are the consonants, and the planets are the vowels. Once one is beyond the starry sky, one sees peripherally. A person sees centrally while between birth and death; their eye is here, and from there they gaze outward toward various points. It is hardest to imagine that this is reversed after death: there, one sees peripherally. One is actually on the periphery and sees from the outside the stars of the zodiac—the consonants—and the planets—the vowels. And so one looks in from the outside at what is happening on Earth. And depending on which part of one’s being one activates, one sees—you must not imagine this from Earth’s perspective, but rather the other way around, looking down upon Earth—through Taurus and Mars down to Earth, or you see through Taurus, between Mars and Jupiter. You read as you, as a deceased person, circle the Earth; you read with the help of the star system. Only you must now imagine this reading somewhat differently. After all, we could also read differently; it just wouldn’t be as technically convenient as our current reading system. One could also read differently. One could read in such a way that we have the letters in sequence: a, b, c, d, e, f, g, and so on, or according to some other system—and instead of tossing them back and forth in the type case, we could read in such a way that, for example, when “der” is to be read, a beam of light falls on the “der”; if “geht” is to be read, a beam of light would fall on “geht.” So the order of the letters could come last, and they could be illuminated one after another in that sequence. It wouldn’t be very convenient technically, but you could at least imagine a life on Earth in which reading would be accomplished in such a way that one takes an alphabet, and then there would be some kind of device that always illuminates one letter at a time; then one reads the sequence of illuminated letters one after another—and it would result in Goethe’s Faust. Of course, this isn’t easy to imagine, but there is a way to picture it, isn’t there?

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[ 19 ] Aber so liest der Tote mit Hilfe des Sternensystems: Die Fixsterne stehen fest, und er bewegt sich, denn er ist in der Bewegung drinnen. Die Fixsterne stehen fest, er bewegt sich. Soll er den Löwen über dem Jupiter lesen, so bewegt er sein Wesen so, daß ihm der Löwe über dem Jupiter steht, wie wir «der» lesen, indem wir das d mit dem e zusammenbringen und so weiter. Dieses Lesen der Erdenverhältnisse aus dem Kosmos — wozu der unsichtbare Kosmos gehört — besteht also darinnen, daß das, was geistig den Sternen zugrunde liegt, von den Toten gelesen werden kann. Nur ist das ganze System auf Ruhe eingerichtet; dieses ganze göttliche System des Lesens vom Kosmos herein ist auf Ruhe eingerichtet. Was heißt das? Das heißt: Eigentlich sollten nach den Intentionen gewisser Wesen der höheren Hierarchien die Planeten ruhig sein, sollten eine ruhige Form abgeben. Dann würde bloß das Wesen, das sich draußen lesend verhält, in Bewegung sein. Es würde vom Weltenall aus auf der Erde unbedingt richtig gelesen werden können, wenn die Planeten in Ruhe wären, eine ruhende Lage hätten.

[ 19 ] But this is how the dead man reads with the help of the star system: The fixed stars remain stationary, and he moves, for he is within the movement. The fixed stars remain stationary; he moves. If he is to read the Lion above Jupiter, he moves his being in such a way that the Lion stands above Jupiter for him, just as we read “der” by bringing the “d” together with the “e,” and so on. This reading of earthly conditions from the cosmos—which includes the invisible cosmos—thus consists in the fact that what spiritually underlies the stars can be read by the dead. However, the entire system is designed for stillness; this entire divine system of reading from the cosmos is designed for stillness. What does that mean? It means: According to the intentions of certain beings of the higher hierarchies, the planets should actually be still, should present a still form. Then only the being that behaves as a reader from the outside would be in motion. It would be possible to read the Earth correctly from the cosmos if the planets were at rest, if they were in a state of stillness.

