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The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184

22 September 1918, Dornach

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Neunter Vortrag

Neunter Vortrag

[ 1 ] Wenn wir uns einmal vergegenwärtigen, was uns jetzt nicht aus den verschiedenen Einzelheiten, sondern aus dem Gesamtsinn der zuletzt hier gehaltenen Vorträge folgt, auch zum Beispiel aus dem gestrigen, so können wir sagen: es ist dies, daß von jener Kultur, welche die unsrige in energischer Weise gegen die Zukunft hin ablösen muß, gefordert wird, daß die Menschen tiefer hineinblicken in die wahre Wirklichkeit, daß vor allen Dingen solche Schlagworte, oder vielleicht besser gesagt Schlagtheorien, wie die von Monismus, Idealismus, Realismus und so weiter, ihr Ende finden, und daß die Menschen einsehen, wie die Majawirklichkeit, die Wirklichkeit der äußeren Erscheinungen, die um uns herum sind, ein Zusammenfluß ist von wirklichen zwei Welten, und wir können schon sagen, von zwei Welten, die miteinander im Kampfe sind. Auf die Wirklichkeit schauen, heißt nämlich etwas ganz anderes, als nur theoretisch, wie es etwa die heutige Naturwissenschaft macht, dasjenige verfolgen, was in der Welt der Erscheinungen, in der Welt der Phänomene rings um uns herum ist.

[ 1 ] Wenn wir uns einmal vergegenwärtigen, was uns jetzt nicht aus den verschiedenen Einzelheiten, sondern aus dem Gesamtsinn der zuletzt hier gehaltenen Vorträge folgt, auch zum Beispiel aus dem gestrigen, so können wir sagen: es ist dies, daß von jener Kultur, welche die unsrige in energischer Weise gegen die Zukunft hin ablösen muß, gefordert wird, daß die Menschen tiefer hineinblicken in die wahre Wirklichkeit, daß vor allen Dingen solche Schlagworte, oder vielleicht besser gesagt Schlagtheorien, wie die von Monismus, Idealismus, Realismus und so weiter, ihr Ende finden, und daß die Menschen einsehen, wie die Majawirklichkeit, die Wirklichkeit der äußeren Erscheinungen, die um uns herum sind, ein Zusammenfluß ist von wirklichen zwei Welten, und wir können schon sagen, von zwei Welten, die miteinander im Kampfe sind. Auf die Wirklichkeit schauen, heißt nämlich etwas ganz anderes, als nur theoretisch, wie es etwa die heutige Naturwissenschaft macht, dasjenige verfolgen, was in der Welt der Erscheinungen, in der Welt der Phänomene rings um uns herum ist.

[ 2 ] Wir lassen uns zunächst, um diesen Satz praktisch zu erörtern, auf ein konkretes Beispiel ein. Nicht wahr, jeder wird glauben, daß materialistische Weltanschauung, jene materialistische Weltanschauung, die sich namentlich seit den sechziger, siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unter den zivilisierten Nationen ausgebreitet hat, und auch die materialistische Lebensführung, die ja aus den Vorstellungen der materialistischen Weltanschauung herausfließt, daß diese auch in ihren Wirkungen den Menschen materialistischer machen. Man glaubt natürlich, wenn man die Welt nur so obenhin nach den Erscheinungen ansieht, daß dasjenige eintritt, was aussieht wie eine äußere Verwirklichung der Ideen, die sich der Mensch in den Kopf setzt. Aber so ist es nicht. Sobald man die aufeinanderfolgenden Gestaltungen in der Wirklichkeit ins Auge faßt, stimmt das ganz und gar nicht, daß sich die Welt irgendwie einrichte nach den Ideen, die sich die Menschen in die Köpfe setzen. Und man begreift erst, daß dies mit der Wirklichkeit nicht stimmen kann, wenn man durchschaut, daß der Mensch in der Form, wie wir das auseinandergesetzt haben, eine Doppelnatur ist, und daß in ihm wirklich Ahrimanisches und Luziferisches in der charakterisierten Weise fortwährend durcheinanderarbeiten. Nur dadurch, daß das so ist, ist folgende konkrete Erscheinung möglich. Nehmen wir an, eine genügend lange Zeit würde ein Zeitalter sich materialistischen Vorstellungen hingeben, wie es das unsrige getan hat. Es würde auch, durch diese Vorstellungen verführt, im bewußten Wollen eine Art materialistischer Lebensführung entwickeln. Die Folge davon wird nicht eintreten in demjenigen Teil der Menschennatur, welcher der Träger des bewußten Lebens ist. Dieser Träger des bewußten Lebens hat den tiefgehenden Einfluß zunächst nicht auf das menschliche Leben, den man ihm beizulegen geneigt ist bei oberflächlicher Anschauung; sondern die Wirkung tritt im Unbewußten ein, so daß Sie sich schematisch das so vorstellen können: In der bewußten Hauptesnatur des Menschen lebt Materialismus, und das Unterbewußte — diejenige Natur, die also erst ihre Metamorphose durchmacht, indem wir durch die Todespforte durchgegangen sind und hinüberleben zur nächsten Erdeninkarnation, die wir aber doch als unvollendete Bildung jetzt in uns tragen —, diese, sagen wir untere Natur des Menschen, ist der Träger des unbewußten Seelenlebens, und dieses unbewußte Seelenleben wird merkwürdigerweise unter dem Einflusse des Materialismus immer spiritueller und spiritueller. Also die wirkliche Folge materialistischer Vorstellungen, die wirkliche Folge auch materialistischer Lebensführung ist, daß die untere Natur des Menschen immer spiritueller und spiritueller wird. So daß Sie also sich folgendes vorzustellen haben. Wenn Sie recht sehr sich vertiefen in Kraft- und Stoffvorstellungen und nur an diese glauben, und wenn Sie Ihr Leben so einrichten, daß Sie sagen: Essen und Trinken und nachher das Nichts mit dem Tode — und alle einzelnen Handlungen in diesem Stile halten, so geht der Materialismus wirklich in Ihre Lebensführung über, und die untere Natur wird dann immer spiritueller und spiritueller.

[ 2 ] Wir lassen uns zunächst, um diesen Satz praktisch zu erörtern, auf ein konkretes Beispiel ein. Nicht wahr, jeder wird glauben, daß materialistische Weltanschauung, jene materialistische Weltanschauung, die sich namentlich seit den sechziger, siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts unter den zivilisierten Nationen ausgebreitet hat, und auch die materialistische Lebensführung, die ja aus den Vorstellungen der materialistischen Weltanschauung herausfließt, daß diese auch in ihren Wirkungen den Menschen materialistischer machen. Man glaubt natürlich, wenn man die Welt nur so obenhin nach den Erscheinungen ansieht, daß dasjenige eintritt, was aussieht wie eine äußere Verwirklichung der Ideen, die sich der Mensch in den Kopf setzt. Aber so ist es nicht. Sobald man die aufeinanderfolgenden Gestaltungen in der Wirklichkeit ins Auge faßt, stimmt das ganz und gar nicht, daß sich die Welt irgendwie einrichte nach den Ideen, die sich die Menschen in die Köpfe setzen. Und man begreift erst, daß dies mit der Wirklichkeit nicht stimmen kann, wenn man durchschaut, daß der Mensch in der Form, wie wir das auseinandergesetzt haben, eine Doppelnatur ist, und daß in ihm wirklich Ahrimanisches und Luziferisches in der charakterisierten Weise fortwährend durcheinanderarbeiten. Nur dadurch, daß das so ist, ist folgende konkrete Erscheinung möglich. Nehmen wir an, eine genügend lange Zeit würde ein Zeitalter sich materialistischen Vorstellungen hingeben, wie es das unsrige getan hat. Es würde auch, durch diese Vorstellungen verführt, im bewußten Wollen eine Art materialistischer Lebensführung entwickeln. Die Folge davon wird nicht eintreten in demjenigen Teil der Menschennatur, welcher der Träger des bewußten Lebens ist. Dieser Träger des bewußten Lebens hat den tiefgehenden Einfluß zunächst nicht auf das menschliche Leben, den man ihm beizulegen geneigt ist bei oberflächlicher Anschauung; sondern die Wirkung tritt im Unbewußten ein, so daß Sie sich schematisch das so vorstellen können: In der bewußten Hauptesnatur des Menschen lebt Materialismus, und das Unterbewußte — diejenige Natur, die also erst ihre Metamorphose durchmacht, indem wir durch die Todespforte durchgegangen sind und hinüberleben zur nächsten Erdeninkarnation, die wir aber doch als unvollendete Bildung jetzt in uns tragen —, diese, sagen wir untere Natur des Menschen, ist der Träger des unbewußten Seelenlebens, und dieses unbewußte Seelenleben wird merkwürdigerweise unter dem Einflusse des Materialismus immer spiritueller und spiritueller. Also die wirkliche Folge materialistischer Vorstellungen, die wirkliche Folge auch materialistischer Lebensführung ist, daß die untere Natur des Menschen immer spiritueller und spiritueller wird. So daß Sie also sich folgendes vorzustellen haben. Wenn Sie recht sehr sich vertiefen in Kraft- und Stoffvorstellungen und nur an diese glauben, und wenn Sie Ihr Leben so einrichten, daß Sie sagen: Essen und Trinken und nachher das Nichts mit dem Tode — und alle einzelnen Handlungen in diesem Stile halten, so geht der Materialismus wirklich in Ihre Lebensführung über, und die untere Natur wird dann immer spiritueller und spiritueller.

[ 3 ] Nun fordert aber diese untere Natur, die immer spiritueller und spiritueller wird, daß etwas auf sie wirke; sie kann allein ihren Weg, den sie ja machen muß durch die Weltentwickelung, nicht machen. Und die Folge davon, daß im Haupte, in der oberen Natur des Menschen nur materialistische Vorstellungen und materialistische Sympathien sind, ist die, daß diese obere Natur auf die untere Natur des Menschen nicht wirken kann, und daß daher die untere Natur des Menschen andern Wirkungen ausgesetzt ist wegen der Ohnmacht der oberen Natur: sie ist ausgesetzt den Wirkungen des luziferischen Prinzips. Das luziferische Prinzip lebt sich nicht, wie ich gestern gesagt habe, in der sinnenfälligen Wirklichkeit aus; die luziferischen Wesen sind geistige Wesen. Sie treten ein in die untere Natur des Menschen, wenn sie unter dem Einflusse des Materialismus immer spiritueller und spiritueller wird, und eben wegen des Materialismus nichts vom Menschen selbst in die untere Natur einfließen kann. Und die paradoxe Wahrheit tritt vor unsere Seele, daß ein materialistisches Zeitalter in Wirklichkeit vorbereitet eine spirituelle, aber luziferische Kultur.

[ 3 ] Nun fordert aber diese untere Natur, die immer spiritueller und spiritueller wird, daß etwas auf sie wirke; sie kann allein ihren Weg, den sie ja machen muß durch die Weltentwickelung, nicht machen. Und die Folge davon, daß im Haupte, in der oberen Natur des Menschen nur materialistische Vorstellungen und materialistische Sympathien sind, ist die, daß diese obere Natur auf die untere Natur des Menschen nicht wirken kann, und daß daher die untere Natur des Menschen andern Wirkungen ausgesetzt ist wegen der Ohnmacht der oberen Natur: sie ist ausgesetzt den Wirkungen des luziferischen Prinzips. Das luziferische Prinzip lebt sich nicht, wie ich gestern gesagt habe, in der sinnenfälligen Wirklichkeit aus; die luziferischen Wesen sind geistige Wesen. Sie treten ein in die untere Natur des Menschen, wenn sie unter dem Einflusse des Materialismus immer spiritueller und spiritueller wird, und eben wegen des Materialismus nichts vom Menschen selbst in die untere Natur einfließen kann. Und die paradoxe Wahrheit tritt vor unsere Seele, daß ein materialistisches Zeitalter in Wirklichkeit vorbereitet eine spirituelle, aber luziferische Kultur.

[ 4 ] Betrachten wir auch den umgekehrten Fall, nehmen wir an, eine nicht vom Spiritualismus durchzogene, sondern rein auf Traditionelles sich stützende kirchliche Wahrheit ergreife die Menschen, oder arbeite dahin, die Menschen zu ergreifen. Verwandt mit einer solchen kirchlichen Wahrheit ist der abstrakte Idealismus, der, namentlich im Moralischen, nur an abstrakte Ideale glaubt und keinen Sinn dafür hat, auf welche Weise diese abstrakten Ideale entstehen; denn mögen solche Ideale noch so schön sein, sie taugen nicht, wenn man nicht einen Sinn dafür hat, auf welchem Wege solche Ideale Kräfte werden können. Rein religiöse und rein idealistische Vorstellungen haben wiederum die Folge, daß die untere Natur des Menschen immer materieller und materieller wird. Während materialistische Vorstellungen Spiritualismus fördern in der unteren Natur des Menschen, fördern rein kirchliche, ohne spirituellen Einfluß traditionell aufgebaute Anschauungen oder der abstrakte Idealismus das Materieller und Materiellerwerden der unteren Menschennatur. Man möchte sagen, der Typus für dieses Materiellerwerden der unteren Menschennatur durch Traditionell-Kirchliches, Abstrakt-Kirchliches — verzeihen Sie, daß ich einen so drastischen Vergleich gebrauche —, ist der feiste Pfaffe, der sich gerade den traditionell-kirchlichen Vorstellungen hingibt und dabei immer mehr und mehr sich sein Bäuchlein anmästet. Es ist nur ein Vergleich, es ist keine Tatsache und kein Gesetz, das ich meine; ich will nur veranschaulichen, aber es entspricht dies einer in den Untergründen der Dinge liegenden Wirklichkeit. Nun aber hat wiederum jenes Materieller- und Materiellerwerden der unteren Menschennatur keine Nahrung, wenn im Kopfe nur die traditionellen oder abstrakt-idealistischen Vorstellungen sind. Daher ist eine Menschheit, die eine solche Kultur begründet, vorzugsweise ausgesetzt nicht ihrer eigenen Kopfnatur, sondern den ahrimanischen Einflüssen. So daß wir sagen müssen: Abstrakt-Religiöses, AbstraktIdealistisches fördert im wesentlichen den Materialismus, und zwar einen ahrimanisch orientierten Materialismus, während umgekehrt materialistisches Vorstellen einen Spiritualismus fördert, und zwar einen luziferisch orientierten Spiritualismus.

