The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184
5 October 1918, Dornach
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Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben
Elfter Vortrag
Elfter Vortrag
[ 1 ] Aus den mannigfaltigsten Andeutungen und Ausführungen, die ich über das Christus-Mysterium gemacht habe, werden Sie haben entnehmen können, daß man zu unterscheiden hat zwischen demjenigen, was im allgemeinen Entwickelungsgang der Menschheit gelegen hatte zur Zeit dieses Mysteriums von Golgatha, und dem, was durch das Mysterium von Golgatha in diese Menschheitsentwickelung hineingekommen war. Nach der Art, wie wir jetzt die Menschheitsentwickelung kennengelernt haben, wissen Sie, daß wir es zu tun haben mit einer fortlaufenden Strömung von Kräften, die von den Wesenheiten der höheren Hierarchien herrühren und die zur ureigenen Natur des Menschen gehören, und mit zwei seitlichen Strömungen, mit der luziferischen und der ahrimanischen Strömung.
[ 1 ] Aus den mannigfaltigsten Andeutungen und Ausführungen, die ich über das Christus-Mysterium gemacht habe, werden Sie haben entnehmen können, daß man zu unterscheiden hat zwischen demjenigen, was im allgemeinen Entwickelungsgang der Menschheit gelegen hatte zur Zeit dieses Mysteriums von Golgatha, und dem, was durch das Mysterium von Golgatha in diese Menschheitsentwickelung hineingekommen war. Nach der Art, wie wir jetzt die Menschheitsentwickelung kennengelernt haben, wissen Sie, daß wir es zu tun haben mit einer fortlaufenden Strömung von Kräften, die von den Wesenheiten der höheren Hierarchien herrühren und die zur ureigenen Natur des Menschen gehören, und mit zwei seitlichen Strömungen, mit der luziferischen und der ahrimanischen Strömung.
[ 2 ] Nun handelt es sich darum, daß die luziferische und die ahrimanische Strömung gewissermaßen ihren Höhepunkt, den Höhepunkt ihres nützlichen Wirkens innerhalb der Menschheitsentwickelung gerade zur Zeit des Mysteriums von Golgatha erreicht haben, und in gewissem Sinne, wenn man den Ausdruck gebrauchen darf, der Menschheit Gefahr drohte, daß dieser Höhepunkt überschritten werde und dadurch das notwendige Gleichgewicht zwischen dem ahrimanischen Wirken und dem luziferischen Wirken für die ganze Menschheitsentwickelung verlorengehen könnte. Im Laufe dieser Menschheitsentwickelung trat ja folgendes zutage. Betrachten wir die fortschreitende Menschheitsentwickelung als eine gerade Linie (siehe Zeichnung $.220), so können wir sagen, dieser fortschreitenden Menschheitsentwickelung gehören an — wir wollen beginnen mit der lemurischen Zeit — das lemurische Zeitalter, das atlantische Zeitalter und unser Zeitalter, das fünfte, wie immer wir das bezeichnen, das nachatlantische Zeitalter. Wenn ich als rote Linie einzeichne die Stärke der luziferischen Wirkung, so kann man diese etwa so einzeichnen. Man kann sagen, im lemurischen Zeitalter ist eine gewisse Stärke da, die wächst, nimmt dann wiederum ab, und diese luziferische Stärke wird sehr gering und geht dann ganz unter im atlantischen Zeitalter, um im nachatlantischen Zeitalter sich wiederum zu erheben. So daß im atlantischen Zeitalter im Grunde genommen — also ich rede jetzt nicht vom einzelnen Menschen, sondern ich rede von der Menschheitsentwickelung — in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit wenig vom unmittelbaren Einflusse des Luziferischen da ist (siehe Zeichnung, rot).
[ 2 ] Nun handelt es sich darum, daß die luziferische und die ahrimanische Strömung gewissermaßen ihren Höhepunkt, den Höhepunkt ihres nützlichen Wirkens innerhalb der Menschheitsentwickelung gerade zur Zeit des Mysteriums von Golgatha erreicht haben, und in gewissem Sinne, wenn man den Ausdruck gebrauchen darf, der Menschheit Gefahr drohte, daß dieser Höhepunkt überschritten werde und dadurch das notwendige Gleichgewicht zwischen dem ahrimanischen Wirken und dem luziferischen Wirken für die ganze Menschheitsentwickelung verlorengehen könnte. Im Laufe dieser Menschheitsentwickelung trat ja folgendes zutage. Betrachten wir die fortschreitende Menschheitsentwickelung als eine gerade Linie (siehe Zeichnung $.220), so können wir sagen, dieser fortschreitenden Menschheitsentwickelung gehören an — wir wollen beginnen mit der lemurischen Zeit — das lemurische Zeitalter, das atlantische Zeitalter und unser Zeitalter, das fünfte, wie immer wir das bezeichnen, das nachatlantische Zeitalter. Wenn ich als rote Linie einzeichne die Stärke der luziferischen Wirkung, so kann man diese etwa so einzeichnen. Man kann sagen, im lemurischen Zeitalter ist eine gewisse Stärke da, die wächst, nimmt dann wiederum ab, und diese luziferische Stärke wird sehr gering und geht dann ganz unter im atlantischen Zeitalter, um im nachatlantischen Zeitalter sich wiederum zu erheben. So daß im atlantischen Zeitalter im Grunde genommen — also ich rede jetzt nicht vom einzelnen Menschen, sondern ich rede von der Menschheitsentwickelung — in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit wenig vom unmittelbaren Einflusse des Luziferischen da ist (siehe Zeichnung, rot).


[ 3 ] Dafür aber war in diesem Zeitalter die ahrimanische Entwickelung, was ich einzeichne mit einer gelben Linie, und ich müßte diese so zeichnen, daß sie besonders im atlantischen Zeitalter stark ist und hier, nachatlantische Zeit, wiederum schwächer wird — ich rede jetzt von der geschichtlichen Entwickelung — und wir müssen uns klar sein, daß wir, wenn wir so etwas charakterisieren, immer das berücksichtigen müssen, was ich neulich einmal gesagt habe: Wenn Luzifer besonders stark wirkt, so ruft er im Unterbewußtsein Ahriman hervor. Also wenn in unserem fünften Zeitalter die luziferische Kurve besonders da ist, so bedeutet das nicht, daß, weil Luzifer besonders wirkt, etwa Ahriman außerhalb unseres Kreises liege; im Gegenteil, es gilt gerade, daß, weil Luzifer unter den historischen Kräften stark wirkt, Ahriman in den unterbewußten Regionen des Menschen besonders sein Wesen treibt.
[ 3 ] Dafür aber war in diesem Zeitalter die ahrimanische Entwickelung, was ich einzeichne mit einer gelben Linie, und ich müßte diese so zeichnen, daß sie besonders im atlantischen Zeitalter stark ist und hier, nachatlantische Zeit, wiederum schwächer wird — ich rede jetzt von der geschichtlichen Entwickelung — und wir müssen uns klar sein, daß wir, wenn wir so etwas charakterisieren, immer das berücksichtigen müssen, was ich neulich einmal gesagt habe: Wenn Luzifer besonders stark wirkt, so ruft er im Unterbewußtsein Ahriman hervor. Also wenn in unserem fünften Zeitalter die luziferische Kurve besonders da ist, so bedeutet das nicht, daß, weil Luzifer besonders wirkt, etwa Ahriman außerhalb unseres Kreises liege; im Gegenteil, es gilt gerade, daß, weil Luzifer unter den historischen Kräften stark wirkt, Ahriman in den unterbewußten Regionen des Menschen besonders sein Wesen treibt.
