Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180
25 December 1917, Dornach
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Mystery Truths and Christmas Impulses, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Es wird Ihnen allen wohl der Gedanke naheliegen, der in eine Frage gekleidet werden kann: Wie ist es denn eigentlich zugegangen, daß im Gefolge der Ereignisse, wie wir sie betrachtet haben, die materialistische Denkungsart der Menschen gerade die Form angenommen hat, die wir heute als alle menschlichen Impulse durchdringend bemerken können? Man muß unbefangen betrachten das, was als Ingredienzien hineingeflossen ist in das Geistesleben der neueren Zeit, unbeeinflußt durch das, was die landläufige Geschichtsauffassung historische Notwendigkeit nennt. Man muß die Blicke gerade auf diejenigen Ereignisse lenken, welche lichtbringend und aufklärend sind für das, was erlebt wird.
[ 1 ] You will all likely be familiar with the thought that can be phrased as a question: How did it actually come to pass that, in the wake of the events we have considered, the materialistic way of thinking among people took on precisely the form that we can observe today as permeating all human impulses? One must view impartially the elements that have flowed into the spiritual life of modern times, uninfluenced by what the conventional view of history calls “historical necessity.” One must direct one’s gaze precisely toward those events that shed light on and clarify what is being experienced.
[ 2 ] Nun können wir sagen, daß zu all den wichtigen Umschwüngen, die sich in der neueren Zeit vollzogen haben, auch der gehört, der in gewisser Beziehung eine Art Nachzügler älterer Umwälzungen ist: daß mit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts eigentlich der europäischen Menschheit alles Verständnis für das Mysterienwesen verlorengegangen ist. Ich habe schon im Laufe dieser Betrachtungen flüchtig darauf hingedeutet, daß ins 18. Jahrhundert noch hineinragt die Vorstellungsweise Saint- Martins, dessen Anschauung durch ihn und durch den allgemeinen Zeitimpuls im 18. Jahrhundert eine breitere Wirkung hatte, daß aber Saint-Martins Anschauungen und Vorstellungsarten im 19. Jahrhundert ganz zurückgegangen sind. Man braucht sich nur an eines zu erinnern mit Bezug auf die Vorstellungsart Saint-Martins, so wird man sogleich bemerken den radikalen Unterschied einer solchen Vorstellungsweise von alldem, was zum Beispiel die Gegenwart zu denken und zu empfinden imstande ist. Saint-Martin spricht in seinem bedeutsamen Werke von den Irrtümern und der Wahrheit, «Des erreurs et de la verité», unter anderem auch von einem Ereignis in der Erdenentwickelung, das sich aber zugetragen hat, bevor der Mensch zur physischen Menschwerdung gekommen ist. Saint-Martin spricht gewissermaßen rückblickend von einem bedeutsamen, man möchte sagen kosmischen Vergehen der Gesamtmenschheit, bevor der Mensch in die physische Menschwerdung gekommen ist. Bedeutsam ist dieses deshalb, weil man daraus sieht, daß Saint-Martins Gesinnungs- und Vorstellungsgenossen den weiten Blick noch hatten, über die physische Menschenwelt hinauszusehen auf Geistiges, wodurch dann die Möglichkeit geboten wird, auch zu sprechen über dasjenige, was mit der Entwickelung der Menschheit einen andern Zusammenhang hat als das, was bloß im Physischen beschlossen ist. Saint-Martin, der in gewisser Beziehung ein Nachfolger Jakob Böhmes war, hatte zwar einige Jünger, über die ganze gebildete Welt verbreitet auch im 19. Jahrhundert, und hat sie bis in die neueste Zeit gehabt. Aber man kann nicht sagen, daß das Zeitbewußtsein im 19. Jahrhundert noch beeinflußt gewesen wäre von solchen Impulsen, wie sie bei Saint-Martin gefunden werden, und man kann durchaus sagen, daß solche Ausblicke nach der geistigen Welt, wie sie noch bei Saint-Martin zu sehen sind, dem 19. Jahrhundert abhanden gekommen sind.
[ 2 ] We can now say that among all the major upheavals that have taken place in recent times, there is one that, in a certain sense, is a sort of latecomer to earlier upheavals: namely, that by the last third of the 18th century, European humanity had, in fact, lost all understanding of the realm of the mysteries. I have already briefly alluded to this in the course of these reflections: Saint-Martin’s mode of thought still extended into the 18th century, and his views had a broader impact through him and through the general spirit of the times in the 18th century; however, Saint-Martin’s views and modes of thought declined entirely in the 19th century. One need only recall one thing regarding Saint-Martin’s mode of thought to immediately notice the radical difference between such a way of thinking and everything that, for example, the present age is capable of thinking and feeling. In his significant work on error and truth, *Des erreurs et de la vérité*, Saint-Martin speaks, among other things, of an event in the Earth’s evolution that took place before humanity had attained physical incarnation. Saint-Martin speaks, in a sense, retrospectively of a significant—one might say cosmic—transition of all humanity that occurred before human beings attained physical incarnation. This is significant because it shows that Saint-Martin’s like-minded companions still possessed the broad perspective to look beyond the physical human world toward the spiritual, thereby opening up the possibility of also speaking about that which has a different connection to the development of humanity than that which is confined solely to the physical realm. Saint-Martin, who in a certain sense was a successor to Jakob Böhme, did indeed have some disciples spread throughout the educated world, even in the 19th century, and continued to have them right up to the present day. But one cannot say that the consciousness of the 19th century was still influenced by impulses such as those found in Saint-Martin, and one can certainly say that such insights into the spiritual world, as they are still evident in Saint-Martin, were lost to the 19th century.
[ 3 ] Nun sind solche Dinge, wie sie Saint-Martin geboten hat, die allerletzten Überreste alter Mysterienweisheit. Will man dasjenige äußerlich historisch verstehen, was zurückgedrängt hat solches Vorstellen, wie es bei Saint-Martin sich findet, dann muß man nicht die Frage so stellen: Welche Persönlichkeit hat denn Lehren verbreitet, die geeignet waren, Saint-Martins Vorstellungsarten zurückzudrängen? — sondern man muß die Frage so stellen: In welcher Persönlichkeit drückt sich denn jene Summe von Impulsen am charakteristischsten aus, durch die die Menschheit des 19. Jahrhunderts so materialistisch geworden ist? Und man findet dann eine Persönlichkeit an der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert, die für diesen letzten größeren Umschwung in der äußeren Geistesentwickelung ganz besonders charakteristisch ist. Man muß aber, um zu verstehen, was da eigentlich vorgeht, sich eben gegenwärtig halten, daß durch diesen letzten Umschwung das Verständnis für das Mysterienwesen der Menschheit völlig abhandengekommen ist, so daß das 19. Jahrhundert eigentlich aur in wenigen Persönlichkeiten, in wenigen Seelen noch etwas weiß von der tiefen Bedeutung und dem Einflusse des Mysterienwesens. Die Persönlichkeit, die ich meine, die so mehr der Ausdruck des allgemeinen Zeitgeistes von der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert ist, ist Dupuis, und die wichtige Schrift, durch welche gewissermaßen dem Verständnisse für das Mysterienwesen der Todesstoß gegeben worden ist, ist die Schrift «Origine de tous les cultes» vom Jahre 1794. Im 19. Jahrhundert denkt man, wenn man die Anschauungen der Menschen überblickt, gewöhnlich an den naturwissenschaftlichen Materialismus. Allein ich möchte sagen, dieser naturwissenschaftliche Materialismus hat ja schon den Charakter angenommen, den das 19. Jahrhundert mehr oder weniger allen menschlichen Impulsen aufgedrückt hat, den wir am deutlichsten ausgesprochen fanden in dem «bon dieu citoyen», als welchen Heinrich Heine den Jesus Christus begrüßt. Das 19. Jahrhundert hat auch den Materialismus in das Fahrwasser der Philistrosität getaucht, und das wesentlichste Charakteristikon des Materialismus des 19. Jahrhunderts ist, daß er philiströs ist.
