The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184
21 September 1918, Dornach
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The Polarity of Duration and Development in Human Life, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Ich habe Sie in den Vorträgen der vorigen Woche darauf hingewiesen, wie versucht werden muß mit Hilfe der Wissenschaft der Initiation von der scheinbaren Wirklichkeit, die uns eigentlich fortwährend umgibt, vorzudringen zu der wahren Wirklichkeit. Und ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß jenes Streben, welches den meisten Menschen sympathisch ist, das Streben nach einer einheitlichen verstandesmäßigen Welttheorie, gerade abzieht von der Wirklichkeit, daß es gerade hineinführt in die Täuschung gegenüber der Wirklichkeit, daß man vielmehr anstreben müsse, zwei Strömungen der Wirklichkeit zu unterscheiden, insbesondere auch in bezug auf die Menschenerkenntnis, um dann lebendig dasjenige, was man von jeder dieser beiden Strömungen wissen kann, mit dem andern zu verbinden. Rekapitulieren wir uns noch einmal kurz, was wir ausgeführt haben mit Bezug auf diese zwei Strömungen in der Menschenerkenntnis, und versuchen wir dann, uns die nötigen Anforderungen einer Wirklichkeitsanschauung auf dieser Grundlage zu verschaffen. Ich sagte Ihnen: Das Menschenleben verläuft eigentlich so, daß der Mensch erst in der zweiten Lebenshälfte begreifen kann, was er in der ersten Lebenshälfte denkend, überhaupt seelisch durchmacht — und ich sagte: Wirksam ist in uns vernünftiges Wesen in den ersten sieben Lebensjahren, von der Geburt bis zum Zahnwechsel, Vernünftiges waltet in uns, aber dasjenige, was da als Vernünftiges waltet, und auch dasjenige, was wir schon in diesen ersten Lebensjahren lernend aufnehmen, wir begreifen es noch nicht durch unsere eigenen Menschenkräfte, wenn wir die eine Strömung nur ins Auge fassen, von der wir zu reden haben. Wäre der Mensch lediglich auf sich als Mensch, als Erdenmensch angewiesen, er würde erst im hohen Lebensalter, Ende der Fünfzigerjahre und Anfang der Sechzigerjahre, begreifen können, was er als Kind bis zum Zahnwechsel denkt, fühlt und will. Also man wird erst im höchsten Alter gewissermaßen zur Selbsterkenntnis mit Bezug auf sein inneres Kindheitsleben reif. Die Kräfte im Menschen, die erfassen können, was man in dem ersten Kindheitsalter innerlich vernünftig durchlebt, die werden eben erst so spät in dem menschlichen Leben geboren.
[ 1 ] In last week’s lectures, I pointed out to you how we must strive, with the help of the science of initiation, to move beyond the apparent reality that actually surrounds us constantly and toward true reality. And I drew your attention to the fact that the very pursuit that appeals to most people—the pursuit of a unified, rational theory of the world—actually leads away from reality; that it leads directly into an illusion regarding reality; and that one must rather strive to distinguish between two currents of reality—especially with regard to the understanding of the human being—in order to then vividly combine what can be known from each of these two currents with the other. Let us briefly recapitulate what we have discussed regarding these two currents in the understanding of the human being, and then let us try to establish the necessary requirements for a view of reality on this basis. I told you: Human life actually unfolds in such a way that a person can only comprehend in the second half of life what they go through mentally—and indeed, emotionally—in the first half of life—and I said: The rational aspect is active within us during the first seven years of life, from birth until the teeth begin to fall out; the rational reigns within us, but what reigns there as the rational, and also what we take in through learning during these first years of life—we do not yet comprehend it through our own human faculties if we consider only the one current we are discussing. If human beings were to rely solely on themselves as human beings, as earthly beings, they would only be able to comprehend—at an advanced age, in their late fifties and early sixties—what they think, feel, and will as children up until the change of teeth. Thus, it is only in old age, so to speak, that one matures to self-knowledge with regard to one’s inner childhood life. The powers within a person that are capable of grasping what one experiences inwardly and rationally during early childhood are only born so late in human life.
[ 2 ] Dann haben wir eine zweite Lebensepoche, die vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife dauert. Denken Sie nur — wir haben es dargestellt in dem Büchelchen «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» —, was da der Mensch vorstellend, fühlend, wollend durchmacht bis zur Geschlechtsreife. Durch eigene menschliche Kräfte, durch menschliche Erdenkräfte würde der Mensch erst Ende der Vierzigerjahre, Anfang der Fünfzigerjahre begreifen können, was er da durchlebt.
[ 2 ] Then we have a second stage of life, which lasts from the time the baby teeth are replaced until sexual maturity. Just think—we have described this in the booklet *The Education of the Child from the Perspective of Spiritual Science*—what a human being goes through in terms of imagination, feeling, and will until reaching sexual maturity. Through their own human powers, through human earthly forces, a person would not be able to comprehend what they are experiencing there until the late forties or early fifties.
[ 3 ] Und wiederum, was wir durchleben von der Geschlechtsteife bis in die Zwanzigerjahre hinein: erst in den letzten Dreißigerjahren, Anfang der Vierzigerjahre würden wir es durch die eigenen menschlichen Kräfte begreifen. Was wir ausdenken, meinetwillen auch an Idealen ausbilden, die Tragweite davon, den Lebenswert, wir würden ihn erst erfassen, wenn wir nur auf unsere menschlichen Lebenskräfte angewiesen wären, in den Dreißigerjahren. Nur dasjenige, was wir vom achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Jahre etwa erleben, das steht für sich, das können wir ungefähr begreifen. Dieses mittlere Glied des menschlichen Lebenslaufes, das hat ein gewisses Gleichgewicht, da können wir ausdenken und begreifen zu gleicher Zeit; in den andern Lebensaltern nicht.
[ 3 ] And again, what we go through—from sexual immaturity well into our twenties—we would only come to understand through our own human powers in the late thirties and early forties. What we conceive—and, for my part, develop into ideals—the significance of these, their value in life, we would only grasp in our thirties if we were to rely solely on our human life forces. Only what we experience from about the age of twenty-eight to thirty-five stands on its own; that is what we can roughly grasp. This middle phase of the human life course has a certain balance; there we can conceive and comprehend at the same time; in the other stages of life, we cannot.
[ 4 ] Sie bekommen einen Begriff von menschlicher Entwickelung in einem Lebenslauf, wenn Sie das, was wir so angeführt haben, durchdenken; wie der Mensch in der Zeit als Erdenmensch sich entwickelt, davon bekommen Sie eine Vorstellung. Selbsterkenntnis, insofern wir an die Zeit gebunden sind, wäre eigentlich nur in dieser Weise möglich, daß wir immer warteten, bis das entsprechende Lebensalter eintritt, um dasjenige zu begreifen, was wir in einem andern, früheren Lebensalter denken. Das ganze menschliche Leben gehört zusammen. Wir würden als Persönlichkeit, wenn wir nur Erdenmensch in der Zeit wären, gar nicht von uns etwas Schlagkräftiges wissen, wenn wir nicht im Alter zurückschauten auf dasjenige, was sich in der Jugend in uns heranentwickelt hat.
[ 4 ] You will gain an understanding of human development over the course of a lifetime if you reflect on what we have outlined here; you will gain an idea of how human beings develop over time as earthly beings. Self-knowledge, insofar as we are bound to time, would actually only be possible if we always waited until the corresponding stage of life arrived in order to comprehend what we think at another, earlier stage of life. The whole of human life belongs together. If we were merely earthly human beings bound to time, we would not know anything truly significant about ourselves as personalities unless, in old age, we looked back on what had developed within us during our youth.