[ 4 ] Sie sehen also, es ist eine Art Wellenlinie sowohl für ahrimanisches Wirken wie für luziferisches Wirken im Verlauf der menschlichen Erdenentwickelung da. Aus den beiden Stärken des Ahrimanischen und Luziferischen muß ein Gleichgewichtszustand hergestellt werden. Dieser Gleichgewichtszustand ist nun in der geschichtlichen Entwickelung niemals ein vollkommener gewesen. Es gab Zeiten, in denen die luziferischen Wirkungen sehr stark waren, Zeiten, in denen die ahrimanischen Wirkungen sehr stark waren.
[ 4 ] Sie sehen also, es ist eine Art Wellenlinie sowohl für ahrimanisches Wirken wie für luziferisches Wirken im Verlauf der menschlichen Erdenentwickelung da. Aus den beiden Stärken des Ahrimanischen und Luziferischen muß ein Gleichgewichtszustand hergestellt werden. Dieser Gleichgewichtszustand ist nun in der geschichtlichen Entwickelung niemals ein vollkommener gewesen. Es gab Zeiten, in denen die luziferischen Wirkungen sehr stark waren, Zeiten, in denen die ahrimanischen Wirkungen sehr stark waren.


[ 5 ] Wenn wir das Zeitalter der menschlichen Entwickelung ins Auge fassen, in dem sich die Menschheit dem Mysterium von Golgatha näherte, da finden wir, daß der Gleichgewichtszustand zwischen dem luziferischen und ahrimanischen Kräftewesen ein außerordentlich labiler ist, ein schwankender ist, kein rechtes Gleichgewicht eigentlich da ist. Wir haben auf der einen Seite jene Menschheitsströmung, die sich dem Mysterium von Golgatha zu bewegt, und die uns historisch erscheint in der Entwickelung der semitischen Völker. Diese Menschheitsströmung ist insbesondere zugänglich für das luziferische Wesen, wodurch ahrimanische Wirkungen stark im Unterbewußten erzeugt werden.
[ 5 ] Wenn wir das Zeitalter der menschlichen Entwickelung ins Auge fassen, in dem sich die Menschheit dem Mysterium von Golgatha näherte, da finden wir, daß der Gleichgewichtszustand zwischen dem luziferischen und ahrimanischen Kräftewesen ein außerordentlich labiler ist, ein schwankender ist, kein rechtes Gleichgewicht eigentlich da ist. Wir haben auf der einen Seite jene Menschheitsströmung, die sich dem Mysterium von Golgatha zu bewegt, und die uns historisch erscheint in der Entwickelung der semitischen Völker. Diese Menschheitsströmung ist insbesondere zugänglich für das luziferische Wesen, wodurch ahrimanische Wirkungen stark im Unterbewußten erzeugt werden.
[ 6 ] Dagegen das griechische Wesen ist stark zugänglich für die historischen ahrimanischen Kräfte, wodurch starke luziferische Wirkungen im Unterbewußten erzeugt werden. Man versteht die semitische und die griechische Kultur, die ja polarische Gegensätze sind, nur dann vollständig, wenn man dies Schwanken in der Weltentwickelung des Menschen zwischen Ahrimanischem und Luziferischem gehörig ins Auge faßt. Aber für die abendländische Bevölkerung war in der Zeit, in der also von auswärts das Mysterium in die Erdenentwickelung hereinfiel, der Einfluß des Griechentums ein ganz ungeheuer bedeutsamer. Dieser Einfluß des Griechentums, er war aber schon im Abnehmen, besser gesagt, er hatte seinen Höhepunkt überschritten. Dem Griechentum drohte eine absteigende Entwickelung. Und diese absteigende Entwickelung, die dem Griechentum drohte, die kann man so ausdrücken, daß man sagt: Die Griechen haben gerade durch den ahrimanischen Einschlag, den sie gehabt haben, der sich in ihrer Kunst als luziferisches Element kundgab, eine hohe Weisheit entwickelt. Und diese Weisheit, sie hat, wie wir öfter charakterisiert haben, einen sehr individuellen, menschlich individuellen Charakter angenommen. Aber sie war im Grunde genommen am größten da, wo noch hereinleuchtet in die griechische Weisheit aus uralten Zeiten dasjenige, was geistige Wesen selber die Menschen gelehrt hatten.
[ 6 ] Dagegen das griechische Wesen ist stark zugänglich für die historischen ahrimanischen Kräfte, wodurch starke luziferische Wirkungen im Unterbewußten erzeugt werden. Man versteht die semitische und die griechische Kultur, die ja polarische Gegensätze sind, nur dann vollständig, wenn man dies Schwanken in der Weltentwickelung des Menschen zwischen Ahrimanischem und Luziferischem gehörig ins Auge faßt. Aber für die abendländische Bevölkerung war in der Zeit, in der also von auswärts das Mysterium in die Erdenentwickelung hereinfiel, der Einfluß des Griechentums ein ganz ungeheuer bedeutsamer. Dieser Einfluß des Griechentums, er war aber schon im Abnehmen, besser gesagt, er hatte seinen Höhepunkt überschritten. Dem Griechentum drohte eine absteigende Entwickelung. Und diese absteigende Entwickelung, die dem Griechentum drohte, die kann man so ausdrücken, daß man sagt: Die Griechen haben gerade durch den ahrimanischen Einschlag, den sie gehabt haben, der sich in ihrer Kunst als luziferisches Element kundgab, eine hohe Weisheit entwickelt. Und diese Weisheit, sie hat, wie wir öfter charakterisiert haben, einen sehr individuellen, menschlich individuellen Charakter angenommen. Aber sie war im Grunde genommen am größten da, wo noch hereinleuchtet in die griechische Weisheit aus uralten Zeiten dasjenige, was geistige Wesen selber die Menschen gelehrt hatten.
[ 7 ] Wir wissen ja, daß in Urzeiten die Lehrer der Menschheit unmittelbar aus der geistigen Welt heraus Inspirierte, Initiierte waren. Durch solche aber haben die geistigen Wesenheiten der Welt selber gesprochen, und wir können, wenn wir in uralte Zeiten der Menschheitsentwickelung noch in dem Beginne des fünften Zeitalters zurückblicken, auf eine wunderbare Urweisheit blicken. Die war gewissermaßen in Begriffen und Ideen so geläutert, daß sie sich in diesen Begriffen und Ideen dem Menschenwesen angepaßt hatte. Während sie in früheren Zeiten durch die großen Eingeweihten in mehr bildlicher, imaginativer Form verkündet worden war, war sie durch die Griechen in Ideen, in Begriffe gefaßt worden, hatte sich dadurch den Menschen angepaßt. Aber dasjenige, was eigentlich bewundernswürdig an den Griechen ist, dasjenige, was selbst noch die Philosophie des Plato durchtönt, das ist noch ein Nachklang jener Urweisheit, welche die Menschheit, ich möchte sagen, aus dem Munde der Götter selber empfangen hat. Aber diese Weisheit drohte den Menschen verlorenzugehen.
[ 7 ] Wir wissen ja, daß in Urzeiten die Lehrer der Menschheit unmittelbar aus der geistigen Welt heraus Inspirierte, Initiierte waren. Durch solche aber haben die geistigen Wesenheiten der Welt selber gesprochen, und wir können, wenn wir in uralte Zeiten der Menschheitsentwickelung noch in dem Beginne des fünften Zeitalters zurückblicken, auf eine wunderbare Urweisheit blicken. Die war gewissermaßen in Begriffen und Ideen so geläutert, daß sie sich in diesen Begriffen und Ideen dem Menschenwesen angepaßt hatte. Während sie in früheren Zeiten durch die großen Eingeweihten in mehr bildlicher, imaginativer Form verkündet worden war, war sie durch die Griechen in Ideen, in Begriffe gefaßt worden, hatte sich dadurch den Menschen angepaßt. Aber dasjenige, was eigentlich bewundernswürdig an den Griechen ist, dasjenige, was selbst noch die Philosophie des Plato durchtönt, das ist noch ein Nachklang jener Urweisheit, welche die Menschheit, ich möchte sagen, aus dem Munde der Götter selber empfangen hat. Aber diese Weisheit drohte den Menschen verlorenzugehen.
