The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184
15 September 1918, Dornach
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The Polarity of Duration and Development in Human Life, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Wer das geistig-seelische Leben des Menschen betrachtet, kann mancherlei Vorstellungen nicht brauchen, die insbesondere im gegenwärtigen Leben und in den gegenwärtigen Anschauungen gang und gäbe sind. Eine solche Vorstellung, die nicht brauchbar ist, wenn es sich um das geistig-seelische Leben des Menschen handelt, ist zum Beispiel die Vorstellung vom Entwickeln, die Vorstellung, daß eins aus dem andern, oder ein Zustand aus dem andern, besser gesagt, hervorgehe. Um nicht mißverstanden zu werden, betone ich ausdrücklich, daß ich nicht etwa nun etwas sagen will über die Unbrauchbarkeit einer solchen Vorstellung wie die der Entwickelung. Wir haben gestern zum Beispiel in ausgiebiger Weise von der Vorstellung der Entwickelung Gebrauch gemacht; aber wenn man von dem seelisch-geistigen — nicht von dem seelisch-leiblichen — Leben des Menschen spricht, dann kann man die Vorstellung der Entwickelung nicht brauchen. Wir haben gestern über das seelisch-leibliche Leben gesprochen, wie es verläuft zwischen der Geburt und dem Tode; da brauchten wir die Vorstellung der Entwickelung. Anders liegt die Sache, wenn man von dem geistig-seelischen Leben des Menschen spricht. Da kommen, wenn man wirklichkeitsgemäß spricht, andere Begriffe, andere Ideen in Frage, als zum Beispiel die Idee der Entwickelung.
[ 1 ] Anyone who considers the spiritual and soul life of human beings can do without certain concepts that are particularly commonplace in contemporary life and current views. One such concept that is of no use when dealing with the spiritual and soul life of human beings is, for example, the concept of “development”—the idea that one thing arises from another, or, more precisely, that one state emerges from another. To avoid being misunderstood, I expressly emphasize that I do not intend to say anything here about the uselessness of a concept such as “development.” Yesterday, for example, we made extensive use of the concept of development; but when speaking of the spiritual-soul life—not the soul-physical life—of the human being, then the concept of development is of no use. Yesterday we spoke about the psychological-physical life as it unfolds between birth and death; there we needed the concept of development. The situation is different when one speaks of the spiritual-psychological life of the human being. There, if one speaks in accordance with reality, other concepts and ideas come into play than, for example, the idea of development.
[ 2 ] Das geistig-seelische Leben des Menschen, so wie man es innerhalb der äußeren sinnenfälligen Wirklichkeit kennt, verläuft ja, wie wir wissen, in Denken, Fühlen und Wollen. Nun, wenn man den geistig-seelischen Verlauf des Lebens nach Denken, Fühlen und Wollen wirklichkeitsgemäß verstehen will, dann muß man auf folgendes Rücksicht nehmen. Indem der Mensch im Denken, Fühlen und Wollen lebt, also indem er irgend etwas fühlt und das Gefühlte durch Gedanken zum Ausdruck kommt, oder auch indem er etwas von der äußeren Welt wahrnimmt, das Wahrgenommene dann in Gedanken zum Ausdruck kommt, oder indem der Mensch handelt, seinen Willen also in die Tat umsetzt, kurz, indem er geistig-seelisch sein Leben verlebt, kommen immer Verhältnisse in Betracht, die sich abspielen zwischen geistigen Wesenheiten. Man darf, wenn man das Geistig-Seelische, in dem der Mensch drinnensteht mit seiner Seele, schildern will, nicht davor zurückschrecken, von den Beziehungen zu reden, die zwischen den geistig-seelischen Wesenheiten stattfinden.
[ 2 ] As we know, human spiritual and soul life, as it is experienced within the outer, sensory reality, unfolds through thinking, feeling, and willing. Now, if one wishes to understand the spiritual and psychological course of life in terms of thinking, feeling, and willing in a way that corresponds to reality, then one must take the following into account. As a human being lives through thinking, feeling, and willing—that is, by feeling something and expressing that feeling through thoughts, or by perceiving something from the external world and then expressing that perception in thoughts, or by acting, that is, by putting one’s will into action— in short, by living their life spiritually and psychologically, circumstances always come into play that unfold between spiritual beings. If one wishes to describe the spiritual-psychological realm in which a human being stands with their soul, one must not shy away from speaking of the relationships that take place between spiritual-psychological beings.
[ 3 ] Nehmen wir zum Beispiel an, der Mensch sei mehr denkend. Nun, ganz getrennt sind in der Wirklichkeit niemals die Tätigkeiten Denken, Fühlen und Wollen. Wenn man denkend ist und sich also Gedanken bildet, so waltet schon der Wille, indem man denkt; in dem Prozeß, in dem Vorgang des Denkens waltet der Wille drinnen. Und auch indem man etwas will, indem man etwas ausführt, waltet in dem Gewollten, in dem Ausgeführten der Gedanke darin. Es ist so, daß der Mensch bald mehr denkend ist und weniger wollend, wenn er denkt, wenn er sinnt; daß er mehr wollend ist und weniger denkend, wenn er handelt, oder auch wenn er sich irgendeinem Gefühlserlebnis hingibt. Aber all das, was wir so besprechen, wie ich es jetzt eben getan habe, ist ja nur eine ganz äußerliche Charakteristik der Sache. Will man die Wirklichkeit treffen über diese Dinge, die wir gerade berühren, so muß man ganz, ganz anders sprechen. Da muß man zum Beispiel sein Augenmerk darauf richten: Ich nehme irgend etwas in der Außenwelt wahr; das regt mich an, mir Vorstellungen darüber zu bilden. Ich handele nicht; mein Wollen beschränkt sich auch darauf, meine Körperlichkeit auf die äußere Welt zu richten und die Welt wahrzunehmen, Gedanken aneinanderzureihen. Also ich bin mehr sinnend, wahrnehmend betätigt, das heißt aber in Wirklichkeit: ich versetze mich in eine geistige Region, in welcher gewisse geistige Wesenheiten, die mehr hinneigen zur ahrimanischen Natur, die Oberhand haben. Gewissermaßen stecke ich meinen Kopf, bildlich gesprochen, in eine Region hinein, in welcher Wesenheiten, die mehr ahrimanischer Natur sind, die Oberhand haben. Statt also zu sagen, was nur dem Scheine entspricht: Ich sinne über etwas nach —, müßte ich der Wirklichkeit gemäß sagen: Ich betätige mich in einer geistigen Region, in welcher über andere geistige Wesen, gewissermaßen sie dämpfend, Wesenheiten die Oberhand haben und in diesem Oberhand-Haben ihnen die Waage halten, welche mehr zur ahrimanischen Natur hinneigen.
[ 3 ] Let us assume, for example, that human beings are more inclined to think. Well, in reality, the activities of thinking, feeling, and willing are never completely separate. When one is thinking—and thus forming thoughts—the will is already at work through that very act of thinking; the will is at work within the process, within the act of thinking itself. And likewise, when one wills something or carries out an action, thought is at work within what is willed or carried out. It is the case that a person is more inclined to think and less inclined to will when he is thinking or pondering; that he is more inclined to will and less inclined to think when he is acting, or even when he is giving himself over to some emotional experience. But everything we are discussing in this way, as I have just done, is, after all, only a very superficial characterization of the matter. If one wishes to grasp the reality of these things we are just touching upon, one must speak in a completely, completely different way. One must, for example, focus one’s attention on the following: I perceive something in the external world; this prompts me to form ideas about it. I am not acting; my volition is limited to directing my physical being toward the external world, perceiving the world, and stringing thoughts together. So I am engaged more in contemplation and perception, but in reality this means: I am placing myself in a spiritual region in which certain spiritual beings, who are more inclined toward the Ahrimanic nature, have the upper hand. In a sense, I am sticking my head—figuratively speaking—into a region in which beings of a more Ahrimanic nature have the upper hand. So instead of saying what is merely an appearance—I am pondering something—I would have to say, in accordance with reality: I am active in a spiritual region in which certain beings, who are more inclined toward the Ahrimanic nature, have the upper hand over other spiritual beings—in a sense, suppressing them—and in this dominance, they are counterbalanced by those who are more inclined toward the Ahrimanic nature.
