Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184

8 September 1918, Dornach

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

The Polarity of Duration and Development in Human Life, tr. SOL
  1. Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben

Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Ich werde Sie zuerst zu erinnern haben an etwas schon gestern Ausgeführtes, an das wir dann die weiteren Betrachtungen anschließen können. Ich führte gestern im wesentlichen aus, daß man keinen Einblick bekommen kann in die Stellung des Ideellen oder auch Spirituellen zum Materiellen in der Welt, zu der rein kausalen Naturordnung, wenn man nicht Rücksicht darauf nimmt, welches eigentlich das Wesen des menschlichen Schlafes ist.

[ 1 ] First, I will have to remind you of something I explained yesterday, to which we can then add our further considerations. Yesterday I essentially explained that one cannot gain any insight into the relationship of the ideal or spiritual to the material in the world—to the purely causal order of nature—unless one takes into account what the true nature of human sleep actually is.

[ 2 ] Ausgegangen sind wir ja von dem Gedanken des Augustinus, der in dem inneren Erleben wahrhaftige Gewißheit über die Welt erfahren wollte. Wir können uns heute nicht mehr auf diesen Gedanken stellen, sagte ich, aus dem einfachen Grunde, weil wir heute wissen müssen, daß jeder Schlaf des Menschen diesen Gedanken widerlegt. Denn wir könnten nimmermehr irgendwie festhalten an dem Gedanken, daß dasjenige, was der Mensch in seinem Inneren erlebt, sich post mortem, nach dem Tode erhält, also dieses im Inneren vom Menschen Erlebte ein wirklich Ewiges ist, wenn wir so hinblicken müßten auf die Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, wie das gewöhnliche heutige Bewußtsein darauf hinblickt. Das gewöhnliche heutige Bewußtsein sieht, wie sich herabdämmert während des Schlafes dasjenige, was im Inneren des Menschen erlebt wird. Nun aber sagten wir, sobald der Mensch nur die erste Stufe des Hineinschauens in die geistige Welt absolviert, so merkt er, daß vom Einschlafen bis zum Aufwachen dasjenige, was wir das Ich des Menschen und seinen astralischen Leib nennen — also das eigentliche Geist-Seelenwesen des Menschen —, von innen so verbunden ist mit dem Wesen der Angeloi, Archangeloi und Archai, wie der Mensch sonst hier während des Wachens verbunden ist mit Tierreich, Pflanzenreich, Mineralreich. Nur weil der Mensch durch die weltgegnerischen Mächte sein Bewußtsein herabgedämpft erhält im Schlafe, kann er nicht merken, daß er während des Schlafes mit der Hierarchie der Angeloi, Archangeloi, Archai verbunden ist, daß die sein Ich und seinen astralischen Leib mit ihrer eigenen Wesenheit durchtränken, daß die seinen astralischen Leib und sein Ich halten und tragen. Und wir haben ausgeführt, wie von diesem Zusammenhang des Menschen mit den Geistwesen dreierlei herrührt: Erstens, daß wir mehr oder weniger deutlich auch im gewöhnlichen Bewußtsein das Gefühl der Persönlichkeit haben. Wir wissen uns als ein Ich. Wir würden uns nimmermehr als ein Ich mit dem nur wissen, was uns während des Wachens zur Verfügung steht. Wie eine Nachwirkung desjenigen, was wir während des Schlafes erleben, ist das während des Tages, während des Wachens fortdauernde Gefühl der freien Persönlichkeit. Das rührt davon her, daß vom Einschlafen bis zum Aufwachen das Engelwesen aus der geistigen Welt, zu dem wir gehören, mit uns verbunden ist. Aber auch das Erzengelwesen oder eigentlich eine Reihe von Erzengelwesen ist mit unserem Geist-Seelenwesen verbunden. Und davon rührt her als Nachwirkung im Wachen, daß wir uns wissen als Angehörige der ganzen Menschheit, daß wir uns überhaupt als Mensch auf der Erde erkennen.

[ 2 ] We started, after all, with Augustine’s idea that one could experience true certainty about the world through inner experience. We can no longer adopt this view today, I said, for the simple reason that we must now recognize that every time a person falls asleep, this idea is refuted. For we could never in any way hold fast to the idea that what a person experiences within themselves persists post mortem, after death—that is, that this inner experience is truly eternal—if we were to view the period from falling asleep to waking up in the same way that ordinary modern consciousness views it. Ordinary modern consciousness observes how, during sleep, what is experienced within a person gradually fades away. But as we said, as soon as a person has completed even the first stage of looking into the spiritual world, they realize that from falling asleep to waking up, what we call the human ego and its astral body—that is, the actual spirit-soul being of the human being—is connected from within to the beings of the Angeloi, the Archangels, and the Archai—just as a person is otherwise connected here during wakefulness to the animal, plant, and mineral kingdoms. It is only because the human being’s consciousness is dampened during sleep by the forces opposed to the world that he cannot perceive that during sleep he is connected to the hierarchy of the Angeloi, Archangeloi, and Archai; that they permeate his “I” and his astral body with their own being; and that they hold and sustain his astral body and his “I.” And we have explained how three things arise from this connection between human beings and the spiritual beings: First, that even in ordinary consciousness we have, more or less clearly, a sense of personality. We know ourselves as an “I.” We would never know ourselves as an “I” based solely on what is available to us while awake. The feeling of free personality that persists during the day, while we are awake, is a lingering effect of what we experience during sleep. This stems from the fact that, from the moment we fall asleep until we wake up, the angelic being from the spiritual world—to which we belong—is connected to us. But the archangelic being—or, more precisely, a series of archangelic beings—is also connected to our spirit-soul being. And this gives rise, as an aftereffect in wakefulness, to our awareness that we belong to the whole of humanity, that we recognize ourselves as human beings on Earth at all.

[ 3 ] Das Bewußtsein von seiner freien Persönlichkeit, wenn auch nicht ganz deutlich, hat eigentlich jeder Mensch. Schon schattenhafter steht im Hintergrunde das Bewußtsein, daß man Mensch im allgemeinen ist. Ja, gewisse Philosophen, wie Fewerbach oder wie selbst Auguste Comte, sie haben die Meinung vertreten, daß das schon eine bedeutende Entdeckung ist für den Menschen, wenn er darauf kommt, sich als Mensch im allgemeinen, als Angehöriger der ganzen Menschheit zu fühlen. Und gestern haben wir gehört, wie Auguste Comte von dem Großen Wesen spricht; damit meint er nichts anderes als den Menschen. Aber Comte spricht vom Standpunkte der gewöhnlichen materialistischen Wissenschaft; er weiß nicht, was spirituell zugrunde liegt diesem im Hintergrunde unseres Seelenlebens liegenden Bewußtsein, daß man Mensch ist. Man würde gar nichts davon ahnen können, daß man Mensch ist, wenn nicht dasjenige, was im Schlafe getrennt ist von unserem physischen und Ätherleib, durchtränkt wäre von dem Erzengelwesen.

[ 3 ] Every human being actually possesses an awareness of their own free personality, even if it is not entirely clear. Lurking more faintly in the background is the awareness that one is a human being in general. Indeed, certain philosophers, such as Feuerbach or even Auguste Comte himself, have argued that it is already a significant discovery for a person to come to feel that they are a human being in general, a member of the whole of humanity. And yesterday we heard Auguste Comte speak of the “Great Being”; by this he means nothing other than the human being. But Comte speaks from the standpoint of ordinary materialistic science; he does not know what spiritual foundation underlies this awareness—lying in the background of our soul life—that one is a human being. One would have no inkling whatsoever that one is a human being if that which is separated from our physical and etheric bodies during sleep were not imbued with the Archangelic Being.

[ 4 ] Und wiederum sind wir von dem sogenannten Zeitgeist, von dem Wesen aus der Hierarchie der Archai durchtränkt. Das, was davon stammt, bleibt aber schon ein recht dunkles, schattenhaftes Bewußtsein. Ja, die heutige Menschheit hat es gar nicht, wenn sie sich nicht hineingestellt fühlt in die Geschichte, in das geschichtliche Leben. Die orientalische Weltanschauung ist überhaupt nicht vorgedrungen bis zu diesem Bewußtsein, als Erdenmensch zu leben. Das ist im besonderen die Aufgabe gewesen der abendländischen Kultur, sich als geschichtliches Wesen zu fühlen, als Wesen — also, sagen wir für uns —, die dem 19., 20. Jahrhundert angehören. Aber viel mehr als die Jahreszahl und noch einige äußerliche historische Daten — wir werden gleich nachher hören, wie wenig diese für das wirkliche Leben eigentlich Bedeutung haben —, viel mehr kennt davon das gegenwärtige materialistische Menschheitsbewußtsein nicht. Denn erst die Geisteswissenschaft führt uns dahin, zu erkennen, wie sich die Seelenverfassung des Menschen von Jahrtausenden zu Jahrtausenden ändert, wie der Mensch ein anderer wird, und wie wir jetzt zurückblicken nach alten Zeiten und wissen, daß die Menschen der dritten nachatlantischen Zeit, die ägyptisch-chaldäischen Völker, eine ganz andere Seelen- und Menschheitsverfassung hatten als wir heute. Dieses Sich-drinnenstehend-Fühlen in der ganzen Entwickelung der Menschheit, das haben wir als einen Nachklang unserer Verbindung mit dem Archewesen, mit dem Arche, während der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen. So daß wir also vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit dieser dritten geistigen Hierarchie uns verbunden wissen sollten. Nun, wie ist der Unterschied unseres Lebens vom Einschlafen bis zum Aufwachen, also jeden Tag, von dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt? Jeden Abend beim Einschlafen legen wir, ich möchte sagen, provisorisch, auf Widerruf, unseren physischen und Ätherleib ab. Der bleibt uns erhalten. Da sind wir mit diesen genannten Wesenheiten der dritten Hierarchie verbunden; wir kehren beim Aufwachen wiederum zurück in unseren physischen und Ätherleib. Anders ist es, wenn wir nicht mehr zurückkehren können, wenn wir gestorben sind. Da wird unser physischer und Ätherleib den Triebkräften des Irdisch-Werdenden übergeben, scheinbar. Wir wissen, daß das scheinbar ist, wir haben ja davon neulich gesprochen, daß das scheinbar ist; aber für unser Erleben wird unser physischer und Ätherleib den Erden- und den Himmelsräumen übergeben. Wir aber kommen dann in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt nicht nur wie im Schlafe in Berührung mit diesen Wesenheiten der dritten Hierarchie, sondern in ebenso innige Berührung mit den Wesen der zweiten Hierarchie, mit den Exusiai, also den Geistern der Form, mit den Dynameis, den Geistern der Bewegung, mit den Geistern der Weisheit, Kyriotetes, und auch mit den Wesenheiten der ersten Hierarchie, mit den Seraphim, Cherubim, Thronen. So wie wir hier unser Menschheitswesen hinrichten auf die Welt und im Umkreis der Welt uns alles dasjenige erscheint, was in den Reichen der Natur enthalten ist, so werden wir uns, jetzt nicht äußerlich, sondern innerlich, bewußt des Hereinspielens der höheren Hierarchien zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das ist im wesentlichen von einem bestimmten Gesichtspunkte aus der Unterschied zwischen dem Schlaf und dem Totsein des Menschen, daß wir eigentlich nur während des Schlafens unmittelbar — mittelbar auch — mit den Wesenheiten der dritten Hierarchie zusammenhängen, nach dem Tode aber mit den Wesenheiten aller drei Hierarchien, bis hinauf zu den höchsten geistigen Wesenheiten.

[ 4 ] And once again, we are imbued with the so-called Zeitgeist, with the essence from the hierarchy of the Archai. What stems from this, however, remains a rather dark, shadowy consciousness. Indeed, humanity today lacks it entirely unless it feels placed within history, within historical life. The Eastern worldview has not at all penetrated to this consciousness of living as an earthly human being. It has been the particular task of Western culture to feel itself as a historical being, as a being—let us say, for our own sake—that belongs to the 19th and 20th centuries. But apart from the year and a few other external historical facts—we will hear shortly just how little significance these actually have for real life—the current materialistic human consciousness knows little more than that. For it is only spiritual science that leads us to recognize how the human soul’s constitution changes from millennium to millennium, how human beings become different, and how we now look back on ancient times and know that the people of the third post-Atlantean epoch—the Egyptian-Chaldean peoples—had a completely different soul and human constitution than we do today. This feeling of being immersed in the entire development of humanity—we experience this as an echo of our connection with the Ark Being, with the Ark, during the time from falling asleep to waking up. So that from falling asleep to waking up, we should know that we are connected to this third spiritual hierarchy. Now, how does our life from falling asleep to waking up—that is, every day—differ from the life between death and a new birth? Every evening when we fall asleep, we lay aside—I would say provisionally, subject to revocation—our physical and etheric bodies. These remain with us. We are connected to the beings of the third hierarchy mentioned above; upon waking, we return once more to our physical and etheric bodies. It is different when we can no longer return, when we have died. Then our physical and etheric bodies are seemingly handed over to the forces of earthly becoming. We know that this is only apparent—we spoke of this recently—but as far as our experience is concerned, our physical and etheric bodies are handed over to the earthly and heavenly realms. But during this time between death and new birth, we come into contact not only—as if in sleep—with these beings of the third hierarchy, but also into equally intimate contact with the beings of the second hierarchy: with the Exusiai, that is, the spirits of form; with the Dynameis, the spirits of movement; with the spirits of wisdom, the Kyriotetes; and also with the beings of the first hierarchy: the Seraphim, Cherubim, and Thrones. Just as we here direct our human being toward the world, and within the sphere of the world everything contained in the realms of nature appears to us, so do we—now not externally but internally—become aware of the interplay of the higher hierarchies between death and a new birth. Essentially, from a certain point of view, this is the difference between human sleep and death: that we are actually connected directly—and indirectly as well—with the beings of the third hierarchy only during sleep, but after death we are connected with the beings of all three hierarchies, up to the highest spiritual beings.

