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The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184

13 September 1918, Dornach

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Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben
  1. The Polarity of Duration and Development in Human Life, tr. SOL

Vierter Vortrag

Vierter Vortrag

[ 1 ] Ich werde fortfahren, in mehr aphoristischer Form Ihnen weiteres votzubringen über das Thema, in dem wir ja jetzt schon seit Wochen drinnenstehen, und das ich Ihnen immer bezeichnet habe dadurch, daß ich sagte: Die große Schwierigkeit in Weltanschauungsfragen liege jetzt — dieses «jetzt» betone ich ja immer — darin, daß es aus den Anschauungen der Gegenwart heraus den Menschen schwierig wird, eine Brücke zu schlagen zwischen dem, was Idealismus genannt wird, und dem, was bezeichnet werden kann als Anschauung über die natürliche Ordnung der Dinge. Indem der moderne Mensch versucht, eine solche Brücke zu schlagen, indem er versucht, sich klarzuwerden, wie zum Beispiel die moralischen Ideen — wenn wir aus der Summe der Ideen eine Gruppe herausnehmen —, jetzt nicht äußerlich, sondern innerlich-real zu den Anschauungen, zu den Begriffen sich verhalten, die man entwickelt über den Gang der kausalen Naturordnung, verfällt er in eine Art von Weltanschauungsdualismus, wie man geisteswissenschaftlich das ausdrücken könnte. Das haben wir ja immer wieder betont. Der Mensch versucht, eine solche Brücke zu schlagen, aber es gelingt ihm nicht.

[ 1 ] Ich werde fortfahren, in mehr aphoristischer Form Ihnen weiteres votzubringen über das Thema, in dem wir ja jetzt schon seit Wochen drinnenstehen, und das ich Ihnen immer bezeichnet habe dadurch, daß ich sagte: Die große Schwierigkeit in Weltanschauungsfragen liege jetzt — dieses «jetzt» betone ich ja immer — darin, daß es aus den Anschauungen der Gegenwart heraus den Menschen schwierig wird, eine Brücke zu schlagen zwischen dem, was Idealismus genannt wird, und dem, was bezeichnet werden kann als Anschauung über die natürliche Ordnung der Dinge. Indem der moderne Mensch versucht, eine solche Brücke zu schlagen, indem er versucht, sich klarzuwerden, wie zum Beispiel die moralischen Ideen — wenn wir aus der Summe der Ideen eine Gruppe herausnehmen —, jetzt nicht äußerlich, sondern innerlich-real zu den Anschauungen, zu den Begriffen sich verhalten, die man entwickelt über den Gang der kausalen Naturordnung, verfällt er in eine Art von Weltanschauungsdualismus, wie man geisteswissenschaftlich das ausdrücken könnte. Das haben wir ja immer wieder betont. Der Mensch versucht, eine solche Brücke zu schlagen, aber es gelingt ihm nicht.

[ 2 ] Es wird uns leichter sein, dasjenige genau ins Auge zu fassen, was für diese Frage in Betracht kommt, wenn wir diesen neuzeitlichen Dualismus vergleichen mit dem, was entsprechend im Altertum — ich meine in der vorchristlichen Zeit, so wie wir von der vorchtristlichen Zeit sprechen — als Ähnliches existiert hat. Das unserem heutigen Dualismus Ähnliche war in alten Zeiten für die Menschheit etwas, was man nennen kann Fatalismus. Man war bis ins 2., 3. vorchristliche Jahrhundert, und dann später noch mehr — es wurde aber immer mehr anachronistisch — geradezu gedrängt, in den Fatalismus zu verfallen. Und im Grunde genommen ruht auch auf dem Grunde der griechischen Weltanschauung der Fatalismus. In der neueren Zeit ist aller Fatalismus eigentlich anachronistisch; das heißt, er gehört nicht mehr in die Gegenwart herein. Verführt, könnte man sagen, waren die Menschen der alten Zeit zum Fatalismus, verführt sind die Menschen der neueren Zeit, und ganz besonders der Gegenwart, zum Dualismus.

[ 2 ] Es wird uns leichter sein, dasjenige genau ins Auge zu fassen, was für diese Frage in Betracht kommt, wenn wir diesen neuzeitlichen Dualismus vergleichen mit dem, was entsprechend im Altertum — ich meine in der vorchristlichen Zeit, so wie wir von der vorchtristlichen Zeit sprechen — als Ähnliches existiert hat. Das unserem heutigen Dualismus Ähnliche war in alten Zeiten für die Menschheit etwas, was man nennen kann Fatalismus. Man war bis ins 2., 3. vorchristliche Jahrhundert, und dann später noch mehr — es wurde aber immer mehr anachronistisch — geradezu gedrängt, in den Fatalismus zu verfallen. Und im Grunde genommen ruht auch auf dem Grunde der griechischen Weltanschauung der Fatalismus. In der neueren Zeit ist aller Fatalismus eigentlich anachronistisch; das heißt, er gehört nicht mehr in die Gegenwart herein. Verführt, könnte man sagen, waren die Menschen der alten Zeit zum Fatalismus, verführt sind die Menschen der neueren Zeit, und ganz besonders der Gegenwart, zum Dualismus.

[ 3 ] Nun wollen wir einmal uns klarmachen, worauf es beruhte, daß die alten Menschen so leicht dem Fatalismus verfallen konnten. Wir wissen ja, die Seelenverfassung der Menschen hat sich radikal geändert im Laufe der Entwickelung, und es ist ein Aberglaube, wenn man nur so, wie es etwa der landläufige Darwinismus tut, eine sukzessive Entwickelung annimmt. Für die Seelenverfassung liegt eine radikale Umänderung vor, und in dieser Beziehung ist die Geschichte am allermeisten eine Fable convenue. Die Seelenverfassung der alten Menschen war so, daß ihnen eigentlich niemals das Naturgemäße so entgegengetreten ist, wie es den heutigen Menschen entgegentritt, und demgegenüber auch das Geistige nicht so begriffsmäßig, so vorstellungsmäßig, wie es dem heutigen Menschen entgegentritt. Alles dasjenige, was der alte Mensch von der Natur vorstellte, stellte er so vor, daß er das Naturgemäße mit dem Geistigen verquickt vorstellte, und wiederum das Geistige stellte er sich so vor, daß er für die Vorstellung Bilder aus dem Gange der Natur nahm. Hatte man alte Götterlehren, so sind die eigentlich ganz durchtränkt, als Mythe ganz durchtränkt von Vorstellungen, die der sinnenfälligen Natur entnommen sind. Sprach man von der Natur, so sprach man nicht so, wie wir heute sprechen, so trocken, so abstrakt, sondern man sprach von elementarer Geistigkeit, von Wesenheiten, welche die Naturerscheinungen tragen, bewirken.

[ 3 ] Nun wollen wir einmal uns klarmachen, worauf es beruhte, daß die alten Menschen so leicht dem Fatalismus verfallen konnten. Wir wissen ja, die Seelenverfassung der Menschen hat sich radikal geändert im Laufe der Entwickelung, und es ist ein Aberglaube, wenn man nur so, wie es etwa der landläufige Darwinismus tut, eine sukzessive Entwickelung annimmt. Für die Seelenverfassung liegt eine radikale Umänderung vor, und in dieser Beziehung ist die Geschichte am allermeisten eine Fable convenue. Die Seelenverfassung der alten Menschen war so, daß ihnen eigentlich niemals das Naturgemäße so entgegengetreten ist, wie es den heutigen Menschen entgegentritt, und demgegenüber auch das Geistige nicht so begriffsmäßig, so vorstellungsmäßig, wie es dem heutigen Menschen entgegentritt. Alles dasjenige, was der alte Mensch von der Natur vorstellte, stellte er so vor, daß er das Naturgemäße mit dem Geistigen verquickt vorstellte, und wiederum das Geistige stellte er sich so vor, daß er für die Vorstellung Bilder aus dem Gange der Natur nahm. Hatte man alte Götterlehren, so sind die eigentlich ganz durchtränkt, als Mythe ganz durchtränkt von Vorstellungen, die der sinnenfälligen Natur entnommen sind. Sprach man von der Natur, so sprach man nicht so, wie wir heute sprechen, so trocken, so abstrakt, sondern man sprach von elementarer Geistigkeit, von Wesenheiten, welche die Naturerscheinungen tragen, bewirken.

[ 4 ] Das beruhte nicht auf einer großen Kindlichkeit der Ausdrucksweise, sondern es beruhte auf der wirklichen Anschauung, auf der wirklichen Seelenverfassung. Der alte Mensch sah die Natur nicht so, wie wir sie unter dem Einfluß der heutigen Wissenschaft sehen, auch wenn wir nicht Wissenschafter sind; er sah sein Geistiges nicht so abstrakt, nicht so bloß vorstellungsgemäß, wie wir es heute sehen müssen. Durch dieses Durcheinanderschwimmen von Natur und Geist trug sich der Mensch selbst in den Fatalismus hinein; denn indem sich in der neulich geschilderten Weise die Naturerscheinungen für den Menschen durchtränkten von Geistestaten, war selbstverständlich alles Leben in der äußerlichen Weise beabsichtigt, wie menschliche Taten beabsichtigt sind. Es war zwar ein Bild, aber der alte Mensch hatte kein anderes Bild; das aber führt notwendig zu der Täuschung des Fatalismus.

[ 4 ] Das beruhte nicht auf einer großen Kindlichkeit der Ausdrucksweise, sondern es beruhte auf der wirklichen Anschauung, auf der wirklichen Seelenverfassung. Der alte Mensch sah die Natur nicht so, wie wir sie unter dem Einfluß der heutigen Wissenschaft sehen, auch wenn wir nicht Wissenschafter sind; er sah sein Geistiges nicht so abstrakt, nicht so bloß vorstellungsgemäß, wie wir es heute sehen müssen. Durch dieses Durcheinanderschwimmen von Natur und Geist trug sich der Mensch selbst in den Fatalismus hinein; denn indem sich in der neulich geschilderten Weise die Naturerscheinungen für den Menschen durchtränkten von Geistestaten, war selbstverständlich alles Leben in der äußerlichen Weise beabsichtigt, wie menschliche Taten beabsichtigt sind. Es war zwar ein Bild, aber der alte Mensch hatte kein anderes Bild; das aber führt notwendig zu der Täuschung des Fatalismus.

[ 5 ] Im Laufe der Zeit nun entstand eine andere Seelenverfassung. Wir haben diese Änderung der Seelenverfassung von den allerverschiedensten Gesichtspunkten bis jetzt schon charakterisiert; wir wollen sie heute von einem ganz besonderen Gesichtspunkte ins Auge fassen. Wir wollen uns heute einmal die Frage vorlegen, die wir aber nur beantworten können auf Grundlage von alldem, was wir in den letzten Vorträgen vor unsere Seele hingestellt haben: Was ist es eigentlich sachlich, was der Mensch sieht, wenn er die Naturordnung verfolgt, und was ist es sachlich, was der Mensch innerlich erdenkt, wenn er heute von Geist spricht? Jetzt rede ich nicht davon, daß wir in der Geisteswissenschaft von Geist sprechen, sondern ich rede davon, wie das allgemeine Menschheitsbewußtsein heute, mehr oder weniger so oder so nuanciert, von Geist spricht.

[ 5 ] Im Laufe der Zeit nun entstand eine andere Seelenverfassung. Wir haben diese Änderung der Seelenverfassung von den allerverschiedensten Gesichtspunkten bis jetzt schon charakterisiert; wir wollen sie heute von einem ganz besonderen Gesichtspunkte ins Auge fassen. Wir wollen uns heute einmal die Frage vorlegen, die wir aber nur beantworten können auf Grundlage von alldem, was wir in den letzten Vorträgen vor unsere Seele hingestellt haben: Was ist es eigentlich sachlich, was der Mensch sieht, wenn er die Naturordnung verfolgt, und was ist es sachlich, was der Mensch innerlich erdenkt, wenn er heute von Geist spricht? Jetzt rede ich nicht davon, daß wir in der Geisteswissenschaft von Geist sprechen, sondern ich rede davon, wie das allgemeine Menschheitsbewußtsein heute, mehr oder weniger so oder so nuanciert, von Geist spricht.

[ 6 ] Wir wissen ja, daß der Mensch, auch wenn er nicht Theoretiker ist — von Theoretikern sehen wir ab —, rein instinktiv, wenn er heute die Naturordnung überschauen will, an das Walten von Stoffen und Kräften kommt. Ich rede jetzt nicht von den naturwissenschaftlichen Theorien von Stoffen und Kräften, sondern ich rede davon, wie einfach der heutige Durchschnittsmensch sich die Natur vorstellt, indem er in seinen Vorstellungen über die Natur dazu kommt, in den Naturerscheinungen ganz instinktiv stoffliche und kraftdurchsetzte Vorgänge seinen Anschauungen zugrunde zu legen. Da wird der Mensch geführt — wenn man die Dinge untersucht, wenn man wirklich sachgemäß die Dinge untersucht, wir wissen das ja — zu einer Illusion. Denn eigentlich ist all das, was ausgesagt werden kann in solchen Zusammenhängen über das, was Stoff und Kräfte sind, alles ist Illusion. Die Grundlage der heutigen Naturanschauung ist Illusion. Das beruht nicht auf einer Fehlerhaftigkeit des Denkens allein, das beruht einfach auf der heutigen Seelenkonstitution, auf der heutigen Seelenverfassung. Wir reden nicht mehr wie etwa die indische Weltanschauung von Maja oder Illusion, weil wir den Tatbestand im gewöhnlichen Leben nicht durchschauen. Wir durchschauen diesen Tatbestand nicht, so daß wir eigentlich, wenn wir die Natur vorstellen, immer in der Illusion leben. Das ist das eine.