[ 3 ] Now, such things as Saint-Martin taught are the very last remnants of ancient mystical wisdom. If one wishes to understand, from an external historical perspective, what caused such ideas as those found in Saint-Martin to be suppressed, then one must not ask the question: Which figure disseminated teachings that were capable of suppressing Saint-Martin’s modes of thought? — but rather one must ask: In which figure is that sum of impulses most characteristically expressed, through which nineteenth-century humanity became so materialistic? And one then finds a figure at the turn of the eighteenth to the nineteenth century who is particularly characteristic of this last major shift in the external development of the spirit. However, in order to understand what is actually happening here, one must bear in mind that, as a result of this latest upheaval, humanity’s understanding of the mystery traditions has been completely lost, so that in the 19th century, only a few individuals—only a few souls—still possess any knowledge of the profound significance and influence of the mystery traditions. The figure I am referring to—who is, in a sense, the embodiment of the general spirit of the times at the turn of the 18th to the 19th century—is Dupuis, and the important work that, in a sense, dealt the death blow to the understanding of the mystery tradition is the treatise *Origine de tous les cultes* from the year 1794. In the 19th century, when one surveys people’s views, one usually thinks of scientific materialism. Yet I would like to say that this scientific materialism had already taken on the character that the 19th century more or less imposed on all human impulses—a character we found most clearly expressed in the “bon dieu citoyen,” as Heinrich Heine greeted Jesus Christ. The nineteenth century has also plunged materialism into the current of philistinism, and the most essential characteristic of nineteenth-century materialism is that it is philistine.
[ 4 ] Will man den eigentlichen Grundnerv dieses 19. Jahrhunderts verstehen, so muß man den Impuls der Philistrosität überall aufsuchen. Der Materialismus Dupuis’ war in gewissem Sinne noch nicht philiströs, hatte noch etwas Großes, Freies, etwas weit über die Philistrosität Hinausreichendes. Der Materialismus Dupuis’ war in gewissem Sinne ein himmlischer Materialismus. Dupuis hatte noch den Mut zu einem durchgreifenderen materialistischen Gedanken als die gelehrten und genialen Philister des 19. Jahrhunderts. Dupuis kam auf gewisse Dinge, wenigstens glaubte er auf gewisse Dinge zu kommen. Und die Art, wie er darauf kam, ist außerordentlich interessant. Man darf, wenn man auf diesen Mann zurückblickt, nicht außer acht lassen, daß er eine geniale Persönlichkeit war. Er hat sich zum Beispiel bereits in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts eine Art Privattelegraph eingerichtet, durch den er telegraphierte von seinem Hause aus zu seinem ziemlich weit entfernten Freunde Fortine. Als dann die Revolution ausbrach, fürchtete er, daß man seine Telegraphenverbindung irgendwie anrüchig finden könnte. Da zerstörte er die entsprechenden Maschinen, und dadurch wurde die ganze Sache vergessen. Ich sage natürlich nicht, daß er einen elektrischen Telegraphen gehabt hat, aber das Prinzip des Telegraphen war da vollständig ausgeführt.
[ 4 ] If one wishes to understand the true driving force of the 19th century, one must seek out the impulse of philistinism everywhere. Dupuis’s materialism was, in a certain sense, not yet philistine; it still possessed something grand and free, something that extended far beyond philistinism. Dupuis’s materialism was, in a certain sense, a heavenly materialism. Dupuis still had the courage to embrace a more radical materialist philosophy than the learned and brilliant philistines of the 19th century. Dupuis arrived at certain insights—or at least he believed he had arrived at them. And the way in which he arrived at them is extraordinarily interesting. When looking back on this man, one must not overlook the fact that he was a brilliant individual. For example, as early as the 1780s, he had set up a kind of private telegraph system through which he sent telegrams from his home to his friend Fortine, who lived quite far away. When the Revolution broke out, he feared that his telegraph connection might be viewed as somehow disreputable. So he destroyed the relevant machines, and as a result, the whole matter was forgotten. Of course, I’m not saying that he had an electric telegraph, but the principle of the telegraph was fully realized there.
[ 5 ] Dupuis war auch Kommissar des öffentlichen Unterrichts am Ende der achtziger Jahre in Frankreich. Er verließ, als die Revolution ausbrach, Paris, wurde aber sehr bald darauf in die Nationalversammlung gewählt, ging wieder nach Paris zurück und spielte eigentlich eine ziemlich große Rolle sowohl im Konvent, wie nachher im Rat der Fünfhundert, gehörte in der Regel den gemäßigten Parteien an. Man muß sich vorstellen, daß dasjenige, was in ihm lebte, eigentlich ein Impuls war, der von ihm aus auf viele Seelen überging. Aber noch wichtiger ist, daß dieser selbe Impuls, von dem die Zeit besessen war, gerade bei ihm in der charakteristischsten Weise zum Ausdruck kam.
[ 5 ] Dupuis also served as Commissioner of Public Education in France in the late 1780s. When the Revolution broke out, he left Paris, but was elected to the National Assembly very soon afterward; he returned to Paris and actually played a fairly significant role both in the Convention and later in the Council of Five Hundred, generally aligning himself with the moderate parties. One must realize that what lived within him was, in fact, an impulse that spread from him to many souls. But even more important is that this very impulse, which had taken hold of the era, found its most characteristic expression precisely in him.
[ 6 ] Dupuis kam nämlich auf das Folgende. Er studierte alte Sagen und Mythen, sagen wir die Herkulessage, oder die Sage von Isis und Osiris, oder die Sage von Dionysos; also er studierte die alten Mythen, welche exoterische Verkleidungen der Mysterienwahrheiten sind, wie wir ja wissen. Nehmen wir die Herkulesmythe heraus. Er bemerkte, daß Herkules zwölf Arbeiten verrichtete, und indem er die Erzählung der einzelnen Arbeiten des Herkules verfolgte, kam er darauf, daß gewisse Dinge, die da vorkommen in den Erzählungen von diesen Arbeiten des Herkules, rechtfertigen, einen Zusammenhang festzustellen zwischen dem Durchgang des Herkules durch seine zwölf Arbeiten und dem Umschwung der Sonne durch die zwölf Zeichen des Tierkreises. Diese Dinge studierte dieser Mann ganz gewissenhaft und sorgfältig, und er bildete sich aus diesem Studium die folgende Ansicht. Er sagte: Im Altertum gab es also gewisse Leute, Mysterienpriester. Diese Leute hatten das Ziel, die weite Masse der Völker möglichst ruhig zu halten, so daß man sie leicht lenken kann. Deshalb erzählte man einzelnen dieser Völkermassen solche Mythen von einem Herkules, der einmal gelebt hat, dem man nachstreben soll, an dessen Persönlichkeit man solche Arbeiten knüpft. Man erzählte andere Mythen, von Isis und Osiris und dergleichen. Bei sich selber, innerhalb der Mysterien, wußten aber die Mysterienpriester, daß das alles Wischiwaschi ist, daß es niemals äußerlich eine solche Persönlichkeit gegeben hat, wie den Herkules oder den Osiris oder die Isis, sondern daß alles, was auf der Erde vorgeht, von den materiellen Himmelskörpern und ihren Konstellationen bewirkt wird. Die Mythen sind nur Umkleidungen der Vorgänge am Himmelsgewölbe. Was hier auf der Erde vorgeht, das hängt ab im Sinne der alten Mysterienpriester, sagte Dupuis, von dem Durchgang der Sonne durch die zwölf Zeichen des Tierkreises, von dem Durchgang des Mondes durch die zwölf Zeichen des Tierkreises. Und dasjenige, was auf der Erde dadurch bewirkt wird, wußten die Priester; sie wußten, daß das materielle Geschehen, das sich ausdrückt in den Sternenkonstellationen, dieses im Kosmos vor sich gehende materielle Geschehen die Ursache ist vom Pflanzenwachstum, die Ursache auch ist vom Menschheitsfortschritt, der Menschenbefruchtung und so weiter. Das wußten die Priester. Denen fiel es gar nicht ein, daran zu glauben, daß da irgendwie andere geistige Mächte im Spiele seien, sondern die waren aufgeklärt genug, bloß zu glauben an das Spielen der materiellen Kräfte im materiellen Himmelsraume. Aber dem Volke kleidete man die Astronomie in Mythen, weil man glaubte, daß zur Täuschung des Volkes solches notwendig sei, daß man das Volk nur dadurch lenken könne.
