The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184
7 September 1918, Dornach
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The Polarity of Duration and Development in Human Life, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Ein völliger Einblick in die Verhältnisse, die wir jetzt berühren, ist doch nicht möglich, ohne daß man genauer hinsieht auf das Wesen des Menschen in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, im Schlafzustande. Schematisch ist Ihnen ja allen dieser Schlafzustand bekannt: Es trennt sich dasjenige, was man, wenn man es so nennen will, Ich und astralischen Leib nennt, von dem physischen Leib und dem Ätherleib. Wenn man aber das Wesen des Schlafes genauer ins Auge fassen will, dann muß man doch darauf aufmerksam werden, daß der Mensch gerade im Schlafzustande die Wirklichkeit dessen erlebt, wovon wir gestern so gesprochen haben, daß wir sagten: Augustinus sucht im inneren Erleben die wirkliche, wahrhaftige Gewißheit über die Welt zu erfassen. — Aber der Mensch erfaßt im Wachzustande nicht völlig sein Inneres. Man muß sich klar darüber sein, daß dasjenige, was man als Ich und als astralischen Leib bezeichnet, im Wachzustande durchaus nicht wirklich zum Bewußtsein des Menschen kommt, sondern daß in diesem Wachzustande nur ein Abbild, ein Spiegelbild von Ich und astralischem Leib zum Bewußtsein des Menschen kommt. Im Schlafzustande, also vom Einschlafen bis zum Aufwachen, würde der Mensch, wenn er sich bewußt wäre wir können auch sagen, wenn er sich bewußt wird durch jene Übungen, die Ihnen zur Verfügung stehen, die Sie ja beschrieben finden in den verschiedenen Schriften —, es würde der Mensch durch den Schlafzustand, wenn er sich bewußt würde, was er da erlebt, gewissermaßen die wahre Gestalt von Ich und astralischem Leib erleben, nicht das Spiegelbild, wie im Wachzustande, sondern die wahre Gestalt. Da muß man aber dann sich klar sein darüber, daß diese wahre Gestalt von Ich und astralischem Leib so vor des Menschen Seele tritt, so vor das imaginative Bewußtsein tritt, daß während des Schlafzustandes der Mensch in dem inneren Erleben das wirklich in sich, innerhalb seines Ich und seines astralischen Leibes erlebt, also in sich erlebt, was wir dritte Hierarchie nennen, die Hierarchie der Angeloi, Archangeloi und Archai.
[ 1 ] A complete understanding of the conditions we are now addressing is not possible without taking a closer look at the nature of the human being during the period from falling asleep to waking up—that is, in the state of sleep. You are all familiar, at least in general terms, with this state of sleep: what is called—if one wishes to use that term— the “I” and the astral body, separates from the physical body and the etheric body. But if one wishes to examine the nature of sleep more closely, one must realize that it is precisely in the state of sleep that the human being experiences the reality of what we spoke of yesterday, when we said: Augustine seeks to grasp the real, true certainty about the world through inner experience. — But in the waking state, a person does not fully grasp their inner self. One must be clear that what is referred to as the “I” and the “astral body” does not actually come into a person’s consciousness at all in the waking state; rather, in this waking state, only an image, a reflection of the “I” and the astral body, comes into a person’s consciousness. In the state of sleep—that is, from falling asleep until waking up—if a person were conscious—or, we might also say, if they became conscious through those exercises that are available to you, which you will find described in the various writings— —if a person were to become aware of what they are experiencing during the state of sleep, they would, so to speak, experience the true form of the “I” and the astral body, not the mirror image as in the waking state, but the true form. But one must then be clear about the fact that this true form of the I and the astral body appears before the human soul, before the imaginative consciousness, in such a way that during the state of sleep, the human being experiences in their inner life—that is, within their I and their astral body—what we call the third hierarchy: the hierarchy of the Angeloi, Archangeloi, and Archai.
[ 2 ] Während des Wachzustandes erlebt der Mensch diesen innigen Zusammenhang, in dem er eigentlich sein ganzes Leben hindurch mit den als Angeloi, Archangeloi und Archai bezeichneten Wesenheiten steht, nicht. Und darinnen besteht eben für den Wachzustand die Täuschung, daß es bleibt bei dem abstrakten Ich, das der Mensch erlebt, und bei den schattenhaften Vorstellungen und Gedanken, die des Menschen Seele erfüllen — denn schattenhaft sind sie doch —, oder gar bei dem halb traumhaft vor sich gehenden Gefühl der Wollungen. Das ist das Wesentliche, daß der Mensch während des Wachzustandes dabei bleiben muß, dieses Schattenhafte seines Ich und seines astralischen Leibes zu erleben, und daß er sich nicht bewußt werden kann, daß in sein Ich hereinwirken die Wesenheiten der dritten Hierarchie. In dem Augenblicke, wo der Mensch wirklich im Schlafe aufwachen würde, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, würde er nicht eine äußere Natur um sich herum haben, aber er würde in sich erfühlen die Wesenheiten der Engel, Erzengel und der Zeitgeister. Und davon kommt es, daß wir in unserer Seelenverfassung etwas haben, was wir sonst nicht hätten. Würde in unser Ich und in unseren astralischen Leib nicht die Hierarchie der Angeloi hereinwirken, so würden wir uns nicht als Persönlichkeit fühlen können. Also dadurch, daß die Hierarchie der Angeloi hereinwirkt in unsere geistig-seelische Wesenheit, fühlen wir uns als freie Persönlichkeit.
[ 2 ] While awake, a person does not experience this intimate connection that actually exists throughout their entire life with the beings known as Angeloi, Archangeloi, and Archai. And therein lies the very illusion of the waking state: that it remains confined to the abstract “I” that a person experiences, and to the shadowy images and thoughts that fill the human soul—for shadowy they indeed are—or even to the half-dreamlike sensation of volitional impulses. This is the essential point: that during the waking state, a person must remain confined to experiencing this shadowy aspect of their “I” and their astral body, and that they cannot become aware that the beings of the third hierarchy are working within their “I.” At the moment when a human being were truly to “wake up” from sleep, if I may use that expression, he would not have an external nature around him, but he would sense within himself the beings of the angels, archangels, and the spirits of the ages. And this is why we possess something in our soul’s constitution that we would not otherwise have. If the hierarchy of the Angeloi did not act upon our ego and our astral body, we would not be able to feel ourselves as personalities. Thus, it is through the influence of the hierarchy of the Angeloi upon our spiritual-soul being that we feel ourselves as free personalities.
[ 3 ] Dadurch, daß die Hierarchie der Archangeloi hereinwirkt, fühlen wir uns als Angehörige der ganzen Menschheit. Wir könnten auch sagen, dadurch, daß die Erzengelwesen in unser geistig-seelisches Sein hereinleuchten, daß sie dieses inspirieren, fühlen wir uns eigentlich als Mensch. Und dadurch, daß die Wesenheit der Archai, der Zeitgeister, in unser Wesen hereinpulsiert, es intuitiert, fühlen wir uns als Erdenwesen, das heißt als Angehörige nicht nur der gegenwärtigen Menschheit, sondern als Angehörige der ganzen Erdenmenschheit vom Anfange des Erdenwerdens bis zum Ende des Erdenwerdens. Dadurch also fühlen wir uns als Glieder der ganzen Erdenentwickelung. Wir fühlen das ja nur dumpf, weil wir eben die Zeitgeister dumpf in uns erfühlen.
[ 3 ] Because the hierarchy of the Archangeloi exerts its influence upon us, we feel ourselves to be members of the whole of humanity. We could also say that because the Archangelic beings shine into our spiritual-soul being and inspire it, we actually feel ourselves to be human. And because the essence of the Archai, the spirits of the ages, pulses into our being and is intuitively sensed by it, we feel ourselves to be earthly beings—that is, members not only of present-day humanity, but of all of Earth’s humanity, from the beginning of Earth’s existence to its end. Thus, we feel ourselves to be part of the entire development of the Earth. We feel this only dimly, because we perceive the spirits of the ages only dimly within ourselves.
[ 4 ] Wir können nicht sagen, daß wir uns als Persönlichkeit schauen; das können wir erst dann, wenn wir zum imaginativen Bewußtsein kommen. Es bleibt dieses imaginative Bewußtsein eine Art Spiegelung, solange wir unsere Gedanken nur so erleben, daß wir durch das freie Gedankenleben uns als Persönlichkeit fühlen. Werden wir uns noch einmal klar darüber, wodurch wir uns als Persönlichkeit fühlen: Wir fühlen uns als Persönlichkeit dadurch, daß wir willkürlich einen Gedanken an den andern setzen können. Sie würden sogleich aufhören, sich als Persönlichkeit zu fühlen, wenn Sie gezwungen wären, einen Gedanken an den andern anzureihen so, wie eine Naturerscheinung sich an die andere anreiht. Dieses Erlebnis der inneren Freiheit — in der Fortführung unseres Denkens liegt das Sich-Erfühlen als Persönlichkeit —, das ist noch, was am klarsten dem Menschen zum Bewußtsein kommt während des Tagwachens. Und es kommt während des Tagwachens dadurch zum Bewußtsein, daß vom Einschlafen bis zum Aufwachen der Mensch durchtränkt ist von seinem Engelwesen, daß dieses Engelwesen zu unserem Ich gehört.
[ 4 ] We cannot say that we perceive ourselves as a personality; we can do so only when we attain imaginative consciousness. This imaginative consciousness remains a kind of reflection as long as we experience our thoughts only in such a way that, through our free life of thought, we feel ourselves to be a personality. Let us once again clarify what it is that makes us feel like a personality: We feel like a personality because we can arbitrarily link one thought to another. You would immediately cease to feel like a personality if you were forced to link one thought to another in the same way that one natural phenomenon follows another. This experience of inner freedom—in the continuation of our thinking lies our sense of self as a personality—is what comes most clearly to human consciousness during waking hours. And it comes to consciousness during waking hours because, from the moment of falling asleep until waking, the human being is permeated by their angelic being, and this angelic being belongs to our “I.”
