Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181
5 February 1918, Berlin
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The Death of the Earth and Life in the Universe, tr. SOL
Erdensterben und Weltenleben III
Earth-Death and Universal-Life III
[ 1 ] Was wir wiederholt auseinandergesetzt haben, was wir hier öfter von den verschiedensten Gesichtspunkten aus besprochen haben: daß jener Wechselzustand zwischen Wachen und Schlafen eine tiefere Bedeutung im Menschenleben noch hat, als es für die äußere Beobachtung scheint — man sollte dieses für eine Gesamtweltbetrachtung, für ein im idealsten Sinne praktisches Stehen in der Welt wohl bedenken. Für die gewöhnliche Beobachtung liegt ja die scheinbare Tatsache vor, daß der Mensch mit seinem Bewußtsein wechselt zwischen Wachzustand und Schlafzustand. Wir wissen, daß dies nur eine scheinbare Tatsache ist. Denn wir haben es von den verschiedensten Gesichtspunkten aus oftmals besprochen, daß der sogenannte Schlafzustand nicht bloß dauert zwischen Einschlafen und Aufwachen, sondern daß er für einen gewissen Teil unseres Wesens auch andauert in der Zeit vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Wir müssen schon sagen: Wir sind niemals vollständig, dutchgreifend mit unserem Gesamtwesen wach. Der Schlaf dehnt sich in unseren Wachzustand hinein aus. Mit einem Teile unseres Wesens schlafen wir fortwährend. Wir können uns nun fragen: Mit welchem Teile unseres Wesens sind wir eigentlich fortdauernd während des sogenannten Wachens wirklich wach?
[ 1 ] What we have repeatedly examined, what we have often discussed here from a wide variety of perspectives: that this transitional state between waking and sleeping has a deeper significance in human life than outward observation would suggest—one should certainly bear this in mind for a holistic view of the world, for a practical stance in the world in the most ideal sense. To the casual observer, it appears that a person’s consciousness alternates between the waking state and the sleeping state. We know that this is only an apparent fact. For we have often discussed from a wide variety of perspectives that the so-called state of sleep does not merely last from falling asleep to waking up, but that for a certain part of our being it also continues during the time from waking up to falling asleep. We must admit: We are never fully, thoroughly awake with our entire being. Sleep extends into our waking state. With a part of our being, we are constantly asleep. We may now ask ourselves: With which part of our being are we actually truly awake at all times during so-called waking?
[ 2 ] Wir sind wach mit Bezug auf unsere Wahrnehmungen, mit Bezug auf alles, was wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen aus der sinnlichen Welt herein durch unsere Sinne wahrnehmen. Das ist ja gerade das Charakteristische des gewöhnlichen Wahrnehmens, daß wir von einem Nichtverbundensein mit der äußeren Sinneswelt übergehen beim Erwachen zu einem Verbundensein mit ihr, daß eben sehr bald unsere Sinne beginnen tätig zu sein, und dies reißt uns heraus aus jenem dumpfen Zustand, den wir im gewöhnlichen Leben als den Schlafzustand kennen. Also mit unseren. Sinneswahrnehmungen sind wir im wahren Sinne des Wortes wach. Weniger wach schon — eine ordentliche Selbstbeobachtung kann das jedem ergeben, wir haben es auch öfter erwähnt, und Sie können Genaueres darüber in meinem Buche «Von Seelenrätseln» finden —, weniger wach, aber so, daß wir den Zustand als wirkliches Wachsein bezeichnen können, sind wir mit Bezug auf unser Vorstellungsleben. Wir müssen ja das Wahrnehmungsleben von dem eigentlichen Denk- und Vorstellungsleben unterscheiden. Wenn wir abgezogen von der Sinneswahrnehmung, also nicht nach außen gewandt, nachdenken, so sind wir bei diesem Nachdenken schon im gewöhnlichen Sinn des Wortes und auch im höheren Sinn des Wortes wach, wenn auch dieses Wachsein im bloßen Vorstellungsleben immerhin eine Nuance vom Träumerischen hat, beim einen Menschen mehr, beim andern weniger. Wenn sich auch bei manchen Menschen in das Vorstellungsleben gut Träumerisches hineinmischen kann, so können wir doch im großen und ganzen sagen: Wir sind wach, auch wenn wir vorstellen.
[ 2 ] We are awake in relation to our perceptions, in relation to everything we perceive from the sensory world through our senses, from the moment we wake up until we fall asleep. This is precisely what characterizes ordinary perception: that upon waking, we transition from a state of disconnection with the external sensory world to a state of connection with it; that very soon our senses begin to function, and this pulls us out of that dull state we know in ordinary life as sleep. Thus, through our sensory perceptions, we are awake in the true sense of the word. We are less awake—as careful self-observation can reveal to anyone, as we have often mentioned, and you can find more details on this in my book *On the Riddles of the Soul*—we are less awake, yet in a way that allows us to describe the state as true wakefulness, with regard to our life of imagination. We must, after all, distinguish the life of perception from the actual life of thought and imagination. When we think apart from sensory perception—that is, not directed outward—we are, in this act of thinking, already awake in the ordinary sense of the word and also in the higher sense of the word, even if this wakefulness in the mere life of imagination still has a certain dreamlike quality, more so in one person than in another. Even though a dreamlike quality can easily creep into the life of imagination for some people, we can still say, on the whole: We are awake, even when we are imagining.
[ 3 ] Aber nicht wach sind wir, indem wir fühlen. Gewiß, die Gefühle wogen herauf aus einem unbestimmten, undifferenzierten Seelenleben, und dadurch, daß wir die Gefühle vorstellen, daß sich immer Vorstellungen, also wache Tätigkeiten hineinmischen in das Fühlen, meinen wir, im Fühlen seien wir auch wach. Das ist jedoch in Wirklichkeit nicht so. In Wirklichkeit ist die Regsamkeit unserer Seele im Fühlen ganz genau dieselbe wie im gewöhnlichen 'Träumen. Es besteht eine tiefe Verwandtschaft zwischen dem Traumzustande und dem eigentlichen Gefühlszustande. Würden wir jederzeit fähig sein, das, was wir träumen — der größte Teil des Traumlebens geht uns ja verloren —, ebenso mit dem Vorstellen zu beleuchten, wie wir unser Gefühlsleben beleuchten, so würden wir über das Traumleben ganz genau in demselben Grade Bescheid wissen wie über das Gefühlsleben, denn die eigentlichen Gefühle sind nicht anders in der Seele anwesend als die Träume. Gefühle, Affekte, sogar in gewissem Sinne das Leidenschaftsleben ist in unserer Seele so anwesend wie das Träumen. Kein Mensch kann durch sein Wachleben sagen, was sich eigentlich da abspielt, wenn er fühlt, oder in dem, was er fühlt. Das wogt, wie gesagt, herauf aus einem unbestimmten, undifferenzierten Seelenleben, und das wird dann durch das Licht des Vorstellens beleuchtet. Aber es ist ein Traumleben. Diese Verwandtschaft des Affekt- und Gefühlslebens mit dem Traumleben haben ja auch Nichtokkultisten gut erkannt, zum Beispiel der vorzügliche Ästhetiker Friedrich Theodor Vischer, der oft betont hat, welche tiefe Verwandtschaft im Seelenleben des Menschen besteht zwischen Fühlen und Träumen.
[ 3 ] But we are not awake when we feel. Certainly, feelings well up from an indeterminate, undifferentiated inner life, and because we imagine these feelings—because representations, that is, waking activities, are always intermingled with feeling—we think that we are also awake when we feel. However, this is not actually the case. In reality, the activity of our soul during feeling is exactly the same as during ordinary “dreaming.” There is a deep kinship between the state of dreaming and the actual state of feeling. If we were always able to shed light on what we dream—since the greater part of our dream life is lost to us—by means of imagination, just as we shed light on our emotional life, then we would know about the dream life to exactly the same degree as we know about the emotional life, for the actual feelings are present in the soul in no other way than dreams are. Emotions, affects, and even, in a certain sense, the life of passion are present in our soul just as much as dreaming is. No one can, through their waking life, say what is actually taking place when they feel, or within what they feel. As I said, this surges up from an indeterminate, undifferentiated life of the soul, and it is then illuminated by the light of imagination. But it is a dream life. This kinship between the life of affect and feeling and the dream life has also been well recognized by non-occultists, for example, the distinguished aesthetician Friedrich Theodor Vischer, who often emphasized the deep kinship that exists in the human soul between feeling and dreaming.
