Earth-Death and Universal-Life
Anthroposophical Life-Gifts
Essential Aspects of Consciousness for the Present and the Future
GA 181
9 July 1918, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
A Sound Outlook for To-day, tr. Unknown
Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft III
III. East and West
[ 1 ] Das Leben, das Gesamtleben der Menschenseele ist, wie gerade auch wiederum aus den Betrachtungen hervorgeht, die wir jetzt pflegen, ein kompliziertes. Viele Fäden knüpfen die Menschenseele an viele Gebiete, an viele Kräfte, Mittelpunkte des Weltenalls. Wir erinnern uns an das, was hier vor vierzehn Tagen vorgebracht worden ist, um eine Anknüpfung zu gewinnen zu Wahrheiten, die wir heute beginnen wollen, vor unsere Seele treten zu lassen, und die uns vielleicht das Weltgeschehen von einem gewissen Gesichtspunkte aus in einer uns bedeutungsvollen Weise vor die Seele treten lassen können. Ich will nur mit ein paar Worten an das erinnern, was hier vor vierzehn Tagen ausgeführt wurde.
[ 1 ] Our considerations have shown once more that the soul's life, in all its aspects, is complicated. Threads unite the soul to numerous realms, farces, and centres in the universe. We will remind ourselves of what was said a fortnight ago, in order to give us a link with certain truths that we shall begin to consider to-day, and which will bring a certain aspect of world-happenings before our souls in a way that is important for use I will recapitulate very briefly what was said a fortnight ago.
[ 2 ] Ich sagte: Man lernt den Menschen eigentlich erst dadurch in Wirklichkeit kennen, daß man nicht nur sein gewöhnliches Bewußtsein verfolgt, das in ihm waltet vom Aufwachen bis zum Einschlafen, sondern daß man sich voll bewußt wird, daß innerhalb dieses Bewußtseins andere, dumpfe, dämmerhafte Bewußtseinszustände vorhanden sind, daß man aber hinter diese nur kommt, wenn man jene Dreigliederung des Menschen ins Auge faßt, welche ihn als Hauptesmenschen, als Rumpfesmenschen und als Extremitätenmenschen erscheinen läßt. Des Menschen ganzes Wesen bedient sich ja gewiß des Hauptes, um das uns bekannte Bewußtsein zu haben. Aber wir haben außerdem anführen können, daß der Mensch durch dieses menschliche Haupt ein traumhaftes Bewußtsein hat, das nur von dem gewöhnlichen Bewußtsein übertönt wird, und daß er durch dieses traumhafte Bewußtsein in seine früheren Erdenleben zurückblickt. Ebenso haben wir anführen können, daß der Extremitätenmensch, aber in Verbindung mit dem ganzen Menschen, fortwährend ein traumhaftes Bewußtsein entwickelt von dem nächsten Erdenleben. Was wir also innerhalb unserer Geisteswissenschaft als eine Theorie über die wiederholten Erdenleben anführen, das ist schon eine Realität in der Menschenseele. Es ist eine Bewußtseinsrealität, aber eine dumpfe, dämmerhafte Bewußtseinsrealität. Außerdem haben wir noch angeführt, daß der Mensch auch durch seinen Ausatmungsprozeß, welcher der Rumpforganisation angehört, ein solches traumhaftes Bewußtsein entwickelt für das Leben vom letzten Tode bis zur Geburt; und durch den Einatmungsprozeß, der ebenfalls der Rumpforganisation angehört, hat der Mensch ein dumpfes Bewußtsein von dem Leben vom nächsten Tode bis zur neuen Geburt. Kurz, im Menschen weben die verschiedenen Bewußtseine durcheinander. Dies alles wird Sie darauf aufmerksam machen, daß wir es in dem ganzen Menschen. mit einer feingewobenen Organisation zu tun haben, und daß das, was man sich gewöhnlich vom Menschen sagt, was die Leute sich vom Menschen zur Klarheit bringen, eigentlich von der Gesamtwesenheit des Menschen nur ein ganz geringer Teil, nur das Allergröbste dieser Gesamtwesenheit ist.
[ 2 ] I said that to know man in reality, it is useless merely to keep to the track of the ordinary consciousness which predominates in him from waking to falling-asleep, for we must recognise that within it, other states of consciousness exist, dim and shadowy, to be fathomed only by looking at man in his threefold division of head, breast, limbs. Of course his whole being makes use of the head, on which depends the familiar form of consciousness; but we have established the fact that he has also, by means of his head, a dream-like consciousness which enables him to look back into his earlier earth-lives. In the same way we have found that the limb-man, but in conjunction with the whole man, unfolds a continual dream-consciousness of his next life on earth. What we bring forward in our Spiritual Science as a theory of “repeated earth-lives” already exists as a reality in the human soul. Dim and shadowy it is, but nevertheless a reality. Besides this, it was said that through the process of out-breathing, which belongs to the breast man, a similarly dreamy consciousness develops of the life between the last death and the present birth; and through the process of in-breathing, likewise belonging to the breast-man, a dim consciousness of the life to come after death until the next birth. In short, all these forms of consciousness interweave in man. Thus we see that in the whole an we have to do with a delicately-woven organisation, and that what is customarily dubbed man, what people visualise as man, is in fact only a very limited part of his whole being, and the coarsest part, at that.
[ 3 ] Nun ist aber der Mensch gerade dadurch ein so kompliziertes Wesen, daß er mit den verschiedenen Gliedern seines ganzen Wesens eingebettet ist in Welten, die ja dem gewöhnlichen Bewußtsein zunächst unbekannt sind, die dem gewöhnlichen Bewußtsein gegenüber übersinnliche sind. Was im Menschen so eingebettet ist in eine geistige Welt, was sich auch für ein gar nicht sehr verfeinertes Seelenleben eingebettet erweist, auch im gewöhnlichen Menschendasein, das durch die verschiedenen Erdenleben hindurch zu betrachten ist, das ist nun aber gar nicht so einfach. Und doch kommt man erst auf die Gesamtbedeutung des menschlichen Lebens, wenn man dieses ganze komplizierte Menschenwesen in seinem Durchgang durch verschiedene Erdenleben ins Auge faßt. Dieses feine Gewebe ist eigentlich namentlich für das heutige menschliche Anschauen — recht sehr verdeckt, maskiert. Von dieser Maskierung werden wir noch zu sprechen haben. Eigentlich kennt man meistens nur die Maskierung des Menschen; denn das, was aus der geistigen Welt herunterkommt, was gewissermaßen im physischen Menschen sein Haus aufschlägt und durch den Tod wieder in die geistige Welt hinaufsteigt, das kündet sich gar nicht in einer sehr groben Weise im Menschenleben an, sondern es geschieht vieles im Menschenleben, das so grob ist, daß eigentlich die Vorgänge, die dazu führen, daß der Mensch von Erdenleben zu Erdenleben geht, sich verbergen, sich maskieren. Wie kompliziert dieses Menschenleben ist, darauf kommt man, wenn man es über längere Zeiträume hindurch verfolgt. Und da bitte ich Sie, bei solchem Verfolgen durch längere Zeiträume davon ganz abzusehen, daß das, was ich hier zu schildern habe, wenn ich das wahre menschliche Seelenleben durch längere Zeiträume schildere, ja recht sehr abweicht von dem, was die äußere Geschichte erzählt. Warum das ist, haben wir schon öfter angedeutet. Wir wollen es grade bei dieser Gelegenheit später genauer besprechen.
[ 3 ] This complication comes about through man being embedded with his various members, in worlds which are unknown and “super-sensible” so far as the ordinary consciousness is concerned. What is embedded in this way in a spiritual world, and proves to be not by any mans a very delicate, refined soul-life—as we observe in ordinary human existence if we follow it through different earth-lives—that is not so simple. Yet the total significance of human life can be arrived at only by observing the complicated human being in his progress through various lives. For human vision of to-day, this intricate web is altogether veiled, disguised. (we shall speak further of this ‘disguise’) All that is known of a man, as a rule, is the disguise. For that which descends from the spiritual world, takes up its abode in physical man and re-enters the spiritual world at death, does not crudely advertise itself in human life; indeed, much that happens in human life is so crude that the process whereby man is led from one earth-life to another are hidden, disguised. An idea of the complication of human life is arrived at only by tracing it through long periods of time. And please observe that this tracing—what I have to tell you of the true course of human soul-life through long periods,—is widely removed from what outer history relates. The reason for this has often been pointed out. (We will speak of it more exactly later on.)
