Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181
25 June 1918, Berlin
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Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future, tr. SOL
Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft I
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future I
[ 1 ] Ich möchte heute zusammenfassend auf Verschiedenes zurückkommen und es erweitern, was hier im Laufe der Zeit besprochen worden ist, weil ich dadurch eine Grundlage schaffen möchte zu einigen weiteren ganz prinzipiellen Ausführungen, die wir in der nächsten Zeit hier absolvieren wollen.
[ 1 ] Today, I would like to summarize and expand on various points that have been discussed here over time, because I want to use this as a foundation for some further fundamental discussions that we plan to have here in the near future.
[ 2 ] Im geisteswissenschaftlichen Forschen tritt zu den zwei Bewußtseinsformen, die jeder Mensch kennt — das Traumbewußtsein und das gewöhnliche Tagesbewußtsein, in dem wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen leben —, eine dritte hinzu, diejenige, die wir das schauende Bewußtsein nennen. Das Traumbewußtsein kennen wir allerdings im gewöhnlichen Leben nur wie eine Art Unterbrechung des fortwährenden Bewußtseins. Allein, das ist nur aus dem Grunde, weil der Mensch sich nur zum geringen Teil seiner Träume erinnert. Er träumt eigentlich fortwährend vom Einschlafen bis zum Aufwachen, und was wir gewöhnlich als den Inhalt unseres Traumbewußtseins bezeichnen, das sind ja nur diejenigen Teile unserer gesamten Traumerlebnisse, an die sich der Mensch im wachen Tagesleben erinnert. Vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus müssen wir also sagen: Wir kennen drei Stufen oder auch drei Arten unseres Bewußtseins: das Traumbewußtsein, das gewöhnliche tagwachende Bewußtsein und das schauende Bewußtsein, dem die übersinnliche Welt offen ist. |
[ 2 ] In spiritual scientific research, a third form of consciousness is added to the two forms of consciousness familiar to every human being—dream consciousness and ordinary waking consciousness, in which we live from the moment we wake up until we fall asleep—namely, what we call contemplative consciousness. In everyday life, however, we experience dream consciousness only as a kind of interruption of continuous consciousness. But this is only because people remember only a small portion of their dreams. In fact, we dream continuously from the moment we fall asleep until we wake up, and what we usually refer to as the content of our dream consciousness is, after all, only those parts of our entire dream experiences that we remember in our waking daily life. From the standpoint of spiritual science, we must therefore say: We recognize three stages, or three types, of consciousness: dream consciousness, ordinary waking consciousness, and intuitive consciousness, to which the supersensible world is open. |
[ 3 ] Nun wird es Ihnen ein leichtes sein, mit einer Eigenschaft eines jeden folgenden Bewußtseins mit Bezug auf das vorhergehende wenn wir von oben, vom schauenden Bewußtsein anfangen — sich vertraut zu machen. Denken Sie nur an das Traumbewußtsein: Es gibt uns Bilder. Wir wissen, daß die Traumerlebnisse Bilder sind. Sie können, wenn Sie besonnen sind, diese Traumerlebnisse nicht ohne weiteres einreihen in den Ursachenzusammenhang des Tageslebens. Würden Sie das wollen, würden Sie Traumleben und Tagesleben vermischen, Sie würden zu Phantasten werden. Also mit Bildern haben wir es in den Traumerlebnissen zu tun, im Gegensatz zur Wirklichkeit. Wirklichkeiten nennen wir dabei die Tageserlebnisse.
[ 3 ] Now it will be easy for you to familiarize yourself with a characteristic of each successive state of consciousness in relation to the preceding one—if we start from the top, from the observing consciousness. Just think of dream consciousness: It gives us images. We know that dream experiences are images. If you are level-headed, you cannot simply fit these dream experiences into the causal context of waking life. If you were to do so, you would mix dream life and waking life; you would become a fantasist. So in dream experiences, we are dealing with images, in contrast to reality. We call waking experiences “realities.”
[ 4 ] Wenn wir aber nun das Verhältnis aufsuchen zwischen den gewöhnlichen Tageserlebnissen und dem Inhalt des schauenden Bewußtseins, dann haben wir ein ganz Ähnliches. Denn für das, was das schauende Bewußtsein als geistige, übersinnliche Wirklichkeit erlebt, ist das, was wir im gewöhnlichen Tagesleben vom Aufwachen bis zum Einschlafen erleben, Bild. Also insofern der Mensch im schauenden Bewußtsein, das heißt in einem erweckten Zustande sich befindet, kann er durchaus sagen, er muß es nur mit Besonnenheit tun: Ich erlebe in diesem schauenden Bewußtsein eine wahre Wirklichkeit, und dieser Wirklichkeit gegenüber ist das, was man sonst Wirklichkeit nennt, nur eine Summe von Bildern.
[ 4 ] But when we examine the relationship between ordinary daily experiences and the content of the contemplative consciousness, we find something quite similar. For what the contemplative consciousness experiences as a spiritual, supersensible reality is reflected in what we experience in ordinary daily life, from waking up to falling asleep. Thus, insofar as a person is in contemplative consciousness—that is, in an awakened state—they can certainly say, provided they do so with prudence: “In this contemplative consciousness, I experience a true reality, and in comparison to this reality, what is otherwise called reality is merely a sum of images.”
[ 5 ] So abstrakt die Sache ausgesprochen, hat sie nicht viel Wert. Gewiß, viele Menschen sind schon recht zufrieden, wenn sie solche Sachen abstrakt aussprechen. Sie glauben, mit einem solchen abstrakten Aussprechen Weltenrätsel zu lösen. Das tut man aber nicht. Einen Wert hat eine solche Sache nur, wenn man auf das ganz Konkrete, auf das Unmittelbare der Lebenspraxis eingeht. Das kann man aber immer nur auf bestimmten Gebieten.
[ 5 ] As abstractly as this may be stated, it has little value. Certainly, many people are quite satisfied simply by expressing such things in abstract terms. They believe that by speaking in such abstract terms, they are solving the mysteries of the world. But that is not the case. Such a matter has value only if one addresses the very concrete, the immediate realities of everyday life. But this is only possible in specific areas.
[ 6 ] Nun habe ich Sie schon im Laufe der Zeit auf ein Gebiet aufmerksam gemacht, das wir immer wieder und wieder betrachten müssen, wenn wir im Geisteswissenschaftlichen weiterkommen wollen. Es ist dies Gebiet — das uns nächstliegende, unserer Erkenntnis oftmals so fernliegende — der Mensch selber. Man glaubt gewöhnlich, den physischen Menschen kenne man; man kenne nur nicht den übersinnlichen Menschen. Aber auch das ist nur bis zu einem gewissen Grade der Fall. Was man im gewöhnlichen Leben Anatomie, Physiologie nennt, das webt ja in unzähligen Illusionen. Wir wollen heute zunächst einmal ausgehen, aber nur scheinbar, von der äußeren Gestalt des Menschen: von dem physischen Menschen. Wir wollen uns dabei auf jene Dreigliederung des physischen Menschen beziehen, die ich schon öfter angeführt habe.
[ 6 ] Over time, I have already drawn your attention to an area that we must consider again and again if we are to make progress in spiritual science. This area—the one closest to us, yet often so far removed from our understanding—is the human being itself. People usually believe they know the physical human being; they simply do not know the supersensible human being. But even that is only true to a certain extent. What is commonly referred to in everyday life as anatomy and physiology is, in fact, interwoven with countless illusions. Today we will begin—though only seemingly—with the outer form of the human being: the physical human being. In doing so, we will refer to that threefold division of the physical human being that I have mentioned on several occasions.
