Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181
26 March 1918, Berlin
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The Death of the Earth and Life in the Universe, tr. SOL
Erdensterben und Weltenleben VII
Earth-Death and Universal-Life VII
[ 1 ] Mit ein paar Worten wollen wir zurückkommen, damit der Zusammenhang gewahrt werde, auf das, was vor acht Tagen hier vorgebracht worden ist. Ich sagte: Wenn es sich darum handelt, das Verhältnis der im Leibe verkörperten Menschenseelen zu entkörperten Menschenseelen, die zwischen Tod und neuer Geburt leben, ins Auge zu fassen, so kommt es darauf an, das geistige Auge gewissermaßen auf die «seelische Luft» zu richten, die den Lebenden mit den sogenannten Toten verbinden muß, damit ein Verhältnis zwischen beiden stattfinden könne. Und wir haben zunächst gefunden, daß gewisse Seelenstimmungen, die beim Lebenden vorhanden sein müssen, gewissermaßen die Brücke hinüberschlagen in die Reiche, in denen die sogenannten Toten sind. Seelenstimmungen bedeuten ja immer auch das Vorhandensein eines gewissen seelischen Elementes, und man könnte sagen, eben wenn dieses seelische Element vorhanden ist, wenn es seine Anwesenheit zeigt durch die entsprechenden Gefühle des Lebenden, dann findet die Möglichkeit eines solchen Verhältnisses statt.
[ 1 ] To maintain the context, let us briefly return to what was discussed here eight days ago. I said: When it comes to considering the relationship between human souls embodied in the physical body and disembodied human souls living between death and rebirth, it is essential to direct the spiritual eye, so to speak, toward the “soul-air” that must connect the living with the so-called dead, so that a relationship between the two can take place. And we have found, to begin with, that certain soul states, which must be present in the living, build a bridge, as it were, to the realms where the so-called dead reside. After all, states of mind always imply the presence of a certain spiritual element, and one could say that precisely when this spiritual element is present—when it manifests itself through the corresponding feelings of the living—then the possibility of such a relationship arises.
[ 2 ] Wir mußten dann darauf hinweisen, daß solche Möglichkeit, also gewissermaßen die seelische Luftverbindung, durch zwei Gefühlstichtungen beim Lebenden geschaffen wird. Die eine Gefühlsrichtung ist die, welche man nennen könnte das universelle Dankbarkeitsgefühl gegenüber allen Lebenserfahrungen. Ich sagte: Die Gesamtart, wie sich die Seele des Menschen zur Umgebung überhaupt verhält, zerfällt in einen unterbewußten Teil und in einen bewußten. Den bewußten Teil kennt jeder; er besteht darinnen, daß der Mensch mit Sympathien und Antipathien und mit seinen gewöhnlichen Wahrnehmungen verfolgt, was ihn im Leben trifft. Der unterbewußte Teil aber besteht darinnen, daß wir tatsächlich eben unter der Schwelle des Bewußtseins ein Gefühl entwickeln, das besser, erhabener ist als die Gefühle, die wir im gewöhnlichen Bewußtsein entwickeln können, ein Gefühl, das eben nicht anders bezeichnet werden kann als dadurch, daß wir in unserer Unterseele immer wissen, wir haben dankbar zu sein für jede Lebenserfahrung, auch für die kleinste, die an uns herantritt. Daß schwere Lebenserfahrungen an uns herantreten, mag uns gewiß für den Augenblick schmerzlich stimmen; aber für einen größeren Überblick des Daseins nehmen sich auch schmerzliche Lebenserfahrungen so aus, daß man zwar nicht in der Oberseele, aber doch in der Unterseele dankbar dafür sein kann, dankbar dafür, daß vom Universum unser Leben mit fortwährenden Gaben versehen wird. Das ist etwas, was einmal als ein wirklich unterbewußtes Gefühl in der Menschenseele vorhanden ist. Das andere ist, daß wir unser eigenes Ich verbinden mit jedem Wesen, mit dem wir irgendwie im Leben handelnd etwas zu tun gehabt haben. Unsere Handlungen erstrecken sich auf diese oder jene Wesen des Lebens, es können auch sogar unbelebte sein. Aber wo wir etwas getan haben, wo sich unsere Wesenheit mit einer andern Wesenheit handelnd verbunden hat, da bleibt etwas zurück, und dieses Zurückbleibende begründet eine dauernde Verwandtschaft unserer Wesenheit mit alledem, womit wir uns eben jemals verbunden haben. Ich sagte: Dieses Gefühl der Verwandtschaft ist die Grundlage für ein tieferes, der Oberseele gewöhnlich unbekannt bleibendes Gefühl einer Gemeinsamkeit mit der umgebenden Welt, ein Gemeinsamkeitsgefühl.
[ 2 ] We then had to point out that such a possibility—that is, a kind of spiritual connection—is created in living beings through two emotional orientations. One of these is what one might call a universal sense of gratitude toward all life experiences. I said: The overall way in which the human soul relates to its surroundings can be divided into a subconscious part and a conscious part. Everyone is familiar with the conscious part; it consists of the way a person, through sympathies and antipathies and through their ordinary perceptions, follows what happens to them in life. The subconscious part, however, consists in the fact that, just below the threshold of consciousness, we actually develop a feeling that is better and more sublime than the feelings we can develop in ordinary consciousness—a feeling that can be described only by the fact that, in our innermost being, we always know we must be grateful for every life experience—even the smallest one—that comes our way. The fact that difficult life experiences come our way may certainly cause us pain for the moment; but when viewed from a broader perspective of existence, even painful life experiences appear in such a way that, while we may not feel gratitude in our upper soul, we can nevertheless feel it in our lower soul—gratitude that the universe continually bestows gifts upon our lives. This is something that exists within the human soul as a truly subconscious feeling. The other aspect is that we connect our own self with every being with whom we have had some kind of active interaction in life. Our actions extend to this or that being in life; they may even include inanimate objects. But wherever we have done something—wherever our being has actively connected with another being—something remains behind, and this remnant establishes a lasting kinship between our being and everything with which we have ever connected. I said: This sense of kinship is the foundation for a deeper sense of commonality with the surrounding world—a sense of commonality that usually remains unknown to the higher self.
[ 3 ] Der Mensch kann diese beiden Gefühle, das Gefühl der Dankbarkeit und das Gefühl der Gemeinsamkeit mit der Umgebung, mit der er irgendwie karmisch verbunden war, immer mehr und mehr bewußt ausleben. Er kann gewissermaßen das, was in diesen Gefühlen und Empfindungen lebt, heraufheben in die Seele; und in dem Maße, als er gerade diese beiden Empfindungen heraufhebt in die Seele, macht er sich geeignet, die Brücke zu schlagen zu den Seelen, die ihr Leben zwischen Tod und neuer Geburt verbringen. Denn die Gedanken dieser Seelen können zu uns nur den Weg finden, wenn sie durch den Bereich des von uns entwickelten Dankbarkeitsgefühls wirklich durchdringen können; und wir können einzig und allein dadurch den Weg zu ihnen finden, daß unsere Seele wenigstens einigermaßen sich gewöhnt hat, wirkliche Gemeinschaft zu pflegen. Daß wir imstande sind, dem Universum gegenüber Dankbarkeit zu empfinden, läßt auch zuweilen eine solche Dankbarkeitsstimmung in unsere Seele fallen, wenn wir mit den Toten in irgendeine Verbindung treten wollen, daß wir geübt haben eine solche Dankbarkeitsstimmung, daß wir in der Lage sind, sie fühlen zu können, das bahnt den Gedanken des Toten den Weg zu uns. Und daß wir empfinden können: Es lebt unser Wesen in einer organischen Gemeinschaft, von der es ein Teil ist, wie unser Finger von unserem Körper, das macht uns reif dazu, auch gegenüber den Toten, wenn sie nicht mehr im physischen Leibe anwesend sind, eine solche Dankbarkeit zu empfinden, damit wir mit unseren Gedanken zu ihnen herüberkommen. Wenn man sich auf einem Gebiete so etwas angeeignet hat wie Dankbarkeitsstimmung, die Gemeinsamkeitsempfindung, dann hat man erst die Möglichkeit, sie im gegebenen Falle auch anzuwenden.
[ 3 ] Human beings can increasingly and more consciously experience these two feelings—the feeling of gratitude and the feeling of oneness with the environment to which they were somehow karmically connected. In a sense, they can lift what lives within these feelings and sensations up into the soul; and to the extent that they lift precisely these two sensations up into the soul, they make themselves capable of building a bridge to the souls who spend their lives between death and rebirth. For the thoughts of these souls can find their way to us only if they can truly penetrate the realm of the feeling of gratitude we have developed; and we can find our way to them solely by our soul having become at least somewhat accustomed to cultivating genuine communion. The fact that we are capable of feeling gratitude toward the universe also allows such a mood of gratitude to enter our soul at times when we wish to establish some connection with the dead; the fact that we have practiced cultivating such a mood of gratitude—so that we are able to feel it—paves the way for the thoughts of the dead to reach us. And the fact that we can sense that our being lives within an organic community of which it is a part—just as our finger is a part of our body—makes us ready to feel such gratitude even toward the dead, even when they are no longer present in their physical bodies, so that we may reach out to them with our thoughts. Only when one has cultivated within oneself, in a particular sphere, a spirit of gratitude and a sense of community does one have the ability to apply it when the occasion arises.