[ 6 ] Dupuis, in fact, came to the following conclusion. He studied ancient legends and myths—for example, the legend of Hercules, or the legend of Isis and Osiris, or the legend of Dionysus; in other words, he studied the ancient myths, which, as we know, are exoteric disguises for the truths of the mysteries. Let’s take the myth of Hercules as an example. He noted that Hercules performed twelve labors, and as he followed the account of each of Hercules’ labors, he came to the conclusion that certain elements appearing in the narratives of these labors justify establishing a connection between Hercules’ passage through his twelve labors and the sun’s passage through the twelve signs of the zodiac. This man studied these elements very conscientiously and carefully, and from this study he formed the following view. He said: In ancient times, there were certain people—mystical priests. These people aimed to keep the vast masses of the people as calm as possible, so that they could be easily guided. That is why they told certain segments of these masses myths about a Hercules who once lived—a figure to be emulated, to whose persona such labors were linked. They told other myths, about Isis and Osiris and the like. Among themselves, within the mysteries, however, the mystery priests knew that all of this was nonsense, that no such personality as Hercules, Osiris, or Isis had ever existed externally, but that everything that happens on Earth is caused by the material celestial bodies and their constellations. The myths are merely symbolic representations of the processes taking place in the celestial sphere. What happens here on Earth, according to the ancient mystery priests, said Dupuis, depends on the Sun’s passage through the twelve signs of the zodiac and the Moon’s passage through the twelve signs of the zodiac. And the priests knew what this brought about on Earth; they knew that the material events expressed in the constellations—these material events taking place in the cosmos—are the cause of plant growth, as well as the cause of human progress, human procreation, and so on. The priests knew this. It never occurred to them to believe that other spiritual forces were somehow at play; rather, they were enlightened enough to believe solely in the interplay of material forces in the material expanse of the heavens. But for the people, astronomy was cloaked in myths, because it was believed that this was necessary to deceive the people—that this was the only way to guide them.
[ 7 ] So waren für Dupuis die Mysterien große Lügenfabriken, veranstaltet zu dem Zwecke, um das, was die Priester wußten — daß die materiellen Vorgänge des Himmels wieder andere materielle Vorgänge hier auf Erden bewirken —, in entsprechender Weise für das «dumme Volk», das leichtgläubig ist, einzukleiden. In dem Werke «Origine de tous les cultes» findet sich zum Beispiel folgender Satz: «Die Wahrheit kennt keine Mysterien, sie gehören alle dem Irrtum und dem Betruge an.» — Oder: «Man muß ihren Ursprung, nämlich den Ursprung der Mysterien, außerhalb der Grenzen der Vernunft und der Wahrheit suchen; als Kinder der Nacht scheuen sie das Licht.»
[ 7 ] For Dupuis, the mysteries were thus great factories of lies, organized for the purpose of presenting what the priests knew—that the material processes of the heavens bring about other material processes here on earth—in a manner suitable for the “stupid people,” who are gullible. In the work *Origine de tous les cultes*, for example, the following sentence appears: “Truth knows no mysteries; they all belong to error and deceit.” — Or: “One must seek their origin—namely, the origin of the mysteries—beyond the bounds of reason and truth; as children of the night, they shun the light.”
[ 8 ] Gewiß, nur eine kleine Minderheit von Menschen hat selbstverständlich solche Dinge gelesen. Aber darauf kommt es ja allein nicht an, sondern darauf, daß solche Dinge wirken, daß solche Dinge da sind. Wenn ein Mensch wie Dupuis sie ausspricht, so bedeutet das nur, daß er die besondere Fähigkeit hat, diese Dinge zu formulieren. Wirksam wurden diese Dinge vom Ende des 18. Jahrhunderts und durch das ganze 19. Jahrhundert hindurch.
[ 8 ] Of course, only a small minority of people have actually read such things. But that is not the only thing that matters; what matters is that such ideas have an impact, that they exist. When a person like Dupuis articulates them, it simply means that he has a special ability to formulate these ideas. These ideas began to have an impact from the end of the 18th century and throughout the 19th century.
[ 9 ] Nun muß man einiges von der wirklichen historischen Wahrheit dem entgegenhalten, worauf Dupuis in genialer Weise gekommen ist, indem er gegründet hat diesen — wie man mit Recht sagen kann — himmlischen Materialismus. Nicht wahr, die philiströse Wissenschaft des 19. Jahrhunderts sucht die materiellen Vorgänge in den Atomen. Sie bleibt beim Irdischen. Dupuis war kühn genug, einen himmlischen Materialismus zu begründen, alles dasjenige, was aus dem Kosmos herein wirkt, noch als materialistische Wirkung der Gestirne zu denken, und alles das, was geistig sein soll, für Wischiwaschi zu halten, Nachklang von Priestertrug aus den Mysterienzeiten her. Dupuis hat vor allen Dingen dann in seinem berühmten, bedeutenden Buche den Schluß gezogen: Alle diese großen Gestalten sind eigentlich nichts anderes, als für das Volk zusammengeschweißte, verkleidete Angelegenheiten der Astronomie. Herkules ist die Sonne, seine zwölf Arbeiten der Durchgang der Sonne durch die zwölf Sternbilder des Tierkreises; Isis ist der Mond, dasjenige, was von ihr erzählt wird, der Durchgang des Mondes durch den Tierkreis; Dionysos wird dargestellt in dem großen, achtundvierzig Gesänge umfassenden Gedichte des Nonnos als Sonne, durchgehend durch die Zeichen des Tierkreises und so weiter. Die Christen haben dann einfach an die Stelle des Herkules, des Dionysos, des Osiris den Christus gesetzt, und der Christus ist auch nichts anderes als die Umkleidung der Sonne. Die Priester haben gut gewußt, daß das Reale, das in Betracht kommt, die Sonne ist. Aber für das Volk brauchte man die Erzählung des Nazareners Christus Jesus, der Sonne des Neuen Testaments, im Gegensatz zu Herkules, Dionysos, Osiris, den Sonnen des Alten Testaments. — Eine radikale Zerstörung jedes religiösen Gedankens enthält das Buch «Origine de tous les cultes ou religion universelle» von Dupuis.