[ 6 ] Wir wissen ja, daß der Mensch, auch wenn er nicht Theoretiker ist — von Theoretikern sehen wir ab —, rein instinktiv, wenn er heute die Naturordnung überschauen will, an das Walten von Stoffen und Kräften kommt. Ich rede jetzt nicht von den naturwissenschaftlichen Theorien von Stoffen und Kräften, sondern ich rede davon, wie einfach der heutige Durchschnittsmensch sich die Natur vorstellt, indem er in seinen Vorstellungen über die Natur dazu kommt, in den Naturerscheinungen ganz instinktiv stoffliche und kraftdurchsetzte Vorgänge seinen Anschauungen zugrunde zu legen. Da wird der Mensch geführt — wenn man die Dinge untersucht, wenn man wirklich sachgemäß die Dinge untersucht, wir wissen das ja — zu einer Illusion. Denn eigentlich ist all das, was ausgesagt werden kann in solchen Zusammenhängen über das, was Stoff und Kräfte sind, alles ist Illusion. Die Grundlage der heutigen Naturanschauung ist Illusion. Das beruht nicht auf einer Fehlerhaftigkeit des Denkens allein, das beruht einfach auf der heutigen Seelenkonstitution, auf der heutigen Seelenverfassung. Wir reden nicht mehr wie etwa die indische Weltanschauung von Maja oder Illusion, weil wir den Tatbestand im gewöhnlichen Leben nicht durchschauen. Wir durchschauen diesen Tatbestand nicht, so daß wir eigentlich, wenn wir die Natur vorstellen, immer in der Illusion leben. Das ist das eine.

[ 7 ] Das andere ist: Wie steht es mit der heutigen Geistanschauung? Diese heutige Geistanschauung ist etwas, was sehr, sehr in Abstraktionen schwebt. Sie können dies am besten verfolgen, wenn Sie sich die eine oder andere Philosophie nehmen. Es ist schon ganz gleichgültig, welche Philosophie Sie nehmen. Sie können eine so halbverworrene, in Wortgetändel ablaufende Philosophie nehmen wie die Euckensche, Sie können eine etwas auf sichereren Grundlagen ruhende wie die Liebmannsche nehmen, Sie können sich auf eine solche einlassen, welche mehr zum populären Bewußtsein spricht, wie die Schopenhauersche und so weiter: da wird in Philosophien und Weltanschauungen der Gegenwart von Geist gesprochen; wenn die Philosophien nicht rein positivistisch sind, wie die Comtesche, die wir neulich kennenlernten, wenn sie nicht materialistisch sind, so wird immerhin von den Philosophen von Geist gesprochen. Aber was ist das, wovon da in den Philosophien gesprochen wird, und was Geist genannt wird aus der heutigen Seelenkonstitution heraus? Geradeso wie dasjenige, was der Mensch wie ein Netz durch die Naturerscheinungen hindurchzieht, indem er eine gewisse stoffliche und kraftliche Ordnung annimmt, die Naturanschauung zur Illusion macht, so ist alles das, was heute in den landläufigen Anschauungen über den Geist gesagt wird, im Grunde eine Halluzination, und die gebräuchlichen Philosophien sind eigentlich nur eine Summe von nicht bemerkten Halluzinationen. Im Grunde genommen ist der Mensch heute so konstituiert, daß er mit seiner Seele, wenn er zur Natur hinsieht, zwischen der Illusion, wenn er zum Geiste hinsieht, zwischen der Halluzination schwebt. Was die Philosophen vom Geiste träumen, indem sie rein aus Begriffen heraus eine gewisse Anschauung vom Geiste sich konstruieren wollen, das ist eigentlich nur eine Summe von feinen Halluzinationen, allerdings von feinen, aber eben doch von Halluzinationen. Es sind Gebilde, die aus Gründen, über die wir heute nicht sprechen wollen, aus dem Inneren des Menschen aufsteigen, die als solche unmittelbar mit der Wirklichkeit nichts Rechtes eigentlich zu tun haben.

[ 7 ] Das andere ist: Wie steht es mit der heutigen Geistanschauung? Diese heutige Geistanschauung ist etwas, was sehr, sehr in Abstraktionen schwebt. Sie können dies am besten verfolgen, wenn Sie sich die eine oder andere Philosophie nehmen. Es ist schon ganz gleichgültig, welche Philosophie Sie nehmen. Sie können eine so halbverworrene, in Wortgetändel ablaufende Philosophie nehmen wie die Euckensche, Sie können eine etwas auf sichereren Grundlagen ruhende wie die Liebmannsche nehmen, Sie können sich auf eine solche einlassen, welche mehr zum populären Bewußtsein spricht, wie die Schopenhauersche und so weiter: da wird in Philosophien und Weltanschauungen der Gegenwart von Geist gesprochen; wenn die Philosophien nicht rein positivistisch sind, wie die Comtesche, die wir neulich kennenlernten, wenn sie nicht materialistisch sind, so wird immerhin von den Philosophen von Geist gesprochen. Aber was ist das, wovon da in den Philosophien gesprochen wird, und was Geist genannt wird aus der heutigen Seelenkonstitution heraus? Geradeso wie dasjenige, was der Mensch wie ein Netz durch die Naturerscheinungen hindurchzieht, indem er eine gewisse stoffliche und kraftliche Ordnung annimmt, die Naturanschauung zur Illusion macht, so ist alles das, was heute in den landläufigen Anschauungen über den Geist gesagt wird, im Grunde eine Halluzination, und die gebräuchlichen Philosophien sind eigentlich nur eine Summe von nicht bemerkten Halluzinationen. Im Grunde genommen ist der Mensch heute so konstituiert, daß er mit seiner Seele, wenn er zur Natur hinsieht, zwischen der Illusion, wenn er zum Geiste hinsieht, zwischen der Halluzination schwebt. Was die Philosophen vom Geiste träumen, indem sie rein aus Begriffen heraus eine gewisse Anschauung vom Geiste sich konstruieren wollen, das ist eigentlich nur eine Summe von feinen Halluzinationen, allerdings von feinen, aber eben doch von Halluzinationen. Es sind Gebilde, die aus Gründen, über die wir heute nicht sprechen wollen, aus dem Inneren des Menschen aufsteigen, die als solche unmittelbar mit der Wirklichkeit nichts Rechtes eigentlich zu tun haben.

[ 8 ] Ich habe Sie öfters aufmerksam gemacht auf solche Erscheinungen der Tatsachenwelt, welche klar zeigen, daß alles das, was die Menschen sich vorstellen können, nicht viel zu tun zu haben braucht mit der Wirklichkeit. Ich habe, um dies zu erhärten, hingewiesen darauf, daß zum Beispiel in ihrer Naivität eine ganze Anzahl von Philosophen heute davon reden, der Mensch müsse zusammengesetzt gedacht werden aus Leib und Seele. Selbst die weltberühmte Wundtsche Philosophie spricht von Leib und Seele und gibt sich der Meinung hin, daß sie vorurteilslos ist. Aber in Wirklichkeit — auf das habe ich ja schon aufmerksam gemacht —, was ist die ganze Wundtsche Philosophie oder ähnliche Philosophien? Es ist nur die Ausführung desjenigen, was das achte allgemeine Konzil von Konstantinopel im Jahre 869 beschlossen hat: daß man nicht sprechen dürfe — so ungefähr konnte man den dazumal ja allerdings verklausulierten Konzilsbeschluß definieren —, wenn man vom Menschen spricht, von Leib, Seele und Geist, sondern daß das Geistige nur eine Eigenschaft des Seelischen sei, daß man nur sprechen dürfe von Leib und Seele. Und die Trichotomie Leib, Seele und Geist war ja eine ketzerische Anschauung durch das ganze Mittelalter hindurch. Die theologischen Philosophen haben gebebt, wenn sie durch die Wirklichkeit dazu gedrängt worden waren, von Leib, Seele und Geist nur etwas anzudeuten, denn es war eben eine ketzerische Anschauung. Unter dieser Anschauung stehen die Philosophen noch heute. Sie führen nur dasjenige aus, was jenes Konzil von Konstantinopel dazumal dogmatisiert hat, und sie glauben, vorurteilslos zu sein, sie glauben, daß sie etwas, was aus ihren reinen Anschauungen, Forschungen folgt, ausführen, während sie in Wahrheit Ausführer eines Konzilsbeschlusses sind. Man muß die Dinge ohne Illusion anschauen; man muß auf die Wirklichkeit hinschauen. Unsere jungen Studenten lernen überall in der Philosophie dasjenige, was das Konzil von Konstantinopel 869 beschlossen hat.

[ 8 ] Ich habe Sie öfters aufmerksam gemacht auf solche Erscheinungen der Tatsachenwelt, welche klar zeigen, daß alles das, was die Menschen sich vorstellen können, nicht viel zu tun zu haben braucht mit der Wirklichkeit. Ich habe, um dies zu erhärten, hingewiesen darauf, daß zum Beispiel in ihrer Naivität eine ganze Anzahl von Philosophen heute davon reden, der Mensch müsse zusammengesetzt gedacht werden aus Leib und Seele. Selbst die weltberühmte Wundtsche Philosophie spricht von Leib und Seele und gibt sich der Meinung hin, daß sie vorurteilslos ist. Aber in Wirklichkeit — auf das habe ich ja schon aufmerksam gemacht —, was ist die ganze Wundtsche Philosophie oder ähnliche Philosophien? Es ist nur die Ausführung desjenigen, was das achte allgemeine Konzil von Konstantinopel im Jahre 869 beschlossen hat: daß man nicht sprechen dürfe — so ungefähr konnte man den dazumal ja allerdings verklausulierten Konzilsbeschluß definieren —, wenn man vom Menschen spricht, von Leib, Seele und Geist, sondern daß das Geistige nur eine Eigenschaft des Seelischen sei, daß man nur sprechen dürfe von Leib und Seele. Und die Trichotomie Leib, Seele und Geist war ja eine ketzerische Anschauung durch das ganze Mittelalter hindurch. Die theologischen Philosophen haben gebebt, wenn sie durch die Wirklichkeit dazu gedrängt worden waren, von Leib, Seele und Geist nur etwas anzudeuten, denn es war eben eine ketzerische Anschauung. Unter dieser Anschauung stehen die Philosophen noch heute. Sie führen nur dasjenige aus, was jenes Konzil von Konstantinopel dazumal dogmatisiert hat, und sie glauben, vorurteilslos zu sein, sie glauben, daß sie etwas, was aus ihren reinen Anschauungen, Forschungen folgt, ausführen, während sie in Wahrheit Ausführer eines Konzilsbeschlusses sind. Man muß die Dinge ohne Illusion anschauen; man muß auf die Wirklichkeit hinschauen. Unsere jungen Studenten lernen überall in der Philosophie dasjenige, was das Konzil von Konstantinopel 869 beschlossen hat.

[ 9 ] Nun behaupte ich durchaus nicht, daß dasjenige, was heute gelehrt wird, eine direkte Folge oder Wirkung jenes Konzilsbeschlusses ist; sondern was dazumal dogmatisiert wurde auf dem achten Konzil in Konstantinopel, das war als Dogma auch wiederum nur der gedankliche Ausfluß von tieferen Geschehnissen, die unter der Oberfläche der Dinge verborgen sind und die heute noch fortlaufen. Und alles dasjenige, was dogmatisieren will — gleichgültig, ob es die braven Philosophen des Konzils von Konstantinopel gemacht haben oder die braven Professoren der heutigen Universitäten —, alle diese Begriffsgespinste sind im Grunde genommen nur begriffliche Halluzinationen, welche aufsteigen in dem Menschen und zu dünn sind, möchte ich sagen, an Realitätsgehalt, um die Wirklichkeit, die darunter waltet, wirklich zu erfassen. Weil der heutige Mensch seiner Seelenkonstitution nach gewissermaßen pendelt zwischen dem Halluzinatorischen seiner Begriffswelt und dem Illusorischen seiner Naturanschauung, deshalb liegt für ihn die Gefahr des Dualismus vor. Und er wird immer in der Gefahr sein, alles, was er als Ideen, als Ideale ausheckt, nur tragen zu können in die halluzinatorische Sphäre der Begriffe, die nicht an die Wirklichkeit heranreicht; oder aber, er wird, was er über die Natur ausheckt, tragen können in die Illusionssphäre der Naturanschauung, die wiederum nichts mit der wahren Wirklichkeit zu schaffen hat, die eben eine Illusion ist. Der Mensch ist eben niemals dazu veranlagt, dasjenige, was er Wahrheit nennt — ein Wort —, unmittelbar zu finden, ich möchte sagen, bequem zu finden. Er muß von etwas, was im Leben ihm Zwiespalt, Zweifel, Skeptizismus bringen kann, ausgehen und zur Wahrheit durchdringen. In dem heutigen Entwickelungszyklus ist der Mensch gezwungen, aufzusteigen von dem Pendeln zwischen der Halluzination der Philosophie und der Illusion der Naturanschauung zu dem wahrhaft Wirklichen, zu dem, was wirklich ist.

[ 9 ] Nun behaupte ich durchaus nicht, daß dasjenige, was heute gelehrt wird, eine direkte Folge oder Wirkung jenes Konzilsbeschlusses ist; sondern was dazumal dogmatisiert wurde auf dem achten Konzil in Konstantinopel, das war als Dogma auch wiederum nur der gedankliche Ausfluß von tieferen Geschehnissen, die unter der Oberfläche der Dinge verborgen sind und die heute noch fortlaufen. Und alles dasjenige, was dogmatisieren will — gleichgültig, ob es die braven Philosophen des Konzils von Konstantinopel gemacht haben oder die braven Professoren der heutigen Universitäten —, alle diese Begriffsgespinste sind im Grunde genommen nur begriffliche Halluzinationen, welche aufsteigen in dem Menschen und zu dünn sind, möchte ich sagen, an Realitätsgehalt, um die Wirklichkeit, die darunter waltet, wirklich zu erfassen. Weil der heutige Mensch seiner Seelenkonstitution nach gewissermaßen pendelt zwischen dem Halluzinatorischen seiner Begriffswelt und dem Illusorischen seiner Naturanschauung, deshalb liegt für ihn die Gefahr des Dualismus vor. Und er wird immer in der Gefahr sein, alles, was er als Ideen, als Ideale ausheckt, nur tragen zu können in die halluzinatorische Sphäre der Begriffe, die nicht an die Wirklichkeit heranreicht; oder aber, er wird, was er über die Natur ausheckt, tragen können in die Illusionssphäre der Naturanschauung, die wiederum nichts mit der wahren Wirklichkeit zu schaffen hat, die eben eine Illusion ist. Der Mensch ist eben niemals dazu veranlagt, dasjenige, was er Wahrheit nennt — ein Wort —, unmittelbar zu finden, ich möchte sagen, bequem zu finden. Er muß von etwas, was im Leben ihm Zwiespalt, Zweifel, Skeptizismus bringen kann, ausgehen und zur Wahrheit durchdringen. In dem heutigen Entwickelungszyklus ist der Mensch gezwungen, aufzusteigen von dem Pendeln zwischen der Halluzination der Philosophie und der Illusion der Naturanschauung zu dem wahrhaft Wirklichen, zu dem, was wirklich ist.