[ 4 ] Solch eine Sache, wenn man sie ausspricht, macht zunächst einen vagen, einen unbestimmten Eindruck. Aber man kann diese Dinge nicht anders aussprechen als vage, denn sie verlaufen eben in der Region des Geistigen, und unsere Sprache ist für das Sinnenfällig-Wirkliche gebildet. Man kann aber solche Dinge bildhaft zum Ausdruck bringen, indem man gewissermaßen den Vorgang aus dem Menschen herausnimmt und ihn mehr ins Kosmische rückt. Deshalb wird die Wissenschaft der Eingeweihten die Tatsache, die man äußerlich dadurch charakterisiert, daß man sagt: Ich sinne über etwas nach, was mich angeregt hat —, bildhaft ausdrücken etwa in der folgenden Weise:
[ 4 ] When one speaks of such a thing, it initially makes a vague, indefinite impression. But one cannot express these things in any other way than vaguely, for they lie precisely in the realm of the spiritual, and our language is designed for the tangible and concrete. However, one can express such things figuratively by, so to speak, taking the process out of the human being and shifting it more into the cosmic realm. Therefore, the science of the initiates will express the fact—which is outwardly characterized by saying, “I am reflecting on something that has inspired me”—figuratively in the following manner, for example:


[ 5 ] Der Mensch lebt — so wie ich es dargestellt habe in diesen Tagen im Bilde der Magnetnadel, die kosmisch nach Norden und Süden weist, also nicht ihre Richtung von innen heraus bestimmt — kosmisch im Kosmos drinnen, und er ist im Kosmos orientiert. Er lebt so, daß wir in einer gewissen Weise seine Orientierung ins Auge fassen, wenn wir sagen: Er ist kosmisch so orientiert, daß, gewissermaßen wechselnd und pendelnd, seine Orientierungsrichtungen nach den Tierkreiszeichen gehen können (siehe Zeichnung, Tierkreis). Er ist wechselnd orientiert nach Widder, Stier, Zwillingen, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische. Er ist aber auch so orientiert, daß zunächst eine hauptsächliche Zuordnung stattfindet, daß er mit dem, was seine Hauptesnatur betrifft, wenn man diese Orientierung des Tierkreises zugrunde legt, nach oben, mit dem, was seine Extremitätennatur betrifft, nach unten orientiert ist. Deshalb kann man sagen: Es besteht schon etwas in dieser Orientierung wie ein Waagebalken, der das Obere von dem Unteren trennt (siehe Zeichnung). Und was würde die kosmische Orientierung des Menschen — wenn wir ihn so betrachten würden, wie ich Sie jetzt mir nicht wünsche —, wenn wir ihn so betrachten würden, daß er weder denkt noch handelt, sondern einfach lässig sich dem allgemeinen Lebensgefühl überläßt, halb schläft und halb wach ist, wenn er weder passiv noch aktiv, sondern passiv-aktiv ist, wenn er so hinlullt im Leben: Da geht natürlich in ihm auch sehr viel vor, nur merkt er nichts davon. Aber wenn wir diesen Zustand charakterisieren wollten — wie gesagt, in welchem ich Sie in diesem Augenblicke nicht wünsche —, dann würden wir sagen, der Waagebalken liegt horizontal (siehe Zeichnung). — Wollten wir aber den Menschen so charakterisieren, daß er in einem Zustand der Seelenverfassung ist, wie ich Sie jetzt mir zum Beispiel wünschen möchte: Sinnend, angeregt und aufnehmend dasjenige, wovon eben die Rede ist, dann müßte man den Waagebalken anders zeichnen, dann müßte man sagen: Alle die Seelen, die hier sitzen, oder wenigstens eine Anzahl von Seelen, die hier sitzen, die versetzen sich in eine Region, wo gewisse Wesenheiten den Waagebalken auf der einen Seite heben. — Im physischen Leben würde man, wenn die Waage in Tätigkeit tritt durch irgendein Übergewicht, sagen: der Waagebalken senkt sich. Wir reden aber jetzt vom Geistigen; da muß man sagen: der Waagebalken hebt sich. Es werden also gewisse Wesenheiten, wenn der Mensch im «Sinnen» ist, in der Region, in die er sich dann versetzt, den Waagebalken heben in der Richtung von der Waage zur Jungfrau hin (siehe Zeichnung, blau); so daß ich dann den Waagebalken so zeichnen muß, daß gewisse Wesenheiten, die zur ahrimanischen Natur neigen, den Waagebalken so heraufheben: Es würde das also der Mensch im Sinnen sein (siehe Zeichnung, Pfeil, blau, Waagebalken von Jungfrau zu Fischen). Man kann also fragen: Was bedeutet es, wenn der Mensch im Sinnen ist? Das bedeutet, daß er seine Lage als Mensch im ganzen Kosmos drinnen so ausnützt, daß er die Kräfte, in denen er schwingt, ausnützt, um in eine kosmische Region hineinzukommen, in welcher dieser Gleichgewichtszustand herrscht. Also Sie denken sich im Sinnen; und indem Sie sich im Sinnen denken, müssen Sie sich denken, daß Ihr — wenn ich jetzt so sagen darf — geistiger Raum, in den Sie sich dann versetzen, drinnensteht in einer Region, wo ein zur Ruhe gekommener Kampf stattfindet: Die Wesenheiten hier links würden die Wesenheiten rechts, und umgekehrt, bekämpfen. Aber indem Sie im Sinnen sind, ist der Kampf nicht da, sondern er ist zur Ruhe gekommen. Doch die Ruhe bedeutet, daß gewisse zur ahrimanischen Wesenheit hinneigende Wesen die Oberhand haben, so wie wenn ein Waagebalken in schiefer Lage zur Ruhe kommt, nicht mehr schwankt, weil etwas hinunterzerrt. Das würde die Wirklichkeit sein, die dem Sinnen, der denkenden Betätigung entspricht.
[ 5 ] Human beings live—as I have described in recent days using the image of the magnetic needle, which points cosmically toward north and south, and thus does not determine its direction from within—cosmically within the cosmos, and they are oriented within the cosmos. They live in such a way that, in a certain sense, we can grasp their orientation when we say: He is cosmically oriented in such a way that, in a sense alternating and oscillating, his directions of orientation can follow the signs of the zodiac (see diagram, zodiac). He is alternately oriented toward Aries, Taurus, Gemini, Cancer, Leo, Virgo, Libra, Scorpio, Sagittarius, Capricorn, Aquarius, and Pisces. But he is also oriented in such a way that a primary alignment takes place: based on this zodiacal orientation, he is oriented upward with regard to his head nature and downward with regard to his limb nature. Therefore, one can say: There is something in this orientation akin to a balance beam that separates the upper from the lower (see drawing). And what would the cosmic orientation of the human being be—if we were to view him in the way I do not wish for you at this moment—if we were to view him as someone who neither thinks nor acts, but simply lets himself drift along with the general mood of life, half asleep and half awake; if he is neither passive nor active, but passively active; if he drifts along like this through life: Of course, a great deal is going on within him, but he is unaware of it. But if we were to characterize this state—as I said, one in which I do not wish you to be at this moment—then we would say that the balance beam lies horizontally (see diagram). — But if we were to characterize a person as being in a state of mind such as I would now like to see you in, for example: pensive, engaged, and receptive to what is currently being discussed, then we would have to draw the balance beam differently; we would have to say: All the souls sitting here—or at least a number of the souls sitting here—place themselves in a region where certain beings lift the balance beam on one side. — In physical life, if the scales were set in motion by some kind of excess weight, one would say: the balance beam lowers. But we are now speaking of the spiritual realm; there one must say: the balance beam rises. Thus, when a person is in the “senses,” certain beings in the region to which the person then transports themselves will lift the scale beam in the direction from Libra toward Virgo (see drawing, blue); so that I must then draw the scale beam in such a way that certain beings, who are inclined toward the Ahrimanic nature, lift the scale beam as follows: This, then, would be the human being in the state of “thinking” (see drawing, arrow, blue, balance beam from Virgo to Pisces). One might therefore ask: What does it mean for a human being to be in the realm of the senses? It means that they make use of their position as a human being within the entire cosmos in such a way that they utilize the forces in which they vibrate to enter a cosmic region in which this state of equilibrium prevails. So you think of yourself as being in a state of contemplation; and as you think of yourself in this way, you must imagine that your—if I may put it this way—spiritual space, into which you then place yourself, is situated within a region where a struggle that has come to rest is taking place: the beings on the left would be fighting the beings on the right, and vice versa. But as long as you are in the act of thinking, the struggle is not present; rather, it has come to rest. Yet this stillness means that certain beings inclined toward the Ahrimanic entity have the upper hand, just as when a balance beam comes to rest in a tilted position and no longer sways because something is pulling it down. That would be the reality corresponding to the act of thinking.
[ 6 ] Dasjenige, was der Mensch im gewöhnlichen sinnenfälligen Dasein Denken nennt, das ist nur ein Majagebilde, das ist nur eine Illusion. Dasjenige, was Denken in Wirklichkeit ist, müssen Sie kosmisch so schildern, daß Sie nach der ganzen Lage des Menschen, wie er dann im Kosmos drinnensteht, fragen. Und diese Lage des Menschen, wie er im Kosmos drinnensteht, die Ihnen Antwort gibt, was gewisse Wesenheiten der geistigen Welt tun, die antwortet Ihnen auch darauf, was denkende Betätigung, was Sinnen ist. Also es ist im Grunde genommen eine Illusion, wenn wir das Denken so schildern, wie wir es im gewöhnlichen Leben schildern. Wir müßten, wenn wir es der Wirklichkeit gemäß schildern wollten, sagen: Wir befinden uns in einer solchen Region, in der in unserem Denkraum die Gedanken dadurch zustande kommen, daß gewisse zum Ahrimanischen hinneigende Wesenheiten die Waagschale gehoben haben auf der einen Seite. Das ist der wirkliche Vorgang.
[ 6 ] What human beings call “thinking” in their ordinary, sensory existence is merely a figment of the mind; it is nothing but an illusion. To describe what thinking really is in cosmic terms, you must consider the entire situation of the human being as he stands within the cosmos. And this position of the human being—how he stands within the cosmos—provides you with the answer to what certain beings of the spiritual world do; it also answers the question of what thinking activity is, and what the senses are. So, fundamentally speaking, it is an illusion when we describe thinking the way we do in ordinary life. If we wanted to describe it in accordance with reality, we would have to say: We find ourselves in a region where, within our sphere of thought, thoughts arise because certain beings inclined toward the Ahrimanic have tipped the scales to one side. That is the actual process.
[ 7 ] Betrachten wir einen anderen Vorgang im menschlichen GeistSeelenleben: Daß wir handeln, nicht toben, sondern handeln, daß also unsere Handlungen von Absichten, das heißt, von Gedanken durchzogen sind. So wie man das im gewöhnlichen Leben beschreibt, es sich im gewöhnlichen Leben vorstellt, ist es wiederum eine bloße Illusion. Denn auch wenn wir handelnd sind, versetzen wir uns in eine gewisse kosmische Region. Da ist es aber jetzt so, daß in dieser kosmischen Region gewisse Wesenheiten, welche zum luziferischen Wesen hinneigen, die Waagschale in dem andern Sinne zum Steigen bringen, so daß wir dann den kosmischen Waagebalken so zu zeichnen haben (siehe Zeichnung, rot), und die Richtung, in welcher von der ruhigen Lage abweichend diese Wesenheiten den Waagebalken heben, würde durch diesen Pfeil angedeutet werden. Wir sind, indem wir mit Absicht, also wollend, wirklich wollend handeln, dann in einer gewissen Region des Kosmos orientiert, in welcher der Waagebalken von gewissen luziferischen Wesenheiten so gehalten wird. Nur ist es jetzt so, daß die Ruhe vorangegangen ist, und eben, indem wir uns in die Region des Handelns versetzen, fangen diese luziferischen Wesenheiten an, den Waagebalken erzittern zu machen; wir versetzen uns dann in eine Art von Kampf, der im Kosmos stattfindet. Die luziferischen Wesenheiten fangen an, gegen ahrimanische Wesenheiten zu kämpfen, und in der labilen Lage, in dem Schwanken des Waagebalkens drückt sich der Kampf aus, der in unserem Wollen sich wirklich abspielt zwischen ahrimanischen und luziferischen Wesenheiten. Das also, was wir im gewöhnlichen Sprechen und im gewöhnlichen Vorstellen als Wollen schildern, das ist nur eine Maja, das ist nur die äußere Illusion. Wir sprechen richtig von dem Wollen, wenn wir sagen: Als wollende Menschen sind wir in einer Region, in welcher eine Hebung stattgefunden hat des Weltenwaagebalkens durch die luziferischen Wesenheiten (siehe Zeichnung, von Stier zu Skorpion gehend); aber diese Hebung, die hat stattgefunden ohne uns. Wir versetzen uns in eine solche Region, wo eine solche Hebung ohne uns stattgefunden hat. Wir suchen eine solche Region auf, und gerade solch eine Region, wo die Ruhe beginnt in Bewegung überzugehen, wo die Ruhe beginnt, in ein rhythmisches Spiel überzugehen.
