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The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184

21 September 1918, Dornach

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Achter Vortrag

II. Lucifer and Ahriman

[ 1 ] Ich habe Sie in den Vorträgen der vorigen Woche darauf hingewiesen, wie versucht werden muß mit Hilfe der Wissenschaft der Initiation von der scheinbaren Wirklichkeit, die uns eigentlich fortwährend umgibt, vorzudringen zu der wahren Wirklichkeit. Und ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß jenes Streben, welches den meisten Menschen sympathisch ist, das Streben nach einer einheitlichen verstandesmäßigen Welttheorie, gerade abzieht von der Wirklichkeit, daß es gerade hineinführt in die Täuschung gegenüber der Wirklichkeit, daß man vielmehr anstreben müsse, zwei Strömungen der Wirklichkeit zu unterscheiden, insbesondere auch in bezug auf die Menschenerkenntnis, um dann lebendig dasjenige, was man von jeder dieser beiden Strömungen wissen kann, mit dem andern zu verbinden. Rekapitulieren wir uns noch einmal kurz, was wir ausgeführt haben mit Bezug auf diese zwei Strömungen in der Menschenerkenntnis, und versuchen wir dann, uns die nötigen Anforderungen einer Wirklichkeitsanschauung auf dieser Grundlage zu verschaffen. Ich sagte Ihnen: Das Menschenleben verläuft eigentlich so, daß der Mensch erst in der zweiten Lebenshälfte begreifen kann, was er in der ersten Lebenshälfte denkend, überhaupt seelisch durchmacht — und ich sagte: Wirksam ist in uns vernünftiges Wesen in den ersten sieben Lebensjahren, von der Geburt bis zum Zahnwechsel, Vernünftiges waltet in uns, aber dasjenige, was da als Vernünftiges waltet, und auch dasjenige, was wir schon in diesen ersten Lebensjahren lernend aufnehmen, wir begreifen es noch nicht durch unsere eigenen Menschenkräfte, wenn wir die eine Strömung nur ins Auge fassen, von der wir zu reden haben. Wäre der Mensch lediglich auf sich als Mensch, als Erdenmensch angewiesen, er würde erst im hohen Lebensalter, Ende der Fünfzigerjahre und Anfang der Sechzigerjahre, begreifen können, was er als Kind bis zum Zahnwechsel denkt, fühlt und will. Also man wird erst im höchsten Alter gewissermaßen zur Selbsterkenntnis mit Bezug auf sein inneres Kindheitsleben reif. Die Kräfte im Menschen, die erfassen können, was man in dem ersten Kindheitsalter innerlich vernünftig durchlebt, die werden eben erst so spät in dem menschlichen Leben geboren.

[ 1 ] In the lectures of last week I pointed out how with the aid of the science of initiation one must strive to press forward from the apparent reality, that is actually around us continually, to the true reality. And I pointed out that the effort which is agreeable to most people, the effort to find a single rational theory of the universe precisely diverts from reality, leads precisely to delusion. I said that much rather must one strive to distinguish two currents of reality, in regard to human knowledge as well, and then in a living manner unite with each other what can be found in these two currents. Let us briefly recapitulate what we have realised with regard to these two currents in human knowledge and let us then seek to create the necessary requirements for a conception of reality on this foundation. You will remember that I said: The course of human life is actually one in which man can only comprehend in the second half of life what he has thought, what his soul on the whole has gone through in the first half. I said that natural intelligence is active in us from birth to the change of teeth, the intelligent element prevails. What prevails as intelligence and also what we learn in these first years of life, is not yet grasped through our own human forces if we look only at the one current of which we have to speak. If man were simply thrown on his own resources as earthly man, then only in later life at the end of the fifties, the beginning of the sixties, would be able to understand what he thought, felt and willed as a child up to the change of teeth. Thus it is only in later years that one becomes mature, as it were, to self-knowledge of the intimate life of childhood. The forces in man that can grasp what one went through intelligently in the first years of childhood are in fact only born as late as that in human life.

[ 2 ] Dann haben wir eine zweite Lebensepoche, die vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife dauert. Denken Sie nur — wir haben es dargestellt in dem Büchelchen «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» —, was da der Mensch vorstellend, fühlend, wollend durchmacht bis zur Geschlechtsreife. Durch eigene menschliche Kräfte, durch menschliche Erdenkräfte würde der Mensch erst Ende der Vierzigerjahre, Anfang der Fünfzigerjahre begreifen können, was er da durchlebt.

[ 2 ] Then we have a second life-period that dates from the change of teeth to puberty. Only think (it is shown in the booklet Education of the Child in the Light of Anthroposophy what the child goes through in thought, feeling, willing, up to puberty, Through his own human earthly forces man would be able to grasp what he goes through then only at the end of the forties, the beginning of, the fifties

[ 3 ] Und wiederum, was wir durchleben von der Geschlechtsteife bis in die Zwanzigerjahre hinein: erst in den letzten Dreißigerjahren, Anfang der Vierzigerjahre würden wir es durch die eigenen menschlichen Kräfte begreifen. Was wir ausdenken, meinetwillen auch an Idealen ausbilden, die Tragweite davon, den Lebenswert, wir würden ihn erst erfassen, wenn wir nur auf unsere menschlichen Lebenskräfte angewiesen wären, in den Dreißigerjahren. Nur dasjenige, was wir vom achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Jahre etwa erleben, das steht für sich, das können wir ungefähr begreifen. Dieses mittlere Glied des menschlichen Lebenslaufes, das hat ein gewisses Gleichgewicht, da können wir ausdenken und begreifen zu gleicher Zeit; in den andern Lebensaltern nicht.

[ 3 ] And again what we live through from puberty into the twenties: we should only grasp this through our own human forces at the end of our thirties and beginning of our forties. What we devise and develop as ideals we should only grasp in its importance, its value to life, in our thirties if we were left to our human life forces. Only what we experience between the ages of 28 and 35 stands for itself and can be approximately grasped at the time. This middle member of man's lifetime has a certain equilibrium, there we can at the same time develop our thought and comprehend it, but not in the other years of life.

[ 4 ] Sie bekommen einen Begriff von menschlicher Entwickelung in einem Lebenslauf, wenn Sie das, was wir so angeführt haben, durchdenken; wie der Mensch in der Zeit als Erdenmensch sich entwickelt, davon bekommen Sie eine Vorstellung. Selbsterkenntnis, insofern wir an die Zeit gebunden sind, wäre eigentlich nur in dieser Weise möglich, daß wir immer warteten, bis das entsprechende Lebensalter eintritt, um dasjenige zu begreifen, was wir in einem andern, früheren Lebensalter denken. Das ganze menschliche Leben gehört zusammen. Wir würden als Persönlichkeit, wenn wir nur Erdenmensch in der Zeit wären, gar nicht von uns etwas Schlagkräftiges wissen, wenn wir nicht im Alter zurückschauten auf dasjenige, was sich in der Jugend in uns heranentwickelt hat.

[ 4 ] You get a grasp of man's development in a lifetime if you reflect upon what has been brought forward, you see how man evolves as earthly man in time. In so far as we are bound to time, self-knowledge would only be possible if we waited until the right time of life arrived for a comprehension of what we had thought in an earlier period of life. The total human life is interconnected. If we were only earthly man in time we should, as personality, know nothing at all of ourselves, if we did not in age look back to what developed in us in youth.

