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The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184

22 September 1918, Dornach

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Neunter Vortrag

Ninth Lecture

[ 1 ] Wenn wir uns einmal vergegenwärtigen, was uns jetzt nicht aus den verschiedenen Einzelheiten, sondern aus dem Gesamtsinn der zuletzt hier gehaltenen Vorträge folgt, auch zum Beispiel aus dem gestrigen, so können wir sagen: es ist dies, daß von jener Kultur, welche die unsrige in energischer Weise gegen die Zukunft hin ablösen muß, gefordert wird, daß die Menschen tiefer hineinblicken in die wahre Wirklichkeit, daß vor allen Dingen solche Schlagworte, oder vielleicht besser gesagt Schlagtheorien, wie die von Monismus, Idealismus, Realismus und so weiter, ihr Ende finden, und daß die Menschen einsehen, wie die Majawirklichkeit, die Wirklichkeit der äußeren Erscheinungen, die um uns herum sind, ein Zusammenfluß ist von wirklichen zwei Welten, und wir können schon sagen, von zwei Welten, die miteinander im Kampfe sind. Auf die Wirklichkeit schauen, heißt nämlich etwas ganz anderes, als nur theoretisch, wie es etwa die heutige Naturwissenschaft macht, dasjenige verfolgen, was in der Welt der Erscheinungen, in der Welt der Phänomene rings um uns herum ist.

[ 1 ] If we take a moment to consider what follows not from the various details, but from the overall meaning of the lectures recently given here—including, for example, yesterday’s—we can say: it is this: that the culture which must vigorously replace our own as we look toward the future demands that people look more deeply into true reality, that, above all, such catchphrases—or perhaps better said, catch-theories—as monism, idealism, realism, and so on, must come to an end, and that people must realize how apparent reality—the reality of the external phenomena around us—is a confluence of two actual worlds, and we can already say, of two worlds that are in conflict with one another. For looking at reality means something entirely different from merely pursuing, in a theoretical manner—as, for example, modern natural science does—that which exists in the world of appearances, in the world of phenomena all around us.

[ 2 ] Wir lassen uns zunächst, um diesen Satz praktisch zu erörtern, auf ein konkretes Beispiel ein. Nicht wahr, jeder wird glauben, daß materialistische Weltanschauung, jene materialistische Weltanschauung, die sich namentlich seit den sechziger, siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unter den zivilisierten Nationen ausgebreitet hat, und auch die materialistische Lebensführung, die ja aus den Vorstellungen der materialistischen Weltanschauung herausfließt, daß diese auch in ihren Wirkungen den Menschen materialistischer machen. Man glaubt natürlich, wenn man die Welt nur so obenhin nach den Erscheinungen ansieht, daß dasjenige eintritt, was aussieht wie eine äußere Verwirklichung der Ideen, die sich der Mensch in den Kopf setzt. Aber so ist es nicht. Sobald man die aufeinanderfolgenden Gestaltungen in der Wirklichkeit ins Auge faßt, stimmt das ganz und gar nicht, daß sich die Welt irgendwie einrichte nach den Ideen, die sich die Menschen in die Köpfe setzen. Und man begreift erst, daß dies mit der Wirklichkeit nicht stimmen kann, wenn man durchschaut, daß der Mensch in der Form, wie wir das auseinandergesetzt haben, eine Doppelnatur ist, und daß in ihm wirklich Ahrimanisches und Luziferisches in der charakterisierten Weise fortwährend durcheinanderarbeiten. Nur dadurch, daß das so ist, ist folgende konkrete Erscheinung möglich. Nehmen wir an, eine genügend lange Zeit würde ein Zeitalter sich materialistischen Vorstellungen hingeben, wie es das unsrige getan hat. Es würde auch, durch diese Vorstellungen verführt, im bewußten Wollen eine Art materialistischer Lebensführung entwickeln. Die Folge davon wird nicht eintreten in demjenigen Teil der Menschennatur, welcher der Träger des bewußten Lebens ist. Dieser Träger des bewußten Lebens hat den tiefgehenden Einfluß zunächst nicht auf das menschliche Leben, den man ihm beizulegen geneigt ist bei oberflächlicher Anschauung; sondern die Wirkung tritt im Unbewußten ein, so daß Sie sich schematisch das so vorstellen können: In der bewußten Hauptesnatur des Menschen lebt Materialismus, und das Unterbewußte — diejenige Natur, die also erst ihre Metamorphose durchmacht, indem wir durch die Todespforte durchgegangen sind und hinüberleben zur nächsten Erdeninkarnation, die wir aber doch als unvollendete Bildung jetzt in uns tragen —, diese, sagen wir untere Natur des Menschen, ist der Träger des unbewußten Seelenlebens, und dieses unbewußte Seelenleben wird merkwürdigerweise unter dem Einflusse des Materialismus immer spiritueller und spiritueller. Also die wirkliche Folge materialistischer Vorstellungen, die wirkliche Folge auch materialistischer Lebensführung ist, daß die untere Natur des Menschen immer spiritueller und spiritueller wird. So daß Sie also sich folgendes vorzustellen haben. Wenn Sie recht sehr sich vertiefen in Kraft- und Stoffvorstellungen und nur an diese glauben, und wenn Sie Ihr Leben so einrichten, daß Sie sagen: Essen und Trinken und nachher das Nichts mit dem Tode — und alle einzelnen Handlungen in diesem Stile halten, so geht der Materialismus wirklich in Ihre Lebensführung über, und die untere Natur wird dann immer spiritueller und spiritueller.

[ 2 ] To discuss this statement in practical terms, let us first consider a specific example. Surely everyone will agree that the materialist worldview—the very materialist worldview that has spread among civilized nations, particularly since the 1860s and 1870s—as well as the materialist way of life, which flows from the ideas of that materialist worldview, also makes people more materialistic in their actions. Of course, if one looks at the world only superficially, based on appearances, one might believe that what occurs is simply the outward realization of the ideas people form in their minds. But that is not the case. As soon as one considers the successive forms of reality, it is simply not true that the world somehow conforms to the ideas that people form in their minds. And one only comes to understand that this cannot be true of reality when one realizes that human beings, in the way we have described, possess a dual nature, and that within them the Ahrimanic and Luciferic forces are constantly at work in the manner characterized. It is only because this is so that the following concrete phenomenon is possible. Let us suppose that, for a sufficiently long time, an age were to indulge in materialistic ideas, as ours has done. Seduced by these ideas, it would also develop, in its conscious will, a kind of materialistic way of life. The consequence of this will not occur in that part of human nature which is the bearer of conscious life. This bearer of conscious life does not, at first, exert the profound influence on human life that one is inclined to attribute to it upon superficial observation; rather, the effect occurs in the unconscious, so that you can picture it schematically as follows: Materialism dwells in the conscious, primary nature of the human being, and the unconscious—that nature which undergoes its metamorphosis only after we have passed through the gate of death and live on into the next earthly incarnation, but which we nevertheless carry within us now as an unfinished formation— this, let us say, lower nature of the human being is the bearer of the unconscious life of the soul, and this unconscious life of the soul, strangely enough, becomes more and more spiritual under the influence of materialism. So the real consequence of materialistic ideas—and indeed the real consequence of a materialistic way of life—is that the lower nature of the human being becomes ever more spiritual. So you must imagine the following. If you immerse yourself deeply in notions of force and matter and believe only in these, and if you organize your life in such a way that you say: “Eating and drinking, and then nothingness with death”—and conduct all your individual actions in this vein—then materialism truly permeates your way of life, and your lower nature becomes ever more spiritual.

[ 3 ] Nun fordert aber diese untere Natur, die immer spiritueller und spiritueller wird, daß etwas auf sie wirke; sie kann allein ihren Weg, den sie ja machen muß durch die Weltentwickelung, nicht machen. Und die Folge davon, daß im Haupte, in der oberen Natur des Menschen nur materialistische Vorstellungen und materialistische Sympathien sind, ist die, daß diese obere Natur auf die untere Natur des Menschen nicht wirken kann, und daß daher die untere Natur des Menschen andern Wirkungen ausgesetzt ist wegen der Ohnmacht der oberen Natur: sie ist ausgesetzt den Wirkungen des luziferischen Prinzips. Das luziferische Prinzip lebt sich nicht, wie ich gestern gesagt habe, in der sinnenfälligen Wirklichkeit aus; die luziferischen Wesen sind geistige Wesen. Sie treten ein in die untere Natur des Menschen, wenn sie unter dem Einflusse des Materialismus immer spiritueller und spiritueller wird, und eben wegen des Materialismus nichts vom Menschen selbst in die untere Natur einfließen kann. Und die paradoxe Wahrheit tritt vor unsere Seele, daß ein materialistisches Zeitalter in Wirklichkeit vorbereitet eine spirituelle, aber luziferische Kultur.

[ 3 ] Now, however, this lower nature, which is becoming ever more and more spiritual, demands that something act upon it; it cannot, on its own, follow the path it must take through the evolution of the world. And the consequence of the fact that in the head—in the higher nature of the human being—there are only materialistic ideas and materialistic sympathies is that this higher nature cannot influence the lower nature of the human being, and that therefore the lower nature of the human being is exposed to other influences due to the powerlessness of the higher nature: it is exposed to the influences of the Luciferic principle. The Luciferic principle, as I said yesterday, does not manifest itself in sensory reality; the Luciferic beings are spiritual beings. They enter into the lower nature of the human being when, under the influence of materialism, that nature becomes ever more and more spiritual, and precisely because of materialism, nothing from the human being itself can flow into the lower nature. And the paradoxical truth presents itself to our soul: that a materialistic age is in reality paving the way for a spiritual, yet Luciferic, culture.

[ 4 ] Betrachten wir auch den umgekehrten Fall, nehmen wir an, eine nicht vom Spiritualismus durchzogene, sondern rein auf Traditionelles sich stützende kirchliche Wahrheit ergreife die Menschen, oder arbeite dahin, die Menschen zu ergreifen. Verwandt mit einer solchen kirchlichen Wahrheit ist der abstrakte Idealismus, der, namentlich im Moralischen, nur an abstrakte Ideale glaubt und keinen Sinn dafür hat, auf welche Weise diese abstrakten Ideale entstehen; denn mögen solche Ideale noch so schön sein, sie taugen nicht, wenn man nicht einen Sinn dafür hat, auf welchem Wege solche Ideale Kräfte werden können. Rein religiöse und rein idealistische Vorstellungen haben wiederum die Folge, daß die untere Natur des Menschen immer materieller und materieller wird. Während materialistische Vorstellungen Spiritualismus fördern in der unteren Natur des Menschen, fördern rein kirchliche, ohne spirituellen Einfluß traditionell aufgebaute Anschauungen oder der abstrakte Idealismus das Materieller und Materiellerwerden der unteren Menschennatur. Man möchte sagen, der Typus für dieses Materiellerwerden der unteren Menschennatur durch Traditionell-Kirchliches, Abstrakt-Kirchliches — verzeihen Sie, daß ich einen so drastischen Vergleich gebrauche —, ist der feiste Pfaffe, der sich gerade den traditionell-kirchlichen Vorstellungen hingibt und dabei immer mehr und mehr sich sein Bäuchlein anmästet. Es ist nur ein Vergleich, es ist keine Tatsache und kein Gesetz, das ich meine; ich will nur veranschaulichen, aber es entspricht dies einer in den Untergründen der Dinge liegenden Wirklichkeit. Nun aber hat wiederum jenes Materieller- und Materiellerwerden der unteren Menschennatur keine Nahrung, wenn im Kopfe nur die traditionellen oder abstrakt-idealistischen Vorstellungen sind. Daher ist eine Menschheit, die eine solche Kultur begründet, vorzugsweise ausgesetzt nicht ihrer eigenen Kopfnatur, sondern den ahrimanischen Einflüssen. So daß wir sagen müssen: Abstrakt-Religiöses, AbstraktIdealistisches fördert im wesentlichen den Materialismus, und zwar einen ahrimanisch orientierten Materialismus, während umgekehrt materialistisches Vorstellen einen Spiritualismus fördert, und zwar einen luziferisch orientierten Spiritualismus.