[ 8 ] Wenn man zurückblickt auf dasjenige Zeitalter der griechischen Geistesentwickelung, das Nierzsche das tragische Zeitalter genannt hat, dann blickt man zurück auf die großen griechischen Philosophengestalten, auf Anaxagoras, auf Heraklit, und man erblickt in ihnen, ich möchte sagen, letzte Träger der Götterweisheit, die aber schon umgesetzt ist in Ideen und Begriffe. Thales ist gewissermaßen der erste, der rein auf natürlichen Begriffen fußt; er ist schon getrennt von dem unmittelbar lebendigen Eindruck der Urweisheit der Menschheit, der noch bei Anaxagoras wahrzunehmen ist. Der Menschheit drohte nach und nach diese Urweisheit verlorenzugehen. Nun war aber aus dieser Urweisheit geflossen dasjenige, was in alten Zeiten den Menschen befähigt hat, überhaupt über den Menschen etwas zu wissen. Menschenerkenntnis, es war ja auch etwas, was die griechische und was alle Urweisheit durchtränken sollte. Die Mysterien sollten Menschenerkenntnis geben. «Erkenne dich selbst» war einer der Weisheitssprüche. Aber diese alte Menschenerkenntnis, sie war auf dem Umwege durch Luzifer vermittelt, und der Mensch erarbeitete sie durch ahrimanische Kräfte. Sie war ganz und gar gebunden an den Gleichgewichtszustand zwischen ahrimanischen und luziferischen Kräften.
[ 8 ] Wenn man zurückblickt auf dasjenige Zeitalter der griechischen Geistesentwickelung, das Nierzsche das tragische Zeitalter genannt hat, dann blickt man zurück auf die großen griechischen Philosophengestalten, auf Anaxagoras, auf Heraklit, und man erblickt in ihnen, ich möchte sagen, letzte Träger der Götterweisheit, die aber schon umgesetzt ist in Ideen und Begriffe. Thales ist gewissermaßen der erste, der rein auf natürlichen Begriffen fußt; er ist schon getrennt von dem unmittelbar lebendigen Eindruck der Urweisheit der Menschheit, der noch bei Anaxagoras wahrzunehmen ist. Der Menschheit drohte nach und nach diese Urweisheit verlorenzugehen. Nun war aber aus dieser Urweisheit geflossen dasjenige, was in alten Zeiten den Menschen befähigt hat, überhaupt über den Menschen etwas zu wissen. Menschenerkenntnis, es war ja auch etwas, was die griechische und was alle Urweisheit durchtränken sollte. Die Mysterien sollten Menschenerkenntnis geben. «Erkenne dich selbst» war einer der Weisheitssprüche. Aber diese alte Menschenerkenntnis, sie war auf dem Umwege durch Luzifer vermittelt, und der Mensch erarbeitete sie durch ahrimanische Kräfte. Sie war ganz und gar gebunden an den Gleichgewichtszustand zwischen ahrimanischen und luziferischen Kräften.
[ 9 ] Nun stellte sich zur Zeit, als die alte Welt zu Ende ging, als von der andern Seite her das Mysterium von Golgatha kam, für die Menschheit ein leichter Überschuß ein an ahrimanischen Kräften. Die ahrimanischen Kräfte waren damals besonders stark. Jetzt, seit dem 16. Jahrhundert, ist wiederum etwas Ähnliches der Fall, eine Art Renaissance der ahrimanischen Kräfte. Aber in jener Zeit waren die ahrimanischen Kräfte eben besonders stark, in welcher das Mysterium von Golgatha hereinkam. Und durch die Stärke dieser ahrimanischen Kräfte wurde namentlich das bewirkt, daß das menschliche Seelenleben nach der Abstraktheit hingetrieben wurde, bis zu jener Abstraktheit, die uns dann im römischen Wesen entgegentritt, welches durch und durch abstrakt ist. Man muß sich fragen: Was wäre mit der Menschheit geschehen, wenn nur in dieser hier eben charakterisierten Entwickelungsströmung der Entwickelungsgang fortgegangen wäre, wenn nicht das Mysterium von Golgatha gekommen wäre? Das wäre eingetreten, daß der Mensch nicht mehr hätte einen Begriff, eine Vorstellung, eine Empfindung fassen können von der menschlichen Persönlichkeit selbst.
[ 9 ] Nun stellte sich zur Zeit, als die alte Welt zu Ende ging, als von der andern Seite her das Mysterium von Golgatha kam, für die Menschheit ein leichter Überschuß ein an ahrimanischen Kräften. Die ahrimanischen Kräfte waren damals besonders stark. Jetzt, seit dem 16. Jahrhundert, ist wiederum etwas Ähnliches der Fall, eine Art Renaissance der ahrimanischen Kräfte. Aber in jener Zeit waren die ahrimanischen Kräfte eben besonders stark, in welcher das Mysterium von Golgatha hereinkam. Und durch die Stärke dieser ahrimanischen Kräfte wurde namentlich das bewirkt, daß das menschliche Seelenleben nach der Abstraktheit hingetrieben wurde, bis zu jener Abstraktheit, die uns dann im römischen Wesen entgegentritt, welches durch und durch abstrakt ist. Man muß sich fragen: Was wäre mit der Menschheit geschehen, wenn nur in dieser hier eben charakterisierten Entwickelungsströmung der Entwickelungsgang fortgegangen wäre, wenn nicht das Mysterium von Golgatha gekommen wäre? Das wäre eingetreten, daß der Mensch nicht mehr hätte einen Begriff, eine Vorstellung, eine Empfindung fassen können von der menschlichen Persönlichkeit selbst.
[ 10 ] Damit ist außerordentlich Bedeutsames gesagt. Das drohte den Menschen, weil ihnen nichts mehr auf dem Wege von den Göttern her gesagt werden konnte, weil selbst die Traditionen verlorengegangen waren von diesem Götterwege der Weisheit über die Persönlichkeit, daß sie sich selber immer mehr und mehr ein Rätsel werden sollten. Man muß diese Wahrheit in ihrer ganzen Stärke fühlen: Ohne das Mysterium von Golgatha hätte den Menschen gedroht, daß sie sich immer mehr und mehr ein Rätsel geworden wären. Die Menschen hätten Weisheit erringen können, aber nur über die Natur, nicht über sich. Und sie hätten allmählich vergessen müssen, daß sie aus dem Geiste geboren sind. Sie hätten das vollständig verlernen müssen.
[ 10 ] Damit ist außerordentlich Bedeutsames gesagt. Das drohte den Menschen, weil ihnen nichts mehr auf dem Wege von den Göttern her gesagt werden konnte, weil selbst die Traditionen verlorengegangen waren von diesem Götterwege der Weisheit über die Persönlichkeit, daß sie sich selber immer mehr und mehr ein Rätsel werden sollten. Man muß diese Wahrheit in ihrer ganzen Stärke fühlen: Ohne das Mysterium von Golgatha hätte den Menschen gedroht, daß sie sich immer mehr und mehr ein Rätsel geworden wären. Die Menschen hätten Weisheit erringen können, aber nur über die Natur, nicht über sich. Und sie hätten allmählich vergessen müssen, daß sie aus dem Geiste geboren sind. Sie hätten das vollständig verlernen müssen.