[ 5 ] Dies ist die eine Seite des Menschen, die eine Strömung des Menschenlebens. Mit Bezug auf diese Strömung ist der Mensch ganz und gar der Zeit unterworfen, mit Bezug auf diese Strömung kann er einfach nichts machen, als warten, bis die Zeit der Reife da ist. Aber ich habe Sie schon aufmerksam darauf gemacht: So, wie wir es durchleben im Majadasein, nimmt sich das menschliche Leben ja nicht aus; so nimmt sich das menschliche Leben aus, wenn wir es in der Zeit sich abspielend betrachten. Dennoch ist das, was man so ausführt über den zeitlichen Verlauf des Menschenlebens, die wahre Wirklichkeit. Denn mit demjenigen, was wir sonst erleben zwischen Geburt und Tod, ich sagte Ihnen, mit dem kann man zur Not, wenn man oberflächlich bleiben will, leben, aber man kann damit nicht sterben. Denn alles dasjenige, was man sonst weiß, was man lernt dadurch, daß es uns andere beibringen, was man lernt dadurch, daß es sich die Menschheit im Lauf der Geschichte angeschafft hat, kurz, was man als zeitlicher Mensch auf eine andere Weise lernt, als daß man im Alter auf die Jugend zurückblickt, das vergeht im Tode, das tragen wir von der einen Strömung zunächst nicht durch des Todes Pforte durch. Nur das, was wir uns so erworben haben, daß es dieser Entsprechung gemäß ist, das tragen wir durch die Todespforte durch. Glauben Sie auch nicht, daß Sie das gar nicht tun, was ich damit kennzeichne! Derjenige von Ihnen, der in ein späteres Lebensalter gekommen ist, sieht schon selber in seinem Unterbewußten auf die früheren Lebensalter zurück. Es spielt sich das schon ab, wenn es sich auch im Unterbewußten abspielt, was ich so charakterisiert habe. Und Sie würden nichts von dem äußeren zeitlichen Leben durch die Todespforte tragen, wenn es sich nicht so abspielte. Im Zeitalter des Materialismus beachten das ja allerdings die Menschen nicht, aber alles dasjenige, was den Menschen das Zeitalter des Materialismus beibringen kann, kann ja nicht mitgenommen werden durch die Todespforte hindurch. Für die Welt hat nur das Bedeutung, was Sie in diesem Sinne durchmachen, daß Sie im Alter begreifen, was in der Jugend sich abgespielt hat in Ihrem ganzen Menschen. Das ist die eine Strömung.
[ 5 ] This is one aspect of human nature, one current of human life. In relation to this flow, human beings are entirely subject to time; in relation to this flow, they can do nothing but wait until the time of maturity arrives. But I have already drawn your attention to this: Human life does not appear as we experience it in the state of being; rather, it appears as such when we observe it unfolding over time. Nevertheless, what is said about the temporal course of human life is the true reality. For as for what we otherwise experience between birth and death—as I told you—one can, if necessary and if one wishes to remain superficial, live with it, but one cannot die with it. For everything else we know—what we learn through others teaching us, what we learn through what humanity has acquired in the course of history, in short, what we as temporal human beings learn in any way other than by looking back on our youth in old age—all of that passes away in death; we do not initially carry it through the gate of death from this stream of existence. Only what we have acquired in such a way that it corresponds to this principle do we carry through the gate of death. Do not think, either, that you do not do what I am describing here! Those of you who have reached a later stage of life already look back in your subconscious on your earlier stages of life. What I have described in this way is already taking place, even if it occurs in the subconscious. And you would carry nothing from your outer, temporal life through the gate of death if it did not take place in this way. In the age of materialism, people do not pay attention to this, of course, but everything that the age of materialism can teach a person cannot be taken with them through the gate of death. For the world, the only thing that matters is what you experience in this sense—that in old age you come to understand what took place within your entire being during your youth. That is one current.
[ 6 ] Die andere Strömung ist aber dadurch herbeigeführt, daß der Mensch nicht bloß ein leiblich-seelisches Wesen ist. Als leiblich-seelisches Wesen verläuft sein Dasein so in der Zeit, wie wir es jetzt wieder dargestellt haben. Aber der Mensch ist auch ein geistig-seelisches Wesen. Und durch dieses geistig-seelische Wesen ist er nicht bloß im Reiche der Zeit, wie wir es eben charakterisiert haben, sondern er ist als geistig-seelisches Wesen im Reiche der Dauer. Da ist er allerdings auch wiederum etwas ganz anderes — wir haben es ja dargestellt —, als es ihm erscheint. Da macht er keine Entwickelung durch, da ist er dasselbe Wesen von der Geburt bis zum Tode. Aber sein Denken, Fühlen und Wollen ist etwas ganz anderes, als was es ihm selber erscheint. Sein Denken und auch ein Teil seines Fühlens ist ein Sich-Versetzen in kosmische Regionen, wo Götterkampf stattfindet, wie ich es Ihnen dargestellt habe vor acht Tagen, und wiederum ist das Wollen und ein Teil des Fühlens das Sich-Versetzen in eine andere Region des Kosmos, wo Götterkampf stattfindet. Sinnen, sagte ich Ihnen, heißt, sich in eine gewisse Region der Geistigkeit versetzen und teilnehmen an gewissen Kämpfen der einen Geistesart gegen die andere; ebenso heißt Wollen teilnehmen an gewissen Kämpfen, wenn auch in dem einen oder in dem andern Fall diese Kämpfe zur Ruhe gekommen sind. Es ist eine tiefe Wahrheit, was Sie dargestellt finden in der «Pforte der Einweihung», daß, während sich in uns geistig-seelische Vorgänge abspielen, große kosmische Dinge geschehen.
[ 6 ] The other current, however, arises from the fact that the human being is not merely a physical-psychic being. As a physical-psychic being, his existence unfolds in time as we have just described. But the human being is also a spiritual-psychic being. And through this spiritual-soul being, they are not merely in the realm of time, as we have just characterized it, but as a spiritual-soul being, they are in the realm of duration. There, however, they are again something entirely different—as we have indeed described—from what it appears to be to them. There, they do not undergo any development; there, they remain the same being from birth to death. But his thinking, feeling, and willing are something entirely different from what they appear to be to him. His thinking—and also a part of his feeling—is a transporting of himself into cosmic regions where a struggle among gods takes place, as I described to you eight days ago; and likewise, his willing—and a part of his feeling—is a transporting of himself into another region of the cosmos where a struggle among gods takes place. To sense, as I told you, means to transport oneself into a certain region of the spiritual realm and to participate in certain struggles of one kind of spirit against another; likewise, to will means to participate in certain struggles, even if in one case or the other these struggles have come to a standstill. It is a profound truth, as you will find described in *The Gate of Initiation*, that while spiritual and soul processes are taking place within us, great cosmic events are unfolding.
[ 7 ] Ebenso wie der Mensch nichts ahnen will im Zeitalter des Materialismus von seinem Leiblich-Seelischen, das in der Zeit verläuft, so will der Mensch nichts wissen von diesem Geistig-Seelischen, das im Reich der Dauer spielt, das aber ganz anders aussieht als sein Denken, Fühlen, Wollen im gewöhnlichen Leben, und das sich, wenn man es wirklich betrachtet, abspielt als Geisteskämpfe. So paradox es für den materialistisch denkenden Menschen klingt: Wenn Sie einen Gedanken fassen, ist es etwas ganz anderes als dasjenige, als was Sie es selber in der Maja ansehen. Nehmen wir nur an, Sie fassen einen Gedanken, sagen wir wie einen derjenigen, die wir gestern erwähnt haben: Sie fassen den Gedanken an den Raum. In dem Augenblick, wo Sie an den Raum denken — auch nur in der Abstraktheit, wie die Gegenwart an den Raum denkt —, in dem Augenblicke, wo Ihr Geist sich mit dem Raumgedanken erfüllt, stecken Sie mit Ihrer Seele in einer geistigen Region drinnen, wo Ahriman einen mächtigen Kampf kämpft gegen andersgeartete Hierarchien. Und Sie könnten den Gedanken an den Raum nicht haben, ohne daß Sie lebten in einer Region, wo Ahriman gegen andere Hierarchien kämpft. Und wenn Sie ein Wollen entfalten, wenn Sie zum Beispiel sagen: Ich will spazierengehen! — selbst wenn es ein so unbedeutendes Wollen ist, sobald Sie dieses Wollen in die Tat umsetzen, stecken Sie geistig in einer Region drinnen, wo die luziferischen Geister kämpfen gegen Geister anderer Hierarchien. Das Weltengeschehen ist eben, vom Gesichtspunkte der Wissenschaft der Initiation betrachtet, etwas wesentlich anderes als der schattenhafte Abglanz, den wir von ihm wahrnehmen, indem wir als Menschen zwischen Geburt und Tod in der Maja leben. Denn dasjenige, was wir als Maja so wahrnehmen, das ist nichts anderes als ein Etwas, das sich vergleichen läßt mit dem Wellenkräuseln an der Oberfläche des Meeres. Ich habe Ihnen gestern das Bild dargestellt: Das Wellenkräuseln an der Oberfläche des Meeres, es ist eigentlich im Grunde genommen etwas, was nicht da wäre, wenn nicht unter ihm das Meer wäre, über ihm die Luft. Die Kräfte, welche dieses Wellenkräuseln hervor rufen, sind innerhalb des Meeres, sind in der Luft, und das Wellenkräuseln ist nur das Abbild desjenigen, was an Kräften von oben und unten zusammenschlägt. So ist unser Leben in der Maja zwischen Geburt und Tod nichts anderes, als was zusammenschlägt aus diesen Geisterkämpfen, die sich in Wahrheit, wenn wir denken, fühlen oder wollen, im Reiche der Dauer abspielen, und aus jenem Entwickelungsverlaufe in der Zeit, der sich so abspielt, daß wir erst im späten Alter dasjenige erfassen, was wir in der Jugend ausdenken. Unser Leben ist im Grunde ein Nichts, wenn wir es nicht aus dem Zusammenfluß und Zusammenschluß dieser beiden wahren Wirklichkeiten betrachten. Hinter unserem Leben sind diese beiden wahren Wirklichkeiten.