[ 5 ] Dies ist die eine Seite des Menschen, die eine Strömung des Menschenlebens. Mit Bezug auf diese Strömung ist der Mensch ganz und gar der Zeit unterworfen, mit Bezug auf diese Strömung kann er einfach nichts machen, als warten, bis die Zeit der Reife da ist. Aber ich habe Sie schon aufmerksam darauf gemacht: So, wie wir es durchleben im Majadasein, nimmt sich das menschliche Leben ja nicht aus; so nimmt sich das menschliche Leben aus, wenn wir es in der Zeit sich abspielend betrachten. Dennoch ist das, was man so ausführt über den zeitlichen Verlauf des Menschenlebens, die wahre Wirklichkeit. Denn mit demjenigen, was wir sonst erleben zwischen Geburt und Tod, ich sagte Ihnen, mit dem kann man zur Not, wenn man oberflächlich bleiben will, leben, aber man kann damit nicht sterben. Denn alles dasjenige, was man sonst weiß, was man lernt dadurch, daß es uns andere beibringen, was man lernt dadurch, daß es sich die Menschheit im Lauf der Geschichte angeschafft hat, kurz, was man als zeitlicher Mensch auf eine andere Weise lernt, als daß man im Alter auf die Jugend zurückblickt, das vergeht im Tode, das tragen wir von der einen Strömung zunächst nicht durch des Todes Pforte durch. Nur das, was wir uns so erworben haben, daß es dieser Entsprechung gemäß ist, das tragen wir durch die Todespforte durch. Glauben Sie auch nicht, daß Sie das gar nicht tun, was ich damit kennzeichne! Derjenige von Ihnen, der in ein späteres Lebensalter gekommen ist, sieht schon selber in seinem Unterbewußten auf die früheren Lebensalter zurück. Es spielt sich das schon ab, wenn es sich auch im Unterbewußten abspielt, was ich so charakterisiert habe. Und Sie würden nichts von dem äußeren zeitlichen Leben durch die Todespforte tragen, wenn es sich nicht so abspielte. Im Zeitalter des Materialismus beachten das ja allerdings die Menschen nicht, aber alles dasjenige, was den Menschen das Zeitalter des Materialismus beibringen kann, kann ja nicht mitgenommen werden durch die Todespforte hindurch. Für die Welt hat nur das Bedeutung, was Sie in diesem Sinne durchmachen, daß Sie im Alter begreifen, was in der Jugend sich abgespielt hat in Ihrem ganzen Menschen. Das ist die eine Strömung.

[ 5 ] Now that is the one aspect of man, the one current of human life. As regards this stream man is entirely subjected to time, he can do nothing but wait till the time is ripe. But I have already pointed out to you that the way life is lived through in our maya-existence, is not the true face of human life, it is merely its appearance when we regard it as taking place in time. Yet what one specifies in this way about the time-course of human life is entirely real. For what we normally experience between birth and death—with this, as I have said, we can if necessary, and if one is content to stay on the surface, live, but with it one cannot die. For all our normal knowledge, what we learn from the instruction of others, what one learns from the store acquired through the course of history, in short, what as temporal man one learns in any other way than by looking back in age at youth—that perishes at death, that we do not carry from the one current through the gate of death. Only what we have acquired in conformity with this correspondence do we carry through the portal of death. And do not imagine that you don't do what I have described! Each of you who has come to a later age of life looks back in his subconsciousness to the earlier years of his life. What I have described most definitely takes place, even if it takes place subconsciously. And you would carry nothing from the external temporal course of life through death if it did not so take place. In the age of materialism, however, men pay little heed to this, yet all that the materialistic age can bring to man cannot be taken with him through the gate of death. That alone has significance for the world which you pass through in the sense that you grasp in age what has taken Place in your whole nature in youth. That is the one stream.

[ 6 ] Die andere Strömung ist aber dadurch herbeigeführt, daß der Mensch nicht bloß ein leiblich-seelisches Wesen ist. Als leiblich-seelisches Wesen verläuft sein Dasein so in der Zeit, wie wir es jetzt wieder dargestellt haben. Aber der Mensch ist auch ein geistig-seelisches Wesen. Und durch dieses geistig-seelische Wesen ist er nicht bloß im Reiche der Zeit, wie wir es eben charakterisiert haben, sondern er ist als geistig-seelisches Wesen im Reiche der Dauer. Da ist er allerdings auch wiederum etwas ganz anderes — wir haben es ja dargestellt —, als es ihm erscheint. Da macht er keine Entwickelung durch, da ist er dasselbe Wesen von der Geburt bis zum Tode. Aber sein Denken, Fühlen und Wollen ist etwas ganz anderes, als was es ihm selber erscheint. Sein Denken und auch ein Teil seines Fühlens ist ein Sich-Versetzen in kosmische Regionen, wo Götterkampf stattfindet, wie ich es Ihnen dargestellt habe vor acht Tagen, und wiederum ist das Wollen und ein Teil des Fühlens das Sich-Versetzen in eine andere Region des Kosmos, wo Götterkampf stattfindet. Sinnen, sagte ich Ihnen, heißt, sich in eine gewisse Region der Geistigkeit versetzen und teilnehmen an gewissen Kämpfen der einen Geistesart gegen die andere; ebenso heißt Wollen teilnehmen an gewissen Kämpfen, wenn auch in dem einen oder in dem andern Fall diese Kämpfe zur Ruhe gekommen sind. Es ist eine tiefe Wahrheit, was Sie dargestellt finden in der «Pforte der Einweihung», daß, während sich in uns geistig-seelische Vorgänge abspielen, große kosmische Dinge geschehen.

[ 6 ] The other stream arises through the fact that man is not merely soul and body. As a being of soul and body his existence takes its course in time as we have again shown. But man is also a being of spirit and soul. And through his soul-spirit nature he is not merely in the realm of time which has just been characterised but in the realm of duration. And there again he is very different from what he thinks. There he goes through no development, he is the same being from birth to death, but his thinking, feeling and willing are something very different from how they appear to him. His thinking and also a part of his feeling is a transposing of himself into cosmic regions where the conflict of gods takes place (I described this in a recent lecture [ 15th September 1918 (not translated). ]), and again willing and a part of feeling is the transposing of oneself into another region of the cosmos where the conflict of gods takes place I said to you that to reflect and ponder means transposing oneself into a certain region of spirituality and taking part in certain conflicts of one order of spirits with another; similarly willing means taking part in certain conflicts—even though in one or another case these conflicts may have come to a standstill. It is a profound truth presented in one of the Mystery Dramas, The Portal of Initiation, that while processes of soul and spirit are enacted in us great cosmic events are happening

[ 7 ] Ebenso wie der Mensch nichts ahnen will im Zeitalter des Materialismus von seinem Leiblich-Seelischen, das in der Zeit verläuft, so will der Mensch nichts wissen von diesem Geistig-Seelischen, das im Reich der Dauer spielt, das aber ganz anders aussieht als sein Denken, Fühlen, Wollen im gewöhnlichen Leben, und das sich, wenn man es wirklich betrachtet, abspielt als Geisteskämpfe. So paradox es für den materialistisch denkenden Menschen klingt: Wenn Sie einen Gedanken fassen, ist es etwas ganz anderes als dasjenige, als was Sie es selber in der Maja ansehen. Nehmen wir nur an, Sie fassen einen Gedanken, sagen wir wie einen derjenigen, die wir gestern erwähnt haben: Sie fassen den Gedanken an den Raum. In dem Augenblick, wo Sie an den Raum denken — auch nur in der Abstraktheit, wie die Gegenwart an den Raum denkt —, in dem Augenblicke, wo Ihr Geist sich mit dem Raumgedanken erfüllt, stecken Sie mit Ihrer Seele in einer geistigen Region drinnen, wo Ahriman einen mächtigen Kampf kämpft gegen andersgeartete Hierarchien. Und Sie könnten den Gedanken an den Raum nicht haben, ohne daß Sie lebten in einer Region, wo Ahriman gegen andere Hierarchien kämpft. Und wenn Sie ein Wollen entfalten, wenn Sie zum Beispiel sagen: Ich will spazierengehen! — selbst wenn es ein so unbedeutendes Wollen ist, sobald Sie dieses Wollen in die Tat umsetzen, stecken Sie geistig in einer Region drinnen, wo die luziferischen Geister kämpfen gegen Geister anderer Hierarchien. Das Weltengeschehen ist eben, vom Gesichtspunkte der Wissenschaft der Initiation betrachtet, etwas wesentlich anderes als der schattenhafte Abglanz, den wir von ihm wahrnehmen, indem wir als Menschen zwischen Geburt und Tod in der Maja leben. Denn dasjenige, was wir als Maja so wahrnehmen, das ist nichts anderes als ein Etwas, das sich vergleichen läßt mit dem Wellenkräuseln an der Oberfläche des Meeres. Ich habe Ihnen gestern das Bild dargestellt: Das Wellenkräuseln an der Oberfläche des Meeres, es ist eigentlich im Grunde genommen etwas, was nicht da wäre, wenn nicht unter ihm das Meer wäre, über ihm die Luft. Die Kräfte, welche dieses Wellenkräuseln hervor rufen, sind innerhalb des Meeres, sind in der Luft, und das Wellenkräuseln ist nur das Abbild desjenigen, was an Kräften von oben und unten zusammenschlägt. So ist unser Leben in der Maja zwischen Geburt und Tod nichts anderes, als was zusammenschlägt aus diesen Geisterkämpfen, die sich in Wahrheit, wenn wir denken, fühlen oder wollen, im Reiche der Dauer abspielen, und aus jenem Entwickelungsverlaufe in der Zeit, der sich so abspielt, daß wir erst im späten Alter dasjenige erfassen, was wir in der Jugend ausdenken. Unser Leben ist im Grunde ein Nichts, wenn wir es nicht aus dem Zusammenfluß und Zusammenschluß dieser beiden wahren Wirklichkeiten betrachten. Hinter unserem Leben sind diese beiden wahren Wirklichkeiten.