[ 11 ] Da kam das Mysterium von Golgatha. Und von den verschiedensten Gesichtspunkten, von denen aus man das Mysterium von Golgatha charakterisieren kann, ist auch der eine Gesichtspunkt zu beachten, daß durch den Einschlag des Mysteriums von Golgatha den Menschen die Fähigkeit wiederum gebracht worden ist, aus geistigen Höhen, die ihnen vom irdischen Felde aus verlorengegangen waren, sich als Persönlichkeit zu fassen. Der Christus-Impuls brachte den Menschen die Möglichkeit, sich wiederum als Persönlichkeit zu fassen, aber jetzt als Persönlichkeit sich zu fassen durch innere Kräfte.
[ 11 ] Da kam das Mysterium von Golgatha. Und von den verschiedensten Gesichtspunkten, von denen aus man das Mysterium von Golgatha charakterisieren kann, ist auch der eine Gesichtspunkt zu beachten, daß durch den Einschlag des Mysteriums von Golgatha den Menschen die Fähigkeit wiederum gebracht worden ist, aus geistigen Höhen, die ihnen vom irdischen Felde aus verlorengegangen waren, sich als Persönlichkeit zu fassen. Der Christus-Impuls brachte den Menschen die Möglichkeit, sich wiederum als Persönlichkeit zu fassen, aber jetzt als Persönlichkeit sich zu fassen durch innere Kräfte.
[ 12 ] Es ist heute für den Menschen außerordentlich schwierig, sich vorzustellen, wie der alte Mensch zu seinem Persönlichkeitsbewußtsein gekommen ist, weil die Leute einem heute nicht glauben wollen, wie ganz anders die äußere Weltanschauung für den alten Menschen war. Man kann eine solche Gestalt wie Julian den Abtrünnigen, den Apostaten, nicht verstehen in seiner ganzen welthistorischen Bedeutung, wenn man nicht weiß, daß er einer der letzten von denjenigen war, welche die Sonne noch anders gesehen haben, als der heutige Mensch sie sieht. Der heutige Mensch sieht die Sonne wie einen physikalischen Körper. Die Mondenwirkung ist ihm noch länger geblieben als Naturwirkung. Im Monde gehen heute noch die Liebenden spazieren und schwärmen und träumen, im Monde wächst und blüht die Phantasie, im Monde, da dämmert es und die Mondscheinpoesie, die wahre und die falsche, sie ist heute noch immer unter den Menschen verbreitet. So, aber viel intensiver, wie heute noch manche im Monde fühlen, so fühlten die alten Menschen, wenn sie aufwachend der Sonne ansichtig wurden. Wenn die alten Menschen aufwachend der Sonne ansichtig wurden, dann redeten sie nicht nur von dem Sonnenlicht, dann empfanden sie: Aus diesem Himmelswesen strömt mit dem Strahl in uns ein dasjenige, was uns wärmend und uns durchleuchtend durchdringt, was uns zur Persönlichkeit macht.
[ 12 ] Es ist heute für den Menschen außerordentlich schwierig, sich vorzustellen, wie der alte Mensch zu seinem Persönlichkeitsbewußtsein gekommen ist, weil die Leute einem heute nicht glauben wollen, wie ganz anders die äußere Weltanschauung für den alten Menschen war. Man kann eine solche Gestalt wie Julian den Abtrünnigen, den Apostaten, nicht verstehen in seiner ganzen welthistorischen Bedeutung, wenn man nicht weiß, daß er einer der letzten von denjenigen war, welche die Sonne noch anders gesehen haben, als der heutige Mensch sie sieht. Der heutige Mensch sieht die Sonne wie einen physikalischen Körper. Die Mondenwirkung ist ihm noch länger geblieben als Naturwirkung. Im Monde gehen heute noch die Liebenden spazieren und schwärmen und träumen, im Monde wächst und blüht die Phantasie, im Monde, da dämmert es und die Mondscheinpoesie, die wahre und die falsche, sie ist heute noch immer unter den Menschen verbreitet. So, aber viel intensiver, wie heute noch manche im Monde fühlen, so fühlten die alten Menschen, wenn sie aufwachend der Sonne ansichtig wurden. Wenn die alten Menschen aufwachend der Sonne ansichtig wurden, dann redeten sie nicht nur von dem Sonnenlicht, dann empfanden sie: Aus diesem Himmelswesen strömt mit dem Strahl in uns ein dasjenige, was uns wärmend und uns durchleuchtend durchdringt, was uns zur Persönlichkeit macht.
[ 13 ] Das fühlte noch Julian der Apostat, und er glaubte, daß das den Menschen erhalten werden könne. Und das war sein Irrtum; das war auch seine große Tragik. Aus dem physischen Sonnenstrahl trat der sich entwickelnden Menschheit die Persönlichkeit nicht mehr entgegen. Auf einem geistigen Wege wurde den Menschen diese Erkenntnis der Persönlichkeit gebracht. Was die Sonne draußen im Raume nicht mehr geben konnte, was nicht mehr auf dem Wege von außen an den Menschen herankommen konnte, es mußte aus dem tiefsten Inneren des Menschen aufsteigen. Der Christus mußte selber sein Weltengeschick mit den Menschen verbinden, damit im fortwährenden Schwanken der Waagschale zwischen Ahriman und Luzifer die Menschen nicht aus ihrer fortschreitenden Bahn fielen. Und man muß in vollem und tiefem Ernste nehmen, daß der Christus aus geistigen Höhen zu den Menschen heruntergestiegen ist und sein Geschick mit dem Geschick der Menschen verbunden hat. Wie ist das? Das ist das Eigentümliche: Wenn die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha in die Sinneswelt hineingeschaut haben, dann sahen sie zugleich ein Geistiges. Das habe ich Ihnen ja an der Sonnenanschauung eben klargestellt. Das ging den Menschen verloren. Die Menschen mußten dafür ein anderes bekommen, sie mußten ein Geistiges empfangen, aus dessen Geistigkeit sie zu gleicher Zeit den Eindruck der sinnenfälligen Wirklichkeit hatten. Das ist das Merkwürdige beim Mysterium von Golgatha und seinem Verhältnis zu der menschlichen Erkenntnis.
[ 13 ] Das fühlte noch Julian der Apostat, und er glaubte, daß das den Menschen erhalten werden könne. Und das war sein Irrtum; das war auch seine große Tragik. Aus dem physischen Sonnenstrahl trat der sich entwickelnden Menschheit die Persönlichkeit nicht mehr entgegen. Auf einem geistigen Wege wurde den Menschen diese Erkenntnis der Persönlichkeit gebracht. Was die Sonne draußen im Raume nicht mehr geben konnte, was nicht mehr auf dem Wege von außen an den Menschen herankommen konnte, es mußte aus dem tiefsten Inneren des Menschen aufsteigen. Der Christus mußte selber sein Weltengeschick mit den Menschen verbinden, damit im fortwährenden Schwanken der Waagschale zwischen Ahriman und Luzifer die Menschen nicht aus ihrer fortschreitenden Bahn fielen. Und man muß in vollem und tiefem Ernste nehmen, daß der Christus aus geistigen Höhen zu den Menschen heruntergestiegen ist und sein Geschick mit dem Geschick der Menschen verbunden hat. Wie ist das? Das ist das Eigentümliche: Wenn die Menschen vor dem Mysterium von Golgatha in die Sinneswelt hineingeschaut haben, dann sahen sie zugleich ein Geistiges. Das habe ich Ihnen ja an der Sonnenanschauung eben klargestellt. Das ging den Menschen verloren. Die Menschen mußten dafür ein anderes bekommen, sie mußten ein Geistiges empfangen, aus dessen Geistigkeit sie zu gleicher Zeit den Eindruck der sinnenfälligen Wirklichkeit hatten. Das ist das Merkwürdige beim Mysterium von Golgatha und seinem Verhältnis zu der menschlichen Erkenntnis.