[ 5 ] Schon viel apathischer, viel weniger stark und intensiv fühlen wir uns als Angehöriger der ganzen Menschheit, weil wir natürlich dem Erzengelwesen, welches macht, daß wir uns als Mensch fühlen können, ferner stehen als dem Engelwesen. Und dasjenige, was uns hereinsetzt als Persönlichkeit in die ganze menschliche Entwickelungsströmung, das bleibt für die meisten Menschen etwas recht, recht Schattenhaftes. Wir versuchen ja, auf dem Boden der Geisteswissenschaft gerade dieses Sich-Erfühlen in der ganzen Erdenmenschheit wachzurufen, indem wir uns klarwerden: In der fünften nachatlantischen Zeit erlebt der Mensch in dieser Weise, in der vierten nachatlantischen Zeit hat er in jener Weise erlebt, in der dritten nachatlantischen Zeit in anderer Weise. Wie sich die Seelenverfassung ändert durch die verschiedenen Zeitperioden hindurch, bewirkt durch die verschiedenen Zeitgeister, die Wesenheiten aus der Hierarchie der Archai, davon verschaffen wir uns auf dem Boden der Geisteswissenschaft ein Bewußtsein. Dieses Bewußtsein gibt ja eigentlich erst dem Menschen die Möglichkeit, sich als geschichtliches Wesen zu fühlen, darauf aufmerksam zu werden: Ich lebe als Persönlichkeit im 20. Jahrhundert. Den meisten Menschen kommt es ja gar nicht zum Bewußtsein, daß ihre Persönlichkeit nur denkbar ist, nur real sein kann als Persönlichkeit dadurch, daß sie in eine bestimmte Zeitperiode hineingestellt ist. Dieses lebendige Durchtränktsein der menschlichen Geist-Seelenwesenheit von den Wesenheiten der dritten Hierarchie, das ist dasjenige, was dem Menschen zum Bewußtsein kommen würde, wenn er imaginative Erkenntnis in etwas intensiver Weise anstrebte.
[ 5 ] We feel much more apathetic, much less strongly and intensely, as members of the whole of humanity, because we are naturally farther removed from the archangelic being—which enables us to feel ourselves as human beings—than we are from the angelic being. And that which places us as personalities within the entire current of human evolution remains, for most people, something quite, quite shadowy. We are, after all, attempting, on the basis of spiritual science, to awaken precisely this sense of belonging to all of humanity by making it clear to ourselves: In the fifth post-Atlantean epoch, human beings experience life in this way; in the fourth post-Atlantean epoch, they experienced it in that way; in the third post-Atlantean epoch, in yet another way. We gain an awareness, through spiritual science, of how the state of the soul changes throughout the various epochs, brought about by the different spirits of the age—the beings from the hierarchy of the Archai. It is, in fact, this awareness that first gives human beings the ability to feel themselves as historical beings, to become aware that: “I live as a personality in the 20th century.” Most people are not even aware that their personality is conceivable—that it can only be real as a personality—because they are situated within a specific historical period. This living permeation of the human spirit-soul being by the beings of the third hierarchy—that is what would come to human consciousness if one were to strive for imaginative insight in a somewhat more intensive way.
[ 6 ] Nun, im gewöhnlichen Gang der Menschheitsentwickelung ist, wie Sie ja einsehen, diese imaginative Erkenntnis nicht da. Es dämpft sich ab vom Einschlafen bis zum Aufwachen die Wirklichkeit des Ich und des astralischen Leibes, und im Wachen verliert der Mensch den Zusammenhang mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Das rührt davon her, daß namentlich in unserem Zeitenzyklus der Mensch während des Wachens auch einer Täuschung hingegeben ist. Er ist ja, wie wir eben gesehen haben, während des Schlafens der Täuschung hingegeben, als ob sein Ich und sein astralischer Leib dann untätig wären. Sie sind nicht untätig; sie sind in lebendiger Wechselwirkung mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Im Wachzustande, da ist die Sache so, daß uns im jetzigen Zeitenzyklus unser physischer Leib und unser Ätherleib gewissermaßen, man könnte sagen, widerrechtlich unser Geist-Seelenwesen absorbieren; sie durchtränken sich mit diesem Geist-Seelenwesen. Normal wäre es für den Menschen ganz anders; normal wäre es für den Menschen so, daß der Mensch im Wachzustande sich als Ich und astralischer Leib erfühlt und den physischen Leib und den Ätherleib wie eine Art Schale fühlt, in die er hineinschlüpft, wie etwas, das er mit sich trägt. Aber so fühlt sich eben der Mensch nicht. Er fühlt sich so, wie wenn der physische Leib und der Ätherleib er wären. Das ist er gar nicht. Wir sind schon dieses Geist-Seelenwesen, das des physischen und des Ätherleibes sich wie eines Werkzeuges bedient, aber wir können uns über die Täuschung nicht erheben, die liegt in den Wirkungen unseres Zeitenzyklus. Wir müssen gleichsam dasjenige, was uns beim normalen Bewußtsein vorkommen würde wie der Hammer, den wir in der Hand haben und mit dem wir schlagen, wir müssen uns mit unserem physischen Leib und unserem Ätherleib identisch fühlen; wir müssen uns der Täuschung hingeben, wir seien es, die da fleischlich durch den Raum gehen. Das sind aber nicht wir; das ist nur so, weil widerrechtlich das Bewußtsein unseres Ich absorbiert wird von unserem physischen Leib und unserem Ätherleib. Und dieses rührt davon her, daß im gegenwärtigen Zeitenzyklus die ahrimanischen Mächte mächtiger sind, als sie in der Normalentwickelung der Menschheit sein würden. Sie ziehen gewissermaßen das Ich und den Astralleib an den physischen und Ätherleib heran und bewirken beim Menschen die Täuschung, daß dieser Kopf, den er an sich trägt, er selber sei, daß diese Hände und der ganze Leib er selber sei. Widerrechtlich eignet sich der physische Leib das Bewußtsein an, so daß es so erscheint, als ob unser physischer Leib unsere Persönlichkeit bewirkte. Wer glaubt, daß sein physischer Leib irgendwie seine Persönlichkeit bewirkt, der unterliegt derselben Täuschung wie jemand, der vor einen Spiegel sich hinstellt und glaubt, der Spiegel produziert ihn, weil er sein eigenes Bild zurückgestrahlt bekommt. Zu sagen: dieses Fleischgebilde, das wir an uns tragen, seien wir, ist nicht gescheiter, als wie wenn jemand seine Hand vor den Spiegel hält und glaubt, der Spiegel produziere ihm seine Hand heraus. Und dennoch, unter dieser Täuschung lebt die ganze heutige Wissenschaft. Die ganze heutige Wissenschaft glaubt, daß dasjenige, was wir innerlich als Persönlichkeit erleben, irgend etwas zu tun habe mit dem physischen Leib und dem Ätherleib, und glaubt nicht, daß der physische Leib und der Ätherleib dieses Ich und astralische Wesen zurückstrahlen, jenes Scheinbild formen, das wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen anerkennen als unser Ich und als unsere Gedanken, das heißt, unseren astralischen Leib.
[ 6 ] Now, as you can see, this imaginative insight is not present in the ordinary course of human development. From the moment of falling asleep until waking, the reality of the “I” and the astral body fades, and while awake, the human being loses connection with the beings of the third hierarchy. This stems from the fact that, particularly in our present cycle of time, human beings are also subject to an illusion while awake. As we have just seen, they are subject to an illusion during sleep, as if their “I” and their astral body were then inactive. They are not inactive; they are in lively interaction with the beings of the third hierarchy. In the waking state, the situation is such that, in the present cycle of time, our physical body and our etheric body, so to speak—one might say—unlawfully absorb our spirit-soul being; they become imbued with this spirit-soul being. Normally, it would be quite different for human beings; normally, a person would experience themselves in the waking state as their “I” and astral body, and perceive the physical body and the etheric body as a kind of shell into which they slip, as something they carry with them. But that is not how human beings actually feel. They feel as if the physical body and the etheric body were themselves. That is not the case at all. We are already this spirit-soul being that makes use of the physical and etheric bodies as tools, but we cannot rise above this illusion, which lies in the effects of our present age. We must, as it were, regard what would appear to us in normal consciousness as the hammer we hold in our hand and with which we strike—we must feel ourselves to be identical with our physical body and our etheric body; we must surrender to the illusion that it is we who are walking through space in the flesh. But that is not us; it is only so because our sense of self is unlawfully absorbed by our physical body and our etheric body. And this stems from the fact that, in the present cycle of time, the Ahrimanic forces are more powerful than they would be in the normal development of humanity. They, so to speak, draw the “I” and the astral body toward the physical and etheric bodies and create the illusion in human beings that this head they carry is themselves, that these hands and the entire body are themselves. The physical body unlawfully appropriates consciousness, so that it appears as if our physical body were the source of our personality. Anyone who believes that their physical body somehow constitutes their personality is subject to the same illusion as someone who stands in front of a mirror and believes that the mirror produces them, because they see their own image reflected back. To say that this fleshly form we carry is who we are is no more sensible than if someone were to hold his hand up to a mirror and believe that the mirror is producing his hand for him. And yet, modern science as a whole lives under this illusion. All of modern science believes that what we experience inwardly as our personality has something to do with the physical body and the etheric body, and does not believe that the physical body and the etheric body reflect back this “I” and astral being, forming that illusory image which we recognize from the moment we wake up until we fall asleep as our “I” and as our thoughts—that is, our astral body.