[ 4 ] Ein wichtiger Zeitraum — ich habe darauf schon vor einiger Zeit hingedeutet — in der Entwickelung der Gesamtmenschheit, namentlich unserer Kulturmenschheit des Abendlandes, ist der des 7. bis 8. Jahrhunderts vor dem Mysterium von Golgatha. Da ging mit den Menschenseelen, namentlich der abendländischen Kulturmenschheit, ein bedeutsamer Umschwung vor sich. Wir wissen, daß sich damals der dritte nachatlantische Kulturzeitraum in den vierten hineinverwandelte. Die Menschenseelen hatten früher, vor dem 7., 8. Jahrhundert, vorzugsweise den Charakter der Empfindungsseele. Sie bekamen damals den Charakter der Verstandesseele. Dann wieder war ein wichtiger Zeitumschwung im 15. christlichen Jahrhundert, also noch gar nicht so weit hinter uns; da bekam die menschliche Seele den Charakter der Bewußtseinsseele. Nun ändert der Charakter des Seelenhaften, den man bekommt, auch den Charakter des traumhaften Rückblickes in eine frühere Inkarnation. Fassen Sie nur einen Menschen zum Beispiel im Beginne des griechisch-lateinischen Kulturzeitraumes ins Auge, also im 3., 4. vorchristlichen Jahrhundert. Er lebte, wenn er eine normale Entwickelungsstufe erlangt hatte im Abendlande oder in einem angrenzenden Gebiete, mit dem Charakter der Verstandes- oder Gemütsseele. Aber das, was in ihm von früheren Erdenleben träumte, richtete sich ja auf diese früheren Erdenleben zurück, wo die Seele den Charakter der Empfindungsseele hatte. Allerdings verschwand im Laufe des vierten nachatlantischen Kulturzeitraumes allmählich die Fähigkeit, die wiederholten Erdenleben unmittelbar wahrzunehmen. Aber zahlreiche Menschen hatten sie; und die, die sie hatten, blickten so zurück, daß sie — wenn ich mich so ausdrücken daß — sich erblickten als Besitzer der Empfindungsseele. Verhältnismäßig groß war der Unterschied zwischen dem, wie die Menschen sich jetzt, also im damaligen Jetzt, vorkamen, und dem, was ihnen vor die Seele trat, wenn der Traum ihnen gegenständlich wurde: So warst du im früheren Erdenleben. — Dadurch unterschieden sich viele. Menschen in ihrer damaligen gegenwärtigen Inkarnation sehr stark von dem, was sie als ihre frühere Inkarnation erblickten. Weil sie sich in der damaligen gegenwärtigen Inkarnation. fühlten als Verstandes- oder Gemütsseele, hatten sie das Gefühl: Du warst Empfindungsseele in der früheren Inkarnation. — Was heißt das, das Gefühl haben, man ist Empfindungsseele in der früheren Inkarnation? Das haben die gegenwärtigen Menschen fast gar nicht mehr, können es nicht mehr haben, das rechte Gefühl: man ist Empfindungsseele, an das sich die Menschen in den ersten Jahrhunderten der vierten nachatlantischen Zeit noch recht lebhaft erinnerten. Die ägyptischen, chaldäischen Menschen in der dritten nachatlantischen Kulturperiode fühlten sich als Empfindungsseele. Sich als Empfindungsseele fühlen, bedeutet: Man weiß fast gar nichts davon, daß man ein denkender Mensch ist; man gibt gar nichts darauf, Gedanken zu haben, sondern man ist in dem fortwährenden lebendigen Gefühl, mit der Außenwelt, aber mit der geistdurchtränkten Außenwelt in einem Zusammenhang zu stehen. — Es ist außerordentlich schwierig, dieses Bewußtsein zu schildern, man sei eine Empfindungsseele, weil dieses Bewußtsein sinnenhaft ein so lebendiges ist, daß man eigentlich fortwährend fühlt: Man ist an den Stellen des Raumes, wo man durchgegangen ist, wie ein Schatten zurückgeblieben. Wenn man zum Beispiel auf einem Stuhl gesessen hat, im heutigen Sinne gesprochen, und man ist eine Weile gegangen, hat man das Gefühl: Da sitzest du noch lange. — Das Gefühl der Verbindung mit den äußeren Dingen war ganz lebendig. Vor allem hatte man eine vollständig klare, konkrete Anschauung von seinem Raumesbild fortwährend vor sich; auch ein Gefühl von seinem Raumesbild hatte man fortwährend vor sich. Weil dieses Raumesgefühl ein so starkes war, deshalb war auch die Lehre von der Wiederverkörperung, welche damals in bewußter Weise vorgetragen wurde, eine so intensive; denn die Menschen hatten, indem sie zurückschauten, indem ihnen dieses Träumen von den früheren Erdenleben bewußt wurde, ein lebendiges Bild von ihrem Raumesmenschen. Sie sahen sich förmlich, wie sie da waren in verschiedenen Situationen.
[ 4 ] One important epoch in the development of humanity—particularly of Western civilised humanity—comprises the seventh and eighth centuries before the Mystery of Golgotha. Just then, a rapid, significant change took place in human souls, especially those of Western civilisations. We remember that this was the time when the third post-Atlantean epoch gradually changed into the fourth. Before this particular period, (700 or 800 B.C.) the characteristics of the sentient soul were most conspicuous in humanity; afterwards, those of the intellectual soul were acquired. In the fifteenth century after Christ, not so very far behind us, there was again an important turning point, when the stamp of the consciousness-soul became apparent. Different soul-qualities were acquired; there was also a difference in the dreamlike retrospect into an earlier incarnation. For instance, at the beginning of the Graeco-Latin civilisation, in the third fourth century B.C., a man of normal development in the West, or thereabouts, manifested the qualities of the intellectual or mind-soul. Yet his “dream” was concerned with an earlier earth-life in which the characteristics were those of the sentient soul. To be sure, in the course of the fourth Post-Atlantean period the faculty of directly perceiving repeated earth-lives gradually disappeared, but it remained with a good many people, and those who had it looked back to see themselves as “possessors of the sentient soul”. There was a comparatively great difference between what man met within himself at that particular time, and what he saw when the retrospective dream became objective to him, and he realised: “That is what I was in my last earth-life”. Many people saw that they differed widely in their present incarnations from what they had been in the last. Because in their then incarnation they felt according to the intellectual or mind-soul, they realised that they had been sentient-soul beings in their earlier life. What did it mean to have this feeling: “I was a sentient-soul in the last incarnation”? It is an impossible feeling for present-day man, but in the early centuries of the fourth post-Atlantean period man could still remember it vividly. In the third epoch, the Egypto-Chaldean, it was the normal thing to experience—and it means that man was unaware that he was a thinking being. To have thoughts meant nothing to him; but he had an unbroken, vital feeling of standing, in connection with the outer world—an outer world entirely steeped in spirit. It is extremely difficult to describe this sentient-soul consciousness, because it was so vivid to the senses that really a man continually felt himself remaining behind as a shadow in each par; of space through which he had passed, For instance, as we should express it, to have sat on a chair and left it for a time, produced the feeling, “I am still sitting there”. The feeling of union with outer things was very vivid. Above all, a complete, clear view of one own spatial form was continually present, and the corresponding feeling of that form. The strength of this feeling made the teaching of reincarnation, at that time consciously given, very powerful; for looking back, a man saw a vivid image of his spatial form in the dream of his earlier earth-life. His veritable self appeared, as it had been in many different circumstances.
[ 5 ] Dieses lebendige Schauen seiner selbst ist im Laufe der vierten nachatlantischen. Kulturperiode verlorengegangen. Dadurch ist der Mensch auch nicht mehr fähig gewesen, eine starke Kraft aufzubringen, um nun überhaupt das zu erfassen, was als traumhafte Erinnerung an früheres Erdenleben in ihm vorhanden ist, namentlich deshalb, weil später die Menschen, die wiedergeboren wurden, in diesem Traum, durch den sie sich an frühere Erdenleben erinnerten, sich ja nicht an eine so lebendig anschauende Empfindungsseele erinnerten, sondern an eine Verstandes- oder Gemütsseele, die ohnedies nicht sehr gegenständlich ist, die etwas Verschwommenes, etwas Innerliches ist. Das kann der Mensch nicht so erfassen. Daher hörte das Bewußtsein von früheren Erdenleben allmählich ganz und gar auf. Aber im Laufe des fünften nachatlantischen Kulturzeitraumes wird dieses Bewußtsein der wiederholten Erdenleben in einer ganz bestimmten Weise wieder auftreten. Und niemand versteht eigentlich die Entwickelung der Menschheit, der solche Wahrheiten nicht durchschaut, wie wir sie jetzt vor unsere Seele treten lassen.
[ 5 ] This living vision of himself was lost to many during the fourth post-Atlantean epoch. -Man became incapable of producing a force strong enough to grasp what was present in him as dream-like remembrance of a former earth-life—chiefly because men who reincarnated later, did not, in this dream of earlier earth-lives, remember the sentient soul, but an intellectual mind-soul, destitute of this vision, vague and inward and not objective. Man could not grasp its the consciousness of earlier earth-lives entirely ceased. In a quite definite way it will come back in the fifth post-Atlantean epoch, and no one can truly understand human development without taking account of such truths as these.
[ 6 ] Was in der Menschheit auftritt, das tritt auf den verschiedensten Gebieten unserer Erde in verschiedener Weise auf. Ich habe öfter darauf hingedeutet, daß in der Zukunft wieder ein Zeitpunkt zu erwarten ist, und ganz besonders bedeutsam wird er sich im 3. Jahrtausend zeigen, wo niemand wird ohne einen gewissen Rückblick an frühere Erdenleben sein können, und namentlich nicht ohne ein deutliches Bewußtsein, daß er künftige Erdenleben haben kann. Aber gerade dieses Bewußtsein wird in verschiedener Weise auf verschiedenen Gebieten der Erde auftreten, und das zu verstehen, ist außerordentlich wichtig.