[ 7 ] Just as human beings, in this age of materialism, do not wish to have any inkling of their physical-soul aspect—which passes with time—so too do they not wish to know anything about this spiritual-soul aspect, which takes place in the realm of eternity, yet looks entirely different from their thinking, feeling, and willing in ordinary life, and which, when truly considered, unfolds as spiritual struggles. As paradoxical as it may sound to the materialistically minded person: When you form a thought, it is something entirely different from what you yourself perceive it to be in Maya. Let us simply suppose you form a thought—say, one of those we mentioned yesterday: You form the thought of space. The moment you think of space—even in the abstract way that the present age thinks of space—the moment your mind is filled with the thought of space, you find yourself, with your soul, in a spiritual region where Ahriman is waging a mighty battle against hierarchies of a different kind. And you could not have the thought of space without living in a region where Ahriman is fighting against other hierarchies. And when you give rise to a will—when, for example, you say, “I want to go for a walk!”—even if it is such an insignificant desire, as soon as you put this will into action, you find yourself spiritually immersed in a region where the Luciferic spirits are fighting against spirits of other hierarchies. World events, when viewed from the perspective of the science of initiation, are something fundamentally different from the shadowy reflection we perceive of them as we live as human beings between birth and death within Maya. For what we perceive as Maya is nothing other than something comparable to the ripples on the surface of the sea. Yesterday I presented this image to you: the ripples on the surface of the sea are, in essence, something that would not exist if there were not the sea beneath it and the air above it. The forces that give rise to these ripples are within the sea and in the air, and the ripples are merely the reflection of the forces converging from above and below. Thus, our life in Maya between birth and death is nothing other than the convergence of these spiritual struggles—which, in truth, take place in the realm of eternity whenever we think, feel, or will—and of that course of development in time that unfolds in such a way that we only come to grasp in old age what we conceived in our youth. Our life is, in essence, nothing if we do not view it from the confluence and union of these two true realities. Behind our life lie these two true realities.


[ 8 ] Nun ist nicht nur hinter unserem Leben auf der einen Seite der zeitliche Verlauf, der uns nötigen würde, zu warten und zu warten, um etwas zu begreifen, was wir vorher erdacht haben, und sind nicht nur die Vorgänge in der Dauer, die sich abspielen unser ganzes Leben hindurch in gleicher Weise zwischen Geburt und Tod, sondern wir selbst stehen drinnen in dieser Wirklichkeit, und unser Drinnenstehen erscheint uns auch nur in seinem Abbilde. Unser ganzes Verhältnis zur Welt erscheint uns nur in seinem Abbilde. Die Wahrheit erkennen, erfordert immer, daß man sich erkrafte, sie zu erkennen; sie kommt nicht zu uns, wenn wir bloß passiv bleiben wollen. Die Wahrheit erkennen, heißt, sich stehend erkennen in den beiden Strömungen, die ich angedeutet habe: im Reiche der Zeit und im Reiche der Dauer. Und indem wir drinnenstehen in diesen beiden Reichen und sich auch mit uns ein Leben abspielt, das gegenüber den wahren Kräften keine andere Bedeutung hat als das Meeresgekräusel gegenüber den Stürmen der Luft und gegenüber dem auf und ab wogenden Flusse unten, verbringen wir unser Leben zwischen Tod und Geburt, und dann auch wieder zwischen Geburt und Tod. Die Kräfte und Mächte machen sich mit uns zu tun, während wir das Leben so verbringen. Denn immer sind mächtige Kräfte da, welche auf der einen Seite sich Mühe geben, uns dem gewöhnlichen Erdenleben, wie es in der Maja verläuft, zu entreißen; aber ebenso sind andere Kräfte da, welche sich alle Mühe geben, uns dem Reiche der Dauer zu entreißen.
[ 8 ] Now, it is not only that behind our lives, on the one hand, lies the passage of time—which would force us to wait and wait in order to comprehend something we had previously conceived—and it is not only the processes unfolding over time that play out throughout our entire lives in the same way between birth and death; rather, we ourselves stand within this reality, and our standing within it also appears to us only in its reflection. Our entire relationship to the world appears to us only in its reflection. Recognizing the truth always requires that we summon the strength to recognize it; it does not come to us if we merely wish to remain passive. To recognize the truth means to recognize ourselves as standing within the two currents I have indicated: in the realm of time and in the realm of duration. And as we stand within these two realms—and as a life unfolds within us that, in the face of the true forces, has no greater significance than the ripples of the sea have in the face of the storms in the air or the river surging up and down below—we spend our lives between death and birth, and then again between birth and death. The forces and powers are at work within us as we live our lives in this way. For there are always mighty forces at work: on the one hand, those that strive to tear us away from ordinary earthly life as it unfolds in Maya; but there are also other forces that do their utmost to tear us away from the realm of permanence.
[ 9 ] Auf der einen Seite — halten wir das gut fest — haben wir unseren zeitlichen Lebensverlauf, wo wir im Begreifen erst spät reif werden für das, was sich mit uns in der Zukunft abspielt. Es gibt Kräfte und Mächte, welche uns beschränken wollten auf das, was wir soalsMensch sind, welche uns als Menschen so gestalten möchten, daß sich dies mit uns abspielt. Das heißt also: Es gibt Kräfte und Mächte, welche wollen, daß unser Leben wirklich so verläuft, auch in der Maja, auch im Erdenverlaufe so verläuft, daß wir als Kind dies oder jenes erleben, aber nichts davon begreifen, gleichsam ein Schlafesleben führen bis zum achtundzwanzigsten Lebensjahre, dann anfangen, das Gleichzeitige an uns etwas zu begreifen, und dann, wenn wir über das fünfunddreißigste Jahr hinaus sind, anfangen, das Frühere zu begreifen. Es gibt Kräfte und Mächte, welche uns zu einem bloß zeitlichen Menschen machen möchten, zu einem Menschen, der die erste Hälfte seines Lebens mehr oder weniger ein Pflanzen-, ein Schlafesleben führt, und in der zweiten Hälfte seines Lebens rückschauend begreift, was sich während dieses Schlafes abgespielt hat. Kräfte und Mächte gibt es, welche den Menschen in der ersten Hälfte seines Lebens zum 'Träumer, in der zweiten Hälfte seines Lebens zu einem Wesen machen möchten, das sich dieser Träume erinnert und dadurch erst in der zweiten Hälfte seines Lebens zum Selbstbewußtsein komme. Praktisch würde sich, wenn diese Kräfte und Mächte allein auf uns wirken könnten, das so ausnehmen, daß wir eigentlich erst in dem Anfang der Dreißigerjahre, oder höchstens im achtundzwanzigsten Lebensjahre, seelisch geboren werden. Vorher würden wir wie schlaftrunken auf der Erde herumgehen.
[ 9 ] On the one hand—let’s keep this firmly in mind—we have the course of our earthly lives, in which we only come to fully understand what lies ahead for us in the future at a late stage. There are forces and powers that would limit us to what we are as human beings, that would shape us as human beings in such a way that this is what happens to us. This means, then, that there are forces and powers that want our lives to truly unfold this way, even in the world of Maya, and in the course of our earthly existence, so that as children we experience this or that but understand none of it—leading, as it were, a life of slumber until the age of twenty-eight—then begin to grasp something of what is happening to us in the present, and then, once we are past the age of thirty-five, begin to understand what came before. There are forces and powers that would like to make us merely temporal human beings—human beings who lead the first half of their lives more or less as a plant-like, sleep-like existence, and who, looking back in the second half of their lives, come to understand what took place during this sleep. There are forces and powers that would like to turn a person into a “dreamer” in the first half of their life, and in the second half into a being who remembers these dreams and thereby attains self-awareness only in the second half of their life. In practical terms, if these forces and powers were to act upon us alone, it would mean that we would not truly be spiritually born until the early thirties, or at the latest by the age of twenty-eight. Before that, we would walk around on earth as if in a daze.