[ 5 ] Nun, wenn Sie dies festhalten, dann werden Sie weiter einsehen können, wie der Mensch überhaupt sich in das ganze Weltenall hineinstellt, wie der Mensch als Mikrokosmos mit dem ganzen Weltenall, mit dem Makrokosmos zusammenhängt. Vergegenwärtigen wir uns das, was ich gesagt habe, einmal schematisch. Sagen wir also: Unser Geistwesen steht nach dem Tode innerlich im Zusammenhange mit den Wesen der dritten Hierarchie, mit den Wesenheiten der zweiten Hierarchie, mit den Wesenheiten der ersten Hierarchie, so wie es äußerlich hier in Zusammenhang steht mit Tierreich, Pflanzenreich, Mineralreich, aus denen es sich selber aufbaut. Nun besteht aber ein anderer Zusammenhang. Wenn Sie kennenlernen alles dasjenige, was die Wesenheiten der dritten Hierarchie zunächst wirken — sie haben noch andere Aufgaben, aber wir sprechen ja immer nur partieweise von den Dingen, nicht wahr, es sind ja die Wesen der dritten Hierarchie einzelne individuelle Wesen, die jedes einzeln für sich, und auch durch ihre Wirkungen zusammen tätig sind, die etwas hervorbringen, etwas schaffen —, wenn Sie sich vergegenwärtigen, was diese Wesenheiten der dritten Hierarchie wirken, so ist das zunächst alles dasjenige, zunächst sage ich, was vorgeht im geschichtlichen Leben der Menschheit (siehe Zeichnung Seite 57). Sie können den Gedanken auch so fassen: Niemand weiß etwas von der Wirklichkeit des geschichtlichen Lebens der Menschheit, der nicht eine Ahnung davon hat, daß dasjenige, was eigentlich Geschichte ist, in Wirklichkeit nicht von den Menschen gemacht wird, sondern von den Wesenheiten der dritten Hierarchie. Die Wesenheiten der dritten Hierarchie — Angeloi, Archangeloi, Archai — machen eigentlich die Geschichte, und der Mensch nimmt Teil an dem Werk dieser dritten Hierarchie, indem er daraus in der charakterisierten Weise sein Bewußtsein als Persönlichkeit hat, sein Bewußtsein als Mensch, als geschichtliches Erdwesen. Also daß der Mensch drinnensteht in der Welt, das ist, weil diese Wesenheiten das geschichtliche Leben machen, und der Mensch das, was er innerlich ist und wodurch er innerlich zusammenhängt mit dem geschichtlichen Leben, wiederum von diesen Wesenheiten hat. Das äußere geschichtliche Leben, das die landläufige Geschichte verzeichnet, das ja im wesentlichen doch eine Fable convenue ist, das ist nur ein Abbild von dem innerlich geschichtlichen Leben, das geschaffen wird in seinem Werdegange von den Wesen der dritten Hierarchie.

[ 5 ] Well, if you keep this in mind, you will be able to see more clearly how human beings position themselves within the entire universe, how human beings, as a microcosm, are connected to the entire universe—to the macrocosm. Let us visualize what I have said in schematic terms. Let us say, then: After death, our spiritual being is inwardly connected to the beings of the third hierarchy, to the beings of the second hierarchy, and to the beings of the first hierarchy, just as it is outwardly connected here to the animal kingdom, the plant kingdom, and the mineral kingdom, from which it builds itself up. But there is another connection. When you come to know all that the beings of the third hierarchy initially bring about—they have other tasks as well, but we always speak of things only in part, don’t we? for the beings of the third hierarchy are individual beings who act both separately and collectively through their effects, bringing something forth, creating something—if you consider what these beings of the third hierarchy do, it is, first and foremost, everything that takes place in the historical life of humanity (see drawing on page 57). You can also grasp the idea this way: No one knows anything about the reality of humanity’s historical life who does not have some inkling that what is actually history is, in reality, not made by human beings, but by the beings of the third hierarchy. The beings of the third hierarchy—Angels, Archangels, Archai—actually shape history, and human beings participate in the work of this third hierarchy by deriving from it, in the manner described, their consciousness as personalities, their consciousness as human beings, as historical beings on Earth. So the fact that human beings are at the very heart of the world is because these beings shape historical life, and what human beings are inwardly—and through which they are inwardly connected to historical life—they in turn derive from these beings. The external historical life recorded by conventional history—which is, in essence, nothing more than a “fable convenue”—is merely a reflection of the inner historical life that is created in its development by the beings of the third hierarchy.

[ 6 ] Nun können wir fragen: Was haben nun in ähnlicher Weise die Wesen der zweiten und ersten Hierarchie für eine Aufgabe, also die Exusiai, Dynameis, Kyriotetes, die Formgeister, die Bewegungsgeister, die Weisheitsgeister? Ja, die haben eine viel umfassendere Aufgabe. Wir sehen zunächst von ihrer Beziehung zum Menschen ab. Sie können sich diese Aufgabe am besten vor die Seele führen, wenn Sie das Augenmerk lenken auf Ihren Ätherleib. Nicht wahr, wenn Sie von Ihrem Ich ausgehend zunächst den Weg nach innen nehmen, so kommen Sie zu Ihrem Astralleib. Durch Ihren astralischen Leib hängen Sie zusammen mit dem geschichtlichen Leben der Menschheit. In das geschichtliche Leben der Menschheit wirken wiederum herein die Wesenheiten der dritten Hierarchie, die das geschichtliche Leben der Menschen machen. Aber wenn Sie weitergehen, wenn Sie bis zum Ätherleib hinuntergehen, da ist dieser Ätherleib eine sehr komplizierte Wesenheit. Der Mensch kennt nicht viel im heutigen Bewußtsein von der ganzen Kompliziertheit, die diesem menschlichen Ätherleib zugrunde liegt. Aber Sie bekommen ja einen gewissen Begriff, was da alles arbeiten muß an diesem Ätherleib, wenn Sie die «Geheimwissenschaft im Umriß» studieren; da ist Ihnen in der Aufeinanderfolge der Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, also der aufeinanderfolgenden Verkörperungen unserer Erde gezeigt, wie dieser Ätherleib sich herausbildet aus dem gesamten Kosmos, und wie die Wesenheiten der höheren Hierarchien mitwirken. Bringen wir das in eine anschauliche Formel, so können wir von einem gewissen Gesichtspunkte aus sagen: Alles das im Weltenwerden, was also jetzt umfassender ist, womit unser Ätherleib ebenso zusammenhängt wie unser astralischer Leib mit dem geschichtlichen Leben der Menschheit, das wird geschaffen und gebildet von den Wesenheiten der zweiten Hierarchie, von den Exusiai, Dynameis, Kyriotetes. Also ich werde, um dies zu veranschaulichen, sagen: Von den Wesenheiten der zweiten Hierarchie wird alles dasjenige gemacht, was in den menschlichen Ätherleib hineinwirkt.

[ 6 ] Now we may ask: What, then, is the task of the beings of the second and first hierarchies—that is, the Exusiai, Dynameis, Kyriotetes, the Spirits of Form, the Spirits of Movement, and the Spirits of Wisdom? Indeed, they have a much more comprehensive task. Let us first set aside their relationship to human beings. You can best bring this task to mind by directing your attention to your etheric body. Isn’t it true that when you set out from your “I” and first take the path inward, you arrive at your astral body? Through your astral body, you are connected to the historical life of humanity. In turn, the beings of the third hierarchy—who shape the historical life of humanity—act upon this historical life. But if you go further, if you descend all the way to the etheric body, you will find that this etheric body is a very complex entity. In today’s consciousness, human beings know very little of the full complexity that underlies the human etheric body. But you do gain a certain understanding of all that must be at work in this etheric body when you study *Outlines of Esoteric Science*; there, in the succession of the Saturn, Sun, and Moon eras—that is, the successive incarnations of our Earth—you are shown how this etheric body develops out of the entire cosmos, and how the beings of the higher hierarchies contribute to this process. If we express this in a vivid formula, we can say from a certain point of view: Everything in the evolution of the worlds—that is, everything that is now more comprehensive, with which our etheric body is just as closely connected as our astral body is to the historical life of humanity—is created and formed by the beings of the second hierarchy: the Exusiai, Dynameis, and Kyriotetes. So, to illustrate this, I will say: The beings of the second hierarchy create everything that acts within the human etheric body.

[ 7 ] Aber dadurch ist wieder etwas anderes gegeben. Wenn Sie des Morgens aufwachen und untertauchen in Ihren Ätherleib, dann tauchen Sie eigentlich ein in das Geschöpf der Wesenheiten der zweiten Hierarchie. Und Sie tauchen auch in Ihren physischen Leib unter. Von diesem physischen Leib, den das Mysterienwesen daher den Tempel des Menschen nennt, ist das, was die äußerliche Anatomie und Physiologie zutage fördert, eben wirklich nur die alleralleräußerste Hülle. Von diesem ungeheueren Wundergebilde des menschlichen physischen Leibes bekommt man nur einen Begriff, wenn man weiß: er ist das Geschöpf des Zusammenwirkens der Wesenheiten der ersten Hierarchie. Wenn Sie des Morgens beim Aufwachen untertauchen in Ihren physischen Leib, so tauchen Sie eigentlich in das Werk höchster Hierarchien unter. Also denken Sie, wie im Leben die Dinge verteilt sind: Hier zwischen Geburt und Tod, wenn wir wachen, tauchen wir unter zunächst in unseren astralischen Leib, in dem wirksam ist das geschichtliche Leben der Menschheit. Wir tauchen aber auch unter in unseren Ätherleib, das Geschöpf der zweiten Hierarchie, in dem wirksam ist vieles vom Kosmos, das ätherische Leben des Kosmos. Und wir tauchen unter in unseren physischen Leib, der die Schöpfung ist der Wesenheiten der ersten Hierarchie. Und wenn wir leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, dann leben wir nicht mit dem Geschöpf, sondern mit den Schöpfern selber.

[ 7 ] But this, in turn, reveals something else. When you wake up in the morning and immerse yourself in your etheric body, you are actually immersing yourself in the creation of the beings of the second hierarchy. And you are also immersing yourself in your physical body. Of this physical body—which the Mystery Being therefore calls the temple of the human being—what external anatomy and physiology reveal is truly only the very, very outermost shell. One can only begin to grasp this immense, wondrous structure of the human physical body when one knows that it is the creation of the interplay of the Beings of the First Hierarchy. When you sink into your physical body upon waking in the morning, you are actually sinking into the work of the highest hierarchies. So consider how things are arranged in life: here, between birth and death, when we are awake, we first sink into our astral body, in which the historical life of humanity is at work. But we also immerse ourselves in our etheric body—the creation of the second hierarchy—in which much of the cosmos is at work: the etheric life of the cosmos. And we immerse ourselves in our physical body, which is the creation of the beings of the first hierarchy. And when we live between death and a new birth, we do not live with the creation, but with the creators themselves.

Diagram 1Diagram 1

[ 8 ] Nun haben Sie einen der beträchtlichen Unterschiede in dem Leben zwischen Geburt und Tod und dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Hier tauchen Sie unter, indem Sie in Ihre Leiblichkeit untertauchen, in alles dasjenige, was Geschöpf ist der höheren Hierarchien. Wenn Sie sterben, tauchen Sie unter in die Hierarchien selber. Sie gehen von dem Geschöpf zu den Schöpfern. So hängen die Dinge zusammen.

[ 8 ] Now you have one of the significant differences between life from birth to death and life from death to a new birth. Here you submerge yourself by immersing yourself in your physicality, in everything that is a creature of the higher hierarchies. When you die, you plunge into the Hierarchies themselves. You pass from the created to the Creators. This is how things are connected.

[ 9 ] Und nun fragen wir einmal, indem wir dies eben Auseinandergesetzte überblicken: Was ist nun eigentlich unsere Erde? Das, was gewöhnlich Geologie oder andere Wissenschaften von unserer Erde erkunden, ist ja wiederum nur die äußere Hülle. Was ist unsere Erde eigentlich? Sie wissen ja: Unseren physischen Leib, wir haben ihn gemeinsam mit dem ganzen mineralischen Reich. Dadurch daß wir unseren physischen Leib mit dem ganzen mineralischen Reich gemeinsam haben, stehen wir in unserem Wachzustande in einem Teil der Erde darinnen. Unseren Ätherleib haben wir mit dem ganzen Pflanzenreich gemeinschaftlich, stehen drinnen in einem zweiten Gliede unserer Erde. Unseren Astralleib haben wir mit dem Tierreiche gemeinschaftlich. Das Ich haben wir für uns selber. Da stehen wir drinnen in den drei Reichen der Erde, und aus den drei Reichen besteht eigentlich unsere ganze Erde. Das ist der Grund und Boden gewissermaßen, auf dem wir stehen, nicht physisch, sondern mit unserem Menschenwesen. Aber das kann man nicht sehen, das bleibt übersinnlich. Indem wir auf diesem Boden stehen, ist sein unterstes Glied das mineralische Reich.

[ 9 ] And now, as we take stock of what we have just discussed, let us ask: What, exactly, is our Earth? What geology and other sciences usually investigate about our Earth is, after all, only its outer shell. What is our Earth, really? As you know, we share our physical body with the entire mineral kingdom. Because we share our physical body with the entire mineral kingdom, we stand within a part of the Earth during our waking state. We share our etheric body with the entire plant kingdom, standing within a second part of our Earth. We share our astral body with the animal kingdom. The “I” we have for ourselves. Thus we stand within the three kingdoms of the Earth, and our entire Earth actually consists of these three kingdoms. This is, so to speak, the ground on which we stand—not physically, but with our human being. But this cannot be seen; it remains supersensible. As we stand on this ground, its lowest member is the mineral kingdom.

[ 10 ] Nun erinnern Sie sich aus der «Geheimwissenschaft», daß das mineralische Reich bei den früheren Verkörperungen unserer Erde nicht da war; der Mond hatte noch nicht ein mineralisches Reich, ebensowenig die alte Sonne, ebensowenig Saturn. Sie brauchen das nur in der «Geheimwissenschaft» nachzulesen. Auf der Erde, bei der vierten Verkörperung unserer Erde, ist erst das mineralische Reich entstanden. Ich bitte Sie, das genau festzuhalten. Es ist eine schwierige Sache, aber es ist eine außerordentlich wichtige Sache. Gewissermaßen drei Bildungen mußten vorangehen, bevor die mineralische Erde sich herausgebildet hat. Wir nennen diese drei Bildungen die drei Elementarreiche, das mineralische Reich ist das vierte. Wir könnten auch so sprechen bei den früheren Verkörperungen: Bei der Saturnverkörperung unserer Erde: erstes Elementarreich; bei der Sonnenverkörperung unserer Erde: zweites Elementarreich — die Wesen, die damals Mineralreich waren, waren früher Elementarreich —; bei der Mondenzeit — nicht der heutigen Zeit, der alten Mondenzeit —: drittes Elementarreich. Im Fortschreiten zur Erde entsteht das mineralische Reich als das vierte Reich. Das trägt der Mensch in sich.