[ 6 ] What arose in humanity was to be found under varied forms in the most diverse regions of the earth. As I have often pointed out, we must expect that in the future there will again be a time—and it will manifest with particular significance in the third millennium when it will be impossible for anyone not to possess a certain power of looking back into earlier earth-lives, and more especially also a clear realisation that there are more lives to come. This particular consciousness will appear in varied forms in different regions, a fact which it is specially important to understand.
[ 7 ] Wir wollen einmal die großen Gebiete, auf denen das verschieden auftreten wird, ins Auge fassen: Die Gebiete des Ostens, im Osten von Europa schon deutlich beginnend und dann nach Asien sich forterstreckend, also das Gebiet des Orients; und dann wollen wir das Gebiet des europäischen Westens und das Amerikas besonders dabei ins Auge fassen. Auf beiden Gebieten bereitet sich in verschiedener Weise diese künftige Fähigkeit vor, wiederholte Erdenleben ins Auge zu fassen, Im Westen weiß man in eingeweihten Kreisen dies schon ganz genau, und das Bedeutsame des Westens besteht gerade darin, daß man mit okkulten Fähigkeiten rechnet und diese auch im äußeren Leben zu betätigen gedenkt. Wer dies nicht in Betracht zieht, versteht die Entwickelung des Westens und den ganzen Einfluß des Westens auf die Geschichte der Menschheit sehr schlecht. Gerade die wichtigsten Dinge, die im Westen geschehen, die namentlich von der angloamerikanischen Menschenrasse ausgehen, geschehen unter dem Einfuß von geheimeren, intimeren Kenntnissen des Menschheitsgeschehens als solchen. Wenn man schildert, um was es sich bei diesen Dingen handelt, kommt man natürlich bald eigentlich in die Gefahr, paradox sprechen zu müssen, weil man Dinge schildern muß, von denen sich der gescheite Mensch — er ist ja immer gescheit und klug! sagt: Ja, warum wissen das die Eingeweihten nicht? — Aber Sie bräuchten nur zu bedenken, daß ich Ihnen von Luzifer und Ahriman. allerlei erzählen muß, was die tun, fühlen, namentlich was sie getan haben, und da kommt dann der Mensch und meint, er wäre gescheiter gewesen als Luzifer und Ahriman und hätte nicht das gemacht wie das Zurückbleiben und so weiter. Dergleichen muß man nur richtig ins Auge fassen. Man kann gewisse Dinge tun, gerade weil man in einer gewissen Weise gescheiter ist als der Mensch.
[ 7 ] Let us consider the main regions where this will come about in various ways: the great oriental region, stretching from Eastern Europe, into Asia, and then the occidental region, including Western Europe and America. The capacity of the future for perceiving repeated earth-lives is germinating differently in these two regions. In the West it is already clearly recognised in initiated circles, and the significant thing in the West is that occult capacities are reckoned with, and their employment in outer life is contemplated. To omit this from consideration shows a very indifferent understanding of the development of the West and its whole influence on the history of mankind. Precisely the most important things in the West, the occurrences due principally to the Anglo-American race, happen under the influence of mysterious inner knowledge such as this. To describe the things in question is apt to land us in paradox, because they are things of which the shrewd observer (he always is so shrewd and clear-sighted!) says: “Well, why do not the initiates know that?” We need only recollect what I have told you of the activities of Lucifer and Ahriman, in the past and present, what they do and feel and specially what they have done; yet people think themselves cleverer than they, and claim that they themselves would have avoided “remaining behind”, etc. A correct view of such things is necessary. Certain things can be done by those who are cleverer than man.
[ 8 ] Im Westen namentlich macht sich aus gewissen geheimnisvollen Untergründen heraus die Tendenz geltend, die wiederholten Erdenleben zu bekämpfen. Ein Kampf gegen die wiederholten Erdenleben | der Zukunft macht sich in gewissen sehr eingeweihten Kreisen der anglo-amerikanischen Rasse geltend. Das ist das Paradoxe, .das man dabei zu sagen hat. Man will es in einer gewissen Weise von gewissen geistigen Zentren aus im Westen dahin bringen, daß solche wiederholten Erdenleben — also solches regelmäßiges Leben zwischen Geburt und Tod, dann wieder zwischen dem Tode bis zur nächsten Geburt und dann wieder zwischen Geburt und Tod — allmählich aufhören. Man will letzten Endes eine ganz andere Einrichtung des Menschenlebens bewirken, und es gibt Mittel, durch welche eine solche andere Einrichtung bewirkt werden kann. Was man will, ist nämlich das Folgende: Man will die Menschenseele durch eine gewisse Schulung, durch eine gewisse Verleihung von diesen oder jenen Kräften in einen solchen Zustand versetzen, daß sie sich nach dem Tode immer verwandter und verwandter fühlt mit den irdischen Verhältnissen, mit den irdischen Kräften, daß sie einen gewissen starken Hang zu den irdischen Kräften — natürlich zu den geistig-irdischen Kräften — bekommt, und daß sie dann nach dem Tode von den irdischen Regionen möglichst wenig weggeht, sehr nahe den irdischen Regionen bleibt, dadurch nach dem Tode einen gewissen Einfluß auf die irdischen Regionen behält und dadurch aber, daß sie den irdischen Regionen nahe bleibt, daß sie gewissermaßen als gestorbene Seele mit den irdischen Regionen fortlebt, auch der Notwendigkeit enthoben ist, wiederum wirklich in einen physischen Körper hineinzukommen. Nach einem merkwürdigen Ideal strebt die anglo-amerikanische Rasse: nicht mehr in irdische Körper zurückzukehren, aber mit den Seelen einen immer größeren und größeren Einfluß auf die Erde zu haben, mit den Seelen immer irdischer zu werden. — Auf diese Weise also strebt sie nach einem Ideal, daß sie das Leben hier auf der Erde und das Leben post mortem, das Leben nach dem Tode, ähnlich macht. Dies wird erreicht — jetzt nur bei denjenigen, die nach dieser Richtung geschult werden, aber es wird immer mehr und mehr allgemein üblich werden, solche Schulung anzugeben —, es wird dadurch erreicht, daß man ein viel größeres, stärkeres Erdegefühl im Menschen erweckt, als das sogenannte normale ist. Würde nun während der lemurischen und der atlantischen Zeit nicht ein gewisser luziferischer und ahrimanischer Einfluß auf den Menschen sich geltend gemacht haben, so würde des Menschen Seele heute sich weniger verwandt fühlen mit dem physischen Leibe, als sie sich schon mit ihm verwandt fühlt. Das würde so zum Ausdruck kommen, daß es zahlreiche Menschen gäbe die meisten Menschen würden so sein —, die ihren Leib schon wie zur Erde dazugehörig betrachteten, die empfinden würden: Du lebst in deinem Leibe drinnen. —, ähnlich so, wie man heute empfindet: Du gehst auf dem festen Erdboden herum. — Wir rechnen heute vermöge des luziferischen Einflusses unseren Körper ganz nahe zu uns, die Erde nicht. Von der Erde sagen wir, sie sei außer uns. Aber unseren Körper rechnen wir nahe zu uns. Von einem gewissen höheren spirituellen Gesichtspunkte aus sind wir gerade so außerhalb unseres Leibes, auch im Wachen, wie wir außerhalb der Erde sind. Wir treten gewissermaßen nur mit unserer Seele auf unserem Gehirn auf; dadurch ist es die Widerlage unseres Denkens. Das weiß man heute nicht _ wegen des luziferischen und ahrimanischen Einflusses. Wäre dieser nicht gewesen, dann würden wir uns als Seelen viel fremder unserem Leibe fühlen; wir würden ihn wie einen Hügel auf der Erde betrachten, allerdings als einen beweglichen, auf den wir uns stützen, so wie wir uns sonst auf Sandhügel stützen.
