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The Polarity of Duration and Development in Human Life
GA 184

6 October 1918, Dornach

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Zwölfter Vortrag

Twelfth Lecture

[ 1 ] Ich habe gestern aus der Wissenschaft heraus, die man nennen muß die Wissenschaft der Initiation, zwei Bemerkungen gemacht, an die ich Sie erinnern will, weil wir daran anknüpfen müssen. Zunächst sagte ich mit Bezug auf das Mysterium von Golgatha: Die tiefsten Wahrheiten, die sich auf dieses Mysterium von Golgatha beziehen, müssen nach der Natur der Sache solche sein, welche nicht durch äußere sinnenfällige, historische Zeugnisse belegt werden können. Wer einen Beweis für die Tatsachen, die sich mit dem Mysterium von Golgatha abgespielt haben, auf äußerem historischem Wege sucht, so wie man nach historischen Zeugnissen für andere Tatsachen sucht, der wird solche Zeugnisse nicht finden können, weil das Mysterium von Golgatha sich so in die Menschheit hineinstellen soll, daß der Zugang zu seinen Wahrheiten sich zuletzt auf übersinnlichem Wege vermittelt. Die Menschen sollen sich gewissermaßen gewöhnen, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, das Wichtigste im Erdendasein so zu haben, daß sie sich ihm nicht auf sinnlichem, sondern nur auf übersinnlichem Wege nähern können. Das zweite, was ich gestern gesagt habe, ist dieses, daß der Mensch mit jenem Verständnisse, das ihm nach seiner Entwickelung zugeteilt ist als Erdenwesen, eigentlich bis zu seinem Tode — also wohlgemerkt: selbst bis zu seinem Tode — nicht so weit kommt, daß er aus seinem eigenen, innerhalb der Sinnenwelt sich entwickelnden Verständnisse zu einem Begreifen des Mysteriums von Golgatha kommen könnte. Ich habe gesagt: Erst nach dem Tode, erst post mortem entwickelt sich im Menschen, also im Menschen während seines Aufenthaltes in der übersinnlichen Welt, dasjenige Verständnis beziehungsweise die Kräfte zu demjenigen Verständnis, welches den vollen Aufschluß geben kann über das Mysterium von Golgatha. Deshalb sagte ich gestern etwas, was ganz selbstverständlich von der äußeren Welt als eine Absurdität hingestellt werden wird, als eine paradoxe Sache hingestellt werden wird. Ich sagte, daß eigentlich selbst die Zeitgenossen Christi erst im 2. und 3. Jahrhundert, nachdem das Mysterium von Golgatha abgelaufen war, zum Verständnisse kommen konnten — also erst in ihrem jenseitigen Leben —, und daß dann dasjenige, was geschrieben worden ist in diesen Jahrhunderten über das Mysterium von Golgatha, unter der Inspiration derjenigen Menschen geschrieben worden ist, die Zeitgenossen gewesen waren und aus der geistigen Welt, aus der übersinnlichen Welt heraus inspirierend auf die richtigen Schriftsteller des 2. und 3. Jahrhunderts gewirkt haben.

[ 1 ] Yesterday, drawing on the science that must be called the science of initiation, I made two remarks that I would like to remind you of, because we must build on them. First, with regard to the Mystery of Golgotha, I said: The deepest truths pertaining to this Mystery of Golgotha must, by their very nature, be such that they cannot be substantiated by external, sensory, historical evidence. Anyone who seeks proof of the events that took place in connection with the Mystery of Golgotha through external historical means—just as one seeks historical evidence for other events—will not be able to find such evidence, because the Mystery of Golgotha is meant to be embedded in humanity in such a way that access to its truths is ultimately mediated through supersensible means. People must, so to speak—if I may put it in trivial terms—become accustomed to having the most important aspect of earthly existence in such a way that they can approach it not through the senses, but only through supersensible means. The second point I made yesterday is this: with the understanding allotted to them as earthly beings according to their level of development, human beings do not, in fact, reach a point—even up to their death, mind you—where they could grasp the Mystery of Golgotha through their own understanding, which develops within the sensory world. I said: Only after death, only post mortem, does the understanding—or rather, the powers leading to that understanding—develop within the human being, that is, during the human being’s sojourn in the supersensible world, which can provide full insight into the Mystery of Golgotha. That is why I said something yesterday that will, quite naturally, be dismissed by the outer world as an absurdity, as a paradox. I said that even Christ’s contemporaries could not truly come to an understanding until the 2nd and 3rd centuries, after the Mystery of Golgotha had taken place—that is, only in their life beyond— and that what was written in those centuries about the Mystery of Golgotha was written under the inspiration of those who had been his contemporaries and who, from the spiritual world, from the supersensible world, inspired the true writers of the 2nd and 3rd centuries.

[ 2 ] Nur in scheinbarem Widerspruch damit steht, daß die Evangelien, die ja Inspirationsbücher sind, wie Sie aus meiner Darstellung im «Christentum als mystische Tatsache» entnehmen können, Inspirationsschriften vom Christentum sind. Die inspirierten Evangelien konnten nur deshalb die Wahrheit über das Christentum äußern, weil sie, wie ich ja auch schon öfter betont habe, nicht aus der ureigenen Wesenheit vom Menschen heraus geschrieben worden sind, sondern noch mit dem letzten Reste der atavistisch-hellseherischen Weisheit über das Mysterium von Golgatha handelten.

[ 2 ] This is only seemingly at odds with the fact that the Gospels—which are, after all, books of inspiration, as you can see from my discussion in *Christianity as a Mystical Fact*—are inspired writings of Christianity. The inspired Gospels were able to express the truth about Christianity only because, as I have often emphasized, they were not written from the very essence of human nature, but still drew upon the last remnants of atavistic-clairvoyant wisdom concerning the Mystery of Golgotha.

[ 3 ] Das, was ich so über die Beziehung der Menschheit zu dem Mysterium von Golgatha sagte, ist herausgeschöpft aus der Wissenschaft der Initiation selbst. Wenn man so etwas dann aus dieser übersinnlichen Erkenntnis heraus erkundet hat, dann kann man ja wohl fragen: Wie nimmt sich so etwas aus, wenn man damit vergleicht die Tatsachen des äußeren geschichtlichen Lebens? — Daher will ich im Beginne unserer heutigen Betrachtungen, als den besonders charakteristischen Fall — zunächst nur wie eine Frage, deren Antwort sich uns ergeben soll am Ende der heutigen Betrachtungen —, einen typischen Kirchenschriftsteller des 2. Jahrhunderts hervorheben. Ich könnte ebensogut, müßte aber dann die ganze Betrachtung selbstverständlich in anderer Form hier vor Ihnen vorbringen, Clemens von Alexandrien, könnte Origenes, ich könnte irgendeinen anderen Kirchenschriftsteller wählen. Ich wähle einen, der oft genannt wird: Tertullian. Ich möchte an der Persönlichkeit des Tertullianus die Frage aufwerfen: Wie verhielt sich der äußere Verlauf des christlichen Lebens zu diesen übersinnlichen Tatsachen, von denen ich gestern gesprochen habe, deren wesentlichsten Inhalt ich Ihnen heute wiederholt habe?

[ 3 ] What I have said about humanity’s relationship to the Mystery of Golgotha is drawn directly from the science of initiation itself. Once one has explored such matters through this supersensory knowledge, one may well ask: How does this stand up to comparison with the facts of external historical life? — Therefore, at the beginning of our reflections today, I would like to highlight—as a particularly characteristic case, and for now merely as a question whose answer will become clear to us at the end of today’s reflections—a typical Church writer of the 2nd century. I could just as easily—though I would then, of course, have to present the entire discussion to you here in a different form—choose Clement of Alexandria, Origen, or any other Church writer. I choose one who is often mentioned: Tertullian. I would like to raise the following question in connection with the figure of Tertullian: How did the outward course of Christian life relate to these supernatural realities, of which I spoke yesterday and whose essential content I have repeated to you today?

[ 4 ] Tertullian ist eine sehr merkwürdige Persönlichkeit. Derjenige, der so die Dinge hört über Tertullianus, die gewöhnlich gesagt werden ja, der kommt zu nicht viel mehr als zu einem Wissen, welches davon beherrscht wird, daß Tertullianus derjenige gewesen sein soll, der den Glauben an die Wesenheit des Christus, an den Opfertod, an die Auferstehung, dadurch gerechtfertigt habe, daß er gesagt haben soll: Credo, quia absurdum est — Ich glaube, gerade weil es absurd ist, weil es der Vernunft nicht einleuchtet. — Die Worte: Credo, quia absurdum est — finden sich im ganzen Tertullianus nicht. Sie finden sich ebenso nicht im ganzen Schrifttum der übrigen Kirchenväter; sie sind rein erfunden, aber sie sind dasjenige, wodurch sich die Meinung der späteren Zeit über Tertullian bis heute oftmals zum Dogma gemacht hat. Wenn man dagegen an Tertullianus selbst herantritt — man braucht wahrhaftig nicht sein Anhänger zu werden —, dann bekommt man, je genauer man die Persönlichkeit des Tertullianus kennenlernt, immer mehr und mehr Respekt vor diesem merkwürdigen Mann. Vor allen Dingen bekommt man Respekt davor, wie Tertullianus die lateinische Sprache, diese lateinische Sprache, die ja ein Ausdruck der abstraktesten menschlichen Denkweise ist, diese lateinische Sprache, die auch schon zu seiner Zeit bei den andern Schriftstellern geworden ist der Ausdruck für das durch und durch prosaische Römertum, mit einem wahren Feuergeist handhabt: er bringt Temperament, er bringt Beweglichkeit, er bringt Empfindung und eine heilige Leidenschaft in die Art seiner Darstellung hinein. Und obzwar er ein typischer Römer ist, der sich so abstrakt ausdrückt wie nur irgendein Römer gegenüber dem, was man oftmals wirklich nennt, obzwar er nach der Anschauung der griechisch gebildeten Leute der damaligen Zeit nicht einmal ein besonders gebildeter Mensch ist, schreibt er mit Eindringlichkeit, mit innerer Kraft, schreibt er so, daß er aus der abstrakten römischen Sprache heraus geradezu der Schöpfer der christlichen Sprechweise geworden ist. Und die Art und Weise, wie er spricht, dieser Tertullianus, die ist wahrhaftig eindringlich genug. In einer Art Schutzschrift für die Christen redet er, man darf sagen, so, daß das geschriebene Wort wirkt, wie wenn man es unmittelbar von einem von heiliger Leidenschaft ergriffenen Menschen gesprochen hörte. Es gibt solche Stellen, wo Tertullian Verteidiger der Christen wird, die, wenn sie angeschuldigt werden, unter einer Prozedur, die dem Foltern sehr ähnlich ist, nicht leugnen, sondern gestehen, daß sie Christen sind und woran sie glauben. Da sagt Tertullian: Überall sonst beschuldigt man diejenigen, die gefoltert werden, daß sie leugnen; bei den Christen macht man es umgekehrt: man erklärt sie für verrucht, wenn sie gestehen, was in ihrer Seele ist. Man will sie durch das Foltern nicht dazu zwingen, daß sie die Wahrheit sagen, was allein einen Sinn hätte; man will sie dazu zwingen, daß sie die Unwahrheit sagen, während sie die Wahrheit sagen. Und wenn sie die Wahrheit gestehen aus ihrer Seele heraus, so betrachtet man sie als Bösewichter.