[ 4 ] Nun sind diese Empfindungen nicht die einzigen, sondern solcher unterbewußter Empfindungen und unterbewußter Seelenstimmungen sind noch mannigfaltige vorhanden. Alles was wir in unseren Seelen ausbilden, bahnt mehr den Weg in die Welt, wo die Toten zwischen Tod und neuer Geburt sind. So stellt sich eine ganz bestimmte Empfindung, die unterbewußt immer vorhanden ist, aber ins Bewußtsein allmählich heraufgebracht werden kann, der Dankbarkeit an die Seite, eine Empfindung, die dem Menschen um so mehr abhanden kommt, je mehr er ins Materialistische umschlägt. Aber im Unterbewußten ist sie bis zu einem gewissen Grade immer vorhanden und ist eigentlich selbst durch den stärksten Materialismus nicht auszurotten. Aber eine Bereicherung, eine Erhöhung, eine Veredelung des Lebens hängt davon ab, daß man solche Dinge auch heraufholt aus dem Unter.bewußten ins Bewußte. Die Empfindung, die ich meine, ist das, was man bezeichnen könnte mit dem allgemeinen Vertrauen in das durch uns hindurchflutende und an uns vorbeiflutende Leben, Vertrauen zum Leben! Innerhalb einer materialistischen Lebensauffassung ist die Stimmung des Vertrauens zum Leben außerordentlich schwer zu finden. Sie ist sogar ähnlich der Dankbarkeit gegenüber dem Leben, aber doch wieder eine andere Empfindung, die sich dieser Dankbarkeit an die Seite stellt. Denn Vertrauen zum Leben besteht darin, daß eine unerschütterliche Stimmung in der Seele vorhanden ist, daß das Leben, wie es auch an uns herantreten mag, unter allen Umständen uns etwas zu geben hat, daß wir niemals auch nur auf den Gedanken verfallen können, daß das Leben uns durch dieses oder jenes, was es uns entgegenbringt, nichts zu geben hätte. Gewiß, wir machen schwere Lebenserfahrungen, leidvolle Lebenserfahrungen durch, aber in einem größeren Lebenszusammenhange stellen sich gerade leidvolle und schwere Lebenserfahrungen als die heraus, die uns am meisten das Leben bereichern, uns am meisten für das Leben stärken. Es handelt sich darum, diese fortdauernde Stimmung, die in der Unterseele wieder vorhanden ist, ein wenig in die Oberseele heraufzuheben, diese Stimmung: Du, Leben, du hebst und trägst mich, du sorgst dafür, daß ich vorwärtskomme.
[ 4 ] Now, these feelings are not the only ones; there are many other such subconscious feelings and subconscious states of mind. Everything we develop within our souls paves the way into the world where the dead dwell between death and rebirth. Thus, alongside gratitude—a feeling that is always present in the subconscious but can gradually be brought into consciousness—there is a very specific sensation: one that eludes people all the more the more they turn toward materialism. Yet in the subconscious, it is always present to a certain degree and cannot actually be eradicated even by the strongest materialism. However, the enrichment, elevation, and ennoblement of life depend on bringing such things up from the subconscious into the conscious mind. The feeling I am referring to is what one might describe as a general trust in the life that flows through us and past us—trust in life! Within a materialistic view of life, this attitude of trust in life is extremely difficult to find. It is even similar to gratitude toward life, yet it is a different feeling that stands alongside this gratitude. For trust in life consists in the presence of an unshakable disposition in the soul—the conviction that life, however it may approach us, has something to give us under all circumstances; that we can never even entertain the thought that life, through this or that which it brings our way, has nothing to give us. Certainly, we go through difficult and painful life experiences, but in the broader context of life, it is precisely these painful and difficult experiences that turn out to be the ones that enrich our lives the most and strengthen us most for life. The point is to lift this enduring mood—which is present once again in the lower soul—up a little into the higher soul, this mood: “You, Life, you lift and carry me; you ensure that I move forward.”
[ 5 ] Wenn im Erziehungssystem für die Pflege einer solchen Stimmung etwas getan würde, so wäre außerordentlich viel gewonnen. Erziehung ‚und Unterricht daraufhin anzulegen, geradezu an einzelnen Beispielen zu zeigen, wie das Leben gerade dadurch, daß es oftmals schwer zu durchdringen ist, Vertrauen verdiente, es würde ganz besonders viel bedeuten, wenn diese Stimmung in das Erziehungs- und Untetrichtssystem überginge. Denn indem man geradezu das Leben unter einem solchen Gesichtspunkte betrachtet: Verdienst du Vertrauen, o Leben? — stellt sich heraus, daß man vieles findet, was man sonst nicht im Leben findet. Man betrachte eine solche Stimmung nur ja nicht oberflächlich. Es darf eine solche Sache nicht dazu führen, nun alles glänzend und gut im Leben zu finden. Im Gegenteil, es kann in den einzelnen Fällen gerade dieses Vertrauen-haben-zum-Leben zu einer scharfen Kritik von schlimmen, törichten Dingen führen. Und gerade wenn man kein Vertrauen hat zum Leben, führt das oftmals dazu, daß man vermeidet, Kritik zu üben an Schlechtem und Törichtem, weil man vorübergehen will an dem, wozu man kein Vertrauen hat. Es handelt sich ja nicht darum, daß man zu dem einzelnen Dinge Vertrauen habe, das gehört in ein anderes Gebiet. Man hat zu dem einen Ding Vertrauen, zu einem andern nicht, je nachdem sich die Dinge und Wesenheiten darbieten. Aber zu dem Gesamtleben, zu dem Gesamtzusammenhalt des Lebens Vertrauen haben, darum handelt es sich. Denn, kann man etwas von dem im Unterbewußtsein immer vorhandenen Vertrauen zum Leben heraufholen, so bahnt es den Weg, um das Geistige, die weisheitsvolle Fügung und Führung im Leben auch wirklich zu beobachten. Wer sich, nicht theoretisch, sondern empfindend immer wieder und wieder sagt: So wie die Erscheinungen des Lebens aufeinanderfolgen, so bedeuten sie für mich etwas, indem sie mich in sich aufnehmen und etwas mit mir zu tun haben, wozu ich Vertrauen haben kann —, der. bereitet sich gerade damit vor, um das, was geistig lebt und webt in den Dingen, wirklich auch nach und nach wahrzunehmen. Wer dieses Vertrauen nicht hat, der verschließt sich vor dem, was geistig in den Dingen lebt und webt.
[ 5 ] If the educational system were to take steps to foster such an atmosphere, the benefits would be immense. If education and instruction were designed to demonstrate—through specific examples—how life, precisely because it is often difficult to fathom, deserves trust, it would mean a great deal if this spirit were to permeate the educational and instructional system. For when one views life from precisely this perspective—Do you deserve trust, O life? — it turns out that one discovers many things in life that one would otherwise miss. One must not, however, view such an attitude superficially. It must not lead one to see everything in life as brilliant and good. On the contrary, in individual cases, it is precisely this trust in life that can lead to a sharp critique of terrible, foolish things. And it is precisely when one lacks trust in life that one often avoids criticizing what is bad and foolish, because one wants to overlook that in which one has no trust. After all, it is not a matter of having trust in individual things; that belongs to a different realm. One may have trust in one thing and not in another, depending on how things and entities present themselves. But having trust in life as a whole, in the overall coherence of life—that is what matters. For if one can draw upon some of that trust in life that is always present in the subconscious, it paves the way for truly observing the spiritual, the wise providence and guidance in life. Whoever tells themselves—not theoretically, but intuitively, again and again: “Just as the phenomena of life follow one another, so they mean something to me, in that they take me into themselves and have something to do with me, in which I can have trust”—prepares themselves precisely in this way to truly perceive, little by little, what lives and weaves spiritually within things. Those who lack this trust close themselves off from what lives and weaves spiritually within things.