[ 4 ] Noch weiter unten im Seelenleben liegt nun das eigentliche Willensleben. Was weiß denn der Mensch darüber, was eigentlich in seinem Inneren vorgeht, wenn er sagt: Ich will ein Buch ergreifen —, und wenn der Arm sich ausstreckt und das Buch ergreift? Was sich da vollzieht zwischen Muskel und Nerv, was da im Organismus vor sich geht und was auch in der Seele vor sich geht, damit ein Willensimpuls in Bewegung, in Handlung übergeht, das wird vom Menschen nicht stärker gewußt, als die Ereignisse des tiefen traumlosen Schlafes von ihm gewußt werden. Es ist in der Tat so: Das eigentliche Wesen unseres Willenslebens wird wieder von unserem Vorstellungsleben beleuchtet. Dadurch erscheint es so, als wenn es uns bewußt wäre, ‚ aber das eigentliche Wesen des Willenslebens liegt in Wirklichkeit auch vom Aufwachen bis zum Einschlafen in einem vollständigen Schlafzustande.
[ 4 ] Even deeper within the life of the soul lies the actual life of the will. What does a person really know about what is actually going on inside them when they say, “I want to pick up a book”—and when their arm reaches out and picks up the book? What takes place there between muscle and nerve, what occurs within the organism and what also occurs in the soul, so that a volitional impulse is transformed into movement and action—human beings are no more aware of this than they are of the events of deep, dreamless sleep. It is indeed the case that the true nature of our volitional life is once again illuminated by our imaginative life. As a result, it appears as if we were conscious of it, but the true nature of volitional life actually remains in a state of complete sleep from the moment we wake up until we fall asleep.
[ 5 ] Wir sehen also: Wirklich wach, im richtigen Sinne des Wortes . wach sind wir nur in bezug auf unser Wahrnehmen in der Sinneswelt und unser Vorstellungsleben; schlafend, auch in bezug auf den Wachzustand, sind wir mit Bezug auf das Gefühlsleben, das wir eigentlich träumen, und gar erst mit Bezug auf unser Willensleben, das wir eigentlich fortwährend verschlafen. So dehnt sich der Schlafzustand in den Wachzustand hinein aus. Stellen wir uns also vor, wie wir da durch die Welt schreiten: Was wir mit unserem Bewußtsein wachend durchleben, ist eigentlich nur die Wahrnehmung der Sinneswelt und unsere Vorstellungswelt; und eingebettet in dieses Erleben des Menschen ist eine Welt, in der unsere Gefühle und Willensimpulse schwimmen, eine Welt, die um uns herum ist, wie die Luft um uns herum ist, aber die in das gewöhnliche Bewußtsein gar nicht hereintritt. Wer an die Sache so herantritt, wird wahrhaftig nicht sehr weit davon entfernt sein, um sich herum eine sogenannte übersinnliche Welt anzuerkennen.
[ 5 ] So we see: We are truly awake—in the proper sense of the word—only in relation to our perceptions in the sensory world and our life of imagination; as for our emotional life—which we are actually dreaming—and even more so with regard to our volitional life, which we are actually constantly sleeping through, we are asleep, even while in the waking state. Thus, the state of sleep extends into the waking state. Let us imagine, then, how we go about our lives in the world: What we experience with our consciousness while awake is actually only the perception of the sensory world and our world of imagination; and embedded within this human experience is a world in which our feelings and volitional impulses float, a world that surrounds us just as the air surrounds us, but which does not enter ordinary consciousness at all. Anyone who approaches the matter in this way will truly not be very far from recognizing a so-called supersensible world around them.
[ 6 ] Nun hat das Ganze, was ich jetzt gesagt habe, aber bedeutsamere Konsequenzen. Hinter dem, was ich erwähnt habe, verstecken sich bedeutsame Tatsachen des Gesamtlebens. Wer das Leben kennenlernt, welches die Menschenseele zwischen dem Tode und einer neuen Geburt führt — Sie brauchen sich ja nur in mehr abstrakter Form mit diesem Leben bekanntzumachen durch den Vortragszyklus «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt», der im Frühling 1914 in Wien gehalten wurde und der gedruckt ist —, wer sich damit bekanntmacht, der wird sehen, daß wir in dieser Welt, die wir da schlafend durchwandeln, gemeinsam mit den sogenannten Toten leben. Die Toten sind ja fortwährend da. Sie sind sich bewegend, sich verhaltend in einer übersinnlichen Welt da. Wir sind nicht von ihnen getrennt durch unsere Realität, wir sind von ihnen nur getrennt durch den Bewußtseinszustand. Wir sind nicht anders von den Toten getrennt, als wir im Schlafe getrennt sind von den Dingen um uns herum: Wir schlafen in einem Raume, und wir sehen nicht Stühle und vielleicht anderes nicht, das in dem Raume ist, trotzdem es da ist. Wir schlafen im sogenannten Wachzustande mit Bezug auf Gefühl und Willen mitten unter den sogenannten Toten — wir nennen es nur nicht so —, geradeso wie wir die physischen Gegenstände nicht wahrnehmen, die um uns herum sind, wenn wir schlafen. Wir leben also nicht getrennt von der Welt, in der die Kräfte der Toten walten; wir sind mit den Toten in einer gemeinsamen Welt. Geetrennt von ihnen sind wir für das gewöhnliche Bewußtsein nur durch den Bewußtseinszustand.
[ 6 ] Now, everything I have just said has even more significant consequences. Behind what I have mentioned lie significant facts about life as a whole. Anyone who comes to know the life that the human soul leads between death and a new birth — you need only familiarize yourselves with this life in a more abstract form through the lecture series “The Inner Being of the Human Being and Life Between Death and a New Birth,” which was held in Vienna in the spring of 1914 and has been published — whoever familiarizes themselves with it will see that in this world, through which we wander in a state of sleep, we live together with the so-called dead. The dead are, after all, constantly present. They are there, moving and acting in a supersensible world. We are not separated from them by our reality; we are separated from them only by our state of consciousness. We are no more separated from the dead than we are separated from the things around us while we sleep: We sleep in a room, and we do not see chairs or perhaps other things that are in the room, even though they are there. We sleep—in the so-called waking state, as far as feeling and will are concerned—right in the midst of the so-called dead—we just don’t call them that—just as we do not perceive the physical objects around us when we sleep. We do not, therefore, live separate from the world in which the forces of the dead reign; we share a common world with the dead. We are separated from them, as far as ordinary consciousness is concerned, only by our state of consciousness.
[ 7 ] Dieses. Wissen von dem Zusammensein mit den Toten wird einer der wichtigsten Bestandteile sein, welchen die Geisteswissenschaft dem allgemeinen Menschheitsbewußtsein, der allgemeinen Menschheitskultur für die Zukunft einzupflanzen hat. Denn die Menschen, welche glauben, daß dasjenige, was vor sich geht, nur dadurch vor sich geht, daß die Kräfte wirken, die man im Sinnesleben wahrnimmt, kennen eben nichts von der Wirklichkeit; sie wissen nicht, daß in das Leben, welches sich hier abspielt, die Kräfte der Toten fortwährend hereinwirken, daß sie fortwährend da sind. Und wenn Sie sich jetzt erinnern, was ich im ersten Vortrage gesagt habe, wo ich ausführte, daß man im Grunde genommen heute in der materialistischen Zeit eine ganz falsche Ansicht über das geschichtliche Leben hat, daß wir die Geschichte in ihren wirklichen Impulsen eigentlich träumen oder verschlafen, so werden Sie sich auch eine Vorstellung davon bilden können, daß in dem, was wir vom geschichtlichen Leben verträumen oder verschlafen, die Kräfte der Toten leben können. Eine Geschichtsbetrachtung wird in der Zukunft kommen, die mit den Kräften derjenigen rechnen wird, welche durch des Todes Pforte gegangen sind und mit ihren Seelen in der Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt leben. Ein Bewußtsein mit der Gesamtmenschheit, auch mit der sogenannten toten Menschheit, wird der Menschheitskultur eine ganz neue Färbung zu geben haben.
[ 7 ] This knowledge of communion with the dead will be one of the most important elements that spiritual science must instill in the general consciousness of humanity and in the general culture of humanity for the future. For people who believe that what is happening takes place solely through the forces perceived in sensory life know nothing of reality; they do not know that the forces of the dead are constantly at work in the life that unfolds here, that they are constantly present. And if you now recall what I said in the first lecture, where I explained that, fundamentally speaking, in today’s materialistic age we have a completely false view of historical life—that we actually dream away or sleep through history’s true impulses—then you will also be able to form a conception of how the forces of the dead can live on in what we dream away or sleep through of historical life. A new way of viewing history will emerge in the future—one that takes into account the forces of those who have passed through the gate of death and whose souls live in the world between death and a new birth. A consciousness that encompasses all of humanity—including so-called “dead” humanity—will give human culture an entirely new character.