[ 10 ] Now, as you will recall from *The Secret Science*, the mineral kingdom did not exist during the earlier incarnations of our Earth; the Moon did not yet have a mineral kingdom, nor did the ancient Sun, nor did Saturn. You need only look this up in *The Secret Science*. It was only on Earth, during the fourth incarnation of our Earth, that the mineral kingdom first came into being. I ask you to take careful note of this. It is a difficult concept, but it is an extraordinarily important one. In a sense, three stages of formation had to precede the emergence of the mineral Earth. We call these three stages the three elemental kingdoms; the mineral kingdom is the fourth. We could also put it this way with regard to the earlier incarnations: during the Saturn incarnation of our Earth—the first elemental kingdom; during the Sun incarnation of our Earth—the second elemental kingdom—the beings that were part of the mineral kingdom at that time had previously belonged to the elemental kingdom—; during the Lunar period—not the present-day Lunar period, but the ancient Lunar period—the third elemental kingdom. As the process progresses toward the Earth, the mineral kingdom emerges as the fourth kingdom. This is what the human being carries within themselves.

[ 11 ] Im Mineralreich stehen, heißt, in der vierten Bildung stehen. Dieses Mineralreich tragen wir in uns; dadurch nur sind wir eigentlich sichtbare Wesen. Dieses Mineralreich ist aber auch das einzig Abgeschlossene in uns. Erst wenn die Erde ihr Ende erreicht haben wird, wenn sie in eine andere Verkörperung eingetreten sein wird, wird der Mensch ebenso abgeschlossen sein im Pflanzenreich, wie er heute im Mineralreich abgeschlossen ist. Dann würde er in der fünften Bildung stehen. Also die Erde wird an einen Endzustand kommen, wird neuerdings entstehen: Jupiterzeit; der Mensch wird, so wie er heute sein Verhältnis zum Mineralreich hat, dann sein Verhältnis zum Pflanzenreich haben. Er wird in der fünften Bildung stehen. Im Pflanzenreich stehen, heißt, in der fünften Bildung stehen.

[ 11 ] To be in the mineral kingdom means to be in the fourth form of existence. We carry this mineral kingdom within us; it is only through this that we are truly visible beings. However, this mineral kingdom is also the only one within us that is complete. Only when the Earth has reached its end, when it has entered into a new incarnation, will humanity be just as complete within the plant kingdom as it is today within the mineral kingdom. Then humanity would be in the fifth stage of development. Thus, the Earth will reach a final state and will emerge anew: the Jupiter era; humanity will then have the same relationship to the plant kingdom as it has today to the mineral kingdom. It will be in the fifth stage of development. To be in the plant kingdom means to be in the fifth stage of development.

[ 12 ] Es wird eine neue Verkörperung unserer Erde kommen, wir nennen sie die Venusverkörperung, die Venuszeit. Der Mensch wird dann für sich im Tierreiche stehen, nicht Tier sein, sondern im Tierreiche stehen; das ist, wie Sie wissen, etwas anderes, als Tier sein. Im Tierreiche stehen aber heißt, in der sechsten Bildung stehen. Und dann kommt der Abschluß, ich möchte sagen, die Septime des ganzen Werdens. Wir nennen sie die Vulkanverkörperung der Erde. Der Mensch ist dann auf der höchsten Stufe seiner Bildung angelangt, er ist dann erst ganz Mensch geworden. Im Menschenreich stehen, heißt, in der siebenten Bildung sein, in der siebenten Bildung stehen. Und in sieben Bildungen schließt sich das Leben des Menschen ab.

[ 12 ] A new incarnation of our Earth is to come; we call it the Venus incarnation, the Venus era. Humanity will then stand within the animal kingdom—not as animals, but standing within the animal kingdom; as you know, this is different from being an animal. But to stand within the animal kingdom means to be in the sixth stage of development. And then comes the conclusion—I would say, the seventh stage of the entire process of becoming. We call it the volcanic incarnation of the Earth. Humanity will then have reached the highest stage of its evolution; only then will it have become fully human. To stand in the human kingdom means to be in the seventh stage of evolution, to stand in the seventh stage of evolution. And the life of humanity comes to a close after seven stages of evolution.

[ 13 ] Schauen wir uns den heutigen Menschen an. Er steht, wie wir schen, im Mineralreich; er steht noch nicht im Pflanzenreich. Wenn der Mensch im Pflanzenreich stehen wird, wird sein ganzes Leben ein anderes sein. Er wird sich fühlen nicht als Persönlichkeit, sondern so, wie er sich heute als Persönlichkeit fühlt, wird er sich als Mensch fühlen, er wird sich fühlen als Glied der ganzen Menschheit. Er wird zum Beispiel, wenn er einmal im Pflanzenreiche stehen wird, es unerträglich finden, daß er einen bestimmten Grad des Glückes hat, wenn neben ihm jemand mit Unglück herumgeht. Heute fühlt sich der Mensch wie durch eine Scheidewand von andern Menschen abgeschlossen. Das muß so sein, sonst würde der Mensch niemals seine Persönlichkeit entwickeln können. Aber im künftigen Jupiterreich, wo der Mensch in der fünften Bildung stehen wird, wird es anders sein; da wird es ein ganz unerträglicher Gedanke sein, daß der eine glücklich, der andere neben ihm unglücklich sein kann, weil sich die Menschen nicht als Organismus fühlen, wie man in abstracto sagt. Jetzt fühlen sie sich ja nicht als Organismus: das ist aber eine Unwahrheit, eine Täuschung, eine Maja. Aber die Zeit wird kommen, wo der Mensch im Pflanzenreich stehen wird, wo er ein einzelnes Glück nicht erträglich finden wird, wenn neben ihm Unglück ist.

[ 13 ] Let us look at human beings today. As we see, they belong to the mineral kingdom; they do not yet belong to the plant kingdom. When human beings come to belong to the plant kingdom, their entire life will be different. They will no longer feel like a personality; rather, just as they feel like a personality today, they will feel like a human being—they will feel like a member of the whole of humanity. For example, once they have entered the plant kingdom, they will find it unbearable to enjoy a certain degree of happiness while someone else nearby is suffering. Today, human beings feel separated from others by a dividing wall. It must be this way; otherwise, human beings would never be able to develop their individuality. But in the future Jupiter realm, where human beings will be in the fifth stage of evolution, it will be different; there, it will be a completely unbearable thought that one person could be happy while another right next to them is unhappy, because human beings do not feel themselves to be a single organism, as one says in the abstract. Now, of course, they do not feel themselves to be part of an organism: but that is a falsehood, an illusion, a Maya. Yet the time will come when human beings will be in the plant kingdom, when they will find individual happiness intolerable if there is unhappiness beside them.

[ 14 ] Dieser Gedanke liegt zugrunde jenen Spiritualisten, von denen ich Ihnen gestern gesprochen habe. Ich habe Ihnen gesagt: Die englischen Spiritualisten werden in Zukunft einen großen Kampf auszufechten haben gegen die gesamte englische Volkskultur. Die Blüte dieser Volkskultur ist der Utilitarismus; und dasjenige, was dieser Utilitarismus herausgetrieben hat bei Bentbam, das ist im wesentlichen der Grundsatz, den man nannte die Maximation des Glückes. Immer mehr wird dieser Utilitarismus das Denken erfüllen. Daher wird dieses Denken nur durch die Opposition der spirituell Gesinnten zur Spiritualisierung kommen können. Das ist die Perspektive der Zukunft: Die spirituell Gesinnten werden dort die Volkskultur zu überwinden haben, sie zu überwinden haben bis zur Vernichtung. Deshalb konnte ich Ihnen anführen, daß Bentham, der aus der Volkskultur heraus zu dem Grundsatze gekommen ist, das Gute auf der Erde bestünde in der Glückseligkeit der größten Anzahl von Menschen, seine heftigsten Gegner hat in den spirituell Gesinnten seines eigenen Landes, die ihm sagen: Das ist eine rein teuflische Definition, denn diese Definition kann man nur machen, wenn man nichts bedenkt als die bloße Gegenwart. Denkt man ein wenig an die Zukunft der Entwickelung, so weiß man, daß der Gedanke ganz unerträglich ist: Glückseligkeit der größten Anzahl, weil das Gegenteil wäre: die Glückseligkeit der geringsten Anzahl, und das müßte das Böse sein. Aber Böses und Glückseligkeit haben nichts miteinander zu tun; denn in der Zukunft wird dadurch, daß der Mensch sich im Pflanzenreich stehend fühlt, sich als Glied der ganzen Menschheit fühlt, dieses Gegenteil eine Unmöglichkeit sein. So wie heute ein wichtiges organisches Glied dem Menschen nicht einfach ausgeschnitten werden kann, ohne daß der ganze Menschenorganismus zugrunde geht, so wird künftig, wenn die Erde im Pflanzenreich steht, nicht eine bestimmte Gruppe von Menschen leidensvoll sein können, ohne daß das Ganze leidet. Das ist ein bestimmter Entwickelungszustand, der kommt. Und weil durch Bentham eine Definition des Glückes gegeben wird, die gar keine Zukunft hat, die nur Gegenwart hat, muß sie bekämpft werden gerade von denjenigen, welche die Spiritualität anstreben.

[ 14 ] This idea underlies the spiritualists I spoke to you about yesterday. I told you: In the future, the English spiritualists will have to wage a great struggle against the entire English popular culture. The pinnacle of this popular culture is utilitarianism; and what this utilitarianism brought to the fore in Bentham is essentially the principle known as the maximization of happiness. This utilitarianism will increasingly permeate people’s thinking. Therefore, this way of thinking will only be able to achieve spiritualization through the opposition of the spiritually minded. This is the prospect for the future: the spiritually minded will have to overcome popular culture there—overcome it to the point of annihilation. That is why I was able to point out to you that Bentham, who arrived at the principle—derived from popular culture—that the good on earth consists in the happiness of the greatest number of people, finds his fiercest opponents among the spiritually minded in his own country, who say to him: “That is a purely diabolical definition, for one can only arrive at this definition if one considers nothing but the mere present. If one thinks even a little about the future of development, one knows that the idea is utterly intolerable: the happiness of the greatest number, because the opposite would be the happiness of the smallest number, and that would have to be evil.” But evil and happiness have nothing to do with one another; for in the future, because human beings will feel themselves to be part of the plant kingdom and members of the whole of humanity, this contradiction will be an impossibility. Just as today an important organic part of the human body cannot simply be cut out without the entire human organism perishing, so in the future, when the Earth is part of the plant kingdom, no particular group of people will be able to suffer without the whole suffering as well. This is a specific stage of development that is yet to come. And because Bentham offers a definition of happiness that has no future at all—that exists only in the present—it must be opposed precisely by those who strive for spirituality.

[ 15 ] Ja, warum soll das ein Gegensatz sein, wenn gesagt wird: Gutes definiert durch Bentham als die Glückseligkeit der größten Anzahl, Böses definiert als die Glückseligkeit der geringsten Anzahl? Ein abstrakter Gegensatz ist es nicht für den Verstand, aber der Spiritualist denkt nicht abstrakt, der Spiritualist denkt konkret. Er denkt nicht: Was ist das Gegenteil von dem andern? — sondern er denkt an das Reale, das sich entwickelt, und das stimmt zumeist mit den bloßen Gedanken der Menschen nicht überein.

[ 15 ] Yes, why should that be a contradiction when it is said: Good, as defined by Bentham, is the happiness of the greatest number; evil is defined as the happiness of the least number? It is not an abstract contradiction for the intellect, but the spiritualist does not think abstractly; the spiritualist thinks concretely. He does not think: “What is the opposite of the other?”—but rather he thinks of reality as it unfolds, and this usually does not correspond to people’s mere thoughts.

[ 16 ] Und in einem noch höheren Grade wird der einzelne Mensch am Ganzen teilnehmen, wenn er in der sechsten Bildung steht. Und dann noch ganz besonders, wenn er Vollmensch ist, ganz vergeistigter Mensch, in der siebenten Bildung.

[ 16 ] And to an even greater degree, the individual will participate in the Whole when he is in the sixth stage of development. And this is especially true when he is a fully realized human being, a completely spiritualized human being, in the seventh stage of development.

[ 17 ] Ja, aber wir haben daraus gesehen, daß so, wie wir jetzt auf dem festen Boden der Erde stehen, wir als Menschen, insoferne wir Geschöpfe sind, doch eigentlich nur bis zur vierten Bildung kommen. Wir haben das mineralische Reich, das ist fertig. Die andern Reiche, wie sie heute bestehen, werden zum Teil zugrunde gehen, und der Mensch wird sie in anderer Weise ausbilden: das Pflanzenreich, so wie ich es geschildert habe. Das Tierreich und Menschenreich wollen wir heute nicht mehr schildern, aber nächstens einmal.

[ 17 ] Yes, but we have seen from this that, just as we now stand on the solid ground of the Earth, we as human beings—insofar as we are creatures—actually only reach as far as the fourth kingdom. We have the mineral kingdom—that is complete. The other kingdoms, as they exist today, will partly perish, and humankind will develop them in a different way: the plant kingdom, as I have described it. We will not describe the animal and human kingdoms today, but we will do so another time.

