The Science of Human Development
GA 183
25 August 1918, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Science of Human Development, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Auf den dreigeteilten Menschen habe ich gestern schematisch hingewiesen. Es ist ja durchaus so, daß aus unserem gegenwärtigen Geistesleben heraus wenig Empfindungen vorhanden sind für das Verständnis des Wesens des Menschen, so wie es erfaßt werden muß vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte. Allein, wir müssen uns doch bemühen, an dieses Menschenwesen heranzukommen. Die wichtigsten Vorstellungen, die man auch über das Gesamtleben des Menschen gewinnen muß, über die Entwickelung des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, auch sie sind nur zu beherrschen, wenn man ausgeht von einem solchen Verständnisse, das an diesen dreigeteilten Menschen anknüpft. Betrachten wir für heute einmal im einzelnen diesen dreigeteilten Menschen.
[ 1 ] Yesterday I briefly touched on the threefold nature of the human being. It is certainly true that our current spiritual life offers few insights into the nature of the human being as it must be understood from the perspective of spiritual science. Nevertheless, we must strive to approach this human being. The most important concepts—which we must also gain regarding the entirety of human life and the development of the human being between death and a new birth—can only be grasped if we proceed from an understanding that is rooted in this threefold human being. Let us now consider this threefold human being in detail.
[ 2 ] Es wurde ja gestern schon darauf aufmerksam gemacht, daß wir da zunächst auf das Haupt des Menschen hinweisen können. In einem gewissen Sinne ist dieses Haupt des Menschen wirklich eine Art selbständige Formwesenheit. Sie können sich ja selber hinstellen vor ein Menschenskelett, und Sie können leicht das Haupt abheben. Wie eine Kugel können Sie es abheben. In Wirklichkeit ist allerdings die Trennung zwischen den drei Gliedern der menschlichen Natur nicht so einfach, daß man sagen könnte: Dasjenige, was man da vom übrigen Skelett so bequem abhebt wie eine Kugel, das ist dieser Hauptesteil. — So streng sind die Dinge nicht geschieden. Aber man muß sich ja allmählich herausarbeiten aus dem bloßen Schematismus, auch aus dem, den einem die Natur selbst nahelegt, zu einer lebendigen Empfindung. Und ich mußte ja gestern schon, wie Sie gesehen haben, nicht etwa drei nebeneinanderliegende Kreise aufzeichnen, sondern einen Kreis für das Haupt, einen zweiten Kreis, der dieses Haupt übergriff, und einen dritten Kreis, der wiederum beide übergriff. So daß, wenn man schematisch den dreigeteilten Menschen zeichnen würde nach seiner physischen Wesenheit, man eben ihn so zu zeichnen haben würde, daß man sagt: Der Hauptesteil (siehe Zeichnung roter Kreis A), der Rumpfteil (oval, gelb), und dann der Gliedmaßenteil (orange) —, eigentlich drei Kugeln, wenn auch diese Kugeln in die Länge gezogen werden müssen. Mit dem Hauptesteil, also mit dem, was hier als roter Kreis A bezeichnet worden ist, mit diesem Hauptesteil steht das Geistige, das, wie Sie gestern gesehen haben, eine junge Bildung ist, im Zusammenhange (hellschraffhierter kleiner Kreis, weiß). Dieses Geistige des Hauptes, das ist eine junge geistige Bildung, während das Haupt selbst eine alte physische Bildung, eine physische Formwesenheit ist. Bei dem Haupte ist daher vor allen Dingen richtig, was man sonst im allgemeinen für den Menschen anführt, was aber in dieser Allgemeinheit, wie man es anführt, nicht ganz richtig ist; für das Haupt ist es richtig. Was ich hier als Weißes, Geistiges bezeichnet habe in bezug auf das Haupt, das ist, wenn Sie schlafen, heraußen aus dem Haupte. Wenn Sie wachen, ist es mit dem Haupt vereinigt, ist zum größten Teile im physischen Haupte drinnen. Es kann sich also am leichtesten vom physischen Haupte trennen; es geht heraus und geht wiederum zurück, hinein.
[ 2 ] As was already pointed out yesterday, we can begin by focusing on the human head. In a certain sense, this human head is truly a kind of independent, form-bearing entity. You can stand in front of a human skeleton yourself and easily detach the head. You can detach it just like a sphere. In reality, however, the separation between the three members of human nature is not so simple that one could say: “That which can be so easily detached from the rest of the skeleton like a sphere is the head.” — Things are not so strictly separated. But one must gradually work one’s way out of mere schematism—including that which nature itself suggests—toward a living perception. And as you saw yesterday, I did not simply have to draw three circles side by side, but rather one circle for the head, a second circle that encompassed this head, and a third circle that in turn encompassed both. So that if one were to draw the three-part human being schematically according to its physical nature, one would have to draw it in such a way that one says: the head section (see drawing, red circle A), the torso section (oval, yellow), and then the limb section (orange)—actually three spheres, even if these spheres must be elongated. The spiritual aspect—which, as you saw yesterday, is a young formation—is connected to the head region, that is, to what has been designated here as the red circle A (small, lightly hatched white circle). This spiritual aspect of the head is a young spiritual formation, whereas the head itself is an old physical formation, a physical form-being. Therefore, what is generally stated about human beings in general applies above all to the head—even though, when stated in such general terms, it is not entirely correct; for the head, however, it is correct. What I have described here as the white, spiritual aspect in relation to the head is, when you are asleep, outside the head. When you are awake, it is united with the head and is, for the most part, inside the physical head. It can therefore most easily separate itself from the physical head; it goes out and then returns, going back inside.


[ 3 ] Das ist schon durchaus nicht so für den mittleren Menschen, nennen wir ihn meinetwillen den Brustmenschen. Alles dasjenige, was vom Thorax, vom Brustkorbe eingeschlossen ist, von den Rippen und vom Rückgrat, das ist mit dem Geistigen verbunden, aber es ist nicht so ausgesprochen das Geistige heraußen, wenn Sie schlafen. Das Geistige steht schon auch während des Schlafens für diesen mittleren Menschen in einer starken Verbindung mit dem Physischen. Und für den dritten Menschen, für den Gliedmaßenmenschen, wozu auch der sexuelle Mensch gehört, da ist eigentlich praktisch eine Trennung zwischen Schlafen und Wachen in Wirklichkeit doch nicht vorhanden. Da kann man gar nicht sagen, daß wirklich das Geistig-Seelische im Schlafe sich trennt; die bleiben mehr oder weniger auch im Schlafe vereint. So daß man nach einem andern Schema den wachenden Menschen gut so zeichnen könnte, daß man sagte: Wenn das der physische Mensch ist, wachend (siehe Zeichnung a, dunkel schraffiert, rot), so würde dieses der geistige Mensch sein (hell schraffiert, weiß). Das würde der schlafende Mensch sein (siehe Zeichnung b, rot und weiß); es bliebe also dieses mehr oder weniger mit dem Leiblichen vereint, und nur das geht eigentlich heraus (siehe Zeichnung b). Das würde von einem gewissen Gesichtspunkte aus die eigentliche Zeichnung sein für den Gegensatz des wachenden und schlafenden Menschen.
[ 3 ] This is certainly not the case for the middle human being—let’s call him, for my sake, the “chest human.” Everything enclosed by the thorax, the ribcage, the ribs, and the spine is connected to the spiritual, but the spiritual is not so pronounced on the outside when you sleep. Even during sleep, the spiritual remains strongly connected to the physical for this “chest human.” And for the third human—the “limb human,” which also includes the “sexual human”—there is in reality practically no separation between sleeping and waking. One cannot say that the spiritual-soul aspect truly separates during sleep; they remain more or less united even during sleep. So that, according to a different schema, one could well depict the waking human being in such a way that one would say: If this is the physical human being, awake (see drawing a, darkly hatched, red), then this would be the spiritual human being (lightly hatched, white). That would be the sleeping human being (see drawing b, red and white); this aspect would thus remain more or less united with the physical body, and only that actually withdraws (see drawing b). From a certain point of view, that would be the actual illustration of the contrast between the waking and sleeping human beings.


[ 4 ] Nun werden Sie die wichtigen Dinge, die wir zu besprechen haben, nur dann verstehen, wenn Sie diese Gliederung des dreigeteilten Menschen, die wir eben besprochen haben, für sich durchkreuzen mit einer andern Gliederung des Menschen, die anknüpft an dasjenige, was ich die vorige Woche hier auseinandergesetzt habe.
[ 4 ] You will only understand the important points we need to discuss if you cross-reference this threefold division of the human being—which we have just discussed—with another division of the human being that builds on what I explained here last week.
[ 5 ] Wenn wir so noch einmal das Haupt, den Rumpfmenschen, den Gliedmaßenmenschen durchsprechen, so können wir ja sagen: Im eigentlichsten Sinne Mensch ist nur der Rumpfmensch. Der ist daher auch derjenige, dem der lebendige Odem eingehaucht ist durch die Elohim. Er ist der atmende Mensch. Da ist die Teilung nicht so ganz bequem wie beim Skelett; der Atmungsvorgang durch Nase und Mund gehört schon zum Rumpfmenschen. Also, nicht wahr, es ist die Teilung in Wirklichkeit nicht so schematisch bequem zu machen, wie man es sich gern aufzeichnen möchte, aber das sind ja natürlich die Schwierigkeiten des Verständnisses für eine solche Sache.
[ 5 ] If we go through the head, the torso-human, and the limb-human once more in this way, we can indeed say: In the truest sense, only the torso-human is truly human. He is therefore also the one into whom the Elohim have breathed the living breath. He is the breathing human. Here, the division is not quite as straightforward as with the skeleton; the process of breathing through the nose and mouth already belongs to the torso-human. So, isn’t it true that, in reality, the division cannot be made as schematically convenient as one might like to depict it, but these are, of course, the difficulties of understanding such a matter.
