The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184
22 September 1918, Dornach
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The Cosmic Prehistoric Ages of Mankind, tr. Cotterell
Neunter Vortrag
III. Romanism and Freemasonry
[ 1 ] Wenn wir uns einmal vergegenwärtigen, was uns jetzt nicht aus den verschiedenen Einzelheiten, sondern aus dem Gesamtsinn der zuletzt hier gehaltenen Vorträge folgt, auch zum Beispiel aus dem gestrigen, so können wir sagen: es ist dies, daß von jener Kultur, welche die unsrige in energischer Weise gegen die Zukunft hin ablösen muß, gefordert wird, daß die Menschen tiefer hineinblicken in die wahre Wirklichkeit, daß vor allen Dingen solche Schlagworte, oder vielleicht besser gesagt Schlagtheorien, wie die von Monismus, Idealismus, Realismus und so weiter, ihr Ende finden, und daß die Menschen einsehen, wie die Majawirklichkeit, die Wirklichkeit der äußeren Erscheinungen, die um uns herum sind, ein Zusammenfluß ist von wirklichen zwei Welten, und wir können schon sagen, von zwei Welten, die miteinander im Kampfe sind. Auf die Wirklichkeit schauen, heißt nämlich etwas ganz anderes, als nur theoretisch, wie es etwa die heutige Naturwissenschaft macht, dasjenige verfolgen, was in der Welt der Erscheinungen, in der Welt der Phänomene rings um uns herum ist.
[ 1 ] If we bring to mind what we have gathered from our recent lectures, including yesterday's lecture, and not from their various details but from their whole trend and meaning, then we can say it is the following: It is demanded of the civilisation that must replace ours towards the future in an energetic way, that it should look deeper into true reality, that above all such high-sounding phrases, or rather, such high-sounding theories as those of Monism, Idealism, Realism, and so on, come to an end, and that men realise that the maya-reality, the reality of the surrounding external phenomena, is actually a confluence of two worlds, of two worlds, in fact, in conflict with one another. To look at reality means something very different from merely following up theoretically all that exists in the world of appearances around us, which is the way of modern natural science.
[ 2 ] Wir lassen uns zunächst, um diesen Satz praktisch zu erörtern, auf ein konkretes Beispiel ein. Nicht wahr, jeder wird glauben, daß materialistische Weltanschauung, jene materialistische Weltanschauung, die sich namentlich seit den sechziger, siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unter den zivilisierten Nationen ausgebreitet hat, und auch die materialistische Lebensführung, die ja aus den Vorstellungen der materialistischen Weltanschauung herausfließt, daß diese auch in ihren Wirkungen den Menschen materialistischer machen. Man glaubt natürlich, wenn man die Welt nur so obenhin nach den Erscheinungen ansieht, daß dasjenige eintritt, was aussieht wie eine äußere Verwirklichung der Ideen, die sich der Mensch in den Kopf setzt. Aber so ist es nicht. Sobald man die aufeinanderfolgenden Gestaltungen in der Wirklichkeit ins Auge faßt, stimmt das ganz und gar nicht, daß sich die Welt irgendwie einrichte nach den Ideen, die sich die Menschen in die Köpfe setzen. Und man begreift erst, daß dies mit der Wirklichkeit nicht stimmen kann, wenn man durchschaut, daß der Mensch in der Form, wie wir das auseinandergesetzt haben, eine Doppelnatur ist, und daß in ihm wirklich Ahrimanisches und Luziferisches in der charakterisierten Weise fortwährend durcheinanderarbeiten. Nur dadurch, daß das so ist, ist folgende konkrete Erscheinung möglich. Nehmen wir an, eine genügend lange Zeit würde ein Zeitalter sich materialistischen Vorstellungen hingeben, wie es das unsrige getan hat. Es würde auch, durch diese Vorstellungen verführt, im bewußten Wollen eine Art materialistischer Lebensführung entwickeln. Die Folge davon wird nicht eintreten in demjenigen Teil der Menschennatur, welcher der Träger des bewußten Lebens ist. Dieser Träger des bewußten Lebens hat den tiefgehenden Einfluß zunächst nicht auf das menschliche Leben, den man ihm beizulegen geneigt ist bei oberflächlicher Anschauung; sondern die Wirkung tritt im Unbewußten ein, so daß Sie sich schematisch das so vorstellen können: In der bewußten Hauptesnatur des Menschen lebt Materialismus, und das Unterbewußte — diejenige Natur, die also erst ihre Metamorphose durchmacht, indem wir durch die Todespforte durchgegangen sind und hinüberleben zur nächsten Erdeninkarnation, die wir aber doch als unvollendete Bildung jetzt in uns tragen —, diese, sagen wir untere Natur des Menschen, ist der Träger des unbewußten Seelenlebens, und dieses unbewußte Seelenleben wird merkwürdigerweise unter dem Einflusse des Materialismus immer spiritueller und spiritueller. Also die wirkliche Folge materialistischer Vorstellungen, die wirkliche Folge auch materialistischer Lebensführung ist, daß die untere Natur des Menschen immer spiritueller und spiritueller wird. So daß Sie also sich folgendes vorzustellen haben. Wenn Sie recht sehr sich vertiefen in Kraft- und Stoffvorstellungen und nur an diese glauben, und wenn Sie Ihr Leben so einrichten, daß Sie sagen: Essen und Trinken und nachher das Nichts mit dem Tode — und alle einzelnen Handlungen in diesem Stile halten, so geht der Materialismus wirklich in Ihre Lebensführung über, und die untere Natur wird dann immer spiritueller und spiritueller.
[ 2 ] In order to discuss this theme practically, we will first go into a concrete example. Who would not suppose that the materialistic concept of the world which has spread among civilised nations since the 60's, 70's of last century, and the materialistic mode of living which indeed results from this concept, must necessarily have the effect of making men more materialistic? If one looks at the world merely from appearances one naturally supposes that there arises a sort of external manifestation of the ideas which men have had in their heads; but that is not the case. As soon as one turns one's mind to the conditions that in reality follow one another then that does not accord at all, it is not true that the world is somehow or other organised according to the ideas men set in their heads. One only understands that this cannot be the reality if one realises that the human being is of a double nature, as we have explained, that in him the Ahrimanic and the Luciferic forces are working through each other continually. Only because that is so is the following concrete phenomenon possible. Let us assume that an age would give itself up to materialistic ideas for a sufficiently long time, as our age has done. Misled by these ideas it would also in conscious will develop a kind of materialistic mode of life. The results will not enter the part of human nature that is the bearer of the conscious life. To begin with, the bearer of the conscious life has not that thoroughgoing influence on human life that a superficial observation is inclined to attribute to it; the results enter the unconscious. You can picture this schematically: in man's conscious head-nature lives materialism; in his subconscious nature, which goes through a metamorphosis after we have passed through the gate of death and live over into the next earth-incarnation, but which we carry in us now as an incomplete formation—this, let us say, lower nature of man is the bearer of the unconscious soul-life and in a remarkable way this unconscious soul-life becomes under the influence of materialism more and more spiritual. So that the actual result of materialistic ideas and of the materialistic way of life is that the lower nature of man becomes increasingly spiritual. You must therefore imagine the following. If you are completely immersed in concepts of matter and energy and believe solely in these, and order your life on the lines of “eat and drink and then the nothingness of death”—then, carrying out all your actions on this basis, materialism really enters your mode of living, and the lower nature gets increasingly spiritual.
[ 3 ] Nun fordert aber diese untere Natur, die immer spiritueller und spiritueller wird, daß etwas auf sie wirke; sie kann allein ihren Weg, den sie ja machen muß durch die Weltentwickelung, nicht machen. Und die Folge davon, daß im Haupte, in der oberen Natur des Menschen nur materialistische Vorstellungen und materialistische Sympathien sind, ist die, daß diese obere Natur auf die untere Natur des Menschen nicht wirken kann, und daß daher die untere Natur des Menschen andern Wirkungen ausgesetzt ist wegen der Ohnmacht der oberen Natur: sie ist ausgesetzt den Wirkungen des luziferischen Prinzips. Das luziferische Prinzip lebt sich nicht, wie ich gestern gesagt habe, in der sinnenfälligen Wirklichkeit aus; die luziferischen Wesen sind geistige Wesen. Sie treten ein in die untere Natur des Menschen, wenn sie unter dem Einflusse des Materialismus immer spiritueller und spiritueller wird, und eben wegen des Materialismus nichts vom Menschen selbst in die untere Natur einfließen kann. Und die paradoxe Wahrheit tritt vor unsere Seele, daß ein materialistisches Zeitalter in Wirklichkeit vorbereitet eine spirituelle, aber luziferische Kultur.
[ 3 ] The lower nature, however, which is becoming more and more spiritual, needs something to work on it; it cannot make its necessary way through evolution alone. Now since in the head, in man's upper nature, there are only materialistic ideas and sympathies, this upper nature is unable to work on man's lower nature, and in consequence of this deprivation, the lower nature is exposed to the working of the Luciferic principle. The Luciferic principle, as I said in the last lecture, does not manifest in sense-perceptible reality: the Luciferic beings are spiritual beings. They enter man's lower nature when it becomes so spiritual under the influence of materialism, and when this very materialism prevents anything from man himself flowing into the lower nature. The paradoxical truth appears before our soul that a materialistic age actually prepares a spiritual culture, but a Luciferic one.
[ 4 ] Betrachten wir auch den umgekehrten Fall, nehmen wir an, eine nicht vom Spiritualismus durchzogene, sondern rein auf Traditionelles sich stützende kirchliche Wahrheit ergreife die Menschen, oder arbeite dahin, die Menschen zu ergreifen. Verwandt mit einer solchen kirchlichen Wahrheit ist der abstrakte Idealismus, der, namentlich im Moralischen, nur an abstrakte Ideale glaubt und keinen Sinn dafür hat, auf welche Weise diese abstrakten Ideale entstehen; denn mögen solche Ideale noch so schön sein, sie taugen nicht, wenn man nicht einen Sinn dafür hat, auf welchem Wege solche Ideale Kräfte werden können. Rein religiöse und rein idealistische Vorstellungen haben wiederum die Folge, daß die untere Natur des Menschen immer materieller und materieller wird. Während materialistische Vorstellungen Spiritualismus fördern in der unteren Natur des Menschen, fördern rein kirchliche, ohne spirituellen Einfluß traditionell aufgebaute Anschauungen oder der abstrakte Idealismus das Materieller und Materiellerwerden der unteren Menschennatur. Man möchte sagen, der Typus für dieses Materiellerwerden der unteren Menschennatur durch Traditionell-Kirchliches, Abstrakt-Kirchliches — verzeihen Sie, daß ich einen so drastischen Vergleich gebrauche —, ist der feiste Pfaffe, der sich gerade den traditionell-kirchlichen Vorstellungen hingibt und dabei immer mehr und mehr sich sein Bäuchlein anmästet. Es ist nur ein Vergleich, es ist keine Tatsache und kein Gesetz, das ich meine; ich will nur veranschaulichen, aber es entspricht dies einer in den Untergründen der Dinge liegenden Wirklichkeit. Nun aber hat wiederum jenes Materieller- und Materiellerwerden der unteren Menschennatur keine Nahrung, wenn im Kopfe nur die traditionellen oder abstrakt-idealistischen Vorstellungen sind. Daher ist eine Menschheit, die eine solche Kultur begründet, vorzugsweise ausgesetzt nicht ihrer eigenen Kopfnatur, sondern den ahrimanischen Einflüssen. So daß wir sagen müssen: Abstrakt-Religiöses, AbstraktIdealistisches fördert im wesentlichen den Materialismus, und zwar einen ahrimanisch orientierten Materialismus, während umgekehrt materialistisches Vorstellen einen Spiritualismus fördert, und zwar einen luziferisch orientierten Spiritualismus.