[ 9 ] Now, one must set against this some of the true historical reality that Dupuis so brilliantly arrived at by establishing this—as one may rightly say—celestial materialism. Is it not true that the philistine science of the 19th century seeks material processes within atoms? It remains confined to the earthly. Dupuis was bold enough to establish a “celestial materialism,” to conceive of everything that exerts an influence from the cosmos as a materialistic effect of the celestial bodies, and to regard everything that is supposed to be spiritual as mere nonsense—an echo of priestly deception dating back to the age of the Mysteries. Above all, in his famous and significant book, Dupuis drew the conclusion that all these great figures are, in reality, nothing more than astronomical phenomena, welded together and disguised for the people. Hercules is the sun; his twelve labors represent the sun’s passage through the twelve constellations of the zodiac; Isis is the moon, and the stories told about her describe the moon’s passage through the zodiac; Dionysus is portrayed in Nonnus’s great epic—comprising forty-eight cantos—as the sun, passing through the signs of the zodiac, and so on. The Christians then simply substituted Christ for Hercules, Dionysus, and Osiris, and Christ is nothing other than the Sun in a different guise. The priests knew full well that the Sun is the real entity in question. But for the people, they needed the story of Jesus Christ of Nazareth, the sun of the New Testament, as opposed to Hercules, Dionysus, and Osiris, the suns of the Old Testament. — Dupuis’s book *Origine de tous les cultes ou religion universelle* contains a radical dismantling of every religious idea.
[ 10 ] Das allgemeine Bewußtsein bleibt in der Regel zurück, schließt sich nicht den radikalen Umschwüngen an. Daher kam es, daß man im 19. Jahrhundert wenig bemerkte, daß diese Gedanken — wenn ich mich des trivialen Ausdruckes bedienen darf — in der Luft liegen. Aber man hat sie in der Luft liegen lassen. Zu der klaren Folgerung von Dupuis haben sich natürlich wenige aufgeschwungen, obwohl in dem geistigen Bewußtsein von allen Gebildeten diese Gedanken enthalten waren. Aber unter dem Druck dieser Gedanken hat das ganze Theologenunwesen des 19. Jahrhunderts gewirkt. Denn nichts anderes liegt da zugrunde, als daß Dupuis diejenigen, die seiner Gesinnung waren, darauf hingewiesen hat: Ebensowenig wie es einen Herkules oder einen Osiris als menschliche physische Persönlichkeiten gegeben hat, so wie dies Sonnen sind, so ist Christus auch nie eine physische Persönlichkeit gewesen, sondern Sonne. — Unter dem Druck dieses Gedankens ist dann den Theologen des 19. Jahrhunderts allmählich der Christus ganz zerflattert. Dann haben sie sich alle Mühe gegeben, den «bon dieu citoyen» von Nazareth auszustaffieren. Die liberalen Philister machten so einen humanen Moralprediger aus ihm, die Sozialdemokraten machten einen Sozialdemokraten aus ihm, die Psychiater einen Wahnsinnigen, einen Epileptiker, und so hat sich ihn jeder unter dem Druck solcher Gedanken ausgebildet.
[ 10 ] Public consciousness generally lags behind; it does not keep pace with radical upheavals. That is why, in the 19th century, few people noticed that these ideas—if I may use the trite expression—were in the air. But they were left to hang in the air. Naturally, few rose to the level of Dupuis’s clear conclusion, even though these ideas were present in the intellectual consciousness of all educated people. But the entire theological chaos of the 19th century operated under the pressure of these ideas. For there is nothing else underlying this than the fact that Dupuis pointed out to those who shared his views: Just as there never was a Hercules or an Osiris as human physical personalities—just as these are suns—so Christ was never a physical personality either, but a sun. — Under the pressure of this thought, the Christ figure gradually crumbled away for the theologians of the nineteenth century. They then went to great lengths to embellish the “bon dieu citoyen” of Nazareth. The liberal philistines turned him into a humane moral preacher; the Social Democrats turned him into a Social Democrat; the psychiatrists turned him into a madman, an epileptic; and so, under the pressure of such ideas, everyone shaped him in their own image.
[ 11 ] Wenn Sie zu dem, was ich jetzt sage, die andere große Wahrheit nehmen, daß eigentlich das historische Werden geträumt wird, so werden Sie eine Vorstellung sich verschaffen können, daß solche Gedanken, die nicht radikal ausgesprochen werden, doch in den Träumen der Menschen ihre Rolle schon spielen.
[ 11 ] If you combine what I am about to say with the other great truth—that historical development is, in fact, dreamed—you will be able to grasp the idea that such thoughts, even if not expressed in radical terms, already play a role in people’s dreams.
[ 12 ] Nun muß man die wirkliche historische Wahrheit mit dem Ganzen zusammenhalten. Blickt man zurück auf die alten Mysterien, auf jene Mysterien, die noch ihren Ursprung in der dritten nachatlantischen Periode hatten, so sieht man bei diesen Mysterien überall: es gab esoterische und exoterische Dinge, die vertreten wurden. Was war — diese Frage muß man aufwerfen gerade bei diesen Mysterien, die ihren Ursprung zurückführen auf die dritte nachatlantische Zeit —, was war bei diesen esoterisch und was war exoterisch? Esoterisch war bei den alten Mysterien, die ich also jetzt meine, alles dasjenige, was sich auf die physische Wissenschaft, alles dasjenige, was sich auf die Hantierungen der Wissenschaft bezieht. Religionswissenschaft war in diesen alten Zeiten nie esoterisch. Man gibt sich einem ganz falschen Glauben hin, wenn man meint, daß die Vorstellungen über Gott und Götter esoterisch gewesen wären in den alten Mysterien. Esoterisch haben die alten Mysterien das gehalten, was man dazumal über Dinge gewußt hat, die heute in den chemischen Laboratorien, in denKliniken erforscht werden. Was sich auf die äußere physische Wissenschaft bezieht, das war im wesentlichen esoterisch gehalten, und das war, was die Esoteriker für gefährlich gehalten haben. Niemals hat man in diesen Zeiten in den Mysterien irgendeine religiöse Wahrheit für irgendwie gefährlich gehalten. Was die Leute religiös vertreten haben, haben sie auch nach außen verkündet. Das, was wir heute Chemie, Physik, Mathematik nennen, das war in jenen Zeiten so gehalten, daß man gewissermaßen die Hände darüber hielt und es nur pflegen wollte innerhalb derjenigen, die sich verpflichteten, die Sache innerhalb der Mysterien zu halten, sogar eidlich verpflichteten, unter scharfen Eiden.
[ 12 ] Now one must keep the true historical reality in mind in relation to the whole. If one looks back at the ancient mysteries—those mysteries that still had their origins in the third post-Atlantean period—one sees throughout these mysteries that there were both esoteric and exoteric elements represented. What was—this is the question one must raise precisely in connection with these mysteries, which trace their origins back to the third post-Atlantean epoch—what was esoteric and what was exoteric in them? In the ancient mysteries to which I am now referring, everything related to physical science, everything pertaining to the practices of science, was esoteric. Religious studies were never esoteric in those ancient times. One is laboring under a completely false belief if one thinks that the conceptions of God and the gods were esoteric in the ancient mysteries. The ancient mysteries regarded as esoteric what was known at that time about things that are now being researched in chemical laboratories and clinics. What pertained to external, physical science was essentially kept esoteric, and that was what the esotericists considered dangerous. In those times, no religious truth was ever considered dangerous in any way within the mysteries. Whatever people held to be true in a religious sense, they also proclaimed openly. What we today call chemistry, physics, and mathematics was treated in those times in such a way that it was, so to speak, kept under wraps and was to be cultivated only among those who had committed themselves—and even sworn under strict oaths—to keeping the matter within the Mysteries.