[ 8 ] Die Betrachtungsweise, die sich dem Geistesforscher ergibt, der nun praktische Anwendung von dem eben Gesagten machen kann, zeigt manche konkrete Einzelheit über dieses Zusammenleben der sogenannten Lebenden mit den sogenannten Toten. Würde der Mensch bis in seine Gefühle und bis in seine Willensimpulse ihrem Wesen nach mit seinem Vorstellen hinunterleuchten können, dann würde er ein fortwährendes lebendiges Bewußtsein von dem Dasein der Toten haben. Das hat er nun allerdings nicht. Und das gewöhnliche Bewußtsein hat es nicht aus dem Grunde, weil sich die Dinge merkwürdig verteilen innerhalb unseres Bewußtseinslebens. Man könnte sagen: Für das Begreifen eines höheren Weltenzusammenhanges ist eigentlich viel wichtiger als die Anschauung des Wachzustandes und des Schlafzustandes etwas Drittes. Was ist dieses Dritte?
[ 8 ] The perspective that opens up to the spiritual researcher—who can now put what has just been said into practical application—reveals many concrete details about this coexistence of the so-called living with the so-called dead. If human beings could shine the light of their imagination down into the very essence of their feelings and impulses of will, they would have a continuous, living awareness of the existence of the dead. However, they do not have this. And ordinary consciousness does not have it because things are strangely distributed within our conscious life. One could say: For understanding a higher cosmic context, a third element is actually much more important than the perception of the waking state and the sleeping state. What is this third element?
[ 9 ] Dieses Dritte ist, was dazwischen liegt, was für den gegenwärtigen Menschen eigentlich immer nur ein Augenblick ist, an dem er so votbeigeht: Es ist das Aufwachen und das Einschlafen. Der gegenwärtige Mensch hat nicht viel Aufmerksamkeit für das Aufwachen und das Einschlafen. Und dennoch: Aufwachen und Einschlafen sind im Gesamtbewußtsein des Menschen außerordentlich wichtig. Wie wichtig sie sind, das ergibt sich, wenn man die von Unbewußtheit durchzogenen Erlebnisse des gewöhnlichen Bewußtseins erhellt mit den Erlebnissen des hellseherischen Bewußtseins. Nachdem wir so viele Jahre Vorbereitungen für so etwas gepflogen haben, können wir ja ganz unbefangen aus den übersinnlichen Tatsachen ‚heraus solche Dinge auch einmal beleuchten.
[ 9 ] This third element is what lies in between—what for modern people is really just a fleeting moment that they pass through without a second thought: it is waking up and falling asleep. Modern people do not pay much attention to waking up and falling asleep. And yet: waking up and falling asleep are extraordinarily important in the total consciousness of human beings. Just how important they are becomes clear when one illuminates the experiences of ordinary consciousness—which are permeated by unconsciousness—with the experiences of clairvoyant consciousness. Since we have spent so many years preparing for something like this, we can now, quite impartially, shed light on such things from the supersensible facts.
[ 10 ] Es gibt durchaus eine Möglichkeit für das hellsichtige Bewußtsein, nicht nur im allgemeinen sich bekanntzumachen mit den Tatsachen der übersinnlichen Welt, mit der Welt, in der wir uns zum Beispiel aufhalten zwischen Tod und neuer Geburt, sondern es gibt eine Möglichkeit für das hellsichtige Bewußtsein — obwohl diese Möglichkeit nicht so leicht ist, wie die eben genannte und charakterisierte —, im einzelnen, wenn ich mich grob ausdrücken will, in Kontakt, in Korrespondenz zu kommen mit der einzelnen entkörperten Seele. Das wissen Sie ja. Einfügen will ich nur noch: Schwieriger — schwierig für das allgemeine wissenschaftliche Begreifen der übersinnlichen Verhältnisse — ist die Beobachtung nur aus dem Grunde, weil da viel mehr Hindernisse zu überwinden sind. So wenig es in der Gegenwart vielen Menschen gelingt, allgemeine wissenschaftliche Resultate über die übersinnliche Welt zu gewinnen, so kann man doch nicht sagen, daß dies außerordentlich schwierig ist; denn es ist nicht etwas, was der gewöhnlichen menschlichen Seelenfähigkeit so durchaus fern liegt. . Aber schwieriger ist es, im einzelnen mit diesen Seelen in Verbindung zu kommen, aus dem einfachen Grunde, weil die reale, die konkrete einzelne Verbindung der hier im Leibe lebenden Menschenseele mit der entkörperten Seele voraussetzt, daß der, der solche Verbindung anstrebt, der in die Lage kommt, solche Verbindung zu haben, Kontakt also mit einzelnen entkörperten Seelen zu haben, wirklich in einem gewissen höheren Maße in rein Geistigem leben kann, unbeirrt durch den Umstand, daß solches konkretes Leben im rein Geistigen sehr leicht gerade niedere Triebe des Menschen erwecken kann, aus Gründen, die ich oft angeführt habe: daß die höheren Fähigkeiten der übersinnlichen Wesenheiten mit niederen Trieben der Menschen nicht mit höheren Trieben der im Leibe verkörperten Menschen Verwandtschaft haben, wie die niederen Triebe übersinnlicher Wesenheiten mit den höheren, geistigen Eigenschaften der Menschen Verwandtschaft haben. Ich beschreibe es als ein bedeutendes Geheimnis im Verkehr mit der übersinnlichen Welt, ein Geheimnis, an dessen Inhalt sehr leicht der eine oder der andere scheitern kann. Aber wenn diese Klippe überwunden wird, wenn der Mensch übersinnlichen Verkehr haben kann, ohne daß er dadurch von der Welt geistiger Erlebnisse abgelenkt wird, so ist ein solcher Verkehr durchaus möglich. Aber er gestaltet sich sehr, sehr verschieden von dem, was man gewohnt ist, hier in der sinnlichen Welt als Verkehr anzusehen.
[ 10 ] There is certainly a possibility for the clairvoyant consciousness not only to become acquainted in general with the facts of the supersensible world—the world in which we find ourselves, for example, between death and rebirth—but there is also a possibility for the clairvoyant consciousness—although this possibility is not as easy as the one just mentioned and described— to come into contact, or correspondence, with individual disembodied souls—to put it bluntly. You know that, of course. I would just like to add: Observation is more difficult—difficult for the general scientific understanding of supersensory conditions—simply because there are far more obstacles to overcome. Just as few people today succeed in obtaining general scientific results about the supersensible world, one cannot say that this is extraordinarily difficult; for it is not something that lies entirely beyond the capacity of the ordinary human soul. . But it is more difficult to establish contact with these souls on an individual basis, for the simple reason that the real, concrete, individual connection between the human soul living here in the body and the disembodied soul presupposes that the one who strives for such a connection—who is able to establish such a connection— that is, to have contact with individual disembodied souls, must truly be able to live to a certain higher degree in the purely spiritual realm, undeterred by the fact that such concrete life in the purely spiritual realm can very easily awaken precisely the lower human instincts, for reasons I have often cited: that the higher faculties of supersensible beings bear no relation to the lower instincts of human beings—nor to the higher instincts of those embodied in a physical body—just as the lower instincts of supersensible beings bear no relation to the higher, spiritual qualities of human beings. I describe this as a significant mystery in communication with the supersensible world, a mystery whose nature can very easily cause one person or another to fail. But once this obstacle is overcome—once a person is able to engage in supersensible communication without being distracted from the world of spiritual experiences—such communication is entirely possible. Yet it takes a form very, very different from what we are accustomed to regarding as communication here in the sensory world.
[ 11 ] Ich will ganz im Konkreten sprechen: Wenn Sie hier in der Sinneswelt von Mensch zu Mensch reden, so reden Sie, der andere antwortet Ihnen. Sie wissen, Sie erzeugen Ihre Worte durch Ihr Stimmorgan; die Worte kommen aus Ihren Gedanken heraus. Sie fühlen, Sie sind der Schöpfer Ihrer Worte. Sie wissen, Sie hören sich, während Sie sprechen, und während der andere antwortet, hören Sie den andern, und Sie wissen dann: Sie sind still, den andern hören Sie jetzt. — Sehen Sie, man gewöhnt sich tief ein in ein solches Verhältnis dadurch, daß man sich nur bewußt ist, in der physischen Welt mit andern Wesen zu verkehren. Der Verkehr mit den entkörperten Seelen ist aber nicht so. So merkwürdig es klingt: Der Verkehr mit den entkörperten Seelen ist genau umgekehrt. Wenn Sie selber Ihre Gedanken dem Entkörperten mitteilen, so sprechen nicht Sie, sondern es spricht er. Es ist genau so, wie wenn Sie mit jemandem sprechen würden, und das, was Sie denken, was Sie mitteilen wollen, sprechen nicht Sie aus, sondern das spricht der andere aus. Und was der sogenannte Tote Ihnen antwortet, kommt Ihnen nicht zu von außen, sondern das steigt von Ihrem Inneren auf, das erleben Sie als Innenleben. Daran muß sich das hellsichtige Bewußtsein erst gewöhnen, muß sich erst gewöhnen, daß man selber in dem andern der Fragende ist, und daß der andere in einem der Antwortende ist. Diese vollständige Umstülpung des Wesens ist notwendig.