[ 7 ] Just as man in the age of materialism will have no notion of his soul-body nature that runs its course in time, so will man know nothing of this spirit-soul element that acts in the realm of duration, but appears quite different from his thinking, feeling, willing in ordinary life and seen in its reality, takes place as spirit-conflicts, However paradoxical it may sound to the materialistic thinker, when you form a thought it is very different from what it appears to you in maya. Let us suppose that you form a thought, let us say a thought on what we considered in the last lecture—a thought on space. The moment you think about space, even in the abstractness of the modern concept of space, the moment your spirit fills itself with the space-thought, you transpose your soul into a spiritual region where Ahriman is engaged in a mighty fight against hierarchies of a different nature. You could not have the thought of space without living in a region where Ahriman fights against other hierarchies. And when you develop a desire, if you say, for instance, I will go for a walk, even when it is such an insignificant determination as this, as soon as you set this will in action, you place yourself spiritually in a region where the Luciferic spirits fight against spirits of other hierarchies. Seen from the aspect of initiation-science, what takes place in the world is essentially different from its shadowy reflection, which we know in our maya-existence, between birth and death. For, my dear friends, what we perceive thus as maya is nothing more than something that can be compared with the wave-ripples on the surface of the sea. I put the picture before you in the last lecture: the ripples of the waves on the surface of the sea would not be there without the sea beneath and the air above. The forces that produce the ripples of the waves are in the sea, in the air, and the rippled waves are only the image of the forces striking together from above and below, So is our life in maya between birth and death nothing else than a striking together of two forces. On the one hand the spiritual conflicts which in truth take place in the realm of duration when we think, feel, will; on the other hand the course of evolution in time which consists in our comprehending only in later years the thinking life of youth. Our life in fact is a nothingness if we do not look on it from the confluence and conjunction of these two true realities. Behind our life are these two true realities.

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[ 8 ] Nun ist nicht nur hinter unserem Leben auf der einen Seite der zeitliche Verlauf, der uns nötigen würde, zu warten und zu warten, um etwas zu begreifen, was wir vorher erdacht haben, und sind nicht nur die Vorgänge in der Dauer, die sich abspielen unser ganzes Leben hindurch in gleicher Weise zwischen Geburt und Tod, sondern wir selbst stehen drinnen in dieser Wirklichkeit, und unser Drinnenstehen erscheint uns auch nur in seinem Abbilde. Unser ganzes Verhältnis zur Welt erscheint uns nur in seinem Abbilde. Die Wahrheit erkennen, erfordert immer, daß man sich erkrafte, sie zu erkennen; sie kommt nicht zu uns, wenn wir bloß passiv bleiben wollen. Die Wahrheit erkennen, heißt, sich stehend erkennen in den beiden Strömungen, die ich angedeutet habe: im Reiche der Zeit und im Reiche der Dauer. Und indem wir drinnenstehen in diesen beiden Reichen und sich auch mit uns ein Leben abspielt, das gegenüber den wahren Kräften keine andere Bedeutung hat als das Meeresgekräusel gegenüber den Stürmen der Luft und gegenüber dem auf und ab wogenden Flusse unten, verbringen wir unser Leben zwischen Tod und Geburt, und dann auch wieder zwischen Geburt und Tod. Die Kräfte und Mächte machen sich mit uns zu tun, während wir das Leben so verbringen. Denn immer sind mächtige Kräfte da, welche auf der einen Seite sich Mühe geben, uns dem gewöhnlichen Erdenleben, wie es in der Maja verläuft, zu entreißen; aber ebenso sind andere Kräfte da, welche sich alle Mühe geben, uns dem Reiche der Dauer zu entreißen.

[ 8 ] Now behind our life there is not only on the one hand the time-course which would cause us to wait and wait in order to grasp something that we conceived formerly, nor is there only the processes in duration that take place our whole life through in a similar way between birth and death but we ourselves stand within this reality, and this too appears to us only in its reflected image. Our whole relation to the world appears to us only in its reflection. To know the truth always demands our strengthening ourselves to know it; truth does not come to us if we want merely to remain passive. To know the truth means that one knows oneself to be standing in the two currents that I have indicated, in the realm of time and the realm of duration. And while we stand within these two realms, and a life goes on which has no other significance with regard to the true forces than has the rippled sea with regard to the storming air and the flood beneath surging up and down, we pass our life between death and birth and then again also between birth, and death. The forces and powers occupy themselves with us while we so pass our life. For mighty forces are ever at hand which endeavour to tear us away from the ordinary earthly life as it takes its course in maya, and similarly other forces are there which are at pains to tear us away from the realm of duration.

[ 9 ] Auf der einen Seite — halten wir das gut fest — haben wir unseren zeitlichen Lebensverlauf, wo wir im Begreifen erst spät reif werden für das, was sich mit uns in der Zukunft abspielt. Es gibt Kräfte und Mächte, welche uns beschränken wollten auf das, was wir soalsMensch sind, welche uns als Menschen so gestalten möchten, daß sich dies mit uns abspielt. Das heißt also: Es gibt Kräfte und Mächte, welche wollen, daß unser Leben wirklich so verläuft, auch in der Maja, auch im Erdenverlaufe so verläuft, daß wir als Kind dies oder jenes erleben, aber nichts davon begreifen, gleichsam ein Schlafesleben führen bis zum achtundzwanzigsten Lebensjahre, dann anfangen, das Gleichzeitige an uns etwas zu begreifen, und dann, wenn wir über das fünfunddreißigste Jahr hinaus sind, anfangen, das Frühere zu begreifen. Es gibt Kräfte und Mächte, welche uns zu einem bloß zeitlichen Menschen machen möchten, zu einem Menschen, der die erste Hälfte seines Lebens mehr oder weniger ein Pflanzen-, ein Schlafesleben führt, und in der zweiten Hälfte seines Lebens rückschauend begreift, was sich während dieses Schlafes abgespielt hat. Kräfte und Mächte gibt es, welche den Menschen in der ersten Hälfte seines Lebens zum 'Träumer, in der zweiten Hälfte seines Lebens zu einem Wesen machen möchten, das sich dieser Träume erinnert und dadurch erst in der zweiten Hälfte seines Lebens zum Selbstbewußtsein komme. Praktisch würde sich, wenn diese Kräfte und Mächte allein auf uns wirken könnten, das so ausnehmen, daß wir eigentlich erst in dem Anfang der Dreißigerjahre, oder höchstens im achtundzwanzigsten Lebensjahre, seelisch geboren werden. Vorher würden wir wie schlaftrunken auf der Erde herumgehen.

[ 9 ] On the one hand (let us hold fast to this) we have our course of life in time, where we only become mature at a late period to grasp what goes on in us in the future; there are forces and powers which would confine us to what we are as man, which would like to mould us as human beings so that this takes place. That means, however: there are forces and powers that want our earthly life to run its course in maya, so that we experience this or that in childhood, but grasp nothing of it, lead a sort of sleep-life up to the age of 28, then begin somewhat to comprehend the present, and then after the age of 35 begin to comprehend the earlier. There are forces and powers which would like to make us mere temporal beings, beings who for the first half of life would lead more or less a sleeping plant-life and in the second half would look back and understand what took place during this sleep. There are forces and powers which would like to make man for the first half of his life, a dreamer, and in the second half a being who remembers these dreams and thus comes to self-consciousness. If these forces and powers should alone work upon us it would practically mean that our soul would not be born till the beginning of our thirties, or at earliest in our twenty-eighth year. Before that we should go about on earth drunken with sleep.

