Mystery Truths and Christmas Impulses
Ancient Myths and Their Significance
GA 180
30 December 1917, Dornach
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Mystery Truths and Christmas Impulses, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Heute möchte ich noch von einer gewissen andern Seite her die Zusammenhänge betrachten, die da bestehen zwischen dem Menschen als einem mikrokosmischen Wesen und dem ganzen Makrokosmos der Welt, zu der der Mensch gehört, von der er gewissermaßen ein Glied, ein Organ ist. Man kann diese Dinge von den allerverschiedensten Gesichtspunkten aus betrachten, und dabei werden die mannigfaltigsten Verhältnisse zur Anschauung kommen, die sich manchmal scheinbar widersprechen; allein die Widersprüche bestehen darinnen, daß eben die Sache immer von verschiedenen Seiten angesehen werden muß.
[ 1 ] Today I would like to examine, from a somewhat different perspective, the connections that exist between human beings as microcosmic beings and the entire macrocosm of the world to which they belong—of which they are, in a sense, a part, an organ. One can view these matters from a wide variety of perspectives, and in doing so, the most diverse relationships will come into view, some of which may seem to contradict one another; yet the contradictions lie precisely in the fact that the matter must always be viewed from different angles.
[ 2 ] Sie haben aus bestimmten Betrachtungen, die wir in diesen Tagen angestellt haben, ersehen, daß eigentlich der Mensch, so wie er sich zur Welt ringsherum stellt, in die Weltbetrachtung etwas von sich einmischt, daß er die Sinneswelt eigentlich nicht so nimmt, wie sie ist; daß er, wie ich es versuchte drastisch zum Ausdruck zu bringen, in seine Weltbetrachtung etwas einmischt, was von innen aufsteigt, was von innen heraus gebildet ist und was eigentlich eine Art Umwandlung des Geruchssinnes ist. Es ist dasjenige, was der Mensch sich über die Welt in der mannigfaltigsten Weise kombiniert, was herauskommt, wenn er seinen gewöhnlichen, durch seinen Leib ihm zukommenden Scharfsinn, wie man das nennt, anwendet; Spürsinn könnte man es ja auch nennen. Was anderes wäre dann dem Menschen gegeben, wenn er überhaupt leicht den Versuch machen könnte — er kann es gar nicht einmal leicht, denn er kann seinen Spürsinn nicht leicht ausschalten —, wenn der Mensch die Sinneswelt einfach so nehmen würde, wie sie sich ihm darbietet, ohne seinen Verstand, seinen kombinierenden Verstand in alles mögliche gleich einzumischen.
[ 2 ] From certain observations we have made in recent days, you have seen that human beings, in the way they relate to the world around them, actually introduce something of themselves into their view of the world; that they do not, in fact, perceive the sensory world as it is; that, as I tried to express quite forcefully, he introduces into his perception of the world something that arises from within, that is formed from within, and that is actually a kind of transformation of the sense of smell. It is that which human beings combine in the most manifold ways regarding the world, what emerges when they apply their ordinary “acumen”—as it is called—which comes to them through their body; one could also call it “intuition.” What else would be given to a person if they could even easily attempt it—they cannot do so easily at all, for they cannot easily switch off their intuition—if a person were to simply take the sensory world as it presents itself to them, without immediately interweaving their intellect, their reasoning mind, into everything possible.
[ 3 ] Hier berührt man ein Thema, das ja vielleicht dem Verständnis einige Schwierigkeiten macht. Allein, Sie können sich eine Vorstellung machen von dem, was eigentlich gemeint ist, wenn Sie bedenken, wie Ihnen die Natur, die Wesenheit namentlich eines Sinnes entgegentritt. Bei den andern Sinnen ist es zwar ebenso, aber die Sache tritt für die äußere Beobachtung nicht mit derselben Schärfe zutage, nicht so scharf, wie wenn man das, was eigentlich hier gemeint ist, für den Sinn des Gesichts, für das Auge in Betracht zieht. Bedenken Sie, dieses Auge als ein physikalischer Apparat liegt ja eigentlich als ein ziemlich selbständiges Organ im menschlichen Schädel drinnen und ist eigentlich nur durch die Anhänge, die Anhänge der Blutadern, die Anhänge der Nerven, nach rückwärts in den menschlichen Leib hinein verlängert. Man kann sagen: Dieses ist das menschliche Auge, hier ist die Verlängerung (siehe Zeichnung); aber als Auge liegt es hier in der knöcherigen Schädelhöhle mit einer großen Selbständigkeit drinnen, insoweit es physikalischer Apparat ist, hier die Linse, der Einfall der Lichtstrahlen, der Glaskörper, also alles das, was physikalischer Apparat ist, ist eigentlich sehr selbständig. Nur durch den Sehnerv, die Aderhaut, die sich hinein nach dem Leibe verlängert, verlängert sich eben das Auge selbst nach dem Leibe, so daß man sagen kann, dieses Auge als physikalischer Apparat, also insofern es aufnimmt die äußere Sinneswelt in ihrer Sichtbarkeit, ist ein selbständiger Organismus, bis zu einem gewissen Grade wenigstens.
[ 3 ] Here we are touching on a topic that may present some difficulties for understanding. However, you can get an idea of what is actually meant if you consider how nature—and the essence of a particular sense, in particular—presents itself to you. The same is true of the other senses, but the matter does not become apparent to external observation with the same clarity—not as clearly as when one considers what is actually meant here in relation to the sense of sight, to the eye. Consider this: the eye, as a physical apparatus, actually lies within the human skull as a fairly independent organ and is, in fact, extended backward into the human body only through its appendages—the blood vessels and nerves. One could say: This is the human eye, and here is its extension (see drawing); but as an eye, it lies here within the bony cranial cavity with a high degree of autonomy, insofar as it is a physical apparatus—the lens, the incidence of light rays, the vitreous body—in other words, everything that constitutes the physical apparatus is actually quite autonomous. It is only through the optic nerve and the choroid, which extend inward toward the body, that the eye itself extends into the body, so that one can say that this eye, as a physical apparatus—that is, insofar as it perceives the external sensory world in its visibility—is an independent organism, at least to a certain degree.


[ 4 ] So ist es eigentlich für jeden Sinn, nur für die andern Sinne ist die Sache nicht so scharf ins Auge fallend. Jeder Sinn als Sinn ist im Grunde genommen etwas Selbständiges, so daß man schon sprechen kann von einer Sinneszone. Man wundert sich eigentlich, daß das Studium der Sinne nicht hinreicht, um die betreffenden Gelehrten zu einiger Spiritualität zu treiben. Denn gerade diese Selbständigkeit der Sinne könnte die Gelehrten zu einiger Spiritualität treiben. Warum? Sehen Sie, dasjenige, was miterlebt wird durch den Sehnerv, durch die Aderhaut, das würde — und man könnte das schon mit der gewöhnlichen Wissenschaft leicht nachweisen —, das würde nicht hinreichen, um dem Menschen zum Bewußtsein zu bringen dasjenige, was er in seinen Sinnen erlebt. Das Merkwürdige bei den Sinnen ist nämlich das, daß in diesen rein physikalischen Apparat, und er ist ein rein physikalischer Apparat, hineinragt der Ätherleib. Wir haben es bei allen Sinnen zu tun mit etwas, das vom Organismus ausgespart ist, und das nur durchlebt wird vom Ätherleib. Sie würden nicht das, was in Ihrem Auge durch das Hereinfallen des Lichtes bewirkt wird, mit Ihrem Bewußtsein vereinigen können, wenn Sie nicht den Sinn des Auges, und so auch die andern Sinne, durchziehen würden mit Ihrem Ätherleib.
[ 4 ] This is actually true of every sense; it’s just that with the other senses, the matter isn’t quite so striking. Every sense, as a sense, is essentially something independent, so that one can indeed speak of a “sensory zone.” It’s actually surprising that the study of the senses isn’t enough to inspire the scholars in question to some degree of spirituality. For it is precisely this independence of the senses that could lead scholars toward a certain spirituality. Why? You see, what is experienced through the optic nerve and the choroid—and this could easily be demonstrated even by ordinary science—would not be sufficient to make a person aware of what they experience through their senses. The remarkable thing about the senses is that the etheric body extends into this purely physical apparatus—and it is a purely physical apparatus. With all the senses, we are dealing with something that is set apart from the organism and is experienced solely by the etheric body. You would not be able to unite with your consciousness what is brought about in your eye by the incidence of light if you did not permeate the sense of sight—and likewise the other senses—with your etheric body.
[ 5 ] Ein Lichtstrahl fällt in das Auge. Dieser Lichtstrahl wirkt im Auge genau ebenso physikalisch, wie der Lichtstrahl wirkt in einer Camera obscura, in einem photographischen Apparat. Und nur dadurch kommt Ihnen das zum Bewußtsein, was da vorgeht in dieser Naturkamera des Auges, daß Ihr Ätherleib auskleidet das Auge und auffängt das, was im bloßen physikalischen Apparat nicht aufgefangen wird durch einen Ätherleib. Im bloßen physikalischen Apparat, im bloßen photographischen Apparat geht eben nur der physische Vorgang vor sich; so daß der Mensch in der Gesamtheit seiner Sinne wirklich eine Art Fortsetzung hat der Außenwelt. Als physikalische Apparate sind die aufnehmenden Sinne, wenigstens die größte Zahl der aufnehmenden Sinne, mehr zur Außenwelt gehörig als zum Menschen. Ihr Auge gehört viel mehr der Außenwelt an als Ihrem eigenen Leibe.
[ 5 ] A ray of light enters the eye. This ray of light acts within the eye in exactly the same physical way as a ray of light acts in a camera obscura or in a photographic apparatus. And it is only through this that you become aware of what is happening in this natural camera of the eye: your etheric body lines the eye and captures what is not captured in the mere physical apparatus by an etheric body. In the mere physical apparatus, in the mere photographic apparatus, only the physical process takes place; so that, in the totality of their senses, human beings truly have a kind of extension into the external world. As physical apparatus, the receiving senses—at least the vast majority of them—belong more to the external world than to the human being. Your eye belongs far more to the external world than to your own body.
