The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184
7 September 1918, Dornach
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Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Ein völliger Einblick in die Verhältnisse, die wir jetzt berühren, ist doch nicht möglich, ohne daß man genauer hinsieht auf das Wesen des Menschen in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, im Schlafzustande. Schematisch ist Ihnen ja allen dieser Schlafzustand bekannt: Es trennt sich dasjenige, was man, wenn man es so nennen will, Ich und astralischen Leib nennt, von dem physischen Leib und dem Ätherleib. Wenn man aber das Wesen des Schlafes genauer ins Auge fassen will, dann muß man doch darauf aufmerksam werden, daß der Mensch gerade im Schlafzustande die Wirklichkeit dessen erlebt, wovon wir gestern so gesprochen haben, daß wir sagten: Augustinus sucht im inneren Erleben die wirkliche, wahrhaftige Gewißheit über die Welt zu erfassen. — Aber der Mensch erfaßt im Wachzustande nicht völlig sein Inneres. Man muß sich klar darüber sein, daß dasjenige, was man als Ich und als astralischen Leib bezeichnet, im Wachzustande durchaus nicht wirklich zum Bewußtsein des Menschen kommt, sondern daß in diesem Wachzustande nur ein Abbild, ein Spiegelbild von Ich und astralischem Leib zum Bewußtsein des Menschen kommt. Im Schlafzustande, also vom Einschlafen bis zum Aufwachen, würde der Mensch, wenn er sich bewußt wäre wir können auch sagen, wenn er sich bewußt wird durch jene Übungen, die Ihnen zur Verfügung stehen, die Sie ja beschrieben finden in den verschiedenen Schriften —, es würde der Mensch durch den Schlafzustand, wenn er sich bewußt würde, was er da erlebt, gewissermaßen die wahre Gestalt von Ich und astralischem Leib erleben, nicht das Spiegelbild, wie im Wachzustande, sondern die wahre Gestalt. Da muß man aber dann sich klar sein darüber, daß diese wahre Gestalt von Ich und astralischem Leib so vor des Menschen Seele tritt, so vor das imaginative Bewußtsein tritt, daß während des Schlafzustandes der Mensch in dem inneren Erleben das wirklich in sich, innerhalb seines Ich und seines astralischen Leibes erlebt, also in sich erlebt, was wir dritte Hierarchie nennen, die Hierarchie der Angeloi, Archangeloi und Archai.
[ 1 ] Ein völliger Einblick in die Verhältnisse, die wir jetzt berühren, ist doch nicht möglich, ohne daß man genauer hinsieht auf das Wesen des Menschen in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, im Schlafzustande. Schematisch ist Ihnen ja allen dieser Schlafzustand bekannt: Es trennt sich dasjenige, was man, wenn man es so nennen will, Ich und astralischen Leib nennt, von dem physischen Leib und dem Ätherleib. Wenn man aber das Wesen des Schlafes genauer ins Auge fassen will, dann muß man doch darauf aufmerksam werden, daß der Mensch gerade im Schlafzustande die Wirklichkeit dessen erlebt, wovon wir gestern so gesprochen haben, daß wir sagten: Augustinus sucht im inneren Erleben die wirkliche, wahrhaftige Gewißheit über die Welt zu erfassen. — Aber der Mensch erfaßt im Wachzustande nicht völlig sein Inneres. Man muß sich klar darüber sein, daß dasjenige, was man als Ich und als astralischen Leib bezeichnet, im Wachzustande durchaus nicht wirklich zum Bewußtsein des Menschen kommt, sondern daß in diesem Wachzustande nur ein Abbild, ein Spiegelbild von Ich und astralischem Leib zum Bewußtsein des Menschen kommt. Im Schlafzustande, also vom Einschlafen bis zum Aufwachen, würde der Mensch, wenn er sich bewußt wäre wir können auch sagen, wenn er sich bewußt wird durch jene Übungen, die Ihnen zur Verfügung stehen, die Sie ja beschrieben finden in den verschiedenen Schriften —, es würde der Mensch durch den Schlafzustand, wenn er sich bewußt würde, was er da erlebt, gewissermaßen die wahre Gestalt von Ich und astralischem Leib erleben, nicht das Spiegelbild, wie im Wachzustande, sondern die wahre Gestalt. Da muß man aber dann sich klar sein darüber, daß diese wahre Gestalt von Ich und astralischem Leib so vor des Menschen Seele tritt, so vor das imaginative Bewußtsein tritt, daß während des Schlafzustandes der Mensch in dem inneren Erleben das wirklich in sich, innerhalb seines Ich und seines astralischen Leibes erlebt, also in sich erlebt, was wir dritte Hierarchie nennen, die Hierarchie der Angeloi, Archangeloi und Archai.
[ 2 ] Während des Wachzustandes erlebt der Mensch diesen innigen Zusammenhang, in dem er eigentlich sein ganzes Leben hindurch mit den als Angeloi, Archangeloi und Archai bezeichneten Wesenheiten steht, nicht. Und darinnen besteht eben für den Wachzustand die Täuschung, daß es bleibt bei dem abstrakten Ich, das der Mensch erlebt, und bei den schattenhaften Vorstellungen und Gedanken, die des Menschen Seele erfüllen — denn schattenhaft sind sie doch —, oder gar bei dem halb traumhaft vor sich gehenden Gefühl der Wollungen. Das ist das Wesentliche, daß der Mensch während des Wachzustandes dabei bleiben muß, dieses Schattenhafte seines Ich und seines astralischen Leibes zu erleben, und daß er sich nicht bewußt werden kann, daß in sein Ich hereinwirken die Wesenheiten der dritten Hierarchie. In dem Augenblicke, wo der Mensch wirklich im Schlafe aufwachen würde, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, würde er nicht eine äußere Natur um sich herum haben, aber er würde in sich erfühlen die Wesenheiten der Engel, Erzengel und der Zeitgeister. Und davon kommt es, daß wir in unserer Seelenverfassung etwas haben, was wir sonst nicht hätten. Würde in unser Ich und in unseren astralischen Leib nicht die Hierarchie der Angeloi hereinwirken, so würden wir uns nicht als Persönlichkeit fühlen können. Also dadurch, daß die Hierarchie der Angeloi hereinwirkt in unsere geistig-seelische Wesenheit, fühlen wir uns als freie Persönlichkeit.
[ 2 ] Während des Wachzustandes erlebt der Mensch diesen innigen Zusammenhang, in dem er eigentlich sein ganzes Leben hindurch mit den als Angeloi, Archangeloi und Archai bezeichneten Wesenheiten steht, nicht. Und darinnen besteht eben für den Wachzustand die Täuschung, daß es bleibt bei dem abstrakten Ich, das der Mensch erlebt, und bei den schattenhaften Vorstellungen und Gedanken, die des Menschen Seele erfüllen — denn schattenhaft sind sie doch —, oder gar bei dem halb traumhaft vor sich gehenden Gefühl der Wollungen. Das ist das Wesentliche, daß der Mensch während des Wachzustandes dabei bleiben muß, dieses Schattenhafte seines Ich und seines astralischen Leibes zu erleben, und daß er sich nicht bewußt werden kann, daß in sein Ich hereinwirken die Wesenheiten der dritten Hierarchie. In dem Augenblicke, wo der Mensch wirklich im Schlafe aufwachen würde, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, würde er nicht eine äußere Natur um sich herum haben, aber er würde in sich erfühlen die Wesenheiten der Engel, Erzengel und der Zeitgeister. Und davon kommt es, daß wir in unserer Seelenverfassung etwas haben, was wir sonst nicht hätten. Würde in unser Ich und in unseren astralischen Leib nicht die Hierarchie der Angeloi hereinwirken, so würden wir uns nicht als Persönlichkeit fühlen können. Also dadurch, daß die Hierarchie der Angeloi hereinwirkt in unsere geistig-seelische Wesenheit, fühlen wir uns als freie Persönlichkeit.
[ 3 ] Dadurch, daß die Hierarchie der Archangeloi hereinwirkt, fühlen wir uns als Angehörige der ganzen Menschheit. Wir könnten auch sagen, dadurch, daß die Erzengelwesen in unser geistig-seelisches Sein hereinleuchten, daß sie dieses inspirieren, fühlen wir uns eigentlich als Mensch. Und dadurch, daß die Wesenheit der Archai, der Zeitgeister, in unser Wesen hereinpulsiert, es intuitiert, fühlen wir uns als Erdenwesen, das heißt als Angehörige nicht nur der gegenwärtigen Menschheit, sondern als Angehörige der ganzen Erdenmenschheit vom Anfange des Erdenwerdens bis zum Ende des Erdenwerdens. Dadurch also fühlen wir uns als Glieder der ganzen Erdenentwickelung. Wir fühlen das ja nur dumpf, weil wir eben die Zeitgeister dumpf in uns erfühlen.
[ 3 ] Dadurch, daß die Hierarchie der Archangeloi hereinwirkt, fühlen wir uns als Angehörige der ganzen Menschheit. Wir könnten auch sagen, dadurch, daß die Erzengelwesen in unser geistig-seelisches Sein hereinleuchten, daß sie dieses inspirieren, fühlen wir uns eigentlich als Mensch. Und dadurch, daß die Wesenheit der Archai, der Zeitgeister, in unser Wesen hereinpulsiert, es intuitiert, fühlen wir uns als Erdenwesen, das heißt als Angehörige nicht nur der gegenwärtigen Menschheit, sondern als Angehörige der ganzen Erdenmenschheit vom Anfange des Erdenwerdens bis zum Ende des Erdenwerdens. Dadurch also fühlen wir uns als Glieder der ganzen Erdenentwickelung. Wir fühlen das ja nur dumpf, weil wir eben die Zeitgeister dumpf in uns erfühlen.
[ 4 ] Wir können nicht sagen, daß wir uns als Persönlichkeit schauen; das können wir erst dann, wenn wir zum imaginativen Bewußtsein kommen. Es bleibt dieses imaginative Bewußtsein eine Art Spiegelung, solange wir unsere Gedanken nur so erleben, daß wir durch das freie Gedankenleben uns als Persönlichkeit fühlen. Werden wir uns noch einmal klar darüber, wodurch wir uns als Persönlichkeit fühlen: Wir fühlen uns als Persönlichkeit dadurch, daß wir willkürlich einen Gedanken an den andern setzen können. Sie würden sogleich aufhören, sich als Persönlichkeit zu fühlen, wenn Sie gezwungen wären, einen Gedanken an den andern anzureihen so, wie eine Naturerscheinung sich an die andere anreiht. Dieses Erlebnis der inneren Freiheit — in der Fortführung unseres Denkens liegt das Sich-Erfühlen als Persönlichkeit —, das ist noch, was am klarsten dem Menschen zum Bewußtsein kommt während des Tagwachens. Und es kommt während des Tagwachens dadurch zum Bewußtsein, daß vom Einschlafen bis zum Aufwachen der Mensch durchtränkt ist von seinem Engelwesen, daß dieses Engelwesen zu unserem Ich gehört.
[ 4 ] Wir können nicht sagen, daß wir uns als Persönlichkeit schauen; das können wir erst dann, wenn wir zum imaginativen Bewußtsein kommen. Es bleibt dieses imaginative Bewußtsein eine Art Spiegelung, solange wir unsere Gedanken nur so erleben, daß wir durch das freie Gedankenleben uns als Persönlichkeit fühlen. Werden wir uns noch einmal klar darüber, wodurch wir uns als Persönlichkeit fühlen: Wir fühlen uns als Persönlichkeit dadurch, daß wir willkürlich einen Gedanken an den andern setzen können. Sie würden sogleich aufhören, sich als Persönlichkeit zu fühlen, wenn Sie gezwungen wären, einen Gedanken an den andern anzureihen so, wie eine Naturerscheinung sich an die andere anreiht. Dieses Erlebnis der inneren Freiheit — in der Fortführung unseres Denkens liegt das Sich-Erfühlen als Persönlichkeit —, das ist noch, was am klarsten dem Menschen zum Bewußtsein kommt während des Tagwachens. Und es kommt während des Tagwachens dadurch zum Bewußtsein, daß vom Einschlafen bis zum Aufwachen der Mensch durchtränkt ist von seinem Engelwesen, daß dieses Engelwesen zu unserem Ich gehört.