[ 4 ] Tertullian is a very peculiar figure. Anyone who hears the things that are usually said about Tertullian—well, that person gains little more than a knowledge dominated by the notion that Tertullian is said to have been the one who justified belief in the divinity of Christ, in his sacrificial death, and in the Resurrection by having supposedly said: Credo, quia absurdum est — I believe precisely because it is absurd, because it defies reason. — The words “Credo, quia absurdum est” are nowhere to be found in Tertullian’s entire body of work. Nor are they found in the writings of the other Church Fathers; they are purely fabricated, yet they are precisely what has often turned later opinions about Tertullian into dogma to this very day. If, on the other hand, one approaches Tertullian himself—one truly need not become his follower—then the more closely one gets to know Tertullian’s personality, the more and more respect one develops for this remarkable man. Above all, one comes to respect the way Tertullian wields the Latin language—this Latin language, which is, after all, an expression of the most abstract human mode of thought; this Latin language, which even in his own time had already become, among other writers, the expression of thoroughly prosaic Roman culture—with a true fiery spirit: he infuses his style with temperament, agility, feeling, and a sacred passion. And although he is a typical Roman who expresses himself as abstractly as any Roman might regarding what is often truly called—and although, in the view of the Greek-educated people of that time, he is not even a particularly educated man— he writes with forcefulness, with inner strength; he writes in such a way that, emerging from the abstract Roman language, he has virtually become the creator of the Christian mode of expression. And the way in which he speaks—this Tertullian—is truly forceful enough. In a kind of defense of the Christians, he speaks—one might say—in such a way that the written word has the same effect as if one were hearing it spoken directly by a man seized by holy passion. There are passages where Tertullian becomes the defender of Christians who, when accused and subjected to a procedure very similar to torture, do not deny but confess that they are Christians and what they believe. There Tertullian says: Everywhere else, those who are tortured are accused of denying their faith; but with Christians, it is the opposite: they are declared wicked when they confess what is in their souls. The aim of torture is not to force them to tell the truth—which alone would make sense—but to force them to tell a lie while they are telling the truth. And when they confess the truth from the depths of their souls, they are regarded as villains.

[ 5 ] Kurz, Tertullian war schon ein Mann, welcher einen feinen Sinn hatte für das Absurde im Leben. Und Tertullian war bereits ein Geist, der zusammengewachsen war mit dem, was sich entwickelt hatte als christliches Bewußtsein und christliche Weisheit, ein feiner Beobachter des Lebens. So ist es wirklich etwas Bedeutsames, wenn er solch ein Wort hinwirft: Ihr habt Sprichwörter, ihr sagt im Leben sehr häufig aus unmittelbarstem Empfinden der Seele heraus: Gott befohlen, Gott will es — und so weiter. Das aber ist Christenglaube: die Seele bekennt sich, wenn sie gerade unbewußt sich ausspricht, als eine Christin. — Tertullian ist auch ein Mann mit unabhängigem Geist. Tertullian ist ein Mann, welcher den Römern, zu welchen er selber gehört, sagt: Betrachtet den Christen-Gott und überlegt euch dann, was ihr empfinden könnt über wahre Religiosität. Und ich frage euch, ob dasjenige, was ihr als Römer in die Welt einführt, wahrer Religiosität entspricht, oder ob dasjenige wahrer Religiosität entspricht, was die Christen wollen. Ihr führt Krieg und Mord und Totschlag in die Welt ein; das wollen die Christen gerade nicht. Eure Heiligtümer sind Gotteslästerungen, weil sie Siegeszeichen sind, und Siegeszeichen sind keine Heiligtümer, sondern Zeichen der Heiligtumschändung. — Das sagte Tertullian seinen Römern! Er war ein Mann mit Unabhängigkeitsgefühl, und hinblickend auf das Treiben Roms sagte er: Betet man vielleicht, indem man naturgemäß zum Himmel schaut, oder indem man zum Kapitol schaut? — Dabei war Tertullian keineswegs ein Mann, der aufging im abstrakten Römertum, denn er war tief durchdrungen von der Anwesenheit des Übersinnlich-Wesenhaften in der Welt. Jemanden, der auf der einen Seite so unabhängig und frei und zugleich so aus dem Übersinnlichen heraus spricht wie Tertullian, den soll man suchen, selbst innerhalb der damaligen Zeit, wo das Übersinnliche den Menschen noch näher lag als später! Und Tertullian sagte nicht nur in rationalistischer Weise: Die Christen sagen die Wahrheit, ihr erklärt sie als Bösewichter —, während man doch nur dafür, daß die Menschen das Unwahre sagen unter der Folter, sie als Bösewichter erklären sollte. — Gewiß, das war rationalistisch, wenn auch mutig, aber Tertullian sagte noch andere Dinge; Tertullian sagte zum Beispiel: Wenn ihr nur wirklich hinschaut, ihr Römer, auf eure Götter, welche Dämonen sind, und diese Dämonen wirklich befragt, da werdet ihr die Wahrheit erfahren. Aber ihr wollt nicht von den Dämonen die Wahrheit erfahren. Stellt man einen von einem Dämon Besessenen, aus dem der Dämon redet, einem angeklagten Christen gegenüber und läßt ihn von dem Christen in der richtigen Weise befragen: der Dämon läßt sich als Dämon erkennen; und wenn auch mit Furcht, so wird er auch von dem Gotte, den der Christ anerkennt, sagen: Das ist der Gott, der nun in die Welt gehört! Tertullian ruft nicht nur das Zeugnis der Christen, sondern auch das Zeugnis der Dämonen an, indem er sagt, daß die Dämonen sich auch als Dämonen bekennen werden, wenn man sie nur befragt, angstlos befragt, und daß sie gerade so, wie es auch in den Evangelien beschrieben ist, den Christus Jesus als den wirklichen Christus Jesus anerkennen.

[ 5 ] In short, Tertullian was a man who had a keen sense of the absurdity of life. And Tertullian was already a mind that had become one with what had developed as Christian consciousness and Christian wisdom—a keen observer of life. So it is truly significant when he tosses out a remark like this: “You have proverbs; very often in life, speaking from the most immediate feelings of the soul, you say: ‘God be with you,’ ‘God wills it’—and so on.” But that is the Christian faith: the soul professes itself to be Christian even when it speaks unconsciously. — Tertullian is also a man of independent spirit. Tertullian is a man who says to the Romans, to whom he himself belongs: “Consider the Christian God, and then reflect on what you might feel regarding true religiosity.” And I ask you whether what you, as Romans, are introducing into the world corresponds to true religiosity, or whether what the Christians want corresponds to true religiosity. You are introducing war, murder, and manslaughter into the world; that is precisely what the Christians do not want. Your sanctuaries are blasphemies, because they are symbols of victory, and symbols of victory are not sanctuaries, but signs of the desecration of sanctuaries. — That is what Tertullian said to his fellow Romans! He was a man with a sense of independence, and looking at the goings-on in Rome, he said: Does one perhaps pray by naturally looking up at the sky, or by looking toward the Capitol? — Yet Tertullian was by no means a man who was absorbed in abstract Romanism, for he was deeply imbued with the presence of the supernatural and essential in the world. One would be hard-pressed to find anyone, even within that era—when the supernatural was still closer to people than it would be later—who speaks as independently and freely, and at the same time so deeply from the supernatural, as Tertullian! And Tertullian did not merely say in a rationalistic manner: “The Christians speak the truth; you declare them to be evildoers”—when in fact one should only declare people to be evildoers because they speak untruths under torture. — Certainly, that was rationalistic, though courageous, but Tertullian said other things as well; Tertullian said, for example: “If you Romans would only truly look at your gods, who are demons, and truly question these demons, then you would learn the truth.” But you do not want to learn the truth from the demons. If you place a person possessed by a demon—through whom the demon speaks—face to face with an accused Christian, and have the Christian question him in the proper way, the demon will reveal himself as a demon; and even if with fear, he will also say of the God whom the Christian acknowledges: “This is the God who now belongs in the world!” Tertullian invokes not only the testimony of Christians but also that of the demons, stating that the demons will also confess themselves to be demons if they are merely questioned—questioned without fear—and that, just as described in the Gospels, they will acknowledge Jesus Christ as the true Jesus Christ.

[ 6 ] Es ist jedenfalls eine merkwürdige Persönlichkeit, die da im 2. Jahrhundert als ein Römer den Römern gegenübersteht. Auffallend wird uns diese Persönlichkeit, wenn wir nun sehen, wie sie sich zu dem Mysterium von Golgatha verhält. Die Worte, die Tertullianus über das Mysterium von Golgatha gesprochen hat, sie sind etwa die folgenden: Gekreuzigt ist Gottes Sohn. Wir schämen uns nicht, weil es schmählich ist. Gestorben ist Gottes Sohn; es ist völlig glaubhaft, weil es töricht ist. — Die Worte bei Tertullian heißen: Prorsus credibile est, quia ineptum est. Glaubhaft ist es, völlig glaubhaft ist es, weil es töricht ist. — Also: Gestorben ist Gottes Sohn; es ist völlig glaubhaft, weil es töricht ist. Und begraben ist er, auferstanden, es ist gewiß, weil es unmöglich ist. — Aus diesem Worte: Prorsus credibile est, quia ineptum est — aus diesem Worte ist das andere Unwahre geprägt worden: Credo, quia absurdum est.

[ 6 ] In any case, he is a remarkable figure who, in the 2nd century, stood as a Roman among the Romans. This figure becomes particularly striking when we consider his attitude toward the mystery of Golgotha. The words Tertullian spoke about the mystery of Golgotha are roughly as follows: “The Son of God was crucified. We are not ashamed, because it is shameful. The Son of God has died; it is entirely credible because it is foolish. — Tertullian’s words are: *Prorsus credibile est, quia ineptum est*. It is credible, entirely credible, because it is foolish. — So: The Son of God has died; it is entirely credible because it is foolish. And he was buried, and he rose again; it is certain because it is impossible. — From this phrase: *Prorsus credibile est, quia ineptum est*—from this phrase, the other falsehood has been coined: *Credo, quia absurdum est*.

[ 7 ] Verstehen wir recht das Wort, das da Tertullianus ausspricht von dem Mysterium von Golgatha. Tertullianus sagt: Gekreuzigt ist Gottes Sohn. Wenn wir Menschen hinschauen auf diese Kreuzigung, so schämen wir uns dessen nicht, weil es schmählich ist. — Was meint er damit? Er meint damit, daß das Beste, was auf der Erde passieren konnte, schmählich sein muß, weil es die Art der Menschen ist, das Schmähliche zu tun, nicht das Vorzügliche zu tun. Würde irgend etwas, meint Tertullian, als eine schönste Tat hingestellt werden, von den Menschen getane schönste Tat, so könnte sie nicht die vorzüglichste für das Erdengeschehen sein. Die vorzüglichste Tat für das Erdengeschehen wird schon diejenige sein, die dem Menschen Schande macht, nicht Ruhm bringt; das meint er damit.

[ 7 ] Let us understand correctly the words Tertullian speaks here about the mystery of Golgotha. Tertullian says: “The Son of God was crucified.” When we humans look upon this crucifixion, we are not ashamed of it, because it is shameful. — What does he mean by this? He means that the best thing that could happen on earth must be shameful, because it is human nature to do what is shameful, not what is excellent. If anything, Tertullian argues, were to be presented as the most beautiful deed—the most beautiful deed done by human beings—it could not be the most excellent for the course of earthly events. The most excellent deed in the history of the earth will be the one that brings shame upon humanity, not glory; that is what he means.

[ 8 ] Weiter: Gestorben ist Gottes Sohn. Es ist völlig glaubhaft, weil es töricht ist. — Gestorben ist Gottes Sohn; es ist völlig glaubhaft, weil die menschliche Vernunft es töricht findet. Würde die menschliche Vernunft es gescheit finden, so würde es nicht glaubhaft sein, denn dasjenige, was die menschliche Vernunft gescheit findet, kann nicht das Höchste sein, kann nicht das Höchste der Erde sein. Denn die menschliche Vernunft ist nicht so hoch mit ihrer Gescheitheit, daß sie gerade an das Höchste gerät, sondern sie gerät an das Höchste, wenn sie töricht wird.

[ 8 ] Next: God’s Son has died. It is entirely credible because it is foolish. — God’s Son has died; it is entirely credible because human reason finds it foolish. If human reason found it sensible, it would not be credible, for that which human reason finds sensible cannot be the highest, cannot be the highest on earth. For human reason is not so exalted in its sensibility that it attains the highest; rather, it attains the highest when it becomes foolish.