[ 6 ] Beim Tiere gehört das Auge viel mehr dem Leibe an als beim Menschen. Dadurch ist der Mensch über das Tier als Sinneswesen erhaben, daß er Sinne hat, die weniger mit dem Leibe in Verbindung stehen als die Sinne der Tiere. Bei gewissen niederen Tieren kann das schon anatomisch nachgewiesen werden. Da finden sich allerlei organische Fortsätze; zum Beispiel der Fächer ist dadrinnen bei niederen Tieren. Das sind sehr komplizierte Ausgestaltungen zum Teil des Nervs, zum Teil der Blutkörper, die die niederen Tiere vollkommener haben als die höheren Tiere und vor allem als der Mensch.
[ 6 ] In animals, the eye is much more closely connected to the body than in humans. This is what elevates humans above animals as sensory beings: they possess senses that are less closely connected to the body than those of animals. In certain lower animals, this can already be demonstrated anatomically. There one finds all sorts of organic appendages; for example, the fan is located inside lower animals. These are very complex structures—partly of the nervous system, partly of the blood—which lower animals possess in a more perfect form than higher animals and, above all, than humans.
[ 7 ] Daß beim Menschen der physische Leib so wenig Anteil nimmt an seinen Sinnen und den Anteil sehr stark dem Ätherleib überläßt, das ist dasjenige, was beim Menschen macht, daß er ein verhältnismäßig so vollkommenes Wesen ist. So daß wir sagen können: Der Mensch ist erstens dieser innere leibliche Mensch, physisch betrachtet, und ihm sind überall die Sinne eingefügt, die aber eigentlich — wie ich einmal in einem öffentlichen Vortrage in Zürich gesagt habe — wie Golfe sind, die von der Außenwelt hereinragen. Man würde viel richtiger schematisch so zeichnen. Statt daß man zeichnete: Da ist ein Sinn, und da ist ein Sinn, und da ist ein Sinn (siehe Zeichnung), würde man viel richtiger so zeichnen: Da ist der menschliche Leib, und da baut sich die menschliche Welt, zum Beispiel das Auge oder das Geruchsorgan, ihre Fortsetzung in die Außenwelt hinein, baut sich ihre Golfe durch die Sinnesorgane. Die Außenwelt ragt durch Sinne, Auge und so weiter herein, und von innen kommen wir nur mit dem Ätherleib entgegen und durchziehen das, was uns die Außenwelt hineinschickt, mit unserem Ätherleib. Er nimmt dadurch Teil an der Außenwelt. Dadurch sind wir darauf angewiesen, dasjenige, was die Außenwelt uns hereinschickt, mit unserem Ätherleib innerlich gewissermaßen zu übergreifen.
[ 7 ] The fact that, in human beings, the physical body plays such a minor role in their senses and leaves the bulk of that role to the etheric body is precisely what makes human beings such relatively perfect beings. So we can say: First and foremost, the human being is this inner, physical human being, viewed from a physical perspective, and the senses are embedded throughout him; but these senses are actually—as I once said in a public lecture in Zurich—like inlets that extend inward from the outside world. It would be much more accurate to draw it schematically like this. Instead of drawing: Here is a sense, and here is a sense, and here is a sense (see drawing), it would be much more accurate to draw it like this: Here is the human body, and here the human world—for example, the eye or the olfactory organ—extends itself into the external world, creating its own inlets through the sense organs. The external world reaches in through the senses—the eye and so on—and from within we meet it only with the etheric body, permeating what the external world sends us with our etheric body. Through this, the etheric body participates in the external world. Consequently, we are compelled to, so to speak, internally embrace with our etheric body that which the external world sends us.


[ 8 ] Daß man das nicht weiß, was ich jetzt gesagt habe, das hat bewirkt, daß die Philosophie seit mehr als hundert Jahren über nichts tolleres Zeug redet als über die Art und Weise, wie der Mensch durch seine Sinne die Außenwelt wahrnimmt. Sie können sich einen Überblick verschaffen über all das im Grunde genommen tolle Zeug, wenn Sie das Kapitel «Die Welt als Illusion» in meinen «Rätseln der Philosophie» lesen. Weil der Glaube besteht, daß die Sinne eigentlich nur von innen heraus zu begreifen sind, vom Leibe aus, so kommen die Menschen nicht dahinter, wie der Mensch eigentlich durch seine Sinne etwas von der Welt wissen kann. Sie reden immer so davon: Die Welt macht Eindruck auf die Sinne, dann aber muß das, was in den Sinnen bewirkt wird, die Seele auffassen. — Die Wahrheit ist, daß die Außenwelt selber in uns hineinbaut, daß wir also richtig die Außenwelt am Zipfel anfassen, mit unserem Ätherleib die Außenwelt am Zipfel anfassen, wenn wir als Menschen mit unseren Sinnen die Außenwelt wahrnehmen. Alles das, was Locke, Hume, Kant, die Neukantianer des 19. Jahrhunderts, Schopenhauer, Helmholtz, Wundt und wie sie alle heißen, alles das, was die Leute geredet haben über die Sinneswahrnehmung, das ist mit Ausschluß der Erkenntnis der wahren Verhältnisse gesprochen. Wie gesagt, Sie können in dem Kapitel «Die Welt als Illusion» in meinem Buche «Rätsel der Philosophie » die Sache nachlesen. Da werden Sie, philosophisch ausgesprochen, sehen, welche Kalamität das bewirkt hat, daß, mit Ausschluß der spirituellen Erkenntnis der Sache, eigentlich ein Riesenkohl als SinnesPhysiologie im 19. Jahrhundert Platz gegriffen hat.
[ 8 ] The fact that people don’t know what I’ve just said has led philosophy, for more than a hundred years, to talk about nothing more absurd than the way in which human beings perceive the external world through their senses. You can get an overview of all this—which is, essentially, absurd—by reading the chapter “The World as Illusion” in my book *The Riddles of Philosophy*. Because of the belief that the senses can really only be understood from within—from the body—people fail to grasp how a human being can actually know anything about the world through their senses. They always talk about it this way: The world makes an impression on the senses, but then what is brought about in the senses must be grasped by the soul. — The truth is that the external world itself builds itself into us; that is, we actually grasp the external world by the tip—we grasp the external world by the tip with our etheric body—when we, as human beings, perceive the external world through our senses. Everything that Locke, Hume, Kant, the 19th-century Neo-Kantians, Schopenhauer, Helmholtz, Wundt, and all the others have said—everything these people have said about sensory perception—has been spoken without any understanding of the true relationships. As I said, you can read about this in the chapter “The World as Illusion” in my book *The Riddles of Philosophy*. There you will see, from a philosophical perspective, what a calamity it has caused that—by excluding spiritual insight into the matter—a veritable mountain of nonsense regarding sensory physiology actually took hold in the 19th century.
[ 9 ] Nun handelt es sich darum, wirklich ganz gut zu verstehen, was ich eben sagte. Wenn Sie das, was ich eben einen Riesenkohl genannt habe, einigermaßen auf seine Wahrheit prüfen wollen, so ist es interessant, daß in einem gewissen Sinne doch gilt, was Locke, Hume, Kant, Helmholtz, Wundt und so weiter über die Sinne gesagt haben; aber kurioserweise gilt es für die Tiere. Der Mensch des 19. Jahrhunderts kommt durch seine Wissenschaft, indem er den Menschen begreifen will, nicht über das Begreifen der Verhältnisse in der Tierwelt hinaus. Gar kein Wunder, daß er auch bei der Abstammung des Menschen bei der Tierwelt stehenbleibt! Das aber hängt zusammen mit viel komplizierteren Verhältnissen. Denn der Ätherleib, sagte ich, faßt das, was man sinnliche Außenwelt nennt, bei einem Zipfel an. Aber was ist der Ätherleib zuletzt? Der Ätherleib ist zuletzt dasjenige, was der Mensch nun hereinbekommt aus dem Kosmos, aus dem Makrokosmos. So daß, indem der Mensch seinen Ätherleib aus dem makrokosmischen Verhältnisse abschnürt, der Makrokosmos in dem Menschen durch die Sinne sich selbst ergreift. Wir können uns fühlen als Sohn des Makrokosmos, indem wir ein Ätherleib sind, und ergreifen die irdische Sinneswelt mit unserem makrokosmischen Teil.
[ 9 ] Now it is a matter of truly understanding what I just said. If you want to examine to some extent the truth of what I just called a “giant cabbage,” it is interesting to note that, in a certain sense, what Locke, Hume, Kant, Helmholtz, Wundt, and so on said about the senses does indeed hold true; but curiously enough, it applies to animals. Through their science, 19th-century people, in their attempt to understand human beings, do not go beyond understanding the conditions in the animal world. No wonder, then, that they also stop at the animal world when it comes to human origins! But this is connected to much more complicated circumstances. For, as I said, the etheric body touches upon what is called the sensory external world only at one corner. But what, ultimately, is the etheric body? The etheric body is, ultimately, that which the human being now receives from the cosmos, from the macrocosm. So that, as the human being draws off his etheric body from the macrocosmic relationships, the macrocosm grasps itself within the human being through the senses. We can feel ourselves to be children of the macrocosm by virtue of being etheric bodies, and we perceive the earthly sensory world through our macrocosmic aspect.
[ 10 ] Daß dieses erst verhältnismäßig spät so geworden ist, das kann wiederum mit äußerer Wissenschaft, ich möchte sagen, haarscharf nachgewiesen werden, nur daß diese äußere Wissenschaft die wirklichen Verhältnisse nicht sehen kann, wenn sie nicht orientiert wird durch Geisteswissenschaft. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, daß die griechische Sprache eigentlich gar nicht den Ausdruck dafür hat, den wir haben, wenn wir sagen: Ich sehe einen Mann kommen, der uns entgegentritt. — Wir sagen so: Ich sehe einen Mann kommen. — Der entsprechende griechische Ausdruck würde heißen: Ich sehe einen kommenden Mann. — Man versetzt sich da viel mehr in die Tätigkeit hinein, weil im griechisch-lateinischen Zeitalter noch viel mehr das Gefühl dafür vorhanden war, daß man schon etwas tut, wenn man sieht oder hört, daß man da mit seinem Ätherleib etwas erfaßt, wenn man in der Sinneswelt ist. Dieses tätige Element, das hat die schläfrige Menschheit der neueren Zeit nicht. Die schläfrige Menschheit der neueren Zeit will eigentlich die Weltvorgänge am liebsten ganz verschlafen, das heißt, sie als Träume an sich herankommen lassen, will nicht das Bewußtsein entwickeln, mitzutun, wenn die Sinneswahrnehmungen zustande kommen. Deshalb versteht man das griechische Wesen heute schon recht schwer, denn der Grieche hatte einen viel aktiveren Begriff vom Menschen. Er fühlte sich viel mehr tätig selbst bei dem, was man heute die Passivität der Sinneswahrnehmungen nennt. Der Grieche würde daher auch nicht die unvollkommene, einseitige Theorie erfunden haben, daß der Mensch schläft, weil er müde ist; sondern er wußte, daß der Mensch müde wird, wenn er schlafen will, daß das Schlafen von wesentlich andern Impulsen herbeigeführt wird und daß dann nur die Müdigkeit eintritt aus dem Impuls des Schlafenwollens.