[ 4 ] Betrachten wir auch den umgekehrten Fall, nehmen wir an, eine nicht vom Spiritualismus durchzogene, sondern rein auf Traditionelles sich stützende kirchliche Wahrheit ergreife die Menschen, oder arbeite dahin, die Menschen zu ergreifen. Verwandt mit einer solchen kirchlichen Wahrheit ist der abstrakte Idealismus, der, namentlich im Moralischen, nur an abstrakte Ideale glaubt und keinen Sinn dafür hat, auf welche Weise diese abstrakten Ideale entstehen; denn mögen solche Ideale noch so schön sein, sie taugen nicht, wenn man nicht einen Sinn dafür hat, auf welchem Wege solche Ideale Kräfte werden können. Rein religiöse und rein idealistische Vorstellungen haben wiederum die Folge, daß die untere Natur des Menschen immer materieller und materieller wird. Während materialistische Vorstellungen Spiritualismus fördern in der unteren Natur des Menschen, fördern rein kirchliche, ohne spirituellen Einfluß traditionell aufgebaute Anschauungen oder der abstrakte Idealismus das Materieller und Materiellerwerden der unteren Menschennatur. Man möchte sagen, der Typus für dieses Materiellerwerden der unteren Menschennatur durch Traditionell-Kirchliches, Abstrakt-Kirchliches — verzeihen Sie, daß ich einen so drastischen Vergleich gebrauche —, ist der feiste Pfaffe, der sich gerade den traditionell-kirchlichen Vorstellungen hingibt und dabei immer mehr und mehr sich sein Bäuchlein anmästet. Es ist nur ein Vergleich, es ist keine Tatsache und kein Gesetz, das ich meine; ich will nur veranschaulichen, aber es entspricht dies einer in den Untergründen der Dinge liegenden Wirklichkeit. Nun aber hat wiederum jenes Materieller- und Materiellerwerden der unteren Menschennatur keine Nahrung, wenn im Kopfe nur die traditionellen oder abstrakt-idealistischen Vorstellungen sind. Daher ist eine Menschheit, die eine solche Kultur begründet, vorzugsweise ausgesetzt nicht ihrer eigenen Kopfnatur, sondern den ahrimanischen Einflüssen. So daß wir sagen müssen: Abstrakt-Religiöses, AbstraktIdealistisches fördert im wesentlichen den Materialismus, und zwar einen ahrimanisch orientierten Materialismus, während umgekehrt materialistisches Vorstellen einen Spiritualismus fördert, und zwar einen luziferisch orientierten Spiritualismus.

[ 5 ] Alle diese Dinge, sie beruhen ja im Grunde genommen darauf, daß die wahre Wirklichkeit ganz anders gestaltet ist als die äußere scheinbare Wirklichkeit. Aber man ist jetzt darauf angewiesen, die wahre Wirklichkeit ihrer Gesetzmäßigkeit, ihrer Wesenheit nach kennenzulernen, und insbesondere wird die Sozialwissenschaft, die Wissenschaft von dem menschlichen Zusammenleben und vom geschichtlichen Leben der Menschheit immer durchzogen werden müssen von einer solchen Geisteswissenschaft, die in der von mir in diesen Vorträgen angedeuteten Art wirklich die Brücke baut zwischen der Naturordnung und der Geistesordnung, die reale Brücke baut, nicht die abstrakte, die der Monismus baut. Dazu wird aber notwendig sein, daß gewisse Gesetze, die auch von eingeweihter Seite, aber von nicht richtig für die Gegenwart denkender eingeweihter Seite, dem allgemeinen Menschheitsbewußtsein ferngehalten werden, daß diese Gesetze der wahren Wirklichkeit immer mehr und mehr bekannt werden.

[ 5 ] Alle diese Dinge, sie beruhen ja im Grunde genommen darauf, daß die wahre Wirklichkeit ganz anders gestaltet ist als die äußere scheinbare Wirklichkeit. Aber man ist jetzt darauf angewiesen, die wahre Wirklichkeit ihrer Gesetzmäßigkeit, ihrer Wesenheit nach kennenzulernen, und insbesondere wird die Sozialwissenschaft, die Wissenschaft von dem menschlichen Zusammenleben und vom geschichtlichen Leben der Menschheit immer durchzogen werden müssen von einer solchen Geisteswissenschaft, die in der von mir in diesen Vorträgen angedeuteten Art wirklich die Brücke baut zwischen der Naturordnung und der Geistesordnung, die reale Brücke baut, nicht die abstrakte, die der Monismus baut. Dazu wird aber notwendig sein, daß gewisse Gesetze, die auch von eingeweihter Seite, aber von nicht richtig für die Gegenwart denkender eingeweihter Seite, dem allgemeinen Menschheitsbewußtsein ferngehalten werden, daß diese Gesetze der wahren Wirklichkeit immer mehr und mehr bekannt werden.

[ 6 ] Ein solches Gesetz können Sie sich in der folgenden Weise vor die Seele stellen. Sie wissen, wenn Sie den wirklichen Sinn meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» verfolgen, wann im irdischen Sinne dasjenige, was wir gegenwärtig Menschtum nennen, auf der Erde eigentlich aufgetreten ist. Dieses Menschtum hat auch im gestern wiederholten Sinne eine kosmische Vorgeschichte, Saturn-, Sonnen-, Mondengeschichte, aber die Erdengeschichte war ja zunächst eine Wiederholung, und das Erdenmenschtum ist in einer ganz bestimmten Zeit aufgetreten. Und wenn Sie nachlesen in meiner «Geheimwissenschaft», dann werden Sie finden, daß dieses Menschtum aufgetreten ist in der gleichen Zeit, in welcher auf der Erde klar und deutlich hervorgetreten ist die Entstehung des mineralischen Reiches. Denn wir wissen: Das, was wir jetzt das mineralische Reich nennen, das war ja in der Saturn-, Sonnen- und Mondengeit nicht in der gleichen Art vorhanden. Es waren die drei dem mineralischen Reich vorangehenden elementarischen Reiche vorhanden. Das mineralische Reich trat in die Erdenentwickelung ein, und gleichzeitig mit dieser makrokosmischen Tatsache des Eintretens des Mineralreichs in die Erdenentwickelung tritt dann der Mensch in seiner gegenwärtigen Form in die Erdenentwickelung ein, in der Form, in der er gegenwärtig seinen Leib hat, also in seiner gegenwärtigen Leibesgestaltung. Wenn auch diese Leibesgestaltung ihre volle Ausbildung erst später im Laufe der Zeit gefunden hat, die Anlage zu dieser gegenwärtigen menschlichen Leibesgestaltung, Leibesformung, ist gleichzeitig mit dem Eintritt des mineralischen Reichs in die Erdenentwickelung eingetreten. So daß der Mensch in gewissem Sinne eine Verbindung eingegangen ist als Erdenmensch, oder indem er Erdenmensch geworden ist, zwischen dem vierten Gliede seiner Wesenheit, das dann sich zu dem Ich ausgebildet hat, und dem Mineralreiche. Man könnte auch sagen, im menschlichen Mikrokosmos entspricht das Ich dem makrokosmischen Mineralreich.

[ 6 ] Ein solches Gesetz können Sie sich in der folgenden Weise vor die Seele stellen. Sie wissen, wenn Sie den wirklichen Sinn meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» verfolgen, wann im irdischen Sinne dasjenige, was wir gegenwärtig Menschtum nennen, auf der Erde eigentlich aufgetreten ist. Dieses Menschtum hat auch im gestern wiederholten Sinne eine kosmische Vorgeschichte, Saturn-, Sonnen-, Mondengeschichte, aber die Erdengeschichte war ja zunächst eine Wiederholung, und das Erdenmenschtum ist in einer ganz bestimmten Zeit aufgetreten. Und wenn Sie nachlesen in meiner «Geheimwissenschaft», dann werden Sie finden, daß dieses Menschtum aufgetreten ist in der gleichen Zeit, in welcher auf der Erde klar und deutlich hervorgetreten ist die Entstehung des mineralischen Reiches. Denn wir wissen: Das, was wir jetzt das mineralische Reich nennen, das war ja in der Saturn-, Sonnen- und Mondengeit nicht in der gleichen Art vorhanden. Es waren die drei dem mineralischen Reich vorangehenden elementarischen Reiche vorhanden. Das mineralische Reich trat in die Erdenentwickelung ein, und gleichzeitig mit dieser makrokosmischen Tatsache des Eintretens des Mineralreichs in die Erdenentwickelung tritt dann der Mensch in seiner gegenwärtigen Form in die Erdenentwickelung ein, in der Form, in der er gegenwärtig seinen Leib hat, also in seiner gegenwärtigen Leibesgestaltung. Wenn auch diese Leibesgestaltung ihre volle Ausbildung erst später im Laufe der Zeit gefunden hat, die Anlage zu dieser gegenwärtigen menschlichen Leibesgestaltung, Leibesformung, ist gleichzeitig mit dem Eintritt des mineralischen Reichs in die Erdenentwickelung eingetreten. So daß der Mensch in gewissem Sinne eine Verbindung eingegangen ist als Erdenmensch, oder indem er Erdenmensch geworden ist, zwischen dem vierten Gliede seiner Wesenheit, das dann sich zu dem Ich ausgebildet hat, und dem Mineralreiche. Man könnte auch sagen, im menschlichen Mikrokosmos entspricht das Ich dem makrokosmischen Mineralreich.

[ 7 ] Nun wissen wir — das ergibt ja eine einfache oberflächliche Betrachtung der Natur —, daß das kosmische Mineralreich kristallinisch gestaltet ist. Unsere Schüler müssen ja auch in der Schule die verschiedenen Kristallgestalten, in denen diese oder jene Mineralien kristallisieren, kennenlernen; sie müssen sie zuerst nach geometrischen Gesetzen, wie sie aus sich selbst vorgestellt werden können, kennenlernen und dann, wie sie in der Wirklichkeit in dem Mineralreich vorkommen, Oktaeder, Würfel und so weiter. Wenn wir diese in geometrischen Formen ausdrückbaren Gestalten des Mineralreichs ansehen, so haben wir im wesentlichen die dem Mineralreich ureigene Gestalt vor uns. Diese Kristallisationen, oder besser diese Kristallformen, sind das dern Mineralreich in gewissem Sinne Eingeborene, das ihm Ureigentümliche. Und die Erde hat mit der Eingliederung des Mineralreiches in ihre kosmische Entwickelung zugleich die Tendenz aufgenommen, ihre mineralischen Stoffe zu kristallisieren, zu kristallisieren in den Formen, in denen eben das Mineralreich kristallisiert.

[ 7 ] Nun wissen wir — das ergibt ja eine einfache oberflächliche Betrachtung der Natur —, daß das kosmische Mineralreich kristallinisch gestaltet ist. Unsere Schüler müssen ja auch in der Schule die verschiedenen Kristallgestalten, in denen diese oder jene Mineralien kristallisieren, kennenlernen; sie müssen sie zuerst nach geometrischen Gesetzen, wie sie aus sich selbst vorgestellt werden können, kennenlernen und dann, wie sie in der Wirklichkeit in dem Mineralreich vorkommen, Oktaeder, Würfel und so weiter. Wenn wir diese in geometrischen Formen ausdrückbaren Gestalten des Mineralreichs ansehen, so haben wir im wesentlichen die dem Mineralreich ureigene Gestalt vor uns. Diese Kristallisationen, oder besser diese Kristallformen, sind das dern Mineralreich in gewissem Sinne Eingeborene, das ihm Ureigentümliche. Und die Erde hat mit der Eingliederung des Mineralreiches in ihre kosmische Entwickelung zugleich die Tendenz aufgenommen, ihre mineralischen Stoffe zu kristallisieren, zu kristallisieren in den Formen, in denen eben das Mineralreich kristallisiert.

[ 8 ] Nun gibt es einen Gegenpol, einen polarischen Gegensatz zu dieser Form des Mineralreichs. Wie sich diese Sache verhält, das bitte ich Sie, durch folgendes Bild sich vorzustellen. Wir wollen uns durch ein Bild einer wichtigen Tatsache im Leben nähern. Nicht wahr, Sie kennen die sehr bekannte Erscheinung des Auflösens von irgendwelchen Substanzen. Sie wissen, wenn Sie eine gewisse Menge Salze in eine gewisse Menge Wasser werfen, so ist das Wasser fähig, dieses Salz vollständig aufzulösen, so daß das Salz in seiner festen Gestalt nicht mehr da ist, sondern im Wasser aufgelöst ist. Sie wissen ja auch, daß für gewisse Zwecke des praktischen Lebens das feste Salz nichts nützen würde, sondern es nötig ist, dieses feste Salz in Flüssigkeit aufzulösen. Nun, dasjenige, was als Tendenz zur Kristallisationsform der Mineralien in der Erdenentwickelung ist, das darf so wenig mit dieser Erde verbunden bleiben, als für gewisse praktische Zwecke die feste Form des Salzes dem Salz bleiben darf. Die Köchin muß in der Lage sein, diese feste Form des Salzes in die Auflöseform zu verwandeln; sie muß Auflösungsmittel verwenden, sonst würde ja das Salz nichts nützen. So auch muß im Kosmos die Tendenz der Erde zur Kristallisierung des Mineralischen aufgelöst werden. Das heißt, es muß eine Gegentendenz, eine polarische Gegentendenz da sein, welche es dahin bringt, daß wenn die Erde am Ziele ihrer Entwickelung angelangt sein wird und sich anschicken wird, zur nächsten Form, zur Jupiterform überzugehen, diese kristallinische Tendenz nicht mehr da ist, sondern aufgelöst ist, verschwunden ist. Der Jupiter darf nicht mehr die Neigung haben, die mineralischen Substanzen zu kristallisieren. Diese Tendenz zu kristallisieren muß im besonderen nur dem besonderen Erdenkörper erhalten bleiben, und diese Tendenz zur Kristallisierung muß aufhören, wenn die Erde am Ziele ihrer Erdenentwickelung angelangt sein wird.