[ 6 ] Also der eigentliche Mensch, der Erdenmensch, ist der Rumpfmensch. Und der Kopfmensch, als physische Gestaltung, das ist eigentlich nicht etwas durch und durch Menschliches. Man kann nicht sagen, daß der Menschenkopf etwas durch und durch Menschliches ist. Der Menschenkopf hat eben sehr viel Ahrimanisches in sich. Er ist im wesentlichen so gegliedert, wie er gegliedert ist, aus dem Grunde, weil gewisse Bildungsprinzipien in ihm namentlich diejenigen sind, die noch von der alten Sonne, also von diesem zweiten Erdenstadium — Saturn, Sonne —, zurückgeblieben sind. Unser Haupt mit seiner ganzen komplizierten Bildung wäre nicht so, wie es ist, wenn es nicht seine erste Bildung bekommen hätte in diesen uralten Zeiten der alten Sonne. Und es sind also eigentlich alte, uralte Bildungsprinzipien, die heute hereinragen in die Erdensphäre, und die wir aus diesem Grunde als ahrimanische bezeichnen müssen. Zurückgebliebene Prinzipien müssen wir ja immer als luziferische oder ahrimanische, je nach den Gesichtspunkten, ansehen. Dasjenige, was den Menschen als Erdenmenschen ausmacht, wo die Prinzipien des Erdenwerdens hauptsächlich spielen, das ist der Brust-, der Rumpfmensch.
[ 6 ] So the actual human being, the earthly human being, is the torso-human. And the head-human, as a physical form, is not really something thoroughly human. One cannot say that the human head is something thoroughly human. The human head contains a great deal of Ahrimanic elements. It is essentially structured the way it is because certain formative principles within it—namely those that have been left over from the ancient Sun, that is, from this second stage of Earth’s evolution—Saturn, Sun—are at work. Our head, with its entire complex structure, would not be as it is if it had not received its initial formation during those ancient times of the old Sun. And so it is actually ancient, very ancient formative principles that extend into the Earth sphere today, and which we must therefore describe as Ahrimanic. We must always regard residual principles as Luciferic or Ahrimanic, depending on the perspective. That which constitutes the human being as an earthly human, where the principles of becoming earthly play the principal role, is the chest-human, the torso-human.
[ 7 ] Der Gliedmaßenmensch ist auch nicht rein der Mensch, sondern der hat sehr viel Luziferisches in sich, und seine Bildungsprinzipien sind eigentlich noch nicht volle Bildungsprinzipien, sondern sie sind solche, welche ihre volle Ausgestaltung erst haben werden, wenn die Erde ins Venusstadium gekommen sein wird, wenn also das Jupiterstadium vorausgegangen und im Übergange sein wird in das Venusstadium. Dann werden die Bildungsprinzipien, die heute, ich möchte sagen, noch diesen Schatten von einem Wesen ausbilden, der der Extremitätenmensch ist, dieses dritte menschliche Wesen, in ihrer vollen Intensität, in ihrer richtigen Gestalt wirken: wenn die Venuszeit da sein wird. Also das nimmt der Mensch voraus, was in der Venuszeit erst da sein wird und bildet es heute unvollkommen, keimhaft, läßt es nicht über das Keimhafte hinauskommen.
[ 7 ] The human being of the limbs is not purely human either, but has a great deal of Luciferic within him, and his formative principles are not yet fully developed; rather, they are principles that will only reach their full development once the Earth has entered the Venus stage—that is, once the Jupiter stage has preceded it and is in transition to the Venus stage. Then the formative principles—which today, I might say, still form only a shadow of a being, namely the human being of the limbs, this third human being—will work in their full intensity and in their true form: when the Venus era arrives. Thus, human beings anticipate what will only be present in the Venus era and form it today in an imperfect, embryonic state, not allowing it to develop beyond the embryonic stage.
[ 8 ] So ist die Sache kosmisch betrachtet. Kosmisch betrachtet also sind wir in unserer Gestaltung so, daß wir in unserem Haupte gewissermaßen nach den Kräften die alte Sonnenzeit wiederholen, in unserer Brust das Erdenwerden tragen; indem wir Extremitätenmenschen sind, tragen wir die Keime zum Venuswerden in uns. Das ist kosmisch betrachtet.
[ 8 ] This is how things appear from a cosmic perspective. From a cosmic perspective, then, we are constituted in such a way that, in our heads, we repeat—in a sense, according to our capacities—the ancient solar era, and in our chests we carry the process of becoming Earth; and because we are beings of the extremities, we carry within us the seeds of becoming Venus. This is the cosmic perspective.
[ 9 ] Humanistisch betrachtet ist es etwas anderes. Da müssen wir auf die menschliche Individualität sehen, wie diese menschliche Individualität von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Da müssen wir sagen: Was wir heute in dieser Inkarnation als Haupt an uns tragen, das hat sich verwandt erwiesen unserer vorigen Inkarnation; dasjenige, was wir jetzt als Brustmenschen in uns tragen, das ist eigentlich rein verwandt unserer gegenwärtigen Inkarnation; und dasjenige, was wir als Extremitätenmensch in uns tragen, das wird ja Haupt in der nächsten Inkarnation, das ist verwandt schon mit der nächsten Inkarnation. Ich habe Ihnen in der vorigen Woche gesagt: Das Haupt hat etwas Verräterisches, insbesondere in seinem Negativ. Wenn Sie einen Abdruck nehmen würden von der Physiognomie des Hauptes und diese Physiognomie anschauen würden, so würden Sie in dieser negativen Physiognomie Ihres Hauptes viel von dem erkennen, was Sie in einer vorigen Inkarnation angestellt haben.
[ 9 ] From a humanistic perspective, it is something else. Here we must look at human individuality and how this human individuality progresses from incarnation to incarnation. We must say: What we carry within us today as the head in this incarnation has proven to be related to our previous incarnation; what we now carry within us as the chest is actually purely related to our present incarnation; and what we carry within us as the limbs will, after all, become the head in the next incarnation—it is already related to the next incarnation. I told you last week: The head has something treacherous about it, especially in its negative aspect. If you were to take a negative impression of the head’s physiognomy and look at it, you would recognize in this negative physiognomy of your head much of what you did in a previous incarnation.
[ 10 ] Umgekehrt ist es mit dem Extremitätenmenschen. Da können Sie aber nicht einen Abdruck nehmen, sondern da müssen Sie anders vorgehen. Denken Sie sich vom Menschen das Haupt und den Rumpfmenschen weg, aber denken Sie sich alles das, was nun Ihre Hände und Beine tun, machen Sie sich ein Bild von dem, was Ihre Hände und Beine tun. Sie müssen sich da eine Art Landkarte machen. Nicht wahr, jedesmal, wenn Sie mit Ihren Händen das oder jenes tun, geschieht es ja an einem andern Orte. Sie gehen ja außerdem herum, Sie kommen in Beziehung zu andern Wesen. Wenn Sie das alles malen würden, was Ihre Hände und Beine tun, und ein Bild im Laufe Ihres Lebens entwerfen würden — es würde ein sehr bewegtes Bild werden — von dem, was Ihre Hände und Füße, Arme und Beine tun, dann würden Sie in dieser Zeichnung eine komplizierte Landkarte erblicken; aus der würden Sie viel von dem verraten bekommen, was Ihnen karmisch aufbewahrt ist für Ihre nächste Inkarnation. Darinnen würden Sie viel ablesen können von dem Karma der nächsten Inkarnation. Es ist durchaus bedeutsam: So wie der Negativabdruck der Physiognomie in seiner Ruhe, in seiner festen, konturierten Zeichnung verräterisch ist für das, was in der vorigen Inkarnation schon geschehen ist, so würde dasjenige, was man abpunktieren könnte von dem, wie sich Arme, Hände, Beine, Füße verhalten, außerordentlich instruktiv sein für das, was der Mensch in der nächsten Inkarnation ausführen wird. Namentlich ist es auch instruktiv für das, was der Mensch in der nächsten Inkarnation ausführt, wohin er geht, wohin ihn seine Beine tragen. Wenn Sie alle die Orte, wenn Sie einfach den Weg verfolgen würden, wohin Sie Ihre Beine tragen, so würde da eine Landkarte daraus werden. Sie würden merkwürdige Figuren bekommen. Nicht ganz ohne Einfluß sind die Neigungen der Menschen auf diese Figuren. Es spricht sich viel von den geheimen Neigungen in diesen Figuren aus. Die sind sehr verräterisch, diese Spuren, die da bleiben, für dasjenige, was die nächste Inkarnation dem Menschen bringt. Also das wäre humanistisch betrachtet. Das andere war kosmisch betrachtet.
[ 10 ] The situation is different with the “limb-oriented person.” In that case, you can’t take a cast; instead, you have to proceed differently. Imagine removing the head and the torso from the human being, but imagine everything that your hands and legs do—form a picture in your mind of what your hands and legs do. You have to create a kind of map for yourself. After all, every time you do this or that with your hands, it happens in a different place. Besides, you walk around; you interact with other beings. If you were to draw everything your hands and legs do, and create a picture over the course of your life—it would be a very dynamic picture—of what your hands and feet, arms and legs do, then you would see in this drawing a complex map; from it, you would learn much about what is karmically reserved for you in your next incarnation. In it, you would be able to discern much about the karma of your next incarnation. It is quite significant: Just as the negative imprint of one’s physiognomy, in its stillness and in its firm, contoured lines, reveals what has already happened in the previous incarnation, so too would what one could discern from the way the arms, hands, legs, and feet behave be extraordinarily instructive regarding what a person will do in the next incarnation. In particular, it is also instructive regarding what a person will do in their next incarnation—where they will go, where their legs will carry them. If you were to trace all the places—if you were simply to follow the path where your legs carry you—it would form a map. You would end up with curious patterns. People’s inclinations are not without influence on these patterns. These patterns reveal a great deal about a person’s secret inclinations. These traces that remain are very revealing of what the next incarnation will bring to the person. So that would be from a humanistic perspective. The other was from a cosmic perspective.