[ 10 ] The fact that this came about relatively late can, in turn, be proven with external science—I would say, with pinpoint accuracy—except that this external science cannot perceive the actual circumstances unless it is guided by spiritual science. I have already pointed out that the Greek language actually lacks the expression we have when we say, “I see a man coming toward us.” — We say, “I see a man coming.” — The corresponding Greek expression would be, “I see a man who is coming.” — One immerses oneself much more deeply in the activity itself, because in the Greek-Latin era there was a much stronger sense that one is already doing something when one sees or hears—that one is perceiving something with one’s etheric body while in the sensory world. This active element is lacking in the sleepy humanity of modern times. The sleepy humanity of modern times would actually prefer to sleep through world events entirely—that is, to let them approach as mere dreams—and does not wish to develop the awareness of actively participating when sensory perceptions arise. That is why it is already quite difficult to understand the Greek spirit today, for the Greeks had a much more active conception of the human being. They felt themselves to be much more active even in what we today call the passivity of sensory perceptions. The Greeks, therefore, would not have devised the imperfect, one-sided theory that a person sleeps because they are tired; rather, they knew that a person becomes tired when they want to sleep, that sleep is brought about by fundamentally different impulses, and that tiredness then arises solely from the impulse to sleep.
[ 11 ] Aber nicht diese Schlafenstheorie allein ist es, welche eigentlich erfunden ist aus der Bequemlichkeit des modernen Menschen heraus. Der moderne Mensch will möglichst passiv sein, möglichst wenig ein aktives Wesen sein. Er kann das machen, und in einem gewissen Sinne hat sich die neuere Menschheit dazu erzogen, ein passives Wesen zu sein. Und mit dieser Passivität hängt das zusammen, was ich gestern vielleicht etwas abrupt als den Aberglauben, den Götzendienst der modernen Zeit vorgeführt habe.
[ 11 ] But it is not this theory of sleep alone that has actually been invented out of modern man’s desire for comfort. Modern man wants to be as passive as possible, to be as little of an active being as possible. He is able to do this, and in a certain sense, modern humanity has trained itself to be a passive being. And this passivity is connected to what I perhaps somewhat abruptly described yesterday as the superstition, the idolatry of modern times.
[ 12 ] So ragt also aus der Außenwelt in uns, ich möchte sagen, der vorderste Posten dieser Außenwelt herein. Zeichnen wir das noch einmal schematisch. Nehmen wir einmal an, hier würden wir den menschlichen Leib zeichnen (siehe Zeichnung), so ragt der vorderste Posten der Außenwelt in unseren Leib herein; wir übergreifen das mit unserem Ätherleib (rot und blau).
[ 12 ] So the outer world extends into us—I would say, the outermost part of this outer world extends into us. Let’s draw this schematically once more. Suppose we were to draw the human body here (see drawing); the outermost part of the outer world extends into our body, and we encompass it with our etheric body (red and blue).
[ 13 ] Sie wissen, wir haben in Wirklichkeit zwölf Sinne; diese zwölf Sinne sind also zwölf verschiedene Arten des Hereinragens der Außenwelt in unseren Leib. Was ragt da eigentlich herein? Das ist die große Frage. Was ragt in unseren Leib eigentlich herein?
[ 13 ] You know, we actually have twelve senses; these twelve senses are, therefore, twelve different ways in which the outside world penetrates our body. What actually penetrates it? That is the big question. What actually penetrates our body?
[ 14 ] Wir sehen eigentlich von dem, was hereinragt, nur die eine Seite; wir können uns ohne Hellsehen nicht wenden und von der andern Seite schauen. Der Mensch empfängt mit seinem Ätherleib den hereinfallenden Lichtstrahl oder die hereinfallende Tonschwingung. Aber er läuft nicht von außen dem T one nach ins Ohr hinein; er läuft nicht dem Lichtstrahle nach von außen ins Auge hinein. Würde er das tun, würde der Mensch mit der Tonwelle, mit dem Lichtstrahl, mit der Wärmeevolution von außen in seine Sinnesapparate hineinlaufen, so weit, als die Sinne von außen hineinragen, so würde der Mensch bei diesem Laufen in einem bestimmten Gebiete sein. Und dieses Gebiet ist das Gebiet der Exusiai, der Geister der Form.
[ 14 ] We actually see only one side of what penetrates us; without clairvoyance, we cannot turn around and look from the other side. With his etheric body, a human being receives the incoming ray of light or the incoming sound vibration. But it does not travel from the outside into the ear in pursuit of the sound; it does not travel from the outside into the eye in pursuit of the ray of light. If it did so—if the human being were to move inward from the outside into his sensory organs along with the sound wave, the ray of light, or the heat radiation, as far as the senses extend inward from the outside—then, in this movement, the human being would be in a specific realm. And this realm is the realm of the Exusiai, the spirits of form.


[ 15 ] Also wenn Sie sich so wenden könnten, daß Sie mit dem, was hier hineinragt in den Sinnen, mitlaufen könnten (Pfeile), so würden Sie im Gebiete der Exusiai, der Geister der Form sein. Sie sehen das innige Ineinandergreifen der Weltenwesen. Wir schreiten hin als Menschen durch die Welt, öffnen unsere Sinne und tragen eigentlich in uns die Exusiai, die Geister der Form, die sich uns offenbaren, indem wir unsere Sinne der Außenwelt erschließen. Diese Welt der Exusiai, die geistige Welt, verbirgt sich also hinter dem Schleier der Sinneswelt. Aber diese Welt der Exusiai, die sich hinter dem Schleier der Sinneswelt verbirgt, die sich in den Menschen hineinoffenbarende Welt, sie hat, indem sie den Kosmos durchdringt, auch ihre universelle kosmische Seite. Dasjenige, was in unsere Sinne eindringt, das vibriert, das wellt in dem ganzen Kosmos. So daß wir sagen können, dieses Gebiet, das da in unsere Sinne hineinragt, das ist nicht nur da bei den Sinnen, sondern das hat auch seine Ausgestaltung draußen in der Welt. Was ist es denn da? Da sind es die Planeten, die zu unserem Sonnensystem gehören.
[ 15 ] So if you could turn yourself in such a way that you could move along with what extends into your senses here (arrows), you would be in the realm of the Exusiai, the spirits of form. You would see the intimate interweaving of the beings of the worlds. We walk through the world as human beings, opening our senses, and actually carry within us the Exusiai, the spirits of form, who reveal themselves to us as we open our senses to the external world. This world of the Exusiai—the spiritual world—is thus hidden behind the veil of the sensory world. But this world of the Exusiai, which is hidden behind the veil of the sensory world—the world that reveals itself within human beings—also has its universal, cosmic aspect as it permeates the cosmos. That which penetrates our senses—that which vibrates—ripples throughout the entire cosmos. So we can say that this realm, which extends into our senses, is not only present in the senses but also has its manifestation out there in the world. What is it, then? It is the planets that belong to our solar system.
[ 16 ] Wahrhaftig, der Zusammenhang der Planeten unseres Sonnensystems bildet einen Körper, der zu einem Geistwesen gehört, und dieses Geistwesen schließt die Exusiai ein, die sich eben in den Oflenbarungen unserer Sinne kundgeben und die ihre objektive Seite draußen im Universum haben, in den Planeten. Und eingebettet in alles das, was so nun ist, eingebettet also gleichsam in diesen ganzen Strom des Exusiai-Wirkens sindandere Wesen. Die liegen hinter diesen Exusiai. Ich möchte sagen, nicht so weit, wie die Exusiai vordringen, dringen andere Wesen vor. Die sind da draußen in demselben Gebiete, aber sie kommen nicht an uns heran (siehe Zeichnung): das sind die Wesen der Hierarchie der Archai, der Archangeloi, der Angeloi.
[ 16 ] Truly, the interrelationship of the planets in our solar system forms a body that belongs to a spiritual being, and this spiritual being includes the Exusiai, who manifest themselves precisely in the revelations of our senses and whose objective aspect lies out there in the universe, in the planets. And embedded in all that which is now as it is—embedded, as it were, in this entire stream of Exusiai activity—are other beings. They lie behind these Exusiai. I would say that other beings do not advance as far as the Exusiai do. They are out there in the same realm, but they do not come near us (see drawing): these are the beings of the hierarchy of the Archai, the Archangeloi, and the Angeloi.


[ 17 ] Die sind schon alle auch in dem drinnen, was sich in unseren Sinnen offenbart, aber der Mensch kann das nicht in sein Bewußtsein aufnehmen. Es wirkt auf ihn, aber er kann es nicht in sein Bewußtsein aufnehmen. So daß Sie sagen können: Wir stoßen durch unsere Sinne an eine Welt — das Gebiet der Exusiai mit dem Planetensystem (rot, blau, orange, siehe Zeichnung S. 97), und in dieses ganze Gebiet ist auch eingebettet die Hierarchie der Archai, der Archangeloi, der Angeloi. Diese sind gewissermaßen die Diener der Exusiai. Aber der Mensch nimmt von alledem nur die Außenseite wahr; er nimmt eben nur den vor ihm ausgebreiteten Sinnesteppich wahr.
[ 17 ] They are all already present in what is revealed to our senses, but human beings cannot take this into their consciousness. It affects them, but they cannot take it into their consciousness. So you can say: Through our senses, we come into contact with a world—the realm of the Exusiai with the planetary system (red, blue, orange; see illustration on p. 97)—and embedded within this entire realm is also the hierarchy of the Archai, the Archangeloi, and the Angeloi. These are, so to speak, the servants of the Exusiai. But human beings perceive only the outer aspect of all this; they perceive only the tapestry of sensory impressions spread out before them.