[ 11 ] I want to speak in very concrete terms: When you speak here in the sensory world, from person to person, you speak, and the other person answers you. You know that you produce your words through your vocal organs; the words come from your thoughts. You feel that you are the creator of your words. You know that you hear yourself while you speak, and while the other person is answering, you hear them, and you then realize: You are silent; you are now listening to the other person. — You see, one becomes deeply accustomed to such a relationship simply by being aware of interacting with other beings in the physical world. But communication with disembodied souls is not like that. As strange as it may sound: communication with disembodied souls is exactly the opposite. When you yourself convey your thoughts to the disembodied soul, it is not you who speaks, but rather the other who speaks. It is exactly as if you were speaking with someone, and what you think—what you wish to convey—is not spoken by you, but rather by the other. And what the so-called dead person answers you does not come to you from the outside, but rises up from within you; you experience this as your inner life. The clairvoyant consciousness must first get used to this—it must first get used to the fact that you yourself are the one asking the questions in the other person, and that the other person is the one answering within you. This complete reversal of being is necessary.
[ 12 ] Wer bekannt ist mit solchen Dingen, der weiß, daß solche Umstülpung des Wesens nicht leicht ist. Denn sie widerspricht allem, was der Mensch gewohnt ist; denn die Gewohnheiten bilden sich im Laufe des Lebens aus; aber nicht nur das, sie widerspricht sogar allem, was dem Menschen angeboten ist. Denn zu glauben, daß man selber spricht, wenn man frägt, und daß der andere still ist, wenn man antwortet, das ist doch dem Menschen angeboren. Und dennoch ist das eben Gesagte der Fall im Verkehr mit den übersinnlichen Wesen. Diese Umstülpung des Wesens, die das hellsichtige Bewußtsein erfährt, wird Sie aber darauf aufmerksam machen können, daß ein gut Teil von der Nichtwahrnehmbarkeit der Toten darauf beruht, daß sie eben mit den Lebenden in einer Weise verkehren, wie es den Lebenden nicht nur ungewohnt, sondern ganz unmöglich erscheint. Die Lebenden hören einfach nicht, was ihnen die Toten sagen aus der Tiefe ihres Wesens heraus; und die Lebenden achten nicht darauf, wenn ein anderer dasselbe sagt, was sie selbst denken, was sie selbst fragen wollen.
[ 12 ] Anyone familiar with such matters knows that such a reversal of one’s nature is not easy. For it contradicts everything to which a person is accustomed; habits are formed over the course of a lifetime; but not only that—it even contradicts everything that is offered to a person. For it is innate in human nature to believe that one is speaking when one asks a question, and that the other is silent when one answers. And yet, what has just been said is precisely the case in communication with supersensible beings. This reversal of nature, which the clairvoyant consciousness experiences, will, however, make you aware that a good part of the reason the dead are imperceptible is that they interact with the living in a way that seems not only unfamiliar to the living but entirely impossible. The living simply do not hear what the dead are saying to them from the depths of their being; and the living do not pay attention when someone else says exactly what they themselves are thinking or what they themselves want to ask.
[ 13 ] Nun liegt aber die Sache so, daß von zwei für den gegenwärtigen Menschen vorüberhuschenden Bewußtseins-Mittelzuständen — vom Aufwachen und Einschlafen — immer nur der eine geeignet ist für das Fragen und der andere nur für das Antworten. Das Eigentümliche ist, daß, wenn wir einschlafen, dieser Moment des Einschlafens besonders günstig ist für das Fragenstellen an den Toten, das heißt, für das Hören der Fragen, die wir an den Toten stellen, von ihm aus. Wenn wir einschlafen, sind wir besonders dafür disponiert, aus dem Toten herauszuhören, was wir fragen wollen. Nun schlafen wir aber im gewöhnlichen Bewußtsein gleich hinterher ein, und die Folge ist, daß wir tatsächlich Hunderte von Fragen an die Toten stellen, von Hunderten von Dingen zu den Toten im Einschlafen reden, daß wir aber nichts davon wissen, weil wir hinterher einschlafen. Dieser vorübergehende Moment des Einschlafens ist ein Moment von ungeheurer Bedeutung für unseren Verkehr mit den Toten. Und wiederum der Moment des Aufwachens: Er disponiert uns ganz besonders dazu, die Antworten der Toten zu vernehmen. Würden wir nicht sogleich in das sinnliche Wahrnehmen übergehen, sondern würden wir beim Momente des Aufwachens verweilen können, so würden wir in diesem Momente sehr geeignet sein, Botschaften von den Toten entgegenzunehmen. Nur würden diese Botschaften uns so erscheinen, als wenn sie aus unserem eigenen Inneren aufsteigen.
[ 13 ] The fact is, however, that of the two intermediate states of consciousness that pass fleetingly for modern humans—waking up and falling asleep—only one is suitable for asking questions, while the other is suitable only for answering them. What is peculiar is that when we fall asleep, this moment of falling asleep is particularly conducive to asking questions of the dead—that is, to hearing the questions we ask of the dead, as they come from them. When we fall asleep, we are particularly predisposed to hear, as if from the dead themselves, what we wish to ask. However, in our ordinary state of consciousness, we fall asleep immediately afterward, and the result is that we actually ask the dead hundreds of questions and speak to them about hundreds of things as we drift off to sleep—yet we are unaware of any of it because we fall asleep right after. This fleeting moment of falling asleep is a moment of immense significance for our communication with the dead. And again, the moment of waking: it predisposes us in a very special way to hear the answers of the dead. If we did not immediately slip back into sensory perception, but were able to linger in the moment of waking, we would be particularly well-suited at that moment to receive messages from the dead. Only, these messages would appear to us as if they were rising from within ourselves.
[ 14 ] Sie sehen, zwei Gründe gibt es für das eine und für das andere, warum das gewöhnliche Bewußtsein nicht auf den Verkehr mit den Toten achtet. Der eine liegt darin, daß wir sogleich an das Aufwachen und an das Einschlafen einen Zustand anschließen, der geeignet ist auszulöschen, was wir in diesen Momenten erleben; der andere ist, daß die Dinge uns, sagen wir, ungewohnt oder eigentlich unmöglich vorkommen. Wenn wir einschlafen: Die hundert Fragen, die wir an die Toten richten können und auch wirklich richten, sie gehen im Schlafleben unter aus dem Grunde, weil wir ganz ungewohnt sind, das, was wir fragen, zu hören und nicht zu sagen. Und das wiederum, was uns der Tote beim Aufwachen sagt, beurteilen wir nicht so, als ob es von dem Toten käme, weil wir es nicht erkennen, wir halten es für etwas, was aus uns selbst aufsteigt. Das ist der zweite Grund, warum sich der Mensch nicht hineinfindet in den Verkehr mit den Toten.
[ 14 ] As you can see, there are two reasons—one for each—why ordinary consciousness pays no attention to communication with the dead. One is that we immediately follow waking and falling asleep with a state that is capable of erasing what we experience in those moments; the other is that these things seem, shall we say, unfamiliar or actually impossible to us. When we fall asleep: the hundred questions we can—and indeed do—ask the dead are lost in the realm of sleep simply because we are completely unaccustomed to hearing—rather than saying—what we ask. And in turn, we do not interpret what the dead person tells us upon waking as coming from the dead, because we do not recognize it; we regard it as something that arises from within ourselves. This is the second reason why people cannot find their way into communication with the dead.
[ 15 ] Diese allgemeinen Erscheinungen werden allerdings doch zuweilen durchbrochen, und zwar in der folgenden Weise. Was der Mensch im Einschlafen erlebt als das Von-sich-aus-Fragenstellen an die Toten, setzt sich in einer gewissen Weise durch den Schlafzustand hindurch fort. Wir blicken, indem wir weiterschlafen, unbewußt zurück zu dem Moment des Einschlafens, und durch diese Tatsache können sich Träume einstellen. Solche Träume können tatsächlich Wiedergaben sein der Fragen, die wir an die Toten stellen. Das ist schon einmal so, daß wir in den Träumen viel mehr, als wir meinen, uns den Toten nähern, zu den Toten hinsprechen, wenn auch das, was im Traume erlebt wird, unmittelbar schon beim Einschlafen gesprochen war. Aber der Traum holt es herauf aus den undifferenzierten Tiefen der Seele. Doch der Mensch mißdeutet es leicht; er nimmt die Träume, wenn er sich dann später an sie als Träume erinnert, meistens nicht als das, was sie sind. Träume sind eigentlich immer ein aus unserem Gefühlsleben hervorgehendes Zusammenleben mit den Toten. Wir haben uns zu ihnen hinbewegt, und der Traum gibt uns eigentlich oft Fragen, die wir an Tote gestellt haben. Er gibt uns schon unser subjektives Erlebnis, aber so, als wenn es von außen kommen würde. Der Tote spricht zu uns, aber wir sprechen es eigentlich selber. Es scheint . nur so, als wenn der Tote spricht. Es sind in der Regel nicht Botschaften, die von den Toten kommen, was uns in den Träumen entgegentritt, sondern der Traum, den wir von den Toten haben, ist der Ausdruck des Bedürfnisses dafür, daß wir mit den Toten zusammen sind, daß es uns gelungen ist, mit den Toten im Momente des Einschlafens zusammenzukommen.