[ 11 ] Diese Gliederung des Menschen, die, ich möchte sagen, abzielt auf die Gegenwart, bedeutet aber wiederum eine Verbindung mit den Geheimnissen der alten Mysterien, in denen man mehr atavistisch die Sache gewußt hat, aber in denen man solche Geheimnisse, wie sie jetzt eben angeführt worden sind, schon gekannt hat. Es gibt eine schöne Sage, anknüpfend an den König Salomo, über die Bestimmtheit, mit welcher der Mensch seine Füße dorthin setzt, wo er seinen Tod finden soll. Gleichsam ist der Sinn dieser Sage, daß ein bestimmter Ort auf der Erde ist, wo der Mensch seinen Tod finden soll — Sie werden einen Zweigvortrag finden, wo ich gerade über diese SalomoSage vorgetragen habe —, dahin setzt der Mensch dann seine Füße. Das hängt zusammen mit dem alten Mysterienwissen von diesen Dingen.
[ 11 ] This structure of the human being, which, I would say, is directed toward the present, nevertheless implies a connection to the mysteries of antiquity, in which people understood the matter in a more atavistic way, yet were already familiar with such mysteries as those just mentioned. There is a beautiful legend, connected to King Solomon, about the certainty with which a person sets foot where he is to meet his death. The meaning of this legend, so to speak, is that there is a specific place on Earth where a person is destined to die—you will find a related lecture in which I spoke specifically about this legend of Solomon—and that is where the person then sets their feet. This is connected to the ancient mystery knowledge of these matters.
[ 12 ] Nun, der Mensch hat ja eigentlich, wenn er so im allgemeinen lebt, nur sein gewöhnliches Bewußtsein; aber er ist, wie Sie sehen, ein recht kompliziertes Wesen, der Mensch. Wenn er wachend ist, wenn er sein jüngstes geistiges Glied, das Haupt, in seinem physischen Haupte drinnen hat, dann weiß er ja nichts von seinem Haupte. Sie werden mit Recht sagen: Gott sei Dank, daß man nichts vom Haupte weiß; denn weiß man vom Haupte, so ist es nur der Kopfschmerz. — Auf eine andere Weise wird sich der Mensch seines Hauptes nicht bewußt, als wenn er Kopfschmerz kriegt; dann weiß er, daß er ein Haupt hat. Sonst bleibt das unbewußt, im eminentesten Sinne unbewußt, viel unbewußter, als ein übriges Glied des menschlichen physischen Leibes. Der Mensch darf ganz froh sein, wenn er im normalen Bewußtsein von seinem Haupte nichts weiß. Aber unter diesem Bewußtsein des Hauptes, das gewöhnlich eigentlich nur von der Außenwelt Kenntnis nimmt, das nur darauf ausgeht, zu wissen von dem, was in der Umgebung ist, unter diesem Wissen ruht ein anderes, eine Art Traumbewußtsein, ein Traumeswissen. Ihr Haupt träumt fortwährend. Und während Sie von der Außenwelt wissen in der Art, wie Ihnen das wohl bekannt ist, träumen Sie eigentlich unter der Schwelle des Bewußtseins, im Unterbewußtsein, fortwährend. Und was Sie da träumen, dieses Träumen im Haupte, wenn Sie es voll auffassen könnten, wenn Sie es ganz in das Bewußtsein hereinbringen könnten, so würde Ihnen das ein Bild geben, ein richtiges, zusammenfassendes Bild Ihrer vorigen Inkarnation. Denn Ihre vorige Inkarnation träumen Sie unterbewußt in Ihrem Haupte. Das ist schon so. Es ist immer ein leises Bewußtsein vorhanden, das nur übertäubt ist von dem stärkeren Lichte des gewöhnlichen Bewußtseins, ein träumendes Bewußtsein von der vorigen Inkarnation.
[ 12 ] Well, when a person lives in the ordinary sense, he actually has only his ordinary consciousness; but, as you can see, a human being is a rather complex creature. When they are awake, when their youngest mental limb—the head—is inside their physical head, they know nothing of their head. You will rightly say: Thank God we know nothing of the head; for if we knew of the head, it would only be a headache. — There is no other way for a human being to become aware of his head than when he gets a headache; then he knows that he has a head. Otherwise, it remains unconscious—unconscious in the most profound sense, far more unconscious than any other part of the human physical body. A human being can count himself quite fortunate if, in his normal state of consciousness, he knows nothing of his head. But beneath this consciousness of the head—which usually takes note only of the external world, which is directed solely toward knowing what is in the surroundings—beneath this knowledge lies another, a kind of dream consciousness, a dream-knowledge. Your head is constantly dreaming. And while you are aware of the outside world in the way that is familiar to you, you are actually dreaming continuously beneath the threshold of consciousness, in the subconscious. And what you dream there—this dreaming within your mind—if you could fully grasp it, if you could bring it entirely into consciousness, it would give you a picture, a true, comprehensive picture of your previous incarnation. For you are subconsciously dreaming of your previous incarnation within your mind. That is indeed the case. There is always a faint awareness present, one that is merely drowned out by the brighter light of ordinary consciousness—a dreaming awareness of your previous incarnation.
[ 13 ] Mit dem Jahre 747 vor dem Mysterium von Golgatha ist das äußere Bewußtsein so stark geworden, daß nach und nach dieses Unterbewußtsein der vorigen Inkarnation völlig ausgelöscht worden ist. Aber vor diesem Jahre 747 hat man vielgewußt von diesem Traumesbewußtsein des Hauptes. Daher finden Sie auch überall auf dem Grunde der alten Kulturen die wiederholten Erdenleben als eine Tatsache angeführt. Das rührt einfach davon her, daß dazumal dieses Unterbewußtsein des Hauptes noch nicht so völlig in den Hintergrund getreten war wie jetzt, wie das geschehen ist durch den vierten, namentlich durch den fünften nachatlantischen Zeitraum.
[ 13 ] By the year 747 before the Mystery of Golgotha, outer consciousness had become so strong that, little by little, this subconsciousness of the previous incarnation had been completely erased. But before that year 747, people knew a great deal about this dream-consciousness of the head. That is why you will find repeated earthly lives cited as a fact throughout the foundations of ancient cultures. This simply stems from the fact that, at that time, this subconsciousness of the head had not yet receded so completely into the background as it has now, as has occurred during the fourth and, in particular, the fifth post-Atlantean epoch.
[ 14 ] Von dem, was seelisch-geistig mit dem Brustkorb und dem Rumpf des Menschen zusammenhängt, wissen Sie ja auch im gewöhnlichen Bewußtsein sehr wenig. Das ist schon an sich ein Traumhaftes. Es schlägt nur manchmal, und dann sehr chaotisch, unregelmäßig, dieses Rumpf- und Brustkorbbewußtsein in das Bewußtsein des Menschen im 'Traume herauf. Wenn der Mensch regelmäßig atmen kann, wenn sein Herzschlag regelmäßig ist, also wenn alle seine Funktionen des Brustkorbes und Rumpfes regelmäßig sind, so verläuft das Bewußtsein des Rumpfes nicht so hell wie das Kopfbewußtsein, sondern es verläuft auch im gewöhnlichen Leben traumhaft. Man träumt im Gefühle — ich habe das im vorigen Jahre hier ausgeführt — von diesem mittleren Menschen. Aber dieses, was da im Gefühle liegt, was der Mensch nur im Gefühle erlebt, wenn es heraufgeholt wird durch ein mehr hellseherisch werdendes Bewußtsein, wenn mit andern Worten der Mensch das, was in seinem Brustkorb sich abspielt, ebenso bewußt zu überschauen lernt, wie er sonst im wachen Zustande nur das überschaut, was in seinem Hauptesbewußtsein ist, ja, dann teilt sich dieses Rumpf- und Brustkorbbewußtsein deutlich in zwei Teile. Der eine Teil träumt zurück in die ganze Zeit zwischen dem vorigen Tod und der jetzigen Geburt oder Empfängnis. Also während Sie traumhaft, in sehr tiefen Träumen in Ihrem Hauptesbewußtsein unterbewußt haben dasjenige, was in der vorigen Inkarnation war, haben Sie das, was seit der vorigen Inkarnation bis zu der jetzigen Geburt in der Zwischenzeit verflossen ist, in den Träumen des Brustkorbes. Und in den Träumen, die mehr nach den unteren Partien des Brustkorbes gelegen sind, haben Sie ein starkes Bewußtsein von dem, was zwischen Ihrem kommenden Tode und dem nächsten Erdenleben ist. Also das Bewußtsein, das im Brustkorb konzentriert ist, das aber mehr oder weniger unterbewußt bleibt für den gegenwärtigen Menschen, das ist eigentlich ein traumhaftes Bewußtsein sowohl für die Zeit vor dieser Geburt wie für die Zeit nach diesem Tode. Was zwischen unserem letzten Erdentode und unserer nächsten Erdenempfängnis liegt, mit Ausnahme desjenigen oder auch mit Einschluß desjenigen, was wir jetzt erleben zwischen Geburt und Tod, das enträtselt sich für dieses Unterbewußtsein des mittleren Menschen.
[ 14 ] Even in ordinary consciousness, you know very little about what is psychically and spiritually connected to the human chest and torso. That in itself is something dreamlike. Only occasionally—and then in a very chaotic, irregular way—does this awareness of the torso and chest surface into a person’s consciousness in a “dream.” When a person can breathe regularly, when their heartbeat is regular—that is, when all the functions of their chest and torso are regular—then the consciousness of the torso is not as vivid as the consciousness of the head, but rather remains dreamlike even in ordinary life. One dreams, in a sense—as I explained here last year—of this middle human being. But this which lies within the feelings—which a person experiences only in their feelings—when it is brought to the surface by a consciousness that is becoming increasingly clairvoyant; in other words, when a person learns to survey what is taking place in their chest just as consciously as they otherwise survey, in the waking state, only what is in their head consciousness—indeed, then this torso and chest consciousness clearly divides into two parts. One part dreams back over the entire period between the previous death and the present birth or conception. So while you have, in a dreamlike state—in very deep dreams—the events of your previous incarnation subconsciously present in your head consciousness, you experience in the dreams of the chest what has elapsed in the interim from the previous incarnation up to your present birth. And in the dreams located more toward the lower parts of the chest, you have a strong awareness of what lies between your coming death and your next earthly life. So the consciousness that is concentrated in the chest—but which remains more or less subconscious to the present-day human being—is actually a dreamlike consciousness, both for the time before this birth and for the time after this death. What lies between our last earthly death and our next earthly conception—with the exception of, or even including, what we now experience between birth and death—unfolds before this subconsciousness of the average human being.