[ 18 ] So steht der Mensch heute, wenn er sich als Geschöpf, unter anderen Geschöpfen stehend, betrachtet, in der vierten Bildung. Aber er ragt in die andern Bildungen hinein, denn wir haben ja gesehen: Schon im Schlafe steht der Mensch unter dem Einfluß der dritten Hierarchie. Diese Hierarchie ist weiter als er, die steht heute schon in der fünften Bildung, und die andern Wesen sind noch weiter. Er ragt also in die höheren Bildungsstufen hinein. Ich bitte Sie, die Geduld zu haben, diese subtilen Gedanken wirklich durchzudenken; denn Sie müssen jetzt den Unterschied machen, zwischen Sich-Denken als Geschöpf und Sich-Denken als unabhängiges Geistwesen, das Sie zum Beispiel im Schlafe sind oder zwischen Tod und neuer Geburt. Insoferne Sie sich hier denken in Ihrem physischen, in Ihrem Ätherleib, astralischen Leib und Ich, insofern denken Sie sich als Geschöpf auf der Erde, sind in der vierten Bildung; aber Sie ragen in die fünfte, sechste und siebente Bildung hinein. Indem Sie ja nicht bloß in Ihrem Leibe leben, sondern auch außerhalb Ihres Leibes, im Schlafe oder im Tode, da ragen Sie in die andern Hierarchien hinein, und diese andern Hierarchien sind weiter. Wir können also sagen: Wenn wir die Erde mit allem, was darauf und darinnen ist, als geschöpfliches Wesen betrachten, so ist sie als geschöpfliches Wesen bis zur vierten Stufe herangekommen, und wir sind mit ihr ebenfalls bis zur vierten Stufe herangekommen. Allein wir ragen dadurch, daß wir uns als selbständige Persönlichkeiten fühlen, daß wir uns als Mensch fühlen, daß wir uns als Glied der Erdenentwickelung fühlen, daß wir wissen, unser Ätherleib ist Geschöpf der zweiten Hierarchie, unser physischer Leib ist Geschöpf der ersten Hierarchie, wir ragen dadurch hinauf in die anderen Sphären, in die anderen Bildungselemente.

[ 18 ] Thus, when human beings today view themselves as creatures standing among other creatures, they are in the fourth stage of development. But he extends into the other stages of development, for as we have seen, even in sleep, human beings are under the influence of the third hierarchy. This hierarchy is further along than they are; it already stands in the fifth stage of development today, and the other beings are even further along. Thus, human beings extend into the higher stages of development. I ask you to have the patience to truly think these subtle ideas through; for you must now distinguish between conceiving of yourself as a creature and conceiving of yourself as an independent spiritual being—which you are, for example, during sleep or between death and rebirth. To the extent that you conceive of yourself here in your physical body, your etheric body, your astral body, and your “I,” to that extent you conceive of yourself as a creature on Earth and are in the fourth stage of evolution; but you extend into the fifth, sixth, and seventh stages. Since you do not merely live within your body but also outside of it—in sleep or in death—you extend into the other hierarchies, and these other hierarchies are more advanced. We can therefore say: If we regard the Earth, with everything on and within it, as a created being, then as a created being it has advanced to the fourth stage, and we, too, have advanced with it to the fourth stage. Yet we extend into the other spheres—into the other elements of formation—precisely because we feel ourselves to be independent personalities, because we feel ourselves to be human beings, because we feel ourselves to be part of Earth’s evolution, and because we know that our etheric body is a creation of the second hierarchy and our physical body is a creation of the first hierarchy.

[ 19 ] Aber es hat ja nicht seinen Abschluß mit der siebenten Bildung. Die Evolution geht weiter, und indem wir hineinragen in die höheren Bildungsformen, ragen wir auch in eine achte Bildungsform hinein, die berühmte achte Sphäre. Wir können ruhig sagen: In einer gewissen Weise, indem wir zu hochentwickelten Stufen höherer Wesenheiten hinaufragen, ragen wir, indem wir im Gottesteich drinnenstehen oder Geisterreich — wie Sie wollen —, hinein in die achte Bildung. Aber wir ragen hinein in diese achte Bildung mit den feinsten Bestandteilen unserer Geistwesenheit. Dieses Hineinragen in die achte Bildung, das ist ein großes Geheimnis, aber wir können uns doch eine Vorstellung machen von einem, ich möchte sagen, sehr geringfügigen, wenig intensiven Hineinragen in die achte Bildung, wenn wir uns das Folgende denken.

[ 19 ] But it does not end with the seventh form of education. Evolution continues, and as we move into the higher forms of education, we also move into an eighth form of education, the famous eighth sphere. We can safely say: In a certain sense, as we reach up toward the highly developed stages of higher beings—by standing within the divine realm or the spirit realm, as you will—we reach into the eighth form of formation. But we reach into this eighth form of formation with the finest components of our spiritual being. This reaching into the eighth form of formation is a great mystery, but we can still form an idea of what I would call a very slight, not very intense reaching into the eighth form of formation if we consider the following:

[ 20 ] Wir wissen, im Mittelpunkte der Erde steht das Mysterium von Golgatha. Blicken wir zurück zu diesem Mysterium von Golgatha, wie es sich vom Jahre 1 bis 33 unserer Zeitrechnung, im 747. Jahre seit der Gründung Roms, vollzogen hat, so steht es im ersten Drittel der vierten nachatlantischen Zeit drinnen. Wir sprechen von jener Kulturentwickelung der Menschheit, in die das Mysterium von Golgatha hineingefallen ist, als von der vierten nachatlantischen Kulturstufe. Wir wissen, die dritte nachatlantische Kulturstufe ist ja vorangegangen der griechisch-lateinischen Kulturepoche. Wir stehen jetzt in der fünften, denn die vierte, in die das Mysterium von Golgatha fiel, hat im 15. nachchristlichen Jahrhundert geendet. Also wir stehen im ersten Drittel der fünften nachatlantischen Kulturperiode. Nun, der Mensch entwickelt sich durch die Kulturperioden hindurch, aber wenn wir diese Kulturperioden schildern, dann schildern wir eigentlich etwas, was der Mensch nicht voll mitmacht. Sie alle waren gewiß in der alten ägyptisch-chaldäischen Periode verkörpert, die die dritte nachatlantische Zeit ist, dann wiederum in der griechisch-lateinischen Kulturperiode und in der jetzigen; aber Sie durchleben doch immer nur von der aufeinanderfolgenden Zeit — wenn es gut geht, nicht wahr, selbst einer der achtzig Jahre alt wird — eben nur achtzig Jahre, und dazwischen liegt die viel längere Zeit, die zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verläuft. Also von dem, was wir schildern, indem wir die aufeinanderfolgenden Entwickelungsperioden der Erde schildern, lebt der Mensch ja nur einen Teil mit.

[ 20 ] We know that the Mystery of Golgotha stands at the center of the Earth. If we look back at this Mystery of Golgotha, as it unfolded from the year 1 to 33 of our era—the 747th year since the founding of Rome—we see that it falls within the first third of the fourth post-Atlantean epoch. We speak of that phase of human cultural development into which the Mystery of Golgotha was embedded as the fourth post-Atlantean cultural epoch. We know that the third post-Atlantean cultural stage preceded the Greco-Latin cultural epoch. We are now in the fifth, for the fourth—into which the Mystery of Golgotha fell—ended in the 15th century A.D. Thus, we are in the first third of the fifth post-Atlantean cultural period. Now, human beings develop through the cultural periods, but when we describe these cultural periods, we are actually describing something that human beings do not fully experience. You were all certainly embodied in the ancient Egyptian-Chaldean period, which is the third post-Atlantean era, then again in the Greco-Latin cultural period, and in the present one; but you only ever experience—if all goes well, right, even if you live to be eighty—just eighty years of each successive era, and in between lies the much longer period that elapses between death and a new birth. So of what we describe—as we describe the successive periods of the Earth’s development—human beings actually experience only a part.

[ 21 ] Sie könnten freilich sagen: Nun ja, der Mensch erlebt hier im physischen Leib nur einen Teil mit; aber er lebt wahrhaftig nicht umsonst im physischen Leib: er erlebt die Welt vom Gesichtspunkt des physischen Leibes aus, weil er dasjenige, was er vom physischen Leib aus erlebt, nicht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt erleben könnte. — Mag das, was der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt im reinen geistigen Reiche erlebt, nun höher oder weniger hoch geschätzt werden, darüber wollen wir heute nicht sprechen, aber es ist anders als dasjenige, was der Mensch hier durch seinen Leib erlebt, und es ist sehr wichtig, das zu berücksichtigen. Und der Mensch ist wahrhaftig nicht umsonst durch seinen Leib in die Welt hineingestellt; denn das, was er durch seinen Leib in der Welt erleben kann, immer in Episoden der Gesamtmenschheitsentwickelung, das könnte er eben nicht erleben, wenn er nicht die Leibesentwickelung hätte. Es ist eine durchaus unzutreffende Vorstellung, wenn man der irdischen Leibesentwickelung in asketischer Art gegenübersteht, wenn man sie etwa nur als den Feind des höheren Menschen betrachtet. Das ist sie in Wahrheit nicht, sondern dasjenige, was dem Menschen etwas gibt, das er auf keinem andern Weg erlangen könnte. Und der Mensch irrt gar sehr, der das Leben im Leibe verachtet, der den Leib als etwas Niedriges ansieht, denn es bedeutet eben ein Höchstes, ein Wichtigstes, ein Bedeutungsvollstes im Gesamtleben des Menschen. Und Geisteswissenschaft kann am allerwenigsten sich jenem Mystizismus oder jener verkehrten Richtung des Christentums — nicht der richtigen, aber verkehrten Richtung — anschließen, welche verachtet dasjenige, was sie die irdische Welt nennt. Der Mensch erlebt eben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt die Welt von einer andern Perspektive aus; er erlebt sie so, wie er sie erleben kann: in ihn herein wirken jetzt nicht die Geschöpfe wie durch den physischen Leib und Ätherleib, sondern die Schöpfer selbst. Da erlebt er etwas anderes.

[ 21 ] Of course, you might say: Well, yes, here in the physical body, a person experiences only a part of it; but he truly does not live in the physical body in vain: he experiences the world from the perspective of the physical body because he could not experience what he experiences through the physical body between death and a new birth. — Whether what a person experiences between death and a new birth in the purely spiritual realm is to be regarded as higher or less significant is not something we wish to discuss today, but it is different from what a person experiences here through their body, and it is very important to take this into account. And human beings are truly not placed in the world through their bodies for no reason; for what they can experience in the world through their bodies—always within the episodes of humanity’s overall development—they simply could not experience if they did not have physical development. It is a thoroughly mistaken notion to view earthly physical development in an ascetic light, to regard it, for example, merely as the enemy of the higher human being. In truth, it is not that at all, but rather that which gives human beings something they could not attain by any other means. And the person who despises life in the body, who regards the body as something base, is greatly mistaken, for it represents the highest, the most important, and the most significant aspect of a person’s entire life. And spiritual science can least of all align itself with that mysticism or that distorted branch of Christianity—not the true one, but the distorted one—which despises what it calls the earthly world. Between death and a new birth, the human being experiences the world from a different perspective; he experiences it as he is able to: it is no longer the creatures that act upon him as they do through the physical body and the etheric body, but the Creators themselves. There he experiences something different.

[ 22 ] Daher kommt es, daß wir während unserer Erdenlaufbahn nicht nur die Aufgabe haben, das Sinnenfällige, sondern auch das Übersinnliche kennenzulernen. Denn das geschichtliche Leben der Menschheit, das ein Ergebnis der dritten Hierarchie ist, wir können es nicht kennenlernen von der Perspektive des Erdenlebens aus. Und für unsere Zeit — ich bitte, darauf zu achten, daß ich sage: für unsere Zeit, denn es war in der vorchristlichen Zeit nicht so —, für unsere Zeit ist es ganz wesentlich, daß sich der Mensch bewußt werde: er muß, während er hier auf Erden lebt zwischen Geburt und Tod, auch kennenlernen, wenn er sich als geschichtliches Wesen kennenlernen will, dasjenige, was Engel, Erzengel und Archai als geschichtliches Leben wirken. Kennenlernen die Welt nur so, wie sie heute die Naturwissenschafter kennenlernen wollen, kennenzulernen die Welt so, wie sie die Geschichte schildert, als ob die Geschichte gemacht wäre von Menschen allein, nicht von den Wesenheiten der dritten Hierarchie, das heißt, nur die alleräußersten Schalen des geschichtlichen Werdens kennen. Nur der lernt die Geschichte kennen, der sich bewußt ist: er muß gewissermaßen anschauen hier im physischen Leibe, was die Wesen tun auf der Erde, die er zwischen dem Tod und einer neuen Geburt in einer ganz andern Weise — wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf, der ja nur vergleichsweise gebraucht ist —, die er da persönlich, individuell, in ihren himmlischen Taten kennenlernt. Die muß er in ihren Wirkungen auf der Erde im geschichtlichen Leben kennenlernen.

[ 22 ] This is why, during our earthly journey, we have the task of coming to know not only the sensible world but also the supersensible world. For the historical life of humanity—which is a result of the third hierarchy—cannot be understood from the perspective of earthly life. And for our time—please note that I say “for our time,” for this was not the case in pre-Christian times—for our time, it is absolutely essential that human beings become aware that: while living here on earth between birth and death, if they wish to come to know themselves as historical beings, they must also come to know what angels, archangels, and archai bring about as historical life. To know the world only as natural scientists today seek to know it, to know the world as history describes it—as if history were made by human beings alone, not by the beings of the third hierarchy—that is, to know only the outermost layers of historical development. Only the one who is conscious of the following comes to know history: he must, so to speak, observe here in the physical body what the beings do on Earth—beings whom he comes to know between death and a new birth in a completely different way—if I may use that expression, which is, of course, only used comparatively—beings whom he comes to know there personally and individually through their heavenly deeds. He must come to know these beings through their effects on Earth in historical life.

[ 23 ] ‚Aber so war es nicht immer; so ist es in der Zeit, in der wir jetzt leben. So war es vor allen Dingen nicht in der dritten nachatlantischen Zeit, vor dem Jahre 747, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit. Wir wissen, daß da das ganze seelische Leben, der ganze Seelenzustand der Menschen ein anderer war. Da strahlte das überirdische Leben in das gewöhnliche Menschenleben herein, da wußte der Mensch, wenn er es sich auch anders deutete, als wir das jetzt in den Mythologien auslegen: Die Wesenheiten der dritten Hierarchie wirken herein in sein Ich und seinen astralischen Leib. — Er meinte die Wesenheiten der dritten Hierarchie, nannte sie Osiris oder Zeus oder Apollo oder Minerva oder wie immer, aber er wußte: Diese Wesenheiten, die er nur in dieser Weise ausdichtete und ausdeutete — aber die Ausdichtung und Ausdeutung bezog sich auf diese Wesenheiten —, sie wirken herein. Wenn er sie auch nicht hätte sehen wo//en, er hätte sie innerlich gesehen, denn es war in jenen alten Zeiten nicht die Bewußtseinstäuschung vorhanden, die heute vorhanden ist; sondern es war eben nur die Lebenstäuschung vorhanden, die diese Gestalten, wie man sagt, anthropomorphisierte. Aber von diesen Gestalten wußte man.