[ 5 ] Schon viel apathischer, viel weniger stark und intensiv fühlen wir uns als Angehöriger der ganzen Menschheit, weil wir natürlich dem Erzengelwesen, welches macht, daß wir uns als Mensch fühlen können, ferner stehen als dem Engelwesen. Und dasjenige, was uns hereinsetzt als Persönlichkeit in die ganze menschliche Entwickelungsströmung, das bleibt für die meisten Menschen etwas recht, recht Schattenhaftes. Wir versuchen ja, auf dem Boden der Geisteswissenschaft gerade dieses Sich-Erfühlen in der ganzen Erdenmenschheit wachzurufen, indem wir uns klarwerden: In der fünften nachatlantischen Zeit erlebt der Mensch in dieser Weise, in der vierten nachatlantischen Zeit hat er in jener Weise erlebt, in der dritten nachatlantischen Zeit in anderer Weise. Wie sich die Seelenverfassung ändert durch die verschiedenen Zeitperioden hindurch, bewirkt durch die verschiedenen Zeitgeister, die Wesenheiten aus der Hierarchie der Archai, davon verschaffen wir uns auf dem Boden der Geisteswissenschaft ein Bewußtsein. Dieses Bewußtsein gibt ja eigentlich erst dem Menschen die Möglichkeit, sich als geschichtliches Wesen zu fühlen, darauf aufmerksam zu werden: Ich lebe als Persönlichkeit im 20. Jahrhundert. Den meisten Menschen kommt es ja gar nicht zum Bewußtsein, daß ihre Persönlichkeit nur denkbar ist, nur real sein kann als Persönlichkeit dadurch, daß sie in eine bestimmte Zeitperiode hineingestellt ist. Dieses lebendige Durchtränktsein der menschlichen Geist-Seelenwesenheit von den Wesenheiten der dritten Hierarchie, das ist dasjenige, was dem Menschen zum Bewußtsein kommen würde, wenn er imaginative Erkenntnis in etwas intensiver Weise anstrebte.
[ 5 ] Schon viel apathischer, viel weniger stark und intensiv fühlen wir uns als Angehöriger der ganzen Menschheit, weil wir natürlich dem Erzengelwesen, welches macht, daß wir uns als Mensch fühlen können, ferner stehen als dem Engelwesen. Und dasjenige, was uns hereinsetzt als Persönlichkeit in die ganze menschliche Entwickelungsströmung, das bleibt für die meisten Menschen etwas recht, recht Schattenhaftes. Wir versuchen ja, auf dem Boden der Geisteswissenschaft gerade dieses Sich-Erfühlen in der ganzen Erdenmenschheit wachzurufen, indem wir uns klarwerden: In der fünften nachatlantischen Zeit erlebt der Mensch in dieser Weise, in der vierten nachatlantischen Zeit hat er in jener Weise erlebt, in der dritten nachatlantischen Zeit in anderer Weise. Wie sich die Seelenverfassung ändert durch die verschiedenen Zeitperioden hindurch, bewirkt durch die verschiedenen Zeitgeister, die Wesenheiten aus der Hierarchie der Archai, davon verschaffen wir uns auf dem Boden der Geisteswissenschaft ein Bewußtsein. Dieses Bewußtsein gibt ja eigentlich erst dem Menschen die Möglichkeit, sich als geschichtliches Wesen zu fühlen, darauf aufmerksam zu werden: Ich lebe als Persönlichkeit im 20. Jahrhundert. Den meisten Menschen kommt es ja gar nicht zum Bewußtsein, daß ihre Persönlichkeit nur denkbar ist, nur real sein kann als Persönlichkeit dadurch, daß sie in eine bestimmte Zeitperiode hineingestellt ist. Dieses lebendige Durchtränktsein der menschlichen Geist-Seelenwesenheit von den Wesenheiten der dritten Hierarchie, das ist dasjenige, was dem Menschen zum Bewußtsein kommen würde, wenn er imaginative Erkenntnis in etwas intensiver Weise anstrebte.
[ 6 ] Nun, im gewöhnlichen Gang der Menschheitsentwickelung ist, wie Sie ja einsehen, diese imaginative Erkenntnis nicht da. Es dämpft sich ab vom Einschlafen bis zum Aufwachen die Wirklichkeit des Ich und des astralischen Leibes, und im Wachen verliert der Mensch den Zusammenhang mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Das rührt davon her, daß namentlich in unserem Zeitenzyklus der Mensch während des Wachens auch einer Täuschung hingegeben ist. Er ist ja, wie wir eben gesehen haben, während des Schlafens der Täuschung hingegeben, als ob sein Ich und sein astralischer Leib dann untätig wären. Sie sind nicht untätig; sie sind in lebendiger Wechselwirkung mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Im Wachzustande, da ist die Sache so, daß uns im jetzigen Zeitenzyklus unser physischer Leib und unser Ätherleib gewissermaßen, man könnte sagen, widerrechtlich unser Geist-Seelenwesen absorbieren; sie durchtränken sich mit diesem Geist-Seelenwesen. Normal wäre es für den Menschen ganz anders; normal wäre es für den Menschen so, daß der Mensch im Wachzustande sich als Ich und astralischer Leib erfühlt und den physischen Leib und den Ätherleib wie eine Art Schale fühlt, in die er hineinschlüpft, wie etwas, das er mit sich trägt. Aber so fühlt sich eben der Mensch nicht. Er fühlt sich so, wie wenn der physische Leib und der Ätherleib er wären. Das ist er gar nicht. Wir sind schon dieses Geist-Seelenwesen, das des physischen und des Ätherleibes sich wie eines Werkzeuges bedient, aber wir können uns über die Täuschung nicht erheben, die liegt in den Wirkungen unseres Zeitenzyklus. Wir müssen gleichsam dasjenige, was uns beim normalen Bewußtsein vorkommen würde wie der Hammer, den wir in der Hand haben und mit dem wir schlagen, wir müssen uns mit unserem physischen Leib und unserem Ätherleib identisch fühlen; wir müssen uns der Täuschung hingeben, wir seien es, die da fleischlich durch den Raum gehen. Das sind aber nicht wir; das ist nur so, weil widerrechtlich das Bewußtsein unseres Ich absorbiert wird von unserem physischen Leib und unserem Ätherleib. Und dieses rührt davon her, daß im gegenwärtigen Zeitenzyklus die ahrimanischen Mächte mächtiger sind, als sie in der Normalentwickelung der Menschheit sein würden. Sie ziehen gewissermaßen das Ich und den Astralleib an den physischen und Ätherleib heran und bewirken beim Menschen die Täuschung, daß dieser Kopf, den er an sich trägt, er selber sei, daß diese Hände und der ganze Leib er selber sei. Widerrechtlich eignet sich der physische Leib das Bewußtsein an, so daß es so erscheint, als ob unser physischer Leib unsere Persönlichkeit bewirkte. Wer glaubt, daß sein physischer Leib irgendwie seine Persönlichkeit bewirkt, der unterliegt derselben Täuschung wie jemand, der vor einen Spiegel sich hinstellt und glaubt, der Spiegel produziert ihn, weil er sein eigenes Bild zurückgestrahlt bekommt. Zu sagen: dieses Fleischgebilde, das wir an uns tragen, seien wir, ist nicht gescheiter, als wie wenn jemand seine Hand vor den Spiegel hält und glaubt, der Spiegel produziere ihm seine Hand heraus. Und dennoch, unter dieser Täuschung lebt die ganze heutige Wissenschaft. Die ganze heutige Wissenschaft glaubt, daß dasjenige, was wir innerlich als Persönlichkeit erleben, irgend etwas zu tun habe mit dem physischen Leib und dem Ätherleib, und glaubt nicht, daß der physische Leib und der Ätherleib dieses Ich und astralische Wesen zurückstrahlen, jenes Scheinbild formen, das wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen anerkennen als unser Ich und als unsere Gedanken, das heißt, unseren astralischen Leib.
[ 6 ] Nun, im gewöhnlichen Gang der Menschheitsentwickelung ist, wie Sie ja einsehen, diese imaginative Erkenntnis nicht da. Es dämpft sich ab vom Einschlafen bis zum Aufwachen die Wirklichkeit des Ich und des astralischen Leibes, und im Wachen verliert der Mensch den Zusammenhang mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Das rührt davon her, daß namentlich in unserem Zeitenzyklus der Mensch während des Wachens auch einer Täuschung hingegeben ist. Er ist ja, wie wir eben gesehen haben, während des Schlafens der Täuschung hingegeben, als ob sein Ich und sein astralischer Leib dann untätig wären. Sie sind nicht untätig; sie sind in lebendiger Wechselwirkung mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Im Wachzustande, da ist die Sache so, daß uns im jetzigen Zeitenzyklus unser physischer Leib und unser Ätherleib gewissermaßen, man könnte sagen, widerrechtlich unser Geist-Seelenwesen absorbieren; sie durchtränken sich mit diesem Geist-Seelenwesen. Normal wäre es für den Menschen ganz anders; normal wäre es für den Menschen so, daß der Mensch im Wachzustande sich als Ich und astralischer Leib erfühlt und den physischen Leib und den Ätherleib wie eine Art Schale fühlt, in die er hineinschlüpft, wie etwas, das er mit sich trägt. Aber so fühlt sich eben der Mensch nicht. Er fühlt sich so, wie wenn der physische Leib und der Ätherleib er wären. Das ist er gar nicht. Wir sind schon dieses Geist-Seelenwesen, das des physischen und des Ätherleibes sich wie eines Werkzeuges bedient, aber wir können uns über die Täuschung nicht erheben, die liegt in den Wirkungen unseres Zeitenzyklus. Wir müssen gleichsam dasjenige, was uns beim normalen Bewußtsein vorkommen würde wie der Hammer, den wir in der Hand haben und mit dem wir schlagen, wir müssen uns mit unserem physischen Leib und unserem Ätherleib identisch fühlen; wir müssen uns der Täuschung hingeben, wir seien es, die da fleischlich durch den Raum gehen. Das sind aber nicht wir; das ist nur so, weil widerrechtlich das Bewußtsein unseres Ich absorbiert wird von unserem physischen Leib und unserem Ätherleib. Und dieses rührt davon her, daß im gegenwärtigen Zeitenzyklus die ahrimanischen Mächte mächtiger sind, als sie in der Normalentwickelung der Menschheit sein würden. Sie ziehen gewissermaßen das Ich und den Astralleib an den physischen und Ätherleib heran und bewirken beim Menschen die Täuschung, daß dieser Kopf, den er an sich trägt, er selber sei, daß diese Hände und der ganze Leib er selber sei. Widerrechtlich eignet sich der physische Leib das Bewußtsein an, so daß es so erscheint, als ob unser physischer Leib unsere Persönlichkeit bewirkte. Wer glaubt, daß sein physischer Leib irgendwie seine Persönlichkeit bewirkt, der unterliegt derselben Täuschung wie jemand, der vor einen Spiegel sich hinstellt und glaubt, der Spiegel produziert ihn, weil er sein eigenes Bild zurückgestrahlt bekommt. Zu sagen: dieses Fleischgebilde, das wir an uns tragen, seien wir, ist nicht gescheiter, als wie wenn jemand seine Hand vor den Spiegel hält und glaubt, der Spiegel produziere ihm seine Hand heraus. Und dennoch, unter dieser Täuschung lebt die ganze heutige Wissenschaft. Die ganze heutige Wissenschaft glaubt, daß dasjenige, was wir innerlich als Persönlichkeit erleben, irgend etwas zu tun habe mit dem physischen Leib und dem Ätherleib, und glaubt nicht, daß der physische Leib und der Ätherleib dieses Ich und astralische Wesen zurückstrahlen, jenes Scheinbild formen, das wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen anerkennen als unser Ich und als unsere Gedanken, das heißt, unseren astralischen Leib.