[ 10 ] Nun könnte man die Frage aufwerfen — ich spreche natürlich mehr oder weniger aphoristisch, erst das Ganze soll einen Zusammenhang dann geben: Was kann man denn als nächsten Grund dafür angeben, daß der alte Mensch mehr in den Fatalismus, der neuere Mensch mehr in den Dualismus in Weltanschauungsfragen hat verfallen können, oder verfallen kann? Man verfällt in solche Gefahren dann, wenn man sich überläßt dem bloßen Begriffsspiel, man könnte heute auch sagen: der bloßen Dialektik.

[ 10 ] Nun könnte man die Frage aufwerfen — ich spreche natürlich mehr oder weniger aphoristisch, erst das Ganze soll einen Zusammenhang dann geben: Was kann man denn als nächsten Grund dafür angeben, daß der alte Mensch mehr in den Fatalismus, der neuere Mensch mehr in den Dualismus in Weltanschauungsfragen hat verfallen können, oder verfallen kann? Man verfällt in solche Gefahren dann, wenn man sich überläßt dem bloßen Begriffsspiel, man könnte heute auch sagen: der bloßen Dialektik.

[ 11 ] Nun werden Sie freilich einwenden: Die heutigen Menschen bei ihrem Wirklichkeitssinn sind gar nicht dazu veranlagt, einem bloßen Begriffsspiel zu verfallen. — Sie irren gar sehr! Künftige Zeitalter, die das unsrige objektiver einschätzen werden, die werden schon einsehen, daß niemals in der Menschheit vorhanden waren solche Neigungen, zu theoretisieren, mit bloßen Begriffen zu spielen, als gerade in der Gegenwart. Der Mensch verläßt heute sehr gern die Wirklichkeit und wendet sich dem bloßen Begriffsspiel zu. Wenn man aber die Wirklichkeit verläßt und anfängt, seine Begriffe zu drehen, zu wenden, zu verbinden, zu trennen, in dem Augenblick, wo man von der Wirklichkeit abgekommen ist, dann ist schon die Gefahr vorhanden entweder des Fatalismus oder des Dualismus. Dasjenige, worauf es ankommt, und was sich der heutige Mensch ganz besonders anzuerziehen hat, das ist eben der oft von den verschiedensten Gesichtspunkten auch hier betonte Wirklichkeitssinn.

[ 11 ] Nun werden Sie freilich einwenden: Die heutigen Menschen bei ihrem Wirklichkeitssinn sind gar nicht dazu veranlagt, einem bloßen Begriffsspiel zu verfallen. — Sie irren gar sehr! Künftige Zeitalter, die das unsrige objektiver einschätzen werden, die werden schon einsehen, daß niemals in der Menschheit vorhanden waren solche Neigungen, zu theoretisieren, mit bloßen Begriffen zu spielen, als gerade in der Gegenwart. Der Mensch verläßt heute sehr gern die Wirklichkeit und wendet sich dem bloßen Begriffsspiel zu. Wenn man aber die Wirklichkeit verläßt und anfängt, seine Begriffe zu drehen, zu wenden, zu verbinden, zu trennen, in dem Augenblick, wo man von der Wirklichkeit abgekommen ist, dann ist schon die Gefahr vorhanden entweder des Fatalismus oder des Dualismus. Dasjenige, worauf es ankommt, und was sich der heutige Mensch ganz besonders anzuerziehen hat, das ist eben der oft von den verschiedensten Gesichtspunkten auch hier betonte Wirklichkeitssinn.

[ 12 ] Nun ist es namentlich geistigen Dingen gegenüber nicht ganz leicht, sich den Wirklichkeitssinn anzuerziehen, denn gerade geistigen Dingen gegenüber steckt man mehr, als man glaubt, im bloßen Begriffsspiel, in einer spielerischen Dialektik. Und dasjenige, was als äußere Illusion erscheint, sobald es hereinspielt ins moralisch-geistige Leben der Menschen, ist sehr stark geeignet, das Illusionsmäßige zu fördern. Über gewisse Dinge versucht der Mensch immer zu theoretisieren. Er versucht zu theoretisieren über das Gute und das Böse, über die Freiheit oder die Notwendigkeit; über die allerwichtigsten Fragen des Lebens, kann man sagen, ist der Mensch eigentlich furchtbar geneigt zu theoretisieren, das heißt, sich einem bloßen Begriffsspiel zu überlassen. Und was man heute da oder dort an Weltanschauungsdiskussionen trifft, das läuft eigentlich in der Regel nur innerhalb der Begriffsdialektik. Die Menschen täuschen sich allerdings auch sogar darüber, indem sie glauben, Begriffe zu haben, aber in Wirklichkeit ja gar nicht Begriffe haben können; sondern sie haben neben dem Begriff noch die Sympathien und Antipathien für gewisse Begriffe und gegen gewisse Begriffe, und nach seinen Sympathien und Antipathien bildet sich dann ein Mensch diesen oder jenen Begriffszusammenhang und dergleichen. Aber darauf will ich weniger Rücksicht nehmen. In den weitaus meisten Weltanschauungsdiskussionen, die ja ein Begriffsspiel bilden in Fragen, ist ein Absehen von der Wirklichkeit.

[ 12 ] Nun ist es namentlich geistigen Dingen gegenüber nicht ganz leicht, sich den Wirklichkeitssinn anzuerziehen, denn gerade geistigen Dingen gegenüber steckt man mehr, als man glaubt, im bloßen Begriffsspiel, in einer spielerischen Dialektik. Und dasjenige, was als äußere Illusion erscheint, sobald es hereinspielt ins moralisch-geistige Leben der Menschen, ist sehr stark geeignet, das Illusionsmäßige zu fördern. Über gewisse Dinge versucht der Mensch immer zu theoretisieren. Er versucht zu theoretisieren über das Gute und das Böse, über die Freiheit oder die Notwendigkeit; über die allerwichtigsten Fragen des Lebens, kann man sagen, ist der Mensch eigentlich furchtbar geneigt zu theoretisieren, das heißt, sich einem bloßen Begriffsspiel zu überlassen. Und was man heute da oder dort an Weltanschauungsdiskussionen trifft, das läuft eigentlich in der Regel nur innerhalb der Begriffsdialektik. Die Menschen täuschen sich allerdings auch sogar darüber, indem sie glauben, Begriffe zu haben, aber in Wirklichkeit ja gar nicht Begriffe haben können; sondern sie haben neben dem Begriff noch die Sympathien und Antipathien für gewisse Begriffe und gegen gewisse Begriffe, und nach seinen Sympathien und Antipathien bildet sich dann ein Mensch diesen oder jenen Begriffszusammenhang und dergleichen. Aber darauf will ich weniger Rücksicht nehmen. In den weitaus meisten Weltanschauungsdiskussionen, die ja ein Begriffsspiel bilden in Fragen, ist ein Absehen von der Wirklichkeit.

[ 13 ] Gehen wir, um das klarzumachen, was ich hiermit eigentlich meine, von einer im Leben oft auftretenden Tatsache aus: vomHaß, vom Vorhandensein des Hasses. So etwas, wie das Vorhandensein des Hasses in der Menschennatur, will man erklären. Mit einer bloßen Begriffsspielerei versucht man sehr häufig, solche und ähnliche Dinge zu erklären. Der Haß ist da als eine Seelenerscheinung, als eine psychologische Realität. Aber wer sich auf diese Dinge einläßt, findet sehr bald, daß man die ganze Farbe der Erscheinung des Hasses mit gewissen Begriffen, die man sich darüber macht, doch nicht eigentlich einfangen kann. Solche Dinge, wie Haß, kann man nur verstehen, wenn man versucht, von der Illusionswelt zu der wahren Wirklichkeitswelt zu kommen. Der Haß ist etwas, was aus einer tieferen Wirklichkeitswelt in die menschliche Seele hereinspielt. Man muß sich nun fragen: Dieser Haß, ist er in der Wirklichkeitswelt dasselbe, als was er in der menschlichen Seele erscheint? Wenn er in der Wirklichkeitswelt etwas anderes ist, als er in der menschlichen Seele erscheint, dann werden wir bald einsehen, wie nahe es liegt, daß man zu keiner geistigen Anschauung kommt, wenn man bloß den Haß in der menschlichen Seele kennenlernt. Wenn man den Haß mit geisteswissenschaftlichen Methoden aufsucht im Kosmos — jetzt nicht im einzelnen Menschen, in die einzelne Menschenseele spielt er herein, der Haß —, wenn man ihn aufsucht im Kosmos, so ist er da etwas ganz anderes. Man findet dasselbe, was in der Menschenseele als Haß sich verwirklicht, auch draußen im Kosmos. Man muß nur nicht darauf hereinfallen, bloß solche Naturkräfte zu suchen, wie sie die heutige wissenschaftliche Illusion sucht, sondern man muß in die Wirklichkeit hineinschauen, die hinter der Natur ist, dann findet man schon im Kosmos das Entsprechende für den Haß. Aber im Kosmos ist dieser Haß etwas wesentlich anderes, als er in der menschlichen Seele ist. Im Kosmos ist der Haß eine Kraft, ohne welche niemals Individualisierung eintreten könnte. Niemals könnten Sonderwesen entstehen, auch das menschliche Sonderwesen könnte nicht entstehen, wenn es nicht im Kosmos die Kraft des Hasses gäbe. Ich spreche nicht von dem illusionistischen Abstoßen der Atome, sondern ich spreche von etwas Realem. Im Kosmos entsteht Haß, aber im Kosmos darf Haß nicht so moralisch bewertet werden, wie wenn er in die Menschenseele hereinspielt. Im Kosmos ist Haß eine Kraft, welche aller Individualisierung zugrunde liegt. Die ganze Welt würde in eine große Einheit verschwimmeln, so wie es die nebulosen Pantheisten gern haben möchten, es würde sich kein Wesen sondern, es würde sich nicht gliedern, wenn nicht durch den ganzen Kosmos das waltete, was die Menschen zunächst nicht sehen im Kosmos, was aber in die Menschenseele hereinspielt und in der Menschenseele die besondere Form, die man da als Haß kennenlernt, annimmt.

[ 13 ] Gehen wir, um das klarzumachen, was ich hiermit eigentlich meine, von einer im Leben oft auftretenden Tatsache aus: vomHaß, vom Vorhandensein des Hasses. So etwas, wie das Vorhandensein des Hasses in der Menschennatur, will man erklären. Mit einer bloßen Begriffsspielerei versucht man sehr häufig, solche und ähnliche Dinge zu erklären. Der Haß ist da als eine Seelenerscheinung, als eine psychologische Realität. Aber wer sich auf diese Dinge einläßt, findet sehr bald, daß man die ganze Farbe der Erscheinung des Hasses mit gewissen Begriffen, die man sich darüber macht, doch nicht eigentlich einfangen kann. Solche Dinge, wie Haß, kann man nur verstehen, wenn man versucht, von der Illusionswelt zu der wahren Wirklichkeitswelt zu kommen. Der Haß ist etwas, was aus einer tieferen Wirklichkeitswelt in die menschliche Seele hereinspielt. Man muß sich nun fragen: Dieser Haß, ist er in der Wirklichkeitswelt dasselbe, als was er in der menschlichen Seele erscheint? Wenn er in der Wirklichkeitswelt etwas anderes ist, als er in der menschlichen Seele erscheint, dann werden wir bald einsehen, wie nahe es liegt, daß man zu keiner geistigen Anschauung kommt, wenn man bloß den Haß in der menschlichen Seele kennenlernt. Wenn man den Haß mit geisteswissenschaftlichen Methoden aufsucht im Kosmos — jetzt nicht im einzelnen Menschen, in die einzelne Menschenseele spielt er herein, der Haß —, wenn man ihn aufsucht im Kosmos, so ist er da etwas ganz anderes. Man findet dasselbe, was in der Menschenseele als Haß sich verwirklicht, auch draußen im Kosmos. Man muß nur nicht darauf hereinfallen, bloß solche Naturkräfte zu suchen, wie sie die heutige wissenschaftliche Illusion sucht, sondern man muß in die Wirklichkeit hineinschauen, die hinter der Natur ist, dann findet man schon im Kosmos das Entsprechende für den Haß. Aber im Kosmos ist dieser Haß etwas wesentlich anderes, als er in der menschlichen Seele ist. Im Kosmos ist der Haß eine Kraft, ohne welche niemals Individualisierung eintreten könnte. Niemals könnten Sonderwesen entstehen, auch das menschliche Sonderwesen könnte nicht entstehen, wenn es nicht im Kosmos die Kraft des Hasses gäbe. Ich spreche nicht von dem illusionistischen Abstoßen der Atome, sondern ich spreche von etwas Realem. Im Kosmos entsteht Haß, aber im Kosmos darf Haß nicht so moralisch bewertet werden, wie wenn er in die Menschenseele hereinspielt. Im Kosmos ist Haß eine Kraft, welche aller Individualisierung zugrunde liegt. Die ganze Welt würde in eine große Einheit verschwimmeln, so wie es die nebulosen Pantheisten gern haben möchten, es würde sich kein Wesen sondern, es würde sich nicht gliedern, wenn nicht durch den ganzen Kosmos das waltete, was die Menschen zunächst nicht sehen im Kosmos, was aber in die Menschenseele hereinspielt und in der Menschenseele die besondere Form, die man da als Haß kennenlernt, annimmt.