[ 4 ] Let us also consider the opposite case: suppose a church truth—one not permeated by spiritualism but based purely on tradition—were to capture people’s hearts, or were working toward capturing them. Related to such a church-based truth is abstract idealism, which—particularly in matters of morality—believes only in abstract ideals and has no sense of how these abstract ideals come into being; for no matter how beautiful such ideals may be, they are of no use if one has no sense of the path by which such ideals can become forces. Purely religious and purely idealistic conceptions, in turn, have the effect of making the lower nature of human beings ever more materialistic. While materialistic conceptions foster spiritualism in the lower nature of human beings, purely ecclesiastical views—built upon tradition without spiritual influence—or abstract idealism promote the materialistic nature of the lower human nature and its increasing materialism. One might say that the archetype for this increasing materialization of the lower human nature through traditional-ecclesiastical and abstract-ecclesiastical views—forgive me for using such a drastic comparison—is the portly priest who devotes himself entirely to traditional-ecclesiastical ideas while fattening his little belly more and more. It is merely a comparison; I do not mean it as a fact or a law; I merely wish to illustrate a point, but it corresponds to a reality lying in the depths of things. But now, in turn, that materialism—and the increasing materialism—of lower human nature finds no nourishment if the mind is filled only with traditional or abstract-idealistic concepts. Therefore, a humanity that establishes such a culture is primarily exposed not to its own intellectual nature, but to Ahrimanic influences. So we must say: abstract-religious and abstract-idealistic thinking essentially promotes materialism—specifically, an Ahrimanic-oriented materialism—while, conversely, materialistic thinking promotes spiritualism—specifically, a Luciferic-oriented spiritualism.

[ 5 ] Alle diese Dinge, sie beruhen ja im Grunde genommen darauf, daß die wahre Wirklichkeit ganz anders gestaltet ist als die äußere scheinbare Wirklichkeit. Aber man ist jetzt darauf angewiesen, die wahre Wirklichkeit ihrer Gesetzmäßigkeit, ihrer Wesenheit nach kennenzulernen, und insbesondere wird die Sozialwissenschaft, die Wissenschaft von dem menschlichen Zusammenleben und vom geschichtlichen Leben der Menschheit immer durchzogen werden müssen von einer solchen Geisteswissenschaft, die in der von mir in diesen Vorträgen angedeuteten Art wirklich die Brücke baut zwischen der Naturordnung und der Geistesordnung, die reale Brücke baut, nicht die abstrakte, die der Monismus baut. Dazu wird aber notwendig sein, daß gewisse Gesetze, die auch von eingeweihter Seite, aber von nicht richtig für die Gegenwart denkender eingeweihter Seite, dem allgemeinen Menschheitsbewußtsein ferngehalten werden, daß diese Gesetze der wahren Wirklichkeit immer mehr und mehr bekannt werden.

[ 5 ] All these things are, after all, based on the fact that true reality is structured quite differently from outward, apparent reality. But we are now called upon to come to know true reality in terms of its laws and its essence, and in particular, social science—the science of human coexistence and the historical life of humanity—will always have to be permeated by a spiritual science that, in the manner I have indicated in these lectures, truly builds a bridge between the natural order and the spiritual order—a real bridge, not the abstract one built by monism. For this to happen, however, it will be necessary for certain laws—which have been kept from the general consciousness of humanity even by the initiated, though by those who do not think correctly for the present—to become increasingly known as the laws of true reality.

[ 6 ] Ein solches Gesetz können Sie sich in der folgenden Weise vor die Seele stellen. Sie wissen, wenn Sie den wirklichen Sinn meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» verfolgen, wann im irdischen Sinne dasjenige, was wir gegenwärtig Menschtum nennen, auf der Erde eigentlich aufgetreten ist. Dieses Menschtum hat auch im gestern wiederholten Sinne eine kosmische Vorgeschichte, Saturn-, Sonnen-, Mondengeschichte, aber die Erdengeschichte war ja zunächst eine Wiederholung, und das Erdenmenschtum ist in einer ganz bestimmten Zeit aufgetreten. Und wenn Sie nachlesen in meiner «Geheimwissenschaft», dann werden Sie finden, daß dieses Menschtum aufgetreten ist in der gleichen Zeit, in welcher auf der Erde klar und deutlich hervorgetreten ist die Entstehung des mineralischen Reiches. Denn wir wissen: Das, was wir jetzt das mineralische Reich nennen, das war ja in der Saturn-, Sonnen- und Mondengeit nicht in der gleichen Art vorhanden. Es waren die drei dem mineralischen Reich vorangehenden elementarischen Reiche vorhanden. Das mineralische Reich trat in die Erdenentwickelung ein, und gleichzeitig mit dieser makrokosmischen Tatsache des Eintretens des Mineralreichs in die Erdenentwickelung tritt dann der Mensch in seiner gegenwärtigen Form in die Erdenentwickelung ein, in der Form, in der er gegenwärtig seinen Leib hat, also in seiner gegenwärtigen Leibesgestaltung. Wenn auch diese Leibesgestaltung ihre volle Ausbildung erst später im Laufe der Zeit gefunden hat, die Anlage zu dieser gegenwärtigen menschlichen Leibesgestaltung, Leibesformung, ist gleichzeitig mit dem Eintritt des mineralischen Reichs in die Erdenentwickelung eingetreten. So daß der Mensch in gewissem Sinne eine Verbindung eingegangen ist als Erdenmensch, oder indem er Erdenmensch geworden ist, zwischen dem vierten Gliede seiner Wesenheit, das dann sich zu dem Ich ausgebildet hat, und dem Mineralreiche. Man könnte auch sagen, im menschlichen Mikrokosmos entspricht das Ich dem makrokosmischen Mineralreich.

[ 6 ] You can visualize such a law in the following way. If you follow the true meaning of my *Outline of Esoteric Science*, you will know when, in the earthly sense, what we currently call “humanity” actually appeared on Earth. This humanity also has, in the sense I repeated yesterday, a cosmic prehistory—the history of Saturn, the Sun, and the Moon—but Earth’s history was, after all, initially a repetition, and Earth-based humanity emerged at a very specific time. And if you read my *Secret Science*, you will find that this humanity emerged at the same time that the formation of the mineral kingdom clearly and distinctly came into being on Earth. For we know: what we now call the mineral kingdom did not exist in the same way during the Saturn, Sun, and Moon epochs. The three elemental kingdoms preceding the mineral kingdom were present. The mineral kingdom entered Earth’s evolution, and simultaneously with this macrocosmic fact—the entry of the mineral kingdom into Earth’s evolution—humanity then entered Earth’s evolution in its present form, in the form in which it currently possesses its body, that is, in its present physical constitution. Even though this physical form did not reach its full development until later in the course of time, the predisposition for this present human physical form emerged simultaneously with the entry of the mineral kingdom into Earth’s evolution. Thus, in a certain sense, human beings—as earthly human beings, or by becoming earthly human beings—have formed a connection between the fourth member of their being, which then developed into the “I,” and the mineral kingdom. One could also say that, in the human microcosm, the “I” corresponds to the macrocosmic mineral kingdom.

[ 7 ] Nun wissen wir — das ergibt ja eine einfache oberflächliche Betrachtung der Natur —, daß das kosmische Mineralreich kristallinisch gestaltet ist. Unsere Schüler müssen ja auch in der Schule die verschiedenen Kristallgestalten, in denen diese oder jene Mineralien kristallisieren, kennenlernen; sie müssen sie zuerst nach geometrischen Gesetzen, wie sie aus sich selbst vorgestellt werden können, kennenlernen und dann, wie sie in der Wirklichkeit in dem Mineralreich vorkommen, Oktaeder, Würfel und so weiter. Wenn wir diese in geometrischen Formen ausdrückbaren Gestalten des Mineralreichs ansehen, so haben wir im wesentlichen die dem Mineralreich ureigene Gestalt vor uns. Diese Kristallisationen, oder besser diese Kristallformen, sind das dern Mineralreich in gewissem Sinne Eingeborene, das ihm Ureigentümliche. Und die Erde hat mit der Eingliederung des Mineralreiches in ihre kosmische Entwickelung zugleich die Tendenz aufgenommen, ihre mineralischen Stoffe zu kristallisieren, zu kristallisieren in den Formen, in denen eben das Mineralreich kristallisiert.

[ 7 ] Now we know—as a simple, superficial observation of nature reveals—that the cosmic mineral kingdom is crystalline in structure. Our students must, after all, learn in school about the various crystal forms in which this or that mineral crystallizes; they must first learn about them according to geometric laws—as they can be conceived in the abstract—and then as they actually occur in the mineral kingdom: octahedrons, cubes, and so on. When we look at these forms of the mineral kingdom, which can be expressed in geometric terms, we are essentially seeing the form that is inherent to the mineral kingdom itself. These crystallizations—or rather, these crystal forms—are, in a certain sense, inherent to the mineral kingdom; they are its essential nature. And with the incorporation of the mineral kingdom into its cosmic evolution, the Earth has simultaneously taken on the tendency to crystallize its mineral substances—to crystallize them in the very forms in which the mineral kingdom itself crystallizes.

[ 8 ] Nun gibt es einen Gegenpol, einen polarischen Gegensatz zu dieser Form des Mineralreichs. Wie sich diese Sache verhält, das bitte ich Sie, durch folgendes Bild sich vorzustellen. Wir wollen uns durch ein Bild einer wichtigen Tatsache im Leben nähern. Nicht wahr, Sie kennen die sehr bekannte Erscheinung des Auflösens von irgendwelchen Substanzen. Sie wissen, wenn Sie eine gewisse Menge Salze in eine gewisse Menge Wasser werfen, so ist das Wasser fähig, dieses Salz vollständig aufzulösen, so daß das Salz in seiner festen Gestalt nicht mehr da ist, sondern im Wasser aufgelöst ist. Sie wissen ja auch, daß für gewisse Zwecke des praktischen Lebens das feste Salz nichts nützen würde, sondern es nötig ist, dieses feste Salz in Flüssigkeit aufzulösen. Nun, dasjenige, was als Tendenz zur Kristallisationsform der Mineralien in der Erdenentwickelung ist, das darf so wenig mit dieser Erde verbunden bleiben, als für gewisse praktische Zwecke die feste Form des Salzes dem Salz bleiben darf. Die Köchin muß in der Lage sein, diese feste Form des Salzes in die Auflöseform zu verwandeln; sie muß Auflösungsmittel verwenden, sonst würde ja das Salz nichts nützen. So auch muß im Kosmos die Tendenz der Erde zur Kristallisierung des Mineralischen aufgelöst werden. Das heißt, es muß eine Gegentendenz, eine polarische Gegentendenz da sein, welche es dahin bringt, daß wenn die Erde am Ziele ihrer Entwickelung angelangt sein wird und sich anschicken wird, zur nächsten Form, zur Jupiterform überzugehen, diese kristallinische Tendenz nicht mehr da ist, sondern aufgelöst ist, verschwunden ist. Der Jupiter darf nicht mehr die Neigung haben, die mineralischen Substanzen zu kristallisieren. Diese Tendenz zu kristallisieren muß im besonderen nur dem besonderen Erdenkörper erhalten bleiben, und diese Tendenz zur Kristallisierung muß aufhören, wenn die Erde am Ziele ihrer Erdenentwickelung angelangt sein wird.