[ 7 ] Das ist gewissermaßen die Fundamentalwahrheit, die man zunächst einsehen muß. Mit Bezug auf diese Fundamentalwahrheit nun geben sich die jetzigen Menschen aus den Kräften unseres jetzigen Zeitenzyklus heraus einer Bewußtseinstäuschung hin, die eben in dem besteht, was ich gerade gesagt habe: Wir glauben, was wir innerlich an Gedanken oder auch an Gefühlen erleben, erhalten wir von unserem Leibe. Aber der Mensch unterliegt naturgemäß dieser Täuschung, er kann sich dieser Täuschung bei seinem heutigen Bewußtseinszustande nicht entziehen. Geradeso wie die Sonne, wenn sie unten am Horizont ist, größer erscheint, als wenn sie oben ist — man weiß, es ist eine Täuschung, aber es erscheint doch so —, so muß es dem Menschen erscheinen, daß er gewissermaßen als Fleisch und Blut sich für seine Persönlichkeit hält. Das ist eine Bewußtseinstäuschung. Aber dieser Bewußtseinstäuschung, welcher der Mensch heute unterliegt, unterlag er nicht immer, sondern diese Bewußtseinstäuschung ist eigentlich wesentlich eine charakteristische Eigenschaft der Menschheit in der nachchristlichen Zeit, nach dem Mysterium von Golgatha. Vor dem Mysterium von Golgatha war nicht eine Bewußtseinstäuschung vorhanden, sondern eine andere Art von Täuschung. Vor dem Mysterium von Golgatha glaubte der Mensch nicht sein Bewußtsein mit seinem physischen Leib verbunden. Davon erzählt natürlich die Geschichte nichts, aber es ist doch so. Einem Menschen des 2., 3. Jahrtausends vor der christlichen Zeitrechnung zuzumuten, daß er seine Seele irgendwie produziert gehalten hätte von seinem physischen Leibe, ist ein Unsinn. Kein Mensch hat in alten Zeiten sein seelisch-geistiges Wesen so an den Leib gebunden gefühlt wie der heutige Mensch.
[ 7 ] This is, in a sense, the fundamental truth that one must first recognize. With regard to this fundamental truth, people today—drawing on the forces of our current cycle of time—are succumbing to an illusion of consciousness that consists precisely in what I have just said: We believe that what we experience inwardly—whether thoughts or feelings—comes from our body. But human beings are naturally subject to this illusion; in their present state of consciousness, they cannot escape it. Just as the sun, when it is low on the horizon, appears larger than when it is high in the sky—we know it is an illusion, but it still appears that way—so it must appear to human beings that they, in a sense, regard their flesh and blood as their personality. This is an illusion of consciousness. But this illusion of consciousness, to which human beings are subject today, has not always been the case; rather, this illusion of consciousness is essentially a characteristic feature of humanity in the post-Christian era, following the Mystery of Golgotha. Before the Mystery of Golgotha, there was not an illusion of consciousness, but a different kind of illusion. Before the Mystery of Golgotha, human beings did not believe that their consciousness was connected to their physical body. Of course, history tells us nothing of this, but it is nevertheless true. It is nonsense to expect a person from the 2nd or 3rd millennium B.C. to have regarded their soul as somehow separate from their physical body. In ancient times, no human being felt their soul-spiritual being so bound to the body as people do today.
[ 8 ] Dafür aber hatte dieser Mensch der vorchtistlichen Zeiten ein lebendiges Bewußtsein von den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Das hatte er schon. Dadurch, daß er wußte: meine Seele ist nicht mit meinem Leibe identisch, dadurch hatte er ein deutliches Bewußtsein, daß diese Seele nicht gebunden ist an das Blut oder an die Muskeln und so weiter, sondern daß diese Seele gebunden ist an die Wesenheiten der dritten Hierarchie. Nur ergab sich für ihn eine andere Täuschung, nicht eine Bewußtseinstäuschung, sondern eine Lebenstäuschung. Er hielt diese Seele mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie in ähnlicher Weise gebunden an die äußere Natur, wie der heutige Mensch seine Seele an seinen physischen Leib gebunden meint. Der heutige Mensch gibt sich der Bewußtseinstäuschung hin, seine Seele sei an seinen physischen Leib gebunden, und dadurch sieht er Engel, Erzengel und Archai nicht, weil sie ihm sein physischer Leib verdunkelt. Der alte Mensch — trotzdem er ein deutliches Bewußtsein hatte, daß die Wesenheiten der dritten Hierarchie da sind, mit seiner Seele verbunden — sah auch nicht unmittelbar, sondern dunkel in die äußere sinnenfällige Natur. Der heutige Mensch in seiner Bewußtseinstäuschung glaubt, daß seine Seele an seinen Leib gebunden ist; der alte Mensch glaubte, daß die Wesenheiten der dritten Hierarchie an die äußere Natur gebunden seien, die er mit seinen Sinnen wahrnahm. Damals vermischte er göttliche Wesenheiten, die Wesenheiten der dritten Hierarchie, mit Naturerscheinungen, und er sah sie durch Naturerscheinungen ausgedrückt. Der heutige Mensch versetzt seine Seele in sein Fleisch und Blut, der alte Mensch die Wesenheiten der dritten Hierarchie in die äußere Natur hinein. Er hatte ja keine Naturwissenschaft, wie wir heute, sondern er betrachtete die Naturerscheinungen als bewirkt von diesem oder jenem Dämon, mehr oder weniger geistig-göttlichen Wesenheiten, über die er sich einer Lebenstäuschung hingab. Er gab sich einer Lebenstäuschung hin deshalb, weil er sie gewissermaßen sinnlich vorstellte, wie in Naturerscheinungen wirksam. Das ist wichtig, daß mit der Entwickelung der Menschheit dies vorgegangen ist, daß der Mensch in der vorchristlichen Zeit sich der charakterisierten Lebenstäuschung hingegeben hat, während der Mensch nach dem Mysterium von Golgatha sich hingibt einer Bewußtseinstäuschung. Die Wirksamkeit des Christus Jesus — davon werden wir dann noch morgen sprechen — soll gerade darinnen bestehen, in ähnlicher Weise, wie das durch die alten Mysterien für die alte Lebenstäuschung der Fall war, diese Bewußtseinstäuschung im Menschen wenigstens dem Bewußtsein nach aufzuheben; durch das «Christus in mir» soll der Mensch fühlen, daß dasjenige, was Ich und astralischer Leib ist, in freier Geistigkeit lebt, nicht an sein Fleisch und Blut gebunden ist. Schauen kann er es natürlich nur auf geisteswissenschaftlichem Wege; fühlen kann er es durch das Paulinische «Nicht ich, der Christus in mir».
[ 8 ] However, this person from pre-Christian times had a vivid awareness of the beings of the third hierarchy. He certainly did. Because he knew that his soul was not identical with his body, he had a clear awareness that this soul was not bound to the blood or the muscles and so on, but that this soul was bound to the beings of the third hierarchy. Only, a different kind of illusion arose for him—not an illusion of consciousness, but an illusion of life. He regarded this soul, bound to the beings of the third hierarchy, as being bound to external nature in much the same way that modern human beings believe their soul to be bound to their physical body. Modern human beings succumb to the illusion of consciousness that their soul is bound to their physical body, and as a result they do not see angels, archangels, and archai, because their physical body obscures them from view. Ancient man—even though he had a clear awareness that the beings of the third hierarchy were present and connected to his soul—did not see external, sensory nature directly, but rather dimly. Modern man, in his delusion of consciousness, believes that his soul is bound to his body; ancient man believed that the beings of the third hierarchy were bound to the external nature he perceived with his senses. At that time, he mingled divine beings—the beings of the third hierarchy—with natural phenomena, and he saw them expressed through natural phenomena. Modern man places his soul within his flesh and blood, while ancient man placed the beings of the third hierarchy within external nature. After all, he had no natural science as we do today, but regarded natural phenomena as caused by this or that demon—more or less spiritual-divine beings—and thus succumbed to an illusion of life. They succumbed to this illusion of life because they imagined it, as it were, in a sensory way, as active within natural phenomena. It is important to note that this is how human development unfolded: in pre-Christian times, people succumbed to the illusion of life described above, whereas after the Mystery of Golgotha, people succumb to an illusion of consciousness. The effect of Christ Jesus—which we will discuss further tomorrow—is said to consist precisely in this: in a manner similar to how the ancient mysteries worked to dispel the old illusion of life, to dispel this illusion of consciousness in human beings, at least in terms of consciousness; through the “Christ within me,” the human being is to feel that what constitutes the “I” and the astral body lives in free spirituality and is not bound to his flesh and blood. Of course, he can perceive this only through spiritual science; he can feel it through Paul’s words, “Not I, but Christ in me.”