[ 10 ] Wenn das so wäre, wie diese Wesen wollen, würden wir losgerissen werden von unserer ganzen kosmischen Vergangenheit. Unser jetziges Dasein beruht ja darauf, daß wir in dem Sinne, wie ich es in der «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt habe, eine kosmische Vergangenheit durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit durchgemacht haben. Während dieses Durchgangs durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit haben Wesen der höheren Hierarchien — die ein besonderes Interesse haben, daß im Kosmos Menschen entstehen —, Wesen, welche die Schöpfer der Menschheit sind, uns entwickelt und in das Erdendasein hereingestellt. Im Erdendasein sind wir nun nach der einen Strömung solche Menschen, wie wir es da geschildert haben. Die Kräfte und Mächte sind da, die uns nur als solche Erdenmenschen gestalten wollten. Würden sie siegen, dann würden sie uns losreißen von unserer Saturn-, Sonnen- und Mondenvergangenheit. Sie würden uns im Erdenleben konservieren, sie würden uns nur zu Erdenmenschen machen. Das streben gewisse Mächte an. Es sind die ahrimanischen Mächte. Ahriman strebt an, uns zu bloßen Zeitenmenschen zu machen, strebt an, unser Erdenleben loszureißen von unserer kosmischen Vergangenheit. Er strebt an, die Erde ganz und gar zu einem Wesen für sich zu machen und uns mit ihr ganz tellurisch, ganz irdisch zu machen.
[ 10 ] If things were as these beings would have it, we would be torn away from our entire cosmic past. Our present existence is, after all, based on the fact that—in the sense I described in *An Outline of Esoteric Science*—we have passed through a cosmic past encompassing the Saturn, Sun, and Moon eras. During this passage through the Saturn, Sun, and Moon eras, beings of the higher hierarchies—who have a special interest in the emergence of human beings in the cosmos—beings who are the creators of humanity, developed us and placed us into earthly existence. In earthly existence, we are now, according to one current of thought, the kind of human beings described there. There are forces and powers that wish to shape us solely as such earthly human beings. If they were to prevail, they would tear us away from our Saturn, Sun, and Moon pasts. They would preserve us in earthly life; they would make us nothing but earthly human beings. This is what certain powers strive for. These are the Ahrimanic forces. Ahriman strives to make us mere temporal human beings; he strives to tear our earthly life away from our cosmic past. He strives to make the Earth a being entirely in its own right and to make us, along with it, entirely telluric, entirely earthly.
[ 11 ] Andere Kräfte und Mächte gibt es, die streben das gerade Gegenteil an. Die streben an, uns diesem zeitlichen Leben ganz zu entreißen, uns solches Denken, Fühlen und Wollen zu geben, das ganz und gar nur einträufelt aus der Region der Dauer. Diese Wesen streben an, uns ohne unser Zutun von der Kindheit an ein gewisses Quantum von Denken, Fühlen und Wollen gewissermaßen zu inspirieren und es uns dann durch den ganzen Lebenslauf zu erhalten. Würden sie siegen, so würde unser ganzes zeitliches Leben verdorren. Wir würden endlich — sogar sehr bald, es wäre schon längst geschehen, wenn diese Wesen gesiegt hätten — abstreifen, ablegen die physische Körperlichkeit, das leiblich-geistige Wesen, und wir würden reine Geister werden. Aber es würde unsere Aufgabe nicht erfüllt werden, insoferne diese Aufgabe vom Erdensein kommt. Wir würden hinweggezogen werden vom Erdensein. Diesen Wesen ist die Erde zu schlecht, sie hassen die Erde, sie mögen die Erde nicht. Sie möchten den Menschen von der Erde hinwegheben, sie möchten ihm ein Dasein rein im Reiche der Dauer geben; sie möchten, daß er ausschalte von sich all dasjenige, was so in der Zeit verläuft, wie ich es dargestellt habe. Das sind die luziferischen Wesenheiten. Die luziferischen Wesenheiten streben das Gegenteil von den ahrimanischen Wesenheiten zunächst an. Die ahrimanischen Wesenheiten suchen den Menschen mit dem ganzen Erdendasein loszureißen von der kosmischen Vergangenheit und das Irdische zu konservieren. Die luziferischen Wesenheiten streben, die Erde wegzuwerfen, alles Irdische vom Menschen wegzuwerfen, und den Menschen ganz und gar zu spiritualisieren, so daß nichts Irdisches auf ihn wirkt, so daß er nicht durchsetzt und durchkraftet werde von dem Irdischen. Sie möchten in ihm nur ein kosmisches Wesen haben, sie möchten, daß die Erde abfiele von der Evolution, daß sie verworfen würde im Weltenall. Während Ahriman will, daß gerade die Erde sich verselbständige, gewissermaßen für den Menschen die ganze Welt werde, streben die luziferischen Wesenheiten an, daß die Erde verworfen werde, weggeworfen werde von der Menschheit, und die Menschheit hinauferhoben werde in das Reich, in welchem die luziferischen Wesenheiten selber sind, in welchem die luziferischen Wesenheiten ihr Dasein haben in der reinen Welt der Dauer. Um dieses zu erreichen, versuchen die luziferischen Wesenheiten fortwährend, uns die Intelligenz, die wir als Menschen haben, automatisch zu machen, und sie versuchen, den freien Willen in uns zu unterdrücken. Würde die Intelligenz rein automatisiert werden, würde der freie Wille unterdrückt werden, dann würden wir mit automatischer Intelligenz, und nicht aus unserem Wollen, sondern aus Götterwollen heraus dasjenige vollbringen können, was uns obliegt. Wir würden rein kosmische Wesen werden können. Das streben die luziferischen Geister an. Sie streben an, uns gewissermaßen zu reinen Geistern zu machen, solchen, die nicht eigene Intelligenz haben, sondern nur kosmische Intelligenz, die nicht eigenen freien Willen haben, sondern in denen alles dasjenige, was Denken und Handeln ist, automatisch verläuft, wie bei der Hierarchie der Angeloi und in vieler Beziehung in der Hierarchie der luziferischen Wesenheiten selber, aber da in anderer Beziehung. Zu reinen Geistern wollen uns die luziferischen Wesenheiten machen; den Erdeneinschlag wollen sie verwerfen. Dazu wollen sie uns eine Intelligenz schaffen, die ganz und gar unbeeinflußt ist von jeglichem Gehirn, und in der ganz und gar kein freier Wille webt.
[ 11 ] There are other forces and powers that strive for the exact opposite. They seek to tear us away entirely from this earthly life, to endow us with a way of thinking, feeling, and willing that springs entirely and solely from the realm of eternity. These beings seek, without any effort on our part, to inspire in us—from childhood onward—a certain measure of thinking, feeling, and willing, so to speak, and then to sustain it throughout our entire life. If they were to prevail, our entire earthly life would wither away. We would eventually—indeed, very soon; it would have happened long ago had these beings prevailed—shed and cast off our physical corporeality, our bodily-spiritual being, and we would become pure spirits. But our task would not be fulfilled, insofar as this task stems from our earthly existence. We would be drawn away from earthly existence. For these beings, the Earth is too lowly; they hate the Earth; they do not like the Earth. They wish to lift humanity away from the Earth; they wish to give it an existence purely within the realm of eternity; they wish for humanity to cast off from itself everything that passes away in time, as I have described. These are the Luciferic beings. At first, the Luciferic beings strive for the opposite of what the Ahrimanic beings seek. The Ahrimanic beings seek to tear humanity away from the cosmic past along with the entire earthly existence and to preserve the earthly. The Luciferic beings strive to cast aside the Earth, to cast aside everything earthly from the human being, and to spiritualize the human being completely, so that nothing earthly affects him, so that he is not permeated and empowered by the earthly. They wish to have in him only a cosmic being; they wish for the Earth to fall away from evolution, to be cast aside into the vastness of the cosmos. While Ahriman wants the Earth itself to become independent—in a sense, to become the entire world for human beings—the Luciferic beings strive for the Earth to be cast aside, to be cast away from humanity, and for humanity to be raised up into the realm where the Luciferic beings themselves dwell, where they exist in the pure world of eternity. To achieve this, the Luciferic beings constantly strive to make the intelligence we possess as human beings automatic, and they seek to suppress our free will. If our intelligence were to become purely automated, and if our free will were suppressed, then we would be able to accomplish what is incumbent upon us through automatic intelligence—not out of our own will, but out of the will of the gods. We could become purely cosmic beings. This is what the Luciferic spirits strive for. They strive, so to speak, to turn us into pure spirits—beings who possess no intelligence of their own but only cosmic intelligence, who have no free will of their own, but in whom all thinking and acting proceeds automatically, as in the hierarchy of the Angeloi and, in many respects, in the hierarchy of the Luciferic beings themselves—though in a different sense. The Luciferic beings want to turn us into pure spirits; they want to reject the earthly experience. To this end, they want to create for us an intelligence that is entirely unaffected by any brain, and in which free will plays absolutely no part.