[ 7 ] Das ist gewissermaßen die Fundamentalwahrheit, die man zunächst einsehen muß. Mit Bezug auf diese Fundamentalwahrheit nun geben sich die jetzigen Menschen aus den Kräften unseres jetzigen Zeitenzyklus heraus einer Bewußtseinstäuschung hin, die eben in dem besteht, was ich gerade gesagt habe: Wir glauben, was wir innerlich an Gedanken oder auch an Gefühlen erleben, erhalten wir von unserem Leibe. Aber der Mensch unterliegt naturgemäß dieser Täuschung, er kann sich dieser Täuschung bei seinem heutigen Bewußtseinszustande nicht entziehen. Geradeso wie die Sonne, wenn sie unten am Horizont ist, größer erscheint, als wenn sie oben ist — man weiß, es ist eine Täuschung, aber es erscheint doch so —, so muß es dem Menschen erscheinen, daß er gewissermaßen als Fleisch und Blut sich für seine Persönlichkeit hält. Das ist eine Bewußtseinstäuschung. Aber dieser Bewußtseinstäuschung, welcher der Mensch heute unterliegt, unterlag er nicht immer, sondern diese Bewußtseinstäuschung ist eigentlich wesentlich eine charakteristische Eigenschaft der Menschheit in der nachchristlichen Zeit, nach dem Mysterium von Golgatha. Vor dem Mysterium von Golgatha war nicht eine Bewußtseinstäuschung vorhanden, sondern eine andere Art von Täuschung. Vor dem Mysterium von Golgatha glaubte der Mensch nicht sein Bewußtsein mit seinem physischen Leib verbunden. Davon erzählt natürlich die Geschichte nichts, aber es ist doch so. Einem Menschen des 2., 3. Jahrtausends vor der christlichen Zeitrechnung zuzumuten, daß er seine Seele irgendwie produziert gehalten hätte von seinem physischen Leibe, ist ein Unsinn. Kein Mensch hat in alten Zeiten sein seelisch-geistiges Wesen so an den Leib gebunden gefühlt wie der heutige Mensch.
[ 7 ] Das ist gewissermaßen die Fundamentalwahrheit, die man zunächst einsehen muß. Mit Bezug auf diese Fundamentalwahrheit nun geben sich die jetzigen Menschen aus den Kräften unseres jetzigen Zeitenzyklus heraus einer Bewußtseinstäuschung hin, die eben in dem besteht, was ich gerade gesagt habe: Wir glauben, was wir innerlich an Gedanken oder auch an Gefühlen erleben, erhalten wir von unserem Leibe. Aber der Mensch unterliegt naturgemäß dieser Täuschung, er kann sich dieser Täuschung bei seinem heutigen Bewußtseinszustande nicht entziehen. Geradeso wie die Sonne, wenn sie unten am Horizont ist, größer erscheint, als wenn sie oben ist — man weiß, es ist eine Täuschung, aber es erscheint doch so —, so muß es dem Menschen erscheinen, daß er gewissermaßen als Fleisch und Blut sich für seine Persönlichkeit hält. Das ist eine Bewußtseinstäuschung. Aber dieser Bewußtseinstäuschung, welcher der Mensch heute unterliegt, unterlag er nicht immer, sondern diese Bewußtseinstäuschung ist eigentlich wesentlich eine charakteristische Eigenschaft der Menschheit in der nachchristlichen Zeit, nach dem Mysterium von Golgatha. Vor dem Mysterium von Golgatha war nicht eine Bewußtseinstäuschung vorhanden, sondern eine andere Art von Täuschung. Vor dem Mysterium von Golgatha glaubte der Mensch nicht sein Bewußtsein mit seinem physischen Leib verbunden. Davon erzählt natürlich die Geschichte nichts, aber es ist doch so. Einem Menschen des 2., 3. Jahrtausends vor der christlichen Zeitrechnung zuzumuten, daß er seine Seele irgendwie produziert gehalten hätte von seinem physischen Leibe, ist ein Unsinn. Kein Mensch hat in alten Zeiten sein seelisch-geistiges Wesen so an den Leib gebunden gefühlt wie der heutige Mensch.
[ 8 ] Dafür aber hatte dieser Mensch der vorchtistlichen Zeiten ein lebendiges Bewußtsein von den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Das hatte er schon. Dadurch, daß er wußte: meine Seele ist nicht mit meinem Leibe identisch, dadurch hatte er ein deutliches Bewußtsein, daß diese Seele nicht gebunden ist an das Blut oder an die Muskeln und so weiter, sondern daß diese Seele gebunden ist an die Wesenheiten der dritten Hierarchie. Nur ergab sich für ihn eine andere Täuschung, nicht eine Bewußtseinstäuschung, sondern eine Lebenstäuschung. Er hielt diese Seele mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie in ähnlicher Weise gebunden an die äußere Natur, wie der heutige Mensch seine Seele an seinen physischen Leib gebunden meint. Der heutige Mensch gibt sich der Bewußtseinstäuschung hin, seine Seele sei an seinen physischen Leib gebunden, und dadurch sieht er Engel, Erzengel und Archai nicht, weil sie ihm sein physischer Leib verdunkelt. Der alte Mensch — trotzdem er ein deutliches Bewußtsein hatte, daß die Wesenheiten der dritten Hierarchie da sind, mit seiner Seele verbunden — sah auch nicht unmittelbar, sondern dunkel in die äußere sinnenfällige Natur. Der heutige Mensch in seiner Bewußtseinstäuschung glaubt, daß seine Seele an seinen Leib gebunden ist; der alte Mensch glaubte, daß die Wesenheiten der dritten Hierarchie an die äußere Natur gebunden seien, die er mit seinen Sinnen wahrnahm. Damals vermischte er göttliche Wesenheiten, die Wesenheiten der dritten Hierarchie, mit Naturerscheinungen, und er sah sie durch Naturerscheinungen ausgedrückt. Der heutige Mensch versetzt seine Seele in sein Fleisch und Blut, der alte Mensch die Wesenheiten der dritten Hierarchie in die äußere Natur hinein. Er hatte ja keine Naturwissenschaft, wie wir heute, sondern er betrachtete die Naturerscheinungen als bewirkt von diesem oder jenem Dämon, mehr oder weniger geistig-göttlichen Wesenheiten, über die er sich einer Lebenstäuschung hingab. Er gab sich einer Lebenstäuschung hin deshalb, weil er sie gewissermaßen sinnlich vorstellte, wie in Naturerscheinungen wirksam. Das ist wichtig, daß mit der Entwickelung der Menschheit dies vorgegangen ist, daß der Mensch in der vorchristlichen Zeit sich der charakterisierten Lebenstäuschung hingegeben hat, während der Mensch nach dem Mysterium von Golgatha sich hingibt einer Bewußtseinstäuschung. Die Wirksamkeit des Christus Jesus — davon werden wir dann noch morgen sprechen — soll gerade darinnen bestehen, in ähnlicher Weise, wie das durch die alten Mysterien für die alte Lebenstäuschung der Fall war, diese Bewußtseinstäuschung im Menschen wenigstens dem Bewußtsein nach aufzuheben; durch das «Christus in mir» soll der Mensch fühlen, daß dasjenige, was Ich und astralischer Leib ist, in freier Geistigkeit lebt, nicht an sein Fleisch und Blut gebunden ist. Schauen kann er es natürlich nur auf geisteswissenschaftlichem Wege; fühlen kann er es durch das Paulinische «Nicht ich, der Christus in mir».
[ 8 ] Dafür aber hatte dieser Mensch der vorchtistlichen Zeiten ein lebendiges Bewußtsein von den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Das hatte er schon. Dadurch, daß er wußte: meine Seele ist nicht mit meinem Leibe identisch, dadurch hatte er ein deutliches Bewußtsein, daß diese Seele nicht gebunden ist an das Blut oder an die Muskeln und so weiter, sondern daß diese Seele gebunden ist an die Wesenheiten der dritten Hierarchie. Nur ergab sich für ihn eine andere Täuschung, nicht eine Bewußtseinstäuschung, sondern eine Lebenstäuschung. Er hielt diese Seele mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie in ähnlicher Weise gebunden an die äußere Natur, wie der heutige Mensch seine Seele an seinen physischen Leib gebunden meint. Der heutige Mensch gibt sich der Bewußtseinstäuschung hin, seine Seele sei an seinen physischen Leib gebunden, und dadurch sieht er Engel, Erzengel und Archai nicht, weil sie ihm sein physischer Leib verdunkelt. Der alte Mensch — trotzdem er ein deutliches Bewußtsein hatte, daß die Wesenheiten der dritten Hierarchie da sind, mit seiner Seele verbunden — sah auch nicht unmittelbar, sondern dunkel in die äußere sinnenfällige Natur. Der heutige Mensch in seiner Bewußtseinstäuschung glaubt, daß seine Seele an seinen Leib gebunden ist; der alte Mensch glaubte, daß die Wesenheiten der dritten Hierarchie an die äußere Natur gebunden seien, die er mit seinen Sinnen wahrnahm. Damals vermischte er göttliche Wesenheiten, die Wesenheiten der dritten Hierarchie, mit Naturerscheinungen, und er sah sie durch Naturerscheinungen ausgedrückt. Der heutige Mensch versetzt seine Seele in sein Fleisch und Blut, der alte Mensch die Wesenheiten der dritten Hierarchie in die äußere Natur hinein. Er hatte ja keine Naturwissenschaft, wie wir heute, sondern er betrachtete die Naturerscheinungen als bewirkt von diesem oder jenem Dämon, mehr oder weniger geistig-göttlichen Wesenheiten, über die er sich einer Lebenstäuschung hingab. Er gab sich einer Lebenstäuschung hin deshalb, weil er sie gewissermaßen sinnlich vorstellte, wie in Naturerscheinungen wirksam. Das ist wichtig, daß mit der Entwickelung der Menschheit dies vorgegangen ist, daß der Mensch in der vorchristlichen Zeit sich der charakterisierten Lebenstäuschung hingegeben hat, während der Mensch nach dem Mysterium von Golgatha sich hingibt einer Bewußtseinstäuschung. Die Wirksamkeit des Christus Jesus — davon werden wir dann noch morgen sprechen — soll gerade darinnen bestehen, in ähnlicher Weise, wie das durch die alten Mysterien für die alte Lebenstäuschung der Fall war, diese Bewußtseinstäuschung im Menschen wenigstens dem Bewußtsein nach aufzuheben; durch das «Christus in mir» soll der Mensch fühlen, daß dasjenige, was Ich und astralischer Leib ist, in freier Geistigkeit lebt, nicht an sein Fleisch und Blut gebunden ist. Schauen kann er es natürlich nur auf geisteswissenschaftlichem Wege; fühlen kann er es durch das Paulinische «Nicht ich, der Christus in mir».
[ 9 ] Aus dem, was ich Ihnen dargestellt habe, werden Sie die Gründe dafür sehen, daß der Mensch gewissermaßen die Zweiheit zu erleben hat, auf der einen Seite die Naturordnung, die keine Ideale enthält, die notwendig das eine Geschehen an das andere knüpft, in dem rein bloß Ursache an Wirkung und Wirkung an Ursache gegliedert wird, so daß man niemals denken kann: durch dasjenige, was in der Natur selbst vor sich geht, werden moralische oder sonstige Ideale verwirklicht. Auf der andern Seite wird sich der Mensch bewußt, daß er kein menschenwürdiges Dasein entfalten würde, wenn er nicht Ideale hätte, wenn er nicht an etwas anderes sich halten würde als Mensch, denn an die bloße äußere Naturordnung. Aber er kann nicht, mit dem gangbaren Bewußtsein, mit dem er heute ausgestattet ist, seine Ideale so sehen, daß er sie wirksam glauben könnte wie Elektrizität oder Magnetismus oder wie die Wärmekraft, so daß diese Ideale imstande wären, in die Naturordnung einzugreifen. Daher stellt sich ihm die Naturordnung und die ideale Ordnung nebeneinander, und er kann die Brücke nicht schlagen. Er kann die Brücke nicht schlagen aus dem Grunde, weil er in die Welt bei Tag und bei Nacht nicht blickt, wo diese Brücke zu schlagen ist. Würde der Mensch bei Tag das Normalbewußtsein, das ahrimanfreie Bewußtsein haben: Ich bin als Persönlichkeit nicht anders gebunden an meinen physischen Leib und an meinen Ätherleib, als ich gebunden bin, wenn ich vor einem Spiegel stehe und der Spiegel mir mein Bild zurückstrahlt —, würde der Mensch dieses Bewußtsein über sein Ich und seinen astralischen Leib haben, würde er dieses Ich und diesen astralischen Leib als ein Wirkliches, nicht als ein bloßes Spiegelbild erkennen, dann würde er auch durch dasjenige, was er als Ideale hat, anerkennen: Das sind reale Kräfte wie Elektrizität und Magnetismus, nur wirken sie nicht in der Gegenwart, sondern sie erobern sich ihre Wirksamkeit von der jetzigen Inkarnation bis zur nächsten Inkarnation, von diesem Erdendasein bis in das nächste Erdendasein hinüber.