[ 13 ] Dann kam die Zeit, in welcher die Mysterien in einem gewissen Sinne ihre Politik änderten, aber in einem gewissen Sinne nur. Das ist der Fall bei all jenen Mysterien, die vorzugsweise ihren Ursprung zurückführen bis in die vierte nachatlantische Zeit. Das geht also bis ins 15. Jahrhundert herein. In dieser Zeit war Sitte, in den Mysterien nun nicht die physische Wissenschaft zu sekretieren, sondern in einer Art symbolischer Weise eine gewisse Seite der mathematischen, überhaupt der intellektuellen Wissenschaften zu sekretieren: alles das, was mit gewissen Dingen zusammenhängt, wie mit Kreis, Dreieck, Wasserwaage, kurz, alles das, was mechanisch, mathematisch ist, was intellektuelle Wissenschaft ist. Das wurde versucht, so zu halten, daß man es innerhalb gewisser Brüderschaften hielt und die Mitglieder verpflichtete, die Dinge, die sie da lernten über Kreis, Dreieck, Wasserwaage, Senkblei und so weiter, nicht zu verraten. In den andern Dingen wurden die Sachen so gehalten, daß man allmählich lässiger wurde im Esoterischhalten der physischen Wahrheiten. Die drangen allmählich aus den Mysterien heraus in das öffentliche Bewußtsein.
[ 13 ] Then came the time when the Mysteries, in a certain sense, changed their approach—but only in a certain sense. This is true of all those Mysteries that trace their origins primarily back to the fourth post-Atlantean epoch. This extends, then, into the 15th century. During this period, it was customary in the Mysteries not to keep physical science secret, but rather to keep secret, in a symbolic sense, a certain aspect of the mathematical and, more generally, the intellectual sciences: everything related to certain things such as the circle, the triangle, the level—in short, everything that is mechanical, mathematical, and intellectual. They attempted to preserve this by keeping it within certain brotherhoods and obliging the members not to reveal the things they learned there about circles, triangles, spirit levels, plumb lines, and so on. In other areas, however, things were handled in such a way that people gradually became less strict about keeping the physical truths esoteric. These truths gradually emerged from the mysteries into the public consciousness.
[ 14 ] Sie können sagen: Ja, aber was hatten denn schließlich die alten Mysterien des dritten nachatlantischen Zeitraums viel geheimzuhalten? Da war ja die Wissenschaft in den Kinderschuhen; da hat man ja noch keine Chemie gehabt, da wußte man ja von der ganzen Welt nichts, die man sich so glorreich erobert hat in der neueren Zeit. — Wenn Sie so urteilen, dann sprechen Sie halt das nach, was man heute allgemein sagt. Aber schon die gewöhnliche äußere Geschichte könnte Sie stutzig machen in dem Bilden solcher Urteile. Nachdem die Europäer das Pulver erfunden hatten als Ergebnis der äußeren Wissenschaft, waren sie natürlich stolz darauf. Warum sollte man nicht stolz darauf sein! Aber es stellte sich sehr bald heraus, daß die Chinesen das Pulver schon in alten Zeiten gehabt haben, die Buchdruckerkunst schon in alten Zeiten gehabt haben und so weiter. Man könnte viele solche Beispiele, bei denen eine bestimmte Sache ruchbar geworden ist, anführen. Die Wahrheit ist aber einfach diese, daß in alten Zeiten auch Dinge bekannt waren — sagen wir zum Beispiel das Prinzip des Luftschiffes, das Prinzip des Unterseebootes und so weiter, um gleich etwas Radikales zu sagen —, nur wurden diese Dinge eben als Inhalt der physischen Wissenschaft streng sekretiert. Man enthielt sie der allgemeinen Bevölkerung vor, man ließ sie nicht hinaus aus den Mysterien, was gleichbedeutend war. Man wandte dasjenige, was durch diese Wissenschaft erreicht werden konnte, nicht auf die allgemeine soziale Menschenordnung an. Es ist eine ganz dilettantische Vorstellung, wenn man den esoterischen und den exoterischen Begriff bei den Mysterien der dritten nachatlantischen Zeit nicht auf diese Dinge bezieht, sondern wenn man glaubt, daß da über rein geistige Angelegenheiten in den Mysterien gerade dieser Zeit ganz besonders geheimnisvolle Dinge noch vorhanden gewesen wären.
[ 14 ] You might say: Yes, but what, after all, did the ancient mysteries of the third post-Atlantean epoch have to keep secret? Science was still in its infancy back then; there was no chemistry yet, and people knew nothing of the whole world that has been so gloriously conquered in more recent times. — If you judge it that way, you’re just parroting what people generally say today. But even ordinary external history should give you pause before forming such judgments. After the Europeans invented gunpowder as a result of external scientific progress, they were naturally proud of it. Why shouldn’t they be proud of it! But it very soon turned out that the Chinese had already had gunpowder in ancient times, had already mastered the art of printing in ancient times, and so on. One could cite many such examples where a particular thing has become widely known. The truth, however, is simply this: in ancient times, certain things were also known—let us say, for example, the principle of the airship, the principle of the submarine, and so on, to mention something radical right away—but these things were strictly kept secret as part of physical science. They were withheld from the general population; they were not allowed to leave the realm of the mysteries, which was tantamount to the same thing. What could be achieved through this science was not applied to the general social order of humanity. It is a completely amateurish notion to apply the terms “esoteric” and “exoteric” to the Mysteries of the third post-Atlantean epoch without referring to these things, but rather to believe that there were still particularly mysterious matters concerning purely spiritual affairs within the Mysteries of precisely this epoch.
[ 15 ] Im Mittelalter wiederum war die Sache so, daß man versuchte, eine gewisse Seite des Mathematischen, des Mechanischen zurückzuhalten, nicht unter die allgemeine Bevölkerung kommen zu lassen. Diese Dinge hatten in alten Zeiten ihre gute Bedeutung, hatten ihren rechten Wert. Sie verlieren ihren Wert allmählich, indem die neuere Zeit heranrückt. Ich habe es ja oft ausgesprochen, daß in demselben Sinne das Mysterienwesen nicht fortgesetzt werden kann, wie es früher getrieben worden ist. Im jetzigen fünften nachatlantischen Zeitraum ist es schon in vieler Beziehung eine nicht mehr erlaubte Sache — ich meine vor den höheren geistigen Mächten nicht mehr erlaubte Sache —, gewisse Dinge ganz esoterisch zu halten. Jetzt würden als Esoterik in Betracht kommen gewisse seelische Wahrheiten. In ganz alten Zeiten waren es physische Wahrheiten, dann sind es intellektuelle Wahrheiten geworden, jetzt würden es seelische Wahrheiten sein. Solche seelischen Wahrheiten halten heute unter Schloß und Riegel nur solche Brüderschaften, wie diejenigen sind, von denen ich Ihnen gesprochen habe, indem ich Ihnen die allgemeine Weltenlage der Gegenwart charakterisierte als ausgehend von gewissen dunkeln Brüderschaften, deren Ursprung ich ja damals, im vorigen Jahre, charakterisierte.
[ 15 ] In the Middle Ages, on the other hand, the situation was such that people tried to keep certain aspects of mathematics and mechanics to themselves, preventing them from reaching the general population. These things had their importance in ancient times; they had their true value. They gradually lost their value as modern times approached. I have often stated that, in this same sense, the mystery traditions cannot be continued in the way they were practiced in the past. In the present fifth post-Atlantean epoch, it is in many respects no longer permissible—I mean, no longer permissible in the eyes of the higher spiritual powers—to keep certain things entirely esoteric. Now, certain spiritual truths would be considered esoteric. In very ancient times, these were physical truths; then they became intellectual truths; now they would be spiritual truths. Today, such soul truths are kept under lock and key only by brotherhoods such as those I have spoken to you about, when I characterized the general state of the world today as stemming from certain dark brotherhoods, whose origins I described last year.