[ 10 ] Wenn das so wäre, wie diese Wesen wollen, würden wir losgerissen werden von unserer ganzen kosmischen Vergangenheit. Unser jetziges Dasein beruht ja darauf, daß wir in dem Sinne, wie ich es in der «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt habe, eine kosmische Vergangenheit durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit durchgemacht haben. Während dieses Durchgangs durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit haben Wesen der höheren Hierarchien — die ein besonderes Interesse haben, daß im Kosmos Menschen entstehen —, Wesen, welche die Schöpfer der Menschheit sind, uns entwickelt und in das Erdendasein hereingestellt. Im Erdendasein sind wir nun nach der einen Strömung solche Menschen, wie wir es da geschildert haben. Die Kräfte und Mächte sind da, die uns nur als solche Erdenmenschen gestalten wollten. Würden sie siegen, dann würden sie uns losreißen von unserer Saturn-, Sonnen- und Mondenvergangenheit. Sie würden uns im Erdenleben konservieren, sie würden uns nur zu Erdenmenschen machen. Das streben gewisse Mächte an. Es sind die ahrimanischen Mächte. Ahriman strebt an, uns zu bloßen Zeitenmenschen zu machen, strebt an, unser Erdenleben loszureißen von unserer kosmischen Vergangenheit. Er strebt an, die Erde ganz und gar zu einem Wesen für sich zu machen und uns mit ihr ganz tellurisch, ganz irdisch zu machen.

[ 10 ] If that were so, we should become torn free from our whole cosmic past. Our present existence rests upon the fact that we have gone through a cosmic past, through the Saturn, Sun, Moon evolution, as I have shown it in Occult Science. During the passage through the Saturn, Sun, Moon periods, Beings of the higher Hierarchies who have a special interest that human beings should arise in the cosmos. Beings who are the creators of mankind, developed us and established us in earthly existence. In earth-existence we are now such men according to the one stream as I have described. Forces and powers are present which would shape us only as such earthmen; should they conquer, they would tear us away from our Saturn, Sun, Moon past. They would conserve us in earth-life, make us purely men of earth. That is what certain powers are striving for; they are the Ahrimanic powers. Ahriman strives to make us purely temporal men, to loosen our earth-life from our cosmic past. He strives to make the earth utterly and entirely a self-contained entity, to make us entirely telluric, earthly with the earth.

[ 11 ] Andere Kräfte und Mächte gibt es, die streben das gerade Gegenteil an. Die streben an, uns diesem zeitlichen Leben ganz zu entreißen, uns solches Denken, Fühlen und Wollen zu geben, das ganz und gar nur einträufelt aus der Region der Dauer. Diese Wesen streben an, uns ohne unser Zutun von der Kindheit an ein gewisses Quantum von Denken, Fühlen und Wollen gewissermaßen zu inspirieren und es uns dann durch den ganzen Lebenslauf zu erhalten. Würden sie siegen, so würde unser ganzes zeitliches Leben verdorren. Wir würden endlich — sogar sehr bald, es wäre schon längst geschehen, wenn diese Wesen gesiegt hätten — abstreifen, ablegen die physische Körperlichkeit, das leiblich-geistige Wesen, und wir würden reine Geister werden. Aber es würde unsere Aufgabe nicht erfüllt werden, insoferne diese Aufgabe vom Erdensein kommt. Wir würden hinweggezogen werden vom Erdensein. Diesen Wesen ist die Erde zu schlecht, sie hassen die Erde, sie mögen die Erde nicht. Sie möchten den Menschen von der Erde hinwegheben, sie möchten ihm ein Dasein rein im Reiche der Dauer geben; sie möchten, daß er ausschalte von sich all dasjenige, was so in der Zeit verläuft, wie ich es dargestellt habe. Das sind die luziferischen Wesenheiten. Die luziferischen Wesenheiten streben das Gegenteil von den ahrimanischen Wesenheiten zunächst an. Die ahrimanischen Wesenheiten suchen den Menschen mit dem ganzen Erdendasein loszureißen von der kosmischen Vergangenheit und das Irdische zu konservieren. Die luziferischen Wesenheiten streben, die Erde wegzuwerfen, alles Irdische vom Menschen wegzuwerfen, und den Menschen ganz und gar zu spiritualisieren, so daß nichts Irdisches auf ihn wirkt, so daß er nicht durchsetzt und durchkraftet werde von dem Irdischen. Sie möchten in ihm nur ein kosmisches Wesen haben, sie möchten, daß die Erde abfiele von der Evolution, daß sie verworfen würde im Weltenall. Während Ahriman will, daß gerade die Erde sich verselbständige, gewissermaßen für den Menschen die ganze Welt werde, streben die luziferischen Wesenheiten an, daß die Erde verworfen werde, weggeworfen werde von der Menschheit, und die Menschheit hinauferhoben werde in das Reich, in welchem die luziferischen Wesenheiten selber sind, in welchem die luziferischen Wesenheiten ihr Dasein haben in der reinen Welt der Dauer. Um dieses zu erreichen, versuchen die luziferischen Wesenheiten fortwährend, uns die Intelligenz, die wir als Menschen haben, automatisch zu machen, und sie versuchen, den freien Willen in uns zu unterdrücken. Würde die Intelligenz rein automatisiert werden, würde der freie Wille unterdrückt werden, dann würden wir mit automatischer Intelligenz, und nicht aus unserem Wollen, sondern aus Götterwollen heraus dasjenige vollbringen können, was uns obliegt. Wir würden rein kosmische Wesen werden können. Das streben die luziferischen Geister an. Sie streben an, uns gewissermaßen zu reinen Geistern zu machen, solchen, die nicht eigene Intelligenz haben, sondern nur kosmische Intelligenz, die nicht eigenen freien Willen haben, sondern in denen alles dasjenige, was Denken und Handeln ist, automatisch verläuft, wie bei der Hierarchie der Angeloi und in vieler Beziehung in der Hierarchie der luziferischen Wesenheiten selber, aber da in anderer Beziehung. Zu reinen Geistern wollen uns die luziferischen Wesenheiten machen; den Erdeneinschlag wollen sie verwerfen. Dazu wollen sie uns eine Intelligenz schaffen, die ganz und gar unbeeinflußt ist von jeglichem Gehirn, und in der ganz und gar kein freier Wille webt.

[ 11 ] There are other forces and powers which strive for the exact opposite, to tear us from this time-life, to endow us with a thinking, feeling and willing that trickles in, as it were, solely from the region of duration. These beings strive to fill us from childhood on, and with no effort of our own, with a certain quantum of thinking, feeling and willing and then to conserve it for us throughout the whole course of life. Should they conquer, our whole temporal life would dry up. We should finally,—indeed quite soon, it would have happened long ago if these beings had conquered,—lay aside the physical corporeality, the bodily spirit-being, and become pure spirits. But our task, in so far as it comes from our earth-existence, would not have been fulfilled. We should be drawn away from earth-existence. To these beings the earth is too evil, they hate the earth, they would like to get rid of it. They would like to lift man from the earth and give him an existence purely in the realm of duration; they would like him to discard all that takes its course in time in the way I have described. These are the Luciferic beings. They strive for just the opposite of what the Ahrimanic beings desire. The Ahrimanic beings seek to free man together with the whole of earth-existence from the cosmic past and to conserve the earthly. The Luciferic beings strive to thrust away the earth, thrust away from man everything earthly and spiritualize him entirely, so that the forces of the earth cannot work upon him. They would like man to be purely a cosmic being, and would like the earth to fall away from evolution and be cast out into the universe. Whereas Ahriman wants the earth to become an independent entity and man's whole world, the Luciferic beings strive towards the opposite goal. They want the earth to be thrust away from humanity and humanity to be lifted into that realm where they themselves have their existence, the pure world of duration. In order to attain this object the Luciferic beings seek perpetually to make the human intelligence automatic, they endeavour to crush down man's free will. Should intelligence become purely automatic and the free will crushed, then with automatic intelligence and not with our own will, but the will of the gods, we should be able to accomplish what it fell to us to perform. We should become entirely cosmic beings. That is the goal towards which the Luciferic beings strive. They endeavour to make us pure spirits, such as have cosmic intelligence in place of their own, spirits who have no free will, and whose thinking and acting run their course automatically, as among the Hierarchy of the Angels and to a great extent in the hierarchy of the Luciferic beings—but here in another respect. They wish to make us pure spirits and to cast away the earthly impulse. Moreover they want to create an intelligence for us which is entirely uninfluenced by any kind of brain and absolutely untouched by the interweaving of free will.