[ 9 ] Aus dem, was ich Ihnen dargestellt habe, werden Sie die Gründe dafür sehen, daß der Mensch gewissermaßen die Zweiheit zu erleben hat, auf der einen Seite die Naturordnung, die keine Ideale enthält, die notwendig das eine Geschehen an das andere knüpft, in dem rein bloß Ursache an Wirkung und Wirkung an Ursache gegliedert wird, so daß man niemals denken kann: durch dasjenige, was in der Natur selbst vor sich geht, werden moralische oder sonstige Ideale verwirklicht. Auf der andern Seite wird sich der Mensch bewußt, daß er kein menschenwürdiges Dasein entfalten würde, wenn er nicht Ideale hätte, wenn er nicht an etwas anderes sich halten würde als Mensch, denn an die bloße äußere Naturordnung. Aber er kann nicht, mit dem gangbaren Bewußtsein, mit dem er heute ausgestattet ist, seine Ideale so sehen, daß er sie wirksam glauben könnte wie Elektrizität oder Magnetismus oder wie die Wärmekraft, so daß diese Ideale imstande wären, in die Naturordnung einzugreifen. Daher stellt sich ihm die Naturordnung und die ideale Ordnung nebeneinander, und er kann die Brücke nicht schlagen. Er kann die Brücke nicht schlagen aus dem Grunde, weil er in die Welt bei Tag und bei Nacht nicht blickt, wo diese Brücke zu schlagen ist. Würde der Mensch bei Tag das Normalbewußtsein, das ahrimanfreie Bewußtsein haben: Ich bin als Persönlichkeit nicht anders gebunden an meinen physischen Leib und an meinen Ätherleib, als ich gebunden bin, wenn ich vor einem Spiegel stehe und der Spiegel mir mein Bild zurückstrahlt —, würde der Mensch dieses Bewußtsein über sein Ich und seinen astralischen Leib haben, würde er dieses Ich und diesen astralischen Leib als ein Wirkliches, nicht als ein bloßes Spiegelbild erkennen, dann würde er auch durch dasjenige, was er als Ideale hat, anerkennen: Das sind reale Kräfte wie Elektrizität und Magnetismus, nur wirken sie nicht in der Gegenwart, sondern sie erobern sich ihre Wirksamkeit von der jetzigen Inkarnation bis zur nächsten Inkarnation, von diesem Erdendasein bis in das nächste Erdendasein hinüber.


[ 10 ] Und würde der Mensch im Wachzustande erkennen, daß sein Ich und sein astralischer Leib verbunden sind mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie, würde der Mensch mit andern Worten sich wirklich voll durchschauen, nicht bloß erfühlen als freie Persönlichkeit, als Mensch und als Erdenmensch, würde der Mensch das so in sich erfühlen, wie er falsch nacherfühlt, er sei ein Mensch aus Fleisch und Blut, dann würde er auch nicht glauben, daß die Naturordnung drauBen, die sich seinen Sinnen darbietet, dasjenige ist, was stark genug ist an Wirklichkeit, um der Kraft der Ideale zu widerstehen. Er würde wissen, daß dasjenige, was heute Naturordnung ist, zerfällt mit allen Stoffen, daß es keine Erhaltung des Stoffes gibt, sondern daß dasjenige, was Natur ist, sich vernichtet. Und wenn das nicht mehr da ist, was heute Natur ist, dann wird ein anderes äußeres sinnenfälliges Wirkliches an die Stelle getreten sein: das, was heute Ideale sind, wird die Natur der nächsten Zeiten sein. So daß wir sagen können: Wir erleben heute Naturordnung (siehe Zeichnung, rot) und ideale Ordnung (gelb). Der Physiker glaubt, es gäbe eine Erhaltung der Kraft und des Stoffes, die Naturordnung gehe fort, dieselben Atome und dieselben Kräfte, die spielen in alle Zukunft hinein. Er weiß dann nichts anderes zu sagen, dieser Physiker, wenn er ehrlich ist, als: Die ideale Ordnung, die ist ein Traum gewesen, die muß versinken und verschwinden, wie der Traum selber, so daß also am Endzustande der Erde der Idealtraum nicht mehr da sein wird, begraben sein wird.
[ 10 ] Und würde der Mensch im Wachzustande erkennen, daß sein Ich und sein astralischer Leib verbunden sind mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie, würde der Mensch mit andern Worten sich wirklich voll durchschauen, nicht bloß erfühlen als freie Persönlichkeit, als Mensch und als Erdenmensch, würde der Mensch das so in sich erfühlen, wie er falsch nacherfühlt, er sei ein Mensch aus Fleisch und Blut, dann würde er auch nicht glauben, daß die Naturordnung drauBen, die sich seinen Sinnen darbietet, dasjenige ist, was stark genug ist an Wirklichkeit, um der Kraft der Ideale zu widerstehen. Er würde wissen, daß dasjenige, was heute Naturordnung ist, zerfällt mit allen Stoffen, daß es keine Erhaltung des Stoffes gibt, sondern daß dasjenige, was Natur ist, sich vernichtet. Und wenn das nicht mehr da ist, was heute Natur ist, dann wird ein anderes äußeres sinnenfälliges Wirkliches an die Stelle getreten sein: das, was heute Ideale sind, wird die Natur der nächsten Zeiten sein. So daß wir sagen können: Wir erleben heute Naturordnung (siehe Zeichnung, rot) und ideale Ordnung (gelb). Der Physiker glaubt, es gäbe eine Erhaltung der Kraft und des Stoffes, die Naturordnung gehe fort, dieselben Atome und dieselben Kräfte, die spielen in alle Zukunft hinein. Er weiß dann nichts anderes zu sagen, dieser Physiker, wenn er ehrlich ist, als: Die ideale Ordnung, die ist ein Traum gewesen, die muß versinken und verschwinden, wie der Traum selber, so daß also am Endzustande der Erde der Idealtraum nicht mehr da sein wird, begraben sein wird.


[ 11 ] Geisteswissenschaft zeigt, daß dies eine Unwahrheit ist, eine Täuschung. Wir haben die Naturordnung, aber es gibt keine Erhaltung der Kraft und des Stoffes, sondern dasjenige, was Naturordnung ist, hört auf an einer bestimmten Stelle, und dasjenige, was heute Idealordnung ist, das bildet die Fortsetzung der Naturordnung. Von dem ich habe es schon ausgeführt —, was heute um unsere Augen herum ist, um unsere Ohren herum ist, um unsere gesamten Sinne herum ist, wird, wenn die Erde in den Venuszustand gekommen ist, nichts mehr vorhanden sein. Dann wird in jenem Nichts darinnen die Möglichkeit gegeben sein, daß die Ideale der heutigen Menschheit äußere Naturordnung geworden sind. Keine Weltanschauung, die nicht die Vernichtung des Sinnlichen erkennt, kann irgendeine Hoffnung haben, daß das Ideale die Kraft hat, sich zu verwirklichen; denn wenn das Sinnliche ewig wäre, wenn es eine Erhaltung der Kraft und des Stoffes gäbe, so würde die ideale Welt ein bloßer Traum sein. Das ist das ungeheuer Bedeutungsvolle, daß der Menschheit in der Gegenwart diese Aufklärung kommen muß, daß die Ideale der Gegenwart die Natur der Zukunft sind, und daß es eine große Täuschung ist, wenn geglaubt wird, daß die Atome, daß die Kräfte ewig seien; die sind eben gerade nicht das Ewige, die sind das Zeitliche. Das ist ja, man möchte sagen, auch die Fatalität der Geisteswissenschaft, daß sie einer Anschauung widersprechen muß, die geradezu der heutigen landläufigen Wissenschaft als die allergewisseste gilt, und die doch nichts anderes ist als eine ahrimanische Täuschung.
[ 11 ] Geisteswissenschaft zeigt, daß dies eine Unwahrheit ist, eine Täuschung. Wir haben die Naturordnung, aber es gibt keine Erhaltung der Kraft und des Stoffes, sondern dasjenige, was Naturordnung ist, hört auf an einer bestimmten Stelle, und dasjenige, was heute Idealordnung ist, das bildet die Fortsetzung der Naturordnung. Von dem ich habe es schon ausgeführt —, was heute um unsere Augen herum ist, um unsere Ohren herum ist, um unsere gesamten Sinne herum ist, wird, wenn die Erde in den Venuszustand gekommen ist, nichts mehr vorhanden sein. Dann wird in jenem Nichts darinnen die Möglichkeit gegeben sein, daß die Ideale der heutigen Menschheit äußere Naturordnung geworden sind. Keine Weltanschauung, die nicht die Vernichtung des Sinnlichen erkennt, kann irgendeine Hoffnung haben, daß das Ideale die Kraft hat, sich zu verwirklichen; denn wenn das Sinnliche ewig wäre, wenn es eine Erhaltung der Kraft und des Stoffes gäbe, so würde die ideale Welt ein bloßer Traum sein. Das ist das ungeheuer Bedeutungsvolle, daß der Menschheit in der Gegenwart diese Aufklärung kommen muß, daß die Ideale der Gegenwart die Natur der Zukunft sind, und daß es eine große Täuschung ist, wenn geglaubt wird, daß die Atome, daß die Kräfte ewig seien; die sind eben gerade nicht das Ewige, die sind das Zeitliche. Das ist ja, man möchte sagen, auch die Fatalität der Geisteswissenschaft, daß sie einer Anschauung widersprechen muß, die geradezu der heutigen landläufigen Wissenschaft als die allergewisseste gilt, und die doch nichts anderes ist als eine ahrimanische Täuschung.
[ 12 ] Blicken wir noch einmal zurück zu dem, worauf ich Sie eben aufmerksam gemacht habe. Vor dem Mysterium von Golgatha war dasjenige, was als menschliche Täuschung bezeichnet werden kann, Lebenstäuschung; nach dem Mysterium von Golgatha ist es Bewußtseinstäuschung. Wenn man dieses weiß, versteht man sehr vieles in der Menschheitsentwickelung. Vor allen Dingen versteht man, warum vor dem Mysterium von Golgatha die Menschen, die ja atavistisches Hellsehen hatten, das, was sie sahen, doch nicht in der wahren Gestalt sahen, sondern sie sahen die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien als Dämonen. Daher haben wir in den alten Mythologien im wesentlichen Dämonologie. Die Götter der alten Mythologien sind durchwegs Dämonen. Das beruhte darauf, daß die Lebenstäuschung da war, daß der Mensch gewissermaßen eine Art falsche Naturordnung als göttliche Ordnung denken mußte, wie er heute eine falsche Leibesordnung als Menschheitsordnung denken muß.