[ 9 ] Begraben ist er, auferstanden. Es ist gewiß, weil es unmöglich ist. — Innerhalb der Naturerscheinungen ist es unmöglich, daß ein Toter aufersteht; aber das Mysterium von Golgatha hat nach des Tertullianus Meinung mit den Naturerscheinungen nichts zu tun. Würde man irgend etwas als Naturerscheinung bezeichnen müssen, so würde es nicht das Wertvollste der Erde sein. Dasjenige, was das Wertvollste der Erde ist, darf keine Naturerscheinung sein, muß also innerhalb des Reiches der Natur unmöglich sein. Gerade deshalb ist er begraben worden und auferstanden, und es ist deshalb gewiß, weil es unmöglich ist.

[ 9 ] He is buried; he has risen. It is certain because it is impossible. — Within the realm of natural phenomena, it is impossible for a dead person to rise again; but, in Tertullian’s view, the mystery of Golgotha has nothing to do with natural phenomena. If one were to designate anything as a natural phenomenon, it would not be the most precious thing on earth. That which is the most precious thing on earth cannot be a natural phenomenon; it must therefore be impossible within the realm of nature. Precisely for this reason, he was buried and rose again, and it is certain precisely because it is impossible.

[ 10 ] Zunächst möchte ich diesen Tertullianus insbesondere mit diesen in seinem Buche «De carne Christi» stehenden Worten, die ich eben angeführt habe, wie eine Frage hinstellen. Ich versuchte ihn zu charakterisieren, erstens als einen freien, unabhängigen Geist, zweitens als einen solchen Geist, der in unmittelbarer Umgebung der Menschen auch das Dämonisch-Übersinnliche sieht. Aber ich führte Ihnen zu gleicher Zeit drei seiner Sätze vor, wegen welcher Tertullianus von allen gescheiten Menschen als ein Tropf eigentlich angesehen werden müßte.

[ 10 ] First of all, I would like to present this Tertullian—in particular through the words from his book *De carne Christi* that I have just quoted—as a kind of question. I attempted to characterize him, first, as a free, independent spirit, and second, as a spirit who perceives the demonic and supernatural even in the immediate surroundings of human beings. But at the same time, I presented you with three of his statements, because of which Tertullianus should actually be regarded by all intelligent people as a fool.

[ 11 ] Es ist allerdings bei solchen Dingen immer merkwürdig, daß die Menschen einseitig urteilen; wenn sie so einen noch dazu falschen Satz aufbringen, wie Credo, quia absurdum est, dann beurteilen sie danach einen ganzen Menschen. Es ist aber eben nötig, daß man die drei Sätze, die ja allerdings nicht so ohne weiteres einleuchten Tertullianus will auch gar nicht so ohne weiteres einleuchten —, zusammenhält erstens mit der unabhängigen Geistigkeit des Tertullianus, dann zusammenhält mit seinem restlosen Bewußtsein von dem Mitwirken der übersinnlichen Welt innerhalb der menschlichen Umgebung.

[ 11 ] It is, however, always strange in such matters that people judge one-sidedly; when they come up with a statement like “Credo, quia absurdum est”—which is, moreover, false—they then use it to judge an entire person. But it is precisely necessary to view these three statements—which, admittedly, are not immediately obvious (nor does Tertullian intend them to be so)—in conjunction, first, with Tertullian’s independent spirit, and second, with his complete awareness of the supernatural world’s influence within the human environment.

[ 12 ] Und jetzt wollen wir dasjenige vor unsere Seele hinstellen, was geeignet ist, einigermaßen wiederum von einem andern Gesichtspunkte aus Licht zu verbreiten über das Mysterium von Golgatha. Dasjenige, was über das Mysterium von Golgatha Licht zu verbreiten geeignet ist, sind zwei Erscheinungen im Leben der Menschheit, von denen ich schon einige Worte in der vorgestrigen Betrachtung gesprochen habe: die eine Erscheinung ist der Tod, die zweite Erscheinung die Vererbung. Der Tod, der mit dem Ende des Lebens zusammenhängt, die Vererbung, die mit der Geburt zusammenhängt. Hinsichtlich des Todes und der Vererbung ist es wichtig, daß man klar sieht mit Bezug auf das Menschenleben und auf die menschliche Wissenschaft. Aus alledem, was ich Ihnen nun seit Wochen darstelle, können Sie nämlich das Folgende entnehmen: Wenn der Mensch auf seine Umgebung hinblickt mit seinen Sinnen und das Sinnliche mit seinem Verstande sich begreiflich machen will, dann treten unter den Erscheinungen der Sinne ihm auch entgegen die Erscheinungen der Vererbung: daß gewissermaßen die Eigenschaften der Vorfahren in den Nachkommen spuken und der Mensch aus dem Unterbewußten dieser vererbten Kräfte heraus handelt. Dasjenige, was mit dem Mysterium der Geburt zusammenhängt, alle diese verschiedenen vererbten Merkmale, wir studieren sie oftmals, wenn wir nicht einmal an diese vererbten Merkmale denken: wenn wir zum Beispiel Völkerkunde treiben, reden wir ja, ohne daß wir darauf aufmerksam sind, immer von vererbten Merkmalen. Man kann nicht ein Volk studieren, ohne daß man eigentlich alles, was man studiert, im Kreise der vererbten Merkmale sieht. Wenn Sie von irgendeinem Volke, von den Russen, von den Engländern, von den Deutschen und so weiter reden, so reden Sie von denjenigen Eigenschaften, die in das Gebiet der Vererbung gehören, die der Sohn immer vom Vater, der Vater vom Großvater und so weiter erwirbt. Das Gebiet der Vererbung, das mit dem Mysterium der Geburt zusammenhängt, ist eben ein weites, und wir sprechen, indem wir von dem äußeren Leben, in das der Mensch hineingestellt ist, reden, vielfach von den Tatsachen, von den Kräften der Vererbung, ohne daß wir uns dessen immer bewußt sind. Daß das Mysterium des Todes sich hineinstellt in das Sinnenleben der Menschen, das ist ja jetzt eine immerdar vor Augen tretende Tatsache, so daß man nicht viele Worte darüber zu machen braucht. Aber wenn man nun, ich möchte sagen, rückwärts das menschliche Erkenntnisvermögen betrachtet, so zeigt sich ein anderes. Es zeigt sich nämlich, daß dieses menschliche Erkenntnisvermögen geeignet ist, vieles in der Naturordnung zu begreifen, aber es erklärt sich dieses menschliche Erkenntnisvermögen für souverän und will a/les begreifen, was in diese Naturordnung sich hineinstellt. Nun ist dieses menschliche Erkenntnisvermögen niemals geeignet, die Tatsache der Vererbung, die mit dem Mysterium der Geburt zusammenhängt, und die Tatsache des Todes zu begreifen. Und die eigentümliche Erscheinung tritt auf im Menschenleben, daß die ganze menschliche Anschauung durchsetzt ist von falschen Begriffen, weil diese Anschauung Erscheinungen zur Sinneswelt rechnet, die zwar in der Sinneswelt sich kundgeben, die aber ihrem ganzen Wesen nach geistiger Art sind. Wir zählen den Menschentod — mit dem Tod der Tiere und der Pflanzen ist es etwas anderes, ich habe vorgestern darauf aufmerksam gemacht — unter die Erscheinungen, die sich in der Sinneswelt abspielen, weil es so zu sein scheint. Aber dadurch erreichen wir nicht, daß wir etwas erfahren können über den Menschentod. Niemals würde eine Naturwissenschaft etwas sagen können über den Menschentod, sondern wir erreichen nur das, daß wir uns unsere ganze menschliche Anschauung in ein Scheinbild verwandeln, denn wir mischen überall die Tatsachen des Todes hinein. Und wir erfahren über die Natur in ihrer Wahrheit nur dann etwas, wenn wir den Tod auslassen und wenn wir die Vererbungsmerkmale auslassen. Das Eigentümliche der menschlichen Erkenntnis ist, daß sie verdorben wird — wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf —, zum Scheinbild gemacht wird, weil sie glaubt, sie könne sich über die ganze Sinneswelt auslassen, also auch über Tod und Geburt; und weil sie in ihre Auffassung der Natur Tod und Geburt hineinmischt, verdirbt sie sich ihre ganze Anschauung über die Sinneswelt. Man gelangt niemals zu einer Anschauung darüber, was der Mensch als Sinneswesen ist, wenn man die Eigenschaften der Vererbung, die ja mit der Geburt zusammenhängen, mit zu der Sinneswelt rechnet. Man verdirbt sich das ganze Bild des Menschen — ich habe drei Strömungen dargestellt, die gerade Linie, die normale Entwickelung, die seitliche luziferische und die seitliche ahrimanische —, die ganze Entwickelung des Menschen, die eben gerade fortläuft, wenn man Geburt und Tod zum Wesen des Menschen, insofern der Mensch der Sinneswelt zugehört, hinzurechnet.

[ 12 ] And now let us bring before our souls that which is capable of shedding some light, once again from a different perspective, on the Mystery of Golgotha. What is capable of shedding light on the Mystery of Golgotha are two phenomena in human life, about which I have already spoken briefly in the reflection from the day before yesterday: the first phenomenon is death, the second is heredity. Death, which is connected with the end of life, and heredity, which is connected with birth. With regard to death and heredity, it is important to see clearly in relation to human life and human science. From everything I have been presenting to you over the past few weeks, you can indeed deduce the following: When a person observes their surroundings with their senses and seeks to make sense of the sensory world through their intellect, the phenomena of heredity also come to meet them among the phenomena of the senses: that, so to speak, the characteristics of ancestors haunt their descendants, and the person acts out of the subconscious influence of these inherited forces. That which is connected with the mystery of birth—all these various inherited characteristics—we often study them without even thinking of them as such: when we engage in ethnology, for example, we are always speaking of inherited characteristics without even realizing it. One cannot study a people without actually viewing everything one studies within the context of inherited characteristics. When you speak of any people—the Russians, the English, the Germans, and so on—you are speaking of those qualities that belong to the realm of heredity, which the son always acquires from the father, the father from the grandfather, and so on. The realm of heredity, which is connected to the mystery of birth, is indeed a vast one, and when we speak of the external life in which human beings are placed, we often speak of the facts and forces of heredity without always being aware of it. That the mystery of death enters into people’s inner lives is, after all, a fact that is constantly before our eyes, so that there is no need to say much about it. But if we now, I might say, look back at the human capacity for knowledge, something else becomes apparent. It becomes apparent, namely, that this human capacity for knowledge is suited to grasping much within the natural order, yet this capacity declares itself sovereign and seeks to comprehend everything that occurs within this natural order. Now, this human capacity for knowledge is never suited to grasping the fact of heredity—which is connected to the mystery of birth—nor the fact of death. And a peculiar phenomenon occurs in human life: the entire human worldview is permeated by false concepts, because this worldview classifies as phenomena of the sensory world those that, while they do manifest themselves in the sensory world, are in their very essence of a spiritual nature. We count human death—the death of animals and plants is a different matter, as I pointed out the day before yesterday—among the phenomena that take place in the sensory world, because that is how it appears to be. But this does not enable us to learn anything about human death. A natural science could never say anything about human death; rather, we merely end up transforming our entire human perception into an illusion, because we mix the facts of death into everything. And we learn something about nature in its truth only when we leave out death and when we leave out hereditary characteristics. The peculiarity of human knowledge is that it becomes corrupted—if I may use that expression—and is turned into an illusion, because it believes it can speak about the entire sensory world, including death and birth; and because it mixes death and birth into its conception of nature, it corrupts its entire view of the sensory world. One can never arrive at a true understanding of what the human being is as a sensory being if one includes the characteristics of heredity—which are, after all, connected with birth—within the sensory world. One distorts the entire picture of the human being—I have described three currents: the straight line, normal development, the lateral Luciferic current, and the lateral Ahrimanic current—the entire development of the human being, which is precisely continuing, if one includes birth and death as part of the human being’s essence, insofar as the human being belongs to the sensory world.