[ 6 ] Nun die Anwendung auf das Verhältnis der Lebenden zu den Toten. Indem man diese Stimmung des Vertrauens entwickelt, macht man es wiederum dem Toten möglich, mit seinen Gedanken den Weg zu uns zu finden; denn auf dieser Vertrauensstimmung können die Gedanken gewissermaßen von ihm zu uns segeln. Wenn wir im allgemeinen Vertrauen zum Leben, Glauben an das Leben haben, werden wir die Seele in eine solche Verfassung bringen können, daß in ihr jene Eingebungen erscheinen können, welche die von den Toten gesandten Gedanken sind. Dankbarkeit gegenüber dem Leben, Vertrauen zum Leben in der geschilderten Form gehören in einer gewissen Weise zusammen. Wir können, wenn wir nicht dieses allgemeine Weltvertrauen haben, zu einem Menschen nicht ein solch starkes Vertrauen gewinnen, das über den Tod hinausreicht, sonst ist es Erinnerung an das Vertrauen. Sie müssen sich schon vorstellen, daß die Gefühle, wenn sie den nicht mehr im physischen Leibe verkörperten Toten treffen sollen, in einer andern Weise abgewandelt sein müssen als die Empfindungen, die Gefühle, die zu dem Menschen gehen, der im physischen Leibe da ist. Gewiß, wir können zu einem Menschen im physischen Leibe Vertrauen haben, dieses Vertrauen wird auch etwas für den Zustand nach dem Tode nützen. Aber es ist notwendig, daß dieses Vertrauen durch das universelle, durch das allgemeine Vertrauen verstärkt werde, weil ja der Tote nach dem Tode in andern Verhältnissen lebt, weil wir nicht bloß nötig haben, uns an das Vertrauen zu erinnern, das wir schon im Leben zu ihm gehabt haben, sondern weil wir auch nötig haben, immer neubelebtes Vertrauen an eine Wesenheit, die nicht mehr durch ihre physische Anwesenheit Vertrauen erweckt, hervorzurufen. Dazu ist notwendig, daß wir gewissermaßen etwas in die Welt hinausstrahlen, was nichts zu tun hat mit den physischen Dingen. Und mit physischen Dingen nichts zu tun hat das geschilderte universelle Vertrauen zum Leben.
[ 6 ] Now, let us consider how this applies to the relationship between the living and the dead. By cultivating this spirit of trust, we in turn make it possible for the deceased to find their way to us with their thoughts; for on this foundation of trust, their thoughts can, so to speak, sail from them to us. If we generally have trust in life and faith in life, we will be able to bring the soul into a state in which those inspirations—which are the thoughts sent by the dead—can appear within it. Gratitude toward life and trust in life, in the form described, belong together in a certain way. If we do not have this general trust in the world, we cannot develop such strong trust in a person that extends beyond death; otherwise, it is merely a memory of that trust. You must imagine that the feelings, if they are to reach the dead who are no longer embodied in a physical body, must be transformed in a different way than the sensations and feelings that go out to the person who is present in a physical body. Certainly, we can have trust in a person in a physical body, and this trust will also be of some benefit for the state after death. But it is necessary for this trust to be strengthened by universal, general trust, because the deceased lives in different circumstances after death; not only do we need to remember the trust we already had in them during their lifetime, but we also need to continually rekindle trust in a being who no longer inspires trust through their physical presence. To this end, it is necessary that we, so to speak, radiate something out into the world that has nothing to do with physical things. And the universal trust in life described here has nothing to do with physical things.
[ 7 ] Ebenso wie sich das Vertrauen neben die Dankbarkeit hinstellt, so stellt sich auch neben das Gemeinschaftsgefühl etwas hin, was immer in der Unterseele vorhanden ist, aber auch wieder in die Oberseele heraufgeholt werden kann. Das ist wieder etwas, was man auch mehr berücksichtigen sollte, als man es tut. Und das kann man, wenn dieses Element, von dem ich jetzt sprechen will, in unserer materialistischen Zeit im Unterrichts— und Erziehungssystem berücksichtigt würde. Davon hängt ungemein viel ab. Soll der Mensch im gegenwärtigen Zeitenzyklus in der richtigen Weise sich in die Welt hineinstellen, dann hat er notwendig, etwas auszubilden, ich könnte auch sagen, etwas aus der Unterseele heraufzuholen, was in den früheren Zeiten des atavistischen Hellsehens von selbst kam, was nicht gepflegt zu werden brauchte, wovon spärliche Reste noch vorhanden sind, die aber nach und nach verschwinden, wie alles aus den alten Zeiten Stammende verschwindet, was aber heute gepflegt werden muß, und zwar gepflegt werden muß aus der Erkenntnis der geistigen Welt heraus, nicht aus unbestimmten Instinkten. Was der Mensch in dieser Beziehung braucht, ist die Möglichkeit, seine Gefühle für das, was ihn im Leben trifft, immer wieder und wieder zu verjüngen, zu erfrischen an dem Leben selber. Wir können das Leben so verbringen, daß wir von einem gewissen Lebensalter an mehr oder weniger uns müde fühlen, weil wir die lebendige Teilnahme am Leben verlieren, weil wir nicht mehr genug für das Leben aufbringen können, damit uns seine Erscheinungen Freude machen. Man vergleiche nur miteinander, wenn man äußere Extreme verbindet: das Ergreifen und Entgegennehmen der Erlebnisse in früher Jugend und das müde Entgegennehmen der Lebenserscheinungen im späten Alter. Denken Sie, wie viele Enttäuschungen mit solchen Dingen zusammenhängen. Es ist ein Unterschied, ob der Mensch imstande ist, seine Seelenkraft gewissermaßen einer fortwährenden Auferstehung teilhaftig werden zu lassen, daß ihr jeder Morgen neu ist für das seelische Erleben, oder ob er gewissermaßen im Laufe des Lebens für die Erscheinungen ermüdet. |
[ 7 ] Just as trust stands alongside gratitude, so too does something stand alongside the sense of community—something that is always present in the lower soul but can also be brought up into the higher soul. This, too, is something we should take into account more than we currently do. And this is possible if the element I am about to discuss were taken into account in our educational system in these materialistic times. An immense amount depends on this. If human beings are to position themselves correctly in the world during the present cycle of time, they must necessarily cultivate—or, I might say, bring up from the lower soul—something that came naturally in earlier times of atavistic clairvoyance, something that did not need to be nurtured, of which sparse remnants still exist but which are gradually disappearing, just as everything originating from ancient times disappears—but which must be cultivated today, and indeed must be cultivated out of an understanding of the spiritual world, not out of vague instincts. What a person needs in this regard is the ability to continually rejuvenate and refresh their feelings toward what they encounter in life, drawing strength from life itself. We can live our lives in such a way that, from a certain age onward, we feel more or less weary because we lose our active participation in life, because we can no longer muster enough enthusiasm for life to take joy in its manifestations. One need only compare, by contrasting external extremes: the grasping and embracing of experiences in early youth and the weary acceptance of life’s manifestations in old age. Think of how many disappointments are connected to such things. It makes a difference whether a person is able, so to speak, to allow their soul’s power to participate in a kind of continual resurrection—so that every morning is new for their spiritual experience—or whether, in the course of life, they grow weary of life’s phenomena. |
[ 8 ] Dies zu berücksichtigen, ist in unserer Zeit außerordentlich wichtig, weil es bedeutsam’ ist, daß es auch auf das Erziehungssystem Einfluß gewinne. Wir gehen nämlich gerade mit Bezug auf solche Dinge einer bedeutungsvollen Wendung in der Menschheitsentwickelung entgegen. Die Beurteilung früherer Menschheitsepochen geschieht unter dem Einfluß unsefer Geschichte, die ja eine Fable convenue ist, wirklich in außerordentlich schiefer Weise. Man weiß nicht, wie die letzten Jahrhunderte die Menschen dazu gebracht haben, immer mehr und mehr Erziehung und namentlich Unterricht so einzurichten, daß der Mensch in seinem späteren Leben nicht dasjenige von der Erziehung und dem Unterricht hat, was er eigentlich von ihnen haben sollte. Das Äußerste, was wir unter dem Einfluß der heutigen Verhältnisse im späteren Lebensalter für das aufbringen, was wir während der Jugend in der Erziehung aufgewendet haben, ist eine Erinnerung. Wir erinnern uns an das, was wir gelernt haben, was uns gesagt worden ist, und man ist in der Regel auch zufrieden, wenn man sich daran erinnert. Dabei aber berücksichtigt man ganz und gar nicht, daß das menschliche Leben zwar vielen Geheimnissen, aber mit Bezug auf diese Dinge einem bedeutsamen Geheimnisse unterliegt. In einer früheren Betrachtung habe ich hier von diesem Geheimnis schon von einem andern Gesichtspunkte aus eine Andeutung gemacht.
[ 8 ] Taking this into account is extremely important in our time, because it is significant that it also exerts an influence on the educational system. For it is precisely with regard to such matters that we are heading toward a significant turning point in human development. The assessment of earlier epochs of human history—shaped by our own history, which is, after all, a conventional fable—is truly carried out in an extraordinarily skewed manner. We do not realize how the past few centuries have led people to organize education—and especially schooling—in such a way that, in later life, people do not derive from their education and schooling what they actually ought to. Under the influence of today’s circumstances, the most we can muster in later life for what we invested in our education during our youth is a memory. We remember what we learned, what we were told, and we are generally satisfied simply to recall these things. Yet we completely fail to take into account that human life, while subject to many mysteries, is governed by a significant mystery with regard to these very matters. In an earlier reflection, I have already alluded to this mystery here from a different perspective.