[ 14 ] Und dieses Mysterium von Golgatha, das der Erdenentwickelung den eigentlichen Sinn gegeben hat, es ging eigentlich, unbemerkt für die Römer, in einem kleinen Winkel der Welt vor sich, und Tacitus weiß eigentlich noch nichts Rechtes von dem Mysterium von Golgatha, obwohl er hundert Jahre nach dem Mysterium von Golgatha seine ausgezeichnete römische Geschichtsbetrachtung aufgestellt hat. Die Geschichte sagt eigentlich nichts über das Mysterium von Golgatha, denn die Evangelien sind keine Geschichte; sie sind geschrieben so, wie ich es darstelle in meinem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache»: sie sind eigentlich aufs Leben angewendete Mysterienbücher. Und wenn sich die Theologen noch so viel Mühe geben werden: Geschichte, so wie Geschichte über andere Ereignisse existiert, wird nie da sein über das Mysterium von Golgatha. Denn das soll gerade das Charakteristische sein des Mysteriums von Golgatha, daß man geschichtlich, auf dem Wege der äußeren tatsächlichen Geschichte, nichts darüber wissen soll. Wer über das Mysterium von Golgatha etwas wissen will, muß ans Übersinnliche glauben. Historisch-sinnlich läßt sich das Mysterium von Golgatha nicht beweisen.
[ 14 ] Und dieses Mysterium von Golgatha, das der Erdenentwickelung den eigentlichen Sinn gegeben hat, es ging eigentlich, unbemerkt für die Römer, in einem kleinen Winkel der Welt vor sich, und Tacitus weiß eigentlich noch nichts Rechtes von dem Mysterium von Golgatha, obwohl er hundert Jahre nach dem Mysterium von Golgatha seine ausgezeichnete römische Geschichtsbetrachtung aufgestellt hat. Die Geschichte sagt eigentlich nichts über das Mysterium von Golgatha, denn die Evangelien sind keine Geschichte; sie sind geschrieben so, wie ich es darstelle in meinem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache»: sie sind eigentlich aufs Leben angewendete Mysterienbücher. Und wenn sich die Theologen noch so viel Mühe geben werden: Geschichte, so wie Geschichte über andere Ereignisse existiert, wird nie da sein über das Mysterium von Golgatha. Denn das soll gerade das Charakteristische sein des Mysteriums von Golgatha, daß man geschichtlich, auf dem Wege der äußeren tatsächlichen Geschichte, nichts darüber wissen soll. Wer über das Mysterium von Golgatha etwas wissen will, muß ans Übersinnliche glauben. Historisch-sinnlich läßt sich das Mysterium von Golgatha nicht beweisen.
[ 15 ] So wie der alte Mensch ins Sinnliche geschaut hat und Übersinnliches mitbekommen hat, so soll der moderne Mensch, wenn er nicht die Erkenntnis der Persönlichkeit verlieren will, auf das Mysterium von Golgatha als auf ein Übersinnliches hinschauen und aus dem Hinschauen auf das Übersinnliche die Überzeugung erhalten: Auch dies ist historisch geschehen, worüber keine Geschichte berichtet. — Wer das nicht ins Auge faßt, daß es im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit über das wichtigste geschichtliche Ereignis keine Geschichte gibt, daß darüber äußerlich nichts verzeichnet ist, was man Geschichte nennt, wer das nicht faßt, faßt das ganze Verhältnis des Mysteriums von Golgatha zum modernen Menschen nicht. Denn der moderne Mensch soll an dem Mysterium von Golgatha lernen, an die Tatsächlichkeit von etwas sich zu wenden, von dem er keine historische Urkunde hat. Und wirksam soll dieses Tatsächliche sein. Denn was haben wir denn gestern eigentlich erwähnt als von Ahriman und Luzifer kommend? Wir haben erwähnt, daß Luzifer die Menschengemüter abzieht von dem Interesse am Nebenmenschen. Würde nur Luziferisches in der Menschheit wirken, wir würden immer mehr und mehr verlieren das Interesse an unseren Mitmenschen. Es würde uns wenig berühren, wie der eine oder der andere Mensch denkt. Man bekommt sogar einen recht guten Maßstab, wieviel Luziferisches in einem Menschen ist, wenn man frägt: Interessiert der Mensch sich für andere Menschen objektiv, tolerant, oder interessiert er sich doch eigentlich nur für sich selbst? — Luziferische Naturen haben wenig Interesse für ihre Mitmenschen, sind in sich versteift, verstockt, halten nur dasjenige für richtig, was sie selber ausdenken, was sie selber empfinden, sind nicht zugänglich für die Urteile von andern. Würde das Luziferische in derselben Weise weiter gewirkt haben in der Menschenentwickelung, wie es bis zum Mysterium von Golgatha hin gewirkt hat, dann würde die Menschheit eben allmählich in die Bahn hineingekommen sein, die damit zu charakterisieren wäre, daß die Menschen in sich verstockte und verschlossene Seelen würden, jeder sich nur um sein Eigenes kümmerte, jeder nur sein eigenes Ausgedachtes für wahr hielte und keinen Sinn hätte, in die Herzen der andern hineinzuschauen. Das aber ist nichts anderes als die Kehrseite des Verlustes der Persönlichkeit. Denn indem wir eben die Möglichkeit, den Menschen als Persönlichkeit zu erkennen, verlieren, verlieren wir auch das Verständnis für die Persönlichkeit des Mitmenschen. Es gab sehr viele Leute — viel mehr als man denkt, gerade im Zeitalter, in dem das Mysterium von Golgatha herannahte — in der griechischen, in der römischen Welt, in Afrika, im Westen von Asien, viele Menschen, welche in gewissem Sinne Hochmütige des Geistes waren, Leute, welche durch die Welt gingen, wie, man kann nicht sagen Sonderlinge, aber wie hochmütige, einsame Menschen, die einsam sein wollten. Es gab viele solche, es gab auch solche, die eine Philosophie daraus machten, sich nicht um die andern Menschen zu kümmern, sondern nur dem zu folgen, was man selbst in sich trug. Das war durch das Herausfallen des Luziferischen aus der Gleichgewichtslage bewirkt.
[ 15 ] So wie der alte Mensch ins Sinnliche geschaut hat und Übersinnliches mitbekommen hat, so soll der moderne Mensch, wenn er nicht die Erkenntnis der Persönlichkeit verlieren will, auf das Mysterium von Golgatha als auf ein Übersinnliches hinschauen und aus dem Hinschauen auf das Übersinnliche die Überzeugung erhalten: Auch dies ist historisch geschehen, worüber keine Geschichte berichtet. — Wer das nicht ins Auge faßt, daß es im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit über das wichtigste geschichtliche Ereignis keine Geschichte gibt, daß darüber äußerlich nichts verzeichnet ist, was man Geschichte nennt, wer das nicht faßt, faßt das ganze Verhältnis des Mysteriums von Golgatha zum modernen Menschen nicht. Denn der moderne Mensch soll an dem Mysterium von Golgatha lernen, an die Tatsächlichkeit von etwas sich zu wenden, von dem er keine historische Urkunde hat. Und wirksam soll dieses Tatsächliche sein. Denn was haben wir denn gestern eigentlich erwähnt als von Ahriman und Luzifer kommend? Wir haben erwähnt, daß Luzifer die Menschengemüter abzieht von dem Interesse am Nebenmenschen. Würde nur Luziferisches in der Menschheit wirken, wir würden immer mehr und mehr verlieren das Interesse an unseren Mitmenschen. Es würde uns wenig berühren, wie der eine oder der andere Mensch denkt. Man bekommt sogar einen recht guten Maßstab, wieviel Luziferisches in einem Menschen ist, wenn man frägt: Interessiert der Mensch sich für andere Menschen objektiv, tolerant, oder interessiert er sich doch eigentlich nur für sich selbst? — Luziferische Naturen haben wenig Interesse für ihre Mitmenschen, sind in sich versteift, verstockt, halten nur dasjenige für richtig, was sie selber ausdenken, was sie selber empfinden, sind nicht zugänglich für die Urteile von andern. Würde das Luziferische in derselben Weise weiter gewirkt haben in der Menschenentwickelung, wie es bis zum Mysterium von Golgatha hin gewirkt hat, dann würde die Menschheit eben allmählich in die Bahn hineingekommen sein, die damit zu charakterisieren wäre, daß die Menschen in sich verstockte und verschlossene Seelen würden, jeder sich nur um sein Eigenes kümmerte, jeder nur sein eigenes Ausgedachtes für wahr hielte und keinen Sinn hätte, in die Herzen der andern hineinzuschauen. Das aber ist nichts anderes als die Kehrseite des Verlustes der Persönlichkeit. Denn indem wir eben die Möglichkeit, den Menschen als Persönlichkeit zu erkennen, verlieren, verlieren wir auch das Verständnis für die Persönlichkeit des Mitmenschen. Es gab sehr viele Leute — viel mehr als man denkt, gerade im Zeitalter, in dem das Mysterium von Golgatha herannahte — in der griechischen, in der römischen Welt, in Afrika, im Westen von Asien, viele Menschen, welche in gewissem Sinne Hochmütige des Geistes waren, Leute, welche durch die Welt gingen, wie, man kann nicht sagen Sonderlinge, aber wie hochmütige, einsame Menschen, die einsam sein wollten. Es gab viele solche, es gab auch solche, die eine Philosophie daraus machten, sich nicht um die andern Menschen zu kümmern, sondern nur dem zu folgen, was man selbst in sich trug. Das war durch das Herausfallen des Luziferischen aus der Gleichgewichtslage bewirkt.