[ 15 ] Und in demjenigen, was recht sehr stark durch das ganze Leben hindurch unterbewußt bleibt, was nur heraufgezogen werden kann, wenn der Mensch imstande ist, es durch immerwährendes Sich-Beschäftigen mit geisteswissenschaftlichen Studien und Übungen heraufzuziehen, so daß gewisse Momente des Schlaflebens, die sonst eben schlafend, unbewußt vor sich gehen, heraufgehoben werden und der Mensch mitten aus dem Schlaf heraus bewußt wird, da kann sich das Tableau von der nächsten Erdeninkarnation aus diesem dritten Menschen, aus dem Unterbewußtsein des Extremitätenmenschen heraus entwickeln. Dasjenige, was der Mensch als sein gewöhnliches, heute wachendes Bewußtsein hat, ist eigentlich eine Art Seitentrieb des Menschen; das strahlt in das Haupt herein von außen. Aber hinter diesem Bewußtsein liegt ein anderes Bewußtsein, das sich verbreitet über die vorige Inkarnation, über das Leben von der vorigen Inkarnation bis zu dieser, über das Leben von dieser Inkarnation bis zur nächsten, und dann wiederum über die nächste Inkarnation. Nur verschläft der Mensch dieses Bewußtsein.
[ 15 ] And in that which remains largely subconscious throughout one’s entire life—which can only be brought to the surface if a person is able to do so through constant engagement with spiritual scientific studies and exercises— so that certain moments of the sleep life—which otherwise simply pass by in a sleeping, unconscious state—are brought to the surface, and the person becomes conscious in the midst of sleep—it is there that the tableau of the next earthly incarnation of this third human being can unfold from the subconscious of the “human being of the extremities.” What a person experiences as their ordinary, waking consciousness today is actually a kind of secondary impulse; it radiates into the head from the outside. But behind this consciousness lies another consciousness that extends across the previous incarnation, across the life from the previous incarnation to this one, across the life from this incarnation to the next, and then again across the next incarnation. It is only that the human being sleeps through this consciousness.
[ 16 ] Es ist das Bewußtsein der vorigen Inkarnation im Haupte. In allden Organen, die vorzugsweise dem Ausatmen dienen, wirkt ein starkes Bewußtsein für das Leben zwischen der vorigen Inkarnation und dieser. In all den Funktionen, die vorzugsweise dem Einatmen dienen, wirkt ein Bewußtsein von der jetzigen Inkarnation bis zur nächsten Erdeninkarnation. Und in dem Gliedmaßenmenschen, in all den geheimnisvollen Vorgängen des Gliedmaßenmenschen wirkt ein sehr, sehr unterbewußt bleibendes Bewußtsein der nächsten menschlichen Inkarnation.
[ 16 ] It is primarily the consciousness of the previous incarnation. In all the organs that primarily serve exhalation, a strong consciousness of the life between the previous incarnation and this one is at work. In all the functions that primarily serve inhalation, a consciousness is at work from the present incarnation to the next earthly incarnation. And in the human being as a physical entity—in all the mysterious processes of the human being as a physical entity—a consciousness of the next human incarnation remains very, very subconscious.
[ 17 ] Diese Bewußtseine sind mehr oder weniger verdeckt worden seit dem Beginn der vierten nachatlantischen Zeit, seit 747 vor dem Mysterium von Golgatha. Und der Beruf unserer Zeit ist wiederum, aus dem allgemeinen chaotischen Menschenbewußtsein heraus die bestimmten Bewußtseine von diesen konkreten Vorgängen der kosmischen und der Menschheitsevolution herauszuholen.
[ 17 ] These states of consciousness have been more or less obscured since the beginning of the fourth post-Atlantean epoch, since 747 before the Mystery of Golgotha. And the task of our time is, once again, to extract from the general chaotic human consciousness the specific awareness of these concrete processes of cosmic and human evolution.
[ 18 ] Mit alldem, was ich jetzt entwickelt habe, muß sich eine andere Einsicht in die Menschenwesenheit, ich möchte sagen, kreuzen. Ja, es ist schon notwendig, daß wir uns in so schwierige Erörterungen einlassen, wir kommen sonst nicht zum genaueren Verständnisse. Ich hätte ja so gerne, wenn für diese schwierigen Erörterungen nicht nur ein gewisses Über-sich-ergehen-Lassen waltete, sondern wenn gerade für diese schwierigen Dinge — weil das der gegenwärtigen Menschheit so notwendig wäre — ein bißchen Enthusiasmus, ein bißchen temperamentvolles Eingehen aufzubringen wäre, was ja in einer Gesellschaft der heutigen Zeit so unendlich schwierig ist.
[ 18 ] Everything I have just elaborated upon must, I would say, intersect with a different understanding of human existence. Yes, it is indeed necessary that we engage in such difficult discussions; otherwise, we will not arrive at a more precise understanding. I would so much like it if these difficult discussions were not merely marked by a certain resignation, but if—precisely for these difficult matters, because this is so necessary for present-day humanity—we could muster a little enthusiasm, a little spirited engagement, which is, of course, so infinitely difficult in a society of our time.


[ 19 ] Sehen Sie, Sie richten Ihre Sinne nach außen. Da finden Sie durch Ihre Sinne die Außenwelt als eine sinnenfällige ausgebreitet. Ich zeichne das schematisch, was da nach außen als sinnenfällig ausgebreitet um uns herum liegt. Bitte, es soll das, was da außen herum liegt, dieses (siehe Zeichnung, blau) sein. Wenn Sie Ihre Augen, Ihre Ohren, wenn Sie Ihren Geruchssinn, was Sie wollen, auf die Außenwelt richten, so wendet sich Ihnen gewissermaßen entgegen, es wendet sich diesen Sinnen entgegen dasjenige, was die Innenseite dieses Außen ist also bitte: die Innenseite dieses Außen (links). Nehmen Sie an, Sie wenden Ihre Sinne dem zu, was ich da gezeichnet habe (siehe Zeichnung, Pfeile), so sind diese Sinne auf diese Außenwelt gerichtet und Sie sehen das, was sich innen hier hineinneigt. Nun folgt die schwierige Vorstellung, auf die ich aber schon kommen muß. Alles das, was Sie da anschauen, zeigt sich Ihnen von innen. Denken Sie sich, daß das auch eine Außenseite haben muß. Nun, ich will es schematisch dadurch vor Ihre Seele rufen, daß ich sage: Wenn Sie so hinausschauen, sehen Sie als Grenze Ihres Schauens das Firmament: das hier ist ja fast so, nur daß ich es klein gezeichnet habe. Aber jetzt denken Sie sich, Sie könnten flugs da hinausfliegen und könnten da durchfliegen und von der andern Seite gucken, Ihre sinnenfälligen Eindrücke von der andern Seite angucken. Also Sie könnten so hinschauen (siehe Zeichnung, Pfeile oben). Bitte, das sehen Sie natürlich nicht; aber könnten Sie so hinschauen, so würde das der andere Aspekt sein. Sie würden aus sich heraus müssen und würden von der andern Seite Ihre ganze sinnenfällige Welt anschauen müssen. Sie würden also das, was sich Ihnen als Farbe zuwendet, von der Rückseite betrachten, das, was sich Ihnen als Ton zuwendet, von der Rückseite betrachten und so weiter; was sich Ihnen als Geruch zuwendet, würden Sie von der Rückseite betrachten, Sie würden von der Rückseite den Geruch in die Nase fassen. Also von der andern Seite denken Sie sich die Weltbetrachtung: wie einen Teppich ausgebreitet die sinnenfälligen Dinge, und nun den Teppich von der andern Seite einmal angesehen. Ein kleines Stück sehen Sie nur, ein sehr, sehr kleines Stück von dieser Rückseite. Dieses sehr kleine Stück, das kann ich hier nur dadurch zur Darstellung bringen, daß ich die Sache so mache: Denken Sie sich jetzt, ich zeichne das, was Sie da von der andern Seite sehen würden, rot ein; so daß ich sagen kann, schematisch sieht man das Sinnenfällige so: Wie man es gewöhnlich sieht, so sieht es blau aus; sieht man es von der andern Seite, so sieht es rot aus, aber das sieht man natürlich nicht. In diesem, was man da rot sehen würde, steckt erstens alles das drin, was erlebt werden kann zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, zweitens alles das, was beschrieben ist in der «Geheimwissenschaft im Umriß» als Saturn-, Sonnen-, Monden-, Erdenentwickelung und so weiter. Dasjenige liegt da aufgespeichert, was eben verborgen ist für die sinnenfällige Anschauung. Das ist da auf der andern Seite der Kugel. Aber ein kleines Stück sehen Sie davon; das kann ich nur so zeichnen, daß ich jetzt sage: Nehmen Sie dieses kleine Stück von dem Roten, das ginge da herüber (siehe Zeichnung, unten) und durchkreuzt sich mit dem Blauen, so daß das Blaue, statt daß es jetzt vorne ist, dahinter ist. Ich müßte eigentlich hier vierdimensional zeichnen, wenn ich es wirklich zeichnen würde, ich kann es daher nur ganz schematisch zeichnen. Also da (links) sind die Sinne jetzt hier dem Blauen zugewendet; da sind sie nicht zugewendet dem Blauen, sondern dem Roten, das Sie sonst nicht sehen. Aber hinter dem Rot hat sich jetzt gekreuzt das, was sonst gesehen wird, und das ist jetzt darunter. Und dieses kleine Stück, das da sich kreuzt mit dem andern, das sehen Sie fortwährend im gewöhnlichen Bewußtsein. Das sind nämlich Ihre aufgespeicherten Erinnerungen. Alles, was als Erinnerung entsteht, entsteht nicht nach Gesetzen dieser äußeren Wahrnehmungswelt, sondern es entsteht nach den Gesetzen, die dieser hinteren Welt da entsprechen. Dieses Innere, das Sie als Ihre Erinnerungen haben, das entspricht wirklich dem, was da auf der andern Seite ist (rechts). Indem Sie in sich hineinblicken, in alles das, was Ihre Erinnerungen sind, sehen Sie tatsächlich die Welt auf einem Stück von der andern Seite; da ragt das andere ein wenig herein, da sehen Sie die Welt von der andern Seite. Und wenn Sie jetzt durch Ihre Erinnerungen, wie sie so aufgeschrieben sind, durchschlüpfen könnten — ich habe vor acht Tagen davon gesprochen —, wenn Sie da hinunter könnten, unter Ihre Erinnerungen sehen und sie von der andern Seite anschauen könnten, von da drüben (siehe Zeichnung, links), da würden Sie die Erinnerungen als Ihre Aura sehen. Da würden Sie den Menschen sehen als ein geistig-seelisches aurisches Wesen, wie Sie sonst die äußere Welt sinnenfällig in den Wahrnehmungen sehen. Nur wäre es ebensowenig angenehm — wie ich das vor acht Tagen hier charakterisiert habe —, weil da der Mensch noch nicht schön ist von dieser andern Seite.