[ 20 ] Das sind sie nicht! Warum sind sie es nicht? Sie wären es, wenn die Weltenschöpfung so gegangen wäre, daß die Geister der Form, die Exusiai nach unserer Benennung, die Welt allein zustande gebracht hätten. Doch es beteiligten sich, hereingreifend in die Welt, luziferische Geister, wie Sie wissen. Luziferische Geister brachten das, was Gesetz war während der Mondengestalt der Erde — wo gewisse Dinge, die dann übergingen in die Macht der Geister der Form, den Geistern der Bewegung unterstanden —, dieses System der Bewegung herüber aus der Mondenzeit der Erde: sie brachten die Planeten in Bewegung. Daß die Planeten in bestimmter Bewegung sind, ist ein Luziferisches im Weltenraum. Das bringt in einer gewissen Beziehung in die elohimistische Ordnung Unruhe hinein; das bringt in das Weltenall, in den Kosmos ein luziferisches Element hinein. Es ist das jenes luziferische Element, das der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt kennenlernen muß; gerade dadurch kennenlernen muß, daß er lernt abzuziehen gewissermaßen von dem, was er liest, das, was aus der Bewegung der Planeten, der Irr- oder Wandelsterne kommt. Das muß er abziehen, das muß er abrechnen; dann bekommt er das Richtige zustande.

[ 20 ] They are not! Why are they not? They would be if the creation of the world had proceeded in such a way that the spirits of form—the Exusiai, as we call them—had brought the world into being on their own. But, as you know, Luciferic spirits intervened, interfering in the world. Luciferic spirits brought over from the Earth’s lunar phase—during which certain things, which later passed into the power of the spirits of form, were subject to the spirits of motion—this system of motion: they set the planets in motion. The fact that the planets are in a specific motion is a Luciferic element in the cosmos. In a certain sense, this introduces unrest into the Elohimic order; it introduces a Luciferic element into the cosmos. It is precisely this Luciferic element that human beings must come to know between death and a new birth; they must come to know it precisely by learning to subtract, as it were, from what they perceive, that which arises from the movement of the planets, the wandering or changing stars. They must subtract this, they must account for it; only then will they arrive at the truth.

[ 21 ] Man lernt in der Tat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt viel kennen über das Walten und Weben des Luziferischen im Kosmos. Und solche Dinge, wie der Gang der Wandelsterne, der Gang der Planeten, hängen mit Luziferischem zusammen.

[ 21 ] One does indeed learn a great deal between death and a new birth about the workings and interplay of the Luciferic forces in the cosmos. And such things as the course of the variable stars and the course of the planets are connected with the Luciferic forces.

[ 22 ] Das ist die andere Seite, auf die ich habe aufmerksam machen wollen. Sie sehen aber daraus, wie jenes andere Leben, das wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, mit unserem hiesigen Leben zusammenhängt. Man möchte sagen, die Welt hat zwei Seiten. Hier zwischen der Geburt und dem Tode sieht man die eine Seite durch die Sinne. Von der abgewendeten Seite aus schaut man sie mit dem Seelenauge an in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Und zwischen dem Tod und einer neuen Geburt lernt man die Verhältnisse hier im Irdischen mit denen der geistigen Welt zusammenhängend lesen.

[ 22 ] This is the other side I wanted to draw your attention to. But you can see from this how that other life—the one we live between death and a new birth—is connected to our life here. One might say that the world has two sides. Here, between birth and death, we perceive one side through the senses. From the other side, we view it with the eye of the soul during the time between death and a new birth. And between death and a new birth, we learn to interpret the conditions here on Earth in relation to those of the spiritual world.

[ 23 ] Man mache sich so etwas nur ganz klar, man versuche, sich hineinzuversetzen in diese Verhältnisse. Man wird sich gestehen müssen, daß es allerdings eine tiefe Bedeutung hat, wenn man davon spricht, daß die Welt, die der Mensch zunächst durch seine Sinne und durch seinen Verstand kennenlernt, eine Maja ist. Sobald man an die wirkliche Welt herantritt, verhält sich allerdings die Welt, die man kennt, zu dieser wirklichen Welt so, wie das, was im Spiegel drinnen erscheint, zu dem sich verhält, was vor dem Spiegel ist als Lebendiges und sich im Spiegel bloß spiegelt.

[ 23 ] Let us be very clear about this; let us try to put ourselves in these circumstances. We will have to admit that there is indeed a profound meaning to the statement that the world, which human beings initially come to know through their senses and their intellect, is a maya. As soon as one approaches the real world, however, the world one knows relates to this real world in the same way that what appears inside a mirror relates to what is in front of the mirror—as something living that is merely reflected in the mirror.