[ 7 ] Betrachtet man den Menschen in seinem Verhältnis zur übersinnlichen Welt, also so, wie er Bild ist, nicht wie er eine Wirklichkeit ist im Sinne der landläufigen Anatomie und Physiologie, so zerfällt er in drei streng voneinander verschiedene Teile auch mit Bezug auf seine äußere physische Gestalt: in den Hauptesmenschen, den Menschen, der vorzugsweise im Haupt konzentriert ist, in den Rumpfesmenschen und in den Extremitäten- oder Gliedmaßenmenschen, nur müssen wir uns dabei vorstellen, daß dieser dritte Mensch nicht nur aus Armen und Beinen besteht, sondern daß diese Gliedmaßen ihre «Einläufer» im Gegensatz zu den «Ausläufern» — fortsetzen, und daß dies der ganze Mensch ist. Diese drei wollen wir einmal ins Auge fassen. Man könnte eigentlich gar nicht, ohne gegen die Wirklichkeit des Übersinnlichen zu sündigen, von drei Menschen wirklich sprechen; denn mit Bezug auf das Übersinnliche des Menschen haben diese drei eben angeführten Glieder eine ganz erhebliche Kluft zwischen einander. Die verschiedenen Kräfte, oder, sagen wir, Kraftströmungen, welche an der Bildung dieser Gestaltenglieder teilnehmen, gehen nach ganz verschiedenen Seiten hin. Wenn man mit übersinnlicher Erkenntnis die menschliche Gestalt untersucht, so ist das Haupt wirklich so gebildet, daß man seine Bildungskräfte eigentlich vor der Geburt oder Empfängnis suchen muß. Man muß rückwärts in die geistige Welt gehen, nicht in die physische Vererbungsströmung. So wie des Menschen Haupt gebildet ist — man muß dann allerdings auf die feinere Bildung eingehen —, so hat an dieser Bildung vorzugsweise alles das Anteil, was in der geistigen Welt an Kräften des Menschen Seele durchsetzt, bevor sie dutch die Geburt oder Empfängnis sich mit der physischen Vererbungsströmung vereinigt hat. Und einen hauptsächlichen Anteil gerade an der Bildung des Hauptes hat nicht einmal so sehr das, was der Mensch in seinem vorherigen Erdenleben durchlebt hat, nicht seiner Gestalt nach, sondern seinem Aufführen, seinen Taten, auch zum Teil seinen Gefühlen nach. Wenn übersinnliche Erkenntnis so weit gekommen ist, daß sie in sich den Sinn für eine solche Gestalt erweckt hat, so schaut sie von der Gestaltung des Hauptes hinüber in das, was man die vorherige Inkarnation nennt. Man berührt da außerordentlich bedeutsame Geheimnisse der menschlichen Entwickelung. Und mehr, als gewöhnlich von Eingeweihten niederer Sorte vorausgesetzt wird, hängt die menschliche Hauptesgestalt mit dem Karma zusammen, wie es sich aus der vorherigen Inkarnation herüberentwickelt.
[ 7 ] If we consider the human being in relation to the supersensible world—that is, as an image rather than as a reality in the sense of conventional anatomy and physiology—he can be divided into three distinct parts, even with regard to his external physical form: the head-human, the human being who is primarily concentrated in the head; the torso-human; and the extremities- or limbs-human. However, we must imagine that this third human being does not consist solely of arms and legs, but that these limbs continue their “inflow” in contrast to the “outflow”—and that this constitutes the whole human being. Let us now consider these three. One could not really speak of three human beings without doing injustice to the reality of the supersensible; for, with regard to the supersensible aspect of the human being, there is a very significant gulf between these three members just mentioned. The various forces—or, shall we say, currents of force—that participate in the formation of these physical members point in entirely different directions. When one examines the human form with supersensible knowledge, the head is in fact formed in such a way that one must actually seek its formative forces before birth or conception. One must go backward into the spiritual world, not into the physical current of heredity. Just as the human head is formed—and here one must, of course, go into the finer aspects of its formation—so this formation is primarily influenced by all those forces in the spiritual world that permeate the human soul before it unites with the physical current of heredity through birth or conception. And what plays a primary role in the formation of the head is not so much what a person experienced in their previous earthly life—not in terms of their physical form, but in terms of their conduct, their deeds, and, to some extent, their feelings. When supersensible knowledge has advanced to the point where it has awakened within itself a sense of such a form, it looks from the shape of the head into what is called the previous incarnation. This touches upon extraordinarily significant mysteries of human development. And to a greater extent than is usually assumed by initiates of a lower order, the shape of the human head is connected to the karma that has carried over from the previous incarnation.
[ 8 ] _Fassen wir jetzt, indem wir den Rumpfesmenschen auslassen, den Extremitätenmenschen ins Auge, aber mit seinen Fortsetzungen nach innen. In diesem Extremitätenmenschen haben wir etwas, was uns keineswegs in einer so ausgesprochenen, so individuellen Gestaltung entgegentritt wie im menschlichen Haupte. Jeder Mensch hat sein individuell ausgebildetes Haupt, weil das Haupt zurück weist auf frühere Erdenleben. Mit Bezug auf die Extremitätenorganisation, mit der die Sexualorganisation wesentlich zusammenhängt, weist der Mensch hin auf seine folgenden Erdenleben. Da ist noch alles undifferenziert. Das seelische Korrelat für diesen Organismus weist auf die folgenden Erdenleben hin. Ganz besonders wichtig ist auch, daß man die Rumpforganisation ins Auge faßt. Sie ist ein Zusammenwirken aus Kräften, welche im menschlichen Geistesleben spielen vor der Geburt oder Empfängnis und nach dem Tode, also zwischen dem Tode und der nächsten Geburt. Was also die Seele zwischen dem letzten Tode und dieser Empfängnis oder dieser Geburt umgeben hat, das wirkt zusammen mit dem, was sie umgeben wird zwischen diesem Tode und der nächsten Geburt oder Empfängnis. Das webt sich ineinander. Und dieses Ineinanderweben der Kräfte wirkt im menschlichen Rumpfesorganismus, und zwar so, daß es hauptsächlich anschaulich wird in demjenigen, was ja auch das Hervorragendste in der Betätigung der Rumpfesorganisation ist: im Atmungsprozeß, so daß das Ausatmen vorzugsweise ein Bild — jetzt komme ich auch hier zu dem Ausdrucke «Bild» — dessen ist, was sich mit der Seele abgespielt hat seit dem letzten Tode bis zu dieser Empfängnis; und die Einatmung ist ein Bild desjenigen, was sich an Kräften um und in der Seele abspielen wird zwischen dem Tode, der uns nach dieser Verkörperung treffen wird, und der nächsten Empfängnis oder Geburt.
[ 8 ] _Let us now, leaving aside the torso-human, focus on the limb-human, but with its extensions directed inward. In this limb-human, we find something that by no means presents itself to us in such a distinct, such an individual form as in the human head. Every human being has an individually formed head, because the head points back to earlier earthly lives. With regard to the organization of the extremities—with which the sexual organization is essentially connected—the human being points toward his or her subsequent earthly lives. There, everything is still undifferentiated. The soul-correlate for this organism points toward the subsequent earthly lives. It is also particularly important to consider the trunk organization. It is an interplay of forces that are at work in the human spiritual life before birth or conception and after death—that is, between death and the next birth. Thus, what surrounded the soul between its last death and this conception or birth interacts with what will surround it between this death and the next birth or conception. These forces are interwoven. And this interweaving of forces is at work in the human trunk organism, and it does so in such a way that it becomes most vividly apparent in what is, after all, the most outstanding aspect of the trunk organism’s activity: the breathing process, so that exhalation is, par excellence, an image—and here, too, I come to the term “image” — of what has taken place within the soul from the last death up to this conception; and inhalation is an image of what will take place in and around the soul in terms of forces between the death that will befall us after this incarnation and the next conception or birth.
[ 9 ] Hier haben Sie ein Konkretes auf diesem Gebiete. Was die gewöhnliche Anatomie und Physiologie an der menschlichen Gestalt betrachtet, das betrachtet sie so, daß sie die Dinge nebeneinander hinstellt: Hier sind Kopf und Rumpf und Gliedmaßen in gleicher Weise eine Summe von Nerven und Blutgefäßen. Die übersinnliche Erkenntnis muß die Dinge auseinanderhalten; ihr sind die verschiedenen Gestaltenglieder verschiedenwertig. So sieht die gewöhnliche Anatomie und Physiologie unmittelbare Wirklichkeiten. Unsere Geisteswissenschaft sieht in der Hauptesgestalt das Bild von den Taten und Fühlungen der vorigen Inkarnation; sie sieht in der Ausatmung, wie sie sich bei jedem Menschen doch individuell gestaltet — denn jeder hat in dem Grade, wie sein Haupt differenziert ist, auch den Atmungsprozeß differenziert — ein Bild der Kräfte, welche die Seele zwischen dem letzten Tode und der nächsten Geburt umspielten, und der Einatmungsprozeß ist ja ein Bild dessen, was die Seele umspielen wird an Kräften zwischen dem jetzigen Tode und der nächsten Geburt. Und in dem Extremitätenprozeß haben wir schon ein Bild vom nächsten Erdenleben. So wird in der Tat, wie im Traume das Tagesleben von Bildern durchwoben wird, das großartig ausgedehnte übersinnliche Leben, das sich dem schauenden Bewußtsein öffnet, von Bildern durchwoben. Aber diese Bilder sind unsere gegebene, im Tagwachen gegebene Wirklichkeit. Wir kommen also dazu, daß wir jede folgende Erscheinungswelt, angefangen vom schauenden Bewußtsein, auffinden als Bilder der nächsten Erscheinungen. Unsere prosaische Wirklichkeit ist Bild der übersinnlichen Wirklichkeit, und unsere Traumeswirklichkeit ist Bild der gewöhnlichen, im Alltagsleben erfaßten Wirklichkeit.