[ 7 ] Let us consider another process in the life of the human mind and soul: the fact that we act—not in a frenzied manner, but deliberately—that is, that our actions are permeated by intentions, or thoughts. The way this is described and imagined in everyday life is, once again, a mere illusion. For even when we are acting, we place ourselves in a certain cosmic region. But in this cosmic region, certain beings who are inclined toward the Luciferic being cause the scale to tip in the opposite direction, so that we must then depict the cosmic balance beam as shown (see drawing, red), and the direction in which these beings lift the balance beam—deviating from the state of rest—would be indicated by this arrow. When we act intentionally—that is, willingly, truly willingly—we are then oriented toward a certain region of the cosmos in which the balance beam is held in this way by certain Luciferic beings. However, the situation is now such that a state of equilibrium has preceded this, and precisely as we place ourselves in the realm of action, these Luciferic beings begin to make the balance beam tremble; we then find ourselves in a kind of struggle taking place in the cosmos. The Luciferic beings begin to fight against Ahrimanic beings, and the struggle—which actually takes place within our will between Ahrimanic and Luciferic beings—is expressed in the unstable state, in the wavering of the scales. So what we describe in ordinary speech and in our ordinary imagination as “will” is merely a maya; it is merely an outer illusion. We speak correctly of the will when we say: As willing human beings, we are in a region in which a lifting of the world’s scales has taken place through the Luciferic beings (see diagram, moving from Taurus to Scorpio); but this lifting has taken place without us. We place ourselves in such a region where such a lifting has taken place without us. We seek out such a region—and precisely such a region—where stillness begins to give way to movement, where stillness begins to give way to a rhythmic interplay.
[ 8 ] Ich habe in dem ersten unserer Mysteriendramen angedeutet — dort mußte es natürlich im dramatischen Bilde angedeutet werden —, daß wir uns nicht vorstellen sollen, es ginge, wenn der Mensch seelisch-geistig etwas denkt oder fühlt, nur in ihm etwas vor, sondern Weltenkräfte werden da bewegt. Und bildhaft ist das in dem einen szenischen Bilde so ausgedrückt, daß, während Capesius und Strader sich in einer gewissen Weise verhalten, große kosmische Vorgänge vor sich gehen. Die gehen wirklich vor, wenn auch nicht in der sinnlichen, sondern in der übersinnlichen Welt; in der sinnlichen Welt kann man sie eben nur so versinnlichen, wie es dort in dem Drama versinnlicht ist. Das ist aber dort im Drama ganz deutlich ausgesprochen, daß das Verhalten des Menschen hier, wie wir es schildern, eigentlich nur ein Abglanz ist der Wirklichkeit; daß im Kosmos Bedeutsames vorgeht, wenn der Mensch in seiner Seele das kleinste will oder denkt. Wir können niemals in unserer Seele etwas wollen oder denken, ohne daß wir uns in Regionen versetzen, in denen geistige Kämpfe stattfinden oder geistige Kämpfe zur Ruhe kommen, oder geistige Kämpfe schon ausgefochten worden sind und wir uns in das Ergebnis des Ausfechtens versetzen und so weiter.
[ 8 ] In the first of our Mystery Dramas, I hinted—and of course it had to be hinted at through dramatic imagery—that we should not imagine that when a human being thinks or feels something on a soul-spiritual level, it is merely a process taking place within them; rather, cosmic forces are set in motion. And this is expressed figuratively in a single scene in such a way that, while Capesius and Strader behave in a certain way, great cosmic processes are taking place. These processes are truly taking place, albeit not in the sensory world but in the supersensory world; in the sensory world, they can only be sensed in the way they are depicted in the drama. But this is made quite clear in the drama: that human behavior here, as we describe it, is actually only a reflection of reality; that significant events take place in the cosmos whenever a person wills or thinks even the smallest thing in their soul. We can never will or think anything in our soul without transporting ourselves into realms where spiritual struggles are taking place, or where spiritual struggles are coming to a rest, or where spiritual struggles have already been fought out and we find ourselves in the aftermath of that struggle, and so on.
[ 9 ] Das, was ich Ihnen jetzt geschildert habe, das ist im menschlichen seelisch-geistigen Wesen vorhanden. Nur ist es verborgen vor dem Leben, das der Mensch zwischen Geburt und Tod verlebt; aber es ist die Wahrheit im Geistigen. Ich habe in anderem Zusammenhange in diesen Tagen davon gesprochen, daß der Mensch, indem er mehr intellektualistisch sich zur Welt verhält, wie es in der modernen Welt Sitte ist, eigentlich in Halluzinationen lebt. Im Grunde sind die Vorstellungen, die wir uns bilden über unser Denken, Fühlen und Wollen, Halluzinationen, und die Wirklichkeit, die dahintersteckt, die ist jene, die wir auf diese Weise bildlich veranschaulichen können. In Wirklichkeit steckt hinter unseren geistig-seelischen Vorgängen das eben Geschilderte; es offenbart sich für den Menschen im Abglanz so, daß es ihm erscheint als Denken, Fühlen und Wollen. Und sobald wir den Menschen betrachten, wie er geistig-seelisch ist, findet der Begriff der Entwickelung, der Evolution, keine Anwendung. Es wäre ein völliger Unsinn, wenn man davon sprechen würde, daß zum Beispiel der Mensch erst in einem gewissen Lebensalter sinnig wird, vorher mehr einer tobenden Willensnatur hingegeben ist, und daß sich das eine aus dem andern entwickle. In der geistigen Region entwickelt sich in dieser Weise nichts, sondern wir können nur sagen, wenn wir beim Kinde sehen, daß es anders vorstellt, fühlt und will als der Greis, so ist das Kind eben versetzt in eine andere geistige Region, wo die Kämpfe zwischen den verschiedenen Wesenheiten sich anders abspielen. In dieser geistigen Region findet eine solche Entwickelung nicht statt wie diejenige, von der wir gestern gesprochen haben. In dieser geistigen Region verstehen wir das Vergangene nur, wenn wir sagen, das Kampfbild, das Beziehungsbild, das Bild von denWechselverhältnissen der Wesenheiten, die wir hinter den höheren Hierarchien suchen, dieses Bild ist ein anderes als das Bild, das wir in dem Wechselspiel der Hierarchien haben, wenn wir von der Gegenwart reden. Und wiederum kommt ein anderes Bild heraus, wenn wir von der Zukunft reden. Wir sehen andere Bilder in dem Verhältnisse zwischen den verschiedenen Wesenheiten der Hierarchien an, je nachdem wir Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ansehen. Und ein Unding wäre es, zu sagen, das Kampfesbild der Zukunft entwickle sich aus dem Kampfesbild der Vergangenheit. Diese Dinge sind in der Region des Geistigen in einer gewissen Beziehung nebeneinander, nicht nacheinander. Daher kann auch nicht von Entwickelung gesprochen werden, sondern nur von einer geistigen Perspektive, worauf ich Sie in anderem Zusammenhange schon aufmerksam gemacht habe. So daß man sagen kann: Wenn wir den Menschen als geistig-seelisches Wesen betrachten, so hat es keinen Sinn, von ihm zu sagen, daß er erst Kind ist, Zahnwechsel durchmacht, daß er dann geschlechtsreif wird und dergleichen. Das, was in der Region des Leiblich-Seelischen als Evolution, als Entwickelung erscheint, das ist gebunden an ein GeistigSeelisches, in dem von Entwickelung nicht gesprochen werden kann, sondern nur von dem Übergehen, im Wechselverhältnis zwischen den Wesen der höheren Hierarchien, von einem Bilde zu einem andern, in diesem Wechselverhältnis also zwischen den Wesen der höheren Hierarchien.
[ 9 ] What I have just described to you is present in the human soul and spirit. It is simply hidden from the life that a person lives between birth and death; but it is the truth in the spiritual realm. I have spoken about this in another context in recent days: that by approaching the world in a more intellectualistic way—as is customary in the modern world—human beings are actually living in a state of hallucination. Essentially, the ideas we form about our thinking, feeling, and willing are hallucinations, and the reality that lies behind them is the one we can illustrate in this way. In reality, what has just been described lies behind our mental and soul processes; it reveals itself to human beings in a reflected form such that it appears to them as thinking, feeling, and willing. And as soon as we consider human beings in terms of their mental and soul nature, the concept of development—of evolution—no longer applies. It would be utter nonsense to say, for example, that a human being only becomes capable of meaningful thought at a certain age, that before that he is more given over to a raging will, and that one develops out of the other. Nothing develops in this way in the spiritual realm; rather, we can only say that when we observe a child thinking, feeling, and willing differently from an elderly person, the child is simply situated in a different spiritual realm, where the struggles between the various beings unfold differently. In this spiritual realm, development does not take place in the same way as the kind we spoke of yesterday. In this spiritual region, we understand the past only when we say that the picture of struggle, the picture of relationships, the picture of the interrelationships among the beings we seek behind the higher hierarchies—this picture is different from the picture we have in the interplay of the hierarchies when we speak of the present. And yet another picture emerges when we speak of the future. We perceive different images in the relationships between the various beings of the hierarchies, depending on whether we are considering the past, the present, or the future. And it would be absurd to say that the image of struggle in the future develops from the image of struggle in the past. In the spiritual realm, these things coexist in a certain relationship, not one after the other. Therefore, one cannot speak of “development” here, but only of a spiritual perspective—a point I have already brought to your attention in another context. So one can say: When we regard the human being as a spiritual-soul being, it makes no sense to say of him that he is first a child, goes through the change of teeth, then reaches sexual maturity, and so on. What appears as evolution or development in the physical-soul realm is bound to a spiritual-soul realm in which one cannot speak of development, but only of a transition—in the interplay between the beings of the higher hierarchies—from one form to another; that is, in this interplay between the beings of the higher hierarchies.
[ 10 ] Sie bekommen kein wirkliches Verständnis von dem Verhältnis des Zeitlichen zum Ewigen, wenn Sie das nicht in Betracht ziehen, was ich im Zusammenhange von gestern zu heute auseinandergesetzt habe. Denn in dem Zusammenhange von gestern zu heute habe ich auseinandergesetzt, wie der Mensch als leiblich-seelisches Wesen in der Entwickelung der Zeit so drinnensteht, daß er sogar erst als Greis dasjenige verstehen kann, was sich in ihm abspielt, während er Kind ist: da haben wir es voll zu tun mit dem Begriff der Entwickelung. Wir müssen jedoch anerkennen, daß der Mensch als geistig-seelisches Wesen gar nicht in einer Entwickelung drinnensteht, daß der Begriff der Zeit in der Form, wie wir ihn im äußeren sinnenfälligen Leben kennen, gar nicht anwendbar ist, wenn wir vom geistig-seelischen Wesen des Menschen sprechen, daß wir fehlgehen, wenn wir die Zeit hineintragen in die Sphäre der höheren Hierarchien. In der Sphäre der höheren Hierarchien dauert alles. Da verlaufen die Dinge nicht in der Zeit, da haben wir es nur zu tun mit Perspektiven, in denen wir die Kämpfe und Wechselverhältnisse zu sehen haben. Der Zeitbegriff ist nicht anwendbar auf die Wechselverhältnisse in den höheren Hierarchien, und wir treiben nur eine Verbildlichung des Wesens der höheren Hierarchien, wenn wir den Zeitbegriff anwenden. Daher können Sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» verfolgen, wie vorsichtig ich andeute, daß dasjenige natürlich zeitlich im Bilde dargestellt werden muß, namentlich wo ich von der Saturn- und Sonnenzeit rede, wo das so geschildert wird, daß ich eigentlich sehr scharf darauf aufmerksam mache, daß der Zeitbegriff nur bildhaft auf dasjenige angewendet wird, was der Sonnenzeit vorangegangen ist, und noch auf die halbe Sonnenzeit selbst. Sie können das in meiner «Geheimwissenschaft» nachlesen. Solche scheinbar nebensächlichen Bemerkungen in diesem Buche aus der Geisteswissenschaft sind von allerhöchster Wichtigkeit, denn gerade in dieser nebensächlichen Bemerkung liegt die Grundlage für das Verständnis des Unterschiedes zwischen Zeitlich-Vergänglichem und Ewig-Dauerndem.