[ 12 ] Die Wesen, die sich um Ahriman scharen, die ahrimanischen Wesenheiten, die wollen im Gegenteil gerade den menschlichen Intellekt ganz besonders pflegen, und ihn immer mehr und mehr so pflegen, daß er in immer größere und größere Abhängigkeit von allem Erdendasein kommt; und sie wollen den menschlichen Willen, den Eigenwillen ganz besonders ausbilden: also alles dasjenige, was gerade die luziferischen Wesenheiten unterdrücken wollen. Die ahrimanischen Wesenheiten, oder besser gesagt, die dienenden Geister des Ahriman, die wollen dieses gerade voll ausbilden. Das ist ganz besonders wichtig zu berücksichtigen. Der Mensch würde dadurch zu einer Art Selbstgenügsamkeit kommen. Er würde zwar ein Träumer sein in seiner Jugend, aber er würde ein ganz gescheiter Mensch in seinem Alter werden und würde manches verstehen durch eigene Erfahrung; doch er bekäme nichts geoffenbart aus den geistigen Welten. Verhehlen wir uns das nicht: Alles, durch was man in der Jugend klug ist, ist nur aus Offenbarung erstanden, eigene Erfahrung tritt erst im Alter ein. Und die ahrimanischen Wesenheiten wollen uns auf diese eigene Erfahrung beschränken. Wir würden frei wollende Wesen sein, aber wir würden als geistig-seelische Wesen höchstens erst im achtundzwanzigsten Lebensjahre geboren werden. Denken Sie nur einmal: als Mensch stehen wir eigentlich zwischen diesen beiden Willensrichtungen der geistigen Welten drinnen. Und wir haben als Mensch in einem gewissen Sinne die Aufgabe, uns so hindurchzuleben in der Welt, daß wir weder Ahriman noch Luzifer folgen, sondern ein Gleichgewicht finden zwischen den beiden Strömungen.
[ 12 ] The beings who gather around Ahriman—the Ahrimanic entities—wish, on the contrary, to cultivate the human intellect in a very special way, and to cultivate it more and more in such a way that it becomes increasingly dependent on all earthly existence; and they wish to develop the human will—the self-willed nature—in a very special way: in other words, everything that the Luciferic beings seek to suppress. The Ahrimanic beings—or rather, the serving spirits of Ahriman—wish to develop precisely this to its fullest extent. It is particularly important to bear this in mind. As a result, human beings would develop a kind of self-sufficiency. They would indeed be dreamers in their youth, but they would become quite intelligent people in their old age and would understand many things through their own experience; yet nothing would be revealed to them from the spiritual worlds. Let us not deny this: Everything that makes one wise in youth arises solely from revelation; one’s own experience only begins in old age. And the Ahrimanic beings want to confine us to this experience of our own. We would be beings with free will, but as spiritual-soul beings we would, at best, not be born until the age of twenty-eight. Just think about it: as human beings, we actually stand within the spiritual worlds, between these two directions of will. And as human beings, we have, in a certain sense, the task of living our way through the world in such a way that we follow neither Ahriman nor Lucifer, but find a balance between the two currents.
[ 13 ] Man kann sich vorstellen, daß auch noch unserem materialistischen Zeitalter gruselig wird, wenn die Menschen hören, was da eigentlich auf dem Grunde der Menschennatur sich abspielt. Weil den Menschen gruselig wird davor, war es ja so eingerichtet in der Weltenordnung, daß in alten Zeiten göttliche Lehrer den Menschen ein überbewußtes Wissen mitteilten, damit die Menschen nicht selber sich diesem Geisteskampfe entgegenzustellen brauchten. Da konnten dann die Eingeweihten gegenüber der äußeren Welt schweigen von diesem Geisteskampfe. Menschen, die von diesem Geisteskampfe, der sich gewissermaßen bei jedem Menschen hinter der Szene des Lebens abspielt, wissen, wußten, die gab es immer. Immer gab es Menschen, welche sich davon überzeugt hatten, daß das Leben ein Sich-Hindurchwinden durch einen Kampf ist, daß das Leben eine Gefahr in sich schließt. Aber immer mehr und mehr bestand auch der Grundsatz, die Menschen nicht hinzuführen zur Schwelle der geistigen Welt, sie nicht hinzugeleiten zu dem Hüter der Schwelle, damit sie nicht — verzeihen Sie den trivialen Ausdruck, aber er paßt — das Gruseln bekommen. Aber die Zeiten sind vorüber, in denen das möglich ist. Denn Zeiten werden eintreten in der zukünftigen Erdenentwickelung, in welcher die Scheidung wird eintreten müssen zwischen den Kindern des Luzifer und den Kindern des Ahriman, entweder das eine oder das andere. Aber wissen, daß man drinnensteht und im Drinnenstehen das Leben wissend führen muß, das muß heute als Lebensnotwendigkeit für die menschliche Zukunft gesagt werden und muß verstanden werden. Eine bloße Wissenschaft des Schweigens kann es für die Zukunft nicht geben.
[ 13 ] One can imagine that even in our materialistic age, people would feel a sense of dread when they hear what is actually going on at the very core of human nature. Because people are horrified by this, the world order was arranged in such a way that, in ancient times, divine teachers imparted superconscious knowledge to humanity so that people would not have to face this spiritual struggle on their own. The initiates could then remain silent about this spiritual struggle in the face of the outer world. There have always been people who know—or knew—about this spiritual struggle, which, in a sense, takes place within every human being behind the scenes of life. There have always been people who were convinced that life is a struggle to wind one’s way through, that life contains a danger within itself. But more and more, the principle prevailed not to lead people to the threshold of the spiritual world, not to guide them to the Guardian of the Threshold, so that they would not—forgive the trivial expression, but it fits—be frightened. But the times when that was possible are over. For there will come a time in the future development of the Earth when a separation will have to take place between the children of Lucifer and the children of Ahriman—it must be one or the other. But to know that one is in the midst of it and, while in the midst of it, must lead one’s life with awareness—this must be stated today as a necessity of life for the human future and must be understood. There can be no mere science of silence for the future.
[ 14 ] Derjenige, welcher sich wissend einleben will in das Leben, der muß in einer gewissen Beziehung, ich möchte sagen, kosmisches Empfinden entwickeln. Was heißt das, kosmisches Empfinden entwickeln? Das heißt, er muß lernen, die Welt etwas anders anzusehen, als man sie gewohnt ist von dem Gesichtspunkte der Maja anzusehen. Wenn man mit der Wissenschaft der Einweihung durch die Welt geht, dann treten Gefühle auf, die nicht da sind, solange man in dem Wissen der Maja bloß lebt. Es treten Gefühle auf, die der gewöhnliche Mensch nicht nur als paradox, sondern als töricht ansieht, als phantastisch ansieht, die aber so berechtigt sind wie möglich, gerade der wahren Wirklichkeit gegenüber. Derjenige, der ausgerüstet mit der Wissenschaft der Einweihung einem Menschen gegenübertritt, er schwebt hin und her zwischen zwei Empfindungen. Du Mensch — denkt er sich —, du schwebst in zwei Möglichkeiten: entweder du verfällst ganz dem Zeitlichen, du mineralisierst dich, du erstarrst, indem du bloßer Erdenmensch wirst und deine kosmische Vergangenheit verlierst; oder aber du verflüchtigst dich im Geiste zu einem geistigen Automaten, du erreichst dein Ziel als Mensch nicht, trotzdem du Geist bist. — Man möchte sagen: Wenn man so einem Menschen gegenübersteht, treten einem eigentlich immer aus ihm heraus zwei Menschen entgegen, der eine, der in der Gefahr schwebt, in seiner Form zu versteinern, in seiner Form dicht und starr zu werden und mit der Erde zusammenzuwachsen, und der andere, der in der Gefahr schwebt, alles, was zum Mineralisierenden, zum Sich-Erhärtenden neigt, auszustoßen, ganz weich, quallig zu werden und endlich sich aufzulösen als geistiger Automat im All. Diese zwei Wesen treten eigentlich denen, die mit der Wissenschaft der Initiation ausgerüstet sind, entgegen, wenn man einen Menschen betrachtet. Man hat immer, ich möchte sagen, Angst — verzeihen Sie, man muß die Worte so wählen, wie sie die Sprache darbietet, es klingt also manches paradox, wenn man ins Reich der Wirklichkeit hineinweist —, die Menschen, wie sie einem entgegentreten, könnten plötzlich alle so werden wie jene merkwürdigen Gestalten, die man manchmal an Felsenwänden sieht: Ritter zu Pferde, wie aus dem Felsen herausgebildet, oder andere Gestalten in den Bergen, schlafende Jungfrauen und so weiter, die Menschen könnten so etwas werden und sich mit dem Gestein der Erde vereinigen und nur fortleben als mineralisierte Form. Oder aber sie könnten ausstoßen dasjenige, was sie in die Mineralisierung hineinweist und könnten quallig werden: diejenigen Organe, die sich zusammengezogen haben, könnten aufquellen, die Ohren könnten riesig groß werden, könnten den Kehlkopf mit umfassen, aus den Schultern heraus könnten flügelartige Organe mit alledem zusammenwachsen; das alles so weich wie eine Meeresqualle, aber sich wie aus der eigenen wogenden Wellenform heraus auflösend.