[ 16 ] Nun entsteht die Frage: Warum haben denn die alten MysterienPriester zurückgehalten das, was man physisches Wissen nennen kann? Das hängt wirklich zusammen mit der Entwickelung der Menschheit. Ich habe ja oft darauf hingewiesen: die Menschheit hat eben eine Entwickelung durchgemacht, sie ist von Form zu Form gegangen, von anderer Form zu anderer Form. Und die Zeit, in die das Mysterium von Golgatha gefallen ist, ist die größte Übergangszeit der Erdenentwickelung, was natürlich die äußere Geschichte gar nicht weiß. Sie weiß auch nicht alle die Dinge, die mit diesem Umschwunge in Zusammenhang stehen. In den alten Zeiten, im wesentlichen in denjenigen Zeiten, die dem Mysterium von Golgatha vorangegangen sind, da bekam der Mensch, wenn er so vierzehn, fünfzehn Jahre alt wurde, zu den Kräften, die schon die Kindheit hat bis zu diesen Jahren, ganz besondere Kräfte. Mit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahre bekam der Mensch Kräfte in jenen alten Zeiten, die sich verloren seit dem Mysterium von Golgatha, die nicht mehr da sind seit dem Mysterium von Golgatha, nur atavistisch in nachzüglerischer Weise da sind, aber nicht mehr normale Kräfte der allgemeinen Menschennatur sind. Die Kräfte, die der Mensch bekam, wenn er so vierzehn, fünfzehn Jahre alt war, die einfach dadurch da waren in seiner Umgebung, daß der Mensch selber da war, das waren solche Kräfte, die sich verbinden konnten mit den Vorgängen der physischen Hantierung. Wenn man heute Sauerstoff und Wasserstoff verbindet, verbindet man halt Sauerstoff und Wasserstoff zu Wasser; da verbindet sich nichts, was vom Menschen ausströmt, damit. In jenen alten Zeiten verband sich damit etwas, was vom Menschen ausströmte; da machte der Mensch mit. Da wurden die Verrichtungen des Laboratoriums Magie durch diese Kräfte, die sich beim Menschen im vierzehnten, fünfzehnten Jahre entwickelten.
[ 16 ] This raises the question: Why did the ancient mystery priests withhold what might be called physical knowledge? This is truly connected to the evolution of humanity. As I have often pointed out: humanity has indeed undergone a process of development; it has moved from one form to another, from one form to yet another. And the period in which the Mystery of Golgotha took place is the greatest transitional period in Earth’s development—a fact of which, of course, external history is completely unaware. Nor does it know all the things connected with this turning point. In ancient times—essentially in the periods preceding the Mystery of Golgotha—when a person reached the age of about fourteen or fifteen, they acquired very special powers in addition to the powers they had possessed since childhood up to that age. In those ancient times, when a person reached the age of fourteen or fifteen, they acquired powers that have been lost since the Mystery of Golgotha—powers that have not existed since the Mystery of Golgotha, but remain only in an atavistic, lingering form, no longer constituting normal powers of general human nature. The powers that a person acquired when he was around fourteen or fifteen years old—powers that were simply present in his environment by virtue of his very existence—were powers capable of connecting with the processes of physical manipulation. When one combines oxygen and hydrogen today, one simply combines oxygen and hydrogen to form water; nothing that emanates from the human being connects with this process. In those ancient times, something emanating from the human being did combine with it; the human being participated in the process. Thus, the activities of the laboratory became magic through these forces that developed in the human being at the age of fourteen or fifteen.
[ 17 ] Aus diesem Grunde mußten die Mysterienpriester die äußeren Verrichtungen geheimhalten, weil diese äußeren Verrichtungen einfach durch die allgemeinen Menscheneigenschaften der damaligen Zeit zu magischen Verrichtungen geworden wären, Magie würde sich überall ausgebreitet haben und wäre selbstverständlich leicht zur sogenannten schwarzen Magie geworden. Dazumal also war es notwendig, über gewisse Dinge der physischen Wissenschaft tiefstes Geheimnis zu breiten, wegen der allgemeinen Menschennatur. Diese Kräfte, die da der Mensch erhalten hat mit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahre, die haben sich eben nach und nach verloren, sind fast ganz verschwunden mit dem 15. Jahrhundert. Und damit hängt es auch zusammen, daß Dinge, die vor dem 15. Jahrhundert geschrieben sind, heute gar nicht mehr verstanden werden können, wenn man sie nicht mit Geisteswissenschaft versteht. In dem Augenblicke nämlich, wenn in solchen alten Zeiten der Mensch darangegangen ist, physische Verrichtungen vorzunehmen, wie wir sie heute ganz gewöhnlich im Laboratorium machen, in dem Augenblicke gab der Mensch Veranlassung, daß gewisse luziferische Elementarwesen mitentstanden, konnte wenigstens Veranlassung geben. Und diese luziferischen Elementarwesen waren wirksam, hätten also mitgewirkt im sozialen menschlichen Zusammensein, wenn man die Dinge nicht verborgen gehalten hätte.
[ 17 ] For this reason, the priests of the mysteries had to keep the external rituals secret, because these rituals would simply have been transformed into magical practices due to the general human nature of that time; magic would have spread everywhere and would, of course, easily have turned into so-called black magic. At that time, therefore, it was necessary to shroud certain aspects of physical science in the deepest secrecy, due to general human nature. These powers, which human beings acquired around the ages of fourteen or fifteen, were gradually lost and had almost completely disappeared by the 15th century. And this is also why things written before the 15th century can no longer be understood today unless one approaches them through spiritual science. For at the very moment, in those ancient times, when human beings set out to perform physical experiments—such as those we routinely conduct in laboratories today—at that very moment, human beings gave rise to certain Luciferic elemental beings, or at least had the potential to do so. And these Luciferic elemental beings were active—that is, they would have played a role in human social life—if these matters had not been kept hidden.
[ 18 ] Von den Angelegenheiten der wirklichen Menschheitsentwickelung hat ja am allerwenigsten eine solche Zeit wie das Ende des 18. und der Anfang des 19. Jahrhunderts eine blasse Ahnung. Daher ballte sich zusammen alles das, was aus der Ahnungslosigkeit kam, zu solchen Behauptungen wie diese: «Die Wahrheit kennt keine Mysterien, sie gehören alle dem Irrtum und dem Betruge an.» — Man mußte gewissermaßen die Menschen vor der unmittelbaren Erkenntnis der physischen Geheimnisse bewahren. So, wie man sie bewahren mußte vor den physischen Hantierungen, die heute allgemein im Laboratorium gemacht werden, so mußte man sie zum Beispiel auch bewahren vor der reinen physischen Erkenntnis der Astronomie. Man gab daher das geistige Gegenbild in Form der Mythe, in Form der Sage. Das war eine notwendige Anforderung.
[ 18 ] A period such as the late 18th and early 19th centuries had the very faintest inkling of the realities of human development. Consequently, everything that stemmed from this ignorance coalesced into assertions such as this: “Truth knows no mysteries; they all belong to error and deception.” — In a sense, people had to be protected from the direct knowledge of physical mysteries. Just as they had to be protected from the physical experiments that are commonly conducted in laboratories today, so too, for example, they had to be protected from the purely physical knowledge of astronomy. Therefore, the spiritual counterpart was provided in the form of myth and legend. This was a necessary requirement.