[ 18 ] So ist es mit dem, was außer uns ist. Wiederum anders ist es mit dem, was in uns ist, jetzt auch leiblich in uns ist. Sie können ja, nachdem Sie jetzt gehört haben, was da angrenzt an unsere Sinne, hingehen und können fragen: Was ist unmittelbar hinter unseren Sinnen nach innen zu gelegen? — Wir haben gesehen: Es setzt sich fort das Auge im Sehnerv nach innen. Alle Sinne setzen sich fort in ihrem entsprechenden Nerv nach innen. Wenn sich so die Sinne nach innen fortsetzen, so bekommen Sie von den zwölf Sinnen nach innen einen wunderbaren Bau. Es ist sehr kompliziert. Man könnte es sich vereinfachen, indem man sagte: zwölferlei Stränge nach dem Innern, zwölferlei Sinnessphären; also außen die Sinneszone, daran anschließend dasjenige, was die Sinne nun nach innen schicken.
[ 18 ] That is how it is with what lies outside of us. It is different, however, with what lies within us—what is now physically within us as well. Now that you have heard what lies adjacent to our senses, you can go on to ask: What lies immediately behind our senses, extending inward? — We have seen that the eye continues inward into the optic nerve. All the senses continue inward through their respective nerves. When the senses continue inward in this way, the twelve senses form a marvelous structure within. It is very complex. One could simplify it by saying: twelve strands leading inward, twelve spheres of the senses; that is, the sensory zone on the outside, followed by what the senses now send inward.
[ 19 ] Das ist ein sehr komplizierter Bau. Woher rührt der, wenn wir den Menschen als makrokosmisches Wesen betrachten? Das, was da hinter den Sinnen nach innen liegt, das kommt von den Dynamis, von den Geistern der Bewegung. So daß weiter nach innen gehend hier sich an die Sinne anschließen die Taten der Dynamis, der Geister der Bewegung (siehe Zeichnung S. 97). Sie könnten nicht denken, wenn die Geister der Bewegung nicht an den Denkapparaten, welche die Fortsetzung der Sinnesapparate sind, arbeiten würden. Wenn Sie nach außen sehen, sehen Sie die Exusiai die Naturordnung machen. Sie sehen diese Exusiai an den Menschen herankommen mit ihren Dienern, den Archai, den Archangeloi, den Angeloi. Aber wenn Sie an Ihr Inneres denken, dann müssen Sie denken, daß Sie dieses Innere verdanken den Geistern der Bewegung, die Ihnen den Denkapparat als Fortsetzung Ihres Sinnesapparates nach innen zubereiten; nicht den Kombinierungsapparat, der ein bloß umgestalteter Geruchsapparat ist, sondern den Denkapparat, den der Mensch im gewöhnlichen physischen Leben gar nicht gebraucht. Denn der Mensch gebraucht den Geruchsapparat, den bloß umgewandelten Geruchsapparat. Er hat sich schon abgewöhnt, die Sinnessphäre zu benützen; er würde ganz anders denken, wenn er die zwölf nach innen gehenden Fortsetzungen der Sinnessphäre wirklich benützen könnte.
[ 19 ] This is a very complex structure. Where does it come from, if we consider the human being as a macrocosmic being? That which lies inwardly beyond the senses comes from the Dynamis, the spirits of movement. Thus, as we go further inward, the actions of the Dynamis—the spirits of movement—are connected to the senses (see drawing on p. 97). You could not think if the spirits of movement were not at work on the thinking apparatus, which is the continuation of the sensory apparatus. When you look outward, you see the Exusiai establishing the order of nature. You see these Exusiai approaching human beings with their servants, the Archai, the Archangeloi, and the Angeloi. But when you think of your inner self, you must realize that you owe this inner self to the spirits of movement, who prepare for you the thinking apparatus as an extension of your sensory apparatus inward; not the combining apparatus, which is merely a transformed olfactory apparatus, but the thinking apparatus, which human beings do not use at all in ordinary physical life. For human beings use the olfactory apparatus—the merely transformed olfactory apparatus. They have already weaned themselves from using the sensory sphere; they would think quite differently if they could truly use the twelve inward-directed extensions of the sensory sphere.
[ 20 ] Im Gehirn liegt zum Beispiel hinter der Vorderhirnsphäre, die im wesentlichen umgearbeitetes Geruchsorgan ist, die Sehsphäre. Die benützt der Mensch kaum, denkt nur gewöhnlich durch die Geruchssphäre. Umgearbeitet benützt er sie, indem er kombiniert. Würde er sie unmittelbar benützen, würde er sein Vorderhirn ausschalten, dieses nur für die äußere sinnliche Welt zubereitete Vorderhirn ausschalten und denken mit der unmittelbaren, mit der Vierhügelpartie, mit der Sehpartie, da wo sie einmündet in das Gehirn, dann würde er Imaginationen haben.
[ 20 ] In the brain, for example, the visual sphere lies behind the forebrain sphere, which is essentially a modified olfactory organ. Humans hardly use the visual sphere at all; they usually think solely through the olfactory sphere. They use it in a modified way by combining it with other functions. If they were to use it directly—that is, if they were to bypass their forebrain, which is designed solely for the external sensory world, and think directly with the quadrigeminal plate, the visual center, where it enters the brain—then they would have imaginations.
[ 21 ] So ist es auch mit den andern Sinnen. Der Mensch hat schon Imaginationen auch in der physischen Welt, weil immer eine Welt in die andere hineinragt. Aber diese Imaginationen, die der Mensch in der physischen Welt hat, die erkennt er nicht als wirkliche Imaginationen an: es sind nämlich die Geruchsimaginationen. Was der Mensch riecht, das ist eigentlich für das gewöhnliche sinnliche Leben das einzige imaginative Gebiet. Aber ein viel edleres imaginatives Gebiet würde zum Beispiel aus der Sehsphäre stammen können und aus andern Sinnessphären.
[ 21 ] The same is true of the other senses. Human beings already have imaginations in the physical world as well, because one world always extends into the other. But human beings do not recognize these imaginations they have in the physical world as true imaginations: they are, in fact, olfactory imaginations. What human beings smell is actually the only imaginative realm in ordinary sensory life. But a much nobler imaginative realm could, for example, originate from the sphere of sight and from other sensory spheres.
[ 22 ] Nach innen zu gesehen sind die Geister der Bewegung da. Und weiter nach innen zu kommen wir zu den Gebieten, die nun nicht das Denken beherrschen, sondern das Fühlen nach innen zu beherrschen, die Organe des Fühlens, was zumeist drüsige Organe sind in Wirklichkeit. Diese Organe sind die Taten der Geister, die wir nennen die Kyriotetes, die Geister der Weisheit. Fühlende Wesen sind wir als Menschen dadurch, daß die Geister der Weisheit an uns arbeiten. Wollende Wesen sind wir dadurch, daß die Geister des Willens, die Throne an uns arbeiten. Noch weiter nach innen gelegen, arbeiten die Throne, die Geister des Willens an den Organen unseres Wollens (siehe Zeichnung S. 97).
[ 22 ] Looking inward, we find the spirits of movement there. And going even further inward, we come to the realms that do not govern thought, but rather govern inner feeling—the organs of feeling, which are in reality mostly glandular organs. These organs are the works of the spirits we call the Kyriotetes, the spirits of wisdom. We are sentient beings as human beings because the spirits of wisdom work within us. We are volitional beings because the spirits of the will, the Thrones, work within us. Located even further inward, the Thrones—the spirits of the will—work on the organs of our will (see drawing on p. 97).
[ 23 ] So wie nun makrokosmisch die Exusiai, die Geister der Form, in den Planeten ihren Leib haben, der gewissermaßen die äußere sichtbare Seite uns zuwendet für das gewöhnliche Bewußtsein, so haben die Geister der Bewegung — sonderbarerweise, aber es ist so — ihre Außenseite in den Fixsternen. Ihre Innenseite sieht nur der Tote zwischen dem Tod und einer neuen Geburt; das ist die geistige Seite, von der andern Seite gesehen. Dagegen die Geister der Weisheit und die Throne haben äußere Sichtbarkeit überhaupt nicht mehr; sie sind geistiger Natur. Man kann vergleichsweise sagen, sie liegen hinter den Planeten und hinter den Fixsternen. Und indem der Tote herunterschaut auf dasjenige, was am Menschen wirkt im menschlichen Fühlen und im menschlichen Wollen, schaut der Tote fortwährend hin auf die Kyriotetes, auf die Throne. Was ich Ihnen gesagt habe, daß der Tote mit den Menschen, mit denen er karmisch verbunden ist, einen Zusammenhang hat, das wird ihm vermittelt durch die Kyriotetes und durch die Throne. Der Tote schaut herein in die Sphäre, die auf unsichtbare Weise draußen in der objektiven Welt wirkt und eigentlich sichtbar nur wird in ihrem Geschöpf, in dem menschlichen Fühlen und in dem menschlichen Wollen. Zu dem Toten glänzt hinauf dasjenige, was hier die Menschen fühlen und wollen, und der Tote sagt: Im Leibe der Dynamis, im Leibe der Kyriotetes, im Leibe der Throne erglänzt Denken, Fühlen und Wollen der Menschen. — Wie wir hinaufsehen zu den Sternen, sieht der Tote in die Erdensphäre herunter, in die Menschensphäre. Nur, wir blicken das Mineralische an den Sternen an, das äußere Physische; der Tote sieht nicht das äußere Physische der Drüsen, der Bewegungsorgane, also auch des Blutes, sondern der Tote sieht dafür die geistige Seite, die Kyriotetes, die Throne. Wie wir zum Himmel aufblicken, seinen sichtbaren Sinn von außen schauen, schaut der Tote nieder, um das Firmament der Menschheit zu schauen. Das Geistige dieses Firmaments erscheint ihm hinauf. Das ist des Toten Geheimnis.
[ 23 ] Just as, on a macrocosmic level, the Exusiai—the spirits of form—have their bodies in the planets, which, in a sense, present their outer, visible side to us in ordinary consciousness, so too do the spirits of movement—strangely enough, but it is so—have their outer aspect in the fixed stars. Only the dead person, between death and a new birth, sees their inner side; this is the spiritual side, viewed from the other side. In contrast, the spirits of wisdom and the Thrones no longer possess any outer visibility at all; they are of a spiritual nature. One might say, by way of comparison, that they lie behind the planets and behind the fixed stars. And as the dead person looks down upon that which acts upon human beings in human feeling and human will, the dead person continually gazes upon the Kyriotetes, upon the Thrones. What I have told you—that the dead person has a connection with the human beings to whom he is karmically bound—is conveyed to him through the Kyriotetes and through the Thrones. The deceased looks into the sphere that works invisibly out there in the objective world and actually becomes visible only in its creation—in human feeling and human will. What people here feel and will shines up toward the deceased, and the deceased says: In the body of the Dynamis, in the body of the Kyriotetes, in the body of the Thrones, human thinking, feeling, and willing shine forth. — Just as we look up at the stars, the deceased looks down into the earthly sphere, into the human sphere. Only, we gaze upon the mineral aspect of the stars, the outer physical; the dead person does not see the outer physical aspect of the glands, the organs of movement—and thus also the blood—but instead sees the spiritual side: the Kyriotetes, the Thrones. Just as we look up at the heavens, perceiving their visible meaning from the outside, so the dead person looks down to behold the firmament of humanity. The spiritual essence of this firmament appears to him from above. This is the secret of the dead person.