[ 4 ] Conversely, taking the reverse case, let us suppose that an ecclesiastical truth, not imbued with spirituality, but supported purely by tradition, takes hold of man, or works towards taking hold of him. And related to such an ecclesiastical truth is abstract idealism which believes only in abstract ideals, in morality and has no knowledge of how these abstract ideals arise—however fine and beautiful they may be, they are of no use if one has no feeling for the way in which such forces can come about. Purely religious and purely idealistic ideas have again the consequence that the lower nature of man becomes more material. Whereas materialistic ideas promote spirituality in man's lower nature, purely clerical concepts built on tradition without spiritual influence, as well as abstract idealism, promote an increasing growth of materialism in man's lower nature. Speaking crudely, one might say that the type of this increasing materialism of the lower nature through the traditional abstract churchy element is the corpulent parson; he devotes himself to traditional church conceptions and in this way fattens up his little stomach. This is only a comparison, it is no fact and no law—I merely want to make things clear, yet it corresponds to a fundamental reality. But now again the increasing materialism of mans lower nature has no nourishment if the head harbours none but traditional and abstract traditional ideas. Hence a humanity which founds such a culture is pre-eminently exposed not to their own head-nature but to Ahrimanic influences. And so we must say that the abstractly religious the abstractly idealistic, promotes in fact an Ahrimanic materialism, while, conversely, materialistic thinking promotes a Luciferic spiritualism.
[ 5 ] Alle diese Dinge, sie beruhen ja im Grunde genommen darauf, daß die wahre Wirklichkeit ganz anders gestaltet ist als die äußere scheinbare Wirklichkeit. Aber man ist jetzt darauf angewiesen, die wahre Wirklichkeit ihrer Gesetzmäßigkeit, ihrer Wesenheit nach kennenzulernen, und insbesondere wird die Sozialwissenschaft, die Wissenschaft von dem menschlichen Zusammenleben und vom geschichtlichen Leben der Menschheit immer durchzogen werden müssen von einer solchen Geisteswissenschaft, die in der von mir in diesen Vorträgen angedeuteten Art wirklich die Brücke baut zwischen der Naturordnung und der Geistesordnung, die reale Brücke baut, nicht die abstrakte, die der Monismus baut. Dazu wird aber notwendig sein, daß gewisse Gesetze, die auch von eingeweihter Seite, aber von nicht richtig für die Gegenwart denkender eingeweihter Seite, dem allgemeinen Menschheitsbewußtsein ferngehalten werden, daß diese Gesetze der wahren Wirklichkeit immer mehr und mehr bekannt werden.
[ 5 ] All these things rest fundamentally on the fact that true reality is of a totally different nature from external apparent reality. But it is now required of man that he should get to know true reality according to its law and being. Social science, the science of human community-life and man's historical life must in particular always be permeated by a spiritual science that, as these lectures have shown, can really build the bridge between the nature-order and the spirit-order, real bridges, not those abstract ones built by monism. It will be necessary, however, for certain laws which are held back from the general consciousness of mankind by certain initiation quarters whose thinking is incorrect for the present time—for certain laws concerning true reality to become increasingly known.
[ 6 ] Ein solches Gesetz können Sie sich in der folgenden Weise vor die Seele stellen. Sie wissen, wenn Sie den wirklichen Sinn meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» verfolgen, wann im irdischen Sinne dasjenige, was wir gegenwärtig Menschtum nennen, auf der Erde eigentlich aufgetreten ist. Dieses Menschtum hat auch im gestern wiederholten Sinne eine kosmische Vorgeschichte, Saturn-, Sonnen-, Mondengeschichte, aber die Erdengeschichte war ja zunächst eine Wiederholung, und das Erdenmenschtum ist in einer ganz bestimmten Zeit aufgetreten. Und wenn Sie nachlesen in meiner «Geheimwissenschaft», dann werden Sie finden, daß dieses Menschtum aufgetreten ist in der gleichen Zeit, in welcher auf der Erde klar und deutlich hervorgetreten ist die Entstehung des mineralischen Reiches. Denn wir wissen: Das, was wir jetzt das mineralische Reich nennen, das war ja in der Saturn-, Sonnen- und Mondengeit nicht in der gleichen Art vorhanden. Es waren die drei dem mineralischen Reich vorangehenden elementarischen Reiche vorhanden. Das mineralische Reich trat in die Erdenentwickelung ein, und gleichzeitig mit dieser makrokosmischen Tatsache des Eintretens des Mineralreichs in die Erdenentwickelung tritt dann der Mensch in seiner gegenwärtigen Form in die Erdenentwickelung ein, in der Form, in der er gegenwärtig seinen Leib hat, also in seiner gegenwärtigen Leibesgestaltung. Wenn auch diese Leibesgestaltung ihre volle Ausbildung erst später im Laufe der Zeit gefunden hat, die Anlage zu dieser gegenwärtigen menschlichen Leibesgestaltung, Leibesformung, ist gleichzeitig mit dem Eintritt des mineralischen Reichs in die Erdenentwickelung eingetreten. So daß der Mensch in gewissem Sinne eine Verbindung eingegangen ist als Erdenmensch, oder indem er Erdenmensch geworden ist, zwischen dem vierten Gliede seiner Wesenheit, das dann sich zu dem Ich ausgebildet hat, und dem Mineralreiche. Man könnte auch sagen, im menschlichen Mikrokosmos entspricht das Ich dem makrokosmischen Mineralreich.
[ 6 ] One such law can be set before the soul in the following way, If you give real study to my Outline of Occult Science you know the point of time in the earthly sense when present-day humanity actually appeared on earth. We showed in the last lecture how this humanity has also a cosmic pre-history, a Saturn, Sun, Moon history, but Earth history was, to begin with, a recapitulation, and earthly humanity appeared at quite a definite time. And if you consult my Occult Science you will find that this human state appeared at the same time as clearly and distinctly there arose on earth the origin of the mineral kingdom. For we know that what we now call the mineral kingdom did not exist in the same way in the Saturn, Sun, Moon evolutions, There existed then the three elementary kingdoms which preceded the mineral kingdom. The mineral kingdom entered earthly evolution and simultaneously with this macrocosmic fact of the entry of the mineral kingdom into earthly evolution, man entered earthly evolution in his present form, in the form of his present bodily formation. Although this bodily formation has only later in the course of time come to its full completion, yet the rudiments of the present human body appeared in earthly evolution at the same time as the entry of the mineral kingdom. In a certain sense therefore man, has formed a link as earth-man between the fourth member of his being, which then developed to the ego, and the mineral kingdom. One could also say that in the human microcosm the ego corresponds to the macrocosmic mineral kingdom;
[ 7 ] Nun wissen wir — das ergibt ja eine einfache oberflächliche Betrachtung der Natur —, daß das kosmische Mineralreich kristallinisch gestaltet ist. Unsere Schüler müssen ja auch in der Schule die verschiedenen Kristallgestalten, in denen diese oder jene Mineralien kristallisieren, kennenlernen; sie müssen sie zuerst nach geometrischen Gesetzen, wie sie aus sich selbst vorgestellt werden können, kennenlernen und dann, wie sie in der Wirklichkeit in dem Mineralreich vorkommen, Oktaeder, Würfel und so weiter. Wenn wir diese in geometrischen Formen ausdrückbaren Gestalten des Mineralreichs ansehen, so haben wir im wesentlichen die dem Mineralreich ureigene Gestalt vor uns. Diese Kristallisationen, oder besser diese Kristallformen, sind das dern Mineralreich in gewissem Sinne Eingeborene, das ihm Ureigentümliche. Und die Erde hat mit der Eingliederung des Mineralreiches in ihre kosmische Entwickelung zugleich die Tendenz aufgenommen, ihre mineralischen Stoffe zu kristallisieren, zu kristallisieren in den Formen, in denen eben das Mineralreich kristallisiert.
[ 7 ] Now we know—and even a simple superficial knowledge of nature tells us—that the cosmic mineral kingdom has a crystal-formation. In school our children must learn the different forms in which the various minerals crystalise. They must first learn them according to the laws of geometry, how they can be represented through these laws, and then how they appear in reality, in the mineral kingdom—octahedron, cube, and so on. When we see these forms of the mineral kingdom which may be expressed in geometry we have before us the original form proper to the minerals. These crystalisations, or rather, these crystal-forms, are in a certain sense the inborn, archetypal characteristic of the mineral kingdom. And the earth, when this kingdom was incorporated into its cosmic evolution, received at the same time the tendency to crystalise its mineral substances in the forms in which the mineral kingdom crystalises.
[ 8 ] Nun gibt es einen Gegenpol, einen polarischen Gegensatz zu dieser Form des Mineralreichs. Wie sich diese Sache verhält, das bitte ich Sie, durch folgendes Bild sich vorzustellen. Wir wollen uns durch ein Bild einer wichtigen Tatsache im Leben nähern. Nicht wahr, Sie kennen die sehr bekannte Erscheinung des Auflösens von irgendwelchen Substanzen. Sie wissen, wenn Sie eine gewisse Menge Salze in eine gewisse Menge Wasser werfen, so ist das Wasser fähig, dieses Salz vollständig aufzulösen, so daß das Salz in seiner festen Gestalt nicht mehr da ist, sondern im Wasser aufgelöst ist. Sie wissen ja auch, daß für gewisse Zwecke des praktischen Lebens das feste Salz nichts nützen würde, sondern es nötig ist, dieses feste Salz in Flüssigkeit aufzulösen. Nun, dasjenige, was als Tendenz zur Kristallisationsform der Mineralien in der Erdenentwickelung ist, das darf so wenig mit dieser Erde verbunden bleiben, als für gewisse praktische Zwecke die feste Form des Salzes dem Salz bleiben darf. Die Köchin muß in der Lage sein, diese feste Form des Salzes in die Auflöseform zu verwandeln; sie muß Auflösungsmittel verwenden, sonst würde ja das Salz nichts nützen. So auch muß im Kosmos die Tendenz der Erde zur Kristallisierung des Mineralischen aufgelöst werden. Das heißt, es muß eine Gegentendenz, eine polarische Gegentendenz da sein, welche es dahin bringt, daß wenn die Erde am Ziele ihrer Entwickelung angelangt sein wird und sich anschicken wird, zur nächsten Form, zur Jupiterform überzugehen, diese kristallinische Tendenz nicht mehr da ist, sondern aufgelöst ist, verschwunden ist. Der Jupiter darf nicht mehr die Neigung haben, die mineralischen Substanzen zu kristallisieren. Diese Tendenz zu kristallisieren muß im besonderen nur dem besonderen Erdenkörper erhalten bleiben, und diese Tendenz zur Kristallisierung muß aufhören, wenn die Erde am Ziele ihrer Erdenentwickelung angelangt sein wird.