[ 19 ] Aber die Zeiten sind recht stark andere geworden. Den luziferischen Elementarwesen, von denen man in solchem Zusammenhange sprechen kann, ist ja die Menschheit heute nicht ausgesetzt. Dafür ist sie gewissen ahrimanischen Elementarwesen sehr stark ausgesetzt. Diese ahrimanischen Elementarwesen entstehen heute mit einer ähnlichen Notwendigkeit, wie die geschilderten luziferischen Elementarwesen im Altertume entstanden sind. Nur entstehen sie in einer andern Art. Sie entstehen aus ganz andern Kräften und Impulsen der Menschennatur heraus. Heute gibt es — ich meine jetzt nicht bloß in bezug auf die menschliche Wissenschaft, sondern in bezug auf das soziale Leben, das ja alle Menschen angeht, nicht bloß diejenigen, die zu den sogenannten Gebildeten gehören —, heute gibt es wirksam im sozialen Leben eine große Anzahl von Dingen, die deshalb da sind, weil man gewisse rein technisch-mechanische, physikalische, chemische und ähnliche Gedanken hat, weil man einen gewissen Umfang der physischen Wissenschaft hat. Man kennt heute, benützt heute Maschinen, man benützt ein gewisses maschinelles Vorgehen auch in der Finanzgebarung der Welt. Man denkt mechanisch über die ganze Welt hin. Ich meine jetzt nicht bloß die mechanische Weltanschauung, sondern ich meine das, was jeden Menschen angeht, den einfachsten Bauern in der letzten Alphütte angeht, denn er weiß natürlich nichts von mechanischer Wissenschaft. Aber worinnen er lebt, das ist durchzogen von diesen Gedanken. Darauf kommt es ja an.
[ 19 ] But times have changed quite drastically. Humanity today is not, after all, exposed to the Luciferic elemental beings one might speak of in such a context. Instead, it is very strongly exposed to certain Ahrimanic elemental beings. These Ahrimanic elemental beings arise today with a necessity similar to that with which the Luciferic elemental beings described arose in antiquity. Only they arise in a different way. They arise from entirely different forces and impulses within human nature. Today there are—and I am not referring merely to human science, but to social life, which concerns all people, not just those who belong to the so-called educated class— today there are a great many things actively at work in social life that exist precisely because people have certain purely technical-mechanical, physical, chemical, and similar ideas, because they possess a certain level of knowledge of the physical sciences. People today know about and use machines; they also employ a certain mechanical approach in the world’s financial management. People think mechanically about the entire world. I am not referring merely to a mechanical worldview, but to what concerns every human being—even the simplest farmer in the remotest alpine hut—for he, of course, knows nothing of mechanical science. Yet the world in which he lives is permeated by these ideas. That is what really matters.
[ 20 ] Wie im Altertum diese mechanischen, chemischen, physischen Verrichtungen sich mit luziferischer Kraft vermischten, so vermischen sie sich heute, wo sie nicht mehr hintangehalten werden können, mit ahrimanischen Kräften, und zwar durch einen ganz gewissen Umstand. Es ist ein Gesetz, daß alles das, was herstammt aus maschineller, mechanischer, chemischer, physischer Denkweise, in einer eigentümlichen Weise befruchtet werden kann von dem, was aus partieller Menschennatur stammt, in der folgenden Weise: Diese Gedankensummen, die sich auf Chemisches, Physikalisches, Mechanisches, Technisches beziehen, Finanzielles beziehen, die werden heute gedacht von Menschen, welche zum Beispiel — es kommen auch noch andere Dinge in Betracht — noch in nationaler Denkweise drinnen sind; aber damit vertragen sie sich nicht. Denkt man das, was heute physikalisch, mechanisch, chemisch ist, so, daß gleichzeitig dasselbe Hirn, das diese Dinge denkt, von nationaler Gesinnung durchdrungen ist, dann wirkt durch die nationale Gesinnung auf diese Dinge, die man denkt in bezug auf Physikalisches, Chemisches, Mechanisches, Technisches, dann wirkt Ahriman befruchtend, und es entstehen durch die Verbindungen von nationaler Gesinnung mit internationaler physischer Wissenschaft heute ahrimanische Elementarwesenheiten in unserer Umgebung. Denn verträglich sind Gedanken und Verrichtungen, wie sie die heutige Chemie, Physik, Mechanik, Technik, Finanzgebarung, die kommerzielle Gebarung hat, verträglich sind sie nur mit nichtnationaler Denkweise.
[ 20 ] Just as in ancient times these mechanical, chemical, and physical processes became intertwined with Luciferic forces, so today—now that they can no longer be held back—they become intertwined with Ahrimanic forces, and this occurs through a very specific circumstance. It is a law that everything arising from a mechanical, chemical, or physical way of thinking can be influenced in a peculiar way by that which stems from partial human nature, in the following manner: These trains of thought—which relate to the chemical, physical, mechanical, technical, and financial realms—are today conceived by people who, for example—though other factors also come into play—are still steeped in a national way of thinking; yet they are incompatible with it. If one thinks about what is physical, mechanical, and chemical today in such a way that, at the same time, the very same brain that thinks these things is imbued with a national mindset, then this national mindset acts upon the things one thinks about in relation to the physical, chemical, mechanical, and technical realms; then Ahriman exerts a fertilizing influence, and through the connections between national sentiment and international physical science, Ahrimanic elemental beings are arising in our environment today. For thoughts and actions such as those found in today’s chemistry, physics, mechanics, technology, financial conduct, and commercial conduct are compatible—they are compatible only with a non-national way of thinking.
[ 21 ] Das ist ein bedeutsames Geheimnis, das man kennen muß, wenn man das Gefüge des Lebens in der Gegenwart verstehen will. Es liegt nicht in der Zeitmöglichkeit, diese Dinge auf eine andere Weise hintanzuhalten als durch Erkenntnis. Die alten Mysterienführer suchten durch Sekretierung der Erkenntnisse die Dinge hintanzuhalten. Heute muß das Gegenteil eintreten: durch möglichst weite Verbreitung der entgegengesetzt wirkenden geistigen Erkenntnisse muß das Übel gebannt werden. In dieser Beziehung hat die Menschheit einen vollständigen Umschwung erfahren. Dazumal mußte man durch die Schranken der Mysterien etwas zurückhalten über die physischen Wissenschaften; heute muß man geistige Wissenschaft so viel verbreiten, als möglich ist, weil nur dadurch allmählich dasjenige, was in der Richtung wirkt, die eben geschildert worden ist, ausgetrieben werden kann. Die Menschheit hat ja heute vielfach gar keine Ahnung davon, was es bedeutet, wenn man auf der einen Seite national gesinnt ist und auf der andern Seite internationale Physik treiben will. Diese Dinge begegnen sich aber in der Menschennatur und befruchten sich in der Menschennatur und führen, wie sie im Altertum geführt haben zu luziferischen Bildungen, in der Gegenwart zu ahrimanischen Bildungen. Die Menschheit hat ja keine andere Alternative, als entweder alles, was Physik, Chemie und dergleichen ist, zu lassen, oder international zu werden in der Denkweise.
[ 21 ] This is a significant secret that one must know if one wishes to understand the structure of life in the present. There is no way, given the constraints of time, to ward off these things other than through knowledge. The ancient masters of the mysteries sought to ward off these things by keeping their knowledge secret. Today, the opposite must occur: the evil must be banished by disseminating the spiritual insights that counteract it as widely as possible. In this regard, humanity has undergone a complete reversal. Back then, it was necessary to withhold certain knowledge from the physical sciences behind the barriers of the mysteries; today, spiritual science must be disseminated as widely as possible, because only in this way can that which acts in the direction just described be gradually driven out. Indeed, humanity today often has no idea what it means to be nationally minded on the one hand and to pursue international physics on the other. Yet these forces meet within human nature and interact within it, leading—as they did in antiquity to Luciferic formations—and in the present to Ahrimanic formations. Humanity has no alternative but either to abandon everything related to physics, chemistry, and the like, or to adopt an international way of thinking.