[ 8 ] There is apparent in the West, from certain mysterious depths, a tendency to oppose the teaching of repeated earth-lives. An opposition to it as regards the future is noticeable in certain very enlightened circles amongst the English and Americas . That is the paradox to be noted. It is desired in certain spiritual centres in the West to cause the gradual cessation of these repeated earth-lives, alternating between birth and death, death and rebirth, so that in the end a quite different arrangement of man's life may be brought about—and means do exist for achieving such a purpose. The object is this: through a certain schooling, a certain acquisition of forces, to transpose certain human souls into a condition in which, after death, they feel themselves more and more akin to the conditions and forces of the earth, acquiring almost a mania for the earth-forces—of course those of a spiritual nature—quitting the neighbourhood of the earth as little as possible, remaining in close proximity to it, and by means of this nearness hoping to live on as “the souls of the dead” around the earth, exempt from the necessity of again entering physical bodies. The Anglo-American race is striving after a remarkable and strange ideal: no longer to return into earthly bodies, but through the souls of the living to have an ever greater influence on the earth, becoming, as souls, more and more earthly. All efforts are thus to be directed to the ideal of making life here on earth and life after death similar to one another. Thus will be attained—in our day only by those instructed according to this rule, which will become more and more the prevailing custom—as immeasurably greater, stronger, attachment to the earth than the recognised “normal” one. But for the Luciferic and Ahrimanic influence on humanity jn Lemurian and Atlantean times, the human soul would feel itself less intimately connected with the physical body than it does to-day. This would have been shown by the fact that numerous people, (indeed the majority of mankind), would have regarded their bodies as belonging to the earth, and would have felt, “I live within my body”, in the same way as we to-day experience, “I walk on the solid Earth”. Thanks to the Luciferic influence, we feel our bodies nearer to us than the Earth. We say that the earth is “outside us”, but we reckon our bodies as part of ourselves. From a certain lofty spiritual point of view, we are just as much outside our bodies, even in waking, as we are outside the earth. In a sense our soul only ‘stands’ upon the brain; the brain is the ‘floor’ for our thinking. This is no longer recognised because of the effect of the Luciferic and Ahrimanic influence. Had there been no such influence, we should have felt ourselves as souls, more alien to the body; we should have regarded it as a sort of movable hillock, on which we supported ourselves, just as we do on a heap of sand.
[ 9 ] Dies machen gewisse Kreise des Anglo-Amerikanismus zu einer praktischen Weisheit. Sie bilden gerade diejenigen Empfindungsfähigkeiten des menschlichen Leibes besonders aus, welche das, was ich jetzt ausgesprochen habe, dieses Gebundensein des Menschen an den Leib, noch verstärken, indem dazu Kräfte kommen sollen, die nun nicht bloß im Leibe sind, sondern den Leib mit der Erde verbinden. Durch besondere Übungen sollen die Menschen dieser angloamerikanischen Rasse allmählich ein starkes Gefühl davon bekommen, daß ihr Leib zur Erde dazugehört. Sie sollen nicht nur fühlen: Ich bin mein Arm, ich bin mein Bein —, sondern sie sollen auch fühlen: Ich bin auch die Schwerkraft, die durch meine Beine geht; ich bin auch das Gewicht, das meine Hand, meinen Arm belastet. — Es soll ein starkes physisches Verwandtschaftsgefühl zwischen dem menschlichen Leib und den irdischen Elementen anerzogen werden. Dieses starke Verwandtschaftsgefühl zum physischen Leibe und den irdischen Verhältnissen ist heute in der Tierreihe besonders stark bei gewissen Gattungen der Affen vorhanden. Die haben es, das ist eigentlich ihr Seelenleben. Da kann es auch physiologisch-zoologisch studiert werden. Was da vorhanden ist, das kann man nach und nach in ein System der Menschheitserziehung bringen; man muß nur immer mehr und mehr die grobe Verwandtschaft des Menschen mit der Natur in ein System der Körpererziehung bringen. Man kann dadurch — und ich will damit weder schimpfen noch etwas besonders Kritisches zum Ausdruck bringen, sondern nur Tatsachen hinstellen —, man kann dadurch eine Art praktischen Darwinismus treiben, daß man den Menschen verwandter macht mit dem, was ihn mit der Erde verbindet. Man kann den Menschen in einer gewissen Beziehung «veraffen». Das ist die praktische Gegenseite. Sie wird scheinbar instinktiv, aber doch wohlgeleitet in der besonderen Form des Sportwesens und ähnlicher Dinge, im hohen Grade kultiviert. Diese Kultivierung aber bindet gerade die Seele dadurch, daß sie eingegossen wird in die physischen Verwandtschaftsgefühle mit dem Irdischen, an die Erde, und dadurch wird das bewirkt, was ich vorhin als ein spirituelles Ideal hingestellt habe. Dadurch werden gewissermaßen diese fortwährenden Wechselzustände zwischen geistigem Leben und physischem Leben überwunden, und nach und nach wird das Ideal verwirklicht werden: in den zukünftigen Perioden der Erdenentwickelung als eine Art Gespenster zu leben, die Erde als eine Art Gespenster zu bewohnen. In dieser Beziehung ist es außerordentlich interessant, daß dieses Ideal vorzugsweise nur in der männlichen Bevölkerung kultiviert werden kann, und daher wird trotz aller äußerer politischer . Bestrebungen — die ja scheinbar das Gegenteil wollen, aber in Wirklichkeit will man ja in tieferer Beziehung oftmals mit dem, was man äußerlich politisch will, innerlich etwas ganz anderes —, es wird in der anglo-amerikanischen Kultur ein immer größerer Gegensatz eintreten zwischen dem Mannestum und dem Frauentum. Was anglo-amerikanisches Geistesleben ist, das wird im wesentlichen durch das Frauentum auf die Nachwelt kommen; während das, was in männlichen Körpern leben wird, solchen Idealen zustreben wird, wie ich es geschildert habe. Das wird auch der Zukunft der anglo-amerikanischen Rasse die Konfiguration geben. Sie wird eine solche Konfiguration bekommen, die dem entspricht, was ich geschildert habe.
[ 9 ] In certain Anglo-American circles this is organised into a science. They cultivate especially the powers of perception belonging to the body which strengthen the subjection of man to the body, through the incoming of forces not belonging entirely to the body but binding it to the earth. Various practices are intended to bring home vividly to the man of this race that his body belongs to the earth. He is to feel not only, “I am my arm, my leg”, but “I am also the force of gravity passing through my limbs; I am the weight which encumbers my hand or arm”. A strong physical sense of relationship between the human body and the earthly elements is to be acquired. This strong feeling of relationship between the creature in the physical body and the earth exists to-day in certain species of apes, which have it as their soul-life. In them it can be studied physiologically and zoologically. What is present there can be gradually formed into a “system of instruction for human beings”; all that has to be done is to develop the coarse side of relationship with nature into a system of bodily education. (In saying this I am neither railing nor criticising; I am merely stating facts.) Thus it will be possible to bring about a sort of practical Darwinism, intensifying the relation of man to what binds him to the earth in a certain sense, to “monkiyfy” him. That is the practical side. It will be pursued through the intensive cultivation—ostensibly instinctive but in fact carefully directed—of sports and such-like things. This fetters the soul, drawing it into a sense of kinship with the earthly, with the earth itself, and so a spiritual ideal such as I have described is set up. By this means the continuing alternation of spiritual life and physical life will be overcome, and by degrees the ideal will be realised of living in future periods of earth-evolution as a kind of “phantom”; of dwelling on earth in this guise. A very interesting point is that this ideal can be appropriately followed only by the male population, and hence, in spite of all political endeavours, an increasing difference between men and women will arise in Anglo-American civilization (Political endeavours certainly seem to be aimed in the opposite direction, but in the inner depths of their being men often want something quite different from what they are pursuing by political means.) Anglo-American spiritual life will in essence descend to future ages through woman; while that which lives in male bodies will strive towards such an ideal as I have described. This will set the pattern of the future Anglo-American race .