[ 8 ] Now there is a counterpole, a polar opposite to this form of the mineral kingdom. I ask you to visualize how this works through the following image. Let us approach an important fact of life through an image. Surely you are familiar with the well-known phenomenon of the dissolution of various substances. You know that when you add a certain amount of salt to a certain amount of water, the water is capable of completely dissolving the salt, so that the salt is no longer present in its solid form but is dissolved in the water. You also know that for certain practical purposes, solid salt would be of no use; rather, it is necessary to dissolve this solid salt in a liquid. Now, that which, in the Earth’s evolution, constitutes the tendency toward the crystalline form of minerals must remain just as little bound to this Earth as the solid form of salt must remain bound to the salt itself for certain practical purposes. The cook must be able to transform this solid form of salt into a dissolved form; she must use a dissolving agent, otherwise the salt would be of no use. In the same way, the Earth’s tendency toward the crystallization of the mineral must be dissolved in the cosmos. This means there must be a counter-tendency, a polar opposite tendency, which ensures that when the Earth has reached the goal of its evolution and is preparing to transition to the next form—the Jupiter form—this crystalline tendency will no longer be present, but will have been dissolved and will have disappeared. Jupiter must no longer have the tendency to crystallize mineral substances. This tendency toward crystallization must be preserved specifically only within the Earth’s body, and this tendency toward crystallization must cease when the Earth has reached the end of its earthly evolution.

[ 9 ] Nun ist der polarische Gegensatz zur Tendenz des Kristallisierens jene andere Tendenz, welche der menschlichen Form — nicht der tierischen — eingeprägt ist. Und jeder Leichnam, den wir in irgendeiner Form dem Erdenplaneten übergeben, durch Begräbnis oder durch Feuer oder wie immer, jeder Leichnam, in dem die menschliche Form als bloße mineralische Form noch wirkt, jeder Leichnam, der also verlassen ist von seinem Seelisch-Geistigen, der wirkt genauso entgegengesetzt der mineralischen Kristallisationstendenz, wie die negative Elektrizität entgegengesetzt wirkt der positiven Elektrizität, oder wie die Finsternis entgegengesetzt wirkt dem Lichte. Und am Ende der Erdenentwickelung werden die sämtlichen, im Laufe dieser Entwickelung der Erde mitgeteilten Menschenformen — ich sage: Menschenformen, denn in dieser Form des Menschen liegt die Krafttendenz, und auf die Kraft, nicht auf die Substanz kommt es dabei an —, diese menschlichen Formen werden kosmisch die Mineralisierungstendenz, die Kristallisationstendenz im Mineralisieren aufgelöst haben.

[ 9 ] Now, the polar opposite of the tendency toward crystallization is that other tendency which is imprinted on the human form—not the animal form. And every corpse that we consign to the Earth in any form—whether through burial, cremation, or any other means— every corpse in which the human form still acts as a mere mineral form—every corpse that has thus been abandoned by its soul-spiritual essence—acts just as oppositely to the mineral tendency toward crystallization as negative electricity acts oppositely to positive electricity, or as darkness acts oppositely to light. And at the end of the Earth’s evolution, all the human forms that have been part of the Earth’s development—I say “human forms,” for it is in this human form that the force tendency lies, and it is the force, not the substance, that matters here—these human forms will have cosmically dissolved the tendency toward mineralization, the tendency toward crystallization, in the process of mineralization.

[ 10 ] Sie sehen, wie sich da wiederum ein Punkt ansetzt, wo die Brücke geschlagen wird zwischen zwei Weltenströmungen, die durch die Naturwissenschaft nicht geschlagen werden kann. Denn die Naturwissenschaft untersucht dasjenige, was mit der Menschenform nach dem Tode vorgeht, rein mineralogisch; sie wendet nur die mineralogischen Gesetze an; sie sucht nur dasjenige auf, was in der Tendenz des Kristallisierens der Erde liegt und behandelt so den Leichnam auch. Dadurch kann sie nie darauf kommen, welche bedeutsame Rolle im Haushalte des ganzen Erdenwesens die Leichname der Menschen, die toten Menschenleiber, ihre Form, spielen. Die Erde hat sich schon wesentlich verändert seit der Mitte der lemurischen Zeit, seit die Mineralisation eingetreten ist und damit die Kristallisationstendenz. Das, was an der Erde heute weniger mineralisch ist, weniger nach Kristallisationstendenz neigt als in der Mitte der lemurischen Zeit, das ist verdankt den sich auflösenden Formen der Menschenleiber. Und wenn die Erde an ihrem Ziele angelangt sein wird, so wird gar keine Kristallisationstendenz mehr da sein. Die sämtlichen der Erde übergebenen Menschenformen werden sich als der polarische Gegensatz ausgewirkt haben und die Kristallisation aufgelöst haben. Da wird das Ereignis des menschlichen Todes auch als rein physische Erscheinung in den ganzen Haushalt der Weltenordnung hineingestellt. Da wird die Brücke geschlagen zwischen Erscheinungen, die, wie die Todeserscheinung, sonst ganz unverständlich im Haushalte der Welt dastehen, und jenen Erscheinungen, welche die Naturwissenschaft heute schildert. Und es ist wichtig, daß man solche Anschauungen auch immer mehr und mehr ausbildet, welche der naturwissenschaftlichen Weltanschauung erst ihr wahres, ihr echtes Gepräge geben. Das, was ich Ihnen hier auseinandergesetzt habe, ist ja ebenso eine naturwissenschaftliche Tatsache, wie andere naturwissenschaftliche Tatsachen es sind, die von der heutigen Naturwissenschaft aus gefunden werden. Aber es ist eine Tatsache, auf die die Naturwissenschaft mit ihren heutigen Methoden aus sich heraus nicht kommen kann. Die Naturwissenschaft mit ihren heutigen Methoden muß notwendigerweise unvollständig bleiben und kann daher das Ganze der Lebenserscheinungen nicht erfassen. Daher muß diese Naturwissenschaft ihre Ergänzung durch die Geisteswissenschaft finden.

[ 10 ] You can see how, once again, a point arises where a bridge is built between two world currents—a bridge that natural science cannot build. For natural science investigates what happens to the human form after death from a purely mineralogical perspective; it applies only the laws of mineralogy; it seeks only what lies within the Earth’s tendency toward crystallization and treats the corpse accordingly. Consequently, it can never discover what a significant role the corpses of human beings—the dead human bodies and their form—play in the economy of the entire Earth entity. The Earth has already undergone significant changes since the middle of the Lemurian period, when mineralization began and with it the tendency toward crystallization. What is less mineral in nature on Earth today—less inclined toward crystallization than it was in the middle of the Lemurian period—is due to the dissolving forms of human bodies. And when the Earth has reached its goal, there will no longer be any tendency toward crystallization at all. All the human forms entrusted to the Earth will have exerted their influence as the polar opposite and will have dissolved the crystallization. Then the event of human death will also be placed within the entire order of the world as a purely physical phenomenon. A bridge will then be built between phenomena—such as the phenomenon of death—which otherwise stand completely incomprehensible within the order of the world, and those phenomena described by modern science today. And it is important to increasingly develop such perspectives, which give the scientific worldview its true, authentic character. What I have explained to you here is just as much a scientific fact as other scientific facts discovered by modern science. But it is a fact that modern science, with its current methods, cannot arrive at on its own. Natural science, with its current methods, must necessarily remain incomplete and therefore cannot grasp the totality of life phenomena. For this reason, natural science must find its complement in the spiritual sciences.

[ 11 ] Und wenn man kennen wird solche umfassenden Gesetze, wie dieses ist: durch die dem Erdenplaneten überlieferten Menschenformen wird die Kristallisationstendenz der Erde aufgelöst —, wenn man solche Gesetze kennen wird, dann werden diese Gesetze den Geist der Menschheit auch bereit machen, in bezug auf die geistige Entwickelung tiefer in die Wirklichkeit einzudringen. Derjenige, der nur im Sinne der heutigen Naturwissenschaft denkt und forscht, kann nicht die Brücke schlagen von der Naturwissenschaft herüber zu der sozialen und politischen Wissenschaft. Allein derjenige, der die großen, aus der Geisteswissenschaft folgenden Gesetze kennt, die sich auf das Große der Natur in der Weise beziehen, wie ich das jetzt auseinandergesetzt habe, der findet dann die Möglichkeit, hinüberzugeleiten über die Brücke, die von der Naturwissenschaft zur Menschenwissenschaft, vor allem zum geschichtlichen und politischen Leben der Menschheit führt, Der Naturforscher wird sich heute durchaus nicht genieren, davon zu reden, daß Polarität in der Natur ist. Er wird unterscheiden zwei Magnetismen, den Nord- und Südmagnetismus; er wird unterscheiden zwei Elektrizitäten, die positive und die negative Elektrizität. Und wird man einmal die Naturwissenschaft mehr in die richtigen Bahnen der Goetheschen Weltanschauung leiten, dann wird auch die Naturwissenschaft noch mehr Goetheanismus sein, als sie es heute sein kann, wo sie es fast gar nicht ist. Dann wird das Gesetz der Polarität in der ganzen Natur als das Grundgesetz erkannt werden, wie es im Grunde genommen schon figuriert hat in den alten Mysterien aus atavistischer Forschung heraus. In den alten Mysterien baute man alles auf die Erkenntnis der Polarität in der Welt. In der Naturwissenschaft selbst, das heißt in der Erkenntnis der Naturordnung, geniert sich der Forscher heute nicht, die Polarität anzuerkennen; aber in der Menschenordnung und in der Geistesordnung will er nicht an diese Polarität heran. Und doch, dasjenige, was wir luziferisch und ahrimanisch nennen, entspricht in bezug auf den Geist und seine Ordnungen, in die der Mensch auch hineingestellt ist, voll dem, was in der Naturwissenschaft zum Beispiel als Nord- und Südmagnetismus oder als positive und negative Elektrizität anerkannt ist. Niemals wird man verstehen, den wirklichen Einklang zu schaffen zwischen Geist und Natur, wenn man nicht die wahren Dinge von konkreter Polarität des Ahrimanischen und Luziferischen in der Geistesordnung finden wird. Denn nicht in abstrakten Begriffen, die einfach übertragen werden von der Natur auf den Geist, kann die wahre Wirklichkeit gefunden werden, sondern nur allein dadurch, daß man in den Geist selbst sich hineinzuvertiefen vermag und die dem Geist entsprechenden Polaritäten da findet.