[ 14 ] Anyone who wishes to consciously immerse themselves in life must, in a certain sense—I would say—develop a cosmic sensibility. What does it mean to develop a cosmic sensibility? It means that one must learn to view the world somewhat differently than one is accustomed to viewing it from the perspective of Maya. When one walks through the world with the science of initiation, feelings arise that are not present as long as one lives merely within the knowledge of Maya. Feelings arise that the ordinary person regards not only as paradoxical, but as foolish, as fantastical—feelings that are, however, as justified as possible, precisely in the face of true reality. The one who, equipped with the science of initiation, encounters another human being, hovers back and forth between two sensations. “You, human being,” he thinks to himself, “you hover between two possibilities: either you succumb entirely to the temporal, you mineralize, you become rigid by becoming a mere earthly human and losing your cosmic past; or else you evaporate in the spirit into a spiritual automaton, failing to reach your goal as a human being, even though you are spirit.” — One might say: When one stands before such a human being, two human beings actually always emerge from within him—one who is in danger of becoming petrified in his form, of becoming dense and rigid in his form and fusing with the earth, and the other who is in danger of expel everything that tends toward mineralization and hardening, to become completely soft and jelly-like, and finally to dissolve as a spiritual automaton in the cosmos. These two beings actually emerge before those equipped with the science of initiation when one observes a human being. One always has—I would say—a fear—forgive me, one must choose words as the language offers them, so some things sound paradoxical when one points to the realm of reality—that the people one encounters might suddenly all become like those strange figures one sometimes sees on rock faces: knights on horseback, as if carved out of the rock, or other figures in the mountains—sleeping maidens and so on—that people might become something like that and merge with the earth’s rock, continuing to exist only as a mineralized form. Or they could expel that which draws them toward mineralization and become jelly-like: the organs that have contracted could swell up, the ears could grow enormous, even enveloping the larynx, and wing-like organs could grow out of the shoulders and fuse with all of this; all of this as soft as a jellyfish, yet dissolving as if from its own undulating waveform.
[ 15 ] Und solche Empfindungen, ich möchte sagen kosmische Empfindungen, man hat sie nicht nur gegenüber dem Menschen, wenn man mit der Erkenntnis der Initiation an die Dinge herantritt, sondern man überträgt schließlich das, was durch diese kosmische Empfindung spricht, auf alles. Sie haben ja bemerkt: die Tendenz zum Erstarren, zum Felsigwerden, sie kommt von Ahriman; die Tendenz zum Verflüchtigen, zum zuerst Qualligwerden, dann Sich-Auflösen, sie kommt von Luzifer. Es beschränkt sich das nicht gegenüber dem, was einem am Menschen selbst entgegentritt, sondern es dehnt sich aus auf alles, was einem in der Abstraktheit entgegentritt. Man lernt empfinden alles Geradlinige als ahrimanisch, alles Gebogenlinige als luziferisch. Der Kreis ist das Sinnbild des Luzifer, die Gerade ist das Sinnbild des Ahriman. Wir schauen das menschliche Haupt an: dieses menschliche Haupt mit seiner Tendenz — Sie können es am Skelett sehen — zu versteinern, zu verknöchern, in der Form, die ihm die Erde gibt, sich festzuhalten, ist ahrimanische Bildung. Wären die Kräfte, die im menschlichen Haupte wirken, im ganzen Menschen wirksam, der Mensch würde die Gestalt des Ahriman erhalten, wie Sie ihn drüben auf unserer Gruppe haben, und er wäre ganz durchdrungen, ich möchte sagen, von Kopfigkeit, er wäre ganz eigene Intelligenz, aber egoistische Intelligenz, und ganz Eigenwille, so daß der Wille in der Form selber zum Ausdrucke kommt.
[ 15 ] And such feelings—I would call them cosmic feelings—are not limited to one’s experience of human beings when one approaches things with the insight gained through initiation; rather, one eventually extends what speaks through this cosmic feeling to everything. You have surely noticed: the tendency toward solidification, toward becoming rock-like, comes from Ahriman; the tendency toward volatilization, toward first becoming jelly-like and then dissolving, comes from Lucifer. This is not limited to what one encounters in human beings themselves, but extends to everything one encounters in the abstract. One learns to perceive everything linear as Ahrimanic, everything curved as Luciferic. The circle is the symbol of Lucifer; the straight line is the symbol of Ahriman. Let us look at the human head: this human head, with its tendency—as you can see from the skeleton—to petrify, to ossify, to cling to the form given to it by the earth, is an Ahrimanic formation. If the forces at work in the human head were active throughout the whole human being, the human being would take on the form of Ahriman, as you have him over there in our group, and he would be completely permeated—I would say—by stubbornness; he would possess a completely independent intelligence, but an egoistic intelligence, and a completely independent will, so that the will finds expression in the form itself.
[ 16 ] Beschauen wir aber den andern Menschen, nicht den Kopfmenschen, sondern den Extremitätenmenschen im weiteren Sinne, so haben wir die Vorstellung: Wenn dasjenige, was in dem übrigen Menschen an Kräften wirkt, den ganzen Menschen durchwirkte, so würde der Mensch so gebildet sein, wie drüben auf der Gruppe die Figur des Luzifer ausgestaltet ist. Und wo wir hinschauen, überall, ob im Naturleben oder im sozialen Leben, wir können, mit der Wissenschaft der Initiation ausgestattet, in das Ahrimanische und in das Luziferische hineinschauen. Wir müssen es nur empfinden, das Ahrimanische und das Luziferische. Und diese Empfindung auszubilden, das liegt schon in der Notwendigkeit der Entwickelung der Menschenzukunft. Der Mensch muß fühlen lernen: Luziferisches Wesen waltet durch die Welt. Dieses luziferische Wesen waltet auch durch das menschliche Zusammenleben. Und dieses luziferische Wesen möchte vor allen Dingen alles, was Gesetzlichkeit in der Welt ist, was die Menschen jemals an Gesetzen aufgestellt haben, aus der Welt herausschaffen. Im menschlichen Zusammenleben ist dem Luzifer nichts so sehr verhaßt, als alles das, was irgendwie nach Gesetz riecht.
[ 16 ] But if we consider the other human being—not the “head-human,” but the “limb-human” in the broader sense—we have the following idea: If the forces at work in the rest of the human being were to permeate the entire human being, then the human being would be shaped just as the figure of Lucifer is depicted over there in the group. And wherever we look—whether in the natural world or in social life—we can, equipped with the science of initiation, look into the Ahrimanic and the Luciferic. We need only perceive the Ahrimanic and the Luciferic. And developing this perception is already inherent in the necessity of humanity’s future development. Human beings must learn to feel: A Luciferic being reigns throughout the world. This Luciferic being also reigns over human coexistence. And this Luciferic being seeks above all to eliminate from the world everything that constitutes lawfulness—everything that human beings have ever established as laws. In human coexistence, nothing is so abhorrent to Lucifer as anything that in any way smacks of law.
[ 17 ] Ahriman möchte überall Gesetze haben; Ahriman möchte überall Gesetze so eben hinschreiben. Und wiederum ist das menschliche Gemeinschaftsleben aus dem Hasse des Luzifer gegen die Gesetzmäßigkeit und aus der Sympathie des Ahriman für Gesetzmäßigkeit zusammengewoben, und man begreift dieses Leben nicht, wenn man es nicht dualistisch versteht. Ahriman liebt alles dasjenige, was äußere Form ist, was erstarren kann. Luzifer — «die Luzifere» — lieben alles dasjenige, was formlos ist, was die Form auflöst, was flüssig und beweglich wird. Am Leben muß man lernen, Gleichgewicht zu schaffen zwischen dem Erstarrenwollenden und dem Flüssigwerdenden.
[ 17 ] Ahriman wants laws everywhere; Ahriman wants to simply impose laws everywhere. And yet human social life is woven together out of Lucifer’s hatred of lawfulness and out of Ahriman’s sympathy for lawfulness, and one cannot comprehend this life unless one understands it in dualistic terms. Ahriman loves everything that is external form, everything that can solidify. Lucifer—the “Luciferians”—love everything that is formless, everything that dissolves form, everything that becomes fluid and mobile. In life, one must learn to create a balance between that which seeks to solidify and that which becomes fluid.