[ 14 ] Nun entsteht allerdings die Frage: Wie ist das Verhältnis des Menschlichen zu diesem Kosmischen? Von einer gewissen Seite her habe ich Ihnen schon etwas darüber angedeutet; wir wollen heute noch einiges Aphoristische dazufügen. Als einsichtige Philologen — heute ist auch die Philologie erstens verabstrahiert, und zweitens ziemlich philiströs geworden —, aber als die einsichtigeren Philologen die Sprachen studierten, welche man bei den sogenannten wilden Menschen in Amerika hatte finden können, als die «Zivilisierten», ich sage das unter Anführungszeichen, in Amerika eingedrungen waren, als also diese Zivilisierten die wilden Amerikaner entdeckt hatten, da fanden die einsichtigeren Philologen, daß es doch merkwürdig sei, was diese wilden Menschen für logisch durchsichtig ausgebildete Sprachen haben! Eine ganze große Anzahl solcher Sprachen fanden sich da, in denen sich, wie die Philologen versichern können und wie es auch wahr ist, die Finessen des Spanischen und Italienischen in der Sprachbildung und Sprachgliederung zusammenfinden. Bei den wilden Eingeborenen Grönlands fand man solche Dinge. Nun ist es ganz zweifellos: jenen Intellekt, auf den der moderne Mensch so stolz ist, den hatten diese Wilden nicht. Dieser moderne Intellekt würde auch nicht sehr weit kommen, wenn er sich auf Sprachbildung und auf Sprachschöpfung einließe; denn was der moderne Intellekt zustande bringt, wenn er sprachschöpferisch auftreten will, davon kann man sich mancherorts hinlänglich überzeugen. Da waltete in der Tat in der Menschenseele, die noch eine wilde war, die noch nicht den gegenwärtigen Intellekt hatte, objektive Vernunft, jene objektive Vernunft, die ich Ihnen auch sonst neulich einmal im Sprachschöpferischen der Menschheit wirksam zeigte. Da waltete Vernunft. Diese Vernunft, die da waltete, die traf den Menschen noch nicht so stark individualisiert, wie die heutige Weltvernunft den Menschen trifft; sie traf den Menschen noch weniger individualisiert, weniger gesondert, und wirkte in ihm noch mehr als kosmische Vernunft. Und so ist es auch in der Entwickelung der Menschheit gekommen. Der Mensch war in jenen alten Zeiten nicht jenes wilde Wesen, von dem die heutige Anthropologie illusionistische Vorstellungen erweckt, sondern er war ein Glied eines Gesamtorganismus — obwohl das natürlich bildlich gesprochen ist — und er individualisierte sich nach und nach. Also er war ein Glied und drückte noch mehr die kosmische Vernunft aus, oder man könnte auch sagen, in ihm drückte sich mehr die kosmische Vernunft aus.

[ 14 ] Nun entsteht allerdings die Frage: Wie ist das Verhältnis des Menschlichen zu diesem Kosmischen? Von einer gewissen Seite her habe ich Ihnen schon etwas darüber angedeutet; wir wollen heute noch einiges Aphoristische dazufügen. Als einsichtige Philologen — heute ist auch die Philologie erstens verabstrahiert, und zweitens ziemlich philiströs geworden —, aber als die einsichtigeren Philologen die Sprachen studierten, welche man bei den sogenannten wilden Menschen in Amerika hatte finden können, als die «Zivilisierten», ich sage das unter Anführungszeichen, in Amerika eingedrungen waren, als also diese Zivilisierten die wilden Amerikaner entdeckt hatten, da fanden die einsichtigeren Philologen, daß es doch merkwürdig sei, was diese wilden Menschen für logisch durchsichtig ausgebildete Sprachen haben! Eine ganze große Anzahl solcher Sprachen fanden sich da, in denen sich, wie die Philologen versichern können und wie es auch wahr ist, die Finessen des Spanischen und Italienischen in der Sprachbildung und Sprachgliederung zusammenfinden. Bei den wilden Eingeborenen Grönlands fand man solche Dinge. Nun ist es ganz zweifellos: jenen Intellekt, auf den der moderne Mensch so stolz ist, den hatten diese Wilden nicht. Dieser moderne Intellekt würde auch nicht sehr weit kommen, wenn er sich auf Sprachbildung und auf Sprachschöpfung einließe; denn was der moderne Intellekt zustande bringt, wenn er sprachschöpferisch auftreten will, davon kann man sich mancherorts hinlänglich überzeugen. Da waltete in der Tat in der Menschenseele, die noch eine wilde war, die noch nicht den gegenwärtigen Intellekt hatte, objektive Vernunft, jene objektive Vernunft, die ich Ihnen auch sonst neulich einmal im Sprachschöpferischen der Menschheit wirksam zeigte. Da waltete Vernunft. Diese Vernunft, die da waltete, die traf den Menschen noch nicht so stark individualisiert, wie die heutige Weltvernunft den Menschen trifft; sie traf den Menschen noch weniger individualisiert, weniger gesondert, und wirkte in ihm noch mehr als kosmische Vernunft. Und so ist es auch in der Entwickelung der Menschheit gekommen. Der Mensch war in jenen alten Zeiten nicht jenes wilde Wesen, von dem die heutige Anthropologie illusionistische Vorstellungen erweckt, sondern er war ein Glied eines Gesamtorganismus — obwohl das natürlich bildlich gesprochen ist — und er individualisierte sich nach und nach. Also er war ein Glied und drückte noch mehr die kosmische Vernunft aus, oder man könnte auch sagen, in ihm drückte sich mehr die kosmische Vernunft aus.

[ 15 ] Da haben Sie eine tatsächliche Andeutung, wie das Kosmische, das da wirkt, hereinspielt in die Menschenseele. Und nun können Sie das auch übertragen auf eine solche Spezialerscheinung wie den kosmischen Haß, der sich in die Menschenseele hereinfindet. Und wir wissen ja, es muß auf geistigem Gebiete ähnlich wie auf natürlichem Gebiete gesprochen werden von gewissen Polaritäten. Wie ist dasjenige hereingekommen, was kosmische Vernunft ist in der Sprache? Heute ist die Menschheit nicht mehr sprachschöpferisch, sie war sprachschöpferisch; was heute in den Sprachen auftritt, sind nur Residuen. Wie ist in die Menschenseele jene kosmische Vernunft hereingedrungen, wie ist sie individuell geworden? Suchen wir uns diese Frage zu beantworten, so kommen wir zu alle dem, was wir das Ahrimanische nennen. Und wie dringt aus dem Kosmischen so etwas herein wie die Erscheinung des Hasses in der Menschenseele? Da kommen wir auf das dem Ahrimanischen polarisch entgegengesetzte Luziferische. Der heutige Mensch schämt sich, von Ahriman und Luzifer zu sprechen, während er sich nicht schämt, von positiver oder negativer Elektrizität oder positivem oder negativem Magnetismus zu reden. Das aber, daß er sich schämt, ist eben nur beruhend auf einem modernen Aberglauben.

[ 15 ] Da haben Sie eine tatsächliche Andeutung, wie das Kosmische, das da wirkt, hereinspielt in die Menschenseele. Und nun können Sie das auch übertragen auf eine solche Spezialerscheinung wie den kosmischen Haß, der sich in die Menschenseele hereinfindet. Und wir wissen ja, es muß auf geistigem Gebiete ähnlich wie auf natürlichem Gebiete gesprochen werden von gewissen Polaritäten. Wie ist dasjenige hereingekommen, was kosmische Vernunft ist in der Sprache? Heute ist die Menschheit nicht mehr sprachschöpferisch, sie war sprachschöpferisch; was heute in den Sprachen auftritt, sind nur Residuen. Wie ist in die Menschenseele jene kosmische Vernunft hereingedrungen, wie ist sie individuell geworden? Suchen wir uns diese Frage zu beantworten, so kommen wir zu alle dem, was wir das Ahrimanische nennen. Und wie dringt aus dem Kosmischen so etwas herein wie die Erscheinung des Hasses in der Menschenseele? Da kommen wir auf das dem Ahrimanischen polarisch entgegengesetzte Luziferische. Der heutige Mensch schämt sich, von Ahriman und Luzifer zu sprechen, während er sich nicht schämt, von positiver oder negativer Elektrizität oder positivem oder negativem Magnetismus zu reden. Das aber, daß er sich schämt, ist eben nur beruhend auf einem modernen Aberglauben.

[ 16 ] Auch wenn wir uns klar sind darüber, daß diese Tatsache vorliegt, daß wirklich geistige Entitäten, geistig Wesenhaftes hereintrat auf der einen Seite als Luziferisches in solchen Gebilden wie dem Haß, oder als Ahrimanisches in solchen Dingen wie der Sprache oder auch dem Denken, so müssen wir auf der andern Seite uns auch darüber klarwerden, wie die Dinge bedeutsam sind im ganzen Weltenzusammenhange, wie das sich in den ganzen Weltenzusammenhang hineinstellt. Wenn ich den Haß so ansehe, daß ich sage, auf ihm beruhen die großen Anfangstatsachen, eben daß es sich individualisieren, absondern kann, daß nicht alles ineinanderschwimmt in einem allgemeinen Urbrei, so deute ich auf das Phänomen, auf die Tatsache des Hasses in ururferner Vergangenheit hin, in jener Vergangenheit, in welcher der Mensch noch nicht in seiner heutigen Form vorhanden war; ich deute auf eine sehr, sehr ferne Vergangenheit hin. Ich gebe Ihnen also gewissermaßen eine Anschauung vom Haß, welche einer fernen, fernen Vergangenheit entspricht, derjenigen Vergangenheit, in der der Mensch sich noch nicht herausgegliedert hat aus der übrigen Weltenordnung. Wir können von den verschiedenen Naturreichen sprechen, von denen wir wissen — Sie brauchen nur meine «Geheimwissenschaft im Umriß» zu lesen —, wie sie sich aufgebaut haben als mineralisches, pflanzliches, tierisches, menschliches Reich. Wir können von diesen Naturreichen sprechen. Wenn wir vollständig, nicht von ihrem Illusorischen, sondern von ihrer Wirklichkeit sprechen, lebt in alldem die Kraft des Hasses darinnen, aber des Hasses so, wie ich ihn Ihnen als kosmischen Haß veranschaulicht habe.

[ 16 ] Auch wenn wir uns klar sind darüber, daß diese Tatsache vorliegt, daß wirklich geistige Entitäten, geistig Wesenhaftes hereintrat auf der einen Seite als Luziferisches in solchen Gebilden wie dem Haß, oder als Ahrimanisches in solchen Dingen wie der Sprache oder auch dem Denken, so müssen wir auf der andern Seite uns auch darüber klarwerden, wie die Dinge bedeutsam sind im ganzen Weltenzusammenhange, wie das sich in den ganzen Weltenzusammenhang hineinstellt. Wenn ich den Haß so ansehe, daß ich sage, auf ihm beruhen die großen Anfangstatsachen, eben daß es sich individualisieren, absondern kann, daß nicht alles ineinanderschwimmt in einem allgemeinen Urbrei, so deute ich auf das Phänomen, auf die Tatsache des Hasses in ururferner Vergangenheit hin, in jener Vergangenheit, in welcher der Mensch noch nicht in seiner heutigen Form vorhanden war; ich deute auf eine sehr, sehr ferne Vergangenheit hin. Ich gebe Ihnen also gewissermaßen eine Anschauung vom Haß, welche einer fernen, fernen Vergangenheit entspricht, derjenigen Vergangenheit, in der der Mensch sich noch nicht herausgegliedert hat aus der übrigen Weltenordnung. Wir können von den verschiedenen Naturreichen sprechen, von denen wir wissen — Sie brauchen nur meine «Geheimwissenschaft im Umriß» zu lesen —, wie sie sich aufgebaut haben als mineralisches, pflanzliches, tierisches, menschliches Reich. Wir können von diesen Naturreichen sprechen. Wenn wir vollständig, nicht von ihrem Illusorischen, sondern von ihrer Wirklichkeit sprechen, lebt in alldem die Kraft des Hasses darinnen, aber des Hasses so, wie ich ihn Ihnen als kosmischen Haß veranschaulicht habe.

[ 17 ] Nun kommt ein Zeitpunkt in der Evolution, wo in die Menschenseele hereinspielt dasjenige, was sonst allgemeine kosmische Tatsache ist; es spielt herein in die Menschenseele durch luziferische, ahrimanische Kräfte: jetzt ist es in der Menschenseele drinnen, jetzt ist es herausgehoben aus dem Kosmischen, wie sich dieses Kosmische aus der Vergangenheit bis jetzt gebildet hat.

[ 17 ] Nun kommt ein Zeitpunkt in der Evolution, wo in die Menschenseele hereinspielt dasjenige, was sonst allgemeine kosmische Tatsache ist; es spielt herein in die Menschenseele durch luziferische, ahrimanische Kräfte: jetzt ist es in der Menschenseele drinnen, jetzt ist es herausgehoben aus dem Kosmischen, wie sich dieses Kosmische aus der Vergangenheit bis jetzt gebildet hat.

Diagram 1Diagram 1

[ 18 ] Nun wissen wir — wenn wir schematisch zeichnen das Kosmische der Vergangenheit bis zum heutigen Zeitpunkt (violett) —, nachdem wir so viel gesprochen haben über das sogenannte Gesetz von der Erhaltung der Kraft oder des Stoffes, das es ja nicht gibt! —, daß gewissermaßen dasjenige, was rein natürlich real in der Gegenwart ist, aufhört bis auf den Stoff hin. Wir wissen: Dasjenige, was heute bloß geistig anschauliche Gegenwart hat, ist Keim auch für das Stoffliche der Zukunft (rot). — Wenn wir die Dinge geistig anschauen, so müssen wir sagen: All dasjenige, was nun Vergangenheitsordnung ist, das ist herausgeflossen aus dem Geistigen. Das Herausgeflossene wird sein Ende finden. Was Zukunftsordnung ist, fließt erst heraus aus dem Geistigen. Es könnte sich niemals zur Naturordnung festsetzen, wenn es Erhaltung der Kraft und des Stoffes gäbe. Aber das ist der stärkste aller Aberglauben, die jemals existiert haben, daß es eine Erhaltung des Stoffes und der Energie gäbe. Das Geistige, das sich heute ankündigt in bloßen Gedanken, das ist ebenso der Keim für die Naturordnung der Zukunft, wie der kleine Pflanzenkeim, der sich in der Pflanze des heurigen Jahres erst ankündigt, der Keim ist für die Pflanze des nächsten Jahres.

[ 18 ] Nun wissen wir — wenn wir schematisch zeichnen das Kosmische der Vergangenheit bis zum heutigen Zeitpunkt (violett) —, nachdem wir so viel gesprochen haben über das sogenannte Gesetz von der Erhaltung der Kraft oder des Stoffes, das es ja nicht gibt! —, daß gewissermaßen dasjenige, was rein natürlich real in der Gegenwart ist, aufhört bis auf den Stoff hin. Wir wissen: Dasjenige, was heute bloß geistig anschauliche Gegenwart hat, ist Keim auch für das Stoffliche der Zukunft (rot). — Wenn wir die Dinge geistig anschauen, so müssen wir sagen: All dasjenige, was nun Vergangenheitsordnung ist, das ist herausgeflossen aus dem Geistigen. Das Herausgeflossene wird sein Ende finden. Was Zukunftsordnung ist, fließt erst heraus aus dem Geistigen. Es könnte sich niemals zur Naturordnung festsetzen, wenn es Erhaltung der Kraft und des Stoffes gäbe. Aber das ist der stärkste aller Aberglauben, die jemals existiert haben, daß es eine Erhaltung des Stoffes und der Energie gäbe. Das Geistige, das sich heute ankündigt in bloßen Gedanken, das ist ebenso der Keim für die Naturordnung der Zukunft, wie der kleine Pflanzenkeim, der sich in der Pflanze des heurigen Jahres erst ankündigt, der Keim ist für die Pflanze des nächsten Jahres.