[ 11 ] And when one comes to know such comprehensive laws as this one—namely, that the human forms handed down to the Earth dissolve the Earth’s tendency toward crystallization—when one comes to know such laws, then these laws will also prepare the spirit of humanity to penetrate more deeply into reality with regard to spiritual development. Those who think and research solely in the spirit of modern natural science cannot build a bridge from natural science to the social and political sciences. Only those who know the great laws derived from spiritual science—laws that relate to the grandeur of nature in the way I have just explained—will find the possibility of crossing the bridge that leads from natural science to the science of humanity, and above all to the historical and political life of humanity, Today, the natural scientist will by no means hesitate to speak of the existence of polarity in nature. He will distinguish between two types of magnetism, north and south magnetism; he will distinguish between two types of electricity, positive and negative electricity. And once the natural sciences are steered more firmly along the correct paths of Goethe’s worldview, then the natural sciences will become even more Goethean than they can be today, when they are hardly so at all. Then the law of polarity will be recognized throughout nature as the fundamental law, just as it has, in essence, already figured in the ancient mysteries arising from atavistic research. In the ancient mysteries, everything was based on the understanding of polarity in the world. In natural science itself—that is, in the understanding of the order of nature—the researcher today does not hesitate to acknowledge polarity; but in the order of humanity and in the order of the spirit, he refuses to engage with this polarity. And yet, what we call the Luciferic and the Ahrimanic corresponds, with regard to the spirit and its orders—into which human beings are also placed—fully to what is recognized in natural science, for example, as north and south magnetism or as positive and negative electricity. One will never be able to achieve true harmony between spirit and nature unless one discovers the true realities of the concrete polarity of the Ahrimanic and Luciferic forces within the spiritual order. For true reality cannot be found in abstract concepts that are simply transferred from nature to the spirit, but only by delving into the spirit itself and discovering the polarities that correspond to it there.

[ 12 ] So auch muß es mit den andern Naturtatsachen sein. Man kann nicht einfach Naturtatsachen studieren und dann sagen, man begründet auf diesen naturwissenschaftlichen Tatsachen eine geistige Ordnung, eine geistige Weltanschauung. Da kommt nichts dabei heraus. Soll das geistige Leben studiert werden in seiner Wirklichkeit, sollen auch nur diejenigen Erscheinungen des Lebens begriffen werden, in die der Geist hereinspielt, dann muß man zu dem Entschluß kommen, die geistigen Ordnungen selbst zu studieren. Auch dasjenige, was sich aus den Menschenseelen und den Menschenverrichtungen heraus in irgendeinem Zeitalter abspielt, man kann es nicht naturwissenschaftlich erklären, sondern man kann es in Wirklichkeit nur verstehen, wenn man es geisteswissenschaftlich erklärt.

[ 12 ] The same must be true of other facts of nature. One cannot simply study natural facts and then claim to base a spiritual order, a spiritual worldview, on these scientific facts. Nothing comes of that. If spiritual life is to be studied in its reality, if one is to comprehend even those phenomena of life in which the spirit plays a role, then one must come to the conclusion that one must study the spiritual orders themselves. Even what unfolds from human souls and human activities in any given age cannot be explained through the natural sciences; rather, it can truly be understood only when explained through spiritual science.

[ 13 ] Wenn man zum Beispiel gewisse Erscheinungen der Gegenwartskultur ins Auge fassen will, dann muß man dies so machen, daß man wirklich auseinandersetzt, in welchem Grade das Luziferische und in welchem Grade das Ahrimanische in diese Gegenwartskultur hineinspielt. Diesen Versuch hatte ich 1914 gemacht, vor dem Ausbruch der gegenwärtigen Katastrophe, in den Vorträgen «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» in einem Zyklus, den ich vor dieser Kriegskatastrophe in Wien gehalten habe. Und da möchte ich doch hinweisen auf die entscheidende Stelle, in der das ganz Wesentliche auseinandergesetzt wird, was in der Gegenwart spielt. Da sagte ich:

[ 13 ] If, for example, one wishes to examine certain phenomena of contemporary culture, one must do so by truly analyzing the extent to which the Luciferic and the Ahrimanic forces are at work in this contemporary culture. I made this attempt in 1914, before the outbreak of the current catastrophe, in the lectures “The Inner Being of the Human Being and Life Between Death and Rebirth” as part of a series I gave in Vienna before this war catastrophe. And here I would like to point out the crucial passage in which the very essence of what is at play in the present is explained. There I said:

[ 14 ] «Darum tritt diese Geisteswissenschaft jetzt in der Welt auf, weil die Menschheitsentwickelung es notwendig macht, daß diese Durchdringung der geistigen Welten und ihrer Daseinsbedingungen in den Seelen immer mehr und mehr, zuerst instinktiv und dann bewußt, leben wird. Ich will Ihnen eine reine Äußerlichkeit mitteilen, damit Sie sehen, wie man immer mehr dazu kommen wird, auch das Leben auf dem physischen Plan nur dadurch in seinem wahren Gehalt beurteilen zu können, daß man die Gesetze des geistigen Daseins begreift, eine reine Äußerlichkeit, die aber ungeheur wichtig ist. Wenn wir auf die Natur hinblicken, so sehen wir das merkwürdige Schauspiel, daß überall nur eine geringe Anzahl von Keimen verwendet wird, um das gleichartige Leben fortzupflanzen, daß aber eine ungeheuer große Anzahl von Keimen zugrunde geht. Wir blicken hin auf das Heer der ungeheuer vielen Fischkeime, die im Meere vorhanden sind. Nur wenige von ihnen werden Fische, die anderen gehen zugrunde. Wir sehen hinaus auf das Feld und sehen die ungeheuer vielen Kornkeime. Nur wenige werden wieder zu Kornpflanzen, die anderen gehen als Getreidekörner zugrunde, indem sie zu menschlicher Nahrung und anderem verwendet werden. Ungeheuer viel mehr muß in der Natur erzeugt werden, als was sozusagen im gleichmäßig fortfließenden Strom des Daseins wirklich Frucht wird und wieder keimt. So ist es gut in der Natur, denn da draußen in der Natur herrscht die Ordnung und Notwendigkeit, daß das, was so abfließt von seinem zu ihm gehörigen, in sich selbst begründeten Strom des Daseins und Fruchtens, verwendet wird, so verwendet wird, daß es dem anderen fortlaufenden Strom des Daseins dient. Die Wesen würden nicht leben können, wenn alle Keime wirklich fruchteten und zu der in ihnen liegenden Entwickelung kämen. Es müssen Keime da sein, welche dazu verwendet werden, daß sozusagen Boden gegründet wird, aus dem die Wesen herauswachsen können. Nur scheinbar, der Maja nach, geht etwas verloren, in Wirklichkeit geht innerhalb des Naturschaffens doch nichts verloren. In dieser Natur waltet der Geist, und daß so scheinbar etwas vom fortlaufenden Strom der Entwickelung verlorengeht, das ist in der Weisheit des Geistes begründet, das ist geistiges Gesetz, und wir müssen diese Sache vom Standpunkt des Geistes ansehen. Dann kommen wir schon darauf, inwiefern auch das seine gute Daseinsberechtigung hat, was scheinbar vom fortlaufenden Strom des Weltgeschehens hinweggeführt wird. Geistgegründet ist dieses; daher kann es auch, insoferne wir geistiges Leben führen, auf dem physischen Plane Geltung haben.

[ 14 ] “This is why this spiritual science is now emerging in the world: because the development of humanity makes it necessary for this penetration of the spiritual worlds and their conditions of existence to take root more and more deeply in people’s souls—first instinctively, and then consciously. I want to share with you a purely external observation so that you may see how we will increasingly come to be able to assess life on the physical plane in its true essence only by understanding the laws of spiritual existence—a purely external observation, yet one that is immensely important. When we look at nature, we see the remarkable spectacle that everywhere only a small number of seeds are used to perpetuate life of the same kind, while an immense number of seeds perish. We look at the vast multitude of fish eggs that exist in the sea. Only a few of them become fish; the rest perish. We look out over the field and see the immense number of grain seeds. Only a few become grain plants; the others perish as grains of cereal, being used for human food and other purposes. Nature must produce an immense amount more than what, so to speak, actually bears fruit and sprouts again in the steadily flowing stream of existence. This is as it should be in nature, for out there in nature there reigns the order and necessity that what flows away from its own, self-founded stream of existence and fruition be used—and used in such a way that it serves the other ongoing stream of existence. Beings would not be able to live if all seeds truly bore fruit and reached the stage of development inherent in them. There must be seeds that are used, so to speak, to lay the groundwork from which beings can grow. Only seemingly, according to Maya, is something lost; in reality, nothing is lost within the workings of nature. The Spirit reigns in this nature, and the fact that something appears to be lost from the continuous stream of development is grounded in the wisdom of the Spirit; it is a spiritual law, and we must view this matter from the Spirit’s perspective. Then we will come to understand the extent to which even that which is seemingly swept away by the continuous stream of world events has its own valid reason for existence. This is rooted in the Spirit; therefore, insofar as we lead a spiritual life, it can also have validity on the physical plane.

[ 15 ] Meine lieben Freunde, nehmen Sie den uns ganz naheliegenden konkreten Fall: Es müssen öffentliche Vorträge gehalten werden über unsere Geisteswissenschaft. Die werden vor einem Publikum gehalten, das eben einfach durch die Veröffentlichungen zusammengetragen wird. Da geht etwas Ähnliches vor wie mit den Getreidekörnern, die nur zum Teil im fortlaufenden Strom des Daseins verwendet werden. Man darf nicht zurückschrecken davor, daß man unter Umständen vor viele, viele Menschen scheinbar ohne Wahl die Ströme des spirituellen Lebens bringen muß, und daß sich dann nur wenige heraussondern und wirklich eintreten in dieses spirituelle Leben, Anthroposophen werden und im fortlaufenden Strome mitgehen. Auf diesem Gebiete ist es noch so, daß diese verstreuten Keime an viele herandringen, welche zum Beispiel nach einem öffentlichen Vortrage weggehen und sagen: Was hat der Kerl da für tollen Unsinn geschwatzt! — Unmittelbar angeschaut in bezug auf das äußere Leben, ist das so wie, sagen wir, die Keime, die im Meer als Fischkeime verlorengehen; aber vom Standpunkt einer tieferen Forschung ist es nicht so. Die Seelen, die da gekommen sind durch ihr Karma, die dann fortgehen und sagen: Was hat der Kerl da für tollen Unsinn geschwatzt! — die sind noch nicht reif, die Wahrheit des Geistes zu empfangen, aber notwendig haben es ihre Seelen in der jetzigen Inkarnation, heranschwingen zu fühlen das, was als Kraft in dieser Geisteswissenschaft liegt. Und das bleibt doch in ihren Seelen, sie mögen noch so schimpfen, es bleibt als Kraft in ihren Seelen für ihre nächste Inkarnation, und dann sind die Keime nicht verloren, sie finden Wege. Es unterliegt das Dasein in bezug auf das Geistige den gleichen Gesetzen, ob wir dieses Geistige in der Naturordnung verfolgen oder in dem Fall, den wir als unseren eignen Fall anführen konnten.