[ 12 ] Blicken wir noch einmal zurück zu dem, worauf ich Sie eben aufmerksam gemacht habe. Vor dem Mysterium von Golgatha war dasjenige, was als menschliche Täuschung bezeichnet werden kann, Lebenstäuschung; nach dem Mysterium von Golgatha ist es Bewußtseinstäuschung. Wenn man dieses weiß, versteht man sehr vieles in der Menschheitsentwickelung. Vor allen Dingen versteht man, warum vor dem Mysterium von Golgatha die Menschen, die ja atavistisches Hellsehen hatten, das, was sie sahen, doch nicht in der wahren Gestalt sahen, sondern sie sahen die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien als Dämonen. Daher haben wir in den alten Mythologien im wesentlichen Dämonologie. Die Götter der alten Mythologien sind durchwegs Dämonen. Das beruhte darauf, daß die Lebenstäuschung da war, daß der Mensch gewissermaßen eine Art falsche Naturordnung als göttliche Ordnung denken mußte, wie er heute eine falsche Leibesordnung als Menschheitsordnung denken muß.
[ 13 ] Nun kam das Mysterium von Golgatha. Die Menschen mußten sich mit ihrer Seelenverfassung gewissermaßen darauf einrichten, zu erkennen, was sich durch das Mysterium von Golgatha ergeben hat. Es stand im wachen Zustande vor dem Mysterium von Golgatha die menschliche Seele zu den Wesen der höheren Hierarchie in einer unmittelbareren Beziehung als heute, wo die Bewußtseinstäuschung vorliegt. Man sah die Wesen der höheren Hierarchie, dichtete sie nur um durch die Lebenstäuschung in Zeus, Apollo und so weiter; das sind Wesenheiten der dritten Hierarchie, aber sie sind umgedichtet, sie sind eben unter dem Einfluß der Lebenstäuschung gesehen, wie wir heute alles, was sich auf den Menschen bezieht, unter dem Einfluß der Bewußtseinstäuschung sehen. Aber mit alledem ragte herein in die Menschheit eine göttliche Weltenordnung. Denken Sie nur, wie nahe der Mensch vergangener Zeiten seine Menschenwelt der göttlichen Weltenordnung wußte! Da war die menschliche Hierarchie, dann kam die göttliche Hierarchie. Der Mensch fühlte sich nicht, ich möchte sagen, nach oben so abgeschlossen wie heute, sondern er setzte die Welt nach Richtung der Götter fort. Wie nahe fühlte der Grieche seine Götterwelt der menschlichen Welt, der menschlichen Hierarchie!
[ 13 ] Nun kam das Mysterium von Golgatha. Die Menschen mußten sich mit ihrer Seelenverfassung gewissermaßen darauf einrichten, zu erkennen, was sich durch das Mysterium von Golgatha ergeben hat. Es stand im wachen Zustande vor dem Mysterium von Golgatha die menschliche Seele zu den Wesen der höheren Hierarchie in einer unmittelbareren Beziehung als heute, wo die Bewußtseinstäuschung vorliegt. Man sah die Wesen der höheren Hierarchie, dichtete sie nur um durch die Lebenstäuschung in Zeus, Apollo und so weiter; das sind Wesenheiten der dritten Hierarchie, aber sie sind umgedichtet, sie sind eben unter dem Einfluß der Lebenstäuschung gesehen, wie wir heute alles, was sich auf den Menschen bezieht, unter dem Einfluß der Bewußtseinstäuschung sehen. Aber mit alledem ragte herein in die Menschheit eine göttliche Weltenordnung. Denken Sie nur, wie nahe der Mensch vergangener Zeiten seine Menschenwelt der göttlichen Weltenordnung wußte! Da war die menschliche Hierarchie, dann kam die göttliche Hierarchie. Der Mensch fühlte sich nicht, ich möchte sagen, nach oben so abgeschlossen wie heute, sondern er setzte die Welt nach Richtung der Götter fort. Wie nahe fühlte der Grieche seine Götterwelt der menschlichen Welt, der menschlichen Hierarchie!
[ 14 ] Nun kam das Mysterium von Golgatha. Da war dann das nicht mehr der Fall. Nicht das Mysterium von Golgatha — das sollte ja gerade den Ersatz bieten für das, was verlorengegangen war —, aber die Zeit brachte das in die Menschheitsentwickelung hinein, daß die Menschen abgeschnitten wurden von diesem bewußten Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt der dritten Hierarchie. Doch ein Gedächtnis, ein historisches Gedächtnis war davon geblieben. Und so kam denn die erste Zeit nach dem Mysterium von Golgatha. Die Menschen mußten schon etwas anders denken als vor dem Mysterium von Golgatha, aber es wirkte noch etwas herein von der unmittelbaren Vergangenheit. In der unmittelbaren Vergangenheit wußte die Menschheit, daß die göttlich-geistigen Wesenheiten ins Erdenweben hereinwirken und das beeinflussen und ordnen, was der Mensch auf der Erde tut. Daher war der alte Mensch davon überzeugt, wenn er Staaten begründete — wenn man das Wort «Staat» da anwenden will, es ist nicht ganz richtig, aber die Menschen sind heute gewohnt, so zu sprechen —, wenn die alten Menschen also soziale Strukturen, möchte man sagen, begründeten, so wußten sie: Diese sozialen Strukturen sind unter dem Einfluß der dritten Hierarchie begründet. Der Mensch empfand seine Einrichtungen auf der Erde als Göttereinrichtungen. Sie brauchen nur die ägyptische Geschichte zu studieren, gar nicht einmal auf Hellseherisches sich einzulassen, so werden Sie darauf kommen, daß der Ägypter voll überzeugt war, daß dasjenige, was die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Zusammenleben hier auf der Erde tun, von den Wesenheiten der dritten Hierarchie eingerichtet ist. Das war so vor dem Mysterium von Golgatha. Nach dem Mysterium von Golgatha blieb nur das Gedächtnis davon. Und was war die Folge? Nun, Sie wissen, nach und nach richtete sich nach dem Mysterium von Golgatha die Kirche ein. Die Kirche richtete eine bestimmte Art von Stufenfolge in den kirchlichen Würden ein: da gab es Diakone, Archidiakone, Bischöfe, Erzbischöfe und so weiter. Es wurden solche Stufenfolgen eingerichtet. Aber hinter dieser Einrichtung der Stufenfolgen war ein ganz bestimmter Gedanke. Das tritt bei den ersten Kirchenschriftstellern sehr klar noch hervor. Lesen Sie Dionysins den Areopagiten, so können Sie das deutlich herausentnehmen. Es sollte eine solche Einrichtung in der Kirchenverwaltung da sein, daß diese Kirchenverwaltung ein Abbild ist der göttlichen Ordnung. So wie sich der Diakon zu dem Archidiakon verhält, so sollte das ein Abbild sein, wie sich der Engel zu dem Erzengel verhält. Und wiederum, wie sich der Archidiakon zu dem Bischof verhält: Abbild vom Erzengel zum Arche. Und so sollte die soziale Struktur der Kirche eine Art Abbild der Theokratie sein: Oben in der geistigen Welt stehen stufenweise die Hierarchien, unten sollen, als Abbild der geistigen Hierarchien, die kirchlichen Würdenträger stufenweise stehen. Das war in der ersten Zeit nach dem Mysterium von Golgatha nicht juristisch gedacht, sondern das war theokratisch gedacht, das war ein Abbild; die kirchliche Hierarchie war als Abbild der geistig-göttlichen Hierarchie gedacht. So dachte man in den ersten christlichen Jahrhunderten auf Erden solche Einrichtungen zu pflegen, welche die Stellungen der Menschen zueinander auf der Erde als Abbild erscheinen lassen der Hierarchien oben in der geistigen Welt.
[ 14 ] Nun kam das Mysterium von Golgatha. Da war dann das nicht mehr der Fall. Nicht das Mysterium von Golgatha — das sollte ja gerade den Ersatz bieten für das, was verlorengegangen war —, aber die Zeit brachte das in die Menschheitsentwickelung hinein, daß die Menschen abgeschnitten wurden von diesem bewußten Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt der dritten Hierarchie. Doch ein Gedächtnis, ein historisches Gedächtnis war davon geblieben. Und so kam denn die erste Zeit nach dem Mysterium von Golgatha. Die Menschen mußten schon etwas anders denken als vor dem Mysterium von Golgatha, aber es wirkte noch etwas herein von der unmittelbaren Vergangenheit. In der unmittelbaren Vergangenheit wußte die Menschheit, daß die göttlich-geistigen Wesenheiten ins Erdenweben hereinwirken und das beeinflussen und ordnen, was der Mensch auf der Erde tut. Daher war der alte Mensch davon überzeugt, wenn er Staaten begründete — wenn man das Wort «Staat» da anwenden will, es ist nicht ganz richtig, aber die Menschen sind heute gewohnt, so zu sprechen —, wenn die alten Menschen also soziale Strukturen, möchte man sagen, begründeten, so wußten sie: Diese sozialen Strukturen sind unter dem Einfluß der dritten Hierarchie begründet. Der Mensch empfand seine Einrichtungen auf der Erde als Göttereinrichtungen. Sie brauchen nur die ägyptische Geschichte zu studieren, gar nicht einmal auf Hellseherisches sich einzulassen, so werden Sie darauf kommen, daß der Ägypter voll überzeugt war, daß dasjenige, was die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Zusammenleben hier auf der Erde tun, von den Wesenheiten der dritten Hierarchie eingerichtet ist. Das war so vor dem Mysterium von Golgatha. Nach dem Mysterium von Golgatha blieb nur das Gedächtnis davon. Und was war die Folge? Nun, Sie wissen, nach und nach richtete sich nach dem Mysterium von Golgatha die Kirche ein. Die Kirche richtete eine bestimmte Art von Stufenfolge in den kirchlichen Würden ein: da gab es Diakone, Archidiakone, Bischöfe, Erzbischöfe und so weiter. Es wurden solche Stufenfolgen eingerichtet. Aber hinter dieser Einrichtung der Stufenfolgen war ein ganz bestimmter Gedanke. Das tritt bei den ersten Kirchenschriftstellern sehr klar noch hervor. Lesen Sie Dionysins den Areopagiten, so können Sie das deutlich herausentnehmen. Es sollte eine solche Einrichtung in der Kirchenverwaltung da sein, daß diese Kirchenverwaltung ein Abbild ist der göttlichen Ordnung. So wie sich der Diakon zu dem Archidiakon verhält, so sollte das ein Abbild sein, wie sich der Engel zu dem Erzengel verhält. Und wiederum, wie sich der Archidiakon zu dem Bischof verhält: Abbild vom Erzengel zum Arche. Und so sollte die soziale Struktur der Kirche eine Art Abbild der Theokratie sein: Oben in der geistigen Welt stehen stufenweise die Hierarchien, unten sollen, als Abbild der geistigen Hierarchien, die kirchlichen Würdenträger stufenweise stehen. Das war in der ersten Zeit nach dem Mysterium von Golgatha nicht juristisch gedacht, sondern das war theokratisch gedacht, das war ein Abbild; die kirchliche Hierarchie war als Abbild der geistig-göttlichen Hierarchie gedacht. So dachte man in den ersten christlichen Jahrhunderten auf Erden solche Einrichtungen zu pflegen, welche die Stellungen der Menschen zueinander auf der Erde als Abbild erscheinen lassen der Hierarchien oben in der geistigen Welt.