[ 19 ] Dadurch steht der Mensch selber in einer zwiespältigen Weise in der Weltenordnung drinnen. Und man wird gewiesen auf den Menschen in seiner Zwiespältigkeit, wenn man den ganzen Zusammenhang verstehen will, wenn man vor allen Dingen einen Übergang finden will von dem kosmischen Haß zu dem individuell-seelischen Haß, der in der Menschennatur auftritt. Sie wissen, wenn wir den Menschen so anschauen, wie er heute vor uns steht, so können wir sagen: Vorstellung, Fühlen und Wollen ist sein Wesen. Er gliedert sich uns in vorstellendes, in fühlendes, in wollendes Wesen, die eine Einheit bilden. Aber all das Schöne, das die Philosophie darüber sagt, das kommt ja doch auf keinen grünen Zweig, wenn man nicht auf der andern Seite auch wiederum die Dinge klar und genau unterscheiden kann. Nun werden selbst die etwas begriffsspitzigen Psychologen der Gegenwart darauf aufmerksam, daß man vom Wollen eigentlich nichts Rechtes weiß. Ich habe Ihnen ja das Wesen des Wollens auseinandergelegt; heute genügt es, darauf hinzudeuten, daß auch die Psychologie der Gegenwart sich sagen muß, vom Wollen weiß man nichts Rechtes. Das Wollen wird ja eigentlich auch im wachen Menschenleben seiner Entität, seiner Wesenheit nach verschlafen. Man könnte auch sagen, der Mensch reicht nicht hinunter mit seiner Seele zum Wollen. Er glaubt — ich habe das bei der Besprechung des Augustinus auseinandergesetzt an einer konkreten Tatsache —, er glaubt, dieser Mensch, drinnenzustehen in der Wesenheit selbst, indem er vorstellt; das kann er aber nicht bezüglich des Wollens sagen. Denn wie sich irgendeine gewollte Absicht verknüpft auch nur mit dem komplizierten Mechanismusorgan der Handbewegung oder des Gehens der Beine, davon weiß der Mensch ebensowenig im wachen Leben, wie er weiß von seinem Leibe, wenn er schläft, oder von seiner Umgebung, wenn er schläft. Das Wollen wird eigentlich verschlafen vom gegenwärtigen Menschen. Dringt man nun vor durch die Methode der Geisteswissenschaft vom bloßen Vorstellen zum Wollen, so lernt man aus den Tatsachen heraus, allerdings aus den geistigen Tatsachen heraus, begreifen, wie es kommt, daß der Mensch sein Wollen heute verschläft.

[ 19 ] Dadurch steht der Mensch selber in einer zwiespältigen Weise in der Weltenordnung drinnen. Und man wird gewiesen auf den Menschen in seiner Zwiespältigkeit, wenn man den ganzen Zusammenhang verstehen will, wenn man vor allen Dingen einen Übergang finden will von dem kosmischen Haß zu dem individuell-seelischen Haß, der in der Menschennatur auftritt. Sie wissen, wenn wir den Menschen so anschauen, wie er heute vor uns steht, so können wir sagen: Vorstellung, Fühlen und Wollen ist sein Wesen. Er gliedert sich uns in vorstellendes, in fühlendes, in wollendes Wesen, die eine Einheit bilden. Aber all das Schöne, das die Philosophie darüber sagt, das kommt ja doch auf keinen grünen Zweig, wenn man nicht auf der andern Seite auch wiederum die Dinge klar und genau unterscheiden kann. Nun werden selbst die etwas begriffsspitzigen Psychologen der Gegenwart darauf aufmerksam, daß man vom Wollen eigentlich nichts Rechtes weiß. Ich habe Ihnen ja das Wesen des Wollens auseinandergelegt; heute genügt es, darauf hinzudeuten, daß auch die Psychologie der Gegenwart sich sagen muß, vom Wollen weiß man nichts Rechtes. Das Wollen wird ja eigentlich auch im wachen Menschenleben seiner Entität, seiner Wesenheit nach verschlafen. Man könnte auch sagen, der Mensch reicht nicht hinunter mit seiner Seele zum Wollen. Er glaubt — ich habe das bei der Besprechung des Augustinus auseinandergesetzt an einer konkreten Tatsache —, er glaubt, dieser Mensch, drinnenzustehen in der Wesenheit selbst, indem er vorstellt; das kann er aber nicht bezüglich des Wollens sagen. Denn wie sich irgendeine gewollte Absicht verknüpft auch nur mit dem komplizierten Mechanismusorgan der Handbewegung oder des Gehens der Beine, davon weiß der Mensch ebensowenig im wachen Leben, wie er weiß von seinem Leibe, wenn er schläft, oder von seiner Umgebung, wenn er schläft. Das Wollen wird eigentlich verschlafen vom gegenwärtigen Menschen. Dringt man nun vor durch die Methode der Geisteswissenschaft vom bloßen Vorstellen zum Wollen, so lernt man aus den Tatsachen heraus, allerdings aus den geistigen Tatsachen heraus, begreifen, wie es kommt, daß der Mensch sein Wollen heute verschläft.

[ 20 ] Mit unserem Denken, mit unserem Intellekt als Menschen wären wir eigentlich sehr schlimm daran, wenn nicht der andere Umstand wäre, den ich erwähnt habe, und den ich gleich nachher weiter ausführen werde. Mit unserem Denken wären wir eigentlich sehr schlimm daran, denn unser Denken bleibt im Grunde genommen immer mit Bezug auf unser menschliches Wesen kindlich. Unser Denken erwirbt sich im Laufe unseres Lebens zwischen Geburt und Tod einiges Wissen über die unmittelbare Gegenwart der Welt; über Vergangenheit und Zukunft nichts, oder höchstens etwas in Hypothesen, die aber gleich zerfallen, wenn man sie nur wirklich ernstlich anfaßt. Dieses Denken, das ist eben Zukunftskeim. Und so wenig der Keim in der Pflanze heute etwas ist, was in der Wirklichkeit der Pflanzenwelt schon eine Bedeutung hat, sondern im besten Falle erst im nächsten Jahre haben wird, ebensowenig hat das heutige Denken schon einen Wirklichkeitswert. Es verhält sich zu dem, was es seinem Wirklichkeitswert nach sein kann, so, wie das kleine Kind sich zum Menschen verhält. Das Denken ist eigentlich ganz für die Zukunft angelegt; aber erst das, was so daraus wird, wie aus dem Pflanzenkeim die Pflanze wird, das wird in der Zukunft eine reale Bedeutung haben. Der eigentliche Inhalt, die Substanz des Denkens, hat heute nur einen Keimwert. Steigen wir aber geisteswissenschaftlich ins Wollen hinunter und versuchen wir, das Subjekt des Wollens zu erkennen — Wollen ist ja nur eine Tätigkeit —, aber versuchen wir, das Subjekt unseres eigenen Wollens zu erkennen, dann ist das Wollen etwas, das in sich trägt das Bewußtsein von fernster Vergangenheit, kosmischer Vergangenheit. Sie können niemals mit dem Intellekt, ohne durch Imagination, Inspiration und Intuition sich in das Wollen hineinzustellen, irgend etwas über die Evolution der Welt verstehen; denn nur im menschlichen Wollen, das zu gleicher Zeit den ganzen menschlichen Organismus aufbaut, liegt ein Subjekt, welches, so wie Sie das Gedächtnis in bezug auf Ihr gewöhnliches Leben haben, so das Gedächtnis über die kosmische Vergangenheit hat.

[ 20 ] Mit unserem Denken, mit unserem Intellekt als Menschen wären wir eigentlich sehr schlimm daran, wenn nicht der andere Umstand wäre, den ich erwähnt habe, und den ich gleich nachher weiter ausführen werde. Mit unserem Denken wären wir eigentlich sehr schlimm daran, denn unser Denken bleibt im Grunde genommen immer mit Bezug auf unser menschliches Wesen kindlich. Unser Denken erwirbt sich im Laufe unseres Lebens zwischen Geburt und Tod einiges Wissen über die unmittelbare Gegenwart der Welt; über Vergangenheit und Zukunft nichts, oder höchstens etwas in Hypothesen, die aber gleich zerfallen, wenn man sie nur wirklich ernstlich anfaßt. Dieses Denken, das ist eben Zukunftskeim. Und so wenig der Keim in der Pflanze heute etwas ist, was in der Wirklichkeit der Pflanzenwelt schon eine Bedeutung hat, sondern im besten Falle erst im nächsten Jahre haben wird, ebensowenig hat das heutige Denken schon einen Wirklichkeitswert. Es verhält sich zu dem, was es seinem Wirklichkeitswert nach sein kann, so, wie das kleine Kind sich zum Menschen verhält. Das Denken ist eigentlich ganz für die Zukunft angelegt; aber erst das, was so daraus wird, wie aus dem Pflanzenkeim die Pflanze wird, das wird in der Zukunft eine reale Bedeutung haben. Der eigentliche Inhalt, die Substanz des Denkens, hat heute nur einen Keimwert. Steigen wir aber geisteswissenschaftlich ins Wollen hinunter und versuchen wir, das Subjekt des Wollens zu erkennen — Wollen ist ja nur eine Tätigkeit —, aber versuchen wir, das Subjekt unseres eigenen Wollens zu erkennen, dann ist das Wollen etwas, das in sich trägt das Bewußtsein von fernster Vergangenheit, kosmischer Vergangenheit. Sie können niemals mit dem Intellekt, ohne durch Imagination, Inspiration und Intuition sich in das Wollen hineinzustellen, irgend etwas über die Evolution der Welt verstehen; denn nur im menschlichen Wollen, das zu gleicher Zeit den ganzen menschlichen Organismus aufbaut, liegt ein Subjekt, welches, so wie Sie das Gedächtnis in bezug auf Ihr gewöhnliches Leben haben, so das Gedächtnis über die kosmische Vergangenheit hat.

[ 21 ] Das ist der Unterschied zwischen dem menschlichen Intellekt und dem menschlichen Wollen, daß der menschliche Intellekt höchstens ein Gedächtnis für das persönliche, individuelle Leben entwickelt, daß das Wollen, zu dem der Mensch mit seinem Intellekt nicht hinunterreicht, das Gedächtnis der kosmischen Vergangenheit hat. Der Mensch trägt in sich das Gedächtnis der kosmischen Vergangenheit, aber er kann es zunächst, ohne geisteswissenschaftliche Forschung, mit seinem Intellekt nicht erreichen. So kann man sagen, auf der einen Seite steht der Mensch da als wollendes Wesen, trägt in sich, wenn ich das Gedächtnis nennen darf — es ist nur bildlich gesprochen —, das Gedächtnis der kosmischen Vergangenheit. Er steht da als intelligentes Wesen, trägt in sich als intelligentes Wesen nur die Gegenwart, weil der Intellekt nur Keim ist für die Zukunft, noch nicht etwas Gegenwärtiges. Wie der Pflanzenkeim — ich muß es immer wieder sagen — noch nichts Gegenwärtiges ist, sondern etwas Zukünftiges, so ist der Intellekt im Verhältnis zum Wollen geradeso wie der kleine Pflanzenkeim zu der ganzen Pflanze. Indem wir Wollende sind, stehen wir allerdings als kosmische Menschen durch das Individuelle auf dem Boden der ganzen Vergangenheit; indem wir intelligente Menschen sind, stehen wir in der Gegenwart da und bereiten uns vor, in die Zukunft hinüberzuwachsen.

[ 21 ] Das ist der Unterschied zwischen dem menschlichen Intellekt und dem menschlichen Wollen, daß der menschliche Intellekt höchstens ein Gedächtnis für das persönliche, individuelle Leben entwickelt, daß das Wollen, zu dem der Mensch mit seinem Intellekt nicht hinunterreicht, das Gedächtnis der kosmischen Vergangenheit hat. Der Mensch trägt in sich das Gedächtnis der kosmischen Vergangenheit, aber er kann es zunächst, ohne geisteswissenschaftliche Forschung, mit seinem Intellekt nicht erreichen. So kann man sagen, auf der einen Seite steht der Mensch da als wollendes Wesen, trägt in sich, wenn ich das Gedächtnis nennen darf — es ist nur bildlich gesprochen —, das Gedächtnis der kosmischen Vergangenheit. Er steht da als intelligentes Wesen, trägt in sich als intelligentes Wesen nur die Gegenwart, weil der Intellekt nur Keim ist für die Zukunft, noch nicht etwas Gegenwärtiges. Wie der Pflanzenkeim — ich muß es immer wieder sagen — noch nichts Gegenwärtiges ist, sondern etwas Zukünftiges, so ist der Intellekt im Verhältnis zum Wollen geradeso wie der kleine Pflanzenkeim zu der ganzen Pflanze. Indem wir Wollende sind, stehen wir allerdings als kosmische Menschen durch das Individuelle auf dem Boden der ganzen Vergangenheit; indem wir intelligente Menschen sind, stehen wir in der Gegenwart da und bereiten uns vor, in die Zukunft hinüberzuwachsen.

[ 22 ] So ist eigentlich unser Wollen im Verhältnis zu unserem Intellekt auch zu vergleichen, könnte man sagen, mit einem Greise und einem Kind. Wie sich der Greis zum Kinde verhält, verhält sich, natürlich mit entsprechender Ausdehnung der Zeit, unser wollender Mensch zu unserem denkenden Menschen.

[ 22 ] So ist eigentlich unser Wollen im Verhältnis zu unserem Intellekt auch zu vergleichen, könnte man sagen, mit einem Greise und einem Kind. Wie sich der Greis zum Kinde verhält, verhält sich, natürlich mit entsprechender Ausdehnung der Zeit, unser wollender Mensch zu unserem denkenden Menschen.

[ 23 ] Wodurch wird der Ausgleich geschaffen? Nun wirkt eben herein in unseren denkenden Menschen das, was ich vorhin und oft schon das Ahrimanische genannt habe, die kosmische Vernunft. Würden wir auf uns Menschen angewiesen sein, ohne daß Ahriman wirkte, so wäre es mit unserem Intellekt in der Gegenwart ganz anders bestellt. Die römisch-katholische Kirche könnte furchtbar zufrieden sein mit einer Menschheit, welche nur das Maß des Intellekts hätte, das heute aus der menschlichen Natur herauswächst. Denn dieser Intellekt ist eben im Verhältnis zu dem, wozu der Mensch im gesamten Kosmos veranlagt ist, kindlich, ebenso wie unser Wollen greisenhaft ist.