[ 10 ] Wenn wir nun nach dem Osten schauen, so haben wir da ein völlig anderes Bild. Und nach dem Osten zu schauen, geziemt den heutigen Menschen Mitteleuropas sehr wohl; denn das, was sich im Osten Europas entwickeln wird, ist heute vollständig maskiert, vollständig unterdrückt eigentlich. Was sich augenblicklich im Osten Europas festgesetzt hat, ist natürlich das Gegenteil von dem, was sich aus dem Osten Europas herausentwickeln muß. Denn was sich zum Beispiel im sogenannten Großrußland festgesetzt hat, ist der Kampf gegen jegliches Geistesleben, ist der Kampf gegen alle geistigen Grundlagen der Menschheit, während gewisse geistige Grundlagen der Menschheit gerade im Osten zur Entwickelung kommen sollen. Und unsere Zeit ist ja wenig geneigt, die Augen wirklich aufzumachen und den Verstand wachen zu lassen in bezug auf das, was geschieht. Man läßt alles schlafend an sich vorübergehen, obwohl es durchaus notwendig wäre gerade in unserer Zeit, sich Urteilsfähigkeit anzueignen über das, was in unserer Zeitgenossenschaft geschieht. Menschen wie Lenin und Trotzki müßten schon von unseren Zeitgenossen beurteilt werden können, müßten so beurteilt werden können, daß man in ihnen größte, intensivste Feinde der wahren geistigen Entwickelung der Menschheit sehen könnte, wie sie selbst nicht zur Zeit des immer als so abscheulich geschilderten römischen Cäsarentums da waren und auch nicht zur Zeit der vielberüchtigten Renaissancehelden. Die Borgias zum Beispiel sind vor dem historischen Geschehen in bezug auf die Bekämpfung des Geistigen wahre Waisenknaben gegenüber dem, was in solchen Menschen wie Lenin und Trotzki steckt. Das sind Dinge, die durchaus dem heutigen Menschen entgehen, aber es ist schon notwendig, daß man manchmal auf solche Sachen aufmerksam macht. Denn auf eines müßte man ja eigentlich die Seelen heute hinlenken. Diese vier Jahre sollten die Menschen gelehrt haben, daß die alte Geschichtslegende, die sich in so vielen Redensarten ausgeprägt hat, nicht weiter bestehen sollte. Es sollte sich einmal das Urteil festsetzen, daß gegenüber den Ereignissen der Gegenwart jene Prägung, die das römische Cäsarentum oder die Renaissancegeschichte bekommen haben, fortan «Pensionsmädelgeschichten» genannt werden sollte; und wer bei den Pensionsmädelgeschichten stehenbleiben will, der braucht sich nicht korrigieren zu lassen von dem, was man heute wachend zur Beurteilung der neuen Vergangenheit lernen kann. Will man also auf das sehen, was sich im Osten vorbereitet, dann muß man natürlich darauf achten, daß sich das recht sehr dem schlafenden Menschengeschlecht eigentlich verbirgt, sich viel mehr verbirgt, als es sich vor einiger Zeit verborgen hat, da man den Osten mehr nach seinen geistigen Schöpfern beurteilt hat, in denen man immerhin manches sehr Richtiges von dem findet, was man nennen kann: Ansätze zu einem wirklichen Verständnis des europäischen Ostens. Dieser europäische Osten wird allmählich — allerdings in einer noch nicht sehr nahen Zukunft — Menschen erzeugen, die auch einen Überblick über die wiederholten Erdenleben ausbilden werden, aber in einer andern Weise, als ich es beim Westen geschildert habe. Im Westen ist es eine Art Kampf gegen die wiederholten Erdenleben, was sich geltend machen wird; im Osten wird es sein ein Akzeptieren, ein Aufnehmen der Wahrheit von den wiederholten Erdenleben. Es wird in diesem Osten eine Sehnsucht sein, die Menschenseelen so zu erziehen, daß sie auf das aufmerksam werden, was in ihnen lebt nicht nur zwischen Geburt und Tod, sondern was da lebt von Erdenleben zu Erdenleben. Man wird in der Erziehung auf gewisse Dinge hinweisen, die gerade diese östlichen Menschen hervorragend stark erleben werden. Man wird schon die Kinder darauf hinweisen, daß im Menschen etwas steckt, was gefühlt, empfunden werden kann, und was sich nicht in dem Leben des Leibes erschöpft. Man wird dem jungen Menschen von seiten des älteren erzieherisch folgendes klarmachen. Man wird ihm sagen: Fühle dich einmal, was fühlst du in deiner Seele? — Indem man ihm diese Frage in der verschiedensten Weise da formulieren wird, wird er darauf kommen: Ich fühle, als ob etwas da wäre; es ist etwas hineingekommen in meinen Leib, es ist schon früher auf der Erde dagewesen, ist durch den Tod durchgegangen und wird später wieder kommen; aber es ist mir ein ganz dumpfes Gefühl. — Versuche weiter dahinterzukommen: Wie stellt sich dieses dumpfe Gefühl zu deinem andern Seelenleben? — so wird man diesem jungen Menschen weiter erzieherisch beizukommen versuchen. Und unter den verschiedenen Formulierungen der Frage — man wird dann die rechte schon finden — wird er dahinterkommen und sagen: Was ich da fühle, was immer wieder leben wird, das ist etwas, was mein Denken zerstört; das will mich nicht denken lassen, das will mir die Gedanken töten. — Und das wird ein sehr wichtiges Gefühl sein, das aufgehen wird und heranerzogen wird, aber als etwas Natürliches heranerzogen wird bei den Menschen des Ostens. Ein Gefühl werden sie bekommen, daß in ihnen etwas steckt, was von Leben zu Leben geht, was aber so, wie sie als Erdenmenschen sind, ihnen das Denken benimmt, es betäubt, es ihnen leer macht, abtötet: Ich kann nicht recht denken, es verdumpft sich mein Denken, wenn ich gerade das Tiefere in meinem Menschen fühle; dieses Tiefere in meinem Menschen begräbt mir mein Denken; ich fühle etwas in mir, was mein Ewiges ist, aber ich fühle es fast wie einen innerlichen Mörder meiner Gedanken.
[ 10 ] If now we look at the East, we have an entirely different picture. Modern man may well look towards the East, for what is to develop in Eastern Europe is at present entirely hidden and suppressed. What for the moment has taken root there is of course the reverse of what has to come about. In Russia there is a battle against spiritual life of any kind, against any spiritual foundations for humanity, although it is just in the East that some of these ought to be laid. We are nowadays little inclined to open our eyes and rouse ourselves to an understanding of what is happening. We sleep and let things pass over us, although it is absolutely necessary—in our day particularly—to exercise our power of judgment concerning what is going on. Men such as Lenin, and Trotsky should be seen by their contemporaries as the greatest, bitterest enemies of true spiritual development, worse than any Roman Emperor, however atrocious, or the notorious personages of the Renaissance. The Borgias, for instance, are proved by historical events as far as the conflict with the spiritual is concerned to have been mere babes compared with Lenin and Trotsky. These are things which people do not observe to-day, but it is necessary sometimes to draw attention to such matters. For one thing surely should attract the attention of our souls—these four years (of war) should have taught us that the old history-myth, elaborated in so many forms, is no longer tenable. Once and for all it should by recognised that in the light of present events the tales about the Roman Empire of the Renaissance are worth no more than “school-girl fiction”, and anyone who clings to them is incapable of being corrected by what can be learnt through awakening to a real estimate of recent events. Something escapes the notice of sleeping mankind—escapes it more now than it did a short time ago, when the as was judged more by its spiritual creations, for in them one could find a true indication of what might be called the elements of a real understanding of Eastern Europe; and if we are to look into what is preparing over there we must take account of this. This region—Eastern Europe—will, although not in the very near future, produce people who will cultivate a survey of repeated earth-lives, although in a different way from the West. In the West a sort of battle against such an idea will be fought, but in the East, there will be an adoption, a reception, of this truth. There will be a longing so to educate human souls that they will become attentive to what lives within them not only between birth and death, but between one earth-life and another. During this training certain things will be pointed out which these Eastern people will experience with peculiar force. Even to children it will be explained that man possesses something—something he can feel and experience—which is not accounted for by the life of the body. Older people will make the following clear in teaching the young; they will say, “Now notice; what do you feel in your soul”? When this question is put to him in various ways, the pupil will have the idea: “I feel as if something were there; something has entered my body which was on earth long age, went through death, and will come back again some day—but it is a very dim feeling.” Then, bringing it home more closely to the pupil: “Try to explore further behind this: What relation does your dim feeling bear to the rest of your Soul-life?” And the pupil, going behind the various forms of the Question (of which the right one will certainly be found) will say: “What I feel, what is destined to live again, is something which destroys my thinking; it will not let me think, its aim is to slay my thoughts”. This will be a very important feeling, arising and being inculcated as a natural thing in Eastern people. They will acquire a feeling of something within, which endures from life to life, yet deprives them, as earthly-beings, of thought; it benumbs them, renders them empty, deadens them. “I cannot think correctly; thought grows blunter when I feel the depths of my human nature; this part of me entombs my thought; although I feel something within me which is eternal, I possess it as a sort of inner murderer of my thought”.
[ 11 ] Das wird so ein Gefühl sein. Unter den mancherlei psychisch außerordentlich interessanten Dingen, welche die Welt aus dem Osten noch erfahren wird, wird auch dieses sein. Und mir kommt vor: Die, welche den Osten nur hinsichtlich seiner Kunst und Literatur betrachtet haben, die werden finden, daß sich solche Dinge eigentlich schon angekündigt haben. In Dostojewskis Schriften ist man nicht ferne solcher Ankündigung, wo die Menschen nach ihrem Besten, ihrem Vorzüglichsten streben; aber wenn sie dahinterkommen, fühlen sie etwas wie einen innerlichen Mörder, einen innerlichen Totengräber ihrer Gedanken. Das ist deshalb, weil sich dort in einer ganz besonderen Form die Bewußtseinsseele ausleben muß, und sie ist von allen Gliedern des menschlichen Seelenlebens, wie ich sonst schon ausgeführt habe, am meisten an die Erde gebunden. Und indem es der Zukunft zugeht und die Seele die Fähigkeit fühlt, die wiederholten Erdenleben zu empfinden, wird sie nicht so fühlen, wie man in der vorchristlichen ‚Zeit, etwa im alten Griechenland gefühlt hat, wo man die Empfindungsseele in aller Lebendigkeit gesehen hat; nein, man fühlt dann auch allmählich die Verstandes- oder Gemütsseele als etwas weiter Zurückliegendes und als das unmittelbar Abtötende der Gedanken.
[ 11 ] That will be the feeling. Among all exceptionally interesting psychic things which the world has yet to learn from the East, will be this; and it occurs to me that those who have concerned themselves with the East if only in the domain of its art and literature, will find that indications of such things are already there. In Dostoevski's writings such indications are not lacking, where men strive towards the best and highest within them, only to find an inner murderer of their thoughts. The cause is the coming to fruition in a quite special form of the Consciousness soul, the most earth-bound of all the members of the human soul. As time goes on, and the soul feels the capacity for experiencing its repeated earth-lives, it will not feel as in ancient Greece in the days before Christ, when the sentient-soul was seen in all its vividness; no, the Intellectual soul or mind-soul will gradually be felt as something lying further away behind, and as the direct killer of thoughts.