[ 9 ] Here you have a concrete example in this field. When conventional anatomy and physiology examine the human form, they do so by placing things side by side: here, the head, torso, and limbs are all, in the same way, a sum of nerves and blood vessels. Supersensible knowledge must distinguish between these things; for it, the various parts of the human form have different significance. This is how conventional anatomy and physiology perceive immediate realities. Our spiritual science sees in the form of the head the image of the deeds and feelings of the previous incarnation; it sees in the exhalation—which takes on an individual form in every human being, for to the extent that a person’s head is differentiated, so too is their breathing process—an image of the forces that surrounded the soul between the last death and the next birth, and the inhalation process is, after all, a reflection of the forces that will surround the soul between the present death and the next birth. And in the process of the extremities, we already have an image of the next earthly life. Thus, just as daily life is interwoven with images in a dream, the magnificently expansive supersensible life that opens itself to the beholding consciousness is also interwoven with images. But these images are our given reality, the reality given to us in waking life. We thus come to the realization that we perceive every subsequent world of phenomena—beginning with the contemplative consciousness—as images of the next phenomena. Our prosaic reality is an image of the supersensible reality, and our dream reality is an image of the ordinary reality experienced in everyday life.
[ 10 ] Was ich hier sage, wird eigentlich erst so recht dem schauenden Bewußtsein klar, aus dem einfachen Grunde, weil in der äußeren Gestalt allein man nicht recht aufsuchen kann, was ich jetzt angeführt habe. Nehmen Sie einmal an, es hätte jemand einen niederen Grad von Hellsichtigkeit, gerade von dem Hellsehen, in dem mehr geahnt wird, als in voller Besonnenheit erfaßt, so könnte er noch aus der Erfassung des Hauptes, des Rumpfes und der Gliedmaßen erahnend auf das kommen, was ich jetzt gesagt habe. Auch einem niederen Grade des Hellsehens wäre das nicht besonders schwierig. Aber man würde keine Sicherheit haben; man würde sich kaum davon überzeugt halten, wenn man es nicht kritisch prüfen könnte durch jenes Hellsehen, das nun auch die entsprechenden Bewußtseinszustände erfaßt für das, was ich jetzt als Glieder der menschlichen Gestalt angeführt habe. Denn dieses Haupt ist nicht nur in seiner äußeren Gestalt so, daß es auf vorige Leben hinweist, sondern es ist schon so, daß es auch in bezug auf sein Seelisches erstens sich gut abdifferenziert von den andern Teilen des Menschenwesens, aber auch in sich selbst sich merkwürdig differenziert. Die Sache verbirgt sich nur dem gewöhnlichen Bewußtsein. Denn dieses träumt entweder, oder es hat während des Inhalts der alltäglichen Wirklichkeit — aber es merkt dies nicht — für den Kopf des Menschen etwas anderes, wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf: unterlegt. Ich meine folgendes damit: Wir gehen im wachenden Bewußtsein durch unsere Alltagserfahrungen; wir erfüllen uns durch das Bewußtsein, das uns unser Kopf vermittelt, mit den äußeren Wahrnehmungen, mit den Bildern, die uns von den Sinnen kommen, und mit dem, was wir uns als Vorstellungen über diese Sinnesbilder machen. Das alles ist für das gewöhnliche wache Bewußtsein so lebhaft, so intensiv, daß ein feineres Bewußtsein, das fortwährend darunter rieselt — ich sagte deshalb, daß es unterlegt ist —, ein hintergründliches Bewußtsein, das nicht so sehr tönt wie das Tagesbewußtsein, übersehen wird.
[ 10 ] What I am saying here actually becomes truly clear only to the observing consciousness, for the simple reason that one cannot truly discern what I have just described from the outer form alone. Suppose, for example, that someone possessed a low degree of clairvoyance—specifically the kind in which one senses more than one can grasp with full clarity—then, by observing the head, the torso, and the limbs, they might intuitively arrive at what I have just described. Even with a low degree of clairvoyance, this would not be particularly difficult. But one would have no certainty; one would hardly be convinced unless one could critically examine it through that clairvoyance which also perceives the corresponding states of consciousness for what I have just described as the members of the human form. For this head is not only such in its outward form that it points to past lives, but it is also such that, with regard to its soul life, it is, first of all, well differentiated from the other parts of the human being, and it is also remarkably differentiated within itself. The matter is simply hidden from ordinary consciousness. For ordinary consciousness is either dreaming, or—during the course of everyday reality, though it does not realize it—it has, if I may use the expression, “underlaid” the human head with something else. What I mean by this is the following: In our waking consciousness, we go through our everyday experiences; through the consciousness conveyed to us by our head, we fill ourselves with external perceptions, with the images that come to us from the senses, and with what we form as concepts based on these sensory images. All of this is so vivid, so intense for ordinary waking consciousness that a finer consciousness that constantly trickles beneath it—which is why I said it is “underlying”—a deeper consciousness that does not resonate as strongly as everyday consciousness, is overlooked.
[ 11 ] Unser Kopf träumt nämlich fortwährend, wenn wir wachen. Das ist das Bedeutsame, daß unser Haupt hinter dem Tagesbewußtsein ein fortwährendes Fortträumen hat. Sie können auf dieses Fortträumen schon kommen; man braucht dazu nicht sehr weitgehende Übungen zu machen. Man braucht dazu eigentlich nur zu versuchen, in jenen Zustand des seelischen Lebens einzutreten, in welchem man leeres Bewußtsein hat, wo das Bewußtsein zwar wach ist, aber keine Wahrnehmungen und auch keine Gedanken hat. Im gewöhnlichen Leben gehen ja die Dinge so, daß man entweder irgendwie auf die äußere Wahrnehmungswelt gerichtet ist, oder Erinnerungsbilder von diesen Wahrnehmungen hat, oder aufsteigende Gedanken, die auch mit diesen Erinnerungen zusammenhängen. Man gibt sich öfter, als man glaubt, dem bloßen wachenden Bewußtsein hin, aber man bemerkt es nicht. Es ist dumpf. Wenn Sie aber versuchen, in Ihrer Seelenverfassung das zu haben, was ich nennen möchte: «nichts weiter als wachen», nichts, was herstammt weder von äußeren Wahrnehmungen noch Erinnerungen daran, noch Erinnerungsgedanken, wenn Sie bloß versuchen zu wachen, so werden Ihnen alsbald nicht so ganz ordentlich in Vorstellungen gekleidete Wahrnehmungen aufsteigen. So etwas dumpf Gefühlsmäßiges haben diese Vorstellungen, die da auftauchen. Sie können sagen: Sie nehmen sich aus wie Bilder, aber sie nehmen sich so aus, daß sie nicht die Vollgewichtigkeit von Bildern haben. Man trifft oft Menschen, welche diesen Zustand haben. Die sagen: Es gibt in mir eine Seelenverfassung, da nehme ich etwas wahr, was ich aber nicht beschreiben kann; es ist wahrgenommen, aber es ist nicht in der Weise ein Wahrnehmen, wie man die äußere Welt wahrnimmt. — Es ist nicht unzutreffend, wenn die Menschen so sprechen, und es gibt viel mehr Menschen, als man glaubt, die, sobald man mit ihnen vertraut wird, über solche Dinge Mitteilungen machen können.
[ 11 ] Our mind, in fact, is constantly dreaming while we are awake. The important point is that, behind our daily consciousness, our mind is constantly dreaming. You can already tap into this continuous dreaming; you don’t need to do very extensive exercises to do so. All you really need to do is try to enter that state of mental life in which you have empty consciousness—where consciousness is awake, but has neither perceptions nor thoughts. In ordinary life, things usually go like this: one is either somehow directed toward the external world of perception, or has memories of these perceptions, or has thoughts arising that are also connected to these memories. More often than one realizes, one surrenders to mere waking consciousness, but one does not notice it. It is dull. But if you try to attain in your state of mind what I would like to call “nothing more than being awake”—nothing that stems from external perceptions, memories of them, or thoughts based on those memories—if you simply try to be awake, then perceptions that are not quite neatly clothed in ideas will soon arise within you. These perceptions that arise have a kind of dull, emotional quality. You could say: They appear like images, but they appear in such a way that they lack the full weight of images. One often meets people who experience this state. They say: There is a state of mind within me in which I perceive something, but I cannot describe it; it is perceived, but it is not a form of perception like that used to perceive the external world.” — It is not inaccurate when people speak this way, and there are far more people than one might think who, once one becomes familiar with them, are able to speak about such things.
[ 12 ] Was da aufsteigt, ist das Weben dieses unterlegten Bewußtseins, von dem ich gesprochen habe. Und dieses unterlegte Bewußtsein ist eine Art Träumen. Aber was wird geträumt? Es wird geträumt, tatsächlich geträumt, von der vorigen Inkarnation, von dem vorigen Erdenleben. Nur ist die Deutung dann schwierig. Aber was so im Bewußtsein, im Hauptesbewußtsein sitzt, ist Traum des vorigen Erdenlebens. Auf diese subjektive Art, die ich geschildert habe, kann man schon den Traum des vorigen Erdenlebens finden, wenn auch die Deutung schwierig ist. Davon wollen wir noch später reden.