[ 8 ] Now there is a counterpole, a polar opposite, to the form of the mineral kingdom, and I ask you to come to an understanding through the following picture. We will approach an important fact in life through a picture. The dissolving of any kind of substance is a very well-known phenomenon, You know that if you throw a certain amount of salt into a certain amount of water, the water is able to dissolve the salt completely, so that it is no longer there in its solid form. You also know that for certain purposes of practical life the solid salt will not do and it has to be dissolved. Now the tendency in earthly evolution to the crystalisation form of the minerals must not be allowed to remain united with the earth any more than for certain practical purposes the salt may retain its solid form. The cook must be able to change the solid form by dissolving it—she must use methods of dissolving, otherwise the salt will be of no use. So too in the cosmos the earth's tendency to crystalise the mineral must be dissolved. This means that a polar counter-tendency must exist which will bring, it about that when the Earth has reached the goal of its evolution and is ready to pass over to the next form, the Jupiter-form, this crystalising tendency is no longer there—has been dissolved, has disappeared. Jupiter must not possess the inclination to crystalise mineral substances. This particular tendency must be reserved solely for the Earth, and it must cease when the Earth has reached the goal of its earthly evolution.
[ 9 ] Nun ist der polarische Gegensatz zur Tendenz des Kristallisierens jene andere Tendenz, welche der menschlichen Form — nicht der tierischen — eingeprägt ist. Und jeder Leichnam, den wir in irgendeiner Form dem Erdenplaneten übergeben, durch Begräbnis oder durch Feuer oder wie immer, jeder Leichnam, in dem die menschliche Form als bloße mineralische Form noch wirkt, jeder Leichnam, der also verlassen ist von seinem Seelisch-Geistigen, der wirkt genauso entgegengesetzt der mineralischen Kristallisationstendenz, wie die negative Elektrizität entgegengesetzt wirkt der positiven Elektrizität, oder wie die Finsternis entgegengesetzt wirkt dem Lichte. Und am Ende der Erdenentwickelung werden die sämtlichen, im Laufe dieser Entwickelung der Erde mitgeteilten Menschenformen — ich sage: Menschenformen, denn in dieser Form des Menschen liegt die Krafttendenz, und auf die Kraft, nicht auf die Substanz kommt es dabei an —, diese menschlichen Formen werden kosmisch die Mineralisierungstendenz, die Kristallisationstendenz im Mineralisieren aufgelöst haben.
[ 9 ] Now the polar opposite to the tendency of crystalising is that other tendency which is imprinted into the human form—not the animal form. Every corpse which we give over to the earth-planet, whether by burial, fire, or in any other way, every corpse deserted by its spirit and soul and in which still works the human form as purely mineralogical form, works in opposition to the crystalising tendency, precisely as negative electricity, works in opposition to positive electricity, or as darkness to light, And at the end of earthly evolution the totality of human forms given over to the earth in the course of this evolution—I repeat: human forms, for in the form of man lies the force-tendency and it is matter of force not substance—these human forms will have cosmically dissolved the mineralising tendency, the crystalisation-tendency in mineralising.
[ 10 ] Sie sehen, wie sich da wiederum ein Punkt ansetzt, wo die Brücke geschlagen wird zwischen zwei Weltenströmungen, die durch die Naturwissenschaft nicht geschlagen werden kann. Denn die Naturwissenschaft untersucht dasjenige, was mit der Menschenform nach dem Tode vorgeht, rein mineralogisch; sie wendet nur die mineralogischen Gesetze an; sie sucht nur dasjenige auf, was in der Tendenz des Kristallisierens der Erde liegt und behandelt so den Leichnam auch. Dadurch kann sie nie darauf kommen, welche bedeutsame Rolle im Haushalte des ganzen Erdenwesens die Leichname der Menschen, die toten Menschenleiber, ihre Form, spielen. Die Erde hat sich schon wesentlich verändert seit der Mitte der lemurischen Zeit, seit die Mineralisation eingetreten ist und damit die Kristallisationstendenz. Das, was an der Erde heute weniger mineralisch ist, weniger nach Kristallisationstendenz neigt als in der Mitte der lemurischen Zeit, das ist verdankt den sich auflösenden Formen der Menschenleiber. Und wenn die Erde an ihrem Ziele angelangt sein wird, so wird gar keine Kristallisationstendenz mehr da sein. Die sämtlichen der Erde übergebenen Menschenformen werden sich als der polarische Gegensatz ausgewirkt haben und die Kristallisation aufgelöst haben. Da wird das Ereignis des menschlichen Todes auch als rein physische Erscheinung in den ganzen Haushalt der Weltenordnung hineingestellt. Da wird die Brücke geschlagen zwischen Erscheinungen, die, wie die Todeserscheinung, sonst ganz unverständlich im Haushalte der Welt dastehen, und jenen Erscheinungen, welche die Naturwissenschaft heute schildert. Und es ist wichtig, daß man solche Anschauungen auch immer mehr und mehr ausbildet, welche der naturwissenschaftlichen Weltanschauung erst ihr wahres, ihr echtes Gepräge geben. Das, was ich Ihnen hier auseinandergesetzt habe, ist ja ebenso eine naturwissenschaftliche Tatsache, wie andere naturwissenschaftliche Tatsachen es sind, die von der heutigen Naturwissenschaft aus gefunden werden. Aber es ist eine Tatsache, auf die die Naturwissenschaft mit ihren heutigen Methoden aus sich heraus nicht kommen kann. Die Naturwissenschaft mit ihren heutigen Methoden muß notwendigerweise unvollständig bleiben und kann daher das Ganze der Lebenserscheinungen nicht erfassen. Daher muß diese Naturwissenschaft ihre Ergänzung durch die Geisteswissenschaft finden.
[ 10 ] You see how here again we have a point where a bridge is built between two world-currents which natural science cannot build. For natural science investigates what happens to the human form after death solely on the lines of mineralogy and its laws, it looks out for what lies in the earth's tendency to crystalise and deals with the corpse in that way. It can never arrive therefore at what a significant role in the household of the whole being of the earth is played by men, by the dead bodies, the form, of men. The earth has essentially altered since the middle of the Lemurian alter since mineralisation entered and with it the tendency to crystalise. What is less mineral today in the earth less inclined to the crystalisation-tendency than in the middle of the Lemurian age is due to the dissolving forms of human bodies. And when the Earth has reached its goal there will no longer remain any tendency at all to crystalisation. The totality of human forms given over to the earth will have worked as the polar opposite and dissolved crystalisation. Here we have the event of human death placed into the whole household of world-order as a purely physical phenomenon. Here we have a bridge thrown between two phenomena which otherwise, as the phenomenon of death, remain quite incomprehensible in the household of the world and the phenomena which modern natural science describes. It is important to develop increasingly such concepts as alone give to the natural science world-conception its true, genuine character. What I have described to you here is just as much a fact of natural science as other facts are that are discovered by the natural science of today. But it is a fact which natural science with its present methods cannot discover. It therefore remains of necessity incomplete and cannot grasp the whole of life's phenomena: it must find its completion through spiritual science. And when such laws as this are known—that through the human forms given to the earth-planet the crystalising tendency of the earth is dissolved, then such laws will also make the human spirit ready to enter more deeply into the reality of spiritual evolution.
[ 11 ] Und wenn man kennen wird solche umfassenden Gesetze, wie dieses ist: durch die dem Erdenplaneten überlieferten Menschenformen wird die Kristallisationstendenz der Erde aufgelöst —, wenn man solche Gesetze kennen wird, dann werden diese Gesetze den Geist der Menschheit auch bereit machen, in bezug auf die geistige Entwickelung tiefer in die Wirklichkeit einzudringen. Derjenige, der nur im Sinne der heutigen Naturwissenschaft denkt und forscht, kann nicht die Brücke schlagen von der Naturwissenschaft herüber zu der sozialen und politischen Wissenschaft. Allein derjenige, der die großen, aus der Geisteswissenschaft folgenden Gesetze kennt, die sich auf das Große der Natur in der Weise beziehen, wie ich das jetzt auseinandergesetzt habe, der findet dann die Möglichkeit, hinüberzugeleiten über die Brücke, die von der Naturwissenschaft zur Menschenwissenschaft, vor allem zum geschichtlichen und politischen Leben der Menschheit führt, Der Naturforscher wird sich heute durchaus nicht genieren, davon zu reden, daß Polarität in der Natur ist. Er wird unterscheiden zwei Magnetismen, den Nord- und Südmagnetismus; er wird unterscheiden zwei Elektrizitäten, die positive und die negative Elektrizität. Und wird man einmal die Naturwissenschaft mehr in die richtigen Bahnen der Goetheschen Weltanschauung leiten, dann wird auch die Naturwissenschaft noch mehr Goetheanismus sein, als sie es heute sein kann, wo sie es fast gar nicht ist. Dann wird das Gesetz der Polarität in der ganzen Natur als das Grundgesetz erkannt werden, wie es im Grunde genommen schon figuriert hat in den alten Mysterien aus atavistischer Forschung heraus. In den alten Mysterien baute man alles auf die Erkenntnis der Polarität in der Welt. In der Naturwissenschaft selbst, das heißt in der Erkenntnis der Naturordnung, geniert sich der Forscher heute nicht, die Polarität anzuerkennen; aber in der Menschenordnung und in der Geistesordnung will er nicht an diese Polarität heran. Und doch, dasjenige, was wir luziferisch und ahrimanisch nennen, entspricht in bezug auf den Geist und seine Ordnungen, in die der Mensch auch hineingestellt ist, voll dem, was in der Naturwissenschaft zum Beispiel als Nord- und Südmagnetismus oder als positive und negative Elektrizität anerkannt ist. Niemals wird man verstehen, den wirklichen Einklang zu schaffen zwischen Geist und Natur, wenn man nicht die wahren Dinge von konkreter Polarität des Ahrimanischen und Luziferischen in der Geistesordnung finden wird. Denn nicht in abstrakten Begriffen, die einfach übertragen werden von der Natur auf den Geist, kann die wahre Wirklichkeit gefunden werden, sondern nur allein dadurch, daß man in den Geist selbst sich hineinzuvertiefen vermag und die dem Geist entsprechenden Polaritäten da findet.