[ 16 ] Und gar das Ahrimanische, das war sogar in einer Überkraft vorhanden. Es zeigt sich ja am allerbesten in der Anschauung der ersten römischen Kaiser, der Julier, von denen nur in einer etwas fragwürdigen Weise der allererste, Augustus, initiiert war, während unter den andern es höchstens solche gab, die sich die Initiation erzwangen, die sich aber alle für Göttersöhne, das heißt, für Initiierte hielten, dafür hielten, daß sie von den Göttern abstammten. Denn das Ahrimanische offenbart sich insbesondere dadurch, daß der Mensch nicht unter Menschen leben will wie Persönlichkeit unter Persönlichkeiten, sondern daß er Macht entwickeln will, wie ich gestern ausgeführt habe, daß er herrschen will, herrschen will durch Benützung der Schwächen anderer. Das waren die zwei großen drohenden Gefahren zur Zeit des Mysteriums von Golgatha, denen die Menschheit verfallen wäre, wenn das Mysterium von Golgatha nicht gekommen wäre: Interesselosigkeit für die Mitmenschen, Herrschaftsgelüste jedes einzelnen. Indem der Christus sein Geschick mit dem Menschheitsgeschick verbunden hat, hat er etwas außerordentlich Tiefes in die Menschheit hineinverpflanzt. Vielleicht verstehen Sie mich am besten, wenn ich Ihnen schematisch davon spreche, was eigentlich der Christus in die Menschheit hineinverpflanzt hat. Wir Menschen, wir haben, wie ich Ihnen gezeigt habe, Kräfte, die wir durch unser ureigenes Wesen entwickeln. Sie wissen ja, in einer gewissen Beziehung werden wir erst in der zweiten Lebenshälfte gescheit durch unser ureigenes Wesen. Das habe ich Ihnen des langen und breiten und wiederholt ausgeführt. Aber damit noch nicht genug. Das, was ich Ihnen da ausgeführt habe für das Gescheiterwerden des Menschen zwischen Geburt und Tod, gilt ja im Grunde genommen nur für die Erdenentwickelung, und wir sollen ja weiter gescheit werden durch die Jupiter- und Venusentwickelung und Vulkanentwickelung. Diese Kräfte, die wir entwickeln sollen im Lauf der Jupiter- und Venusentwickelung, liegen jetzt auch schon in uns.
[ 16 ] Und gar das Ahrimanische, das war sogar in einer Überkraft vorhanden. Es zeigt sich ja am allerbesten in der Anschauung der ersten römischen Kaiser, der Julier, von denen nur in einer etwas fragwürdigen Weise der allererste, Augustus, initiiert war, während unter den andern es höchstens solche gab, die sich die Initiation erzwangen, die sich aber alle für Göttersöhne, das heißt, für Initiierte hielten, dafür hielten, daß sie von den Göttern abstammten. Denn das Ahrimanische offenbart sich insbesondere dadurch, daß der Mensch nicht unter Menschen leben will wie Persönlichkeit unter Persönlichkeiten, sondern daß er Macht entwickeln will, wie ich gestern ausgeführt habe, daß er herrschen will, herrschen will durch Benützung der Schwächen anderer. Das waren die zwei großen drohenden Gefahren zur Zeit des Mysteriums von Golgatha, denen die Menschheit verfallen wäre, wenn das Mysterium von Golgatha nicht gekommen wäre: Interesselosigkeit für die Mitmenschen, Herrschaftsgelüste jedes einzelnen. Indem der Christus sein Geschick mit dem Menschheitsgeschick verbunden hat, hat er etwas außerordentlich Tiefes in die Menschheit hineinverpflanzt. Vielleicht verstehen Sie mich am besten, wenn ich Ihnen schematisch davon spreche, was eigentlich der Christus in die Menschheit hineinverpflanzt hat. Wir Menschen, wir haben, wie ich Ihnen gezeigt habe, Kräfte, die wir durch unser ureigenes Wesen entwickeln. Sie wissen ja, in einer gewissen Beziehung werden wir erst in der zweiten Lebenshälfte gescheit durch unser ureigenes Wesen. Das habe ich Ihnen des langen und breiten und wiederholt ausgeführt. Aber damit noch nicht genug. Das, was ich Ihnen da ausgeführt habe für das Gescheiterwerden des Menschen zwischen Geburt und Tod, gilt ja im Grunde genommen nur für die Erdenentwickelung, und wir sollen ja weiter gescheit werden durch die Jupiter- und Venusentwickelung und Vulkanentwickelung. Diese Kräfte, die wir entwickeln sollen im Lauf der Jupiter- und Venusentwickelung, liegen jetzt auch schon in uns.
[ 17 ] Nun ist folgendes geschehen: Sie wissen, was der Mensch an Selbsterkenntnis erwerben kann in der ersten Lebenshälfte, kann er nicht durch seine ureigene Menschenwesenheit erwerben. Er muß es durch Luzifer erwerben. Seine ureigene Menschenwesenheit geht weiter. Luziferisches gibt ihm, indem es ihm in der ersten Lebenshälfte einen Einschlag gibt, die Selbsterkenntnis; diese glanzvolle Selbsterkenntnis wird in der zweiten Lebenshälfte durch Ahriman abgedämpft. Mit dem Christus-Impuls tritt eine andere Strömung in die Menschheitsentwickelung ein: zum tiefsten Inneren des Menschen spricht der Impuls, der mit dem Mysterium von Golgatha eintritt. Und wenn der Mensch durch seine ureigenen Kräfte das entwickeln sollte, was ihn von sich aus zu denjenigen kosmischen Einsichten führen würde, die durch den Christus in die Erdenentwickelung hereingekommen sind, dann würde der Mensch erst während der Venusentwickelung die Fähigkeit dazu erlangen. Also wenn der Mensch noch so gescheit wird bis zu seinem Tode, er würde bis zu seinem Tode auf der Erde von sich selbst aus nicht das erreichen können, was er dadurch erreicht, daß der Christus-Impuls sein Schicksal mit der Erdenentwickelung verbunden hat.