[ 9 ] Aus dem, was ich Ihnen dargestellt habe, werden Sie die Gründe dafür sehen, daß der Mensch gewissermaßen die Zweiheit zu erleben hat, auf der einen Seite die Naturordnung, die keine Ideale enthält, die notwendig das eine Geschehen an das andere knüpft, in dem rein bloß Ursache an Wirkung und Wirkung an Ursache gegliedert wird, so daß man niemals denken kann: durch dasjenige, was in der Natur selbst vor sich geht, werden moralische oder sonstige Ideale verwirklicht. Auf der andern Seite wird sich der Mensch bewußt, daß er kein menschenwürdiges Dasein entfalten würde, wenn er nicht Ideale hätte, wenn er nicht an etwas anderes sich halten würde als Mensch, denn an die bloße äußere Naturordnung. Aber er kann nicht, mit dem gangbaren Bewußtsein, mit dem er heute ausgestattet ist, seine Ideale so sehen, daß er sie wirksam glauben könnte wie Elektrizität oder Magnetismus oder wie die Wärmekraft, so daß diese Ideale imstande wären, in die Naturordnung einzugreifen. Daher stellt sich ihm die Naturordnung und die ideale Ordnung nebeneinander, und er kann die Brücke nicht schlagen. Er kann die Brücke nicht schlagen aus dem Grunde, weil er in die Welt bei Tag und bei Nacht nicht blickt, wo diese Brücke zu schlagen ist. Würde der Mensch bei Tag das Normalbewußtsein, das ahrimanfreie Bewußtsein haben: Ich bin als Persönlichkeit nicht anders gebunden an meinen physischen Leib und an meinen Ätherleib, als ich gebunden bin, wenn ich vor einem Spiegel stehe und der Spiegel mir mein Bild zurückstrahlt —, würde der Mensch dieses Bewußtsein über sein Ich und seinen astralischen Leib haben, würde er dieses Ich und diesen astralischen Leib als ein Wirkliches, nicht als ein bloßes Spiegelbild erkennen, dann würde er auch durch dasjenige, was er als Ideale hat, anerkennen: Das sind reale Kräfte wie Elektrizität und Magnetismus, nur wirken sie nicht in der Gegenwart, sondern sie erobern sich ihre Wirksamkeit von der jetzigen Inkarnation bis zur nächsten Inkarnation, von diesem Erdendasein bis in das nächste Erdendasein hinüber.
[ 9 ] From what I have presented to you, you will see the reasons why human beings must, in a sense, experience this duality: on the one hand, the natural order, which contains no ideals and which necessarily links one event to another, in which cause is linked purely and simply to effect and effect to cause, so that one can never think: moral or other ideals are realized through what takes place in nature itself. On the other hand, human beings become aware that they would not be able to lead a life worthy of their dignity if they did not have ideals, if they did not hold fast to something other than the mere external natural order. But with the conventional consciousness he possesses today, he cannot view his ideals in such a way that he could believe in them as effectively as he believes in electricity, magnetism, or thermal energy—so that these ideals would be capable of intervening in the natural order. Consequently, the natural order and the ideal order stand side by side for him, and he cannot build the bridge between them. He cannot build the bridge because, day and night, he does not look into the world where this bridge is to be built. If, during the day, a person were to possess normal consciousness—Ahriman-free consciousness—in which he were to realize: “As a personality, I am no more bound to my physical body and my etheric body than I am bound when I stand before a mirror and the mirror reflects my image back to me”— if a person had this awareness of their “I” and their astral body, if they recognized this “I” and this astral body as something real, not merely a reflection, then they would also acknowledge, through the ideals they hold, that: These are real forces, like electricity and magnetism; they simply do not act in the present, but rather extend their influence from the current incarnation to the next, from this earthly existence into the next.


[ 10 ] Und würde der Mensch im Wachzustande erkennen, daß sein Ich und sein astralischer Leib verbunden sind mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie, würde der Mensch mit andern Worten sich wirklich voll durchschauen, nicht bloß erfühlen als freie Persönlichkeit, als Mensch und als Erdenmensch, würde der Mensch das so in sich erfühlen, wie er falsch nacherfühlt, er sei ein Mensch aus Fleisch und Blut, dann würde er auch nicht glauben, daß die Naturordnung drauBen, die sich seinen Sinnen darbietet, dasjenige ist, was stark genug ist an Wirklichkeit, um der Kraft der Ideale zu widerstehen. Er würde wissen, daß dasjenige, was heute Naturordnung ist, zerfällt mit allen Stoffen, daß es keine Erhaltung des Stoffes gibt, sondern daß dasjenige, was Natur ist, sich vernichtet. Und wenn das nicht mehr da ist, was heute Natur ist, dann wird ein anderes äußeres sinnenfälliges Wirkliches an die Stelle getreten sein: das, was heute Ideale sind, wird die Natur der nächsten Zeiten sein. So daß wir sagen können: Wir erleben heute Naturordnung (siehe Zeichnung, rot) und ideale Ordnung (gelb). Der Physiker glaubt, es gäbe eine Erhaltung der Kraft und des Stoffes, die Naturordnung gehe fort, dieselben Atome und dieselben Kräfte, die spielen in alle Zukunft hinein. Er weiß dann nichts anderes zu sagen, dieser Physiker, wenn er ehrlich ist, als: Die ideale Ordnung, die ist ein Traum gewesen, die muß versinken und verschwinden, wie der Traum selber, so daß also am Endzustande der Erde der Idealtraum nicht mehr da sein wird, begraben sein wird.
[ 10 ] And if a person were to recognize while awake that his ego and his astral body are connected to the beings of the third hierarchy—in other words, if a person were to truly see through himself completely, not merely sense himself as a free personality, as a human being, and as an earthly human—if a person were to feel this within himself just as he mistakenly feels he is a human being of flesh and blood, then he would not believe that the natural order out there, which presents itself to his senses, is something real enough to withstand the power of ideals. They would know that what is today the natural order disintegrates along with all matter, that there is no conservation of matter, but rather that what is nature destroys itself. And when what is nature today is no longer there, then another external, sensually perceptible reality will have taken its place: what are today ideals will be the nature of the times to come. So that we can say: Today we experience the natural order (see diagram, red) and the ideal order (yellow). The physicist believes that there is a conservation of force and matter, that the natural order continues, and that the same atoms and the same forces will remain active into the future. If he is honest, this physicist can say nothing else but: The ideal order was a dream; it must sink and disappear, just like the dream itself, so that in the final state of the Earth, the ideal dream will no longer be there—it will be buried.


[ 11 ] Geisteswissenschaft zeigt, daß dies eine Unwahrheit ist, eine Täuschung. Wir haben die Naturordnung, aber es gibt keine Erhaltung der Kraft und des Stoffes, sondern dasjenige, was Naturordnung ist, hört auf an einer bestimmten Stelle, und dasjenige, was heute Idealordnung ist, das bildet die Fortsetzung der Naturordnung. Von dem ich habe es schon ausgeführt —, was heute um unsere Augen herum ist, um unsere Ohren herum ist, um unsere gesamten Sinne herum ist, wird, wenn die Erde in den Venuszustand gekommen ist, nichts mehr vorhanden sein. Dann wird in jenem Nichts darinnen die Möglichkeit gegeben sein, daß die Ideale der heutigen Menschheit äußere Naturordnung geworden sind. Keine Weltanschauung, die nicht die Vernichtung des Sinnlichen erkennt, kann irgendeine Hoffnung haben, daß das Ideale die Kraft hat, sich zu verwirklichen; denn wenn das Sinnliche ewig wäre, wenn es eine Erhaltung der Kraft und des Stoffes gäbe, so würde die ideale Welt ein bloßer Traum sein. Das ist das ungeheuer Bedeutungsvolle, daß der Menschheit in der Gegenwart diese Aufklärung kommen muß, daß die Ideale der Gegenwart die Natur der Zukunft sind, und daß es eine große Täuschung ist, wenn geglaubt wird, daß die Atome, daß die Kräfte ewig seien; die sind eben gerade nicht das Ewige, die sind das Zeitliche. Das ist ja, man möchte sagen, auch die Fatalität der Geisteswissenschaft, daß sie einer Anschauung widersprechen muß, die geradezu der heutigen landläufigen Wissenschaft als die allergewisseste gilt, und die doch nichts anderes ist als eine ahrimanische Täuschung.
[ 11 ] Spiritual science shows that this is a falsehood, an illusion. We have the natural order, but there is no conservation of energy and matter; rather, what constitutes the natural order ceases at a certain point, and what is today the ideal order forms the continuation of the natural order. As I have already explained—what surrounds our eyes, our ears, and all our senses today will no longer exist once the Earth has entered the Venus state. Then, within that nothingness, the possibility will exist that the ideals of today’s humanity will have become the outer natural order. No worldview that does not recognize the annihilation of the sensory realm can have any hope that the ideal has the power to realize itself; for if the sensory realm were eternal, if there were a conservation of force and matter, the ideal world would be a mere dream. This is what is so immensely significant: that this realization must come to humanity in the present—that the ideals of the present are the nature of the future, and that it is a great delusion to believe that atoms and forces are eternal; they are precisely not the eternal, they are the temporal. One might even say that this is also the fatal flaw of spiritual science: that it must contradict a view which is regarded by today’s mainstream science as the most certain of all, and which is yet nothing other than an Ahrimanic delusion.
[ 12 ] Blicken wir noch einmal zurück zu dem, worauf ich Sie eben aufmerksam gemacht habe. Vor dem Mysterium von Golgatha war dasjenige, was als menschliche Täuschung bezeichnet werden kann, Lebenstäuschung; nach dem Mysterium von Golgatha ist es Bewußtseinstäuschung. Wenn man dieses weiß, versteht man sehr vieles in der Menschheitsentwickelung. Vor allen Dingen versteht man, warum vor dem Mysterium von Golgatha die Menschen, die ja atavistisches Hellsehen hatten, das, was sie sahen, doch nicht in der wahren Gestalt sahen, sondern sie sahen die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien als Dämonen. Daher haben wir in den alten Mythologien im wesentlichen Dämonologie. Die Götter der alten Mythologien sind durchwegs Dämonen. Das beruhte darauf, daß die Lebenstäuschung da war, daß der Mensch gewissermaßen eine Art falsche Naturordnung als göttliche Ordnung denken mußte, wie er heute eine falsche Leibesordnung als Menschheitsordnung denken muß.