[ 23 ] Wodurch wird der Ausgleich geschaffen? Nun wirkt eben herein in unseren denkenden Menschen das, was ich vorhin und oft schon das Ahrimanische genannt habe, die kosmische Vernunft. Würden wir auf uns Menschen angewiesen sein, ohne daß Ahriman wirkte, so wäre es mit unserem Intellekt in der Gegenwart ganz anders bestellt. Die römisch-katholische Kirche könnte furchtbar zufrieden sein mit einer Menschheit, welche nur das Maß des Intellekts hätte, das heute aus der menschlichen Natur herauswächst. Denn dieser Intellekt ist eben im Verhältnis zu dem, wozu der Mensch im gesamten Kosmos veranlagt ist, kindlich, ebenso wie unser Wollen greisenhaft ist.

[ 24 ] In unser Denken — und dieses Denken ist ja nicht in der Evolution denkbar ohne die Mitwirkung zum Beispiel des sprachlichen Elementes — wirkt das Ahrimanische herein. In unser Wollen wirkt das Luziferische hinein. Das Ahrimanische, das durchdringt uns, indem es unseren Intellekt, der in der Gesamtevolution heute noch schwächer ist, der ein kindlicher ist, auf eine gewisse Sonnenhöhe hinaufschraubt. Aber es entsteht dadurch auch die Kehrseite: wir haben einen Intellekt, der eigentlich nicht aus uns wächst; wir haben ungefähr einen solchen Intellekt, den man vergleichen könnte nicht mit einer Pflanze, die aus dem Boden wächst und dann den Keim hat, sondern mit einer Pflanze, der eine andere Pflanze aufgesetzt ist, die nicht einen Keim trägt, sondern eine andere Pflanze trägt, und zwar eine weitaus vollkommenere Pflanze.

[ 24 ] In unser Denken — und dieses Denken ist ja nicht in der Evolution denkbar ohne die Mitwirkung zum Beispiel des sprachlichen Elementes — wirkt das Ahrimanische herein. In unser Wollen wirkt das Luziferische hinein. Das Ahrimanische, das durchdringt uns, indem es unseren Intellekt, der in der Gesamtevolution heute noch schwächer ist, der ein kindlicher ist, auf eine gewisse Sonnenhöhe hinaufschraubt. Aber es entsteht dadurch auch die Kehrseite: wir haben einen Intellekt, der eigentlich nicht aus uns wächst; wir haben ungefähr einen solchen Intellekt, den man vergleichen könnte nicht mit einer Pflanze, die aus dem Boden wächst und dann den Keim hat, sondern mit einer Pflanze, der eine andere Pflanze aufgesetzt ist, die nicht einen Keim trägt, sondern eine andere Pflanze trägt, und zwar eine weitaus vollkommenere Pflanze.

[ 25 ] Unser Intellekt ist ahrimanisch geordnet, ahrimanisch durchgliedert. Dadurch hat unser Intellekt für den Menschen etwas Verblendendes. Selbstverständlich stehen wir nicht auf dem Standpunkt, wenn wir Geisteswissenschafter sind, daß wir diesen Intellekt, weil er ahrimanisch ist, nicht gebrauchen sollen; sondern man muß nur illusionsfrei die Dinge anschauen, man muß sich nur klar darüber sein, daß der menschliche Intellekt ein Licht ist, das stark scheint, stärker scheint als dasjenige scheinen könnte, was als Intellekt heute schon aus der Menschennatur herausfließt. Es hat das intellektuelle Prinzip für die Menschennatur etwas Verblendendes, etwas die Dinge für ihn in eine gewisse Sphäre Rückendes, in der er geblendet wird. So wie ein starkes, aufs stärkste blendendes Licht auf die Dinge fallen würde, so ist es, wenn der Mensch selbst mit seinem Intellekt die Dinge beleuchtet. Dadurch macht er sie sich ja eigentlich im wesentlichen zur Illusion.

[ 25 ] Unser Intellekt ist ahrimanisch geordnet, ahrimanisch durchgliedert. Dadurch hat unser Intellekt für den Menschen etwas Verblendendes. Selbstverständlich stehen wir nicht auf dem Standpunkt, wenn wir Geisteswissenschafter sind, daß wir diesen Intellekt, weil er ahrimanisch ist, nicht gebrauchen sollen; sondern man muß nur illusionsfrei die Dinge anschauen, man muß sich nur klar darüber sein, daß der menschliche Intellekt ein Licht ist, das stark scheint, stärker scheint als dasjenige scheinen könnte, was als Intellekt heute schon aus der Menschennatur herausfließt. Es hat das intellektuelle Prinzip für die Menschennatur etwas Verblendendes, etwas die Dinge für ihn in eine gewisse Sphäre Rückendes, in der er geblendet wird. So wie ein starkes, aufs stärkste blendendes Licht auf die Dinge fallen würde, so ist es, wenn der Mensch selbst mit seinem Intellekt die Dinge beleuchtet. Dadurch macht er sie sich ja eigentlich im wesentlichen zur Illusion.

[ 26 ] So wie in unseren Intellekt hereinspielt das Ahrimanische, so spielt herein in unser Wollen, damit es einschläft, damit es richtig einschläft, das Luziferische. Wie unseren keimhaften Intellekt das ahrimanische Prinzip aufhellt, so schläfert ein, lullt ein unser Wollenssubjekt, das eigentlich das Gedächtnis der ganzen Vergangenheit in sich trägt, das Luziferische, so daß der Mensch nichts weiß von dieser Vergangenheit.

[ 26 ] So wie in unseren Intellekt hereinspielt das Ahrimanische, so spielt herein in unser Wollen, damit es einschläft, damit es richtig einschläft, das Luziferische. Wie unseren keimhaften Intellekt das ahrimanische Prinzip aufhellt, so schläfert ein, lullt ein unser Wollenssubjekt, das eigentlich das Gedächtnis der ganzen Vergangenheit in sich trägt, das Luziferische, so daß der Mensch nichts weiß von dieser Vergangenheit.

[ 27 ] Das ist etwas tiefer erfaßt die Grundlage des Dualistischen im Menschen, dieses Dualistischen, das überbrückt werden muß, das aber nicht überbrückt werden kann, wenn man bloß an Theorien sich wendet, sondern das nur überbrückt werden kann, wenn man sich an die Tatsachen selber wendet, an die Tatsachen des geistigen Lebens, wenn man weiß, daß anders urständet unser Intellekt in der Welt als unser Wollen. Mit unserem Intellekt und unserem Wollen ist es so, wie wenn man ein Kind und einen Greis nebeneinanderstellt und sich künstlich täuschen würde, indem man das Abstraktum Mensch aufstellt, das eben ein bloßes Abstraktum ist, und sagt: Das Kind ist ein Mensch, und der Greis ist ein Mensch. — Solche Begriffe liegen ja den heutigen Menschen, indem sie alles durcheinanderwerfen. So auch stellt man heute die Behauptung von der einheitlichen Seele auf und glaubt, die Seele als solche urstände in gleicher Weise mit dem intellektuellen Denken wie mit dem liebenden Wollen, während man in der Weise, wie ich es eben angedeutet habe, wenn man den Menschen wirklich, tatsächlich verstehen will, unterscheiden muß. Das, was wir durch bloßen Intellekt als Weltanschauung denken, kann daher niemals an die Wirklichkeit heran, bleibt Halluzination, weil es herkommt von einem Durchsetztsein unseres Intellekts mit geistiger Wesenheit, welche nicht zu dieser Welt gehört: mit ahrimanischgeistiger Wesenheit, die nicht zu der Weltenordnung gehört, in die wir mit unseren Augen hinausblicken. Ebenso ist es auf der andern Seite in bezug auf das Wollen, das durchsetzt ist mit luziferischer Wesenheit.

[ 27 ] Das ist etwas tiefer erfaßt die Grundlage des Dualistischen im Menschen, dieses Dualistischen, das überbrückt werden muß, das aber nicht überbrückt werden kann, wenn man bloß an Theorien sich wendet, sondern das nur überbrückt werden kann, wenn man sich an die Tatsachen selber wendet, an die Tatsachen des geistigen Lebens, wenn man weiß, daß anders urständet unser Intellekt in der Welt als unser Wollen. Mit unserem Intellekt und unserem Wollen ist es so, wie wenn man ein Kind und einen Greis nebeneinanderstellt und sich künstlich täuschen würde, indem man das Abstraktum Mensch aufstellt, das eben ein bloßes Abstraktum ist, und sagt: Das Kind ist ein Mensch, und der Greis ist ein Mensch. — Solche Begriffe liegen ja den heutigen Menschen, indem sie alles durcheinanderwerfen. So auch stellt man heute die Behauptung von der einheitlichen Seele auf und glaubt, die Seele als solche urstände in gleicher Weise mit dem intellektuellen Denken wie mit dem liebenden Wollen, während man in der Weise, wie ich es eben angedeutet habe, wenn man den Menschen wirklich, tatsächlich verstehen will, unterscheiden muß. Das, was wir durch bloßen Intellekt als Weltanschauung denken, kann daher niemals an die Wirklichkeit heran, bleibt Halluzination, weil es herkommt von einem Durchsetztsein unseres Intellekts mit geistiger Wesenheit, welche nicht zu dieser Welt gehört: mit ahrimanischgeistiger Wesenheit, die nicht zu der Weltenordnung gehört, in die wir mit unseren Augen hinausblicken. Ebenso ist es auf der andern Seite in bezug auf das Wollen, das durchsetzt ist mit luziferischer Wesenheit.

[ 28 ] Diese Dinge hat man immer gefühlt, und so oder so haben sie die Leute ausgesprochen. Wenig wird zum Beispiel bemerkt, daß schon das Alte Testament eine Ahnung wenigstens hat von diesem polarischen Gegensatz des Ahrimanischen und Luziferischen. Ich sage, es wird wenig bemerkt, denn die Menschen lesen so hübsch, wenn sie die Bibel lesen, Kapitel für Kapitel hintereinander, und unterscheiden ja auch da nicht; unterscheiden einen solchen Gegensatz nicht, wie er besteht zwischen dem Buch Hiob und den Büchern Moses. Aber in diesem Gegensatz zwischen den Büchern Moses und dem Buche Hiob liegt schon eine Ahnung jenes polarischen Gegensatzes zwischen Ahrimanischem und Luziferischem, den man auffassen muß. Moses stellt die Frage nach dem Bösen der menschlichen Natur, also nach etwas, wie da — wenn ich so charakterisieren darf — der kosmische Haß, der menschliche Haß so in den Menschen hereinspielt. Nach dem Bösen stellt Moses die Frage. Und er führt dann vor in einem großartigen Bilde den Sündenfall. Wir wissen, daß sich hinter diesem Sündenfall verbirgt das, was wir den Eintritt des Luziferischen in die menschliche Natur nennen. Dann knüpft sich eine gewisse Folgerung, eine gewisse Konsequenz an diese Anschauung des Moses, daß eigentlich von dieser menschlichen Sünde — meinetwillen vormenschlichen Sünde, wenn Ihnen das besser gefällt — alles Unglück und auch der Tod herrührt. So daß man sagen kann, des Moses Anschauung ist: Unglück und Tod sind der Sünde Folge.

[ 28 ] Diese Dinge hat man immer gefühlt, und so oder so haben sie die Leute ausgesprochen. Wenig wird zum Beispiel bemerkt, daß schon das Alte Testament eine Ahnung wenigstens hat von diesem polarischen Gegensatz des Ahrimanischen und Luziferischen. Ich sage, es wird wenig bemerkt, denn die Menschen lesen so hübsch, wenn sie die Bibel lesen, Kapitel für Kapitel hintereinander, und unterscheiden ja auch da nicht; unterscheiden einen solchen Gegensatz nicht, wie er besteht zwischen dem Buch Hiob und den Büchern Moses. Aber in diesem Gegensatz zwischen den Büchern Moses und dem Buche Hiob liegt schon eine Ahnung jenes polarischen Gegensatzes zwischen Ahrimanischem und Luziferischem, den man auffassen muß. Moses stellt die Frage nach dem Bösen der menschlichen Natur, also nach etwas, wie da — wenn ich so charakterisieren darf — der kosmische Haß, der menschliche Haß so in den Menschen hereinspielt. Nach dem Bösen stellt Moses die Frage. Und er führt dann vor in einem großartigen Bilde den Sündenfall. Wir wissen, daß sich hinter diesem Sündenfall verbirgt das, was wir den Eintritt des Luziferischen in die menschliche Natur nennen. Dann knüpft sich eine gewisse Folgerung, eine gewisse Konsequenz an diese Anschauung des Moses, daß eigentlich von dieser menschlichen Sünde — meinetwillen vormenschlichen Sünde, wenn Ihnen das besser gefällt — alles Unglück und auch der Tod herrührt. So daß man sagen kann, des Moses Anschauung ist: Unglück und Tod sind der Sünde Folge.

[ 29 ] Die radikal entgegengesetzte Anschauung ist die des Buches Hiob. Da haben Sie erstens nicht eine Schlange, sondern ein rein geistiges Wesen, ein ahrimanisches Wesen, welches herankommt an das göttliche Wesen selbst. Und da handelt es sich bei Hiob nicht um einen Menschen wie bei Adam, der der Sünde verfallen kann, sondern getade um einen, der «gerecht» sein soll. Und wodurch will denn dieses Wesen, das an den Gott herantritt, erreichen, daß Hiob sündig wird? Dadurch, daß es Unglück über ihn bringt! Es ist genau das Umgekehrte: Dieses Wesen will Unglück bringen über den Hiob, auf daß er sündige. Das Unglück ist schon da, und vom Unglück soll die Sünde kommen. Bei Moses soll das Unglück von der Sünde kommen, im Buch Hiob die Sünde vom Unglück: Dieser Gegensatz wird gefühlt. Schon da spielt ein gewisser geahnter Dualismus hinein. Es ist ein radikaler Gegensatz in der Anschauung zwischen dem mehr heidnischen Buch Hiob und dem voll jüdischen Buche des Moses. Aber wie gesagt, die Dinge werden so hintereinander gelesen, ohne daß man auf sie immer achtet.