[ 9 ] Der Mensch ist ein vielfältiges Wesen. Wir betrachten ihn zunächst, insofern er ein zwiespältiges Wesen ist. Die Zwiespältigkeit — sagte ich in einer früheren Betrachtung — drückt sich schon in der äußeren Leibesform aus. Diese zeigt uns den Menschen als Haupt und als den übrigen Menschen. Wir wollen zunächst den Menschen trennen in das Haupt und den übrigen Menschen. Würde man nur einmal diesen Unterschied im ganzen Bau des Menschen ins Auge fassen, so würde man schon naturwissenschaftlich ganz bedeutende Entdeckungen machen können. Wenn man nämlich den Bau des Hauptes rein physiologisch, anatomisch betrachtet, so stellt sich gerade das Haupt als das heraus, worauf sich die mehr materialistisch gedachte Abstammungslehre, was man heute Darwinische Theorie nennt, anwenden läßt. In bezug auf seinen Kopf ist der Mensch gewissermaßen in diese Entwickelungsströmung hineingestellt, aber nur in bezug auf seinen Kopf, nicht in bezug auf seinen übrigen Organismus. Sie müssen sich, um diese Abstammung des Menschen zu begreifen, die Sache so vorstellen, daß Sie sich, ganz abgesehen vom Größenverhältnis, das menschliche Haupt vorstellen und das andere darangewachsen. Denken Sie sich einmal, die Entwickelung ginge so vor sich, daß der Mensch sich in die Zukunft entwickelte und irgendwelche Organe noch besondere Anhangorgäane bekämen. Die Entwickelung, die Umgestaltung könnte ja weitergehen. So war es aber in der Vergangenheit: Der Mensch war vor Zeiten bloß eigentlich als Haupteswesen vorhanden, und dieses Haupt hat sich immer weiter- und weitergebildet, und ist zu dem geworden, was es heute ist. Und was an dem Haupte dranhängt, wenn dies auch physisch größer ist, ist erst später dazugewachsen. Das ist eine jüngere Bildung. In bezug auf sein Haupt stammt der Mensch ab von den ältesten Organismen, und das andere außer dem Haupt ist erst später dazugewachsen. Dadurch kommt es auch, daß das Haupt beim heutigen Menschen immer so wichtig ist, weil es an die vorherige Inkarnation erinnert. Der übrige Organismus — darauf habe ich auch schon aufmerksam gemacht — ist dagegen die Vorbedingung für die spätere Inkarnation. Der Mensch ist in dieser Beziehung ein ganz zwiespältiges Wesen. Das Haupt ist ganz anders veranlagt als der übrige Organismus. Das Haupt ist ein verknöchertes Organ. Es ist so, daß der Mensch, wenn er den übrigen Organismus nicht hätte, zwar sehr vergeistigt, aber ein vergeistigtes Tier wäre, Das Haupt kann niemals, wenn es nicht dazu inspiriert wird, sich als Mensch fühlen. Es weist zurück auf die alte Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit. Der übrige Organismus weist nur bis in die Mondenzeit, und zwar in die spätere Mondenzeit zurück; er ist an den Hauptesteil darangewachsen und ist in dieser Beziehung wirklich etwas wie ein Parasit des Hauptes. Sie können es sich gut vorstellen: Das Haupt war einmal der ganze Mensch, es hatte nach unten hin Ausfluß- und Auslauforgane, durch die es sich ernährte. Es war ein ganz eigentümliches Wesen. Aber indem es sich weiterentwickelte, indem sich die Öffnungen nach unten so entwickelten, daß sie sich nicht mehr in die Umgebung hinein öffneten und dadurch nicht mehr für die Ernährung dienen konnten und das Haupt mit den von der Umgebung einstrahlenden Einflüssen in Verbindung bringen konnten, und so das Haupt nach oben zu auch verknöcherte, war der übrige Ansatz nötig geworden. Dieser übrige Organismus ist erst damit nötig geworden. Dieser Teil der physischen Organisation ist erst zu einer Zeit entstanden, als für die übrige Tierheit keine Möglichkeit mehr war, zu entstehen. Sie werden sagen: So etwas, wie ich es jetzt dargestellt habe, ist schwer zu denken. Darauf kann ich aber immer wieder nur entgegnen: Man muß sich eben Mühe geben, so etwas zu denken; denn die Welt ist nicht so einfach, wie es die Leute gerne haben möchten, damit sie nicht viel über die Welt denken brauchen, um sie zu begreifen. In dieser Beziehung erlebt man das Mannigfaltigste, was die Leute für Ansprüche stellen, damit die Welt ja möglichst leicht zu begreifen sei. Darin haben die Menschen ganz merkwürdige Ansichten. Es gibt eine reiche Kant-Literatur von allen den Leuten, die Kant nach allen Richtungen für einen ungeheuren Philosophen halten. Das rührt aber nur davon her, daß die Leute keine andern Philosophen verstehen und schon so viel Gedankenkraft aufwenden müssen, um Kant zu verstehen. Und da er doch immer ein großer Philosoph ist — sich selber hält man ja oft für das Allergenialste —, so begreifen sie die andern erst recht nicht. Und nur weil sie Kant schon so schwer begreifen, ist er für sie ein großer Philosoph. Damit hängt es auch zusammen, daß man sich scheut, die Welt als kompliziert gelten zu lassen, und Kraft aufwenden muß, um sie zu verstehen. Wir haben von diesen Dingen schon von den verschiedensten Gesichtspunkten aus gesprochen. Und wenn einmal meine Vorträge über «Okkulte Physiologie» erscheinen werden, wird man auch im einzelnen lesen können, wie man auch embryologisch nachweisen kann, daß es ein Unsinn ist zu sagen: Das Gehirn ist aus dem Rückenmark entwickelt. Umgekehrt ist es der Fall: Das Gehirn ist ein umgewandeltes Rückenmark von einstmals, und das heutige Rückenmark hat sich an das heutige Gehirn als ein Anhängsel erst angegliedert. Man muß nur begreifen lernen, daß das, was beim Menschen das Einfachere ist, später entstanden ist als das, was als das Kompliziertere erscheint; was primitiver ist, steht auf einer untergeordneteren Stufe, ist später entstanden.
[ 9 ] Human beings are multifaceted creatures. We shall first consider them insofar as they are ambivalent beings. This ambivalence—as I noted in an earlier reflection—is already expressed in the outward form of the body. This form reveals to us the human being as the head and as the rest of the human being. Let us first divide the human being into the head and the rest of the body. If one were to consider this distinction in the human body’s overall structure even just once, one would already be able to make quite significant discoveries from a scientific perspective. For when one considers the structure of the head purely from a physiological and anatomical perspective, it is precisely the head that proves to be the part to which the more materialistically conceived theory of evolution—what is today called the Darwinian theory—can be applied. With regard to the head, the human being is, so to speak, placed within this evolutionary current—but only with regard to the head, not with regard to the rest of the organism. To understand this evolution of the human being, you must imagine the situation as follows: setting aside all proportions, picture the human head and the rest of the body growing out of it. Imagine for a moment that evolution proceeded in such a way that human beings were developing into the future and that certain organs were still acquiring special appendages. The evolution, the transformation, could indeed continue. But that is how it was in the past: In earlier times, human beings actually existed merely as head-like beings, and this head continued to develop further and further, becoming what it is today. And what is attached to the head—even if it is physically larger—was added only later. This is a more recent development. In terms of the head, human beings are descended from the oldest organisms, and everything else besides the head was added only later. This is also why the head is always so important in modern human beings: because it serves as a reminder of the previous incarnation. The rest of the organism—as I have already pointed out—is, by contrast, the prerequisite for the subsequent incarnation. In this respect, the human being is a thoroughly ambivalent creature. The head is constituted quite differently from the rest of the organism. The head is an ossified organ. The fact is that if human beings did not have the rest of the organism, they would indeed be highly spiritualized, but they would be spiritualized animals. The head can never, unless inspired to do so, feel itself to be human. It points back to the ancient Saturn, Sun, and Moon eras. The rest of the organism traces back only to the Lunar Age—specifically, the later Lunar Age; it has grown attached to the head and, in this respect, is truly something like a parasite of the head. You can easily imagine it: The head was once the whole human being; it had excretory and outlet organs extending downward through which it nourished itself. It was a very peculiar being. But as it continued to develop—as the openings toward the lower regions evolved in such a way that they no longer opened into the environment and thus could no longer serve for nourishment or connect the head with the influences radiating from the environment—and as the head itself ossified toward the upper regions, the rest of the body became necessary. This remaining organism only became necessary at that point. This part of the physical organization arose only at a time when there was no longer any possibility for the rest of the animal kingdom to come into being. You will say: Something like what I have just described is hard to conceive. But to that I can only reply, time and again: One simply has to make an effort to conceive of such a thing; for the world is not as simple as people would like it to be, so that they do not have to think much about the world in order to understand it. In this regard, one encounters the most diverse range of demands that people make so that the world may be as easy to understand as possible. In this, people hold quite peculiar views. There is a vast body of literature on Kant written by all those people who, across the board, consider him an extraordinary philosopher. But this stems solely from the fact that people do not understand other philosophers and already have to expend so much mental energy just to understand Kant. And since he is, after all, a great philosopher—people often consider themselves the most brilliant of all—they understand the others even less. And simply because they find Kant so difficult to understand, he is a great philosopher to them. This is also connected to the fact that people are reluctant to accept that the world is complicated and that they must expend energy to understand it. We have already discussed these matters from a wide variety of perspectives. And once my lectures on “Occult Physiology” are published, readers will be able to see in detail how it can also be demonstrated embryologically that it is nonsense to say: “The brain developed from the spinal cord.” The opposite is true: The brain is a transformed version of the spinal cord of the past, and the present-day spinal cord has only recently become attached to the present-day brain as an appendage. One must simply learn to understand that what is simpler in humans arose later than what appears to be more complex; what is more primitive stands on a lower level and arose later.