[ 24 ] Sie sehen, welche Gegenseitigkeit da herrscht im Weltenall. Erkennt man diese Gegenseitigkeit, dann gewinnt die menschliche Wesenheit ein merkwürdiges Antlitz! Kurioserweise gewinnt sie das Antlitz, daß man sich sagt: Wir blicken hinauf zu den Sternen, suchen die Geister der Form in ihrer Außenseite in den Planeten, die Geister der Bewegung in den Fixsternen; dann entschwindet uns das in den fernen Perspektiven in den Geist hinein. Aus dieser Sphäre schaut der Tote hinunter, blickt auf dasjenige, was der Mensch hier verträumt, verschläft. In dem aber sieht er sein Jenseits; da glänzen ihm die Geiststerne hinauf in seine Welt hinein. Und der Mensch ist eingebettet in dieses Wesen.
[ 24 ] You can see the reciprocity that prevails throughout the universe. When one recognizes this reciprocity, the human being takes on a remarkable countenance! Curiously, it takes on a countenance that makes one say: We gaze up at the stars, seeking the spirits of form on the outer surfaces of the planets, the spirits of movement in the fixed stars; then it vanishes into the spirit in those distant perspectives. From this sphere, the dead look down, gazing upon what human beings here dream away and sleep through. But in that, they see their afterlife; there, the stars of the spirit shine up into their world. And human beings are embedded in this being.
[ 25 ] Da bekommt dasjenige, was in den ersten Szenen des Mysteriums «Die Prüfung der Seele» gesagt ist, eine eigentümliche Beleuchtung. Lesen Sie sich diese ersten Szenen der «Prüfung der Seele» durch, die Worte des Capesius, und Sie werden sehen, daß von der ethischen Seite aus dort alles gesagt ist, was jetzt gewissermaßen von seiten der Himmelskunde aus gesagt wird. Die Art und Weise, wie sie im Bewußtsein der Menschen wirken kann, diese Himmelskunde, auf das ist aufmerksam gemacht in den ersten Szenen in der «Prüfung der Seele».
[ 25 ] This sheds a unique light on what is said in the opening scenes of the mystery play *The Trial of the Soul*. Read through these opening scenes of *The Trial of the Soul*—the words of Capesius—and you will see that, from an ethical perspective, everything is said there that is now, in a sense, being said from the perspective of astronomy. The way in which this astronomy can influence people’s consciousness is highlighted in the opening scenes of “The Trial of the Soul.”
[ 26 ] Und dann kommen die höheren Welten, wenn man das Wort «höheren» anwenden will, dasjenige, was über dem Menschen und diesem Weltenall draußen liegt. Ich werde versuchen, schematisch das ein wenig darzustellen; aber ich muß dabei ein bißchen an Ihren guten Willen des Begreifens appellieren. Wir können sagen, wenn hier eine Art Grenze ist (siehe dazu auch die Zeichnung auf S. 97, gelb), so verliert sich die Welt der Planeten, die Welt der Fixsterne hier ins Geistige hinein — von der andern Seite kommt es wiederum. So daß wir hier die Wollenssphäre der Menschen haben, die Gefühlssphäre, da erscheinen die Geister der Weisheit. Da haben wir diese Ordnung.
[ 26 ] And then come the higher worlds—if one wishes to use the word “higher”—that which lies above humanity and this universe out there. I will try to illustrate this schematically; but in doing so, I must appeal a little to your willingness to understand. We can say that if there is a kind of boundary here (see also the diagram on p. 97, in yellow), then the world of the planets and the world of the fixed stars merge into the spiritual realm here—and from the other side, it emerges again. So here we have the sphere of human will and the sphere of feeling, where the spirits of wisdom appear. That is the order of things.


[ 27 ] Nun können Sie sich aber eine Ordnung, die beiden gemeinschaftlich ist, denken, wo Mensch und Weltenall drinnen ist, wo wir so eingebettet sind, daß auf der einen Seite wir, die wir hinaufglänzen zu den Toten, und auf der andern Seite der Sternenhimmel, der hinunterglänzt zu uns, darin eingebettet sind. Da kommen wir schon zu den Hierarchien, die, wenn man das Wort gebrauchen will, höher stehen als die Throne: zu den Cherubim und Seraphim. Sie können sich denken, daß von diesem Gesichtspunkte aus, der jetzt angeführt worden ist, man nicht von physischen Außenseiten der Cherubim und Seraphim sprechen kann, weil sie natürlich noch höhere Geister sind; aber sie sind schon so geistig — hier muß ich eben wirklich an Ihren sehr guten Willen zum Verständnis appellieren —, sie sind schon so geistig, diese Cherubim und Seraphim, daß ihr Auswirken von einer andern, ganz unbekannten Seite wiederum heraufkommt.
[ 27 ] Now, however, you can imagine an order that is common to both, one that encompasses both humanity and the universe, in which we are so embedded that, on the one hand, we—who shine upward toward the dead—and, on the other hand, the starry sky, which shines downward toward us, are both embedded within it. This brings us to the hierarchies that—if one wishes to use the term—stand higher than the Thrones: the Cherubim and Seraphim. You can imagine that from this perspective, which has just been outlined, one cannot speak of the physical outward forms of the Cherubim and Seraphim, because they are, of course, even higher spirits; but they are already so spiritual—here I must truly appeal to your willingness to understand—they are already so spiritual, these cherubim and seraphim, that their influence arises from another, entirely unknown aspect.
[ 28 ] Nicht wahr, die Exusiai, die Geister der Form, sind direkt sinnlich wahrzunehmen in den Planeten; das ist einfach ihre Seite, die sie uns zuwenden. Die Geister der Bewegung sind direkt wahrzunehmen in den Fixsternen; das ist die Seite, die sie uns zuwenden. Aber die Cherubim und Seraphim, die sind so nicht sinnlich wahrnehmbar, daß sie uns gewissermaßen ihre andere Seite zuwenden. Aber sie sind so stark unwahrnehmbar — ich bitte, das eben hinzunehmen und etwas darüber nachzudenken —, daß die Unwahrnehmbarkeit schon wiederum wahrnehmbar wird. Also dasjenige, was in der Welt lebt durch Cherubim und Seraphim, das ist in so hohem Grade unwahrnehmbar, daß die Unwahrnehmbarkeit schon wiederum wahrgenommen wird. Es entzieht sich das so stark dem menschlichen Bewußtsein, daß der Mensch dieses Dem-Bewußtsein-Entziehen merkt.
[ 28 ] Isn’t it true that the Exusiai, the spirits of form, can be perceived directly through the senses in the planets; that is simply the side they turn toward us. The spirits of motion can be perceived directly through the senses in the fixed stars; that is the side they turn toward us. But the Cherubim and Seraphim—they are not perceptible through the senses in this way, so that, in a sense, they turn their other side toward us. But they are so profoundly imperceptible—I ask you to simply accept this and reflect on it a bit—that this very imperceptibility becomes perceptible in turn. So that which lives in the world through the Cherubim and Seraphim is so profoundly imperceptible that this very imperceptibility is perceived in turn. It eludes human consciousness to such an extent that human beings become aware of this very elusion from consciousness.
[ 29 ] So kann man sagen: Die Cherubim, die kommen schon wiederum zum Vorschein, wenn auch eben sich das gerade auf die Weise dokumentiert, daß sie so tief verborgen sind, daß man ihre Verborgenheit merkt. Die Cherubim erscheinen nicht nur symbolisch, sondern ganz objektiv in dem, was sich in der Gewitterwolke zuträgt, in dem, was sich zuträgt, wenn ein Planet beherrscht wird von vulkanischen Kräften. Und die Seraphim kommen in dem, was als Blitz aus der Wolke zuckt, oder in dem, was als Feuer in den vulkanischen Wirkungen zutage tritt, wirklich so zum Vorschein, daß eben ihre Unwahrnehmbarkeit in diesen gigantischen Wirkungen der Natur wahrnehmbar wird.
[ 29 ] So one could say: The cherubim are already reappearing, even if this is manifested precisely in the way that they are so deeply hidden that one becomes aware of their concealment. The cherubim appear not only symbolically, but quite objectively in what takes place within a thundercloud, in what occurs when a planet is dominated by volcanic forces. And the seraphim truly come to light in what flashes from the cloud as lightning, or in what manifests as fire in volcanic phenomena, in such a way that their very imperceptibility becomes perceptible in these gigantic natural phenomena.
[ 30 ] Daher haben in alten Zeiten, wo man solche Dinge durchschaut hat, die Menschen auf der einen Seite hingeblickt zum Sternenhimmel, der ihnen das Mannigfaltigste geoffenbart hat: die Geheimnisse der Exusiai, die Geheimnisse der Dynamis. Dann haben sie die höheren Geheimnisse zu enthüllen versucht in dem, worüber sich der Mensch heute lustig macht: aus dem Inneren der menschlichen Leiber — wie man trivial sagt —, aus den Eingeweiden. Dann aber waren sie sich dessen bewußt, daß die größten Wirkungen, die wirklich dem Sonnensystem gemeinschaftlich sind, von einer ganz umgekehrten Seite her sich in den Feuer- und Gewitterwirkungen, in den Erdbeben und vulkanischen Wirkungen ankündigen. Das Schöpferischste, das in den Seraphim und Cherubim liegt, kündigt sich an durch seine zerstörerischste Seite, kurioserweise. Es ist eben die Kehrseite, es ist das absolut Negative, aber das Geistige ist so geistig stark da, daß eben schon seine Unwahrnehmbarkeit, sein Nichtdasein, wahrgenommen wird von den Sinnen.