[ 15 ] My dear friends, consider this concrete example that is very close to home: Public lectures must be given on our spiritual science. These are delivered to an audience that is simply brought together through our publications. Something similar happens here as with the grains of wheat, only a portion of which is used in the continuous flow of existence. One must not shy away from the fact that, under certain circumstances, one may have to bring the currents of spiritual life to many, many people seemingly without their choosing, and that only a few will then stand out and truly enter into this spiritual life, become anthroposophists, and go along with the continuous stream. In this realm, it is still the case that these scattered seeds reach many people who, for example, walk away after a public lecture and say: “What kind of crazy nonsense did that guy spout!” — Viewed directly in terms of outer life, this is like, say, the seeds that are lost in the sea as fish eggs; but from the standpoint of deeper research, this is not the case. The souls who have come there through their karma, who then leave and say, “What kind of crazy nonsense did that guy spout!”—they are not yet ripe to receive the truth of the Spirit, but it is necessary for their souls in this present incarnation to feel themselves drawn to what lies as a force within this spiritual science. And this remains in their souls—no matter how much they may grumble—it remains as a force in their souls for their next incarnation, and then the seeds are not lost; they find their way. Existence, in relation to the spiritual, is subject to the same laws, whether we trace this spiritual aspect within the natural order or in the case we could cite as our own.

[ 16 ] Aber nehmen wir jetzt an, wir wollten die Sache auch auf das äußere materielle Leben übertragen und man wollte sagen: Nun, man macht es im äußeren Leben ebenso. — Ja, meine lieben Freunde, das ist es gerade, daß man es macht, was ich jetzt schildern werde, daß wir einer Zukunft entgegenleben, wo sich das immer mehr herausbildet! Man produziert immer mehr und mehr darauf los, man gründet Fabriken, man fragt nicht: Wieviel wird gebraucht? — wie es einmal der Fall war, als es Schneider im Dorf gab, die nur dann einen Anzug machten, wenn er bestellt wurde. Da war es der Konsument, der angab, wieviel erzeugt werden soll, jetzt wird für den Markt produziert, die Waren werden zusammengestapelt, soviel als nur möglich. Die Produktion arbeitet ganz nach dem Prinzip, nach dem die Natur schafft. Die Natur wird in die soziale Ordnung hinein fortgesetzt. Das wird zunächst immer mehr überhandnehmen. Aber hier betreten wir das Feld des Materiellen. Im äußeren Leben hat das geistige Gesetz, weil es eben für die geistige Welt gilt, keine Anwendung, und es entsteht etwas sehr Merkwürdiges. Da wir unter uns sind, können wir ja solche Dinge sagen. Die Welt freilich wird uns heute darin kein Verständnis entgegenbringen.

[ 16 ] But let’s now suppose we wanted to apply this to external, material life as well, and someone were to say: “Well, we do the same thing in external life.” — Yes, my dear friends, that is precisely the point: that we are doing what I am about to describe—that we are living toward a future in which this is becoming increasingly evident! People are producing more and more indiscriminately; they’re setting up factories; they don’t ask: “How much is needed?”—as was once the case when there were tailors in the village who would only make a suit when it was ordered. Back then, it was the consumer who determined how much should be produced; now, production is geared toward the market, and goods are piled up in as large quantities as possible. Production operates entirely according to the principle by which nature creates. Nature is carried over into the social order. At first, this will get increasingly out of hand. But here we are entering the realm of the material. In external life, the spiritual law—precisely because it applies to the spiritual world—has no application, and something very strange arises. Since we are among ourselves, we can, of course, speak of such things. The world, of course, will show us no understanding in this regard today.

[ 17 ] Es wird also heute für den Markt ohne Rücksicht auf den Konsum produziert, nicht im Sinne dessen, was in meinem Aufsatz ‚Geisteswissenschaft und soziale Frage‘ ausgeführt worden ist, sondern man stapelt in den Lagerhäusern und durch die Geldmärkte alles zusammen, was produziert wird, und dann wartet man, wieviel gekauft wird. Diese Tendenz wird immer größer werden, bis sie sich — wenn ich jetzt das Folgende sagen werde, werden Sie finden, warum — in sich selber vernichten wird.»

[ 17 ] So today, production for the market takes place without regard for consumption—not in the sense described in my essay “The Humanities and the Social Question”—but rather, everything that is produced is piled up in warehouses and on the money markets, and then one waits to see how much will be bought. This trend will continue to grow until—as I will explain shortly, and you will see why—it destroys itself.”

[ 18 ] Es ist die wichtigste der gegenwärtigen sogenannten Kriegsursachen in diesem Satze enthalten; aber sie ist aus dem geistigen Leben abzuleiten.

[ 18 ] This sentence contains the most important of the current so-called causes of war; but it must be derived from intellectual life.

[ 19 ] «Es entsteht dadurch, daß diese Art von Produktion im sozialen Leben eintritt, im sozialen Zusammenhang der Menschen auf der Erde genau dasselbe, was im Organismus entsteht, wenn so ein Karzinom entsteht. Ganz genau dasselbe, eine Krebsbildung, eine Karzinombildung, Kulturkrebs, Kulturkarzinom! So eine Krebsbildung schaut derjenige, der das soziale Leben geistig durchblickt; er schaut, wie überall furchtbare Anlagen zu sozialen Geschwürbildungen aufsprossen. Das ist die große Kultursorge, die auftritt für den, der das Dasein durchschaut. Das ist das Furchtbare, was so bedrückend wirkt, und was selbst dann, wenn man sonst allen Enthusiasmus für Geisteswissenschaft unterdrücken könnte, wenn man unterdrücken könnte das, was den Mund öffnen kann für die Geisteswissenschaft, einen dahin bringt, das Heilmittel der Welt gleichsam entgegenzuschreien für das, was so stark schon im Anzug ist und was immer stärker und stärker werden wird. Was auf seinem Felde in dem Verbreiten geistiger Wahrheiten in einer Sphäre sein muß, die wie die Natur schafft, das wird zur Krebsbildung, wenn es in der geschilderten Weise in die Kultur eintritt.»

[ 19 ] “When this kind of production enters social life—the social context of human beings on Earth—exactly the same thing occurs as when such a carcinoma develops in an organism. Exactly the same thing: a cancerous growth, a carcinoma—a cultural cancer, a cultural carcinoma! Anyone who spiritually penetrates social life sees such a cancerous growth; they see how terrible predispositions to social ulcers are sprouting up everywhere. This is the great cultural concern that arises for those who see through existence. This is the terrible thing that has such a depressing effect, and which—even if one could otherwise suppress all enthusiasm for spiritual science, even if one could suppress whatever might open one’s mouth to speak of spiritual science—drives one to cry out, as it were, for the world’s remedy against what is already so strongly on the rise and will become ever stronger and stronger. What must exist in its own sphere—the dissemination of spiritual truths in a realm that creates like nature—becomes a cancerous growth when it enters culture in the manner described.”

[ 20 ] Vorher finden Sie in diesem Vortrage alles dasjenige, was aus dem Ahrimanischen und Luziferischen herausgeholt wird, auseinandergesetzt. Aber Sie können es ersehen aus diesem Vortrage, daß man auf die Erkenntnis der Wirklichkeit in der sozialen Krebs- oder Karzinombildung nur kommt, nicht wenn man einfach vergleicht das soziale Leben mit den Naturtatsachen, sondern wenn man aus dem Ahrimanischen und Luziferischen heraus die Tendenzen, die in der gegenwärtigen sozialen Ordnung wirken, finden kann, der Wirklichkeit gemäß finden kann. Dasjenige, was in der sozialen Ordnung vorgeht, muß auf geistigem Wege gesucht werden. Und wenn es auf materialistischem Wege gesucht wird, so kann nichts weiter zustande kommen als höchstens ein Vergleich, eine Analogie des sozialen Geschehens mit den abstrakten Naturtatsachen.

[ 20 ] Earlier in this lecture, you will find a detailed analysis of everything that is derived from the Ahrimanic and Luciferic principles. But you can see from this lecture that one arrives at an understanding of the reality of social cancer or carcinoma formation not simply by comparing social life with natural phenomena, but by identifying—in accordance with reality—the tendencies at work in the present social order that stem from the Ahrimanic and Luciferic forces. What is taking place in the social order must be sought through spiritual means. And if it is sought through materialistic means, nothing more can result than, at most, a comparison—an analogy—between social events and abstract natural facts.

[ 21 ] Daß in der heutigen Gesellschaftsordnung eine Summe von Krebsgeschwüren waltet, das wurde dazumal ausgesprochen — die Vorträge sind datiert vom 9. bis 14. April 1914 —, aber nur ausgesprochen als zusammenfassend dasjenige, was im Grunde genommen unsere ganze anthroposophische Entwickelung hindurch von mir in den verschiedensten Formen gesagt wurde, um die Menschheit auf den Zeitpunkt vorzubereiten, wo das soziale Krebsgeschwür seine besondere Krisis erreichen würde, 1914! Jetzt erscheint ein Buch, ein an sich ziemlich wertloses, törichtes Buch, es trägt die Jahreszahl 1918, im Verlag Max Rascher in Zürich: C.F. Meray, «Weltmutation». Ich werde Ihnen einige Stellen aus diesem Buche vorlesen, dessen Verfasser ganz und gar hingeordnet ist seinem Intellekt nach auf die bloße Auffassung wirtschaftlicher Tatsachen, der daher, geradeso wie jene Vorträge über das innere Wesen des Menschen geeignet sind, die Wirklichkeit zu fördern, durch dieses Buch die Abkehr von der wahren Wirklichkeit, die Verführung zu falschem Denken fördert. Aber ich werde Ihnen einzelne Stellen aus diesem Buche mitteilen. Es wird ja versucht, bloß durch Analogien, durch Vergleiche mit Naturtatsachen, die Entwickelung der europäischen und amerikanischen Zivilisation zu begreifen. Während Sie in meinen Vorträgen von 1914 Wirklichkeit haben, haben Sie hier abstrakte monistische Vergleiche, bloße Analogien, die nichts eigentlich besagen, weil man im Grunde, wenn man bloß von Naturtatsachen redet und dann darauf hinweist, daß so etwas in der sozialen Ordnung auch da ist, nichts versteht von der sozialen Ordnung, sondern nur durch Analogie darauf hinweist, und das Verständnis eher verdunkelt als aufhellt. Aber was kommt dabei zustande? Es wird gezeigt, wie allmählich in das abendländische Kulturleben schon seit der Antike Zersetzungskeime eingetreten sind, wie die Zivilisation innerlich angefressen worden ist. Und solch ein Aperçu wird dann zusammengefaßt in Worte wie:

[ 21 ] The fact that a multitude of social cancers prevails in today’s social order was stated at that time—the lectures are dated April 9–14, 1914— but this was merely stated as a summary of what I had, in essence, been saying throughout our entire anthroposophical development in a wide variety of forms, in order to prepare humanity for the moment when the social cancer would reach its particular crisis—1914! Now a book has appeared—a book that is in itself quite worthless and foolish—bearing the year 1918, published by Max Rascher in Zurich: C.F. Meray, *Weltmutation*. I will read to you a few passages from this book, whose author is, in his intellect, entirely fixated on the mere perception of economic facts; and who therefore—just as those lectures on the inner nature of the human being are suited to promoting reality—promotes, through this book, a turning away from true reality and a seduction toward false thinking. But I will share individual passages from this book with you. An attempt is made here to understand the development of European and American civilization solely through analogies and comparisons with facts of nature. Whereas in my lectures from 1914 you have reality, here you have abstract monistic comparisons, mere analogies that actually mean nothing, because fundamentally, when one speaks only of facts of nature and then points out that something similar also exists in the social order, one understands nothing of the social order but merely points to it by analogy, and this obscures understanding rather than clarifying it. But what is the result? It is shown how, gradually, since antiquity, seeds of decay have crept into Western cultural life, how civilization has been eaten away from within. And such an insight is then summarized in words like:

[ 22 ] «Diese krankhaften Veränderungen begannen in den frisch aufblühenden Frührenaissancestädten, in den noch rein produktiven Stadt-Republiken des aufstrebenden Bürgertums, als sie ihre Riesenzelle von Krebs zu ernähren hatten, sich darauf einrichteten und sich so zu einem Apparate der Ernährung eines Krebsknotens umwandeln mußten....