[ 23 ] “But it was not always like this; this is how it is in the age in which we now live. Above all, it was not like this in the third post-Atlantean epoch, before the year 747, during the Egyptian-Chaldean era. We know that back then, the entire spiritual life—the entire spiritual state of human beings—was different. Back then, the supermundane life shone into ordinary human life; back then, human beings knew—even if they interpreted it differently than we do now in our mythologies—that the beings of the third hierarchy were working into their I and their astral body. — He meant the beings of the third hierarchy; he called them Osiris or Zeus or Apollo or Minerva or whatever, but he knew: these beings, whom he merely poeticized and interpreted in this way—though the poeticization and interpretation referred to these beings—were at work within him. Even if he had not seen them with his eyes, he would have seen them inwardly, for in those ancient times there was not the illusion of consciousness that exists today; rather, there was only the illusion of life, which, as one says, anthropomorphized these figures. But people knew of these figures.

[ 24 ] Das ist auch solch ein Punkt, durch den das ganze Leben der Menschen ein anderes geworden ist. Heute weiß der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein nicht, was da in sein Leben hereinspielt. Der Mensch wurde geboren als eine Seelenwesenheit in dieser dritten nachatlantischen Zeit, wurde wieder geboren in der vierten nachatlantischen Zeit, und wieder geboren in unserer Zeit. Dasjenige, was die Wesenheiten der dritten Hierarchie als geschichtliches Leben auswirken, schaut er nicht, aber er sollte es kennenlernen, er sollte es wirklich kennenlernen! Nicht in der wahren Gestalt, sondern in der mythologischen Gestalt lernte es der alte Mensch kennen.

[ 24 ] This, too, is one of those points that has transformed the entire course of human life. Today, in their ordinary state of consciousness, people do not realize what is at work in their lives. Human beings were born as soul beings in this third post-Atlantean epoch, were reborn in the fourth post-Atlantean epoch, and were reborn again in our own time. They do not perceive what the beings of the third hierarchy are bringing about as historical life, but they should come to know it—they should truly come to know it! Ancient humanity came to know it not in its true form, but in its mythological form.

[ 25 ] Versetzen Sie sich jetzt einmal in solch eine Menschenseele — es gibt mehr Inkarnationen, wie Sie wissen, aber wollen wir einmal drei aufeinanderfolgende auffassen: eine ägyptische, eine griechische, eine aus dem fünften nachatlantischen Kulturzeitraum —, versetzen wir uns einmal in eine solche Menschenseele. Sie hat während des dritten, während des ägyptisch-chaldäischen Kulturzeitraumes, das erlebt, was sie eben erleben konnte dadurch, daß die Wesenheiten der dritten Hierarchie in das Leben hereinspielten. Das war allmählich herabgedämmert. Einige hatten es noch erlebt im vierten, im griechischlateinischen Zeitraum; viele Menschen hatten es namentlich bis zum Jahre 333 nach dem Mysterium von Golgatha noch in ordentlicher Weise erlebt, dann ist es allmählich verschwunden; dann mußten sich die Menschen immer mehr und mehr auf dasjenige beschränken, was in der äußeren Sinnenwelt vorhanden ist, wenn sie sich nicht so innerlich entwickelten, daß sie auf einem andern Wege wiederum die geistige Welt kennenlernen und darum aufsteigen konnten zu den Wesenheiten der dritten Hierarchie.

[ 25 ] Now put yourself in the place of such a human soul—there are more incarnations, as you know, but let us consider three consecutive ones: one Egyptian, one Greek, and one from the fifth post-Atlantean cultural epoch—let us put ourselves in the place of such a human soul. During the third, the Egyptian-Chaldean cultural epoch, it experienced what it was able to experience precisely because the beings of the third hierarchy were active in its life. This had gradually faded away. Some had still experienced it during the fourth, the Greco-Latin epoch; many people had experienced it in a proper way, particularly up until the year 333 after the Mystery of Golgotha, but then it gradually disappeared; and so people had to limit themselves more and more to what is present in the outer sensory world, unless they developed inwardly to such an extent that they could once again come to know the spiritual world by another path and thus ascend to the beings of the third hierarchy.

[ 26 ] Und nun, wenn wir eine solche Seele betrachten, die jetzt wiederkommt, sie kommt mit all dem, was sie in der dritten nachatlantischen Zeit, im ägyptisch-chaldäischen Kulturzeitraum in sich aufgenommen hat, mit all dem kommt sie, aber nehmen wir einmal an, solch eine Seele sträube sich dagegen, in der jetzigen Inkarnation die Taten der dritten Hierarchie im geschichtlichen Leben der Menschheit zu betrachten, und daß sie sich sage: Was geht mich das an, was die Engel, Erzengel und Archai getan haben; für mich ist Geschichte dasjenige, was Menschen hier auf der Erde jemals verrichtet haben. — Eine solche Seele berücksichtigt nicht, daß in all dem, was Menschen auf der Erde verrichtet haben, mitspielen die Taten der dritten Hierarchie. Nehmen wir jetzt der Deutlichkeit willen an — für manche Seelen gilt es auch in bezug auf den vierten, den griechisch-lateinischen Zeitraum, eben bis zum Jahre 333 —, aber nehmen wir der Deutlichkeit willen an, eine solche Seele komme herüber aus dem ägyptisch-chaldäischen, aus dem dritten nachatlantischen Zeitraum: da hatte sie nicht nötig, sich anzustrengen, um etwas von den Taten der dritten Hierarchie zu wissen, denn da kam das von selber herein in das Menschenleben; da trägt sie das noch in sich, diese Seele. Also sagen wir, was diese Seele dazumal in sich verarbeiten konnte, das trägt sie in sich. Einem alten Ägypter hätte man nicht sagen können — er hatte keinen rechten Begriff vom geschichtlichen Leben, aber er sah doch auf das geschichtliche Leben hin —, ihm aber hätte man über dieses geschichtliche Leben nicht sagen können: Die Menschen machen die Geschichte. — Er würde nur gelacht haben, denn er sah ja, daß die Wesenheiten der dritten Hierarchie die Geschichte machten, wenn er sie auch in seiner Art versinnlicht darstellte.

[ 26 ] And now, when we consider such a soul that is returning, it comes with everything it has absorbed during the third post-Atlantean epoch, the Egyptian-Chaldean cultural period—it comes with all of that—but let us suppose that such a soul resists the idea of contemplating, in its present incarnation, the deeds of the third hierarchy in the historical life of humanity, and that it says to itself: “What does it matter to me what the angels, archangels, and Archai have done? For me, history is what human beings here on Earth have ever accomplished.” — Such a soul fails to take into account that the deeds of the third hierarchy play a part in everything that human beings have accomplished on Earth. Let us now assume, for the sake of clarity—and for some souls this also applies to the fourth, the Greco-Latin period, up to the year 333—but let us assume, for the sake of clarity, that such a soul comes over from the Egyptian-Chaldean, from the third post-Atlantean period: there it did not need to make an effort to know anything about the deeds of the third hierarchy, for that entered human life of its own accord; this soul still carries that within itself. So we say that whatever this soul was able to assimilate within itself at that time, it carries within itself. One could not have told an ancient Egyptian—he had no real concept of historical life, though he did look toward it—that “people make history.” He would only have laughed, for he saw that the beings of the third hierarchy made history, even if he depicted them in his own, symbolized way.

[ 27 ] Das alles tragen die Menschen der Gegenwart in sich, aber unbewußt natürlich; es ist ins Unterbewußte hinuntergezogen. Jetzt geben sie sich dem Glauben hin, daß Geschichte etwas ist, was die Menschen auf der Erde gemacht haben. Da kommt eine merkwürdige Seelenverfassung zustande, die ich Sie bitte, ganz genau auf sich wirken zu lassen. Wenn wir auf eine solche Seele in der Gegenwart hinblicken würden, so würden wir sagen, diese Seele lehnt es ab, sich ins geschichtliche Leben der Menschheit in Wirklichkeit hineinzustellen, sie sagt: Ich will nichts wissen von den Taten der Archai, der Erzengel, der Engel; ich will nur aus äußeren Zeugnissen wissen, was die Menschen gemacht haben seit jenen alten Zeiten. — Aber dadurch kann sich eine solche Seele nicht weiterentwickeln, dadurch bleibt eine solche Seele in Wirklichkeit auf dem Standpunkte stehen, auf dem sie gestanden hat in der alten ägyptischen Zeit; sie hat nur die Reife einer Seele der alten ägyptischen Zeit, sie läßt sich nicht ein darauf, die Wirklichkeit zu ergreifen. Die Engel, Erzengel und Archai, sie haben sich weiterentwickelt, sie haben das gemacht, was von der Menschheit seither erlebt werden konnte. Solch eine Seele sagt: Was die Hierarchien schon gemacht haben da oben in der geistigen Welt, darauf lasse ich mich nicht ein; ich lasse mich nur auf meine eigenen Fähigkeiten ein. — Die Fähigkeiten sind aber keine andern als die, welche sie auch schon hatte während der alten ägyptischen Zeit.

[ 27 ] People today carry all of this within themselves, though unconsciously, of course; it has been drawn down into the subconscious. Now they have come to believe that history is something that human beings on Earth have created. This gives rise to a peculiar state of mind, which I ask you to allow to take full effect upon yourselves. If we were to look at such a soul in the present, we would say that this soul refuses to truly place itself within the historical life of humanity; it says: I want nothing to do with the deeds of the Archai, the archangels, and the angels; I want to know only from external evidence what people have done since those ancient times. — But in this way, such a soul cannot develop further; in reality, such a soul remains stuck at the stage it was at in ancient Egyptian times; it possesses only the maturity of a soul from ancient Egyptian times, and it refuses to engage with reality. The angels, archangels, and Archai have continued to develop; they have accomplished what humanity has been able to experience since then. Such a soul says: “I will not concern myself with what the hierarchies have already accomplished up there in the spiritual world; I will rely solely on my own abilities.” — Yet these abilities are none other than those it already possessed during the ancient Egyptian era.

[ 28 ] Zahlreiche solche Seelen leben in der Gegenwart, und denken Sie, in welcher eigentümlichen Lage eine solche Seele ist! Bis zum Jahre 333 konnte eine Seele noch nicht in diese Lage kommen, denn da reichte noch immer die geistige Welt von selbst herein; jetzt aber, seit dieser Zeit, können Seelen in einer merkwürdigen Lage sein: Sie können der Wirklichkeit ja nicht widerstreben, in der Wirklichkeit stehen sie natürlich drinnen in dem, was die Engel, Erzengel und Archai tun, aber sie leugnen das mit ihrem Bewußtsein, sie nehmen in ihr Bewußtsein nur dasjenige auf, was hier auf der Erde durch Menschen selber bewirkt worden ist.

[ 28 ] Numerous such souls live in the present, and just think of the peculiar situation such a soul finds itself in! Until the year 333, a soul could not yet find itself in this situation, for at that time the spiritual world still extended into the physical world of its own accord; but now, since that time, souls can find themselves in a remarkable situation: They cannot, of course, resist reality; in reality, they are naturally immersed in what the angels, archangels, and archai do, but they deny this with their consciousness; they take into their consciousness only that which has been brought about here on Earth by human beings themselves.

[ 29 ] Das ist ein Fall, wo die Menschen als Geschöpfe in der vierten Bildung stehen, denn die vierte Bildungsstufe ist alles dasjenige, was geschöpflich geschieht. Also was seit der ägyptischen Zeit die Menschen auf der Erde gemacht haben, gehört zur vierten Bildung, aber der Mensch selbst ragt darüber hinaus, und dadurch, daß er seit dem Jahre 333 überhaupt mit seinem ganzen Wesen nicht bewußt in das hineinragen kann, wohinein er in Wirklichkeit ragt, dadurch steht er mit seinem Wesen sogar noch über der siebenten Bildungsstufe, er steht in der achten Bildungsstufe drinnen. So daß also heute die Möglichkeit vorhanden ist, daß Seelen in Wahrheit in der achten Bildungsstufe drinnenstehen, aber es nicht anerkennen, weil sie die in der achten Stufe liegende Wirksamkeit des geschichtlichen Lebens der Menschen durch die Engel, Erzengel und Archai nicht anerkennen, sondern nur die vierte Stufe anerkennen, so daß die achte Sphäre in ihnen unbewußt bleibt. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache.

[ 29 ] This is a case where human beings, as creatures, are at the fourth stage of formation, for the fourth stage of formation encompasses everything that occurs in the realm of creation. So what human beings have done on Earth since Egyptian times belongs to the fourth stage of evolution, but the human being himself extends beyond that; and because, since the year 333, he has been unable to consciously extend his entire being into that which he in reality extends into, he stands with his being even above the seventh stage of evolution—he is within the eighth stage of evolution. Thus, the possibility exists today that souls are in truth situated within the eighth stage of development, but do not recognize it, because they do not acknowledge the activity of human historical life in the eighth stage—which is carried out by the angels, archangels, and archai—but recognize only the fourth stage, so that the eighth sphere remains unconscious within them. This is an extraordinarily important fact.