[ 11 ] Those who think and make research only along the lines of modern natural science cannot build the bridge from natural science to social and political science. Those alone who know the great laws resulting from spiritual science which relate to the greatness of nature in the way I have just explained, are able then to lead across the bridge from natural science to the science of man, above all to the historical and political life of mankind. The natural scientist does not hesitate in the least to speak of polarity in nature. He will distinguish two magnetisms, the North and the South, he will distinguish two electricities, the positive and the negative. And if some day natural science is guided more into the right path of Goethe's world-conception, then natural science too will be still more Goetheanism than it can be today, when it is hardly so at all. Then the law of polarity in the whole of nature will be recognised as the fundamental law, as it has indeed already figured in the ancient Mysteries from atavistic clairvoyance. In the ancient Mysteries everything was founded on the knowledge of polarity in the world. In natural science itself, that is, in the knowledge of natural order the scientist of today is not disturbed by recognising polarity, but he will not approach polarity in the human order and spiritual order. Nevertheless, what we call the Luciferic and the Ahrimanic fully correspond as regards the spirit and its ordering, in which man too is placed, with what is recognised in natural science, for instance, as North and South magnetism or as positive and negative electricity. The creation of real harmony between spirit and nature will never be reached unless men find the reality of the concrete polarity of the Ahrimanic and the luciferic in the spirit-ordering. For true reality cannot be found in the abstract ideas which are simply transferred from nature to the spirit, but solely through being able to deepen oneself in the spirit itself and there find the polarities corresponding to the spirit.
[ 12 ] So auch muß es mit den andern Naturtatsachen sein. Man kann nicht einfach Naturtatsachen studieren und dann sagen, man begründet auf diesen naturwissenschaftlichen Tatsachen eine geistige Ordnung, eine geistige Weltanschauung. Da kommt nichts dabei heraus. Soll das geistige Leben studiert werden in seiner Wirklichkeit, sollen auch nur diejenigen Erscheinungen des Lebens begriffen werden, in die der Geist hereinspielt, dann muß man zu dem Entschluß kommen, die geistigen Ordnungen selbst zu studieren. Auch dasjenige, was sich aus den Menschenseelen und den Menschenverrichtungen heraus in irgendeinem Zeitalter abspielt, man kann es nicht naturwissenschaftlich erklären, sondern man kann es in Wirklichkeit nur verstehen, wenn man es geisteswissenschaftlich erklärt.
[ 12 ] And so it must be too with the other natural facts. One cannot simply study natural facts and then say that one should found a spiritual order, a spiritual world-conception on these natural science facts. That leads nowhere. If the spiritual life is to be studied in its reality, if the phenomena of life into which the spirit plays are also to be grasped, then one must decide to study the spirit-orderings themselves. Moreover what has taken place at some period of time or other through human souls or human organisations cannot be explained by natural science, it can only be understood in reality if it is explained through spiritual science.
[ 13 ] Wenn man zum Beispiel gewisse Erscheinungen der Gegenwartskultur ins Auge fassen will, dann muß man dies so machen, daß man wirklich auseinandersetzt, in welchem Grade das Luziferische und in welchem Grade das Ahrimanische in diese Gegenwartskultur hineinspielt. Diesen Versuch hatte ich 1914 gemacht, vor dem Ausbruch der gegenwärtigen Katastrophe, in den Vorträgen «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» in einem Zyklus, den ich vor dieser Kriegskatastrophe in Wien gehalten habe. Und da möchte ich doch hinweisen auf die entscheidende Stelle, in der das ganz Wesentliche auseinandergesetzt wird, was in der Gegenwart spielt. Da sagte ich:
[ 13 ] If, for instance, we look at certain phenomena of present-day culture we must consider to what degree the Luciferic influence is there and to what degree the Ahrimanic. I made this attempt in 1914 before the outbreak of our present catastrophic war, in the lectures I held in Vienna: The Inner Nature of Man and Life Between Death and Rebirth. And I should therefore like to refer you to the decisive passage in which is set forth the whole essence of what is taking place today. I said then:
[ 14 ] «Darum tritt diese Geisteswissenschaft jetzt in der Welt auf, weil die Menschheitsentwickelung es notwendig macht, daß diese Durchdringung der geistigen Welten und ihrer Daseinsbedingungen in den Seelen immer mehr und mehr, zuerst instinktiv und dann bewußt, leben wird. Ich will Ihnen eine reine Äußerlichkeit mitteilen, damit Sie sehen, wie man immer mehr dazu kommen wird, auch das Leben auf dem physischen Plan nur dadurch in seinem wahren Gehalt beurteilen zu können, daß man die Gesetze des geistigen Daseins begreift, eine reine Äußerlichkeit, die aber ungeheur wichtig ist. Wenn wir auf die Natur hinblicken, so sehen wir das merkwürdige Schauspiel, daß überall nur eine geringe Anzahl von Keimen verwendet wird, um das gleichartige Leben fortzupflanzen, daß aber eine ungeheuer große Anzahl von Keimen zugrunde geht. Wir blicken hin auf das Heer der ungeheuer vielen Fischkeime, die im Meere vorhanden sind. Nur wenige von ihnen werden Fische, die anderen gehen zugrunde. Wir sehen hinaus auf das Feld und sehen die ungeheuer vielen Kornkeime. Nur wenige werden wieder zu Kornpflanzen, die anderen gehen als Getreidekörner zugrunde, indem sie zu menschlicher Nahrung und anderem verwendet werden. Ungeheuer viel mehr muß in der Natur erzeugt werden, als was sozusagen im gleichmäßig fortfließenden Strom des Daseins wirklich Frucht wird und wieder keimt. So ist es gut in der Natur, denn da draußen in der Natur herrscht die Ordnung und Notwendigkeit, daß das, was so abfließt von seinem zu ihm gehörigen, in sich selbst begründeten Strom des Daseins und Fruchtens, verwendet wird, so verwendet wird, daß es dem anderen fortlaufenden Strom des Daseins dient. Die Wesen würden nicht leben können, wenn alle Keime wirklich fruchteten und zu der in ihnen liegenden Entwickelung kämen. Es müssen Keime da sein, welche dazu verwendet werden, daß sozusagen Boden gegründet wird, aus dem die Wesen herauswachsen können. Nur scheinbar, der Maja nach, geht etwas verloren, in Wirklichkeit geht innerhalb des Naturschaffens doch nichts verloren. In dieser Natur waltet der Geist, und daß so scheinbar etwas vom fortlaufenden Strom der Entwickelung verlorengeht, das ist in der Weisheit des Geistes begründet, das ist geistiges Gesetz, und wir müssen diese Sache vom Standpunkt des Geistes ansehen. Dann kommen wir schon darauf, inwiefern auch das seine gute Daseinsberechtigung hat, was scheinbar vom fortlaufenden Strom des Weltgeschehens hinweggeführt wird. Geistgegründet ist dieses; daher kann es auch, insoferne wir geistiges Leben führen, auf dem physischen Plane Geltung haben.
[ 14 ] The reason why spiritual science is now here in the world is because the evolution of humanity requires that this realisation of the spiritual worlds and the conditions of existence in them shall become more and more alive in human souls, instinctively at first, then consciously. Let me draw your attention to a purely external phenomenon, but one of immense significance, showing that a grasp of the laws of spiritual existence will become increasingly essential for any true judgment of life on the physical plane. When we contemplate nature we observe the remarkable fact that in every case a small number only of seeds, of germinating entities, are used in the production of the same species of life, while myriads of seeds come to nothing. Of the myriads of fish-spawn in the sea, only a few become fish; the rest perish. Looking out over the fields we see vast multitudes of grains of corn, only a few of which become plants; as grains of corn the rest perish, being used as food-stuffs and for other purposes. In nature a great deal more has to be produced than actually comes to fruit and again seed in the on-flowing stream of existence. This is a wise provision; for in nature the rule is that what thus deviates from its own inherent stream of existence and fruiting is used in such a way as to serve the other stream of existence. Beings would not be able to live if all seeds actually became fruit and achieved the development possible to them. Seeds must be there to form the soil, as it were, out of which beings can grow. It is only apparently, only in maya, that anything is lost; in reality nothing is lost in nature's creative work. Spirit holds sway in nature, and the fact that something is apparently lost from the on-flowing stream of evolution is founded in the wisdom of the spirit; it is a spiritual law, and these things must be viewed from the standpoint of the spirit. Then we soon perceive that what seems to be diverted from the straightforward stream of world-processes has its well-justified place in existence. This provision is founded in the spirit; hence it can also take effect on the physical plane, to the extent that we had a spiritual life there.
[ 15 ] Meine lieben Freunde, nehmen Sie den uns ganz naheliegenden konkreten Fall: Es müssen öffentliche Vorträge gehalten werden über unsere Geisteswissenschaft. Die werden vor einem Publikum gehalten, das eben einfach durch die Veröffentlichungen zusammengetragen wird. Da geht etwas Ähnliches vor wie mit den Getreidekörnern, die nur zum Teil im fortlaufenden Strom des Daseins verwendet werden. Man darf nicht zurückschrecken davor, daß man unter Umständen vor viele, viele Menschen scheinbar ohne Wahl die Ströme des spirituellen Lebens bringen muß, und daß sich dann nur wenige heraussondern und wirklich eintreten in dieses spirituelle Leben, Anthroposophen werden und im fortlaufenden Strome mitgehen. Auf diesem Gebiete ist es noch so, daß diese verstreuten Keime an viele herandringen, welche zum Beispiel nach einem öffentlichen Vortrage weggehen und sagen: Was hat der Kerl da für tollen Unsinn geschwatzt! — Unmittelbar angeschaut in bezug auf das äußere Leben, ist das so wie, sagen wir, die Keime, die im Meer als Fischkeime verlorengehen; aber vom Standpunkt einer tieferen Forschung ist es nicht so. Die Seelen, die da gekommen sind durch ihr Karma, die dann fortgehen und sagen: Was hat der Kerl da für tollen Unsinn geschwatzt! — die sind noch nicht reif, die Wahrheit des Geistes zu empfangen, aber notwendig haben es ihre Seelen in der jetzigen Inkarnation, heranschwingen zu fühlen das, was als Kraft in dieser Geisteswissenschaft liegt. Und das bleibt doch in ihren Seelen, sie mögen noch so schimpfen, es bleibt als Kraft in ihren Seelen für ihre nächste Inkarnation, und dann sind die Keime nicht verloren, sie finden Wege. Es unterliegt das Dasein in bezug auf das Geistige den gleichen Gesetzen, ob wir dieses Geistige in der Naturordnung verfolgen oder in dem Fall, den wir als unseren eignen Fall anführen konnten.