[ 12 ] Die Wesen, die sich um Ahriman scharen, die ahrimanischen Wesenheiten, die wollen im Gegenteil gerade den menschlichen Intellekt ganz besonders pflegen, und ihn immer mehr und mehr so pflegen, daß er in immer größere und größere Abhängigkeit von allem Erdendasein kommt; und sie wollen den menschlichen Willen, den Eigenwillen ganz besonders ausbilden: also alles dasjenige, was gerade die luziferischen Wesenheiten unterdrücken wollen. Die ahrimanischen Wesenheiten, oder besser gesagt, die dienenden Geister des Ahriman, die wollen dieses gerade voll ausbilden. Das ist ganz besonders wichtig zu berücksichtigen. Der Mensch würde dadurch zu einer Art Selbstgenügsamkeit kommen. Er würde zwar ein Träumer sein in seiner Jugend, aber er würde ein ganz gescheiter Mensch in seinem Alter werden und würde manches verstehen durch eigene Erfahrung; doch er bekäme nichts geoffenbart aus den geistigen Welten. Verhehlen wir uns das nicht: Alles, durch was man in der Jugend klug ist, ist nur aus Offenbarung erstanden, eigene Erfahrung tritt erst im Alter ein. Und die ahrimanischen Wesenheiten wollen uns auf diese eigene Erfahrung beschränken. Wir würden frei wollende Wesen sein, aber wir würden als geistig-seelische Wesen höchstens erst im achtundzwanzigsten Lebensjahre geboren werden. Denken Sie nur einmal: als Mensch stehen wir eigentlich zwischen diesen beiden Willensrichtungen der geistigen Welten drinnen. Und wir haben als Mensch in einem gewissen Sinne die Aufgabe, uns so hindurchzuleben in der Welt, daß wir weder Ahriman noch Luzifer folgen, sondern ein Gleichgewicht finden zwischen den beiden Strömungen.

[ 12 ] The beings who flock round Ahriman, the Ahrimanic beings, want on the contrary to cultivate most specially human intellect, to cultivate it to the extent of being increasingly dependent on the whole earth-existence. They want, moreover, to develop intensively man's individual will—that is, precisely all that the Luciferic beings wish to repress. The Ahrimanic beings, or, expressed better, the spirits serving Ahriman, want to develop fully precisely this—we must take that definitely into account. The human being in this way would come to a sort of self-sufficiency. He would, it is true, be a dreamer in his youth, and in later years be extremely clever and understand many things through his own practical experience, yet he would receive nothing as a revelation from the spiritual worlds. Do not let us deceive ourselves about that. Everything through which one is clever in youth has arisen only from revelation, one's own experience enters only in later years. The Ahrimanic beings want to limit us to this personal experience. We should be beings of independent will, but as beings of soul and spirit we should have at most to be born in our 28th year. Just consider: we as human beings, are actually standing in between these two conflicting aims of the spiritual worlds. And in a certain sense we have the task as man so to live our life in the world that we follow neither Ahriman nor Lucifer but find an equilibrium between the two currents.

[ 13 ] Man kann sich vorstellen, daß auch noch unserem materialistischen Zeitalter gruselig wird, wenn die Menschen hören, was da eigentlich auf dem Grunde der Menschennatur sich abspielt. Weil den Menschen gruselig wird davor, war es ja so eingerichtet in der Weltenordnung, daß in alten Zeiten göttliche Lehrer den Menschen ein überbewußtes Wissen mitteilten, damit die Menschen nicht selber sich diesem Geisteskampfe entgegenzustellen brauchten. Da konnten dann die Eingeweihten gegenüber der äußeren Welt schweigen von diesem Geisteskampfe. Menschen, die von diesem Geisteskampfe, der sich gewissermaßen bei jedem Menschen hinter der Szene des Lebens abspielt, wissen, wußten, die gab es immer. Immer gab es Menschen, welche sich davon überzeugt hatten, daß das Leben ein Sich-Hindurchwinden durch einen Kampf ist, daß das Leben eine Gefahr in sich schließt. Aber immer mehr und mehr bestand auch der Grundsatz, die Menschen nicht hinzuführen zur Schwelle der geistigen Welt, sie nicht hinzugeleiten zu dem Hüter der Schwelle, damit sie nicht — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck, aber er paßt — das Gruseln bekommen. Aber die Zeiten sind vorüber, in denen das möglich ist. Denn Zeiten werden eintreten in der zukünftigen Erdenentwickelung, in welcher die Scheidung wird eintreten müssen zwischen den Kindern des Luzifer und den Kindern des Ahriman, entweder das eine oder das andere. Aber wissen, daß man drinnensteht und im Drinnenstehen das Leben wissend führen muß, das muß heute als Lebensnotwendigkeit für die menschliche Zukunft gesagt werden und muß verstanden werden. Eine bloße Wissenschaft des Schweigens kann es für die Zukunft nicht geben.

[ 13 ] One can imagine that it is gruesome even to our materialistic age for men to hear what actually takes place at the foundation of human nature. Because it is gruesome it was so arranged in the world-order that in ancient times divine teachers imparted to men a supersensible knowledge, so that they did not themselves need to face this spirit-conflict. The initiates could be silent about the spirit-conflict to the outer world. There have always been men who know, knew, of this spirit-conflict which is enacted in every human being behind the scenes of life. There were always men who had convinced themselves that life is a struggle through a conflict, that it encloses a danger in itself. But the principle also existed not to lead men to the threshold of the spiritual world, not to lead them to the Guardian of the Threshold, so that (forgive the expression but it fits)—so that they did not get the horrors. But the times have passed in which that is possible. For the time will come in future earthly evolution when the separation must take place between the children of Lucifer and the children of Ahriman, either the one or the other. But to know that one stands within it, and in this standing within one must guide one's life with knowledge, that must be said today as a necessity of life for man's future, and it must be understood. There can be no mere science of silence for the future.

[ 14 ] Derjenige, welcher sich wissend einleben will in das Leben, der muß in einer gewissen Beziehung, ich möchte sagen, kosmisches Empfinden entwickeln. Was heißt das, kosmisches Empfinden entwickeln? Das heißt, er muß lernen, die Welt etwas anders anzusehen, als man sie gewohnt ist von dem Gesichtspunkte der Maja anzusehen. Wenn man mit der Wissenschaft der Einweihung durch die Welt geht, dann treten Gefühle auf, die nicht da sind, solange man in dem Wissen der Maja bloß lebt. Es treten Gefühle auf, die der gewöhnliche Mensch nicht nur als paradox, sondern als töricht ansieht, als phantastisch ansieht, die aber so berechtigt sind wie möglich, gerade der wahren Wirklichkeit gegenüber. Derjenige, der ausgerüstet mit der Wissenschaft der Einweihung einem Menschen gegenübertritt, er schwebt hin und her zwischen zwei Empfindungen. Du Mensch — denkt er sich —, du schwebst in zwei Möglichkeiten: entweder du verfällst ganz dem Zeitlichen, du mineralisierst dich, du erstarrst, indem du bloßer Erdenmensch wirst und deine kosmische Vergangenheit verlierst; oder aber du verflüchtigst dich im Geiste zu einem geistigen Automaten, du erreichst dein Ziel als Mensch nicht, trotzdem du Geist bist. — Man möchte sagen: Wenn man so einem Menschen gegenübersteht, treten einem eigentlich immer aus ihm heraus zwei Menschen entgegen, der eine, der in der Gefahr schwebt, in seiner Form zu versteinern, in seiner Form dicht und starr zu werden und mit der Erde zusammenzuwachsen, und der andere, der in der Gefahr schwebt, alles, was zum Mineralisierenden, zum Sich-Erhärtenden neigt, auszustoßen, ganz weich, quallig zu werden und endlich sich aufzulösen als geistiger Automat im All. Diese zwei Wesen treten eigentlich denen, die mit der Wissenschaft der Initiation ausgerüstet sind, entgegen, wenn man einen Menschen betrachtet. Man hat immer, ich möchte sagen, Angst — verzeihen Sie, man muß die Worte so wählen, wie sie die Sprache darbietet, es klingt also manches paradox, wenn man ins Reich der Wirklichkeit hineinweist —, die Menschen, wie sie einem entgegentreten, könnten plötzlich alle so werden wie jene merkwürdigen Gestalten, die man manchmal an Felsenwänden sieht: Ritter zu Pferde, wie aus dem Felsen herausgebildet, oder andere Gestalten in den Bergen, schlafende Jungfrauen und so weiter, die Menschen könnten so etwas werden und sich mit dem Gestein der Erde vereinigen und nur fortleben als mineralisierte Form. Oder aber sie könnten ausstoßen dasjenige, was sie in die Mineralisierung hineinweist und könnten quallig werden: diejenigen Organe, die sich zusammengezogen haben, könnten aufquellen, die Ohren könnten riesig groß werden, könnten den Kehlkopf mit umfassen, aus den Schultern heraus könnten flügelartige Organe mit alledem zusammenwachsen; das alles so weich wie eine Meeresqualle, aber sich wie aus der eigenen wogenden Wellenform heraus auflösend.