[ 15 ] These general phenomena are, however, occasionally interrupted, and in the following manner. What a person experiences while falling asleep—as if spontaneously asking questions of the dead—continues, in a certain sense, throughout the state of sleep. As we continue to sleep, we unconsciously look back to the moment of falling asleep, and this can give rise to dreams. Such dreams can indeed be reproductions of the questions we ask of the dead. It is certainly true that in our dreams we approach the dead and speak to them far more than we realize, even though what is experienced in the dream was already spoken immediately upon falling asleep. But the dream brings it up from the undifferentiated depths of the soul. Yet people easily misinterpret this; when they later recall these dreams as dreams, they usually do not take them for what they are. Dreams are, in fact, always a form of communion with the dead that arises from our emotional life. We have moved toward them, and the dream often presents us with questions that we have asked of the dead. It gives us our own subjective experience, but as if it were coming from outside. The dead speak to us, but we are actually speaking it ourselves. It merely seems as if the dead are speaking. As a rule, what we encounter in dreams are not messages coming from the dead; rather, the dream we have about the dead is an expression of our need to be with them—that we have succeeded in coming together with them at the moment of falling asleep.
[ 16 ] Der Moment des Aufwachens überbringt uns die Botschaften von den Toten. Dieser Moment des Aufwachens wird ausgelöscht durch das nachfolgende Sinnesleben. Aber es kommt doch auch die Tatsache vor, daß wir im Aufwachen, wie aus dem Inneren der Seele heraufsteigend, irgend etwas haben, von dem wir, wenn wir nur eine genauere Selbstbeobachtung haben, sehr gut wissen können: Es kommt nicht aus unserem gewöhnlichen Ich heraus. Das sind oftmals Botschaften der Toten.
[ 16 ] The moment of waking brings us messages from the dead. This moment of waking is erased by the sensory life that follows. But there is also the fact that, upon waking—as if rising from within the soul—we experience something about which, if we only engage in closer self-observation, we can know very well: it does not come from our ordinary “I.” These are often messages from the dead.
[ 17 ] Sie werden mit diesen Vorstellungen zurechtkommen, wenn Sie nicht schief denken über ein Verhältnis, das Ihnen ja jetzt vor die Seele getreten sein wird. Sie werden sagen: Dann ist der Moment des Einschlafens geeignet, um an den Toten Fragen zu stellen; der Moment des Aufwachens ist geeignet, um von dem Toten die Antworten zu bekommen. Das liegt also auseinander. Sie werden dies nur richtig beurteilen, wenn Sie die Zeitverhältnisse in der übersinnlichen Welt richtig ins Auge fassen. Dort ist das wahr, was in einer merkwürdigen Intuition Richard Wagner in dem Satz ausgesprochen hat: Die Zeit wird zum Raume. — Es wird wirklich in der übersinnlichen Welt die Zeit zum Raume, so wie ein Raumpunkt dort ist, ein anderer dort. Also ist die Zeit nicht vergangen, sondern ein Raumpunkt ist nur in einer größeren oder geringeren Entfernung. Die Zeit wird wirklich übersinnlich zum Raume. Und der Tote spricht nur die Antworten, indem er etwas weiter von uns absteht. Das ist natürlich wieder ungewohnt. Aber das Vergangene ist nicht vergangen in der übersinnlichen Welt; das ist da, es bleibt da. Und mit Bezug auf das Gegenwärtige handelt es sich nur um das Sich-Gegenüberstellen an einem andern Ort gegenüber dem Vergangenen. Das Vergangene ist ebensowenig fort in der übersinnlichen Welt, wie das Haus fort ist, aus dem Sie heute abend weggegangen sind, um hierher zu kommen. Das ist an seinem Orte, und so ist das Vergangene in der übersinnlichen Welt nicht weg, es ist da. Und ob Sie nun nahe oder mehr entfernt sind von dem Toten, das hängt von Ihnen selbst ab, wie weit Sie mit dem Toten gekommen sind. Es kann sehr weit sein, kann aber auch sehr nahe sein.
[ 17 ] You will come to terms with these ideas if you do not misconstrue a relationship that must now have come to the forefront of your mind. You will say: Then the moment of falling asleep is the right time to ask the dead questions; the moment of waking up is the right time to receive answers from the dead. So these are distinct from one another. You will only be able to judge this correctly if you properly grasp the relationship between time and space in the supersensible world. There, what Richard Wagner expressed in a remarkable intuition in the sentence “Time becomes space” is true. — In the supersensible world, time truly becomes space, just as one point in space is here and another is there. Thus, time has not passed; rather, a point in space is simply at a greater or lesser distance. Time truly becomes space in the supersensible realm. And the deceased simply speaks the answers by standing a little farther away from us. This, of course, is again unfamiliar. But the past is not past in the supersensible world; it is there, it remains there. And in relation to the present, it is merely a matter of confronting the past from a different location. The past is no more gone in the supersensible world than the house from which you left this evening to come here is gone. It is in its place, and so the past in the supersensible world is not gone—it is there. And whether you are now close to or farther away from the deceased depends on you yourself—on how far you have come with the deceased. It can be very far, but it can also be very close.
[ 18 ] Wir sehen also: Dadurch, daß wir nicht nur schlafen und wachen, sondern aufwachen und einschlafen, stehen wir in einer fortwährenden Korrespondenz, in einem fortwährenden Kontakt mit den Toten. Sie sind immer unter uns, und wir handeln wirklich nicht nur unter dem Einfluß derjenigen, die als physische Menschen um uns herum leben, sondern wir handeln auch unter dem Einfluß derer, die durch des Todes Pforte gegangen sind und einen Zusammenhang mit uns haben.
[ 18 ] So we see: Because we do not merely sleep and wake, but rather awaken and fall asleep, we are in constant communication, in constant contact with the dead. They are always among us, and we truly act not only under the influence of those who live around us as physical human beings, but also under the influence of those who have passed through the gate of death and are connected to us.
[ 19 ] Ich möchte heute solche Tatsachen hervorheben, die uns immer tiefer und tiefer von einem gewissen Gesichtspunkte aus in die übersinnliche Welt hineinführen.
[ 19 ] Today I would like to highlight certain facts that, from a particular perspective, lead us deeper and deeper into the supersensible world.
[ 20 ] Nun können wir einen Unterschied machen zwischen verschiedenen Seelen, welche durch des Todes Pforte gegangen sind, wenn man einmal erfaßt hat, daß ein solcher Kontakt fortwährend mit den Toten da ist. Wenn wir eigentlich immer durch das Feld der Toten gehen, entweder indem wir im Einschlafen Fragen stellen an die Toten, oder Antworten von ihnen bekommen im Aufwachen, dann wird es uns auch nahegehen, wie wir mit den Toten in Verbindung stehen, je nachdem die Toten durch des Todes Pforte gegangen sind als jüngere Menschen oder als ältere. Die Tatsachen, die hier zugrunde liegen, zeigen sich allerdings nur dem hellsichtigen Bewußtsein. Aber das ist ja nur das Wissen davon, die Realität findet fortwährend statt. Jeder Mensch steht so mit den Toten in Verbindung, wie es eben durch das hellsichtige Bewußtsein ausgesprochen wird. Wenn jüngere Menschen — Kinder oder Jugendliche — durch des Todes Pforte gehen, dann zeigt sich namentlich, daß ein gewisser Zusammenhang bestehen bleibt zwischen den Lebendigen und diesen Toten, ein Zusammenhang, der anderer Art ist, als wenn ältere Menschen in Frage kommen, die in der Abenddämmerung ihres Lebens durch die Todespforte gegangen sind. Da ist ein durchgreifender Unterschied. Wenn wir Kinder verlieren, wenn jugendliche Menschen von uns weggehen, ist es eigentlich so, daß sie im Grunde genommen gar nicht richtig von uns weggehen, sondern eigentlich bei uns bleiben. Das zeigt sich dem hellsichtigen Bewußtsein dadurch, daß die Botschaften, die beim Aufwachen uns zukommen, gerade lebendig, lebhaft sind, wenn es sich um Kinder oder jugendliche Personen handelt, die gestorben sind. Da ist eine Verbindung zwischen den Zurückgebliebenen und den Verstorbenen vorhanden, die man schon so bezeichnen kann, daß man sagt: Ein Kind, einen jugendlichen Menschen hat man in Wirklichkeit gar nicht verloren; sie bleiben eigentlich da. — Und sie bleiben vor allem aus dem Grunde da, weil sie nach dem Tode ein lebendiges Bedürfnis darnach zeigen, in unser Aufwachen hineinzuwirken, in unser Aufwachen hinein Botschaften zu senden. Es ist schon sehr merkwürdig, aber es ist so, daß mit alledem, was mit dem Aufwachen zusammenhängt, das jugendlich verstorbene Menschenkind außerordentlich viel zu tun hat. Dem hellsichtigen Bewußtsein wird es ganz besonders interessant, wie es eigentlich jugendlich früh verstorbenen Seelen zu danken ist, wenn die Menschen im äußeren physischen Leben eine gewisse Frömmigkeit, eine gewisse Neigung zur Frommheit empfinden. Denn das sagen ihnen die früh verstorbenen Seelen. Ungeheuer viel wird mit Bezug auf Frömmigkeit gewirkt durch die Botschaften der früh verstorbenen Seelen.