[ 18 ] Sehen Sie sich die Formen unseres Baues an: Überall das Gerade in das Gebogene übergeführt, Gleichgewicht gesucht, überall der Versuch gemacht, das Erstarrende wieder aufzulösen in Flüssiges, überall Ruhe in der Bewegung geschaffen, aber die Ruhe wiederum in die Bewegung versetzt. Das ist das ganz Geistige an unserem Bau. Wir müssen als Menschen der Zukunft anstreben, in der Kunst und im Leben etwas zu gestalten, indem wir wissen: Da unten Ahriman, der alles erstarren lassen will, da oben Luzifer, der alles verflüchtigen will; beides aber muß unsichtbar bleiben, denn in der Welt der Maja darf nur das Wellenkräuseln drinnen sein. Und wehe, wenn Ahriman oder Luzifer selber sich hineindrängen würden in dasjenige, was Leben sein will! Und so ist unser Bau geworden ein Gleichgewichtszustand im Weltenall, der entrungen ist, herausgehoben ist aus dem Reiche des Ahriman und dem Reiche des Luzifer. Es gipfelt alles in der Mittelfigur unserer Gruppe, in diesem Menschheitsrepräsentanten, in dem alles Luziferische und Ahrimanische ausgelöscht werden soll. Und daß es so ist, daß es herausgeholt ist aus dem, was geistig nur bleiben soll, das kommt zur Darstellung in der Gruppe, wo das Luziferische und Ahrimanische im Gleichgewichte einander auch noch sichtbarlich entgegengestellt werden, damit die Menschen es verstehen lernen.
[ 18 ] Look at the forms of our building: everywhere, the straight is transformed into the curved; balance is sought; everywhere, an attempt is made to dissolve what has solidified back into fluidity; everywhere, stillness is created within movement, but that stillness is in turn set in motion. That is the purely spiritual aspect of our building. As people of the future, we must strive to create something in art and in life, knowing this: down below is Ahriman, who wants to cause everything to solidify; up above is Lucifer, who wants to cause everything to evaporate; but both must remain invisible, for in the world of Maya, only the rippling of waves may exist within. And woe betide us if Ahriman or Lucifer themselves were to force their way into that which seeks to be life! And so our structure has become a state of equilibrium in the cosmos, one that has been wrested free, lifted out of the realm of Ahriman and the realm of Lucifer. It all culminates in the central figure of our group, in this representative of humanity, in whom all that is Luciferic and Ahrimanic is to be extinguished. And the fact that it is so—that it has been extracted from that which is to remain purely spiritual—is depicted in the group, where the Luciferic and Ahrimanic forces are also visibly set in opposition to one another in equilibrium, so that people may learn to understand it.
[ 19 ] Das ist die Perspektive, die man heute hinstellen muß vor die Menschen, damit die Menschen begreifen lernen, wie sie den Gleichgewichtszustand finden sollen zwischen Ahrimanischem und Luziferischem. Das Ahrimanische richtet uns immer, ich möchte sagen, auch seelisch-geistig geradlinig; das Luziferische bringt uns immer in wellige oder kreisförmige Bewegung und vermannigfaltigt uns. Haben wir einseitig die Tendenz nach Monismus, streben wir an, die ganze Welt als eine Einheit zu erklären, dann zupft uns Ahriman bei einem Ohr; werden wir Monadisten, einseitige Monadisten, erklären wir die Welt aus vielen, vielen Atomen oder Monaden nur, ohne Einheit, dann zupft uns Luzifer beim andern Ohrläppchen. Und im Grunde genommen, für denjenigen, der einsichtig ist, stellt sich die Sache so dar, daß wenn Monisten mit Pluralisten, mit Monadologen streiten, da ist eigentlich der Mensch, der da streitet, zumeist recht unschuldig daran; denn hinter ihm, da zupft ihn, wenn er Monist ist, der Ahriman bei dem Ohrläppchen und bläst ihm ein alle die schönen Gründe, all die eigengeglaubte Logik, die er für seinen Monismus aufbringt; und wenn er Leibnizianer ist oder anderer Monadologe, da ist der Luzifer da und bläst ihm für die Vielfaltigkeit oder für die Mannigfaltigkeit der geistigen Wesenheiten all die schönen Gründe ein. Denn dasjenige, was gesucht werden muß, ist der Gleichgewichtszustand, die Einheit in der Vielheit, die Vielheit in der Einheit. Das ist aber unbequemer, als entweder die Einheit oder die Vielheit zu suchen, wie es überhaupt unbequemer ist, einen Gleichgewichtszustand zu suchen als irgend etwas, worauf man wie auf einem Faulbett gut ausruhen kann. Die Menschen werden entweder Skeptiker oder Mystiker. Die Skeptiker fühlen sich als freie Geister, die alles bezweifeln können, die Mystiker fühlen sich als gottdurchdrungen, die alles in ihrem Inneren liebend, erkennend umfassen. Im Grunde sind die Skeptiker nur Ahrimanschüler, die Mystiker nur Luziferschüler. Denn dasjenige, was von der Menschheit anzustreben ist, ist der Gleichgewichtszustand: mystisches Erleben in der Skepsis, Skepsis im mystischen Erleben. Es kommt nicht darauf an, ob man Montaigne oder Augustinus ist, sondern es kommt darauf an, daß dasjenige, was der Montaigne ist, durch den Augustinus beleuchtet wird, und dasjenige, was der Augustinus ist, durch den Montaigne beleuchtet wird. Die Einseitigkeiten führen den Menschen nach der einen oder nach der andern Strömung ab.
[ 19 ] This is the perspective that must be presented to people today so that they may learn to understand how to find a balance between the Ahrimanic and the Luciferic. The Ahrimanic always directs us—I would say, even in a soul-spiritual sense—in a straight line; the Luciferic always sets us in undulating or circular motion and multiplies us. If we have a one-sided tendency toward monism—if we strive to explain the entire world as a single unity—then Ahriman tugs at one of our ears; if we become monadists—one-sided monadists—and explain the world solely in terms of many, many atoms or monads, without any unity, then Lucifer tugs at the other earlobe. And when all is said and done, for those who are discerning, the situation presents itself in such a way that when monists argue with pluralists or monadologists, the person engaged in the argument is, for the most part, quite innocent in the matter; for behind him—if he is a monist—Ahriman tugs at his earlobe and whispers into his ear all those fine reasons, all that self-assured logic he marshals in defense of his monism; and if he is a Leibnizian or another kind of monadologist, there is Lucifer, whispering all those fine arguments into his ear in favor of the diversity or multiplicity of spiritual entities. For what must be sought is the state of equilibrium—unity in multiplicity, multiplicity in unity. But that is more uncomfortable than seeking either unity or multiplicity, just as it is generally more uncomfortable to seek a state of equilibrium than something on which one can rest comfortably, as on a lazy chair. People become either skeptics or mystics. The skeptics see themselves as free spirits who can doubt everything; the mystics see themselves as imbued with the divine, lovingly and knowingly embracing everything within themselves. Fundamentally, the skeptics are merely disciples of Ahriman, and the mystics merely disciples of Lucifer. For what humanity must strive for is a state of equilibrium: mystical experience within skepticism, skepticism within mystical experience. It does not matter whether one is Montaigne or Augustine; what matters is that what Montaigne represents is illuminated by Augustine, and what Augustine represents is illuminated by Montaigne. One-sidedness leads people astray toward one current or the other.