[ 15 ] Nun ging den Menschen allmählich das Bewußtsein, das sie noch gedächtnismäßig, historisch-gedächtnismäßig aus der Zeit der alten Theokratie hatten, wo sie noch wußten, daß die irdischen Einrichtungen wirklich eine Folge der göttlichen Taten sind, das ging den Menschen verloren. An die Stelle einer lebendigen Götterwelt, die man in alten Zeiten geschaut hatte, von der man dann noch wußte, traten abstrakte Begriffe. An die Stelle des Bewußtseins, daß da oben eine Welt von Götterindividualitäten ist, traten die abstrakten metaphysischen Begriffe. Und es kamen die Jahrhunderte, wo die Menschen an die Stelle individueller Götter — die Christen nannten sie Engel — abstrakte Begriffe, eine Metaphysik von abstrakten Begriffen setzten. Die Götterordnung, die ihr Abbild haben sollte in der Menschenordnung, gab etwas Theokratisches; die Anwendung von bloßen Begriffen auf die menschliche Gesellschaftsordnung gab etwas, ja, was bloß dazu bestimmt sein konnte, Ordnung zu halten im menschlichen Zusammensein. Hatte man früher ersonnen, in der menschlichen gesellschaftlichen Struktur, in der sozialen Struktur der Menschheit ein Abbild der göttlichen Welt zu schaffen, so sann man in der metaphysischen Zeit nur danach, Ordnung zu halten, die Bösen zu bestrafen, die Guten nicht zu bestrafen oder auch zu belohnen, je nachdem Ordnung zu schaffen, so daß die gesellschaftliche Ordnung bestehen kann. Als an die Stelle der lebendigen Götter abstrakte metaphysische Begriffe getreten waren, da handelte es sich nur noch darum, eine menschliche Ordnung zu schaffen, die gewissermaßen den Menschen so abstempelte, den einen zum Vorgesetzten des andern machte, nicht weil das Vorgesetztsein ein Abbild sein sollte des Verhältnisses des Erzengels zum Engel, sondern weil nur dadurch Ordnung sein kann, daß einer befiehlt, der andere gehorcht. Abstraktion trat an die Stelle des lebendigen Durchwirktseins der sozialen Ordnung.
[ 15 ] Nun ging den Menschen allmählich das Bewußtsein, das sie noch gedächtnismäßig, historisch-gedächtnismäßig aus der Zeit der alten Theokratie hatten, wo sie noch wußten, daß die irdischen Einrichtungen wirklich eine Folge der göttlichen Taten sind, das ging den Menschen verloren. An die Stelle einer lebendigen Götterwelt, die man in alten Zeiten geschaut hatte, von der man dann noch wußte, traten abstrakte Begriffe. An die Stelle des Bewußtseins, daß da oben eine Welt von Götterindividualitäten ist, traten die abstrakten metaphysischen Begriffe. Und es kamen die Jahrhunderte, wo die Menschen an die Stelle individueller Götter — die Christen nannten sie Engel — abstrakte Begriffe, eine Metaphysik von abstrakten Begriffen setzten. Die Götterordnung, die ihr Abbild haben sollte in der Menschenordnung, gab etwas Theokratisches; die Anwendung von bloßen Begriffen auf die menschliche Gesellschaftsordnung gab etwas, ja, was bloß dazu bestimmt sein konnte, Ordnung zu halten im menschlichen Zusammensein. Hatte man früher ersonnen, in der menschlichen gesellschaftlichen Struktur, in der sozialen Struktur der Menschheit ein Abbild der göttlichen Welt zu schaffen, so sann man in der metaphysischen Zeit nur danach, Ordnung zu halten, die Bösen zu bestrafen, die Guten nicht zu bestrafen oder auch zu belohnen, je nachdem Ordnung zu schaffen, so daß die gesellschaftliche Ordnung bestehen kann. Als an die Stelle der lebendigen Götter abstrakte metaphysische Begriffe getreten waren, da handelte es sich nur noch darum, eine menschliche Ordnung zu schaffen, die gewissermaßen den Menschen so abstempelte, den einen zum Vorgesetzten des andern machte, nicht weil das Vorgesetztsein ein Abbild sein sollte des Verhältnisses des Erzengels zum Engel, sondern weil nur dadurch Ordnung sein kann, daß einer befiehlt, der andere gehorcht. Abstraktion trat an die Stelle des lebendigen Durchwirktseins der sozialen Ordnung.
[ 16 ] Das ist im wesentlichen dann die Zeit der realen Metaphysik das Mittelalter hindurch. Das römische Bewußtsein hat im wesentlichen die Elemente zu dieser metaphysischen Ordnung gegeben, die sich überall ausgebreitet hat. Eine Erinnerung an die theokratische Ordnung bildet etwa noch die Benennung «Fürst», welcher der erste ist, weil einer der erste sein muß, wie in der göttlichen Hierarchie auch einer der erste ist. Eine Erinnerung an die bloße metaphysische Ordnung, die Beamtenordnung, Verwaltungsordnung, damit eben Ordnung ist, bildet das Wort «Graf», was zusammenhängt mit grapho, schreiben. Daß man alles registriert, indem man Ordnung hält, indem man Urkunden schreibt, indem man Verträge macht, das ist die metaphysische Ordnung.
[ 16 ] Das ist im wesentlichen dann die Zeit der realen Metaphysik das Mittelalter hindurch. Das römische Bewußtsein hat im wesentlichen die Elemente zu dieser metaphysischen Ordnung gegeben, die sich überall ausgebreitet hat. Eine Erinnerung an die theokratische Ordnung bildet etwa noch die Benennung «Fürst», welcher der erste ist, weil einer der erste sein muß, wie in der göttlichen Hierarchie auch einer der erste ist. Eine Erinnerung an die bloße metaphysische Ordnung, die Beamtenordnung, Verwaltungsordnung, damit eben Ordnung ist, bildet das Wort «Graf», was zusammenhängt mit grapho, schreiben. Daß man alles registriert, indem man Ordnung hält, indem man Urkunden schreibt, indem man Verträge macht, das ist die metaphysische Ordnung.
[ 17 ] Dann kam die neuere Zeit herauf. Die brachte den Unglauben an die abstrakten Begriffe, den Unglauben an die Metaphysik. Man konnte nur noch an das äußerlich Sinnenfällige auch im Menschenleben glauben. Ein Bewußtsein jener Traditionen, die noch vorhanden waren in alten Zeiten, wo eben Traditionen ein lebendiges Bewußtsein davon waren, daß in der sozialen Struktur irgend etwas anderes wirkt — früher glaubte man: Götter, nachher: metaphysische Begriffe-, so ein lebendiges Bewußtsein konnte in der neueren Zeit nicht mehr da sein. Das muß erst wiederum errungen werden auf den Wegen, die eben durch die Geisteswissenschaft angedeutet werden. Und ein radikales Ausmerzen alles Bewußtseins von der geistigen Grundlage der sozialen Struktur, das hat der Industrialismus bewirkt. Daher fühlten Auguste Comte und Saint-Simon sich besonders verbunden mit dem Zeitalter des Industrialismus, da sie nur positivistische Wissenschaft gelten lassen wollen, das heißt dasjenige, was sich nur auf die äußere, sinnenfällige, kausal notwendige Naturordnung bezieht.
[ 17 ] Dann kam die neuere Zeit herauf. Die brachte den Unglauben an die abstrakten Begriffe, den Unglauben an die Metaphysik. Man konnte nur noch an das äußerlich Sinnenfällige auch im Menschenleben glauben. Ein Bewußtsein jener Traditionen, die noch vorhanden waren in alten Zeiten, wo eben Traditionen ein lebendiges Bewußtsein davon waren, daß in der sozialen Struktur irgend etwas anderes wirkt — früher glaubte man: Götter, nachher: metaphysische Begriffe-, so ein lebendiges Bewußtsein konnte in der neueren Zeit nicht mehr da sein. Das muß erst wiederum errungen werden auf den Wegen, die eben durch die Geisteswissenschaft angedeutet werden. Und ein radikales Ausmerzen alles Bewußtseins von der geistigen Grundlage der sozialen Struktur, das hat der Industrialismus bewirkt. Daher fühlten Auguste Comte und Saint-Simon sich besonders verbunden mit dem Zeitalter des Industrialismus, da sie nur positivistische Wissenschaft gelten lassen wollen, das heißt dasjenige, was sich nur auf die äußere, sinnenfällige, kausal notwendige Naturordnung bezieht.
[ 18 ] Damit hat aber auch der Wahrheitsbegriff selbst eine totale Umänderung erfahren. Dafür haben die heutigen Menschen noch nicht die rechten Empfindungen, daß der Wahrheitsbegriff eine Geschichte durchgemacht hat; dafür hat man heute noch keine richtige Vorstellung. Die Menschen, die sich noch in einer theokratischen Ordnung wußten, hatten keinen solchen Wahrheitsbegriff wie die Menschen, die heute zu ihrem Wahrheitsbegriff kommen auf Grund der Autorität der Naturwissenschaft. Es ist außerordentlich schwierig, über diese Dinge zu reden. Heute denkt man: In bezug auf die Weltenordnung ist Wahrheit die Übereinstimmung der Vorstellung mit einer äußeren Wirklichkeit. — Das ist von der Naturwissenschaft her. Ein solcher Wahrheitsbegriff war auch in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht da; es war noch ein anderer, und dieser andere Wahrheitsbegriff hängt wesentlich mit der theokratischen sozialen Ordnung zusammen. Dieser Wahrheitsbegriff, wie er heute in allen Seelen lebt, den gab es dazumal wirklich nicht. Diese außerordentlich wichtige Tatsache verkennt man. Der Wahrheitsbegriff, der dazumal herrschte, den kann man viel eher erfassen, wenn man ihn heranrückt an das Gottesurteil, an die Vorstellung des Gottesurteils. Wenn zwei Menschen einen Zweikampf auskämpfen — wie man sich heute zum Duell stellt, berührt uns nicht, ich gebrauche das nur als Beispiel —, so läßt sich nicht von vornherein durch irgendwelche Berechnung entscheiden: der A siegt und der B unterliegt; da würden sie ja wohl kaum den Zweikampf antreten; sondern die Wahrheit stellt sich erst im Laufe des Geschehens heraus. Wir haben ja heute diesen Wahrheitsbegriff noch, wenn Krieg geführt wird. Man würde wohl auch nicht Krieg führen, wenn man von vornherein alles wüßte, so wie wenn man im chemischen Laboratorium ein Experiment macht, alles erwogen hat, und dann weiß, wie es ausgeht; wenn man von vornherein wüßte, wie ein Krieg ausgeht, würde man den Krieg nicht führen. Da steckt heute noch der alte Wahrheitsbegriff drinnen, daß sich die Wahrheit erst im Geschehen enthüllen kann, daß man nichts anderes tun kann, als schauen, wie das Gottesurteil ausfällt. Das ist der alte Wahrheitsbegriff.
[ 18 ] Damit hat aber auch der Wahrheitsbegriff selbst eine totale Umänderung erfahren. Dafür haben die heutigen Menschen noch nicht die rechten Empfindungen, daß der Wahrheitsbegriff eine Geschichte durchgemacht hat; dafür hat man heute noch keine richtige Vorstellung. Die Menschen, die sich noch in einer theokratischen Ordnung wußten, hatten keinen solchen Wahrheitsbegriff wie die Menschen, die heute zu ihrem Wahrheitsbegriff kommen auf Grund der Autorität der Naturwissenschaft. Es ist außerordentlich schwierig, über diese Dinge zu reden. Heute denkt man: In bezug auf die Weltenordnung ist Wahrheit die Übereinstimmung der Vorstellung mit einer äußeren Wirklichkeit. — Das ist von der Naturwissenschaft her. Ein solcher Wahrheitsbegriff war auch in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht da; es war noch ein anderer, und dieser andere Wahrheitsbegriff hängt wesentlich mit der theokratischen sozialen Ordnung zusammen. Dieser Wahrheitsbegriff, wie er heute in allen Seelen lebt, den gab es dazumal wirklich nicht. Diese außerordentlich wichtige Tatsache verkennt man. Der Wahrheitsbegriff, der dazumal herrschte, den kann man viel eher erfassen, wenn man ihn heranrückt an das Gottesurteil, an die Vorstellung des Gottesurteils. Wenn zwei Menschen einen Zweikampf auskämpfen — wie man sich heute zum Duell stellt, berührt uns nicht, ich gebrauche das nur als Beispiel —, so läßt sich nicht von vornherein durch irgendwelche Berechnung entscheiden: der A siegt und der B unterliegt; da würden sie ja wohl kaum den Zweikampf antreten; sondern die Wahrheit stellt sich erst im Laufe des Geschehens heraus. Wir haben ja heute diesen Wahrheitsbegriff noch, wenn Krieg geführt wird. Man würde wohl auch nicht Krieg führen, wenn man von vornherein alles wüßte, so wie wenn man im chemischen Laboratorium ein Experiment macht, alles erwogen hat, und dann weiß, wie es ausgeht; wenn man von vornherein wüßte, wie ein Krieg ausgeht, würde man den Krieg nicht führen. Da steckt heute noch der alte Wahrheitsbegriff drinnen, daß sich die Wahrheit erst im Geschehen enthüllen kann, daß man nichts anderes tun kann, als schauen, wie das Gottesurteil ausfällt. Das ist der alte Wahrheitsbegriff.