[ 12 ] What arises there is the weaving of this underlying consciousness I have spoken of. And this underlying consciousness is a kind of dreaming. But what is being dreamed? It is the previous incarnation, the previous earthly life, that is being dreamed—actually dreamed. The interpretation, however, is difficult. But what resides in consciousness—in the main consciousness—is a dream of the previous earthly life. In this subjective way that I have described, one can already find the dream of the previous earthly life, even if the interpretation is difficult. We will talk more about this later.
[ 13 ] So ist das, was ich als menschliches Haupt schilderte, auch seelisch etwas Kompliziertes, indem eigentlich zwei Bewußtseine ineinanderlaufen: das gewöhnliche tagwachende Bewußtsein und das unterlegte Traumbewußtsein, das eine Art Spiegelung aus der vorigen Inkarnation ist.
[ 13 ] Thus, what I have described as the human head is also, in a spiritual sense, something complex, in that two forms of consciousness actually converge within it: the ordinary waking consciousness and the underlying dream consciousness, which is a kind of reflection from the previous incarnation.
[ 14 ] Eine andere interessante Seelencharakteristik können wir geben, wenn wir einen andern Pol des Menschen ins Auge fassen: den Extremitäten-, den Gliedmaßenmenschen. Auch dieser Gliedmaßenmensch ist seelisch — das heißt in seinem seelischen Korrelat, was ihm seelisch entspricht — eigentlich wiederum kompliziert. Ich habe öfter darauf aufmerksam gemacht, daß wir mit Bezug auf diesen Gliedmaßenmenschen schlafen, während wir mit Bezug auf unser Haupt wachen. Und unser Wille wirkt wirklich wie schlafend. Wir haben ja nur die Vorstellung dessen, was unser Wille ausführt. Niemand hat, wenn er die Vorstellung ausführt: Ich bewege die Hand —, ein Bewußtsein davon, wie dies mit alldem organischen Apparat zusammenhängt. Das ist so unterbewußt, wie die Vorgänge des Schlafes. Schlaf durchzieht fortwährend das Tagesbewußtsein dieses Gliedmaßen-, dieses Extremitätenmenschen, und zwar indem das Wollen des Menschen in einen Schlafzustand eingetaucht ist.
[ 14 ] We can describe another interesting characteristic of the soul by considering another pole of the human being: the human being of the extremities, the human being of the limbs. This human being of the limbs, too, is—in terms of his soul, that is, in his soul-correlate, which corresponds to him in a soul-related sense—actually quite complex. I have often pointed out that, in relation to this “limb-human,” we are asleep, whereas in relation to our head, we are awake. And our will truly seems to be asleep. After all, we have only the idea of what our will is doing. When a person carries out the thought, “I am moving my hand,” no one is conscious of how this is connected to the entire organic apparatus. This is as subconscious as the processes of sleep. Sleep continually permeates the daytime consciousness of this “limb-human,” namely because the human will is immersed in a state of sleep.
[ 15 ] Nun aber ist das Merkwürdige: Wenn nachts, im Schlafe, der Mensch aus seinem physischen Leibe heraus ist, das heißt, wenn das Ich und der astralische Leib den physischen Leib und den ätherischen Leib verlassen haben, wenn also Bewußtsein und Selbstbewußtsein nicht oder nur dumpf funktionieren, dann wacht in einer gewissen Weise gerade dieser Extremitätenmensch. Nur hat der Mensch, wie er jetzt in seiner Entwickelung ist, keine Möglichkeit, mit dem gewöhnlichen Bewußtsein dahinterzukommen. Weil er schlafend sein Bewußtsein nur dumpf betätigen kann, so kann er nicht mit dem Bewußtsein verfolgen, was der bei Tag schlafende Gliedmaßenmensch in der Nacht, wenn das Selbstbewußtsein nicht im physischen Leibe drinnen ist, eigentlich vollführt. Es ist auch eine Art Träumen. Es träumt dieser Gliedmaßenmensch eigentlich in der Nacht. So wie der Kopf bei Tage unter dem hellen Tagesbewußtsein träumt, so träumt der Gliedmaßenmensch schlafend unter dem dumpfen Schlafbewußtsein, man könnte sagen, parallel neben dem dumpfen Schlafbewußtsein. Und was träumt er? Er träumt von der nächsten Erdeninkarnation. Wir tragen als Mensch in der Tat in bezug auf unsere äußere physische Gestalt nicht nur Vergangenheit und Zukunft in uns, sondern wir tragen in uns, in unserem Seelenleben, in Form von gewöhnlich nicht wahrnehmbaren Träumen, in Form von allerlei unterlegtem Bewußtsein, vorige Erdenleben und künftige Erdenleben.
[ 15 ] But here is the curious thing: When at night, during sleep, a person is outside their physical body—that is, when the “I” and the astral body have left the physical body and the etheric body, so that consciousness and self-consciousness are either absent or functioning only dimly—then, in a certain sense, it is precisely this “human being of the extremities” who is awake. However, at the present stage of human development, a person has no way of discovering this through ordinary consciousness. Because, while asleep, a person can only exercise their consciousness in a dull manner, they cannot use their consciousness to observe what the “limb-human”—who sleeps during the day—actually accomplishes at night, when self-consciousness is not present within the physical body. It is also a kind of dreaming. This “limb-human” actually dreams at night. Just as the head dreams during the day under the bright consciousness of the day, so the “limb-human” dreams while asleep under the dull consciousness of sleep—one might say, in parallel with the dull consciousness of sleep. And what does he dream? He dreams of his next earthly incarnation. As human beings, we do indeed carry within us—not only in relation to our outer physical form—the past and the future, but we also carry within us, in our soul life, in the form of dreams that are usually imperceptible, in the form of all kinds of underlying consciousness, past earthly lives and future earthly lives.
[ 16 ] Und der Rumpfesmensch. Die Vorgänge des Aus- und Einatmens werden ja vom gewöhnlichen Bewußtsein nicht mit Deutlichkeit verfolgt, aber die organischen Funktionen sind doch enger daran geknüpft. Gerade diese Aus- und Einatmungsprozesse werden ja von den Orientalen — was uns nicht mehr angemessen ist, wir müssen auf andere Weise in das schauende Bewußtsein eintreten — gerade so verfolgt, daß sie ins Bewußtsein heraufgehoben werden. Der Orientale, als Geistsucher, versucht das Kopfbewußtsein dumpf zu machen, zu unterdrücken, und dagegen das Rumpfbewußtsein anzuregen, zu erhellen. Er versucht wirklich den Atmungsprozeß so auszuführen, daß im Atmen Bewußtsein auftaucht. Das ist ein anderes Bewußtsein. Indem er die eingeatmete Luft verfolgt, wie sie sich im Organismus ausbreitet, und indem er verfolgt die ausgeatmete Luft, wie sie herausströmt und den Leib verläßt, hebt er ins Bewußtsein herauf, was sonst recht unbewußt bleibt. Dadurch kommt bei ihm das zustande, daß er ein sehr deutliches Bewußtsein von dem hat, wovon der Atmungsprozeß Bild ist: von dem Leben in der geistigen Welt zwischen dem Tode und der Geburt. Das deutliche Wissen, von dem sich der Okzidentale eigentlich gar keinen Begriff macht, das heute im Orient noch immer sehr viel mehr ausgebreitet ist, als man denkt — deshalb verstehen sich auch der Orientale und der Okzidentale oft so schwer —, das deutliche Bewußtsein davon, daß vor der Geburt ein geistig-seelisches Leben liegt, nach dem Tode ein geistig-seelisches Leben folgt, das ist dort keine Theorie, sondern das ist dort so Gewißheit, wie es für Sie eine Gewißheit ist, wenn Sie irgendwo einen Weg gegangen sind, stehenbleiben, zurückschauen und das, was Sie als Weg durchgemacht haben, anschauen und dann rückwärtsblicken. Wie das für Sie eine Gewißheit ist, die neben Ihnen ist, daß der Weg vorher und der Weg nachher dieses und jenes enthält, so ist es für den Orientalen keine Theorie, nicht etwas, worauf er durch Vorstellungsverbindung kommt, sondern was er anschaut, aber anschaut durch seinen ins Bewußtsein heraufgehobenen Atmungsprozeß: was vor der Geburt oder Empfängnis und was nach dem Tode liegt.