[ 10 ] You will not gain a true understanding of the relationship between the temporal and the eternal unless you take into account what I explained in the context of yesterday and today. For in that context—from yesterday to today—I explained how human beings, as physical-soul beings, are so deeply embedded in the course of time that they can only understand, even as elderly people, what is taking place within them while they are children: here we are fully dealing with the concept of development. We must, however, acknowledge that human beings, as spiritual-soul beings, are not subject to any kind of development at all; that the concept of time, in the form in which we know it in external, sensory life, is not applicable at all when we speak of the spiritual-soul nature of human beings; and that we are mistaken if we introduce the concept of time into the sphere of the higher hierarchies. In the sphere of the higher hierarchies, everything endures. There, things do not unfold in time; there we are dealing only with perspectives through which we must view the struggles and interrelationships. The concept of time is not applicable to the interrelationships in the higher hierarchies, and we are merely creating a misrepresentation of the nature of the higher hierarchies when we apply the concept of time. Therefore, in my *Outline of Esoteric Science*, you can see how carefully I indicate that certain things must naturally be depicted in terms of time—namely, when I speak of Saturn time and solar time—where this is described in such a way that I actually draw very sharp attention to the fact that the concept of time is applied only figuratively to what preceded solar time, and also to half of solar time itself. You can read about this in my *Secret Science*. Such seemingly incidental remarks in this book on spiritual science are of the utmost importance, for it is precisely in this incidental remark that the foundation lies for understanding the difference between the temporal and transitory and the eternal and enduring.
[ 11 ] Wenn Sie das ins Auge fassen, was ich jetzt eben gesagt habe, dann können Sie sagen, ich hätte gestern versucht, Ihnen das Menschenwesen zu schildern rein in der Zeit, und es spielte der Zeitbegriff in der gestrigen Schilderung des Menschenwesens eine sehr, sehr erhebliche Rolle, eine solche Rolle, daß es ja von der Zeit abhängt, ob man ein gewisses Begreifen hat, nämlich von der Zeit, die man durchlebt hat bis zur Greisenhaftigkeit, oder die man noch nicht durchlebt hat, bei der man sich noch in der Kindhaftigkeit befindet. Alles das, was wir gestern auseinandersetzten, war im strengsten Sinne auf den Zeitbegriff gebaut. Da haben wir im Lichte des Geistigen geschildert, was leiblich-seelisch dem Menschenwesen zugrunde liegt. Heute habe ich dasjenige geschildert, was geistig-seelisch dem Menschen zugrunde liegt. Und das kann nur geschildert werden, wenn man es in der Region der Dauer schildert, wenn man es so schildert, daß man — was ja schwierig ist — doch darauf führt, daß auf diese Region, in der wir sind als geistig-seelischer Mensch, der Zeitbegriff gar keine Anwendung hat.
[ 11 ] If you consider what I have just said, you might say that yesterday I tried to describe the human being to you purely in terms of time, and the concept of time played a very, very significant role in yesterday’s description of the human being—such a significant role, in fact, that it depends on time whether one has a certain understanding, namely, on the time one has lived through up to old age, or the time one has not yet lived through, when one is still in a childlike state. Everything we discussed yesterday was, in the strictest sense, based on the concept of time. There, in the light of the spiritual, we described what underlies the human being physically and psychically. Today I have described what underlies the human being spiritually and psychically. And this can only be described if one describes it in the realm of duration, if one describes it in such a way that—though this is difficult—it ultimately leads to the realization that the concept of time does not apply at all to this realm in which we exist as spiritual and psychic human beings.
[ 12 ] Wir sind also tatsächlich in dieser Beziehung ein zwiespältiges Wesen, und indem wir uns durch das Leben hindurch entwickeln, entwickeln wir uns so, daß wir ruhig und in Geduld auf der einen Seite abwarten müssen, bis unser leiblich-seelisches Wesen reif wird, irgend etwas zu verstehen. Auf der andern Seite stehen wir fortwährend ohne Entwickelung in der Region der Dauer darinnen, wo wir gewissermaßen nur einmal in der Kindheit auf einen Ort in der Region der Dauer blicken, während der Greisenhaftigkeit auf einen andern Ort in der Region der Dauer blicken. Hier auf der Erde ist der Mensch so lebend, daß dasjenige, was sich in der Region der Dauer abspielt, herunterstrahlt in das andere, was sich in der Region der Zeit abspielt; die beiden vermischen sich miteinander.
[ 12 ] We are, in fact, ambivalent beings in this regard, and as we develop throughout our lives, we evolve in such a way that, on the one hand, we must wait calmly and patiently until our physical and spiritual nature matures enough to understand anything. On the other hand, we remain constantly, without development, in the realm of eternity, where, so to speak, we gaze only once in childhood at one point in the realm of eternity, and during old age at another point in the realm of eternity. Here on Earth, human beings live in such a way that what takes place in the realm of eternity radiates down into what takes place in the realm of time; the two intermingle.
[ 13 ] Die Wissenschaft des Eingeweihten hat die Aufgabe, dasjenige, was sich vermischt, auseinanderzuhalten, denn nur im Auseinanderhalten kann es verständlich werden. Die Wissenschaft der Eingeweihten hat immer dasjenige, was in der Region der Dauer ist, das Obere, dasjenige, was in der Region des Vergänglichen ist, das Untere genannt. Aber indem der Mensch hier auf der Erde lebt, ist er für seine Anschauung eine Vermischung des Oberen und des Unteren, und er kann niemals zu irgendeinem Verständnisse seines eigenen Wesens kommen, wenn er dasjenige anschaut, was sich hier vermischt hat; er kann nur zu einem Verständnisse seines Wesens kommen, wenn er die beiden Dinge, die sich vermischen, auseinanderzuhalten versteht. Daher werden Sie es begreiflich finden, daß gegenüber dem Aspekte, den das Erdenleben gibt, Sie im normalen Bewußtsein nicht festhalten können, daß die Dinge so sind, wie ich sie gestern geschildert habe; auch können Sie mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht festhalten, daß die Dinge so sind, wie ich sie heute geschildert habe. Und derjenige, der nur auf das gewöhnliche Bewußtsein bauen will, der kann sagen: Du hast uns ja gestern über den Menschen etwas geschildert, was wir nicht sehen, was gar nicht Wirklichkeit ist, denn der Mensch entwickelt sich nicht so, wie du es gestern geschildert hast; mancher ist in der Jugend schon sehr reif — und so weiter. Das ist aber eine Einwendung vom Standpunkte der Täuschung aus. Die Wirklichkeit ist so, wie ich sie Ihnen gestern und heute geschildert habe, und der Mensch verfällt in der Gegenwart in den Dualismus, weil er das Untere nicht so flüssig sieht, wie ich es gestern dargestellt habe. Der Eingeweihte muß dem Starren, welches das Untere hat, die Starrheit nehmen und es in Fluß bringen. Die gewöhnliche Anschauung sieht den Menschen an, der vor einem steht; der Eingeweihte muß den Vorgang betrachten, der sich abspielt zwischen Geburt und Tod: er muß den Menschen im Flusse sehen.
[ 13 ] The science of the initiate has the task of distinguishing between that which is mixed together, for only through such distinction can it become understandable. The science of the initiate has always referred to that which is in the realm of the enduring as the “higher,” and that which is in the realm of the transitory as the “lower.” But because human beings live here on Earth, their perception is a mixture of the Upper and the Lower, and they can never arrive at any understanding of their own nature by observing what has become mixed here; they can only arrive at an understanding of their nature if they know how to distinguish between the two things that are mixed together. Therefore, you will find it understandable that, in light of the aspect presented by earthly life, you cannot, in normal consciousness, hold fast to the view that things are as I described them yesterday; nor can you, with ordinary consciousness, hold fast to the view that things are as I have described them today. And anyone who wishes to rely solely on ordinary consciousness might say: “You described something about human beings yesterday that we do not see, that is not reality at all, for human beings do not develop the way you described yesterday; some are already very mature in their youth—and so on.” But this is an objection based on the perspective of illusion. Reality is as I have described it to you yesterday and today, and human beings in the present day fall into dualism because they do not perceive the lower realm as fluidly as I depicted it yesterday. The initiate must remove the rigidity inherent in the lower realm and set it in motion. The ordinary observer looks at the person standing before him; the initiate must observe the process that unfolds between birth and death: he must see the human being in a state of flux.
[ 14 ] Und wiederum, indem der Eingeweihte Denken, Fühlen und Wollen betrachtet, das im Flusse ist, muß er den Fluß zum Stillstand bringen, und er muß dasjenige, was dadurch, daß es an den Leib gebunden ist, scheinbar in der Zeit verläuft, in der Region der Dauer schauen, in der Region des Nebeneinander, aber des geistigen Nebeneinander. Die Menschen streben ja nach der Wissenschaft der Eingeweihten, und sie geben auch äußerlich gern zu: Die Umwelt, so wie sie der Mensch beobachtet, die sinnenfällige Umwelt ist eine Maja, eine große Täuschung, eine Illusion. Aber wenn es auf den Ernst ankommt, dann gehen die Menschen doch nicht darauf ein, sondern möchten sowohl die obere Region wie die untere Region mit dem Majabegriff schildern. Man soll hübsch schematisierte Zeichnungen geben, die ganz nach dem Muster der Majavorstellungen gemacht sind, und soll damit in die geistige Welt hinauf- oder hinunterrücken, über oder unter das Bewußtsein. Die Menschen sagen einem: Ja, du schilderst ja nicht so, daß ich begreifen kann. — Aber hinter diesem: Du schilderst ja nicht so, daß ich begreifen kann —, steht nur das: Du forderst mich auf, zu andern Ideen und Vorstellungen zu kommen, als diejenigen sind, die in der Maja sind; du forderst mich auf, zu Vorstellungen zu kommen, die in der Region des Wirklichen sind.