[ 13 ] So sonderbar steht es mit dem menschlichen Erkenntnisvermögen. Dieses menschliche Erkenntnisvermögen wird unter der Anleitung der Natur selber dazu getrieben, Falsches zu denken, weil es, wenn es in Wahrheit denken könnte, sich aus der Natur ein Bild heraussondern müßte, in dem keine Vererbung und kein Tod im Menschenleben drinnen ist. Man müßte abstrahieren von Tod und Vererbung; man müßte auch nichts geben auf Tod und Geburt und müßte, abgesehen von diesen, sich ein Bild machen; dann würde man ein Naturbild bekommen. In der Goetheschen Weltanschauung haben die vererbten Merkmale und der Tod keinen Platz. Sie gehen nicht hinein, sie passen nicht hinein. Das ist das Eigentümliche gerade der Goetheschen Weltanschauung: Sie können nichts mit Tod und Vererbung innerhalb der Goetheschen Weltanschauung machen. Deshalb ist sie gerade so gut, und deshalb kann man sie als ein wahres Naturbild der Wirklichkeit annehmen, weil Tod und Vererbung darin keinen Platz haben.

[ 13 ] Such is the strange nature of human cognitive faculties. Under the guidance of nature itself, these faculties are driven to think falsehoods, because if they were capable of thinking the truth, they would have to distill from nature a picture in which neither heredity nor death is present in human life. One would have to abstract from death and heredity; one would also have to disregard death and birth and, setting these aside, form a picture; then one would arrive at a picture of nature. In Goethe’s worldview, inherited traits and death have no place. They do not enter into it; they do not fit into it. That is precisely what is distinctive about Goethe’s worldview: one cannot incorporate death and heredity into it. That is precisely why it is so good, and why one can accept it as a true natural picture of reality—because death and heredity have no place in it.

[ 14 ] Nun hat man bis in die Zeit des Mysteriums von Golgatha noch aus gewissen geistigen Untergründen heraus naturgemäßer über Tod und Vererbung gedacht. Die semitische Bevölkerung betrachtete die vererbten Merkmale als eine unmittelbare Fortwirkung des Gottes Jahve; man versteht die Jahve-Anschauung nur, wenn man dieses weiß. Sie stellte heraus das, was sich auf die Vererbung bezog — wenigstens da, wo man noch die Jahve-Anschauung gut verstanden hat —, aus der bloßen Natur, und sah darinnen unmittelbar ein Fortwirken Jahves. Der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, das war nichts anderes als die fortwirkenden, vererbten Merkmale. Und die griechische Weltanschauung wiederum suchte, wenn ihr das auch in ihrer Dekadenz wenig gelang, etwas in der Menschennatur zu erfassen, was in dem Menschen auch zwischen Geburt und Tod lebt, was aber mit dem Tod nichts zu tun hat, suchte etwas herauszuheben aus der Summe der Erscheinungen, in das der Tod sich nicht hineinmischen kann. Die griechische Weltanschauung hatte einen gewissen Horror vor dem Begreifen des Todes; gerade weil sie auf das Sinnliche hingerichtet war, wollte sie den Tod nicht begreifen, da sie instinktiv spürte: Wenn man den Blick rein auf die Sinneswelt richtet — wie Goethe es wieder getan hat —, dann ist der Tod ein Fremdling. Er paßt nicht hinein in die Sinneswelt, er ist ein Fremdling.

[ 14 ] Up until the time of the Mystery of Golgotha, people naturally thought about death and heredity in terms of certain spiritual underpinnings. The Semitic population regarded inherited traits as a direct continuation of the influence of the god Yahweh; one can only understand the concept of Yahweh if one knows this. They distinguished what pertained to heredity—at least where the Yahweh conception was still well understood—from mere nature, and saw in it a direct continuation of Yahweh’s influence. The God of Abraham, the God of Isaac, the God of Jacob—these were nothing other than the continuing, inherited characteristics. And the Greek worldview, in turn—even if it succeeded only to a limited extent in its decadence—sought to grasp something in human nature that lives within a person even between birth and death, yet has nothing to do with death; it sought to single out something from the sum of phenomena into which death cannot intrude. The Greek worldview had a certain horror of comprehending death; precisely because it was oriented toward the sensory realm, it did not want to comprehend death, since it instinctively sensed: If one directs one’s gaze purely toward the sensory world—as Goethe did once again—then death is a stranger. It does not fit into the sensory world; it is a stranger.

[ 15 ] Nun aber entstanden gewisse andere Anschauungen daraus, und dieses Anderswerden gewisser alter Anschauungen, das trat gerade ganz besonders charakteristisch hervor bei den tonangebenden Völkern und Menschen, als sich die Zeit dem Mysterium von Golgatha näherte. Die Menschen — wenn ich mich einmal populär ausdrücken will — verloren immer mehr die Möglichkeit, atavistisch hineinzuschauen in die geistige Welt; dadurch kamen sie immer mehr und mehr zu dem Glauben, daß Geburt und Tod oder Vererbung und Tod auch zu der Sinneswelt gehören. Sie gehen ja in der Sinneswelt herum, und zwar in sehr handgreiflicher Weise, möchte ich sagen, Vererbung und Tod. Die Menschen kamen immer mehr und mehr zu der Anschauung, daß Vererbung und Tod zu der Sinneswelt gehören. Und das nistete sich ein in die ganze menschliche Anschauung. Die ganze menschliche Anschauung wurde schon Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha durchdrungen von dem Glauben, daß Vererbung und Tod mit der Sinneswelt irgend etwas zu tun haben. Dadurch bildete sich etwas sehr, sehr Merkwürdiges aus. Sie werden es nur begreifen, wenn Sie den Geist von dem, was ich in diesen Tagen gesagt habe, in der richtigen Weise auf sich wirken lassen.

[ 15 ] But certain other views arose from this, and this transformation of certain old views became particularly evident among the leading nations and individuals as the time approached the Mystery of Golgotha. People—if I may put it in layman’s terms—increasingly lost the ability to look into the spiritual world through atavism; as a result, they came more and more to believe that birth and death, or heredity and death, also belong to the sensory world. After all, heredity and death are present in the sensory world—in a very tangible way, I might say. People came more and more to the view that heredity and death belong to the sensory world. And this took root in the entire human worldview. Centuries before the Mystery of Golgotha, the entire human worldview had already been permeated by the belief that heredity and death had something to do with the sensory world. As a result, something very, very strange developed. You will only understand it if you allow the spirit of what I have said these past few days to take effect within you in the right way.

[ 16 ] Die Tatsache der Vererbung, man sah sie, indem man sie in die Naturerscheinungen hereinrückte. Man glaubte, sie sei eine Naturerscheinung; immer mehr und mehr wurde der Glaube verbreitet, die Vererbung sei eine Naturerscheinung. Jede solche Tatsache, die auftritt im Leben, ruft ihren polarischen Gegensatz hervor; Sie können sich im menschlichen Leben gar nicht einer Tatsache hingeben, ohne daß diese Tatsache ihren Gegensatz hervorruft. Das Leben der Menschen verläuft eben im Gleichgewicht von Gegensätzen. Das ist eine Grundbedingung aller Erkenntnis, daß man anerkennt, daß das Leben in Gegensätzen verläuft, und nur der Gleichgewichtszustand zwischen Gegensätzen angestrebt werden kann. Was war deshalb die Folge dieses Glaubens, daß die Vererbung hereinfällt in die Naturerscheinungen, zu den Naturerscheinungen gehöre? Die Folge davon war eine furchtbare Verunglimpfung des menschlichen Willens. Diese Verunglimpfung des menschlichen Willens, sie besteht darinnen, daß man — weil der Gegensatz sich ausbildete — eine Tatsache der Vorzeit, die wir in der Geheimwissenschaft kennen als den Einfluß der luziferisch-ahrimanischen Geister, in den menschlichen Willen hereinrückte, und eine Tatsache, die man eigentlich auf dem Naturfeld suchte, so wirksam hat in der menschlichen Seele, daß es einen hineintrieb in eine moralische Weltanschauung. Weil man die Vererbung herausstellte in die Naturerscheinungen und sie auf diese Weise verkannte, bildete sich der Gegensatz heraus: Der Glaube, daß durch den menschlichen Willen einstmals das geschehen sei, was dann als Erbsünde durch die Welt geht. Es wurde gerade durch die falsche Einreihung der Vererbung in die Naturerscheinungen das Grundübel erzeugt, die Erbsünde auf das Moralfeld zu schieben.

[ 16 ] The fact of heredity was perceived by placing it within natural phenomena. It was believed to be a natural phenomenon; the belief that heredity was a natural phenomenon became increasingly widespread. Every such fact that occurs in life gives rise to its polar opposite; in human life, one cannot devote oneself to a fact without that fact giving rise to its opposite. Human life unfolds precisely in the balance of opposites. It is a fundamental condition of all knowledge that one recognizes that life unfolds in opposites, and that only a state of balance between opposites can be sought. What, then, was the consequence of this belief—that heredity falls within the realm of natural phenomena, that it belongs to natural phenomena? The consequence was a terrible denigration of the human will. This denigration of the human will, consists in the fact that—because the opposition developed—a fact from the past, which we know in esoteric science as the influence of the Luciferic-Ahrimanic spirits, was introduced into the human will; and a fact that one actually sought in the realm of nature has such an effect on the human soul that it drove one into a moral worldview. Because heredity was emphasized in natural phenomena and thus misunderstood, a contradiction arose: the belief that what is now known as original sin—which pervades the world—was once brought about by human will. It was precisely through the erroneous classification of heredity within natural phenomena that the fundamental evil was created: the shifting of original sin onto the moral plane.

[ 17 ] Damit war auch das Denken der Menschen verdorben; denn es kam dieses Denken nicht dazu, den richtigen Glauben anzunehmen, daß so, wie sich gewöhnlich die Menschen die Erbsünde vorstellen, die ganze Vorstellung eine Gotteslästerung ist, eine furchtbare Gotteslästerung. Ein Gott, der so, wie es sich die meisten Menschen vorstellen, man möchte sagen, rein aus Ambition heraus zuläßt, daß im Paradiese das geschieht, was gewöhnlich vom Paradiese erzählt wird, der das nicht aus solchen Intentionen heraus tut, wie es in der «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt wird, sondern so, wie das gewöhnlich dargestellt wird, der wäre wahrhaftig kein hoher Gott. Und dem Gotte diese Ambition beizulegen, ist eine Gotteslästerung. Nur dann, wenn man dazu kommt, die vererbten Merkmale, dasjenige, was sich von dem Vorfahren auf den Nachkommen vollzieht, nicht ins moralische Licht zu stellen, sondern selbst als sinnenfällige Tatsache schon im übersinnlichen Lichte zu sehen, nur wenn man hinschaut auf Übersinnliches und nicht erst eine moralische Deutung unternimmt, wenn man im übersinnlichen Lichte das schaut, was man nicht mit rabbinischer Theologie in eine moralische Weltinterpretation umsetzen soll, nur dann kommt man auf das, um was es sich auf diesem Gebiete handelt. Die rabbinische Theologie wird immer durch den Verstand uminterpretieren dasjenige, was sich als Vererbungskräfte in der Sinneswelt ausbreitet, und wofür man sich schulen sollte durch Geistanschauung, damit man schon in den vererbten Merkmalen in der Sinneswelt den Geist entdeckt. Das ist das, worauf es ankommt. Und den Hauptwert lege ich darauf, daß Sie einsehen: Ohne dieses Mysterium von Golgatha wäre die Menschheit in der Zeit des Mysteriums von Golgatha dazu gekommen, den Geist zu verleugnen, weil sie abgekommen wäre davon, für die Vererbungsmerkmale, die innerhalb der Sinneswelt sind, den Geist anzuerkennen, weil die Menschen dazu gekommen sind, immer mehr und mehr rabbinistische sowohl wie sozialistische Interpretationen an die Stelle der Geistanschauung zu setzen. Darauf beruht ungeheur viel, daß man sich genötigt sieht zu sagen: Du begreifst nichts in der Sinneswelt, wenn du dich nicht ausstattest für dasjenige, was in der Sinneswelt schon ein übersinnlicher Fremdling ist, weil es geistige Zusammenhänge hat. Auf die Vererbungszusammenhänge muß man mit der geistigen, mit der übersinnlichen Anschauung hinweisen. Der Verstand aber, der umgesetzt hat das Sinnliche, das schon ein Übersinnliches, ein Geistiges ist, in ein verstandesmäßig aufgefaßtes Moralisches, dieser Geist, der ist derjenige, dem der Geist Christi, der Geist des Mysteriums von Golgatha entgegensteht. Das mit Bezug auf die Vererbung und mit Bezug auf den Tod.