[ 17 ] Nun ist folgendes geschehen: Sie wissen, was der Mensch an Selbsterkenntnis erwerben kann in der ersten Lebenshälfte, kann er nicht durch seine ureigene Menschenwesenheit erwerben. Er muß es durch Luzifer erwerben. Seine ureigene Menschenwesenheit geht weiter. Luziferisches gibt ihm, indem es ihm in der ersten Lebenshälfte einen Einschlag gibt, die Selbsterkenntnis; diese glanzvolle Selbsterkenntnis wird in der zweiten Lebenshälfte durch Ahriman abgedämpft. Mit dem Christus-Impuls tritt eine andere Strömung in die Menschheitsentwickelung ein: zum tiefsten Inneren des Menschen spricht der Impuls, der mit dem Mysterium von Golgatha eintritt. Und wenn der Mensch durch seine ureigenen Kräfte das entwickeln sollte, was ihn von sich aus zu denjenigen kosmischen Einsichten führen würde, die durch den Christus in die Erdenentwickelung hereingekommen sind, dann würde der Mensch erst während der Venusentwickelung die Fähigkeit dazu erlangen. Also wenn der Mensch noch so gescheit wird bis zu seinem Tode, er würde bis zu seinem Tode auf der Erde von sich selbst aus nicht das erreichen können, was er dadurch erreicht, daß der Christus-Impuls sein Schicksal mit der Erdenentwickelung verbunden hat.
[ 18 ] Wir durchleben also unser Erdenleben, ohne daß wir in der Lage sind, vermöge unserer ureigenen Entwickelung bis zu unserem Tode dahin zu kommen, den Christus-Impuls zu begreifen. Daraus geht Ihnen doch folgendes hervor: Es gab Zeitgenossen des Christus, seine Schüler; sie verkehrten mit ihm, sie konnten auch durch die Tradition der Urweisheit so viel Weisheit über ihn gewinnen, daß sie die Evangelien später schreiben konnten; aber verstehen konnten sie ihn eigentlich nicht. Denn sie konnten ja bis zu ihrem Tode damals ganz gewiß nicht zu dem Verständnis des Christus-Impulses kommen. Wann konnten sie denn erst dazu kommen? Nach ihrem Tode, in der Zeit nach dem Tode. Wenn wir annehmen, daß, sagen wir, Petrus oder Jakobus Zeitgenossen Christi waren, wann waren denn Petrus oder Jakobus reif, den Christus zu verstehen? Erst im 3. Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha. Im 3. Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha, denn bis zu ihrem Tode wurden sie nicht reif, sondern erst im 3. Jahrhundert wurden sie reif.
[ 18 ] Wir durchleben also unser Erdenleben, ohne daß wir in der Lage sind, vermöge unserer ureigenen Entwickelung bis zu unserem Tode dahin zu kommen, den Christus-Impuls zu begreifen. Daraus geht Ihnen doch folgendes hervor: Es gab Zeitgenossen des Christus, seine Schüler; sie verkehrten mit ihm, sie konnten auch durch die Tradition der Urweisheit so viel Weisheit über ihn gewinnen, daß sie die Evangelien später schreiben konnten; aber verstehen konnten sie ihn eigentlich nicht. Denn sie konnten ja bis zu ihrem Tode damals ganz gewiß nicht zu dem Verständnis des Christus-Impulses kommen. Wann konnten sie denn erst dazu kommen? Nach ihrem Tode, in der Zeit nach dem Tode. Wenn wir annehmen, daß, sagen wir, Petrus oder Jakobus Zeitgenossen Christi waren, wann waren denn Petrus oder Jakobus reif, den Christus zu verstehen? Erst im 3. Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha. Im 3. Jahrhundert nach dem Mysterium von Golgatha, denn bis zu ihrem Tode wurden sie nicht reif, sondern erst im 3. Jahrhundert wurden sie reif.
[ 19 ] Wir berühren damit ein sehr bedeutsames Geheimnis; wir wollen es uns ganz genau vor die Seele führen. Die Zeitgenossen Christi mußten erst durch ihren Tod gehen, mußten in der geistigen Welt bis ins 2., 3. Jahrhundert leben, dann konnte ihnen in dem Leben nach dem Tode die Erkenntnis Christi aufgehen, und dann konnten sie inspirieren diejenigen, die gegen Ende des 2. Jahrhunderts oder vom 3. Jahrhundert an über den Christus-Impuls schrieben. Dadurch gewinnt auch das Schreiben über den Christus-Impuls, weil es durch eine mehr oder weniger deutliche, oder auch mehr oder weniger getrübte Inspiration der Kirchenväter ging, ein ganz besonderes Gesicht, aber erst vom 3. Jahrhundert an. Darum ist es, daß im Grunde genommen der für das Mittelalter dann maßgebende Augustinus in dieses Zeitalter fällt. Und daraus ersehen Sie, worauf man angewiesen war beim Verständnis des Christus-Impulses: die Venusweisheit, wenn ich so sagen darf, die der Mensch jetzt noch nicht erleben kann bis zu seinem Tode, sondern erst nach seinem Tode — in folgenden Jahrhunderten sogar erst —, diese Venusweisheit hereininspiriert zu bekommen auf die Erde. Und es war, man möchte sagen, wenn der Ausdruck nicht gar so töricht wäre, aber es gibt keinen rechten anderen, noch ein Glück, daß im 2.und 3. Jahrhundert inspiriert werden konnte, die Inspiration anfangen konnte; denn hätte man länger gewartet, über das Jahr 333 hinaus, dann hätte die Menschheit immer mehr und mehr sich verstockt gegen die geistige Welt und keinerlei Inspiration angenommen.
[ 19 ] Wir berühren damit ein sehr bedeutsames Geheimnis; wir wollen es uns ganz genau vor die Seele führen. Die Zeitgenossen Christi mußten erst durch ihren Tod gehen, mußten in der geistigen Welt bis ins 2., 3. Jahrhundert leben, dann konnte ihnen in dem Leben nach dem Tode die Erkenntnis Christi aufgehen, und dann konnten sie inspirieren diejenigen, die gegen Ende des 2. Jahrhunderts oder vom 3. Jahrhundert an über den Christus-Impuls schrieben. Dadurch gewinnt auch das Schreiben über den Christus-Impuls, weil es durch eine mehr oder weniger deutliche, oder auch mehr oder weniger getrübte Inspiration der Kirchenväter ging, ein ganz besonderes Gesicht, aber erst vom 3. Jahrhundert an. Darum ist es, daß im Grunde genommen der für das Mittelalter dann maßgebende Augustinus in dieses Zeitalter fällt. Und daraus ersehen Sie, worauf man angewiesen war beim Verständnis des Christus-Impulses: die Venusweisheit, wenn ich so sagen darf, die der Mensch jetzt noch nicht erleben kann bis zu seinem Tode, sondern erst nach seinem Tode — in folgenden Jahrhunderten sogar erst —, diese Venusweisheit hereininspiriert zu bekommen auf die Erde. Und es war, man möchte sagen, wenn der Ausdruck nicht gar so töricht wäre, aber es gibt keinen rechten anderen, noch ein Glück, daß im 2.und 3. Jahrhundert inspiriert werden konnte, die Inspiration anfangen konnte; denn hätte man länger gewartet, über das Jahr 333 hinaus, dann hätte die Menschheit immer mehr und mehr sich verstockt gegen die geistige Welt und keinerlei Inspiration angenommen.