[ 24 ] Nun, wenn Sie hier einen Spiegel haben und dadrinnen sind verschiedene Gestalten, so weist das darauf hin, daß außerhalb des Spiegels Gestalten da sind, die sich spiegeln. Nehmen Sie an, Sie schauen in den Spiegel hinein als unbeteiligter Zuschauer. (Es wird gezeichnet.) Die zwei Gestalten, die ich da aufgezeichnet habe, die prügeln sich, das sehen Sie, die prügeln sich. Das weist zwar darauf hin, daß diejenigen Gestalten, die sich spiegeln, irgend etwas tun, aber Sie werden nicht behaupten dürfen, daß die Gestalt A im Spiegel dadrinnen die Gestalt B im Spiegel dadrinnen durchprügelt. Was da im Spiegel drinnen erscheint, das gibt das Bild des Prügelns, weil die Gestalten außer dem Spiegel irgend etwas tun. Sind Sie der Meinung, daß die Gestalt A, die da im Spiegel drinnen ist als Spiegelbild, der Gestalt B, die im Spiegel drinnen ist, etwas antut, dann sind Sie in einer ganz irrtümlichen Meinung befangen. Sie können nicht Beziehungen, Verhältnisse aufstellen zwischen den Spiegelbildern, sondern Sie können nur sagen: Das, was sich in den Spiegelbildern ausdrückt, das weist hin auf irgend etwas in der Welt der Wirklichkeit, die sich spiegelt. — Aber die Welt, die der Mensch als gegebene hat, ist ein Spiegel, ist eine Maja, und in dieser Welt redet der Mensch von Ursachen und Wirkungen. Wenn Sie in dieser Welt von Ursachen und Wirkungen reden, so ist das gerade so, wie wenn Sie glauben würden, daß das Spiegelbild A dadrinnen das Spiegelbild B durchprügelt. In den wirklichen Wesen, die sich spiegeln, geschieht etwas; aber in dem Spiegelbild A, in dem Spiegelbild B liegen nicht die Impulse des Sich-Prügelns.

[ 24 ] Well, if you have a mirror here and there are various figures inside it, that indicates that there are figures outside the mirror that are being reflected. Suppose you look into the mirror as an uninvolved observer. (A drawing is made.) The two figures I’ve drawn there are fighting—as you can see, they’re fighting. While this does indicate that the figures reflected in the mirror are doing something, you cannot claim that Figure A inside the mirror is beating up Figure B inside the mirror. What appears in the mirror is an image of the fight because the figures outside the mirror are doing something. If you believe that Figure A, who is in the mirror as a reflection, is doing something to Figure B, who is also in the mirror, then you are laboring under a completely mistaken belief. You cannot establish relationships or connections between the mirror images; rather, you can only say: What is expressed in the mirror images points to something in the world of reality that is being reflected. — But the world that humans have as a given is a mirror, is a Maya, and in this world, humans speak of causes and effects. When you speak of causes and effects in this world, it is exactly as if you believed that reflection A inside there is beating up reflection B. Something happens in the real beings that are reflected; but the impulses of the beating do not lie within reflection A or reflection B.

[ 25 ] Gehen Sie die ganze Naturordnung durch: sie ist zunächst, so wie sie den Sinnen erscheint, eine Maja, ein Spiegelndes, ein Gespiegeltes. Die Wirklichkeit liegt unter der Grenze, die ich angegeben habe, die zwischen dem Vorstellungsleben und dem Gefühlsleben liegt. Selbst Ihre eigene Wirklichkeit ist in dem, was das wache Bewußtsein enthält, gar nicht einmal drinnen. Aber diese eigene Wirklichkeit ist in der Geistwirklichkeit drinnen, in welche die träumende und schlafende Gefühls- und Willenskraft hinuntertaucht. Also von ursächlicher Notwendigkeit in der Maja zu sprechen, ist, wie Sie sehen, ein Unding; ein Unding auch, in der historischen Folge der Ereignisse von Ursache und Wirkung zu sprechen. Ein Unding! Zu dem, was ich gesagt habe, füge ich hinzu, daß es ein Unding ist, zu sagen, die Ereignisse von 1914 sind eine Folge der Ereignisse von 1913,1912 und so weiter. Das ist geradeso gescheit, wie wenn man sagen würde: Ach, dieser A im Spiegel, der ist ein schlechter Kerl, der haut den B dadrinnen durch! — Auf die wahre Wirklichkeit zu gehen, das ist das, worauf es ankommt. Und die wahre Wirklichkeit liegt unter der Schwelle, die überschritten wird nach unten von unserer Gefühls- und Willenswelt, die aber nicht in das gewöhnliche wachende Bewußtsein tritt. Und da lebt auch der Kentaur, von dem ich gesprochen habe.