[ 17 ] Thus, people’s thinking was also corrupted; for this thinking never came to embrace the true belief that, just as people usually imagine original sin to be, the entire concept is blasphemy—a terrible blasphemy. A God who, as most people imagine—one might say, purely out of ambition—allows what is usually described as happening in Paradise to occur there; a God who does not act out of the intentions described in *Outline of Esoteric Science*, but rather as is commonly portrayed—such a God would truly not be a high God. And to attribute this ambition to God is blasphemy. Only when one comes to view inherited traits—that which is passed down from ancestors to descendants—not in a moral light, but as a self-evident fact already in the supersensible light, only when one looks toward the supersensible and does not first attempt a moral interpretation—when one views in the supersensible light that which should not be translated into a moral interpretation of the world through rabbinic theology—only then does one arrive at what is truly at stake in this realm. Rabbinic theology will always reinterpret through the intellect that which manifests as hereditary forces in the sensory world—and for which one should train oneself through spiritual contemplation—so that one may discover the Spirit even within the inherited characteristics of the sensory world. That is what matters. And I place the greatest value on your understanding this: Without this Mystery of Golgotha, humanity would have come to deny the spirit during the time of the Mystery of Golgotha, because it would have strayed from recognizing the spirit in the hereditary characteristics that exist within the sensory world; for people have come to substitute rabbinical as well as socialist interpretations more and more for spiritual insight. An immense amount depends on this, so much so that one feels compelled to say: You understand nothing in the sensory world unless you equip yourself for that which is already a supersensory stranger within the sensory world, because it has spiritual connections. One must point to the connections of heredity with a spiritual, a supersensory perspective. But the intellect that has transformed the sensory—which is already supersensible, already spiritual—into a moral concept grasped by the intellect—this spirit is the very one opposed by the Spirit of Christ, the Spirit of the Mystery of Golgotha. This applies both to heredity and to death.

[ 18 ] Gewiß, gerade die Kirchenväter konnten konstatieren, daß auch unter den Heiden die Menschen zahlreich waren, die von der Unsterblichkeit überzeugt waren. Aber um was handelt es sich denn dabei? Nun, in alten Zeiten hatte es sich dabei darum gehandelt, daß man erkannt hat: Der Tod ist in der Sinneswelt schon eine übersinnliche Erscheinung. Man hatte sich schon zur Zeit des Mysteriums von Golgatha die Weltanschauung dadurch verdorben, daß man den Tod als eine sinnliche Erscheinung genommen hat und dadurch die Todeskräfte auch ausbreitete über die übrige Sinneswelt. Der Tod muß als ein Fremdling innerhalb der Sinneswelt angesehen werden. Dann nur kann reine Wissenschaft von der Naturordnung entstehen.

[ 18 ] Certainly, the Church Fathers themselves were able to observe that even among the pagans there were many who were convinced of immortality. But what is this really about? Well, in ancient times, the point was that people had recognized: Death is, even within the sensory world, already a supersensory phenomenon. As early as the time of the Mystery of Golgotha, people had already corrupted their worldview by regarding death as a sensory phenomenon and thereby extending the forces of death throughout the rest of the sensory world. Death must be regarded as a stranger within the sensory world. Only then can pure science of the natural order arise.

[ 19 ] Dazu ist gekommen dasjenige, was manche Philosophen des ausgehenden Altertums über die Unsterblichkeit ersonnen haben. Sie haben sich gewendet an das Unsterbliche im Menschen. Daran haben sie sich mit Recht gewendet, denn sie haben sich gesagt: Der Tod ist da in der Sinneswelt. — Das haben sie aber aus einer korrumpierten Weltanschauung heraus gesagt; denn aus einer nichtkorrumpierten Weltanschauung heraus hätten sie sagen müssen: Der Tod ist nicht da in der Sinneswelt, er tritt nur scheinbar in die Sinneswelt herein. — Und sie stellten allmählich die Sinneswelt so vor, daß der Tod darin Platz hat. Damit verdirbt man sich aber alle andern Dinge. Selbstverständlich verdirbt man sich alle andern Dinge, wenn man sie sich so vorstellt, daß der Tod einen Platz darin hat. Wenn sie sich aber aus einer korrumpierten Weltanschauung heraus das sagten, dann mußten sie sich noch etwas anderes sagen, dann mußten sie sich sagen: Wir müssen uns an irgend etwas wenden, das dem Tod widerspricht, an ein Übersinnliches, das dem Tod widerspricht. — Ja, dadurch, daß die Menschen im ausgehenden Altertum aus einer korrumpierten Weltanschauung heraus sich an das unpersönlich Geistige gewendet haben, war diese unsterbliche geistige Welt — wenn sie das auch anders genannt haben — die luziferische Welt. Wie der Mensch die Dinge benennt, darauf kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, was wirklich in seinen Vorstellungen kraftet: und so war es die luziferische Welt. Und wie auch die Worte anders lauteten, die Philosophen des ausgehenden Heidentums hatten eigentlich in allen ihren Interpretationen nichts anderes gesagt, als: Wir wollen als Seelen, indem wir dem Tod entgehen, zu Luzifer uns flüchten, der uns aufnimmt, so daß wir die Unsterblichkeit haben. Wir sterben ins Reich des Luzifer hinein. — Das war der wahre Sinn.

[ 19 ] Added to this is what some philosophers of late antiquity conceived regarding immortality. They turned their attention to the immortal aspect within the human being. They were right to do so, for they said to themselves: Death is present in the sensory world. — But they said this from a corrupted worldview; for from an uncorrupted worldview they would have had to say: Death is not present in the sensory world; it only appears to enter the sensory world. — And they gradually came to conceive of the sensory world in such a way that death has a place within it. But in doing so, one corrupts all other things. Of course, one spoils all other things when one conceives of them in such a way that death has a place within them. But if they said this based on a corrupted worldview, then they had to tell themselves something else as well; they had to say to themselves: We must turn to something that contradicts death, to a supersensible realm that contradicts death. — Yes, it was precisely because people in late antiquity, acting out of a corrupted worldview, turned to the impersonal spiritual that this immortal spiritual world—even if they called it by another name—was the Luciferic world. It does not matter how people name things; what matters is what truly powers their conceptions: and so it was the Luciferic world. And however the words may have differed, the philosophers of late paganism had, in all their interpretations, said nothing other than: As souls, by escaping death, we wish to take refuge with Lucifer, who receives us so that we may attain immortality. We die into the realm of Lucifer. — That was the true meaning.

[ 20 ] Die Nachzügler der Kräfte, welche in der menschlichen Erkenntnis aus all diesen Voraussetzungen heraus, die ich Ihnen heute gesagt habe, walten, die sieht man noch heute walten. Denn was müssen Sie sich denn eigentlich sagen, wenn Sie die Worte, die ich heute aus der Initiationsweisheit heraus wiederum zu Ihnen gesprochen habe, ernst nehmen? Sie müssen sagen: Es gibt des Menschen Ursprung und es gibt sein Ende. Beide dürfen nicht mit dem, was der Mensch als Verstand hat, der für die Natur taugt, ergriffen werden. Man kommt zu einer falschen Anschauung sowohl über das Übersinnliche wie auch über das Sinnliche, wenn man Geburt und Tod in das Sinnliche hineinmischt, wohinein sie nicht gehören, weil sie Fremdlinge sind. Man verdirbt sich beides: Man verdirbt sich die Geistauffassung und verdirbt sich die Naturauffassung. Was ist die Folge? Nun, eine der Folgen zum Beispiel ist diese: Es gibt eine Anthropologie, die den Ursprung des Menschen auf sehr niedrige Wesen zurückführt und ganz naturwissenschaftlich handelt, sehr gescheit dabei handelt. Gehen Sie durch alle diese Anthropologien, die den Menschenursprung zurückführen auf niedrige Wesen, die sie sich so vorstellen, als ob dasjenige, was heute unter den wilden Völkern noch heimisch ist, am Ausgange des Menschengeschlechts gewesen wäre! — Man urteilt naturwissenschaftlich ganz richtig, wenn man solch eine Vorstellung hat. Aber die Schlußfolgerung, die man daraus ziehen sollte, ist nämlich die folgende: Gerade weil das naturwissenschaftlich so richtig ist — vor der Naturwissenschaft richtig ist, die da glaubt, daß Geburt und Tod in die Sinneswelt gehören —, deshalb ist es falsch, deshalb war es anders am wirklichen Ursprung des Menschen. Und als Kant und Laplace ihre Theorie ausgedacht haben, haben sie aus der Narturwissenschaft heraus ihre Kant-Laplacesche Theorie gebildet. Man kann scheinbar nichts dagegen einwenden, aber gerade deshalb war es anders, weil die KantLaplacesche Theorie vom Standpunkt der heutigen Naturwissenschaft richtig ist. Sie kommen zu dem Richtigen, wenn Sie sowohl für den Menschenursprung und das Menschenziel, wie für den Erdenursprung und das Erdenziel als richtig anerkennen das Gegenteil von dem, was naturwissenschaftlich in dem heutigen Sinne richtig ist. Anthroposophie wird um so mehr das Richtige sagen über den Erdenursprung, je mehr sie im Widerspruche steht mit dem, was [darüber] aus einer im heutigen Sinne richtigen Naturwissenschaft gesagt werden kann. Daher steht Anthroposophie auch [wiederum] nicht im Widerspruch mit der heutigen Naturwissenschaft! Sie läßt die Naturwissenschaft gelten, aber sie erweitert sie nicht über ihre Grenzen hinaus, sondern sie zeigt gerade diejenigen Punkte auf, wo übersinnliche Anschauung eingreifen muß. Anthropologie wird, je logischer sie ist, je richtiger sie ist in bezug auf die heutige, dem Menschen notwendige und eingeborene Naturordnung, um so mehr das nicht sagen, was nicht war am Ausgangspunkte des Menschendaseins und der Erde! Und um so weniger wird die Naturwissenschaft das treffen, was den Tod betrifft, je mehr sie aus ihren Vorstellungen heraus über den Tod phantasiert.

[ 20 ] The stragglers among the forces that govern human knowledge—based on all the premises I have mentioned to you today—can still be seen at work today. For what must you actually tell yourselves if you take seriously the words I have spoken to you again today, drawn from the wisdom of initiation? You must say: There is the origin of the human being, and there is its end. Neither may be grasped with the human intellect that is suited to nature. One arrives at a false view of both the supersensible and the sensible realms when one mixes birth and death into the sensible realm, where they do not belong, for they are strangers there. One corrupts both: one corrupts one’s conception of the spirit and one corrupts one’s conception of nature. What is the consequence? Well, one of the consequences, for example, is this: there is an anthropology that traces the origin of humankind back to very low beings and proceeds entirely in a scientific manner, acting very cleverly in the process. Go through all these anthropologies that trace human origins back to lower beings, which they imagine as if what is still found among primitive peoples today had been the starting point of the human race! — One judges quite correctly from a scientific standpoint when one holds such a view. But the conclusion one should draw from this is precisely the following: Precisely because this is so correct from a scientific standpoint—correct in relation to natural science, which believes that birth and death belong to the sensory world—it is therefore wrong; therefore, the true origin of humankind was different. And when Kant and Laplace devised their theory, they formulated their Kant-Laplacean theory based on natural science. There seems to be no objection to this, but it was precisely different because the Kant-Laplacean theory is correct from the standpoint of modern natural science. You arrive at the correct conclusion when you recognize as true—both regarding the origin and destiny of humankind and the origin and destiny of the Earth—the opposite of what is considered correct in natural science in the modern sense. The more anthroposophy contradicts what can be said [about these matters] by modern science—as understood today—the more accurately it will describe the origin of the Earth. Therefore, anthroposophy is [once again] not in contradiction with modern natural science! It acknowledges the validity of natural science, but it does not extend it beyond its limits; rather, it points out precisely those areas where supersensible insight must intervene. The more logical anthropology is—the more accurate it is with regard to the present-day natural order, which is necessary and innate to human beings—the less it will say about what did not exist at the starting point of human existence and the Earth! And the more natural science fantasizes about death based on its own concepts, the less it will hit the mark when it comes to death.