[ 8 ] Nun gibt es einen Gegenpol, einen polarischen Gegensatz zu dieser Form des Mineralreichs. Wie sich diese Sache verhält, das bitte ich Sie, durch folgendes Bild sich vorzustellen. Wir wollen uns durch ein Bild einer wichtigen Tatsache im Leben nähern. Nicht wahr, Sie kennen die sehr bekannte Erscheinung des Auflösens von irgendwelchen Substanzen. Sie wissen, wenn Sie eine gewisse Menge Salze in eine gewisse Menge Wasser werfen, so ist das Wasser fähig, dieses Salz vollständig aufzulösen, so daß das Salz in seiner festen Gestalt nicht mehr da ist, sondern im Wasser aufgelöst ist. Sie wissen ja auch, daß für gewisse Zwecke des praktischen Lebens das feste Salz nichts nützen würde, sondern es nötig ist, dieses feste Salz in Flüssigkeit aufzulösen. Nun, dasjenige, was als Tendenz zur Kristallisationsform der Mineralien in der Erdenentwickelung ist, das darf so wenig mit dieser Erde verbunden bleiben, als für gewisse praktische Zwecke die feste Form des Salzes dem Salz bleiben darf. Die Köchin muß in der Lage sein, diese feste Form des Salzes in die Auflöseform zu verwandeln; sie muß Auflösungsmittel verwenden, sonst würde ja das Salz nichts nützen. So auch muß im Kosmos die Tendenz der Erde zur Kristallisierung des Mineralischen aufgelöst werden. Das heißt, es muß eine Gegentendenz, eine polarische Gegentendenz da sein, welche es dahin bringt, daß wenn die Erde am Ziele ihrer Entwickelung angelangt sein wird und sich anschicken wird, zur nächsten Form, zur Jupiterform überzugehen, diese kristallinische Tendenz nicht mehr da ist, sondern aufgelöst ist, verschwunden ist. Der Jupiter darf nicht mehr die Neigung haben, die mineralischen Substanzen zu kristallisieren. Diese Tendenz zu kristallisieren muß im besonderen nur dem besonderen Erdenkörper erhalten bleiben, und diese Tendenz zur Kristallisierung muß aufhören, wenn die Erde am Ziele ihrer Erdenentwickelung angelangt sein wird.

[ 9 ] Nun ist der polarische Gegensatz zur Tendenz des Kristallisierens jene andere Tendenz, welche der menschlichen Form — nicht der tierischen — eingeprägt ist. Und jeder Leichnam, den wir in irgendeiner Form dem Erdenplaneten übergeben, durch Begräbnis oder durch Feuer oder wie immer, jeder Leichnam, in dem die menschliche Form als bloße mineralische Form noch wirkt, jeder Leichnam, der also verlassen ist von seinem Seelisch-Geistigen, der wirkt genauso entgegengesetzt der mineralischen Kristallisationstendenz, wie die negative Elektrizität entgegengesetzt wirkt der positiven Elektrizität, oder wie die Finsternis entgegengesetzt wirkt dem Lichte. Und am Ende der Erdenentwickelung werden die sämtlichen, im Laufe dieser Entwickelung der Erde mitgeteilten Menschenformen — ich sage: Menschenformen, denn in dieser Form des Menschen liegt die Krafttendenz, und auf die Kraft, nicht auf die Substanz kommt es dabei an —, diese menschlichen Formen werden kosmisch die Mineralisierungstendenz, die Kristallisationstendenz im Mineralisieren aufgelöst haben.

[ 9 ] Nun ist der polarische Gegensatz zur Tendenz des Kristallisierens jene andere Tendenz, welche der menschlichen Form — nicht der tierischen — eingeprägt ist. Und jeder Leichnam, den wir in irgendeiner Form dem Erdenplaneten übergeben, durch Begräbnis oder durch Feuer oder wie immer, jeder Leichnam, in dem die menschliche Form als bloße mineralische Form noch wirkt, jeder Leichnam, der also verlassen ist von seinem Seelisch-Geistigen, der wirkt genauso entgegengesetzt der mineralischen Kristallisationstendenz, wie die negative Elektrizität entgegengesetzt wirkt der positiven Elektrizität, oder wie die Finsternis entgegengesetzt wirkt dem Lichte. Und am Ende der Erdenentwickelung werden die sämtlichen, im Laufe dieser Entwickelung der Erde mitgeteilten Menschenformen — ich sage: Menschenformen, denn in dieser Form des Menschen liegt die Krafttendenz, und auf die Kraft, nicht auf die Substanz kommt es dabei an —, diese menschlichen Formen werden kosmisch die Mineralisierungstendenz, die Kristallisationstendenz im Mineralisieren aufgelöst haben.

[ 10 ] Sie sehen, wie sich da wiederum ein Punkt ansetzt, wo die Brücke geschlagen wird zwischen zwei Weltenströmungen, die durch die Naturwissenschaft nicht geschlagen werden kann. Denn die Naturwissenschaft untersucht dasjenige, was mit der Menschenform nach dem Tode vorgeht, rein mineralogisch; sie wendet nur die mineralogischen Gesetze an; sie sucht nur dasjenige auf, was in der Tendenz des Kristallisierens der Erde liegt und behandelt so den Leichnam auch. Dadurch kann sie nie darauf kommen, welche bedeutsame Rolle im Haushalte des ganzen Erdenwesens die Leichname der Menschen, die toten Menschenleiber, ihre Form, spielen. Die Erde hat sich schon wesentlich verändert seit der Mitte der lemurischen Zeit, seit die Mineralisation eingetreten ist und damit die Kristallisationstendenz. Das, was an der Erde heute weniger mineralisch ist, weniger nach Kristallisationstendenz neigt als in der Mitte der lemurischen Zeit, das ist verdankt den sich auflösenden Formen der Menschenleiber. Und wenn die Erde an ihrem Ziele angelangt sein wird, so wird gar keine Kristallisationstendenz mehr da sein. Die sämtlichen der Erde übergebenen Menschenformen werden sich als der polarische Gegensatz ausgewirkt haben und die Kristallisation aufgelöst haben. Da wird das Ereignis des menschlichen Todes auch als rein physische Erscheinung in den ganzen Haushalt der Weltenordnung hineingestellt. Da wird die Brücke geschlagen zwischen Erscheinungen, die, wie die Todeserscheinung, sonst ganz unverständlich im Haushalte der Welt dastehen, und jenen Erscheinungen, welche die Naturwissenschaft heute schildert. Und es ist wichtig, daß man solche Anschauungen auch immer mehr und mehr ausbildet, welche der naturwissenschaftlichen Weltanschauung erst ihr wahres, ihr echtes Gepräge geben. Das, was ich Ihnen hier auseinandergesetzt habe, ist ja ebenso eine naturwissenschaftliche Tatsache, wie andere naturwissenschaftliche Tatsachen es sind, die von der heutigen Naturwissenschaft aus gefunden werden. Aber es ist eine Tatsache, auf die die Naturwissenschaft mit ihren heutigen Methoden aus sich heraus nicht kommen kann. Die Naturwissenschaft mit ihren heutigen Methoden muß notwendigerweise unvollständig bleiben und kann daher das Ganze der Lebenserscheinungen nicht erfassen. Daher muß diese Naturwissenschaft ihre Ergänzung durch die Geisteswissenschaft finden.

[ 10 ] Sie sehen, wie sich da wiederum ein Punkt ansetzt, wo die Brücke geschlagen wird zwischen zwei Weltenströmungen, die durch die Naturwissenschaft nicht geschlagen werden kann. Denn die Naturwissenschaft untersucht dasjenige, was mit der Menschenform nach dem Tode vorgeht, rein mineralogisch; sie wendet nur die mineralogischen Gesetze an; sie sucht nur dasjenige auf, was in der Tendenz des Kristallisierens der Erde liegt und behandelt so den Leichnam auch. Dadurch kann sie nie darauf kommen, welche bedeutsame Rolle im Haushalte des ganzen Erdenwesens die Leichname der Menschen, die toten Menschenleiber, ihre Form, spielen. Die Erde hat sich schon wesentlich verändert seit der Mitte der lemurischen Zeit, seit die Mineralisation eingetreten ist und damit die Kristallisationstendenz. Das, was an der Erde heute weniger mineralisch ist, weniger nach Kristallisationstendenz neigt als in der Mitte der lemurischen Zeit, das ist verdankt den sich auflösenden Formen der Menschenleiber. Und wenn die Erde an ihrem Ziele angelangt sein wird, so wird gar keine Kristallisationstendenz mehr da sein. Die sämtlichen der Erde übergebenen Menschenformen werden sich als der polarische Gegensatz ausgewirkt haben und die Kristallisation aufgelöst haben. Da wird das Ereignis des menschlichen Todes auch als rein physische Erscheinung in den ganzen Haushalt der Weltenordnung hineingestellt. Da wird die Brücke geschlagen zwischen Erscheinungen, die, wie die Todeserscheinung, sonst ganz unverständlich im Haushalte der Welt dastehen, und jenen Erscheinungen, welche die Naturwissenschaft heute schildert. Und es ist wichtig, daß man solche Anschauungen auch immer mehr und mehr ausbildet, welche der naturwissenschaftlichen Weltanschauung erst ihr wahres, ihr echtes Gepräge geben. Das, was ich Ihnen hier auseinandergesetzt habe, ist ja ebenso eine naturwissenschaftliche Tatsache, wie andere naturwissenschaftliche Tatsachen es sind, die von der heutigen Naturwissenschaft aus gefunden werden. Aber es ist eine Tatsache, auf die die Naturwissenschaft mit ihren heutigen Methoden aus sich heraus nicht kommen kann. Die Naturwissenschaft mit ihren heutigen Methoden muß notwendigerweise unvollständig bleiben und kann daher das Ganze der Lebenserscheinungen nicht erfassen. Daher muß diese Naturwissenschaft ihre Ergänzung durch die Geisteswissenschaft finden.

[ 11 ] Und wenn man kennen wird solche umfassenden Gesetze, wie dieses ist: durch die dem Erdenplaneten überlieferten Menschenformen wird die Kristallisationstendenz der Erde aufgelöst —, wenn man solche Gesetze kennen wird, dann werden diese Gesetze den Geist der Menschheit auch bereit machen, in bezug auf die geistige Entwickelung tiefer in die Wirklichkeit einzudringen. Derjenige, der nur im Sinne der heutigen Naturwissenschaft denkt und forscht, kann nicht die Brücke schlagen von der Naturwissenschaft herüber zu der sozialen und politischen Wissenschaft. Allein derjenige, der die großen, aus der Geisteswissenschaft folgenden Gesetze kennt, die sich auf das Große der Natur in der Weise beziehen, wie ich das jetzt auseinandergesetzt habe, der findet dann die Möglichkeit, hinüberzugeleiten über die Brücke, die von der Naturwissenschaft zur Menschenwissenschaft, vor allem zum geschichtlichen und politischen Leben der Menschheit führt, Der Naturforscher wird sich heute durchaus nicht genieren, davon zu reden, daß Polarität in der Natur ist. Er wird unterscheiden zwei Magnetismen, den Nord- und Südmagnetismus; er wird unterscheiden zwei Elektrizitäten, die positive und die negative Elektrizität. Und wird man einmal die Naturwissenschaft mehr in die richtigen Bahnen der Goetheschen Weltanschauung leiten, dann wird auch die Naturwissenschaft noch mehr Goetheanismus sein, als sie es heute sein kann, wo sie es fast gar nicht ist. Dann wird das Gesetz der Polarität in der ganzen Natur als das Grundgesetz erkannt werden, wie es im Grunde genommen schon figuriert hat in den alten Mysterien aus atavistischer Forschung heraus. In den alten Mysterien baute man alles auf die Erkenntnis der Polarität in der Welt. In der Naturwissenschaft selbst, das heißt in der Erkenntnis der Naturordnung, geniert sich der Forscher heute nicht, die Polarität anzuerkennen; aber in der Menschenordnung und in der Geistesordnung will er nicht an diese Polarität heran. Und doch, dasjenige, was wir luziferisch und ahrimanisch nennen, entspricht in bezug auf den Geist und seine Ordnungen, in die der Mensch auch hineingestellt ist, voll dem, was in der Naturwissenschaft zum Beispiel als Nord- und Südmagnetismus oder als positive und negative Elektrizität anerkannt ist. Niemals wird man verstehen, den wirklichen Einklang zu schaffen zwischen Geist und Natur, wenn man nicht die wahren Dinge von konkreter Polarität des Ahrimanischen und Luziferischen in der Geistesordnung finden wird. Denn nicht in abstrakten Begriffen, die einfach übertragen werden von der Natur auf den Geist, kann die wahre Wirklichkeit gefunden werden, sondern nur allein dadurch, daß man in den Geist selbst sich hineinzuvertiefen vermag und die dem Geist entsprechenden Polaritäten da findet.