[ 22 ] “These pathological changes began in the newly flourishing early Renaissance cities, in the still purely productive city-republics of the emerging bourgeoisie, when they had to feed their giant cancer cell, adapted to it, and were thus forced to transform themselves into an apparatus for nourishing a cancerous tumor....

[ 23 ] Die Entstehung dieser Einrichtung, dieser Organisation, aus der die Struktur des modernen Staates wurde, ging mit einer gleichzeitigen Umwandlung des produktiven Gewebes vor sich, die durchaus nicht als zu ihrem eigenen Leben gehörig zu betrachten ist.»

[ 23 ] The emergence of this institution, this organization, which gave rise to the structure of the modern state, was accompanied by a simultaneous transformation of the productive fabric, which by no means should be regarded as an inherent part of its own existence.»

[ 24 ] Er nennt das Zivilisation, die Zivilisationsordnung, ein produktives Gewebe, das heißt, er hebt nur ein Gewebe von Naturtatsachen herauf, nicht die wirkliche Geistestatsache.

[ 24 ] He calls this civilization, the order of civilization, a productive fabric; that is, he highlights only a fabric of natural facts, not the actual fact of the mind.

[ 25 ] «Denn normalerweise können im Körper fremdartige Elemente mit einander nicht in Berührung kommen, ohne eine Entzündung hervorzurufen, — wie ja zu Beginn solche Entzündungen bei der Berührung der Soldaten des Burggrafen mit dem Bürgertum auch vorkamen (denken wir an das Glockensignal der letzteren, das sie zu Scharen rief!) — normal wäre nur das völlige Ausschneiden des Giftknotens gewesen; damit wurde auch begonnen, und das Bestreben läßt sich auch später noch verfolgen. In dem Momente aber, wo die beiden Elemente, der Krebsknoten und das arbeitende Gewebe, sich bereits ohne Entzündung vertragen konnten, entstand etwas Anormales, eine Abnormität, die sich nur unter pathologischen Bedingungen halten konnte.

[ 25 ] “For normally, foreign elements cannot come into contact with one another in the body without causing inflammation—just as such inflammations did occur at the outset when the Burgrave’s soldiers came into contact with the bourgeoisie (think of the latter’s bell signal, which summoned them in droves!) — the only normal course of action would have been the complete excision of the cancerous mass; this was indeed the initial approach, and this effort can still be traced later on. However, at the very moment when the two elements—the cancerous mass and the healthy tissue—were already able to coexist without inflammation, something abnormal arose, an abnormality that could only persist under pathological conditions.

[ 26 ] Solche Abnormitäten finden wir überall in den Organismen, wo Geschwülste, Geschwüre, Eiterungen, kurz fremdartige Elemente, derart umwoben werden, daß daraus keine Entzündung mehr entsteht. Das Gewebe, das sich da bildet, ist eine Deformität, die nach der Heilung zu nichts weiterem im Organismus zu gebrauchen ist. Doch während der Krankheit dient sie zum Schutze des Organismus, sie bildet eine Einrichtung, die das Krankheitsgift für den Körper unschädlich macht, wenn auch diese Bildung bisweilen hypertrophisch ins Maßlose wächst, und an sich schon eine schwere Krankheitserscheinung werden kann.

[ 26 ] We find such abnormalities throughout the body, where tumors, ulcers, suppurations—in short, foreign elements—are so encapsulated that they no longer cause inflammation. The tissue that forms there is a deformity that, once healed, serves no further purpose in the organism. Yet during the course of the disease, it serves to protect the organism; it forms a mechanism that renders the pathogenic toxin harmless to the body, even if this formation sometimes grows hypertrophically to excessive proportions, and can in itself become a serious symptom of the disease.

[ 27 ] So entstand auch der moderne Staat als eine Deformität des vollständig durchwühlten, arbeitenden Lebens, bei deren Entstehung aber das ganze Gewebe zum eigenen Schutze zusammenwirken mußte, um das Böse daran zu paralysieren, und um die zersetzenden Giftwirkungen aufzuheben. Der Staat entstand dementsprechend als eine gesonderte Struktur, die zwar das produktive Leben durchflicht, er selbst aber wurde nie zur Struktur, zum Apparate der Produktivität. Das System der ganzen modernen Volkswirtschaft bildete sich eben neben dem Staate gesondert aus....

[ 27 ] Thus, the modern state also arose as a deformity of working life—which had been thoroughly disrupted—but in its formation, the entire social fabric had to act in concert for its own protection, in order to paralyze the evil within it and to neutralize its corrosive, toxic effects. Accordingly, the state emerged as a separate structure that, while permeating productive life, never itself became a structure or an apparatus of productivity. The system of the entire modern national economy developed separately alongside the state....

[ 28 ] Die unmittelbarsten Beziehungen zum Giftknoten haben die Reichsten, die für den Umsatz ihrer Waren eines umfangreichen Schutzes bedürfen. Daher sind sie eifriger und, als Reiche, auch befähigter, dem Burgherrn eine höhere Ernährung zu geben; braucht er Geld, so sind sie es, die es ihm verschaffen; will er etwas bei der Stadt erreichen, wendet er sich an die Patrizier, wobei es im Interesse dieser selbst liegt, daß der Stadtfürst gekräftigt wird, während diejenigen, deren Stoffumsatzkreis nicht über die Mauern reicht, eine stete, natürliche Abneigung (physiologisch: eine negative chemotaktische Wirkung) gegen den Burgherrn empfinden. Sie dulden ihn eigentlich nur wegen des Schutzes des Mauerringes. Die toxische Wirkung» — das heißt: die Giftwirkung — «wandelt aber die Individualität der Patrizier nicht mehr um — oder nur selten, selten werden sie selbst kriegerische Adelige — sie gehören schon viel zu sehr dem antitoxischen, arbeitenden Gewebe an. Ihr Reichtum ist aus diesem entstanden und mit diesem verknüpft: wohl zeigt sich eine toxische Wirkung — aber nicht auf das Individuum, sondern: — auf das Protoplasma,» — und Protoplasma, das ist nun das Vermögen! — «auf das Vermögen.

[ 28 ] The wealthiest have the most direct ties to the “poison node,” as they require extensive protection for the sale of their goods. Therefore, they are more eager—and, as the wealthy, also better able—to provide the lord of the castle with a higher standard of living; if he needs money, it is they who provide it to him; if he wishes to achieve something with the city, he turns to the patricians, as it is in their own interest that the city prince be strengthened, while those whose sphere of trade does not extend beyond the walls feel a constant, natural aversion (physiologically: a negative chemotactic effect) toward the lord of the castle. They tolerate him, in fact, only for the protection afforded by the city walls. The “toxic effect”—that is, the poisonous effect—“no longer transforms the individuality of the patricians—or only rarely; rarely do they themselves become warlike nobles—they already belong far too much to the antitoxic, working tissue. Their wealth has arisen from this and is linked to it: a toxic effect is indeed evident—but not on the individual, rather—on the protoplasm,”—and protoplasm, that is wealth!—“on wealth.

[ 29 ] Während früher das Vermögen durchaus noch nicht dazu diente, als Kapital zu funktionieren, sondern nur die Reserven des Lebens und des Wohlstandes bildete, ändert sich jetzt seine Rolle: das Vermögen fängt an, Arbeitsprozesse an sich zu knüpfen.»

[ 29 ] Whereas in the past, wealth certainly did not serve as capital, but merely constituted the reserves of life and prosperity, its role is now changing: wealth is beginning to become linked to the processes of labor themselves.»

[ 30 ] Bei dieser Stelle bitte ich Sie, sich zu erinnern, wie ich 1908 in seither auch gedruckten Vorträgen in Nürnberg darauf aufmerksam gemacht habe, wie entzogen wird dem unmittelbar persönlichen Einfluß die moderne wirtschaftliche Ordnung, und wie das Geld, das heißt, das Kapital als solches, zu arbeiten beginnt. Ich sagte: Immer mehr und mehr arbeitet sich die gegenwärtige soziale Ordnung unter ahrimanischem Einfluß so herauf, daß der eine bald unten, bald oben ist. Auf die Persönlichkeit kommt es nicht mehr an, sondern es kommt darauf an, daß das Geld als solches wirtschaftet, bald einen heraufwirft, bald wieder hinunterwirft. Die Aktie, die Kapitalanhäufung und sein Gegenpol, das Kreditwesen, dieses Apersönliche und Antipersönliche, ist dasjenige, was sich als das ahrimanische Gegenbild des Geistselbstes für die Zukunft der sozialen Ordnung entwickeln soll.

[ 30 ] At this point, I ask you to recall how, in 1908, in lectures I gave in Nuremberg—which have since been published—I drew attention to how the modern economic order is being stripped of direct personal influence, and how money—that is, capital as such—begins to work. I said: Under Ahrimanic influence, the present social order is increasingly developing in such a way that one person is sometimes at the bottom and sometimes at the top. It no longer depends on the individual, but rather on the fact that money as such governs the economy, sometimes propelling someone upward and sometimes casting them back down. The stock, the accumulation of capital, and its counterpart, the credit system—this impersonal and anti-personal force—is what is to develop as the Ahrimanic counter-image of the spiritual self for the future of the social order.

[ 31 ] Das alles ist hier, in diesem Buche selbst, rein ahrimanisch ausgesprochen. Aber es besteht die Gefahr, daß so etwas, weil es auf jeder Seite mit Riesenanmerkungen aus der Naturwissenschaft auftritt, furchtbaren Respekt hervorruft. Jahre, nachdem auf die Wirklichkeit durch geisteswissenschaftliche Untersuchungen hingewiesen worden ist, tritt, sogar mit denselben Worten, für dieselbe Erscheinung dieses ahrimanische Zerrbild der Geisteswissenschaft auf. Das wird den Menschen imponieren, trotzdem es sie verführt und versucht, weil sie niemals zum Verständnis der Wirklichkeit kommen werden, wenn sie nicht die Brücke schlagen wollen zwischen rein äußerlichen, naturwissenschaftlichen Tatsachen, die hier verwendet werden, und den rein geisteswissenschaftlichen Vorgängen, die eben nur durch Geisteswissenschaft gefunden werden können. Aber so wird es sicher kommen, daß ein solches Ding, wie andere Dinge, die aufgetreten sind, die ich im Laufe der Vorträge besprochen habe, als wahre Wissenschaft hingenommen wird, während man die Wissenschaftlichkeit der Geisteswissenschaft ganz gewiß in der nächsten Zeit in der furchtbarsten Weise bekämpfen wird, in einer Weise, die Sie sich vielleicht heute gar noch nicht in ihrer Intensität vorstellen wollen.