[ 12 ] Let us look back once more at what I have just drawn your attention to. Before the Mystery of Golgotha, what might be called human illusion was an illusion of life; after the Mystery of Golgotha, it is an illusion of consciousness. Knowing this helps us understand a great deal about human evolution. Above all, it explains why, before the Mystery of Golgotha, people—who possessed atavistic clairvoyance—did not see what they perceived in its true form, but instead saw the spiritual beings of the higher hierarchies as demons. That is why the ancient mythologies essentially consist of demonology. The gods of ancient mythologies are, without exception, demons. This was due to the illusion of life, which caused human beings, as it were, to conceive of a kind of false natural order as the divine order, just as today they must conceive of a false physical order as the order of humanity.
[ 13 ] Nun kam das Mysterium von Golgatha. Die Menschen mußten sich mit ihrer Seelenverfassung gewissermaßen darauf einrichten, zu erkennen, was sich durch das Mysterium von Golgatha ergeben hat. Es stand im wachen Zustande vor dem Mysterium von Golgatha die menschliche Seele zu den Wesen der höheren Hierarchie in einer unmittelbareren Beziehung als heute, wo die Bewußtseinstäuschung vorliegt. Man sah die Wesen der höheren Hierarchie, dichtete sie nur um durch die Lebenstäuschung in Zeus, Apollo und so weiter; das sind Wesenheiten der dritten Hierarchie, aber sie sind umgedichtet, sie sind eben unter dem Einfluß der Lebenstäuschung gesehen, wie wir heute alles, was sich auf den Menschen bezieht, unter dem Einfluß der Bewußtseinstäuschung sehen. Aber mit alledem ragte herein in die Menschheit eine göttliche Weltenordnung. Denken Sie nur, wie nahe der Mensch vergangener Zeiten seine Menschenwelt der göttlichen Weltenordnung wußte! Da war die menschliche Hierarchie, dann kam die göttliche Hierarchie. Der Mensch fühlte sich nicht, ich möchte sagen, nach oben so abgeschlossen wie heute, sondern er setzte die Welt nach Richtung der Götter fort. Wie nahe fühlte der Grieche seine Götterwelt der menschlichen Welt, der menschlichen Hierarchie!
[ 13 ] Then came the Mystery of Golgotha. Human beings had to, in a sense, attune their state of soul to recognize what had come about through the Mystery of Golgotha. In the waking state prior to the Mystery of Golgotha, the human soul stood in a more direct relationship to the beings of the higher hierarchy than it does today, when the illusion of consciousness prevails. People saw the beings of the higher hierarchy; they merely reimagined them—through the illusion of life—as Zeus, Apollo, and so on; these are beings of the third hierarchy, but they have been reimagined; they are seen under the influence of the illusion of life, just as we today see everything relating to human beings under the influence of the illusion of consciousness. Yet, despite all this, a divine world order shone forth into humanity. Just think how closely the people of bygone times felt their human world was connected to the divine world order! There was the human hierarchy, and then came the divine hierarchy. People did not feel, I might say, as cut off from above as they do today; rather, they extended the world in the direction of the gods. How closely did the Greeks feel their world of gods was connected to the human world, to the human hierarchy!
[ 14 ] Nun kam das Mysterium von Golgatha. Da war dann das nicht mehr der Fall. Nicht das Mysterium von Golgatha — das sollte ja gerade den Ersatz bieten für das, was verlorengegangen war —, aber die Zeit brachte das in die Menschheitsentwickelung hinein, daß die Menschen abgeschnitten wurden von diesem bewußten Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt der dritten Hierarchie. Doch ein Gedächtnis, ein historisches Gedächtnis war davon geblieben. Und so kam denn die erste Zeit nach dem Mysterium von Golgatha. Die Menschen mußten schon etwas anders denken als vor dem Mysterium von Golgatha, aber es wirkte noch etwas herein von der unmittelbaren Vergangenheit. In der unmittelbaren Vergangenheit wußte die Menschheit, daß die göttlich-geistigen Wesenheiten ins Erdenweben hereinwirken und das beeinflussen und ordnen, was der Mensch auf der Erde tut. Daher war der alte Mensch davon überzeugt, wenn er Staaten begründete — wenn man das Wort «Staat» da anwenden will, es ist nicht ganz richtig, aber die Menschen sind heute gewohnt, so zu sprechen —, wenn die alten Menschen also soziale Strukturen, möchte man sagen, begründeten, so wußten sie: Diese sozialen Strukturen sind unter dem Einfluß der dritten Hierarchie begründet. Der Mensch empfand seine Einrichtungen auf der Erde als Göttereinrichtungen. Sie brauchen nur die ägyptische Geschichte zu studieren, gar nicht einmal auf Hellseherisches sich einzulassen, so werden Sie darauf kommen, daß der Ägypter voll überzeugt war, daß dasjenige, was die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Zusammenleben hier auf der Erde tun, von den Wesenheiten der dritten Hierarchie eingerichtet ist. Das war so vor dem Mysterium von Golgatha. Nach dem Mysterium von Golgatha blieb nur das Gedächtnis davon. Und was war die Folge? Nun, Sie wissen, nach und nach richtete sich nach dem Mysterium von Golgatha die Kirche ein. Die Kirche richtete eine bestimmte Art von Stufenfolge in den kirchlichen Würden ein: da gab es Diakone, Archidiakone, Bischöfe, Erzbischöfe und so weiter. Es wurden solche Stufenfolgen eingerichtet. Aber hinter dieser Einrichtung der Stufenfolgen war ein ganz bestimmter Gedanke. Das tritt bei den ersten Kirchenschriftstellern sehr klar noch hervor. Lesen Sie Dionysins den Areopagiten, so können Sie das deutlich herausentnehmen. Es sollte eine solche Einrichtung in der Kirchenverwaltung da sein, daß diese Kirchenverwaltung ein Abbild ist der göttlichen Ordnung. So wie sich der Diakon zu dem Archidiakon verhält, so sollte das ein Abbild sein, wie sich der Engel zu dem Erzengel verhält. Und wiederum, wie sich der Archidiakon zu dem Bischof verhält: Abbild vom Erzengel zum Arche. Und so sollte die soziale Struktur der Kirche eine Art Abbild der Theokratie sein: Oben in der geistigen Welt stehen stufenweise die Hierarchien, unten sollen, als Abbild der geistigen Hierarchien, die kirchlichen Würdenträger stufenweise stehen. Das war in der ersten Zeit nach dem Mysterium von Golgatha nicht juristisch gedacht, sondern das war theokratisch gedacht, das war ein Abbild; die kirchliche Hierarchie war als Abbild der geistig-göttlichen Hierarchie gedacht. So dachte man in den ersten christlichen Jahrhunderten auf Erden solche Einrichtungen zu pflegen, welche die Stellungen der Menschen zueinander auf der Erde als Abbild erscheinen lassen der Hierarchien oben in der geistigen Welt.
[ 14 ] Then came the Mystery of Golgotha. From that point on, that was no longer the case. Not the Mystery of Golgotha itself—which was, after all, intended to provide a substitute for what had been lost—but the course of time brought about a development in human history whereby people were cut off from this conscious connection with the divine-spiritual world of the third hierarchy. Yet a memory, a historical memory, remained of it. And so began the first period following the Mystery of Golgotha. People already had to think somewhat differently than before the Mystery of Golgotha, but something from the immediate past still had an effect. In the immediate past, humanity knew that the divine-spiritual beings worked into the fabric of the Earth and influenced and ordered what human beings do on Earth. That is why the people of old were convinced that when they established states—if one wishes to use the word “state” here, it is not entirely accurate, but people today are accustomed to speaking this way—when the people of old, so to speak, established social structures, they knew: These social structures are founded under the influence of the third hierarchy. Humanity perceived its institutions on Earth as divine institutions. You need only study Egyptian history—without even resorting to clairvoyance—to realize that the Egyptians were fully convinced that what people do in their social life here on Earth is established by the beings of the third hierarchy. That was the case before the Mystery of Golgotha. After the Mystery of Golgotha, only the memory of it remained. And what was the consequence? Well, as you know, little by little the Church was established after the Mystery of Golgotha. The Church established a specific sequence of ranks within the ecclesiastical hierarchy: there were deacons, archdeacons, bishops, archbishops, and so on. Such hierarchical structures were established. But behind this establishment of hierarchical structures lay a very specific idea. This is still very clearly evident in the writings of the early Church Fathers. If you read Dionysius the Areopagite, you can clearly see this. The structure of church administration was intended to be such that it would be a reflection of the divine order. Just as the deacon relates to the archdeacon, so this was to be a reflection of how an angel relates to an archangel. And likewise, the relationship between the archdeacon and the bishop was to be a reflection of that between the archangel and the arch. And so the social structure of the Church should be a kind of reflection of theocracy: at the top, in the spiritual world, the hierarchies stand in successive levels; at the bottom, as a reflection of the spiritual hierarchies, the ecclesiastical dignitaries should stand in successive levels. In the early period following the Mystery of Golgotha, this was not conceived in legal terms, but rather in theocratic terms; it was a reflection; the church hierarchy was conceived as a reflection of the spiritual-divine hierarchy. Thus, in the early Christian centuries, the intention was to cultivate institutions on earth that would allow the relationships between people on earth to appear as a reflection of the hierarchies above in the spiritual world.