[ 22 ] Daß es solche Gesetze gibt, die innig zusammenhängen mit dem allgemeinen Leben, das ahnen ja die Menschen der Gegenwart noch nicht. Und doch ist es eine Wahrheit, die unmittelbar an die Türe unserer Gegenwartsentwickelung klopft und eingelassen werden muß zum Heile der Gegenwartsentwickelung. Die dem Menschenfortschritt am meisten feindlichen Mächte widerstreben solchen Dingen gerade und verführen heute die Menschen dazu, die Nationalitätsidee zum besonders radikalen Ausdruck zu bringen. Es müßte schon auf solche Dinge heute hingewiesen werden, denn sie enthalten dasjenige, was wahr ist, und sie sind vielleicht allein in der Lage, weil sie die lautere und wirkliche Wahrheit enthalten, die Menschen zu heilen vor solchem Zeug, wie es gegenwärtig in den Köpfen figuriert. So unglaublich es aussieht, es gibt doch viele Menschen in der Gegenwart, die in Theoretischem und Praktischem imstande sind, nicht einzusehen, daß von den widerstrebenden Mächten der Gegenwart der Kniff gebraucht worden ist, zum Beispiel den Unsinn zu inkarnieren und ihn — Woodrow Wilson zu nennen. Es hängt nicht nur das, was ich gesagt habe, sondern auch manches andere mit diesem Genannten und Charakterisierten sehr wesentlich zusammen.
[ 22 ] People today have not yet even begun to suspect that such laws exist, laws that are intimately connected with life in general. And yet it is a truth that is knocking directly at the door of our present-day development and must be admitted for the sake of that development. The forces most hostile to human progress resist such things precisely and are today tempting people to express the idea of nationality in a particularly radical way. Such matters must be pointed out today, for they contain what is true, and they may be the only ones capable—precisely because they contain the pure and genuine truth—of healing people from the kind of nonsense that currently occupies their minds. As unbelievable as it may seem, there are still many people today who, both in theory and in practice, are incapable of realizing that the opposing forces of the present have employed a ruse—for example, to incarnate nonsense and call it *Woodrow Wilson*. Not only what I have said, but also many other things are very closely connected to this person I have named and characterized.
[ 23 ] Wer sich alle vor dem Mysterium von Golgatha berechtigten Religionssysteme durch den Kopf gehen läßt, sie wirklich in ihren Tiefen erkennt, der weiß, daß diese Religionssysteme alle einen bestimmten Impuls haben: die Menschen zu bewahren vor der Berührung mit jenen Mächten, welche so wirken, wie ich es charakterisiert habe, wenn sie nicht bekämpft werden. Das war im wesentlichen mit einer der Impulse der alten Religionssysteme, die Menschen zu bewahren vor den schädlichen Wirkungen der Kräfte, die mit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahre auftreten in bezug auf die äußeren physischen Hantierungen. Daß man berechtigt war dieses zu tun, das konnten die alten Mysterienpriester aus einer ganz bestimmten Tatsache entnehmen. Wenn diese alten Mysterienpriester in die heiligen alten Mysterien eingeweiht wurden und dadurch in die Lage kamen, mit den Toten zu verkehren, dann waren sie imstande, jene Dankbarkeit kennenzulernen, welche der Mensch nach dem Tode hat für solche Vornahme: die Toten erwiesen sich vor allen Dingen dankbar dafür, daß sie, bevor sie durch die Pforte des Todes gegangen sind, bewahrt worden sind vor der Berührung mit diesen Kräften.
[ 23 ] Anyone who considers all the religious systems that are justified in the light of the Mystery of Golgotha, and truly comprehends them in their depths, knows that these religious systems all share a specific impulse: to protect people from coming into contact with those forces that act in the way I have described, if they are not countered. This was essentially one of the impulses of the ancient religious systems: to protect people from the harmful effects of the forces that arise around the ages of fourteen and fifteen in connection with external physical activities. The ancient mystery priests could deduce that they were justified in doing this from a very specific fact. When these ancient mystery priests were initiated into the sacred ancient mysteries and thereby became able to commune with the dead, they were able to perceive the gratitude that human beings feel after death for such a measure: Above all, the dead showed gratitude for having been spared contact with these forces before they passed through the gate of death.
[ 24 ] Das Analogon existiert auch jetzt. Derjenige, der kennenlernt das Leben der Menschenseele zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, der weiß, wie der Tote dankbar ist dafür, wenn er bewahrt werden kann im Leben vor den alleräußersten Ausschreitungen des Menschen, dem Separatismus in Gruppen, dem Einschnüren des Menschen zum Beispiel in nationale Gruppen oder dergleichen. Alle alten Religionen bezogen sich darauf, gewisse Kräfte hintanzuhalten, zu regeln, gesetzmäßig zu gestalten, die mit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahre auftraten. Mit dem Mysterium von Golgatha tritt die Christus-Kraft in die Menschheitsentwickelung ein. «Im Urbeginn war der Logos, und der Logos war bei Gott, und ein Gott war der Logos.» Auf das Wort wird gedeutet, auf den inkarnierten Logos, der unter andern Impulsen auch den hat, zu überwinden jeden Speziallogos, alles das, was von der Menschennatur aufsteigt in dem menschlichen Kehlkopf, in dem Worterzeuger, und durch den Worterzeuger den Menschen spaltet über die Erde hin. So, wie die alten Götter die andern Kräfte zu überwinden hatten, so hat die Kraft des Logos zu überwinden die Spezialkräfte, welche mit der Entwickelung des Wortes, das heißt der Sprache zusammenhängen. Es kam denjenigen Menschen, die viel weiter im Augenblicke waren als die späteren, die den Christus-Impuls charakterisierten, nicht auf ein Wort an, und wenn sie ein Wort anwendeten, so wendeten sie es an mit einem ganz bestimmten Ziel. Daß der Schreiber des Johannes-Evangeliums just das Wort «Wort» gebraucht hat, das war mit diesem Ziele getan, das ich eben jetzt charakterisiert habe.
[ 24 ] The analogy still holds true today. Anyone who becomes acquainted with the life of the human soul between death and a new birth knows how grateful the deceased is when they can be protected in life from humanity’s most extreme excesses—such as separatism into groups, the confinement of people to national groups, or the like. All the ancient religions were concerned with holding back, regulating, and organizing according to law certain forces that emerged around the fourteenth or fifteenth year. With the Mystery of Golgotha, the Christ-force enters the development of humanity. “In the beginning was the Logos, and the Logos was with God, and the Logos was God.” This refers to the Word, to the incarnated Logos, who, among other impulses, also has the impulse to overcome every particular logos—everything that rises from human nature in the human larynx, in the speech-generator, and through the speech-generator divides humanity across the earth. Just as the ancient gods had to overcome other forces, so the power of the Logos must overcome the particular forces associated with the development of the word—that is, of language. For those people who were far more advanced in their understanding at that time than those who later characterized the Christ impulse, a single word was of no consequence; and when they used a word, they did so with a very specific purpose. The fact that the writer of the Gospel of John used precisely the word “Word” was done with the purpose I have just described.
[ 25 ] Alle diese Dinge hängen mit der Entwickelung der Menschheit innig zusammen, denn die Entwickelung der Menschheit muß eben aus ihren tieferen Kräften heraus erkannt werden. Das ist schon einmal die Aufgabe der Gegenwart. Deshalb wollen wir solche Dinge, die in dieser bedeutsamen Weise zusammenhängen mit jenem großen Umschwunge, der zur Zeit des Mysteriums von Golgatha inauguriert worden ist für die Menschheit, der manche spätere Umschwünge, kleinere Umschwünge in der Folge gehabt hat, vorzüglich jetzt betrachten.
[ 25 ] All these things are intimately connected with the evolution of humanity, for the evolution of humanity must be understood precisely from the perspective of its deeper forces. That, in itself, is the task of the present. That is why we wish to consider now, in particular, those things that are so significantly connected with that great turning point inaugurated for humanity at the time of the Mystery of Golgotha—a turning point that has subsequently led to many later, smaller turning points.