[ 21 ] Aber dies wäre zunächst ohne das Mysterium von Golgatha menschliches Erdenschicksal geworden: daß gerade über die wichtigsten Dinge aus einer korrumpierten Weltanschauung hätte gedacht werden müssen; denn das hing durchaus nicht etwa von dem menschlichen Willen ab, durchaus nicht etwa von einer menschlichen Schuld ab, sondern das hing lediglich an der menschlichen Entwickelung. Der Mensch kam einfach im Laufe seiner Entwickelung dahin, diesen Fleisch- und Blut- und Knochenzusammenhang, in dem er drinnensteckt, für sich selbst zu halten. Ein alter Ägypter würde ja zunächst in der älteren, besseren ägyptischen Zeit furchtbar komisch berührt gewesen sein, wenn jemand behauptet hätte, das, was da herumwandelt auf zwei Beinen, [was] aus Blut und Fleisch und Knochen besteht, das sei ein Mensch. Aber diese Dinge hängen nicht ab von theoretischen Erwägungen, diese Dinge kann man nicht ausspintisieren oder entspintisieren; sondern es wurde nach und nach für den Menschen eine selbstverständliche Eigenschaft, das Gebilde aus Fleisch und Blut und Knochen, das in Wahrheit ein Abbild ist aller Hierarchien, für sich selbst anzusehen. Es wurde so sehr Irrtum über diese Sache verbreitet, daß kurioserweise bei einzelnen, die auf den Irrtum daraufkamen, ein Hineintapsen in einen noch größeren Irrtum stattfand.

[ 21 ] But without the Mystery of Golgotha, this would initially have become the fate of humanity on Earth: that precisely the most important matters would have had to be conceived from a corrupted worldview; for this did not depend at all on human will, nor at all on human guilt, but depended solely on human development. In the course of human evolution, people simply came to regard this complex of flesh, blood, and bone in which they are embedded as their very selves. An ancient Egyptian, in the older, better days of Egypt, would certainly have been terribly amused if someone had claimed that what walks around on two legs, consisting of blood, flesh, and bones, is a human being. But these things do not depend on theoretical considerations; they cannot be spun into existence or spun out of existence. Rather, it gradually became a self-evident characteristic for human beings to regard the form of flesh, blood, and bone—which is in truth a reflection of all hierarchies—as themselves. So much error has been spread about this matter that, curiously enough, some individuals who stumbled upon this error ended up falling into an even greater one.

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[ 22 ] Gewiß, einige kamen schon darauf — aber sie kamen auf eine ahrimanisch-luziferische Art darauf —, daß der Mensch nicht das ist, was da aus Fleisch und Blut und Knochen besteht. Sie sagten: Wenn wir etwas Besseres sind als diese Zusammenfügung aus Fleisch und Blut und Knochen, dann wollen wir vor allen Dingen das Fleischliche verachten, dann wollen wir den Menschen als etwas Höheres ansehen, dann wollen wir den sinnlichen Menschen von uns abtun! — Nun ist aber gerade dieses Bild aus Fleisch und Blut und Knochen mit dem Ätherleib und Astralleib zusammen, so wie es der Mensch sieht, ein Scheingebilde. In Wirklichkeit ist es das reinste Ebenbild der Gottheit. Nicht weil wir den Teufel sehen sollen in der Welt, ist es — wie ich auseinandergesetzt habe — ein Irrtum, sondern weil wir den Gott sehen sollen in unserer eigenen Welt in uns, deshalb ist es ein Irrtum, sich zu identifizieren mit der sinnlichen Natur. Das ist auch ganz falsch, sich zu sagen: Ja, ich bin nun ein ganz hohes Wesen, ein furchtbar hohes Wesen, eine furchtbar hohe Seele, und da (Zeichnung) ist diese minderwertige, gräßliche Umgebung. — So ist es nicht, sondern die Sache ist so: Da sind die Reiche der höheren Hierarchien, alle göttlichen Wesenheiten (siehe Zeichnung $. 248); die haben als ihr Götterziel betrachtet, ein Gebilde zusammen zu formen (blauer Kreis), das ihr Abbild ist. Dieses Gebilde präsentiert sich äußerlich als der sichtbare Menschenleib. Und in dieses Gebilde, das ein Abbild ist der Gottheit und das verleumdet wird, jämmerlich verleumdet wird, wenn man es für niedrig erachtet, in dieses Gebilde haben hineingelegt die Geister der Form das menschliche Ich, die jetzige Seele, die das Baby ist unter den menschlichen Gliedern, wie ich oftmals gesagt habe (Punkt im blauen Kreis).

[ 22 ] Certainly, some had already come to realize—though they did so in an Ahrimanic-Luciferic way—that human beings are not merely what consists of flesh, blood, and bones. They said: If we are something better than this combination of flesh, blood, and bones, then above all we must despise the physical, then we must regard the human being as something higher, then we must cast aside the sensual human being! — Yet it is precisely this image of flesh, blood, and bones, together with the etheric and astral bodies, as the human being perceives it, that is an illusion. In reality, it is the purest image of the Deity. It is a mistake—as I have explained—not because we are supposed to see the devil in the world, but because we are supposed to see God in our own world, within ourselves; that is why it is a mistake to identify with our physical nature. It is also entirely wrong to say to oneself: “Yes, I am now a very high being, a tremendously high being, a tremendously high soul, and there (drawing) is this inferior, hideous environment.” — That is not the case; rather, the matter is this: There are the realms of the higher hierarchies, all divine beings (see drawing $248); they have set as their divine goal the task of forming a structure (blue circle) that is their image. This structure presents itself outwardly as the visible human body. And into this form—which is an image of the Deity and which is slandered, miserably slandered, when it is regarded as lowly—into this form, the Spirits of Form have placed the human “I,” the present soul, which is the infant among human beings, as I have often said (the dot within the blue circle).

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[ 23 ] Wäre also das Mysterium von Golgatha nicht gekommen, dann hätte der Mensch nur falsche Anschauungen gewinnen können über Vererbung und über den Tod, und diese falschen Anschauungen, die würden immer höher und höher sich gesteigert haben. Jetzt treten sie manchmal in atavistischer Weise auf — wie in manchen sozialistischen Gruppen heute eine Weltanschauung vertreten wird, die ein Atavismus ist —, in solchen Anschauungen, die den Tod und die Geburt hinzurechnen zu den sinnlichen Erscheinungen. Und in der weiteren Entwickelung der Menschheit müßte das liegen, daß vor dem Menschen sich überhaupt das Tor zuschlösse in die übersinnliche Welt, und was er in der sinnlichen Welt schon finden kann vom Übersinnlichen, Vererbung und Tod, das würden seine Verführer werden, die gerade heimtückisch auftreten, indem sie sagen: Wir sind sinnlich — während sie es gar nicht sind. Nur wenn wir einer Natur nicht glauben, die uns den Tod und die Geburt vorspiegelt, dann kommen wir auf die Wahrheit. So paradox ist der Mensch nun einmal in die Welt hineingestellt.

[ 23 ] If, then, the Mystery of Golgotha had not taken place, human beings would have been able to form only false views about heredity and death, and these false views would have intensified more and more. Now they sometimes manifest in an atavistic way—just as in some socialist groups today a worldview is espoused that is an atavism—in such views that count death and birth among sensory phenomena. And in the further development of humanity, this would mean that the gate to the supersensible world would close completely before human beings, and whatever they can already find in the sensory world that pertains to the supersensible—heredity and death—would become their seducers, who act insidiously by saying, “We are sensory”—while they are not at all. Only when we do not believe in a nature that presents death and birth to us as reality do we arrive at the truth. That is simply how paradoxically human beings are placed in the world.

[ 24 ] In den Menschen mußte eingepflanzt werden etwas, was dieser Entwickelung das Gleichgewicht halten konnte, was den Menschen hinwegführen konnte von diesem Glauben, daß Vererbung und Tod im Menschenleben sinnliche Erscheinungen sind. Dazu mußte etwas vor ihn hingestellt werden, was ihm klarmachte: Tod und Vererbung sind übersinnliche, sind nicht sinnliche Erscheinungen. Deshalb muß dasjenige Ereignis, welches wiederum dem Menschen die Wahrheit anweist über diese Dinge, nicht für die gewöhnlichen Menschenkräfte erreichbar sein, denn die sind ja auf dem Wege zur Korruption und müssen durch einen kräftigen entgegengesetzten Anstoß zurechtgerückt werden. Und dieser entgegengesetzte Anstoß war das Mysterium von Golgatha, indem es sich hingestellt hat in die Menschheitsentwikkelung als etwas, was übersinnlich ist, so daß für den Menschen ferner die Wahl liegt: Entweder glaubst du an dieses Übersinnliche, näherst dich ihm aber nun erkennend auf übersinnliche Weise, oder du verfällst in alle jene Anschauungen, die sich ergeben müssen, wenn du Tod und vererbte Merkmale als der Sinnenwelt angehörig betrachtest. — Daher sind Ingredienzien einer wahren Anschauung über das Mysterium von Golgatha die beiden Grenztatsachen dieses Mysteriums von Golgatha: die Auferstehung, die nicht gedacht werden kann ohne ihren Zusammenhang mit der Conceptio immaculata, geboren nicht in der Art, wie durch die Geburt eine Tatsache der Menschheit vorgespiegelt wird, sondern auf übersinnliche Weise, und durch den Tod gegangen auf übersinnliche Weise. Das sind die beiden Grundtatsachen, die das Christus Jesus-Leben begrenzen müssen. Niemand versteht die Auferstehung, die sein soll die Vorstellung, welche hingestellt wird als die wahre Vorstellung gegenüber der falschen Vorstellung, daß der Tod der Sinneswelt angehört, niemand versteht diese Auferstehung, wenn er nicht ihr Korrelat ebenso annimmt, die Conceptio immaculata, die unbefleckte Empfängnis, die Geburt als eine übersinnliche Tatsache. Die Menschen wollen das verstehen, Auferstehung und Conceptio immaculata, und die neueren protestantischen Theologen wollen sogar schon innerhalb der Theologie mit dem gewöhnlichen Menschenverstand, der aber nur ein Schüler der Sinneswelt ist, und zwar der korrumpierten Sinnesanschauung, die sich herausgebildet hat seit dem Mysterium von Golgatha, diese Tatsache begreifen. Und wenn sie sie nicht begreifen können, werden sie Harnackianer oder etwas ähnliches, leugnen die Auferstehung ab, machen allerlei Redensarten darüber. Nun, und die Conceptio immaculata, die betrachten sie überhaupt schon als etwas, wovon ein vernünftiger Mensch nicht reden kann.

[ 24 ] Something had to be instilled in human beings that could maintain a balance in this development, something that could lead them away from the belief that heredity and death are sensory phenomena in human life. To this end, something had to be set before them that would make it clear to them: Death and heredity are supersensible phenomena, not sensory ones. Therefore, the event that once again reveals the truth about these things to humanity must not be accessible to ordinary human powers, for these are, after all, on the path to corruption and must be set aright by a powerful counter-impulse. And this opposing impulse was the Mystery of Golgotha, in that it has placed itself within human evolution as something supersensible, so that the choice now lies with the individual: Either you believe in this supersensible reality and approach it with supersensible insight, or you fall into all those views that inevitably arise when you regard death and inherited characteristics as belonging to the sensory world. — Therefore, the two defining facts of the Mystery of Golgotha are the essential elements of a true understanding of this mystery: the Resurrection, which cannot be conceived without its connection to the Immaculate Conception—born not in the manner in which birth is presented as a fact of humanity, but in a supersensible way—and having passed through death in a supersensible way. These are the two fundamental facts that must define the life of Christ Jesus. No one understands the Resurrection—which is meant to be the true conception set against the false conception that death belongs to the sensory world—no one understands this Resurrection unless they also accept its counterpart, the Immaculate Conception, birth as a supersensory fact. People want to understand this—the Resurrection and the Conceptio immaculata—and the more recent Protestant theologians even want to grasp this fact within theology itself using ordinary human reason, which, however, is merely a disciple of the sensory world, and specifically of the corrupted sensory perception that has developed since the Mystery of Golgotha. And when they cannot grasp it, they become Harnackians or something similar, deny the Resurrection, and come up with all sorts of arguments about it. As for the Immaculate Conception, they regard it from the outset as something a reasonable person cannot even speak of.