[ 15 ] My dear friends, take a concrete case which concerns us very closely. Public lectures have to be given on spiritual science. They are given to audiences brought together simply through the announcements. There is a similarity here to what happens with the grains of corn, only a part of which are used in the direct stream of existence One must not be put off by the fact that the streams of spiritual life have to be brought, apparently without choice, to many, many people, and that then only a few separate out and really enter into this spiritual life, become anthroposophists and join in the on-flowing stream. In this domain it still happens that these scattered seeds find their way to many who, after a public lecture, for example, go away saying: What crazy nonsense the fellow talked! Seen in direct relation to external life, this is life—shall we say—the spawn of fish that come to nothing in the sea. But from the standpoint of deeper investigation it is not so. The souls who through their karma came to a lecture and who then went away saying: What crazy nonsense the fellow talked!—these souls were not yet ready to receive the truth of the spirit, but it is necessary for their souls in the present incarnation to feel the approach of the force inherent in spiritual science. However much they may protest; this force remains in their souls for their next incarnation, and then the seeds have not been lost; they find their ways. With respect to the spiritual, existence is subject to the same laws, no matter whether we are following the working of the spirit in nature or in the case we could quote as our own.
[ 16 ] Aber nehmen wir jetzt an, wir wollten die Sache auch auf das äußere materielle Leben übertragen und man wollte sagen: Nun, man macht es im äußeren Leben ebenso. — Ja, meine lieben Freunde, das ist es gerade, daß man es macht, was ich jetzt schildern werde, daß wir einer Zukunft entgegenleben, wo sich das immer mehr herausbildet! Man produziert immer mehr und mehr darauf los, man gründet Fabriken, man fragt nicht: Wieviel wird gebraucht? — wie es einmal der Fall war, als es Schneider im Dorf gab, die nur dann einen Anzug machten, wenn er bestellt wurde. Da war es der Konsument, der angab, wieviel erzeugt werden soll, jetzt wird für den Markt produziert, die Waren werden zusammengestapelt, soviel als nur möglich. Die Produktion arbeitet ganz nach dem Prinzip, nach dem die Natur schafft. Die Natur wird in die soziale Ordnung hinein fortgesetzt. Das wird zunächst immer mehr überhandnehmen. Aber hier betreten wir das Feld des Materiellen. Im äußeren Leben hat das geistige Gesetz, weil es eben für die geistige Welt gilt, keine Anwendung, und es entsteht etwas sehr Merkwürdiges. Da wir unter uns sind, können wir ja solche Dinge sagen. Die Welt freilich wird uns heute darin kein Verständnis entgegenbringen.
[ 16 ] But let us suppose that we wanted to refer this principle also to external, material life, and were to say: Well, people are doing the same thing in external life. Yes, my dear friends, that is just it. What I am now going to describe is happening, and we are living towards a future when it will happen to an ever-increasing extent. Production steadily increases, factories are built without asking: How much is needed?—as used to be the case when the village tailor made a suit only when it was ordered. There it was consumption which indicated how much should be produced, but now production is for the market; the goods are piled up in as large quantities as possible. Production goes on entirely in line with nature's principle. Nature is carried over into the social order. This tendency will, to begin with, more and more gain the upper hand. But here we are in the realm of the material. The spiritual law has no application to external life, precisely because it is valid for the spiritual world;—and something very remarkable results from this. As we are speaking among ourselves, these things can be said; the world today would certainly not understand us.
[ 17 ] Es wird also heute für den Markt ohne Rücksicht auf den Konsum produziert, nicht im Sinne dessen, was in meinem Aufsatz ‚Geisteswissenschaft und soziale Frage‘ ausgeführt worden ist, sondern man stapelt in den Lagerhäusern und durch die Geldmärkte alles zusammen, was produziert wird, und dann wartet man, wieviel gekauft wird. Diese Tendenz wird immer größer werden, bis sie sich — wenn ich jetzt das Folgende sagen werde, werden Sie finden, warum — in sich selber vernichten wird.»
[ 17 ] Goods are now produced for the market without regard to consumption, not according to the principle indicated in my essays on anthroposophy and the Social Questions. What is produced is piled up in warehouses, priced according to the money market, and then the producers wait to see how much is bought. This tendency will steadily increase until—and you will discover why I say the following—until its own nature it destroys itself.
[ 18 ] Es ist die wichtigste der gegenwärtigen sogenannten Kriegsursachen in diesem Satze enthalten; aber sie ist aus dem geistigen Leben abzuleiten.
[ 18 ] (In this sentence is contained the most important of the present so-called causes of the War; but it is to be derived from spiritual life.)
[ 19 ] «Es entsteht dadurch, daß diese Art von Produktion im sozialen Leben eintritt, im sozialen Zusammenhang der Menschen auf der Erde genau dasselbe, was im Organismus entsteht, wenn so ein Karzinom entsteht. Ganz genau dasselbe, eine Krebsbildung, eine Karzinombildung, Kulturkrebs, Kulturkarzinom! So eine Krebsbildung schaut derjenige, der das soziale Leben geistig durchblickt; er schaut, wie überall furchtbare Anlagen zu sozialen Geschwürbildungen aufsprossen. Das ist die große Kultursorge, die auftritt für den, der das Dasein durchschaut. Das ist das Furchtbare, was so bedrückend wirkt, und was selbst dann, wenn man sonst allen Enthusiasmus für Geisteswissenschaft unterdrücken könnte, wenn man unterdrücken könnte das, was den Mund öffnen kann für die Geisteswissenschaft, einen dahin bringt, das Heilmittel der Welt gleichsam entgegenzuschreien für das, was so stark schon im Anzug ist und was immer stärker und stärker werden wird. Was auf seinem Felde in dem Verbreiten geistiger Wahrheiten in einer Sphäre sein muß, die wie die Natur schafft, das wird zur Krebsbildung, wenn es in der geschilderten Weise in die Kultur eintritt.»
[ 19 ] One who observes social life with spiritual vision sees terrible tendencies to social ulcers springing up everywhere. That is the great anxiety for civilisation which arises in those who see to the roots of existence; that is the terrible fact which weighs so heavily and which—even if one could suppress all other enthusiasm for spiritual science and the impulse which makes one long to proclaim it—makes one long to cry out to the world the remedy for what is already so strongly under way and will gain increasing momentum. In the spreading of spiritual truths there is an element which of its own ground must work as nature works, but this way of working becomes a cancer when it enters into civilisation in the way described.
[ 20 ] Vorher finden Sie in diesem Vortrage alles dasjenige, was aus dem Ahrimanischen und Luziferischen herausgeholt wird, auseinandergesetzt. Aber Sie können es ersehen aus diesem Vortrage, daß man auf die Erkenntnis der Wirklichkeit in der sozialen Krebs- oder Karzinombildung nur kommt, nicht wenn man einfach vergleicht das soziale Leben mit den Naturtatsachen, sondern wenn man aus dem Ahrimanischen und Luziferischen heraus die Tendenzen, die in der gegenwärtigen sozialen Ordnung wirken, finden kann, der Wirklichkeit gemäß finden kann. Dasjenige, was in der sozialen Ordnung vorgeht, muß auf geistigem Wege gesucht werden. Und wenn es auf materialistischem Wege gesucht wird, so kann nichts weiter zustande kommen als höchstens ein Vergleich, eine Analogie des sozialen Geschehens mit den abstrakten Naturtatsachen.
[ 20 ] It was put before you previously in that lecture all that throws light on the Ahrimanic and Luciferic tendencies. But you can clearly see from it that one only arrives at real knowledge of the social cancer or carcinoma-formation if one can find the Ahrimanic and Luciferic tendencies at work in the modern social order, find on the path of reality, not by simply comparing the social life with natural facts. What occurs in the social order must be sought on the spiritual path. And if it is sought on the materialistic path it can amount to no more than at most a comparison, an analogy of social occurrences with abstract facts of nature.
[ 21 ] Daß in der heutigen Gesellschaftsordnung eine Summe von Krebsgeschwüren waltet, das wurde dazumal ausgesprochen — die Vorträge sind datiert vom 9. bis 14. April 1914 —, aber nur ausgesprochen als zusammenfassend dasjenige, was im Grunde genommen unsere ganze anthroposophische Entwickelung hindurch von mir in den verschiedensten Formen gesagt wurde, um die Menschheit auf den Zeitpunkt vorzubereiten, wo das soziale Krebsgeschwür seine besondere Krisis erreichen würde, 1914! Jetzt erscheint ein Buch, ein an sich ziemlich wertloses, törichtes Buch, es trägt die Jahreszahl 1918, im Verlag Max Rascher in Zürich: C.F. Meray, «Weltmutation». Ich werde Ihnen einige Stellen aus diesem Buche vorlesen, dessen Verfasser ganz und gar hingeordnet ist seinem Intellekt nach auf die bloße Auffassung wirtschaftlicher Tatsachen, der daher, geradeso wie jene Vorträge über das innere Wesen des Menschen geeignet sind, die Wirklichkeit zu fördern, durch dieses Buch die Abkehr von der wahren Wirklichkeit, die Verführung zu falschem Denken fördert. Aber ich werde Ihnen einzelne Stellen aus diesem Buche mitteilen. Es wird ja versucht, bloß durch Analogien, durch Vergleiche mit Naturtatsachen, die Entwickelung der europäischen und amerikanischen Zivilisation zu begreifen. Während Sie in meinen Vorträgen von 1914 Wirklichkeit haben, haben Sie hier abstrakte monistische Vergleiche, bloße Analogien, die nichts eigentlich besagen, weil man im Grunde, wenn man bloß von Naturtatsachen redet und dann darauf hinweist, daß so etwas in der sozialen Ordnung auch da ist, nichts versteht von der sozialen Ordnung, sondern nur durch Analogie darauf hinweist, und das Verständnis eher verdunkelt als aufhellt. Aber was kommt dabei zustande? Es wird gezeigt, wie allmählich in das abendländische Kulturleben schon seit der Antike Zersetzungskeime eingetreten sind, wie die Zivilisation innerlich angefressen worden ist. Und solch ein Aperçu wird dann zusammengefaßt in Worte wie:
[ 21 ] My dear friends, the fact that a number of cancerous tumours exist in modern society was expressed at that time in those lectures of 9th to 14th April 1914 But the expression was in fact a gathering together of what I had stated in various forms throughout our whole anthroposophical development, in order to prepare men for the point of time when the social cancer would reach its special crisis—1914! There now appears a book which in itself is fairly worthless and stupid. It is by a C. H. Meray, entitled World Mutation, and published by Max Rasoher in Zurich in 1918. I will read you a few paragraphs of this book, the author of which has a merely intellectual grasp of industrial facts. And so just as the lectures on the inner nature of man are able to further reality the author by means of this book furthers the deviation from true reality, the misleading to false thinking. But I will let you hear a few of the sentences. There is an attempt to grasp the development of European and American civilisation merely through analogies, comparisons with facts in nature. Whereas in my lectures of 1914 you have reality, here you have abstract monistic comparisons, analogies which actually say nothing, because when one merely talks of natural facts and then points out that something similar exists in the social order these mere analogies rather darken understanding than shed light But what does this amount to? It is shown how seeds of disintegration have gradually entered western civilisation ever since ancient times aid how civilisation has been eaten into inwardly. Such an apercu is then summarised in words like:
[ 22 ] «Diese krankhaften Veränderungen begannen in den frisch aufblühenden Frührenaissancestädten, in den noch rein produktiven Stadt-Republiken des aufstrebenden Bürgertums, als sie ihre Riesenzelle von Krebs zu ernähren hatten, sich darauf einrichteten und sich so zu einem Apparate der Ernährung eines Krebsknotens umwandeln mußten....