[ 16 ] And the “torso-human.” The processes of exhalation and inhalation are not clearly followed by ordinary consciousness, but the organic functions are nevertheless more closely linked to them. It is precisely these processes of exhalation and inhalation that are followed by Easterners—which is no longer appropriate for us; we must enter into contemplative consciousness in a different way—in such a way that they are raised into consciousness. The Eastern practitioner, as a seeker of the spiritual, attempts to dull and suppress the consciousness of the head, and in contrast to stimulate and illuminate the consciousness of the torso. He truly attempts to carry out the breathing process in such a way that consciousness arises within the breath. This is a different kind of consciousness. By following the inhaled air as it spreads throughout the organism, and by following the exhaled air as it flows out and leaves the body, he brings into consciousness what would otherwise remain largely unconscious. As a result, he develops a very clear awareness of what the breathing process symbolizes: life in the spiritual world between death and birth. This clear knowledge—which Westerners actually have no concept of at all, but which is still far more widespread in the East today than one might think—is why Easterners and Westerners often find it so difficult to understand one another—this clear awareness that a spiritual-soul life precedes birth and a spiritual psychic life follows—this is no theory there, but rather a certainty just as certain to them as it is to you when you have walked a path somewhere, stop, look back, and survey what you have traversed, and then look backward. Just as it is a certainty for you, right there beside you, that the path before and the path after contain this and that, so for the Eastern person it is not a theory, not something he arrives at through a chain of imagination, but rather what he beholds—beholding it through his breathing process raised up into consciousness: what lies before birth or conception and what lies after death.
[ 17 ] Dieser Teil des Menschen, der Rumpfesmensch können wir sagen, träumt fortwährend. Der wacht nicht ganz auf, wenn wir wachen, der schläft auch nicht ganz ein, wenn wir schlafen. Ein Unterschied zwischen diesen beiden Zeiten ist ja doch. Das Bewußtsein, das Traumesbewußtsein dieses Rumpfesmenschen bei Tage ist dumpfer als sein Traumesbewußtsein im schlafenden Zustande, dies ist etwas heller; der Unterschied ist zwar nicht so sehr groß, aber es ist doch eine Abschattierung da.
[ 17 ] This part of the human being—the “trunk human,” so to speak—dreams constantly. It does not fully wake up when we are awake, nor does it fully fall asleep when we are asleep. There is, after all, a difference between these two states. The consciousness—the dream consciousness—of this “torso-human” during the day is duller than its dream consciousness while asleep, which is somewhat clearer; the difference is not that great, but there is indeed a subtle distinction.
[ 18 ] So sehen wir, daß wir nicht nur der äußeren Gestalt nach einen dreigliedrigen Menschen, sondern auch komplizierte Bewußtseinszustände in uns tragen. Darin besteht aber unser Seelenleben. Diese Bewußtseinszustände wirken ineinander, spiegeln sich ineinander. Durch das tagwachende Bewußtsein unseres Hauptes kommt vorzugsweise das zustande, was wir unser Vorstellungs- und Denkleben nennen; durch das fortwährende Traumesbewußtsein unseres Rumpfesmenschen kommt das zustande, was wir unser Gefühlsleben nennen, und durch das bei Tag schlafende, bei der Nacht wachende Traumesbewußtsein des Gliedmaßenmenschen kommt das zustande, was wir unser Wollen nennen.
[ 18 ] Thus we see that we are not only a threefold human being in terms of our outward form, but that we also carry within us complex states of consciousness. This, however, is the essence of our inner life. These states of consciousness interact with one another and are reflected in one another. It is primarily through the waking consciousness of our head that what we call our life of imagination and thought comes about; through the continuous dream-consciousness of our torso-human arises what we call our emotional life; and through the dream-consciousness of the limb-human—which sleeps during the day and is awake at night—arises what we call our volitional life.
[ 19 ] Nun bleibt noch eines übrig. Wir haben, wenn wir bloß die Außenseite des Menschen ins Auge fassen, es nicht nur mit dem sichtbaren physischen Organismus des Menschen zu tun, sondern wir tragen auch einen feinen, ätherischen, übersinnlichen Organismus in uns, den ich, damit keine Mißverständnisse entstehen, in den neueren Ausführungen in der Zeitschrift «Das Reich» den Bildekräfteleib genannt habe. Dieser übersinnliche Organismus ist im Verhältnis zum äußeren physischen Organismus weniger differenziert, er ist eigentlich mehr eine Einheit; und nur durch eine grobe Beobachtung schreiben wir der äußeren Gestalt des Menschen eine Einheit zu. Die eigentliche Einheit des Menschen ruht in seinem ätherischen Leibe. Dieser ätherische Leib ist nun geradeso zu gliedern wie der physische Leib, aber eben nicht so, daß die Glieder nebeneinanderliegen; sondern beim ätherischen Leibe muß man so die Gliederung vornehmen, wie ich es zuletzt getan habe mit Bezug auf die Bewußtseinszustände. Dieser ätherische Leib ist auch in immer abwechselndem Bewußtsein, und zwar so, daß er im Tagesleben vom Aufwachen bis zum Einschlafen ein anderes Bewußtsein hat als vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Da tragen wir wieder mit diesem übersinnlichen Leibe etwas sehr Bedeutungsvolles in uns. Wenn manche theosophische Theoretiker glauben, schon etwas besonderes damit getan zu haben, daß sie den Menschen gliedern in physischen Leib, ätherischen Leib, astralischen Leib und so weiter, so ist das eigentlich eine Art von Selbsttäuschung. Es ist eine Art von Systematik, und Systematiken sind nie eigentlich etwas wert. Einsichten bekommt man erst, wenn man näher untersucht, was eigentlich in diesem ätherischen Leibe vorgeht. Denn wenn man nur sagt: In uns lebt der ätherische Leib —, so hat der Mensch zunächst nur ein Wort, täuscht sich hinweg, glaubt eine Sache zu haben, indem er sich einen möglichst dünnen Nebel und so weiter vorstellt. Das ist aber Selbsttäuschung. Worauf es ankommt, das ist, daß wir in diesem Ätherleibe etwas sehr Wesentliches haben, nur kann es der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht wahrnehmen. Aber was in diesem Ätherleibe im Tagesleben vom Aufwachen bis zum Einschlafen immer webt und lebt, das ist das Karma von früheren Erdenleben, das schaut er an. In der Tat, in unserem Unterbewußtsein webt dieser Ätherleib, und sein Weben ist Anschauung unseres Karma aus früheren Verkörperungen. Daß der Hellseher etwas vom Karma weiß, beruht darauf, daß er den Ätherleib so gebrauchen lernt wie sonst den physischen Leib. Lernt man ihn gebrauchen, so kann man gar nicht da herumkommen, im Karma eine Wirklichkeit zu sehen. Denn vom Aufwachen bis zum Einschlafen ist der Ätherleib konkret, als Wirklichkeit gefaßt, dies, daß er das Karma anschaut, und zwar vom Aufwachen bis zum Einschlafen das Karma aus früheren Erdenleben, und vom Einschlafen bis zum Aufwachen das werdende Karma. Es ist dies wieder vom hellsichtigen Gesichtspunkte aus geschildert.
[ 19 ] Now there is just one thing left. If we consider only the outer aspect of the human being, we are not dealing merely with the visible physical organism, but we also carry within us a subtle, ethereal, supersensible organism, which—to avoid any misunderstanding—I have called the “body of formative forces” in my recent articles in the journal Das Reich. This supersensible organism is less differentiated in relation to the outer physical organism; it is, in fact, more of a unity; and it is only through a superficial observation that we attribute a unity to the outer form of the human being. The true unity of the human being lies in its etheric body. This etheric body is to be structured in exactly the same way as the physical body, but not in such a way that the parts lie side by side; rather, the structure of the etheric body must be understood as I have most recently described with regard to states of consciousness. This etheric body is also in a state of constantly changing consciousness, such that in daily life, from waking until falling asleep, it has a different consciousness than from falling asleep until waking. Here again, with this supersensible body, we carry something very significant within us. When some theosophical theorists believe they have already accomplished something special by dividing the human being into physical body, etheric body, astral body, and so on, this is actually a kind of self-deception. It is a kind of systematization, and systematizations are never really of any value. One gains insight only when one examines more closely what is actually happening within this etheric body. For if one merely says, “The etheric body lives within us”—then at first a person has only a word, deceives themselves, and believes they possess something by imagining a mist as thin as possible and so on. But that is self-deception. What matters is that we have something very essential within this etheric body; it’s just that people cannot perceive it in ordinary life. But what is constantly weaving and living within this etheric body in daily life—from waking until falling asleep—is the karma of past earthly lives; that is what they are looking at. Indeed, this etheric body weaves within our subconscious, and its weaving is the perception of our karma from past incarnations. The fact that the clairvoyant knows something of karma is based on the fact that he learns to use the etheric body just as he otherwise uses the physical body. Once one learns to use it, one cannot help but see karma as a reality. For from the moment of waking until falling asleep, the etheric body is concrete, perceived as reality—specifically, in that it contemplates karma: from waking until falling asleep, the karma from past earthly lives; and from falling asleep until waking, the karma yet to come. This is again described from the clairvoyant point of view.