[ 11 ] Und wenn man kennen wird solche umfassenden Gesetze, wie dieses ist: durch die dem Erdenplaneten überlieferten Menschenformen wird die Kristallisationstendenz der Erde aufgelöst —, wenn man solche Gesetze kennen wird, dann werden diese Gesetze den Geist der Menschheit auch bereit machen, in bezug auf die geistige Entwickelung tiefer in die Wirklichkeit einzudringen. Derjenige, der nur im Sinne der heutigen Naturwissenschaft denkt und forscht, kann nicht die Brücke schlagen von der Naturwissenschaft herüber zu der sozialen und politischen Wissenschaft. Allein derjenige, der die großen, aus der Geisteswissenschaft folgenden Gesetze kennt, die sich auf das Große der Natur in der Weise beziehen, wie ich das jetzt auseinandergesetzt habe, der findet dann die Möglichkeit, hinüberzugeleiten über die Brücke, die von der Naturwissenschaft zur Menschenwissenschaft, vor allem zum geschichtlichen und politischen Leben der Menschheit führt, Der Naturforscher wird sich heute durchaus nicht genieren, davon zu reden, daß Polarität in der Natur ist. Er wird unterscheiden zwei Magnetismen, den Nord- und Südmagnetismus; er wird unterscheiden zwei Elektrizitäten, die positive und die negative Elektrizität. Und wird man einmal die Naturwissenschaft mehr in die richtigen Bahnen der Goetheschen Weltanschauung leiten, dann wird auch die Naturwissenschaft noch mehr Goetheanismus sein, als sie es heute sein kann, wo sie es fast gar nicht ist. Dann wird das Gesetz der Polarität in der ganzen Natur als das Grundgesetz erkannt werden, wie es im Grunde genommen schon figuriert hat in den alten Mysterien aus atavistischer Forschung heraus. In den alten Mysterien baute man alles auf die Erkenntnis der Polarität in der Welt. In der Naturwissenschaft selbst, das heißt in der Erkenntnis der Naturordnung, geniert sich der Forscher heute nicht, die Polarität anzuerkennen; aber in der Menschenordnung und in der Geistesordnung will er nicht an diese Polarität heran. Und doch, dasjenige, was wir luziferisch und ahrimanisch nennen, entspricht in bezug auf den Geist und seine Ordnungen, in die der Mensch auch hineingestellt ist, voll dem, was in der Naturwissenschaft zum Beispiel als Nord- und Südmagnetismus oder als positive und negative Elektrizität anerkannt ist. Niemals wird man verstehen, den wirklichen Einklang zu schaffen zwischen Geist und Natur, wenn man nicht die wahren Dinge von konkreter Polarität des Ahrimanischen und Luziferischen in der Geistesordnung finden wird. Denn nicht in abstrakten Begriffen, die einfach übertragen werden von der Natur auf den Geist, kann die wahre Wirklichkeit gefunden werden, sondern nur allein dadurch, daß man in den Geist selbst sich hineinzuvertiefen vermag und die dem Geist entsprechenden Polaritäten da findet.

[ 12 ] So auch muß es mit den andern Naturtatsachen sein. Man kann nicht einfach Naturtatsachen studieren und dann sagen, man begründet auf diesen naturwissenschaftlichen Tatsachen eine geistige Ordnung, eine geistige Weltanschauung. Da kommt nichts dabei heraus. Soll das geistige Leben studiert werden in seiner Wirklichkeit, sollen auch nur diejenigen Erscheinungen des Lebens begriffen werden, in die der Geist hereinspielt, dann muß man zu dem Entschluß kommen, die geistigen Ordnungen selbst zu studieren. Auch dasjenige, was sich aus den Menschenseelen und den Menschenverrichtungen heraus in irgendeinem Zeitalter abspielt, man kann es nicht naturwissenschaftlich erklären, sondern man kann es in Wirklichkeit nur verstehen, wenn man es geisteswissenschaftlich erklärt.

[ 12 ] So auch muß es mit den andern Naturtatsachen sein. Man kann nicht einfach Naturtatsachen studieren und dann sagen, man begründet auf diesen naturwissenschaftlichen Tatsachen eine geistige Ordnung, eine geistige Weltanschauung. Da kommt nichts dabei heraus. Soll das geistige Leben studiert werden in seiner Wirklichkeit, sollen auch nur diejenigen Erscheinungen des Lebens begriffen werden, in die der Geist hereinspielt, dann muß man zu dem Entschluß kommen, die geistigen Ordnungen selbst zu studieren. Auch dasjenige, was sich aus den Menschenseelen und den Menschenverrichtungen heraus in irgendeinem Zeitalter abspielt, man kann es nicht naturwissenschaftlich erklären, sondern man kann es in Wirklichkeit nur verstehen, wenn man es geisteswissenschaftlich erklärt.

[ 13 ] Wenn man zum Beispiel gewisse Erscheinungen der Gegenwartskultur ins Auge fassen will, dann muß man dies so machen, daß man wirklich auseinandersetzt, in welchem Grade das Luziferische und in welchem Grade das Ahrimanische in diese Gegenwartskultur hineinspielt. Diesen Versuch hatte ich 1914 gemacht, vor dem Ausbruch der gegenwärtigen Katastrophe, in den Vorträgen «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» in einem Zyklus, den ich vor dieser Kriegskatastrophe in Wien gehalten habe. Und da möchte ich doch hinweisen auf die entscheidende Stelle, in der das ganz Wesentliche auseinandergesetzt wird, was in der Gegenwart spielt. Da sagte ich:

[ 13 ] Wenn man zum Beispiel gewisse Erscheinungen der Gegenwartskultur ins Auge fassen will, dann muß man dies so machen, daß man wirklich auseinandersetzt, in welchem Grade das Luziferische und in welchem Grade das Ahrimanische in diese Gegenwartskultur hineinspielt. Diesen Versuch hatte ich 1914 gemacht, vor dem Ausbruch der gegenwärtigen Katastrophe, in den Vorträgen «Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt» in einem Zyklus, den ich vor dieser Kriegskatastrophe in Wien gehalten habe. Und da möchte ich doch hinweisen auf die entscheidende Stelle, in der das ganz Wesentliche auseinandergesetzt wird, was in der Gegenwart spielt. Da sagte ich:

[ 14 ] «Darum tritt diese Geisteswissenschaft jetzt in der Welt auf, weil die Menschheitsentwickelung es notwendig macht, daß diese Durchdringung der geistigen Welten und ihrer Daseinsbedingungen in den Seelen immer mehr und mehr, zuerst instinktiv und dann bewußt, leben wird. Ich will Ihnen eine reine Äußerlichkeit mitteilen, damit Sie sehen, wie man immer mehr dazu kommen wird, auch das Leben auf dem physischen Plan nur dadurch in seinem wahren Gehalt beurteilen zu können, daß man die Gesetze des geistigen Daseins begreift, eine reine Äußerlichkeit, die aber ungeheur wichtig ist. Wenn wir auf die Natur hinblicken, so sehen wir das merkwürdige Schauspiel, daß überall nur eine geringe Anzahl von Keimen verwendet wird, um das gleichartige Leben fortzupflanzen, daß aber eine ungeheuer große Anzahl von Keimen zugrunde geht. Wir blicken hin auf das Heer der ungeheuer vielen Fischkeime, die im Meere vorhanden sind. Nur wenige von ihnen werden Fische, die anderen gehen zugrunde. Wir sehen hinaus auf das Feld und sehen die ungeheuer vielen Kornkeime. Nur wenige werden wieder zu Kornpflanzen, die anderen gehen als Getreidekörner zugrunde, indem sie zu menschlicher Nahrung und anderem verwendet werden. Ungeheuer viel mehr muß in der Natur erzeugt werden, als was sozusagen im gleichmäßig fortfließenden Strom des Daseins wirklich Frucht wird und wieder keimt. So ist es gut in der Natur, denn da draußen in der Natur herrscht die Ordnung und Notwendigkeit, daß das, was so abfließt von seinem zu ihm gehörigen, in sich selbst begründeten Strom des Daseins und Fruchtens, verwendet wird, so verwendet wird, daß es dem anderen fortlaufenden Strom des Daseins dient. Die Wesen würden nicht leben können, wenn alle Keime wirklich fruchteten und zu der in ihnen liegenden Entwickelung kämen. Es müssen Keime da sein, welche dazu verwendet werden, daß sozusagen Boden gegründet wird, aus dem die Wesen herauswachsen können. Nur scheinbar, der Maja nach, geht etwas verloren, in Wirklichkeit geht innerhalb des Naturschaffens doch nichts verloren. In dieser Natur waltet der Geist, und daß so scheinbar etwas vom fortlaufenden Strom der Entwickelung verlorengeht, das ist in der Weisheit des Geistes begründet, das ist geistiges Gesetz, und wir müssen diese Sache vom Standpunkt des Geistes ansehen. Dann kommen wir schon darauf, inwiefern auch das seine gute Daseinsberechtigung hat, was scheinbar vom fortlaufenden Strom des Weltgeschehens hinweggeführt wird. Geistgegründet ist dieses; daher kann es auch, insoferne wir geistiges Leben führen, auf dem physischen Plane Geltung haben.

[ 14 ] «Darum tritt diese Geisteswissenschaft jetzt in der Welt auf, weil die Menschheitsentwickelung es notwendig macht, daß diese Durchdringung der geistigen Welten und ihrer Daseinsbedingungen in den Seelen immer mehr und mehr, zuerst instinktiv und dann bewußt, leben wird. Ich will Ihnen eine reine Äußerlichkeit mitteilen, damit Sie sehen, wie man immer mehr dazu kommen wird, auch das Leben auf dem physischen Plan nur dadurch in seinem wahren Gehalt beurteilen zu können, daß man die Gesetze des geistigen Daseins begreift, eine reine Äußerlichkeit, die aber ungeheur wichtig ist. Wenn wir auf die Natur hinblicken, so sehen wir das merkwürdige Schauspiel, daß überall nur eine geringe Anzahl von Keimen verwendet wird, um das gleichartige Leben fortzupflanzen, daß aber eine ungeheuer große Anzahl von Keimen zugrunde geht. Wir blicken hin auf das Heer der ungeheuer vielen Fischkeime, die im Meere vorhanden sind. Nur wenige von ihnen werden Fische, die anderen gehen zugrunde. Wir sehen hinaus auf das Feld und sehen die ungeheuer vielen Kornkeime. Nur wenige werden wieder zu Kornpflanzen, die anderen gehen als Getreidekörner zugrunde, indem sie zu menschlicher Nahrung und anderem verwendet werden. Ungeheuer viel mehr muß in der Natur erzeugt werden, als was sozusagen im gleichmäßig fortfließenden Strom des Daseins wirklich Frucht wird und wieder keimt. So ist es gut in der Natur, denn da draußen in der Natur herrscht die Ordnung und Notwendigkeit, daß das, was so abfließt von seinem zu ihm gehörigen, in sich selbst begründeten Strom des Daseins und Fruchtens, verwendet wird, so verwendet wird, daß es dem anderen fortlaufenden Strom des Daseins dient. Die Wesen würden nicht leben können, wenn alle Keime wirklich fruchteten und zu der in ihnen liegenden Entwickelung kämen. Es müssen Keime da sein, welche dazu verwendet werden, daß sozusagen Boden gegründet wird, aus dem die Wesen herauswachsen können. Nur scheinbar, der Maja nach, geht etwas verloren, in Wirklichkeit geht innerhalb des Naturschaffens doch nichts verloren. In dieser Natur waltet der Geist, und daß so scheinbar etwas vom fortlaufenden Strom der Entwickelung verlorengeht, das ist in der Weisheit des Geistes begründet, das ist geistiges Gesetz, und wir müssen diese Sache vom Standpunkt des Geistes ansehen. Dann kommen wir schon darauf, inwiefern auch das seine gute Daseinsberechtigung hat, was scheinbar vom fortlaufenden Strom des Weltgeschehens hinweggeführt wird. Geistgegründet ist dieses; daher kann es auch, insoferne wir geistiges Leben führen, auf dem physischen Plane Geltung haben.

[ 15 ] Meine lieben Freunde, nehmen Sie den uns ganz naheliegenden konkreten Fall: Es müssen öffentliche Vorträge gehalten werden über unsere Geisteswissenschaft. Die werden vor einem Publikum gehalten, das eben einfach durch die Veröffentlichungen zusammengetragen wird. Da geht etwas Ähnliches vor wie mit den Getreidekörnern, die nur zum Teil im fortlaufenden Strom des Daseins verwendet werden. Man darf nicht zurückschrecken davor, daß man unter Umständen vor viele, viele Menschen scheinbar ohne Wahl die Ströme des spirituellen Lebens bringen muß, und daß sich dann nur wenige heraussondern und wirklich eintreten in dieses spirituelle Leben, Anthroposophen werden und im fortlaufenden Strome mitgehen. Auf diesem Gebiete ist es noch so, daß diese verstreuten Keime an viele herandringen, welche zum Beispiel nach einem öffentlichen Vortrage weggehen und sagen: Was hat der Kerl da für tollen Unsinn geschwatzt! — Unmittelbar angeschaut in bezug auf das äußere Leben, ist das so wie, sagen wir, die Keime, die im Meer als Fischkeime verlorengehen; aber vom Standpunkt einer tieferen Forschung ist es nicht so. Die Seelen, die da gekommen sind durch ihr Karma, die dann fortgehen und sagen: Was hat der Kerl da für tollen Unsinn geschwatzt! — die sind noch nicht reif, die Wahrheit des Geistes zu empfangen, aber notwendig haben es ihre Seelen in der jetzigen Inkarnation, heranschwingen zu fühlen das, was als Kraft in dieser Geisteswissenschaft liegt. Und das bleibt doch in ihren Seelen, sie mögen noch so schimpfen, es bleibt als Kraft in ihren Seelen für ihre nächste Inkarnation, und dann sind die Keime nicht verloren, sie finden Wege. Es unterliegt das Dasein in bezug auf das Geistige den gleichen Gesetzen, ob wir dieses Geistige in der Naturordnung verfolgen oder in dem Fall, den wir als unseren eignen Fall anführen konnten.