[ 12 ] Und dann wird die Erziehung weitergehen. Diese Seelen werden sich vorkommen wie ein innerliches Grab ihrer eigenen Wesen, aber ein Grab, wodurch Platz gemacht wird für die Offenbarung der geistigen Welt, und das wird das nächste Gefühl sein, welches ich jetzt folgendermaßen charakterisieren will. Die Seelen werden sich sagen: Wahr ist es, wenn ich mein Ewiges, das von Leben zu Leben geht, so recht empfinde, so ist es, wie wenn es meine Denkanstrengung tötet; mein Denken wird beiseite geschafft, aber Götterdenken strömt ein und breitet sich über dem Grabe meiner eigenen Gedanken aus. Das Geistselbst kommt; die Bewußtseinsseele tritt in das Grab, und das Geistselbst tritt auf diese Weise auf. — Ich schildere jetzt nicht mehr bloß schematisch: Da ist einmal die Bewußtseinsseele, dann kommt das Geistselbst —, sondern ich möchte Sie hineinführen in die menschliche Seele, wie es sein wird, wenn das Ich den Übergang von der Bewußtseinsseele zum Geistselbst allmählich empfinden wird. Ich möchte zeigen, wie es im Osten aufgeht und wie dort empfunden werden wird: Das Ewige ist auf der Erde einmal so geworden — was hier ja seit der griechisch-lateinischen Zeit im Abstieg ist —, daß das gewöhnliche Denken, das nur aus dem Menschen hervorquillt, gestört wird durch das Ewige im Menschen; man wird leer, aber man wird nicht umsonst leer: in die Leere hinein kommt allmählich die neue geistige Offenbarung, und zuerst in der Form, daß sie sich in der Menschenseele ausbreitet als das Geistselbst.
[ 12 ] The training; will go further. These souls will seem to themselves as an inner tomb for their own being, yet a tomb through which the way will be made clear for the manifestation of the spiritual world, and this is the next feeling I will describe. They will say: “It is true: when I experience my immortal part which goes from life to life, it is as though my thought-effort died; my thinking will be put aside, but Divine thought streams in and spreads over the tomb of my own thoughts.” Thus the Spirit-Self arises: the Consciousness or Spiritual Soul descends into the grave. No diagram is needed here—the Consciousness Soul is superseded by the Spirit Self—but I want to show how it will be for the human soul when the ego experiences the gradual transition from the one to the other. In the East this experience will be like this: “The Eternal has so developed on earth—(descending ever since the Graeco-Latin epoch)—that ordinary thought, which springs only from the human side, is disturbed by it. Man becomes empty, yet not for nothing: into the void gradually flows the new manifestation of the spirit, in its infant form of the Spirit-Self, filling the soul of man.
[ 13 ] Solche Dinge vollziehen sich nicht ohne bedeutsame innere Seelendramatik, Seelentragik. Unzählige Menschen werden gerade im Osten tiefe innere Seelentragik, tiefes inneres Seelenleiden dadurch erfahren, daß sie spüren werden: Mein innerer Mensch tötet mir meine Gedanken. — Und eine gewisse Müdigkeit, eine gewisse Dumpfheit wird die Menschen überkommen, weil gerade das, was sie als das Ideal empfinden, den Menschen zu suchen, ihnen nicht irgendeine Befreiung bringt auf den ersten Schritt hin, sondern eher etwas wie eine Erdumpfung, eine Abtötung, eine innerliche Ermüdung.
[ 13 ] Dramas of the soul, tragedies of the soul, necessarily accompany the achievement of such a development. In the East many a man will endure deep inner tragedy and suffering, because he discovers: “My inner being kills my thought”. Those who seek the ideal humanity, because the first step brings no freedom, will succumb to something akin to inner weariness, deadening, dimness.
[ 14 ] Daß auf diese Verhältnisse objektiv gesehen werden könne, so gesehen werden könne, daß man sie versteht, daß man Orientierung in ihnen hat, dazu eigentlich ist die mitteleuropäische Menschheit da. Die erfüllt nur dann ihre Aufgabe, wenn sie wirklich auf solche Verhältnisse hinsieht. Zu diesem Ziele aber muß sich die mitteleuropäische Menschheit wieder an das erinnern, was ich in meinem Buche «Vom Menschenrätsel» eine vergessene Strömung des Gedankenlebens, des Geisteslebens genannt habe. Es ist schon sehr, sehr wichtig, daß das, was heute zum großen Teile vergessen ist, was als geistige Verständniskraft in bezug auf die ganze Welt einmal da war, gerade in Mitteleuropa wieder begriffen werde. Wer weiß heute, welches grandiose Verständnis für alle Menschheitskultur solche Persönlichkeiten aufgebracht haben, wie zum Beispiel Friedrich Schlegel eine ist? Wer weiß heute, welche tief bedeutsamen Einblicke in die Menschheitsentwickelung Geister aufgebracht haben wie Schelling, Flegel, Fichte? Man redet besonders heute viel von Fichte. Es ist unnötig zu erwähnen, daß die, welche am meisten von solchen Geistern reden, am wenigsten von ihnen verstehen. Und gar jene Belebung des Verständnisses, welche möglich wäre, wenn man im echten, wahren Sinne des Wortes von Goethes Geistesart durchdrungen wird! Dazu ist aber vieles notwendig. Es ist heute noch nicht einmal so bedeutsam zu erwähnen, daß schon heute zu Goethes Geistesart zurückgekehrt werden müßte, aber wichtig ist es, zu erwähnen, daß man uns in der Welt falsch beurteilt, wenn man den Anschein erweckt, daß wir von Goethes Geistesart nichts mehr haben. Die Verwandtschaft zum Beispiel unseres Dornacher Baues mit Goethes Geistesart — ich glaube nicht, daß viele Leute von dieser Sache etwas verstehen. Und dennoch wäre es nicht unwichtig.
[ 14 ] In order to enable these circumstances to be seen objectively, so that they can be understood with a proper sense of whither they are tending, the Central European peoples are there. That is their task, but they will accomplish it only if they recall to mind what I have spoken of in my book, The Riddle of Man, as a forgotten stream of spiritual life. It is very, very important that this stream, which to-day is mostly forgotten but once existed as a force of spiritual understanding in relation to the whole world, should be taken hold of again in Middle Europe. Who to-day realises what a magnificent understanding of all aspects of human culture was evinced by certain personalities, such as Friedrich Schlegel for example? Or the deeply significant insight into human evolution of such thinkers as Schelling, Hegel, Fichte? People talk a great deal today about Fichte, but, needless to say, those who talk most about such great thinkers, understand least. What a revival of understanding would be possible if, in the genuine, real sense of the words, “the Goethe-spirit” animated mankind! We are far from that at present! To keep on saying that the Goethe-spirit must be revived at once, to-day, is beside the point; what does matter is that in the world we are unjustly criticised because we give, the impression of no longer possessing it. The connection, for instance, of our Building at Dornach with the Goethe-spirit—I do not believe that many people understand that. Nevertheless it is not unimportant.
[ 15 ] Was ich Ihnen heute aus einer geisteswissenschaftlichen Betrachtung wie eine Charakteristik des Westens und des Ostens zu geben versuchte, davon sprechen sowohl die Geister des Westens wie die des Ostens eigentlich doch. Man muß sie nur richtig verstehen. Man muß nur heute das, was selbst aus den politischen Reden des Westens zutage tritt, in der richtigen Weise deuten, und man muß gewisse Instinkte, welche auftreten, im richtigen Zusammenhang mit der menschlichen Seelenentwickelung wahrnehmen können. Der Instinkt für die Erdeneroberung, wie er im Anglo-Amerikanismus herrscht, hängt innig zusammen mit dem Ideal, in der Zukunft irdisches Gespenst werden zu wollen. Und das wieder, was sich im Osten ankündigt, durchdringt ganz und gar den merkwürdigen Vortrag, den Rabindranath Tagore gehalten hat über den «Geist Japans», der jetzt ja auch hier in jeder Buchhandlung zu haben ist. Natürlich steht das nicht darin, was ich jetzt sage, aber es durchpulst alle Empfindungen desjenigen, was ein solcher Geist des Ostens, allerdings des entfernteren Ostens — signifikanter ist das, was sich im entfernteren Osten ankündigt —, über das ausspricht, was im europäischen Osten gerade zur Entwickelung kommt. Aber notwendig wäre es, daß man kennenlernen würde sowohl im Westen wie im Osten, über die ganze Erde hin, was in der mitteleuropäischen Geistessubstanz enthalten ist. Natürlich sehen die Leute zuerst auf das, was sich äußerlich, physisch darlebt. Wie sollte gerade im Osten — und gerade dort, in Asien, sind jetzt bedeutungsvolle Schriften erschienen, ich erinnere nur noch einmal an Ku Hung Ming —, wie sollte ein solcher Mensch des Ostens noch auf etwas anderes hinschauen, wenn der Name Goethe in Betracht kommt, als auf die «Goethe-Gesellschaft», die ihren Mittelpunkt in der Stadt hat, aus der Goethes Geisteswirken einmal ausgestrahlt ist?