[ 10 ] Ich habe diese Einfügung von der Zwiespältigkeit des Menschen nur deshalb gemacht, damit Sie das andere begreifen, was die Folge ist dieser Zwiespältigkeit. Und die Folge ist, daß wir mit unserem seelischen Leben, das sich ja unter den Bedingungen der Leiblichkeit entwickelt, auch in dieser Zwiespältigkeit drinnenstehen. Wir haben nicht nur organisch die Kopfentwickelung und die Entwickelung des übrigen Organismus, sondern wir haben auch zwei verschiedene Tempi, zwei verschiedene Geschwindigkeiten in unserer seelischen Entwickelung. Unsere Kopfentwickelung geht nämlich verhältnismäßig schnell, und die Entwickelung, die den übrigen Organismus zur Ausbildung bringt — ich will sie die Herzensentwickelung nennen —, geht verhältnismäßig langsamer, geht etwa drei- bis viermal langsamer. Was den Kopf zur Bedingung hat, ist mit seiner Entwickelung in der Regel mit den Zwanzigerjahren des Menschen schon abgeschlossen; mit Bezug auf den Kopf sind wir alle mit zwanzig Jahren schon Greise. Und nur weil fortwährend die Erfrischung von dem übrigen Organismus kommt, der sich aber drei- bis viermal langsamer entwickelt, leben wir in einer annehmbaren Weise weiter. Unsere Kopfentwickelung geht schnell; unsere Herzensentwickelung, die aber die Entwickelung des übrigen Organismus ist, geht drei- bis viermal langsamer. Und in diesem Zwiespalt stehen wir mit unserem Erleben drinnen. Unsere Kopfentwickelung kann gerade in unserer Kindheit und Jugendzeit eine ganze Menge aufnehmen. Daher lernen wir in der Kindheit und Jugendzeit. Was aber da aufgenommen wird, muß fortwährend erneuert, erfrischt werden, muß fortwährend eingefaßt werden von dem langsameren Gang der übrigen Organentwickelung, von der Herzensentwickelung.
[ 10 ] I included this discussion of human ambivalence solely so that you might understand the other aspect—namely, the consequence of this ambivalence. And the consequence is that our spiritual life, which develops under the conditions of physical existence, is also caught up in this ambivalence. Not only do we have the organic development of the head and the development of the rest of the organism, but we also have two different tempos, two different speeds in our spiritual development. Our head development proceeds relatively quickly, whereas the development that shapes the rest of the organism—I will call it heart development—proceeds relatively more slowly, about three to four times slower. As far as the head is concerned, its development is generally complete by the time a person reaches their twenties; as far as the head is concerned, we are all already old by the age of twenty. And it is only because we are constantly refreshed by the rest of the organism—which, however, develops three to four times more slowly—that we are able to continue living in a tolerable manner. Our intellectual development proceeds rapidly; our heart development—which is, in fact, the development of the rest of the organism—proceeds three to four times more slowly. And it is within this conflict that we find ourselves in our experience. Our mental development is capable of absorbing a great deal, especially during our childhood and youth. That is why we learn during childhood and youth. But what is absorbed there must be continually renewed and refreshed; it must be continually framed by the slower pace of the rest of our physical development—by the development of the heart.
[ 11 ] Nun denken Sie sich, wenn die Erziehung so ist wie jetzt in unserem Zeitalter, wo Erziehung und Unterricht nur auf die Kopfausbildung Rücksicht nehmen, so ist, weil wir in Unterricht und Erziehung gewissermaßen nur den Kopf zu seinem Rechte kommen lassen, die Folge davon die, daß der Kopf wie ein toter Organismus in den langsameren Gang der übrigen Entwickelung sich eingliedert, daß er diese zurückhält, und daß die Menschen seelisch früh alt werden. Diese Erscheinung, daß die Menschen im heutigen Zeitalter innerlich seelisch früh alt werden, hängt im wesentlichen mit dem Erziehungs- und Unterrichtssystem zusammen. Natürlich dürfen Sie nicht denken, daß man jetzt die Frage stellen kann: Wie soll man den Unterricht einrichten, damit er nicht so ist? — Das ist eine sehr bedeutsame Sache, die man nicht mit zwei Worten beantworten kann. Denn fast alles vom Unterricht muß anders eingerichtet werden, damit er nicht nur etwas ist für das Gedächtnis, woran man sich erinnert, sondern etwas, durch das man sich erfrischt, sich erneuert. Man frage sich, wie viele Menschen heute, wenn sie zu einer Kindheitsverrichtung zurückblicken, auf alles, was sie da erlebt haben, was ihnen die Lehrer und die Tanten gesagt haben, so zurückzudenken vermögen, daß sie nicht nur sich erinnern: Das sollst du so und so machen —, sondern daß sie immer wieder von neuem hinuntertauchen in das, was sie in der Jugend durchgemacht haben, liebevoll hinblicken zu jedem Handgriff, zu jeder einzelnen Bemerkung, zu dem Stimmklang, zu der Gefühlsdurchdringung dessen, was ihnen in der Kindheit dargeboten wurde, und es so empfinden, daß es stets ein immer uns erneuernder Verjüngungsquell ist. Das hängt zusammen mit den Tempi, welche wir in uns erleben: daß der Mensch seiner schnelleren Kopfentwickelung folgen muß, die in den Zwanzigerjahren abgeschlossen ist, und dem langsameren Gange der Herzensentwickelung, der Entwickelung des übrigen Menschen, der für das ganze Leben gespeist werden soll. Wir dürfen dem Kopf nicht nur das geben, was nur für den Kopf bestimmt ist, sondern wir müssen ihm auch das geben, woraus der übrige Organismus immer wieder und wieder durch das ganze Leben erfrischende Kräfte ziehen kann. Dazu ist zum Beispiel notwendig, daß alle einzelnen Zweige des Unterrichtes von einem gewissen künstlerischen Element durchzogen sein müssen. Heute, wo man das künstlerische Element flieht, weil man glaubt, daß durch eine gewisse Pflege des Phantasielebens — und die Phantasie ist ja etwas, was den Menschen über die bloße alltägliche Wirklichkeit hinüberbringt — die Phantastik in den Unterricht hineingebracht werden könnte, ist ganz und gar keine Neigung vorhanden, ein solches Geheimnis des Lebens zu berücksichtigen. Man braucht nur auf einzelnen Gebieten etwas zu sehen von dem, was ich jetzt meine — es ist ja natürlich da oder dort noch vorhanden —, dann wird man sehen, daß so etwas schon geleistet werden kann, aber es kann besonders dadurch geleistet werden, daß die Menschen namentlich wieder Menschen werden. Dazu ist Mannigfaltiges notwendig. Auf eines möchte ich in dieser Beziehung aufmerksam machen.