[ 14 ] Anyone who wishes to get a true knowledge of life must develop cosmic sensitivity. What does that mean? It means that he must learn to look at the world somewhat differently from the customary way of seeing it from the standpoint of maya. When one goes through the world with the science of initiation then feelings arise which are not there as long as one remains merely in the knowledge of maya. Feelings arise which the ordinary person looks on not merely as paradoxical, but as foolish and fantastic, yet which have every possible justification as regards true reality. One who possesses the science of initiation and meets with a human being hovers to and fro between two perceptions. You man (he thinks to himself), you oscillate between two possibilities. Either you fall a prey entirely to the temporal, you become mineralised and stiffened inasmuch as you become solely earth-man and lose your past, or else you evaporate in the spirit to a spiritual automaton, you do not reach your goal as human being in spite of being spirit.—It might be said that in confronting a man there really always come towards one two men, the one who is in danger of petrifying in his form, becoming dense and rigid and growing together with the earth; and the other who is in danger of thrusting out all that tends to the mineralising and the hardening process, and is in danger of becoming quite soft, jelly-like, and finally of dissolving as spiritual automaton in the All. These two beings actually meet those who observe a man through the means furnished by the science of initiation. One always feels anxiety, so to say (one must choose such words as language provides, thus many things sound a paradox when one points to the realm of reality)—one has ever anxiety lest the men who confront one suddenly all become like those remarkable figures sometimes seen on the face of a rocky cliff: a knight on horseback, or other figures in the mountains, sleeping maidens, and so on. Men could become something like this and unite with the rock of the earth and only live on as mineralised form. On the other hand, however, they could thrust out all that leads them to mineralisation and could become jelly-like: those organs that have contracted could swell out the ears, could become gigantic and include the throat, wing-like organs could grow out of the shoulders combined with all this; all as soft as a jellyfish but dissolving as if out of its own surging wave formation.

[ 15 ] Und solche Empfindungen, ich möchte sagen kosmische Empfindungen, man hat sie nicht nur gegenüber dem Menschen, wenn man mit der Erkenntnis der Initiation an die Dinge herantritt, sondern man überträgt schließlich das, was durch diese kosmische Empfindung spricht, auf alles. Sie haben ja bemerkt: die Tendenz zum Erstarren, zum Felsigwerden, sie kommt von Ahriman; die Tendenz zum Verflüchtigen, zum zuerst Qualligwerden, dann Sich-Auflösen, sie kommt von Luzifer. Es beschränkt sich das nicht gegenüber dem, was einem am Menschen selbst entgegentritt, sondern es dehnt sich aus auf alles, was einem in der Abstraktheit entgegentritt. Man lernt empfinden alles Geradlinige als ahrimanisch, alles Gebogenlinige als luziferisch. Der Kreis ist das Sinnbild des Luzifer, die Gerade ist das Sinnbild des Ahriman. Wir schauen das menschliche Haupt an: dieses menschliche Haupt mit seiner Tendenz — Sie können es am Skelett sehen — zu versteinern, zu verknöchern, in der Form, die ihm die Erde gibt, sich festzuhalten, ist ahrimanische Bildung. Wären die Kräfte, die im menschlichen Haupte wirken, im ganzen Menschen wirksam, der Mensch würde die Gestalt des Ahriman erhalten, wie Sie ihn drüben auf unserer Gruppe haben, und er wäre ganz durchdrungen, ich möchte sagen, von Kopfigkeit, er wäre ganz eigene Intelligenz, aber egoistische Intelligenz, und ganz Eigenwille, so daß der Wille in der Form selber zum Ausdrucke kommt.

[ 15 ] And such perception, such cosmic sensitivity, so to say, arises not only when one confronts a human being with initiation knowledge, but ultimately one carries over to everything what one receives through this cosmic sensitivity. You have assuredly remarked that the tendency to rigidify, to become rock-like; comes from Ahriman; the tendency to volatilize, become first jelly-like, then dissolving: comes from Lucifer. But this is not confined to man himself, it extends over all the abstraction that one meets. One learns to perceive all straight lines as Ahrimanic; all curved lines as Luciferic. The circle is the symbol of Lucifer; the straight line the symbol of Ahriman. The human head with its tendency (one can see it in the skeleton) to petrify, to ossify in the form given it by the earth and to remain hard, is Ahrimanic formation. If forces that work in the human head were active in the whole man he would acquire the figure of Ahriman as you have him over there in our Group. He would be entirely permeated by headness—so to say he would be entirely his own intelligence; but egotistic intelligence; and entirely his own will so that the will comes to expression in the form itself.

[ 16 ] Beschauen wir aber den andern Menschen, nicht den Kopfmenschen, sondern den Extremitätenmenschen im weiteren Sinne, so haben wir die Vorstellung: Wenn dasjenige, was in dem übrigen Menschen an Kräften wirkt, den ganzen Menschen durchwirkte, so würde der Mensch so gebildet sein, wie drüben auf der Gruppe die Figur des Luzifer ausgestaltet ist. Und wo wir hinschauen, überall, ob im Naturleben oder im sozialen Leben, wir können, mit der Wissenschaft der Initiation ausgestattet, in das Ahrimanische und in das Luziferische hineinschauen. Wir müssen es nur empfinden, das Ahrimanische und das Luziferische. Und diese Empfindung auszubilden, das liegt schon in der Notwendigkeit der Entwickelung der Menschenzukunft. Der Mensch muß fühlen lernen: Luziferisches Wesen waltet durch die Welt. Dieses luziferische Wesen waltet auch durch das menschliche Zusammenleben. Und dieses luziferische Wesen möchte vor allen Dingen alles, was Gesetzlichkeit in der Welt ist, was die Menschen jemals an Gesetzen aufgestellt haben, aus der Welt herausschaffen. Im menschlichen Zusammenleben ist dem Luzifer nichts so sehr verhaßt, als alles das, was irgendwie nach Gesetz riecht.

[ 16 ] If we look at the rest of man, not the head-man, but the extremities, man in the broader sense; we have the idea: If the forces working in the rest of man worked through man as a whole he would then be formed like the figure of Lucifer in the Group. And wherever we look; whether in the life of nature or in social life, we can look into the Ahrimanic or the Luciferic if we are equipped with the science of initiation. We must only perceive it and to develop this sensitive perception is a necessity in man's future evolution. Man must learn to feel that the Lucifer character prevails throughout the world, it prevails too through man's social life. It wants above all to get rid of everything that pertains to rule and order in the world and the laws that men have established. In man's social life there is nothing, so much hated by Lucifer as anything that smells at all of law.

[ 17 ] Ahriman möchte überall Gesetze haben; Ahriman möchte überall Gesetze so eben hinschreiben. Und wiederum ist das menschliche Gemeinschaftsleben aus dem Hasse des Luzifer gegen die Gesetzmäßigkeit und aus der Sympathie des Ahriman für Gesetzmäßigkeit zusammengewoben, und man begreift dieses Leben nicht, wenn man es nicht dualistisch versteht. Ahriman liebt alles dasjenige, was äußere Form ist, was erstarren kann. Luzifer — «die Luzifere» — lieben alles dasjenige, was formlos ist, was die Form auflöst, was flüssig und beweglich wird. Am Leben muß man lernen, Gleichgewicht zu schaffen zwischen dem Erstarrenwollenden und dem Flüssigwerdenden.

[ 17 ] Ahriman would like to have laws; inscribe laws everywhere. And again human community-life is interwoven with the hatred of Lucifer against law and Ahriman's sympathy for it—and one does not understand life if one does not understand it as a dualism. Ahriman likes all that is outer form, that can stiffen; Lucifer likes—the Luciferic beings like—all that is formless, that dissolves form, becomes fluid and flexible. By life itself one must learn to create the balance between the wanting to stiffen and the becoming fluid.