[ 15 ] Meine lieben Freunde, nehmen Sie den uns ganz naheliegenden konkreten Fall: Es müssen öffentliche Vorträge gehalten werden über unsere Geisteswissenschaft. Die werden vor einem Publikum gehalten, das eben einfach durch die Veröffentlichungen zusammengetragen wird. Da geht etwas Ähnliches vor wie mit den Getreidekörnern, die nur zum Teil im fortlaufenden Strom des Daseins verwendet werden. Man darf nicht zurückschrecken davor, daß man unter Umständen vor viele, viele Menschen scheinbar ohne Wahl die Ströme des spirituellen Lebens bringen muß, und daß sich dann nur wenige heraussondern und wirklich eintreten in dieses spirituelle Leben, Anthroposophen werden und im fortlaufenden Strome mitgehen. Auf diesem Gebiete ist es noch so, daß diese verstreuten Keime an viele herandringen, welche zum Beispiel nach einem öffentlichen Vortrage weggehen und sagen: Was hat der Kerl da für tollen Unsinn geschwatzt! — Unmittelbar angeschaut in bezug auf das äußere Leben, ist das so wie, sagen wir, die Keime, die im Meer als Fischkeime verlorengehen; aber vom Standpunkt einer tieferen Forschung ist es nicht so. Die Seelen, die da gekommen sind durch ihr Karma, die dann fortgehen und sagen: Was hat der Kerl da für tollen Unsinn geschwatzt! — die sind noch nicht reif, die Wahrheit des Geistes zu empfangen, aber notwendig haben es ihre Seelen in der jetzigen Inkarnation, heranschwingen zu fühlen das, was als Kraft in dieser Geisteswissenschaft liegt. Und das bleibt doch in ihren Seelen, sie mögen noch so schimpfen, es bleibt als Kraft in ihren Seelen für ihre nächste Inkarnation, und dann sind die Keime nicht verloren, sie finden Wege. Es unterliegt das Dasein in bezug auf das Geistige den gleichen Gesetzen, ob wir dieses Geistige in der Naturordnung verfolgen oder in dem Fall, den wir als unseren eignen Fall anführen konnten.

[ 16 ] Aber nehmen wir jetzt an, wir wollten die Sache auch auf das äußere materielle Leben übertragen und man wollte sagen: Nun, man macht es im äußeren Leben ebenso. — Ja, meine lieben Freunde, das ist es gerade, daß man es macht, was ich jetzt schildern werde, daß wir einer Zukunft entgegenleben, wo sich das immer mehr herausbildet! Man produziert immer mehr und mehr darauf los, man gründet Fabriken, man fragt nicht: Wieviel wird gebraucht? — wie es einmal der Fall war, als es Schneider im Dorf gab, die nur dann einen Anzug machten, wenn er bestellt wurde. Da war es der Konsument, der angab, wieviel erzeugt werden soll, jetzt wird für den Markt produziert, die Waren werden zusammengestapelt, soviel als nur möglich. Die Produktion arbeitet ganz nach dem Prinzip, nach dem die Natur schafft. Die Natur wird in die soziale Ordnung hinein fortgesetzt. Das wird zunächst immer mehr überhandnehmen. Aber hier betreten wir das Feld des Materiellen. Im äußeren Leben hat das geistige Gesetz, weil es eben für die geistige Welt gilt, keine Anwendung, und es entsteht etwas sehr Merkwürdiges. Da wir unter uns sind, können wir ja solche Dinge sagen. Die Welt freilich wird uns heute darin kein Verständnis entgegenbringen.

[ 16 ] Aber nehmen wir jetzt an, wir wollten die Sache auch auf das äußere materielle Leben übertragen und man wollte sagen: Nun, man macht es im äußeren Leben ebenso. — Ja, meine lieben Freunde, das ist es gerade, daß man es macht, was ich jetzt schildern werde, daß wir einer Zukunft entgegenleben, wo sich das immer mehr herausbildet! Man produziert immer mehr und mehr darauf los, man gründet Fabriken, man fragt nicht: Wieviel wird gebraucht? — wie es einmal der Fall war, als es Schneider im Dorf gab, die nur dann einen Anzug machten, wenn er bestellt wurde. Da war es der Konsument, der angab, wieviel erzeugt werden soll, jetzt wird für den Markt produziert, die Waren werden zusammengestapelt, soviel als nur möglich. Die Produktion arbeitet ganz nach dem Prinzip, nach dem die Natur schafft. Die Natur wird in die soziale Ordnung hinein fortgesetzt. Das wird zunächst immer mehr überhandnehmen. Aber hier betreten wir das Feld des Materiellen. Im äußeren Leben hat das geistige Gesetz, weil es eben für die geistige Welt gilt, keine Anwendung, und es entsteht etwas sehr Merkwürdiges. Da wir unter uns sind, können wir ja solche Dinge sagen. Die Welt freilich wird uns heute darin kein Verständnis entgegenbringen.

[ 17 ] Es wird also heute für den Markt ohne Rücksicht auf den Konsum produziert, nicht im Sinne dessen, was in meinem Aufsatz ‚Geisteswissenschaft und soziale Frage‘ ausgeführt worden ist, sondern man stapelt in den Lagerhäusern und durch die Geldmärkte alles zusammen, was produziert wird, und dann wartet man, wieviel gekauft wird. Diese Tendenz wird immer größer werden, bis sie sich — wenn ich jetzt das Folgende sagen werde, werden Sie finden, warum — in sich selber vernichten wird.»

[ 17 ] Es wird also heute für den Markt ohne Rücksicht auf den Konsum produziert, nicht im Sinne dessen, was in meinem Aufsatz ‚Geisteswissenschaft und soziale Frage‘ ausgeführt worden ist, sondern man stapelt in den Lagerhäusern und durch die Geldmärkte alles zusammen, was produziert wird, und dann wartet man, wieviel gekauft wird. Diese Tendenz wird immer größer werden, bis sie sich — wenn ich jetzt das Folgende sagen werde, werden Sie finden, warum — in sich selber vernichten wird.»

[ 18 ] Es ist die wichtigste der gegenwärtigen sogenannten Kriegsursachen in diesem Satze enthalten; aber sie ist aus dem geistigen Leben abzuleiten.

[ 18 ] Es ist die wichtigste der gegenwärtigen sogenannten Kriegsursachen in diesem Satze enthalten; aber sie ist aus dem geistigen Leben abzuleiten.

[ 19 ] «Es entsteht dadurch, daß diese Art von Produktion im sozialen Leben eintritt, im sozialen Zusammenhang der Menschen auf der Erde genau dasselbe, was im Organismus entsteht, wenn so ein Karzinom entsteht. Ganz genau dasselbe, eine Krebsbildung, eine Karzinombildung, Kulturkrebs, Kulturkarzinom! So eine Krebsbildung schaut derjenige, der das soziale Leben geistig durchblickt; er schaut, wie überall furchtbare Anlagen zu sozialen Geschwürbildungen aufsprossen. Das ist die große Kultursorge, die auftritt für den, der das Dasein durchschaut. Das ist das Furchtbare, was so bedrückend wirkt, und was selbst dann, wenn man sonst allen Enthusiasmus für Geisteswissenschaft unterdrücken könnte, wenn man unterdrücken könnte das, was den Mund öffnen kann für die Geisteswissenschaft, einen dahin bringt, das Heilmittel der Welt gleichsam entgegenzuschreien für das, was so stark schon im Anzug ist und was immer stärker und stärker werden wird. Was auf seinem Felde in dem Verbreiten geistiger Wahrheiten in einer Sphäre sein muß, die wie die Natur schafft, das wird zur Krebsbildung, wenn es in der geschilderten Weise in die Kultur eintritt.»

[ 19 ] «Es entsteht dadurch, daß diese Art von Produktion im sozialen Leben eintritt, im sozialen Zusammenhang der Menschen auf der Erde genau dasselbe, was im Organismus entsteht, wenn so ein Karzinom entsteht. Ganz genau dasselbe, eine Krebsbildung, eine Karzinombildung, Kulturkrebs, Kulturkarzinom! So eine Krebsbildung schaut derjenige, der das soziale Leben geistig durchblickt; er schaut, wie überall furchtbare Anlagen zu sozialen Geschwürbildungen aufsprossen. Das ist die große Kultursorge, die auftritt für den, der das Dasein durchschaut. Das ist das Furchtbare, was so bedrückend wirkt, und was selbst dann, wenn man sonst allen Enthusiasmus für Geisteswissenschaft unterdrücken könnte, wenn man unterdrücken könnte das, was den Mund öffnen kann für die Geisteswissenschaft, einen dahin bringt, das Heilmittel der Welt gleichsam entgegenzuschreien für das, was so stark schon im Anzug ist und was immer stärker und stärker werden wird. Was auf seinem Felde in dem Verbreiten geistiger Wahrheiten in einer Sphäre sein muß, die wie die Natur schafft, das wird zur Krebsbildung, wenn es in der geschilderten Weise in die Kultur eintritt.»

[ 20 ] Vorher finden Sie in diesem Vortrage alles dasjenige, was aus dem Ahrimanischen und Luziferischen herausgeholt wird, auseinandergesetzt. Aber Sie können es ersehen aus diesem Vortrage, daß man auf die Erkenntnis der Wirklichkeit in der sozialen Krebs- oder Karzinombildung nur kommt, nicht wenn man einfach vergleicht das soziale Leben mit den Naturtatsachen, sondern wenn man aus dem Ahrimanischen und Luziferischen heraus die Tendenzen, die in der gegenwärtigen sozialen Ordnung wirken, finden kann, der Wirklichkeit gemäß finden kann. Dasjenige, was in der sozialen Ordnung vorgeht, muß auf geistigem Wege gesucht werden. Und wenn es auf materialistischem Wege gesucht wird, so kann nichts weiter zustande kommen als höchstens ein Vergleich, eine Analogie des sozialen Geschehens mit den abstrakten Naturtatsachen.

[ 20 ] Vorher finden Sie in diesem Vortrage alles dasjenige, was aus dem Ahrimanischen und Luziferischen herausgeholt wird, auseinandergesetzt. Aber Sie können es ersehen aus diesem Vortrage, daß man auf die Erkenntnis der Wirklichkeit in der sozialen Krebs- oder Karzinombildung nur kommt, nicht wenn man einfach vergleicht das soziale Leben mit den Naturtatsachen, sondern wenn man aus dem Ahrimanischen und Luziferischen heraus die Tendenzen, die in der gegenwärtigen sozialen Ordnung wirken, finden kann, der Wirklichkeit gemäß finden kann. Dasjenige, was in der sozialen Ordnung vorgeht, muß auf geistigem Wege gesucht werden. Und wenn es auf materialistischem Wege gesucht wird, so kann nichts weiter zustande kommen als höchstens ein Vergleich, eine Analogie des sozialen Geschehens mit den abstrakten Naturtatsachen.

[ 21 ] Daß in der heutigen Gesellschaftsordnung eine Summe von Krebsgeschwüren waltet, das wurde dazumal ausgesprochen — die Vorträge sind datiert vom 9. bis 14. April 1914 —, aber nur ausgesprochen als zusammenfassend dasjenige, was im Grunde genommen unsere ganze anthroposophische Entwickelung hindurch von mir in den verschiedensten Formen gesagt wurde, um die Menschheit auf den Zeitpunkt vorzubereiten, wo das soziale Krebsgeschwür seine besondere Krisis erreichen würde, 1914! Jetzt erscheint ein Buch, ein an sich ziemlich wertloses, törichtes Buch, es trägt die Jahreszahl 1918, im Verlag Max Rascher in Zürich: C.F. Meray, «Weltmutation». Ich werde Ihnen einige Stellen aus diesem Buche vorlesen, dessen Verfasser ganz und gar hingeordnet ist seinem Intellekt nach auf die bloße Auffassung wirtschaftlicher Tatsachen, der daher, geradeso wie jene Vorträge über das innere Wesen des Menschen geeignet sind, die Wirklichkeit zu fördern, durch dieses Buch die Abkehr von der wahren Wirklichkeit, die Verführung zu falschem Denken fördert. Aber ich werde Ihnen einzelne Stellen aus diesem Buche mitteilen. Es wird ja versucht, bloß durch Analogien, durch Vergleiche mit Naturtatsachen, die Entwickelung der europäischen und amerikanischen Zivilisation zu begreifen. Während Sie in meinen Vorträgen von 1914 Wirklichkeit haben, haben Sie hier abstrakte monistische Vergleiche, bloße Analogien, die nichts eigentlich besagen, weil man im Grunde, wenn man bloß von Naturtatsachen redet und dann darauf hinweist, daß so etwas in der sozialen Ordnung auch da ist, nichts versteht von der sozialen Ordnung, sondern nur durch Analogie darauf hinweist, und das Verständnis eher verdunkelt als aufhellt. Aber was kommt dabei zustande? Es wird gezeigt, wie allmählich in das abendländische Kulturleben schon seit der Antike Zersetzungskeime eingetreten sind, wie die Zivilisation innerlich angefressen worden ist. Und solch ein Aperçu wird dann zusammengefaßt in Worte wie:

[ 21 ] Daß in der heutigen Gesellschaftsordnung eine Summe von Krebsgeschwüren waltet, das wurde dazumal ausgesprochen — die Vorträge sind datiert vom 9. bis 14. April 1914 —, aber nur ausgesprochen als zusammenfassend dasjenige, was im Grunde genommen unsere ganze anthroposophische Entwickelung hindurch von mir in den verschiedensten Formen gesagt wurde, um die Menschheit auf den Zeitpunkt vorzubereiten, wo das soziale Krebsgeschwür seine besondere Krisis erreichen würde, 1914! Jetzt erscheint ein Buch, ein an sich ziemlich wertloses, törichtes Buch, es trägt die Jahreszahl 1918, im Verlag Max Rascher in Zürich: C.F. Meray, «Weltmutation». Ich werde Ihnen einige Stellen aus diesem Buche vorlesen, dessen Verfasser ganz und gar hingeordnet ist seinem Intellekt nach auf die bloße Auffassung wirtschaftlicher Tatsachen, der daher, geradeso wie jene Vorträge über das innere Wesen des Menschen geeignet sind, die Wirklichkeit zu fördern, durch dieses Buch die Abkehr von der wahren Wirklichkeit, die Verführung zu falschem Denken fördert. Aber ich werde Ihnen einzelne Stellen aus diesem Buche mitteilen. Es wird ja versucht, bloß durch Analogien, durch Vergleiche mit Naturtatsachen, die Entwickelung der europäischen und amerikanischen Zivilisation zu begreifen. Während Sie in meinen Vorträgen von 1914 Wirklichkeit haben, haben Sie hier abstrakte monistische Vergleiche, bloße Analogien, die nichts eigentlich besagen, weil man im Grunde, wenn man bloß von Naturtatsachen redet und dann darauf hinweist, daß so etwas in der sozialen Ordnung auch da ist, nichts versteht von der sozialen Ordnung, sondern nur durch Analogie darauf hinweist, und das Verständnis eher verdunkelt als aufhellt. Aber was kommt dabei zustande? Es wird gezeigt, wie allmählich in das abendländische Kulturleben schon seit der Antike Zersetzungskeime eingetreten sind, wie die Zivilisation innerlich angefressen worden ist. Und solch ein Aperçu wird dann zusammengefaßt in Worte wie:

[ 22 ] «Diese krankhaften Veränderungen begannen in den frisch aufblühenden Frührenaissancestädten, in den noch rein produktiven Stadt-Republiken des aufstrebenden Bürgertums, als sie ihre Riesenzelle von Krebs zu ernähren hatten, sich darauf einrichteten und sich so zu einem Apparate der Ernährung eines Krebsknotens umwandeln mußten....