[ 20 ] Also wir träumen in unserer Brust nicht nur von dem, was wir zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt durchgemacht haben, wir schauen nicht nur in dieser Weise die Vergangenheit an, wir schauen auch auf das, was sie uns als Karma auferlegt, das unter unserem gewöhnlichen Bewußtsein durch die Funktion des Unterleibes von dem Ätherleibe wie vor einem geistigen Auge als vergangenes Karma geschaut wird. Und wir schauen nicht nur durch unser Extremitätenbewußtsein durch das Einatmen das, was verknüpft ist mit einer folgenden Inkarnation, sondern unser Ätherleib wird das Geistesauge, durch das wir auf eine für das gewöhnliche Leben unbewußte Art das werdende Karma anschauen. Es ist für den Menschen der Gegenwart nicht leicht, die Übungen seiner Seele so weit zu treiben, obwohl es durchaus für jeden Menschen nötig ist, daß er alles das wirklich anschaut, was ich jetzt geschildert habe. Es bietet gewisse Schwierigkeiten, über die Näheres in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gesagt ist. Viel leichter ging das in der Zeit, die abgelaufenem Lebensalter der Erdenmenschheit entspricht. Denn auch das geschichtliche Leben ist differenzierter, als man denkt, und ein besonders wichtiger Punkt im geschichtlichen Leben der Menschheit, der auch in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» und in andern Schriften charakterisiert ist, ist der, als der vierte nachatlantische Kulturzeitraum den dritten ablöste, als das begann, was wir die griechisch-lateinische Kultur nennen. Dieser Zeitraum ist der, in welchem es für die Kulturmenschheit so schwierig geworden ist, in diese Welten einzudringen, die ich jetzt geschildert habe. Vorher war es verhältnismäßig leichter, und die Orientalen haben sich etwas von dieser leichteren Natur zurückbehalten. Der Okzidentale hat es nicht, darum kann er auch nicht die Übungen machen, welche von den Orientalen geschildert werden, sondern nur diejenigen machen, die zum Beispiel in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind. Das Zeitalter, das mit dem 7., 8. Jahrhundert vor dem Mysterium von Golgatha eingetreten ist, ist schon dasjenige, in dem der Mensch mehr in die physische Welt herausgeworfen wurde. Es wird ein anderes Zeitalter wieder kommen — ungefähr das 3. Jahrtausend wird der deutliche Beginn dieses Zeitalters sein —, und das muß vorbereitet sein. Da wird etwas Unbestimmtes aus der Menschennatur in jeder Seele auftreten; man wird es nicht deuten können, wenn man es nicht mit der Geheimwissenschaft kann, wenn man ihm nicht mit Geisteswissenschaft entgegenkommt. Es ist wirklich nicht bloß ein subjektives Ideal oder eine subjektive Tendenz, was die Geisteswissenschaft für das nächste Jahrtausend vorbereiten und begründen muß, sondern es entspricht einer Notwendigkeit in der Menschheitsentwickelung. Die Mitte des 3. Jahrtausends wird ein bedeutungsvoller Einschnitt in der Kulturentwickelung sein, weil dann der Zeitpunkt kommt, wo die Menschennatur so weit sein wird, daß sie ungesund reagieren wird, wenn die Menschen bis dahin nicht die Anschauung von den wiederholten Erdenleben und vom Karma in sich aufnehmen, die in der Zeit seit dem 7., 8. vorchristlichen Jahrhundert verlorengegangen ist. Vorher hat die Menschennatur gesund reagiert, da ging das Wissen selbst aus ihr hervor. Nachher wird sie krankhaft erscheinen, wenn die Menschen ihr nicht die Lehre entgegenbrächten. Wir verstehen unser Zeitalter nur, wenn wir dies ins Auge fassen, daß wir zwischen zwei Polen eingeschlossen sind. Der eine liegt zurück hinter dem 7., 8. Jahrhundert vor dem Mysterium von Golgatha. Das war die Zeit, wo die Menschennatur selbst das Wissen von den übersinnlichen Erlebnissen der Menschenseele hergab. Der andere Pol wird das 3. Jahrtausend sein, wo die Menschenseele aus sich heraus auf eben die Art, wie es in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben ist, das übersinnliche Wissen sich auf geistige Art erwerben muß, damit der Körper, in den dann die Gesundheit hineinstrahlen muß, nicht mit der Krankheit reagiert. Man versteht unser Zeitalter in seinen äußeren und inneren Erscheinungen nur, wenn man dies ins Auge fassen kann. Das entwickelt sich natürlich langsam und allmählich. Und für denjenigen Menschen, der nicht dumpf, wie schlafend die wichtigsten Dinge seines Zeitalters verträumen will, sondern der selbstbewußt, wachend leben will, für ihn geziemt es sich, in unserer Zeit schon darauf aufzumerken, was ins Leben herein will. In voller Art wird dies erst in der Mitte des 3. Jahrtausends hereinkommen. Aber nach und nach will es herein, und die Menschheit muß jetzt alles bewußt machen, muß bewußt vorbereiten, was da herein will. Man muß das Leben beobachten lernen; dann zeigt sich auch in den äußeren Erscheinungen — zunächst in den Erscheinungen des Menschenlebens — eine oberflächliche Anschauung, daß es wahr ist, was“ich jetzt gesagt habe. In der groben Gehirnentwickelung, die heute zumeist das Normale der Menschheit ist, geht ja nicht leicht dasjenige auf, was sinngemäß erworben werden muß, so wie wir es in der Geisteswissenschaft schildern. Aber ich möchte sagen: Auf tragische Weise sieht man gewissermaßen, was unbekannte Mächte — von denen ich im nächsten Vortrage sprechen werde — von der Menschheit eigentlich wollen. Es gibt in der Gegenwart gewisse krankhafte Naturen, deshalb sagte ich, auf tragische Weise; sie sind krankhaft für die Gegenwart; trotzdem kündigt sich an ihnen mancherlei an, was den Menschen in gesunden Tagen der Zukunft treffen wird.
[ 20 ] So we do not merely dream in our hearts of what we have experienced between our last death and this birth; we do not merely look back on the past in this way, but we also look upon what it imposes upon us as karma—which, beneath our ordinary consciousness, is perceived by the etheric body through the function of the lower abdomen, as past karma, as if before a spiritual eye. And we do not merely perceive, through our consciousness of the limbs and through inhalation, what is connected with a future incarnation; rather, our etheric body becomes the spiritual eye through which we perceive the karma-in-the-making in a way that remains unconscious to ordinary life. It is not easy for people today to advance the exercises of their soul to this extent, although it is absolutely necessary for every human being to truly perceive everything I have just described. This presents certain difficulties, the details of which are discussed in the book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds. This was much easier in the era corresponding to the past stage of human development on Earth. For historical life, too, is more nuanced than one might think, and a particularly important point in the historical life of humanity—which is also characterized in my Outline of Esoteric Science and in other writings—is the period when the fourth post-Atlantean cultural epoch succeeded the third, marking the beginning of what we call the Greco-Latin culture. This period is the one in which it has become so difficult for civilized humanity to penetrate the worlds I have just described. Before that, it was relatively easier, and the Easterners have retained something of this easier nature. Westerners have not retained this quality; therefore, they cannot perform the exercises described by the Easterners, but only those described, for example, in the book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds. The era that began in the 7th and 8th centuries before the Mystery of Golgotha is already the one in which human beings were cast more fully into the physical world. Another era will come again—the 3rd millennium will mark the clear beginning of this era—and preparations must be made for it. Something indefinable will then arise from human nature within every soul; it will be impossible to interpret it without the help of esoteric science, without approaching it through spiritual science. What spiritual science must prepare and establish for the next millennium is truly not merely a subjective ideal or a subjective tendency, but corresponds to a necessity in human development. The middle of the third millennium will mark a significant turning point in cultural development, because that is when human nature will have reached a stage where it will react in an unhealthy way if, by then, people have not internalized the concept of repeated earthly lives and karma—a concept that has been lost since the 7th or 8th century B.C. Previously, human nature reacted healthily, for the knowledge arose from within it. Afterward, it will appear pathological if people do not provide it with this teaching. We can only understand our age if we recognize that we are caught between two poles. One lies in the past, behind the 7th and 8th centuries B.C., before the Mystery of Golgotha. That was the time when human nature itself provided the knowledge of the supersensible experiences of the human soul. The other pole will be the third millennium, when the human soul must acquire supersensible knowledge in a spiritual manner—precisely as described in the book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds—so that the body, into which health must then radiate, does not react with illness. One can understand our age—in its outer and inner manifestations—only if one can take this into account. This, of course, develops slowly and gradually. And for those who do not wish to dream away the most important things of their age in a dull, sleep-like state, but who wish to live self-consciously and alertly, it is fitting for them to take notice already in our time of what is seeking to enter into life. This will not fully come into being until the middle of the third millennium. But it is entering little by little, and humanity must now bring everything into consciousness; it must consciously prepare for what is about to enter. One must learn to observe life; then even in external phenomena—initially in the phenomena of human life—a superficial insight will reveal that what “I have just said” is true. In the coarse development of the brain, which is today the norm for most of humanity, what must be acquired through understanding—as we describe it in spiritual science—does not readily become apparent. But I would like to say: In a tragic way, one sees, as it were, what unknown forces—which I will discuss in the next lecture—actually want from humanity. There are certain pathological natures in the present—that is why I said “in a tragic way”; they are pathological for the present; nevertheless, they foreshadow many things that will befall humanity in the healthy days of the future.