[ 20 ] Sie sehen, die Wirksamkeit des Christus-Impulses in die Menschheit herein ist im Laufe der Jahrhunderte der christlichen Entwickelung an mancherlei Geheimnisse gebunden. Und derjenige, der sie heute wieder aufsuchen will, der findet die wichtigsten Bestandteile der Erkenntnis des Christus-Impulses nur, indem er das übersinnliche Erkennen ergreift. Denn die ersten wirklichen Lehrer der Menschheit über den Christus-Impuls waren im Grunde genommen Tote, wie Sie aus meinen eben getanen Ausführungen haben ersehen können, Leute, die Zeitgenossen Christi waren, und die erst im 3. Jahrhundert reif waren, ein vollständiges Verständnis zu erhalten. Im 4. Jahrhundert konnte dann dieses Verständnis wachsen; aber es wuchs auch die Schwierigkeit, Menschen zu inspirieren. Und im 6. Jahrhundert wuchs die Schwierigkeit noch mehr, bis endlich jene Zeit eintrat, wo Ordnung geschaffen wurde von Rom aus in diesem Hereininspirieren von geistigen Geheimnissen über das Christus-Mysterium in die Menschheit und dem Dawider-sich-Sträuben der verstockten Menschheit. Da hat Rom endlich Ordnung geschaffen im 9. Jahrhundert, 869, auf dem Konzil von Konstantinopel, wo man nun endlich den Geist abgeschafft hat. Es wurde Rom endlich zu bunt, diese Inspiriererei, und man stellte das Dogma auf, daß der Mensch in seiner Seele etwas Geistartiges hat, aber daß es ketzerisch ist, an den Geist zu glauben. Die Menschen sollten von dem Geiste abgezogen werden. Das ist ja im wesentlichen das, was mit dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel 869, das ich öfter erwähnt habe, zusammenhängt. Es ist nur eine Folge dieser Abschaffung des Geistes, wenn Jesuiten heute — wie ich Ihnen neulich angeführt habe — einem sagen: Na ja, früher, da gab es Inspirationen, aber heute ist die Inspiration teuflisch, man darf nicht übersinnliche Erkenntnisse anstreben, denn da, da kommt der Teufel.
[ 20 ] Sie sehen, die Wirksamkeit des Christus-Impulses in die Menschheit herein ist im Laufe der Jahrhunderte der christlichen Entwickelung an mancherlei Geheimnisse gebunden. Und derjenige, der sie heute wieder aufsuchen will, der findet die wichtigsten Bestandteile der Erkenntnis des Christus-Impulses nur, indem er das übersinnliche Erkennen ergreift. Denn die ersten wirklichen Lehrer der Menschheit über den Christus-Impuls waren im Grunde genommen Tote, wie Sie aus meinen eben getanen Ausführungen haben ersehen können, Leute, die Zeitgenossen Christi waren, und die erst im 3. Jahrhundert reif waren, ein vollständiges Verständnis zu erhalten. Im 4. Jahrhundert konnte dann dieses Verständnis wachsen; aber es wuchs auch die Schwierigkeit, Menschen zu inspirieren. Und im 6. Jahrhundert wuchs die Schwierigkeit noch mehr, bis endlich jene Zeit eintrat, wo Ordnung geschaffen wurde von Rom aus in diesem Hereininspirieren von geistigen Geheimnissen über das Christus-Mysterium in die Menschheit und dem Dawider-sich-Sträuben der verstockten Menschheit. Da hat Rom endlich Ordnung geschaffen im 9. Jahrhundert, 869, auf dem Konzil von Konstantinopel, wo man nun endlich den Geist abgeschafft hat. Es wurde Rom endlich zu bunt, diese Inspiriererei, und man stellte das Dogma auf, daß der Mensch in seiner Seele etwas Geistartiges hat, aber daß es ketzerisch ist, an den Geist zu glauben. Die Menschen sollten von dem Geiste abgezogen werden. Das ist ja im wesentlichen das, was mit dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel 869, das ich öfter erwähnt habe, zusammenhängt. Es ist nur eine Folge dieser Abschaffung des Geistes, wenn Jesuiten heute — wie ich Ihnen neulich angeführt habe — einem sagen: Na ja, früher, da gab es Inspirationen, aber heute ist die Inspiration teuflisch, man darf nicht übersinnliche Erkenntnisse anstreben, denn da, da kommt der Teufel.
[ 21 ] Doch diese Dinge hängen mit dem Tiefsten zusammen, das einen interessieren muß, wenn man wahrhaft in die Geisteswissenschaft eindringen will. Sie hängen nämlich zusammen mit einem gewissen Anerkennen eines Weisheitscharakters, den viele sogenannte Geisteswissenschafter, namentlich solche, die oftmals in sogenannten Geheimgesellschaften zusammengeschlossen sind, nicht anerkennen. Es gibt, ich möchte sagen, einen gewissen Betrug, der immer wieder und wiederum in die Menschheit hineingetragen wird, hineingetragen wird von denjenigen, die geistige Geheimnisse kennen. Und dieser Betrug hüllt sich in einen falschen Gegensatz, in eine falsche Polarität. Haben Sie nicht gehört, daß die Leute sagen, es gibt Luzifer, und sein Gegner ist Christus —, daß die Leute die Polarität aufstellen: Christus-Luzifer, als Gegner? Ich habe Ihnen ausgeführt, daß selbst noch die Goethesche Faust-Idee unter der Konfundierung von Ahriman und Luzifer leidet, daß Goethe nicht genau auseinanderhalten konnte das Ahrimanische und das Luziferische. Der zweite Aufsatz in meinem Büchelchen über «Goethes Geistesart» handelt auch davon.
[ 21 ] Doch diese Dinge hängen mit dem Tiefsten zusammen, das einen interessieren muß, wenn man wahrhaft in die Geisteswissenschaft eindringen will. Sie hängen nämlich zusammen mit einem gewissen Anerkennen eines Weisheitscharakters, den viele sogenannte Geisteswissenschafter, namentlich solche, die oftmals in sogenannten Geheimgesellschaften zusammengeschlossen sind, nicht anerkennen. Es gibt, ich möchte sagen, einen gewissen Betrug, der immer wieder und wiederum in die Menschheit hineingetragen wird, hineingetragen wird von denjenigen, die geistige Geheimnisse kennen. Und dieser Betrug hüllt sich in einen falschen Gegensatz, in eine falsche Polarität. Haben Sie nicht gehört, daß die Leute sagen, es gibt Luzifer, und sein Gegner ist Christus —, daß die Leute die Polarität aufstellen: Christus-Luzifer, als Gegner? Ich habe Ihnen ausgeführt, daß selbst noch die Goethesche Faust-Idee unter der Konfundierung von Ahriman und Luzifer leidet, daß Goethe nicht genau auseinanderhalten konnte das Ahrimanische und das Luziferische. Der zweite Aufsatz in meinem Büchelchen über «Goethes Geistesart» handelt auch davon.
[ 22 ] Damit aber ist etwas außerordentlich Bedeutsames gemeint. Der wahre Gegensatz, den diejenigen, die wahr reden wollen aus der geistigen Welt, den Menschen mitgeteilt haben, der wahre Gegensatz ist der zwischen Ahriman und Luzifer, und der Christus-Impuls bringt etwas anderes, und hat nichts zu tun mit der Polarität Ahriman-Luzifer, sondern er bewegt sich in der Gleichgewichtslinie. Und auf der Anerkennung dieser Tatsache beruht etwas ungeheuer Bedeutsames. Davon wollen wir dann morgen weitersprechen.
[ 22 ] Damit aber ist etwas außerordentlich Bedeutsames gemeint. Der wahre Gegensatz, den diejenigen, die wahr reden wollen aus der geistigen Welt, den Menschen mitgeteilt haben, der wahre Gegensatz ist der zwischen Ahriman und Luzifer, und der Christus-Impuls bringt etwas anderes, und hat nichts zu tun mit der Polarität Ahriman-Luzifer, sondern er bewegt sich in der Gleichgewichtslinie. Und auf der Anerkennung dieser Tatsache beruht etwas ungeheuer Bedeutsames. Davon wollen wir dann morgen weitersprechen.