[ 19 ] You see, you direct your senses outward. Through your senses, you find the external world spread out before you as something perceptible. I’ll sketch a diagram of what lies around us, spread out outward as something perceptible. Please, let this (see drawing, blue) represent what lies out there around us. When you direct your eyes, your ears, your sense of smell—whatever you choose—toward the external world, what turns toward you, so to speak, what turns toward these senses, is the inner side of this external world—that is, the inner side of this external world (left). Suppose you turn your senses toward what I have drawn there (see drawing, arrows); then these senses are directed toward this external world, and you see what leans inward here. Now comes the difficult concept, but I must address it. Everything you are looking at there reveals itself to you from within. Imagine that this must also have an outer side. Well, I want to bring this to your mind schematically by saying: When you look out like this, you see the firmament as the boundary of your vision—this here is almost the same, except that I’ve drawn it small. But now imagine that you could fly out there in an instant, pass right through it, and look from the other side—viewing your sensory impressions from the other side. So you could look like this (see drawing, arrows at the top). Of course, you cannot actually see this; but if you could look that way, that would be the other aspect. You would have to step outside yourself and view your entire sensory world from the other side. So you would view what presents itself to you as color from the back, what presents itself to you as sound from the back, and so on; what presents itself to you as smell, you would view from the back—you would take in the smell through your nose from the back. So imagine viewing the world from the other side: the sensory objects spread out like a carpet, and now you’re looking at the carpet from the other side. You see only a small piece—a very, very small piece—of this reverse side. I can illustrate this very small piece here only by doing the following: Now imagine that I’m drawing what you would see from the other side in red; so that I can say, schematically, this is how the sensory world appears: As one usually sees it, it looks blue; if one sees it from the other side, it looks red—but of course, one doesn’t actually see that. Within this part—which you would see as red—is contained, first of all, everything that can be experienced between death and a new birth; and second, everything described in *An Outline of Esoteric Science* as the Saturn, Sun, Moon, and Earth stages of development, and so on. What is hidden from sensory perception is stored there. That is on the other side of the sphere. But you can see a small part of it; I can only draw it by saying: Take this small part of the red—it would go over there (see drawing, below) and intersect with the blue, so that the blue, instead of being in front, is now behind. I would actually have to draw this in four dimensions if I were to draw it realistically; therefore, I can only draw it very schematically. So here (on the left), the senses are now directed toward the blue; there, they are not directed toward the blue, but toward the red, which you otherwise cannot see. But behind the red, what is otherwise seen has now crossed over, and that is now underneath. And this small section that intersects with the other—you see it constantly in ordinary consciousness. For these are, in fact, your stored memories. Everything that arises as a memory does not arise according to the laws of this outer world of perception, but rather according to the laws that correspond to this inner world over there. This inner world that you experience as your memories truly corresponds to what is on the other side (to the right). By looking within yourself, into all that constitutes your memories, you actually see a fragment of the world from the other side; there, the other side protrudes a little, and there you see the world from the other side. And if you could now slip through your memories as they are written down—I spoke of this eight days ago—if you could go down there, look beneath your memories, and view them from the other side, from over there (see drawing, left), you would see the memories as your aura. There you would see the human being as a spiritual-soul-auric being, just as you otherwise see the outer world sensually in your perceptions. Only it would be just as unpleasant—as I described here eight days ago—because the human being is not yet beautiful from this other side.
[ 20 ] Also das ist das Interessante, was man kreuzen muß mit dem andern Verständnis des dreigliedrigen Menschen. Diese Kreuzung hier, die liegt nun im mittleren Menschen, im Brustmenschen. Sie erinnern sich an die Zeichnung, die ich vor acht Tagen gemacht habe, wo ich ja die in sich gewundenen Lemniskaten mit den zurückgeschlagenen Schleifen hatte: die müßte ich hier zeichnen. Hier müßte ich diesen Brustmenschen zeichnen mit den zurückgeschlagenen Lemniskaten (siehe Zeichnung Seite 85, links unten): das würde zusammenfallen mit der Erinnerungssphäre. So daß dieser dreigliedrige Mensch hier in seinem mittleren Teil diese Umwendung des Menschen hat, wo das Innere äußerlich und das Äußere innerlich wird, wo Sie ein Tableau, das Sie sonst als Welttableau, als die große Welterinnerung schen würden, nun als Ihre eigene kleine mikrokosmische Erinnerung sehen. Sie sehen in Ihrem gewöhnlichen Bewußtsein dasjenige, was sich zugetragen hat von Ihrem dritten Jahre an bis jetzt: das ist eine innere Aufzeichnung, ein kleines Stück für das, was gleichartig mit dem ist, was sonst Aufzeichnung für die ganze Weltenevolution ist, was auf der andern Seite liegt.
[ 20 ] So this is the interesting point—what one must combine with the other understanding of the threefold human being. This combination here is found in the middle human being, the breast-human. You may recall the drawing I made eight days ago, where I depicted the lemniscates coiled inward with their loops turned backward: I would have to draw that here. Here I would have to draw this breast-human with the lemniscates turned backward (see drawing on page 85, bottom left): that would correspond to the sphere of memory. So that this threefold human being has, here in its middle part, this reversal, where the inner becomes outer and the outer becomes inner, where you now see as your own small microcosmic memory what you would otherwise regard as the world tableau, as the great world memory. In your ordinary consciousness, you see what has taken place from your third year until now: this is an inner record, a small fragment corresponding to what is otherwise the record of the entire evolution of the world, which lies on the other side.
[ 21 ] Nicht ohne Grund habe ich seinerzeit, wie den meisten von Ihnen wohl bekannt sein wird, davon gesprochen — und ich habe es ja wiederum ausgeführt in meinem letzten Buche «Von Seelenrätselm am Schluß in der Anmerkung —, nicht ohne Grund habe ich davon gesprochen, daß der Mensch eigentlich zwölf Sinne hat. Diese Sinne müssen wir uns so denken, daß eine Anzahl von diesen zwölf Sinnen nach dem Sinnenfälligen zugewendet sind, eine andere Anzahl von diesen zwölf Sinnen sind aber nach rückwärts gerichtet. Sie sind auch da unten (siehe Zeichnung Seite 85) nach dem gerichtet, was schon das Gewendete ist. Und zwar sind nach dem äußeren Sinnenfälligen gerichtet: Ichsinn, Denksinn, Sprachsinn, Hörsinn, Sehsinn, Geschmackssinn, Geruchssinn. Diese Sinne sind gerichtet nach dem Sinnenfälligen. Die andern Sinne kommen ja eigentlich dem Menschen deshalb nicht zum Bewußtsein, weil sie zunächst nach seinem eigenen Inneren und dann nach dem Umgekehrten der Welt gerichtet sind. Das sind vorzugsweise: Wärmesinn, Lebenssinn, Gleichgewichtssinn, Bewegungssinn, Tastsinn. So daß wir sagen können: Für das gewöhnliche Bewußtsein liegen sieben Sinne im Hellen (oben) und fünf Sinne im Dunkeln (unten). Und diese fünf Sinne, die im Dunkeln liegen, die sind der andern Seite der Welt zugewendet, auch im Menschen der andern Seite (siehe Zeichnung Seite 85).
[ 21 ] It was not without reason that I spoke of this at the time—as most of you are probably aware—and I elaborated on it again in the note at the end of my latest book, *On the Riddles of the Soul*—it was not without reason that I spoke of the fact that human beings actually have twelve senses. We must conceive of these senses in such a way that some of these twelve senses are directed toward the sensory world, while others are directed inward. They are also directed down there (see illustration on page 85) toward what has already been turned toward us. Specifically, the following are directed toward the external sensory realm: the sense of “I,” the sense of thought, the sense of speech, the sense of hearing, the sense of sight, the sense of taste, and the sense of smell. These senses are directed toward the sensory realm. The other senses, in fact, do not come to a person’s consciousness precisely because they are directed first toward their own inner being and then toward the inverted world. These are primarily: the sense of warmth, the sense of life, the sense of balance, the sense of movement, and the sense of touch. Thus we can say: For ordinary consciousness, seven senses lie in the light (above) and five senses lie in the darkness (below). And these five senses, which lie in the darkness, are turned toward the other side of the world, and in the human being, toward the other side as well (see drawing on page 85).