[ 30 ] That is why, in ancient times, when people understood such things, they looked up at the starry sky, which revealed to them the most diverse things: the mysteries of the Exusiai, the mysteries of the Dynamis. Then they sought to unveil the higher mysteries in what people today mock: from within the human body—as one might trivially say—from the bowels. But they were aware that the greatest forces, which are truly common to the solar system, announce themselves from a completely opposite direction in the phenomena of fire and thunderstorms, in earthquakes and volcanic activity. Curiously, the most creative aspect inherent in the Seraphim and Cherubim announces itself through its most destructive side. It is precisely the flip side, the absolute negative; yet the spiritual is so powerfully present there that even its imperceptibility, its non-existence, is perceived by the senses.
[ 31 ] Da haben Sie den Menschen wieder hineingestellt in den Makrokosmos. Und gleichzeitig können Sie einsehen, daß in diesem ganzen Makrokosmos etwas ist, was bei den Cherubim beginnt und nach oben zu ihnen selber hingeht, und das sich nur, ich möchte sagen, abspiegelt, abschattet in den gigantischen Wirkungen, die wir zuletzt angeführt haben. Das gibt Ihnen die Perspektive auf eine Naturwissenschaft, die zu gleicher Zeit Geisteswissenschaft ist; es gibt Ihnen die Perspektive auf eine Wissenschaft, welche das ganze Weltenall wirklich als Geistall schaut, welche sich nicht begnügt bei dem verschwommenen Pantheismus und bei andern «Panen», sondern welche auf dasjenige wirklich eingeht, was als Geistiges dem Weltenall zugrunde liegt.
[ 31 ] There you have placed human beings back within the macrocosm. And at the same time, you can see that within this entire macrocosm there is something that begins with the cherubim and ascends toward them, and that is, I would say, merely reflected or shadowed in the gigantic effects we mentioned last. This gives you the perspective of a natural science that is at the same time a spiritual science; it gives you the perspective of a science that truly views the entire universe as a spiritual realm, one that is not content with vague pantheism and other forms of “pan-ism,” but which truly delves into that which, as the spiritual, underlies the universe.
[ 32 ] Diese Dinge werden Ihnen auch verständlich machen, daß der Mensch nach einer gewissen Seite hin eine Zwienatur haben muß. Nehmen wir den Menschen, wie er lebt vom Aufwachen bis zum Einschlafen; er lebt in seinen Sinnen darinnen, in der sinnlichen Umgebung, wenn man die Außenseite so wahrnimmt, wie ich das angedeutet habe. Aber von dem Menschen lebt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen der andere Teil. Der ist nur im gegenwärtigen Menschheitszyklus so unvollkommen, daß der Mensch sich nicht bewußt wird dessen, was er während des Schlafens erlebt. Aber während des Schlafens, da erlebt der Mensch sein Zusammensein mit dem Kosmos, mit dem außerirdischen Kosmos, ebenso wie er während des Wachens sein Zusammenleben mit dem irdischen Kosmos mit den Sinnen erlebt. Nur bleibt das andere, das Zusammenleben mit dem außerirdischen Kosmos, ihm unbewußt. In dem Augenblicke, wo Sie einschlafen, machen Sie die Bewegungen des Kosmos geistig mit, gehen Sie in eine ganz andere Sphäre hinein. Sie machen sich fix, wenn Sie aufwachen; Sie machen sich beweglich gegenüber dem Kosmos, indem Sie einschlafen. Sie leben das Leben des Kosmos mit, indem Sie einschlafen; Sie reißen sich heraus aus dem Kosmos, indem Sie aufwachen. So daß Sie sagen können: Der Mensch kann anerkennen in seiner eigenen Natur, in seiner eigenen Wesenheit einen Teil, der im Kosmos schwimmt, der im Kosmos mitlebt. Wenn daher der alte Astrologe in dem Sinne, wie das in den letzten Betrachtungen gemeint war, den Kosmos mit seinen Geheimnissen erforschte, so erforschte er das, worinnen der Mensch mitschwimmt mit dem Teil seines Wesens, der schläft. Da schwimmt der Mensch mit dem mit, was der Astrologe zu erforschen versucht, der wirkliche Astrologe, nicht der bloß rechnende, mathematische der neueren Zeit.
[ 32 ] These things will also help you understand that, in a certain sense, human beings must have a dual nature. Let us consider a person as they live from the moment they wake up until they fall asleep; they live within their senses, in their sensory environment, if one perceives the outer world as I have indicated. But between falling asleep and waking up, the other part of the human being is active. In the present cycle of humanity, this part is so imperfect that the human being is not aware of what he experiences during sleep. Yet during sleep, the human being experiences his connection with the cosmos—with the extraterrestrial cosmos—just as he experiences his connection with the earthly cosmos through his senses while awake. It is just that the other aspect—this coexistence with the extraterrestrial cosmos—remains unconscious to them. The moment you fall asleep, you mentally participate in the movements of the cosmos and enter a completely different sphere. You become alert when you wake up; you become responsive to the cosmos by falling asleep. You participate in the life of the cosmos by falling asleep; you tear yourself away from the cosmos by waking up. So that you can say: Human beings can recognize within their own nature, within their own being, a part that floats within the cosmos, that lives within the cosmos. Therefore, when the ancient astrologer explored the cosmos with its mysteries—in the sense intended in the preceding reflections—he was exploring that in which human beings float along with the part of their being that sleeps. There, human beings float along with what the astrologer seeks to explore—the true astrologer, not the merely calculating, mathematical astrologer of more recent times.
[ 33 ] In dem Augenblicke, wo der Mensch das sieht, was er mit dem Teil seines Wesens erlebt, der schläft, in dem Augenblicke steht er vor dem, was man ungefähr bis in das 15. Jahrhundert herein in Wirklichkeit die Natur genannt hat. Das hat man die Natur genannt, was da der Mensch erlebt. Die Griechen nannten dasselbe, was man im Mittelalter die Natur nannte, Proserpina, Persephone. Natürlich beschrieb man die Mysterien der Persephone anders in Griechenland, anders im Mittelalter. Aber Sie können sich überzeugen, daß das Mittelalter diese Dinge kannte, wenn Sie solche Beschreibungen der Natur und ihrer Geheimnisse lesen, wie Sie sie bei Bernardus Silvestris finden. Da beginnt, in dem Werke «De mundi universitate» von Bernardus Silvestris, die Schilderung der Erlebnisse, die der Mensch hat, wenn er für den Teil erwacht, der den Kosmos mitmacht, der sonst verschlafen wird.
[ 33 ] The moment a person perceives what they experience with that part of their being that is asleep, in that very moment they stand before what, up until about the 15th century, was actually called “nature.” What a person experiences there was called “nature.” The Greeks called the same thing—what was called “nature” in the Middle Ages—Proserpina, Persephone. Of course, the mysteries of Persephone were described differently in Greece than in the Middle Ages. But you can see for yourself that the Middle Ages were familiar with these things when you read descriptions of nature and its mysteries such as those found in the works of Bernardus Silvestris. In Bernardus Silvestris’s work *De mundi universitate*, he begins his account of the experiences a person has when they awaken to the part of themselves that participates in the cosmos—the part that is otherwise asleep.
[ 34 ] Insbesondere großartig sind diese Dinge geschildert bei Alanus ab Insulis, aus dem Gebiete heraus, das wir öfter erwähnten; denn mit der «Insel» ist bei Alanus ab Insulis Irland gemeint, Hybernia. Sie finden in seinem Werke «De planctu naturae» und in seinem « Anticlaudianus» parallelisiert den Proserpinamythus und dasjenige, was er über die Natur zu sagen hat. Und Sie finden, daß alles wiederum aufersteht bei dem großen Lehrer des Dante, den ich einmal hier angeführt habe, bei Brunetto Latini. Sie finden die Lehren des Brunetto Latini übergegangen in Dantes eigene Anschauungen. Lesen Sie die Partien der «Göttlichen Komödie», in denen Dante schildert die Matelda, die Partie, die wirklich wie ein Ei dem andern dem Proserpinamythus gleicht, was auch schon die äußere Wissenschaft bemerkt hat, so werden Sie sich ein Bewußtsein davon aneignen — aus Bernardus Silvestris, aus Alanus ab Insulis, aus Brunetto Latini und aus Dante können Sie sich ein Bewußtsein aneignen, aus vielem andern auch —, wie bis in die Zeiten, wo die neue Epoche aufgegangen ist, bei den Menschen ein Bewußtsein vorhanden war von jener andern Welt des Zusammenlebens des Menschen als Mikrokosmos mit dem Makrokosmos.
[ 34 ] These matters are described particularly well by Alanus ab Insulis, from the region we have mentioned several times; for in Alanus ab Insulis’s work, the “island” refers to Ireland, Hybernia. In his work *De planctu naturae* and in his *Anticlaudianus*, you will find parallels between the Proserpinamythus and what he has to say about nature. And you will find that all of this resurfaces in the work of Dante’s great teacher, whom I have cited here before: Brunetto Latini. You will find that Brunetto Latini’s teachings have been incorporated into Dante’s own views. Read the passages of the *Divine Comedy* in which Dante describes Matelda—the passage that truly resembles the myth of Proserpina like two peas in a pod, a fact that even conventional scholarship has noted—and you will gain an understanding of this—from Bernardus Silvestris, from Alanus ab Insulis, from Brunetto Latini, and from Dante—and from many others as well—that, right up until the dawn of the new epoch, people were aware of that other world in which human beings, as microcosms, coexist with the macrocosm.
[ 35 ] Man unterschied auf der einen Seite die Natur, das Miterleben des Menschen mit dem Kosmos, was das Mittelalter Natura nannte, was das Altertum Proserpina nannte. Man personifizierte, unterschied dieses wiederum von der Urania, welche ebenso die Himmelssphäre beherrscht, wie die Natur dasjenige beherrscht, was der Mensch miterlebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Und ein tiefes Geheimnis glaubten diese mittelalterlichen Menschen zu sehen, wenn sie sprachen von der Vermählung der Natur im Menschen mit dem Nus, mit dem Verstande, mit dem Intellekt im Menschen. Und in richtiger und unrichtiger Weise wurde von diesen Menschen versucht, zu erleben im Menschen die Vermählung der Natur mit dem Nus, mit dem Verstande oder Intellekt, als mystische Hochzeit, der gegenüberstand die alchimistische Hochzeit, so wie ich das in dem Aufsatze beschrieben habe, der der erste ist über den Christian Rosenkreutz.