[ 18 ] Sehen Sie sich die Formen unseres Baues an: Überall das Gerade in das Gebogene übergeführt, Gleichgewicht gesucht, überall der Versuch gemacht, das Erstarrende wieder aufzulösen in Flüssiges, überall Ruhe in der Bewegung geschaffen, aber die Ruhe wiederum in die Bewegung versetzt. Das ist das ganz Geistige an unserem Bau. Wir müssen als Menschen der Zukunft anstreben, in der Kunst und im Leben etwas zu gestalten, indem wir wissen: Da unten Ahriman, der alles erstarren lassen will, da oben Luzifer, der alles verflüchtigen will; beides aber muß unsichtbar bleiben, denn in der Welt der Maja darf nur das Wellenkräuseln drinnen sein. Und wehe, wenn Ahriman oder Luzifer selber sich hineindrängen würden in dasjenige, was Leben sein will! Und so ist unser Bau geworden ein Gleichgewichtszustand im Weltenall, der entrungen ist, herausgehoben ist aus dem Reiche des Ahriman und dem Reiche des Luzifer. Es gipfelt alles in der Mittelfigur unserer Gruppe, in diesem Menschheitsrepräsentanten, in dem alles Luziferische und Ahrimanische ausgelöscht werden soll. Und daß es so ist, daß es herausgeholt ist aus dem, was geistig nur bleiben soll, das kommt zur Darstellung in der Gruppe, wo das Luziferische und Ahrimanische im Gleichgewichte einander auch noch sichtbarlich entgegengestellt werden, damit die Menschen es verstehen lernen.

[ 18 ] Look at the forms of our Bau [ The first Goetheanum, destroyed by fire December 31, 1922. ], the straight line led over everywhere into the curved, equilibrium sought; everywhere an endeavour to dissolve the fixed again in the fluid, everywhere rest produced in the movement, but the rest transposed again into movement. That is the whole spiritual element in our Bau. As men of the future we must try to shape something in art and life knowing that there below is Ahriman who would let everything grow rigid, there above is Lucifer who wishes to spiritualize everything; both, however, must remain invisible, for in the world of maya only the wave-ripples may appear. Woe if Ahriman or Lucifer should themselves press into what desires to be life! And so our Bau has become what it is: a state of balance in the universe which is wrested, lifted out, of the realm of Ahriman and the realm of Lucifer. Everything culminates in the central figure of our Group, in this Representative of mankind, in whom the whole Luciferic and Ahrimanic element is to be blotted out. And the fact that this is so, that all is lifted out of what is to remain purely spiritual, comes to expression in the Group, where the Luciferic and Ahrimanic elements are set visibly in balance to each other so that men learn to understand it.

[ 19 ] Das ist die Perspektive, die man heute hinstellen muß vor die Menschen, damit die Menschen begreifen lernen, wie sie den Gleichgewichtszustand finden sollen zwischen Ahrimanischem und Luziferischem. Das Ahrimanische richtet uns immer, ich möchte sagen, auch seelisch-geistig geradlinig; das Luziferische bringt uns immer in wellige oder kreisförmige Bewegung und vermannigfaltigt uns. Haben wir einseitig die Tendenz nach Monismus, streben wir an, die ganze Welt als eine Einheit zu erklären, dann zupft uns Ahriman bei einem Ohr; werden wir Monadisten, einseitige Monadisten, erklären wir die Welt aus vielen, vielen Atomen oder Monaden nur, ohne Einheit, dann zupft uns Luzifer beim andern Ohrläppchen. Und im Grunde genommen, für denjenigen, der einsichtig ist, stellt sich die Sache so dar, daß wenn Monisten mit Pluralisten, mit Monadologen streiten, da ist eigentlich der Mensch, der da streitet, zumeist recht unschuldig daran; denn hinter ihm, da zupft ihn, wenn er Monist ist, der Ahriman bei dem Ohrläppchen und bläst ihm ein alle die schönen Gründe, all die eigengeglaubte Logik, die er für seinen Monismus aufbringt; und wenn er Leibnizianer ist oder anderer Monadologe, da ist der Luzifer da und bläst ihm für die Vielfaltigkeit oder für die Mannigfaltigkeit der geistigen Wesenheiten all die schönen Gründe ein. Denn dasjenige, was gesucht werden muß, ist der Gleichgewichtszustand, die Einheit in der Vielheit, die Vielheit in der Einheit. Das ist aber unbequemer, als entweder die Einheit oder die Vielheit zu suchen, wie es überhaupt unbequemer ist, einen Gleichgewichtszustand zu suchen als irgend etwas, worauf man wie auf einem Faulbett gut ausruhen kann. Die Menschen werden entweder Skeptiker oder Mystiker. Die Skeptiker fühlen sich als freie Geister, die alles bezweifeln können, die Mystiker fühlen sich als gottdurchdrungen, die alles in ihrem Inneren liebend, erkennend umfassen. Im Grunde sind die Skeptiker nur Ahrimanschüler, die Mystiker nur Luziferschüler. Denn dasjenige, was von der Menschheit anzustreben ist, ist der Gleichgewichtszustand: mystisches Erleben in der Skepsis, Skepsis im mystischen Erleben. Es kommt nicht darauf an, ob man Montaigne oder Augustinus ist, sondern es kommt darauf an, daß dasjenige, was der Montaigne ist, durch den Augustinus beleuchtet wird, und dasjenige, was der Augustinus ist, durch den Montaigne beleuchtet wird. Die Einseitigkeiten führen den Menschen nach der einen oder nach der andern Strömung ab.

[ 19 ] That is the perspective which one must place before men today, so that they may learn to grasp how they must find the state of equilibrium between the Ahrimanic and the Luciferic. The Ahrimanic regulates us always—even in soul and spirit—rectilinearly; the Luciferic brings us always into curving or circular movement and diversifies us. If we have a one-sided tendency to monotheism, if we strive to the whole world as a unity, then Ahriman tugs us by one ear; if we become monadists, one-sided monadists, explaining the world out of many, many atoms or monads only, without unity, then Lucifer is tugging us by the other ear.—In fact, to one who has insight things are like this: when monists dispute with pluralists, monadists, then the man who is actually disputing is generally quite guiltless, for behind him, if he is a monist. Ahriman is pulling him by the ear and whispering all the fine reasons the self-believed logic which he presents for his monism; and if he is a follower of Leibniz or some other monadist,—Lucifer is there and whispers all the fine reasons for the manifoldness of spiritual beings. What must be sought is the state of equilibrium, unity in multiplicity, multiplicity in unity. However, that is less easy and convenient than to seek either the unity or the multiplicity; as it is altogether less comfortable to seek a state of equilibrium than something where one can just rest in laziness. Men become either sceptics or mystics, The sceptics feel that they have fine minds that can doubt everything, the mystics feel that they are permeated by the divine and that with love and knowledge they can embrace all things in their own inner being. The Sceptics are in fact but pupils of Ahriman and the mystics but pupils of Lucifer. For what mankind must strive towards is the state of balance; mystic experience in scepticism, scepticism in mystic experience. It is not the point whether one is Montaigne or Augustine, the point is that what Montaigne represents is illumined through Augustine and what Augustine represents is illumined through Montaigne. One-sidednesses mislead men in the direction of the one or the other stream.