[ 30 ] Wenn aus dieser Lage der Seele heraus eine Weltanschauung entsteht, was entsteht dadurch? Der Mensch ignoriert seine eigene Wirklichkeit, er gibt nicht zu, daß er in ein hohes Geistesreich hinaufragt, trotzdem er wirklich hinaufragt, sondern er gibt nur zu, daß er im Reiche der Menschen darinnensteht. Diese Seelenverfassung ist erst klar zutage getreten in dem, was ich in diesen Tagen das Industriezeitalter genannt habe. Erst das Drinnenstehen der Menschen im ganzen industriellen Leben hat sie dazu geführt, völlig innerhalb einer Weltanschauung die Tatsache zu ignorieren, daß der Mensch in die geistige Welt hinaufragt, und nur mit den äußeren Taten der Menschen zu rechnen. Das ist etwas Bedeutsames. Man kann die Gegenwart nicht verstehen, wenn man nicht weiß, daß es heute zahlreiche Menschen gibt, die mit ihrer Weltanschauung in die achte Sphäre hineinragen, und diese Tatsache ignorieren, das heißt: alle Schäden über die Erde bringen, die das Hineinragen in eine Weltensphäre bringt, wenn man ihr Dasein leugnet. Denn dadurch, daß der Mensch leugnet, in die achte Sphäre hineinzuragen, in die achte Bildungsstufe hineinzuragen, schließt er sich aus von den guten Wesen dieser Bildungsstufe und liefert sich an den ahrimanischen Geist der betreffenden Bildungsstufe aus. Sein Denken wird, statt göttlich oder geistig, ahrimanisch.

[ 30 ] When a worldview arises from this state of the soul, what results from it? Human beings ignore their own reality; they do not admit that they reach up into a higher spiritual realm—even though they truly do reach up—but admit only that they are situated within the realm of human beings. This state of mind has only become clearly evident in what I have been calling the Industrial Age in recent days. It is only because people are so deeply immersed in the whole of industrial life that they have come to ignore, within the framework of their worldview, the fact that human beings reach up into the spiritual world, and to take into account only people’s outward actions. This is something significant. One cannot understand the present unless one knows that there are numerous people today whose worldview extends into the eighth sphere, and who ignore this fact—that is to say, they bring upon the earth all the harm that results from extending into a world sphere while denying its existence. For by denying that they extend into the eighth sphere—into the eighth stage of evolution—human beings cut themselves off from the good beings of that stage and surrender themselves to the Ahrimanic spirit of that stage. Their thinking becomes Ahrimanic rather than divine or spiritual.

[ 31 ] Man muß, wenn man geisteswissenschaftlich spricht, auf die Tatsachen dieser Welt in ihrer Wahrheit hindeuten. Und die Wahrheit ist einmal, daß zum Beispiel so etwas wie die materialistische Geschichtsauffassung des Kar] Marx, der gelebt hat von 1818 bis 1883, daß die Weltanschauung des Karl Marx eine rein ahrimanische ist. Ihr Geheimnis beruht darauf, daß nur anerkannt wird das materiell im Erdenwesen Geschehene, daß ignoriert wird das Hinaufragen der Geistigkeit des Menschen in die übersinnlichen Welten, und daß dadurch, durch diese Ignorierung, der Mensch den ahrimanischen Mächten verfällt. Denn sobald der Mensch sein Bewußtsein ausschließt von den Welten, in die er hinaufragt, verfällt er den ahrimanischen oder luziferischen, in diesem Falle den ahrimanischen Mächten.

[ 31 ] When speaking from a humanities perspective, one must point to the facts of this world in their truth. And the truth is, for example, that something like the materialist conception of history held by Karl Marx—who lived from 1818 to 1883—is a purely Ahrimanic worldview. Its secret lies in the fact that it acknowledges only what has occurred materially within the earthly realm, ignores the human spirit’s reaching upward into the supersensible worlds, and that, as a result of this ignorance, human beings fall prey to the Ahrimanic forces. For as soon as a human being excludes his consciousness from the worlds toward which he reaches, he falls prey to the Ahrimanic or Luciferic forces—in this case, the Ahrimanic forces.

[ 32 ] Nun, wir stehen heute vor der Tatsache, daß zahlreiche Menschen eine rein ahrimanische Weltanschauung vertreten, für diese rein ahrimanische Weltanschauung kämpfen, und dadurch aber auch über die Erde heraufbeschwören alles dasjenige, was kommen muß, wenn statt der göttlichen Ordnung die ahrimanische Ordnung über die Erde sich verbreitet. Benthams Philosophie, von der ich Ihnen gestern sprach, ist zunächst ein äußerer theoretischer Ausdruck dieser ahrimanischen Anschauung. Der Marxismus ist ein solcher Ausdruck, der auch schon schöpferisch ist, der gestaltend ist, der einen ungeheueren Einfluß hat. Und die Trägheit des Bourgeoislebens weiß nichts davon und hat sich nicht gekümmert durch Jahrzehnte, was sich auf dem Boden des sozialen Lebens entwickelt hat an Elementen solcher Weltanschauungen. Der Marxismus ist ein extremer Ausdruck. Er wird weiterwirken. Das, was zunächst bloß Wissen sein sollte, wird Geschehen werden, wird tatsächlich Wirklichkeit werden. Nur die Einsicht in diese Dinge, die nun wiederum Wollen-bildend ist, kann Hilfe sein in diesen Dingen.

[ 32 ] Well, we are faced today with the fact that numerous people hold a purely Ahrimanic worldview, fight for this purely Ahrimanic worldview, and thereby also summon upon the earth everything that must come to pass when the Ahrimanic order spreads across the earth in place of the divine order. Bentham’s philosophy, which I spoke to you about yesterday, is first and foremost an external, theoretical expression of this Ahrimanic worldview. Marxism is such an expression—one that is already creative, that shapes reality, and that exerts an immense influence. And the inertia of bourgeois life is oblivious to this and has, for decades, paid no heed to the elements of such worldviews that have developed within the fabric of social life. Marxism is an extreme expression of this. It will continue to exert its influence. What was initially meant to be merely knowledge will become an event; it will actually become reality. Only insight into these matters—which in turn shapes the will—can be of help in these matters.

[ 33 ] Solche Wahrheiten sind einschneidende, solche Wahrheiten sind wahrhaftig nicht geeignet für bloße Sonntagssensationen; solche Wahrheiten sind dasjenige, was im Innersten zusammenhängt mit dem ganzen Kulturleben der Gegenwart. Und vieles wird davon abhängen, daß sich die Menschen darauf einlassen, dasjenige, was in ihren Gedanken lebt, im Zusammenhange mit der ganzen Weltenordnung zu erkennen. Denn in unseren Tagen sind wir in denjenigen Zeitenzyklus eingetreten, in dem wir nicht weiterkommen können, ohne in furchtbare Katastrophen hineinzufallen, wenn wir nicht einsehen, wie sich dasjenige, was sich im Menschen selber vollzieht, gegenüber dem Werden des ganzen Kosmos ausnimmt.

[ 33 ] Such truths are profound; such truths are truly not suited for mere Sunday sensationalism; such truths are what are most intimately connected with the entire cultural life of the present. And much will depend on people being willing to recognize that which lives in their thoughts in connection with the entire world order. For in our day we have entered a cycle of time in which we cannot move forward without falling into terrible catastrophes unless we recognize how what takes place within the human being itself relates to the unfolding of the entire cosmos.

[ 34 ] Solche Wahrheiten, wenn man sie herausfindet aus dem Suchen nach der Wahrheit — Sie können die Versicherung hinnehmen —, solche Wahrheiten sind zunächst bestürzend. Wenn man ein Gefühl hat für das Einschlagende der großen Wahrheiten in der Welt, so kennt man auch das Gefühl des Bestürzenden dieser großen Wahrheiten. Bequem ist das Hineinleben in das Wahrheitsleben nicht. Nur wer oberflächlich ist, könnte meinen, es sei nicht bestürzend, sich sagen zu müssen: Leute, von denen auch eine große Anzahl von Menschen glaubte — was ja auch wahr ist! —, sie strebten ehrlicherweise nach der Wahrheit, sind durchpulst von ahrimanischem Geiste! Es schlägt sich aufs Herz, meine lieben Freunde! Daher versucht man, wenn sich solche Wahrheiten ergeben, mit ihnen zurechtzukommen. Dazu, um sie bei einem Ohr hinein-, beim andern Ohr hinausgehen zu lassen, sind diese Wahrheiten nicht da. Sie sind auch nicht dazu da, daß man sie bei seinem einsamen Meditieren findet und sie als Sensationen hinnimmt. Dazu sind sie alle nicht da, diese Wahrheiten. Man muß mit ihnen fertig werden, man muß finden können, wie dasjenige, was man als Weltenentwickelung kennt, was rings um einen herum ist, auch als Urteile der Menschen, dazu stimmt, daß so etwas da ist.

[ 34 ] Such truths—when one discovers them through the search for truth—you can take my word for it—such truths are initially unsettling. If one has a sense of the profound impact of the great truths in the world, then one also knows the feeling of being unsettled by these great truths. Living a life of truth is not comfortable. Only someone who is superficial could think it is not unsettling to have to admit: People whom a great many others believed—and this is indeed true!—were honestly striving for the truth are, in fact, permeated by the Ahrimanic spirit! It weighs heavily on the heart, my dear friends! That is why, when such truths emerge, one tries to come to terms with them. These truths are not meant to be heard with one ear and let out the other. Nor are they meant to be discovered during solitary meditation and accepted merely as sensations. None of these truths are meant for that. One must come to terms with them; one must be able to see how what we know as the development of the world—what surrounds us, including human judgments—corroborates the fact that such a thing exists.

[ 35 ] Wer, wie ich, gesehen hat, wie groß die Anzahl der Menschen heute ist — jetzt können sich ja die Menschen durch äußere Tatsachen davon überzeugen —, die vom Marxismus oder marxismusähnlichen Anschauungen lebt, dem stellt sich schon die Notwendigkeit heraus, diesen Dingen etwas näher zu Leibe zu gehen. Da sagt man sich oft: Vielleicht bist du doch ein Illusionär! — Man braucht ja deshalb nicht gleich die ganze geistige Welt zu bezweifeln, selbstverständlich nicht, aber bezüglich solcher konkreter Wahrheiten sagt man sich doch oftmals: Vielleicht gibst du dich da doch irgendwelchen Illusionen hin! — Das tiefe Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Wahrheit, das muß sich ja gerade gegenüber geistigen Wahrheiten ergeben. Dann sucht man immer tiefer und tiefer zu schürfen. Es gibt aber in der Tat nicht weniges, sondern vieles, recht vieles, welches arge Bestätigungen liefert desjenigen, was ich Ihnen jetzt eben auseinandergesetzt habe als den ahrimanischen Charakter zum Beispiel des Marxismus oder ähnlicher Weltanschauungen.

[ 35 ] Anyone who, like me, has seen just how large the number of people is today—and people can now see this for themselves based on external facts—who live by Marxism or Marxist-like views, will surely recognize the need to examine these matters more closely. One often finds oneself thinking: Perhaps you are an illusionist after all! — That doesn’t mean one has to immediately doubt the entire spiritual world, of course not, but when it comes to such concrete truths, one often says to oneself: Perhaps you are succumbing to some kind of illusion after all! — That deep sense of responsibility toward the truth must arise precisely in relation to spiritual truths. Then one seeks to delve deeper and deeper. But in fact, there is not just a little, but a great deal—quite a great deal—that provides strong confirmation of what I have just explained to you, such as the Ahrimanic character of Marxism or similar worldviews.

[ 36 ] Ich habe, als ich vor einiger Zeit hier sprach, Ihnen eine gewisse Zumutung gestellt. Ich habe davon gesprochen, daß die Zeit, so wie wir sie erleben, eigentlich eine Täuschung ist, daß die Zeit in Wirklichkeit etwas ganz anderes ist, als sie der Mensch erlebt, weil der Mensch die Zeit nicht perspektivisch nimmt, so sagte ich dazumal. Den Raum erlebt der Mensch schon perspektivisch; die ferneren Bäume sieht er kleiner als die nahen Bäume. In Wirklichkeit ist auch die Zeit ebenso perspektivisch zu sehen. Die in der Zeit entfernten Ereignisse sind anders zu sehen als die in der Zeit nahen Ereignisse. Es ist aber nur die Grundlage dafür, daß die Zeit wirklich das ist, als was die Forscher aller Zeiten sie angesehen haben: die Zeit ist das wichtigste Medium der menschlichen Täuschung. Wir denken uns, daß zum Beispiel die Wesen der höheren Hierarchien auch so durch die Zeit fließen, wie unser eigenes Seelenleben durch die Zeit fließt: es ist keine Wahrheit darin. In Wahrheit liegt das Wesen der höheren Hierarchien in abgeflossenen Zeiten, aber sie wirken herüber aus den abgeflossenen Zeiten, wie im Raume von einem entfernten Orte man herüberwirken kann, meinetwegen durch Lichtsignale oder so etwas, auf in einem nahen Orte im Raume liegende Wesen. Die Zeit ist nicht das, als was sie die Menschen ansehen, die Zeit ist auch nicht das, als was sie solche Philosophen wie Kant ansehen, sondern die Zeit ist in ihrer Wirklichkeit etwas ganz anderes. Und das, was der Mensch als Wirklichkeit ansieht, ist eben auch eine Maja, eine große Täuschung. Vor allen Dingen bleibt immer das stehen, wovon wir glauben, indem wir in der Zeit als Täuschung leben, daß es vergangen sei. Es bleibt aber da; die Zeit wird wirklich zu etwas wie zu einem Raume. Und man sieht auf die rückwärtigen Ereignisse so, wie man auf entfernte Gegenstände im Raume sieht, wenn man wahrhaftig sieht. Die Zeit ist eine Täuschung.

[ 36 ] When I spoke here some time ago, I made a certain demand of you. I spoke of how time, as we experience it, is actually an illusion; that time is, in reality, something entirely different from what humans experience, because humans do not perceive time from a perspective—that is what I said at the time. Humans do perceive space in terms of perspective; they see trees farther away as smaller than those nearby. In reality, time must also be viewed in the same way—through perspective. Events distant in time must be viewed differently from those close in time. But this is merely the basis for the fact that time really is what researchers of all ages have regarded it as: time is the most important medium of human illusion. We imagine, for example, that the beings of the higher hierarchies also flow through time just as our own soul life flows through time: there is no truth in this. In truth, the beings of the higher hierarchies dwell in times long past, but they exert their influence from those past times—just as one can exert an influence from a distant place in space, say, through light signals or something similar, upon beings located in a nearby place in space. Time is not what people regard it as; nor is time what philosophers such as Kant regard it as; rather, time is, in its reality, something entirely different. And what human beings regard as reality is, in fact, also a Maya—a great illusion. Above all, whatever we believe—as we live in time as an illusion—to have passed away remains. But it remains there; time truly becomes something like space. And one views past events just as one views distant objects in space, when one truly sees. Time is an illusion.