[ 15 ] Nun ging den Menschen allmählich das Bewußtsein, das sie noch gedächtnismäßig, historisch-gedächtnismäßig aus der Zeit der alten Theokratie hatten, wo sie noch wußten, daß die irdischen Einrichtungen wirklich eine Folge der göttlichen Taten sind, das ging den Menschen verloren. An die Stelle einer lebendigen Götterwelt, die man in alten Zeiten geschaut hatte, von der man dann noch wußte, traten abstrakte Begriffe. An die Stelle des Bewußtseins, daß da oben eine Welt von Götterindividualitäten ist, traten die abstrakten metaphysischen Begriffe. Und es kamen die Jahrhunderte, wo die Menschen an die Stelle individueller Götter — die Christen nannten sie Engel — abstrakte Begriffe, eine Metaphysik von abstrakten Begriffen setzten. Die Götterordnung, die ihr Abbild haben sollte in der Menschenordnung, gab etwas Theokratisches; die Anwendung von bloßen Begriffen auf die menschliche Gesellschaftsordnung gab etwas, ja, was bloß dazu bestimmt sein konnte, Ordnung zu halten im menschlichen Zusammensein. Hatte man früher ersonnen, in der menschlichen gesellschaftlichen Struktur, in der sozialen Struktur der Menschheit ein Abbild der göttlichen Welt zu schaffen, so sann man in der metaphysischen Zeit nur danach, Ordnung zu halten, die Bösen zu bestrafen, die Guten nicht zu bestrafen oder auch zu belohnen, je nachdem Ordnung zu schaffen, so daß die gesellschaftliche Ordnung bestehen kann. Als an die Stelle der lebendigen Götter abstrakte metaphysische Begriffe getreten waren, da handelte es sich nur noch darum, eine menschliche Ordnung zu schaffen, die gewissermaßen den Menschen so abstempelte, den einen zum Vorgesetzten des andern machte, nicht weil das Vorgesetztsein ein Abbild sein sollte des Verhältnisses des Erzengels zum Engel, sondern weil nur dadurch Ordnung sein kann, daß einer befiehlt, der andere gehorcht. Abstraktion trat an die Stelle des lebendigen Durchwirktseins der sozialen Ordnung.
[ 15 ] Gradually, people lost the awareness they had retained—through memory, through historical memory—from the time of the ancient theocracy, when they still knew that earthly institutions were truly a consequence of divine acts. Abstract concepts took the place of the living world of gods that people had once beheld in ancient times and still knew about. The awareness that there is a world of individual gods up above was replaced by abstract metaphysical concepts. And the centuries came when people substituted abstract concepts—a metaphysics of abstract concepts—for individual gods, whom the Christians called angels. The divine order, which was supposed to have its reflection in the human order, imparted something theocratic; the application of mere concepts to the human social order imparted something—indeed, something that could only be intended to maintain order in human coexistence. Whereas people had previously sought to create a reflection of the divine world within the structure of human society—the social structure of humanity—during the metaphysical era they focused solely on maintaining order, punishing the wicked, sparing the good, or even rewarding them, as appropriate, in order to establish order so that the social order might endure. When abstract metaphysical concepts had taken the place of living gods, the sole concern was to create a human order that, so to speak, stamped people with a mark, making one person the superior of another—not because this superiority was meant to be a reflection of the relationship between the archangel and the angel, but because order can exist only when one commands and the other obeys. Abstraction took the place of the living interweaving of the social order.
[ 16 ] Das ist im wesentlichen dann die Zeit der realen Metaphysik das Mittelalter hindurch. Das römische Bewußtsein hat im wesentlichen die Elemente zu dieser metaphysischen Ordnung gegeben, die sich überall ausgebreitet hat. Eine Erinnerung an die theokratische Ordnung bildet etwa noch die Benennung «Fürst», welcher der erste ist, weil einer der erste sein muß, wie in der göttlichen Hierarchie auch einer der erste ist. Eine Erinnerung an die bloße metaphysische Ordnung, die Beamtenordnung, Verwaltungsordnung, damit eben Ordnung ist, bildet das Wort «Graf», was zusammenhängt mit grapho, schreiben. Daß man alles registriert, indem man Ordnung hält, indem man Urkunden schreibt, indem man Verträge macht, das ist die metaphysische Ordnung.
[ 16 ] This is essentially the era of real metaphysics throughout the Middle Ages. Roman consciousness essentially provided the elements for this metaphysical order, which spread everywhere. The term “prince,” for example, still serves as a reminder of the theocratic order; he is the first because someone must be first, just as in the divine hierarchy, too, someone is first. A remnant of the purely metaphysical order—the bureaucratic order, the administrative order, which is order for its own sake—is the word “Count,” which is related to grapho, “to write.” The fact that everything is recorded by maintaining order, by drafting documents, and by drawing up contracts—that is the metaphysical order.
[ 17 ] Dann kam die neuere Zeit herauf. Die brachte den Unglauben an die abstrakten Begriffe, den Unglauben an die Metaphysik. Man konnte nur noch an das äußerlich Sinnenfällige auch im Menschenleben glauben. Ein Bewußtsein jener Traditionen, die noch vorhanden waren in alten Zeiten, wo eben Traditionen ein lebendiges Bewußtsein davon waren, daß in der sozialen Struktur irgend etwas anderes wirkt — früher glaubte man: Götter, nachher: metaphysische Begriffe-, so ein lebendiges Bewußtsein konnte in der neueren Zeit nicht mehr da sein. Das muß erst wiederum errungen werden auf den Wegen, die eben durch die Geisteswissenschaft angedeutet werden. Und ein radikales Ausmerzen alles Bewußtseins von der geistigen Grundlage der sozialen Struktur, das hat der Industrialismus bewirkt. Daher fühlten Auguste Comte und Saint-Simon sich besonders verbunden mit dem Zeitalter des Industrialismus, da sie nur positivistische Wissenschaft gelten lassen wollen, das heißt dasjenige, was sich nur auf die äußere, sinnenfällige, kausal notwendige Naturordnung bezieht.
[ 17 ] Then the modern era dawned. It brought with it a rejection of abstract concepts and a rejection of metaphysics. People could only believe in what was outwardly perceptible, even in human life. An awareness of those traditions that still existed in ancient times—when traditions were, in fact, a living awareness that something else was at work in the social structure—whether, in earlier times, people believed in gods or, later, in metaphysical concepts—such a living awareness could no longer exist in modern times. This must first be regained through the paths indicated by spiritual science. And industrialism has brought about a radical eradication of all awareness of the spiritual foundation of the social structure. That is why Auguste Comte and Saint-Simon felt particularly connected to the age of industrialism, since they were willing to accept only positivist science—that is, that which relates solely to the external, sensory, and causally necessary order of nature.
[ 18 ] Damit hat aber auch der Wahrheitsbegriff selbst eine totale Umänderung erfahren. Dafür haben die heutigen Menschen noch nicht die rechten Empfindungen, daß der Wahrheitsbegriff eine Geschichte durchgemacht hat; dafür hat man heute noch keine richtige Vorstellung. Die Menschen, die sich noch in einer theokratischen Ordnung wußten, hatten keinen solchen Wahrheitsbegriff wie die Menschen, die heute zu ihrem Wahrheitsbegriff kommen auf Grund der Autorität der Naturwissenschaft. Es ist außerordentlich schwierig, über diese Dinge zu reden. Heute denkt man: In bezug auf die Weltenordnung ist Wahrheit die Übereinstimmung der Vorstellung mit einer äußeren Wirklichkeit. — Das ist von der Naturwissenschaft her. Ein solcher Wahrheitsbegriff war auch in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht da; es war noch ein anderer, und dieser andere Wahrheitsbegriff hängt wesentlich mit der theokratischen sozialen Ordnung zusammen. Dieser Wahrheitsbegriff, wie er heute in allen Seelen lebt, den gab es dazumal wirklich nicht. Diese außerordentlich wichtige Tatsache verkennt man. Der Wahrheitsbegriff, der dazumal herrschte, den kann man viel eher erfassen, wenn man ihn heranrückt an das Gottesurteil, an die Vorstellung des Gottesurteils. Wenn zwei Menschen einen Zweikampf auskämpfen — wie man sich heute zum Duell stellt, berührt uns nicht, ich gebrauche das nur als Beispiel —, so läßt sich nicht von vornherein durch irgendwelche Berechnung entscheiden: der A siegt und der B unterliegt; da würden sie ja wohl kaum den Zweikampf antreten; sondern die Wahrheit stellt sich erst im Laufe des Geschehens heraus. Wir haben ja heute diesen Wahrheitsbegriff noch, wenn Krieg geführt wird. Man würde wohl auch nicht Krieg führen, wenn man von vornherein alles wüßte, so wie wenn man im chemischen Laboratorium ein Experiment macht, alles erwogen hat, und dann weiß, wie es ausgeht; wenn man von vornherein wüßte, wie ein Krieg ausgeht, würde man den Krieg nicht führen. Da steckt heute noch der alte Wahrheitsbegriff drinnen, daß sich die Wahrheit erst im Geschehen enthüllen kann, daß man nichts anderes tun kann, als schauen, wie das Gottesurteil ausfällt. Das ist der alte Wahrheitsbegriff.
[ 18 ] As a result, the very concept of truth has undergone a complete transformation. People today do not yet have the proper sense that the concept of truth has evolved over time; they still lack a clear understanding of this. People who still saw themselves as living within a theocratic order did not have the same concept of truth as people today, who arrive at their concept of truth based on the authority of natural science. It is extraordinarily difficult to speak about these things. Today, people think: With regard to the world order, truth is the correspondence between a concept and an external reality. — That stems from natural science. Such a concept of truth did not exist even in the early Christian centuries; there was a different one, and this other concept of truth is essentially linked to the theocratic social order. This concept of truth, as it lives in all souls today, truly did not exist back then. This extraordinarily important fact is often overlooked. The concept of truth that prevailed back then can be grasped much more readily if one relates it to the judgment of God, to the idea of God’s judgment. When two people engage in a duel—how people approach duels today is beside the point; I’m only using this as an example—it cannot be decided in advance by any kind of calculation: that A will win and B will lose; if that were the case, they would hardly engage in the duel at all; rather, the truth only becomes apparent as events unfold. We still hold onto this concept of truth today when war is waged. One would probably not wage war if one knew everything from the outset, just as when conducting an experiment in a chemistry lab, having weighed all the factors, and then knowing how it will turn out; if one knew from the outset how a war would end, one would not wage that war. The old concept of truth is still embedded there today—that truth can only be revealed in the course of events, that one can do nothing but wait and see how God’s judgment turns out. That is the old concept of truth.