[ 25 ] Examine the entire natural order: as it first appears to the senses, it is a maya, a reflection, something mirrored. Reality lies beyond the boundary I have indicated, which lies between the life of the imagination and the life of feeling. Even your own reality is not even contained within what waking consciousness encompasses. But this reality of your own is contained within spiritual reality, into which the dreaming and sleeping powers of feeling and will plunge. So, as you can see, to speak of causal necessity within Maya is an absurdity; it is also an absurdity to speak of cause and effect in the historical sequence of events. An absurdity! To what I have said, I would add that it is an absurdity to say that the events of 1914 are a consequence of the events of 1913, 1912, and so on. That is just as sensible as saying: “Oh, that A in the mirror—he’s a bad guy; he’s beating up B in there!” — To get to the true reality—that is what matters. And the true reality lies beneath the threshold that is crossed downward from our world of feeling and will, but which does not enter ordinary waking consciousness. And that is also where the centaur I spoke of lives.

[ 26 ] Sie sehen, daß man den Begriff: Irgend etwas mußte geschehen — Irgend etwas war notwendig — anders fassen muß, als man ihn in der gewöhnlichen Geschichte oder gar in der Naturwissenschaft faßt; daß man die Frage aufwerfen muß: Welches sind die wirklichen Wesen, die dasjenige, was in einem späteren Zeitpunkte auf einen früheren folgt, hervorgebracht haben? — Die sogenannten historischen Ereignisse von vorher sind nur Spiegelbilder, die können das nicht bewirken, was nachher geschieht.

[ 26 ] You can see that the notion—“Something had to happen” or “Something was necessary”—must be understood differently than it is in conventional history or even in the natural sciences; that one must raise the question: What are the real entities that brought about the fact that what occurs at a later point in time follows what occurred at an earlier one? — The so-called historical events of the past are merely reflections; they cannot bring about what happens afterward.

[ 27 ] Das ist aber wiederum die eine Seite der Sache. Die andere wird Ihnen klar, wenn Sie bedenken, daß eigentlich im Vorstellungs- und Sinnesleben der wachen Wirklichkeit nur ein Spiegel des wahren Lebens, eine Maja gegeben ist. Diese Maja kann aber nichts bewirken. Diese Maja kann nicht im Stande einer Causa sein, irgendeine wirkliche Ursache sein. Der Mensch ist aber in der Lage, sich von seinen reinen Vorstellungen zu Handlungen bestimmen zu lassen. Das ist eine Erfahrungstatsache des Lebens, wenn der Mensch nicht durch Leidenschaften, Triebe, Begierden, sondern durch reine Vorstellungen getrieben wird. Das kann sein, und das ist möglich; der Mensch kann sich von reinen Idealen, von reinen Ideen impulsieren lassen. Aber die können selbst nichts bewirken. Ich kann also eine Handlung ausführen unter dem Einfluß einer reinen Idee; aber die Idee kann nichts bewirken.

[ 27 ] But that, in turn, is only one side of the matter. The other side will become clear to you when you consider that, in the life of the imagination and the senses, waking reality is actually only a mirror of true life—a Maya. But this Maya cannot bring about anything. This Maya cannot be a cause; it cannot be any real cause. Human beings, however, are capable of allowing their pure ideas to guide their actions. This is an empirical fact of life: when a person is driven not by passions, instincts, or desires, but by pure ideas. This can happen, and it is possible; a person can be motivated by pure ideals, by pure ideas. But these ideas themselves cannot bring about anything. So I can perform an action under the influence of a pure idea; but the idea itself cannot bring about anything.