[ 21 ] Ich habe öfter den Namen eines sehr merkwürdigen Menschen der Gegenwart ausgesprochen, der wirklich in seinem Leben zwischen Gesundheit und Krankheit hin und her pendelte: Orzo Weininger, der das merkwürdige Buch «Geschlecht und Charakter» geschrieben hat. Es ist ja der ganze Weininger ein höchst merkwürdiger Mensch. Stellen Sie sich einen Menschen vor, der aus dem ersten Kapitel dieses genannten Buches im Anfang seiner Zwanzigerjahre seine Dissertation macht, dieses Buches, über das einzelne ebenso in Begeisterung gekommen sind, wie andere sich an ihm geärgert haben — beides nicht begründet, sondern etwas anderes, Objektives wäre vonnöten gewesen. Dann immer mehr und mehr ein ganz merkwürdiges SichHineinleben in die in «Geschlecht und Charakter» angeschlagenen Probleme. Er macht dann eine Reise nach Italien, notiert seine Erlebnisse auf, und sieht ganz andere Dinge, als andere Menschen in Italien sehen. Ich muß bei vielem in diesem Italienischen Tagebuche Weiningers ganz Merkwürdiges sehen. Sie wissen, ich schildere manches, was man nur in Imaginationen schildern kann: aus der atlantischen Zeit, aus der lemurischen Zeit, und wie es ausgesehen hat in Zeiten, die heute nicht mehr mit dem äußeren, auch nicht mit dem historischen Bewußtsein zu verfolgen sind. Dabei muß man gewisse Vorstellungen und Begriffe gebrauchen, um das, was man so in Begriffen schildert, vor das menschliche Bewußtsein hinzustellen. Wenn ich nun die Notizen Weiningers lese, kommt mir manches vor wie eine gelungene, künstlerische Karikatur der Wahrheit. Es ist überhaupt dieses Weininger-Leben ein merkwürdiges. Dreiundzwanzig Jahre war er alt, da trifft ihn ein Gedanke, der ihn furchtbar hypnotisiert: daß er sich selbst morden müsse, weil er sonst einen andern morden müsse, derGedanke, daß ein Mörder, ein Verbrecher in seiner Seele ruht. Eine Erscheinung, die man okkult sehr gut erklären kann. Dabei mischt sich in diesem Leben ein Großes, Exaktes gleich mit Koketterie. Er verläßt sein Elternhaus, nimmt sich ein Zimmer im Beethoven-Haus in Wien, bewohnt es eine Nacht, und am Morgen erschießt er sich.
[ 21 ] I have often mentioned the name of a very peculiar contemporary figure whose life truly oscillated between health and illness: Orzo Weininger, who wrote the peculiar book Sex and Character. Weininger is, after all, a highly peculiar individual. Imagine a person who, in his early twenties, bases his dissertation on the first chapter of the aforementioned book—a book that has inspired enthusiasm in some and irritation in others—neither of which is well-founded; rather, something else, something objective, would have been necessary. Then, more and more, a truly peculiar immersion into the problems raised in Sex and Character. He then takes a trip to Italy, records his experiences, and sees things in Italy quite different from what other people see. I find much that is quite remarkable in Weininger’s Italian diary. You know, I describe many things that can only be described in the realm of the imagination: from the Atlantean era, from the Lemurian era, and what it was like in times that can no longer be traced today through external, nor even historical, consciousness. In doing so, one must use certain ideas and concepts to present to human consciousness what is described in such terms. When I read Weininger’s notes, some things strike me as a successful, artistic caricature of the truth. Weininger’s life, in general, is a strange one. He was twenty-three years old when a thought struck him that utterly mesmerized him: that he must murder himself, because otherwise he would have to murder someone else—the thought that a murderer, a criminal, dwells within his soul. A phenomenon that can be explained very well in occult terms. Yet in this life, something grand and precise is intertwined with coquetry. He leaves his parents’ home, rents a room in the Beethoven House in Vienna, stays there for one night, and in the morning he shoots himself.
[ 22 ] Diese Seele hat das Eigentümliche, daß sie nie ganz mit dem Leibe verbunden war. Für den äußeren Psychiater war Weininger Hysteriker; für den, der die Sachen durchschaut, war es so, daß ein unregelmäßiger Zusammenhang zwischen seinem Geistig-Seelischen und seinem Physisch-Leiblichen vorhanden war. Was sonst normal ist, daß das Geistig-Seelische mit dem Einschlafen aus dem Physisch-Leiblichen herausgeht und mit dem Aufwachen wieder mit ihm zusammenkommt, das war bei Weininger anders. Ich könnte Ihnen die Stellen anführen, aus denen hervorgeht, wie zuzeiten das Geistig-Seelische aus dem Physisch-Leiblichen ein bißchen heraus ist, dann wieder rasch untertaucht, und im Untertauchen leuchtet ihm ein Gedanke auf, den er dann aufschreibt, oft in einer trockenen Weise; aber im Untertauchen wird er eben imaginativ und sehr merkwürdig. So erscheint dem, der die Sache durchschaut, was unregelmäßiger Zusammenhang ist des Geistig-Seelischen mit dem Physisch-Leiblichen, und in diesen unregelmäßigen Zusammenhang tritt auf merkwürdige Weise, aber in ganz besonderer Art, ein Wissen ein, das die Menschheit in der Zukunft wird haben müssen. Denken Sie sich: In einem Menschen, der ja für einen ganz grobklotzigen Psychiater Hysteriker ist, tritt ein Wissen auf, das die Menschheit in der Zukunft wird haben müssen, aber nun auch karikiert. Sie können sich nach dem, was ich heute gesagt habe, leicht vorstellen, daß durch irgendwelche Abnormitäten etwas wie Vorzügler einer Zukunft — wie es Nachzügler der Vergangenheit gibt — unter uns erscheinen, einer Zukunft, wo die Menschen werden wissen müssen von wiederholten Erdenleben, von Karma und vom Träumen des Karma. Und weil solche Menschen als Vorzügler solcher künftigen Zeiten auftreten, deshalb heilt das Wissen den Organismus nicht, sondern macht ihn krankhaft. Dann wird in einer etwas karikierten Weise mit Hilfe des krankhaften Organismus das herauskommen, was einstmals ein Wissen der Menschheit werden wird. Nehmen Sie zum Beispiel eine Stelle wie die folgende aus dem Buche «Über die letzten Dinge» von Weininger, herausgegeben von seinem Freund Rappaport: «Aus unserem Zustand vor der Geburt ist vielleicht darum keine Erinnerung möglich, weil wir so tief gesunken sind durch die Geburt: wir haben das Bewußtsein verloren, und gänzlich triebartig geboren zu werden verlangt, ohne vernünftigen Entschluß und ohne Wissen, und darum wissen wir gar nichts von dieser Vergangenheit.»
[ 22 ] This soul had the peculiar characteristic that it was never fully connected to the body. To the superficial psychiatrist, Weininger was a hysteric; to those who saw through the surface, the reality was that there was an irregular connection between his spiritual-psychic and his physical-bodily aspects. What is otherwise normal—that the spiritual-psychic aspect leaves the physical-bodily aspect upon falling asleep and rejoins it upon waking—was different in Weininger’s case. I could cite passages that show how, at times, his mental-emotional aspect would drift slightly away from his physical-bodily aspect, then quickly submerge again; and as it submerged, a thought would dawn on him, which he would then write down, often in a dry manner; but in that submergence, he would become imaginative and quite remarkable. Thus, to the one who sees through the matter, what appears is an irregular connection between the spiritual-psychic and the physical-bodily, and into this irregular connection enters, in a strange way but in a very special manner, a knowledge that humanity will have to possess in the future. Just imagine: in a person who, to a completely narrow-minded psychiatrist, is a hysteric, a form of knowledge emerges that humanity will need to possess in the future—though here it is also caricatured. Based on what I have said today, you can easily imagine that, through certain abnormalities, something like “pioneers of the future”—just as there are “laggards of the past”—appear among us, a future in which people will have to know about repeated earthly lives, about karma, and about the dreams of karma. And because such people appear as forerunners of such future times, this knowledge does not heal the organism but renders it pathological. Then, in a somewhat caricatured way, what will one day become humanity’s knowledge will emerge through the medium of this pathological organism. Take, for example, a passage like the following from the book On the Last Things by Weininger, edited by his friend Rappaport: “Perhaps no memory of our pre-birth state is possible because we have sunk so deeply through birth: we have lost consciousness, and being born entirely on impulse requires no rational decision and no knowledge, and that is why we know nothing at all of this past.”