[ 19 ] Diejenigen, die wie Auguste Comte oder wie die Sozialisten heute vollständig mit diesem Wahrheitsbegriff gebrochen haben — die andern Menschen haben es nämlich nicht, sie glauben es nur —, die erkennen nur eine solche Wahrheit an, wo sich das Geschehen seinem Verlaufe nach vorhersehen läßt. «Erkennen, um vorherzusehen», das ist das Losungswort von Auguste Comte. «Erkennen, um vorherzusehen», das ist die radikale Umkehrung des Wahrheitsbegriffes in unserer heutigen Zeit. Aber mit diesem Wahrheitsbegriff, den wir heute haben, können wir nur die Natur erfassen. Und darüber geben sich die Menschen noch einer ganz kolossalen Täuschung hin. Sie glauben zum Beispiel, das geschichtliche Leben mit diesem Wahrheitsbegriff, den Auguste Comte, Saint-Simon haben, erfassen zu können. Das kann man nicht! Auch mit dem alten Wahrheitsbegriff des Gottesurteils kann man es nicht, denn der stand unter dem Einfluß der Lebenstäuschung; unser heutiger Wahrheitsbegriff steht unter dem Einfluß der Bewußtseinstäuschung. Es muß der Wahrheitsbegriff der Anthroposophie kommen, der Wahrheitsbegriff, der in viel umfassenderer Weise gewonnen wird, als zum Beispiel Augustinus seinen Wahrheitsbegriff gewonnen hat; denn der unterlag, wie ich Ihnen auseinandergesetzt habe, der Täuschung.
[ 19 ] Diejenigen, die wie Auguste Comte oder wie die Sozialisten heute vollständig mit diesem Wahrheitsbegriff gebrochen haben — die andern Menschen haben es nämlich nicht, sie glauben es nur —, die erkennen nur eine solche Wahrheit an, wo sich das Geschehen seinem Verlaufe nach vorhersehen läßt. «Erkennen, um vorherzusehen», das ist das Losungswort von Auguste Comte. «Erkennen, um vorherzusehen», das ist die radikale Umkehrung des Wahrheitsbegriffes in unserer heutigen Zeit. Aber mit diesem Wahrheitsbegriff, den wir heute haben, können wir nur die Natur erfassen. Und darüber geben sich die Menschen noch einer ganz kolossalen Täuschung hin. Sie glauben zum Beispiel, das geschichtliche Leben mit diesem Wahrheitsbegriff, den Auguste Comte, Saint-Simon haben, erfassen zu können. Das kann man nicht! Auch mit dem alten Wahrheitsbegriff des Gottesurteils kann man es nicht, denn der stand unter dem Einfluß der Lebenstäuschung; unser heutiger Wahrheitsbegriff steht unter dem Einfluß der Bewußtseinstäuschung. Es muß der Wahrheitsbegriff der Anthroposophie kommen, der Wahrheitsbegriff, der in viel umfassenderer Weise gewonnen wird, als zum Beispiel Augustinus seinen Wahrheitsbegriff gewonnen hat; denn der unterlag, wie ich Ihnen auseinandergesetzt habe, der Täuschung.
[ 20 ] Das ist mit vielem verbunden, daran hängt sehr vieles. Denn daß man im allgemeinen in abstracto von einer Entwickelung des Wahrheitsbegriffes redet, das genügt nicht, sondern man muß im einzelnen wissen, wie der Wahrheitsbegriff die menschliche Seele andere Wege führt, je nachdem dieser Wahrheitsbegriff geartet ist. Heute in demselben Sinne von Nationalität zu sprechen, wie das in der vorchristlichen Zeit möglich ist, ist ein Anachronismus; denn in der vorchristlichen Zeit war es nicht nur eine menschliche Anschauung, daß die göttliche Ordnung hereinragte in die menschliche Ordnung, sondern es war wirklich so. Jetzt ragt sie nicht mehr herein. Wo daher im Menschen heute das Bewußtsein gehängt wird an Naturordnungen, an dasjenige, was bloß durch die Geburtenfolge hervorgebracht wird, an das nationale Prinzip zum Beispiel, da ist man in einem Anachronismus. Der Mensch ist heute dazu gezwungen, andere Strukturen für seine gesellschaftliche Ordnung in der nachchristlichen Zeit zu suchen als solche, die von außen bewirkt werden. Der alte Mensch konnte auf seine Nationalität sehen, weil er die Nationalität als eine Einrichtung der göttlichen Ordnung und das irdische Leben als ein Abbild der göttlichen Ordnung ansah. Der moderne Mensch kann nicht in demselben Sinne, ohne in einen Anachronismus zu verfallen, die Nation selber als etwas Besonderes verehren, er muß nach andern gesellschaftlichen Strukturen trachten. Die Nation als etwas Besonderes verehren, würde die heutige ahrimanische Täuschung bewirken. Nationen sind Reste der vorchristlichen Zeit, und über sie muß die moderne Menschheit hinauskommen durch jene Entwickelung, die ich Ihnen angedeutet habe. Man muß einsehen, wie konkret die Menschen nach einer besonderen Ausbildung des Wahrheitsbegriffes streben. Das ist wichtig, wenn auch heute unbequem. Aber wir müssen ja, wenn wir uns unbefangen auf den Standpunkt der wahren Erfassung der Wirklichkeit stellen, so manche unbequeme Wahrheit hinnehmen.
[ 20 ] Das ist mit vielem verbunden, daran hängt sehr vieles. Denn daß man im allgemeinen in abstracto von einer Entwickelung des Wahrheitsbegriffes redet, das genügt nicht, sondern man muß im einzelnen wissen, wie der Wahrheitsbegriff die menschliche Seele andere Wege führt, je nachdem dieser Wahrheitsbegriff geartet ist. Heute in demselben Sinne von Nationalität zu sprechen, wie das in der vorchristlichen Zeit möglich ist, ist ein Anachronismus; denn in der vorchristlichen Zeit war es nicht nur eine menschliche Anschauung, daß die göttliche Ordnung hereinragte in die menschliche Ordnung, sondern es war wirklich so. Jetzt ragt sie nicht mehr herein. Wo daher im Menschen heute das Bewußtsein gehängt wird an Naturordnungen, an dasjenige, was bloß durch die Geburtenfolge hervorgebracht wird, an das nationale Prinzip zum Beispiel, da ist man in einem Anachronismus. Der Mensch ist heute dazu gezwungen, andere Strukturen für seine gesellschaftliche Ordnung in der nachchristlichen Zeit zu suchen als solche, die von außen bewirkt werden. Der alte Mensch konnte auf seine Nationalität sehen, weil er die Nationalität als eine Einrichtung der göttlichen Ordnung und das irdische Leben als ein Abbild der göttlichen Ordnung ansah. Der moderne Mensch kann nicht in demselben Sinne, ohne in einen Anachronismus zu verfallen, die Nation selber als etwas Besonderes verehren, er muß nach andern gesellschaftlichen Strukturen trachten. Die Nation als etwas Besonderes verehren, würde die heutige ahrimanische Täuschung bewirken. Nationen sind Reste der vorchristlichen Zeit, und über sie muß die moderne Menschheit hinauskommen durch jene Entwickelung, die ich Ihnen angedeutet habe. Man muß einsehen, wie konkret die Menschen nach einer besonderen Ausbildung des Wahrheitsbegriffes streben. Das ist wichtig, wenn auch heute unbequem. Aber wir müssen ja, wenn wir uns unbefangen auf den Standpunkt der wahren Erfassung der Wirklichkeit stellen, so manche unbequeme Wahrheit hinnehmen.
[ 21 ] Die Menschen gehen heute dem nun förmlich entgegen, was Anthroposophie will. Diejenige Weltanschauung, die in Auguste Comte einen besonderen Vertreter gefunden hat, beschränkt sich nur auf die äußere Naturordnung. Es muß wiederum vorgedrungen werden zur geistigen Welt, und die Brücke muß geschlagen werden zwischen Realität und Idealität. Das ist ja gerade dasjenige, was ich dem Sinne nach in diesen Vorträgen besonders andeuten will. Es kann aber nicht geschehen dadurch, daß man bloß von diesen Dingen redet, sondern dadurch, daß man die konkreten Impulse, die in der Welt sind, erfaßt. Da muß man aber auf gewisse Tatsachen ganz unbefangen hinblicken. Mit den Dingen, die wir jetzt betrachten, sind kuriose Tatsachen verknüpft. Denken Sie einmal, ich habe Ihnen gestern gesprochen von Saint-Simon und von Auguste Comte. Beide betrachten nur die positivistische Wissenschaft, das heißt dasjenige als ausschlaggebend, was lediglich auf das sinnenfällige Leben, auf die kausale Naturordnung sich bezieht. Und dennoch liegt die sonderbare Tatsache vor, daß Auguste Comte sich von seinem Lehrer und Führer Saint-Simon abgewendet hat, weil nach und nach Saint-Simon Auguste Comte zu mystisch geworden ist; und die Anhänger von Auguste Comte haben sich vielfach von ihm abgewendet, weil er in seinem Alter ganz mystisch geworden ist. Es liegt die sonderbare Tatsache vor, daß Saint-Simon sowohl wie Auguste Comte auf der einen Seite ganz direkt stehen auf dem Boden des ahrimanischsten Wissenschaftstums und sich bewußt im Zeitalter des Industrialismus auf den Boden des ahrimanischsten Wissenschaftstums stellen, und Mystiker werden! Merkwürdig, eine merkwürdige Tatsache ist es!
[ 21 ] Die Menschen gehen heute dem nun förmlich entgegen, was Anthroposophie will. Diejenige Weltanschauung, die in Auguste Comte einen besonderen Vertreter gefunden hat, beschränkt sich nur auf die äußere Naturordnung. Es muß wiederum vorgedrungen werden zur geistigen Welt, und die Brücke muß geschlagen werden zwischen Realität und Idealität. Das ist ja gerade dasjenige, was ich dem Sinne nach in diesen Vorträgen besonders andeuten will. Es kann aber nicht geschehen dadurch, daß man bloß von diesen Dingen redet, sondern dadurch, daß man die konkreten Impulse, die in der Welt sind, erfaßt. Da muß man aber auf gewisse Tatsachen ganz unbefangen hinblicken. Mit den Dingen, die wir jetzt betrachten, sind kuriose Tatsachen verknüpft. Denken Sie einmal, ich habe Ihnen gestern gesprochen von Saint-Simon und von Auguste Comte. Beide betrachten nur die positivistische Wissenschaft, das heißt dasjenige als ausschlaggebend, was lediglich auf das sinnenfällige Leben, auf die kausale Naturordnung sich bezieht. Und dennoch liegt die sonderbare Tatsache vor, daß Auguste Comte sich von seinem Lehrer und Führer Saint-Simon abgewendet hat, weil nach und nach Saint-Simon Auguste Comte zu mystisch geworden ist; und die Anhänger von Auguste Comte haben sich vielfach von ihm abgewendet, weil er in seinem Alter ganz mystisch geworden ist. Es liegt die sonderbare Tatsache vor, daß Saint-Simon sowohl wie Auguste Comte auf der einen Seite ganz direkt stehen auf dem Boden des ahrimanischsten Wissenschaftstums und sich bewußt im Zeitalter des Industrialismus auf den Boden des ahrimanischsten Wissenschaftstums stellen, und Mystiker werden! Merkwürdig, eine merkwürdige Tatsache ist es!
[ 22 ] Man muß nach dem Warum einer solchen Tatsache fragen. Das Warum einer solchen Tatsache ergibt sich aber nur, wenn man unbefangen dieses Der-Spiritualität-Entgegenleben der Menschen ins Auge faßt. Unbewußt streben die Menschen nach der Spiritualität. Und auch solche Menschen, die wie Auguste Comte und Saint-Simon bloß die äußere Naturordnung erfassen wollen, streben nach der Spiritualität hin.