[ 14 ] And again, as the initiate observes thinking, feeling, and willing in their flow, he must bring that flow to a standstill, and he must perceive that which, because it is bound to the body, appears to unfold in time, within the realm of duration, within the realm of coexistence—but of spiritual coexistence. People do indeed strive for the science of the initiates, and they are also happy to admit outwardly: The environment as observed by human beings—the sensory environment—is a Maya, a great deception, an illusion. But when it comes down to it, people do not really engage with this; rather, they wish to describe both the higher region and the lower region using the concept of Maya. One is expected to provide neatly schematized drawings, made entirely according to the pattern of Maya concepts, and to use them to move up or down into the spiritual world, above or below consciousness. People say to you: “Yes, but you’re not describing it in a way I can understand.” — But behind this—“You’re not describing it in a way I can understand”—lies only this: “You are urging me to arrive at ideas and concepts other than those found in Maya; you are urging me to arrive at concepts that lie in the realm of the real.”
[ 15 ] Es kann auch einen andern Einwand geben. Es kann jemand sagen: Ja, was geht mich schließlich das alles an, was da im Unteren vorgeht! Wenn nur der Zeitbegriff im Ernst auf die menschliche Entwickelung angewendet wird, oder wenn man hinblickt auf die Region der Dauer im Leben, kommt man ja ganz gut aus. — So können die Menschen sagen, wenn man in der Maja stehenbleibt, wenn man sich die Begriffe bildet, die gekommen sind von dem Vermischten, und in der Maja stehenbleibt. Ja, zur Not leben, schlafend leben können Sie ja noch, indem Sie nur in der Region der Dauer bleiben. Aber erstens: Sie können mit diesen Begriffen, die Sie sich hier bilden — und wenn sie noch so scharfsinnige Begriffe wären, wenn sie noch so sehr vor den Gelehrten der Gegenwart bestehen könnten —, Sie können mit diesen Begriffen zur Not, aber auch nur zur Not, leben, aber Sie können mit diesen Begriffen nicht sterben. Sterben kann niemand mit diesen Begriffen, die hier gebildet werden. Und da, sobald man dieses Geheimnis streift, beginnt der große Ernst der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis. Diejenigen Begriffe, die gebildet werden ohne die Wissenschaft der Eingeweihten, diese Vorstellungen, die führen nach dem Tode in eine unrechtmäßige, ahrimanische Region. Sie kommen nicht in die Region des Menschlichen, für die sie eigentlich vorbestimmt sind, wenn Sie es verschmähen, Begriffe zu bilden, wie sie die Wissenschaft der Eingeweihten gibt.
[ 15 ] There may also be another objection. Someone might say: Well, what does all that going on down there have to do with me, anyway! As long as the concept of time is seriously applied to human development, or if one looks at the realm of duration in life, one gets by just fine. — People can say this if they remain in Maya, if they form concepts derived from the mixed realm and remain in Maya. Yes, if need be, you can still live—live in a state of slumber—by simply remaining in the realm of duration. But first of all: With these concepts that you form here—and no matter how astute they may be, no matter how well they might stand up to the scholars of the present—you can live with these concepts if you must, but only if you must; yet you cannot die with these concepts. No one can die with these concepts that are formed here. And as soon as one touches upon this mystery, the great seriousness of spiritual scientific knowledge begins. Those concepts that are formed without the science of the initiates—these ideas—lead after death into an illegitimate, Ahrimanic region. They do not enter the region of the human, for which they are actually destined, if you spurn the formation of concepts as provided by the science of the initiates.
[ 16 ] In früheren Zeiten haben höhere geistige Wesenheiten den atavistisch hellseherisch veranlagten Menschen auf übersinnlichem Wege die Begriffe der Einweihung gelehrt. Daher war — und zwar im wesentlichen bis zum Jahre 333 nach dem Mysterium von Golgatha — für die Menschen eine Art übersinnlicher Unterricht vorhanden, der sie nicht nur geeignet machte zum Leben, sondern auch zum Sterben. Seit diesem Zeitpunkte ist die Notwendigkeit eingetreten, daß der Mensch hier auf der Erde durch seine Anstrengungen, durch sein Begreifen sich zubereitet die Seele, die in der richtigen Weise durch die Pforte des Todes gehen kann. Vor der Wissenschaft der Eingeweihten gibt es nicht leicht einen frivoleren Ausspruch als denjenigen, der da besagt: Man könnte ja warten, bis man eintritt in die Region nach dem Tode, um zu sehen, was es da gibt. — Die Wissenschaft der Eingeweihten sagt einem: Wer also wartet, der versündigt sich gegen das Leben. — Denn Sie würden furchtbar erschrecken, wenn Ihnen irgendein Eingeweihter — per impossibile — schildern würde, was Sie für Mißgeburten wären, wenn Sie dieselbe Gesinnung Ihr Leben hindurch zwischen dem Tod und dieser Geburt gehabt hätten, wenn Sie sich da zwischen dem Tod und dieser Geburt hindurch gesagt hätten: Ich warte ab, bis ich auf die Erde hingeboren werde; da werde ich ja sehen, wie das Wesen ist, das dann mit Fleisch überzogen ist, das im Blute lebt. — Da können Sie durch den allerdings wohltätigen Einfluß nicht absehen davon, sich zuzubereiten diejenigen Kräfte, die Sie vor dem Geborenwerden als Mißgeburt bewahren. Da behüten Sie höhere Wesenheiten. Dieses geistige Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt — so sagen die Wesen, die drüben lehren —, das ist nicht bloß da für unsere Region, das ist da, auf daß in der rechtmäßigen Weise vorbereitet werde die Region des Unteren, damit nicht Mißgeburten dort entstehen, sondern wirklich edelgebildete Menschen entstehen.
[ 16 ] In earlier times, higher spiritual beings taught the concepts of initiation to people with atavistic clairvoyant dispositions through supersensory means. Therefore—essentially until the year 333 after the Mystery of Golgotha—a kind of supersensory instruction was available to human beings, which prepared them not only for life but also for death. Since that time, it has become necessary for human beings here on Earth to prepare their souls—through their own efforts and understanding—so that they may pass through the gate of death in the proper way. In the science of the initiates, there is scarcely a more frivolous statement than the one that says: “One could simply wait until one enters the realm beyond death to see what is there.”—The science of the initiates tells us: Whoever waits in this way sins against life. — For you would be terribly frightened if some initiate — per impossibile — were to describe to you what monstrosities you would be had you held the same attitude throughout your life between death and this birth, had you said to yourself between death and this birth: I will wait until I am born onto the earth; then I will see what the being is like that is then clothed in flesh, that lives in blood. — Then, even through the admittedly beneficial influence, you cannot avoid preparing yourself with those forces that will protect you from being born as a monstrosity. There, higher beings protect you. This spiritual life between death and a new birth—so say the beings who teach on the other side—is not merely for our region; it exists so that the lower region may be prepared in the proper way, so that no deformities arise there, but rather truly nobly formed human beings come into being.
[ 17 ] Aber auch das Leben hier auf der Erde ist nicht allein für die Erde da, sondern es ist da, daß der Mensch auch sterben kann in der richtigen menschlichen Weise. Es muß der Mensch sich hier durch das Aufnehmen von Begriffen der höheren Region seine untere Natur so zubereiten, daß er nicht in eine ahrimanische Region eintritt, die eine unberechtigte ist. Natürlich gibt es auch berechtigte ahrimanische Regionen, aber diese wäre eine unberechtigte, die nicht seinem Menschtum entsprechen würde. Das ist das erste.
[ 17 ] But life here on Earth, too, is not meant solely for the Earth; rather, it exists so that human beings may also die in a truly human way. By taking in concepts from the higher region, human beings must prepare their lower nature here in such a way that they do not enter an Ahrimanic region, which is an unjustified one. Of course, there are also legitimate Ahrimanic regions, but this would be an illegitimate one that would not correspond to their humanity. That is the first point.
[ 18 ] Das zweite aber ist dieses, daß Sie zur Not als einzelner Mensch leben können — aber man lebt ja nicht in der Wirklichkeit als einzelner Mensch —, wenn Sie von der Region der Dauer absehen, aber Sie können nicht innerhalb der menschlichen sozialen Ordnung leben. Die menschliche soziale Ordnung ist gelenkt und geleitet von den Wesenheiten der höheren Hierarchien. Und wenn Sie auch nur die geringfügigste Beziehung eingehen von Mensch zu Mensch — und unser ganzes Leben besteht in Beziehungen zwischen Mensch und Mensch — und es fließt dasjenige, was in diese Beziehungen hineinströmt, nicht aus dem Bewußtsein des Drinnenstehens in der geistigen Region, der Region der Dauer, dann verderben Sie das soziale Zusammensein, dann wirken Sie mit an den katastrophalen Erscheinungen, an den Erscheinungen der Zerstörung, der Vernichtung auf dem Erdball. Und eine soziale oder politische Anschauung, welche nicht vom Geistigen ausgehen würde, wirkt vernichtend, zerstörerisch. Lebendig auf das Werdende wirkt nur eine Anschauung, welche mit der Region der Dauer rechnet im politischen, im sozialen, überhaupt im menschlichen Zusammenleben. Das ist die große, ernste Wahrheit, welche durch die Wissenschaft der Eingeweihten immer mehr und mehr an die Menschen herantreten muß. Und die Zeichen der Zeit sprechen heute so, daß eben die Zeit abgelaufen ist, in welcher wie bis zum Jahre 333 höhere Wesenheiten übersinnlichen Unterricht erteilten, an dem der Mensch nicht bewußt teilzunehmen brauchte, weil ihm dieser Unterricht zum großen Teil im Schlafe oder im Dämmerzustand erteilt worden ist. Jetzt muß der Mensch das, was er so zu erhalten notwendig hat, als Mensch unter Menschen erfahren. Da muß der Mensch jenen Hochmut einfach ablegen, der ihn veranlaßt zu sagen, daß er sich immer die eigene Überzeugung bilden könne. In der Region der Vergänglichkeit muß er etwas begreifen, wie: daß der alte Mensch dem jungen etwas zu sagen hat, was eben nur der alte Mensch dem jungen sagen kann. Und wenn man schon das begreift, warum sollte nicht auch begriffen werden, daß es eben eine Wissenschaft der Eingeweihten gibt, die man von Mensch zu Mensch aufnimmt. Das ist ja auch ein Ferment des sozialen Lebens, wie es sich in die Zukunft hinein entwickeln muß, daß der Mensch dasjenige, was er in irgendeinem Zeitpunkt — wenn wir jetzt von der Region der Zeit sprechen — nicht selbst erkennen kann, von seinen Mitmenschen aufnimmt. Und ich habe Ihnen gestern ja gesagt: Es ist durch die Entwickelung in der Zeit die Sache so eingerichtet, daß man nicht auf bloßen Autoritätsglauben hin die Dinge aufzunehmen braucht, sondern daß man in dem, was man sich als Vorstellung bildet, schon eine Art von Überzeugung, die auch aus dem eigenen Inneren quillt, haben kann. — Ich habe das in einer ganzen Reihe meiner Bücher betont, daß auf dem Boden der Geisteswissenschaft der Autoritätsglaube nicht blühen soll. Aber das muß sicher sein für alle diejenigen, die wirklich auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen: Man ist nicht eingeweiht dadurch, daß man einfach sich im Sinne der heutigen Zeit wie der Hahn auf den Mist stellt und von seiner eigenen Überzeugung zu krähen beginnt in jedem beliebigen Lebensalter! Damit kann man alle möglichen Programme, von denen man glaubt, daß sie die Welt beherrschen können, aufstellen, aber niemals eine Wissenschaft liefern, welche in das Leben und Walten der Welt wirklich hineinläuft. Immer mehr und mehr wird für das Leben und Walten der Welt die Wissenschaft der Eingeweihten eben notwendig sein.