[ 20 ] Now we can distinguish between different souls who have passed through the gate of death, once we have grasped that such contact with the dead is constantly present. If we are, in fact, always passing through the realm of the dead—whether by asking questions of the dead as we fall asleep or receiving answers from them upon waking—then we will also come to realize how we are connected to the dead, depending on whether they passed through the gate of death as younger or older people. The underlying facts, however, reveal themselves only to the clairvoyant consciousness. But that is merely the knowledge of it; the reality is constantly unfolding. Every person is connected to the dead in the way described by clairvoyant consciousness. When younger people—children or adolescents—pass through the gate of death, it becomes particularly evident that a certain connection remains between the living and these deceased, a connection that is of a different nature than when older people are involved, who have passed through the gate of death in the twilight of their lives. There is a profound difference. When we lose children, when young people leave us, the reality is that they do not truly leave us at all, but actually remain with us. This is evident to the clairvoyant consciousness in that the messages we receive upon waking are particularly vivid and lively when they concern children or young people who have died. There is a connection between those left behind and the deceased that can be described as follows: in reality, we have not lost a child or a young person at all; they actually remain with us. — And they remain here, above all, because after death they show a vivid need to influence our waking life, to send messages into our waking life. It is indeed very remarkable, but it is true that the child who died in youth has an extraordinary amount to do with everything connected to waking life. For the clairvoyant consciousness, it becomes particularly interesting to see how we actually owe a debt of gratitude to the souls who died young when people in their outer physical lives feel a certain piety, a certain inclination toward piety. For this is what the souls who died young tell them. An immense amount is accomplished with regard to piety through the messages of the souls who died young.
[ 21 ] Anders ist es, wenn Seelen im Alter, im physischen Alter dahingehen. Da können wir das, was sich dem hellsichtigen Bewußtsein zeigt, in einer andern Weise darstellen. Wir können sagen: Die verlieren uns nicht, denen bleiben wir mit unseren Seelen. — Merken Sie den Gegensatz: Die jugendlichen Seelen verlieren wir nicht, sie bleiben unter uns; die älter verstorbenen Seelen verlieren uns nicht, die nehmen gewissermaßen etwas von unseren Seelen mit sich. — Es ist nur vergleichsweise gesprochen, wenn ich mich vergleichsweise ausdrücken darf. Die älter verstorbenen Seelen ziehen uns mehr zu sich hin, während die jugendlich Verstorbenen sich mehr zu uns hinziehen. Daher haben wir selbst im Momente des Einschlafens viel an die älteren verstorbenen Seelen zu sagen, und wir können ein Band zur geistigen Welt besonders dadurch weben, daß wir uns geeignet machen, uns an die älteren verstorbenen Seelen im Momente des Einschlafens zu richten. Mit Bezug auf diese Dinge kann der Mensch wirklich einiges tun.
[ 21 ] The situation is different when souls pass away in old age—in physical old age. In that case, we can describe what appears to the clairvoyant consciousness in a different way. We can say: We do not lose those people; we remain with them through our souls. — Note the contrast: We do not lose the youthful souls; they remain among us. The souls who have passed away at an older age do not lose us; they take, so to speak, a part of our souls with them. — This is only a figure of speech, if I may put it that way. The souls who have passed away at an older age draw us more toward them, while those who have passed away in their youth are drawn more toward us. That is why, even at the moment of falling asleep, we have much to say to the souls of the elderly who have passed away, and we can weave a bond with the spiritual world especially by making ourselves ready to address the souls of the elderly who have passed away at the moment of falling asleep. With regard to these things, a person can truly do quite a bit.
[ 22 ] Wir sehen also, wir stehen mit den Toten in einer fortwährenden Verbindung; wir haben eine Art Fragen und Antworten, eine Wechselwirkung mit den Toten. Um uns besonders zum Fragen geeignet zu machen, also gewissermaßen um den Toten nahezukommen, ist folgendes das richtige. Gewöhnliche abstrakte Gedanken, also Gedanken, die aus dem materialistischen Leben heraus sind, bringen uns wenig mit den Toten zusammen. Die Toten leiden auch unter unseren Zerstreuungen im rein materiellen Leben, wenn sie in irgendeiner Weise zu uns gehören. Wenn wir dagegen das festhalten und pflegen, was uns gefühlsmäßig und willensmäßig mit den Toten zusammenbringt, dann bereiten wir uns gut dazu vor, an die Toten entsprechende Fragen zu richten, bereiten uns gut dazu vor, im Momente des Einschlafens mit den Toten in Beziehung zu kommen. Diese Beziehungen sind ja vorzugsweise dadurch vorhanden, daß die betreffenden Toten im Leben mit uns in Zusammenhang gestanden haben. Der Zusammenhang im Leben begründet das, was weiter folgt für den Zusammenhang nach dem Tode. Es gibt natürlich einen Unterschied, ob ich mit irgend jemandem gleichgültig spreche oder mit Anteil, ob ich mit ihm so spreche, wie ein Mensch mit einem . andern spricht, wenn er diesen andern lieb hat, oder ob ich mich gleichgültig verhaltend spreche. Es gibt einen großen Unterschied, ob ich mit jemandem wie beim Five-o’clock-tea rede oder ob mich ganz besonders interessiert, was ich von dem andern vernehmen kann. Wenn man intimere Beziehungen schafft im Leben zwischen Seele und Seele, solche Beziehungen, die auf Gefühlen und Willensimpulsen beruhen, und wenn man, nachdem eine Seele durch des Todes Pforte gegangen ist, vorzugsweise solche gefühlsmäßigen Beziehungen, solches Interesse an der Seele, solche Neugier zu den Antworten, die sie geben wird, festhalten kann, oder wenn man vielleicht den Drang hat, ihr selbst etwas zu sein, wenn man in diesen Reminiszenzen zu der Seele leben kann, Reminiszenzen, die nicht aus dem Inhalte des Vorstellungslebens zu der Seele fließen, sondern aus den Beziehungen zwischen Seele und Seele, dann ist man besonders geeignet, um im Momente des Einschlafens fragend an die Seele heranzukommen. Um dagegen Antworten, Botschaften zu bekommen im Momente des Aufwachens, dazu wird man besonders geeignet, wenn man fähig und geneigt ist, auf das Wesen des betreffenden Toten während seines Lebens erkennend einzugehen. Bedenken Sie, wie man, besonders in der Gegenwart, an den Menschen vorbeigeht, ohne sie wirklich kennenzulernen. Was kennen eigentlich heute die Menschen voneinander? Es gibt — wenn man gleich dieses etwas sonderbare, frappierende Beispiel nehmen darf — Ehen, die Jahrzehnte dauern, ohne daß die beiden Eheleute sich auch nur irgendwie kennenlernen. Es ist so. Es ist aber durchaus möglich — was nicht von einem Talent abhängt, es ist eigentlich von der Liebe abhängig —, verständnisvoll auf das Wesen des andern einzugehen und dadurch eine wirkliche Vorstellungswelt von dem andern in sich zu tragen. Das aber bereitet besonders gut dazu vor, im Momente des Aufwachens von dem Toten selbst Antworten zu empfangen. Daher ist man eigentlich auch eher geneigt, beim Aufwachen von einem Kinde, von einem Jugendlichen Antworten zu empfangen, weil man Jugendliche doch noch immer eher kennenlernt als die, welche sich verinnerlicht haben und älter geworden sind.