[ 29 ] Die radikal entgegengesetzte Anschauung ist die des Buches Hiob. Da haben Sie erstens nicht eine Schlange, sondern ein rein geistiges Wesen, ein ahrimanisches Wesen, welches herankommt an das göttliche Wesen selbst. Und da handelt es sich bei Hiob nicht um einen Menschen wie bei Adam, der der Sünde verfallen kann, sondern getade um einen, der «gerecht» sein soll. Und wodurch will denn dieses Wesen, das an den Gott herantritt, erreichen, daß Hiob sündig wird? Dadurch, daß es Unglück über ihn bringt! Es ist genau das Umgekehrte: Dieses Wesen will Unglück bringen über den Hiob, auf daß er sündige. Das Unglück ist schon da, und vom Unglück soll die Sünde kommen. Bei Moses soll das Unglück von der Sünde kommen, im Buch Hiob die Sünde vom Unglück: Dieser Gegensatz wird gefühlt. Schon da spielt ein gewisser geahnter Dualismus hinein. Es ist ein radikaler Gegensatz in der Anschauung zwischen dem mehr heidnischen Buch Hiob und dem voll jüdischen Buche des Moses. Aber wie gesagt, die Dinge werden so hintereinander gelesen, ohne daß man auf sie immer achtet.

[ 30 ] Heute ist es für die Menschheit ganz unbedingt notwendig, daß nicht jenes blödsinnige «Selbsterkennen», das man oftmals als irgend etwas Begehrenswertes definiert, die Menschen verführe, sondern daß der Mensch wirklich sich selbst erkennen lernt, daß er ebenso sachlich unterscheiden lernt Intellekt und Wille, wie er unterscheiden lernt Wasserstoff und Sauerstoff; sonst kann er über einen gewissen Dualismus nur scheinbar hinauskommen.

[ 30 ] Heute ist es für die Menschheit ganz unbedingt notwendig, daß nicht jenes blödsinnige «Selbsterkennen», das man oftmals als irgend etwas Begehrenswertes definiert, die Menschen verführe, sondern daß der Mensch wirklich sich selbst erkennen lernt, daß er ebenso sachlich unterscheiden lernt Intellekt und Wille, wie er unterscheiden lernt Wasserstoff und Sauerstoff; sonst kann er über einen gewissen Dualismus nur scheinbar hinauskommen.

[ 31 ] Nun aber bereitet sich dasjenige, was in irgendeinem Zeitalter geschieht, immer lange vor. Und studieren kann man doch eigentlich immer nur dasjenige, was besonders signifikant in einem bestimmten Zeitalter hervortritt. Indem wir gründlich dabei zu Werke gehen wollen, die Brücke zu schlagen im Dualismus der Gegenwart, wollen wir vor allen Dingen noch einmal hinschauen einerseits auf das Halluzinatorische des Intellektes, das zusammenhängt mit alldem, was ich geschildert habe, und auf der andern Seite auf das Illusorische der Naturerscheinungen, was wiederum zusammenhängt mit dem, was ich geschildert habe. Dadurch wird der Mensch in eine Art von Seelenzwiespalt im Leben hineingeführt. Es wirkt in ihm, ich möchte sagen zweiströmig, das, wofür er anstreben muß, daß es einströmig wirke. Und die eine Strömung wirkt heute besonders verführerisch: diejenige Strömung, die aus dem Verhältnis hervorgeht, das der Mensch mit seiner Seele zur Naturordnung hat. Der heutige Mensch, der darinnen eine gleichgeartete Wirklichkeit für alle Dinge sieht — der ‚Anatom, wenn ich ein naheliegendes Beispiel wähle, oder der Physiologe —, nimmt heute den menschlichen Leib und unterscheidet nur äußerlich, nicht innerlich, die einzelnen Glieder dieses Leibes. Er legt, möchte ich sagen, das Herz neben die Leber und untersucht beide nur rein äußerlich, nimmt nicht Rücksicht auf die Zeitperspektive, von der ich neulich gesprochen habe; während in der Tat man über die Natur des Herzens sowohl wie der Leber nur einen ordentlichen Aufschluß bekommt, wenn man diese Zeitperspektive berücksichtigt, wenn man zum Beispiel wirklich geisteswissenschaftlich in der Embryologie so vorgeht, daß man zeitlich unterscheiden lernt in der Anlage des Embryonalen die Anlage des Herzens, und ferner, daß man sie nicht einfach nebeneinander und aus Zellen bestehen läßt, was einerseits richtig und andererseits ein Unsinn ist. Denn etwas kann zu gleicher Zeit richtig und ein Unsinn sein, wie wir wissen.

[ 31 ] Nun aber bereitet sich dasjenige, was in irgendeinem Zeitalter geschieht, immer lange vor. Und studieren kann man doch eigentlich immer nur dasjenige, was besonders signifikant in einem bestimmten Zeitalter hervortritt. Indem wir gründlich dabei zu Werke gehen wollen, die Brücke zu schlagen im Dualismus der Gegenwart, wollen wir vor allen Dingen noch einmal hinschauen einerseits auf das Halluzinatorische des Intellektes, das zusammenhängt mit alldem, was ich geschildert habe, und auf der andern Seite auf das Illusorische der Naturerscheinungen, was wiederum zusammenhängt mit dem, was ich geschildert habe. Dadurch wird der Mensch in eine Art von Seelenzwiespalt im Leben hineingeführt. Es wirkt in ihm, ich möchte sagen zweiströmig, das, wofür er anstreben muß, daß es einströmig wirke. Und die eine Strömung wirkt heute besonders verführerisch: diejenige Strömung, die aus dem Verhältnis hervorgeht, das der Mensch mit seiner Seele zur Naturordnung hat. Der heutige Mensch, der darinnen eine gleichgeartete Wirklichkeit für alle Dinge sieht — der ‚Anatom, wenn ich ein naheliegendes Beispiel wähle, oder der Physiologe —, nimmt heute den menschlichen Leib und unterscheidet nur äußerlich, nicht innerlich, die einzelnen Glieder dieses Leibes. Er legt, möchte ich sagen, das Herz neben die Leber und untersucht beide nur rein äußerlich, nimmt nicht Rücksicht auf die Zeitperspektive, von der ich neulich gesprochen habe; während in der Tat man über die Natur des Herzens sowohl wie der Leber nur einen ordentlichen Aufschluß bekommt, wenn man diese Zeitperspektive berücksichtigt, wenn man zum Beispiel wirklich geisteswissenschaftlich in der Embryologie so vorgeht, daß man zeitlich unterscheiden lernt in der Anlage des Embryonalen die Anlage des Herzens, und ferner, daß man sie nicht einfach nebeneinander und aus Zellen bestehen läßt, was einerseits richtig und andererseits ein Unsinn ist. Denn etwas kann zu gleicher Zeit richtig und ein Unsinn sein, wie wir wissen.

[ 32 ] Wie also die heutige Wissenschaftsströmung die Naturordnung sich erklären will, nimmt sie gewissermaßen keine Rücksicht auf dasjenige, was zeitlich auseinanderliegt, stellt es nebeneinander und kommt dadurch zu ihrer Abstraktion. Da ist die Versuchung besonders groß, einfach eines so neben das andere zu stellen: Ursache, Wirkung; Ursache, Wirkung; Ursache, Wirkung — abstrakte illusorische Kausalordnung! Wir wissen aus den Darstellungen, die ich Ihnen hier im vorigen Jahr und auch schon dieses Jahr gegeben habe, daß man so die Natur nicht betrachten kann, daß die Natur nur erklärlich wird, wenn man sie in erster Linie als Abbild betrachtet eines Geistigen. Da kommt man dann zur wahren Metamorphosenlehre, da kommt man zum wirklichen Goetheanismus. Da erscheint einem das Haupt des Menschen als eine Bildung, die abbildet urferne Vergangenheit; da erscheint einem der Extremitätenorganismus als dasjenige, was hinweist auf eine ferne Zukunft. Aber da ist dasjenige, was im einzelnen dasteht, nicht nur nach Ursachen nebeneinander, sondern es ist Imagination, Abbild eines hinter ihm Stehenden. Wir begreifen das menschliche Haupt nicht, wenn wir es nur so begreifen, wie wenn es heraufwüchse aus dem übrigen menschlichen Organismus, während es in Wahrheit gebildet ist aus dem ganzen Kosmos heraus, und auf andere Art aus dem Kosmos heraus, als zum Beispiel der Extremitätenorganismus. In der Physik würde es jeder lächerlich finden, wenn man erklären will, eine Magnetnadel zeige deshalb immer nach Norden, weil sie innerlich die Kraft hat, nach Norden zu zeigen; sondern man erklärt es sich in dem einen Pol und in dem andern Pol daraus, daß der Kosmos, also der Erdenmagnetismus, richtunggebend für die Magnetnadel ist. Nur beim Menschen oder sonst beim Organismus soll alles geradlinig herauswachsen aus ihm selber! Geradeso wie die Magnetnadel aus kosmischen Gründen auf der einen Seite nach Norden, auf der andern Seite nach Süden weist, so weist — jetzt aus zeitlich-kosmischen Gründen — der Mensch mit seinem Haupt nach rückwärts in urferne Vergangenheiten, sogar in Vergangenheiten, in denen sich die Erde selber metamorphosiert hat, und er weist mit seinem Extremitätenorganismus in urferne Zukünfte hin. Er ist zeitlich kosmisch orientiert. Und das wird die Ausbildung der Metamorphosenlehre sein, das ist wirklicher Goetheanismus: das Aufsteigen von der bloßen illusorischen Kausalordnung zu der Auffassung der Natur durch Imagination. Indem man dasjenige, was man vor sich hat, als Bild erkennt von einem andern, erhebt man sich über die bloße Illusion.

[ 32 ] Wie also die heutige Wissenschaftsströmung die Naturordnung sich erklären will, nimmt sie gewissermaßen keine Rücksicht auf dasjenige, was zeitlich auseinanderliegt, stellt es nebeneinander und kommt dadurch zu ihrer Abstraktion. Da ist die Versuchung besonders groß, einfach eines so neben das andere zu stellen: Ursache, Wirkung; Ursache, Wirkung; Ursache, Wirkung — abstrakte illusorische Kausalordnung! Wir wissen aus den Darstellungen, die ich Ihnen hier im vorigen Jahr und auch schon dieses Jahr gegeben habe, daß man so die Natur nicht betrachten kann, daß die Natur nur erklärlich wird, wenn man sie in erster Linie als Abbild betrachtet eines Geistigen. Da kommt man dann zur wahren Metamorphosenlehre, da kommt man zum wirklichen Goetheanismus. Da erscheint einem das Haupt des Menschen als eine Bildung, die abbildet urferne Vergangenheit; da erscheint einem der Extremitätenorganismus als dasjenige, was hinweist auf eine ferne Zukunft. Aber da ist dasjenige, was im einzelnen dasteht, nicht nur nach Ursachen nebeneinander, sondern es ist Imagination, Abbild eines hinter ihm Stehenden. Wir begreifen das menschliche Haupt nicht, wenn wir es nur so begreifen, wie wenn es heraufwüchse aus dem übrigen menschlichen Organismus, während es in Wahrheit gebildet ist aus dem ganzen Kosmos heraus, und auf andere Art aus dem Kosmos heraus, als zum Beispiel der Extremitätenorganismus. In der Physik würde es jeder lächerlich finden, wenn man erklären will, eine Magnetnadel zeige deshalb immer nach Norden, weil sie innerlich die Kraft hat, nach Norden zu zeigen; sondern man erklärt es sich in dem einen Pol und in dem andern Pol daraus, daß der Kosmos, also der Erdenmagnetismus, richtunggebend für die Magnetnadel ist. Nur beim Menschen oder sonst beim Organismus soll alles geradlinig herauswachsen aus ihm selber! Geradeso wie die Magnetnadel aus kosmischen Gründen auf der einen Seite nach Norden, auf der andern Seite nach Süden weist, so weist — jetzt aus zeitlich-kosmischen Gründen — der Mensch mit seinem Haupt nach rückwärts in urferne Vergangenheiten, sogar in Vergangenheiten, in denen sich die Erde selber metamorphosiert hat, und er weist mit seinem Extremitätenorganismus in urferne Zukünfte hin. Er ist zeitlich kosmisch orientiert. Und das wird die Ausbildung der Metamorphosenlehre sein, das ist wirklicher Goetheanismus: das Aufsteigen von der bloßen illusorischen Kausalordnung zu der Auffassung der Natur durch Imagination. Indem man dasjenige, was man vor sich hat, als Bild erkennt von einem andern, erhebt man sich über die bloße Illusion.

[ 33 ] ‚Aber man darf bei der Natur nicht stehenbleiben. Man braucht dann ein Korrelat, man braucht ein Ergänzendes. Derjenige, der so über die Natur redet, würde wiederum zum Phantasten, wenn er bloß die Natur so auffassen würde, und wenn er nicht auch auf der andern Seite erklären würde: Auch das, was neuere Philosophie als Geist der Natur gegenüberstellt, ist Halluzination, auch bei dem darf nicht stehengeblieben werden. Indem dasjenige, was heute lebt, sich langsam entwickelt hat, hat die Menschheit die verschiedensten Stadien durchgemacht, um nach und nach übend aufzurücken, möchte ich sagen, zum Stehen der menschlichen Seele in der Geist-Erfassung.Und da kann man drei Stufen unterscheiden. Wie man sagen kann, daß die Naturauffassung heute noch etwas recht Verworrenes hat, und hinstrebt nach den Stufen der Erkenntnis, die geschildert sind in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als Imagination, Inspiration und Intuition, so kann man sagen, hat sich nach und nach das Menschlich-Seelische intellektuell herausgebildet durch drei Stufen zum wirklichen Stehen im Geiste, zum wirklichen Erfassen im Geiste.

[ 33 ] ‚Aber man darf bei der Natur nicht stehenbleiben. Man braucht dann ein Korrelat, man braucht ein Ergänzendes. Derjenige, der so über die Natur redet, würde wiederum zum Phantasten, wenn er bloß die Natur so auffassen würde, und wenn er nicht auch auf der andern Seite erklären würde: Auch das, was neuere Philosophie als Geist der Natur gegenüberstellt, ist Halluzination, auch bei dem darf nicht stehengeblieben werden. Indem dasjenige, was heute lebt, sich langsam entwickelt hat, hat die Menschheit die verschiedensten Stadien durchgemacht, um nach und nach übend aufzurücken, möchte ich sagen, zum Stehen der menschlichen Seele in der Geist-Erfassung.Und da kann man drei Stufen unterscheiden. Wie man sagen kann, daß die Naturauffassung heute noch etwas recht Verworrenes hat, und hinstrebt nach den Stufen der Erkenntnis, die geschildert sind in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als Imagination, Inspiration und Intuition, so kann man sagen, hat sich nach und nach das Menschlich-Seelische intellektuell herausgebildet durch drei Stufen zum wirklichen Stehen im Geiste, zum wirklichen Erfassen im Geiste.