[ 18 ] The second point, however, is this: you can, if necessary, live as an individual—though in reality, of course, no one lives as an individual—if you disregard the realm of permanence; but you cannot live within the human social order. The human social order is guided and directed by the beings of the higher hierarchies. And if you enter into even the slightest relationship from person to person—and our entire life consists of relationships between people—and what flows into these relationships does not spring from the awareness of being immersed in the spiritual realm, the region of permanence—then you corrupt social coexistence; then you contribute to the catastrophic phenomena, to the phenomena of destruction and annihilation on the globe. And a social or political view that does not originate in the spiritual has a devastating, destructive effect. Only a view that takes the realm of permanence into account—in political, social, and indeed all human coexistence—has a living effect on what is to come. This is the great, solemn truth that must be brought ever more closely to people through the science of the Initiates. And the signs of the times today indicate that the era in which, up until the year 333, higher beings imparted supersensible instruction—in which human beings did not need to participate consciously, because this instruction was largely imparted to them during sleep or in a twilight state—has now come to an end. Now human beings must experience, as human beings among human beings, what they need to receive in this way. They must simply cast off that arrogance that leads them to say that they can always form their own convictions. In the realm of transience, they must grasp, for example, that the older person has something to say to the younger one—something that only the older person can say to the younger one. And once one understands this, why should one not also understand that there is indeed a science of the initiated, which is received from person to person? This is, after all, a catalyst for social life as it must develop into the future: that human beings receive from their fellow human beings that which they cannot recognize for themselves at any given moment—if we are now speaking of the realm of time. And as I told you yesterday: Through the course of development over time, things have been arranged in such a way that one need not accept things merely on the basis of blind faith in authority, but that in the ideas one forms, one can already have a kind of conviction that also springs from within oneself. — I have emphasized this in a whole series of my books: belief in authority should not flourish on the foundation of spiritual science. But this must be clear to all those who truly stand on the foundation of spiritual science: one is not initiated simply by standing, in the spirit of the present age, like a rooster on a dung heap and beginning to crow one’s own convictions at any age! With that approach, one can devise all manner of programs that one believes can rule the world, but one can never provide a science that truly permeates the life and workings of the world. More and more, the science of the initiated will be necessary for the life and workings of the world.
[ 19 ] Gab es in alten Zeiten die Initiation wie ein Denken, das den Menschen gegeben war, gegen die Zukunft hin müssen sich die Menschen zu dem, was durch Initiation in die Welt kommt, mit ihrem vollen eigenen Willen hinwenden. Da widersprechen auch mancherlei Wünsche, unterbewußte Wünsche. Denn nicht leicht kann der Mensch den großen Ernst aufbringen, der nötig ist, um sich in all das, was mit dem Gesagten gefordert ist, in der richtigen Art hineinzuleben.
[ 19 ] While in ancient times initiation existed as a way of thinking that was given to human beings, as we look toward the future, people must turn toward what comes into the world through initiation with their full, independent will. Various desires—including subconscious ones—stand in the way of this. For it is not easy for a person to muster the great seriousness required to truly immerse themselves in all that is demanded by what has been said.
[ 20 ] Es wird einem eigentlich recht schwer, der heutigen Menschheit schon zu sagen, wie sehr sie guten Willens sein muß, weil sie diesen guten Willen oftmals für einen herzlosen Willen hält. Wer so recht eindringt in den Sinn der Geisteswissenschaft, der weiß, daß es, der Zukunft entgegenrückend, keinen anderen Weg gibt, sich Seelensubstanz zu schaffen, die in der richtigen Weise durch die Pforte des Todes gehen kann, die in der richtigen Weise in das soziale Leben der Menschheit sich hineinstellen kann, als das Studium der Geisteswissenschaft, der Einweihung. Man kann sich hineinleben, dann kommt der Kontragedanke: Da steht einer drinnen in diesem Leben und hat Menschen, die er aus irgendwelchem Grunde liebt, und die nichts wissen wollen von dieser großen Anforderung unserer Zeit, von dem SichHinwenden zum spirituellen Leben. Da entsteht der Wunsch in ihm, daß doch auch diese Menschen selig werden sollen, und es kommt ihm herzlos vor, wenn demgegenüber die volle Wahrheit betont wird. Aber derjenige, der auf diesem Gebiete guten Willens ist, der weiß, daß es nicht wirklich guten Willens ist, wenn man die Augen zumacht und sagt: Na ja, die wollen zwar nichts wissen von dem spirituellen Leben, aber sie können auch ohne das selig werden —, sondern wenn man sagt: Es muß eben alle Anstrengung gemacht werden, damit das spirituelle Leben auf die Erde komme. — In dem Positiven liegt dasjenige, was anzustreben ist, gar nicht so sehr in dem Nachgehen den Gedanken, die so innig mit Wünschen zusammenhängen, den Gedanken, wie es nun mit denen steht, die nichts wissen wollen vom spirituellen Leben, sondern in der gutwilligen Hingabe an das spirituelle Leben, in dem Versuch, dieses spirituelle Leben in die Welt hineinzutragen, um die Menschen, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, zur Seligkeit zu bringen.
[ 20 ] It is actually quite difficult to tell humanity today just how much goodwill it must have, because it often mistakes this goodwill for a heartless will. Anyone who truly delves into the essence of spiritual science knows that, as we look toward the future, there is no other way to create a soul substance capable of passing through the gate of death in the right way—and of entering into the social life of humanity in the right way—than through the study of spiritual science and initiation. One can immerse oneself in this, and then the counter-thought arises: There is someone living this life who has people he loves for whatever reason, and who want nothing to do with this great demand of our time—the turning toward spiritual life. A desire arises within him that these people, too, should find salvation, and it seems heartless to him when, in contrast, the full truth is emphasized. But the one who is of good will in this area knows that it is not truly good will to close one’s eyes and say, “Well, they may not want to know anything about spiritual life, but they can still find salvation without it”—rather, it is good will to say: Every effort must be made so that spiritual life may come to earth. — In the positive sense, what we should strive for lies not so much in pursuing thoughts that are so intimately connected with desires, thoughts about the situation of those who want nothing to do with the spiritual life, but rather in the willing devotion to the spiritual life, in the attempt to carry this spiritual life out into the world in order to bring people—if I may use the expression—to bliss.
[ 21 ] Hinter dem, was oftmals «liebevoll» genannt wird, steckt nicht nur Oberflächlichkeit, sondern es steckt auch ein Verkennen der wahren Verhältnisse. Und derjenige, der heute aus der Wissenschaft des Eingeweihten heraus spricht, der spricht nicht etwa nur, um ein theoretisches Erkennen an die Menschenseele heranzubringen, sondern er spricht aus dem warmen Herzen heraus, aus Liebe zur Menschheit, weil er weiß, wie sehr die Zeichen der Zeit dafür sprechen, daß die nächste große Aufgabe die ist, dieses spirituelle Leben an die Menschenseele heranzubringen und in das Leben der Menschen so hineinzuwirken, daß dieses spirituelle Leben an die Menschenseele herankommt. Dazu ist es natürlich notwendig, in einer gewissen mutvollen Art sich der Entwickelung der Menschheit in der Zeit gegenüberzustellen. Die Anschauungen vom Oberen und vom Unteren, die heute herauskommen müssen, die klar durchschaut werden müssen, die müssen auch möglichst an die Menschenseele herangebracht werden.
[ 21 ] Behind what is often “affectionately” called […], there lies not only superficiality, but also a misunderstanding of the true circumstances. And the one who speaks today from the science of the initiate does not speak merely to bring theoretical knowledge to the human soul, but speaks from a warm heart, out of love for humanity, because he knows how strongly the signs of the times point to the fact that the next great task is to bring this spiritual life to the human soul and to work into people’s lives in such a way that this spiritual life reaches the human soul. To this end, it is of course necessary to face the development of humanity over time with a certain courage. The views of the Higher and the Lower—which must come to light today and must be clearly understood—must also be brought as close as possible to the human soul.