[ 15 ] What I have been telling you to-day from the aspect of Spiritual Science as to the characteristics of West and East is declared by the thinkers of West and East alike, only it must be correctly understood. What emerges from political discussions of to-day in the West must be interpreted in the right way, and certain impulses which appear in connection with man's soul-development must be correctly perceived. The impulse to conquer the earth, as it prevails amongst the Anglo-American peoples, is inwardly connected with the ideal of becoming disembodied earthly beings in the future; and Rabindranath Tagore's remarkable lecture on the “Spirit of Japan”, now published in book form, is entirely impregnated with what is dawning in the East. Not that it contains what I have been saying; but pulsing through it are the experiences which such an Eastern thinker, at any rate one from the Far East (what dawns in the Far East is more significant), has to express concerning the coming development in Eastern Europe. It is, however, necessary for everybody, whether in the West or East, to recognise the content of the spiritual substance of Mid-Europe. Of course what people first look at are the outward, physical surroundings. Eastern writers—I call to mind Ku Hun Ming—are now publishing significant works; but supposing that the name of Goethe comes up for discussion, where can such an Eastern turn but to the “Goethe society”, with its headquarters in the town from which Goethe's spiritual activities once rayed forth?
[ 16 ] Aber da findet man doch auf die merkwürdigste Art dieses Goethesche Geistesleben gepflegt, in einer Weise, wie sie eigentlich noch niemals da war. Es wäre die Möglichkeit geboten gewesen, nun einmal wirklich fürstliche Munifizenz fruchtbar zu machen für ein weittragendes Geistesleben; denn was die Großherzogin Sophie für den Goetheanismus getan hat, ist unermeßlich großartig. Da war man schon von jener Seite her den Dingen gewachsen. Nur die andern waren durchaus nicht der Sache gewachsen. Eine Goethe-Gesellschaft wurde begründet. Nun, wenn man von außen auf diese Goethe-Gesellschaft schaut: Wer vertritt sie? Wer repräsentiert sie? Jemand, in dem der Geist Goethes lebt? Es ist ganz charakteristisch für unsere Zeit, daß sie ein ehemaliger Finanzminister vertritt! Alle die Empfindungen, alle die Seelenimpulse, die zu so etwas führen, müssen ins Auge gefaßt werden. Das einzig Hoffnungsreiche in dieser Sache ist der Vorname dieses Finanzministers: Kreuzwendedich, ein Vorname, der bei diesem Geschlechte üblich ist. Aber solche Dinge werden gewöhnlich auch verschlafen, und diese Dinge dürfen nicht verschlafen werden. Denn was sich entwickeln muß, ist gerade hier das Verständnis für die Dinge, die in der Welt vorgehen.
[ 16 ] There he would find this Goethean spiritual life cared for in the most remarkable way—as never before. The opportunity was presented of making princely munificence fruitful for a widely-spread spiritual life; for what the Grand-Duchess Sophie did to encourage the Goethe-cult was immeasurably great. That was really equal to the occasion; but other people were by no means equal to it. A “Goethe society” was founded. Looking at it from outside one must ask—who supports it, who represents it? Is there anyone in whom the spirit of Goethe lives? It is very characteristic of our time that its representative is a former Finance Minister! We must take into account all the experiences, the soul-experiences, which lead to such a thing. The only ray of hope in the concern is his name, “Kreuzwendedich,”1Literally: Cross, turn thyself about! a surname in use for generations. Usually such things are ignored, but they ought not to be; the great need is for more understanding of what is going on in the world.
[ 17 ] Ich habe letzthin darauf aufmerksam gemacht, wie eigentlich zu den fünfzehnhundert Millionen Menschen, die auf der Erde leben, fünfhundertvierzig Millionen anderer Menschen, Maschinenwesen, durch die Entwickelung der letzten Jahrhunderte dazukommen. Dadurch ist ein wesentlich Ahrimanisches in die Menschheitsentwickelung hineingekommen. Dieses Ahrimanische beruht auf etwas, was ganz notwendig geworden ist: auf der naturwissenschaftlichen Ergründung der menschlichen Umwelt. Das haben wir das letzte Mal betrachtet. Aber diese naturwissenschaftliche Ergründung hat im Laufe der letzten vier Jahrhunderte es notwendig gemacht, daß der Mensch wirklich darauf ausgegangen ist, die Natur in ihren Einzelheiten zu studieren, Gesetze und Wesenheiten der Natur in ihren Einzelheiten kennenzulernen. Der Mensch trägt ja sogar diese Art, naturwissenschaftlich zu betrachten, in alles mögliche hinein, zum Beispiel auch in das Geschichtliche, wo es nicht hineingehört. Es wird sich niemand darauf einlassen, auf dem Gebiete der Naturwissenschaft nur immer: Natur! Natur! Natur! zu sagen, gewissermaßen eine Art Pan-Naturalismus zu begründen, eine Allnatur. Mit der Allnatur würde man die moderne Kultur wenig gefördert haben, aber es gibt immerhin Menschengesinnungen, welche bei diesem Pan-Naturalismus stehenbleiben wollen. Ich will Ihnen ein Beispiel dafür anführen.
[ 17 ] Now I pointed out last time that by reason of the developments of the last centuries, 540 million extra hands, machine-hands, have been added to the earth population of 1500-million. Through this an Ahrimanic element entered into human development. It is related to something which has become altogether necessary—the exploration of the world by natural science, as I said before. Within the last four centuries this exploration has obliged man to study nature in detail, to acquire knowledge of natural laws and beings. This sort of observation has been carried into every possible field, even that of history, where it is out of place. Nobody is supposed, in the realm of natural science, to talk for ever about “Nature, nature, nature!”, as though the idea were to establish a sort of pan-nature, a universal nature. This conception would do little to advance modern culture, but some outlooks are always inclined to stop short at that point. I will give you an example.
[ 18 ] Als ein Ninive-Forscher, Layard, bei dem Kadi von Mosul einmal angefragt hat über die Charaktere der einzelnen Menschen seiner Untertanenschaft, über die Vorgeschichte einzelner Staaten, da war das dem Kadi von Mosul schon viel zu viel konkretes naturwissenschaftliches Denken. Er konnte nicht begreifen, daß man sich darauf einlassen soll, die Charaktere der einzelnen Untertanen zu studieren wie die Landschaft, oder gar die Geschichte der Staaten zu studieren. Das käme, meinte er, von dem europäischen Unfug her, die Natur so studieren zu wollen. Und er sagte zu dem Forscher: Höre, mein Sohn, die einzige wirkliche Wahrheit, die es gibt, ist, an Gott zu glauben. Und diese Wahrheit, an Gott zu glauben, sollte einen abhalten, seine Taten erforschen zu wollen. Siehe hinauf: Da oben siehst du einen Stern, um den ein anderer Stern wandelt. Und einen Stern siehst du, der geschwänzt ist; viele Jahre hat er gebraucht, um hierher zu kommen; viele Jahre wird er brauchen, um aus unserem Kreise zu treten. Wer wollte so töricht sein, erforschen zu wollen, welches die Bahnen dieses Sternes sind! Diejenige Hand, die ihn geschaffen hat, wird ihn auch lenken und leiten. Höre, mein Sohn, du sagst, daß das nicht Neugier sei, sondern daß du nur wißbegieriger seiest, als ich. Nun, wenn dir dein Wissen das gebracht hat, daß du ein besserer Mensch bist, als du früher warest, so sei mir doppelt willkommen; aber verlange nur nicht, daß ich mich darum kümmere. Ich kümmere mich um kein Wissen als um dasjenige, das in dem Glauben an Gott besteht. Ich verachte alles andere Wissen. Oder ich frage dich: Hat dich denn dieses Wissen, das überall herumstöbert, dazu geführt, daß du einen zweiten Magen bekommen hast? Oder haben dir deine Augen den Blick in ein Paradies eröffnet? — Das sagte der Kadi von Mosul, indem er das naturalistische Wissen damit treffen wollte.
[ 18 ] When the investigator of Nineveh, Layard, once asked the Kadi of Mosul about the characters of certain of his subjects and the previous history of his different states, that was a far too concrete scientific way of thinking for the Kadi. He could see no reason why anyone should need to study the characteristics of his subjects as though they were a landscape, or the history of his provinces. That, he supposed, was the foolish European way of studying nature; and he said to the explorer: “Listen, my son; the one and only truth is to believe in God, and this truth should restrain a man from wishing to enquire into His deeds. Look up; you see one star circling round another, also a star with a-tail; it has needed many years to get so far; it will need years to pass out of our orbit. Who would be so foolish as to enquire into the path of this star? The hand that created it will lead it and guide it. Listen, my son; you say that it is not curiosity, but that you have a greater craving for knowledge than I have. Now if your knowledge has made you a better man than you were before, you are doubly welcome; but do not ask me to trouble about it. I trouble about no wisdom except that contained in the belief in God. I disdain all other. Or I ask you another Question:—has your wisdom, which spies into every corner, gifted you with a second stomach, or opened your eyes to paradise?”—Thus the Kadi of Mosul, on the subject of natural science.