[ 34 ] Das sind die drei Stufen: Das ahnende Erleben des Geistes, was natürlich etwas Halluzinatorisches ist, weil man den Geist in der Gegenwart nimmt und nicht erkennt, daß er Keim für die Zukunft ist; das ahnende Erleben, das träumerisch-ahnende Erleben des Geistes. Die zweite Stufe ist die prophetische Vision, wo etwa in dem Sinne der alten hebräischen Propheten wirklich in Visionen Zukünftiges erlebt wird, wo also schon drinnen lebt etwas davon, daß der Geist keimhaft ist für die Zukunft. Und die dritte Stufe, die noch wenig verstanden wird sogar, die aber doch etwas Tiefes hat, ist das apokalyptische Anschauen der Welt. Aber alles das sind Vorstufen für das geisteswissenschaftliche Anschauen, das sich auf der andern Seite aber verbinden muß — weil es sonst in der Luft schweben würde, bildlich gesprochen — mit der bildhaften Anschauung über die Natur. Bildhafte Anschauung über die Natur hebt einen hinaus über das Illusorische der Naturwissenschaft. Reales Verhalten gegenüber demjenigen, was durch das Ahnende der Zukunft, durch das visionäre Schauen der Zukunft — prophetisches visionäres Schauen, apokalyptisches Schauen — geht, das hebt uns hinaus über das Halluzinatorische des Geisteslebens.

[ 34 ] Das sind die drei Stufen: Das ahnende Erleben des Geistes, was natürlich etwas Halluzinatorisches ist, weil man den Geist in der Gegenwart nimmt und nicht erkennt, daß er Keim für die Zukunft ist; das ahnende Erleben, das träumerisch-ahnende Erleben des Geistes. Die zweite Stufe ist die prophetische Vision, wo etwa in dem Sinne der alten hebräischen Propheten wirklich in Visionen Zukünftiges erlebt wird, wo also schon drinnen lebt etwas davon, daß der Geist keimhaft ist für die Zukunft. Und die dritte Stufe, die noch wenig verstanden wird sogar, die aber doch etwas Tiefes hat, ist das apokalyptische Anschauen der Welt. Aber alles das sind Vorstufen für das geisteswissenschaftliche Anschauen, das sich auf der andern Seite aber verbinden muß — weil es sonst in der Luft schweben würde, bildlich gesprochen — mit der bildhaften Anschauung über die Natur. Bildhafte Anschauung über die Natur hebt einen hinaus über das Illusorische der Naturwissenschaft. Reales Verhalten gegenüber demjenigen, was durch das Ahnende der Zukunft, durch das visionäre Schauen der Zukunft — prophetisches visionäres Schauen, apokalyptisches Schauen — geht, das hebt uns hinaus über das Halluzinatorische des Geisteslebens.

[ 35 ] Wir dürfen unbedingt nicht — das ist des Menschen Aufgabe in der Gegenwart — den Geist so nehmen, wie ihn die neueren Philosophien nehmen. Wir dürfen die Natur nicht so nehmen, wie sie die naive Naturanschauung oder auch die theoretische Naturwissenschaft der Gegenwart nimmt. Sondern wir müssen gewissermaßen die Verblendung, die wir über die Natur haben, ablegen und erkennen, wie die Natur bloß Bild ist von einem andern, und wir müssen erkennen, wie der Geist, so wie er sich heute der Philosophie darstellt, bloß Schattenbild ist. Dann wird die Brücke geschlagen zwischen der gewöhnlichen Geistanschauung und der gewöhnlichen Naturanschauung.

[ 35 ] Wir dürfen unbedingt nicht — das ist des Menschen Aufgabe in der Gegenwart — den Geist so nehmen, wie ihn die neueren Philosophien nehmen. Wir dürfen die Natur nicht so nehmen, wie sie die naive Naturanschauung oder auch die theoretische Naturwissenschaft der Gegenwart nimmt. Sondern wir müssen gewissermaßen die Verblendung, die wir über die Natur haben, ablegen und erkennen, wie die Natur bloß Bild ist von einem andern, und wir müssen erkennen, wie der Geist, so wie er sich heute der Philosophie darstellt, bloß Schattenbild ist. Dann wird die Brücke geschlagen zwischen der gewöhnlichen Geistanschauung und der gewöhnlichen Naturanschauung.

[ 36 ] Und ein drittes wird bestehen. Niemals kann man durch bloße Diskussionen so etwas überwinden wie den Dualismus, sondern nur dadurch, daß man die Tatsachen ins Auge faßt, aber dann die vollständigen Tatsachen, und zu der Zweiheit ein drittes findet. Daher muß das Symbolum, das dies ausdrückt, eine Trinität ausdrücken. Wir sind natürlich uns heute klar, daß Begriffe wiederum nur so etwas, was oben schwimmt, ausdrücken. Aber man muß Begriffe haben; überschätzt man sie nicht, so richten sie keinen Schaden an. Wir sprechen hier von dem Normalmenschlichen, von dem Luziferischen und dem Ahrimanischen, und stellen das auch dar: es soll Mittelpunktsdarstellung unseres Baues sein. Daß eine Anschauung, die in einer Dreigliedrigkeit verläuft, da sein müsse, das ahnte auch Auguste Comte, indem er jene Trinität aufstellt, von der ich Ihnen neulich gesprochen habe. Diese wahre Trinität, welche Geistanschauung und Naturanschauung umfassen wird und dadurch wirklich den Dualismus überwinden wird, muß die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in sich enthalten. Daher kann man nicht, ohne ernsthaftig einzugehen auf alle Licht- und Schattenseiten des heutigen Naturforschens, des heutigen Geistforschens, auch zu wirklicher anthroposophischer Geisteswissenschaft kommen. Man muß die Dinge schon ernst nehmen. Mit dem bloßen Zusammenwerfen und dem Theorienbilden über das Zusammengeworfene wird dem Ernst der heutigen Zeit gegenüber nichts getan sein.

[ 36 ] Und ein drittes wird bestehen. Niemals kann man durch bloße Diskussionen so etwas überwinden wie den Dualismus, sondern nur dadurch, daß man die Tatsachen ins Auge faßt, aber dann die vollständigen Tatsachen, und zu der Zweiheit ein drittes findet. Daher muß das Symbolum, das dies ausdrückt, eine Trinität ausdrücken. Wir sind natürlich uns heute klar, daß Begriffe wiederum nur so etwas, was oben schwimmt, ausdrücken. Aber man muß Begriffe haben; überschätzt man sie nicht, so richten sie keinen Schaden an. Wir sprechen hier von dem Normalmenschlichen, von dem Luziferischen und dem Ahrimanischen, und stellen das auch dar: es soll Mittelpunktsdarstellung unseres Baues sein. Daß eine Anschauung, die in einer Dreigliedrigkeit verläuft, da sein müsse, das ahnte auch Auguste Comte, indem er jene Trinität aufstellt, von der ich Ihnen neulich gesprochen habe. Diese wahre Trinität, welche Geistanschauung und Naturanschauung umfassen wird und dadurch wirklich den Dualismus überwinden wird, muß die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in sich enthalten. Daher kann man nicht, ohne ernsthaftig einzugehen auf alle Licht- und Schattenseiten des heutigen Naturforschens, des heutigen Geistforschens, auch zu wirklicher anthroposophischer Geisteswissenschaft kommen. Man muß die Dinge schon ernst nehmen. Mit dem bloßen Zusammenwerfen und dem Theorienbilden über das Zusammengeworfene wird dem Ernst der heutigen Zeit gegenüber nichts getan sein.

[ 37 ] Das Leben verläuft nicht in einem Urbrei, sondern verläuft differenziert und individualisiert. Dasjenige, was eine Zukunft anstreben muß, muß von vorneherein differenziert angestrebt werden. Heute ist noch immer die Unart vielfach vorhanden, alles, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, über einen Leisten zu schlagen. Wenn heute einer eine politische Theorie hat, so bildet er ungefähr nach dieser politischen Theorie auch alles andere aus, Weltanschauungen und so weiter. Wenn heute einer philosophische Anschauungen hat, so verwendet er sie auch als Politik und so weiter, schlägt alles über einen Leisten, und zwar über denjenigen gerade, den der Betreffende als seinen Lieblingsleisten handhabt. Das ist so in unserer heutigen Zeit. Das Leben verläuft differenziert. Illusionsfrei ist nur derjenige Mensch, der weiß, wie das Leben differenziert verläuft. Die Zukunft strebt nicht nach einem Urbrei des Lebens, sondern nach einer starken Gliederung: nach dem geistigen Leben als Wissenschaft, einem gewissen inneren Leben, von dem man sich heute noch wenig eine Vorstellung macht, und das man nach den Gepflogenheiten der alten Zeiten ein religiöses Leben nennen kann, und nach dem politischen Leben. Wirft man die Dinge durcheinander, will man das eine nach dem andern regeln, dann verfällt man in solche Fehler, wie die sind, die ich Ihnen im vorigen Jahre, oder gar vor zwei Jahren, hier einmal charakterisiert habe. Denn die Dinge gehen in getrennten Strömungen: Auf der einen Seite das soziale Leben nach dem Sozialismus, auf der andern Seite das religiöse Leben nach der Gedankenfreiheit, und das wissenschaftliche Leben nach der Pneumatologie, nach der Geist-Erkenntnis. Nur in dem lebendigen Zusammenwirken der drei wird die Zukunft eine gewisse Heilkraft für die menschliche Entwickelung haben, nicht ein Paradies auf Erden, das gibt es nicht, aber eine gewisse Heilkraft. Aber gar nicht gut wäre, wenn man etwa das äußere Leben pneumatologisch vorstellte, religiöse Sekten gründen will, diese mit pneumatologischem Leben durchziehen wollte, also Politik treiben würde vom Standpunkte der Pneumatologie. Das würde nichts sein. Ebenso würde es nichts sein, wenn man im alten Sinne in Religionsgemeinschaften Politik treiben würde. So wenig die Hände das verrichten können, was das Haupt des Menschen verrichten kann, so wenig die Beine das verrichten können, so wenig kann Pneumatologie dasjenige leisten, was Sozialismus leisten soll, oder Religion dasjenige leisten, was der Sozialismus leisten soll, oder was Pneumatologie leisten soll. Auf Differenzierung gewisser Dinge, aber jetzt nicht theoretisch bloß, sondern auf Differenzierung im Leben von gewissen Dingen kommt es an. Und das ist dasjenige, womit ich diese Betrachtungen heute schließen und morgen fortsetzen will. Sie sollen ja, wie gesagt, nur aphoristisch sein, sollen einiges Neue beibringen zu den Grundfragen, die uns jetzt beschäftigen.

[ 37 ] Das Leben verläuft nicht in einem Urbrei, sondern verläuft differenziert und individualisiert. Dasjenige, was eine Zukunft anstreben muß, muß von vorneherein differenziert angestrebt werden. Heute ist noch immer die Unart vielfach vorhanden, alles, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, über einen Leisten zu schlagen. Wenn heute einer eine politische Theorie hat, so bildet er ungefähr nach dieser politischen Theorie auch alles andere aus, Weltanschauungen und so weiter. Wenn heute einer philosophische Anschauungen hat, so verwendet er sie auch als Politik und so weiter, schlägt alles über einen Leisten, und zwar über denjenigen gerade, den der Betreffende als seinen Lieblingsleisten handhabt. Das ist so in unserer heutigen Zeit. Das Leben verläuft differenziert. Illusionsfrei ist nur derjenige Mensch, der weiß, wie das Leben differenziert verläuft. Die Zukunft strebt nicht nach einem Urbrei des Lebens, sondern nach einer starken Gliederung: nach dem geistigen Leben als Wissenschaft, einem gewissen inneren Leben, von dem man sich heute noch wenig eine Vorstellung macht, und das man nach den Gepflogenheiten der alten Zeiten ein religiöses Leben nennen kann, und nach dem politischen Leben. Wirft man die Dinge durcheinander, will man das eine nach dem andern regeln, dann verfällt man in solche Fehler, wie die sind, die ich Ihnen im vorigen Jahre, oder gar vor zwei Jahren, hier einmal charakterisiert habe. Denn die Dinge gehen in getrennten Strömungen: Auf der einen Seite das soziale Leben nach dem Sozialismus, auf der andern Seite das religiöse Leben nach der Gedankenfreiheit, und das wissenschaftliche Leben nach der Pneumatologie, nach der Geist-Erkenntnis. Nur in dem lebendigen Zusammenwirken der drei wird die Zukunft eine gewisse Heilkraft für die menschliche Entwickelung haben, nicht ein Paradies auf Erden, das gibt es nicht, aber eine gewisse Heilkraft. Aber gar nicht gut wäre, wenn man etwa das äußere Leben pneumatologisch vorstellte, religiöse Sekten gründen will, diese mit pneumatologischem Leben durchziehen wollte, also Politik treiben würde vom Standpunkte der Pneumatologie. Das würde nichts sein. Ebenso würde es nichts sein, wenn man im alten Sinne in Religionsgemeinschaften Politik treiben würde. So wenig die Hände das verrichten können, was das Haupt des Menschen verrichten kann, so wenig die Beine das verrichten können, so wenig kann Pneumatologie dasjenige leisten, was Sozialismus leisten soll, oder Religion dasjenige leisten, was der Sozialismus leisten soll, oder was Pneumatologie leisten soll. Auf Differenzierung gewisser Dinge, aber jetzt nicht theoretisch bloß, sondern auf Differenzierung im Leben von gewissen Dingen kommt es an. Und das ist dasjenige, womit ich diese Betrachtungen heute schließen und morgen fortsetzen will. Sie sollen ja, wie gesagt, nur aphoristisch sein, sollen einiges Neue beibringen zu den Grundfragen, die uns jetzt beschäftigen.

[ 38 ] [Worte im Anschluß an den Vortrag siehe am Schluß des Bandes bei den «Hinweisen» auf S. 326]

[ 38 ] [Worte im Anschluß an den Vortrag siehe am Schluß des Bandes bei den «Hinweisen» auf S. 326]