[ 35 ] On the one hand, there was nature—humanity’s shared experience with the cosmos—which the Middle Ages called *Natura* and antiquity called *Proserpina*. This was personified and, in turn, distinguished from Urania, who rules the celestial sphere just as Nature rules that which humans experience from falling asleep to waking up. And these medieval people believed they were glimpsing a profound mystery when they spoke of the marriage of Nature within the human being to the Nus, to the mind, to the intellect within the human being. And in both correct and incorrect ways, these people attempted to experience within the human being the union of nature with the nus, with reason or intellect, as a mystical wedding, which was contrasted with the alchemical wedding, just as I have described in the essay that is the first one about Christian Rosenkreutz.
[ 36 ] Das sind Dinge, welche gar nicht so unendlich weit hinter uns liegen. Und Dantes eindringliches Werk — das auf der einen Seite mit ebensoviel Erhabenheit, wie auf der andern Seite mit Humor die Welt und den Menschen, die menschlichen Geheimnisse schildert —, es ist wie das Werk, welches aufbewahren wollte dasjenige, was man durch Jahrhunderte und Jahrtausende über den Zusammenhang des Menschen mit dem Makrokosmos gewußt hat. Bei Brunetto Latini findet sich dasselbe, was Dante in seiner Art dichterisch schildert, vom Standpunkte der Initiation, vom Standpunkte der Einweihung geschildert, auch an ein äußeres Ereignis angegliedert.
[ 36 ] These are things that are not so very far behind us. And Dante’s powerful work—which depicts the world, humanity, and human mysteries with as much grandeur as it does humor— is like a work that sought to preserve what has been known over the centuries and millennia about the connection between human beings and the macrocosm. In Brunetto Latini, one finds the same thing that Dante depicts poetically in his own way, described from the standpoint of initiation, linked to an external event as well.
[ 37 ] Das Bewußtsein vom Zusammenhang des Menschen mit diesen geistigen Geheimnissen mußte eine Zeitlang gewissermaßen verborgen werden, damit sich entzündete in dem Menschen dasjenige, was der Mensch erleben kann herausgegliedert aus dem Weltenall, gewissermaßen auf sich angewiesen. Wir leben ja jetzt in dem Zeitalter, in welchem auf der einen Seite der Mensch ausgesetzt ist den Strahlungen, die ihn durchdringen von denFischen her, auf derandern Seite jedoch ausgesetzt den Strahlungen des anders wirkenden, des entgegengesetzten Sternbildes der Jungfrau. Dieses Zeitalter muß aber den Weg finden, aus der geistigen Unfruchtbarkeit herauszutreten. Gewiß, wir können nicht mehr einfach herübernehmen dasjenige, was einmal die Menschheit gewußt hat, denn das war Wissen in einer Form, wie es für die alte Menschheit brauchbar war. Dantes «Göttliche Komödie » ist, wenn auch eine große Offenbarung, so doch mehr ein Testament einer verflossenen Zeit. Eine neue Zeit braucht die Offenbarungen des geistigen Weltenalls von anderer Seite her.
[ 37 ] The awareness of humanity’s connection to these spiritual mysteries had to be kept hidden, so to speak, for a time, so that what humanity can experience—isolated from the universe and, in a sense, dependent on itself—might be kindled within the human being. We are now living in an age in which, on the one hand, human beings are exposed to the rays that penetrate them from the constellation of Pisces, and on the other hand, to the rays of the oppositely acting constellation of Virgo. This age, however, must find a way to emerge from spiritual barrenness. Certainly, we can no longer simply adopt what humanity once knew, for that knowledge existed in a form that was useful to ancient humanity. Dante’s *Divine Comedy*, though a great revelation, is nonetheless more of a testament to a bygone era. A new era requires revelations from the spiritual universe from a different perspective.
[ 38 ] Aber es ist eines möglich. Wenn man es, ich möchte sagen, eigentlich so handgreiflich hat, daß die Menschen geistige Geheimnisse bis vor wenigen Jahrhunderten gewußt haben, ist das auf das Gemüt des Menschen so wirkend, daß es ihn anfeuern kann, in der neuen Art wiederum den Weg zu suchen zu diesen Geheimnissen. Deshalb können wir schon auch aus der geschichtlichen Betrachtung Impulse holen; nur müssen wir diese geschichtliche Betrachtung so nehmen, daß wir auf das wirklich Geschichtliche zurückgehen. Denken Sie, was sind alle die äußeren Ereignisse, die in der Geschichte erzählt werden — in dieser Geschichte, womit jammervollerweise unsere Schuljugend bis zu den Ältesten hinauf aufgepäppelt wird —, was sind diese Geschichten, die als Geschichte verzeichnet werden, gegenüber den Tatsachen, daß solche Leute, wie Bernardus Silvestris, Alanus ab Insulis, Brunetto Latini, Dante und so weiter, Pico de Mirandola, Fludd, auch noch Jakob Böhme, Paracelsus, wenn wir eine gewisse Sphäre der Weisheit nehmen, ja selbst bis zum 18. Jahrhundert herein könnten wir den Schüler Jakob Böhmes anführen, den Saint-Martin — was ist es, was sind die gewöhnlichen in der Geschichte notifizierten Ereignisse gegenüber den Tatsachen, daß es Menschen gegeben hat, die solches kosmisches Wissen in sich trugen und mit solchem kosmischen Wissen immerhin wirkten! Ja, die Gegenwart ist vielfach stolz auf dasjenige, was sie errungen hat. Diese Intelligenz der Gegenwart ich habe es ja anläßlich der Weihnachtsspiele heute angeführt —, gegen den Geistgehalt hat sie sich immer ziemlich ablehnend verhalten; sogar als diese Intelligenz, wie in Oberufer, wo die Weihnachtsspiele bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts aufgeführt wurden, in einer einzigen Persönlichkeit bestand, dem Schulmeister, der zugleich Dorfnotar, also die juristische Persönlichkeit und zu gleicher Zeit Bürgermeister war. Er war die Intelligenz, er war der einzige Feind für all die Weihnachtsspiele. Die waren nach seiner Ansicht dumm, blödsinnig. Das hat Schröer noch erfahren, daß diese Intelligenz von Oberufer sich ablehnend verhalten hat gegen dasjenige, was in den Weihnachtsspielen war. Die Intelligenz ist es sehr häufig, die sich gegen das eigentlich Fruchtbare in der Menschheitsevolution ablehnend verhält.
[ 38 ] But one thing is possible. When we have, so to speak, such tangible evidence that people knew spiritual mysteries until just a few centuries ago, this has such an effect on the human spirit that it can inspire us to seek the path to these mysteries once again in a new way. That is why we can also draw inspiration from a historical perspective; we just have to approach this historical perspective in such a way that we go back to what is truly historical. Consider this: what are all the external events recounted in history—in this history with which, alas, our schoolchildren, right up to the oldest among them, are force-fed—what are these stories, recorded as history, compared to the facts that people such as Bernardus Silvestris, Alanus ab Insulis, Brunetto Latini, Dante, and so on, Pico de Mirandola, Fludd, and even Jakob Böhme, Paracelsus—if we consider a certain sphere of wisdom, indeed even up to the 18th century we could cite Jakob Böhme’s disciple, Saint-Martin—what is it? What are the ordinary events recorded in history compared to the fact that there have been people who possessed such cosmic knowledge within themselves and who, with that cosmic knowledge, actually brought about change! Yes, the present day is in many ways proud of what it has achieved. This intelligence of the present—I mentioned it today in connection with the Christmas plays—has always been rather dismissive of spiritual content; even when, as in Oberufer—where the Christmas plays were performed until the mid-19th century—this “intelligentsia” consisted of a single individual: the schoolmaster, who was also the village notary—that is, the legal representative—and at the same time the mayor. He was the “intelligentsia”; he was the sole opponent of all the Christmas plays. In his view, they were stupid and nonsensical. Schröer still learned that this intellectual figure from Oberufer had taken a hostile stance toward what was contained in the Christmas plays. It is very often the intellectual class that takes a hostile stance toward what is actually fruitful in human evolution.
[ 39 ] Es handelt sich darum, dasjenige, was man den Enthusiasmus der Geschichte nennen kann, anzufeuern dadurch, daß man wirkliche Geschichte betrachtet, wirklich sich in das einlebt, was Geschichte ist. Zu der Geschichte gehört eben der geistige Teil des Geschehens, und der verläuft anders als der äußere physisch-materielle Teil.
[ 39 ] The point is to fuel what might be called the enthusiasm for history by contemplating real history and truly immersing oneself in what history is. History includes the spiritual aspect of events, and that unfolds differently from the external, physical, and material aspect.
[ 40 ] Man muß immer wieder und wiederum versuchen, gerade in dieser harten Gegenwart die geistigen Impulse etwas anzuregen dadurch, daß man sich selber aufmerksam macht, wie Geist gewaltet hat in dem geschichtlichen Werden der Menschheit. Ob Sie nun in den Einzelheiten an den Fingern herzählen können: So wirken die Dynamis, so wirken die Exusiai —, darauf kommt es viel weniger an, als dieses Gesamtbewußtsein zu erwecken, wie es den einzelnen Menschen mit dem Geiste der Menschheit zusammenbringen will. Denn in der Erweckung dieses Bewußtseins liegt schon dasjenige, was Heil in die Menschheitsentwickelung hineinbringen soll. Manchmal ist es gut, sich klarzumachen, wie weit ab das steht, was heute als über die Welt gehende Meinung die menschlichen Seelen, ich kann nicht sagen, bewegt, aber zu bewegen scheint. Dadurch ist oftmals gar kein Gefühl vorhanden für das Gewicht der einzelnen Tatsachen. Der Geist wiegt uns die Tatsachen richtig ab.
[ 40 ] We must try again and again, especially in these difficult times, to stimulate spiritual impulses somewhat by making ourselves aware of how the Spirit has been at work in the historical development of humanity. Whether you can now count off the details on your fingers—how the Dynamis work, how the Exusiai work—is far less important than awakening this overall awareness of how it seeks to bring the individual human being into harmony with the spirit of humanity. For in the awakening of this awareness lies precisely that which is meant to bring healing into the development of humanity. Sometimes it is good to realize just how far removed we are from what today, as a prevailing global opinion, does not—I cannot say—move human souls, but seems to move them. As a result, there is often no sense at all of the weight of individual facts. The spirit weighs the facts for us correctly.