[ 22 ] So we see that we are in constant connection with the dead; we have a kind of question-and-answer exchange, an interaction with them. To make ourselves particularly suited to asking questions—that is, to draw closer to the dead, so to speak—the following is the right approach. Ordinary abstract thoughts—that is, thoughts derived from materialistic life—bring us little closer to the dead. The dead also suffer from our distractions in purely material life, if they are connected to us in any way. If, on the other hand, we hold fast to and nurture what brings us together with the dead emotionally and through our will, then we prepare ourselves well to ask the dead appropriate questions; we prepare ourselves well to enter into a relationship with the dead at the moment of falling asleep. These relationships exist primarily because the deceased in question were connected to us during their lives. The connection in life lays the foundation for what follows regarding the connection after death. There is, of course, a difference between whether I speak to someone indifferently or with concern, whether I speak to them the way one person speaks to another when they love that other person, or whether I speak while behaving indifferently. There is a great difference between speaking to someone as if over five o’clock tea and being genuinely interested in what the other person has to say. When one creates more intimate relationships in life between soul and soul—relationships based on feelings and impulses of the will—and when, after a soul has passed through the gate of death, one is able to maintain, above all, such emotional connections, such interest in the soul, and such curiosity about the answers it will give; or when one perhaps feels the urge to to be something to the soul oneself—if one can live in these recollections of the soul, recollections that do not flow from the content of one’s imaginative life regarding the soul, but from the relationships between soul and soul—then one is particularly well-suited to approach the soul with questions at the moment of falling asleep. To receive answers or messages, on the other hand, at the moment of waking, one becomes particularly suited to do so if one is capable of and inclined to engage with the essence of the deceased person in question during their lifetime in a discerning way. Consider how, especially in the present day, people pass each other by without truly getting to know one another. What do people actually know about one another today? There are—if one may take this somewhat strange, striking example—marriages that last for decades without the two spouses ever really getting to know one another in any way. That is how it is. But it is entirely possible—which does not depend on talent, but rather on love—to respond with understanding to the nature of the other and thereby carry within oneself a true mental image of the other. This, however, prepares one particularly well to receive answers from the deceased themselves at the moment of awakening. That is why one is actually more inclined to receive answers upon the awakening of a child or a young person, because one still tends to get to know young people better than those who have turned inward and grown older.
[ 23 ] So können die Menschen schon etwas dazu tun, um in der rechten Weise das Verhältnis zwischen den Lebenden und den Toten zu begründen. Eigentlich ist unser ganzes Leben von diesem Verhältnis durchzogen. Wir sind als Seelen eingebettet in die Sphäre, in der auch die Toten sind. Der Grad — das habe ich schon vorhin gesagt —, in dem wir fromm sind, hängt sehr stark damit zusammen, wie die jugendlich verstorbenen Menschen auf uns wirken. Und würden nicht jugendlich verstorbene Menschen in das Leben hereinwirken, so gäbe es wahrscheinlich überhaupt keine Frömmigkeit. Daher verhalten sich die Menschen zu jung verstorbenen Seelen am besten so, daß sie das Andenken mehr im allgemeinen halten. Trauerfeiern für Kinder oder jugendlich verstorbene Menschen sollten immer etwas Kultushaftes, etwas Generelleres haben. Man sollte beim Tode von jugendlich Verstorbenen eine Art von Kultus haben. Die katholische Kirche, die alles auf das jugendliche, auf das kindliche Leben abnuanciert, die es überhaupt nur mit Kindern zu tun haben möchte, Kinderseelen zu verwalten haben möchte, sie wendet daher wenig die Bitte an, individuelle Reden zu halten für das kindliche Leben, das mit dem Tode geschlossen hat. Das ist ganz besonders gut. Die Trauer, die wir um Kinder haben, ist anderer Art, als unsere Trauer um ältere Leute. Die Trauer um Kinder möchte ich am liebsten Mitgefühltrauer nennen; denn die Trauer, die wir um ein Kind haben, das uns hinweggestorben ist, ist eigentlich vielfach eine Reflexion aus unserer eigenen Seele gegenüber dem Wesen des Kindes, das eigentlich dageblieben ist in unserer Nähe. Wir leben das Leben des Kindes mit, und das Wesen des Kindes macht da die Trauer mit. Es ist Mitgefühltrauer. Wenn die Trauer dagegen besonders gegenüber älter verstorbenen Personen auftritt, kann man sie nicht als Mitgefühltrauer bezeichnen; sie ist dann immer als eine egoistische zu bezeichnen, und sie wird am besten durch die Erwägung getragen, daß der Tote uns dann eigentlich mitnimmt, wenn er älter geworden ist; er verliert uns nicht, wenn wir versuchen, uns geeignet zu machen, um mit ihm zusammenzukommen. Daher können wir dem älteren Toten gegenüber das Andenken mehr individuell gestalten, mehr in Gedanken tragen, können in Gedanken vereint bleiben mit dem, was wir in Gedanken mit ihm gepflogen haben, wenn wir versuchen, nicht als ein unbequemer Genosse uns zu benehmen. Er hat uns, aber er hat uns auf eine sonderbare Art, wenn wir Gedanken haben, die gar nicht von ihm aufgenommen werden können. Wir bleiben bei ihm, aber wir können ihm zur Last werden, wenn er uns mitschleppen muß, ohne daß wir solche Gedanken in uns hegen, die er mit sich vereinigen kann, die er geistig in entsprechender Weise anschauen kann.
[ 23 ] In this way, people can already do something to establish the relationship between the living and the dead in the proper way. In fact, our entire life is permeated by this relationship. As souls, we are embedded in the sphere where the dead also reside. The degree—as I mentioned earlier—to which we are devout is very much connected to how those who died in their youth affect us. And if those who died in their youth did not influence our lives, there would probably be no piety at all. Therefore, the best way for people to relate to the souls of those who died young is to keep their memory alive in a more general way. Memorial services for children or those who died in their youth should always have a ceremonial, more general character. When young people die, there should be a kind of ritual. The Catholic Church, which tailors everything to youthful, childlike life—which wishes to deal exclusively with children and to care for children’s souls—therefore rarely asks for individual eulogies to be given for the child’s life that has come to an end with death. This is particularly good. The grief we feel for children is of a different nature than our grief for older people. I would most like to call grief for children “compassionate grief”; for the grief we feel for a child who has passed away is, in many ways, a reflection from our own soul upon the essence of the child, who has actually remained close to us. We share in the child’s life, and the child’s essence shares in that grief. It is compassionate grief. When, on the other hand, grief arises specifically for older people who have passed away, it cannot be described as compassionate grief; it must always be described as selfish, and it is best sustained by the consideration that the deceased actually takes us with them when they have grown older; he does not lose us when we try to make ourselves ready to be with him. Therefore, we can shape our remembrance of the older deceased in a more individual way, carry it more in our thoughts, and remain united in thought with what we used to share with him in our thoughts, provided we try not to behave like an inconvenient companion. He has us, but he has us in a peculiar way when we have thoughts that he cannot at all absorb. We remain with him, but we can become a burden to him if he has to carry us along without us harboring thoughts that he can unite with himself, that he can contemplate spiritually in an appropriate manner.
[ 24 ] Bedenken Sie, wie konkret das herauskommt, was unsere Beziehungen zu den Toten sind, wenn wir wirklich geisteswissenschaftlich unsere Beziehungen zu den Toten beleuchten können, wenn wir wirklich in der Lage sind, das ganze Verhältnis der Lebenden zu den Toten ins Auge zu fassen. Es wird der Menschheit der Zukunft schon wichtig werden, dies ins Auge zu fassen. So trivial es klingt — weil man sagen kann, daß jede Zeit eine Übergangszeit ist —, unsere Zeit ist doch eine Übergangszeit. Unsere Zeit muß übergehen in eine spirituellere Zeit. Sie muß wissen, was aus dem Reiche der Toten kommt, muß wissen, daß wir hier von den Toten so umgeben sind, wie von der Luft. Es wird in Zukunft einfach eine reale Empfindung sein: Wenn jemand älter hinweggestorben ist, darfst du ihm nicht zum Alp werden; du wirst ihm aber zum Alp, wenn du Gedanken in dir trägst, die er nicht in sich aufnehmen kann. Bedenken Sie, wie sich das Leben bereichern kann, wenn wir dies in uns aufnehmen. Dadurch wird ja erst das Zusammenleben mit den Toten zu einem realen gemacht werden.
[ 24 ] Consider how concrete our relationship with the dead becomes when we can truly examine it from a spiritual-scientific perspective, when we are truly able to take in the entire relationship between the living and the dead. It will become important for the humanity of the future to take this into account. As trivial as it may sound—because one could say that every age is a time of transition—our age is indeed a time of transition. Our age must give way to a more spiritual age. It must know what comes from the realm of the dead; it must know that we are surrounded here by the dead just as we are by the air. In the future, it will simply be a real sensation: When someone has passed away in old age, you must not become a nightmare to them; but you will become a nightmare to them if you harbor thoughts within yourself that they cannot take in. Consider how life can be enriched when we take this to heart. Only then will coexistence with the dead become a reality.