[ 22 ] Wenn Sie das Leben so überschauen, wie es heute vorurteilsvoll illusionistisch überschaut wird, ja, da sprechen Sie nicht von dem Ganzen vom Leben, da sprechen Sie eigentlich nur von einem sehr geringen Teile des Lebens. Ich habe die Probe darauf gemacht. Ich kenne zum Beispiel die verschiedenen Goethe-Biographien, die existieren. Was in diesen Goethe-Biographien steht, gewiß, es gibt Aufschluß über mancherlei, was Goethe getan und getrieben und gedacht und vorgestellt hat zwischen seiner Geburt und seinem Tode. Aber sobald diese Goethe-Seele durch die Pforte des Todes getreten ist, hat das, was in Biographien von dem Standpunkte der gegenwärtigen illusionistischen Weltanschauung aus geschildert wird, nicht die allergeringste Bedeutung für die Region, in welche die Menschenseele eintritt nach dem Tode, und die eine andere Mischung bildet zwischen der Region der Dauer und der Region der Vergänglichkeit. Denn auch diese ist ja vergänglich: der Mensch tritt wieder durch eine neue Geburt ins Dasein. Für diejenige Region, in die der Mensch eintritt durch die Pforte des Todes, kann man mit alledem, was man durch die illusionistische Weltanschauung erkundet, durch die illusionistische Biographie, die das Leben zwischen Geburt und Tod verzeichnet, nichts anfangen. Da entscheidet allein die Frage: Wie hat die Seele zum Kosmos gesprochen? — Was ein Mensch seinen Mitmenschen mitgeteilt hat, und wären es die schönsten Dinge hier auf Erden gewesen, das ist nicht zum Kosmos gesprochen, wenn es nicht selbst aus geistiger Erkenntnis herausgeflossen ist. Aber zum Kosmos ist gesprochen, was Goethe durchlebt hat, wenn man sein Leben so betrachtet, daß man die siebenjährigen Perioden gerade in bezug auf das GoetheLeben schildert. Wie hat sich Goethe von sieben zu sieben Jahren geändert! Wie fiel merkwürdigerweise die große Umkehr seines Lebens in den Ablauf einer siebenjährigen Periode, als er nach Italien ging, oder wenigstens den Beschluß faßte, nach Italien zu gehen! Dasjenige, was sich unter der Region, welche die Biographien im gewöhnlichen Sinne bildet, von sieben zu sieben Jahren abspielt, das spricht in den Kosmos hinein; damit ist auch etwas anzufangen, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes getreten ist. Und dasjenige, was Goethe geäußert hat, indem auf ihn gewirkt haben die Wesenheiten aus der Region der Dauer, was so geschildert werden kann, wie ich heute geschildert habe, das hat wiederum eine Beziehung zu der Region, in die man eintritt nach dem Tode. Schildern Sie das Goethe-Leben von dem Gesichtspunkte aus, der sich ergibt aus der gestrigen Betrachtungsweise von sieben zu sieben Jahren: was Goethe gespürt hat, wenn er eine solche Devise geschrieben hat über einzelne Kapitel seiner Werke wie: «Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle.» Wer Goethes Leben betrachtet vom Standpunkte der Vergänglichkeit, vom Standpunkte der Entwickelung, und auf ein solches Wort stößt wie das, das Goethe als Motto über das eine Kapitel seiner Werke hingeschrieben hat: «Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle», wer mit geisteswissenschaftlicher Erkenntnis an ein solches Wort stößt, er stößt gewissermaßen an den ewigen Goethe. Und wer wiederum mit geisteswissenschaftlicher Gesinnung an irgend etwas bei Goethe stößt, wo hereintönt in das, was Goethe sagt, dasjenige, was aus der Region der Dauer fließt, wo die Hierarchien ihr Wechselspiel verlaufen lassen, der wiederum stößt an dasjenige, was der ewige Goethe ist. Kennenzulernen nicht bloß das Zeitliche in der Welt, sondern das Ewige, das man nur kennenlernen kann auf dem Umwege der Geisteswissenschaft, das ist die Aufgabe, die von der Gegenwart an den Menschen erwächst durch die Entgegennahme der Wissenschaft der Initiation. Dasjenige, was frühere Zeiten darbieten, muß der Mensch der Gegenwart in dem Lichte sehen, das ihm von der Gegenwartswissenschaft der Initiation herkommen kann.
[ 22 ] If you view life the way it is viewed today—with prejudice and illusion—well, then you’re not speaking of life as a whole; you’re actually speaking only of a very small part of life. I’ve put this to the test. For example, I am familiar with the various biographies of Goethe that exist. What is written in these biographies certainly provides insight into many things Goethe did, pursued, thought, and imagined between his birth and his death. But as soon as this Goethe soul has passed through the gate of death, what is described in biographies from the standpoint of the present-day illusionistic worldview has not the slightest significance for the region into which the human soul enters after death—a region that constitutes a different blend between the realm of permanence and the realm of transience. For this, too, is transitory: the human being re-enters existence through a new birth. As for the realm into which the human being enters through the gate of death, one cannot make sense of anything through the illusory worldview or the illusory biography that records life between birth and death. There, the sole decisive question is: How has the soul spoken to the cosmos? — What a person has communicated to his fellow human beings—even if they were the most beautiful things here on earth—has not been spoken to the cosmos unless it flowed from spiritual insight itself. But what Goethe lived through has been spoken to the cosmos, if one views his life in such a way as to describe the seven-year periods specifically in relation to Goethe’s life. How Goethe changed from one seven-year period to the next! How remarkably the great turning point in his life coincided with the course of a seven-year period, when he went to Italy—or at least resolved to go to Italy! That which unfolds from one seven-year period to the next within the realm that constitutes biographies in the ordinary sense speaks into the cosmos; and this too has significance once a person has passed through the gate of death. And what Goethe expressed—as he was influenced by the beings from the realm of duration, which can be described as I have described it today—this, in turn, has a connection to the realm one enters after death. Describe Goethe’s life from the perspective that emerges from yesterday’s approach of seven-year cycles: what Goethe felt when he wrote such a motto over individual chapters of his works, such as: “What one desires in youth, one has in abundance in old age.” Anyone who considers Goethe’s life from the standpoint of transience, from the standpoint of development, and comes across a phrase such as the one Goethe wrote as a motto above a chapter of his works: “What one desires in youth, one has in abundance in old age”—anyone who encounters such a phrase with spiritual-scientific insight encounters, in a sense, the eternal Goethe. And whoever, in turn, encounters anything in Goethe with a spiritual-scientific mindset—where what flows from the realm of permanence, where the hierarchies play out their interplay, resonates within what Goethe says—encounters, in turn, that which is the eternal Goethe. To come to know not merely the temporal in the world, but the eternal—which can only be known through the detour of spiritual science—this is the task that arises for people today through the acceptance of the science of initiation. What earlier times have to offer must be viewed by people of the present in the light that can come to them from the contemporary science of initiation.
[ 23 ] Innerhalb der katholischen Kirche gibt es etwas, was man vergleichen kann mit der Wirkung eines roten Tuches auf ein gewisses Wesen. Wenn derjenige Katholik, der sich heute oftmals für den waschechten hält, irgendeiner Weltanschauung aufmutzen kann, sie wäre eine Weltanschauung der «Emanation», sie stellte die Welt vom Gesichtspunkte der Emanation vor, dann ist diese Weltanschauung verurteilt — für ihn selbst vielleicht weniger, aber für die gläubigen Schäfchen sicher, für die er schreibt oder spricht. Man braucht nur einer Weltanschauung anhängen zu können das Prädikat, sie sei eine emanierende! Dieser emanationistischen Weltanschauung stellt derjenige, der sich heute als den waschechten Katholiken glaubt, entgegen die kreationistische Weltanschauung, die Weltanschauung der Schöpfung aus dem Nichts, die Erschaffung aus dem Nichts. Und man stellt — wiederum in dualistischer Weise — die wie das rote Tuch wirkende emanationistische Weltanschauung auf der einen Seite hin, die kreationistische Weltanschauung, die Schöpfung aus dem Nichts, auf der andern Seite. Die kreationistische Weltanschauung nimmt man an, die emanationistische weist man ab. Der Emanationismus ist insbesondere dasjenige, was auf dem Umwege durch die Gnosis im Abendlande bekanntgeworden ist. So wie er im Abendlande bekanntgeworden ist — die Literatur, die zugrunde liegt, ist ja zum größten Teile vernichtet worden —, so ist dieser Emanationismus schon eine Art von Zerrbild; und weil im Grunde genommen auf katholischer Seite nur das Zerrbild gekannt wird, so entsteht das große Mißverständnis. Denn was man da kennt als Emanationslehre, als Hervorgehen des einen Äon aus dem andern Äon, wo immer der weniger vollkommene oder der weniger hohe Äon aus dem vollkommeneren Äon hervorgeht, das, was gewöhnlich äußerlich-exoterisch als die Gnosis geschildert wird, ist eigentlich schon eine korrumpierte Sache. Das weist zurück auf eine Weltanschauung, die ganz anderer Natur war, und die insbesondere für die alten Zeiten, in denen noch die geistigen Lehrer aus dem Übersinnlichen selbst die Menschen gelehrt haben, möglich war; es weist zurück der Emanationismus, der eben, wie gesagt, schon eine Korruption ist, zurück auf eine Wissenschaft, die eben in alter Form sich bezog auf die Region der Dauer, auf das Obere. Und für dieses Obere kann man in einer gewissen Weise den Emanationismus verteidigen, nicht in der Form, wie man ihn korrumpiert kennt, sondern in der Form, wo eigentlich innerhalb der Emanationslehre nur von einer Perspektive in der Zeit, nicht von einer eigentlichen Entwickelung gesprochen wird. Wo aber, eben weil von einer eigentlichen Entwickelung nicht gesprochen wird, auch nicht von einem Hervorgehen aus dem Nichts gesprochen werden konnte, denn das wäre ja auch eine Entwickelung, wenn auch eine Entwickelung am radikal extremen Punkt, da kann nicht davon gesprochen werden, daß eins aus dem andern hervorgeht, aber so, wie wir — indem wir heute über die Region der Dauer gesprochen haben — auch nicht gesprochen haben von einem Hervorgehen, sondern von einem Wechselverhältnis in den Wesen, denen eben die Dauer eignet.
[ 23 ] Within the Catholic Church, there is something that can be compared to the effect of a red rag on a certain creature. If a Catholic—who today often considers himself a true believer—were to dare to espouse any worldview, say a worldview of “emanation,” presenting the world from the perspective of emanation, then that worldview is doomed—perhaps less so for himself, but certainly for the faithful flock for whom he writes or speaks. One need only be able to attach the label “emanationist” to a worldview! To this emanationist worldview, the person who today believes himself to be a true-blue Catholic opposes the creationist worldview—the worldview of creation ex nihilo, of creation out of nothing. And—again in a dualistic manner—one places the emanationist worldview, which acts like a red rag, on one side, and the creationist worldview—creation out of nothing—on the other. The creationist worldview is accepted, while the emanationist one is rejected. Emanationism, in particular, is what became known in the West via the detour of Gnosticism. As it became known in the West—since the literature on which it is based has, for the most part, been destroyed—this emanationism is already a kind of distorted image; and because, fundamentally speaking, only this distorted image is known on the Catholic side, a great misunderstanding arises. For what is known there as the doctrine of emanation—the emergence of one Aeon from another, where the less perfect or less exalted Aeon always emerges from the more perfect Aeon—that which is usually described in an external, exoteric sense as Gnosticism is, in fact, already a corrupted concept. This points back to a worldview that was of an entirely different nature, and which was possible especially in ancient times, when spiritual teachers from the supersensible realm themselves still instructed humanity; emanationism—which, as I said, is already a corruption—points back to a science that, in its ancient form, related to the realm of duration, to the Higher. And with regard to this Higher Realm, one can, in a certain sense, defend emanationism—not in the corrupted form in which it is commonly known, but in the form where, within the doctrine of emanation, one speaks only of a perspective in time, not of actual development. But precisely because it does not speak of an actual development, it could not speak of an emergence from nothing either, for that would also be a development, albeit one at the most radically extreme point; therefore one cannot speak of one thing emerging from another; rather, just as we—in speaking today about the realm of duration—did not speak of an emergence, but of an interrelationship among beings to whom duration is inherent.