[ 25 ] Dennoch, es hängt innig zusammen mit dem Mysterium von Golgatha, daß im Mysterium von Golgatha enthalten ist die Metamorphose des Todes, das heißt seine Metamorphosierung aus einer sinnlichen Tatsache in eine übersinnliche Tatsache, und die Metamorphose der Vererbung, das heißt, daß dasjenige, was uns die Sinneswelt vorspiegelt über die Vererbung, die mit dem Mysterium der Geburt zusammenhängt, ins Übersinnliche hinübergesetzt wird in der Conceptio immaculata.

[ 25 ] Nevertheless, it is intimately connected with the Mystery of Golgotha that the Mystery of Golgotha contains the metamorphosis of death—that is, its transformation from a sensory fact into a supersensory fact—and the metamorphosis of heredity, that is, that what the sensory world presents to us regarding heredity—which is connected to the mystery of birth—is transposed into the supersensible realm in the Conceptio immaculata.

[ 26 ] Was auch immer Irrtümliches, Unzulängliches über diese Dinge gegesagt worden ist, die Aufgabe der Menschen ist nicht, unverständig diese Dinge hinzunehmen, sondern sich solche übersinnlichen Erkenntnisse anzueignen, daß sie diese Dinge, die im Sinnlichen nicht begriffen werden können, durch das Übersinnliche begreifen lernen. Wenn Sie sich die verschiedenen Zyklen, in denen über diese Dinge gesprochen worden ist, wenn Sie insbesondere auch an den Inhalt des von mir besprochenen fünften Evangeliums denken, dann werden Sie eine Reihe von Wegen finden, diese beiden Dinge zu verstehen, aber nur zu verstehen auf übersinnlichem Wege. Denn es ist recht, daß — solange der Verstand der Schüler der Sinnlichkeit bleibt, so wie es heute den Menschen in der Weltanschauung erscheinen muß — der Mensch diese Tatsache nicht begreifen kann. Gerade wenn die höchsten Tatsachen des Erdenlebens solche sind, daß der Verstand, der der Schüler der Sinnlichkeit ist, sie nicht begreifen kann, gerade dann sind sie wahr. Es ist daher gar nicht zu verwundern, wenn die Wissenschaft der Initiation von der sogenannten äußeren Wissenschaft bekämpft wird, denn sie spricht ja von den Dingen, die ganz selbstverständlich — gerade weil sie nicht in Widerspruch mit wahrer Naturwissenschaft stehen — jener Naturordnung widersprechen müssen, die aus der korrumpierten Naturanschauung kommt. Und vielfach ist auch die Theologie verfallen, wenn auch nach einer andern Richtung hin, der korrumpierten Naturanschauung. Und wenn Sie das andere nehmen, was ich gestern ausgesprochen habe, daß der Mensch erst nach dem Tode zu einer richtigen Anschauung des Mysteriums von Golgatha kommen kann, so werden Sie das nicht mehr unbegreiflich finden, wenn Sie sich überlegen, daß der Mensch durch den Tod, durch die Pforte des Todes in eine Welt eintritt, in der ihm nicht mehr vorgegaukelt werden kann, daß der Tod zur Sinneswelt gehört, denn er sieht den Tod von der andern Seite — ich habe diese Dinge oftmals geschildert — und er lernt immer mehr und mehr den Tod von der andern Seite betrachten. Dadurch aber wird er immer reifer, auch das Mysterium von Golgatha zu betrachten in seiner wahren Gestalt. Und so muß man sagen: Wäre das Mysterium von Golgatha nicht gekommen — aber das, was man so sagt, ist nur zu begreifen in übersinnlicher Erkenntnis —, dann würden die Menschen sterben. Es würde auch das Böse in der Welt sein, es würde auch Weisheit in der Welt sein. Aber da die Menschen durch ihre Entwickelung einer korrumpierten Naturanschauung verfallen mußten, mußten sie über den Tod eine falsche Anschauung haben. Dadurch wenden sie sich, indem sie sich an die Unsterblichkeit wenden wollen, an Luzifer, und sie verfallen Luzifer gerade, wenn sie sich an den Geist wenden wollen. Sie werden wie das liebe Vieh, wenn sie sich nicht an den Geist wenden, und sie werden dem Luzifer verfallen, wenn sie sich an den Geist wenden. Die Welt nach vorne sehen: man will unsterblich in Luzifer sein; nach rückwärts sehen: man interpretiert die Welt um, indem man dasjenige, was schon als Vererbungsmerkmal übersinnlich ist, ins Moralische umsetzt und dadurch die mittelalterliche Gotteslästerung fabriziert von der Erbsünde.

[ 26 ] Whatever erroneous or inadequate things may have been said about these matters, it is not humanity’s task to accept them uncritically, but rather to acquire such supersensible knowledge that they may learn to comprehend these things—which cannot be grasped through the sensible realm—through the supersensible. If you consider the various cycles in which these matters have been discussed—and if you think in particular of the content of the fifth Gospel I have discussed—you will find a number of paths to understanding these two things, but only through a supersensible approach. For it is true that—as long as the student’s intellect remains bound to the sensory realm, as it must appear to people today in their worldview—human beings cannot grasp this fact. Precisely when the highest realities of earthly life are such that the intellect, which is bound to the sensory realm, cannot grasp them, precisely then they are true. It is therefore not at all surprising that the science of initiation is opposed by so-called external science, for it speaks of things that—precisely because they do not contradict true natural science—must, quite naturally, contradict that order of nature which arises from a corrupted view of nature. And in many ways, theology, too, has fallen prey—albeit in a different direction—to this corrupted view of nature. And if you consider the other point I made yesterday—that a person can only arrive at a true understanding of the Mystery of Golgotha after death—you will no longer find this incomprehensible when you reflect that through death, through the gate of death, a person enters a world in which they can no longer be led to believe that death belongs to the sensory world, for they see death from the other side—I have described these things many times—and they learn more and more to view death from the other side. Through this, however, they become increasingly mature in their ability to view the Mystery of Golgotha in its true form. And so one must say: If the Mystery of Golgotha had not come—though what is said here can only be understood through supersensible knowledge—then human beings would die. Evil would still be in the world, and wisdom would still be in the world. But since human beings, through their development, were bound to fall into a corrupted view of nature, they were bound to have a false view of death. Consequently, in their desire to turn toward immortality, they turn to Lucifer, and they fall prey to Lucifer precisely when they seek to turn toward the Spirit. They become like the dear animals if they do not turn toward the Spirit, and they fall prey to Lucifer when they do turn toward the Spirit. Looking forward at the world: one seeks immortality in Lucifer; looking backward: one reinterprets the world by translating that which is already supersensible as a hereditary trait into the moral realm, thereby fabricating the medieval blasphemy of original sin.

[ 27 ] Vor allen diesen Dingen bewahrt die wirkliche Hingabe an das Mysterium von Golgatha. Sie stellt eine wahre Anschauung, auf übersinnlichem Wege gewonnene wahre Anschauung über Geburt und Tod in die Welt herein. Und die Menschen sollen durch eine solche wahre Anschauung geheilt werden von der falschen, von der korrumpierten Anschauung. Daher ist der Christus Jesus auch der Heilende, der Heiland. Daher wirkt er — weil die Menschen sich nicht etwa bloß aus Nichtsnutzigkeit heraus den Weg einer korrumpierten Weltanschauung gewählt haben, sondern durch ihre Entwickelung, durch ihre Natur dazu gekommen sind —, daher wirkt er auch heilend, daher ist er wirklich nicht nur der Lehrer, sondern der Arzt der Menschheit.

[ 27 ] True devotion to the Mystery of Golgotha protects us from all these things. It brings into the world a true insight—a true insight gained through supersensible means—into birth and death. And through such true insight, people are to be healed of the false, corrupted view. That is why Christ Jesus is also the Healer, the Savior. That is why he works—because human beings have not chosen the path of a corrupted worldview merely out of idleness, but have come to it through their development, through their nature—that is why he also works to heal; that is why he is truly not only the Teacher, but the Physician of humanity.

[ 28 ] Diese Dinge, sie muß man bedenken — aber wie gesagt, immer wieder muß ich es wiederholen: was nur durch übersinnliche Erkenntnis angeschaut werden kann —, wenn man sich frägt: Zu welchen Erkenntnissen mögen denn die Seelen gekommen sein, die im 2. christlichen Jahrhundert solch einen Geist inspiriert haben wie Tertullian? Wir müssen hinschauen auf die Toten, die vielleicht Zeitgenossen des Christus Jesus waren und solch einen Tertullian inspiriert haben. Gewiß, weil viel Erkenntniskorruption in der Welt war, kam manches verkehrt, getrübt, in dieser oder jener getrübten Nuance heraus. Aber hören wir durch die Worte eines Tertullian hindurch die dazumal toten, aber inspirierenden Zeitgenossen Christi, dann begreifen wir solche Worte wie die des Tertullian, dann begreifen wir, daß er sagen konnte so etwas wie: Gekreuzigt ist Gottes Sohn. Wir schämen uns des nicht, weil es schmählich ist. — Die Menschen mußten durch korrumpierte Anschauung in das Schmähliche hineinkommen; dasjenige, was der Sinn der Erde im höchsten Maße ist, das wird sich im Menschenleben zeigen als eine schmähliche Tat. Gestorben ist Gottes Sohn. Es ist völlig glaubhaft, weil es töricht ist, Prorsus credibile est, quia ineptum est. — Weil es für das, was der Mensch selbst bis an sein Lebensende im Physischen durch seinen gewöhnlichen Verstand erreichen kann, Torheit ist, so ist es gerade dasjenige, was wahr ist in dem Sinne, wie ich Ihnen das heute auseinandergesetzt habe. Und begraben ist er und auferstanden, es ist gewiß, weil es unmöglich ist — weil innerhalb der korrumpierten Naturanschauung es das gar nicht gibt.

[ 28 ] These are things one must consider—but as I have said, I must repeat this again and again: what can only be perceived through supersensible knowledge—when one asks: What insights might the souls have arrived at who, in the second Christian century, inspired a figure such as Tertullian? We must look to the dead, who may have been contemporaries of Jesus Christ and who inspired a figure like Tertullian. Certainly, because there was so much corruption of knowledge in the world, many things came out distorted, clouded, in this or that murky nuance. But if we listen through Tertullian’s words to those contemporaries of Christ who were dead at the time yet remained inspiring, then we understand words such as Tertullian’s; then we understand that he could say something like: “The Son of God was crucified.” We are not ashamed of this because it is shameful. — People had to be led into what is shameful through a corrupted perspective; that which is the very essence of the earth will manifest itself in human life as a shameful act. The Son of God has died. It is entirely credible precisely because it is foolish: Prorsus credibile est, quia ineptum est. — Because it is folly in relation to what human beings themselves can attain in the physical realm through their ordinary intellect until the end of their lives, it is precisely that which is true in the sense I have explained to you today. And he was buried and rose again; this is certain because it is impossible—because within the corrupted view of nature, such a thing does not even exist.

[ 29 ] Wenn Sie die Worte des Tertullian im übersinnlichen Sinne nehmen als inspiriert von den damals lange toten Zeitgenossen Christi, so werden Sie sich vielleicht sagen: Ja, gewiß, aufgenommen hat es der Tertullian so, wie er sie durch seine Seelenbeschaffenheit aufnehmen konnte! — aber Sie werden ihren inspirierten Ursprung ahnen können. Es konnte freilich zu solchem Ursprung den Zugang nur gewinnen ein Mann, der so gründlich mit seinem inneren Wissen im Übersinnlichen drinnenstand, daß er von den Dämonen als Zeugen des Göttlichen sprach wie von Menschenzeugen; denn Tertullian sprach davon, daß die Dämonen selber sagen, sie seien Dämonen, und daß sie den Christus anerkennen. Das war die Vorbedingung dazu, daß Tertullian überhaupt etwas wahrnehmen konnte, was ihm eininspiriert wurde.