[ 19 ] Diejenigen, die wie Auguste Comte oder wie die Sozialisten heute vollständig mit diesem Wahrheitsbegriff gebrochen haben — die andern Menschen haben es nämlich nicht, sie glauben es nur —, die erkennen nur eine solche Wahrheit an, wo sich das Geschehen seinem Verlaufe nach vorhersehen läßt. «Erkennen, um vorherzusehen», das ist das Losungswort von Auguste Comte. «Erkennen, um vorherzusehen», das ist die radikale Umkehrung des Wahrheitsbegriffes in unserer heutigen Zeit. Aber mit diesem Wahrheitsbegriff, den wir heute haben, können wir nur die Natur erfassen. Und darüber geben sich die Menschen noch einer ganz kolossalen Täuschung hin. Sie glauben zum Beispiel, das geschichtliche Leben mit diesem Wahrheitsbegriff, den Auguste Comte, Saint-Simon haben, erfassen zu können. Das kann man nicht! Auch mit dem alten Wahrheitsbegriff des Gottesurteils kann man es nicht, denn der stand unter dem Einfluß der Lebenstäuschung; unser heutiger Wahrheitsbegriff steht unter dem Einfluß der Bewußtseinstäuschung. Es muß der Wahrheitsbegriff der Anthroposophie kommen, der Wahrheitsbegriff, der in viel umfassenderer Weise gewonnen wird, als zum Beispiel Augustinus seinen Wahrheitsbegriff gewonnen hat; denn der unterlag, wie ich Ihnen auseinandergesetzt habe, der Täuschung.
[ 19 ] Those who, like Auguste Comte or today’s socialists, have completely broken with this concept of truth—for other people do not possess it; they merely believe in it—recognize truth only when events can be foreseen based on their natural course. “To know in order to foresee”—that is Auguste Comte’s motto. “To know in order to foresee”—that is the radical reversal of the concept of truth in our time. But with this concept of truth that we have today, we can only comprehend nature. And in this regard, people still succumb to a truly colossal delusion. For example, they believe they can grasp historical life with this concept of truth held by Auguste Comte and Saint-Simon. That is impossible! Nor can it be done with the old concept of truth based on the “judgment of God,” for that was influenced by the illusion of life; our present-day concept of truth is influenced by the illusion of consciousness. We must embrace the concept of truth in anthroposophy—a concept of truth that is arrived at in a far more comprehensive way than, for example, Augustine arrived at his concept of truth; for his, as I have explained to you, was subject to illusion.
[ 20 ] Das ist mit vielem verbunden, daran hängt sehr vieles. Denn daß man im allgemeinen in abstracto von einer Entwickelung des Wahrheitsbegriffes redet, das genügt nicht, sondern man muß im einzelnen wissen, wie der Wahrheitsbegriff die menschliche Seele andere Wege führt, je nachdem dieser Wahrheitsbegriff geartet ist. Heute in demselben Sinne von Nationalität zu sprechen, wie das in der vorchristlichen Zeit möglich ist, ist ein Anachronismus; denn in der vorchristlichen Zeit war es nicht nur eine menschliche Anschauung, daß die göttliche Ordnung hereinragte in die menschliche Ordnung, sondern es war wirklich so. Jetzt ragt sie nicht mehr herein. Wo daher im Menschen heute das Bewußtsein gehängt wird an Naturordnungen, an dasjenige, was bloß durch die Geburtenfolge hervorgebracht wird, an das nationale Prinzip zum Beispiel, da ist man in einem Anachronismus. Der Mensch ist heute dazu gezwungen, andere Strukturen für seine gesellschaftliche Ordnung in der nachchristlichen Zeit zu suchen als solche, die von außen bewirkt werden. Der alte Mensch konnte auf seine Nationalität sehen, weil er die Nationalität als eine Einrichtung der göttlichen Ordnung und das irdische Leben als ein Abbild der göttlichen Ordnung ansah. Der moderne Mensch kann nicht in demselben Sinne, ohne in einen Anachronismus zu verfallen, die Nation selber als etwas Besonderes verehren, er muß nach andern gesellschaftlichen Strukturen trachten. Die Nation als etwas Besonderes verehren, würde die heutige ahrimanische Täuschung bewirken. Nationen sind Reste der vorchristlichen Zeit, und über sie muß die moderne Menschheit hinauskommen durch jene Entwickelung, die ich Ihnen angedeutet habe. Man muß einsehen, wie konkret die Menschen nach einer besonderen Ausbildung des Wahrheitsbegriffes streben. Das ist wichtig, wenn auch heute unbequem. Aber wir müssen ja, wenn wir uns unbefangen auf den Standpunkt der wahren Erfassung der Wirklichkeit stellen, so manche unbequeme Wahrheit hinnehmen.
[ 20 ] This is connected to many things; a great deal depends on it. For it is not enough to speak in general and in the abstract about the development of the concept of truth; rather, one must know in detail how the concept of truth leads the human soul down different paths, depending on the nature of that concept. To speak of nationality today in the same sense as was possible in pre-Christian times is an anachronism; for in pre-Christian times, it was not merely a human conception that the divine order extended into the human order—it was actually the case. Now it no longer extends into it. Therefore, wherever human consciousness today is attached to natural orders—to that which is brought about merely by the sequence of births, to the national principle, for example—there one is caught in an anachronism. Today, in the post-Christian era, human beings are compelled to seek structures for their social order other than those imposed from without. The person of old could look to their nationality because they regarded nationality as an institution of the divine order and earthly life as a reflection of the divine order. The modern person cannot, in the same sense and without falling into an anachronism, revere the nation itself as something special; they must seek other social structures. To revere the nation as something special would bring about today’s Ahrimanic delusion. Nations are remnants of the pre-Christian era, and modern humanity must move beyond them through the development I have indicated to you. One must recognize how concretely people are striving for a specific development of the concept of truth. This is important, even if it is uncomfortable today. But if we are to adopt an unbiased standpoint for a true grasp of reality, we must accept many such uncomfortable truths.
[ 21 ] Die Menschen gehen heute dem nun förmlich entgegen, was Anthroposophie will. Diejenige Weltanschauung, die in Auguste Comte einen besonderen Vertreter gefunden hat, beschränkt sich nur auf die äußere Naturordnung. Es muß wiederum vorgedrungen werden zur geistigen Welt, und die Brücke muß geschlagen werden zwischen Realität und Idealität. Das ist ja gerade dasjenige, was ich dem Sinne nach in diesen Vorträgen besonders andeuten will. Es kann aber nicht geschehen dadurch, daß man bloß von diesen Dingen redet, sondern dadurch, daß man die konkreten Impulse, die in der Welt sind, erfaßt. Da muß man aber auf gewisse Tatsachen ganz unbefangen hinblicken. Mit den Dingen, die wir jetzt betrachten, sind kuriose Tatsachen verknüpft. Denken Sie einmal, ich habe Ihnen gestern gesprochen von Saint-Simon und von Auguste Comte. Beide betrachten nur die positivistische Wissenschaft, das heißt dasjenige als ausschlaggebend, was lediglich auf das sinnenfällige Leben, auf die kausale Naturordnung sich bezieht. Und dennoch liegt die sonderbare Tatsache vor, daß Auguste Comte sich von seinem Lehrer und Führer Saint-Simon abgewendet hat, weil nach und nach Saint-Simon Auguste Comte zu mystisch geworden ist; und die Anhänger von Auguste Comte haben sich vielfach von ihm abgewendet, weil er in seinem Alter ganz mystisch geworden ist. Es liegt die sonderbare Tatsache vor, daß Saint-Simon sowohl wie Auguste Comte auf der einen Seite ganz direkt stehen auf dem Boden des ahrimanischsten Wissenschaftstums und sich bewußt im Zeitalter des Industrialismus auf den Boden des ahrimanischsten Wissenschaftstums stellen, und Mystiker werden! Merkwürdig, eine merkwürdige Tatsache ist es!
[ 21 ] People today are now actively moving toward what anthroposophy seeks. The worldview that found a prominent representative in Auguste Comte is limited solely to the external order of nature. We must once again penetrate into the spiritual world, and a bridge must be built between reality and ideality. That is precisely what I wish to emphasize in these lectures. But this cannot be achieved merely by talking about these things; rather, it requires grasping the concrete impulses that exist in the world. To do so, however, one must look at certain facts with complete impartiality. There are curious facts associated with the things we are now considering. Just think: yesterday I spoke to you about Saint-Simon and Auguste Comte. Both regard only positivist science—that is, that which relates solely to sensory experience and the causal order of nature—as decisive. And yet there is the curious fact that Auguste Comte turned away from his teacher and mentor, Saint-Simon, because Saint-Simon gradually became too mystical for Auguste Comte; and many of Auguste Comte’s followers turned away from him because he became quite mystical in his old age. Here is the strange fact: both Saint-Simon and Auguste Comte, on the one hand, stand quite directly on the ground of the most Ahrimanic scientism—and consciously place themselves on the ground of the most Ahrimanic scientism in the age of industrialism—and yet they become mystics! Strange, indeed—it is a strange fact!
[ 22 ] Man muß nach dem Warum einer solchen Tatsache fragen. Das Warum einer solchen Tatsache ergibt sich aber nur, wenn man unbefangen dieses Der-Spiritualität-Entgegenleben der Menschen ins Auge faßt. Unbewußt streben die Menschen nach der Spiritualität. Und auch solche Menschen, die wie Auguste Comte und Saint-Simon bloß die äußere Naturordnung erfassen wollen, streben nach der Spiritualität hin.