[ 22 ] Man muß nach dem Warum einer solchen Tatsache fragen. Das Warum einer solchen Tatsache ergibt sich aber nur, wenn man unbefangen dieses Der-Spiritualität-Entgegenleben der Menschen ins Auge faßt. Unbewußt streben die Menschen nach der Spiritualität. Und auch solche Menschen, die wie Auguste Comte und Saint-Simon bloß die äußere Naturordnung erfassen wollen, streben nach der Spiritualität hin.
[ 23 ] Nun liegt im neueren Menschheitsleben ein sehr Eigentümliches vor. Wir nehmen eine andere Tatsache, die wir auch ganz unbefangen, ohne irgendeinen nationalen Chauvinismus, der uns nicht geziemt, ins Auge fassen wollen. In den Anschauungen, die sich als Blüte aus den neueren Volkstümern heraus ergeben, charakterisiert sich in einer gewissen Weise dasjenige, was in diesen Volkstümern unten zu finden ist. Und von diesem Gesichtspunkte ausgehend, möchte ich Sie auf eine andere Tatsache hinweisen, möchte ich Sie hinweisen auf einen sehr tonangebenden englischen Philosophen, Bentham, der da gelebt hat von 1748 bis 1832. Bentham kann als charakteristisch für das Denken seines Volkes gelten. Und man hat mit einem gewissen Rechte die Anschauungen Benthams als Utilitarismus, auch im tieferen Sinne als Utilitarismus bezeichnet; denn ein gewisser Grundsatz liegt mit Bezug auf die ideale Weltordnung dem Benthamschen Denken zugrunde. Diesen Grundsatz, man nennt ihn gewöhnlich die Maximation der menschlichen Glückseligkeit. Diese menschliche Glückseligkeit besteht darinnen, daß Bentham den Satz aufgestellt hat, das Gute, also das ideal Anzustrebende, bestehe in dem größten Glück der größten Anzahl von Menschen auf Erden. Fassen wir diesen Satz recht ins Auge: Das Gute besteht in der größten Glückseligkeit der größten Anzahl von Menschen auf Erden. — Dieser Satz von der Maximation des Glückes auf Erden ist in der Tat ein Grundnerv der UtilitätsPhilosophie.
[ 23 ] Nun liegt im neueren Menschheitsleben ein sehr Eigentümliches vor. Wir nehmen eine andere Tatsache, die wir auch ganz unbefangen, ohne irgendeinen nationalen Chauvinismus, der uns nicht geziemt, ins Auge fassen wollen. In den Anschauungen, die sich als Blüte aus den neueren Volkstümern heraus ergeben, charakterisiert sich in einer gewissen Weise dasjenige, was in diesen Volkstümern unten zu finden ist. Und von diesem Gesichtspunkte ausgehend, möchte ich Sie auf eine andere Tatsache hinweisen, möchte ich Sie hinweisen auf einen sehr tonangebenden englischen Philosophen, Bentham, der da gelebt hat von 1748 bis 1832. Bentham kann als charakteristisch für das Denken seines Volkes gelten. Und man hat mit einem gewissen Rechte die Anschauungen Benthams als Utilitarismus, auch im tieferen Sinne als Utilitarismus bezeichnet; denn ein gewisser Grundsatz liegt mit Bezug auf die ideale Weltordnung dem Benthamschen Denken zugrunde. Diesen Grundsatz, man nennt ihn gewöhnlich die Maximation der menschlichen Glückseligkeit. Diese menschliche Glückseligkeit besteht darinnen, daß Bentham den Satz aufgestellt hat, das Gute, also das ideal Anzustrebende, bestehe in dem größten Glück der größten Anzahl von Menschen auf Erden. Fassen wir diesen Satz recht ins Auge: Das Gute besteht in der größten Glückseligkeit der größten Anzahl von Menschen auf Erden. — Dieser Satz von der Maximation des Glückes auf Erden ist in der Tat ein Grundnerv der UtilitätsPhilosophie.
[ 24 ] Nun muß man ins Auge fassen, daß dieser Satz, nicht von Bentham selbst und seinen Anhängern, aber von denen, die auf spirituellem Boden stehen, als absolut ahrimanisch bezeichnet wurde. Die Okkultisten des eigenen Landes sagen von Bentham, er habe diesen rein teuflischen Satz aufgestellt. Sie nennen ihn teuflisch, denn, so sagen die Okkultisten, wenn es richtig wäre, daß das Gute in der größten Glückseligkeit der größten Anzahl von Menschen besteht, so müßte das Böse bestehen in dem größten Glück der geringsten Anzahl von Menschen.
[ 24 ] Nun muß man ins Auge fassen, daß dieser Satz, nicht von Bentham selbst und seinen Anhängern, aber von denen, die auf spirituellem Boden stehen, als absolut ahrimanisch bezeichnet wurde. Die Okkultisten des eigenen Landes sagen von Bentham, er habe diesen rein teuflischen Satz aufgestellt. Sie nennen ihn teuflisch, denn, so sagen die Okkultisten, wenn es richtig wäre, daß das Gute in der größten Glückseligkeit der größten Anzahl von Menschen besteht, so müßte das Böse bestehen in dem größten Glück der geringsten Anzahl von Menschen.
[ 25 ] Ich sage jetzt nicht etwas, was ich selber als Definition oder als Explikation Ihnen vorführen will, sondern was man sagt. Also, auf der einen Seite, englische Philosophie Benthams: Maximation desGlückes; auf der andern Seite der englische Spiritualismus, welcher sagt: Benthams Satz ist rein teuflisch, denn es müßte dann das Böse das größte Glück der geringsten Anzahl von Menschen sein; woraus folgen würde, daß das Böse und das Glück miteinander bestehen könnten, was der Spiritualist unter allen Umständen nicht gelten lassen kann. Ich führe Ihnen hier nur eine Tatsache des geistigen Lebens vor, die im eminentesten Sinne signifikant ist für die ungeheuerste Opposition, in welcher auf einem gewissen Gebiete der Erde der Spiritualismus zur äußeren Weltanschauung sich befindet.
[ 25 ] Ich sage jetzt nicht etwas, was ich selber als Definition oder als Explikation Ihnen vorführen will, sondern was man sagt. Also, auf der einen Seite, englische Philosophie Benthams: Maximation desGlückes; auf der andern Seite der englische Spiritualismus, welcher sagt: Benthams Satz ist rein teuflisch, denn es müßte dann das Böse das größte Glück der geringsten Anzahl von Menschen sein; woraus folgen würde, daß das Böse und das Glück miteinander bestehen könnten, was der Spiritualist unter allen Umständen nicht gelten lassen kann. Ich führe Ihnen hier nur eine Tatsache des geistigen Lebens vor, die im eminentesten Sinne signifikant ist für die ungeheuerste Opposition, in welcher auf einem gewissen Gebiete der Erde der Spiritualismus zur äußeren Weltanschauung sich befindet.
[ 26 ] Und nun stelle ich heute wiederum, indem ich Sie darauf aufmerksam mache, daß in der morgigen Betrachtung sich diese Gegensätze lösen sollen, ein Aperçu an den Schluß meiner Betrachtungen. Sie können drei Dinge zusammenstellen: Goetheanismus, Comteanismus und Benthamismus. Diese drei Dinge stehen in dreifach verschiedener Weise in einer gewissen Beziehung zu dem spirituellen Streben der Menschen nach der Zukunft. Der deutsche Goetheanismus ist als solcher so geartet, daß sich aus ihm entwickeln kann der Spiritualismus; der französische Comteanismus ist so geartet, daß sich neben ihm Spiritualismus entwickeln kann, wie bei Auguste Comte und SaintSimon eine merkwürdige Mystik neben der positivistischen Philosophie eintritt; beim englischen Utilitarismus, bei Bentham, ist gar nichts anderes möglich, als daß die schärfste Opposition auftritt von seiten des Spiritualismus gegen die volkstümliche Anschauung. Das ist etwas, was im Boden der Entwickelung selber liegt. Das französische Wesen muß sich so entwickeln, daß nebeneinander hergehen Idealismus und Realismus, Mystik und Positivismus; in England, innerhalb des britischen Wesens, werden sich immer mehr und mehr die Dinge so entwickeln, daß von den Geistern, die dort Spiritualisten werden, in schärfster Weise das eigene Volkstum nach und nach bekämpft werden muß, das heißt dasjenige, was das Volkstum als philosophische Blüte absetzt.
[ 26 ] Und nun stelle ich heute wiederum, indem ich Sie darauf aufmerksam mache, daß in der morgigen Betrachtung sich diese Gegensätze lösen sollen, ein Aperçu an den Schluß meiner Betrachtungen. Sie können drei Dinge zusammenstellen: Goetheanismus, Comteanismus und Benthamismus. Diese drei Dinge stehen in dreifach verschiedener Weise in einer gewissen Beziehung zu dem spirituellen Streben der Menschen nach der Zukunft. Der deutsche Goetheanismus ist als solcher so geartet, daß sich aus ihm entwickeln kann der Spiritualismus; der französische Comteanismus ist so geartet, daß sich neben ihm Spiritualismus entwickeln kann, wie bei Auguste Comte und SaintSimon eine merkwürdige Mystik neben der positivistischen Philosophie eintritt; beim englischen Utilitarismus, bei Bentham, ist gar nichts anderes möglich, als daß die schärfste Opposition auftritt von seiten des Spiritualismus gegen die volkstümliche Anschauung. Das ist etwas, was im Boden der Entwickelung selber liegt. Das französische Wesen muß sich so entwickeln, daß nebeneinander hergehen Idealismus und Realismus, Mystik und Positivismus; in England, innerhalb des britischen Wesens, werden sich immer mehr und mehr die Dinge so entwickeln, daß von den Geistern, die dort Spiritualisten werden, in schärfster Weise das eigene Volkstum nach und nach bekämpft werden muß, das heißt dasjenige, was das Volkstum als philosophische Blüte absetzt.
[ 27 ] Bei Auguste Comte — ich führe Ihnen nicht Theorien vor, sondern ich sage Ihnen auch die Tatsachen dazu, wenigstens einzelne Tatsachen —, trotzdem er, als er sich dem Positivismus zugewendet hat, seinen Lehrer Saint-Simon abgetan hat, ist eine so deutliche Hinneigung zum Mystizismus vorhanden, daß er am Schlusse seines Lebens in deutlicher Weise eine Trinität annimmt. Er verehrt dreierlei: erstens den Großen Fetisch, zweitens das Große Medium, drittens das Große Wesen. Und er sagt: Der Große Fetisch ist der Mutterschoß der Menschheit im Raume. Der Raum ist das Medium, aus dem die Menschheit heraus aus dem Mutterschoße wird. Das Große Wesen ist die über die Erde ausgebreitete Menschheit in abstracto selber. Diese Trinität erkennt Auguste Comte an. Eine merkwürdige Verquickung des Positivismus mit dem Mystizismus! Davon wollen wir morgen weitersprechen.
[ 27 ] Bei Auguste Comte — ich führe Ihnen nicht Theorien vor, sondern ich sage Ihnen auch die Tatsachen dazu, wenigstens einzelne Tatsachen —, trotzdem er, als er sich dem Positivismus zugewendet hat, seinen Lehrer Saint-Simon abgetan hat, ist eine so deutliche Hinneigung zum Mystizismus vorhanden, daß er am Schlusse seines Lebens in deutlicher Weise eine Trinität annimmt. Er verehrt dreierlei: erstens den Großen Fetisch, zweitens das Große Medium, drittens das Große Wesen. Und er sagt: Der Große Fetisch ist der Mutterschoß der Menschheit im Raume. Der Raum ist das Medium, aus dem die Menschheit heraus aus dem Mutterschoße wird. Das Große Wesen ist die über die Erde ausgebreitete Menschheit in abstracto selber. Diese Trinität erkennt Auguste Comte an. Eine merkwürdige Verquickung des Positivismus mit dem Mystizismus! Davon wollen wir morgen weitersprechen.