[ 37 ] Und weiter weiß die Geisteswissenschaft, daß die Quellen zu andern großen Täuschungen in menschlichen Weltanschauungen davon herrühren, daß der Mensch in bezug auf die Zeit der Täuschung unterliegt. Wenn unter Ihnen viele Physiker wären, würde ich selbst rein physikalisch mich hier aussprechen können. Ich würde Ihnen an physikalischen Formeln zeigen können, daß so, wie der Physiker die Zeit — das t, wie er es bloß nennt — in die physikalischen Formeln einführt, diese Zeit nur eine Zahl ist, also etwas ganz Unbekanntes, keine Wirklichkeit, sondern ein reiner Schein ist. Ein Wirkliches ist immer nur die Geschwindigkeit, aber die gerade sieht der Physiker als eine Folge der Zeit an. Da Sie ja keine Physiker sind und sich wahrscheinlich auf das Verständnis der Sache nicht einlassen werden, will auch ich mich nicht weiter darauf einlassen.

[ 37 ] Furthermore, spiritual science knows that the sources of other great illusions in human worldviews stem from the fact that human beings are subject to illusion with regard to time. If there were many physicists among you, I could explain this myself in purely physical terms. I could show you, using physical formulas, that just as the physicist introduces time—the “t,” as he simply calls it—into the physical formulas, this time is merely a number, that is, something entirely unknown; it is not reality, but a mere illusion. The only thing that is real is always velocity, but the physicist regards precisely that as a consequence of time. Since you are not physicists and will probably not engage with an understanding of the matter, I, too, do not wish to delve further into it.

[ 38 ] Die Zeit ist Täuschung, das ist eine schwerwiegende Wahrheit, weil die Zeit als Täuschung vielen andern Täuschungen des Lebens zugrunde liegt. So zum Beispiel sieht man alle Dinge falsch, wenn man im geschichtlichen Leben die Zeit falsch anwendet. So denken etwa die Menschen, in den ersten drei christlichen Jahrhunderten hätten sich gewisse Dinge zugetragen, die seien jetzt vorbei. — In Wirklichkeit müßten sie denken: Der Erzengel oder die Wesenheit aus der Hierarchie der Archai, die dazumal die Ereignisse geleitet hat, ist noch da; das wirkt in anderer Weise weiter. — Das Vergangensein ist nur eine Täuschung. Es hängt viel davon ab, daß man gegenüber der geistigen Wirklichkeit gerade den perspektivischen Charakter der Zeit kennenlernt, daß man weiß, man muß sich über die Ereignisse im Zeitenlaufe ebenso täuschen — während man das nicht glaubt —, wie man sich über die Ereignisse im Raume täuscht, wenn man keine Perspektive zugibt. Denken Sie einmal, wie groß die Täuschung wäre, wenn Sie keine Perspektive zugeben würden, wenn Sie das Entfernte im Raume als so wirksam auf sich selbst betrachten würden wie das Nahe. Sie schauen auf einen fernen Berg hin. Von der Luft, die Sie umgibt, hängt wesentlich Ihre Gesundheit ab; von der Luft auf dem fernen Berge nicht, denn wollen Sie sie als gesundheitsfördernd haben, so müssen Sie hingehen. Die Wirklichkeit hängt im wesentlichen, sobald es um die Wirklichkeit im Leben sich handelt, mit der Perspektive zusammen. So ist es aber auch mit Bezug auf die Zeit. Wir leben richtig in der Gegenwart, wenn wir nicht glauben, daß die ferneren Ereignisse der Vergangenheit ebenso gewogen werden können wie die nahen Ereignisse. Wenn wir im dritten nachatlantischen Zeitraum die ägyptisch-chaldäische Zeit betrachten und nur dasjenige ins Auge fassen, was die Dokumente liefern, und sie so registrieren, wie sie die Torengeschichte registriert, die Fable convenue, die sich eben heute Geschichte nennt, dann machen wir den perspektivischen Fehler. Denn es hat überhaupt für das heutige Leben gar keine Bedeutung, was die Menschen äußerlich an Taten während der ägyptischen Zeit gemacht haben, aber was die Engel und Erzengel und Archai gemacht haben, das hat Bedeutung; das tritt aber nur in der perspektivisch gebildeten Betrachtung hervor. Daher ist es ein Grundsatz, und nicht nur heute, wo wir alle diese Dinge wiederentdecken müssen auf dem Boden der Anthroposophie, sondern in allen Zeiten war es ein Grundsatz für alle geistigen Forscher, daß die Zeit als solche eine Täuschung ist, und niemals wurde von einem wirklichen Kenner der Wirklichkeit mit der Zeit so gerechnet, daß sie für eine Wahrheit gehalten wurde, daß sie selbst für eine wahre Wirklichkeit gehalten worden wäre.

[ 38 ] Time is an illusion; this is a profound truth, because time, as an illusion, underlies many other illusions of life. For example, one perceives all things incorrectly if one applies time incorrectly in historical life. For instance, people tend to think that certain things took place during the first three centuries of Christianity and are now over. — In reality, they should think: The archangel or the being from the hierarchy of the Archai who guided those events back then is still here; that influence continues to work in a different way. — The past is merely an illusion. Much depends on coming to understand, in relation to spiritual reality, the perspectival nature of time—on realizing that one is just as likely to be misled about events in the course of time—even though one may not believe it—as one is about events in space when one fails to acknowledge perspective. Just think how great the illusion would be if you did not acknowledge perspective, if you regarded distant objects in space as having just as much effect on you as nearby ones. You look at a distant mountain. Your health depends largely on the air that surrounds you; it does not depend on the air on that distant mountain, for if you want it to be beneficial to your health, you must go there. Reality—as far as reality in life is concerned—is essentially linked to perspective. The same is true, however, with regard to time. We live truly in the present when we do not believe that distant events of the past can be weighed just as heavily as nearby events. If, in the third post-Atlantean epoch, we consider the Egyptian-Chaldean period and focus only on what the documents provide, recording them as they are recorded in the so-called “official history”—the established fable that today calls itself history—then we are making a mistake of perspective. For what people did outwardly during the Egyptian period has absolutely no significance for life today; but what the angels, archangels, and archai did does have significance—and this only becomes apparent in a perspective-based view. Therefore, it is a fundamental principle and not only today, when we must rediscover all these things on the basis of anthroposophy, but in all ages it has been a fundamental principle for all spiritual researchers that time as such is an illusion; and no true connoisseur of reality has ever reckoned with time in such a way that it was regarded as a truth, that it itself was regarded as a true reality.

[ 39 ] Nun trat das Eigentümliche zutage, dieser Karl Marx, von dem ich Ihnen gesprochen, auf den heute Millionen schwören, wenn auch mehr oder weniger in Schattierungen, mehr oder weniger in Formeln — aber darauf kommt es nicht an; wer die Dinge kennt, weiß, daß Tausende von Menschen auf ihn schwören, oder wenn sie nicht äußerlich bewußt schwören, so tun sie es unterbewußt —, dieser Karl Marx hat versucht, die Frage zu beantworten: Welches sind die wahren Güter der Menschheit? Was ist es wirklich, was in der Menschheit geleistet wird? — Es ist außerordentlich originell, wie er die Frage beantwortet hat, denn so ist sie noch nie beantwortet worden; was menschliche Güter sind, wurde immer in irgendeiner andern Weise betrachtet, als Karl Marx es betrachtet. Was menschliche Güter sind, wurde betrachtet, sagen wir zum Beispiel danach, ob es weither gebracht werden muß, ob viel Verstand notwendig ist, es aufzufinden oder dergleichen. Ich habe Ihnen das einmal dadurch klarzumachen gesucht, daß ich Ihnen sagte: Menschliche Arbeit muß man auch qualitativ betrachten, man muß sich überhaupt ganz aufs Konkrete einlassen. Wir betrachten den kunstvollen Gotthardtunnel. Kein Mensch kann heute so etwas bauen wie den Gotthardtunnel, der nicht Differential- und Integralrechnung kennt, und Differential- und Integralrechnung ist eine Leibnizsche oder, wenn es in England besser gefällt, eine Newtonsche — die beiden stritten sich ja um die Ehre — Erfindung. Man kann also sagen, Newton oder Leibniz haben mitgearbeitet am Gotthardtunnel. Ja, ohne sie hätte man ihn ganz gewiß nicht bauen können! Nun muß man die Arbeit von Newton oder Leibniz in einer ganz andern Weise bewerten, als man die Arbeit eines Menschen bewertet, der einen Stein auf den andern legt im Gotthardtunnel. Das ist ein solcher Gesichtspunkt, wie man menschliche Güter, Menschenarbeit zu bewerten hat. Die Wertlehre der menschlichen Arbeit, des menschlichen Lebens hat verschiedene Gestaltungen gehabt. Man hat von den verschiedensten Gesichtspunkten Arbeit, Lebensgüter bewertet, noch niemals so, wie Marx gewertet hat. Karl Marx nimmt ein einziges Element auf in seine Wertlehre. Für ihn ist alles dasjenige, was Wert im menschlichen Leben hat, nur dadurch Wert, daß es kondensierte Zeit ist, kondensierte Arbeitszeit namentlich. Ob irgend etwas in drei Stunden, in sechs, in zwölf Stunden hergestellt werden kann, danach bemißt sich sein volkswirtschaftlicher, sein weltwirtschaftlicher Wert. Darauf beruht ein großer Teil der Theorie von Marx, die heute so gang und gäbe ist, daß man es erleben kann, daß, wenn da oder dort irgendein Mensch der sogenannten höheren Stände von seinem Standpunkte aus über Arbeit spricht, ein Arbeiter aufsteht, ein richtiger Sozialist, und sagt: Bitte, lesen Sie nach bei Karl Marx — er hat natürlich das Buch nicht bei sich —, bitte, Seite 374, da werden Sie das oder jenes finden.

[ 39 ] Now the peculiar thing came to light: this Karl Marx, whom I have told you about, whom millions swear by today—albeit in varying degrees and in varying ways—but that is not the point; anyone familiar with the subject knows that thousands of people swear by him, or if they do not consciously swear by him outwardly, they do so subconsciously—this Karl Marx attempted to answer the question: What are the true goods of humanity? What is it, really, that is accomplished within humanity? — The way he answered the question is extraordinarily original, for it has never been answered this way before; what constitutes human goods has always been considered in some other way than Karl Marx considers it. What constitutes human goods has been considered, let’s say for example, in terms of whether it must be carried far, whether a great deal of intellect is necessary to discover it, or the like. I once tried to make this clear to you by saying: Human labor must also be considered qualitatively; one must engage fully with the concrete. Let us consider the ingeniously engineered Gotthard Tunnel. No one today can build something like the Gotthard Tunnel without knowing differential and integral calculus, and differential and integral calculus is a Leibnizian—or, if that’s more to England’s liking, a Newtonian—invention—the two, after all, quarreled over the credit. So one can say that Newton or Leibniz contributed to the Gotthard Tunnel. Yes, without them, it certainly could not have been built! Now, one must evaluate the work of Newton or Leibniz in a completely different way than one evaluates the work of a person who lays one stone upon another in the Gotthard Tunnel. This is one such perspective from which to evaluate human goods and human labor. The theory of value regarding human labor and human life has taken various forms. Labor and the goods of life have been evaluated from a wide variety of perspectives, but never in the way Marx evaluated them. Karl Marx incorporates a single element into his theory of value. For him, everything that has value in human life derives its value solely from the fact that it is condensed time—namely, condensed labor time. Whether something can be produced in three hours, six hours, or twelve hours determines its economic value—both nationally and globally. A large part of Marx’s theory is based on this, and it is so commonplace today that one can witness the following: whenever someone from the so-called upper classes speaks about labor from their perspective, a worker—a true socialist—stands up and says: “Please, look it up in Karl Marx—he doesn’t have the book with him, of course—please, page 374; there you’ll find this or that.”

[ 40 ] Man muß das Leben wirklich kennen, um über das Leben urteilen zu können, sonst wird man überall erstaunt sein, daß da oder dort dies oder das geschieht. Was geschieht, geschieht aus den Impulsen der Menschenseele heraus. Wenn man sich aber so wenig kümmert, wie in den letzten Jahrzehnten die Menschen der Erde sich um das gekümmert haben, was auf dem Grunde der Menschenseele eigentlich vor sich gegangen ist, dann sollte man gar nicht erstaunt sein, wenn zuletzt das Ganze katastrophal zusammenbricht. Was ich aber ausgeführt habe, führte ich aus einem besonderen Grunde aus. Es ist das erste Mal, daß das Originelle eintritt, daß dasjenige, was nur die Quelle der Täuschung ist, zum Maßstabe aller volkswirtschaftlichen Werte gemacht wird: die Zeit in der Form der Arbeitszeit.

[ 40 ] One must truly understand life in order to judge it; otherwise, one will be surprised everywhere by the fact that this or that happens here or there. What happens arises from the impulses of the human soul. But if one pays as little attention—as the people of the earth have done in recent decades—to what has actually been going on at the very core of the human soul, then one should not be at all surprised when, in the end, the whole system collapses catastrophically. However, I have elaborated on this for a specific reason. It is the first time that something truly novel has occurred: that which is merely the source of deception has been made the standard for all economic values—time, in the form of working time.

[ 41 ] Nehmen Sie das also vom Standpunkte einer höheren Perspektive aus. Die in die Wirklichkeit einsichtigen Menschen haben immer gewußt: Zeit ist Täuschung. — Nun kommt einmal jemand, der sagt: Aber das, was in der Welt Wert hat, hat nur so viel Wert, als kondensierte Arbeitszeit drinnen ist. — Heißt das nicht mit andern Worten: Also eure Wirklichkeit ist Illusion, und nur dasjenige, was kondensierte Zeit ist, hat wirklichen Wert? Die Täuschung wird gerade von denjenigen, die ganz materialistisch sein wollen, die ganz nur auf dem Boden der Wirklichkeit stehen wollen, bis in die Form der Zeit zur Wirklichkeit gemacht, und die Wirklichkeit wird übersehen.