[ 31 ] All of this is expressed here, in this very book, in a purely Ahrimanic manner. But there is a danger that something like this, because it appears on every page with massive footnotes from the natural sciences, will inspire a terrible sense of awe. Years after the reality has been pointed out through spiritual scientific investigations, this Ahrimanic distortion of spiritual science appears—even using the very same words—in connection with the same phenomenon. This will impress people, even though it misleads and tempts them, because they will never come to an understanding of reality unless they are willing to build a bridge between the purely external, natural-scientific facts used here and the purely spiritual-scientific processes that can be discovered only through spiritual science. But it will certainly come to pass that such a thing, like other things that have arisen and which I have discussed in the course of these lectures, will be accepted as true science, while the scientific nature of spiritual science will most certainly be attacked in the most terrible way in the near future—in a way whose intensity you may not even want to imagine today.

[ 32 ] Diese Dinge müssen schon einmal durchschaut werden. Sie müssen um so mehr durchschaut werden, als sie ja Tatsachen betreffen, welche gerade unterhalb des Scheines der äußeren Realität liegen. Zur Einsicht in diese Tatsachen gehört schon der gute Wille, wirklich den geisteswissenschaftlichen Forschungen vernünftig und mit gesundem Menschenverstande wahrhaftig zu folgen.

[ 32 ] These matters must be thoroughly understood. They must be understood all the more because they concern facts that lie just beneath the surface of external reality. Gaining insight into these facts requires, above all, the willingness to truly follow spiritual scientific research in a reasonable manner and with sound judgment.

[ 33 ] Entgegengesetzte Strömungen, Polaritäten, müssen im Gleichgewichte gehalten werden. Das kann nur geschehen, wenn fortwährend neue Einflüsse in das Erdengeschehen kommen, die unmittelbar von der geistigen Welt selbst ausgehen, das heißt, wenn immer neue und neue Tatsachen, welche die Welt betreffen, aus dem Geiste heraus geoffenbart werden.

[ 33 ] Opposing currents and polarities must be kept in balance. This can only happen if new influences continually enter into earthly events that originate directly from the spiritual world itself—that is, if ever-new facts concerning the world are revealed from the spirit.

[ 34 ] Als man mir einmal in Rom einen Jesuiten heranschleppte, da hatte ich über solches eine Unterredung mit ihm, obwohl ich wußte, daß es nichts nütze und daß es eigentlich ganz verlorene Liebesmühe ist, aber es geschieht ja dann aus andern Beweggründen heraus; auch da ist es nötig, auf die wahre Wirklichkeit, und nicht auf den äußeren Schein zu sehen. Ich versuchte, dem Jesuiten klarzumachen, daß er ja erstens selber eine Offenbarung des Übersinnlichen im Verlauf des Mysteriums von Golgatha und dessen, was darüber geschrieben ist, durch die inspirierten Evangelisten annehmen muß, daß die katholische Kirche, an die er ja doch auch als Jesuit glauben werde, annimmt eine fortdauernde Entwickelung des spirituellen Lebens in ihren Heiligen. Er erwiderte mir, was ja selbstverständlich war: Ja, das ist alles richtig, aber das ist aus; das darf man nicht willkürlich herbeiführen. Wolle man sich zum spirituellen Leben heute durcharbeiten, so sei dies ein teuflisches Beginnen; man dürfe das Mysterium von Golgatha, die Evangelien, das Leben der Heiligen studieren, aber man dürfe nicht, wenn man nicht dämonischen Gewalten verfallen will, irgendwie anstreben, mit der geistigen Welt in eine unmittelbare Beziehung zu kommen. — Das ist ja selbstverständlich, daß das von dieser Seite gesagt wurde. Solche Beispiele könnte ich Ihnen viele anführen.

[ 34 ] Once, when a Jesuit was brought to me in Rome, I had a conversation with him about such matters, even though I knew it would be of no use and that it was actually a completely futile effort—but such things happen for other reasons; even then, it is necessary to look at the true reality and not at outward appearances. I tried to make it clear to the Jesuit that, first of all, he himself must accept a revelation of the supernatural in the course of the Mystery of Golgotha and what has been written about it by the inspired evangelists; and that the Catholic Church—in which, after all, he as a Jesuit must believe—acknowledges a continuous development of spiritual life in its saints. He replied, as was to be expected: “Yes, that is all true, but that is over; one must not arbitrarily bring it about. If one were to strive toward the spiritual life today, that would be a diabolical undertaking; one may study the Mystery of Golgotha, the Gospels, and the lives of the saints, but one must not—if one does not wish to fall prey to demonic forces—in any way strive to enter into a direct relationship with the spiritual world. —It goes without saying that this was said from that perspective. I could cite many such examples for you.

[ 35 ] Von gewissen Seiten her besteht der schärfste Gegenkampf gerade gegen das Einfließen immer neuer und neuer spiritueller Wahrheiten. Selbst den uns ja gewiß nicht sympathischen Spiritismus fürchtet zum Beispiel die römisch-katholische Kirche furchtbar, weil sie in der Angst lebt, es könnte doch einmal durch ein Medium irgend etwas aus der geistigen Welt herüberkommen, was von der Kirche nicht zugegeben werden kann, weil sie bloß in ihren alten Traditionen bleiben will. Und sie fürchtet den Spiritismus, weilerja materialistische Grundlagen hat, und weil er leicht — wie sie seit Jahrzehnten her glaubt — Anhänger gewinnen kann dadurch, daß man auf einem Umwege irgend etwas eingeträufelt finden könnte aus der spirituellen Welt in die Welt, die eben die römisch-katholische Kirche beherrschen will.

[ 35 ] From certain quarters, the fiercest opposition is directed precisely against the influx of ever-new spiritual truths. Even spiritualism—which we certainly do not sympathize with—is, for example, terribly feared by the Roman Catholic Church, because it lives in fear that something might one day come through from the spiritual world via a medium that the Church cannot acknowledge, since it wishes to remain solely within its old traditions. And it fears spiritualism because it has materialistic foundations, and because—as it has believed for decades—it can easily gain followers through the possibility that, by some roundabout means, something might seep in from the spiritual world into the world that the Roman Catholic Church seeks to control.

[ 36 ] Nun wissen Sie ja, in den siebziger Jahren, 1879, entstand die Möglichkeit eines gewaltigen, tiefgehenden Einflusses von der geistigen Welt. Ich habe es öfter dargestellt, wie ein Geisterkampf, der vorher in den geistigen Welten stattgefunden hat, eingeflossen ist in die irdische Ordnung, in die Michael-Ordnung. Seit jener Zeit sind besondere Gelegenheiten gegeben, daß Spirituelles von den Menschen, die das wollen, aufgenommen werde. Man glaube nun nicht, daß die Eingeweihten der römisch-katholischen Kirche solche Dinge nicht wissen! Sie kennen sie natürlich; aber sie richten ihre Dämme dagegen auf. Und gerade im Zusammenhang mit der Tatsache, daß das spirituelle Leben von den geistigen Welten aus ganz besonders gefördert wird vom Jahre 1879 an, hat vorausschend die römisch-katholische Kirche das Infallibilitätsdogma aufgerichtet, um einen Damm aufzubauen durch das Infallibilitätsdogma gegen etwaigen Einfluß irgendwelcher neuer spiritueller Wahrheiten. Selbstverständlich, wenn die Leute mit Bezug auf ihre Weltanschauung nur dasjenige in sich verarbeiten dürfen, was ex cathedra von Rom aus verkündet wird in dem Lichte des Unfehlbarkeitsdogmas, so ist ein mächtiger Damm aufgerichtet gegen das Einfließen irgendwelcher spiritueller Wahrheiten, die aus der geistigen Welt selber kommen. Das ist das eine, das römische Element, welches seine Naturbedingungen in früheren Zeiten hatte und herüberbrachte aus diesen Naturbedingungen früherer Zeiten die Starrheit im Traditionellen, die Starrheit im Ausschließen desjenigen, was gerade aus den geistigen Welten an spiritueller Substantialität in die Menschenseelen einfließen könnte.

[ 36 ] As you know, in the 1870s—specifically in 1879—the possibility arose of a powerful, profound influence from the spiritual world. I have often described how a spiritual battle that had previously taken place in the spiritual worlds flowed into the earthly order, into the Michael Order. Since that time, special opportunities have arisen for spiritual matters to be received by those who desire it. Do not think, however, that the initiates of the Roman Catholic Church are unaware of such things! Of course they know about them; but they erect barriers against them. And precisely in connection with the fact that spiritual life has been particularly fostered from the spiritual worlds since 1879, the Roman Catholic Church, with foresight, established the dogma of infallibility in order to erect a barrier—through this dogma—against any influence of new spiritual truths. Of course, if people—in accordance with their worldview—are allowed to assimilate only what is proclaimed ex cathedra from Rome in the light of the dogma of infallibility, then a powerful barrier is erected against the influx of any spiritual truths that come from the spiritual world itself. That is one aspect—the Roman element—which had its natural conditions in earlier times and carried over from those conditions of earlier times the rigidity of tradition, the rigidity in excluding precisely that spiritual substance from the spiritual worlds that could flow into human souls.

[ 37 ] Eine andere Strömung ist in demjenigen Zentrum zu suchen, welches im hohen Grade — ungefähr in derselben Zeit, als sich von Rom aus das Infallibilitätsdogma vorbereitete — festzuhalten ist in der englischen und amerikanischen, englisch sprechenden Bevölkerung. Wir haben von diesem okkulten Zentrum in mancherlei Zusammenhängen hier schon gesprochen. Geradeso wie das Traditionelle und falsch Idealistische im Haupte bewirkt, daß Ahrimanisches sich geltend macht in dem unteren Menschen, so bewirkt, wie Sie gesehen haben, der Materialismus, daß sich Spirituelles im unteren Menschen entwickelt. Und selbstverständlich, wenn es nicht von neuen spirituellen Wahrheiten, die sich von Zeit zu Zeit der Welt enthüllen, genährt wird vom Haupte des Menschen, dann wird es von luziferischen Kräften, von luziferischen Prinzipien abgefangen. Das Zentrum, das von großem Einflusse ist auf die englisch-amerikanische Bevölkerung — das ist der beste Ausdruck —, das strebt vorzugsweise dahin, mit dem andern Pol zu rechnen. Jene okkulte Maurerei, die in jenem Zentrum verankert ist, und die von diesem Zentrum aus einen großen Einfluß hat auf den Gang der äußeren Kultur der ganzen zivilisierten Welt, die befördert ebenso — und zwar die Dinge durchschauend — den Materialismus, wie ihn Rom durch die Unfehlbarkeit des Papstes befördert hat. Rom hat durch die Unfehlbarkeit einen Damm aufrichten wollen gegen das Hereinfließen von spirituellen Wahrheiten aus den geistigen Welten; jenes Zentrum fördert in bewußter Weise in der modernen Kulturwelt die Ausbreitung des Materialismus, die Ausbreitung materialistischer Vorstellungen in einer mehr oder weniger materialistischen Lebensführung. Und das Eigenartige dieser Erscheinung ist, daß in der Regel, wenn die anglo-amerikanischen Eingeweihten über Rom sprechen, sie das Richtige sagen; und wenn sie noch so schimpfen über Rom, so sagen die das Richtige. Sie wissen aber auch, daß es ein spirituelles Leben und die Möglichkeit eines fortdauernden Einflusses gibt, aber sie halten das geheim und lassen es nur durch unbekannte Kanäle in die Zivilisation einfließen. Und die nicht englischsprechende Bevölkerung innerhalb der zivilisierten Welt hat in den letzten Jahrzehnten — man kann sagen, in dem letzten halben Jahrhunderte — in ausgiebigstem Maße dasjenige aufgenommen, was dort durch jenes Zentrum eingeflossen ist. Denn die andern Kulturen sind keineswegs in ihrer gegenwärtigen Struktur Eigenkulturen, sondern sie sind vielfach genährt von jener materialistischen Tendenz, die aus jenem Zentrum stammt.