[ 20 ] Was ist das eigentlich, das Luziferische? Das Luziferische ist eigentlich da, um uns kopflos zu machen, uns die eigene Intelligenz und den freien Willen zu nehmen, und die luziferischen Geister, das luziferische Element will eigentlich, daß wir schon im achtundzwanzigsten Jahre sterben, das will uns nicht alt werden lassen. Man sagt übrigens besser «die luziferischen Geister», aber «Ahriman», denn wenn es auch Scharen in der Gefolgschaft des Ahriman gibt, Ahriman stellt sich selbst als eine Einheit dar, weil er nach Einheit strebt, und das luziferische Element stellt sich als Vielheit dar, weil es eben nach Vielheit strebt; deshalb spricht man es so aus, wie ich es heute im Laufe des Vortrags schon getan habe. Und wenn es ganz nach Luzifer, nach den luziferischen Geistern gehen würde, so würden wir Kinder werden, Jünglinge und Jungfrauen werden, würden gutes Wissen der Dauer eingeträufelt erhalten, aber wir würden mit ungefähr achtundzwanzig Jahren die Sklerose bekommen und bald danach vertrotteln, damit dasjenige, was wir als menschliches Begreifen entwickeln können, gerade als Sklerose ausgestoßen würde, und dasjenige, was wir in der Jugend aufnehmen, automatisiert vergeistigt werden könnte. Die luziferischen Geister möchten uns gleich in die geistige Welt nehmen und uns nicht erst Jupiter-, Venus-, Vulkanentwickelung durchmachen lassen, bevor wir kosmische Wesen werden. Sie betrachten das als nicht notwendig; sondern von der Erde weg den Menschen an das göttlich-geistige Ziel zu bringen mit dem, was er schon sich durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit entwickelt hat, das erstreben sie. Das ist eine Strömung, die möglichst schnell laufen will mit dem Menschen; das ist eine voreilige Strömung. Die luziferischen Geister möchten mit uns dahinstürmen und uns möglichst bald in die kosmische Wesenhaftigkeit hineinführen. Die ahrimanischen Geister, die möchten unsere Vergangenheit tilgen und uns zurückführen mit der Erde an den Ausgangspunkt, möchten auslöschen unsere Vergangenheit, uns auf der Erde konservieren und dann uns dahin zurückversetzen, wo wir als Saturnwesen waren. Es ist eine rückläufige Bewegung, eine retardierende Bewegung. Aus einer voreiligen und aus einer rückläufigen Bewegung ist das Leben schließlich zusammengesetzt, und der Gleichgewichtszustand zwischen beiden muß gefunden werden.
[ 20 ] What exactly is this “Luciferic” aspect? The Luciferic is actually there to drive us mad, to rob us of our own intelligence and free will, and the Luciferic spirits—the Luciferic element—actually want us to die as early as the age of twenty-eight; they do not want us to grow old. Incidentally, it is better to say “the Luciferic spirits” rather than “Ahriman,” because even though there are multitudes in Ahriman’s retinue, Ahriman presents himself as a unity—since he strives for unity—while the Luciferic element presents itself as multiplicity, since it strives for multiplicity; which is why it is pronounced as I have already done so in the course of today’s lecture. And if things were to go entirely according to Lucifer, according to the Luciferic spirits, we would become children, young men and maidens, and we would be gradually imbued with lasting knowledge; but at about twenty-eight years of age we would develop sclerosis and soon afterward become mentally stunted, so that whatever we are capable of developing as human understanding would be expelled precisely as sclerosis, and whatever we absorb in our youth could be automatically spiritualized. The Luciferic spirits would like to take us directly into the spiritual world and not let us first undergo the Jupiter, Venus, and Vulcan stages of development before we become cosmic beings. They regard this as unnecessary; rather, they strive to bring humanity away from Earth to the divine-spiritual goal using what it has already developed through the Saturn, Sun, and Moon periods. This is a current that wants to move as quickly as possible with humanity; it is a hasty current. The Luciferic spirits would like to rush ahead with us and lead us into cosmic existence as soon as possible. The Ahrimanic spirits, on the other hand, would like to erase our past and take us back with the Earth to the starting point; they would like to wipe out our past, preserve us on Earth, and then return us to where we were as Saturn beings. It is a retrograde movement, a retarding movement. Life is ultimately composed of a forward-moving and a backward-moving movement, and a state of equilibrium between the two must be found.
[ 21 ] Sagen Sie nicht, diese Dinge seien schwierig, denn darauf kommt es gar nicht an. Ich habe Ihnen gestern vorgeführt, wie in alten Zeiten die Menschen Raum- und Zeiterlebnisse gehabt haben, wie sie den Raum konkret erlebt haben, wie sie die Zeit konkret erlebt haben. Das, was wir so abstrakt erleben, sie haben es konkret erlebt. Wir müssen lernen, unsere Umgebung so anzuschauen, daß wir überall dieses Zusammenspielen im Erstarren, Verflüchtigen, vom Davonlaufen und Zurückwerfen, vom Geradlinigen und Krummlinigen im Gleichgewichte erleben. Schlafen kann man mit dem, was die Welt einfach anschaut. Wenn man wachend sie anschaut, dann droht sie einem, in all ihrem Wesen, sobald sie aus der Gleichgewichtslage herauskommt, zu erstarren oder sich zu verflüchtigen. Dieses Gefühl müssen wir entwickeln, und so lebhaft muß es in der Menschheit der Zukunft werden, wie das alte Raum- und Zeitgefühl in den Menschen der Vergangenheit war.
[ 21 ] Don’t say these things are difficult, because that’s not the point at all. Yesterday I showed you how people in ancient times experienced space and time—how they experienced space concretely, how they experienced time concretely. What we experience so abstractly, they experienced concretely. We must learn to look at our surroundings in such a way that we experience everywhere this interplay of solidification, evaporation, running away and recoil, and the balance between the straight and the curved. One can sleep while simply observing the world. But when one observes it while awake, it threatens—in its very essence—to freeze or vanish the moment it is thrown out of balance. We must develop this feeling, and it must become as vivid in the humanity of the future as the ancient sense of space and time was in the people of the past.
[ 22 ] Man kann an unserer Gruppe verschiedenes empfinden. Man kann in der Mitte den Menschheitsrepräsentanten mit seinen Linien und Flächen und Formen fühlen, wo alles Luziferische und Ahrimanische ausgelöscht ist. Die Formen sind da, aber so weit es sich in der Menschengestalt tilgen läßt, ist das Luziferische und Ahrimanische getilgt. Man kann Luzifer und Ahriman in ihren Formen festgehalten finden. Man kann empfinden diese Gegensätzlichkeit des Mittelmenschen, des Luzifer und Ahriman, und kann mit diesem Gefühle durch die Welt gehen: man wird dasjenige, was diesem Gefühle entspricht, überall in der Welt finden. Und wer sich aneignen wird dasjenige, was in diesen Gefühlen lebt, die man an dieser Trinität entwickeln kann, der wird sich viel aneignen für eine gewisse Autopsie des Lebens. Es wird sich viel enthüllen von der Welt, wenn man sie so ansehen wird, wie sich diese Gefühle aus der Trinität ergeben: der Mittelmensch oder Menschheitsrepräsentant; Ahriman; Luzifer. Und wie dem alten Raumgefühl die Dreifaltigkeit sich offenbarte, dem alten Zeitgefühl die Einheit des Göttlichen, so wird sich ein Höchstes an Weltengeheimnissen der Menschheit der Zukunft enthüllen müssen, indem sie das Erstarrende, das Sich-Verflüchtigende, das Davonlaufen, das Zurückschieben, das Geradlinige, das Krummlinige, das Gesetzmäßiges-Liebende, das Gesetzmäßiges-Hassende und so weiter, konkret aufzufassen in der Lage ist. Überall im Leben den Schwingungszustand erkennen, das ist es, worauf es ankommt. Denn das Leben ist nicht möglich, ohne daß ein solcher Schwingungszustand darinnen ist. Sie können ja auch, wenn Sie eine Pendeluhr haben, die Schwingungen vermeiden wollen, das Pendel stillstehen lassen: aber die Uhr wird Ihnen dann nichts nützen; damit sie die Zeit angibt, muß das Pendel ausschlagen. So muß der Pendelzustand im Leben drinnen sein. Überall muß das bemerkt werden. Davon wollen wir morgen weitersprechen.
[ 22 ] One can perceive various things in our group. One can sense, at its center, the representative of humanity with his lines, planes, and forms, where everything Luciferic and Ahrimanic has been eradicated. The forms are there, but to the extent that they can be eradicated within the human form, the Luciferic and Ahrimanic elements have been eradicated. One can find Lucifer and Ahriman captured in their forms. One can sense this opposition within the central human being—between Lucifer and Ahriman—and can walk through the world with this feeling: one will find whatever corresponds to this feeling everywhere in the world. And whoever takes to heart what lives in these feelings—which one can develop through this Trinity—will gain much for a certain self-examination of life. Much will be revealed about the world when one views it in the light of these feelings arising from the Trinity: the Middle Man or representative of humanity; Ahriman; Lucifer. And just as the Trinity revealed itself to the ancient sense of space, and the unity of the Divine to the ancient sense of time, so must the highest of the world’s mysteries be revealed to the humanity of the future, enabling it to grasp concretely the solidifying, the evanescent, the fleeing, the pushing back, the straight-line, the curved, the law-loving, the law-hating, and so on—in a concrete way. To recognize the state of vibration everywhere in life—that is what matters. For life is not possible without such a state of vibration within it. After all, if you have a pendulum clock and want to avoid the oscillations, you can stop the pendulum—but then the clock will be of no use to you; for it to tell the time, the pendulum must swing. So the state of oscillation must be present in life. This must be recognized everywhere. We will continue discussing this tomorrow.