[ 11 ] Now consider this: if education is as it is today, in our age, where education and instruction focus solely on intellectual development—because, in a sense, we allow only the mind to come into its own in education and instruction— the result is that the mind, like a dead organism, becomes integrated into the slower pace of the rest of development, holding it back, and causing people to grow old emotionally at an early age. This phenomenon—that people in the present age grow old emotionally at an early age—is essentially linked to the system of education and instruction. Of course, you must not think that one can now ask the question: How should instruction be organized so that it is not like this? — This is a very significant matter that cannot be answered in a few words. For almost everything about instruction must be organized differently so that it is not merely something for the memory—something one recalls—but something through which one is refreshed and renewed. One might ask how many people today, when they look back on an experience from their childhood—on everything they experienced then, on what their teachers and caregivers told them—are able to reflect on it in such a way that they do not merely recall, “You’re supposed to do this or that,” but rather that they dive again and again into what they went through in their youth, look fondly upon every gesture, every single remark, the sound of the voice, and the emotional depth of what was presented to them in childhood, and feel it as a source of rejuvenation that constantly renews us. This is connected to the rhythms we experience within ourselves: that a person must follow the faster development of the mind, which is completed in one’s twenties, and the slower pace of the heart’s development—the development of the rest of the human being—which is to be nourished throughout one’s entire life. We must not only give the head what is intended solely for the head, but we must also give it that from which the rest of the organism can draw refreshing strength again and again throughout life. To this end, for example, it is necessary that all individual branches of education be permeated by a certain artistic element. Today, when people shy away from the artistic element because they believe that by nurturing the life of the imagination—and the imagination is, after all, something that carries human beings beyond mere everyday reality—fantasy might be introduced into the classroom, there is absolutely no inclination to take such a mystery of life into account. One need only observe a little of what I mean in individual fields—it is, of course, still present here and there—to see that such a thing can indeed be achieved, but it can be achieved above all by people becoming human beings once again. This requires many things. I would like to draw attention to one aspect in this regard.
[ 12 ] Man prüft heute diejenigen, die Lehrer werden wollen, darauf hin, ob sie dieses und jenes kennen. Was aber stellt man dadurch fest? In der Regel doch nur das, daB der Betreffende einmal in der Zeit, für die er gerade die Prüfung abzulegen hat, in seinem Kopf etwas hineingehamstert hat, was er, wenn er einigermaßen geschickt ist, für jede einzelne Unterrichtsstunde sich aus so und so vielen Büchern zusammenlesen könnte, was man sich Tag für Tag für den Unterricht aneignen könnte, was gar nicht notwendig ist, sich in dieser Weise anzueignen, wie es gegenwärtig betrieben wird. Was aber vor allen Dingen bei einem solchen Examen notwendig wäre, das ist, daß man erfahren sollte, ob der Betreffende Herz und Sinn hat, ob er das Blut dafür hat, allmählich ein Verhältnis von sich zu den Kindern zu begründen. Nicht das Wissen sollte man durch das Examen prüfen, sondern erkennen sollte man, wie stark und wie viel der Betreffende Mensch ist. — Ich weiß: Solche Forderungen an die heutige Zeit stellen, heißt für die Gegenwart nur zweierlei. Entweder sagt man: Wer so etwas fordert, ist ja ganz verrückt, ein solcher Mensch lebt nicht in der wirklichen Welt! — Oder, wenn man eine solche Antwort nicht geben will, sagt man: So etwas geschieht ja immerfort, das wollen wir doch alle. — Die Menschen glauben nämlich, daß durch das, was geschieht, schon die Dinge erfüllt werden, weil sie nur das von den Dingen verstehen, was sie selbst hineinbringen.
[ 12 ] Today, those who want to become teachers are tested to see if they know this or that. But what does this actually determine? As a rule, only that that the person in question has, at some point during the period covered by the exam, crammed information into his head—information that, if he is reasonably skilled, he could piece together from so many books for each individual lesson, information that could be acquired day by day for teaching, but which it is not at all necessary to acquire in the manner currently practiced. But what would be necessary above all else in such an exam is to determine whether the candidate has heart and spirit, whether they have the passion to gradually establish a relationship with the children. The exam should not test knowledge, but rather reveal how strong and how fully the candidate is a human being. — I know: Making such demands of the present day means only two things for the present. Either people say: Anyone who demands such a thing is completely crazy; such a person does not live in the real world! — Or, if they do not want to give such a response, they say: Such things happen all the time; that is what we all want, after all. — For people believe that what happens is enough to fulfill things, because they understand only that part of things which they themselves bring into them.
[ 13 ] Ich habe dieses ausgeführt, selbstverständlich um erstens von einer gewissen Seite her ein Licht auf das Leben zu werfen, dann aber auch, um gerade dies, was die Unterseele des Menschen immer fühlt, was so schwer gerade in der heutigen Zeit in die Oberseele heraufzubringen ist, wonach aber die Seele des Menschen verlangt und in der Zukunft immer mehr und mehr verlangen wird, um dies ins rechte Licht zu stellen, daß wir etwas in der Seele brauchen von der Macht, die Kräfte dieser Seele immerfort so zu erneuern, daß wir nicht mit dem fortschreitenden Leben müde werden, sondern immer hoffnungsvoll dastehen und sagen: Jeder neue Tag wird uns ebenso sein wie der erste, den wir bewußt erlebt haben. — Dazu müssen wir aber in einer gewissen Weise nicht alt zu werden brauchen; das ist dringend notwendig, daß wir nicht alt zu werden brauchen. Wenn man heute sieht, wie verhältnismäßig junge Menschen, Männer und Frauen, eigentlich seelisch schon so furchtbar alt sind, so sehr wenig darauf aus sind, jeden Tag aufs neue das Leben als etwas zu empfinden, was ihnen gegeben wird wie dem frischen Kinde, dann weiß man, was auf diesem Gebiete durch eine geistige Zeitkultur eben geleistet werden muß, gegeben werden muß. Und letzten Endes ist es eben doch so, daß das Gefühl, welches ich hier meine, dies Gefühl der nie, nie, nie schwächer werdenden Lebenshoffnung doch geeignet macht, das rechte Verhältnis zwischen den Lebenden und den sogenannten Toten zu empfinden. Sonst bleibt die Sache, die das Verhältnis zu einem Toten begründen soll, zu stark in der Erinnerung stecken. Man kann sich erinnern, was man mit dem Toten während des Lebens erlebt hat. Wenn man aber nicht die Möglichkeit hat, nachdem der Tote physisch fort ist, ein solches Gefühl zu haben, daß man immer neu erlebt, was man während des Lebens mit ihm durchgemacht hat, so kann man nicht so stark fühlen, nicht so stark empfinden, wie es notwendig ist unter diesem neuen Verhältnis zu empfinden: Der Tote ist ja nur noch als Geistwesen da und soll als Geist wirken. — Hat man sich so abgestumpft, daß man nichts mehr erfrischen kann an Lebenshoffnungen, so kann man nicht mehr fühlen, daß eine vollständige Umwandlung stattgefunden hat. Vorher konnte man sich dadurch helfen, daß einem der Mensch im Leben entgegentrat; jetzt aber steht einem nur der Geist zu Hilfe. Man kommt ihm aber entgegen, wenn man dieses Gefühl entwickelt der immerwährenden Erneuerung der Lebenskräfte, um die Lebenshoffnungen frisch zu erhalten.
[ 13 ] I have set this out, of course, first to shed light on life from a certain perspective, but also to highlight precisely that which the lower soul of the human being always feels—that which is so difficult to bring up into the higher soul, especially in today’s world, yet which the human soul longs for and will long for more and more in the future— to place this in the proper light—that we need something in our souls from the power that continually renews the soul’s strength, so that we do not grow weary as life progresses, but always stand hopeful and say: Every new day will be for us just like the first one we consciously experienced. — To this end, however, we must in a certain sense not need to grow old; it is urgently necessary that we not have to grow old. When one sees today how relatively young people—men and women—are in fact already so terribly old in spirit, how little they are inclined to experience life anew each day as something given to them just as it is given to a newborn child, then one realizes what must be accomplished and provided in this realm through a spiritual culture of our time. And ultimately, it is precisely the case that the feeling I am referring to here—this feeling of a hope for life that never, never, never grows weaker—is what enables us to perceive the proper relationship between the living and the so-called dead. Otherwise, the matter that is supposed to establish the relationship with a deceased person remains too firmly stuck in memory. One can recall what one experienced with the deceased during their lifetime. But if, after the deceased has physically departed, one does not have the opportunity to feel in such a way that one continually relives what one went through with them during their lifetime, then one cannot feel as strongly, cannot perceive as deeply as is necessary in this new relationship: for the deceased is now present only as a spiritual being and is meant to work as a spirit. — If one has become so numb that one can no longer find renewal in the hopes of life, then one can no longer feel that a complete transformation has taken place. Before, one could find help in the fact that the person appeared before one in life; but now only the spirit stands ready to help. But one meets the spirit halfway by developing this sense of the ever-renewing life forces, in order to keep one’s hopes for life fresh.