[ 22 ] Sie können daher einen vollständigen Parallelismus haben zwischen den Sinnen und zwischen etwas anderem, wovon wir gleich sprechen werden (siehe Zeichnung, Kreis). Also nehmen wir an, wir hätten als Sinne zu verzeichnen den Hörsinn, den Sprachsinn, den Denksinn, den Ichsinn, den Wärmesinn, den Lebenssinn, den Gleichgewichtssinn, den Bewegungssinn, den Tastsinn, den Geruchssinn, den Geschmackssinn, den Sehsinn, so haben Sie im wesentlichen alles dasjenige, was vom Ichsinn geht bis zum Geruchssinn, im Hellen liegend, in dem, was dem gewöhnlichen Bewußtsein zugänglich ist (siehe Zeichnung, schraffiert). Und alles dasjenige, was abgewendet ist vom gewöhnlichen Bewußtsein, so wie die Nacht vom Tag abgekehtt ist, das gehört den andern Sinnen an.
[ 22 ] You can therefore have a complete parallelism between the senses and between something else, which we will discuss shortly (see diagram, circle). So let’s assume we have the following senses: the sense of hearing, the sense of language, the sense of thought, the sense of the self, the sense of warmth, the sense of life, the sense of balance, the sense of movement, the sense of touch, the sense of smell, the sense of taste, and the sense of sight. Essentially, you have everything from the sense of the self down to the sense of smell, lying in the light, in that which is accessible to ordinary consciousness (see diagram, hatched area). And everything that is turned away from ordinary consciousness, just as night is turned away from day, belongs to the other senses.
[ 23 ] Es ist natürlich die Grenze auch wiederum nur schematisiert; es fällt etwas ineinander; es sind die Wirklichkeiten nicht so bequem. Aber diese Gliederung des Menschen nach den Sinnen ist so, daß Sie schon im Schema an die Stelle der Sinne nur zu zeichnen brauchen die Himmelszeichen, so haben Sie: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage — sieben Himmelszeichen für die helle Seite; fünf für die dunkle Seite: Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische: Tag, Nacht; Nacht, Tag. Und Sie haben einen vollständigen Parallelismus zwischen dem mikrokosmischen Menschen — dem, was zugewendet ist seinen Sinnen, und dem, was abgewendet ist, aber eigentlich zugewendet ist seinen unteren Sinnen — und zwischen dem, was im äußeren Kosmos den Wechsel bedeutet von Tag und Nacht. Es geht gewissermaßen im Menschen dasselbe vor, was im Weltengebäude vorgeht. Im Weltengebäude wechseln Tag und Nacht, im Menschen wechselt auch Tag und Nacht, nämlich Wachen und Schlafen, wenn sich auch beide voneinander emanzipiert haben für den gegenwärtigen Bewußtseinszyklus des Menschen. Während des Tages ist der Mensch zugewendet den Tagessinnen; wir können ebensogut sagen: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, wie wir sagen könnten: Ichsinn, Denksinn, Sprachsinn und so weiter. Sie können jedes Ich eines andern Menschen sehen, Sie können die Gedanken des andern Menschen verstehen, Sie können hören, sehen, schmecken, riechen: das sind die Tagessinne. In der Nacht ist der Mensch so, wie sonst die Erde nach der andern Seite gewendet ist, den andern Sinnen zugewendet, nur sind diese noch nicht vollentwickelt. Sie werden erst nach der Venuszeit so voll entwickelt sein, daß sie wahrnehmen können, was da nach der andern Seite ist. Sie sind noch nicht so voll entwickelt, daß sie das wahrnehmen können, was da nach der andern Seite ist. Sie sind in Nacht gehüllt, wie beim Durchgang durch die andern Himmelsregionen, durch die andern Bilder des Tierkreises, die Erde in der Nacht ist. Das Durchschreiten des Menschen durch seine Sinne ist ganz zu parallelisieren mit dem Gang — ob Sie nun sagen der Sonne um die Erde oder der Erde um die Sonne, das ist ja schließlich für diesen Zweck gleichgültig; aber diese Dinge hängen zusammen. Und diese Zusammenhänge kannten die Weisen der alten Mysterien sehr gut.
[ 23 ] Of course, this distinction is, again, only a simplification; the categories overlap somewhat; reality is not so straightforward. But this division of the human being according to the senses is such that, even in the schematic, you need only substitute the zodiac signs for the senses, and you have: Aries, Taurus, Gemini, Cancer, Leo, Virgo, Libra—seven zodiac signs for the light side; five for the dark side: Scorpio, Sagittarius, Capricorn, Aquarius, Pisces: day, night; night, day. And you have a complete parallelism between the microcosmic human being—that which is turned toward the senses, and that which is turned away, yet is actually turned toward the lower senses—and between that which in the outer cosmos signifies the alternation of day and night. In a sense, the same process takes place within the human being as occurs in the structure of the world. In the structure of the world, day and night alternate; in the human being, day and night also alternate—namely, waking and sleeping—even though both have become emancipated from one another in the current cycle of human consciousness. During the day, the human being is attuned to the daytime senses; we might just as well say: Aries, Taurus, Gemini, Cancer, Leo, Virgo, Libra, as we might say: the sense of “I,” the sense of thought, the sense of speech, and so on. You can perceive every other person’s “I”; you can understand another person’s thoughts; you can hear, see, taste, and smell: these are the daytime senses. At night, human beings are, just as the Earth is otherwise turned toward the other side, turned toward the other senses—only these are not yet fully developed. Only after the Venusian era will they be fully developed enough to perceive what lies on the other side. They are not yet fully developed enough to perceive what lies on the other side. They are shrouded in night, just as the Earth is at night when passing through the other regions of the heavens, through the other signs of the zodiac. The human being’s journey through his senses can be likened entirely to the orbit—whether you speak of the Sun orbiting the Earth or the Earth orbiting the Sun, it is ultimately irrelevant for this purpose; but these things are interconnected. And the sages of the ancient mysteries knew these connections very well.


[ 24 ] Das verschwand für das Bewußtsein eben allmählich in der vierten nachatlantischen Zeit, aber es muß wieder heraufgeholt werden, muß auch gegen die Widerstände, die sich dagegen erheben, wiederum heraufgeholt werden für die Menschheitskultur. Denn in den Begriffen, die man sich da aneignet, liegt dasjenige, was einem auch verständlich erscheinen läßt, was nun im sozialen, im geschichtlichen Leben vor sich geht. Solange Sie Naturleben und geistiges Leben in der Art trennen, wie das die moderne Menschheit heute liebt, so lange kommen Sie nicht zu solchen Begriffen, die im geschichtlichen Werden eine Rolle spielen könnten, sondern Sie werden überwältigt von den Begriffen, die im geschichtlichen Leben eine Rolle spielen. Überwältigt werden Sie. Dafür gibt es ja viele Beispiele.
[ 24 ] This gradually faded from consciousness during the fourth post-Atlantean epoch, but it must be brought back—and must be brought back once again for the sake of human culture, even in the face of the resistance that arises against it. For it is in the concepts one acquires there that lies what enables one to understand what is now taking place in social and historical life. As long as you separate natural life and spiritual life in the way that modern humanity prefers today, you will not arrive at concepts that could play a role in historical development; instead, you will be overwhelmed by the concepts that play a role in historical life. You will be overwhelmed. There are, after all, many examples of this.
[ 25 ] Nicht wahr, die Menschen haben seit, nun, sagen wir zweihundert Jahren, wie sie glauben, furchtbar viel gedacht. Man kann zusammenstellen, was die Menschen seit zweihundert Jahren gedacht haben, was sie an Idealen ausgebildet haben, wovon sie als den großen Idealen gesprochen haben und immer wieder sprechen: von dem Ideal der Aufklärungszeit bis jetzt zu dem Ideal des großen Cäsar-Ersatzes Woodrow Wilson. All dasjenige, was da über die verschiedenen Ideale gesprochen worden ist, das haben die Menschen durch die Jahrhunderte, durch zwei Jahrhunderte hindurch gedacht; das bildete die Gedanken der Menschen. Aber die Weltgeschichte ist wenig bewegt worden von diesen Gedanken. Die Weltgeschichte ist von etwas ganz anderem bewegt worden: von jenen Gedanken, die in den Dingen gewirkt und gewebt haben. Und niemals waren eigentlich die Gedanken, die in den Menschenköpfen wimmeln, weiter entfernt von den großen kosmischen Gedanken, die in den Dingen leben, als in unserer Zeit. Dasjenige, was seit, man kann sagen, hundertfünfzig Jahren die Menschen dazu getrieben hat, eine gewisse Gestaltung der Welt zu bewirken, das sind nicht die Gedanken von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und so weiter, sondern das sind die Gedanken, welche verwoben waren zum Beispiel mit dem Aufkommen des mechanischen Webstuhls. Daß der mechanische Webstuhl hereingekommen ist in die moderne Entwickelung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, daß sich diese bedeutsame Erfindung des mechanischen Webstuhls an die Stelle der alten Handweberei hineingefunden hat in die Menschheitsentwickelung, und daß von diesem mechanischen Webstuhl die ganze Maschinenkultur der neueren Zeit ausgegangen ist, darinnen weben die objektiven Gedanken, die wirklichen Gedanken, welche der Welt die Gestaltung gegeben haben, die sie bis heute hat, und aus der das gegenwärtige katastrophale Chaos entstanden ist. Man muß nicht, wenn man eine Geschichte schreiben will des gegenwärtigen katastrophalen Chaos, an die Gedanken, die in dem Menschenbewußtsein gewirnmelt haben, sich wenden, sondern an diese objektiven Gedanken von der Begründung, von der Erfindung des mechanischen Webstuhls bis zu dem Werden der Großindustrie und ihres Schattens, des Sozialismus. Denn wenn das auch scheinbare Gegensätze sind, Großindustrie und Sozialismus, so sind sie polarische Gegensätze, die zueinander gehören, sie sind nicht voneinander zu trennen. Bei diesen objektiven Gedanken muß man anfragen und das geschichtliche Werden betrachten.