[ 28 ] Vergleichen Sie noch einmal, um das einzusehen, die Idee mit einem Spiegelbild. Ja, das Bild im Spiegel, das kann nicht bewirken, daß Sie davonlaufen. Es muß Ihnen nicht gefallen, oder es muß etwas sein, was gar nicht mit dem Spiegelbild in irgendeiner Beziehung steht, wenn Sie davonlaufen. Das Spiegelbild selbst kann nicht eine Peitsche nehmen und bewirken, daß Sie davonlaufen. Das kann keine Causa sein. Wenn aber der Mensch unter dem Einfluß seiner Spiegelbilder, also seiner Ideen handelt, dann handelt er aus der Maja heraus, handelt er eben aus dem Weltenspiegel heraus: Er muß es sein, der handelt, deshalb handelt er dann frei. Wenn er seinen Leidenschaften folgt, handelt er nicht frei; nicht einmal, wenn er seinen Gefühlen folgt, handelt er frei. Wenn er seinen Vorstellungen, die bloß Spiegelbilder sind, folgt, handelt er frei. Aus diesem Grunde ist es, warum ich in der «Philosophie der Freiheit» ausgeführt habe, daß der Mensch, wenn er reinen Ideen folgt, dem reinen Denken folgt, ein frei handelndes Wesen ist, weil reine Ideen eben nichts bewirken können, also das Bewirken von anderswoher kommen muß. Ich habe diese Sache mit diesem Bilde noch einmal durchgeführt in meinem Buche «Vom Menschenrätsel». Gerade weil dasjenige, was uns zunächst umgibt, eine Maja ist, die nichts bewirken kann, wir aber unter dem Einflusse dieser Maja handeln, sind wir freie Menschenwesen. Unsere Freiheit beruht darauf, daß unsere Wahrnehmungswelt Maja ist. Unser Wesen vermählt sich mit der Maja und ist dadurch ein freies Wesen. Wäre die Welt, die wir wahrnehmen, Wirklichkeit, dann würde diese Wirklichkeit uns zwingen, dann wären wir nicht freie Wesen. Wir sind freie Wesen gerade deshalb, weil die Welt, die wir wahrnehmen, nicht eine Wirklichkeit ist, daher uns auch nicht zwingen kann, ebensowenig wie uns ein Spiegelbild zwingen kann davonzulaufen. Darinnen beruht das Geheimnis des freien Menschen, daß man den Zusammenhang einsieht zwischen der Wahrnehmungswelt als einer Maja, der bloßen Spiegelung einer Wirklichkeit, und dem Impulsieren des Menschen durch sich selbst. Der Mensch muß sich selber impulsieren, wenn dasjenige, unter dessen Eindruck er handelt, ihn eben nicht bestimmt.

[ 28 ] To understand this, compare it once again to the idea of a reflection. Yes, the image in the mirror cannot cause you to run away. It doesn’t have to please you, or it has to be something that has absolutely no connection to the mirror image at all for you to run away. The mirror image itself cannot pick up a whip and cause you to run away. That cannot be the cause. But when a person acts under the influence of his mirror images—that is, his ideas—then he acts out of Maya; he acts, in fact, out of the mirror of the world: It must be he who acts; therefore, he acts freely. When he follows his passions, he does not act freely; not even when he follows his feelings does he act freely. When he follows his ideas—which are merely mirror images—he acts freely. This is why I explained in The Philosophy of Freedom that when a person follows pure ideas—that is, pure thought—he is a freely acting being, because pure ideas cannot bring about anything; thus, the bringing about must come from elsewhere. I elaborated on this point using this same image once again in my book The Riddle of Man. Precisely because what initially surrounds us is a Maya that can bring about nothing, yet we act under the influence of this Maya, we are free human beings. Our freedom rests on the fact that our world of perception is Maya. Our being unites with Maya and is thereby a free being. If the world we perceive were reality, then that reality would compel us, and we would not be free beings. We are free beings precisely because the world we perceive is not reality; therefore, it cannot compel us, any more than a mirror image can compel us to run away. Herein lies the secret of the free human being: in recognizing the connection between the perceived world as Maya—the mere reflection of a reality—and the human being’s self-impulsion. The human being must impel himself if that which influences his actions does not, in fact, determine him.

[ 29 ] Die Freiheit läßt sich streng beweisen, wenn man diesen Beweis auf der Grundlage sucht, daß die Welt, so wie sie als Wahrnehmung gegeben ist, ein Spiegelbild ist und nicht eine Wirklichkeit.

[ 29 ] Freedom can be rigorously proven if one bases this proof on the premise that the world, as it is given in perception, is a reflection and not a reality.