[ 29 ] If you take Tertullian’s words in a supernatural sense—as inspired by Christ’s contemporaries, who had long since passed away—you might say to yourself: Yes, certainly, Tertullian received them in the way that his spiritual disposition allowed him to! —but you will be able to sense their inspired origin. Of course, only a man who was so thoroughly immersed in the supernatural through his inner knowledge could gain access to such an origin—a man who spoke of the demons as witnesses to the Divine just as he spoke of human witnesses; for Tertullian spoke of how the demons themselves say they are demons, and that they acknowledge Christ. This was the prerequisite for Tertullian to be able to perceive anything at all that was inspired in him.

[ 30 ] Für diejenigen, die im falschen Sinne Christen sein wollen, hat die Sache etwas sehr, sehr Unbehagliches, etwas recht Unbehagliches. Denn denken Sie einmal, wenn selbst die Dämonen die Wahrheit aussagen und auf den wahren Christus hindeuten, da könnten sie am Ende einmal, die Dämonen, von einem Jesuiten befragt werden! Es könnte einmal irgend jemand, von dem der Jesuit behauptet, daß er mit Dämonen in Berührung steht, ins Gespräch gezogen werden von diesen Dämonen über den wirklichen Ursprung des jesuitischen Christus, und der Dämon könnte dann sagen: Deiner ist nicht der Christus, sondern der des andern ist es. — Sie begreifen die jesuitische Angst vor der geistigen Welt! Sie begreifen, daß es etwas sehr Beängstigendes hat, wenn man der Gefahr ausgesetzt werden könnte, daß aus irgendeinem Winkel der übersinnlichen Welt man desavouiert würde! Dann könnte man als Kronzeugen den Tertullian bringen und könnte sagen: Ja, sieh mal, lieber Jesuit, der Dämon, der sagt selber, daß dein Gott der falsche ist, und der Tertullian, den du doch anerkennen mußt als einen richtigen Kirchenvater, sagt, daß gerade Dämonen die Wahrheit über sich und über den Christus sagen, wie es auch in der Bibel steht. — Kurz, die Sache wird sehr brenzlig, sobald es von der übersinnlichen Welt, wenn auch nur in einer unberechtigten Form, zugegeben wird, daß Dämonen für die Wahrheit zeugen. Denn selbst wenn man den Luzifer zitieren würde: über den Christus würde er nicht die Unwahrheit sagen! Aber es könnte herauskommen, daß etwas anderes die Unwahrheit über den Christus ist.

[ 30 ] For those who want to be Christians in the wrong sense, there is something very, very unsettling about this—something quite unsettling. For just think: if even the demons speak the truth and point to the true Christ, then one day, those demons might end up being questioned by a Jesuit! It could happen that someone—whom the Jesuit claims is in contact with demons—might be drawn into a conversation by these demons about the true origin of the Jesuit Christ, and the demon might then say: “Yours is not the Christ; rather, it is the other’s.” — You understand the Jesuits’ fear of the spiritual world! You understand that there is something very frightening about being exposed to the danger of being disavowed from some corner of the supernatural world! Then one could bring Tertullian forward as a key witness and say: “Yes, look here, dear Jesuit, the demon himself says that your God is the false one, and Tertullian—whom you must surely acknowledge as a true Church Father—says that it is precisely demons who speak the truth about themselves and about Christ, just as it is written in the Bible.” — In short, the situation becomes very precarious as soon as it is admitted—even if only in an unwarranted form—that demons bear witness to the truth. For even if one were to quote Lucifer, he would not speak untruths about Christ! But it might turn out that something else is the untruth about Christ.

[ 31 ] Initiationswahrheiten klingen manchmal anders als dasjenige, was die Menschen bequem finden, anzuerkennen. Allerdings führt das dazu, daß vieles in die Kreuz und Quer geht, wenn versucht wird, Initiationswahrheiten heute in die äußere Welt einzuführen, insbesondere dann, wenn solche Initiationswahrheiten eingeführt werden müssen in die unmittelbare Wirklichkeit. Ja, sobald das Feld sich eröffnet, wo aus dem Übersinnlichen heraus gesprochen wird, da kommen zuweilen recht merkwürdige Konflikte zustande, wenn dem entgegengehalten wird dasjenige, was nicht aus dem Übersinnlichen herausquillt!

[ 31 ] Initiatory truths sometimes sound different from what people find convenient to accept. However, this leads to a great deal of confusion when attempts are made to introduce initiatory truths into the outer world today, especially when such truths must be introduced into immediate reality. Indeed, as soon as the field opens up where one speaks from the supersensible realm, quite peculiar conflicts sometimes arise when this is pitted against that which does not spring from the supersensible!

[ 32 ] Wir können das schon oftmals auf das gewöhnliche Leben anwenden. Ich habe es mit einer gewissen Befriedigung empfunden, daß einer Anregung, die ich nur für mich gesagt habe innerhalb der Lehreund Dinge, die ich innerhalb der Lehre sage, sage ich als meine Überzeugung, die für niemanden unmittelbar etwas Bindendes haben soll —, daß einer Anregung Folge gegeben worden ist und dieser Bau aus den ganzen Bedingungen unseres Zeiterlebens heraus «Goetheanum» genannt worden ist. Ich sage, selbst mit Zuziehung gewisser übersinnlicher Impulse erscheint mir dasals etwas Richtiges und Gutes. Verlangte aber von mir selber jemand verstandesmäßig alle Gründe dafür, ich solle sie ihm herzählen am Daumen und an den übrigen Fingern, so würde ich mir selbst höchst philiströs vorkommen, wenn ich alle möglichen verstandesmäßigen Gründe aufzählen sollte für dasjenige, was aus einer tiefen Notwendigkeit heraus empfunden wird; sowohl alle Gründe für wie gegen würden mir wie rechte Talmiweisheit vorkommen. So wie in diesem Falle ist man oftmals, wenn man gerade für den Willen übersinnliche Impulse geltend macht. Die Menschen sagen oftmals: Das verstehe ich nicht, das begreife ich nicht. — Nun, kommt es denn schon furchtbar viel darauf an, daß der andere oder man selber die Sache begreife? Denn was heißt «begreifen»? Begreifen heißt ja nichts anderes, als, die Sache in das Licht gestellt sehen, wo die Gedanken ruhen, die man seit Jahrzehnten bequem für sich passend gefunden hat. Sonst heißt es ja weiter nichts, das, was die Menschen so «verstehen» nennen! Was man selber verstehen nennt, heißt oftmals nicht viel gegenüber den Wahrheiten, die aus der übersinnlichen Welt heraus eröffnet werden. Es ist gerade bei den übersinnlichsten Gebieten, wenn sie unmittelbar nicht bloß Lehre sind, sondern in den Willen hereingreifen sollen, in die Tatenwelt hereingreifen sollen, immer etwas Mißliches, wenn man nach Menschenverstand befragt wird: Warum, warum, warum ist das und das der Fall? Oder: Wie kann man dies und dies und dies verstehen? In dieser Beziehung müßte man sich gewöhnen, gewisse Dinge der übersinnlichen Welt in Parallele zu stellen mit dem, was man ja für die Naturtatsachen fortwährend zugibt, aber nur in Parallele. Ich weiß nicht — wenn Sie hier hinausgehen, und der Flock oder Wolf oder wie der Hund hier heißt, Sie beißt, und Sie vorher nicht gebissen waren, aber nachher gebissen sind —, ob Sie dann die Frage stellen: Warum hat der mich gebissen? Oder: Wie kann ich das verstehen? — Was ist das für ein Verständniszusammenhang? Sie werden sich es durch die Tatsache erzählen lassen. So handelt es sich eben darum, daß eben auch gewisse übersinnliche Dinge erzählt werden müssen. Und daß ihrer viele sind, das können Sie aus dem entnehmen, was ich heute angedeutet habe, daß in der Sinneswelt zwei Scheine sind, die ihre eigene Wesenheit verhüllen: der Tod und die Geburt des Menschen, die eigentlich Übersinnliches in die Sinnenwelt hereintragen, Fremdlinge sind in der Sinneswelt, sich aber maskieren und sich für sinnliche Erscheinungen ausgeben und dadurch ihre falsche Maske auch über die übrige Natur ausbreiten, so daß die übrige Natur auch von dem heutigen Menschen falsch gesehen werden muß.

[ 32 ] We can often apply this to everyday life. I felt a certain satisfaction that a suggestion I had made only to myself within the context of the teaching—and the things I say within the teaching, I say as my own conviction, which is not intended to be directly binding on anyone—that this suggestion was acted upon, and that this building, arising from the overall conditions of our contemporary experience, was named the “Goetheanum.” I say that, even with the influence of certain supersensible impulses, this strikes me as something right and good. But if someone were to demand of me, on an intellectual level, all the reasons for this—and ask me to count them off on my thumb and the other fingers—I would feel extremely philistine if I were to list all possible intellectual reasons for what is felt out of a deep necessity; all the reasons, both for and against, would strike me as mere talmudean wisdom. This is often the case when one invokes supernatural impulses in support of the will. People often say: “I don’t understand that; I can’t grasp it.”—Well, does it really matter all that much whether the other person or oneself grasps the matter? For what does “grasping” mean? To “grasp” means nothing other than to see the matter placed in the light where the thoughts rest that one has, for decades, found conveniently suited to oneself. Otherwise, what people call “understanding” means nothing more than that! What one calls “understanding” oneself often means very little in comparison to the truths revealed from the supersensible world. It is precisely in the most supersensible realms—when they are not merely doctrine but are meant to take hold of the will and influence the world of action—that there is always something problematic when one is asked, in terms of human reason: Why, why, why is this or that the case? Or: How can one understand this, this, and this? In this regard, one should get used to drawing a parallel between certain aspects of the supersensible world and what one constantly accepts as facts of nature—but only as a parallel. I don’t know—if you walk out of here, and Flock or Wolf or whatever this dog’s name is bites you, and you hadn’t been bitten before but were bitten afterward—whether you would then ask: Why did it bite me? Or: How can I understand this? — What kind of context for understanding is that? You’ll let the fact itself explain it to you. So the point is precisely that certain supersensible things, too, must be recounted. And that there are many of them, you can gather from what I’ve hinted at today: that in the sensory world there are two appearances that conceal their own essence: the death and birth of the human being, which actually carry the supersensible into the sensory world; they are strangers in the sensory world, yet they mask themselves and pass themselves off as sensory phenomena, thereby spreading their false mask over the rest of nature as well, so that the rest of nature, too, must be viewed incorrectly by modern human beings.

[ 33 ] Diese Dinge gründlich zu verstehen, gründlich in seine Erkenntnisgesinnung aufzunehmen, das gehört zu den Anforderungen des Menschenlebens in der Zukunft, insbesondere zu den Anforderungen, die von den Zeitgeistern selber an diejenigen gestellt werden, die Erkenntnis für die Zukunft suchen wollen, die auf irgendeinem Gebiete Willen entfalten wollen. Insbesondere müßten ergriffen werden die geistigen Kulturzweige, Theologie, Medizin, Jurisprudenz, Philosophie, Naturwissenschaft, Technik selbst und soziales Leben und sogar Politik; Politik, ja, ja, wahrhaftig, auch dieses sonderbare Gebilde! In all das müßte eingeführt werden von denjenigen, welche die Zeit verstehen, das, was aus der Geisteswissenschaft folgt.

[ 33 ] To understand these things thoroughly, to assimilate them thoroughly into one’s mindset of knowledge—this is one of the requirements of human life in the future, especially among the requirements that the spirits of the age themselves place upon those who wish to seek knowledge for the future, who wish to develop their will in any field. In particular, the spiritual branches of culture—theology, medicine, jurisprudence, philosophy, the natural sciences, technology itself, social life, and even politics—must be embraced; politics, yes, yes, truly, even this peculiar construct! Into all of this, those who understand the times must introduce what follows from spiritual science.