[ 41 ] So consider this from a higher perspective. People who have insight into reality have always known: Time is an illusion. — Now someone comes along and says: But whatever has value in the world is only worth as much as the condensed labor time it contains. — Doesn’t that mean, in other words: So your reality is an illusion, and only that which is condensed time has real value? The illusion is turned into reality—even in the form of time—precisely by those who want to be entirely materialistic, who want to stand solely on the ground of reality, and reality is overlooked.

[ 42 ] Das ist nur ein Beispiel. Ich könnte Ihnen zahlreiche vorführen von Dingen, die trösten, wenn man bestürzt ist über Wahrheiten, die, wenn man ein Herz hat für das Leben der Menschheit, donnerähnlich einschlagen in das Gemüt. Aber wenn man dann die Dinge im Konkreten studiert, wenn man dann auf die Hand schaut einem solchen, wie es Karl Marx ist, von dem man weiß, sein Geist wirkt ahrimanisch, und ihn frägt: Wie verfährst du im einzelnen? — dann ist es schon so, daß man auf das Ahrimanische kommt, und daß man fühlt: Du darfst solche Wahrheiten dir gestehen. — Ich wollte Ihnen nur ein Beispiel hier anführen. Es ist ja im Grunde genommen auch nicht leicht, sich sagen zu müssen: Alles dasjenige, was wie anachronistisch in die Welt hereinragt heute, es ragt dadurch herein, daß die Menschen sich herausstellen aus der geistigen Welt, die ihnen dadurch zur achten Sphäre wird, und daß sie die Welt nur geschöpflich nehmen. — Wenn Sie dies nehmen, dann werden Sie schon mit allem Schwergewicht empfinden, was es heißt, wenn ich immer wieder und wiederum betone: Es kommt heute gar nicht darauf an, daß ein Mensch inhaltlich etwas Schönes sagt, etwas, was man zugeben kann, sondern es kommt darauf an, was aus dem, was man sagt oder tut, wirklich wird. Ich muß immer wieder und wiederum erzählen, wie von mir immer von neuem der Versuch gemacht worden ist — Sie wissen, ich sage das nicht aus irgendeiner albernen Eitelkeit heraus —, darauf aufmerksam zu machen, wie es nicht darauf ankommt, daß man diesen oder jenen Gedankeninhalt hat, sondern daß man darauf sieht, wie dieser oder jener Gedankeninhalt wirkt. Sie können einen Gedanken haben, der wunderschön ist. Wenn Sie aber keine Ahnung haben, wie der Gedankeninhalt in der Wirklichkeit wirkt, so kann er das Entgegengesetzte bewirken. Ich versuchte an verschiedenen Beispielen solche Dinge klarzumachen, schon seit Jahren. So zum Beispiel im Anfange des Jahrhunderts, des 20. Jahrhunderts, hielt ich einmal einen Vortrag, in dem ich sagte — ich fasse jetzt vieles, was damals auseinandergesetzt worden ist, in wenige Worte zusammen, weil ich nur illustrieren will —: Es gibt heute Leute, mehr als es je gegeben hat, die sind programmäßig Pazifisten, reden sehr schön über die Führung der Menschheit von ihrem pazifistischen Standpunkte. Noch niemals eigentlich hat der Pazifismus solchen Umfang angenommen wie in dieser Zeit — also ich redete im Anfang des Jahrhunderts. Und das ist, sagte ich, das deutliche Zeichen, daß wir vor dem größten Kriege der Menschheit stehen. — Denn so unreal zu denken über menschliche Zusammenhänge, wie man innerhalb dieser Kreise gedacht hat, so sehr nur auf den Inhalt der Gedanken zu gehen, so wenig ein Bewußtsein davon zu haben, wie die reale Wirksamkeit desjenigen ist, was in der Seele lebt, das man nur erkennen kann durch die ganze Weltperspektive, so war man früher nicht. Das tut man erst im Zeitalter, in dem sich alle die Dinge ausbreiteten, von denen wir jetzt gesprochen haben.

[ 42 ] This is just one example. I could give you numerous examples of things that offer comfort when one is dismayed by truths that—if one has a heart for the life of humanity—strike the soul like thunder. But when one then studies these things in concrete terms, when one looks closely at someone like Karl Marx—whose spirit, as we know, has an Ahrimanic influence—and asks him, “How do you proceed in specific cases?”—then it is indeed the case that one encounters the Ahrimanic, and one feels: You may admit such truths to yourself. — I just wanted to give you one example here. After all, it is not easy to have to tell oneself: Everything that seems to intrude into the world today as an anachronism does so because people are withdrawing from the spiritual world—which thereby becomes the eighth sphere for them—and because they perceive the world solely in material terms. — If you take this to heart, then you will already feel with all its weight what it means when I emphasize again and again: What matters today is not at all that a person says something beautiful in substance—something one can agree with—but rather what actually comes of what one says or does. I must tell you again and again how I have repeatedly made the effort—you know I am not saying this out of some silly vanity—to draw attention to the fact that what matters is not that one holds this or that thought, but that one observes how this or that thought takes effect. You may have a thought that is absolutely beautiful. But if you have no idea how that thought actually works in reality, it can have the opposite effect. I have been trying to clarify such things using various examples for years now. For example, at the beginning of the 20th century, I once gave a lecture in which I said—I’m now summarizing much of what was discussed back then in a few words, because I only want to illustrate the point—: There are more people today than there have ever been who are programmatic pacifists, speaking very eloquently about the leadership of humanity from their pacifist standpoint. Never before has pacifism actually reached such proportions as it has in this era—that is, I was speaking at the beginning of the century. And that, I said, is the clear sign that we are on the brink of humanity’s greatest war. — For people were not, in the past, as unrealistic in their thinking about human relationships as they have been within these circles; they did not focus so solely on the content of ideas, nor were they so unaware of the real impact of what lives in the soul—an awareness that can only be gained through a global perspective. This is something that only happens in an age in which all the things we have just discussed have come to the fore.

[ 43 ] Woher kommt es, daß geradezu für viele Menschen etwas tonangebend sein kann, was gar nichts weiter ist als Gedankeninhalt, aber ganz unwirklicher, der nie etwas zu tun haben kann mit dem, was geschieht: der Woodrow Wilsonsche Gedankeninhalt, der auch nichts anderes ist als ägyptisch-chaldäischer Gedankeninhalt, der sich nicht kümmert darum, daß eine geistige Wirklichkeit in der Geschichte da ist, sondern nur abstrakte Gedanken aneinanderfügt, woher kommt es? Es kommt von all diesen Eigentümlichkeiten unseres Zeitalters. Eine künftige Geschichtsschreibung wird auf den Namen Woodrow Wilson alles dasjenige, was unsere Zeit hervorgebracht hat an unrealen, das Gegenteil bewirkenden Gedanken, zu taufen haben.

[ 43 ] How is it that, for many people, something that is nothing more than a concept—but a completely unreal one that can never have anything to do with what is actually happening—can set the tone: the content of Woodrow Wilson’s thoughts—which is nothing other than Egyptian-Chaldean thought, unconcerned with the existence of a spiritual reality in history, but merely stringing together abstract ideas—where does it come from? It comes from all these peculiarities of our age. Future historians will have to attribute to the name Woodrow Wilson all the unrealistic ideas that our time has produced—ideas that bring about the opposite of their intended effect.

[ 44 ] Das ist dasjenige, was einschneidend ist in unser Weltanschauungsleben, einschneidend sein muß, und was man nicht betrachten darf vom Standpunkte von heute auf morgen, sondern was man betrachten muß vom Standpunkte der ganzen Kosmologie aus, vom Standpunkte des Darin-Hineingestelltseins. Wer solche Fragen beantwortet von dem Gesichtspunkt, der sich ergibt aus einer ganzen Weltanschauung, der urteilt über solche Menschen, wie etwa Woodrow Wilson ist, nicht aus Sympathien oder Antipathien, sondern er urteilt so, wie man objektiv über irgend etwas urteilt. Das aber ist der Anachronismus, daß sich sehr viele Leute heute nicht darauf einlassen können, weil es unbequem ist, den Dingen ins Antlitz zu schauen. Man kann den Dingen nicht ins Antlitz schauen, wenn man nicht tiefer in die Dinge hineinforscht. Von solchen Seelen, die heute in keiner Beziehung stehen zu dem geschichtlichen Leben, muß das gesagt werden: es sind Seelen, die ignorieren dasjenige, was an wirklicher Geschichte durch die dritte Hierarchie geschehen ist, und die daher nicht mit den wirklichen Impulsen zu tun haben, wenn sie sprechen, sondern im Grunde genommen nur mit Worthülsen zu tun haben.

[ 44 ] This is what has a profound impact on our worldview—and must have such an impact—and it is something that must not be viewed from the perspective of the here and now, but rather from the perspective of the entire cosmos, from the perspective of being situated within it. Anyone who answers such questions from the perspective that arises from a comprehensive worldview judges people such as Woodrow Wilson not on the basis of sympathies or antipathies, but rather judges them as one would objectively judge anything. But this is the anachronism: that very many people today cannot bring themselves to do this, because it is uncomfortable to look things squarely in the face. One cannot look things squarely in the face unless one delves deeper into them. This must be said of such souls who today have no connection to historical life: they are souls who ignore what has actually happened in history through the third hierarchy, and who therefore, when they speak, have nothing to do with the real impulses, but are essentially concerned only with empty phrases.

[ 45 ] Das ist eine Grundanforderung unserer Zeit, daß man sich bekanntmache damit und einsehe, daß, wenn wir die schönsten Begriffe haben, die der menschliche Verstand fassen kann, die schönsten Begriffe, die ganz gut ausreichen, um die Natur, die um uns herum ausgebreitet ist, zu erforschen, wir doch niemals etwas verstehen werden von der Geschichte. Denn die Geschichte spielt sich nicht ab so, wie sich das Naturleben abspielt; Geschichte spielt sich ab als Taten geistiger Wesenheiten. Das ist das, was sich zu den andern Weltanschauungen hinzufinden muß. Von der Theokratie, wie ich es Ihnen gestern geschildert habe, sind die Menschen ausgegangen, indem sie sich während der Zeit der Theokratie noch erinnert haben an das alte Hereinragen der theokratischen Ordnung; dann ist die metaphysische Zeit gekommen, die im wesentlichen das Verwaltungsbeamtentum der ganzen Welt ausgebildet hat; dann ist die rein materialistische Zeit gekommen, die Zeit der Industriellen. Das würde vollständig hineinführen in das Irreale gegenüber dem Geistigen, wenn nicht das Gegengewicht kommen würde des Sich-wieder-Hineinarbeitens in das Reale, in das Wirkliche, das man aber nur betrachten kann, wenn man aufsteigen kann zu dem, was sich für den Menschen im gewöhnlichen Leben im heutigen Zeitenzyklus verhüllt. Wir müssen wieder lernen, von übersinnlichen Dingen zu sprechen, wenn wir von Geschichte sprechen wollen. Im 19. Jahrhundert hat man vielfach von geschichtlichen Ideen gesprochen — nun, jeder weiß, daß man mit Ideen eben keinen Baum umhacken kann; aber daß das geschichtliche Leben der Menschheit von Ideen bewirkt wird, das glauben zum Beispiel die Ranke-Anhänger und ähnliche Historiker. Das wird man einsehen müssen, daß auch diese Zeit, die bloße metaphysische Zeit, überwunden werden muß, sonst wird überwuchern jene Weltanschauung, die rein auf das Sinnliche beschränkt ist. Es muß die Menschheit dem Spirituellen sich entgegenarbeiten. Das kann sie nur, wenn sie zunächst wenigstens auf dem Gebiet der Geschichte sich durcharbeitet von der Scheingeschichte in der zeitlichen Aufeinanderfolge bis zu dem realen Geschehen, das hinter der äußeren sinnlichen Wirklichkeit so greifbar, möchte ich sagen, gerade bei der Geschichte ist. Dann wird man aber auch nicht mehr soziale oder ähnliche Programme machen aus Ideen heraus, die bloß auf das äußere Leben sich beziehen, sondern dann wird man seine sozialen Programme wiederum aus den Offenbarungen der geistigen Welt heraus verkünden. Von diesen Offenbarungen aus der geistigen Welt heraus sind jene Programme, die die Menschen heute machen, aber sehr, sehr verschieden.

[ 45 ] It is a fundamental requirement of our time that we familiarize ourselves with this and realize that, even if we possess the most beautiful concepts that the human mind can grasp—concepts that are quite sufficient for exploring the nature that surrounds us—we will still never understand anything about history. For history does not unfold in the same way that natural life does; history unfolds as the deeds of spiritual beings. This is what must be reconciled with other worldviews. People emerged from theocracy—as I described to you yesterday—while still, during the time of theocracy, remembering the old influence of the theocratic order; then came the metaphysical era, which essentially shaped the administrative bureaucracy of the entire world; then came the purely materialistic era, the era of the industrialists. This would lead entirely into the unreal as opposed to the spiritual, were it not for the counterbalance of working one’s way back into the real, into the actual—which, however, can only be perceived if one is able to ascend to that which remains veiled from human beings in ordinary life within the current cycle of time. We must learn once again to speak of supersensible things if we wish to speak of history. In the nineteenth century, people often spoke of historical ideas—well, everyone knows that you cannot chop down a tree with ideas alone; but that the historical life of humanity is shaped by ideas is a belief held, for example, by the followers of Ranke and similar historians. We must come to realize that this era, too—mere metaphysical time—must be overcome; otherwise, the worldview that is confined purely to the sensory realm will take over. Humanity must strive toward the spiritual. It can do so only if it first works its way—at least in the realm of history—from the illusory history of temporal succession to the real events that lie behind external sensory reality, which are so tangible, I would say, especially in the case of history. Then, however, people will no longer devise social or similar programs based on ideas that relate merely to external life; instead, they will once again proclaim their social programs based on revelations from the spiritual world. The programs that people devise today, however, are very, very different from these revelations from the spiritual world.

[ 46 ] Davon wollen wir dann das nächste Mal sprechen. Nächsten Freitag werde ich diese Betrachtungen fortsetzen; sie lassen sich nicht so schnell abschließen.

[ 46 ] We'll talk about that next time. Next Friday, I'll continue these reflections; they can't be wrapped up so quickly.