[ 25 ] Isn’t it true that, for, say, two hundred years, people have, as they believe, thought an awful lot? One can compile what people have thought over the past two hundred years, what ideals they have developed, and what they have spoken of—and continue to speak of—as the great ideals: from the ideal of the Enlightenment up to the present day, to the ideal of the great Caesar substitute, Woodrow Wilson. Everything that has been said about these various ideals—that is what people have been thinking about over the centuries, over the course of two centuries; that shaped people’s thoughts. But world history has been scarcely moved by these thoughts. World history has been driven by something entirely different: by those thoughts that have worked and woven their way into things. And never, in fact, have the thoughts swarming in people’s minds been further removed from the great cosmic thoughts that live in things than in our time. What has, one might say, driven people for the past one hundred and fifty years to bring about a certain shaping of the world are not the ideas of liberty, equality, fraternity, justice, and so on, but rather the ideas that were interwoven, for example, with the advent of the mechanical loom. The fact that the mechanical loom entered modern development in the second half of the 18th century, that this significant invention—the mechanical loom—took the place of traditional hand weaving in human development, and that the entire machine culture of modern times has sprung from this mechanical loom—in all of this are woven the objective ideas, the real ideas that have given the world the form it has to this day, and from which the current catastrophic chaos has arisen. If one wishes to write a history of the present catastrophic chaos, one need not turn to the thoughts that have swirled in human consciousness, but rather to these objective ideas—from the inception and invention of the mechanical loom to the rise of large-scale industry and its shadow, socialism. For even if large-scale industry and socialism are apparent opposites, they are polar opposites that belong together; they cannot be separated from one another. It is these objective ideas that one must examine and consider in the context of historical development.
[ 26 ] Da findet man dann, daß die Menschen sich vielen Illusionen hingegeben haben in der Zeit des 18. Jahrhunderts, das 19. Jahrhundert hindurch, und namentlich in dem Teil des 20. Jahrhunderts, in dem wir jetzt leben. Sie haben sich vielen Illusionen hingegeben in ihren Gedanken; aber überwältigt sind sie worden von den objektiven, historisch-kosmischen Gedanken. Die weben in den Dingen. Und ein Interesse für diese objektiv webenden Gedanken, wenn auch ein furchtbar einseitiges Interesse, haben eigentlich doch nur diejenigen Menschen allmählich entwickelt, welche den Sozialismus als Weltanschauung ausgebildet haben. Und das ist etwas ungeheuer Charakteristisches. Wenn Sie das 19. Jahrhundert verfolgen: das Bourgeoistum verliert immer mehr und mehr das Interesse für große Weltanschauungsfragen. Große Weltanschauungsfragen werden sogar dem Bourgeoistum höchst unangenehm, sie werden womöglich in die Ästhetik hinein abgeschoben. Ob es geistige Wesen gibt oder nicht, darüber mag man, wenn man ein richtiger Durchschnittsbourgeois ist, von der Bühne herunter allerlei vernehmen, wo man nicht daran zu glauben braucht, wo es nicht darauf ankommt, ob die Dinge Wahrheiten sind oder nicht: da läßt man sich von Björnson und ähnlichen Leuten das Mannigfaltigste vormachen. So in das Ästhetische hinein, in das Spielen mit allerlei sogenannten Künstlerischem, dahin wird das Weltanschauungsgemäße für das Bourgeoistum in der neueren Zeit abgeschoben. Wirklich für Weltanschauungsfragen die Köpfe gegenseitig zerschlagen — womit ich das nicht als ein Ideal betrachten will im physischen Sinne, aber im geistigen Sinne ist es in gewissem Sinne ein Ideal: Sie wissen, ich habe mit einem sehr starken Aplomb darauf hingewiesen, daß ich gerne Temperament haben würde auch beim Vertteten anthroposophischer Wahrheiten —, die Köpfe eingeschlagen hat man sich in den letzten Jahrzehnten auf sozialistischem Gebiete. Und darum haben sich die andern nicht gekümmert. Sie haben, möchte ich sagen, diejenigen Leute allein gelassen, welche die Welt eigentlich von einem sehr engen Aspekt aus gesehen haben, welche die Welt nur gesehen haben von dem Aspekt der Fabrik aus, von dem Inneren der Fabrik aus, von dem Inneren der Buchdruckerwerkstätte und so weiter. Und es ist ja im höchsten Maße interessant, was für eine sogenannte Weltanschauung herausgekommen ist von dem Aspekte der Fabrik aus: denn das ist der Sozialismus! Das ist vom Aspekt des Inneren der Fabrik, das ist vom Aspekt der Menschen aus, die gar nichts anderes kennen als das Innere der Fabrik. Und für das, was da sich heranentwickelte, hat sich das Bourgeoistum, das sich mit allerlei abstrakten Ideen, aber auch im Abstrakten mit Ästhetisieren befaßt, so daß man nicht sehr sich die Köpfe zu zerschlagen brauchte, für das, was da unten sich entwickelt hat, hat sich das Bourgeoistum eigentlich wenig interessiert. Und so ist das Bourgeoistum kurioserweise in die Mitte hineingekommen zwischen der absterbenden, der ganz absterbenden alten Weltanschauung, die alles Geistige verloren hat, die alle großen Fragen überhaupt in den Ästhetizismus hinein abschieben möchte, und dem, was da neu heraufkommt, dem Sozialismus, der überhaupt noch keine Begriffe hat, der noch lediglich mit Worten allerlei Systeme bereitet, weil er die Welt überhaupt noch nicht sehen kann, sondern nur die Fabrik sehen kann, nur das alleräußerste Mechanische sehen kann. Denken Sie sich doch, was es eigentlich zu bedeuten hat, wenn der Mensch innerlich nichts weiß von Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich, sondern nur weiß von der Art und Weise, wie in der Maschine mechanisch sich dieser oder jener Zapfen auf und ab bewegt, das oder jenes zugefeilt und zugehobelt wird und dergleichen! Der Sozialismus ist eine Weltanschauung, die da fußt auf der Anschauung einer Welt, die rein mechanisch ist. Es ist für den Sozialisten das Stück der Welt herausgeschnitten, das mechanisch ist; danach formt er sich seine Begriffe.
[ 26 ] There one finds that people have succumbed to many illusions during the 18th century, throughout the 19th century, and especially in the part of the 20th century in which we now live. They have succumbed to many illusions in their thinking; but they have been overwhelmed by objective, historical-cosmic ideas. These are woven into the fabric of things. And an interest in these objectively woven ideas—albeit a terribly one-sided interest—has in fact been gradually developed only by those people who have formed socialism as a worldview. And that is something tremendously characteristic. If you trace the 19th century: the bourgeoisie is losing more and more interest in major worldview questions. Major worldview questions even become highly unpleasant for the bourgeoisie; they are possibly relegated to the realm of aesthetics. Whether spiritual beings exist or not—if you are a typical average bourgeois, you may hear all sorts of things about this from the stage, where you don’t need to believe in them, where it doesn’t matter whether these things are true or not: there, you let Björnson and people like him lead you to believe all manner of things. Thus, into the realm of aesthetics, into the play with all manner of so-called “artistic” things—that is where matters of worldview have been relegated for the bourgeoisie in recent times. To truly bash each other’s heads in over questions of worldview—by which I do not mean to regard this as an ideal in the physical sense, but in the spiritual sense it is, in a certain sense, an ideal: You know, I have pointed out with great aplomb that I would like to have some temperament even when defending anthroposophical truths—and in recent decades, people have been butting heads in the socialist sphere. And that is why the others did not concern themselves with it. They have, I would say, left alone those people who actually viewed the world from a very narrow perspective—who saw the world only from the perspective of the factory, from within the factory, from within the printing workshop, and so on. And it is, of course, extremely interesting what kind of so-called worldview has emerged from the perspective of the factory: for that is socialism! It stems from the perspective of the interior of the factory; it stems from the perspective of people who know nothing else but the interior of the factory. And as for what was developing down there—the bourgeoisie, which is preoccupied with all sorts of abstract ideas, but also with aestheticizing in the abstract, so that one didn’t really have to rack one’s brains—the bourgeoisie actually took little interest in what was developing down there. And so, curiously enough, the bourgeoisie has found itself in the middle between the dying—the completely dying—old worldview, which has lost all that is spiritual and seeks to push all the great questions into aestheticism, and what is emerging anew—socialism, which has no concepts at all yet, which is still merely devising all sorts of systems with words, because it cannot yet see the world at all, but can only see the factory, can only see the most extreme mechanical aspects. Just imagine what it actually means when a person knows nothing inwardly about the mineral, plant, and animal kingdoms, but knows only the way in which, mechanically, this or that pin moves up and down in a machine, this or that is filed or planed, and the like! Socialism is a worldview based on the conception of a world that is purely mechanical. For the socialist, the part of the world that is mechanical has been carved out; he forms his concepts accordingly.
[ 27 ] Das hat man entstehen lassen, weil man das Prinzip hatte, sich eigentlich nur ästhetisch um die Dinge zu bekümmern. Als die 'Theosophische Gesellschaft zuerst begründet worden ist, hat man ja auch ihren Hauptgrundsatz gesehen in der Liebe aller Menschen untereinander. Wieviel ist darüber deklamiert worden! Nun, ich habe mich ja über diesen Punkt genügend ausgesprochen. Er ist ebenso bequem wie unfruchtbar. Aber er rührt auch davon her, daß man möglichst abschieben will dasjenige, was wirklich konkreten Inhalt hat, in das Inhaltlose hinein. Und so konnte man auch nicht ein eigentliches Interesse fassen für den wirklichen Hergang der Dinge. Einzelnen Menschen fiel das Absonderliche herkömmlicher, sagen wir Geschichtsbetrachtung auf. Nehmen wir einen Fall.