[ 22 ] «Diese krankhaften Veränderungen begannen in den frisch aufblühenden Frührenaissancestädten, in den noch rein produktiven Stadt-Republiken des aufstrebenden Bürgertums, als sie ihre Riesenzelle von Krebs zu ernähren hatten, sich darauf einrichteten und sich so zu einem Apparate der Ernährung eines Krebsknotens umwandeln mußten....

[ 23 ] Die Entstehung dieser Einrichtung, dieser Organisation, aus der die Struktur des modernen Staates wurde, ging mit einer gleichzeitigen Umwandlung des produktiven Gewebes vor sich, die durchaus nicht als zu ihrem eigenen Leben gehörig zu betrachten ist.»

[ 23 ] Die Entstehung dieser Einrichtung, dieser Organisation, aus der die Struktur des modernen Staates wurde, ging mit einer gleichzeitigen Umwandlung des produktiven Gewebes vor sich, die durchaus nicht als zu ihrem eigenen Leben gehörig zu betrachten ist.»

[ 24 ] Er nennt das Zivilisation, die Zivilisationsordnung, ein produktives Gewebe, das heißt, er hebt nur ein Gewebe von Naturtatsachen herauf, nicht die wirkliche Geistestatsache.

[ 24 ] Er nennt das Zivilisation, die Zivilisationsordnung, ein produktives Gewebe, das heißt, er hebt nur ein Gewebe von Naturtatsachen herauf, nicht die wirkliche Geistestatsache.

[ 25 ] «Denn normalerweise können im Körper fremdartige Elemente mit einander nicht in Berührung kommen, ohne eine Entzündung hervorzurufen, — wie ja zu Beginn solche Entzündungen bei der Berührung der Soldaten des Burggrafen mit dem Bürgertum auch vorkamen (denken wir an das Glockensignal der letzteren, das sie zu Scharen rief!) — normal wäre nur das völlige Ausschneiden des Giftknotens gewesen; damit wurde auch begonnen, und das Bestreben läßt sich auch später noch verfolgen. In dem Momente aber, wo die beiden Elemente, der Krebsknoten und das arbeitende Gewebe, sich bereits ohne Entzündung vertragen konnten, entstand etwas Anormales, eine Abnormität, die sich nur unter pathologischen Bedingungen halten konnte.

[ 25 ] «Denn normalerweise können im Körper fremdartige Elemente mit einander nicht in Berührung kommen, ohne eine Entzündung hervorzurufen, — wie ja zu Beginn solche Entzündungen bei der Berührung der Soldaten des Burggrafen mit dem Bürgertum auch vorkamen (denken wir an das Glockensignal der letzteren, das sie zu Scharen rief!) — normal wäre nur das völlige Ausschneiden des Giftknotens gewesen; damit wurde auch begonnen, und das Bestreben läßt sich auch später noch verfolgen. In dem Momente aber, wo die beiden Elemente, der Krebsknoten und das arbeitende Gewebe, sich bereits ohne Entzündung vertragen konnten, entstand etwas Anormales, eine Abnormität, die sich nur unter pathologischen Bedingungen halten konnte.

[ 26 ] Solche Abnormitäten finden wir überall in den Organismen, wo Geschwülste, Geschwüre, Eiterungen, kurz fremdartige Elemente, derart umwoben werden, daß daraus keine Entzündung mehr entsteht. Das Gewebe, das sich da bildet, ist eine Deformität, die nach der Heilung zu nichts weiterem im Organismus zu gebrauchen ist. Doch während der Krankheit dient sie zum Schutze des Organismus, sie bildet eine Einrichtung, die das Krankheitsgift für den Körper unschädlich macht, wenn auch diese Bildung bisweilen hypertrophisch ins Maßlose wächst, und an sich schon eine schwere Krankheitserscheinung werden kann.

[ 26 ] Solche Abnormitäten finden wir überall in den Organismen, wo Geschwülste, Geschwüre, Eiterungen, kurz fremdartige Elemente, derart umwoben werden, daß daraus keine Entzündung mehr entsteht. Das Gewebe, das sich da bildet, ist eine Deformität, die nach der Heilung zu nichts weiterem im Organismus zu gebrauchen ist. Doch während der Krankheit dient sie zum Schutze des Organismus, sie bildet eine Einrichtung, die das Krankheitsgift für den Körper unschädlich macht, wenn auch diese Bildung bisweilen hypertrophisch ins Maßlose wächst, und an sich schon eine schwere Krankheitserscheinung werden kann.

[ 27 ] So entstand auch der moderne Staat als eine Deformität des vollständig durchwühlten, arbeitenden Lebens, bei deren Entstehung aber das ganze Gewebe zum eigenen Schutze zusammenwirken mußte, um das Böse daran zu paralysieren, und um die zersetzenden Giftwirkungen aufzuheben. Der Staat entstand dementsprechend als eine gesonderte Struktur, die zwar das produktive Leben durchflicht, er selbst aber wurde nie zur Struktur, zum Apparate der Produktivität. Das System der ganzen modernen Volkswirtschaft bildete sich eben neben dem Staate gesondert aus....

[ 27 ] So entstand auch der moderne Staat als eine Deformität des vollständig durchwühlten, arbeitenden Lebens, bei deren Entstehung aber das ganze Gewebe zum eigenen Schutze zusammenwirken mußte, um das Böse daran zu paralysieren, und um die zersetzenden Giftwirkungen aufzuheben. Der Staat entstand dementsprechend als eine gesonderte Struktur, die zwar das produktive Leben durchflicht, er selbst aber wurde nie zur Struktur, zum Apparate der Produktivität. Das System der ganzen modernen Volkswirtschaft bildete sich eben neben dem Staate gesondert aus....

[ 28 ] Die unmittelbarsten Beziehungen zum Giftknoten haben die Reichsten, die für den Umsatz ihrer Waren eines umfangreichen Schutzes bedürfen. Daher sind sie eifriger und, als Reiche, auch befähigter, dem Burgherrn eine höhere Ernährung zu geben; braucht er Geld, so sind sie es, die es ihm verschaffen; will er etwas bei der Stadt erreichen, wendet er sich an die Patrizier, wobei es im Interesse dieser selbst liegt, daß der Stadtfürst gekräftigt wird, während diejenigen, deren Stoffumsatzkreis nicht über die Mauern reicht, eine stete, natürliche Abneigung (physiologisch: eine negative chemotaktische Wirkung) gegen den Burgherrn empfinden. Sie dulden ihn eigentlich nur wegen des Schutzes des Mauerringes. Die toxische Wirkung» — das heißt: die Giftwirkung — «wandelt aber die Individualität der Patrizier nicht mehr um — oder nur selten, selten werden sie selbst kriegerische Adelige — sie gehören schon viel zu sehr dem antitoxischen, arbeitenden Gewebe an. Ihr Reichtum ist aus diesem entstanden und mit diesem verknüpft: wohl zeigt sich eine toxische Wirkung — aber nicht auf das Individuum, sondern: — auf das Protoplasma,» — und Protoplasma, das ist nun das Vermögen! — «auf das Vermögen.

[ 28 ] Die unmittelbarsten Beziehungen zum Giftknoten haben die Reichsten, die für den Umsatz ihrer Waren eines umfangreichen Schutzes bedürfen. Daher sind sie eifriger und, als Reiche, auch befähigter, dem Burgherrn eine höhere Ernährung zu geben; braucht er Geld, so sind sie es, die es ihm verschaffen; will er etwas bei der Stadt erreichen, wendet er sich an die Patrizier, wobei es im Interesse dieser selbst liegt, daß der Stadtfürst gekräftigt wird, während diejenigen, deren Stoffumsatzkreis nicht über die Mauern reicht, eine stete, natürliche Abneigung (physiologisch: eine negative chemotaktische Wirkung) gegen den Burgherrn empfinden. Sie dulden ihn eigentlich nur wegen des Schutzes des Mauerringes. Die toxische Wirkung» — das heißt: die Giftwirkung — «wandelt aber die Individualität der Patrizier nicht mehr um — oder nur selten, selten werden sie selbst kriegerische Adelige — sie gehören schon viel zu sehr dem antitoxischen, arbeitenden Gewebe an. Ihr Reichtum ist aus diesem entstanden und mit diesem verknüpft: wohl zeigt sich eine toxische Wirkung — aber nicht auf das Individuum, sondern: — auf das Protoplasma,» — und Protoplasma, das ist nun das Vermögen! — «auf das Vermögen.

[ 29 ] Während früher das Vermögen durchaus noch nicht dazu diente, als Kapital zu funktionieren, sondern nur die Reserven des Lebens und des Wohlstandes bildete, ändert sich jetzt seine Rolle: das Vermögen fängt an, Arbeitsprozesse an sich zu knüpfen.»

[ 29 ] Während früher das Vermögen durchaus noch nicht dazu diente, als Kapital zu funktionieren, sondern nur die Reserven des Lebens und des Wohlstandes bildete, ändert sich jetzt seine Rolle: das Vermögen fängt an, Arbeitsprozesse an sich zu knüpfen.»

[ 30 ] Bei dieser Stelle bitte ich Sie, sich zu erinnern, wie ich 1908 in seither auch gedruckten Vorträgen in Nürnberg darauf aufmerksam gemacht habe, wie entzogen wird dem unmittelbar persönlichen Einfluß die moderne wirtschaftliche Ordnung, und wie das Geld, das heißt, das Kapital als solches, zu arbeiten beginnt. Ich sagte: Immer mehr und mehr arbeitet sich die gegenwärtige soziale Ordnung unter ahrimanischem Einfluß so herauf, daß der eine bald unten, bald oben ist. Auf die Persönlichkeit kommt es nicht mehr an, sondern es kommt darauf an, daß das Geld als solches wirtschaftet, bald einen heraufwirft, bald wieder hinunterwirft. Die Aktie, die Kapitalanhäufung und sein Gegenpol, das Kreditwesen, dieses Apersönliche und Antipersönliche, ist dasjenige, was sich als das ahrimanische Gegenbild des Geistselbstes für die Zukunft der sozialen Ordnung entwickeln soll.

[ 30 ] Bei dieser Stelle bitte ich Sie, sich zu erinnern, wie ich 1908 in seither auch gedruckten Vorträgen in Nürnberg darauf aufmerksam gemacht habe, wie entzogen wird dem unmittelbar persönlichen Einfluß die moderne wirtschaftliche Ordnung, und wie das Geld, das heißt, das Kapital als solches, zu arbeiten beginnt. Ich sagte: Immer mehr und mehr arbeitet sich die gegenwärtige soziale Ordnung unter ahrimanischem Einfluß so herauf, daß der eine bald unten, bald oben ist. Auf die Persönlichkeit kommt es nicht mehr an, sondern es kommt darauf an, daß das Geld als solches wirtschaftet, bald einen heraufwirft, bald wieder hinunterwirft. Die Aktie, die Kapitalanhäufung und sein Gegenpol, das Kreditwesen, dieses Apersönliche und Antipersönliche, ist dasjenige, was sich als das ahrimanische Gegenbild des Geistselbstes für die Zukunft der sozialen Ordnung entwickeln soll.

[ 31 ] Das alles ist hier, in diesem Buche selbst, rein ahrimanisch ausgesprochen. Aber es besteht die Gefahr, daß so etwas, weil es auf jeder Seite mit Riesenanmerkungen aus der Naturwissenschaft auftritt, furchtbaren Respekt hervorruft. Jahre, nachdem auf die Wirklichkeit durch geisteswissenschaftliche Untersuchungen hingewiesen worden ist, tritt, sogar mit denselben Worten, für dieselbe Erscheinung dieses ahrimanische Zerrbild der Geisteswissenschaft auf. Das wird den Menschen imponieren, trotzdem es sie verführt und versucht, weil sie niemals zum Verständnis der Wirklichkeit kommen werden, wenn sie nicht die Brücke schlagen wollen zwischen rein äußerlichen, naturwissenschaftlichen Tatsachen, die hier verwendet werden, und den rein geisteswissenschaftlichen Vorgängen, die eben nur durch Geisteswissenschaft gefunden werden können. Aber so wird es sicher kommen, daß ein solches Ding, wie andere Dinge, die aufgetreten sind, die ich im Laufe der Vorträge besprochen habe, als wahre Wissenschaft hingenommen wird, während man die Wissenschaftlichkeit der Geisteswissenschaft ganz gewiß in der nächsten Zeit in der furchtbarsten Weise bekämpfen wird, in einer Weise, die Sie sich vielleicht heute gar noch nicht in ihrer Intensität vorstellen wollen.