[ 30 ] Das sind die vorbereitenden Ideen, die ich Ihnen mitteilen wollte über dasjenige, was auf dem Grunde der Menschennatur liegt. Was Wirklichkeiten wahrnehmen würde, aber zur Wahrnehmung in einer Inkarnation noch nicht reif ist, sondern abgeschwächt erst in der nächsten Inkarnation Mensch wird, der Kentaur würde Wahrheit, würde Wirklichkeit wahrnehmen; aber der Kentaur nimmt eben noch nicht wahr. Dasjenige, was heute wahrgenommen wird, ist noch keine Wirklichkeit. Aber der Mensch kann sich bestimmen lassen durch dasjenige in seinem Wesen, was nicht mehr — oder noch nicht — ein Kentaur ist: dann handelt er als ein freies Wesen. Das Geheimnis unserer Freiheit hängt innig zusammen mit der Bändigung unserer Kentaurennatur. Unsere Kentaurennatur verhält sich so zu uns, daß sie angekettet, gefesselt ist, damit wir nicht die Wirklichkeit des Kentauren, sondern eine bloße Maja wahrnehmen. Wenn wir uns durch die Maja impulsieren, sind wir frei.

[ 30 ] These are the preliminary ideas I wanted to share with you regarding what lies at the very foundation of human nature. The centaur—which would perceive realities but is not yet mature enough to do so in one incarnation, and which only becomes human in a weakened form in the next incarnation—would perceive truth and reality; but the centaur does not yet perceive. What is perceived today is not yet reality. But human beings can allow themselves to be guided by that part of their being which is no longer—or not yet—a centaur: then they act as free beings. The mystery of our freedom is intimately connected with the taming of our centaur nature. Our centaur nature relates to us in such a way that it is chained and bound, so that we perceive not the reality of the centaur, but merely Maya. When we are driven by Maya, we are free.

[ 31 ] Das ist von dieser Seite aus gesehen. Von der andern Seite lernen wir erkennen die Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, indem dasjenige, was uns sonst als Kosmos umgibt, zusammenschrumpft zu einem Lesemittel im Kosmos, dessen Abglanz hier die physischen Buchstaben sind. Daß mehr Buchstaben heute vorhanden sind in den Sprachen — die finnische Sprache hat heute noch immer bloß zwölf Konsonanten —, das ist nur, weil Nuancen geschaffen werden; aber im wesentlichen gibt es zwölf Konsonanten und sieben mit verschiedenen Nuancen behaftete Vokale. Die verschiedenen Nuancen der Vokale sind dasjenige, was als Luziferisches dazugekommen ist. Was die Vokale in Bewegung bringt, das entspricht der Planetenbewegung.

[ 31 ] This is how it appears from this perspective. From the other perspective, we come to recognize the world between death and a new birth, as that which otherwise surrounds us as the cosmos shrinks into a means of reading within the cosmos, the physical letters being its reflection here. The fact that there are more letters in languages today—the Finnish language still has only twelve consonants—is merely because nuances have been created; but essentially there are twelve consonants and seven vowels imbued with various nuances. The various nuances of the vowels are what has been added as Luciferic. What sets the vowels in motion corresponds to planetary motion.

[ 32 ] Sie sehen den Zusammenhang desjenigen, was im Kleinen im Menschenleben spielt: das Lesen, der Zusammenhang zwischen dem Lesen der Buchstaben, die wir hier auf dem Papiere haben, und demjenigen, was im Kosmos draußen lebt. Der Mensch ist aus dem Kosmos heraus geboren, nicht bloß wiederum eine Wirkung desjenigen, was ihm in der Vererbung vorangegangen ist.

[ 32 ] You see the connection between what takes place on a small scale in human life—reading—and the connection between reading the letters we have here on paper and what exists out there in the cosmos. Human beings are born out of the cosmos; they are not merely another effect of what preceded them through heredity.

[ 33 ] Das sind so einige Grundlagen, um allmählich zu dem wirklichen Begreifen von Freiheit und Notwendigkeit von historischem, sozialem und ethisch-moralischem Geschehen zu kommen.

[ 33 ] These are some of the fundamentals needed to gradually arrive at a true understanding of freedom and necessity in historical, social, and ethical-moral events.