[ 25 ] Ich habe öfter gesagt: Geisteswissenschaft will nicht eine neue Religion gründen, will auch nicht etwas Sektiererisches in die Welt setzen, sonst verkennt man sie vollständig. Ich habe dagegen oft betont, daß sie das religiöse Leben der Menschen vertiefen kann, indem sie reale Grundlagen schafft. Das Totenandenken, der Totenkult hat seine religiöse Seite. Auf dieser Seite des religiösen Lebens wird eine Grundlage geschaffen, wenn das Leben geisteswissenschaftlich beleuchtet wird. Aus dem Abstrakten werden die Dinge herausgehoben, indem das Richtige geschieht. Es ist zum Beispiel nicht gleichgültig für das Leben, ob einem jugendlichen Menschen oder einem älteren eine richtige Totenfeier gehalten wird. Denn diese Dinge, ob eine richtige oder eine falsche Totenfeier einem Verstorbenen gehalten wird, das heißt eine Feier, die nicht aus dem Bewußtsein heraus kommt, was ein jugendlich verstorbener Mensch ist und was ein älter verstorbener — diese Tatsache, ob eine Totenfeier richtig oder unrichtig gemacht wird, ist für das Zusammenleben der Menschen viel wichtiger als ein Gemeinderatsbeschluß oder ein Parlamentsbeschluß, so sonderbar es klingt. Denn die Impulse, die im Leben wirken, werden aus den Menschenindividuen selber herauskommen, wenn die Menschen im richtigen Verhältnis zu der Welt der Toten stehen. Heute möchten die Menschen alles durch abstrakte Struktur der sozialen Ordnung einrichten. Die Menschen sind froh, wenn sie wenig nachzudenken brauchen über das, was sie tun sollen. Viele sogar sind froh, wenn sie nicht viel nachzudenken haben über das, was sie denken sollen. Aber das ist ganz anders, wenn man ein lebendiges Bewußtsein, nicht nur von einem pantheistischen Zusammenleben mit einer Geisteswelt, sondern ein lebendiges Bewußtsein von einem konkreten Zusammenleben mit einer geistigen Welt hat. Man kann voraussehen ein Durchtränktwerden des religiösen Lebens mit konkreten Vorstellungen, wenn eben durch Geisteswissenschaft dieses religiöse Leben vertieft werden wird. Der Geist ist ja — ich habe auch das öfter erwähnt — im Jahre 869 für die abendländische Menschheit auf dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel abgeschafft worden. Damals wurde zum Dogma erhoben, daß der Mensch von den Katholiken nicht angesehen werden dürfe als bestehend aus Leib, Seele und Geist, sondern nur aus Leib und Seele, und der Seele wurde zugeschrieben, daß sie auch «geistige Eigenschaften» habe. Dieses Abschaffen des Geistes hat eine ungeheuer große Bedeutung. Daß man im Jahre 869 in Konstantinopel den Beschluß gefaßt hat, daß der Mensch nicht dürfe begabt gedacht werden mit «anima» und «spiritus», sondern daß er nur «unam animam rationalem et intellectualem» besitze, das ist Dogma. «Die Seele hat geistige Eigenschaften», dies hat seit dem 9. Jahrhundert Dämmerung gebreitet über das geistige Leben des Abendlandes. Das muß wieder überwunden werden. Der Geist muß wieder anerkannt werden. Das, weswegen man im Mittelalter im eminenten Sinne als ein Ketzer galt, nämlich wenn man die Trichotomie — Leib, Seele und Geist — anerkannte, das muß wieder als richtige, echte Menschenanschauung gelten. Dazu wird es einiges brauchen für die Menschen, die heute selbstverständlich jede Autorität ablehnen und darauf schwören, daß der Mensch nur aus Leib und Seele bestehe, und zwar sind dies nicht etwa bloß Leute eines gewissen religiösen Bekenntnisses, sondern auch solche, welche Professoren hören, Philosophen und andere hören. Und die Philosophen — wie Sie überall lesen können — unterscheiden ja auch nur zwischen Leib und Seele, lassen den Geist weg. Das ist ihre «unbefangene» Weltbetrachtung, die aber nur davon herrührt, daß einmal im Jahre 869 auf einem Kirchenkonzil der Beschluß gefaßt worden ist, den Geist nicht anzuerkennen. Aber man weiß das nicht. Philosophen, die weltberühmt geworden sind, zum Beispiel Wilhelm Wundt, ein großer Philosoph von seines Verlegers Gnaden, aber weltberühmt, teilt selbstverständlich auch den Menschen ein in Leib und Seele, weil er es für unbefangene Wissenschaft hält — und nicht weiß, daß er nur dem Konzilsbeschluß von 869 folgt. Man muß schon auf die wahren Tatsachen sehen, wenn man das durchschauen will, was sich in der Welt der Wirklichkeit vollzieht. Sieht man auf diesem Gebiete, das wir besonders heute berührt haben, auf die wahren Tatsachen, dann wird einem ein Bewußtsein erschlossen von einem Zusammenhange mit jener Welt, die in der Geschichte verträumt und verschlafen wird. Geschichte, geschichtliches Leben, man wird es nur im rechten Lichte sehen können, wenn man auch ein rechtes Bewußtsein entwickeln kann über den Zusammenhang der sogenannten Lebenden mit den sogenannten Toten. Davon wollen wir weiter reden, wenn wir uns hier wieder sehen.
[ 25 ] I have often said: Spiritual science does not seek to found a new religion, nor does it seek to introduce anything sectarian into the world; otherwise, one completely misunderstands it. On the contrary, I have often emphasized that it can deepen people’s religious life by laying a solid foundation. The remembrance of the dead, the cult of the dead, has its religious aspect. A foundation is laid in this aspect of religious life when life is viewed through the lens of spiritual science. Things are brought out of the abstract by doing what is right. For example, it is not a matter of indifference to life whether a proper funeral service is held for a young person or an older person. For these matters—whether a proper or an improper funeral service is held for the deceased— that is, a ceremony that does not arise from an awareness of what a deceased young person is and what an elderly deceased person is—this fact, whether a funeral ceremony is conducted properly or improperly, is far more important for human coexistence than a local council resolution or a parliamentary decision, strange as it may sound. For the impulses that are at work in life will arise from within human individuals themselves when people stand in the right relationship to the world of the dead. Today, people want to organize everything through the abstract structure of the social order. People are happy when they don’t have to think much about what they should do. Many are even glad when they do not have to think much about what they are supposed to think. But this is quite different when one has a living awareness—not merely of a pantheistic coexistence with a spiritual world, but a living awareness of a concrete coexistence with a spiritual world. One can foresee religious life becoming imbued with concrete ideas if this religious life is deepened through spiritual science. The spirit was, after all—as I have often mentioned—abolished for Western humanity in the year 869 at the Eighth Ecumenical Council in Constantinople. At that time, it was elevated to dogma that Catholics were not to regard human beings as consisting of body, soul, and spirit, but only of body and soul; and the soul was attributed with “spiritual qualities.” This abolition of the spirit has immense significance. The fact that a decision was made in Constantinople in 869 that human beings should not be conceived as endowed with “anima” and “spiritus,” but that they possess only “unam animam rationalem et intellectualem”—that is dogma. “The soul has spiritual qualities”—this has cast a shadow over the spiritual life of the West since the 9th century. This must be overcome once again. The spirit must be recognized once more. What was considered heresy in the medieval sense—namely, the recognition of the trichotomy of body, soul, and spirit—must once again be regarded as the correct, authentic view of humanity. This will require a great deal of effort on the part of people who today, as a matter of course, reject all authority and swear that human beings consist only of body and soul—and these are not merely people of a certain religious denomination, but also those who listen to professors, philosophers, and others. And the philosophers—as you can read everywhere—distinguish only between body and soul, leaving out the spirit. This is their “unbiased” view of the world, which, however, stems solely from the fact that in the year 869, at a church council, a resolution was passed not to recognize the spirit. But people are unaware of this. Philosophers who have become world-famous—for example, Wilhelm Wundt, a great philosopher by the grace of his publisher, yet world-famous—naturally also divide human beings into body and soul, because he considers this to be unbiased science—and does not realize that he is merely following the council’s decision of 869. One must look to the true facts if one wishes to see through what is taking place in the world of reality. If, in this area—which we have touched upon especially today—one looks at the true facts, then an awareness opens up of a connection with that world which is dreamt away and slept through in history. History, historical life—one will be able to see it only in the right light if one can also develop a proper awareness of the connection between the so-called living and the so-called dead. We will speak further about this when we meet here again.