[ 31 ] Das alles ist hier, in diesem Buche selbst, rein ahrimanisch ausgesprochen. Aber es besteht die Gefahr, daß so etwas, weil es auf jeder Seite mit Riesenanmerkungen aus der Naturwissenschaft auftritt, furchtbaren Respekt hervorruft. Jahre, nachdem auf die Wirklichkeit durch geisteswissenschaftliche Untersuchungen hingewiesen worden ist, tritt, sogar mit denselben Worten, für dieselbe Erscheinung dieses ahrimanische Zerrbild der Geisteswissenschaft auf. Das wird den Menschen imponieren, trotzdem es sie verführt und versucht, weil sie niemals zum Verständnis der Wirklichkeit kommen werden, wenn sie nicht die Brücke schlagen wollen zwischen rein äußerlichen, naturwissenschaftlichen Tatsachen, die hier verwendet werden, und den rein geisteswissenschaftlichen Vorgängen, die eben nur durch Geisteswissenschaft gefunden werden können. Aber so wird es sicher kommen, daß ein solches Ding, wie andere Dinge, die aufgetreten sind, die ich im Laufe der Vorträge besprochen habe, als wahre Wissenschaft hingenommen wird, während man die Wissenschaftlichkeit der Geisteswissenschaft ganz gewiß in der nächsten Zeit in der furchtbarsten Weise bekämpfen wird, in einer Weise, die Sie sich vielleicht heute gar noch nicht in ihrer Intensität vorstellen wollen.

[ 32 ] Diese Dinge müssen schon einmal durchschaut werden. Sie müssen um so mehr durchschaut werden, als sie ja Tatsachen betreffen, welche gerade unterhalb des Scheines der äußeren Realität liegen. Zur Einsicht in diese Tatsachen gehört schon der gute Wille, wirklich den geisteswissenschaftlichen Forschungen vernünftig und mit gesundem Menschenverstande wahrhaftig zu folgen.

[ 32 ] Diese Dinge müssen schon einmal durchschaut werden. Sie müssen um so mehr durchschaut werden, als sie ja Tatsachen betreffen, welche gerade unterhalb des Scheines der äußeren Realität liegen. Zur Einsicht in diese Tatsachen gehört schon der gute Wille, wirklich den geisteswissenschaftlichen Forschungen vernünftig und mit gesundem Menschenverstande wahrhaftig zu folgen.

[ 33 ] Entgegengesetzte Strömungen, Polaritäten, müssen im Gleichgewichte gehalten werden. Das kann nur geschehen, wenn fortwährend neue Einflüsse in das Erdengeschehen kommen, die unmittelbar von der geistigen Welt selbst ausgehen, das heißt, wenn immer neue und neue Tatsachen, welche die Welt betreffen, aus dem Geiste heraus geoffenbart werden.

[ 33 ] Entgegengesetzte Strömungen, Polaritäten, müssen im Gleichgewichte gehalten werden. Das kann nur geschehen, wenn fortwährend neue Einflüsse in das Erdengeschehen kommen, die unmittelbar von der geistigen Welt selbst ausgehen, das heißt, wenn immer neue und neue Tatsachen, welche die Welt betreffen, aus dem Geiste heraus geoffenbart werden.

[ 34 ] Als man mir einmal in Rom einen Jesuiten heranschleppte, da hatte ich über solches eine Unterredung mit ihm, obwohl ich wußte, daß es nichts nütze und daß es eigentlich ganz verlorene Liebesmühe ist, aber es geschieht ja dann aus andern Beweggründen heraus; auch da ist es nötig, auf die wahre Wirklichkeit, und nicht auf den äußeren Schein zu sehen. Ich versuchte, dem Jesuiten klarzumachen, daß er ja erstens selber eine Offenbarung des Übersinnlichen im Verlauf des Mysteriums von Golgatha und dessen, was darüber geschrieben ist, durch die inspirierten Evangelisten annehmen muß, daß die katholische Kirche, an die er ja doch auch als Jesuit glauben werde, annimmt eine fortdauernde Entwickelung des spirituellen Lebens in ihren Heiligen. Er erwiderte mir, was ja selbstverständlich war: Ja, das ist alles richtig, aber das ist aus; das darf man nicht willkürlich herbeiführen. Wolle man sich zum spirituellen Leben heute durcharbeiten, so sei dies ein teuflisches Beginnen; man dürfe das Mysterium von Golgatha, die Evangelien, das Leben der Heiligen studieren, aber man dürfe nicht, wenn man nicht dämonischen Gewalten verfallen will, irgendwie anstreben, mit der geistigen Welt in eine unmittelbare Beziehung zu kommen. — Das ist ja selbstverständlich, daß das von dieser Seite gesagt wurde. Solche Beispiele könnte ich Ihnen viele anführen.

[ 34 ] Als man mir einmal in Rom einen Jesuiten heranschleppte, da hatte ich über solches eine Unterredung mit ihm, obwohl ich wußte, daß es nichts nütze und daß es eigentlich ganz verlorene Liebesmühe ist, aber es geschieht ja dann aus andern Beweggründen heraus; auch da ist es nötig, auf die wahre Wirklichkeit, und nicht auf den äußeren Schein zu sehen. Ich versuchte, dem Jesuiten klarzumachen, daß er ja erstens selber eine Offenbarung des Übersinnlichen im Verlauf des Mysteriums von Golgatha und dessen, was darüber geschrieben ist, durch die inspirierten Evangelisten annehmen muß, daß die katholische Kirche, an die er ja doch auch als Jesuit glauben werde, annimmt eine fortdauernde Entwickelung des spirituellen Lebens in ihren Heiligen. Er erwiderte mir, was ja selbstverständlich war: Ja, das ist alles richtig, aber das ist aus; das darf man nicht willkürlich herbeiführen. Wolle man sich zum spirituellen Leben heute durcharbeiten, so sei dies ein teuflisches Beginnen; man dürfe das Mysterium von Golgatha, die Evangelien, das Leben der Heiligen studieren, aber man dürfe nicht, wenn man nicht dämonischen Gewalten verfallen will, irgendwie anstreben, mit der geistigen Welt in eine unmittelbare Beziehung zu kommen. — Das ist ja selbstverständlich, daß das von dieser Seite gesagt wurde. Solche Beispiele könnte ich Ihnen viele anführen.

[ 35 ] Von gewissen Seiten her besteht der schärfste Gegenkampf gerade gegen das Einfließen immer neuer und neuer spiritueller Wahrheiten. Selbst den uns ja gewiß nicht sympathischen Spiritismus fürchtet zum Beispiel die römisch-katholische Kirche furchtbar, weil sie in der Angst lebt, es könnte doch einmal durch ein Medium irgend etwas aus der geistigen Welt herüberkommen, was von der Kirche nicht zugegeben werden kann, weil sie bloß in ihren alten Traditionen bleiben will. Und sie fürchtet den Spiritismus, weilerja materialistische Grundlagen hat, und weil er leicht — wie sie seit Jahrzehnten her glaubt — Anhänger gewinnen kann dadurch, daß man auf einem Umwege irgend etwas eingeträufelt finden könnte aus der spirituellen Welt in die Welt, die eben die römisch-katholische Kirche beherrschen will.

[ 35 ] Von gewissen Seiten her besteht der schärfste Gegenkampf gerade gegen das Einfließen immer neuer und neuer spiritueller Wahrheiten. Selbst den uns ja gewiß nicht sympathischen Spiritismus fürchtet zum Beispiel die römisch-katholische Kirche furchtbar, weil sie in der Angst lebt, es könnte doch einmal durch ein Medium irgend etwas aus der geistigen Welt herüberkommen, was von der Kirche nicht zugegeben werden kann, weil sie bloß in ihren alten Traditionen bleiben will. Und sie fürchtet den Spiritismus, weilerja materialistische Grundlagen hat, und weil er leicht — wie sie seit Jahrzehnten her glaubt — Anhänger gewinnen kann dadurch, daß man auf einem Umwege irgend etwas eingeträufelt finden könnte aus der spirituellen Welt in die Welt, die eben die römisch-katholische Kirche beherrschen will.

[ 36 ] Nun wissen Sie ja, in den siebziger Jahren, 1879, entstand die Möglichkeit eines gewaltigen, tiefgehenden Einflusses von der geistigen Welt. Ich habe es öfter dargestellt, wie ein Geisterkampf, der vorher in den geistigen Welten stattgefunden hat, eingeflossen ist in die irdische Ordnung, in die Michael-Ordnung. Seit jener Zeit sind besondere Gelegenheiten gegeben, daß Spirituelles von den Menschen, die das wollen, aufgenommen werde. Man glaube nun nicht, daß die Eingeweihten der römisch-katholischen Kirche solche Dinge nicht wissen! Sie kennen sie natürlich; aber sie richten ihre Dämme dagegen auf. Und gerade im Zusammenhang mit der Tatsache, daß das spirituelle Leben von den geistigen Welten aus ganz besonders gefördert wird vom Jahre 1879 an, hat vorausschend die römisch-katholische Kirche das Infallibilitätsdogma aufgerichtet, um einen Damm aufzubauen durch das Infallibilitätsdogma gegen etwaigen Einfluß irgendwelcher neuer spiritueller Wahrheiten. Selbstverständlich, wenn die Leute mit Bezug auf ihre Weltanschauung nur dasjenige in sich verarbeiten dürfen, was ex cathedra von Rom aus verkündet wird in dem Lichte des Unfehlbarkeitsdogmas, so ist ein mächtiger Damm aufgerichtet gegen das Einfließen irgendwelcher spiritueller Wahrheiten, die aus der geistigen Welt selber kommen. Das ist das eine, das römische Element, welches seine Naturbedingungen in früheren Zeiten hatte und herüberbrachte aus diesen Naturbedingungen früherer Zeiten die Starrheit im Traditionellen, die Starrheit im Ausschließen desjenigen, was gerade aus den geistigen Welten an spiritueller Substantialität in die Menschenseelen einfließen könnte.

[ 36 ] Nun wissen Sie ja, in den siebziger Jahren, 1879, entstand die Möglichkeit eines gewaltigen, tiefgehenden Einflusses von der geistigen Welt. Ich habe es öfter dargestellt, wie ein Geisterkampf, der vorher in den geistigen Welten stattgefunden hat, eingeflossen ist in die irdische Ordnung, in die Michael-Ordnung. Seit jener Zeit sind besondere Gelegenheiten gegeben, daß Spirituelles von den Menschen, die das wollen, aufgenommen werde. Man glaube nun nicht, daß die Eingeweihten der römisch-katholischen Kirche solche Dinge nicht wissen! Sie kennen sie natürlich; aber sie richten ihre Dämme dagegen auf. Und gerade im Zusammenhang mit der Tatsache, daß das spirituelle Leben von den geistigen Welten aus ganz besonders gefördert wird vom Jahre 1879 an, hat vorausschend die römisch-katholische Kirche das Infallibilitätsdogma aufgerichtet, um einen Damm aufzubauen durch das Infallibilitätsdogma gegen etwaigen Einfluß irgendwelcher neuer spiritueller Wahrheiten. Selbstverständlich, wenn die Leute mit Bezug auf ihre Weltanschauung nur dasjenige in sich verarbeiten dürfen, was ex cathedra von Rom aus verkündet wird in dem Lichte des Unfehlbarkeitsdogmas, so ist ein mächtiger Damm aufgerichtet gegen das Einfließen irgendwelcher spiritueller Wahrheiten, die aus der geistigen Welt selber kommen. Das ist das eine, das römische Element, welches seine Naturbedingungen in früheren Zeiten hatte und herüberbrachte aus diesen Naturbedingungen früherer Zeiten die Starrheit im Traditionellen, die Starrheit im Ausschließen desjenigen, was gerade aus den geistigen Welten an spiritueller Substantialität in die Menschenseelen einfließen könnte.

[ 37 ] Eine andere Strömung ist in demjenigen Zentrum zu suchen, welches im hohen Grade — ungefähr in derselben Zeit, als sich von Rom aus das Infallibilitätsdogma vorbereitete — festzuhalten ist in der englischen und amerikanischen, englisch sprechenden Bevölkerung. Wir haben von diesem okkulten Zentrum in mancherlei Zusammenhängen hier schon gesprochen. Geradeso wie das Traditionelle und falsch Idealistische im Haupte bewirkt, daß Ahrimanisches sich geltend macht in dem unteren Menschen, so bewirkt, wie Sie gesehen haben, der Materialismus, daß sich Spirituelles im unteren Menschen entwickelt. Und selbstverständlich, wenn es nicht von neuen spirituellen Wahrheiten, die sich von Zeit zu Zeit der Welt enthüllen, genährt wird vom Haupte des Menschen, dann wird es von luziferischen Kräften, von luziferischen Prinzipien abgefangen. Das Zentrum, das von großem Einflusse ist auf die englisch-amerikanische Bevölkerung — das ist der beste Ausdruck —, das strebt vorzugsweise dahin, mit dem andern Pol zu rechnen. Jene okkulte Maurerei, die in jenem Zentrum verankert ist, und die von diesem Zentrum aus einen großen Einfluß hat auf den Gang der äußeren Kultur der ganzen zivilisierten Welt, die befördert ebenso — und zwar die Dinge durchschauend — den Materialismus, wie ihn Rom durch die Unfehlbarkeit des Papstes befördert hat. Rom hat durch die Unfehlbarkeit einen Damm aufrichten wollen gegen das Hereinfließen von spirituellen Wahrheiten aus den geistigen Welten; jenes Zentrum fördert in bewußter Weise in der modernen Kulturwelt die Ausbreitung des Materialismus, die Ausbreitung materialistischer Vorstellungen in einer mehr oder weniger materialistischen Lebensführung. Und das Eigenartige dieser Erscheinung ist, daß in der Regel, wenn die anglo-amerikanischen Eingeweihten über Rom sprechen, sie das Richtige sagen; und wenn sie noch so schimpfen über Rom, so sagen die das Richtige. Sie wissen aber auch, daß es ein spirituelles Leben und die Möglichkeit eines fortdauernden Einflusses gibt, aber sie halten das geheim und lassen es nur durch unbekannte Kanäle in die Zivilisation einfließen. Und die nicht englischsprechende Bevölkerung innerhalb der zivilisierten Welt hat in den letzten Jahrzehnten — man kann sagen, in dem letzten halben Jahrhunderte — in ausgiebigstem Maße dasjenige aufgenommen, was dort durch jenes Zentrum eingeflossen ist. Denn die andern Kulturen sind keineswegs in ihrer gegenwärtigen Struktur Eigenkulturen, sondern sie sind vielfach genährt von jener materialistischen Tendenz, die aus jenem Zentrum stammt.