[ 22 ] “These unhealthy changes began in the fresh and flourishing early Renaissance cities, in the still purely production City-Republics of the striving citizens, as they had to nourish their giant cancer cells, prepared themselves for it and had to change themselves into an instrument for nourishing a cancerous growth.”
[ 23 ] Die Entstehung dieser Einrichtung, dieser Organisation, aus der die Struktur des modernen Staates wurde, ging mit einer gleichzeitigen Umwandlung des produktiven Gewebes vor sich, die durchaus nicht als zu ihrem eigenen Leben gehörig zu betrachten ist.»
[ 23 ] “The formation of this organisation out of which the structure of the modern State emerged, advanced side by side with the metamorphosis of the productive tissue which is definitely not to be regarded as belonging to its own life.”
[ 24 ] Er nennt das Zivilisation, die Zivilisationsordnung, ein produktives Gewebe, das heißt, er hebt nur ein Gewebe von Naturtatsachen herauf, nicht die wirkliche Geistestatsache.
[ 24 ] (He calls regulated civilisation a productive tissue, that is, he picks up only a tissue of natural facts, not the real facts of the spirit.)
[ 25 ] «Denn normalerweise können im Körper fremdartige Elemente mit einander nicht in Berührung kommen, ohne eine Entzündung hervorzurufen, — wie ja zu Beginn solche Entzündungen bei der Berührung der Soldaten des Burggrafen mit dem Bürgertum auch vorkamen (denken wir an das Glockensignal der letzteren, das sie zu Scharen rief!) — normal wäre nur das völlige Ausschneiden des Giftknotens gewesen; damit wurde auch begonnen, und das Bestreben läßt sich auch später noch verfolgen. In dem Momente aber, wo die beiden Elemente, der Krebsknoten und das arbeitende Gewebe, sich bereits ohne Entzündung vertragen konnten, entstand etwas Anormales, eine Abnormität, die sich nur unter pathologischen Bedingungen halten konnte.
[ 25 ] “For foreign elements in the body cannot normally come in contact with each other without producing inflammation—as in fact in the beginning such inflammations were produced when the soldiers of the Count of the city came in contact with the citizens (let us remember the bell, signalling the latter to form into bands!). Normally only the complete excision of the poisonous growth would have happened, such an effort was made to begin with and was also followed up later. The moment however the two elements, the cancerous growth and the working tissue, could carry on without inflammation, there arose an abnormality which could only preserve itself under pathological conditions
[ 26 ] Solche Abnormitäten finden wir überall in den Organismen, wo Geschwülste, Geschwüre, Eiterungen, kurz fremdartige Elemente, derart umwoben werden, daß daraus keine Entzündung mehr entsteht. Das Gewebe, das sich da bildet, ist eine Deformität, die nach der Heilung zu nichts weiterem im Organismus zu gebrauchen ist. Doch während der Krankheit dient sie zum Schutze des Organismus, sie bildet eine Einrichtung, die das Krankheitsgift für den Körper unschädlich macht, wenn auch diese Bildung bisweilen hypertrophisch ins Maßlose wächst, und an sich schon eine schwere Krankheitserscheinung werden kann.
[ 26 ] “Such abnormalities are everywhere to be found in organisms where tumours, ulcers, discharges, in short, foreign elements, are surrounded with a web that no more inflammation arises. The web or tissue which is formed there is a deformity and after the cure can be used for nothing further for the organism. Yet during the illness it serves as a protection for the organism; it forms a structure that renders the poison of the disease harmless to the body, although this formation meanwhile develops immeasurably and can itself become a serious phenomenon of disease.
[ 27 ] So entstand auch der moderne Staat als eine Deformität des vollständig durchwühlten, arbeitenden Lebens, bei deren Entstehung aber das ganze Gewebe zum eigenen Schutze zusammenwirken mußte, um das Böse daran zu paralysieren, und um die zersetzenden Giftwirkungen aufzuheben. Der Staat entstand dementsprechend als eine gesonderte Struktur, die zwar das produktive Leben durchflicht, er selbst aber wurde nie zur Struktur, zum Apparate der Produktivität. Das System der ganzen modernen Volkswirtschaft bildete sich eben neben dem Staate gesondert aus....
[ 27 ] “Thus the modern State also arose as a deformity of the completely uprooted working life; as it arose , however, the whole tissue had to co-operate for its own protection in order to paralyse the evil in it and remove the disintegrating poison-effects. Accordingly the State arose as a separate structure, interwoven it is true by the productive life, though it never became itself an apparatus of productivity. The whole system of modern political economy developed separately side by side with the State.”
[ 28 ] Die unmittelbarsten Beziehungen zum Giftknoten haben die Reichsten, die für den Umsatz ihrer Waren eines umfangreichen Schutzes bedürfen. Daher sind sie eifriger und, als Reiche, auch befähigter, dem Burgherrn eine höhere Ernährung zu geben; braucht er Geld, so sind sie es, die es ihm verschaffen; will er etwas bei der Stadt erreichen, wendet er sich an die Patrizier, wobei es im Interesse dieser selbst liegt, daß der Stadtfürst gekräftigt wird, während diejenigen, deren Stoffumsatzkreis nicht über die Mauern reicht, eine stete, natürliche Abneigung (physiologisch: eine negative chemotaktische Wirkung) gegen den Burgherrn empfinden. Sie dulden ihn eigentlich nur wegen des Schutzes des Mauerringes. Die toxische Wirkung» — das heißt: die Giftwirkung — «wandelt aber die Individualität der Patrizier nicht mehr um — oder nur selten, selten werden sie selbst kriegerische Adelige — sie gehören schon viel zu sehr dem antitoxischen, arbeitenden Gewebe an. Ihr Reichtum ist aus diesem entstanden und mit diesem verknüpft: wohl zeigt sich eine toxische Wirkung — aber nicht auf das Individuum, sondern: — auf das Protoplasma,» — und Protoplasma, das ist nun das Vermögen! — «auf das Vermögen.
[ 28 ] “The wealthiest have the most direct connections with the poisonous growths, as they need an extensive protection for the sale of their goods. Hence they are more eager, and as being rich, also more capable of giving to the Governor a higher nourishment; he needs money, they as the ones who procure it for him; if he wants to accomplish something within the city he turns to the patricians. It lies in the interest of these patricians to strengthen the City-Prince, whereas those whose material business-circle does not extend beyond the walls feel a perpetual natural grudge against the Governor. (Physiologically: a negative chemico-tactic effect). They put up with him really only on account of the protecting of the wall-ring. The toxic effect, however, no longer changes the individuality of the patricians—or only seldom, they seldom become themselves warlike nobles—they belong already far too much to the antitoxic, working tissue. Their wealth has arisen from it and is bound up with it; a toxic effect is certainly shown – not on the individual but on the protoplasm, in the wealth.” (And protoplasm is now the wealth!)
[ 29 ] Während früher das Vermögen durchaus noch nicht dazu diente, als Kapital zu funktionieren, sondern nur die Reserven des Lebens und des Wohlstandes bildete, ändert sich jetzt seine Rolle: das Vermögen fängt an, Arbeitsprozesse an sich zu knüpfen.»
[ 29 ] “Whereas formerly wealth was not employed as yet to function as capital, but merely formed the reserves of life and well-being, its rôle now alters: wealth begins to annex to itself processes of work."
[ 30 ] Bei dieser Stelle bitte ich Sie, sich zu erinnern, wie ich 1908 in seither auch gedruckten Vorträgen in Nürnberg darauf aufmerksam gemacht habe, wie entzogen wird dem unmittelbar persönlichen Einfluß die moderne wirtschaftliche Ordnung, und wie das Geld, das heißt, das Kapital als solches, zu arbeiten beginnt. Ich sagte: Immer mehr und mehr arbeitet sich die gegenwärtige soziale Ordnung unter ahrimanischem Einfluß so herauf, daß der eine bald unten, bald oben ist. Auf die Persönlichkeit kommt es nicht mehr an, sondern es kommt darauf an, daß das Geld als solches wirtschaftet, bald einen heraufwirft, bald wieder hinunterwirft. Die Aktie, die Kapitalanhäufung und sein Gegenpol, das Kreditwesen, dieses Apersönliche und Antipersönliche, ist dasjenige, was sich als das ahrimanische Gegenbild des Geistselbstes für die Zukunft der sozialen Ordnung entwickeln soll.
[ 30 ] In connection with this passage I beg you to remember how in my lectures at Nuremberg in 1908 (on The Apocalypse) I pointed out that direct personal influence had withdrawn from modern industry and that money, that is, capital as such was beginning to work. I spoke of how the modern social order uses such exertion under Ahrimanic influence that someone is now below, now above. Personality no longer counts; it is a matter of the money itself doing business, now throwing someone up, now down again. Funds, accumulation of capital, and its counterpole, credit, this a-personal and anti-personal element is what is to evolve as the Ahrimanic counter-image of Spirit-Self for the future of the social order.
[ 31 ] Das alles ist hier, in diesem Buche selbst, rein ahrimanisch ausgesprochen. Aber es besteht die Gefahr, daß so etwas, weil es auf jeder Seite mit Riesenanmerkungen aus der Naturwissenschaft auftritt, furchtbaren Respekt hervorruft. Jahre, nachdem auf die Wirklichkeit durch geisteswissenschaftliche Untersuchungen hingewiesen worden ist, tritt, sogar mit denselben Worten, für dieselbe Erscheinung dieses ahrimanische Zerrbild der Geisteswissenschaft auf. Das wird den Menschen imponieren, trotzdem es sie verführt und versucht, weil sie niemals zum Verständnis der Wirklichkeit kommen werden, wenn sie nicht die Brücke schlagen wollen zwischen rein äußerlichen, naturwissenschaftlichen Tatsachen, die hier verwendet werden, und den rein geisteswissenschaftlichen Vorgängen, die eben nur durch Geisteswissenschaft gefunden werden können. Aber so wird es sicher kommen, daß ein solches Ding, wie andere Dinge, die aufgetreten sind, die ich im Laufe der Vorträge besprochen habe, als wahre Wissenschaft hingenommen wird, während man die Wissenschaftlichkeit der Geisteswissenschaft ganz gewiß in der nächsten Zeit in der furchtbarsten Weise bekämpfen wird, in einer Weise, die Sie sich vielleicht heute gar noch nicht in ihrer Intensität vorstellen wollen.