[ 19 ] Sie werden vielleicht ein innerliches Lächeln darüber haben, daß der Kadi von Mosul, ein typischer Vertreter dieser Anschauung, diese Gesinnung äußern konnte. Aber der Geisteswissenschaft gegenüber wird, allerdings übertragen auf ein anderes Gebiet, diese Gesinnung auch gar sehr geltend gemacht. Diese «Kadis von Mosul» sind sehr verbreitet. Sie sagen immer wieder und wieder: Ach, es ist durchaus nicht notwendig, daß sich der Mensch in der geistigen Welt um etwas anderes kümmere als um das, was ihm das Vertrauen zu Gott gibt. Wie der Kadi von Mosul die äußere Naturwissenschaft abwies, so weisen innerhalb unserer Gegenden sehr viele Leute — gerade offizielle Vertreter des Geisteslebens — die Geisteswissenschaft ab. Erst jetzt ist wieder ein Büchlein erschienen, worin man, obwohl es sonst sehr wohlwollend geschrieben ist, den schönen Satz lesen kann: Das sei das Schlimme an der Geisteswissenschaft, daß sie etwas wissen wolle über die geistige Welt, während die wahre Bedeutung des religiösen Lebens gerade darin beruht, daß man nichts wisse von der geistigen Welt, und doch eben das Vertrauen, das große Vertrauen habe, an das zu glauben, von dem man nichts wisse. — Das soll gerade das den Menschen so Auszeichnende sein, daß er sich gestehen kann: Ich weiß nichts, aber ich nehme dieses Göttliche an. — Man sieht heute noch nicht klar ein, was man aber sollte, daß dies mit Bezug auf die geistige Welt ganz genau dieselbe Anschauung ist, wie diejenige in bezug auf die physisch-sinnliche Welt und ihre Erkenntnis, welche den Kadi von Mosul auszeichnete, und über die Sie eben leise gelächelt haben. Aber das ist es ja gerade, worauf es ankommt, daß die Menschheit den Übergang zur Erkenntnis des Geistigen ebenso findet, wie sie den Übergang zur Erkenntnis des Natürlichen gefunden hat. Das muß stark und klar gesehen werden. Denn davon hängt es ab, ob wir gegen die Zukunft zu überhaupt eine Weltanschauung haben werden, die imstande ist, die menschliche soziale Struktur zu begründen. Diese menschliche soziale Struktur wird ganz gewiß nicht mit dem begründet werden, was man heute Volkswirtschaftslehre oder ähnliches nennt. Alles was bisher als Volkswirtschaftslehre oder Volkswirtschaftsansicht besteht, ist entweder Erbgut aus alten Zeiten, das nicht mehr brauchbar ist, oder es ist strohernes, törichtes Gestrüpp, verdorrtes Zeug. Eine Volkswirtschaft wird es erst geben können, wenn Ideenkraft das Denken durchzieht, das von der geistigen Welt hergenommen ist. Was an offiziellen Schulen als Volkswirtschaftslehre oder als Menschenbeglückungslehre gelehrt wird, das landet schon in den Köpfen solcher Menschenfeinde wie Lenin und Trotzki; das sind die letzten Konsequenzen. Das aber, was die Menschen mit zukunftbewirkenden Kräften durchdringen soll, das muß aus der Erkenntnis der geistigen Welt herkommen. Es mag heute Paradoxie notwendig sein, wenn man von dem Westen und dem Osten so spricht, wie ich es getan habe. Aber diese Paradoxie enthält die geistigen Wirklichkeiten! Und ohne die Kenntnis dieser geistigen Wirklichkeiten wird man keine gesunde Gestaltung der immer mehr und mehr in das Chaos hineingehenden irdischen Verhältnisse für die Zukunft finden können. Begriffe, die noch vor wenigen Jahren Bedeutung und Geltung hatten, haben heute keine Bedeutung und keine Geltung mehr. Auf allen Gebieten muß umgelernt werden. Die Religionen werden den Menschen nur dann noch etwas sein können, wenn sie sich mit wirklichem Wissen von den geistigen Welten durchdringen werden. Dazu werden sie lernen müssen — das bezieht sich nicht auf ihren Inhalt, sondern auf die Art und Weise, wie sie allmählich Formen angenommen haben —, sie werden lernen müssen, daß diese Formen nicht geeignet sind, zu dem menschlichen Inneren wirklich zu sprechen, sondern daß sie zu dem menschlichen Inneren nur dann sprechen werden, wenn man an die realen Kräfte appellieren wird, die aus der geistigen Welt kommen. «Die Kadis von Mosul», nun ja, eben die, welche nicht von Mosul sind, sondern von, ich will nicht sagen woher, die müssen auch aufhören auf dem Gebiete des öffentlichen Lebens. Ich sage das schlicht und anspruchslos heute, aber ich glaube, Sie werden fühlen, daß damit eigentlich recht viel, sehr viel gesagt worden ist.
[ 19 ] It may perhaps amuse you that the Kadi, a typical representative of this view, should give utterance to such sentiments, but Spiritual Science, although in another realm, has to reckon with the same type of thought. There are plenty of Kadis of Mosul. They are for ever saying, “It is not at all necessary to trouble ourselves about the Spiritual world or anything else, except trust in God.” As the Kadi of Mosul declined to know anything about natural science, so plenty of people around us—esecially official representatives of spiritual life—reject Spiritual Science. A little book has just been printed, written from the best of motives, in which is to be read this sentence : “The wickedness of Spiritual Science lies in the fact that it wishes to know about the Spiritual world, whereas the true value of religious life consists in knowing nothing about it—to have faith, great faith to believe in what you do not know.” A man is supposed to be admirable if he can admit “I know nothing, but I accept the Divine.” People do not yet see that with regard to the spiritual world this is the same view as the Kadi's—which make us smile—with regard to the physical sense-world and the knowledge of it. What is just the point: man must find the transition to knowledge of the spiritual world exactly as he found it to knowledge of the natural world. This needs to be clearly and firmly recognised, for it will determine whether in the future we shall have a view of the universe on which a social structure for humanity can be founded. Such a structure cannot be founded on what nowadays is called the science of political economy, or something like that. All the doctrines and views that make up political economy are either an inheritance from ancient times, no longer useful, or they are useless, foolish encumbrances, withered rubbish. A real political economy will arise only when thought is permeated by ideas taken from the spiritual world. What is taught in official schools as political economy or as the-science of human happiness gets into the heads of such enemies of mankind as Lenin and Trotsky; they are the culmination of it. What should fill mankind with the creative force of the future must come from knowledge of the spiritual world. It may seem paradoxical to speak as I have done about the West and the East, but spiritual realities are contained in this paradox! Although knowledge of these spiritual realities it will be impossible to find a sound way of ordering earthly conditions, which are inclining more and more towards future chaos. Ideas that not long ago were recognised as significant and valuable are no longer taken seriously. Everywhere there will have to be a complete change of outlook. Religions will mean nothing to humanity unless they are vivified by real knowledge of the spiritual worlds. Their exponents will have to learn—I am referring not to the content of religions but to the way in which they have crystallised into form—that these outer forms are not adapted to speak truly to the inner being of humanity unless they appeal to the real forces which come from the Spiritual World. The counterparts of the Kadi of Mosul can no longer be tolerated in the realm of public life. I speak humbly, unpretentiously; but I believe you will feel that there is much, very much, in what I am saying.
[ 20 ] Nun bleibt uns dann die Betrachtung einer bestimmten Frage: Wie kommt es denn aber, daß den Menschen gar so sehr verborgen bleibt, daß die Menschenseele solche Wandlungen durchmacht, wie sie, ich will sagen, vom 12. Jahrhundert bis heute, dann noch im weiteren Sinne vom 7., 8. vorchristlichen Jahrhundert bis heute durchgemacht hat? Das rührt davon her, daß in der menschlichen Natur noch etwas von einer andern Welt steckt, und dieses. Stecken von einer andern Welt gehört wieder zu den tiefsten Mysterien der Menschheit. Man lernt den Menschen nur kennen, wenn man diese andere Welt, die fortwährend ein Interesse daran hat, nicht zur Darstellung zu kommen, ein wenig kennenlernt. Davon wollen wir das nächste Mal sprechen.
[ 20 ] A distinct question now remains to be considered. How is it that these metamorphoses of the human soul, accomplished say, from the twelfth century till now, or in a wider sense between the seventh or eighth century B.C. and the present time—are so entirely hidden from humanity at large? This depends on the fact that in human nature something still exists belonging to another world, and that this remaining part appertains to the very deepest mysteries of humanity. Man can only be understood by learning something of this other world, which has a continuous interest in not being known. We will speak of this next time.