[ 24 ] Wenn man aber wiederum von der Region der Vergänglichkeit spricht, dann kann man allerdings von der Entwickelung sprechen; dann aber auch von dem extremen Fall der Entwickelung, von dem wir im Grunde genommen, implizite, in diesen Tagen sehr viel gesprochen haben. Denn ist es nicht ein fortwährendes Entstehen aus dem, was der Welt gegenüber nichts ist, wenn wir sagen: die gegenwärtigen Ideale sind die Keime der Zukunft, und die gegenwärtigen Realitäten sind die Früchte der Vergangenheit? Dieses richtig angesehen, gibt wiederum den wahren, nicht den korrumpierten Kreationismus. Die Forderung, die heute ergeht an die Menschen, ist diese: Dasjenige, was gemeint war im Emanationismus, im richtigen Lichte zu sehen und es anzuwenden auf die geistig-seelische Welt; dasjenige, was im wahren, nicht im korrumpierten Kreationismus vorgestellt wird, im richtigen Lichte zu sehen und es anzuwenden nicht auf die Schöpfer, sondern auf die Schöpfung, auf das Leiblich-Seelische. In der Anerkennung der Dualität, in dem Durchschauen der Dualität, nicht in dem nebulosen Vermischen des dualistisch Orientierten, liegt die Errettung, die Erlösung der Weltanschauung, richtig zu sehen die Region der Dauer, und richtig zu sehen die Region der Vergänglichkeit, und sie auseinanderhalten zu können. Dann kann man sagen: Beschaue ich die Wirklichkeit, die vor mir steht, so ist sie ein Abglanz, aber zu gleicher Zeit eine Auswirkung, ein Abglanz, indem sie der Region der Vergänglichkeit angehört, von der Evolution beherrscht ist; eine Auswirkung, indem sie der Region der Dauer angehört und von dem beherrscht wird, was man eben bekommt, wenn man in richtiger Weise das sieht, was wir heute für das geistig-seelische Leben charakterisiert haben. Derjenige, der richtig spricht, der sagt nicht, der Kreationismus ist richtig und die Emanation ist falsch, oder die Emanation ist richtig und der Kreationismus ist falsch, sondern der weiß, daß beides notwendige Faktoren sind, um das Volleben zu begreifen. Die Überwindung des Dualismus kann nicht in der Theorie herbeigeführt werden, sondern nur im Leben selber. Derjenige, der theoretisch einen Ausweg sucht zwischen der Region des Oben und der Region des Unten, der Region der Vergänglichkeit und der Region der Dauer, der theoretisch durch Begriffe, durch Vorstellungen, durch Ideen einen Ausgleich sucht, der kommt nicht zu Rande, der wird immer in eine verworrene Weltanschauung hineinkommen, weil er durch den Intellekt dasjenige sucht, was im Leben gesucht werden soll. Im Leben aber sucht man die Wahrheit nur dann, wenn man weiß: Man muß den Blick hinrichten auf der einen Seite in die Region der Dauer und da dasjenige erkennen, was allerdings in der äußeren Wirklichkeit sich nicht darstellt, und dann auch in die Region der Vergänglichkeit, und da auch alle Menschen und alle Wesen so betrachten, wie es eigentlich der äußeren Wirklichkeit widerspricht. Aber wenn man ausgerüstet mit beidem ist und entgegentritt irgendeinem Wirklichen, dann fließt es, indem man dieses Wirkliche erlebt, es erlebend erschaut, aus den Elementen zusammen, aus denen es selber entstanden ist: aus der Auswirkung der Region der Dauer und dem Abglanz der Region der Vergänglichkeit. Dadurch ergreift man es im Leben, wenn man nicht eine theoretische Weltanschauung haben will, die in Begriffen, in Ideen sich auslebt, sondern wenn man zwei Weltanschauungen haben will: die eine für die Region des Geistig-Seelischen, die andere für die Region des Leiblich-Seelischen, und in dem lebendigen Zusammenleben der beiden Weltanschauungen, nicht in einer Theorie dasjenige haben will, was das Leben nährt und befruchtet. Dann kommt man allein aus dem Dualismus heraus,
[ 24 ] But when we speak of the realm of transience, we can indeed speak of development; and in that case, we can also speak of the extreme case of development, which we have, in fact, been discussing implicitly quite a lot these days. For is it not a continuous coming into being from that which is nothing in relation to the world when we say: the present ideals are the seeds of the future, and the present realities are the fruits of the past? Viewed correctly, this in turn yields true—not corrupted—creationism. The demand being made of people today is this: To see in the proper light what was meant by emanationism and to apply it to the spiritual-soul world; to see in the proper light what is presented in true—not corrupted—creationism and to apply it not to the creators, but to creation, to the physical-soul realm. Salvation—the redemption of our worldview—lies in the recognition of duality, in seeing through duality, not in the nebulous blurring of dualistic concepts; it lies in seeing the realm of permanence correctly, seeing the realm of transience correctly, and being able to distinguish between them. Then one can say: When I contemplate the reality that stands before me, it is a reflection, but at the same time an effect—a reflection in that it belongs to the realm of transience and is governed by evolution; an effect in that it belongs to the realm of permanence and is governed by what one obtains precisely when one correctly perceives what we have today characterized as spiritual-soul life. The one who speaks correctly does not say that creationism is right and emanation is wrong, or that emanation is right and creationism is wrong; rather, he knows that both are necessary factors for understanding life. The overcoming of dualism cannot be brought about in theory, but only in life itself. Anyone who theoretically seeks a way out between the realm of the Above and the realm of the Below, the realm of transience and the realm of permanence—who theoretically seeks a balance through concepts, notions, and ideas—will not succeed; they will always end up in a confused worldview, because they are seeking through the intellect what should be sought in life itself. In life, however, one seeks the truth only when one knows: One must direct one’s gaze, on the one hand, toward the realm of permanence and there recognize that which, admittedly, does not manifest itself in external reality, and then also toward the realm of transience, and there view all people and all beings in a way that actually contradicts external reality. But when one is equipped with both and encounters any reality, then—as one experiences this reality, perceiving it through experience—it coalesces from the elements from which it itself arose: from the effect of the realm of permanence and the reflection of the realm of transience. In this way, one grasps it in life—not by seeking a theoretical worldview that plays out in concepts and ideas, but by seeking two worldviews: one for the realm of the spiritual-soul, the other for the realm of the physical-soul, and in the living coexistence of these two worldviews—rather than in a theory—one seeks that which nourishes and enriches life. Only then does one emerge from dualism,
[ 25 ] Das ist es, was als eine Forderung an die Menschheit der Gegenwart herantritt. Nicht darum handelt es sich, daß Religionsstifter auftreten, welche den Menschen Spiritualismus lehren, nicht darauf kommt es an, daß auf der andern Seite irgendwelche wissenschaftlichen Sektenstifter auftreten, die den Menschen Materialismus lehren; sondern darauf kommt es an, daß man die Materie materiell in der Evolution, das Geistige immateriell, spirituell begreift in der Region der Dauer, und die Wirklichkeit aus diesem zusammen ansieht. Das Materielle beleuchten lassen vom Geistigen, das Geistige erhärten lassen vom Materiellen, das ist dasjenige, was in die Weltanschauung der Zukunft einfließen muß. Nicht darauf kommt es an, daß Philosophen auftreten, welche den Menschen Definitionen der Wahrheit geben, oder auf der andern Seite Definitionen auch geben von dem, was die Wissenschaft lehrt, um in theoretischer Weise einen sogenannten monistischen Einklang zu stiften, sondern darauf kommt es an, daß der Dualismus zwischen Wahrheit und Wissenschaft erkannt werde, und im lebendigen Leben das Verhältnis gesucht werde zwischen Wahrheit und Wissenschaft, um so zu einer lebendigen, nicht zu einer theoretischen Erkenntnistheorie zu kommen. Nicht Wahrheit oder Wissenschaft, sondern sowohl Wahrheit wie Wissenschaft: die Wissenschaft getragen von dem Gewichte der Wahrheit, das Gewicht der Wahrheit durchleuchtet von dem Lichte der Wissenschaft, anerkennend, daß der Mensch dualistisch in der Welt drinnensteht und erst in seinem Leben, in seinem Werden überwinden kann dasjenige, was als Dualistisches zu überwinden ist. Nicht Kantianismus, der da glaubt, daß dasjenige, was in der äußeren Welt lebt, nicht das «Ding an sich» darbietet, sondern Wahrheit und Wissenschaft ist die Aufgabe der Menschheit der Zukunft auch auf denkerischem Gebiete, das heißt, die Anerkennung, daß allerdings dasjenige, was um uns herum ist, Maja ist, aber Maja ist dadurch, daß wir uns als Mensch in dieser Weise in die Welt hineinstellen, und daß wir, solange wir uns so hineinstellen, dualistisch hineingestellt sind. Wir machen durch dieses unser Hineinstellen die Maja, und überwinden, indem wir selber lebendig werden, diese Maja im Leben, nicht in der Idee, nicht in der Theorie.
[ 25 ] This is what stands as a challenge to humanity today. It is not a matter of religious founders appearing who teach people spiritualism, nor is it a matter of some scientific sect leaders appearing on the other side who teach people materialism; rather, what matters is that one understands matter as material within evolution and the spiritual as immaterial and spiritual within the realm of eternity, and views reality from this combined perspective. Allowing the material to be illuminated by the spiritual, and the spiritual to be substantiated by the material—that is what must flow into the worldview of the future. What matters is not that philosophers emerge who give people definitions of truth, or, on the other hand, also provide definitions of what science teaches, in order to establish a so-called monistic harmony in a theoretical sense; rather, what matters is that the dualism between truth and science be recognized, and that the relationship between truth and science be sought in living reality, in order to arrive at a living—not a theoretical—theory of knowledge. Not truth or science, but both truth and science: science supported by the weight of truth, the weight of truth illuminated by the light of science, acknowledging that human beings exist in the world in a dualistic manner and can only overcome—in their lives, in their becoming—that which, as dualism, must be overcome. Not Kantianism, which believes that what exists in the external world is not the “thing-in-itself,” but rather truth and science—this is the task of humanity in the future, even in the realm of thought; that is, the recognition that, while what surrounds us is Maya, but Maya exists because we, as human beings, position ourselves in the world in this way, and because, as long as we position ourselves thus, we are positioned dualistically. Through this positioning of ourselves, we create Maya, and by becoming alive ourselves, we overcome this Maya in life, not in idea, not in theory.
[ 26 ] Das ist ja auch der Inhalt meines kleinen Büchelchens «Wahrheit und Wissenschaft» und meines Buches «Philosophie der Freiheit». Die letztere wird ja in den nächsten Tagen in neuer Auflage wohl auch hier zu bekommen sein. Ich habe einzelne Ergänzungen gemacht, der Text ist gegen früher nicht verändert, aber sehr erheblich um vieles in den verschiedensten Punkten erweitert.
[ 26 ] That is, after all, the content of my little booklet *Truth and Science* and my book *The Philosophy of Freedom*. The latter will likely be available here in a new edition in the coming days. I have made a few additions; the text itself has not been altered from the previous version, but it has been significantly expanded to include many new points on a wide variety of topics.
[ 27 ] So handelt es sich darum, zu begreifen die Zeichen der Zeit, und aus ihnen heraus das spirituelle Leben auf den verschiedensten Gebieten der menschlichen Betätigung zu pflegen.
[ 27 ] It is therefore a matter of understanding the signs of the times and, based on them, cultivating spiritual life in the most diverse areas of human activity.