[ 27 ] This was allowed to develop because the guiding principle was to concern oneself with things solely from an aesthetic standpoint. When the Theosophical Society was first founded, its main principle was, after all, seen as love among all people. How much has been declaimed about this! Well, I have already expressed myself sufficiently on this point. It is as convenient as it is fruitless. But it also stems from a desire to push whatever has truly concrete content as far as possible into the realm of the meaningless. And so it was impossible to take a genuine interest in the actual course of events. Some individuals noticed the peculiar nature of conventional—let’s say—historical analysis. Let’s take one example.
[ 28 ] Nehmen Sie eine beliebte Darstellung der römischen Kaiserzeit; versuchen Sie in den Schulbüchern oder in den Büchern auch, die die großen autoritativen Historiker geschrieben haben, über die römische Kaiserzeit sich zu unterrichten. Ich glaube, Sie werden aus diesen Darstellungen außerordentlich wenig vernehmen über eine gewisse Persönlichkeit, die schon unter Nero eine bedeutende politische Rolle gespielt hat — so unter Nero kommen bereits die politischen Aspirationen durch —, dann ganz besonderes Aufsehen erregte und bedeutenden Einfluß auf die Politik Roms erlangte unter Vespasian und Tilus, so daß man sagen kann, daß diese Persönlichkeit die Seele der Regierung des Vespasianus und Titus war. Dann wendete sich diese Persönlichkeit der andern Seite zu unter der Regierung des Domitianus, den sie für einen Schädling des Römertums hielt. Sie wendete sich der andern Seite zu. Es wird ihr der Prozeß gemacht, ein sehr aufsehenerregender Prozeß in Rom, der sehr interessant verlaufen ist, in welchem Domitianus geradezu umgeschlagen hat vom Tyrannen zu einem, der sich gegenüber diesem Prozeß nicht zu helfen wußte, daher den Mann nicht verurteilen konnte. Dann wiederum, als an Stelle des Domitianus Nerva kam, sehen wir diese Persönlichkeit wieder energisch verbunden mit dem Kaiser, dem Cäsar. Da sehen wir aber diese Persönlichkeit große Politik machen aus der gesamten Weltanschauung der damaligen Zeit heraus, und wir sehen zu gleicher Zeit diese Persönlichkeit versuchen, wirklich weitgehende, aus dem Kosmos heruntergeholte Begriffe noch einmal, zum letzten Male während der römischen Kaiserzeit, den politischen Ereignissen einzuimpfen. Und kurioserweise finden Sie ja eine richtige Beschreibung dieser Persönlichkeit in gar keinem gebräuchlichen Geschichtsbuche, nicht einmal bei SzeZon und Tacitus, sondern nur bei Philostratus. Und Philostratus schildert auch nur so, daß man nicht wußte, schildert er einen Roman oder eine Wirklichkeit. Er schildert das Leben des Apollonius von Tyana. Denn Apollonius von Tyana ist der, von dem ich Ihnen gesagt habe, daß er von Nero an bis zu Nerva und namentlich unter Vespasian und Titus einen so großen Einfluß auf die Politik hatte, und den Philostratus beschrieb. Und der Tübinger Theologe Baur, der Historiker Baur war im höchsten Grade erstaunt, daß man so gar nichts findet über eine Persönlichkeit wie den Apollonius, der eine erste Rolle spielen müßte in der Geschichtsdarstellung. Natürlich sah Baur nicht ein, worauf es ankommt. Es kommt darauf an, daß in Apollonius eine Persönlichkeit dasteht in der Geschichte, die schon diesen großen Einfluß hatte, aber die aus dem überragenden Kosmischen die Prinzipien herunterholte. Das war dem ins Römische hineinmündenden Christentum im höchsten Grade fatal. Und nun bitte ich Sie zu berücksichtigen, daß alles dasjenige, was historisch da ist, von der Kirche Gnaden da ist. Es ist ja sonst nichts da, als was die Kirche aus Gnade den Menschen gelassen hat. Nicht mit Unrecht hat ein alter, gar nicht dummer Mensch behauptet, daß es überhaupt einen Plato, einen Sophokles gar nicht gegeben hatte, sondern daß Mönche vom 14. und 15. Jahrhundert des Sophokles’ Dramen geschrieben hatten; denn ein strikter Beweis dafür, daß Sophokles gelebt hat, ist nicht da. Wenn auch die Behauptung nicht haltbar ist, selbstverständlich Unsinn ist, aber wie unsicher alles dasjenige ist, was geschichtliche Fable convenue ist, wir haben es ja schon oft betont. Und wir müssen uns darüber klar sein. Wir müssen ja die Gegenwart mit der Vergangenheit in Zusammenhang bringen, denn wir nähern uns jetzt einer großen, bedeutungsvollen Frage.
[ 28 ] Take a popular account of the Roman Imperial period; try to learn about it from school textbooks or from books written by the great, authoritative historians. I believe you will learn remarkably little from these accounts about a certain figure who already played a significant political role under Nero—his political aspirations were already evident under Nero—and who then caused quite a stir and gained significant influence over Roman politics under Vespasian and Titus, so that one can say this figure was the soul of the government of Vespasian and Titus. Then, under the reign of Domitian, whom he regarded as a scourge of Roman civilization, this figure turned to the other side. He turned to the other side. He was put on trial—a highly sensational trial in Rome that unfolded in a very interesting manner, during which Domitian underwent a complete reversal, transforming from a tyrant into someone who was at a loss as to how to handle this trial and was therefore unable to convict the man. Then again, when Nerva succeeded Domitian, we see this figure once more energetically aligned with the emperor, Caesar. There, however, we see this figure engaging in high politics based on the entire worldview of that time, and at the same time we see this figure attempting—for the last time during the Roman Empire—to instill truly far-reaching concepts drawn from the cosmos into political events. And curiously enough, you won’t find an accurate description of this figure in any standard history book—not even in SzeZon or Tacitus—but only in Philostratus. And Philostratus describes him in such a way that one cannot tell whether he is recounting a novel or reality. He describes the life of Apollonius of Tyana. For Apollonius of Tyana is the one I told you about—the man who exerted such a great influence on politics from the time of Nero through Nerva, and especially under Vespasian and Titus—and whom Philostratus described. And the Tübingen theologian Baur—the historian Baur—was utterly astonished that one could find absolutely nothing about a figure like Apollonius, who ought to have played a leading role in historical accounts. Of course, Baur failed to see what really matters. What matters is that Apollonius represents a historical figure who not only exerted this great influence but also derived his principles from the transcendent cosmic order. This was utterly disastrous for Christianity as it was becoming integrated into Roman culture. And now I ask you to bear in mind that everything that exists historically is there by the grace of the Church. After all, there is nothing else there but what the Church has graciously left to humanity. It was not without reason that an old man—by no means a foolish one—claimed that there had never actually been a Plato or a Sophocles at all, but that monks of the 14th and 15th centuries had written Sophocles’ plays; for there is no conclusive proof that Sophocles ever lived. Even if this claim is untenable—and is, of course, nonsense—we have often emphasized just how uncertain everything is that is considered established historical fact. And we must be clear about this. We must, after all, connect the present with the past, for we are now approaching a great and significant question.
[ 29 ] Wir haben wiederum, vom modernen Standpunkte jetzt, hingewiesen auf den dreigeteilten Menschen, auf diesen Zusammenhang mit kosmischen Wahrheiten, auf die Notwendigkeit, daß das wieder enthüllt werde. Ja, worin bestand denn eigentlich die Haupttätigkeit der Kirche, namentlich seit dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel, das 869 stattfand? Sie bestand darinnen, auszulöschen, auszutilgen vom menschlichen Bewußtsein dasjenige, was in jenen alten Zeiten auch das Christentum an Verständnis für den. Zusammenhang des Menschen mit dem Kosmos, mit der großen geistigen Welt hatte. Mit einer wahren Ängstlichkeit hat man alles dasjenige beseitigt, was diesen Zusammenhang verrät. Und nur, weil nicht alles beseitigt werden kann, weil das Karma dem schon entgegenwirkt, sind solche Werke wie das des Philostratus geblieben. Und daher können Sie es begreifen, wenn Sie jetzt die Vergangenheit mit der Gegenwart zusammenbringen, daß gewisse Menschen von kirchlicher Seite heillose Angst bekommen, wenn in der Gegenwart wiederum die Anknüpfung gepflogen werden soll zwischen dem, was den Menschen zu einem Wesen des Kosmos macht, und diesem Menschen selber und seiner Aufgabe.
[ 29 ] We have once again—from a modern perspective—pointed out the threefold nature of the human being, this connection to cosmic truths, and the necessity of revealing this once more. Indeed, what exactly was the main activity of the Church, particularly since the Eighth Ecumenical Council in Constantinople, which took place in 869? It consisted in erasing, in wiping out of human consciousness that which, in those ancient times, Christianity itself had understood regarding the connection between the human being and the cosmos, and with the great spiritual world. With genuine anxiety, everything that revealed this connection was eliminated. And only because not everything can be eliminated—because karma already counteracts this—have works such as that of Philostratus survived. And so, if you now bring the past into relation with the present, you can understand why certain people on the side of the Church are seized by a desperate fear whenever, in the present, an attempt is made to reestablish the connection between what makes a human being a part of the cosmos, and that human being himself and his mission.
[ 30 ] Es geht eben nicht an, daß man nur schläfrig dasjenige verfolgt, was durch die anthroposophische Bewegung gewollt sein sollte. Man muß es in lebendigem, kraftvollem Bewußtsein verfolgen. Das ist schon notwendig. Damit habe ich hingewiesen auf dasjenige, was wir nun weiter ausführen wollen. Morgen werde ich den Vortrag hier halten, in dem ich diese Betrachtungen fortsetzen werde.
[ 30 ] It is simply not acceptable to pursue what the anthroposophical movement intends to achieve in a half-asleep manner. One must pursue it with a lively, vigorous awareness. That is absolutely necessary. With this, I have pointed out what we now wish to elaborate on further. Tomorrow I will give a lecture here in which I will continue these reflections.