[ 31 ] All of this is expressed here in this book in a purely Ahrimanic manner. But, my dear friends, there is a danger that something of this sort gains immense respect, since on every page it makes extensive quotations from natural science. Years after the reality has been pointed out through the researches of spiritual science, this Ahrimanic caricature of spiritual science appears, even with the same words for the same phenomena. This will impress people in spite of misleading and alluring them, because they will never understand reality unless they build the bridge between the purely external facts of natural science which are employed in this book and the purely spiritual-scientific processes which indeed can only be discovered through spiritual science. But it will certainly be accepted as genuine science—just as other similar things which have appeared and which I have spoken about in the course of our lectures—whereas in the near future the scientific nature of spiritual science will most certainly be attacked in a terrible way, in a way which you are not at all willing today to picture in its intensity!
[ 32 ] Diese Dinge müssen schon einmal durchschaut werden. Sie müssen um so mehr durchschaut werden, als sie ja Tatsachen betreffen, welche gerade unterhalb des Scheines der äußeren Realität liegen. Zur Einsicht in diese Tatsachen gehört schon der gute Wille, wirklich den geisteswissenschaftlichen Forschungen vernünftig und mit gesundem Menschenverstande wahrhaftig zu folgen.
[ 32 ] These things, my dear friends, must be thoroughly realised, They must be seen through all the more as they touch upon facts which lie under the semblance of external reality. To possess insight into these facts requires the goodwill to pursue seriously and intelligently with sound human understanding the researches of spiritual science.
[ 33 ] Entgegengesetzte Strömungen, Polaritäten, müssen im Gleichgewichte gehalten werden. Das kann nur geschehen, wenn fortwährend neue Einflüsse in das Erdengeschehen kommen, die unmittelbar von der geistigen Welt selbst ausgehen, das heißt, wenn immer neue und neue Tatsachen, welche die Welt betreffen, aus dem Geiste heraus geoffenbart werden.
[ 33 ] Opposite currents, polarities, must be held in balance, That can only be done if continually new influxes come directly from the spiritual world into what happens on earth, that is, if new facts which concern the world are continually revealed out of the spirit.
[ 34 ] Als man mir einmal in Rom einen Jesuiten heranschleppte, da hatte ich über solches eine Unterredung mit ihm, obwohl ich wußte, daß es nichts nütze und daß es eigentlich ganz verlorene Liebesmühe ist, aber es geschieht ja dann aus andern Beweggründen heraus; auch da ist es nötig, auf die wahre Wirklichkeit, und nicht auf den äußeren Schein zu sehen. Ich versuchte, dem Jesuiten klarzumachen, daß er ja erstens selber eine Offenbarung des Übersinnlichen im Verlauf des Mysteriums von Golgatha und dessen, was darüber geschrieben ist, durch die inspirierten Evangelisten annehmen muß, daß die katholische Kirche, an die er ja doch auch als Jesuit glauben werde, annimmt eine fortdauernde Entwickelung des spirituellen Lebens in ihren Heiligen. Er erwiderte mir, was ja selbstverständlich war: Ja, das ist alles richtig, aber das ist aus; das darf man nicht willkürlich herbeiführen. Wolle man sich zum spirituellen Leben heute durcharbeiten, so sei dies ein teuflisches Beginnen; man dürfe das Mysterium von Golgatha, die Evangelien, das Leben der Heiligen studieren, aber man dürfe nicht, wenn man nicht dämonischen Gewalten verfallen will, irgendwie anstreben, mit der geistigen Welt in eine unmittelbare Beziehung zu kommen. — Das ist ja selbstverständlich, daß das von dieser Seite gesagt wurde. Solche Beispiele könnte ich Ihnen viele anführen.
[ 34 ] When once in Rome someone brought a Jesuit up to me, I had a conversation with him about just such things, I knew that it availed nothing and was actually a labour of love quite lost, but there were other reasons for it: there too it is necessary to lock at the true reality and not the outer semblance, I sought to make it clear to the Jesuit that, first, he must himself admit a revelation out of the supersensible in the course of the Mystery of Golgotha and what is written about it through the inspired Evangelists; that, moreover, the Catholic Church in which as a Jesuit he would believe accepts a continued evolution of the spiritual life through its saints. He replied, as was only to be expected: “Yes, that is all true, but that's done with; one must not bring that about of oneself. To work oneself through to spiritual life today is to begin to deal with the devil. One may study the Mystery of Golgotha, study the Gospels, the life of the saints, but unless one wants to fall a prey to demonic powers. one may not try in any way to come into direct relation with the spiritual world.” It is obvious that that would be said from such a quarter, and I could give you many similar examples.
[ 35 ] Von gewissen Seiten her besteht der schärfste Gegenkampf gerade gegen das Einfließen immer neuer und neuer spiritueller Wahrheiten. Selbst den uns ja gewiß nicht sympathischen Spiritismus fürchtet zum Beispiel die römisch-katholische Kirche furchtbar, weil sie in der Angst lebt, es könnte doch einmal durch ein Medium irgend etwas aus der geistigen Welt herüberkommen, was von der Kirche nicht zugegeben werden kann, weil sie bloß in ihren alten Traditionen bleiben will. Und sie fürchtet den Spiritismus, weilerja materialistische Grundlagen hat, und weil er leicht — wie sie seit Jahrzehnten her glaubt — Anhänger gewinnen kann dadurch, daß man auf einem Umwege irgend etwas eingeträufelt finden könnte aus der spirituellen Welt in die Welt, die eben die römisch-katholische Kirche beherrschen will.
[ 35 ] There is the strongest opposition from certain quarters to the flowing in of new and ever newer spiritual truths. The Roman Catholic Church, for instance, is even terribly afraid of spiritism, which of course is not sympathetic to us, because they live in the dread of something coming through a medium from the spiritual world which the Church, living solely in its old traditions, cannot accept. And it fears spiritism because it has materialist foundations and because—so it has believed for decades—it can easily gain followers through the fact that one could find something trickling in on a bypath out of the spiritual world into the world which the Roman Catholic Church wishes to rule.
[ 36 ] Nun wissen Sie ja, in den siebziger Jahren, 1879, entstand die Möglichkeit eines gewaltigen, tiefgehenden Einflusses von der geistigen Welt. Ich habe es öfter dargestellt, wie ein Geisterkampf, der vorher in den geistigen Welten stattgefunden hat, eingeflossen ist in die irdische Ordnung, in die Michael-Ordnung. Seit jener Zeit sind besondere Gelegenheiten gegeben, daß Spirituelles von den Menschen, die das wollen, aufgenommen werde. Man glaube nun nicht, daß die Eingeweihten der römisch-katholischen Kirche solche Dinge nicht wissen! Sie kennen sie natürlich; aber sie richten ihre Dämme dagegen auf. Und gerade im Zusammenhang mit der Tatsache, daß das spirituelle Leben von den geistigen Welten aus ganz besonders gefördert wird vom Jahre 1879 an, hat vorausschend die römisch-katholische Kirche das Infallibilitätsdogma aufgerichtet, um einen Damm aufzubauen durch das Infallibilitätsdogma gegen etwaigen Einfluß irgendwelcher neuer spiritueller Wahrheiten. Selbstverständlich, wenn die Leute mit Bezug auf ihre Weltanschauung nur dasjenige in sich verarbeiten dürfen, was ex cathedra von Rom aus verkündet wird in dem Lichte des Unfehlbarkeitsdogmas, so ist ein mächtiger Damm aufgerichtet gegen das Einfließen irgendwelcher spiritueller Wahrheiten, die aus der geistigen Welt selber kommen. Das ist das eine, das römische Element, welches seine Naturbedingungen in früheren Zeiten hatte und herüberbrachte aus diesen Naturbedingungen früherer Zeiten die Starrheit im Traditionellen, die Starrheit im Ausschließen desjenigen, was gerade aus den geistigen Welten an spiritueller Substantialität in die Menschenseelen einfließen könnte.
[ 36 ] Now you know, my dear friends, in the 1870s, in 1879, the possibility arose of a powerful, deeply-penetrating flowing-in from the spiritual world. I have often spoken of it, how a conflict that had taken place earlier in the spiritual worlds flowed into the earthly order, in the Michael-order. Since that time special opportunities have been given for men who so wish it to receive spiritual knowledge. Please do not imagine that the initiates of the Roman Catholic Church are not aware of such things! They are of course aware of them, but they construct their protective dams. And precisely in connection with the fact that spiritual life was particularly furthered by the spiritual worlds from the year 1879 on the Roman Catholic Church in a far-seeing way established the Infallibility-dogma in order through this to build a dam against any influx of any sort of new spiritual truths. It is obvious that if people are only allowed to frame their views in accordance with what is announced ex cathedra from Rome in the light of the dogma of Infallibility, then a powerful dam is erected against the inflow of spiritual truths from the spiritual world itself. That is the one thing, the Romish element, which had its natural stipulations in earlier times and brought over from these the rigidity in tradition, the rigidity in excluding the spiritual substance which could flow into the human soul out of the spiritual worlds.
[ 37 ] Eine andere Strömung ist in demjenigen Zentrum zu suchen, welches im hohen Grade — ungefähr in derselben Zeit, als sich von Rom aus das Infallibilitätsdogma vorbereitete — festzuhalten ist in der englischen und amerikanischen, englisch sprechenden Bevölkerung. Wir haben von diesem okkulten Zentrum in mancherlei Zusammenhängen hier schon gesprochen. Geradeso wie das Traditionelle und falsch Idealistische im Haupte bewirkt, daß Ahrimanisches sich geltend macht in dem unteren Menschen, so bewirkt, wie Sie gesehen haben, der Materialismus, daß sich Spirituelles im unteren Menschen entwickelt. Und selbstverständlich, wenn es nicht von neuen spirituellen Wahrheiten, die sich von Zeit zu Zeit der Welt enthüllen, genährt wird vom Haupte des Menschen, dann wird es von luziferischen Kräften, von luziferischen Prinzipien abgefangen. Das Zentrum, das von großem Einflusse ist auf die englisch-amerikanische Bevölkerung — das ist der beste Ausdruck —, das strebt vorzugsweise dahin, mit dem andern Pol zu rechnen. Jene okkulte Maurerei, die in jenem Zentrum verankert ist, und die von diesem Zentrum aus einen großen Einfluß hat auf den Gang der äußeren Kultur der ganzen zivilisierten Welt, die befördert ebenso — und zwar die Dinge durchschauend — den Materialismus, wie ihn Rom durch die Unfehlbarkeit des Papstes befördert hat. Rom hat durch die Unfehlbarkeit einen Damm aufrichten wollen gegen das Hereinfließen von spirituellen Wahrheiten aus den geistigen Welten; jenes Zentrum fördert in bewußter Weise in der modernen Kulturwelt die Ausbreitung des Materialismus, die Ausbreitung materialistischer Vorstellungen in einer mehr oder weniger materialistischen Lebensführung. Und das Eigenartige dieser Erscheinung ist, daß in der Regel, wenn die anglo-amerikanischen Eingeweihten über Rom sprechen, sie das Richtige sagen; und wenn sie noch so schimpfen über Rom, so sagen die das Richtige. Sie wissen aber auch, daß es ein spirituelles Leben und die Möglichkeit eines fortdauernden Einflusses gibt, aber sie halten das geheim und lassen es nur durch unbekannte Kanäle in die Zivilisation einfließen. Und die nicht englischsprechende Bevölkerung innerhalb der zivilisierten Welt hat in den letzten Jahrzehnten — man kann sagen, in dem letzten halben Jahrhunderte — in ausgiebigstem Maße dasjenige aufgenommen, was dort durch jenes Zentrum eingeflossen ist. Denn die andern Kulturen sind keineswegs in ihrer gegenwärtigen Struktur Eigenkulturen, sondern sie sind vielfach genährt von jener materialistischen Tendenz, die aus jenem Zentrum stammt.