[ 14 ] Ich möchte hier eine Bemerkung machen, die Ihnen vielleicht sonderbar erscheint. Ein gesundes Leben, das besonders nach den Richtungen hin gesund ist, die jetzt hier entwickelt wurden, führt, wenn es nicht zu einer Bewußtseinstrübung kommt, niemals dazu, das Leben als etwas zu betrachten, dessen man überdrüssig ist; sondern das ganz gesund verbrachte Leben führt dazu, wenn man älter geworden ist, jeden Tag dieses Leben immer von neuem, von frischem anfangen zu wollen. Nicht das ist das Gesunde, daß man, wenn man alt geworden ist, denkt: Gott sei Dank, daß man das Leben hinter sich hat! —, sondern daß man sich sagen kann: Ich möchte gleich wieder, wo ich jetzt vierzig oder fünfzig Jahre alt bin, zurückgehen und die Sache noch einmal durchmachen! — Und das ist das Gesunde, daß man sich durch Weisheit darüber trösten lernt, daß man es nicht in diesem Leben ausführen kann, sondern in einer korrigierten Weise in einem andern Leben. Das ist das Gesunde: gar nichts vermissen zu wollen von alledem, was man durchgemacht hat, und, wenn Weisheit dazu nötig ist, es nicht in diesem Leben haben zu wollen, sondern auf ein folgendes warten zu können. Das ist das Vertrauen, das auf richtiges Vertrauen zum Leben und auf die rege erhaltenen Lebenshoffnungen gebaut ist. |
[ 14 ] I would like to make a remark here that may seem strange to you. A healthy life—one that is healthy especially in the ways that have been discussed here—never leads, provided there is no clouding of consciousness, to viewing life as something one has grown weary of; rather, a life lived in a truly healthy way leads, as one grows older, to wanting to begin each day anew, with fresh enthusiasm. What is healthy is not that, when one has grown old, one thinks: “Thank God that life is behind me!”—but rather that one can say to oneself: “I would like to go back right now, even though I am forty or fifty years old, and go through it all over again!” — And that is what is healthy: learning, through wisdom, to take comfort in the fact that one cannot accomplish it in this life, but can do so in a corrected way in another life. That is what is healthy: not wanting to miss out on anything at all of what one has gone through, and—if wisdom requires it—not wanting to have it in this life, but being able to wait for the next one. That is the confidence built on a true trust in life and on the hopes for life that remain alive. |
[ 15 ] So haben wir die Gefühle, die das Leben in der richtigen Weise durchseelen und die zugleich die Brücke schaffen zwischen den Lebenden hier und den Lebenden dort: Dankbarkeit gegenüber dem Leben, das an uns herantritt, Vertrauen zu den Erfahrungen dieses Lebens, intimes Gemeinsamkeitsgefühl, die Fähigkeit, die Lebenshoffnungen durch immer neu erstehende frische Lebenskräfte rege zu machen. Dies sind innere, ethische Impulse, die, in der richtigen Weise erfühlt, auch die allerbeste äußere soziale Ethik abgeben können, weil das Ethische, gerade wie das Historische, nur erfaßt werden kann, wenn es im Unterbewußten erfaßt wird, wie ich es selbst im öffentlichen Vortrage gezeigt habe.
[ 15 ] Thus we have the feelings that truly animate life and, at the same time, build a bridge between those living here and those living there: gratitude toward the life that comes to us, trust in the experiences of this life, an intimate sense of community, and the ability to revitalize our hopes for life through ever-renewing, fresh life forces. These are inner, ethical impulses which, when felt in the right way, can also give rise to the very best external social ethics, because the ethical, just like the historical, can only be grasped when it is grasped in the subconscious, as I myself have shown in a public lecture.
[ 16 ] Ein anderes, das ich noch hervorheben möchte für das Verhältnis der Lebenden zu den Toten, ist eine Frage, die immer wieder und wieder auftreten kann, die Frage: Worin besteht eigentlich der Unterschied in dem Verhältnis zwischen Mensch und Mensch, insofern Mensch und Mensch im physischen Leibe verkörpert sind, und zwischen Mensch und Mensch, insofern der eine im physischen Leibe, der andere nicht, oder beide nicht im physischen Leibe verkörpert sind? — Im Hinblick auf einen Gesichtspunkt möchte ich da etwas Besonderes angeben.
[ 16 ] Another point I would like to highlight regarding the relationship between the living and the dead is a question that can arise time and time again: What, in fact, is the difference in the relationship between human beings—insofar as they are embodied in physical bodies—and between human beings—insofar as one is embodied in a physical body, the other is not, or neither is embodied in a physical body? — From a particular perspective, I would like to point out something specific here.
[ 17 ] Wenn wir geisteswissenschaftlich den Menschen betrachten in bezug auf sein Ich und in bezug auf sein eigentliches Seelenleben, das man auch den astralischen Leib nennen kann — in bezug auf das Ich habe ich oft gesagt, daß es das jüngste, das Baby unter den Gliedern der Menschenorganisation ist, während der astralische Leib etwas älter ist, aber nur seit der alten Mondenentwickelung —, so muß man in bezug auf diese beiden höchsten Glieder der menschlichen Wesenheit sagen: Sie sind noch nicht so weit entwickelt, daß der Mensch die Macht hätte, wenn er sich nur auf sie stützte, sich selbständig zu erhalten gegenüber den andern Menschen. Wenn wir hier beieinander wären jeder nur als Ich und Astralleib, nicht auch in unseren Ätherleibern und physischen Leibern lebend, so wären wir alle wie in einer Art Urbrei beieinander. — Es würden unsere Wesen durcheinander verschwimmen; wir wären nicht voneinander getrennt, wir wüßten auch nicht uns voneinander zu unterscheiden. Es könnte gar keine Rede davon sein, daß jemand wüßte — die Sachen lägen ja dann ganz anders, und man kann die Verhältnisse nicht so ohne weiteres miteinander vergleichen —, was seine Hand oder sein Bein wäre, oder was die Hand und das Bein des andern wäre. Aber nicht einmal seine Gefühle könnte man ordentlich als die seinigen erkennen. Daß wir als Menschen uns getrennt empfinden, rührt davon her, daß ein jeder aus der gesamten flüssigen Masse, die wir uns für einen bestimmten früheren Zeitraum vorzustellen haben, in Tropfenform herausgerissen ist. Damit aber die einzelnen Seelen nicht wieder zusammenrinnen, müssen wir uns denken, daß jeder Seelentropfen wie in ein Stück Schwamm hineingegangen ist, und dadurch werden sie auseinandergehalten. Dergleichen ist wirklich geschehen. Nur dadurch, daß wir als Menschen in physischen Leibern und Ätherleibern stecken, sind wir voneinander gesondert, richtig gesondert. Im Schlafe sind wir nur dadurch voneinander gesondert, daß wir dann die starke Begierde nach unserem physischen Leib haben. Diese Begierde, die ganz und gar nach unserem physischen Leib brünstig hinschlägt, trennt uns im Schlafe, sonst würden wir in der Nacht ganz durcheinanderschwimmen, und es würde wahrscheinlich empfindsamen Gemütern sehr wider den Strich gehen, wenn sie wüßten, wie stark sie schon in Zusammenhang kommen mit dem Wesen der Wesenheiten ihrer Umgebung. Aber das ist nicht besonders arg im Vergleich zu dem, was sein würde, wenn dieses brünstige Begierdenverhältnis zum physischen Leib nicht bestünde, solange der Mensch leiblich verkörpert ist.
[ 17 ] When we view human beings from a spiritual-scientific perspective in relation to their “I” and in relation to their actual soul life—which can also be called the astral body—I have often said that the “I” is the youngest, the “baby” among the members of the human organism, while the astral body is somewhat older, though only since the ancient lunar evolution— then, with regard to these two highest members of the human being, we must say: They are not yet developed to the point where a person would have the power—if relying solely on them—to sustain themselves independently in relation to other people. If we were here together, each of us consisting only of the “I” and the astral body—not also living in our etheric and physical bodies—we would all be together as if in a kind of primordial soup. — Our beings would blur into one another; we would not be separated from one another, nor would we know how to distinguish ourselves from one another. There could be no question of anyone knowing—the situation would be entirely different then, and one cannot simply compare the two conditions—what his hand or leg would be, or what the hand and leg of another would be. But one could not even properly recognize one’s own feelings as one’s own. The fact that we, as human beings, perceive ourselves as separate stems from the fact that each of us has been torn out of the entire fluid mass—which we must imagine as having existed during a specific earlier period—in the form of a drop. But to prevent the individual souls from flowing back together, we must imagine that each drop of soul has entered a piece of sponge, and this is what keeps them apart. Something like this has indeed happened. It is only because we, as human beings, are encased in physical and etheric bodies that we are separated from one another—truly separated. In sleep, we are separated from one another only by the fact that we then have a strong craving for our physical body. This desire, which is entirely and passionately directed toward our physical body, separates us in sleep; otherwise, we would be swimming all mixed up with one another at night, and it would probably be very distasteful to sensitive souls if they knew how strongly they are already coming into contact with the essence of the beings around them. But this is not particularly bad compared to what it would be like if this fervent longing for the physical body did not exist as long as a person is physically embodied.