[ 37 ] Eine andere Strömung ist in demjenigen Zentrum zu suchen, welches im hohen Grade — ungefähr in derselben Zeit, als sich von Rom aus das Infallibilitätsdogma vorbereitete — festzuhalten ist in der englischen und amerikanischen, englisch sprechenden Bevölkerung. Wir haben von diesem okkulten Zentrum in mancherlei Zusammenhängen hier schon gesprochen. Geradeso wie das Traditionelle und falsch Idealistische im Haupte bewirkt, daß Ahrimanisches sich geltend macht in dem unteren Menschen, so bewirkt, wie Sie gesehen haben, der Materialismus, daß sich Spirituelles im unteren Menschen entwickelt. Und selbstverständlich, wenn es nicht von neuen spirituellen Wahrheiten, die sich von Zeit zu Zeit der Welt enthüllen, genährt wird vom Haupte des Menschen, dann wird es von luziferischen Kräften, von luziferischen Prinzipien abgefangen. Das Zentrum, das von großem Einflusse ist auf die englisch-amerikanische Bevölkerung — das ist der beste Ausdruck —, das strebt vorzugsweise dahin, mit dem andern Pol zu rechnen. Jene okkulte Maurerei, die in jenem Zentrum verankert ist, und die von diesem Zentrum aus einen großen Einfluß hat auf den Gang der äußeren Kultur der ganzen zivilisierten Welt, die befördert ebenso — und zwar die Dinge durchschauend — den Materialismus, wie ihn Rom durch die Unfehlbarkeit des Papstes befördert hat. Rom hat durch die Unfehlbarkeit einen Damm aufrichten wollen gegen das Hereinfließen von spirituellen Wahrheiten aus den geistigen Welten; jenes Zentrum fördert in bewußter Weise in der modernen Kulturwelt die Ausbreitung des Materialismus, die Ausbreitung materialistischer Vorstellungen in einer mehr oder weniger materialistischen Lebensführung. Und das Eigenartige dieser Erscheinung ist, daß in der Regel, wenn die anglo-amerikanischen Eingeweihten über Rom sprechen, sie das Richtige sagen; und wenn sie noch so schimpfen über Rom, so sagen die das Richtige. Sie wissen aber auch, daß es ein spirituelles Leben und die Möglichkeit eines fortdauernden Einflusses gibt, aber sie halten das geheim und lassen es nur durch unbekannte Kanäle in die Zivilisation einfließen. Und die nicht englischsprechende Bevölkerung innerhalb der zivilisierten Welt hat in den letzten Jahrzehnten — man kann sagen, in dem letzten halben Jahrhunderte — in ausgiebigstem Maße dasjenige aufgenommen, was dort durch jenes Zentrum eingeflossen ist. Denn die andern Kulturen sind keineswegs in ihrer gegenwärtigen Struktur Eigenkulturen, sondern sie sind vielfach genährt von jener materialistischen Tendenz, die aus jenem Zentrum stammt.

[ 38 ] Und wiederum, wenn Rom über jenes Zentrum, über das okkulte Freimaurertum, die Orden, spricht, so sagt es Richtiges. So daß man sagen kann: Von Rom wird Richtiges gesagt, von dem okkulten Freimaurertum der westlichen Länder wird auch Richtiges gesagt. Das ist eben gerade die Schwierigkeit, daß diese Dinge in der Wirklichkeit im eminentesten Sinne das Menschenwesen entweder nach der luziferischen oder ahrimanischen Seite werfend sein können, daß sie aber durchaus in dem, was sie aussagen, nicht anzugreifen sind, weil sie das Richtige sagen. Wenn sie über die andern reden, sagen sie das Richtige!

[ 38 ] Und wiederum, wenn Rom über jenes Zentrum, über das okkulte Freimaurertum, die Orden, spricht, so sagt es Richtiges. So daß man sagen kann: Von Rom wird Richtiges gesagt, von dem okkulten Freimaurertum der westlichen Länder wird auch Richtiges gesagt. Das ist eben gerade die Schwierigkeit, daß diese Dinge in der Wirklichkeit im eminentesten Sinne das Menschenwesen entweder nach der luziferischen oder ahrimanischen Seite werfend sein können, daß sie aber durchaus in dem, was sie aussagen, nicht anzugreifen sind, weil sie das Richtige sagen. Wenn sie über die andern reden, sagen sie das Richtige!

[ 39 ] Das ist ein Faktum, das man innerhalb der gegenwärtigen Kulturtendenzen sehr wohl und sehr gründlich ins Auge zu fassen hat. Denn die gegenwärtige Menschheit ist eben einmal geneigt, nicht auf dasjenige zu schauen, was aus irgendeiner Sache wird, sondern immer auf dasjenige, was dem Worte nach in irgendeiner Propaganda ausgesprochen wird. Aber auf den Wortlaut dieser oder jener Propaganda kommt es eben gar nicht an, sondern es sollte durch den Materialismus in der Vorstellungswelt auch die untere Natur des Menschen materialistisch gemacht werden; nun wird diese aber gerade dadurch spiritualisiert. Und es müßte darauf ankommen, durch einen abstrakten Idealismus im Reden von allen möglichen schönen moralischen Idealen den Menschen moralischer zu machen; man macht ihn aber, verzeihen Sie — in übertragenem Sinne gebraucht —, fettleibig, materialistisch in seiner niederen Natur; man macht ihn dumpf und schläfrig. Und während auf der einen Seite die starke Tendenz besteht, den Menschen ahrimanisch zu sklerotisieren, und dieses insbesondere jesuitische Tendenz ist, besteht auf der andern Seite die entschiedene Tendenz, die luziferischen Wesenheiten in den Dienst der materialistischen Weltenordnung zu stellen, damit eben durch den Materialismus eine Geistigkeit, eine Spiritualisierung, die aber luziferisch orientiert ist, herauskomme. Es genügt eben wirklich nicht, wenn man nur dasjenige, was sich an der Oberfläche abspielt, ins Auge faßt seinem wortwörtlichen Sinne nach, sondern man muß eingehen auf die wahre Wirklichkeit, die — wie gerade unsere Fälle heute zeigen, so paradox sie sich ausnehmen — oftmals das gerade Gegenteil von dem bezwecken, was man nach oberflächlicher Maja-Anschauung geneigt ist zu glauben. Gegenwärtig ist es schon so, daß von den verschiedensten Seiten in der Welt gearbeitet wird nach dem Grundsatze der okkulten Orden, aber die Sache geheimgehalten wird. Es arbeitet sowohl Rom nach okkulter Ordnung, wie auch jenes andere Zentrum nach okkulter Ordnung arbeitet. Aber die Macht liegt gerade darinnen, daß die Menschen in der Dumpfheit gehalten werden, und es ihnen nicht gesagt wird, was eigentlich geschieht. Daher auch der Haß und die Feindschaft gegen diejenigen, die dann auftreten und ihnen sagen, was geschieht. Und besonders schädlich ist die Naivität, der sich manche Menschen hingeben, jene Naivität, die immer wieder und wiederum glaubt, man erreicht etwas gerade bei den angedeuteten Strömungen, wenn man ihnen zeigt: Aus unserer spirituellen Wissenschaft folgt eine schöne Auffassung über den Christus Jesus — oder dergleichen, wenn man ihnen zeigt, wie ja die tieferen Wahrheiten der Geisteswissenschaft im wahren Christentum zu finden sind. Es ist eine Naivität, wenn man glaubt, gewisse Kreise dadurch zu gewinnen, daß man zeigt, man habe eine Wahrheit, die sie eigentlich nach ihren ganzen Voraussetzungen anerkennen müßten. Das ruft ja gerade die Gegnerschaft hervor! Je mehr wir zeigen in gewissen Kreisen, daß wir die Wahrheit haben, desto schlimmer die Gegnerschaft, und je mehr sich diese Wahrheit als wirksam erweist, desto intensiver wird jene erscheinen. Man hat in den letzten Zeiten nur gewartet, ob der Moment kommen wird, wo die anthroposophischen Bücher eine größere Auflage erleben, wo doch tausende und tausende von Menschen auf Anthroposophie hören, um von gewisser Seite — nicht weil man glaubt, daß Anthroposophie die Unwahrheit sagt, sondern weil man fürchtet, daß Anthroposophie die Wahrheit sagen werde — diese Anthroposophie anzugreifen. Das ist es, was ins Auge gefaßt werden muß. Keine Naivität sollte gerade auf unserem Boden walten, sondern durchdringende Erkenntnis, vorurteilsloses, unbefangenes Anschauen dessen, was geschieht.

[ 39 ] Das ist ein Faktum, das man innerhalb der gegenwärtigen Kulturtendenzen sehr wohl und sehr gründlich ins Auge zu fassen hat. Denn die gegenwärtige Menschheit ist eben einmal geneigt, nicht auf dasjenige zu schauen, was aus irgendeiner Sache wird, sondern immer auf dasjenige, was dem Worte nach in irgendeiner Propaganda ausgesprochen wird. Aber auf den Wortlaut dieser oder jener Propaganda kommt es eben gar nicht an, sondern es sollte durch den Materialismus in der Vorstellungswelt auch die untere Natur des Menschen materialistisch gemacht werden; nun wird diese aber gerade dadurch spiritualisiert. Und es müßte darauf ankommen, durch einen abstrakten Idealismus im Reden von allen möglichen schönen moralischen Idealen den Menschen moralischer zu machen; man macht ihn aber, verzeihen Sie — in übertragenem Sinne gebraucht —, fettleibig, materialistisch in seiner niederen Natur; man macht ihn dumpf und schläfrig. Und während auf der einen Seite die starke Tendenz besteht, den Menschen ahrimanisch zu sklerotisieren, und dieses insbesondere jesuitische Tendenz ist, besteht auf der andern Seite die entschiedene Tendenz, die luziferischen Wesenheiten in den Dienst der materialistischen Weltenordnung zu stellen, damit eben durch den Materialismus eine Geistigkeit, eine Spiritualisierung, die aber luziferisch orientiert ist, herauskomme. Es genügt eben wirklich nicht, wenn man nur dasjenige, was sich an der Oberfläche abspielt, ins Auge faßt seinem wortwörtlichen Sinne nach, sondern man muß eingehen auf die wahre Wirklichkeit, die — wie gerade unsere Fälle heute zeigen, so paradox sie sich ausnehmen — oftmals das gerade Gegenteil von dem bezwecken, was man nach oberflächlicher Maja-Anschauung geneigt ist zu glauben. Gegenwärtig ist es schon so, daß von den verschiedensten Seiten in der Welt gearbeitet wird nach dem Grundsatze der okkulten Orden, aber die Sache geheimgehalten wird. Es arbeitet sowohl Rom nach okkulter Ordnung, wie auch jenes andere Zentrum nach okkulter Ordnung arbeitet. Aber die Macht liegt gerade darinnen, daß die Menschen in der Dumpfheit gehalten werden, und es ihnen nicht gesagt wird, was eigentlich geschieht. Daher auch der Haß und die Feindschaft gegen diejenigen, die dann auftreten und ihnen sagen, was geschieht. Und besonders schädlich ist die Naivität, der sich manche Menschen hingeben, jene Naivität, die immer wieder und wiederum glaubt, man erreicht etwas gerade bei den angedeuteten Strömungen, wenn man ihnen zeigt: Aus unserer spirituellen Wissenschaft folgt eine schöne Auffassung über den Christus Jesus — oder dergleichen, wenn man ihnen zeigt, wie ja die tieferen Wahrheiten der Geisteswissenschaft im wahren Christentum zu finden sind. Es ist eine Naivität, wenn man glaubt, gewisse Kreise dadurch zu gewinnen, daß man zeigt, man habe eine Wahrheit, die sie eigentlich nach ihren ganzen Voraussetzungen anerkennen müßten. Das ruft ja gerade die Gegnerschaft hervor! Je mehr wir zeigen in gewissen Kreisen, daß wir die Wahrheit haben, desto schlimmer die Gegnerschaft, und je mehr sich diese Wahrheit als wirksam erweist, desto intensiver wird jene erscheinen. Man hat in den letzten Zeiten nur gewartet, ob der Moment kommen wird, wo die anthroposophischen Bücher eine größere Auflage erleben, wo doch tausende und tausende von Menschen auf Anthroposophie hören, um von gewisser Seite — nicht weil man glaubt, daß Anthroposophie die Unwahrheit sagt, sondern weil man fürchtet, daß Anthroposophie die Wahrheit sagen werde — diese Anthroposophie anzugreifen. Das ist es, was ins Auge gefaßt werden muß. Keine Naivität sollte gerade auf unserem Boden walten, sondern durchdringende Erkenntnis, vorurteilsloses, unbefangenes Anschauen dessen, was geschieht.

[ 40 ] Gerne hätte ich, daß Sie aus diesem Vortrage eine Empfindung davon mitnehmen würden; denn noch einmal sei wiederholt, was ich im Eingange des heutigen Vortrages sagte: Nicht so sehr auf die Einzelheiten kommt es an, sondern darauf, daß wir eine Gesamtempfindung von dem, was im ganzen Geiste dieser Vorträge steckt, erhalten und dann uns immer fähiger und fähiger machen, uns in die Gegenwartskultur und in das Gegenwartsleben so hineinzustellen, wie es einem in der Gegenwart richtig wachenden, nicht schlafenden Menschen entspricht. Davon dann das nächste Mal weiter.

[ 40 ] Gerne hätte ich, daß Sie aus diesem Vortrage eine Empfindung davon mitnehmen würden; denn noch einmal sei wiederholt, was ich im Eingange des heutigen Vortrages sagte: Nicht so sehr auf die Einzelheiten kommt es an, sondern darauf, daß wir eine Gesamtempfindung von dem, was im ganzen Geiste dieser Vorträge steckt, erhalten und dann uns immer fähiger und fähiger machen, uns in die Gegenwartskultur und in das Gegenwartsleben so hineinzustellen, wie es einem in der Gegenwart richtig wachenden, nicht schlafenden Menschen entspricht. Davon dann das nächste Mal weiter.