[ 37 ] Another current can be found in that center which is strongly evident—roughly at the same time that the dogma of infallibility was taking shape in Rome—among the English and American English-speaking populations. We have already spoken of this occult center here in various contexts. Just as traditional and falsely idealistic thinking primarily causes Ahrimanic forces to assert themselves in the lower human being, so, as you have seen, materialism causes spiritual forces to develop in the lower human being. And of course, if it is not nourished from the head of the human being by new spiritual truths that are revealed to the world from time to time, then it is intercepted by Luciferic forces, by Luciferic principles. The center that exerts great influence on the English-American population—that is the best way to put it—strives primarily to align itself with the other pole. That occult Freemasonry, which is anchored in that center and which, from this center, exerts a great influence on the course of the outer culture of the entire civilized world, promotes materialism—while seeing through the nature of things—just as Rome promoted it through the infallibility of the Pope. Through infallibility, Rome sought to erect a dam against the influx of spiritual truths from the spiritual worlds; that center consciously promotes, in the modern cultural world, the spread of materialism—the spread of materialistic ideas in a more or less materialistic way of life. And the peculiar thing about this phenomenon is that, as a rule, when Anglo-American initiates speak about Rome, they are correct; and no matter how much they rail against Rome, they are still correct. They also know, however, that there is a spiritual life and the possibility of a continuing influence, but they keep this secret and allow it to flow into civilization only through unknown channels. And the non-English-speaking population within the civilized world has, in recent decades—one might say, over the last half-century—absorbed to the greatest extent what has flowed in from that center. For the other cultures are by no means, in their present structure, distinct cultures of their own; rather, they are in many ways nourished by that materialistic tendency which originates from that center.

[ 38 ] Und wiederum, wenn Rom über jenes Zentrum, über das okkulte Freimaurertum, die Orden, spricht, so sagt es Richtiges. So daß man sagen kann: Von Rom wird Richtiges gesagt, von dem okkulten Freimaurertum der westlichen Länder wird auch Richtiges gesagt. Das ist eben gerade die Schwierigkeit, daß diese Dinge in der Wirklichkeit im eminentesten Sinne das Menschenwesen entweder nach der luziferischen oder ahrimanischen Seite werfend sein können, daß sie aber durchaus in dem, was sie aussagen, nicht anzugreifen sind, weil sie das Richtige sagen. Wenn sie über die andern reden, sagen sie das Richtige!

[ 38 ] And again, when Rome speaks of that center—of occult Freemasonry, of the orders—it speaks the truth. So one can say: Rome speaks the truth, and the truth is also spoken about occult Freemasonry in the Western countries. That is precisely the difficulty: that these things can, in reality and in the most eminent sense, draw the human being either toward the Luciferic or the Ahrimanic side; yet they cannot be criticized for what they say, because they speak the truth. When they speak of others, they speak the truth!

[ 39 ] Das ist ein Faktum, das man innerhalb der gegenwärtigen Kulturtendenzen sehr wohl und sehr gründlich ins Auge zu fassen hat. Denn die gegenwärtige Menschheit ist eben einmal geneigt, nicht auf dasjenige zu schauen, was aus irgendeiner Sache wird, sondern immer auf dasjenige, was dem Worte nach in irgendeiner Propaganda ausgesprochen wird. Aber auf den Wortlaut dieser oder jener Propaganda kommt es eben gar nicht an, sondern es sollte durch den Materialismus in der Vorstellungswelt auch die untere Natur des Menschen materialistisch gemacht werden; nun wird diese aber gerade dadurch spiritualisiert. Und es müßte darauf ankommen, durch einen abstrakten Idealismus im Reden von allen möglichen schönen moralischen Idealen den Menschen moralischer zu machen; man macht ihn aber, verzeihen Sie — in übertragenem Sinne gebraucht —, fettleibig, materialistisch in seiner niederen Natur; man macht ihn dumpf und schläfrig. Und während auf der einen Seite die starke Tendenz besteht, den Menschen ahrimanisch zu sklerotisieren, und dieses insbesondere jesuitische Tendenz ist, besteht auf der andern Seite die entschiedene Tendenz, die luziferischen Wesenheiten in den Dienst der materialistischen Weltenordnung zu stellen, damit eben durch den Materialismus eine Geistigkeit, eine Spiritualisierung, die aber luziferisch orientiert ist, herauskomme. Es genügt eben wirklich nicht, wenn man nur dasjenige, was sich an der Oberfläche abspielt, ins Auge faßt seinem wortwörtlichen Sinne nach, sondern man muß eingehen auf die wahre Wirklichkeit, die — wie gerade unsere Fälle heute zeigen, so paradox sie sich ausnehmen — oftmals das gerade Gegenteil von dem bezwecken, was man nach oberflächlicher Maja-Anschauung geneigt ist zu glauben. Gegenwärtig ist es schon so, daß von den verschiedensten Seiten in der Welt gearbeitet wird nach dem Grundsatze der okkulten Orden, aber die Sache geheimgehalten wird. Es arbeitet sowohl Rom nach okkulter Ordnung, wie auch jenes andere Zentrum nach okkulter Ordnung arbeitet. Aber die Macht liegt gerade darinnen, daß die Menschen in der Dumpfheit gehalten werden, und es ihnen nicht gesagt wird, was eigentlich geschieht. Daher auch der Haß und die Feindschaft gegen diejenigen, die dann auftreten und ihnen sagen, was geschieht. Und besonders schädlich ist die Naivität, der sich manche Menschen hingeben, jene Naivität, die immer wieder und wiederum glaubt, man erreicht etwas gerade bei den angedeuteten Strömungen, wenn man ihnen zeigt: Aus unserer spirituellen Wissenschaft folgt eine schöne Auffassung über den Christus Jesus — oder dergleichen, wenn man ihnen zeigt, wie ja die tieferen Wahrheiten der Geisteswissenschaft im wahren Christentum zu finden sind. Es ist eine Naivität, wenn man glaubt, gewisse Kreise dadurch zu gewinnen, daß man zeigt, man habe eine Wahrheit, die sie eigentlich nach ihren ganzen Voraussetzungen anerkennen müßten. Das ruft ja gerade die Gegnerschaft hervor! Je mehr wir zeigen in gewissen Kreisen, daß wir die Wahrheit haben, desto schlimmer die Gegnerschaft, und je mehr sich diese Wahrheit als wirksam erweist, desto intensiver wird jene erscheinen. Man hat in den letzten Zeiten nur gewartet, ob der Moment kommen wird, wo die anthroposophischen Bücher eine größere Auflage erleben, wo doch tausende und tausende von Menschen auf Anthroposophie hören, um von gewisser Seite — nicht weil man glaubt, daß Anthroposophie die Unwahrheit sagt, sondern weil man fürchtet, daß Anthroposophie die Wahrheit sagen werde — diese Anthroposophie anzugreifen. Das ist es, was ins Auge gefaßt werden muß. Keine Naivität sollte gerade auf unserem Boden walten, sondern durchdringende Erkenntnis, vorurteilsloses, unbefangenes Anschauen dessen, was geschieht.

[ 39 ] This is a fact that must be faced squarely and thoroughly within the context of current cultural trends. For humanity today is, after all, inclined not to look at what actually becomes of a given matter, but always at what is stated in so many words in some form of propaganda. But the wording of this or that propaganda is not what matters at all; rather, materialism in the realm of the imagination is intended to make even the lower nature of human beings materialistic; yet it is precisely this that spiritualizes it. And the aim should be to make people more moral through an abstract idealism that speaks of all manner of beautiful moral ideals; but instead—forgive me for using this in a figurative sense—one makes them obese, materialistic in their lower nature; one makes them dull and drowsy. And while on the one hand there is a strong tendency to sclerotize human beings in an Ahrimanic way—and this is a particularly Jesuitical tendency—on the other hand there is a decisive tendency to place the Luciferic beings in the service of the materialistic world order, so that through materialism itself a spirituality—a spiritualization—may emerge, albeit one that is Luciferically oriented. It is simply not enough to consider only what takes place on the surface in its literal sense; rather, one must delve into the true reality, which—as our cases today demonstrate, however paradoxical they may seem—often aims at the exact opposite of what one is inclined to believe based on a superficial, Maya-like view. At present, it is already the case that work is being carried out from the most diverse quarters around the world according to the principles of the occult orders, but the matter is kept secret. Rome operates according to occult principles, just as that other center operates according to occult principles. But the power lies precisely in the fact that people are kept in ignorance and are not told what is actually happening. Hence the hatred and hostility toward those who then step forward and tell them what is happening. And particularly harmful is the naivety to which some people succumb—that naivety which believes, time and again, that one can achieve something precisely within these currents by showing them: “Our spiritual science leads to a beautiful understanding of Christ Jesus”—or the like—by showing them how the deeper truths of spiritual science are indeed to be found in true Christianity. It is naive to believe that one can win over certain circles by showing that one possesses a truth which, given all their presuppositions, they ought actually to acknowledge. That is precisely what provokes opposition! The more we show in certain circles that we have the truth, the worse the opposition becomes; and the more this truth proves effective, the more intense that opposition will appear. In recent times, people have simply been waiting to see if the moment would come when anthroposophical books would go into a larger print run—even though thousands upon thousands of people are receptive to anthroposophy—only for certain quarters to attack anthroposophy—not because they believe it speaks untruths, but because they fear it might speak the truth. This is what must be kept in mind. There should be no naivety, especially in our own circles, but rather penetrating insight and an unbiased, impartial view of what is happening.

[ 40 ] Gerne hätte ich, daß Sie aus diesem Vortrage eine Empfindung davon mitnehmen würden; denn noch einmal sei wiederholt, was ich im Eingange des heutigen Vortrages sagte: Nicht so sehr auf die Einzelheiten kommt es an, sondern darauf, daß wir eine Gesamtempfindung von dem, was im ganzen Geiste dieser Vorträge steckt, erhalten und dann uns immer fähiger und fähiger machen, uns in die Gegenwartskultur und in das Gegenwartsleben so hineinzustellen, wie es einem in der Gegenwart richtig wachenden, nicht schlafenden Menschen entspricht. Davon dann das nächste Mal weiter.

[ 40 ] I would very much like you to take away a sense of this from this lecture; for let me repeat once more what I said at the beginning of today’s lecture: It is not so much the details that matter, but rather that we gain an overall sense of the spirit underlying these lectures and thereby become increasingly capable of engaging with contemporary culture and life in a way befitting a person who is truly awake—and not asleep—in the present. More on this next time.