[ 37 ] Another stream is to be sought in that Centre which in a high degree—approximately at the time when Rome prepared the Infallibility-dogma—must be assigned to the English and American, the English-speaking peoples. We have already referred here to this occult Centre, in many connections. Just as the traditional element and false idealism in the head brings about the Ahrimanic element in the lower man, so, as you have seen, does materialism bring about the development of the spiritual in the lower man. And when this is not nourished from the head by new spiritual truths which are revealed to the world from time to time it will naturally be seized upon by Luciferic forces, the Luciferic principle. The Centre that has great influence on the English-American peoples (that is the best expression) prefers to reckon with the other pole. The occult Masonry which is anchored in that Centre and from there strongly influences the course of the outer culture of the whole civilised world, just as much promotes materialism—realising things of course—as Rome has promoted it through the papal Infallibility. Through the Infallibility-dogma Rome has intended to erect a dam against the influx of spiritual truths from the spiritual worlds; this Centre consciously promotes the spread of materialism in the modern civilised world, the spread of materialistic ideas in a more or less materialistic mode of life. And the strange thing is that when the Anglo-American initiates speak about Rome as a rule what they say is correct, and however much they inveigh against Rome they say what is right. They too, however, know that there is a spiritual life and that a continuous influx is possible, but they keep that secret and let it flow into civilisation only through unknown channels. And the non-English-speaking peoples in the civilised world have in the last decades, or last half-century, accepted an immense amount of what has flowed in there through this Centre; For these other civilisations in their present structure are in no way individualised, they are largely nourished by the materialistic tendency originating in his Centre.
[ 38 ] Und wiederum, wenn Rom über jenes Zentrum, über das okkulte Freimaurertum, die Orden, spricht, so sagt es Richtiges. So daß man sagen kann: Von Rom wird Richtiges gesagt, von dem okkulten Freimaurertum der westlichen Länder wird auch Richtiges gesagt. Das ist eben gerade die Schwierigkeit, daß diese Dinge in der Wirklichkeit im eminentesten Sinne das Menschenwesen entweder nach der luziferischen oder ahrimanischen Seite werfend sein können, daß sie aber durchaus in dem, was sie aussagen, nicht anzugreifen sind, weil sie das Richtige sagen. Wenn sie über die andern reden, sagen sie das Richtige!
[ 38 ] And again, when Rome speaks about that occult Freemasonry, the Orders, it speaks correctly. One can therefore say that what Rome says is right, what the Freemasons of the West say is also right. That in fact is just the difficulty; these things in the most outstanding sense can be thrusting human nature towards the Luciferic or the Ahrimanic, and yet in what they say they cannot possibly be seized upon because what they say is right; when they speak of each other it is correct.
[ 39 ] Das ist ein Faktum, das man innerhalb der gegenwärtigen Kulturtendenzen sehr wohl und sehr gründlich ins Auge zu fassen hat. Denn die gegenwärtige Menschheit ist eben einmal geneigt, nicht auf dasjenige zu schauen, was aus irgendeiner Sache wird, sondern immer auf dasjenige, was dem Worte nach in irgendeiner Propaganda ausgesprochen wird. Aber auf den Wortlaut dieser oder jener Propaganda kommt es eben gar nicht an, sondern es sollte durch den Materialismus in der Vorstellungswelt auch die untere Natur des Menschen materialistisch gemacht werden; nun wird diese aber gerade dadurch spiritualisiert. Und es müßte darauf ankommen, durch einen abstrakten Idealismus im Reden von allen möglichen schönen moralischen Idealen den Menschen moralischer zu machen; man macht ihn aber, verzeihen Sie — in übertragenem Sinne gebraucht —, fettleibig, materialistisch in seiner niederen Natur; man macht ihn dumpf und schläfrig. Und während auf der einen Seite die starke Tendenz besteht, den Menschen ahrimanisch zu sklerotisieren, und dieses insbesondere jesuitische Tendenz ist, besteht auf der andern Seite die entschiedene Tendenz, die luziferischen Wesenheiten in den Dienst der materialistischen Weltenordnung zu stellen, damit eben durch den Materialismus eine Geistigkeit, eine Spiritualisierung, die aber luziferisch orientiert ist, herauskomme. Es genügt eben wirklich nicht, wenn man nur dasjenige, was sich an der Oberfläche abspielt, ins Auge faßt seinem wortwörtlichen Sinne nach, sondern man muß eingehen auf die wahre Wirklichkeit, die — wie gerade unsere Fälle heute zeigen, so paradox sie sich ausnehmen — oftmals das gerade Gegenteil von dem bezwecken, was man nach oberflächlicher Maja-Anschauung geneigt ist zu glauben. Gegenwärtig ist es schon so, daß von den verschiedensten Seiten in der Welt gearbeitet wird nach dem Grundsatze der okkulten Orden, aber die Sache geheimgehalten wird. Es arbeitet sowohl Rom nach okkulter Ordnung, wie auch jenes andere Zentrum nach okkulter Ordnung arbeitet. Aber die Macht liegt gerade darinnen, daß die Menschen in der Dumpfheit gehalten werden, und es ihnen nicht gesagt wird, was eigentlich geschieht. Daher auch der Haß und die Feindschaft gegen diejenigen, die dann auftreten und ihnen sagen, was geschieht. Und besonders schädlich ist die Naivität, der sich manche Menschen hingeben, jene Naivität, die immer wieder und wiederum glaubt, man erreicht etwas gerade bei den angedeuteten Strömungen, wenn man ihnen zeigt: Aus unserer spirituellen Wissenschaft folgt eine schöne Auffassung über den Christus Jesus — oder dergleichen, wenn man ihnen zeigt, wie ja die tieferen Wahrheiten der Geisteswissenschaft im wahren Christentum zu finden sind. Es ist eine Naivität, wenn man glaubt, gewisse Kreise dadurch zu gewinnen, daß man zeigt, man habe eine Wahrheit, die sie eigentlich nach ihren ganzen Voraussetzungen anerkennen müßten. Das ruft ja gerade die Gegnerschaft hervor! Je mehr wir zeigen in gewissen Kreisen, daß wir die Wahrheit haben, desto schlimmer die Gegnerschaft, und je mehr sich diese Wahrheit als wirksam erweist, desto intensiver wird jene erscheinen. Man hat in den letzten Zeiten nur gewartet, ob der Moment kommen wird, wo die anthroposophischen Bücher eine größere Auflage erleben, wo doch tausende und tausende von Menschen auf Anthroposophie hören, um von gewisser Seite — nicht weil man glaubt, daß Anthroposophie die Unwahrheit sagt, sondern weil man fürchtet, daß Anthroposophie die Wahrheit sagen werde — diese Anthroposophie anzugreifen. Das ist es, was ins Auge gefaßt werden muß. Keine Naivität sollte gerade auf unserem Boden walten, sondern durchdringende Erkenntnis, vorurteilsloses, unbefangenes Anschauen dessen, was geschieht.
[ 39 ] That is a factor that must be borne in mind very fundamentally in the present cultural tendencies. People nowadays are not inclined to consider what grows out of some affair or other, but merely look at what is expressed verbally in propaganda. But it is not at all a matter of the sounds and words of a propaganda, it is really a matter of making thane lower nature materialistic through materialism in the world of ideas—it becomes, however, spiritualised. And it is supposed to be a matter of making man more moral through an abstract idealism and discussion of every kind of fine ideal—yet one makes him—I speak figuratively of course—obese, materialistic in his lower nature, one makes him heavy and sleepy. And whereas on the one hand a strong tendency exists to scleroticise man Ahrimanically, which is particularly a Jesuit-tendency, there exists on the other hand a definite tendency to place the Luciferic beings in the service of the materialistic world-order, whereby precisely through materialism a spirituality may arise which is however a Luciferic spirituality. It is indeed not enough merely to look in its literal sense at what plays on the surface; one must go into the actual reality, which as is shown precisely by our instances today—however paradoxical they appear, often have an exactly opposite purpose to what one is led to believe through a superficial maya-observation. Things are being done in the world today from many different quarters on the principles of the occult Orders, though they are kept secret. Rome works just as much in accord with occult precepts as that other Centre does. Power lies just in the fact that men are kept in the dark and are not told what is actually going on. Hence arise the hatred and enmity against those who make their appearance and say what is taking place.—Naiveté moreover is especially harmful, the sort of naiveté which men show when they persist in believing that one attains something with these two streams if one tells them that spiritual science can give a beautiful understanding of Christ-Jesus, or something like that, or tells them how the deeper truths of spiritual science are to be found in true Christianity. It is a naiveté to suppose one can win over certain circles by showing them one has a truth which they really must recognise according to their whole hypotheses. That simply calls out hostility. The more we show in certain circles that we have the truth, the greater the hostility, and the more this truth proves effective all the more intense will the enmity appear. In recent times one has only waited to see if the moment would come when anthroposophical books would need larger editions, when thousands and thousands would listen to anthroposophy, in order from certain quarters not because they think anthroposophy says untruth, but because they fear it will say the true—in order to lay hold of this anthroposophy. That is what should be borne in mind. No naiveté should prevail among us, but penetrating knowledge, unbiased, unprejudiced observation of what happens.
[ 40 ] Gerne hätte ich, daß Sie aus diesem Vortrage eine Empfindung davon mitnehmen würden; denn noch einmal sei wiederholt, was ich im Eingange des heutigen Vortrages sagte: Nicht so sehr auf die Einzelheiten kommt es an, sondern darauf, daß wir eine Gesamtempfindung von dem, was im ganzen Geiste dieser Vorträge steckt, erhalten und dann uns immer fähiger und fähiger machen, uns in die Gegenwartskultur und in das Gegenwartsleben so hineinzustellen, wie es einem in der Gegenwart richtig wachenden, nicht schlafenden Menschen entspricht. Davon dann das nächste Mal weiter.
[ 40 ] It would please me much if you took away a feeling of this from this lecture; for once again let it be recapitulated what I said at the beginning of today's lecture: It is not so much a matter of the details, but of our receiving a firm impression of what lies in the whole spirit of these lectures. And then we must make ourselves more and more capable of taking such a place in the cultural life of today as befits a man of the present who is thoroughly awake and not sleeping.