[ 23 ] Das eine ist da klar, wenn auch das Wissen, das da aufgeleuchtet ist, karikiert ist, daß jemand dieses Wissen wieder hinschreibt, wo es ihm eine absolute Gewißheit wurde: Da bin ich durch meine Geburt durchgegangen aus einem Zustande eines geistigen Lebens, den ich vorher verbracht habe. — Wenn das jemand hingeschrieben hätte, im 10. oder 12. Jahrhundert vor Christi Geburt oder noch im Zeitalter des Origenes, so brauchte man sich nicht zu verwundern; aber in unserer Zeit schreibt einer das in seiner von Gefühlen durchtränkten Art nieder; da ist es etwas, was unmittelbar im Bewußtsein aufleuchtet, nicht etwas Theoretisiertes.
[ 23 ] One thing is clear here—even if the knowledge that has been illuminated here is exaggerated—that someone has written down this knowledge again, where it became an absolute certainty for him: Through my birth, I have passed from a state of spiritual life that I had previously experienced. — If someone had written this down in the 10th or 12th century B.C. or even in the age of Origen, it would not be surprising; but in our time, someone writes this down in his own emotionally charged way; it is something that flashes directly into consciousness, not something theoretical.
[ 24 ] Ich könnte viele solcher Erscheinungen anführen. Was zeigen diese Erscheinungen? Nichts anderes, als daß sich dieses übersinnliche Wissen, das jetzt in die Menschennatur herein will, ankündigt; und weil es auf dem Wege anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft noch nicht gesucht wird, kommt es in Kataklysmen herein, kommt so herein, daß es die menschliche Natur erschüttert, sie krankhaft macht in dem Grade, wie es die Person Weiningers krank machte. Ich sage krank, wobei ich nichts Philiströses verstehe, sondern eben nur das äußerlich Tatsächliche, daß es in der Tat etwas Krankhaftes hat, wenn sich ein Mensch mit dreiundzwanzig Jahren erschießt, weil er in sich einen verborgenen Mörder findet und sich durch den Selbstmord retten will vor dem Mord.
[ 24 ] I could cite many such phenomena. What do these phenomena reveal? Nothing other than that this supersensible knowledge, which now seeks to enter human nature, is announcing its arrival; and because it is not yet being sought through the path of anthroposophically oriented spiritual science, it enters through cataclysms, entering in such a way that it shakes human nature, making it pathological to the same degree that it made Weiner’s person pathological. I say “sick,” by which I mean nothing philistine, but simply the outward reality that there is indeed something pathological about a twenty-three-year-old man shooting himself because he finds a hidden murderer within himself and wants to save himself from murder through suicide.
[ 25 ] Man könnte es an hundert, an tausend Beispielen zeigen: Dieses Wissen will herein! Und es wäre gut, wenn möglichst viele Menschen darauf kommen würden, daß es so ist. In den Unterbewußtseinen der Menschen ist ungeheuer weit verbreitet die Sehnsucht nach solchem Wissen vorhanden. Äußere Mächte, die ich öfter schon charakterisiert habe, halten das Wissen zurück. Wir müssen gar sehr berücksichtigen, was aus der Bemerkung hervorgeht, die ich am Schlusse meines Aufsatzes über Christian Rosenkrentz in der Zeitschrift «Das Reich» gemacht habe. Wir sollten berücksichtigen, was sich im 17. Jahrhundert, eigentlich schon seit dem 15. Jahrhundert, ankündigte, wenn es auch immer lauter und lauter wird. Jetzt aber muß man auf dem Wege des gewöhnlichen wissenschaftlichen Formulierens zu den Zeitgenossen darüber sprechen. Damals jedoch kam es auf die Weise, die ich im letzten «Reich» charakterisiert habe, wo ich zeigte, daß dieser Johann Valentin Andreae die «Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» niedergeschrieben hat. Nun hat das den Philologen viel Kopfzerbrechen gemacht: dieser Johann Valentin Andreae schreibt die «Chymische Hochzeit» nieder, in der eigentlich ein tiefes, okkultes Wissen verborgen ist, und nachher benimmt er sich eigentlich sehr merkwürdig. Er kommt nicht nur darauf, an gewissen Worten zu deuteln, die er gesprochen hat in bezug auf Schriften, die in der Zeit von ihm geschrieben wurden, als er die «Chymische Hochzeit» niedergeschrieben hatte, sondern er zeigt sich, trotzdem er dieses Große niedergeschrieben hat, als ein Mensch, von dem man genau angeben kann: Er versteht nichts von dem, was er geschrieben hat. Der pietistische Pastor, der nachher allerlei anderes geschrieben hat, versteht nichts von der «Chymischen Hochzeit» und auch nichts von den andern Schriften, die er gleichzeitig verfaßt hat. Er war erst siebzehn Jahre alt, als er die «Chymische Hochzeit» schrieb. Nun ist er nicht anders geworden, er ist immer gleich geblieben, nur eine ganz andere Macht hat in ihn hineingesprochen. Die Philologen zerbrechen sich die Köpfe und vergleichen allerlei Briefstellen. Seine Hand hat es niedergeschrieben, sein Körper ist dabeigesessen, aber durch seinen Menschen hat eben eine geistige Macht, die damals nicht auf der Erde inkarniert war, dies der Menschheit verkündigen wollen, in der Art, wie es damals verkündigt worden ist.
[ 25 ] One could demonstrate this with a hundred, even a thousand examples: This knowledge is eager to come forth! And it would be good if as many people as possible came to realize that this is the case. The longing for such knowledge is immensely widespread in people’s subconscious minds. External forces, which I have described on several occasions, are holding this knowledge back. We must take very seriously what emerges from the remark I made at the end of my essay on Christian Rosenkrentz in the journal Das Reich. We should take into account what was already foreshadowed in the 17th century—and indeed, as early as the 15th century—even though it is becoming louder and louder. But now we must speak to our contemporaries about this using standard scholarly language. Back then, however, it happened in the way I described in the latest issue of Das Reich, where I showed that Johann Valentin Andreae wrote The Chemical Wedding of Christian Rosenkreutz. Now, this has caused philologists a great deal of headache: this Johann Valentin Andreae wrote down the Chemical Wedding, in which a profound, occult knowledge is actually hidden, and afterward he actually behaved very strangely. Not only does he take it upon himself to quibble over certain words he spoke regarding writings composed during the time he wrote the Chemical Wedding, but—despite having written this great work—he reveals himself to be a person of whom one can say with certainty: He understands nothing of what he has written. The Pietist pastor, who went on to write all sorts of other things, understands nothing of the Chymical Wedding nor of the other writings he composed at the same time. He was only seventeen years old when he wrote the Chymical Wedding. Now he has not changed; he has always remained the same—only a completely different power has spoken through him. Philologists rack their brains and compare all sorts of passages in his letters. His hand wrote it down, his body was present, but through his human form, a spiritual power—which was not incarnated on Earth at that time—wanted to proclaim this to humanity in the manner in which it was proclaimed back then.
[ 26 ] Dann kam der Dreißigjährige Krieg, der vieles von dem begraben hat, was damals in die Menschheit hereinkommen sollte. Man hätte in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges verstehen sollen, was man nicht verstanden hat, was man gerade begraben hat. Hingeschrieben war die «Chymische Hochzeit» schon von dem, der sich äußerlich Johann Valentin Andreae geschrieben hat, 1603 war sie nachweisbar schon niedergeschrieben; man ist darauf nicht eingegangen, denn 1618 begann der Dreißigjährige Krieg. Bevor Kriege beginnen, geschehen manchmal solche Dinge. Dann ist es das Richtige, in den Zeichen der Zeit zu lesen, daß man weiß: Es muß das, was als Keim gelegt, auch Blüten und Früchte tragen!
[ 26 ] Then came the Thirty Years' War, which buried much of what was meant to come into humanity at that time. During the Thirty Years’ War, people should have understood—but did not—what they had just buried. The “Chymical Wedding” had already been written by the person who outwardly called himself Johann Valentin Andreae; it was verifiably written down as early as 1603; but no one paid attention to it, because the Thirty Years’ War began in 1618. Before wars begin, such things sometimes happen. Then it is right to read the signs of the times, so that one knows: What has been sown as a seed must also bear blossoms and fruit!
[ 27 ] Das gehört zu dem, was ich jetzt andeutete, was aus den Zeichen der Zeit unseres so katastrophalen Zeitalters gelesen werden muß. Davon nächste Woche weiter.
[ 27 ] This is part of what I just alluded to—what must be gleaned from the signs of the times in our truly catastrophic era. More on this next week.