[ 41 ] Wichtiger als vieles andere für die Beurteilung der Gegenwart — denken Sie nur darüber nach mit Hilfe von dem, was Sie hier gehört haben —, wichtiger als manches andere ist eine Nachricht, die in den letzten Tagen kam, daß die amerikanische Staatsverwaltung die Eisenbahnen in Selbstverwaltung genommen hat. Denn das liegt in einer gewissen Richtung von Symptomen, die deutlich hinweisen auf die Dinge, die man versucht vorzubereiten, um die Menschheit möglichst von dem Fahrwasser abzubringen, in dem sie nur erhalten werden kann, wenn sie voll bewußt wird, daß ohne Geist die Wirklichkeit nur eine ersterbende Wirklichkeit sein kann. Man kann ja das Sterben wählen; dann muß sich das Leben aus den Gebieten, für die man das Sterben wählt, eben in andere Gebiete flüchten. Das Gebiet der Wahrheit trägt schon den Sieg davon. Aber man blickt auf ein Gebiet, wo gewissermaßen der, der tiefer in die Welt hineinsieht, auch solchen Mächten eines Links und Rechts gegenübergestellt wird, wie Dante beim Ausgangspunkte seiner Schilderung seiner «Göttlichen Komödie», oder wie Brunetto Latini im Beginne seiner Initiation.
[ 41 ] More important than many other things for assessing the present—just think about it in light of what you’ve heard here—more important than many other things is a report that came in over the last few days: that the U.S. government has taken the railroads under its own administration. For this is part of a certain pattern of symptoms that clearly point to the measures being prepared to divert humanity as far as possible from the course in which it can only be sustained if it becomes fully aware that, without the spirit, reality can be nothing but a reality in the process of dying. One can, of course, choose death; in that case, life must simply flee from the realms in which one chooses death to other realms. The realm of truth is already emerging victorious. But one looks toward a realm where, in a sense, the one who looks more deeply into the world is also confronted by such powers on the left and right, as Dante was at the outset of his description of his *Divine Comedy*, or as Brunetto Latini was at the beginning of his initiation.
[ 42 ] Ach, es wäre der Welt so notwendig, im weitesten Umfange Gedanken der Geistigkeit zu fassen! Statt dessen, es ist schon wahr, stehen wir nur vor der Notwendigkeit, immer wieder betonen zu müssen, daß zum Geiste hingeblickt werden muß. Immer wieder und wiederum steht man vor der Sehnsucht, den Ernst der Sache genügend betonen zu können. Die Menschen wollen ja nicht dorthin sehen, wo Keime liegen, sondern sie wollen passiv sein, möglichst die Dinge an sich herankommen lassen, möglichst den Weltenlauf verschlafen. Würden nicht viele Menschen so schlafen, wie die Gegenwart gewohnt ist die Ereignisse zu verschlafen, dann würde man schon sehen, daß hinter dem, was jetzt in so unwahrer Weise durch die Welt schwirrt, eine merkwürdige Tendenz liegt. Es darf ja wohl nachgesagt werden, da sich der Universalgötze der neueren Zeit, der jetzigen Zeit, der Gegenwart, Woodrow Wilson, selbst solcher Dinge gerühmt hat, daß vier Fünftel der Menschheit einem Fünftel gegenüberstehen. Dieser auf den Altar gehobene Götze der modernen Menschheit, der viel mehr auf den Altar gehoben ist, als man denkt, hat sich ja dessen selbst gerühmt.
[ 42 ] Ah, how desperately the world needs to embrace spiritual ideas to the fullest extent! Instead—and it is indeed true—we are faced with the necessity of having to emphasize, time and again, that we must turn our gaze toward the spirit. Time and again, we are filled with the longing to be able to sufficiently emphasize the gravity of the matter. People do not want to look where the seeds lie; rather, they want to be passive, to let things come to them as much as possible, to sleep through the course of world events as much as possible. If many people did not sleep the way the present age is accustomed to sleeping through events, then one would already see that behind what is now swirling through the world in such an untruthful way lies a strange tendency. It may well be said—since the universal idol of modern times, of the present age, Woodrow Wilson, has himself boasted of such things—that four-fifths of humanity stand opposed to one-fifth. This idol of modern humanity, raised upon the altar—and raised far higher than one might think—has indeed boasted of this himself.
[ 43 ] Man wird schon sagen müssen, es wäre schade, wenn die Menschheit verschlafen wollte das, was in solchem Ideale wie dem Ideale dieses Götzen liegt, dessen Schlagworte, auch diejenigen, die nicht wie seine letzte Manifestation von dem braven Don Pedro von 1864 abgeschrieben sind, sondern in dem eigenen Hohlraum — pardon, ich will sagen Kopf gewachsen sind, zurückgehen auf dasjenige, was eigentlich als Tendenz drinnen liegt. Was ist es dann? Man strebt an, daß einmal auf der Erde werde gesagt werden können: Vor Jahrhunderten hat es eine sagenhafte Menschheit inmitten von Europa gegeben; es ist gelungen, sie auszurotten. Man mußte sie ausrotten, weil sie furchtbar hochmütig war. Sie leitete sich von den Göttern ab und nannte sogar den Hauptdichter Goethe, um anzudeuten, daß sie direkt von den Göttern einen Geist gesendet bekommen hat. — Man wird sich zwar nicht in so spiritueller Weise ausdrücken; aber es wird in dem, was als Keim, als Tendenz hinter dem Wilsonianismus liegt, dieses schon zu bemerken sein. Es wird sich nur darum handeln, ob dies der Weg der Menschheit sein kann, ob dies der zukünftige Erdenweg sein kann, oder ob man nicht doch darüber nachdenken muß, wie die Erde errettet werden kann vor den sogenannten Idealen des Wilsonianismus und ähnlichen Dingen. Man braucht mit solchen Dingen nur nicht irgendwie in Nationalismus oder Antinationalismus zu verfallen. Die Phrasen von Völkern und Völkerfreiheiten, die kann man ja auch in der neueren Zeit dem Wilsonianismus überlassen. Aber man kann nicht ernst genug auf dasjenige hinweisen, was hinter dem Götzen, der da gemeint ist, eigentlich steckt.
[ 43 ] One would have to admit that it would be a shame if humanity were to miss out on what lies in an ideal such as that of this idol, whose catchphrases—even those that are not copied, like its latest manifestation, from the good Don Pedro of 1864, but have grown in its own hollow—pardon me, I mean, in its own head—trace back to what actually lies within as a tendency. What is it, then? The aim is that one day it will be possible to say on Earth: Centuries ago, there was a legendary humanity in the heart of Europe; we succeeded in exterminating it. We had to exterminate it because it was terribly arrogant. It traced its origins to the gods and even named Goethe its chief poet, to imply that it had received a spirit sent directly from the gods. — People will not, of course, express themselves in such spiritual terms; but this will already be discernible in what lies as a seed, as a tendency, behind Wilsonianism. The only question will be whether this can be the path of humanity, whether this can be the future path of the Earth, or whether one must not, after all, reflect on how the Earth can be saved from the so-called ideals of Wilsonianism and similar things. One simply needs to avoid falling into nationalism or anti-nationalism in any way when dealing with such matters. The rhetoric about nations and national freedoms—well, in more recent times, one can leave that to Wilsonianism. But one cannot emphasize strongly enough what actually lies behind the idol that is being referred to here.
[ 44 ] Ich weiß schon, daß die Menschheit der Gegenwart solchen Dingen nicht viel Glauben entgegenbringen wird, aber ich weiß auch, daß manche Stimme in der Zukunft mit dem übereinstimmen wird, was hier gesagt worden ist. Möge nur auch dann immer in der Zukunft zu solchen Stimmen die andere hinzugefügt werden können: Die Menschheit ließ sich durch einen sonderbaren Götzen auf allerlei Wege führen; es sei den Weltengeistern gedankt, daß die Ziele dieses sonderbaren Menschheitsführers sich nicht erfüllten, der das Groteske seines Seins ja auch dadurch so ein bißchen vor die Welt hinstellt, daß er theoretisch mit großen Worten die Republik als das Alleinseligmachende verkündet und von dem brasilianischen Kaiser von 1864 seine eigenen republikanischen Manifeste abschreibt. — Daß man hier eigentlich vor einer grotesken Erscheinung steht, das ist ja etwas, was wohl innerhalb geschlossener Wände gesagt werden kann. Draußen ist ja heute nicht die Wahrheit das Höchste, sondern sie wird an der politischen Waage gewogen. Man darf nicht sagen, was wahr ist oder nicht wahr ist, sondern dasjenige, was Vorschrift ist. Bis zum 15. März durfte man in den verschiedenen Ländern nur ja nichts gegen den Zarismus sagen; seit dem 15. März darf man selbstverständlich alles dagegen sagen.
[ 44 ] I know full well that people today will not give much credence to such things, but I also know that some voices in the future will agree with what has been said here. May it always be possible, even then, to add another voice to those in the future: Humanity allowed itself to be led in all manner of ways by a strange idol; thanks be to the spirits of the world that the goals of this peculiar guide of humanity were not fulfilled—a man who, after all, reveals the grotesqueness of his existence to the world, in part, by theoretically proclaiming with grand words that the republic is the sole source of happiness and by copying his own republican manifestos from the Brazilian emperor of 1864. — That we are actually dealing with a grotesque phenomenon here is something that can certainly be said behind closed doors. Out there, truth is not the highest good today; rather, it is weighed on the political scales. One must not say what is true or untrue, but rather what is prescribed. Until March 15, one was absolutely forbidden to say anything against tsarism in the various countries; since March 15, one is, of course, allowed to say anything against it.
[ 45 ] Die Wahrheit ist leider nicht der höchste Maßstab. Doch damit berührt man eben diejenigen Verhältnisse, die sich heute in die Seele hineinzuschreiben schon einmal notwendig ist. Es liegt nahe, großen Ausblicken in den Kosmos dasjenige anzufügen, was an recht kleinen Gedanken — die aber leider große Tatwirkungen haben — die passive Menschheit, die schläfrige Menschheit heute aufbringt. Denn die Menschheit muß erwachen, und der Geist muß Wecker sein.
[ 45 ] Unfortunately, truth is not the highest standard. But this touches upon precisely those circumstances that it is necessary to engrave upon the soul today. It makes sense to supplement grand visions of the cosmos with those rather small thoughts—which, unfortunately, have great practical consequences—that stir passive, sleepy humanity today. For humanity must awaken, and the spirit must be the alarm clock.