[ 22 ] One must ask why this is the case. However, the “why” behind such a fact becomes clear only when one objectively considers this way in which people live in opposition to spirituality. Unconsciously, people strive toward spirituality. And even those who, like Auguste Comte and Saint-Simon, seek only to grasp the external order of nature, strive toward spirituality.
[ 23 ] Nun liegt im neueren Menschheitsleben ein sehr Eigentümliches vor. Wir nehmen eine andere Tatsache, die wir auch ganz unbefangen, ohne irgendeinen nationalen Chauvinismus, der uns nicht geziemt, ins Auge fassen wollen. In den Anschauungen, die sich als Blüte aus den neueren Volkstümern heraus ergeben, charakterisiert sich in einer gewissen Weise dasjenige, was in diesen Volkstümern unten zu finden ist. Und von diesem Gesichtspunkte ausgehend, möchte ich Sie auf eine andere Tatsache hinweisen, möchte ich Sie hinweisen auf einen sehr tonangebenden englischen Philosophen, Bentham, der da gelebt hat von 1748 bis 1832. Bentham kann als charakteristisch für das Denken seines Volkes gelten. Und man hat mit einem gewissen Rechte die Anschauungen Benthams als Utilitarismus, auch im tieferen Sinne als Utilitarismus bezeichnet; denn ein gewisser Grundsatz liegt mit Bezug auf die ideale Weltordnung dem Benthamschen Denken zugrunde. Diesen Grundsatz, man nennt ihn gewöhnlich die Maximation der menschlichen Glückseligkeit. Diese menschliche Glückseligkeit besteht darinnen, daß Bentham den Satz aufgestellt hat, das Gute, also das ideal Anzustrebende, bestehe in dem größten Glück der größten Anzahl von Menschen auf Erden. Fassen wir diesen Satz recht ins Auge: Das Gute besteht in der größten Glückseligkeit der größten Anzahl von Menschen auf Erden. — Dieser Satz von der Maximation des Glückes auf Erden ist in der Tat ein Grundnerv der UtilitätsPhilosophie.
[ 23 ] There is something very peculiar about modern human life. Let us consider another fact, which we wish to examine with complete impartiality, without any national chauvinism, which does not become us. The views that have emerged as the flowering of modern national cultures reflect, in a certain way, what lies at the foundation of these cultures. And from this perspective, I would like to draw your attention to another fact; I would like to draw your attention to a very influential English philosopher, Bentham, who lived from 1748 to 1832. Bentham can be regarded as characteristic of his people’s way of thinking. And one has, with some justification, described Bentham’s views as utilitarianism—and, in a deeper sense, as utilitarianism; for a certain principle regarding the ideal world order underlies Bentham’s thinking. This principle is commonly referred to as the maximization of human happiness. This human happiness consists in the fact that Bentham formulated the proposition that the good—that is, the ideal to be striven for—consists in the greatest happiness of the greatest number of people on earth. Let us consider this proposition carefully: The good consists in the greatest happiness of the greatest number of people on earth. — This proposition regarding the maximization of happiness on earth is, in fact, a cornerstone of the philosophy of utility.
[ 24 ] Nun muß man ins Auge fassen, daß dieser Satz, nicht von Bentham selbst und seinen Anhängern, aber von denen, die auf spirituellem Boden stehen, als absolut ahrimanisch bezeichnet wurde. Die Okkultisten des eigenen Landes sagen von Bentham, er habe diesen rein teuflischen Satz aufgestellt. Sie nennen ihn teuflisch, denn, so sagen die Okkultisten, wenn es richtig wäre, daß das Gute in der größten Glückseligkeit der größten Anzahl von Menschen besteht, so müßte das Böse bestehen in dem größten Glück der geringsten Anzahl von Menschen.
[ 24 ] Now one must bear in mind that this statement was described as absolutely Ahrimanic—not by Bentham himself and his followers, but by those who stand on spiritual ground. The occultists of our own country say that Bentham formulated this purely diabolical proposition. They call it diabolical because, as the occultists say, if it were true that the good consists in the greatest happiness of the greatest number of people, then evil would have to consist in the greatest happiness of the smallest number of people.
[ 25 ] Ich sage jetzt nicht etwas, was ich selber als Definition oder als Explikation Ihnen vorführen will, sondern was man sagt. Also, auf der einen Seite, englische Philosophie Benthams: Maximation desGlückes; auf der andern Seite der englische Spiritualismus, welcher sagt: Benthams Satz ist rein teuflisch, denn es müßte dann das Böse das größte Glück der geringsten Anzahl von Menschen sein; woraus folgen würde, daß das Böse und das Glück miteinander bestehen könnten, was der Spiritualist unter allen Umständen nicht gelten lassen kann. Ich führe Ihnen hier nur eine Tatsache des geistigen Lebens vor, die im eminentesten Sinne signifikant ist für die ungeheuerste Opposition, in welcher auf einem gewissen Gebiete der Erde der Spiritualismus zur äußeren Weltanschauung sich befindet.
[ 25 ] I am not going to present you with something I myself consider a definition or an explanation, but rather what people say. So, on the one hand, there is Bentham’s English philosophy: the maximization of happiness; on the other hand, there is English spiritualism, which says: Bentham’s principle is purely diabolical, for it would then mean that evil is the greatest happiness for the smallest number of people; from which it would follow that evil and happiness could coexist, which the spiritualist cannot accept under any circumstances. I am presenting to you here just one fact of intellectual life that is, in the most eminent sense, significant of the most immense opposition in which Spiritualism finds itself vis-à-vis the external worldview in a certain part of the world.
[ 26 ] Und nun stelle ich heute wiederum, indem ich Sie darauf aufmerksam mache, daß in der morgigen Betrachtung sich diese Gegensätze lösen sollen, ein Aperçu an den Schluß meiner Betrachtungen. Sie können drei Dinge zusammenstellen: Goetheanismus, Comteanismus und Benthamismus. Diese drei Dinge stehen in dreifach verschiedener Weise in einer gewissen Beziehung zu dem spirituellen Streben der Menschen nach der Zukunft. Der deutsche Goetheanismus ist als solcher so geartet, daß sich aus ihm entwickeln kann der Spiritualismus; der französische Comteanismus ist so geartet, daß sich neben ihm Spiritualismus entwickeln kann, wie bei Auguste Comte und SaintSimon eine merkwürdige Mystik neben der positivistischen Philosophie eintritt; beim englischen Utilitarismus, bei Bentham, ist gar nichts anderes möglich, als daß die schärfste Opposition auftritt von seiten des Spiritualismus gegen die volkstümliche Anschauung. Das ist etwas, was im Boden der Entwickelung selber liegt. Das französische Wesen muß sich so entwickeln, daß nebeneinander hergehen Idealismus und Realismus, Mystik und Positivismus; in England, innerhalb des britischen Wesens, werden sich immer mehr und mehr die Dinge so entwickeln, daß von den Geistern, die dort Spiritualisten werden, in schärfster Weise das eigene Volkstum nach und nach bekämpft werden muß, das heißt dasjenige, was das Volkstum als philosophische Blüte absetzt.
[ 26 ] And now, as I draw your attention to the fact that these contradictions are to be resolved in tomorrow’s reflection, I will once again offer a brief insight to conclude my remarks. You can group three things together: Goetheanism, Comteanism, and Benthamism. These three things stand in a certain relationship to humanity’s spiritual striving toward the future in three distinct ways. German Goetheanism, as such, is of such a nature that Spiritualism can develop from it; French Comteanism is of such a nature that Spiritualism can develop alongside it, just as a remarkable mysticism emerges alongside positivist philosophy in the works of Auguste Comte and Saint-Simon; in English utilitarianism, as seen in Bentham, nothing else is possible but the sharpest opposition from spiritualism against the popular view. This is something inherent in the very nature of development itself. The French character must develop in such a way that idealism and realism, mysticism and positivism coexist; in England, within the British character, things will develop more and more in such a way that the minds that become spiritualists there will, in the sharpest manner, have to gradually combat their own folk tradition—that is, that which the folk tradition produces as a philosophical flowering.
[ 27 ] Bei Auguste Comte — ich führe Ihnen nicht Theorien vor, sondern ich sage Ihnen auch die Tatsachen dazu, wenigstens einzelne Tatsachen —, trotzdem er, als er sich dem Positivismus zugewendet hat, seinen Lehrer Saint-Simon abgetan hat, ist eine so deutliche Hinneigung zum Mystizismus vorhanden, daß er am Schlusse seines Lebens in deutlicher Weise eine Trinität annimmt. Er verehrt dreierlei: erstens den Großen Fetisch, zweitens das Große Medium, drittens das Große Wesen. Und er sagt: Der Große Fetisch ist der Mutterschoß der Menschheit im Raume. Der Raum ist das Medium, aus dem die Menschheit heraus aus dem Mutterschoße wird. Das Große Wesen ist die über die Erde ausgebreitete Menschheit in abstracto selber. Diese Trinität erkennt Auguste Comte an. Eine merkwürdige Verquickung des Positivismus mit dem Mystizismus! Davon wollen wir morgen weitersprechen.
[ 27 ] In the case of Auguste Comte—I am not presenting theories to you, but rather stating the facts, or at least certain facts—even though he rejected his teacher Saint-Simon when he turned to positivism, there is such a clear inclination toward mysticism that, toward the end of his life, he explicitly embraced a trinity. He venerates three things: first, the Great Fetish; second, the Great Medium; third, the Great Being. And he says: The Great Fetish is the womb of humanity in space. Space is the medium from which humanity emerges from the womb. The Great Being is humanity itself, in the abstract, spread across the earth. Auguste Comte acknowledges this Trinity. A remarkable fusion of positivism and mysticism! We will discuss this further tomorrow.