[ 20 ] Was ist das eigentlich, das Luziferische? Das Luziferische ist eigentlich da, um uns kopflos zu machen, uns die eigene Intelligenz und den freien Willen zu nehmen, und die luziferischen Geister, das luziferische Element will eigentlich, daß wir schon im achtundzwanzigsten Jahre sterben, das will uns nicht alt werden lassen. Man sagt übrigens besser «die luziferischen Geister», aber «Ahriman», denn wenn es auch Scharen in der Gefolgschaft des Ahriman gibt, Ahriman stellt sich selbst als eine Einheit dar, weil er nach Einheit strebt, und das luziferische Element stellt sich als Vielheit dar, weil es eben nach Vielheit strebt; deshalb spricht man es so aus, wie ich es heute im Laufe des Vortrags schon getan habe. Und wenn es ganz nach Luzifer, nach den luziferischen Geistern gehen würde, so würden wir Kinder werden, Jünglinge und Jungfrauen werden, würden gutes Wissen der Dauer eingeträufelt erhalten, aber wir würden mit ungefähr achtundzwanzig Jahren die Sklerose bekommen und bald danach vertrotteln, damit dasjenige, was wir als menschliches Begreifen entwickeln können, gerade als Sklerose ausgestoßen würde, und dasjenige, was wir in der Jugend aufnehmen, automatisiert vergeistigt werden könnte. Die luziferischen Geister möchten uns gleich in die geistige Welt nehmen und uns nicht erst Jupiter-, Venus-, Vulkanentwickelung durchmachen lassen, bevor wir kosmische Wesen werden. Sie betrachten das als nicht notwendig; sondern von der Erde weg den Menschen an das göttlich-geistige Ziel zu bringen mit dem, was er schon sich durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit entwickelt hat, das erstreben sie. Das ist eine Strömung, die möglichst schnell laufen will mit dem Menschen; das ist eine voreilige Strömung. Die luziferischen Geister möchten mit uns dahinstürmen und uns möglichst bald in die kosmische Wesenhaftigkeit hineinführen. Die ahrimanischen Geister, die möchten unsere Vergangenheit tilgen und uns zurückführen mit der Erde an den Ausgangspunkt, möchten auslöschen unsere Vergangenheit, uns auf der Erde konservieren und dann uns dahin zurückversetzen, wo wir als Saturnwesen waren. Es ist eine rückläufige Bewegung, eine retardierende Bewegung. Aus einer voreiligen und aus einer rückläufigen Bewegung ist das Leben schließlich zusammengesetzt, und der Gleichgewichtszustand zwischen beiden muß gefunden werden.

[ 20 ] What is actually the meaning of “towards the Luciferic”? The Luciferic is really there to make us headless, to take away our own intelligence and free-will. The Luciferic spirits (it is better to say “Luciferic spirits” and to say “Ahriman”, for although there are hosts in the following of Ahriman, Ahriman stands out as a unity, because he strives for unity, and the Luciferic element shows itself as plurality, because it strives for plurality—therefore one expresses it as I have already done in the course of today's lecture)—the Luciferic element really wants us to die at 28, it does not want us to grow old. And if things went entirely according to this Luciferic element we should become children, young men and women, would receive good knowledge trickled in from duration, but at approximately the age of 28 we should get sclerosis and rapidly become cretins. Thus what we could develop as human comprehension would be thrust out just as sclerosis would be thrust out and what we receive in youth could be made automatic and spiritualised. The Luciferic spirits would like to take us at once and not let us first go through the Jupiter, Venus, Vulcan evolution in order then only to become cosmic beings. They do not consider that necessary but strive to take man away from the earth with what he has already evolved through the Saturn, Sun, Moon existence. That is the one stream which wants to hurry on with man as quickly as possible, it is a premature stream. The Luciferic spirits would like to storm in and lead us as quickly as possible into cosmic reality. The Ahrimanic spirits would like to root out our past and make the earth our starting point; they would like to wipe out our past, conserve us on the earth and then set us back to where we were as Saturn-beings. It is a retrograde, retarding movement. Life is ultimately compounded out of a premature and a retrograde movement and the state of equilibrium between them must be found.

[ 21 ] Sagen Sie nicht, diese Dinge seien schwierig, denn darauf kommt es gar nicht an. Ich habe Ihnen gestern vorgeführt, wie in alten Zeiten die Menschen Raum- und Zeiterlebnisse gehabt haben, wie sie den Raum konkret erlebt haben, wie sie die Zeit konkret erlebt haben. Das, was wir so abstrakt erleben, sie haben es konkret erlebt. Wir müssen lernen, unsere Umgebung so anzuschauen, daß wir überall dieses Zusammenspielen im Erstarren, Verflüchtigen, vom Davonlaufen und Zurückwerfen, vom Geradlinigen und Krummlinigen im Gleichgewichte erleben. Schlafen kann man mit dem, was die Welt einfach anschaut. Wenn man wachend sie anschaut, dann droht sie einem, in all ihrem Wesen, sobald sie aus der Gleichgewichtslage herauskommt, zu erstarren oder sich zu verflüchtigen. Dieses Gefühl müssen wir entwickeln, und so lebhaft muß es in der Menschheit der Zukunft werden, wie das alte Raum- und Zeitgefühl in den Menschen der Vergangenheit war.

[ 21 ] Do not say, my dear friends, that these things are difficult, for that is not at all the point. I spoke yesterday of how in early times men had the experience of space and time, of how they experienced them concretely, while we experience them so abstractly. We must learn so to look at our environment that everywhere we experience in balance this interplay of stiffening and evaporating, of deserting and thrusting back, of straight line and curve line. One can sleep with what simply looks at the world. If one looks at it awake, then it threatens to rigidify or evaporate in its whole nature as soon as it comes out of the state of equilibrium. We must develop this feeling and it must become as alive in the men of the future as was the ancient feeling for space and time in the men of the past.

[ 22 ] Man kann an unserer Gruppe verschiedenes empfinden. Man kann in der Mitte den Menschheitsrepräsentanten mit seinen Linien und Flächen und Formen fühlen, wo alles Luziferische und Ahrimanische ausgelöscht ist. Die Formen sind da, aber so weit es sich in der Menschengestalt tilgen läßt, ist das Luziferische und Ahrimanische getilgt. Man kann Luzifer und Ahriman in ihren Formen festgehalten finden. Man kann empfinden diese Gegensätzlichkeit des Mittelmenschen, des Luzifer und Ahriman, und kann mit diesem Gefühle durch die Welt gehen: man wird dasjenige, was diesem Gefühle entspricht, überall in der Welt finden. Und wer sich aneignen wird dasjenige, was in diesen Gefühlen lebt, die man an dieser Trinität entwickeln kann, der wird sich viel aneignen für eine gewisse Autopsie des Lebens. Es wird sich viel enthüllen von der Welt, wenn man sie so ansehen wird, wie sich diese Gefühle aus der Trinität ergeben: der Mittelmensch oder Menschheitsrepräsentant; Ahriman; Luzifer. Und wie dem alten Raumgefühl die Dreifaltigkeit sich offenbarte, dem alten Zeitgefühl die Einheit des Göttlichen, so wird sich ein Höchstes an Weltengeheimnissen der Menschheit der Zukunft enthüllen müssen, indem sie das Erstarrende, das Sich-Verflüchtigende, das Davonlaufen, das Zurückschieben, das Geradlinige, das Krummlinige, das Gesetzmäßiges-Liebende, das Gesetzmäßiges-Hassende und so weiter, konkret aufzufassen in der Lage ist. Überall im Leben den Schwingungszustand erkennen, das ist es, worauf es ankommt. Denn das Leben ist nicht möglich, ohne daß ein solcher Schwingungszustand darinnen ist. Sie können ja auch, wenn Sie eine Pendeluhr haben, die Schwingungen vermeiden wollen, das Pendel stillstehen lassen: aber die Uhr wird Ihnen dann nichts nützen; damit sie die Zeit angibt, muß das Pendel ausschlagen. So muß der Pendelzustand im Leben drinnen sein. Überall muß das bemerkt werden. Davon wollen wir morgen weitersprechen.

[ 22 ] One can have a sensitive perception concerning much in our Group. One can feel in the centre the Representative of humanity with its lines and planes and forms, where everything Luciferic and Ahrimanic is obliterated. The forms are there, but as far as it allows in the human figure the Luciferic and Ahrimanic is rooted out. One can find Lucifer and Ahriman held fast in their forms; one can feel the contrast between the central human being and Lucifer and Ahriman, and can go through the world with this feeling and find its correspondence everywhere. One who is able to assimilate what lives in the feelings that are brought forth by this trinity will absorb much for a certain autopsy of life. Much will be revealed by the world when one contemplates it with the feelings resulting out of the trinity: the central human being or Representative of mankind, Ahriman, Lucifer, And as to the ancient space-feeling the three-foldness was revealed, and to the ancient time-feeling the oneness of the Divine, so must one of the loftiest world-mysteries be revealed to the humanity of the future, in that it is in the position to grasp concretely the stiffening, the evaporating, the deserting, the thrusting back, the straight-lined, the curve, the law-loving, the law-hating, and so on. The recognition of the state of oscillation everywhere in life—that is what matters. For life is not possible unless there is such a state of oscillation, If you have a clock with a pendulum you can of course want to avoid the swinging to and fro and make the pendulum stand still, but the clock will be of no use to you, the pendulum must swing. In life there must be this pendulum condition. That must be noted everywhere.