[ 18 ] Nun können wir die Frage aufwerfen: Was sondert unsere Seelen voneinander in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt? So wie wir mit unserem Ich und unserem astralischen Leib zwischen Geburt und Tod einem physischen Leibe und Ätherleibe angehören, so gehören wir nach dem Tode, also zwischen Tod und neuer Geburt, mit unserem Ich und astralischen Leib einem ganz bestimmten Sternengebiete an, keiner demselben, jeder einem ganz bestimmten Sternengebiete. Aus diesem Instinkt heraus spricht man von dem «Stern des Menschen». Sie werden begreifen: Das Sternengebiet — wenn Sie zunächst seine physische Projektion nehmen — ist peripherisch kugelig, und das können Sie in der mannigfaltigsten Weise verteilen. Die Gebiete überdecken sich, jeder aber gehört einem andern an. Man kann auch sagen, wenn man es seelisch ausdrücken will: Jeder gehört einer andern Reihe von Archangeloi und Angeloi an. So wie sich die Menschen hier durch ihre Seelen zusammenfinden, so gehört zwischen Tod und neuer Geburt jeder einem besonderen Sternengebiete, einer besonderen Reihe von Angeloi und Archangeloi an, und sie finden sich dann hier mit ihren Seelen zusammen. Nur ist es so, aber auch nur scheinbar — doch auf dieses Mysterium will ich jetzt nicht weiter eingehen —, daß auf der Erde jeder seinen eigenen physischen Leib hat. Ich sage: scheinbar —, und Sie werden sich verwundern; aber es ist völlig erforscht, wie auch jeder sein eigenes Sternengebilde hat, aber wie diese sich überdecken. Denken Sie sich eine bestimmte Gruppe von Angeloi und Archangeloi. Zu einer Seele gehören Tausende von Archangeloi und Angeloi im Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Denken Sie sich von diesen Tausenden nur einen weg, so kann dieser eine gewissermaßen ausgetauscht werden: dann ist dies das Gebiet der nächsten Seele. In dieser Zeichnung haben zwei Seelen mit Ausnahme bin des einen Sternes, den sie aus einem andern Gebiete haben, das gleiche, aber absolut gleich haben nicht zwei Seelen ihr Sternengebiet. Dadurch sind die Menschen zwischen Tod und neuer Geburt individualisiert, daß jeder sein besonderes Sternengebiet hat. Daraus kann man ersehen, worauf zwischen Tod und neuer Geburt die Trennung von Seele zu Seele beruht. Hier in der physischen Welt wirkt die Trennung so, wie wir sie kennen durch den physischen Leib: Der Mensch hat gewissermaßen seinen physischen Leib als Hülle, er betrachtet von ihm aus die Welt, und alles muß an diesen physischen Leib herankommen. Alles was in die Seele des Menschen zwischen Tod und neuer Geburt kommt, steht in bezug auf das Verhältnis zwischen seinem astralischen Leib und seinem Ich in einer ähnlichen Weise in Zusammenhang mit einem Sternengebiet, wie hier die Seele und das Ich.mit dem physischen Leib in Verbindung stehen. Die Frage also: Wodurch tritt die Sonderung ein? — beantwortet sich auf die Weise, wie ich es eben angegeben habe.
[ 18 ] Now we can ask the question: What separates our souls from one another in the time between death and rebirth? Just as, between birth and death, we—with our “I” and our astral body—belong to a physical body and an etheric body, so after death—that is, between death and rebirth—we, with our “I” and astral body, belong to a very specific stellar region; not all to the same one, but each to a very specific stellar region. It is out of this intuition that one speaks of the “star of the human being.” You will understand: The stellar region—if you first consider its physical projection—is spherically shaped at the periphery, and you can visualize this in a multitude of ways. The regions overlap, but each belongs to a different one. One could also say, if one wishes to express it in spiritual terms: Each belongs to a different order of Archangels and Angels. Just as human beings come together here through their souls, so between death and new birth each person belongs to a particular star region, a particular order of angels and archangels, and they then come together here with their souls. It is true—though only seemingly so, and I do not wish to delve further into this mystery at present—that on Earth everyone has their own physical body. I say: seemingly—and you will be surprised; but it has been thoroughly researched that just as each person has their own celestial constellation, so too do these constellations overlap. Imagine a specific group of angels and archangels. Thousands of angels and archangels belong to a single soul during the life between death and rebirth. Imagine removing just one of these thousands; that one can, so to speak, be replaced: this then becomes the domain of the next soul. In this diagram, two souls have the same star formation—with the exception of one star, which they have from another domain—but no two souls have their star formations that are absolutely identical. This is how human beings are individualized between death and rebirth: each has their own particular star formation. From this, one can see what the separation between souls is based on between death and rebirth. Here in the physical world, separation operates as we know it through the physical body: a person, so to speak, has his physical body as a shell; he views the world from within it, and everything must approach this physical body. Everything that enters a person’s soul between death and rebirth is connected to a star region in a manner analogous to the relationship between the astral body and the “I”—just as the soul and the “I” are connected to the physical body here. The question, then: “How does this separation come about?”—is answered in the way I have just described.


[ 19 ] Nun haben Sie aus diesen Betrachtungen heute ersehen, wie wir auf unsere Seele in der Ausbildung gewisser Gefühle und Empfindungen wirken können, damit die Verbindungsbrücke geschlagen wird zwischen den sogenannten Toten und den Lebenden. Auch das letzte, was ich gesagt habe, ist geeignet, um in uns Gedanken, ich darf sagen, empfindende Gedanken oder gedankliche Empfindungen heranzuziehen, die sich wiederum an der Schöpfung dieser Brücke beteiligen können. Das geschieht dadurch, daß wir versuchen, mit Bezug auf einen bestimmten Toten immer mehr und mehr jene Empfindungsart auszubilden, die, wenn man etwas erlebt, in der Seele heraufkommen läßt den Impuls, sich zu fragen: Wie würde der Tote dieses jetzt, was du in diesem Augenblick erlebst, miterleben? Dazu die Imagination schaffen, als ob der Tote neben uns das Erlebnis mitmacht; und das recht lebendig machen, dann ahmt man in einer gewissen Beziehung die Art und Weise nach, wie entweder der Tote mit dem Lebenden oder der Tote mit Toten verkehrt, indem Sie das, was Ihnen verschiedene Sternengebiete geben, auf das Verhältnis Ihrer Seele beziehen oder aufeinander beziehen. Man ahmt schon hier das nach, was von Seele zu Seele spielt durch die Zugeteiltheit zu den Sternengebieten. Wenn man sich gewissermaßen konzentriert durch die Anwesenheit des Toten auf ein unmittelbar gegenwärtiges Interesse, wenn man auf diese Weise den Toten unmittelbar lebendig neben sich empfindet, dann wird aus solchen Dingen, die ich heute erörtert habe, auch immer mehr und mehr das Bewußtsein erwachsen, daß der Tote wirklich an uns herankommt. Die Seele wird sich auch ein Bewußtsein davon entwickeln. In dieser Beziehung muß man eben auch Vertrauen haben zum Dasein, daß die Dinge werden. Denn, wenn man nicht Vertrauen, sondern Ungeduld zum Leben hat, dann gilt die andere Wahrheit: Was das Vertrauen bringt, vertreibt die Ungeduld; was man durch das Vertrauen erkennen würde, verfinstert sich durch die Ungeduld. Nichts ist schlimmer, als wenn man sich durch die Ungeduld einen Nebel vor die Seele zaubert.
[ 19 ] From these reflections today, you have seen how we can influence our soul in the development of certain feelings and sensations, so that a bridge may be built between the so-called dead and the living. What I said last is also suited to evoking within us thoughts—I might say, feeling thoughts or mental sensations—that in turn can contribute to the creation of this bridge. This happens when, with regard to a specific deceased person, we strive more and more to cultivate that kind of feeling which, when we experience something, gives rise in the soul to the impulse to ask ourselves: How would the deceased be experiencing this very thing you are experiencing at this moment? To do this, create an image as if the deceased were experiencing it alongside us; and make this quite vivid—then, in a certain sense, you are imitating the way in which either the deceased interacts with the living or the deceased interacts with the dead, by relating what the various stellar regions impart to you to the relationship of your soul or to one another. Here, you are already imitating what takes place from soul to soul through the connection to the astral realms. When, through the presence of the deceased, one focuses, as it were, on an immediate concern—when one thus feels the deceased as immediately alive beside oneself—then from the things I have discussed today, an awareness will grow more and more that the deceased truly draws near to us. The soul will also develop an awareness of this. In this regard, one must also have trust in existence, that things will come to pass. For if one has impatience rather than trust in life, then the opposite is true: what trust brings, impatience drives away; what one would recognize through trust is obscured by impatience. Nothing is worse than when impatience conjures a fog before the soul.
